The Faust Problem
The Romantic and Classical Walpurgis Night
GA 273
27 September 1918, Dornach
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Faust Problem, tr. SOL
7. Geisteswissenschaftliche Ausführungen in Anknüpfung an die «Klassische Walpurgisnacht»
7. Reflections on Spiritual Science in Connection with the “Classical Walpurgis Night”
[ 1 ] Eigentlich wollte ich heute nach der Aufführung einige Bemerkungen daran knüpfen, die in der Art einer künstlerischen Betrachtung sich hätten anschließen sollen an die aufgeführten Szenen des «Faust». Da aber die Aufführung wegen einiger Erkrankungen nicht stattfindet und der Vortrag daher für sich stehen kann, so werde ich die Sache etwas anders einrichten. Ich werde anknüpfen an die Szene, die dann am Sonntag, einhalb sieben Uhr, hier aufgeführt werden soll, aber ich werde — das bemerke ich ausdrücklich — nicht über die Szene vom künstlerischen Standpunkt aus sprechen, sondern ich werde von einem andern Gesichtspunkte aus über diese Szene sprechen, mehr in Anknüpfung an diese Szene, indem ich an das Vorliegen dieser Szene als Goethesche Leistung einige geisteswissenschaftliche Ausführungen anknüpfe, die sich wiederum in einer gewissen Beziehung anschließen an das schon in diesem Herbst hier Gesagte. Gerade um Mißverständnisse nach dieser Richtung zu vermeiden, bitte ich, das ausdrücklich ins Auge zu fassen, daß ich nicht vom künstlerischen Standpunkt aus sprechen, sondern an diese Szene geisteswissenschaftliche Bemerkungen anknüpfen werde. Wer diese Szene, um die es sich dann handeln wird, an seiner Seele vorüberziehen läßt, hat Gelegenheit, recht tief in Goethes Seele hineinzuschauen, insofern als diese Szene und auch die nächstfolgende, die dann zur Helena-Phantasmagorie hinüberführt, ganz besonders zeigen, wie Goethe fühlte und ahnte — wenn er das auch noch nicht in ausgesprochenen Ideen hatte — geisteswissenschaftliche Wahrheiten. Ein Dichter, der nicht mit seinem Erkennen in geisteswissenschaftliche Wahrheiten hineinragt, hätte diese Szenen ganz gewiß so nicht gemacht. Es würde zu weit führen, wollte ich auch nur einleitend — was ein anderes Mal geschehen kann — darüber sprechen, auf welchem Wege Goethe zu seinen geisteswissenschaftlichen Einsichten gekommen ist. Ich will einfach dasjenige an die Szene anknüpfen, was Ihnen ersichtlich machen kann, wie Goethe gewisse Dinge der geistigen Welt ansehen mußte, um die Szene so zu gestalten, wie sie ist. Das, was ich vor einigen Tagen hier ausgeführt habe über die Entwickelung des Menschen als zeitlich-leibliches Wesen, kannte Goethe in ausgesprochenen Ideen allerdings nicht. Man kann nicht sagen, daß sich irgendwie in Goethes Entwickelungsgang nachweisen ließe ein ausgesprochenes Wissen davon, daß der Mensch in seiner Lebensmitte erst aus seinem Leibesorganismus heraus die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis erhält. Wir wissen das aus den Betrachtungen, die wir in diesen Wochen hier angestellt haben, daß in einer gewissen Weise der Mensch erst etwa mit dem Ende der Zwanzigerjahre fähig wird, durch die Kräfte, die er aus seiner eigenen Leibesorganisation heraus entwickelt, Selbsterkenntnis zu erringen. Man muß, wenn man über diese Dinge sich sachgemäß unterrichten will, ins Auge fassen, daß der Mensch wirklich ein kompliziertes Wesen ist. Man versteht ihn nur, wenn man zunächst sich klarmacht, inwiefern er - wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, der heute vielfach von der Wissenschaft angefochten wird — ein Geschöpf ist, und daß dieses Geschöpf zurückweist auf seine Schöpfer, auf seine geistigen Schöpfer.
[ 1 ] Actually, I had intended to follow up today’s performance with some remarks that, in the spirit of an artistic reflection, were to have complemented the scenes from Faust that were to be performed. However, since the performance has been canceled due to several illnesses and the lecture can therefore stand on its own, I will structure things a little differently. I will refer to the scene that is scheduled to be performed here on Sunday at 6:30 p.m., but I will—and I want to make this explicitly clear—not speak about the scene from an artistic standpoint; rather, I will speak about it from a different perspective, more in connection with this scene, by linking the existence of this scene as a work by Goethe to some remarks on Spiritual Science, which in turn relate in a certain way to what has already been said here this fall. Precisely to avoid misunderstandings of this kind, I ask you to bear in mind explicitly that I will not be speaking from an artistic standpoint, but will be linking remarks from Spiritual Science to this scene. Anyone who allows this scene—which will be the subject of my discussion—to pass through their soul has the opportunity to look quite deeply into Goethe’s soul, insofar as this scene, and also the one that follows, which then leads into the Helena phantasmagoria, show quite particularly how Goethe felt and sensed—even if he did not yet have them as articulated ideas—truths of Spiritual Science. A poet whose understanding does not extend into truths of Spiritual Science would certainly not have written these scenes in this way. It would take us too far afield if I were to discuss—even just by way of introduction, which can be done another time—the path by which Goethe arrived at his insights into Spiritual Science. I simply wish to link to the scene that which can make it clear to you how Goethe must have viewed certain aspects of the spiritual world in order to shape the scene as it is. What I explained here a few days ago regarding the development of the human being as a temporal-physical being was certainly not known to Goethe in the form of explicit ideas. One cannot say that Goethe’s own development in any way demonstrates an explicit awareness that it is only in middle age that a human being acquires the capacity for self-knowledge through his or her physical organism. We know from the reflections we have made here in recent weeks that, in a certain sense, it is only around the end of one’s twenties that a human being becomes capable of attaining self-knowledge through the forces developed from within one’s own physical organism. If one wishes to educate oneself properly about these matters, one must recognize that the human being is truly a complex being. One can only understand him if one first realizes to what extent he is—if I may use the term, which is today widely contested by science—a creature, and that this creature points back to his creators, to his spiritual creators.
[ 2 ] Nun kann man - ich möchte sagen gewissermaßen geistig-chemisch, wenn ich den pedantischen Ausdruck gebrauchen darf — herausheben aus dem Menschen dasjenige, was dieser Mensch rein dadurch ist, daß er in einer gewissen Abhängigkeit von seinen ihm ureigenen geistigen Schöpfern ist, von denjenigen Wesen unter den Hierarchien der Weltenordnung, deren besondere Mission im Weltenall gipfelt in der Schöpfung des Menschen, von denjenigen Wesen, mit denen sich daher der Mensch als Mensch ganz besonders verwandt fühlen muß. Wenn man den Menschen so loslöst, kann man schematisch die Sache so darstellen. Denken wir, in irgendeinem Punkte seiner Entwickelung würde der Mensch durch diesen Kreis hier dargestellt werden. Verfolgt man dann die menschliche Wesenheit, die ich durch diesen Kreis darstellen will, rücklaufend in ihrem Hervorgehen aus ihren geistigen Schöpfern, so würde das diese Strömung darstellen, die ich hier also — orange — andeuten will. Wenn man zurückgehen, prüfen würde, wie der Mensch durch die Monden-, Sonnen-, Saturnzeit und später durch die Erdenzeit sich entwickelt, würde man die Eigenheiten der einzelnen Wesenheiten der höheren Hierarchien finden, so wie sie Ihnen aus meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» bekannt sind. Man würde finden das Zusammenwirken, die Wechselbeziehungen dieser Hierarchien, und man würde, wenn man durchschaute den Zusammenhang des Menschen mit den Hierarchien, zu einer Anschauung darüber kommen, wie der Mensch gewissermaßen das Ziel der Götterschöpfung ist in der Art, wie ich das in dem zweiten Mysteriendrama in einem Gespräche, das Capesius gleich in der ersten Szene zu führen hat mit dem Hierophanten, zur Darstellung gebracht habe. Ich habe dort auch auf die bedenkliche Seite einer solchen Erkenntnis für den unreifen Menschen hingewiesen.
[ 2 ] Now one can—I would say, in a sense, spiritually-chemically, if I may use that pedantic term — what it is that makes a human being what he is purely by virtue of his being in a certain dependence on his very own spiritual creators, on those beings within the hierarchies of the world order whose special mission in the universe culminates in the creation of the human being, on those beings with whom the human being, as a human being, must therefore feel a very special kinship. If one isolates the human being in this way, one can schematically represent the matter as follows. Let us imagine that, at some point in their development, the human being would be represented by this circle here. If one then traces the human being—whom I wish to represent by this circle—backward in their emergence from their spiritual creators, this would represent the current that I wish to indicate here—in orange. If one were to go back and examine how the human being develops through the Lunar, Solar, and Saturnian epochs and later through the Earth epoch, one would discover the characteristics of the individual beings of the higher hierarchies, as you know them from my Outline of Esoteric Science. One would discover the interplay and interrelationships of these hierarchies, and, upon comprehending the connection between the human being and the hierarchies, one would arrive at an understanding of how the human being is, so to speak, the goal of divine creation—in the manner I depicted this in the second Mystery Drama, in a conversation that Capesius has with the Hierophant right in the first scene. There I also pointed out the perilous aspect of such a realization for the immature human being.


