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Faust, the Striving Human Being
Spiritual Scientific Explanations of Goethe's Faust
GA 272

15 August 1915, Dornach

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Faust, the Striving Human Being, tr. SOL
  1. Faust, der strebende Mensch Geisteswissenschaftliche

8. Mystische Erkenntnis und Geistige Offenbarung der Natur Wahrnehmung der Geister

8. Mystical Insight and Spiritual Revelation of Nature: Perception of Spirits

nach einer eurythmischen Darstellung von Fausts Himmelfahrt

following a eurythmic performance of Faust's Ascension

[ 1 ] Wir haben versucht, eurythmische Darbietungen zu geben in bezug auf Goethes «Faust» zu Ostern und zu Pfingsten und am Feste von Mariä Himmelfahrt. Es war uns in gewisser Beziehung eine Art Bedürfnis, fertig zu werden mit diesen Darbietungen gerade bis zum Feste von Mariä Himmelfahrt. Sie werden sich erinnern, daß von mir in Anknüpfung an die vorigen Darstellungen aus Goethes «Faust» versucht worden ist, zu zeigen, wie die Art, in der Goethe seine Geistesentwickelung durchgemacht hat, in hohem Grade vorbildlich wirken kann, weil wir an ihm sehen können, wie gerade die große Persönlichkeit das, was der kleinere Mensch oftmals rasch zu ergreifen glaubt, wie der Genius das langsam und allmählich sich aneignet, sich langsam und allmählich durcharbeitet zu dem Standpunkte in bezug auf eine Sache, der ihn dann befriedigen kann. Wie glaubt mancher, ein guter Christ zu sein und das Christentum zu verstehen. Wir haben darauf aufmerksam machen müssen, wie Goethe damals, als er die ersten Szenen seines «Faust» hingeschrieben hat, im Grunde genommen eine, wenn auch nicht antichristliche, so doch, man kann sagen, achristliche Empfindungsweise hatte. Man sehe sich einmal durch, was erhalten ist als der - verzeihen Sie, daß ich den geschmacklosen Titel gebrauche, aber er ist einmal üblich geworden - sogenannte «Urfaust», und was dann veröffentlicht ist unter dem besseren Titel «Faust, ein Fragment».

[ 1 ] We attempted to present eurythmy performances based on Goethe’s *Faust* at Easter, Pentecost, and the Feast of the Assumption. In a certain sense, it was a kind of necessity for us to complete these performances just in time for the Feast of the Assumption. You will recall that, building on the previous performances from Goethe’s *Faust*, I attempted to show how the way in which Goethe underwent his spiritual development can serve as a model to a high degree, because we can see in him how the great personality—unlike the lesser person, who often believes he has grasped something quickly—like the genius, slowly and gradually assimilates it, working his way slowly and gradually toward a perspective on a matter that can then satisfy him. How many people believe they are good Christians and understand Christianity! We have had to point out how Goethe, back when he wrote the first scenes of his *Faust*, essentially had a way of feeling that, while not anti-Christian, was, one might say, non-Christian. One need only look through what has been preserved as the—forgive me for using this tasteless title, but it has become customary—so-called “Urfaust,” and what was later published under the more appropriate title “Faust, a Fragment.”

[ 2 ] Wir können daraus sehen, daß Goethe ziemlich alt werden mußte, bevor er, beim Aussprechen der geheimsten Impulse seiner Seele in der bedeutungsvollen Weise diesen Dingen ein christliches Element einzufügen, in der Lage war. Unendliche Vertiefung in Welterkenntnis und Weltempfindung brauchte diese Seele. Und als das Fragment des «Faust» 1790 erschien, da war noch nicht darinnen jene Szene, die Goethe erst in einem viel reiferen Alter seines Lebens schreiben konnte, jene Szene, wo Faust zurückgenommen wird von dem Schritte, den er tun will, vom Selbstmord, durch die Osterglocken. Goethe fühlte sich erst im reifen Alter veranlaßt, dieses christliche Element in den ersten Teil seines «Faust» hineinzubringen. Viel, viel mehr muß ein solcher Genius durcherleben, durcherfahren, bis er sich zu dem in seiner Art reif fühlt, wozu sich mancher so bald sonst reif fühlt. Und wir sehen, daß Goethe wirklich dieser Ansicht war, so daß er dem «Faust», den er in seiner Jugend — aber auch schon in seiner späteren Jugend - begonnen und in gewissen Szenen durchgeführt hatte, etwas Christliches, etwas vom Christentum einfügte.

[ 2 ] We can see from this that Goethe must have reached a fairly advanced age before he was able to infuse these things with a Christian element in such a meaningful way as he did when expressing the most secret impulses of his soul. This soul required an infinite deepening of its understanding and perception of the world. And when the fragment of *Faust* appeared in 1790, it did not yet contain that scene which Goethe was only able to write at a much more mature age—the scene in which Faust is dissuaded from the step he intends to take—suicide—by the Easter bells. It was not until his mature years that Goethe felt compelled to introduce this Christian element into the first part of his *Faust*. A genius of this caliber must live through and experience far, far more before he feels ready—in his own way—for what many others feel ready for so much sooner. And we see that Goethe truly held this view, so that he inserted something Christian, something from Christianity, into *Faust*, which he had begun in his youth—but also already in his later youth—and had carried through in certain scenes.

[ 3 ] Charakteristisch ist nun, daß Goethe gewissermaßen noch einmal einen Anhub brauchte, um sich durchzuarbeiten in seiner Empfindungsweise und in der innerlichen Arbeitsweise seiner Gefühle gegenüber der Welt - ich möchte sagen durch ein Weltengebiet. aus dem die christlichen Impulse herausgerissen sind, bevor er in der neuen Weise, in dieser sein späteres Alter befriedigenden Weise, dem Christentum sich auch dichterisch nähern konnte.

[ 3 ] What is characteristic here is that Goethe, in a sense, needed another push to work his way through his mode of perception and the inner workings of his feelings toward the world—I would say, through a realm of the world from which the Christian impulses had been torn away, before he could approach Christianity poetically in this new way—a way that would satisfy him in his later years.

[ 4 ] Ich habe Sie schon gestern darauf hingewiesen, wie sach- und fachgemäß, um den pedantischen Ausdruck zu gebrauchen, der ganze Aufbau der letzten Szene von der Himmelfahrt des Faust ist, Aber wir blicken noch tiefer in die Sache hinein, wenn wir uns ein weiteres klarmachen aus den geistigen Betrachtungen heraus.

[ 4 ] I already pointed out to you yesterday how objective and professional—to use that pedantic term—the entire structure of the final scene of *Faust’s Ascension* is. But we gain an even deeper insight into the matter when we clarify another point based on these spiritual reflections.

[ 5 ] Stellen wir uns einmal vor: da tritt innerhalb einer besonders geeigneten Natur — Einöde, Bergschlucht, Felsen und alles mögliche, die einen der Mystik entsprechenden Eindruck machen - uns ein Chor, wir können uns einen Mönchs-Chor vorstellen, entgegen, der in seinem Bewußtsein das aufnimmt, was geschieht. Wir haben gehört, warum dieser Mönchs-Chor da ist, weil Goethe, um die Sache auf einen realen Boden zu stellen, dieses Bewußtsein draußen als ein Medium brauchte, damit aufgenommen wurden die Geschehnisse, die verbunden waren mit dem Hinaufstieg der Seele Fausts in die geistige Welt. Was geht vor? Der Chor weist uns zunächst darauf hin, was vorgeht. Wir können sagen: Dieser Chor empfindet dasjenige, was sonst ruhend ist, als Bewegung. Die Welt der Geister der Form beginnt langsam in die Welt der Geister der Bewegung überzugehen. Es vergeistigt sich, indem es beginnt, bewegt zu werden, dasjenige, was uns elementar entgegentritt — alles zunächst in Bewegung:

[ 5 ] Let’s imagine this: in a particularly suitable natural setting—a wilderness, a mountain gorge, rocks, and all sorts of things that evoke a mystical impression—we encounter a choir—we can imagine a choir of monks—that takes in, in its consciousness, what is happening. We have heard why this monastic choir is there: because Goethe, in order to ground the story in reality, needed this external consciousness as a medium to record the events connected with Faust’s soul’s ascent into the spiritual world. What is happening? The choir first draws our attention to what is taking place. We can say: This chorus perceives that which is otherwise at rest as movement. The world of the spirits of form is slowly beginning to transition into the world of the spirits of movement. That which confronts us in its elemental form becomes spiritualized as it begins to be set in motion—everything, at first, in motion:

Waldung, sie schwankt heran,
Felsen, sie lasten dran,
Wurzeln, sie klammern an,
Stamm dicht an Stamm hinan,
Woge nach Woge spritzt...

The forest sways as it approaches,
Rocks weigh heavily upon it,
Roots cling to it,
Trunk after trunk, close together,
Wave after wave splashes...

