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The Faust Problem
The Romantic and Classical Walpurgis Night
GA 273

4 November 1917, Dornach

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The Faust Problem, tr. SOL
  1. Das Faust Problem

6. Die Helena-Sage und das Freiheitsrätsel

6. The Helen Legend and the Riddle of Freedom

[ 1 ] Ich habe Sie gestern darauf aufmerksam gemacht, wie in der Entwickelung der Menschheit Zusammenhänge sind, spirituelle Zusammenhänge, die ihre Wirkungsweise durch die Menschenseele hindurchschicken. Ich habe das getan im Zusammenhange mit den Bestrebungen Goethes in seiner Faust-Dichtung, Faust in Zusammenhang zu bringen mit dem, was der Impuls der fünften nachatlantischen Zeit ist, dadurch, daß er ihn mit Mephistopheles zusammenführt, einer ahrimanischen Macht. Dann habe ich versucht zu zeigen, wie Faust untertauchen soll in die Impulse der vierten nachatlantischen Zeit, die ich Ihnen in ihrem Wesen zu charakterisieren versuchte, damit sich in Fausts Seele ein Ineinanderarbeiten desjenigen bewußt vollzieht, was unbewußt in den Menschenseelen durch die Entwickelungsgesetze waltet.

[ 11 ] Yesterday I drew your attention to the spiritual connections that exist in the development of humanity—connections that exert their influence through the human soul. I did this in connection with Goethe’s efforts in his Faust to link Faust to the impulse of the fifth post-Atlantean epoch by bringing him together with Mephistopheles, an Ahrimanic power. I then attempted to show how Faust is to immerse himself in the impulses of the fourth post-Atlantean epoch—which I sought to characterize for you in its essence—so that a conscious interplay may take place within Faust’s soul of that which unconsciously governs human souls through the laws of evolution.

[ 2 ] Nun sagte ich Ihnen, daß der fünfte nachatlantische Zeitraum, unser Zeitraum, mit der großen, bedeutungsvollen Lebensfrage des Bösen, der Bewältigung des Bösen nach allen Seiten zu tun haben wird. Die Menschen werden kennenlernen müssen, was alles die Seele aufbringen muß, um die Gewalten des Bösen teils zu überwinden, teils in gute Impulse zu verwandeln. Das alles entwickelte sich auf der Grundlage der Impulse des vierten nachatlantischen Zeitraumes, der es zu tun hatte insbesondere mit dem Problem der Geburt und des Todes, das er schon wie eine Erbschaft aus der atlantischen Zeit übernommen hatte. Man braucht nur auf den Christus-Impuls selbst seine Blicke zu wenden, wie er eintrat im ersten Drittel der vierten nachatlantischen Periode. Diese beginnt 747 mit der Begründung Roms, so daß also von den 2160 Jahren im Zeitraum, wie wir ihn betrachten als Kulturzeitraum, 747 Jahre vergehen mußten, bis der Hauptimpuls, der Christus-Impuls, gerade in diesen vierten nachatlantischen Zeitraum hereinspielte, Hat es nicht dieser Christus-Impuls mit der großen, bedeutungsvollen Frage zu tun, die hereinruft in die Entwickelungsgeschichte der Menschheit Fragen nach Geburt und Tod in ihrer übersinnlichen Bedeutung? Wieviel ist auf christlichem Boden diskutiert worden, gedacht, empfunden worden über die Geburt des Christus. Welch unendlich bedeutungsvolle Rolle spielt der Tod Christi. In der Geburt und in den Tod Christi sehen wir an besonders prägnanten Punkten auftreten dieses Ringen in der Seele des Menschen mit dem Problem der Geburt und des Todes. Es war ein Ringen in der Seele aus dem Grunde, weil, ich möchte sagen, in einer elementareren, physischeren Gestalt dieses Ringen schon in dem großen atlantischen Zeitraum vorhanden war. Da waren gerade im vierten atlantischen Zeitraum, in der Mitte der atlantischen Zeit — damit auch noch in dem fünften als Nachwirkung - im Menschen selber Kräfte tätig, die im Zusammenhang standen mit Geburt und Tod. Einiges davon habe ich schon charakterisiert. Da waren Kräfte in jenen Menschen, in jenen Atlantiern, die entwickelt werden konnten, die Einfluß hatten auf Geburt und Tod, in ganz anderem Maße als in bloß natürlichem Maße. Da wirkten die guten und die bösen Kräfte im Menschen auf Gesundheit und Krankheit der Mitmenschen im weiten Maße, damit auch auf Geburt und Tod. Da sah man einen Zusammenhang zwischen dem, was man in der atlantischen Zeit tat als Mensch, und dem, was sich im sogenannten Naturlaufe als Geburt und Tod vollzieht.

[ 22 ] Now I told you that the fifth post-Atlantean epoch—our own epoch—will be concerned in every respect with the great, significant question of life: evil, and how to overcome it. People will have to learn what the soul must bring to bear in order to partly overcome the Powers of evil and partly transform them into positive impulses. All of this developed on the basis of the impulses of the fourth post-Atlantean epoch, which dealt in particular with the problem of birth and death—a problem it had already inherited from the Atlantean era. One need only turn one’s gaze to the Christ impulse itself, as it entered in the first third of the fourth post-Atlantean period. This period begins in 747 with the founding of Rome, so that of the 2,160 years in the period—which we regard as a cultural epoch— 747 years had to pass before the main impulse—the Christ impulse—entered precisely into this fourth post-Atlantean period. Does not this Christ impulse have to do with the great, significant question that calls forth, within the history of human development, questions about birth and death in their supersensible meaning? How much has been discussed, thought about, and felt on Christian grounds regarding the birth of Christ! What an infinitely significant role the death of Christ plays! In the birth and death of Christ, we see this struggle in the human soul with the problem of birth and death emerge at particularly poignant moments. It was a struggle in the soul because—I would say—in a more elemental, more physical form, this struggle was already present during the great Atlantean epoch. Precisely during the fourth Atlantean epoch, in the middle of the Atlantean period—and continuing into the fifth as an aftereffect—forces were at work within human beings themselves that were connected with birth and death. I have already described some of this. There were forces within those people—the Atlanteans—that could be developed and that exerted an influence on birth and death to a degree far beyond the merely natural. The good and evil forces within human beings had a far-reaching effect on the health and illness of their fellow human beings, and thus also on birth and death. People saw a connection between what one did as a human being during the Atlantean era and what takes place in the so-called course of nature as birth and death.

[ 3 ] Später, im vierten Kulturzeitraum der nachatlantischen Zeit, war dieses Problem von Geburt und Tod mehr hereinverlegt in die menschliche Seele. Aber jetzt in unserem fünften Zeitraum werden die Menschen so elementar zu ringen haben mit dem Bösen, wie elementar in der atlantischen Zeit gerungen worden ist mit Geburt und Tod. Da werden namentlich durch die Beherrschung der verschiedenen Naturkräfte die Antriebe und Impulse zum Bösen in einer großartigen Weise, in gigantischer Weise in die Welt hineinwirken. Und im Widerstand, den die Menschen aus geistigen Untergründen heraus werden bringen müssen, werden die entgegengesetzten Kräfte, die Kräfte des Guten zu wachsen haben. Insbesondere wird es schon während des fünften Zeitraums sein, wo durch die Ausbeutung der elektrischen Kraft, die noch ganz andere Dimensionen annehmen wird, als sie bisher angenommen hat, es den Menschen möglich sein wird, Böses über die Erde zu bringen, wo aber auch direkt aus der Kraft der Elektrizität selber heraus Böses über die Erde kommt.