[ 3 ] Aber gerade, wenn man sich nun frägt: Was würde der Mensch im Laufe seiner physischen Lebensentwickelung zwischen Geburt und Tod, wenn er nur dem Einflusse dieser seiner Schöpfer unterworfen wäre, was würde er dann? Er würde dann jenes Wesen für die physische Welt, das gewissermaßen erst für die Selbsterkenntnis am Ende der Zwanzigerjahre reif wird. Denn diese schöpferischen Wesenheiten haben sich die Aufgabe gestellt, den Menschen so zu gestalten, daß er innerhalb seiner irdischen Entwickelung das erlangt, was er erlangt auf der Grundlage seiner Leibesorganisation, derjenigen Organisation, die selbst aus dem Irdischen genommen ist, die also verwandt ist mit den irdischen Stoffen, verwandt ist mit dem Wechselspiel der irdischen Kräfte. Ich möchte sagen: Von ihren Intentionen aus geben diese göttlichen Wesenheiten dem Menschen Gelegenheit, sich gesund allseitig vorzubereiten durch seine Leibesorganisation bis zu dem Ende der Zwanzigerjahre zur Selbsterkenntnis und zur Welterkenntnis, welche von der Selbsterkenntnis ausgeht. - Und dann würden sie ihm Gelegenheit geben in der zweiten Lebenshälfte, diese Selbsterkenntnis in einem ganz andern Maße zu treiben, als der Mensch sie jetzt als Erdenmensch, so wie er ist, betreiben kann. Der Mensch würde, wenn er wirklich erst aufwachte, wie es in den Intentionen der zu ihm gehörigen Geister der Hierarchien lag, dann zwar spät, mit dem Ende der Zwanzigerjahre, zur‘ Selbsterkenntnis und der damit verbundenen Welterkenntnis aufwachen, aber er würde diese Selbsterkenntnis und damit verbundene Welterkenntnis in einem hohen Glanze erlangen. Er würde wirklich sich innerlichst Aufschluß geben können über die Frage: Was bin ich als Mensch? — was er in der Gegenwart unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht kann. Er würde diese Selbsterkenntnis auch als Anschauung haben, würde sie nicht durch abstrakte Begriffe erwerben müssen. Beides ist nicht vorhanden. In der ersten Hälfte des Lebens ist nicht jener herabgeminderte Bewußtseinszustand vorhanden, welcher, ich möchte sagen, nicht durch ein Schlafleben, aber durch ein Dämmerleben, in dem der Mensch dann von höherer Intelligenz, nicht von seiner eigenen, durchstrahlt wäre, in ganz anderer Weise seine leibliche Organisation ausbilden würde, um dann zur Selbsterkenntnis zu erwachen. Weder ist dieser Dämmerzustand vorhanden, sondern es tritt verhältnismäßig früh für den Menschen eine gewisse, wenn auch nicht durchaus jene glanzvolle Selbsterkenntnis auf, welche in den Intentionen seiner Schöpfer liegt, noch tritt dann wiederum nach der Lebensmitte jene Selbsterkenntnis auf, welche auftreten könnte wiederum nach den Intentionen dieser Schöpfer. Und wenn wir fragen: Was ist eigentlich schuld daran, daß dies nicht so ist? — dann kommen wir zu den andern Strömungen, welche Einfluß haben auf den Menschen. Wir kommen dann zu jener Strömung, die nicht eigentlich in seinem Wesen liegt, sondern die sich gewissermaßen zeitlich mit ihm vereinigt hat, wir kommen zu der luziferischen Strömung — gelb -, zu jener Strömung, die ihm möglich machte, daß er in der ersten Lebenshälfte schon eine gewisse, wenn auch nicht die geschilderte glanzvolle Selbsterkenntnis hat.
[ 3 ] But precisely when one asks: What would a human being become in the course of his physical life development between birth and death, if he were subject only to the influence of these creators of his—what would he then become? He would then become that kind of being in the physical world who, in a sense, only matures for self-knowledge at the end of his twenties. For these creative beings have set themselves the task of shaping human beings in such a way that, within the course of their earthly development, they attain what they attain on the basis of their physical constitution—that constitution which is itself derived from the earthly realm and is therefore related to earthly substances and to the interplay of earthly forces. I would like to say: Based on their intentions, these divine beings give human beings the opportunity to prepare themselves in a healthy and all-encompassing way—through their physical constitution—up until the end of their twenties, for self-knowledge and for knowledge of the world, which arises from self-knowledge. - And then they would give him the opportunity, in the second half of his life, to pursue this self-knowledge on a completely different scale than human beings can now, as earthly beings, in their present state. If human beings were to truly awaken—as was the intention of the spirits of the hierarchies associated with them—they would indeed awaken late, toward the end of their twenties, to self-knowledge and the associated knowledge of the world; yet they would attain this self-knowledge and associated knowledge of the world in a most radiant way. He would truly be able to gain the deepest inner insight into the question: “What am I as a human being?”—something he cannot do at present under ordinary circumstances. He would also have this self-knowledge as a direct perception, rather than having to acquire it through abstract concepts. Neither of these is present. In the first half of life, that diminished state of consciousness is not present—a state which, I would say, is not one of sleep but of a twilight state, in which the human being would be permeated by a higher intelligence—not his own—and would develop his physical constitution in an entirely different way, only to then awaken to self-knowledge. Not only is this twilight state absent, but a certain—albeit not quite the glorious—self-knowledge intended by humanity’s creators emerges relatively early in a person’s life; nor does that self-knowledge, which could emerge according to the intentions of these creators, appear again after middle age. And when we ask: What is actually to blame for the fact that this is not the case? — then we come to the other currents that influence human beings. We then come to that current which does not actually lie within his being, but which has, so to speak, temporarily united with him; we come to the Luciferic current—yellow—to that current which made it possible for him to already possess, in the first half of his life, a certain degree of self-knowledge, even if not the resplendent kind described.
[ 4 ] Und eine andere Strömung - blau - vereinigt sich mit ihm zeitlich, wie Sie wissen, etwas später. Es ist die ahrimanische Strömung, diejenige Strömung, welche verhindert, daß der Mensch, so wie er jetzt ist als Erdenmensch, in der zweiten Lebenshälfte zur glanzvollen Selbsterkenntnis kommt, welche ihm von seinen Schöpfern zugedacht ist. Das Bewußtsein des Menschen ist gewissermaßen nach den Intentionen seiner Schöpfer für einen viel helleren Zustand veranlagt als den, in den es eintritt in der zweiten Lebenshälfte. Es wird herabgedämmert durch die ahrimanische Strömung. Natürlich dürfen wir nicht glauben, daß die luziferische Strömung nur in der ersten Lebenshälfte und die ahrimanische Strömung nur in der zweiten Lebenshälfte vorhanden wären; sie dauern durch das ganze Leben hindurch. Aber, ich möchte sagen, zu tun machen sich diese Strömungen in den angegebenen Zeiten des menschlichen Lebens mit dem, was ich angedeutet habe. In andern Zeiten haben sie mit etwas anderem zu tun. Darauf kommt sehr viel an, daß man in diesen Dingen nicht etwa falsche Schlüsse zieht aus dem, was gesagt wird. Also es darf niemals etwa jemand sagen, es wäre hier ausgesprochen worden, der Mensch sei in der ersten Lebenshälfte luziferisch, in der zweiten Lebenshälfte ahrimanisch; das wäre total falsch. Solche Mißverständnisse entstanden oft, und es ist sehr wichtig, daß man sich solchen Mißverständnissen nicht hingibt. Deshalb betone ich immer wieder und wiederum, in der Geisteswissenschaft wird angestrebt, genau zu sprechen. Und in der Geisteswissenschaft wird viel gesündigt dadurch, daß das genau Gesprochene in einer beliebig abgeänderten Form, nachlässig abgeänderten Form dann in die Welt hinausgetragen wird.
[ 4 ] And another current—blue—joins it, as you know, a little later. It is the Ahrimanic current, the current that prevents human beings—as they are now as earthly human beings—from attaining, in the second half of life, the glorious self-knowledge intended for them by their creators. Human consciousness is, so to speak, predisposed—according to the intentions of its creators—for a much brighter state than the one into which it enters in the second half of life. It is dimmed by the Ahrimanic current. Of course, we must not believe that the Luciferic current is present only in the first half of life and the Ahrimanic current only in the second half; they persist throughout the entire life. But I would say that during the specified periods of human life, these currents are at work in the ways I have indicated. At other times, they are concerned with something else. It is very important not to draw false conclusions from what is said about these matters. So no one should ever say, for example, that it has been stated here that a person is Luciferic in the first half of life and Ahrimanic in the second half; that would be completely wrong. Such misunderstandings have often arisen, and it is very important not to succumb to them. That is why I emphasize again and again that in Spiritual Science, the aim is to speak precisely. And in Spiritual Science, a great deal of harm is done when what has been said precisely is then carried out into the world in an arbitrarily altered form—a carelessly altered form.
[ 5 ] So steht der Mensch in einer, man möchte sagen, dreigliedrigen Strömung: darinnen, wovon nur die eine diejenige ist, Zu der er eigentlich gehört. Die andern beiden Strömungen liegen nicht ursprünglich in der menschlichen Entwickelung, sondern sie vereinigen sich, wenn wir so sagen dürfen, zeitlich mit ihr. Wir können sogar den Zeitpunkt angeben, und Sie finden ihn in meiner «Geheimwissenschaft» verzeichnet: die luziferische Strömung in der sogenannten lemurischen Zeit, die ahrimanische Strömung in der sogenannten atlantischen Zeit.
[ 5 ] Thus, human beings are situated within what one might call a threefold current: only one of these currents is the one to which they truly belong. The other two currents are not originally part of human evolution, but rather, if we may put it that way, they join with it over time. We can even specify the time period, and you will find it recorded in my The Secret Science: the Luciferic current in the so-called Lemurian period, the Ahrimanic current in the so-called Atlantean period.