[ 6 ] Warum ist das? Ja, das ist deshalb, weil uns gezeigt werden soll, wie von diesem irdischen Sein, dem physischen Plane aus, eine Seele sich erheben soll in die geistige Welt hinauf. Entwunden werden dem physischen Plane soll eine Seele - der physische Plan ist auch die Natur -, entwunden werden soll sie der Natur. Wir wissen nun, daß die Natur durchsetzt ist von der elementarischen Welt, daß in dem Augenblick, wo wir übergehen vom starren Naturdasein zum elementarischen Dasein, alles wirklich in Bewegung ist. Wir können uns nicht vorstellen, daß wir die Vorstellung vom Hinaufgehen der Seele des Faust in die geistigen Welten vor unsere Seele hingezaubert erhalten könnten, wenn wir uns nicht lebendig das Lebendigwerden der Natur und das Entlassenwerden aus dem Leben der Natur gegenüber der Seele Fausts vor unser Seelenauge hinstellen können. Denn das muß schon einmal gesagt werden: Gegenüber so vielem, so unendlich vielem Ungesunden, das sich gerade in mystisch-okkulten Bewegungen geltend macht, haben wir in alldem, was anknüpfen darf an Goethes Okkultismus, etwas durch und durch Gesundes, in dem festen Boden der Weltenwirklichkeit Fußendes. - Daher wäre Goethe gar nicht imstande, anders die geistige Welt vor uns hinzustellen, als indem er sie anknüpft an das, was dem Menschen auf dem physischen Plan entgegentritt, an die Natur, indem er gleichsam zeigt, wie die Natur sich vor den gesunden Sinnen vergeistigt. Und niemals würde Goethe sein Jawort gesagt haben zu einem Okkultismus, der nicht im innigen Bunde mit einer wirklichen Liebe zur Erkenntnis und zur Durchdringung der Natur auch verbunden wäre.

[ 6 ] Why is that? Yes, it is because we are to be shown how, from this earthly existence—from the physical plane—a soul is to rise up into the spiritual world. A soul is to be freed from the physical plane—the physical plane is also nature—it is to be freed from nature. We now know that nature is permeated by the elemental world, that at the moment we transition from the rigid existence of nature to the elemental existence, everything is truly in motion. We cannot imagine that we could conjure up before our inner eye the mental image of Faust’s soul ascending into the spiritual worlds unless we can vividly picture before our inner eye the coming to life of nature and the soul’s release from the life of nature as it relates to Faust’s soul. For this must be said first and foremost: In contrast to so much—indeed, an infinite amount—of what is unhealthy, which is currently asserting itself in mystical-occult movements, we have, in all that may be linked to Goethe’s occultism, something thoroughly healthy, rooted in the firm ground of worldly reality. - Therefore, Goethe would be entirely incapable of presenting the spiritual world to us in any other way than by linking it to what confronts human beings on the physical plane—to nature—by showing, as it were, how nature becomes spiritualized before healthy senses. And Goethe would never have given his approval to a form of occultism that was not also intimately linked to a genuine love of knowledge and of penetrating the nature of the world.

[ 7 ] Wir können ungeheuer viel tun zur Gesundung unserer geisteswissenschaftlichen Anschauung, wenn wir uns bestreben, die Geheimnisse der Natur zu überschauen. Es ist das in unserer Zeit schwierig, weil — wie dies gestern gezeigt werden mußte für die Forschung zum Beispiel der Weisheit des Bakis oder anderer Dinge, die im geistigen Werden uns vor die Seelenaugen treten - in so törichter Art an die Natur herangegangen wird. Und wie ist es? Ebenso, wie jene scheinbar unendlich tiefsinnige Erklärung der acht Zeilen Goethes, die sich beziehen sollen auf alles Mögliche, während sie sich auf Pantoffeln und Zigarren beziehen, geradeso ist es in Wirklichkeit mit manchem, was heute von der Wissenschaft über die Natur gesagt wird. Sie sehen, wie vieles, was heute als Naturwissenschaft figuriert, sich genau so verhält zu der Wahrheit, wie das, was gestern Ihnen mitgeteilt worden ist als philologische Wissenschaft, und wie Goethes Weisheit sich zu dem verhält, worauf es sich in Wirklichkeit bezieht. Daher ist es in unserer Zeit schwierig, von der Wissenschaft ausgehend jenes Verhältnis zu der Natur zu gewinnen, das Goethe eigentlich hat. Aber wir müssen unablässig streben, unseren Okkultismus durchaus gesund zu gestalten. Und da gibt es für unsere Zeit keinen besseren, keinen würdigeren Ausgangspunkt als das, was Goethe gerade zum Okkultismus hinzugesteuert hat.

[ 7 ] We can do an immense amount to restore our perspective on Spiritual Science if we strive to grasp the mysteries of nature. This is difficult in our time because—as had to be demonstrated yesterday in relation to research into, for example, the wisdom of the Bakis or other things that appear before our soul’s eyes in spiritual development—nature is approached in such a foolish manner. And how is it? Just as with that seemingly infinitely profound interpretation of Goethe’s eight lines, which are supposed to refer to all manner of things while in fact they refer to slippers and cigars—so it is in reality with much of what science says about nature today. You see how much of what passes for natural science today stands in exactly the same relationship to the truth as what was described to you yesterday as philological science, and how Goethe’s wisdom stands in relation to what it actually refers to. That is why it is difficult in our time, starting from science, to attain that relationship to nature that Goethe actually had. But we must strive unceasingly to shape our occultism in a thoroughly sound manner. And for our time, there is no better, no more worthy starting point than what Goethe has just contributed to occultism.

[ 8 ] Wir sehen, wie im Bewußtsein des Chores — wobei dieses sich nun wirklich hineinstellt in das Unpersönliche der Natur, indem das Echo mitklingt — das Geistige der Natur sich losringt. Und wir können nun gleich hoffen, daß dasselbe Bewußtsein, das imstande ist, die Natur so zu durchschauen, daß alles tief aus der Natur herauskommt, die emporsteigende Seele mitschaut. Indem man es erst überhaupt sieht, schaut inan es mit der im Geiste emporsteigenden Seele, ganz hineingestellt in das wirkliche Leben. Aber wie kommt man zu der Anschauung dieser geistigen Welt? Ich habe schon gestern erwähnt: in drei Stufen wird es uns würdig dargestellt, indem hinzutritt zu dem Bewußtsein des Chors, der ein allgemeines Bewußtsein davon hat, daß innerhalb der Natur geistige Wesenheit verborgen ist, das Bewußtsein des Pater ecstaticus, das Bewußtsein des Pater profundus, das Bewußtsein des Pater Seraphicus: aufeinanderfolgende Stufen seelischer Entwickelung sind das. Wie die mystische Entwickelung von der Selbstvertiefung und dem Selbst sich erhebt zu dem Durchschauen weiterer Geistigkeit der Natur, als der Chor das durchschauen kann, das wird uns beim Übergang vom Pater ecstaticus zum Pater profundus gezeigt, und dann beim Übergang vom Pater profundus zum Pater Seraphicus, wie die Seele sich gesund entwickeln kann, wirklich hinein sich entwickeln kann in die geistige Welt, so daß sie die geistige Welt in ihren Urtiefen offenbar schauen kann. Dazu hatte Goethe die Anleitung schon früh in seiner Jugend erhalten, als er erfuhr, was Swedenborg für einen Verkehr mit der Geisterwelt hatte. Wir wissen, daß wir diesen nicht allzuhoch einzuschätzen haben, aber für Goethe war das eine mächtige Anregung. Swedenborg erzählt ja, daß er mit geistigen Wesen so verkehrte, daß diese ganz nahe an seinen Kopf herankamen, daß sie von seinen Sinnesorganen Besitz ergriffen, daß sie, durch seine Augen geführt, die Welt sehen, und selbstverständlich ganz anders das Gehörte und Gesehene mitteilen können als die Menschenseele. So erlebt Swedenborg durch jene englischen Wesen, welche in sein Sinnesorgan eingehen, die geistige Welt. Das machte auf Goethe einen großen Eindruck, dies Eingehen der Geister in den menschlichen Organismus. So daß es in einer gewissen Beziehung ihm ganz vertraut geworden war, wie ein solcher Geist umgeht mit der geistigen Welt. Goethe waren überhaupt diese Dinge ganz vertraut. Was wir hier noch nicht darstellen konnten - später werden wir es einmal, wenn unser Bau fertig ist —, das ist die Tatsache, daß der Pater ecstaticus auf und ab schwebt. Goethe schreibt am 26. Mai 1787 über Filippo Neri: «Im Laufe seines Lebens entwickelten sich in ihm die höchsten Gaben des religiösen Enthusiasmus: die Gabe der Tränen, der Ekstase und zuletzt sogar des Aufsteigens vom Boden und des Schwebens über demselben, welches von allen für das Höchste gehalten wird.»

[ 8 ] We see how, in the consciousness of the chorus—which now truly immerses itself in the impersonal nature as the echo resounds—the spiritual aspect of nature breaks free. And we can now hope that the very same consciousness, which is capable of penetrating nature in such a way that everything emerges from deep within nature, will also witness the soul’s ascent. Only by first seeing it at all can one look upon it with the soul ascending in the spirit, fully immersed in real life. But how does one arrive at a vision of this spiritual world? As I mentioned yesterday: it is worthily presented to us in three stages, as we progress from the consciousness of the choir—which has a general awareness that spiritual beings are hidden within nature—to the consciousness of the Pater ecstaticus, the consciousness of the Pater profundus, and the consciousness of the Pater Seraphicus: these are successive stages of soul development. How mystical development rises from self-contemplation and the self to a perception of nature’s deeper spirituality—beyond what the Chorus can perceive—is shown to us in the transition from the Pater ecstaticus to the Pater profundus, and then, in the transition from the Pater profundus to the Pater Seraphicus, how the soul can develop healthily, can truly develop inward into the spiritual world, so that it can clearly perceive the spiritual world in its deepest depths. Goethe had received guidance on this early in his youth, when he learned of Swedenborg’s communion with the spirit world. We know that we should not place too high a value on this, but for Goethe it was a powerful inspiration. Swedenborg recounts, after all, that he communicated with spiritual beings in such a way that they came very close to his head, that they took possession of his sense organs, that, guided through his eyes, they saw the world, and—naturally—were able to convey what they heard and saw in a way entirely different from that of the human soul. Thus, through those English beings who entered his sense organs, Swedenborg experienced the spiritual world. This—the entry of spirits into the human organism—made a great impression on Goethe. So much so that, in a certain sense, it had become quite familiar to him how such a spirit interacts with the spiritual world. These things were, in general, quite familiar to Goethe. What we have not yet been able to describe here—we will do so later, once our building is complete—is the fact that the *Pater ecstaticus* hovers up and down. On May 26, 1787, Goethe wrote about Filippo Neri: “In the course of his life, the highest gifts of religious enthusiasm developed within him: the gift of tears, of ecstasy, and finally even that of rising from the ground and hovering above it, which is considered by all to be the highest.”