[ 33 ] Later, during the fourth cultural epoch of the post-Atlantean era, this problem of birth and death became more deeply embedded in the human soul. But now, in our fifth epoch, human beings will have to struggle with evil just as fundamentally as they struggled with birth and death during the Atlantean era. There, particularly through the mastery of the various forces of nature, the drives and impulses toward evil will exert their influence on the world in a magnificent, indeed gigantic, way. And in the resistance that people will have to muster from spiritual depths, the opposing forces—the forces of good—will have to grow. In particular, it will already be during the fifth epoch that, through the exploitation of electrical power—which will take on dimensions entirely different from those it has assumed so far—it will be possible for people to bring evil upon the earth; yet evil will also come upon the earth directly from the power of electricity itself.

[ 4 ] Diese Dinge sind nur notwendig, sich vor das Bewußtsein hinzuhalten. Denn derjenige, der spirituelle Impulse aufnehmen will, findet die Angriffspunkte des Widerstands, findet die Ausgangspunkte für jene Impulse, die sich gerade am Widerstand des Bösen entwickeln sollen. Allerdings ist es schwierig, heute schon in dieser Beziehung über Einzelheiten zu sprechen, da diese Einzelheiten zumeist noch in weitestem Umfange Interessen der Menschen berühren, welche die Menschen nicht berührt haben wollen. In dieser Beziehung sind die Menschen geteilt auf der einen Seite in solche, welche schwer leiden dadurch, daß sie sich nicht klarmachen können, wie sie in das Weltkarma verstrickt sind und dies oder jenes mitmachen müssen, ohne daß sie im Handumdrehen abstrakt fromm werden können; auf der andern Seite in Menschen, die vielfach verstrickt sind in dasjenige, was das Weltenkarma dieses fünften nachatlantischen Zeitraums ist, die nicht hören wollen, was eigentlich in den Impulsen liegt, die durch die Welt gehen, weil die Menschen vielfach ein Interesse daran haben, gerade diejenigen Impulse, die zerstörerisch sind, als aufbauende hinzustellen. Wir haben dargestellt, wie seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts unter den Menschen diejenigen Wesenheiten wirken, die ich bezeichnet habe als abgefallene Geister der Finsternis, Wesen aus der Hierarchie der Angeloi. Diese Wesen waren noch dienende Glieder der guten, fortschreitenden Mächte in der vierten nachatlantischen Periode. Da dienten sie noch in der Herstellung jener Ordnungen, die — wie ich Ihnen charakterisiert habe — aus der Blutsverwandtschaft der Menschen herausgeholt sind. Jetzt sind sie im Reiche der Menschen, und als zurückgebliebene Angeloiwesen wirken sie hinein in die Impulse der Menschen, um dasjenige, was mit Bluts-, Stammes-, Nationalverwandtschaft, Rassenverwandtschaft zusammenhängt, in einer nachhinkenden Weise und dadurch in einer ahrimanischen Weise geltend zu machen, zu beeinträchtigen diejenigen andern sozialen Menschheitsstrukturen, die sich aus ganz andern Unterlagen heraus bilden sollen als zum Beispiel aus den Blutsbanden der Familie, der Rassen, der Stämme, der Nationen, so daß heute ein beträchtlicher Anfang der Arbeit dieser Geister gerade in dem abstrakten Betonen des Nationalitätsprinzips besteht. Dieses abstrakte Betonen des Nationalitätenprinzips, dieses Programmemachen auf Grundlage eines Nationalitätsprinzips, das gehört in die Bestrebungen der Geister der Finsternis hinein, die den Menschen viel näherstehen werden, die viel intimer an die Menschen herankommen als die zurückgebliebenen Geister der vierten nachatlantischen Periode, die in die Hierarchie der Archangeloi gehörten. Das wird gerade das Bedeutungsvolle dieses fünften nachatlantischen Zeitraums sein, daß diese Wesen, die unmittelbar über der Hierarchie der Menschen stehen, die Angeloiwesen, recht intim an den einzelnen Menschen herankommen können, nicht bloß an die Gruppen, so daß der einzelne glauben wird, er verträte aus seinem eigenen persönlichen Impuls heraus die Dinge, während er - man kann schon sagen — besessen ist von solcher Art von Angeloiwesen, von denen gesprochen worden ist.

[ 44 ] These things are necessary only to shield one’s consciousness. For whoever wishes to receive spiritual impulses will find the points of resistance, the starting points for those impulses that are meant to develop precisely through the resistance of evil. However, it is difficult to speak in detail about this matter today, since these details still, for the most part, touch upon areas of human interest that people do not wish to have touched upon. In this regard, people are divided, on the one hand, into those who suffer greatly because they cannot grasp how they are entangled in world karma and must go along with this or that without being able to become abstractly pious in the blink of an eye; and on the other hand, into people who are deeply entangled in what constitutes the world karma of this fifth post-Atlantean epoch, who do not want to hear what actually lies in the impulses passing through the world, because people often have an interest in presenting precisely those impulses that are destructive as if they were constructive. We have described how, since the last third of the 19th century, those beings have been at work among humanity whom I have described as fallen spirits of darkness, beings from the hierarchy of the Angeloi. These beings were still serving members of the good, progressive forces during the fourth post-Atlantean period. At that time, they were still serving in the establishment of those orders which—as I have described to you—are derived from the blood kinship of human beings. Now they are in the realm of human beings, and as backward-looking Angeloi beings, they influence human impulses in order to assert—in a lagging and thus Ahrimanic manner—that which is connected with blood, tribal, national, and racial kinship, in a lagging and thus Ahrimanic manner, and to undermine those other social structures of humanity that are meant to form on the basis of entirely different foundations than, for example, the blood ties of the family, races, tribes, and nations—so that today a significant part of the work of these spirits consists precisely in the abstract emphasis on the principle of nationality. This abstract emphasis on the principle of nationality, this formulation of a program based on a principle of nationality—this is part of the endeavors of the spirits of darkness, who will be much closer to human beings, who will approach human beings much more intimately than the backward spirits of the fourth post-Atlantean period, who belonged to the hierarchy of the Archangels. This will be precisely what is significant about this fifth post-Atlantean period: that these beings, who stand immediately above the human hierarchy—the angelic beings—will be able to approach individual human beings quite intimately, not merely groups, so that the individual will believe he is acting out of his own personal impulse, whereas—one might even say—he is possessed by the kind of angelic beings that have been described.

[ 5 ] Machen wir uns noch einmal klar, welcher Art die Bestrebungen der zurückgebliebenen Geister der Finsternis in der vierten nachatlantischen Zeit waren, um dann besser verstehen zu können, welcher Art diese Bestrebungen in unserer fünften Epoche sind. Ich habe schon darauf hingewiesen: in der vierten nachatlantischen Zeit war es normal, alle Menschheitsstruktur aufzubauen auf den Blutsbanden, auf den Blutsverwandtschaften. In dieser Zeit, also in der griechisch-lateinischen Kulturepoche, lehnten sich die ahrimanisch-luziferischen zurückgebliebenen Wesenheiten gerade gegen die Blutsbande auf. Sie waren die Eingeber jener Rebellenschaft, welche die Menschen aus den Blutsverwandtschaften herauslösen wollte. Insbesondere — das können Sie ja schon aus dem Allgemeinen der Geisteswissenschaft entnehmen — waren es in gewisser Beziehung die Nachkommen der in der atlantischen Zeit noch auf magische Weise wirksamen Individualitäten, welche als sich auflehnende Individualitäten, als Rebellen, Heroen wurden, gerade in der Wiederholung der atlantischen Zeit in der vierten nachatlantischen Zeit. In einer besonderen Art und Weise kam diese griechisch-lateinische Zeit diesen Rebellen entgegen. In der damaligen Zeit, wo eine kluge Mysterienführung der Menschen doch noch vorhanden war, hat man den Menschen nicht gesagt, meidet die Rebellennaturen, meider die ahrimanischen, die luziferischen geistigen Wesenheiten! Das hat man ihnen nicht gesagt. Sondern man wußte, im Plane des weisheitsvollen Weltenganges liegt es, diese Wesenheiten an ihre Stelle zu setzen, sie zu benützen, Es ist heute eine Schwäche vieler Menschen, wenn sie von Luzifer und Ahriman hören, zu empfinden, um Gottes willen, den meiden wir! — Als ob sie sie meiden könnten! Ich habe darüber öfter gesprochen. So wie die Erkenntnis sein mußte in der vierten nachatlantischen Zeit, so brachte man sie heran an die Menschen dieser Zeit. Und die Wirkung der guten Götter, wenn ich so sagen darf, lag schon in den Blutsbanden, der gaben sich die Menschen hin dazumal — heute muß sie vergeistigter sein —, der gaben sich die Menschen hin in jener gegenseitigen Liebe, die durch die Blutsverwandtschaft begründet wird. Um weiterzukommen, mußten immer Auflehnungen stattfinden. Diesen Gang der Weltenentwickelung mußte man, so wie man es den Leuten eben klarmachen konnte, in Mythen, in Sagen, in Legenden ihnen klarmachen. Den Eingeweihten wurden die Dinge dann noch anders mitgeteilt, schon in einer Form, die ähnlich war derjenigen, die heute an den Menschen herantritt. Aber es wären die Menschen im weitesten Umkreise des Lebens nicht reif gewesen, Erklärungen für die Mythen aufzunehmen. Da wurden ihnen die Mythen erzählt, die exoterischen Mythen, in denen aber tiefe, bedeutungsvolle Entwickelungswahrheiten verborgen sind.