[ 6 ] Nun kann man nicht sagen, daß Goethe ganz ausgesprochen irgend etwas gewußt hat von jener eigentümlichen Entwickelungsphase des Menschen, die in der Lebensmitte für diesen Menschen eintritt. Aber er hat gefühlt, geahnt und sehr deutlich geahnt, daß der Mensch durch Impulse, die in der Weltenordnung liegen, in seiner zweiten Lebenshälfte im Grunde doch ein anderes Wesen ist als in der ersten Lebenshälfte. Und wenn man mit einem Blick ins Seelenleben, der tiefer blicken kann, als die heutige Oberflächlichkeit oftmals will, Goethes ganze Sehnsucht ansieht, aus der südlichen Kultur, aus Italiens Kultur für sein eigenes Leben etwas ganz Besonderes zu gewinnen, wenn man dann verfolgt, was für einen Einfluß er über diesen Gewinn durch seine italienische Reise für sein Erkennen, für sein Künstlertum bei sich selbst verzeichnet, dann bekommt man auch eine Empfindung davon, wie Goethe das Hinübergehen in die zweite Lebenshälfte für sich fruchtbar machen wollte durch einen tiefgehenden, intensiven Einfluß, von dem er glaubte, daß er ihn nicht finden könne, wenn er in seinen alten Verhältnissen bleibe. Goethe war sich also bewußt, daß in den Vierzigerjahren etwas eintritt für die menschliche Seele, was in ganz anderer Weise Aufschluß geben muß über das Wesen des Menschen, als in der ersten Lebenshälfte durch eigene menschliche Kräfte ein solcher Aufschluß zu gewinnen ist. Und diese ahnende, aber sehr deutlich ahnende Erkenntnis ist eingeflossen in die Schöpfung des zweiten Teiles des Goetheschen «Faust». Für Goethe war es immer eine ganz besondere Schwierigkeit, sich der Frage zu nähern: Wie gewinnt man Selbsterkenntnis? — Das Ringen nach Selbsterkenntnis ist zu bemerken in der allerinteressantesten, in der allerbedeutsamsten Weise, wenn man Goethes Entwickelung im rechten Lichte verfolgt. Und nach und nach - nicht schon, als er die Jugendpartien des «Faust» schrieb -, sondern nach und nach nahm die Schöpfung seiner Faust-Gestalt und der ganzen FaustDichtung ein solches Gepräge an, daß das Ringen nach menschlicher Selbsterkenntnis in dem Faust sich besonders ausdrücken sollte. Im Zusammenhange damit hat Goethe ersonnen die Figur des Homunkulus. Wie gesagt, ich spreche heute nicht vom künstlerischen Standpunkte, sondern ich knüpfe geisteswissenschaftliche Bemerkungen an Goethes «Faust» an. Also die Figur des Homunkulus hat Goethe ersonnen im Zusammenhange mit dem Streben, in Faust den nach Selbsterkenntnis ringenden Menschen darzustellen. Was wurde unter dem Einflusse dieses Sinnens nach der Selbsterkenntnis des Faust die Homunkulus-Gestalt? Sie wurde dasjenige, was repräsentiert die Menschenerkenntnis durch den Menschen. Was kann man wissen über den Menschen, wenn man das Wissen zusammennimmt, das man über die Stoffe, über die Kräfte der Erde hat? Wie kann man sich denken, daß dasjenige, was uns sonst in den Reichen der Natur umgibt an Ingredienzien des Erdendaseins, sich zusammengestaltet und den Menschenbildet? Wie kann man sich das vorstellen? Das wurde für Goethe eine brennende Frage.
[ 6 ] Now, one cannot say that Goethe knew anything specific about that peculiar phase of human development that begins for a person in midlife. But he sensed—and sensed very clearly—that, due to impulses inherent in the order of the world, a person is, in the second half of life, fundamentally a different being than in the first half. And if one looks at Goethe’s entire longing—to gain something very special for his own life from Southern culture, from Italian culture—with a gaze into the life of the soul that can see deeper than today’s superficiality often allows, and if one then traces the influence he recorded within himself—through this gain from his Italian journey—on his understanding and his artistry, then one also gains a sense of how Goethe sought to make the transition into the second half of his life fruitful for himself through a profound, intense influence—one he believed he could not find if he remained in his old circumstances. Goethe was thus aware that something occurs in the human soul in one’s forties that must shed light on the nature of the human being in a completely different way than such insight can be gained in the first half of life through one’s own human powers. And this intuitive—yet very clear—insight found its way into the creation of the second part of Goethe’s Faust. For Goethe, it was always a particularly difficult challenge to approach the question: How does one attain self-knowledge? — The struggle for self-knowledge can be observed in the most interesting and most significant way when one traces Goethe’s development in the proper light. And little by little—not when he was writing the youthful sections of Faust, but little by little—the creation of his Faust character and the entire Faust epic took on such a character that the struggle for human self-knowledge was to find particular expression in Faust. In connection with this, Goethe conceived the figure of the homunculus. As I said, I am not speaking today from an artistic standpoint, but rather I am making remarks from the perspective of Spiritual Science regarding Goethe’s Faust. Thus, Goethe conceived the figure of the homunculus in connection with the endeavor to portray in Faust the human being struggling for self-knowledge. What did the figure of the homunculus become under the influence of this contemplation of Faust’s self-knowledge? It became that which represents human self-knowledge through the human being. What can one know about human beings when one brings together the knowledge one has about matter and the forces of the Earth? How can one conceive that the very elements of earthly existence that otherwise surround us in the realms of nature come together to form the human being? How can one imagine this? This became a burning question for Goethe.
[ 7 ] Bedenken Sie nur: als Schiller seine Freundschaft mit Goethe schloß, da schrieb er einen bedeutungsvollen Brief an Goethe. Ich habe diesen Brief oftmals zitiert, weil er sowohl charakteristisch ist für Goethes und Schillers Freundschaft wie auch für Goethes ganzen Seelencharakter. Da schreibt Schiller: Ich habe lange, obzwar aus ziemlicher Ferne, das Wesen und den Gang Ihres Geisteslebens angesehen, mit immer erhöhter Bewunderung betrachtet, und ich habe gesehen, daß Sie sich bemühen, alles dasjenige, was die Natur sonst darbietet, gewissermaßen zusammenzufassen und aus der Totalität des ganzen Naturwirkens im Geiste sich zuletzt den Menschen zusammenzusetzen. Ein heldenmäßiges Unternehmen - schreibt Schiller -, vor dem jeder andere Intellekt scheitern müßte. Wären Sie als ein Grieche geboren oder nur als ein Italiener - meint Schiller -, so wäre schon von Ihrer frühesten Jugend ab die imaginative Kraft in Ihnen gelegen, aus den einzelnen Ingredienzien der Natur sich den Menschen zusammengestellt zu denken. Da Sie aber in dieser nordischen Natur geboren sind, waren Sie genötigt, in Ihrer Seele geistig ein Griechenland zu gebären und durch die Imagination dasjenige zu ersetzen, was nicht in Ihrer Natur lag.
[ 7 ] Just consider this: when Schiller formed his friendship with Goethe, he wrote a significant letter to Goethe. I have quoted this letter many times because it is characteristic both of Goethe’s and Schiller’s friendship and of Goethe’s entire spiritual character. In it, Schiller writes: “For a long time, though from a considerable distance, I have observed the nature and course of your intellectual life, viewing it with ever-increasing admiration, and I have seen that you strive, as it were, to synthesize all that nature otherwise offers and, from the totality of all natural processes, to ultimately reconstruct humanity in the mind.” “A heroic undertaking,” writes Schiller, “before which every other intellect would be bound to fail. Had you been born a Greek—or even merely an Italian,” Schiller suggests, “the imaginative power to conceive of the human being as a composite of nature’s individual elements would have resided within you from your earliest youth.” But since you were born into this Nordic nature, you were compelled to give birth to a Greece within your soul and, through imagination, to replace that which was not inherent in your nature.
[ 8 ] Also Schiller schreibt Goethe zu dieses Streben nach Menschenerkenntnis durch Zusammenfügung aller Einzelheiten, welche man aus der Erkenntnis der Reiche der Natur gewinnen kann. Und vor Goethe stand in der Tat als Ideal des Erkennens ein solches Erkennen des Menschen. Was kann man vom Menschen wissen? Da kamen ihm doch in gewissen Stunden die Gedanken, daß es im Grunde mit irdischem Wissen wenig ist, was man als Menschenerkenntnis erwirbt, daß kein Mensch wird in dieser Menschenerkenntnis, daß nur ein Menschlein wird, ein Homunkulus. Und oftmals stand vor Goethe der brennend-quälende Gedanke: Nun sind wir in der Welt als Menschen, fühlen, denken, wollen als Menschen, aber wir wissen eigentlich nur etwas, nicht von dem Homo, sondern von dem Homunkulus. Das, was wir uns an Ideen bilden über den Menschen, das ist wirklich im Verhältnis zu dem, was der Mensch in Wahrheit ist, wie ein kleines Menschlein in einer gläsernen Phiole.
[ 8 ] Schiller, then, attributes to Goethe this pursuit of knowledge of humanity through the synthesis of all the details that can be gleaned from an understanding of the realms of nature. And indeed, for Goethe, such an understanding of humanity stood as the ideal of knowledge. What can one know about human beings? Yet at certain moments, the thought occurred to him that, fundamentally, earthly knowledge yields very little in the way of understanding human nature; that no one becomes truly human through this understanding; that one becomes only a little human, a homunculus. And often the burning, tormenting thought arose in Goethe’s mind: Now we are in the world as human beings, feeling, thinking, and willing as human beings, but we actually know only something—not about the Homo, but about the homunculus. The ideas we form about human beings are, in relation to what a human being truly is, like a tiny little human figure in a glass vial.