[ 9 ] Ich möchte dies ausdrücklich erwähnen, weil ich Ihnen sagen muß, daß Goethe dies nicht etwa unbewußt oder wie ein bloßes Phantasiebild hingeschrieben hat, sondern daß er sehr wohl bewandert war in diesen Dingen, daß er sie kannte, tief kannte. Also er läßt den Pater ecstaticus nicht einfach auf und ab schweben, weil es ihm so einfällt; wir müssen bedenken, daß Goethe ein Mann war, der von Filippo Neri so sprach. Das vertieft ungeheuer das Gefühl. Viel weniger auf geistreiche Erklärungen kommt es bei diesen Dingen an, viel mehr darauf, sich hineinzuversenken in Goethes Seele, wie tief er in seiner Seele verbunden war mit diesem Hinaufsteigen des Menschen auf diesem Pfad der mystischen Erkenntnis. Und dann sehen wir, es zeigt uns der Pater ecstaticus, wie die Seele innerlich etwa in der Art des Meister Eckart oder Johannes Taulers oder des Suso aufnimmt das göttliche Walten, so daß die Seele soweit kommt, mit dem Meister Eckart sich zu gestehen: «Nicht ich, sondern der Gott in mir will und denkt und fühlt.» Denn steigt die Seele weiter auf, so wird ihr aus der elementaren Welt die geistige Offenbarung in der Natur, wie wir das beim Pater profundus sehen, dessen Inneres sich ausdehnt über das Ganze, Allwaltende der Natur.

[ 9 ] I would like to mention this explicitly because I must tell you that Goethe did not write this unconsciously or as a mere figment of his imagination, but rather that he was very well versed in these matters—that he knew them, knew them deeply. So he does not simply have the *Pater ecstaticus* floating up and down because it occurs to him; we must bear in mind that Goethe was a man who spoke of Filippo Neri in this way. This deepens the feeling immensely. What matters far less in these matters are witty explanations; what matters far more is immersing ourselves in Goethe’s soul—how deeply he was connected, in his soul, to this ascent of the human being along this path of mystical knowledge. And then we see—as the Pater ecstaticus shows us—how the soul inwardly, in the manner of Meister Eckhart, Johannes Tauler, or Suso, receives the divine working, so that the soul reaches the point where, with Meister Eckhart, it confesses: “It is not I, but the God within me who wills, thinks, and feels.” For as the soul ascends further, spiritual revelation in nature emerges for it from the elemental world, as we see in the Pater profundus, whose inner being expands to encompass the whole, all-pervading reality of nature.

[ 10 ] Dann steigt die Menschenseele, indem sie das durchgemacht hat, hinauf zu dem unmittelbaren Verkehr mit der geistigen Welt, wie wir das beim Pater Seraphicus sehen, der nun wirklich in sein Bewußtsein hereinbekommt die Wahrnehmung von solchen Geistern, wie es die seligen Knaben sind, die Mitternachtsgeborenen, die als geistige Wesenheiten dadrinnen leben in all dem geistigen Weben und Leben, das sich zwischen den Wohnungen der Anachoreten und der Mönche hier entwickelt.

[ 10 ] Then, having gone through this, the human soul ascends to direct communion with the spiritual world, as we see in the case of Father Seraphicus, who now truly brings into his consciousness the perception of spirits such as the blessed boys, the midnight-born, who live there as spiritual beings amidst all the spiritual activity and life that unfolds between the dwellings of the anchorites and the monks here.

[ 11 ] So tritt uns ganz lebendig entgegen — und auf die Vorstellung dieses Lebendigen kommt es an -, daß Goethe Faustens Seele in die geistige Welt hinaufgeleitet, daß er aber dazu eine spirituelle Szenerie braucht. Wir können vermuten, wie die Natur zuerst in Bewegung gerät, wie sich das elementarische Leben aus der Natur heraus erhebt, wie dann die Naturwesen übergehen in die Bewußtseine, die immer höhere sind, mit der Seele übergehen in das Umfangen von geistigen Wesenheiten, wie es die seligen Knaben sind, und wie es dann sein können die Seelen der Büßerinnen und auch die Seele des Faust selber. In der ganzen spirituellen Szenerie steckt das darinnen. Und dann fortwährend wunderbare Steigerungen bis zum Schlusse hin, wo der Chorus mysticus das Weltgeheimnis ausspricht, wo wir sehen, wie unser geistiges Auge heraufgehoben wird in eine geistige Welt. Wir machen den Aufstieg mit von dem Stehen in der Natur und auf dem festen Boden des physischen Planes zu den geistigen Welten, in welche die Seele des Faust aufgenommen wird.

[ 11 ] Thus it comes across to us very vividly—and it is the mental image of this vividness that matters—that Goethe guides Faust’s soul up into the spiritual world, but that he needs a spiritual setting to do so. We can imagine how nature first comes into motion, how elemental life rises up from nature, how the beings of nature then transition into states of consciousness that are ever higher, joining the soul in embracing spiritual beings—such as the blessed boys—and how this may also include the souls of the penitent women and even the soul of Faust himself. All of this is contained within the entire spiritual scene. And then there are continuous, wondrous escalations right up to the end, where the *Chorus mysticus* proclaims the mystery of the world, where we see how our spiritual eye is lifted up into a spiritual world. We make the ascent from standing in nature and on the solid ground of the physical plane to the spiritual worlds into which Faust’s soul is received.

[ 12 ] Zu Goethes Lebzeiten war vom «Faust» nur veröffentlicht der erste Teil, wie wir ihn jetzt haben. Dann die Szene: «Anmutige Gegend», Faust auf blumigen Rasen gebettet. Dann einzelne Teile der Szene am «Kaiserhof» vom ersten Akt des zweiten Teiles. Darin ein Übergang zum Hingehen zu der «Klassischen Walpurgisnacht», diese aber selber nicht, und dann die «Helena-Szene».

[ 12 ] During Goethe’s lifetime, only the first part of *Faust*—as we know it today—had been published. Then comes the scene “Charming Countryside,” with Faust reclining on a flower-strewn lawn. Then individual parts of the “Imperial Court” scene from the first act of the second part. This includes a transition leading up to the “Classical Walpurgis Night”—though not the scene itself—and then the “Helena scene.”

[ 13 ] Es haben sich manche Menschen Gedanken gemacht, noch zu Goethes Lebzeiten, wie der «Faust» vollendet werden könnte. Wenn man diese Gedanken verfolgt — und solche sind ja auch gedruckt worden -, so findet man überall, daß die Leute schon gewußt haben: Fausts Seele muß erlöst werden, muß in die geistige Welt hinaufkommen. Aber alle die Vorstellungen, die sich die Menschen gemacht haben, haben etwas - man kann es nicht anders sagen — abstrakt vages, etwas außerordentlich vages. Goethe sagte dann zu Eckermann einmal, daß er die christlichen Bilder zu Hilfe rufen mußte, um aus dem Vagen in das hineinzukommen, was er als eine geistige Wirklichkeit hinstellen wollte.

[ 13 ] Even during Goethe’s lifetime, some people had been pondering how *Faust* might be brought to completion. If one traces these thoughts—and indeed, some of them were even published—one finds everywhere that people already knew: Faust’s soul must be redeemed; it must ascend into the spiritual world. But all the mental images people formed had something—one cannot put it any other way—abstractly vague, something extraordinarily vague. Goethe then said to Eckermann once that he had to call upon Christian imagery to move from the vague into what he wanted to present as a spiritual reality.

[ 14 ] Und so tritt uns denn noch einmal in Goethes höchstem Alter dieses Wunderbare entgegen. Bedenken Sie, daß Goethe hingeschrieben hat das ganze Heidnische, das ganze Vorchristliche: die Verbindung des Faust mit der Helena. Dann wiederum etwas, was gewiß nicht antichristlich ist: den vierten Akt des «Faust», daß er erst, nachdem er noch einmal untergetaucht ist in dasjenige, worin nicht unmittelbar christliche Impulse wirken, nachdem er noch einmal sich da durchgewunden hat wiederum, indem er das Rätsel des Faust im höchsten Sinne vor uns hinstellen soll, daß er erst im höchsten Alter aus allem Heidenkultus heraus in den «Faust» das Christentum hineinpflanzen muß. Achtzig Jahre mußte Goethe alt werden, damit er sich sagen kann, er ist imstande, die christliche Vorstellungen so zu verwenden, daß sie eine Umkleidung sind für den Weg, den die Seele des Faust zu gehen hat.

[ 14 ] And so, once again, in Goethe’s twilight years, we encounter this marvel. Consider that Goethe wrote down the entirety of the pagan, the entirety of the pre-Christian: the connection between Faust and Helen. Then again, something that is certainly not anti-Christian: the fourth act of *Faust*, in which he only, after once more immersing himself in that which is not directly influenced by Christian impulses, after he has once again wriggled his way through it—so that he might present the mystery of Faust to us in the highest sense—that only in his twilight years, having emerged from all pagan cults, must he implant Christianity into *Faust*. Goethe had to live to be eighty years old before he could say that he was capable of using Christian mental images in such a way that they serve as a garment for the path that Faust’s soul must take.