[ 55 ] Let us once again clarify the nature of the efforts made by the backward spirits of darkness during the fourth post-Atlantean epoch, so that we may better understand the nature of these efforts in our fifth epoch. I have already pointed this out: in the fourth post-Atlantean epoch, it was normal to build the entire structure of humanity upon blood ties, upon kinship. During this period—that is, the Greco-Latin cultural epoch—the Ahrimanic-Luciferic backward-looking entities rebelled specifically against these blood ties. They were the instigators of that rebellion which sought to sever human beings from their blood kinships. In particular—as you can already gather from the general principles of Spiritual Science—it was, in a certain sense, the descendants of the individualities who were still active in a magical way during the Atlantean era who became rebellious individualities, rebels, and heroes, precisely during the recurrence of the Atlantean era in the fourth post-Atlantean epoch. This Greco-Latin era accommodated these rebels in a special way. In those days, when a wise guidance of the mysteries was still in place, people were not told, “Avoid the rebellious natures; avoid the Ahrimanic and Luciferic spiritual beings!” They were not told that. Rather, it was understood that it was part of the plan of the wise course of the world to put these beings in their proper place and to make use of them. It is a weakness of many people today that when they hear of Lucifer and Ahriman, they feel, “For heaven’s sake, let’s avoid them!”—as if they could avoid them! I have spoken about this often. Just as this knowledge had to be presented in the fourth post-Atlantean epoch, so it was brought to the people of that time. And the influence of the good gods, if I may put it that way, lay already in the blood ties to which people devoted themselves back then—today it must be more spiritual—to which people devoted themselves in that mutual love founded on kinship. In order to move forward, rebellions always had to take place. This course of world development had to be made clear to people—as best as was possible—through myths, sagas, and legends. To the initiated, these things were then communicated in a different way, already in a form similar to that which approaches people today. But people in the broadest sphere of life would not have been ready to receive explanations of the myths. So the myths were told to them—the exoteric myths—in which, however, deep and meaningful truths of evolution are hidden.

[ 6 ] Betrachten wir einen solchen hervorragenden Mythus, der gerade mit dem zusammenhängt, was ich jetzt vor Ihre Seele hingeführt habe, betrachten wir den Mythus, der da erzählt, wie ein Orakel dem Laios von Theben bei seiner Vermählung mit Jokaste weissagte, daß aus seiner Ehe mit Jokaste hervorgehen werde ein Sohn, welcher der Mörder seines Vaters werden wird, der mit seiner Mutter in Blutschande leben wird. Laios hat sich zwar nicht abhalten lassen, die Vermählung zu vollziehen, aber als aus der Ehe doch der Sohn hervorging, ließ er ihm die Fersen durchbohren und ließ ihn aussetzen auf dem Kithäron. Einem Hirten wurde dieser Sohn übergeben. Die Gemahlin des Hirten nannte ihn Ödipus, von den durchlochten Fersen. Sie wissen, wie die Sache weitererzählt wurde. Sie wissen, daß der Knabe Ödipus heranwuchs, daß sich seine Talente entwickelten, daß er sich früh von Zweifeln in seiner Seele beunruhigt fand wegen seiner Abstammung, weil Jugendgenossen ihn auf verschiedenes aufmerksam machten; daß dann das delphische Orakel einen bedeutsamen Ausspruch tat. Ihn heute zu studieren, ist eine schmerzliche Angelegenheit, wenn man ihn in seinem ganzen Zusammenhange studieren kann. Er heißt ja einfach: Meide die Heimat, sonst wirst du deines Vaters Mörder und deiner Mutter Gemahl. - Das war also dem Ödipus gesagt.

[ 66 ] Let us consider such an outstanding myth, one that is directly connected to what I have just presented to your minds; let us consider the myth that tells how an oracle prophesied to Laius of Thebes at his wedding to Jocasta that from his marriage to Jocasta would be born a son who would become his father’s murderer and who would commit incest with his mother. Although Laius did not allow himself to be dissuaded from going through with the marriage, when a son was indeed born of the union, he had the boy’s heels pierced and had him abandoned on Mount Cithaeron. This son was entrusted to a shepherd. The shepherd’s wife named him Oedipus, meaning “pierced heels.” You know how the story continues. You know that the boy Oedipus grew up, that his talents developed, that he found himself troubled early on by doubts in his soul regarding his lineage, because his youthful companions drew his attention to various things; that then the Delphic Oracle issued a significant pronouncement. To study it today is a painful matter, if one can study it in its full context. It simply says: “Flee your homeland, or else you will become your father’s murderer and your mother’s husband.”—That, then, was what was said to Oedipus.

[ 7 ] Nun war er aber in einer vollkommenen Illusion darinnen. Er wußte nicht, wer sein Vater wirklich war und seine Mutter. Er mußte Korinth für seine Heimat halten, wo er aufgewachsen war. Schließlich wanderte er von Korinth fort, um dort nicht Unheil zu stiften, seinen Vater zu töten und seine Mutter zu heiraten. Aber gerade, daß er fortwanderte, daß er den Weg nach 'Theben antrat, gerade das wurde ihm zum Verhängnis. Auf dem Wege traf er ein Gefährt, in dem sein Vater Laios fuhr mit einem Wagengefährten. Er kam in Streit, tötete den Vater, setzte den Weg fort nach Theben, und seine erste Tat, die er verrichtete, war ja, wie Sie wissen, die Lösung des Rätsels der Sphinx. Dadurch haben wir Ödipus so recht hineingestellt in den ganzen Entwickelungszusammenhang des vierten nachatlantischen Zeitraums. Denn in einer gewissen Beziehung gehörte das Rätsel der Sphinx, das Menschenrätsel, diesem Zeitraume an. Also Ödipus war einer von denjenigen, die Bescheid wußten. Er sagte zur Sphinx nicht: «Ungern entdeck’ ich höheres Geheimnis», sondern er löste das Geheimnis. Damit war etwas in den vierten nachatlantischen Zeitraum hineinversetzt als ein Impuls, der weiter wirkte, an dem Ödipus beteiligt war. Man könnte Stunden über Stunden reden über die Lösung des Rätsels der Sphinx durch Ödipus. Aber das ist heute nicht nötig. Wir wollen uns nur klarmachen, daß dasjenige, was da Ödipus tut, ihn so recht zeigt als einen Helden des vierten nachatlantischen Zeitraums.