[ 9 ] Und zu dieser brennend-quälenden Frage gesellte sich für Goethe die andere: Wie kann das, was in der Erkenntnis so gar nicht entspricht dem Natur-, dem kosmischen Dasein, auferweckt, belebt werden, so daß es in der Erkenntnis wenigstens annähernd auch das werde, was der Mensch in Wirklichkeit ist, und wovon er so wenig weiß, daß er eigentlich nicht von einem Homo, sondern nur von einem Homunkulus weiß. Deshalb läßt er durch Wagner nun dieses Menschlein, diesen Homunkulus, erzeugen. Und er unternimmt es dann, in der weiteren Entwickelung seiner Dichtung solches aufzuzeigen, was der Mensch erleben kann, damit sich seine Menschenkenntnis erweitert, damit aus dem Homunkulus wenigstens annähernd ein Homo wird.
[ 9 ] And for Goethe, this burning, agonizing question was joined by another: How can that which, in our understanding, so utterly fails to correspond to natural, cosmic existence, be awakened and brought to life, so that—at least in our understanding—it may come to resemble, even approximately, what the human being actually is—and of which he knows so little that he is not really aware of a Homo, but only of a homunculus? That is why he now has Wagner create this little human being, this homunculus. And he then undertakes, in the further development of his poetry, to reveal what human beings can experience, so that his understanding of human nature may expand, and so that the homunculus may at least come to resemble a homo.
[ 10 ] Nun war es ein Goethescher, ich will sagen, Glaube, daß die Vorstellungen, die man nur in der - also in der Goetheschen — Gegenwart gewinnen kann, die man aus der nordischen Welt heraus gewinnen kann, nicht eigentlich biegsam und schmiegsam genug sind, um das Homunkuluswissen über den Menschen zu erweitern. Es war Goethes Glaube, daß man besser fährt, wenn man versucht, dasjenige, was dem Menschen doch möglich ist in seinem Seelenleben an Erkenntnis über den Menschen zu erwerben, in solche Vorstellungen zu kleiden, wie sie eine der Natur noch näherstehende Zeit, wie sie die griechische Zeit hatte. Es war Goethes unablässiger Glaube, daß man einen bedeutsamen, tiefen, erfrischenden Eindruck bekommt, an Wahrheitswert gewinnt für seine Vorstellungen, wenn man in die Art und Formung des griechischen Gedankenlebens sich einfügt. Diese Empfindung liegt dem zugrunde, daß er Faust der griechischen Welt entgegenführt, daß er Faust nach Griechenland führen will, um dort als Mensch menschlich zu leben und Kultur zu erwerben. Würde man Goethe - ich will das etwas radikal ausdrücken — aufs Gewissen gefragt haben: Was halten Sie eigentlich von dem, was die Menschen Ihrer Umgebung über die Griechen gedacht und empfunden haben oder denken und empfinden? — so würde er wahrscheinlich geantwortet haben: Ach, das halte ich doch alles für törichtes Zeug. Da reden die Menschen über das griechische Leben, aber sie haben gar keine Vorstellungen, um dieses griechische Leben zu erfassen. Was so unsere Pedanten — so würde Goethe ungefähr geantwortet haben — über die griechische Helena schreiben, denken und drucken lassen: philiströses Zeug! Denn sie lernen doch nicht kennen diese Helena und auch keinen andern Griechen und keine andere Griechin, so wie dieGriechen waren.- Aber das war gerade Goethes Streben, Griechenland wirklich in der Seele näherzukommen., Daher sollte auch sein Faust in der Dichtung Griechenland näherkommen, menschlich unter griechischen Menschen leben. Die Helena bot nur den Anknüpfungspunkt dazu eben als eine Griechin, als die schönste Griechin, als eine hervorstechende Griechin, um die sich soviel Zank und Streit erhoben hat und so weiter. Erhöhung und Erweiterung, Verstärkung von Menschenerkenntnis und Menschenanschauung, das ist dasjenige, was sich in Faust ausbilden soll.
[ 10 ] Now it was a Goethean—I mean to say, a belief—that the mental images one can only gain in the—that is, in Goethe’s—present, the mental images one can derive from the Nordic world, are not actually flexible and adaptable enough to expand our homunculus-like knowledge of human beings. It was Goethe’s belief that one is better off if one tries to clothe that which is, after all, possible for human beings to acquire in their inner life—namely, knowledge about humanity—in mental images such as those of an era still closer to nature, such as the Greek era. It was Goethe’s unwavering belief that one gains a significant, profound, and refreshing impression—and that one’s own mental images gain in truth value—when one immerses oneself in the nature and form of Greek intellectual life. This sentiment underlies his decision to lead Faust toward the Greek world, his desire to take Faust to Greece so that he might live there as a human being and acquire culture. If Goethe—and I’ll put this rather radically—had been asked point-blank: “What do you actually think of what the people around you have thought and felt—or think and feel—about the Greeks?”—he would probably have replied: “Oh, I consider all that to be utter nonsense.” People talk about Greek life, but they have no mental image whatsoever of what that Greek life was really like. What our pedants—as Goethe would have put it—write, think, and publish about the Greek Helen: philistine nonsense! For they do not really get to know this Helen, nor any other Greek man or woman, as the Greeks actually were.—But that was precisely Goethe’s aspiration: to truly draw closer to Greece in his soul. That is why his Faust, in the poem, was also meant to draw closer to Greece, to live as a human being among the Greek people. Helena merely provided the starting point for this—precisely as a Greek woman, as the most beautiful Greek woman, as an outstanding Greek woman around whom so much strife and conflict arose, and so on. The elevation, expansion, and deepening of human understanding and perspective—that is what is meant to develop in Faust.
[ 11 ] Nun müssen wir ins Auge fassen, daß Goethe, indem er sich eine solche Frage mehr oder weniger deutlich ahnend vorlegte — aber in diesem ahnenden Erkennen wurde sie für ihn brennend, quälend -, sich bewußt war, daß der abstrakte, der philosophische, der naturwissenschaftliche Erkenntnisweg, welchen manche für den einzig richtigen halten, doch nur eine Erkenntnisströmung ist, und er ahnte, daß es viele Erkenntnisströmungen gibt. Und wer glaubt, daß Goethe ein rationalistischer Philister war, wie im Grunde genommen alle Vertreter moderner Wissenschaft sein müssen — sonst würde Wissenschaft nicht im modernen Sinne echte Wissenschaft sein, denn sie ist im modernen Sinne selbst pedantisch, philiströs und rationalistisch —, wer glaubt, daß Goethe solch ein pedantischer, rationalistischer Philister war, versteht nichts von Goethe. Der versteht tatsächlich nichts von Goethe, welcher glaubt, daß Goethe nur einen einzigen Augenblick angenommen habe, man könne durch gewöhnliches wissenschaftliches Nachdenken sich über die Menschennatur in ihrer Fülle und in ihrer Totalität irgendwie unterrichten. Goethe hat gut gewußt, daß die menschliche Seele nicht bloß auf dem Wege des Denkens oder auch auf dem Wege derjenigen Betätigung, die auf dem physischen Plane liegt, die Wahrheit finden kann, sondern daß die menschliche Seele auf verschiedenen Wegen sich hineinfinden muß in die Wirklichkeit und in die Wahrheit. Goethe hat gut gekannt jene Annäherung an die Wahrheit, welche erfolgt gewissermaßen eine Schichte tiefer, als das gewöhnliche tagwache Bewußtseinsleben verläuft. Dieses tagwache Bewußstseinsleben, in dem sich unsere gescheiten Vorstellungen tummeln, das von allen Pedanten so hoch geschätzt wird, liegt im Grunde genommen recht weit ab von alldem, was in der Welt webt und west als Grundlage für das Dasein. Der Mensch nähert sich in einer gewissen Beziehung schon mehr dem, was webt und west unter der Oberfläche dieses Daseins, wenn er - man muß das nur nicht mißverstehen — aus seinem Unterbewußtsein, wenn auch noch so chaotisch, wenn auch noch so sporadisch, sinnvolle Träume heraufkommen fühlt und schaut. Ich habe es öfter ausgeführt im vorigen Jahre: auf den Inhalt der Träume kommt es wenig an, aber auf die innere Dramatik der Träume, auf den Zusammenhang des 'Traumlebens mit der tieferen menschlichen Wirklichkeit kommt es an. Ein Philosoph, Johannes Volkelt, hat in den siebziger Jahren in einem Büchelchen «Die Traumphantasie» nur leise gewagt, daran zu rühren, daß der Mensch in seinen Träumen sich dem Welträtsel nähert. Oh, wenn er nicht später diesen furchtbaren Professorenfehler verbessert hätte durch gut pedantische erkenntnistheoretische Werke, wäre er sicher nicht der Professor Johannes Volkelt geworden, der in Basel, Würzburg, Jena und Leipzig Philosophie lehren durfte! Denn das ist eine große Sünde wider die moderne Wissenschaft, auf so etwas hinzuweisen, daß der Mensch untertaucht in eine wirkliche, wesenhafte Weltenströmung, wenn er im Schlafesleben ist, und daß dann aus diesem Erleben Dinge herauftauchen, die sich allerdings nur bildhaft, chaotisch zeigen, so daß man sie nicht in ihrer unmittelbaren Gestalt hinnehmen darf, die aber doch verraten, daß der Mensch im Schlafesweben in einer Sphäre ist, in der er dem vollinhaltlichen Weben und Wesen, aus dem das Sichtbare, das SinnlichSichtbare auch herauswächst, näher ist, als er es ist vom Aufwachen bis zum Einschlafen.