[ 15 ] Es sind wirklich von Goethe die Wege gemacht worden, die wir in der Geisteswissenschaft als Wege bezeichnen, den Christus-Impuls immer mehr und mehr zu begreifen. Und zu den Anfängen des Begreifens, die wir jetzt durchmachen konnten, werden in der Zukunft viele andere noch kommen, wenn wir einmal nicht mehr dabei sein können, oder in folgenden Inkarnationen dabei sein können. Mit dem, was von der Geisteswissenschaft durchgemacht werden muß, wurde von Goethe der Anfang gemacht: mit dem Durchdringen der Wirklichkeit dasjenige zu verbinden, was in unserer Seele strömt durch den Christus-Impuls. Und in ungeheurer Tiefe hat Goethe dies dargestellt, aber so, daß es immer anschaulich ist, daß es immer sachgemäß ist.

[ 15 ] It was truly Goethe who paved the way—the path we in Spiritual Science refer to as the path to understanding the Christ impulse more and more deeply. And in addition to the first steps toward understanding that we have now been able to take, many others will follow in the future—even when we are no longer here, or in subsequent incarnations. Goethe laid the foundation for what must be accomplished through Spiritual Science: connecting the penetration of reality with that which flows within our souls through the Christ impulse. And Goethe portrayed this with immense depth, yet in such a way that it is always vivid and always appropriate.

[ 16 ] Da steht die Natur vor uns. Der Chor der Mönche, der zunächst auf das Geistige hinweisend uns entgegentritt, sieht aus der Natur die Elemente hervorgehen, und zu den Elementen hinzu gesellen sich geistigseelische Wesenheiten, das kommt aus der Natur heraus. Das empfand Goethe schon als spezifisch christliche Anschauung. Es kommt beim Christentum nicht darauf an, daß man immer sagt: Christus, Christus und wieder Christus! Es kommt beim Christentum nicht darauf an, daß man die christlichen Dogmen immer wiederholt. Es ist eine Art, zu empfinden, sich zur Welt zu stellen. Und dieses Empfinden, dieses Sich-zur-Welt-Stellen kommt in einer wunderbaren Weise dadurch heraus, wie es bei Goethe dargestellt ist. Wie dieses Empfinden die letzten Szenen des «Faust» durchlebt und durchwebt, das ist in eminentestem Sinne christlich, und seine Christlichkeit tritt uns dadurch besonders entgegen, daß der ganze «Faust» — trotzdem manches Fragment und manches unvollendet geblieben ist — künstlerisch so groß, so gewaltig konzipiert ist, daß man erst nach und nach auf die gewaltige künstlerische Konzeption kommt.

[ 16 ] There, nature stands before us. The choir of monks, which at first confronts us as a symbol of the spiritual, sees the elements emerging from nature, and spiritual-soul beings joining these elements—this comes forth from nature. Goethe already perceived this as a specifically Christian view. Christianity is not about constantly saying: Christ, Christ, and Christ again! Christianity is not about endlessly repeating Christian dogmas. It is a way of feeling, of relating to the world. And this feeling, this way of relating to the world, emerges in a wonderful way through Goethe’s portrayal. The way this sensibility permeates and weaves through the final scenes of *Faust* is Christian in the most eminent sense, and its Christian character is particularly evident to us in that the entire *Faust*—despite the fact that many fragments and parts remain unfinished—is conceived artistically on such a grand, such a monumental scale that one only gradually comes to appreciate the sheer magnitude of its artistic conception.

[ 17 ] Und es steht vor uns das breite natürliche Dasein des physischen Planes, das wir im echt christlichen Sinne übergehen sehen in das elementarische und echt geistige Dasein. Da hinein wird Faust geführt, nachdem er seine Verbindung mit der Helena, mit der antiken geistigen Welt durchgemacht hat. Da stehen wir auch geistigen Wesenheiten gegenüber. Helena wird heraufgeführt aus der Unterwelt. Faust begegnet sich mit ihnen. Von einem Chor ist sie umgeben, zwölf Chorpersönlichkeiten umgeben die Helena. Als die Helena wiederum zurückkehrt zur Unterwelt, da steht der Chor da, und der Chor zeigt sich uns an diesem Ende des dritten Aktes als noch nicht voll zur Menschlichkeit gereift wie elementarische Wesen. Und wie verschwindet der Chor im dritten Akt des zweiten Teiles des Goetheschen «Faust»? Das ist sehr interessant! Da haben wir es auch mit elementarischen Wesenheiten zu tun. Und als Helena verschwindet, verschwindet auch der Chor dieser elementarischen Wesenheiten. Der Chor teilt sich in vier Teile. Das eine Viertel des Chores, was wird es? Nun - je drei Personen des Chores beschreiben es selber, wie sie verschwinden: sie verschwinden hinein in die Natur. Da, wo Goethe das Heidnische darstellt, zeigt er uns die elementarischen Wesenheiten, die als der Zwölfchor um Helena stehen, die verschwinden jetzt, sie gehen in die Natur. Fühlen Sie es, wie der erste Teil des Chors hineingeht in die Natur:

[ 17 ] And before us lies the vast, natural existence of the physical plane, which we see, in the true Christian sense, transitioning into the elemental and truly spiritual existence. Faust is led into this realm after he has experienced his connection with Helena and with the ancient spiritual world. There, too, we encounter spiritual beings. Helena is brought up from the underworld. Faust encounters them. She is surrounded by a chorus; twelve choral figures surround Helena. When Helena returns to the underworld, the chorus remains, and at the end of the third act, the chorus reveals itself to us as elemental beings who have not yet fully matured into humanity. And how does the chorus disappear in the third act of the second part of Goethe’s *Faust*? That is very interesting! Here, too, we are dealing with elemental beings. And as Helena disappears, so does the chorus of these elemental beings. The chorus divides into four parts. What becomes of one quarter of the chorus? Well—three members of the chorus each describe for themselves how they disappear: they disappear into nature. Where Goethe depicts the pagan, he shows us the elemental beings who stand around Helena as the Chorus of the Twelve; they now disappear—they go into nature. Can you feel how the first part of the chorus enters into nature:

Wir, in dieser tausend Äste Flüsterzittern, Säuselschweben,
Reizen tänzelnd, locken leise, wurzelauf des Lebens Quellen
Nach den Zweigen; bald mit Blättern, bald mit Blüten überschwenglich
Zieren wir die Flatterhaare frei zu luftigem Gedeihn.

We, in this whispering tremor of a thousand branches, this murmuring float,
Tempting as we dance, softly beckoning, the roots of life’s springs
Up the branches; now with leaves, now with blossoms, exuberantly
We adorn the fluttering tresses, free to flourish in the air.

[ 18 ] Das heißt, diese Wesen des Chors werden Bäume, werden Natur. Sie dürfen uns dann, wenn sie uns wieder entgegenkommen, aus den christlichen Impulsen heraus entgegenkommen als

[ 18 ] This means that these beings of the choir become trees, become nature. When they come toward us again, they may do so—drawing on Christian impulses—as

Waldung, sie schwankt heran.

The forest approaches, swaying.

[ 19 ] Die heidnischen Elementargeister verschwinden in die Natur hinein, und sie treten da, wo der Christus-Impuls sich mit der Erde lebendig verbunden hat, wiederum hervor. Oh, wie wunderbar dieser Chor mit der Helena da verschwindet, und dann — wir wissen es aus der letzten Szene - als die Wesenheiten, die als selige Knaben den Christus-Impuls empfangen haben, heraustreten aus der Natur. Und nehmen Sie gleich noch den andern Teil des Chores:

[ 19 ] The pagan elemental spirits disappear into nature, and they reemerge where the Christ impulse has formed a living connection with the Earth. Oh, how wonderful it is when this chorus disappears with Helena, and then—as we know from the last scene—the beings who received the Christ impulse as blessed boys emerge from nature. And consider the other part of the chorus as well:

Wir, an dieser Felsenwände weithinleuchtend glattem Spiegel
Schmiegen wir, in sanften Wellen uns bewegend, schmeichelnd an;
Horchen, lauschen jedem Laute, Vogelsingen, Röhrigflöten.

We nestle against these rock faces, smooth as a mirror shining far and wide
moving in gentle waves, caressing them;
listening, attuned to every sound—birdsong, the whistling of flutes.

[ 20 ] Wahrhaftig, das sind dieselben Felsen, in die hineingeschlüpft sind diese Elementarwesen, die dann «anklammern», und aus denen uns herauskommen später die Wesen der geistigen Welt, die aus der Erde, nachdem sie den Christus-Impuls empfangen haben, herauskommen.

[ 20 ] Truly, these are the very same rocks into which these elemental beings have slipped, to which they then “cling,” and from which later emerge the beings of the spiritual world—those who emerge from the earth after receiving the Christ impulse.