[ 77 ] But he was completely deluded about this. He did not know who his father and mother really were. He had to consider Corinth his home, since that was where he had grown up. Eventually, he left Corinth so as not to cause disaster there—to kill his father and marry his mother. But it was precisely his departure—his setting out on the road to Thebes—that proved to be his undoing. On the way, he encountered a chariot in which his father, Laius, was traveling with a charioteer. He got into a fight, killed his father, continued on his way to Thebes, and his first act, as you know, was to solve the riddle of the Sphinx. In this way, we have placed Oedipus quite appropriately within the entire developmental context of the fourth post-Atlantean epoch. For in a certain sense, the riddle of the Sphinx—the human riddle—belonged to this epoch. So Oedipus was one of those who knew the truth. He did not say to the Sphinx, “I am reluctant to uncover a higher mystery,” but rather he solved the mystery. In this way, something was carried over into the fourth post-Atlantean epoch as an impulse that continued to have an effect, in which Oedipus played a part. One could talk for hours on end about Oedipus’s solution to the riddle of the Sphinx. But that is not necessary today. We simply want to make it clear that what Oedipus does there truly reveals him as a hero of the fourth post-Atlantean epoch.

[ 8 ] Nun ging er nach Theben, heiratete seine Mutter, die er natürlich nicht für seine Mutter hielt, war verhältnismäßig glücklich, bis eine Pest auftrat. Der Seher Teiresias war es, welcher zuletzt die Wahrheit von dem Ganzen herausbrachte. Jokaste, die sich plötzlich als die Gemahlin des eigenen Sohnes wußte, tötete sich. Ödipus blendete sich und wurde vertrieben von seinen eigenen Söhnen, wurde von einem andern dann im Haine von Attika, von Theseus, geschützt bis zu seinem Tode, ruhte dann in attischer Erde. Nur soweit brauchen wir das Ödipus-Drama vor unsere Seele zu führen.

[ 88 ] He then went to Thebes, married his mother—whom he naturally did not recognize as his mother—and was relatively happy until a plague broke out. It was the seer Tiresias who ultimately revealed the truth of the whole matter. Jocasta, who suddenly realized she was married to her own son, took her own life. Oedipus blinded himself and was driven out by his own sons; he was then taken in by Theseus in the grove of Attica, where he was protected until his death, and was laid to rest in Attic soil. That is as far as we need to take the Oedipus drama in our minds.

[ 9 ] Was stellt es uns denn dar? Es stellt uns dar, wie eine Individualität, die Ödipus-Individualität, herausgenommen wird aus dem Blutszusammenhang, herausversetzt wird, sich entwickelt außerhalb der Blutsbande und dann zu seinem Verderb wiederum hineinversetzt wird. Nicht nur einen subjektiven Rebellen gegen die Blutsbande haben wir vor uns, sondern einen Menschen, der durch die, man möchte sagen, Naturgesetze selber zur Auflehnung gebracht wird gegen die Blutsbande, und diese gerade dadurch gegen sich wachruft.

[ 99 ] What does this show us? It shows us how an individuality—the Oedipal individuality—is removed from the bonds of blood, set apart, develops outside those bonds, and is then, to its ruin, brought back into them. We are dealing not merely with a subjective rebel against the bonds of blood, but with a person who is, one might say, driven by the laws of nature themselves to rebel against the bonds of blood—and who, precisely because of this, provokes them against himself.

[ 101010 ] Versuchen Sie die griechische Mythologie auf solche Menschen hin durchzusehen, auf solche Heroen, die auf eine gewisse Weise hineingestellt sind in den Blutszusammenhang, die ausgesetzt werden, daß sie ihre Entwickelung außerhalb des Blutszusammenhanges durchmachen und dann gerade andere Entwickelungsimpulse hereinbringen dadurch, daß sie aus der alten, der normalen Ordnung hinausversetzt werden. Ein solcher ist Ödipus, ein solcher ist auch Theseus, der ihn schützt im Haine von Attika.

[ 1010 ] Try to examine Greek mythology for such people, for such heroes who are, in a certain way, placed within the bloodline, who are subjected to undergoing their development outside the bloodline, and who thereby introduce precisely different developmental impulses by being removed from the old, normal order. One such figure is Oedipus; another is Theseus, who protects him in the grove of Attica.

[ 111111 ] Es ist kein Wunder, daß man in Griechenland dem Volke nicht sagen, konnte, was eigentlich hinter diesen Heroen steckte, daß das die großen Rebellen sind, die aber notwendig sind im ganzen weisheitsvollen Gang der Weltenentwickelung. Theseus selber, denken Sie doch nur daran auch da war es ein Orakelspruch, der an den Vater herangetreten ist, so daß er den Sohn fern von sich hat erziehen lassen. Der Mutter, die ihn fern von der Heimat geboren hat, wurde gesagt, wenn der Jüngling heranwächst, so daß er ein gewisses Schwert gebrauchen kann, dann möge er zurückkommen. Wiederum hinausversetzt ist Theseus aus dem Blutszusammenhang. Auch er - Sie kennen die Sage, wie er Athen befreit hat von jener Tributszahlung von Jünglingen, die dem Minotaurus geopfert werden mußten, wie er mit Hilfe des Ariadne-Fadens sich gerettet hat -,auch er löst wichtigeRätsel der vierten nachatlantischen Zeit. Und er wurde der Schützer des Ödipus. Aber Theseus ist derjenige, der die Helena, als sie zehnjährig ist, entführt und sie verborgen hält. Also gerade Theseus wird mit der Helena in Zusammenhang gebracht.

[ 1111 ] It is no wonder that in Greece they could not tell the people what was actually behind these heroes—that they are the great rebels who are, however, necessary in the entire wise course of world development. Take Theseus himself—just think about it: there, too, it was an oracle’s prophecy that led the father to have his son raised far away from him. The mother, who gave birth to him far from home, was told that when the young man grew old enough to wield a certain sword, he should return. Once again, Theseus is removed from his bloodline. He, too—you know the legend of how he freed Athens from the tribute of young men who had to be sacrificed to the Minotaur, and how he saved himself with the help of Ariadne’s thread—he, too, solves important riddles of the fourth post-Atlantean epoch. And he became Oedipus’s protector. But Theseus is the one who abducts Helen when she is ten years old and keeps her hidden. Thus, it is precisely Theseus who is associated with Helen.

[ 121212 ] Hinter diesen Dingen stecken tiefe Entwickelungsrätsel des vierten nachatlantischen Zeitraums. Die Hofdame des 16. Jahrhunderts macht sich freilich von diesen Dingen nicht mehr kund als:

[ 1212 ] Behind these things lie profound mysteries of development from the fourth post-Atlantic period. The 16th-century court lady, of course, knows no more about these things than:

Vom zehnten Jahr an hat sie nichts getaugt.

She hasn't been any good since she turned ten.

[ 131313 ] Aber damit deutet Goethe wiederum auf etwas sehr Bedeutungsvolles. Goethe wußte wohl, eigentlich müßte dasjenige, was hinter der Helena steckt, so verehrt werden, wie Faust die Helena verehrte. Aber gerade in bezug auf die Helena sind die schlimmsten Kräfte der Verleumdung im Spiel gewesen. Die Menschheit könnte lernen an solchen Dingen, wie gerade dasjenige, was anerkannt werden sollte, was vielleicht am höchsten steht, am meisten verleumdet werden kann.

[ 1313 ] But in doing so, Goethe once again points to something very significant. Goethe surely knew that, in truth, what lies behind Helena should be revered just as Faust revered her. Yet it is precisely in regard to Helena that the worst forces of slander have been at work. Humanity could learn from such things—namely, that precisely what ought to be recognized, what perhaps stands highest, can be slandered the most.

[ 141414 ] Ich wollte dieses nur andeuten, um Ihnen zu zeigen, wie die Helena in einem geheimnisvollen Zusammenhange steht mit denjenigen Individualitäten, welche die Rebellenindividualitäten waren des vierten nachatlantischen Zeitraums, die dazumal im Sinne der weisheitsvollen Weltenlenkung die Aufgabe hatten, den Blutszusammenhang zu durchbrechen.