[ 11 ] Now we must consider that Goethe, in posing such a question to himself with more or less clear intuition—but in this intuitive recognition it became a burning, tormenting issue for him—was aware that the abstract, philosophical, and scientific path to knowledge, which some consider the only correct one, is merely one current of knowledge, and he sensed that there are many such currents. And anyone who believes that Goethe was a rationalistic philistine—as, in essence, all representatives of modern science must be—otherwise science in the modern sense would not be true science, for in the modern sense it is itself pedantic, philistine, and rationalistic—anyone who believes that Goethe was such a pedantic, rationalistic philistine understands nothing of Goethe. Indeed, anyone who believes that Goethe ever for a single moment assumed that one could somehow gain insight into human nature in its fullness and totality through ordinary scientific reasoning understands nothing of Goethe. Goethe knew full well that the human soul cannot find the truth merely through thought or even through activities that take place on the physical plane, but that the human soul must find its way into reality and truth through various paths. Goethe was well acquainted with that approach to truth which takes place, so to speak, one layer deeper than the ordinary waking life of consciousness. This waking life of consciousness, in which our rational mental images flit about—and which is so highly prized by all pedants—is, in essence, quite far removed from all that weaves and flows in the world as the foundation of existence. In a certain sense, a person already comes closer to what weaves and flows beneath the surface of this existence when—and this must not be misunderstood—he feels and observes meaningful dreams rising from his subconscious, however chaotic or sporadic they may be. I elaborated on this several times last year: the content of dreams matters little, but what matters is the inner drama of dreams, the connection between “dream life” and deeper human reality. A philosopher, Johannes Volkelt, dared only tentatively to touch upon this idea in the 1870s in a small booklet titled Die Traumphantasie—that in his dreams, man draws closer to the mystery of the world. Oh, if he hadn’t later corrected this terrible professorial error through thoroughly pedantic epistemological works, he certainly would not have become Professor Johannes Volkelt, who was permitted to teach philosophy in Basel, Würzburg, Jena, and Leipzig! For it is a great sin against modern science to point out that human beings are immersed in a real, essential flow of the universe when they are in the realm of sleep, and that things then emerge from this experience—admittedly only in a pictorial, chaotically, so that one must not accept them in their immediate form—yet they nevertheless reveal that, in the fabric of sleep, a person is in a sphere where they are closer to the full fabric and essence from which the visible and the sensually visible also emerge than they are from the moment of waking until falling asleep.
[ 12 ] Wenn man in diese Sphäre untertaucht, die der heutige Mensch nur dadurch kennenlernt, daß er Träume hat, die, wenn auch schlechte, aber doch eben Interpreten sind, wenn der Mensch untertaucht in diese Welt, deren Interpreten die Träume sind, dann steht er in der ganzen Weltenordnung in einer andern Weise darinnen, als er darinnensteht, wenn er im gewöhnlichen tagwachen Bewußtsein ist. Natürlich kann man aus dem bloßen Traumleben nicht merken, wie der Unterschied ist zwischen dem Leben im tagwachen Bewußtsein und dem Leben, das man durchläuft, wenn man da unten ist in dem Gebiete, aus dem die Träume herauf weben und wesen. Aber Geisteswissenschaft kann uns hinunterführen in dieses Gebiet. In diesem Gebiete, da hört selbst die menschliche Sprache auf, ihre rechte Bedeutung zu haben. Deshalb ist die Verständigung so schwierig. Da unten in diesem Gebiete beziehen sich die Worte, die wir hier für die sinnenfällige Welt gebildet haben, nicht mehr in der richtigen Weise auf das, was dort vorgeht. Man kann nicht recht ausdrücken durch Worte, wie sie heute gebraucht werden von dem tagwachen Bewußtsein, das, was sich da unten abspielt. Nehmen Sie nur einmal die gewöhnlichen Elemente, so wie sie früher genannt wurden; heute nennt man das Aggregatzustände und bezeichnet sie etwas anders, aber wir können uns verstehen, wenn wir die alten Ausdrücke gebrauchen. Man sagte: Erde, Wasser, Luft, Feuer oder Wärme. Wir kennen diese Dinge aus der «Geheimwissenschaft». Wir können dasjenige, was fest ist, festen Aggregatzustand hat, das Erdartige nennen; dasjenige, was den flüssigen Aggregatzustand hat, das Wasser nennen; dasjenige, was den Aggregatzustand so hat, daß, wenn es nicht eingeschlossen ist, es sich stark ausdehnt, Luft nennen, und dasjenige, was diese drei Substanzen durchdringt, Wärme oder Feuer. Ja, das können wir, wenn wir hier vom Gesichtspunkte des tagwachen Bewußtseins aus über unsere Umgebung sprechen, weil die Dinge da sind, wenn ich mich so ausdrücken darf, die mit diesen Worten: Erde, Wasser, Luft, Feuer bezeichnet werden. Aber tauchen wir unter in diejenige Welt, aus der die Träume heraufwirken, dann gibt es da nicht Erde, Wasser, Luft, Feuer. Das gibt es da nicht: da har es keinen Sinn mehr, diese Worte in derselben Weise anzuwenden, wie hier für die Welt, in der wir mit unserem tagwachen Bewußtsein sind. Daraus sehen Sie schon die Relativität dieser Dinge, sobald man in ein anderes Gebiet des Daseins eintritt, das durch ein anderes Bewußtsein aufgefaßt werden muß. Da sind diese Dinge gar nicht mehr vorhanden, die das gewöhnliche materialistische Bewußtsein für absolute Dinge hält. Erde ist da nicht Erde. Überhaupt hat es keinen Sinn, davon zu reden, wenn man in die Welt untertaucht, die nun auch eine Wirklichkeit ist, aber die mit einem andern Bewußtsein aufgefaßt werden muß. Wohl aber ist da unten etwas, wovon man sagen kann, es ist ein Mittelding zwischen Luft und Wasser. Man erlebt es in diesem andern Bewußtsein durch ganz andere Gedankenformen, als man sonst erlebt. Luft ist nicht Luft, und Wasser ist nicht Wasser, aber ein gewisses Mittelding von Luft und Wasser, man möchte sagen eine Art wässeriger Rauch, wie es noch die alte hebräische Sprache «Ruach» nannte. Aber es ist damit nicht der jetzige physische Rauch, es ist schon dieses Mittelding zwischen Wasser und Luft gemeint.
[ 12 ] When one immerses oneself in this realm—which modern man comes to know only through his dreams, which, even if they are bad, are nonetheless interpreters—when a person immerses themselves in this world, of which dreams are the interpreters—then they stand within the entire world order in a different way than they do when they are in ordinary waking consciousness. Of course, one cannot discern from the mere life of dreams alone what the difference is between life in waking consciousness and the life one experiences when one is down there in the realm from which dreams weave themselves upward and come into being. But Spiritual Science can lead us down into this realm. In this realm, even human language ceases to have its proper meaning. That is why communication is so difficult. Down there in that realm, the words we have formed here for the sensory world no longer refer correctly to what is happening there. One cannot truly express, through words as they are used today by waking consciousness, what is taking place down there. Just take the ordinary elements, as they used to be called; today they are referred to as states of matter and are designated somewhat differently, but we can understand one another if we use the old terms. People used to say: earth, water, air, fire, or heat. We know these things from “Esoteric Science.” We can call that which is solid—that is, has a solid state of matter—the earth-like substance; that which has a liquid state of matter, water; that which has a state of matter such that, when not confined, it expands greatly, air; and that which permeates these three substances, heat or fire. Yes, we can do that when we speak here about our surroundings from the perspective of waking consciousness, because the things—if I may put it that way—that are designated by these words: earth, water, air, fire, are actually there. But if we delve into the world from which dreams arise, then there is no earth, water, air, or fire there. These do not exist there: it no longer makes sense to use these words in the same way as we do here for the world in which we live with our waking consciousness. From this you can already see the relativity of these things as soon as one enters another realm of existence that must be perceived through a different consciousness. There, these things—which ordinary materialistic consciousness regards as absolute—no longer exist at all. Earth is not earth there. In fact, it makes no sense to speak of them at all when one immerses oneself in that world, which is indeed a reality, but one that must be perceived with a different consciousness. However, there is something down there that can be described as a hybrid between air and water. One experiences it in this other state of consciousness through thought forms entirely different from those one normally experiences. Air is not air, and water is not water, but a certain intermediate state between air and water—one might say a kind of watery smoke, as the ancient Hebrew language still called it “Ruach.” But this does not refer to the physical smoke we know today; rather, it refers to this intermediate state between water and air.
[ 13 ] Und ein anderes Mittelding ist da zwischen Erde und Feuer, das, möchte ich sagen, was Sie sich so vorstellen müßten, daß unsere Metalle allmählich glühend und so feurig würden, daß sie eigentlich schon nichts mehr sind als Feuer, daß sie durch und durch Feuer sind. Und dieses Mittelding zwischen Erde und Feuer und zwischen Luft und Wasser, das ist da unten, das ist unten in einer Welt, aus der die Träume heraufwirbeln. Wir könnten, wie Sie es leicht begreiflich finden werden, in dieser Welt mit unserem physischen Leib nicht sein. Wir müssen mit unserer Seele vom Einschlafen bis zum Aufwachen hineingehen, denn mit unserem physischen Leib könnten wir in dieser Welt nicht atmen, denn darinnen gibt es keine Luft. Ich habe ein Wesen geschildert, das in dieser Welt atmen kann, aber das ist ein Wesen — Sie kennen es aus meinen Mysterien —, das nicht Luft zum Einatmen braucht, sondern das Licht atmet. Also solche Wesen kann man, wenn man sie kennt, wohl schildern. Aber der Mensch darf seinen physischen Leib nicht in diese Welt hineintragen, denn er könnte nicht atmen und würde verbrennen darinnen. Dennoch ist der Mensch vom Einschlafen bis zum Aufwachen mit dieser Welt verbunden, und die Träume sprudeln aus dieser Welt herauf.