[ 21 ] Da sehen Sie, wie tief empfunden dieses Faust-Gedicht ist, wie da noch andere Zusammenhänge darinnen sind, als die gewöhnlich beobachteten. Und auf diese Zusammenhänge kommt es ja so sehr an. Dessen war sich Goethe bewußt. Daß er sich dessen bewußt war, geht aus einer ganz bestimmten Andeutung hervor, die Goethe geben wollte, als er noch nicht ganz fertig war mit dem dritten Akt des zweiten Teiles des «Faust». Er hatte ihn ungefähr bis zu dem Verschwinden der Helena und bis zu dem «In die Natur hineingehen» dieser elementarischen Chorwesenheiten vollendet, gerade bis zu dieser Szene, ungefähr so weit, als ich jetzt gelesen habe. Dann wollte er, was er in einer gewissen Weise getan hat zum Schlusse des dritten Aktes, aus der Phorkyas den Mephisto entstehen lassen, und nun sollte Mephisto aussprechen, was Goethe beim Abschluß seines «Faust» mit diesem Faust eigentlich gewollt hat. Daß er es gerade durch den Mund des Mephisto sprechen ließ, das liegt in Aufführungsgründen, weil Mephisto gewissermaßen derjenige ist, der den dritten Akt doch zustande bringt. Der dritte Akt ist ja als klassisch-romantische Phantasmagorie einverleibt dem «Faust». Mephisto ist gewissermaßen derjenige, der mit einer Art spiritistischen Laboratoriumsmagie den dritten Akt einführt, er soll sagen, was Goethe eigentlich will, indem er den «Faust» fortführt. In einer Zeit, in der Goethe schon einsieht, daß er ihm den Christus-Impuls einverleiben muß, da will er sagen durch den Mephistopheles: Gewiß, es hat immer Zeiten gegeben, welche erkannt haben, daß auf dem Grunde des Sinnendaseins spirituelles Dasein ruht. Wir können zurückgehen in die Mystik des alten Indiens, des alten Ägyptens: da hat man gewußt und dargestellt, daß auf dem Grunde des natürlichen Daseins Geistiges ist. Aber es ziemt uns nicht — wollte Goethe sagen -, heute dies Geistige so aufzufassen, wie es in diesen alten Mystiken aufgefaßt worden ist. Der Christus-Impuls hat etwas gegenüber allen alten Mystiken und gegenüber aller uralten Weisheit völlig Neues in die Welt gebracht. Das Alte kann uns nicht mehr dienen. — Das wollte Goethe sagen. Und ich behaupte es nicht nur, daß er es hat sagen wollen, sondern die Stelle ist erhalten, sie ist jetzt nicht im «Faust» darinnen, aber die Stelle ist erhalten, von Goethe konzipiert, von seinem Schreiber mit Korrekturen noch versehen, die Goethe angegeben hat. Dort ist am Ende des dritten Aktes gesagt, wie er den neueren Christus-Impuls gerade für seinen «Faust» fordert, wie er nicht etwa irgendeine uralte Weisheit will, sondern etwas völlig Neues im Sinne des Christus-Impulses. Denn Mephisto sollte, indem er vor das Publikum hintreten soll, die folgenden Worte sprechen:

[ 21 ] There you can see how deeply felt this poem from *Faust* is, how it contains other layers of meaning beyond those usually observed. And these layers of meaning are, after all, what really matter. Goethe was well aware of this. That he was aware of this is evident from a very specific hint that Goethe intended to give when he had not yet quite finished the third act of the second part of *Faust*. He had completed it roughly up to Helena’s disappearance and up to the “going out into nature” of these elemental choral beings—precisely up to this scene, about as far as I have just read. Then he wanted—as he did, in a certain sense, at the end of the third act—to have Mephisto emerge from Phorkyas, and now Mephisto was to articulate what Goethe had actually intended for Faust at the conclusion of his *Faust*. The fact that he had it spoken precisely through Mephisto’s mouth is due to staging considerations, because Mephisto is, in a sense, the one who ultimately brings about the third act. The third act, after all, is incorporated into *Faust* as a classical-romantic phantasmagoria. Mephisto is, in a sense, the one who introduces the third act with a kind of spiritualistic laboratory magic; he is meant to articulate what Goethe actually intends by continuing *Faust*. At a time when Goethe already recognizes that he must incorporate the Christ impulse into his work, he wants to say through Mephistopheles: Certainly, there have always been eras that recognized that spiritual existence rests at the foundation of sentient existence. We can look back to the mysticism of ancient India and ancient Egypt: there it was known and depicted that the spiritual lies at the foundation of natural existence. But it does not befit us—Goethe wanted to say—to understand this spiritual today in the same way it was understood in those ancient mystical traditions. The Christ impulse has brought something entirely new into the world, something that stands in contrast to all ancient mystical traditions and to all primeval wisdom. The old can no longer serve us. — That is what Goethe meant to say. And I do not merely assert that he intended to say it; the passage has been preserved—it is not currently included in *Faust*, but the passage has been preserved, conceived by Goethe and even annotated by his scribe with corrections that Goethe himself indicated. There, at the end of the third act, it is stated how he demands the newer Christ impulse specifically for his *Faust*, how he does not want just any ancient wisdom, but something entirely new in the spirit of the Christ impulse. For Mephisto, when he is to step forward before the audience, was to speak the following words:

Genug, ihr seht ihn,

Enough, you can see him,

[ 22 ] - gemeint ist Euphorion —

[ 22 ] — this refers to Euphorion —

ob es gleich viel schlimmer ist
Als auf der britischen Bühne, wo ein kleines Kind
Sich nach und nach herauf zum Helden wächst.
Hier ist’s noch toller. Kaum ist er gezeugt,
So ist er auch geboren,
Er springt, tanzt und spricht ein zierlich Wort.
Tadeln viele das,
So denken andere, dies sei nicht so grad
Und gröblich zu verstehen, dahinter stecke was.
Man wittert wohl Mysterien, vielleicht auch gar
Mystifikationen, Indisches und auch
Agyptisches, und wer das recht zusammenkneipt,
Zusammenbraut, etymologisch hin und her
Sich zu bewegen Lust hat, ist der rechte Mann.

whether it’s really that much worse
than on the British stage, where a small child
gradually grows into a hero.
Here it’s even more amazing. No sooner is he conceived,
Than he is born,
He jumps, dances, and utters a dainty word.
Many criticize this,
While others think it’s not quite so simple
And that, taken at face value, there’s more to it.
One senses mysteries, perhaps even
mystifications, Indian and also
Egyptian elements, and whoever can really piece it all together,
brew it up, moving back and forth etymologically
and takes pleasure in doing so, is the right man.

[ 23 ] Goethe ahnt schon etwas voraus von jenen Lehren, die gekommen sind und alles etymologisch zusammengebraut haben, er will aber von all denen nichts wissen, denn er läßt hier sagen:

[ 23 ] Goethe already senses something of those theories that were to come and that have muddled everything etymologically, but he wants nothing to do with any of them, for he has his character say here:

Wir sagen’s auch und unseres tiefen Sinnes wird
Der neueren Symbolik treuer Schüler sein.

We say it too, and our deepest meaning will
be that of a faithful disciple of the newer symbolism.

[ 24 ] Das spricht Goethe aus: nicht ägyptisch, nicht indisch, sondern «der neueren Symbolik treuer Schüler sein»!

[ 24 ] Goethe puts it this way: not Egyptian, not Indian, but “to be a faithful disciple of modern symbolism”!

[ 25 ] Dann kam er dazu — nicht bloß, indem er etwa da oder dort ein Christliches angebracht hat, sondern indem er die ganze Art und Weise der Seele, sich zu stellen, in den Fluß seines Schaffens hineingeheimnißt hat -, auf diese Art den Christus-Impuls seinem «Faust» einzuverleiben. Und wie wir sehen, tut er das. Wir sehen, wie er wirklich den Gang der Mystik kennt an der Steigerung der drei Patres, und wir finden auf der andern Seite, wie er ganz wunderbar den erst einheitlichen Engelchor trennt in zwei Gruppen: in den Chor der jüngeren Engel und in den Chor der vollendeteren Engel. Und wenn man liest, was die jüngeren Engel sagen und was die vollendeteren Engel sagen, so finden wir wiederum etwas ganz Merkwürdiges. Nehmen Sie das, was die jüngeren Engel sagen zunächst:

[ 25 ] Then he succeeded—not merely by inserting a Christian element here and there, but by weaving the very manner in which the soul presents itself into the flow of his creative work—in this way incorporating the Christ impulse into his *Faust*. And as we see, he does just that. We see how he truly understands the path of mysticism in the progression of the three Fathers, and on the other hand, we find how he wonderfully divides the initially unified choir of angels into two groups: the choir of the younger angels and the choir of the more perfected angels. And when we read what the younger angels say and what the more perfect angels say, we again find something quite remarkable. Take, first of all, what the younger angels say:

Jene Rosen, aus den Händen
Liebend-heiliger Büßerinnen

Those roses, from the hands
of loving, holy penitent women

[ 26 ] - man muß sich an die vorhergehende Szene erinnern —

[ 26 ] — one must recall the preceding scene —

Halfen uns den Sieg gewinnen
Und das hohe Werk vollenden,
Diesen Seelenschatz erbeuten.
Böse wichen, als wir streuten,
Teufel flohen, als wir trafen.
Statt gewohnter Höllenstrafen
Fühlten Liebesqual die Geister;
Selbst der alte Satansmeister
War von spitzer Pein durchdrungen.
Jauchzet auf! es ist gelungen.

Helped us win the victory
And complete this noble work,
Capturing this treasure of the soul.
Evil retreated as we scattered,
Demons fled as we struck.
Instead of their usual hellish torments
The spirits felt the pangs of love;
Even the old master of Satan
Was pierced by acute torment.
Rejoice! We have succeeded.

[ 27 ] Aber die Engel sind schon in den vorhergehenden Szenen wahrzunehmen. Das sind jetzt die Jüngeren Engel. Man kann gar nicht sagen, wie tief man berührt ist, wenn man das Sachgemäße einer solchen Darstellung auf sich wirken läßt. Die jüngeren Engel — weshalb das, die jüngeren Engel? Das heißt: sie sind jünger, sie haben noch nicht so viel Zusammenhang mit der irdischen Welt.

[ 27 ] But the angels can already be seen in the preceding scenes. These are the younger angels. It is impossible to describe just how deeply one is moved when one allows the appropriateness of such a depiction to sink in. The younger angels—why the younger angels? That is to say: they are younger; they do not yet have as much connection to the earthly world.