[ 1414 ] I wanted to mention this only to show you how Helena is mysteriously connected to those individualities who were the rebellious individualities of the fourth post-Atlantean epoch, who at that time, in accordance with the wise guidance of the worlds, had the task of breaking the blood bond.

[ 151515 ] Wie steht es mit Paris, der uns von Goethe - verzeihen Sie das triviale Wort, aber es ist nicht so trivial gemeint - in der Geisterbeschwörungsszene ja eigentlich als Konkurrent des Faust vorgeführt wird, als der Nebenbuhler des Faust, wie steht es um Paris? Ja, da wird uns auch erzählt: er war der Sohn des Priamos und der Hekuba. Und das Merkwürdige wird uns erzählt, daß seine Mutter, als sie mit ihm schwanger war, einen Traum hatte. Hier ist es zunächst nicht ein Orakelspruch, sondern ein Traum, der aber tiefere Weisheit enthält. Dieser Traum kündigte der Mutter des Paris vor der Geburt an, daß sie gebären werde eine brennende Fackel, welche die Stadt Troja in Brand stecken werde. Deshalb spricht die Sage, die parallel geht, auch von einem Orakelspruch, der dem Vater Nachricht davon gegeben habe, daß dieser Sohn zum Unheil von Troja dienen werde. Sei es der eine, sei es der andere Grund, der Vater setzte den Paris auch aus. Paris ist also auch einer der Ausgesetzten, einer der aus der Blutsgemeinschaft Herausgesetzten. In Parion wird er erzogen, fern von den Blutsbanden. Und da spielt sich dasjenige ab, was nun von der Sage erzählt wird, daß die Eris den Apfel der Schönsten bestimmt habe, daß Paris aufgerufen worden sei von den Göttinnen Hera, Pallas und Aphrodite, zu bestimmen, welche die Schönste sei. Es wurde sogar gesagt, daß dem Paris versprochen worden ist von Hera Asien, das heißt also die Herrschaft über die Erde, denn Asien bedeutete dazumal überhaupt die Erdenherrschaft; von Pallas Athene kriegerischer Ruhm; von Aphrodite die schönste Frau. Paris hat Aphrodite den Preis der Schönheit zuerkannt.

[ 1515 ] What about Paris, who—as Goethe presents him to us in the scene of the summoning of the spirits—is actually portrayed as Faust’s rival, as Faust’s rival—forgive me for using such a trivial word, but I do not mean it in a trivial sense—what about Paris? Yes, we are also told that he was the son of Priam and Hecuba. And we are told something remarkable: that his mother, while she was pregnant with him, had a dream. Here, it is not initially an oracle, but a dream—one that nevertheless contains profound wisdom. This dream foretold to Paris’s mother before his birth that she would give birth to a burning torch that would set the city of Troy ablaze. That is why the legend, which runs parallel to this, also speaks of an oracle’s prophecy that informed his father that this son would bring ruin to Troy. Whether it was one reason or the other, the father also abandoned Paris. Paris is thus also one of the abandoned, one cast out of the bloodline. He was raised in Parion, far from his blood ties. And it is there that the events recounted in the legend unfold: that Eris had designated the apple of beauty, and that Paris was summoned by the goddesses Hera, Pallas, and Aphrodite to determine which of them was the fairest. It was even said that Hera had promised Paris Asia—that is, dominion over the earth, for in those days Asia was synonymous with dominion over the earth; Pallas Athena had promised him military glory; and Aphrodite had promised him the most beautiful woman. Paris awarded the prize for beauty to Aphrodite.

[ 161616 ] Wie bedeutungsvoll er damit eingegriffen hat in den Gang der griechischen Angelegenheiten, das schildert Ihnen der Gesang, der große, bedeutungsvolle Gesang Homers. In Paris selbst also haben wir eine solche gegen die Blutsbande sich auflehnende Individualität. Er nimmt die Helena heraus aus den griechischen Blutsbanden, will sie hinüberversetzen nach Troja. Er will die Blutsbande brechen. Immer hängen die Dinge so zusammen, daß wir sehen, wie in den griechischen Heroensagen in die Entwickelung dasjenige hineingestellt wird, was die Blutsbande durchbrechen soll. Denn die Blutsbande, die an sich stark, mächtig und gewaltig sind, sind das die ganze soziale Struktur eigentlich Bewirkende.

[ 1616 ] Just how significantly he intervened in the course of Greek affairs is described to you in the epic—Homer’s great, momentous epic. So in Paris himself we have such an individuality that rebels against the bonds of blood. He takes Helen out of the Greek bonds of blood and wants to take her over to Troy. He wants to break the bonds of blood. Things are always interconnected in such a way that we see how, in the Greek heroic epics, the very element intended to break the bonds of blood is woven into the narrative. For the bonds of blood—which are in themselves strong, powerful, and mighty—are what actually underpin the entire social structure.

[ 171717 ] Eine Frage, die uns in diesem Falle besonders deutlich vor Augen treten kann, soll uns auch ein paar Minuten jetzt beschäftigen. Es könnte leicht jemand die folgende Frage aufwerfen: Ja, wie steht es noch mit der menschlichen Freiheit, wenn bedeutungsvolle Handlungen, wie der Raub der Helena durch Paris, dadurch vollzogen werden, daß sich oben in der geistigen Welt so etwas vollzieht wie der Streit der Göttinnen? Der Mensch sieht dann aus wie das bloße Werkzeug, durch das vollzogen wird dasjenige, was sich oben in den geistigen Regionen nicht nur vorbereitet, sondern auswirkt. Ja, man muß in einer gewissen Weise wirklich sagen: Dasjenige, was hier unten durch den Menschen geschieht, das alles ist das Spiegelbild dessen, was in der geistigen Welt geschieht. — Da pocht die Frage der Freiheit gewaltig an die Tore der menschlichen Erkenntnis. Sind wir wirklich Automaten, die durch ihre Handlungen das Spiegelbild desjenigen zeigen, was da oben in der geistigen Welt vor sich geht? Und wiederum, wie stünde die geistige Welt da, welche die Lenkerin und Leiterin desjenigen ist,-was überhaupt vorgeht, wenn sie gewissermaßen gar nichts zu tun hätte, wenn sie tatenlos wäre? Zweäerlei ist notwendig zu verstehen. Erstens, daß der Weltengang wirklich von geistigen Kräften und geistigen Mächten gelenkt und geleitet wird und nichts geschieht, was nicht aus der geistigen Welt herunter geschieht; zweitens, daß der Mensch einen freien Willen hat. Die beiden Dinge scheinen sich diametral gegenüberzustehen. Und in der Tat ist damit ein Problem, ein Rätsel berührt, das den Menschen ungeheuer viel zu schaffen macht, über das die Menschen kaum leicht hinauskommen, denn es ist so. Schauen wir hinauf in die geistige Welt - dasjenige, was die Götter tun, sind der Götter Handlungen, und die Menschen hier unten führen die Impulse der Götter aus. So ist es. Wie können da die Menschen frei sein dabei?

[ 1717 ] A question that becomes particularly clear to us in this case is one we should now spend a few minutes considering. One might easily raise the following question: Well, what about human freedom if significant events—such as Paris’s abduction of Helen—are brought about by something like a quarrel among the goddesses taking place up in the spiritual world? Human beings then appear to be mere instruments through which is carried out what is not only prepared but also brought to fruition up in the spiritual realms. Yes, in a certain sense one really must say: Everything that happens here below through human beings is the reflection of what happens in the spiritual world. — Here the question of freedom knocks forcefully at the gates of human knowledge. Are we truly automatons whose actions reflect what is taking place up there in the spiritual world? And again, what would become of the spiritual world—which is the guide and director of all that takes place—if, so to speak, it had nothing at all to do, if it were inactive? Two things must be understood. First, that the course of the world is truly guided and directed by spiritual forces and powers, and nothing happens that does not come down from the spiritual world; second, that human beings have free will. These two things seem to be diametrically opposed. And in fact, this touches upon a problem, a mystery that causes people an immense amount of trouble—one that people can hardly resolve easily, for this is how it is. Let us look up into the spiritual world—what the gods do are the gods’ actions, and the people down here carry out the gods’ impulses. That is how it is. How, then, can people be free in this process?