[ 13 ] And there is another intermediate state between earth and fire—one that, I would say, you should have in your mental image as our metals gradually becoming so incandescent and fiery that they are, in fact, nothing more than fire; that they are fire through and through. And this intermediate state between earth and fire, and between air and water—it is down there, in a world from which dreams swirl upward. As you will easily understand, we could not exist in this world with our physical bodies. We must enter it with our soul from the moment we fall asleep until we wake up, for with our physical body we could not breathe in this world, since there is no air there. I have described a being that can breathe in this world, but this is a being—you know it from my Mysteries—that does not need air to breathe, but breathes light. So such beings can certainly be described, if one knows them. But human beings must not carry their physical bodies into this world, for they could not breathe and would burn up inside it. Nevertheless, from the moment we fall asleep until we wake up, we are connected to this world, and dreams well up from it.
[ 14 ] Diese Welt, die da der Mensch antrifft, von der man sagen kann, sie liegt unter der Schwelle seines Bewußtseins, ist zwar recht unähnlich derjenigen Welt, die wir heute sehen vom Aufwachen bis zum Einschlafen, aber sie ist nicht so unähnlich den früheren Welten, aus denen sich die jetzige herausentwickelt hat. Frühere Welten, schon die Sonnenwelt - Sie können das entnehmen aus meiner Darstellung in der «Geheimwissenschaft» — ist auch als physische Welt so gestaltet, daß in ihr, wenn ich sagen darf, Feuererde, Erdfeuer und Wasserluft miteinander brodeln, nicht dasjenige, was heute so hübsch getrennt ist. So daß wir also, wenn wir historisch, kosmisch-historisch die Weltenentwickelung auffassen, das schon so tun müssen, daß wir uns vorstellen: Gehen wir zu früheren Entwickelungszuständen unseres Daseins zurück, dann müssen wir uns diese früheren Entwickelungszustände ähnlich dem vorstellen, was wir erreichen heute, wenn wir in die Welt untertauchen, zu der wir gehören zwischen dem Einschlafen und Aufwachen.
[ 14 ] This world that human beings encounter—which one might say lies beneath the threshold of their consciousness—is indeed quite unlike the world we experience today, from waking to falling asleep; yet it is not so dissimilar to the earlier worlds from which the present one evolved. Earlier worlds—even the solar world, as you can see from my description in The Secret Science—are structured, even as physical worlds, in such a way that, if I may say so, fire-earth, earth-fire, and water-air seethe together within them, not in the neatly separated form we see today. So when we view the development of the worlds historically, or from a cosmic-historical perspective, we must do so by creating a mental image of the following: If we go back to earlier stages of development in our existence, we must create a mental image of these earlier stages as similar to what we experience today when we immerse ourselves in the world to which we belong—the world between falling asleep and waking up.
[ 15 ] Aber an diese Welten, die heute nur schlafend erlebt werden, früher so physisch da waren, wie jetzt unsere Welt physisch da ist, kann man nicht herankommen, ohne daß man das, was in unserer heutigen Welt nicht mehr sichtbar ist, als sichtbar, als offenbar sich denkt. Sie können sich nicht vorstellen die Wasserluft in derselben Weise, wie Sie sich vorstellen müssen heute nebeneinander Wasser und Luft. Heute stellen Sie sich nebeneinander Wasser und Luft vor. Das ist entstanden dadurch, daß sich differenziert hat die Wasserluft, die früher substantiell einheitlich war. Die Wasserluft hat sich in diese zwei polarischen Gegensätze Wasser und Luft auseinandergelegt. Sie war früher eine Einheit, die Wasserluft, dafür aber war sie mit einem andern Pol durchsetzt. Heute ist der Mensch gewissermaßen heruntergestiegen und hat den andern Pol, den die Wasserluft hatte, ganz verloren. Dafür ist die Wasserluft selbst in die zwei Pole Wasser und Luft auseinandergetreten. Will man eine Vorstellung gewinnen über dasjenige, was der andere Pol zur Wasserluft war, so muß man sich gewisses Wesenhaftes vorstellen, das man auch in der Welt erlebt, in welcher der Mensch ist zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, aus der die Träume heraufspielen. Man muß sich aber auch, wenn man zum alten Sonnendasein zurückgeht, vorstellen, daß die Wasserluft neben sich etwas hatte, was geistig wesenhaft war, was von der Wesenheit der Elementargeister war. Und die Elementargeister, die zu der Wasserluft gehören, haben sich in der Mythe noch erhalten, wie sich in der Mythe, der Mythologie Anklänge an alte Wahrheiten noch erhalten haben. Und zu den Wesenheiten, die zu der Wasserluft gehören, gehört dasjenige, was die griechische Mythologie oder überhaupt die alte Mythologie Sirenen genannt hat. So daß man von der Welt, auf die wir jetzt hinweisen, ebenso spricht, wenn man sagt: Es sind in ihr Wasserluft und Sirenen. —- Wie man von unserer Welt äußerlich sachgemäß spricht, wenn man sagt: Es ist Wasser und Luft. Es ist Wasserluft und sind Sirenen. Die Sirenen gehören also zu denjenigen Elementarwesen, welche der andere Pol der Wasserluft sind. Das andere, wofür wir heute Erde haben, das ganz herabgerückt ist unter das Wasser, und droben Feuer oder Wärme, das war wiederum eines: das war Erdfeuer oder Feuererde. Wiederum gehört zu denjenigen Wesenheiten, welche sich so wie die heutige Wärme und das heutige Feuer zu der Erde polarisch entgegengesetzt verhalten, unter andern Elementargeistern derjenige, den Goethe mit den Griechen Seismos nennt. Indem Goethe auftreten läßt in der Szene, um die es sich da handelt, die Sirenen, deutet er zu gleicher Zeit, ich möchte sagen recht handgreiflich darauf, wie sie mit dem Wasser zusammenhängen, aber nicht eigentlich mit dem Wasser von heute, denn das ist schon dichter geworden, das ist nur ein Pol der alten Wasserluft. Die Sirenen fühlen sich auch nur geistig zum Wasser gehörig, sie sind, wenn man das Wasser so denkt wie die alte Wasserluft, dasjenige, was zu diesem Wasser gehört wie die Luft zum heutigen Wasser. Und wie die Luft im Winde ihre Klänge entwickelt in chaotischer Weise, so entwickelt das geistige Element in den Sirenen dasjenige, was zum Wasser gehört, respektive der Wasserluft, das geistige Element, das mit dieser Wasserluft so zusammenhängt wie die Luft mit unserem Wasser. Und die Tätigkeit des Seismos, als kosmische Kraft gedacht, ist dasjenige, was als Feuer wirtschaftet im Haushalte der Natur. Darauf deutet die griechische Mythe, darauf deutet Goethe. Und so wie Goethe die Sache darstellt, fühlt jeder, der mit der Wirklichkeit bekannt ist, daß Goethe ein ahnendes Erkennen von diesen Dingen hatte. Er wußte, so verhält es sich mit der Welt, die wir betreten vom Einschlafen bis zum Aufwachen, und die wir wiederfinden, wenn wir erkennend den Blick zurückwenden in Ursprungszustände unseres jetzigen Daseins.
[ 15 ] But these worlds—which today are experienced only in a dormant state, yet were once as physically present as our world is now—cannot be approached without conceiving of what is no longer visible in our present world as visible, as manifest. You cannot create a mental image of “water-air” in the same way that you must create a mental image of water and air side by side today. Today you create a mental image of water and air side by side. This has come about because “water-air,” which was formerly substantially unified, has become differentiated. Water-air has split into these two polar opposites, water and air. Water-air used to be a unity, but it was permeated by another pole. Today, human beings have, so to speak, descended and have completely lost the other pole that water-air possessed. In return, water-air itself has split into the two poles of water and air. If one wishes to gain a mental image of what the other pole was to the water-air, one must imagine a certain essential quality that is also experienced in the world in which a human being exists between falling asleep and waking up—the world from which dreams arise. But when one goes back to the ancient solar existence, one must also create a mental image of the water-air alongside which there was something that was spiritually essential, something that belonged to the nature of the elemental spirits. And the elemental spirits that belong to the water-air have been preserved in myth, just as echoes of ancient truths have been preserved in myth and mythology. And among the beings that belong to the water-air are those that Greek mythology—or ancient mythology in general—called sirens. So that one speaks of the world to which we are now referring in the same way when one says: There is water-air and there are sirens within it. —- Just as one speaks accurately about our world when one says: “There is water and air.” “There is water-air and there are sirens.” The sirens thus belong to those elemental beings that constitute the opposite pole of water-air. The other element—which we now call earth, which has completely descended beneath the water, while above there is fire or heat—was in turn a single entity: it was earth-fire or fire-earth. Again, among the entities that, like today’s heat and fire, are polar opposites of the earth, there is, among other elemental spirits, the one whom Goethe, following the Greeks, calls Seismos. By having the Sirens appear in the scene in question, Goethe simultaneously points out—I would say quite vividly—how they are connected to water, though not actually to the water of today, for that has already become denser; it is merely one pole of the ancient water-air. The sirens, too, feel that they belong to water only in a spiritual sense; if one conceives of water as the ancient “water-air,” they are that which belongs to this water just as air belongs to today’s water. And just as the air in the wind develops its sounds in a chaotic manner, so does the spiritual element in the sirens develop that which belongs to water—or rather, to the watery air—the spiritual element that is connected to this watery air just as the air is connected to our water. And the activity of Seismos, conceived as a cosmic force, is that which acts as fire within the household of nature. The Greek myth points to this, and so does Goethe. And just as Goethe presents the matter, anyone familiar with reality senses that Goethe had an intuitive understanding of these things. He knew that this is how the world works—the world we enter from falling asleep to waking up, and which we rediscover when we turn our gaze back, with insight, to the original states of our present existence.