[ 28 ] Die Engel sind in der vorchristlichen Zeit diejenigen Wesen, welche überhaupt ihr Antlitz verhüllen vor der Menschwerdung auf Erden, welche sich in der vorchristlichen Zeit in das nicht mischen, was da irdisch unten vorgeht. Sie bleiben ganz oben in geistigen Sphären.

[ 28 ] In pre-Christian times, angels are those beings who generally conceal their faces before taking on human form on Earth, and who, in pre-Christian times, do not interfere with what is happening down here on Earth. They remain high above in the spiritual spheres.

[ 29 ] Nun denken Sie einmal, wie charakteristisch diese jüngeren Engel, die noch nicht den Anschluß gefunden haben an die christliche Sphäre, sondern die da oben sind, die noch nicht heruntergestiegen sind während der christlichen Sphäre, wie charakteristisch diese sind! Denken Sie daran, wie die Elohim bei der Schöpfung der Welt charakterisiert sind. Nachdem uns die Schöpfung von Tag zu Tag dargestellt wird, wird uns dann am Schlusse gesagt: «Und sie sahen, daß es gut war», oder «schön» war. Es ist das Wort schwierig zu übersetzen, das da steht. Das heißt, die Elohim sind solche geistige Wesen, daß sie zuerst die Dinge machen und nachher sehen, daß es schön war. Das ist es, worauf es ankommt. Das ist die andere Art von Wesenheiten, die auf dem alten Monde ihre Vollendung erlangt haben, und nun ins Erdendasein geistig übergehen, zuerst tun und dann schauen und wahrnehmen, daß es gelungen ist. Diese jüngeren Engel müssen die Wahrnehmung dieser geistigen Wesenheiten haben, sie müssen zuerst sagen, was sie getan haben. Jetzt werden sie gewahr, daß sie Rosen gestreut haben aus den Händen der Büßerinnen, daß sie selbst dem alten Satansmeister Pein gemacht haben.

[ 29 ] Now just think how distinctive these younger angels are—those who have not yet found their place in the Christian sphere, but who are up there, who have not yet descended into the Christian sphere—how distinctive they are! Think of how the Elohim are characterized in the creation of the world. After the creation is described to us day by day, we are then told at the end: “And they saw that it was good,” or “beautiful.” The word used there is difficult to translate. This means that the Elohim are spiritual beings who first create things and then see that they were beautiful. That is what matters. These are the other kind of beings who attained perfection on the ancient Moon and are now spiritually transitioning into earthly existence—first acting, and then looking and perceiving that it has been successful. These younger angels must possess the perception of these spiritual beings; they must first state what they have done. Now they become aware that they have scattered roses from the hands of the penitent women, that they themselves have inflicted suffering upon the old master of Satan.

[ 30 ] So sachgemäß schreibt Goethe, daß er weiß: Wesenheiten, die nicht in Berührung gekommen sind mit der christlichen Welt, erkennen erst nachher die Schönheit, die Güte des Getanen:

[ 30 ] Goethe writes so aptly that it is clear he knows: beings who have not come into contact with the Christian world only recognize the beauty and goodness of what has been done after the fact:

Jene Rosen, aus den Händen
Liebend-heiliger Büßerinnen
Halfen uns den Sieg gewinnen ...

Those roses, from the hands
of loving, holy penitents
helped us win the victory ...

[ 31 ] Daß der Sieg gewonnen ist, kommt hinterher. Sie sehen, ich spintisiere nicht!

[ 31 ] The fact that victory has been won comes later. You see, I'm not just speculating!

Nebelnd um Felsenhöh’
Spür’ ich so eben,
Regend sich in der
Näh’ Ein Geisterleben.
Die Wölkchen werden klar;
Ich seh’ bewegte Schar
Seliger Knaben,
Los von der Erde Druck,
Im Kreis gesellt,
Die sich erlaben
Am neuen Lenz und Schmuck
er obern Welt.
Sei er zum Anbeginn
Steigendem Vollgewinn
Diesen gesellt!

Mist swirling around the rocky heights
I sense just now,
A spirit life stirring
Nearby.
The little clouds clear;
I see a moving host
Of blissful boys,
Freed from the earth’s burden,
Gathered in a circle,
Who delight
In the new spring and splendor
Of the heavenly world.
May he, from the very beginning,
Join them in their ever-increasing joy!

[ 32 ] Die seligen Knaben sind längst da, und sie haben etwas zu tun mit dem Erscheinen dieser Engel, aber die Engel merken es erst, daß sie da sind, als das Ganze in Szene gesetzt ist. Das alles ist Goethe voll bewußt. Sie tragen nicht dasjenige an der Seele des Faust, was mit der Erde in Verbindung ist, das müssen diejenigen tragen, die etwas älter, vollendeter geworden sind, die durch das Mysterium von Golgatha mit hinuntergekommen sind und in Berührung gelangt sind mit dem Irdischen.

[ 32 ] The blessed boys have been there for quite some time, and they have something to do with the appearance of these angels, but the angels do not realize they are there until the entire scene is set. Goethe is fully aware of all this. They do not bear within Faust’s soul that which is connected to the earth; that must be borne by those who have become somewhat older and more mature, who have descended through the Mystery of Golgotha and have come into contact with the earthly realm.

Uns bleibt ein Erdenrest

We Are Left with a Remnant of the Earth

[ 33 ] sagen die vollendeteren Engel, nicht die jüngeren

[ 33 ] say the more perfect angels, not the younger ones

Zu tragen peinlich,
Und wär’ er von Asbest,
Er ist nicht reinlich.

It's embarrassing to wear,
And even if it were made of asbestos,
It's not clean.

[ 34 ] Und dann erklären sie, daß sie nun durch das Mysterium von Golgatha schon die Einsicht erlangt haben, vor der die andern Engel das Angesicht verhüllen, wie sich Geisteskraft verbindet mit den Elementen, die der Natur des irdischen Lebens beigemischt sind. Das ist etwas ganz Gewaltiges, wahrzunehmen, wie sach- und fachgemäß Goethe schildert, wie er so die einzelnen Glieder der geistigen Welt richtig zu charakterisieren weiß. Wenn man vergleicht, was andere, die auch Geister darstellen wollten, für buntes, charakterloses Zeug zusammenschmieden, so nimmt sich das manchmal geradeso aus, wie wenn irgendeiner die äußere Natur schildern wollte und sagen würde: Ach, ich ging über Wald und Wiese und sah auf den Wiesen so wunderbare blaue Rosen und so wunderbare gelbe Zichorien und so wunderschöne rote und gelbe Veilchen und ähnliches -, was alles nicht paßt. Derjenige, der die geistige Welt kennt, empfindet manche Schilderung als ungemein tölpisch, weil alles nicht stimmt. Bei Goethe stimmt alles! Das ist das Wesentliche, wahrzunehmen nicht eine spintisierte Interpretation, sondern wahrzunehmen, wie diese Seele in der geistigen Welt darinnen wurzelt in dem Moment, wo sie sich vornimmt, nun aus ihr selbst heraus ein geistiges Ereignis zu schildern, wie es der Aufstieg des Faust in die geistige Welt ist. Und dabei das im eminentesten Sinne Künstlerische, künstlerisch Kompositionelle in dem Spirituellen darinnen!

[ 34 ] And then they explain that, through the Mystery of Golgotha, they have already gained the insight—from which the other angels turn their faces away—into how spiritual power is connected to the elements that are interwoven with the nature of earthly life. It is something truly awe-inspiring to perceive—as Goethe describes so objectively and expertly—how he knows how to correctly characterize the individual elements of the spiritual world. When one compares this to the colorful, characterless nonsense cobbled together by others who also sought to depict spirits, it sometimes seems just as if someone were trying to describe the external natural world and were to say: “Oh, I walked through woods and meadows and saw such wonderful blue roses in the meadows and such wonderful yellow chicory and such beautiful red and yellow violets and the like—none of which fits. Anyone who knows the spiritual world finds such descriptions incredibly clumsy, because nothing is right. With Goethe, everything is right! That is the essential point: to perceive not a fanciful interpretation, but to perceive how this soul is rooted in the spiritual world at the very moment when it sets out to describe, from within itself, a spiritual event—such as Faust’s ascent into the spiritual world. And in doing so, to perceive the artistic and compositional elements in the spiritual realm in the most eminent sense!

[ 35 ] Ich habe einmal versucht, Ihnen zu zeigen, wie, ganz abgesehen von dem, was das Johannes-Evangelium sonst ist, einfach in der Stimmung des Johannes-Evangeliums etwas liegt, was es zugleich zu einem der größten Kunstwerke macht. Erinnern Sie sich an den Kasseler Zyklus über das Johannes-Evangelium! Wirklich, solche künstlerischen Bestrebungen, die im Spirituellen das Künstlerisch-Vollkommene anstreben, finden wir überall im «Faust» darinnen, so aber, daß das Künstlerische darinnen wirklich, indem es künstlerisch ist, zugleich spirituell richtig ist. Das ist das Bedeutsame. Denn darauf kommt es an, daß die Welt immer mehr und mehr einsieht, daß das, was aus dem Geiste heraus wirklich erkannt und erfahren wird, das Richtige ist, auch wenn es in die Welt hineingestellt ist. Das, was aus dem Geistigen heraus spintisiert wird, das nimmt sich gewöhnlich in der Welt wie ein Kartenhaus aus. Das aber, was aus dem Geistigen heraus erkannt ist, läßt sich in die Welt hineinstellen,