[ 181818 ] Lassen Sie mich Ihnen — natürlich kann man von diesem Problem nur immer einiges geben — andeutend dieses Problem mit ein paar Strichen hinstellen. Nehmen wir also an: da oben (es wird gezeichnet) seien die drei Göttinnen mit ihrem Streit, der sich unter ihnen abspielt. Das Resultat dieses Streites ist, daß auf die Erde herunterkommt der Impuls, der aus diesen Taten der drei Göttinnen hervorgeht. Wie die wiederum zusammenhängen mit den übergeordneten Hierarchien, das braucht uns bei dieser Frage nicht zu berühren. Das, was da oben geschieht, geschieht mit absoluter Notwendigkeit. Was der Paris tut, tut er also, weil oben die drei Göttinnen ihre Sache getan haben. Sie sagen: Wie ist da noch eine Freiheit bei Paris möglich? - Es ist fast ausgeschlossen! Aber der Strahl fällt herunter gewissermaßen auf die Erde, und da, auf der Erde, ist nicht einer, den er treffen kann, sondern da sind viele, die er treffen kann. Nehmen Sie an, da unten seien hundert. Neunundneunzig tun die Sache nicht, der Hundertste tut sie! Hier spielt nämlich wiederum das Geheimnis der Zahl eine Rolle. Man verwechselt immer den Umstand, daß Paris die Sache tut, damit, daß der Paris erst zum vollen Paris wird dadurch, daß er sich bereit findet, sich dahinzustellen, wo der Impuls hat stattfinden können. Die Götter hätten eben einen andern gefunden, wenn es der Paris nicht getan hätte. Dann würde man das von einem andern erzählen.

[ 1818 ] Let me—of course, one can only ever offer a glimpse of this problem—sketch out this problem in a few strokes. So let us assume: up there (as depicted) are the three goddesses with their conflict, which is unfolding among them. The result of this dispute is that the impulse arising from the actions of the three goddesses descends to Earth. How these actions, in turn, relate to the higher hierarchies is not something we need to address in this context. What happens up there occurs with absolute necessity. So what Paris does, he does because the three goddesses have done their part up there. You might ask: How is any freedom still possible for Paris?—It is almost impossible! But the ray falls, so to speak, onto the earth, and there, on earth, there is not just one person it can strike, but there are many it can strike. Suppose there are a hundred down there. Ninety-nine do not do the deed; the hundredth does! Here, once again, the mystery of numbers plays a role. People always confuse the fact that Paris does the deed with the fact that Paris only becomes the full Paris by being willing to stand where the impulse could take place. The gods would simply have found someone else if Paris hadn’t done it. Then the story would be told about someone else.

[ 191919 ] Auf dem Umwege durch die Zahl kommen Sie nämlich zur Lösung dieses Freiheitsrätsels. Und wenn sich in irgendeinem Zeitpunkte unter den hundert Untenstehenden keiner findet, dann warten die Götter, bis einer kommt; der vollzieht das, was die Götter ihm vorlegen. Er ist dadurch nicht im geringsten in seiner Freiheit beeinträchtigt, weil er die Sache ja auch unterlassen könnte. Denken Sie nur nach über diesen Teil des Problems der Zahl, dann werden Sie finden, daß göttlich-notwendige weisheitsvolle Weltenlenkung in keinem Widerspruche steht mit der menschlichen Freiheit. Natürlich umfaßt das nicht das ganze Problem der Freiheit, aber wiederum einen Teil.

[ 1919 ] It is precisely by taking this detour through the number that you arrive at the solution to this riddle of freedom. And if, at any given moment, none of the hundred listed below can be found, then the gods wait until one comes along; that person carries out whatever the gods set before him. This does not in the least impair his freedom, because he could, after all, choose not to do it. Just reflect on this aspect of the problem of number, and you will find that divinely necessary, wise governance of the world is in no way at odds with human freedom. Of course, this does not encompass the entire problem of freedom, but it does encompass one part of it.

[ 202020 ] Sie sehen, daß diejenigen Heroen des Griechentums schon in der gesamten Entwickelung der Menschheit etwas bedeuten, die so hineingestellt werden, daß sie ausgesetzt werden. Erinnern Sie sich: Sie werden in einem meiner Vorträge finden - ich weiß nicht, ob ich es öfters gesagt habe -, daß eine solche Sage des Ausgesetztwerdens sich auch an Judas anlehnt, daß auch von Judas erzählt wird, daß er in seiner Jugend ausgesetzt worden ist; von dem Judas Ischariot wird das erzählt. Dieses Ausgesetztwerden ist dasjenige, was in der Sprache des Mythus, in der Sprache der Sage das Hineingestelltsein der rebellischen Mächte, die sich auflehnen gegen die Blutsbande der vierten nachatlantischen Zeit, anbetrifft.

[ 2020 ] You can see that those heroes of Greek culture who are portrayed as being abandoned play a significant role in the overall development of humanity. Remember: You will find in one of my lectures—I don’t know if I’ve said this before—that such a legend of abandonment also applies to Judas, that it is also told of Judas that he was abandoned in his youth; this is told of Judas Iscariot. This act of abandonment is what, in the language of myth and legend, refers to the presence of the rebellious forces that rise up against the blood ties of the fourth post-Atlantean epoch.

[ 212121 ] Die Region, von der diese Dinge im vierten nachatlantischen Zeitraum impulsiert sind, ist die Region, in der die Erzengelwesen herrschen. Daher müssen die Erzählungen so gehalten werden, daß schon immer der Mensch ferner steht den Einflüssen, die aus der geistigen Welt geschehen. Es wird immer erzählt, wie es entweder ein Orakel ist, das die Kunde aus der geistigen Welt bringt, oder wie es der unmittelbare Einfluß ist der Götterwelt selber. Sie wissen, Helena ist eine Tochter der Leda mit dem Zeus, also da wirkt die geistige Welt herunter. In unserer Zeit, wo es zurückgebliebene finstere Engelwesen sind, wirken diese natürlich, ich möchte sagen, aus viel intimerem Umgang mit den Menschen heraus. Und ich habe schon gestern gesagt: Will man verschiedene Dinge, die sich an dieses Wirken der finsteren Mächte seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts anknüpfen, auch nur andeutend besprechen, so tritt man auf sehr, sehr dünnes Eis. - Aber aus dem ganzen Zusammenhange können Sie entnehmen, daß dasjenige, was gerade die richtige, normale Entwickelung für den vierten nachatlantischen Zeitraum war, das Struktursuchen durch die Blutsbande, daß das in der Zurückgebliebenheit für den fünften nachatlantischen Zeitraum einer der Impulse ist, mit denen die Menschen in diesem Zeitraum werden zu kämpfen haben. Dazu muß man allerdings hinzufügen, was ich auch schon gestern getan habe, daß etwas völlig Neues auftritt, während der vierte nachatlantische Zeitraum in seinem Ringen mit Geburt und Tod eine Wiederholung der atlantischen Zeit ist. Jetzt tritt etwas ganz Neues auf, welches unmittelbar aus der Maja, der Illusion heraus geschaffen wird. Aber diese Illusion, die müssen wir nun auch wiederum nur in der richtigen Weise verstehen. Maja war immer da, selbstverständlich. Denn alles Bewußtsein entsteht aus der Täuschung, wie ich in meinem Aufsatze, den Sie demnächst lesen werden im «Reich», in Anknüpfung an die Chymische Hochzeit des Christian Rosencreutz ausgeführt habe. Aber seit dem fünften nachatlantischen Zeitraum ist die Illusion, die Täuschung noch in einem ganz besonderen Maße vorhanden, weil sie immer mehr und mehr auftreten wird in der Form, daß die Menschen sich Illusionen hingeben werden. Und diese Illusionen waren immer da, waren aber verbunden mit andern Mächten, im dritten nachatlantischen Zeitraum mit den Kräften der Wahlverwandtschaft, im vierten mit den Kräften von Geburt und Tod, im fünften werden die Kräfte der Illusion verbunden sein mit den Kräften des Bösen, die Illusion, die Maja selber wird von dem Bösen ergriffen werden. Und alles das wird durchsetzt sein von dem, was ich auch schon besprochen habe, von der Gescheitheit, von der Intelligenz.