[ 16 ] Aber bedenken Sie, welche Angst Sie kriegten, wenn Sie plötzlich bewußt versetzt würden, nicht so, wie es in den bloßen Träumen geschieht, sondern wenn Sie plötzlich bewußt versetzt würden in ein Element, eine Sphäre, wo Sie keine feste Erde unter sich haben. Denn die hört auf. Das ist alles feurig, was Erde sein sollte; da können Sie beliebig selbst schmelzen und kalt und warm werden im Elemente des Feuers. Und in der Wasserluft, wo Sie nicht atmen können, sondern wo Sie nur abwechselnd Licht- und Finsterniszustände erleben — denken Sie, welche Angst Sie zunächst kriegen müßten über dieses Unsichere, in das Sie da untertauchen, in dieses Wogende und Wirbelnde! Was ist denn in den Menschen gefahren in derjenigen Epoche der Weltenordnung, wo er sich, wie es ja einmal gewesen sein muß — denn er ist in alten Zeiten in diesem wogenden und webenden Elemente gewesen, wie ich Ihnen gesagt habe -, was ist denn in den Menschen gefahren, daß er fest stehen konnte mit der Bildung der festen Erde zugleich? Was hat den Menschen ergriffen? Die Sphinx-Natur! Die gibt in dem wogenden Elemente den festen Gleichgewichtspunkt. Gleichzeitig mit demjenigen, was der Erde jene Form gegeben hat, wodurch sie dieser feste Planet ist, auf dem man stehen kann, webte dieselbe Kraft dem Menschen das ein, was charakterisiert oder repräsentiert werden kann durch die SphinxNatur.
[ 16 ] But consider how frightened you would be if you were suddenly and consciously transported—not as happens in mere dreams, but if you were suddenly and consciously transported into an element, a sphere, where you have no solid ground beneath you. For the ground ceases to exist. Everything that was supposed to be earth is now fiery; there you can melt at will and become cold or warm within the element of fire. And in the watery air, where you cannot breathe, but where you experience only alternating states of light and darkness—just imagine the fear you would initially feel at this uncertainty into which you are plunging, into this surging and swirling! What, then, possessed human beings in that epoch of the world order, when they—as must once have been the case, for in ancient times they were in this surging and weaving element, as I have told you—what, then, possessed human beings that they could stand firm at the very moment the solid Earth was forming? What took hold of human beings? The nature of the Sphinx! It provides the fixed point of equilibrium within the surging element. Simultaneously with that which gave the Earth the form that makes it this solid planet upon which one can stand, the same force wove into humanity that which can be characterized or represented by the nature of the Sphinx.
[ 17 ] Nun führt Goethe in dieser Szene etwas vor, was eigentlich nur vom Einschlafen bis zum Aufwachen erlebt werden kann. Und er glaubt, daß er es am besten charakterisieren kann, indem er nicht unsere heutigen, nur vom Tagwachen hergenommenen Begriffe nimmt, sondern griechische Begriffe; die findet er biegsamer und passender. Daher versetzt er die ganze Sache nach Griechenland, wo er glaubt, eher fertig zu werden mit den Vorstellungen, die von der griechischen Natur her genommen werden. Da glaubt er, besser. charakterisieren zu können all dasjenige, was der Mensch erlebt heute vom Einschlafen bis zum Aufwachen, was er erlebt hat in alten Zeiten, wo dem Wasser nicht die Luft, der Erde nicht das Feuer, sondern der Wasserluft die Sirenen, dem Erdfeuer oder der Feuererde so etwas wie der Seismos entgegenstehen.
[ 17 ] In this scene, Goethe depicts something that can actually only be experienced from the moment one falls asleep until one wakes up. And he believes he can best characterize it not by using our modern concepts—which are derived solely from waking life—but by using Greek concepts; he finds these more flexible and appropriate. Therefore, he transposes the entire scene to Greece, where he believes he can more effectively convey the mental images drawn from Greek nature. There, he believes he can better characterize everything that a person experiences today from falling asleep to waking up, as well as what people experienced in ancient times, when water was not opposed by air, nor earth by fire, but rather the water-air was opposed by the sirens, and the earth-fire—or fire-earth—by something like the seismos.
[ 18 ] Und nun läßt er die Welt auftreten in seinem «Faust». Warum laßt er sie auftreten? Es handelt sich ihm darum, daß man vom Homunkulus zum Homo kommt, daß der Homunkulus eine Aussicht bekomme, nicht bloß Homunkulus zu bleiben, sondern Homo zu werden, so viel zu verstehen, daß er Mensch werden kann. Er soll also in seinem Weltbild eine Erweiterung erfahren. Und so sachgemäß macht das Goethe, daß, indem er nun in diese kosmisch-alte Welt einführt, er die Sphinxe gleich aufstellt:
[ 18 ] And now he brings the world onto the stage in his Faust. Why does he bring it onto the stage? His aim is for us to move from the homunculus to the homo, for the homunculus to gain the prospect not merely of remaining a homunculus, but of becoming a homo—in other words, to understand that he can become human. He is thus to experience an expansion within his worldview. And Goethe does this so appropriately that, as he introduces us to this ancient, cosmic world, he immediately sets up the sphinxes:
Sphinxe haben Platz genommen.
The sphinxes have taken their seats.
[ 19 ] Und die Sphinxe bilden das feste Element. Rundherum wogt es, wie es jetzt nicht wogen darf, weil die Menschen heillose Angst bekommen würden davor. Ringsum wogt es. Aber mag auch die ganze Hölle losgehen, wenn die Geister sich so benehmen wie die Sirenen, wie der Seismos, es wird zurückgewiesen darauf, daß der Mensch den Stützpunkt, die Gleichgewichtslage gefunden hat:
[ 19 ] And the sphinxes form the solid element. All around, things are in turmoil—as they must not be now, for people would be seized by a hopeless fear of it. All around, the waves surge. But even if all hell breaks loose, when the spirits behave like the Sirens, like Seismos, it is countered by the fact that man has found his foothold, his point of equilibrium:
Welch ein widerwärtig Zittern, —
What a repulsive tremor—
[ 20 ] es wird geschildert diese Welt, von der ich eben gesprochen habe.
[ 20 ] It describes this world I just mentioned.
Häßlich grausenhaftes Wittern!
Welch ein Schwanken, welches Beben,
Schaukelnd Hin- und Widerstreben!
What an ugly, dreadful premonition!
What swaying, what trembling,
Swaying back and forth!
[ 21 ] Das würden Sie schon empfinden, dieses Hin- und Widerstreben, wenn Sie in diese Welt untertauchen würden!
[ 21 ] You would certainly feel that back-and-forth struggle if you were to immerse yourself in this world!
Welch unleidlicher Verdruß!
What an unbearable annoyance!
[ 22 ] Aber nun die Besinnung:
[ 22 ] But now for some reflection:
Doch wir
But we
[ 23 ] — die Sphinxe —
[ 23 ] — the sphinxes —
ändern nicht die Stelle,
Bräche los die ganze Hölle.
don't change the location,
all hell would break loose.
[ 24 ] Nun fließt in die menschlichen Vorstellungen immer etwas von solcher Anschauung ein. Die Menschen wissen es nicht, aber ihre Vorstellungen werden beeinflußt von dem, was in den Untergründen des Daseins lebt. Und dadurch entstehen mehr oder weniger phantasievolle Theorien. Die Theorie, daß die Gebirge sich durch Feuer gebildet haben, was für ältere Zeiten der kosmischen Entwickelung ganz richtig ist, aber durch das Erdfeuer - nicht durch das heutige Feuer, durch die Feuererde-, mischt sich hinein in die heutigen Vorstellungen. Dadurch entstehen konfuse Vorstellungen, und die meisten heutigen Vorstellungen sind konfus vom höheren Standpunkte aus. Man kann sie nur verstehen, wenn man — so paradox das klingt, es ist so —, wenn man sie übersetzt. Sie erklingen in der gewöhnlichen landläufig philiströsen täglichen Menschensprache. Übersetzt man sie in die Sprache, die man eigentlich vom Einschlafen bis zum Aufwachen sprechen müßte, da gewinnen diese Theorien erst einen Sinn, denn da zeigt sich, daß man in diesen Theorien doch leise Hindeutungen auf frühere Erdepochen hat. Und man kann die ganze Szene, wie sie anfängt hier, nicht anders verstehen, als indem man sich darüber klar ist, Goethe wollte dasjenige auftauchen lassen, was der Mensch erlebte, wenn er vom Einschlafen bis zum Aufwachen bewußt würde, was er so erlebte, daß er dadurch ein Bewußtsein von einem früheren kosmischen Zustand der Erde entwickelt.
[ 24 ] Now, something of this kind of view always finds its way into human mental images. People are not aware of it, but their mental images are influenced by what lives in the depths of existence. And this gives rise to theories that are more or less imaginative. The theory that mountains were formed by fire—which is entirely correct for earlier stages of cosmic evolution, but refers to the “earth fire” (not the fire of today)—has crept into contemporary mental images. This gives rise to confused mental images, and most contemporary mental images are confused when viewed from a higher perspective. One can understand them only if—as paradoxical as it sounds, it is true—one translates them. They are expressed in the ordinary, commonly philistine, everyday human language. If one translates them into the language one ought actually to speak from the moment of falling asleep until waking up, only then do these theories make sense, for it becomes apparent that these theories do indeed contain subtle allusions to earlier epochs of the Earth. And one cannot understand the entire scene, as it begins here, in any other way than by realizing that Goethe wanted to bring to light what a person experiences when, from falling asleep to waking up, they become conscious of what they have experienced—to the extent that they thereby develop an awareness of an earlier cosmic state of the Earth.