[ 35 ] I once tried to show you how, quite apart from whatever else the Gospel of John may be, there is simply something in the spirit of the Gospel of John that makes it, at the same time, one of the greatest works of art. Do you remember the Kassel cycle on the Gospel of John? Truly, such artistic endeavors—which strive for artistic perfection within the spiritual—can be found throughout *Faust*, but in such a way that what is artistic within it is, by virtue of being artistic, at the same time spiritually correct. That is what is significant. For what matters is that the world increasingly comes to realize that what is truly recognized and experienced from the spirit is the right thing, even when it is placed within the world. That which is conjured up from the spiritual realm usually appears in the world like a house of cards. But that which is truly recognized from the spiritual realm can be placed within the world,

[ 36 ] Solches wurde erstrebt bei der ganzen Architektur unseres Baues, daß er wirklich aus dem Geistigen heraus erzeugt ist. Daher ist auch alles ausführbar. Um so weniger Skrupel macht es einem, wenn da oder dort Menschen kommen und sagen: das gefiele ihnen nicht und das gefiele ihnen nicht. Es gibt solche Leute, die das oder jenes an unserem Bau zu tadeln haben. Aber, wenn man die Welt ein bißchen kennt und weiß, daß oder inwiefern die Menschen zu dem Chor derjenigen gehören, die derart Goethe interpretieren wie jener Herr, von dem ich Ihnen erzählt habe, so macht man sich aus all dem Tadel nichts, denn jener Herr zum Beispiel, der erwähnt wurde, könnte sagen, was er will über unseren Bau und unsere Denkungsweise und so weiter, es würde einem nicht zu imponieren brauchen. Und solchen Geistes sind ja schließlich die Leute. Man muß nur ein wenig das Leben kennen. Aber dasjenige, was aus dem Geistigen heraus geboren ist, wird möglich, da es zu gleicher Zeit Geist und zugleich Künstlerschaft ist.

[ 36 ] This was the goal pursued in the entire architectural design of our building: that it be truly born of the spiritual. That is why everything is feasible. It causes one even fewer qualms when people come along here and there and say: they don’t like this, and they don’t like that. There are people who find fault with this or that aspect of our building. But if one knows the world a little and realizes that—or to what extent—people belong to the chorus of those who interpret Goethe in the same way as that gentleman I told you about, then one pays no heed to all that criticism; for that gentleman, for example, who was mentioned, could say whatever he likes about our building and our way of thinking and so on—it need not impress one in the least. And that, after all, is the sort of mindset these people have. One just needs to know a little about life. But that which is born of the spirit becomes possible, since it is at once spirit and artistry.

[ 37 ] Und da möchte ich heute wenigstens noch auf eines hinweisen. Drei Büßerinnen im Verein mit der Büßerin, die sonst Gretchen genannt wird, treten uns entgegen. Ja, der Künstler macht das niemals so — der echte, wahre Künstler —, daß er sagt: Nun, ich will drei Büßerinnen auftreten lassen. Wo gibt es denn drei Büßerinnen? - Allerdings kann man auch im Leben allerlei Leute kennenlernen. So gibt es Leute, wirklich, solche Leute, die nehmen ein Reimlexikon und dichten darnach, man kann im Alphabet aufschlagen — was sich darauf reimt — und dann kommt die zweite Zeile und so weiter. Ich kannte auch solche Leute. Aber nicht einmal das macht der wahre Dichter, der ein Künstler ist, daß er etwa drei Büßerinnen in beliebiger Weise nimmt, sondern hier bringt er - das tritt besonders charakteristisch bei Goethe hervor — wiederum eine jener wunderbaren Steigerungen, einen Fall wunderbarer innerer Komposition, die zu gleicher Zeit sachlich treffend und richtig ist. Was sollen denn die drei Büßerinnen: zunächst die Maria Magdalena, dann die Samariterin am Brunnen, und dann gar die ägyptische Maria, was sollen sie? Nun, ich habe schon angedeutet. Sie sollen uns zeigen, daß in der weiblichen Natur ein Ewiges — «ewiger Liebe Dauerstern» - ist, daß der gewissermaßen nicht angefressen werden kann, will Goethe sagen, wenn sich verbindet mit der weiblichen Seele, auch mit der Schuld, die Liebe, die Liebe, die der Christus gebracht hat, trotzdem sie im äußeren Leben durchaus nicht Mustermenschen waren, aber ihre Seele war so geartet, daß sie die Liebe verstehen konnten. Wird das nun richtig gedacht, so müssen wir sagen: Ja, so etwas, was wie der Christus-Impuls sich in der Welt ausbreitet, zuerst ergreift er das Nächste, dann ergreift er das Weitere, dann ergreift er das Weiteste. -— Und es wäre nun schön, wenn sich der Liebesimpuls des Christus wie eine Welle ausbreitete, wenn er auch die Schuldigen ergriffe und die Schuldigen überstrahlte, immer weitere Kreise ziehend. Also, die Maria Magdalena, die jüdische, die Hebräerin, unmittelbar aus dem Lande, das innig im Judentum verbunden war mit dem Christus Jesus: die nächste Umgebung wird von der christlichen Liebe ergriffen. Dann geht er schon hinaus, der Christus, aus dem Bereich des Judentums, aber noch in die nächste Region, zu den Samaritern, die keine Volksgemeinschaft mit den Juden haben: der zweite Kreis. Und dann kommt er zum dritten Kreis. Sie wissen, dasjenige, was sehr ferne dem Christentum vorgestellt wird, wird als das Agyptertum vorgestellt: die ägyptische Maria. Sie kommt aus dem, was noch weit fremder draußen in der heidnischen Welt liegt, was nun ergriffen wird in einer fernen Weise, wie durch eine unsichtbare Hand zurückgedrängt wegen der Sünde von der Kreuzesberührung, und nur abbüßend die Schuld durch eine vierzigjährige Buße: wie weit schlagen die Wellen der Liebe da hinaus!

[ 37 ] And there’s at least one more thing I’d like to point out today. Three penitent women, along with the penitent woman otherwise known as Gretchen, come toward us. Yes, an artist—a real, true artist—never does that: he never says, “Well, I want to have three penitent women appear.” Where, after all, are there three penitent women?—Of course, one can meet all sorts of people in life. There are people—really, such people—who take a rhyming dictionary and compose poetry based on it; you can look up a letter in the alphabet—whatever rhymes with it—and then comes the second line, and so on. I’ve known people like that, too. But not even the true poet—who is an artist—does that: he doesn’t just take three penitent women at random; rather, here—and this is particularly characteristic of Goethe—he once again presents one of those marvelous escalations, an instance of marvelous inner composition that is at the same time factually accurate and correct. What, then, is the purpose of these three penitent women: first Mary Magdalene, then the Samaritan woman at the well, and finally even the Egyptian Mary—what is their purpose? Well, I have already hinted at it. They are meant to show us that there is something eternal in the female nature—an “eternal, enduring star of love”—that, as Goethe intends to say, cannot, so to speak, be eroded when it unites with the female soul; even in the face of guilt, the love—the love that Christ brought—endures, even though these women were by no means exemplary in their outward lives, yet their souls were of such a nature that they were able to understand love. If this is understood correctly, then we must say: Yes, something like the Christ impulse spreads throughout the world—first it seizes what is nearest, then what is farther away, and finally what is farthest away. — And it would be wonderful if the Christ impulse of love were to spread like a wave, if it were to embrace even the guilty and outshine them, drawing ever wider circles. So, Mary Magdalene, the Jewish woman, the Hebrew, directly from the land that was intimately connected to Jesus Christ through Judaism: her immediate surroundings are embraced by Christian love. Then Christ goes out beyond the realm of Judaism, but still into the next region, to the Samaritans, who have no communal ties with the Jews: the second circle. And then he comes to the third circle. You know, the mental image of that which is conceived as very distant from Christianity is represented as Egypt: the Egyptian Mary. She comes from what lies even farther away in the pagan world—a world that is now touched in a distant way, as if pushed back by an invisible hand because of the sin of having touched the Cross, and atoning for that guilt only through forty years of penance: how far the waves of love reach out there!

[ 38 ] Wir sehen sie wirklich, die Wellen der Liebe, wie sie sich ausbreiten, und wir verstehen etwas von dem, was sich allmählich zusammenkristallisiert in Goethes Vorstellung als das, was er dann zum Schlusse als das «Ewig-Weibliche» bezeichnet, in dessen Auffassung jede Spur von Niedrigkeit entfernt bleiben muß.

[ 38 ] We truly see them, the waves of love, as they spread out, and we begin to understand something of what gradually crystallizes in Goethe’s mental image as what he ultimately calls the “Eternal Feminine”—a concept in which every trace of baseness must be removed.

[ 39 ] Und dem, was da sich ausbreitet an Liebe, entspricht genau, ich möchte sagen der Tonfall, die ganze Art und Weise, wie Goethe die Worte in den Mund genommen hat. Versuchen Sie nur einmal, jene wunderbare Steigerung herauszufinden, die nun in der eigentümlichen Empfindung, rhythmischen Bildung der Worte liegt:

[ 39 ] And what unfolds there in terms of love corresponds exactly—I would say—to the intonation, the entire manner in which Goethe put the words into his mouth. Just try to discern that wonderful intensification that lies in the unique feeling and rhythmic structure of the words:

Bei der Liebe, die den Füßen
Deines gottverklärten Sohnes
Tränen ließ zum Balsam fließen,
Trotz des Pharisäerhohnes;
Beim Gefäße, das so reichlich
Tropfte Wohlgeruch hernieder;
Bei den Locken, die so weichlich
Trockneten die heil’gen Glieder

By the love that caused tears
To flow as balm upon the feet
Of Your divinely glorified Son,
Despite the Pharisees’ scorn;
By the vessel that so abundantly
Dripped down its sweet fragrance;
By the curls that so gently
Dried the holy limbs

[ 40 ] Wir fühlen etwas, wie das Rieseln in der Nähe.

[ 40 ] We sense something, like a trickle nearby.