[ 2121 ] The region from which these things are inspired in the fourth post-Atlantean epoch is the region ruled by the archangelic beings. Therefore, the narratives must be structured in such a way that human beings have always been kept at a distance from the influences emanating from the spiritual world. The stories always depict either an oracle bringing news from the spiritual world or the direct influence of the world of the gods itself. As you know, Helen is the daughter of Leda and Zeus, so the spiritual world is at work there. In our time, when there are backward, dark angelic beings, these naturally act—I would say—out of a much more intimate relationship with human beings. And as I already said yesterday: If one wishes to discuss, even in the slightest way, various matters connected to this activity of the dark forces since the last third of the 19th century, one is treading on very, very thin ice. - But from the entire context you can gather that what was precisely the correct, normal development for the fourth post-Atlantean epoch—the search for structure through blood ties—is, in the state of backwardness of the fifth post-Atlantean epoch, one of the impulses with which people in this epoch will have to struggle. To this, however, one must add—as I did yesterday—that something entirely new is emerging, whereas the fourth post-Atlantean epoch, in its struggle with birth and death, is a repetition of the Atlantean era. Now something entirely new is emerging, created directly out of maya, out of illusion. But we must, in turn, understand this illusion in the right way. Maya has always been there, of course. For all consciousness arises from delusion, as I explained in my essay—which you will soon read in Reich—in connection with The Chemical Wedding of Christian Rosencreutz. But since the fifth post-Atlantean epoch, the illusion—the deception—has been present to an even greater degree, because it will increasingly manifest itself in the form of people indulging in illusions. And these illusions have always been there, but they were connected to other forces: in the third post-Atlantean epoch to the forces of elective affinity; in the fourth to the forces of birth and death; in the fifth, the forces of illusion will be connected to the forces of evil—the illusion, maya herself, will be seized by evil. And all of this will be permeated by what I have already discussed: cleverness and intelligence.

[ 222222 ] Es klingt paradox, wenn man sagt: Es ist gut für die Menschen, daß sie das alles kennenlernen können, denn nur dadurch, daß der Mensch am Widerstande wachsen muß, kann er wirklich zur Freiheit kommen. Das kann man leicht einsehen. Aber eben dasjenige, was mit der Zahl Fünf zusammenhängt, hängt immer zusammen in dieser Weise mit der Entfaltung, mit der Entwickelung des Bösen. Und die Menschen werden sich an eines gewöhnen müssen, das Hereinbrechen der Kräfte des Bösen wie das Hereinbrechen von Naturgesetzen, von Naturkräften aufzufassen, um sie kennenzulernen und zu wissen, was auf dem Untergrund der Dinge waltet und webt. Nicht das Böse betrachten von vornherein so, daß man nur in vollem Egoismus sich fluchtartig davon wegbringen will; das kann man nicht. Man muß es mit dem Bewußtsein durchdringen, aber man muß es auf der andern Seite wirklich kennenlernen, richtig kennenlernen. Vor allen Dingen in unserer Zeit schon breitet sich im Reiche der Menschen eine Kraft aus, die darauf hinausläuft, Illusionen zu erzeugen, die schädigend, störend sind. Ein kleines Beispiel für eine solche Illusion. Indem ich dieses Beispiel angebe wiederum, will ich durchaus nicht nach der einen oder nach der andern Richtung auch nur im geringsten Partei ergreifen, sondern ich will nur ein Beispiel für das Hereinbrechen der Illusion, des Illusionären angeben.

[ 2222 ] It sounds paradoxical to say: It is good for people to be able to experience all of this, because only by having to grow through resistance can a person truly attain freedom. This is easy to understand. But precisely that which is connected with the number five is always linked in this way to the unfolding and development of evil. And people will have to get used to viewing the irruption of the forces of evil in the same way as the irruption of natural laws and natural forces, in order to get to know them and to understand what reigns and weaves beneath the surface of things. Do not regard evil from the outset in such a way that you merely want to flee from it in utter selfishness; that is not possible. One must penetrate it with consciousness, but on the other hand, one must truly come to know it, to know it correctly. Above all, even in our time, a force is spreading throughout the human realm that amounts to creating illusions that are harmful and disruptive. Here is a small example of such an illusion. In giving this example, I certainly do not wish to take sides in one direction or the other in the slightest; rather, I merely wish to provide an example of the intrusion of illusion, of the illusory.

[ 232323 ] Nehmen Sie an, ein Politiker trete heute auf und wolle sich aussprechen nach seinem innersten Impulse über seine Stellung zu dem Weltrat, zu den verschiedenen Dingen, die man von da und dort geltend macht. Dieser Politiker würde veranlaßt werden, sich auszusprechen über dasjenige, was der Anteil — also mit den Völkern haben wir es dabei gar nicht zu tun — des britischen Staatswesens mit den entsprechenden Hintermächten, von denen wir ja oft gesprochen haben, ist an den gegenwärtigen Ereignissen. Ein Politiker würde sich veranlaßt fühlen, sich einmal auszusprechen darüber und klarzumachen, wie er meint, daß ein richtiges Verhältnis zu den britischen Impulsen einzurichten ist.

[ 2323 ] Suppose a politician were to take the floor today and, following his innermost impulse, speak out about his position on the World Council and on the various issues being raised here and there. This politician would be prompted to speak out about the role—that is, we are not concerned here with the peoples at all—that the British state, along with the corresponding powers behind the scenes of which we have often spoken, plays in current events. A politician would feel compelled to speak out on this matter and to clarify how, in his view, a proper relationship with British influences should be established.

[ 242424 ] Wenn ein solcher Politiker nun das Folgende sagen würde: Es wäre eine unfreundliche Handlung gegen die Macht, die das Meer beherrscht, ihre Überlegenheit zu lähmen. — Was würden Sie sagen? Dieser Politiker konstatiert: Es ist da eine Macht, die das Meer beherrscht; man muß Stellung nehmen. Es ist aber eine unfreundliche Handlung, diese Macht, da sie doch das Meer beherrscht, in ihrer Entfaltung zu lähmen. Also unterlasse man diese unfreundliche Handlung. - Was könnte man von einem solchen Politiker sagen? Ich glaube, das Geringste, was man sagen könnte, wäre, er vertritt eine Machtpolitik. Wo die Macht ist, da wendet man sich hin, nicht wahr. Das scheint doch zum mindesten aus seinen Worten hervorzugehen. Heute tut man das nicht. Man stellt sich nicht hin in einem solchen Fall und sagt: Ich vertrete eine Machtpolitik, ich schließe mich derjenigen Macht an, welche eben die Macht hat -, sondern heute sagt man, wenn man dieses so definiert: Ich trete ein für Recht und Freiheit und Unabhängigkeit der Völker.