Bei dem Bronn, zu dem schon
weiland Abram ließ die Herde führen,
Bei dem Eimer, der dem Heiland
Kühl die Lippe durft’ berühren;
Bei der reinen, reichen Quelle,
Die nun dorther sich ergießet,
Überflüssig, ewig helle,
Rings durch alle Welten fließer —

By the spring to which, long ago,
Abram once led his flock,
By the bucket that the Savior
Was allowed to touch with his cool lips;
By the pure, abundant spring,
Which now pours forth from there,
Abundant, eternally bright,
Flowing through all the worlds—

[ 41 ] Denken Sie, wie sich das weitet! Wir sind eigentlich mit der ganzen Vorstellung in unmittelbarer Nähe der Person des Christus. Dann werden noch ganze Welten in dem Naturvorstellen aufgenommen. Und dann, indem wir zur ägyptischen Maria kommen:

[ 41 ] Just think how this expands! With this entire mental image, we are actually in the immediate presence of the person of Christ. Then entire worlds are incorporated into our mental image of nature. And then, as we turn to the Egyptian Mary:

Bei dem hochgeweihten Orte,
Wo den Herrn man niederließ;
Bei dem Arm, der von der. Pforte
Warnend mich zurücke stieß;

At that hallowed place,
Where the Lord was laid to rest;
At the arm that, from the gate,
Pushed me back in warning;

[ 42 ] Das Unsichtbare, das Spirituelle wird unmittelbar angeschlagen. Noch einmal eine Steigerung! Es ist nicht so, daß man erst mit dem Verstand herauszufinden braucht, daß diese drei Kreise wirklich da sind. Man muß sie empfinden, indem die Worte ausgesprochen werden. Das ist das Bedeutsame.

[ 42 ] The invisible, the spiritual, is immediately evoked. Yet another intensification! It is not the case that one must first use one’s intellect to determine that these three circles truly exist. One must sense them as the words are spoken. That is what is significant.

[ 43 ] Und wir wollen nun folgendes bedenken. Wir haben in jahrelangen Betrachtungen die Tatsache durchgemacht, daß sich vor unserer Erdenentwickelung eine Saturnzeit entwickelt hat, dann eine Sonnenzeit, dann eine Mondenzeit, und daß wir jetzt bei der Erdenzeit stehen. Der Mensch hat gewissermaßen alles dasjenige mitgemacht, was durch diese Entwickelungsstadien durchgegangen ist. Worin liest denn das Wesentliche dieser Entwickelungsstadien? Das liegt darin, daß diese Zeiten einmal da waren und wieder vergangen sind, und daß die Erdenzeit aufgegangen ist. Der Mensch hat aber vor der Erdenzeit Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit mitgemacht, und er trägt die Wirkung dieser Zeiten in seinem Inneren. Wenn wir nun den heutigen Menschen mit den Mitteln der Geisteswissenschaft untersuchen, dann finden wir, daß der physische Leib, indem er seine erste Anlage auf dem Saturn erlangt hat, sich dann weiter entwickelt durch die Sonne, durch den Mond hindurch bis zur Erde, wo er sich neuerdings mit kosmischen Mächten verbunden hat, um etwas Neues an sich heranzunehmen. Was der physische Leib des Menschen durch die drei Stadien durchgemacht hat — und dadurch berühren wir den Saum eines bedeutsamen Mysteriums -, insofern es der physische Leib durchgemacht hat, das ist auf der Erde als deutlichste Wirkung in der Konstitution der inneren weiblichen Organe zum Ausdruck gekommen. Das Innere der weiblichen Organisation, sowohl des Physisch-Leiblichen, wie alles desjenigen, was in Verbindung mit dem physischen Leib auch als Seele zum Ausdruck kommt, das trägt die Wirkungen von Saturn, Sonne und Mond im eminentesten Sinne an sich. Es wird nicht umsonst in der Bibel erzählt, daß die Elohim den Staub, das heißt dasjenige, was auf der Erde erst hinzugetreten ist, so wie Luft und Wasser - man meint mit «Staub» das irdische Element — nahmen, um den Adam zu formen, den Mann. Aus dem Kosmos heraus wird zunächst dem Makrokosmischen, welches das Weib herüberträgt von Saturn, Sonne und Mond, das Männliche hinzugefügt. Es liegt ein tiefes Geheimnis über demjenigen, was auf der Erde sich als männlich und weiblich gegenübersteht. Selbstverständlich bezieht sich das eben Gesagte nur auf das, was eben in der Organisation des Menschen das Männliche und Weibliche zum Ausdruck bringt. Und dieses Mysterium hängt zusammen mit der ganzen Erdenwelt, hängt zusammen mit den Fähigkeiten, die dem Weibe nur als Weib eigen sind während der Erdenentwickelung, damit, daß im Inneren des Weibes herübergetragen wird das Makrokosmische der Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung und in den Mikrokosmos des Weibes aufgenommen wird, während der Makrokosmos der eben vorhergehenden Erdenentwickelung in den Mikrokosmos des Mannes aufgenommen wird. In einer ganz besonderen Weise tragen das Weibliche und das Männliche in sich den ganzen Kosmos. Und wenn ich oftmals hier ausgesprochen habe, daß der Mensch überhaupt den ganzen Makrokosmos in sich trägt, so trägt ihn die weibliche und die männliche Organisation in einer verschiedenen Weise in sich.

[ 43 ] And let us now consider the following. Through years of reflection, we have come to understand that, prior to the development of our Earth, there was a Saturn period, followed by a Sun period, then a Moon period, and that we are now in the Earth period. Human beings have, so to speak, experienced everything that these stages of development entailed. What, then, is the essence of these stages of development? It lies in the fact that these epochs once existed and have since passed, and that the Earth epoch has dawned. But before the Earth epoch, human beings experienced the Saturn, Sun, and Moon epochs, and they carry the effects of these epochs within themselves. If we now examine modern human beings using the methods of Spiritual Science, we find that the physical body, having acquired its initial structure on Saturn, then developed further through the Sun and the Moon until it reached the Earth, where it recently connected with cosmic forces in order to take on something new. What the human physical body has undergone through these three stages—and in doing so we touch upon the edge of a profound mystery—has, insofar as the physical body has undergone it, found its clearest expression on Earth in the constitution of the inner female organs. The inner workings of the female organism—both the physical body and everything that, in connection with the physical body, finds expression as the soul—bear the effects of Saturn, the Sun, and the Moon in the most eminent sense. It is not without reason that the Bible tells us that the Elohim took dust—that is, that which had only recently come into being on Earth, just like air and water; by “dust” we mean the earthly element—to form Adam, the man. From the cosmos, the masculine is first added to the macrocosmic, which conveys the feminine from Saturn, the Sun, and the Moon. A deep mystery lies in what stands in opposition on Earth as masculine and feminine. Of course, what has just been said refers only to what expresses the masculine and feminine in the human organism. And this mystery is connected to the entire earthly world; it is connected to the abilities that are unique to the woman as a woman during Earth’s evolution—namely, that the macrocosmic aspects of the Saturn, Sun, and Moon, and is absorbed into the woman’s microcosm, whereas the macrocosm of the preceding Earth evolution is absorbed into the man’s microcosm. In a very special way, the feminine and the masculine carry the entire cosmos within themselves. And while I have often stated here that human beings in general carry the entire macrocosm within themselves, the female and male organisms carry it within themselves in different ways.

[ 44 ] Goethe geht ein kosmischer Gedanke auf, indem er die Büßerinnen heranbringt an die Mater gloriosa. Denn, was ist ihm die Mater gloriosa? Diejenige, die am reinsten herübergetragen hat die ewig gebliebenen Wirkungen von Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit in die Erdenzeit herein, sie unberührt gelassen hat vom Irdischen und mit dem Makrokosmos sich verbunden hat, indem sie den Christus der Erde hat vorbereiten dürfen. Das Makrokosmische, das Ewige des Weiblichen, zieht hinan. Was zieht hinan? Wie könnten wir noch sagen, um diese Frage zu beantworten? Indem wir den Chorus mysticus nachsprechen.

[ 44 ] A cosmic thought dawns on Goethe as he brings the penitent women closer to the Mater gloriosa. For what is the Mater gloriosa to him? She who has most purely carried over into earthly time the eternal effects of the ages of Saturn, the Sun, and the Moon; who has left them untouched by the earthly and has united herself with the macrocosm by being permitted to prepare the Christ for the Earth. The macrocosmic, the eternal aspect of the feminine, draws us upward. What draws us upward? How else could we answer this question? By repeating the *Chorus mysticus*.

[ 45 ] Das meinte Goethe — nur will er nicht einen allgemeinen Ausdruck gebrauchen -, das meinte Goethe:

[ 45 ] That is what Goethe meant—though he does not want to use a general term—that is what Goethe meant:

Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche,
Hier wird’s Erreichnis;
as Unbeschreibliche,
Hier ist’s getan;
Die Mater gloriosa
Zieht uns hinan.

All that is fleeting
Is but a parable;
What is inadequate,
Here becomes fulfillment;
What is indescribable,
Here is accomplished;
The Mater Gloriosa
Draws us upward.

[ 46 ] Dasjenige, was getan ist, was sich vor uns abgespielt hat, das zieht zu gleicher Zeit die ganze geistige Welt hinan.

[ 46 ] What has been done, what has unfolded before us, draws the entire spiritual world upward at the same time.

[ 47 ] Tief christlich schließt Goethes Lebensgedicht. An diese aphoristischen Bemerkungen - solche sollten es sein -— werden wir dann im folgenden anknüpfen.

[ 47 ] Goethe’s life poem concludes on a deeply Christian note. We will then build on these aphoristic remarks—for that is what they are meant to be—in the following.