[ 2424 ] If such a politician were to say the following: “It would be an unfriendly act toward the power that rules the sea to cripple its supremacy”—what would you say? This politician states: There is a power that rules the sea; one must take a stand. But it is an unfriendly act to hinder the development of this power, since it rules the seas. Therefore, one should refrain from this unfriendly act. — What could one say about such a politician? I believe the least one could say is that he advocates a policy of power. Where there is power, that is where one turns, isn’t it? That, at the very least, seems to emerge from his words. Today, people don’t do that. In such a case, one does not stand up and say: “I advocate a policy of power; I align myself with whichever power happens to hold the reins”—but today, if one defines it this way, one says: “I stand for justice, freedom, and the independence of peoples.”

[ 252525 ] Diese zwei Dinge sagt man nebeneinander: Man trete ein für Recht und Freiheit der Völker - und man sagt daneben: Man soll nur ja sich anschließen und keine unfreundliche Handlung begehen gegenüber derjenigen Macht, die eben die Macht hat. — Sehen Sie, wie sich die Menschen hineinverstricken in die Illusionen! Ich habe Ihnen das Beispiel des schwedischen Politikers Branting vorgeführt, denn das ist der Mann, der so gesprochen hat, ein neutraler Politiker. So treibt man Neutralitätspolitik natürlich. Darinnen liegt kein Vorwurf, darinnen liegt keine Parteinahme, sondern darinnen liegt nur eine Charakteristik, wie die Dinge heute gehen müssen. Man ist selbstverständlich enthusiasmiert für Recht und Freiheit der Völker, aber man vertritt eine solche Politik. Aber man gesteht nicht, man vertritt diese Politik, weil man eben nicht anders kann — das wäre ja die Wahrheit -, sondern man sagt, man vertritt diese Politik aus den Impulsen des Rechts und der Freiheit der Völker heraus.

[ 2525 ] These two things are said side by side: One advocates for the rights and freedom of peoples—and at the same time says: One should definitely join forces and not commit any hostile acts against the very power that currently holds power. — See how people get entangled in these illusions! I gave you the example of the Swedish politician Branting, because he is the man who spoke this way—a neutral politician. This, of course, is how a policy of neutrality is pursued. There is no accusation in this, no taking sides; rather, it is simply a description of how things must be today. One is, of course, enthusiastic about the rights and freedoms of peoples, but one pursues such a policy nonetheless. Yet one does not admit that one pursues this policy because one simply has no other choice—for that would be the truth—but rather one claims to pursue this policy out of a commitment to the rights and freedoms of peoples.

[ 262626 ] Mit solchen Dingen muß man sich heute schon befassen. Es genügt nicht, daß irgend jemand die Märchen, die durch die Welt gehen, auf sich wirken läßt, sondern die Dinge müssen heute ins Bewußtsein hereingenommen werden. Sie müssen ins Bewußtsein aufgenommen werden. Nur dadurch ist es möglich, den Anschluß zu gewinnen an die Entwickelungsimpulse, wie wir sie dargestellt haben. Denn sehen Sie, kein Zeitalter eigentlich war so wenig über sich selbst aufgeklärt wie dieses jetzige, und kein Zeitalter hat so nötig Aufklärung über sich selbst wie dieses jetzige! Denken Sie doch nur einmal, dieses jetzige Zeitalter war sehr stolz auf seine großen Fortschritte in allen möglichen menschlichen Gedanken. Man hatte es endlich dahin gebracht, aus der Naturwissenschaft heraus Impulse zu finden auch für die Sozialwissenschaft. Ich habe Ihnen über die Sozialwissenschaft öfter gesprochen.

[ 2626 ] We must address such matters today. It is not enough for anyone to simply let the fairy tales circulating around the world sink in; rather, these matters must be brought into our consciousness today. They must be taken into our consciousness. Only in this way is it possible to connect with the impulses of development as we have described them. For you see, no age has actually been as uninformed about itself as the present one, and no age is in such dire need of self-understanding as the present one! Just think about it: this present age was very proud of its great advances in all manner of human thought. People had finally succeeded in deriving impulses from the natural sciences for the social sciences as well. I have spoken to you about the social sciences on several occasions.

[ 272727 ] Gehen Sie aber hin und suchen Sie sich dasjenige, was heute von offiziellen Stätten oftmals noch gesagt wird über Erziehungsfragen, über soziale Fragen, über Rechtsfragen und so weiter. Versuchen Sie sich zu versetzen in die Gesinnung, mit der die Menschen glauben ihre unfehlbaren Wahrheiten vorzubringen, mit der sie alles, alles zu Boden treten wollen, was aus irgendeinem andern Winkel heraustönt. Ein Teil desjenigen, was die moderne Menschheit geglaubt hat, hat dazu geführt, daß durch die Impulse dieser modernen Menschheit, durch die Illusionsimpulse auf der einen Seite — die Illusionsimpulse auf der einen Seite, will ich nur sagen -, durch die Nationalitätsimpulse auf der andern Seite, das eingetreten ist, was bereits nach zwei Jahren - jetzt sind es schon über drei Jahre - in Europa fünf Millionen Tote gebracht hat und drei bis dreieinhalb Millionen unheilbar Verwundete. Das war nach zwei Jahren, jetzt sind es weit über drei Jahre. Und das ist nur die Konsequenz desjenigen, was erst an falschen Gedanken gelebt hat, an Gedanken, in denen sich verbindet die Illusion mit der zerstörenden Macht. Aus mancherlei anderem, was über Erziehung gesprochen wird, was über Rechtsfragen gesprochen wird, wird sich ein Ähnliches entwickeln, wenn es in der vom spirituellen Wesen unbeeinflußten Weise weiterrollt. Alles kommt darauf an, daß dieser fünfte nachatlantische Zeitraum notwendig hat ein Entfachen der spirituellen Kräfte im Menschheitsbewußtsein. Die Kritik der entgegengesetzten materialistischen Meinung ist nur ein Teil des Eifers, mit dem wir die spirituellen Impulse in uns wachrufen. Und das ist die Hauptsache. Denn dasjenige, was unter Menschen geschehen soll, muß durch Menschen unternommen werden. Haben wir uns reif gemacht, uns hinzustellen da, wo der Strahl herunterfällt, er wird schon kommen, dessen können Sie sicher sein! Aber dies Reifmachen kann nur auf dem Wege der Gemeinsamkeit geschehen. Das wird im fünften nachatlantischen Zeitraum nur in bezug auf die Idee die Sache der einzelnen Menschen sein. Auf das Verständnis, das die Gemeinschaften diesen Ideen entgegenbringen, darauf wird es ankommen. Halten Sie an diesem Gedanken fest, meine lieben Freunde!

[ 2727 ] But go and look for what is still often said today by official sources about educational issues, social issues, legal issues, and so on. Try to put yourself in the mindset with which people believe they are presenting their infallible truths—a mindset with which they want to trample everything, absolutely everything, that comes from any other perspective. Part of what modern humanity has believed has led to the fact that, through the impulses of this modern humanity—through the impulses of illusion on the one hand—the impulses of illusion on the one hand, I just want to say—and through the impulses of nationalism on the other hand—what has come to pass is that, after just two years —it has now been over three years—resulted in five million deaths in Europe and three to three and a half million irreparably wounded. That was after two years; now it has been well over three years. And this is merely the consequence of what has been sustained by false ideas—ideas in which illusion is combined with destructive power. From many other things discussed regarding education and legal issues, something similar will develop if they continue to unfold in a manner uninfluenced by the spiritual being. Everything hinges on the fact that this fifth post-Atlantean epoch necessarily requires a kindling of the spiritual forces in human consciousness. Criticism of the opposing materialistic view is only part of the zeal with which we awaken the spiritual impulses within ourselves. And that is the main thing. For what is to happen among human beings must be undertaken by human beings. Once we have matured enough to stand where the ray falls, it will surely come—of that you can be certain! But this preparation can only take place through a spirit of community. In the fifth post-Atlantean epoch, this will be the responsibility of individual human beings—but only with regard to the idea itself. What will matter is the understanding that communities bring to these ideas. Hold fast to this thought, my dear friends!