[ 25 ] Denken Sie, wie stark Goethe ahnen mußte geisteswissenschaftliches Erkennen, daß er so sachgemäß diese Dinge hinstellt. Aber das geht weiter. In diese Welt soll der Homunkulus geführt werden. Goethe will gleichsam sagen, wenn ich das wiederum radikal ausdrücken darf: Nun, wenn ich mich an die Vorstellungen der philiströsen Wissenschaft wende, da kriege ich natürlich nichts zustande, was den Homunkulus zu einem Homo machen könnte, da wird nichts daraus. Aber wenn ich solche Vorstellungen zu Hilfe nehme und sie aufnehme in die Menschenseele, sie einverleibe der Faust-Szene, Vorstellungen, wie sie gewonnen werden können, wenn der Mensch bewußt erlebt die Welt vom Einschlafen bis zum Aufwachen, da geht es vielleicht schon eher, daß man erweiterte Menschenkenntnis gewinnt, daß der Homunkulus zum Homo wird. Daher läßt Goethe den Homunkulus untertauchen nicht in die philiströse wissenschaftliche Welt, in das, was der Mensch gegenwärtig erfährt, sondern in eine andere Welt, die er hier vorführt, und die der Mensch erlebt vom Einschlafen bis zum Aufwachen. In dieser Welt erfährt man aber auch so manches; kurioserweise erfährt man da auch etwas darüber, wie ungleich eigentlich in ihren Entwickelungsstadien die Wesen sind, die so neben uns im Weltenall wohnen. Man versteht nichts, aber auch schon gar nichts von dieser Welt, wenn man diese Wesen so nebeneinander betrachtet und sie, ich möchte sagen, gleichwertig nebeneinander stehen läßt. Wenn man Ameisen betrachtet, Bienen betrachtet, überhaupt dieses ganze eigentümliche Insektenvolk betrachtet, dann kommt man zu der Anschauung - ich habe sie an andern Orten und zu andern Zeiten als unsere geisteswissenschaftlichen Anschauungen ausgeführt —, das sind zurückgebliebene Formen aus früheren Zeiten, oder auch Formen, welche schon vorausnehmen das, was in späteren Zeiten kommen soll, wie die Bienen respektive der Bienenstock; das sind Wesen, die eigentlich einer andern Zeit in ihren Formen angehören, die hereinragen in unsere Zeit. |
[ 25 ] Just think how deeply Goethe must have sensed the insights of the Spiritual Science for him to present these things so aptly. But it goes further. The homunculus is to be led into this world. Goethe wants to say, as it were—if I may put it in radical terms again: Well, if I turn to the mental images of philistine science, I naturally cannot achieve anything that could turn the homunculus into a homo; nothing will come of it. But if I draw on such mental images and incorporate them into the human soul—integrating them into the Faust scene—mental images that can be gained when a person consciously experiences the world from falling asleep to waking up—then it may be more likely that one gains a deeper understanding of human nature, that the homunculus becomes a homo. That is why Goethe has the homunculus immerse himself not in the philistine scientific world—in what human beings currently experience—but in another world that he presents here, and which human beings experience from falling asleep to waking up. In this world, however, one also learns many things; curiously enough, one also learns something about just how unequal, in their stages of development, the beings are that dwell right alongside us in the universe. One understands nothing—absolutely nothing—about this world when one views these beings side by side and, I might say, treats them as equals. When one observes ants, bees, indeed this entire peculiar insect kingdom, one arrives at the view—which I have expounded in other places and at other times than in our lectures on Spiritual Science—that these are forms left behind from earlier times, or forms that already foreshadow what is to come in later times, such as the bees and the beehive; these are beings whose forms actually belong to another era, yet extend into our own time. |
[ 26 ] Wenn die wissenschaftlichen Nichtwisser kommen und diese Welt beschreiben, wie zum Beispiel Forel, der sich so viel mit Ameisen beschäftigt hat, dann geschieht es, daß die Leute allerlei Staunenswertes über die Ameise erzählen. Aber wenn sie bei der wissenschaftlichen Tapsigkeit bleiben, nicht zur Geisteswissenschaft kommen, dann ist es natürlich, daß sie nichts Wesenhaftes sagen können, warum man zu staunen hat über diese Welt, die überall durchdrungen ist von einer Vernunft. Nicht über die einzelne Ameise, aber über das Ganze des Ameisenhaufens und der Ameisenwelt selbst, der Bienenwelt, ist kosmische Vernunft, die viel gescheiter ist als unsere Hirnvernunft, ausgegossen; die gehören alle eigentlich in einer gewissen Beziehung einer früheren Welt an. Denken Sie, wie sachgemäß Goethe schildert. Indem er eine frühere Welt schildert, läßt er darin die Ameisen auftreten, die Imsen. Und indem er einen Berg so entstehen läßt, wie er in früherer kosmischer Entwickelung erstanden ist, wie man ihn wieder sieht für eine andere Wirklichkeitssphäre in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen, läßt er Ameisen auftreten, die sich dann mit dem beschäftigen, was der Berg mit ans Dasein gebracht hat. Aber zu Genossen dieser Ameisen macht er besonders andere Wesen. Die Ameisen, überhaupt fast das ganze Insektenvolk, sind eigentlich eine Rasse, die nicht recht hereinpaßt in die Gegenwartserde. Diese Welt der Ameisen fühlt sich eigentlich anachronistisch in der gegenwärtigen Welt. Sie haben nicht viel damit zu tun, sie haben keine rechten Genossen. Die andern Tiere sind von ganz anderer Artung. Es sind furchtbar große Unterschiede zwischen der seelischgeistigen Artung des Insektenvolkes, solchen Volkes zum Beispiel wie das Ameisenvolk und anderer Tiere. Die Genossen der Ameisen sind eigentlich nicht die gegenwärtigen physischen Tierformen, sondern die geistigen Elementarwesen, die Goethe als Pygmäen auftreten läßt, als Zwerge, als Daktyle; denen stehen sie in verwandtschaftlicher Beziehung, trotzdem die Ameisen eine physische Natur sich errungen haben in diesem Erdendasein, viel näher als diesen Gegenwartswesen. Also von dieser zu einer alten kosmischen Epoche gehörigen Art des Ameisenvolkes weiß Goethe, und er geheimnißt es hinein in diese Szene.
[ 26 ] When scientists who lack spiritual insight come along and describe this world—such as Forel, who devoted so much time to studying ants—people end up recounting all sorts of astonishing things about ants. But if they remain stuck in scientific clumsiness and do not turn to the Spiritual Science, then it is only natural that they cannot say anything essential about why one should marvel at this world, which is permeated everywhere by a rationality. It is not the individual ant, but the whole of the anthill and the world of ants itself—the world of bees—that is imbued with cosmic reason, which is far wiser than our intellectual reason; in a certain sense, they all actually belong to an earlier world. Consider how aptly Goethe describes this. In depicting an earlier world, he has the ants and the beetles appear within it. And by having a mountain arise just as it did in earlier cosmic development—as one sees it again in another sphere of reality during the time between falling asleep and waking up—he has ants appear who then engage with what the mountain has brought into existence. But he makes other beings, in particular, the companions of these ants. The ants—and indeed almost the entire insect kingdom—are actually a race that does not quite fit into the present-day Earth. This world of ants actually feels anachronistic in the present world. They have little to do with it; they have no true companions. The other animals are of a completely different nature. There are tremendous differences between the soul-spiritual nature of the insect world—such as the ant colony, for example—and that of other animals. The companions of the ants are not, in fact, the present-day physical forms of animals, but rather the spiritual elemental beings whom Goethe depicts as Pygmies, as dwarves, as Dactyls; to whom they are much more closely related—despite the fact that the ants have attained a physical nature in this earthly existence—than to these present-day beings. Thus, Goethe is aware of this species of ant colony belonging to an ancient cosmic epoch, and he weaves this mystery into this scene.
[ 27 ] Nun, wie ist denn eigentlich diese unsere Welt entstanden? Nicht wahr, sie hat ihren gegenwärtigen Zustand aus dem alten Zustand herausentwickelt. Wir haben jetzt gesprochen von dem alten Zustand, und auf den gegenwärtigen braucht man nur hinzuweisen, denn er ist dasjenige, was in der physischen Erdenumgebung ist. Aber ohne Kampf ist das nicht abgegangen. Das gab einen mächtigen kosmischen Kampf, indem das Alte sich zum Neuen entwickelte. Die Frage entsteht: Kann man auch diesen Kampf beobachten? — Man kann auch diesen Kampf beobachten! Man beobachtet ihn dann, wenn man erfassen kann das Aufwachen aus einem sehr deutlich erschauten Traum zu einem noch nicht ganz Wachsein, sondern zu einem halb Wachsein. Also wenn man aus einem tieferen Schlafzustand zu einem weniger tiefen herauf aufwacht, wenn man noch nicht aufwacht, sondern auf dem Wege des Aufwachens ist. Da nähert man sich der Sinnenwelt, und man hat noch nicht ganz verlassen diese Welt da unten, und da gerät man hinein in einen Kampf, der ganz ähnlich ist dem Kampfe, der sich abgespielt hat, als die alte Welt in die neue sich verwandelte. So sachgemäß geht Goethe wieder vor, daß er, indem er hier einen Traum als Ausdruck für die alte Weltenordnung auftreten läßt, auch das Erwachen aus diesem Traum darstellt, das einen Kampf im Kosmos zum Ausdruck bringt. Dasjenige, was der Gegenwart angehört, kommt in Kampf mit dem, was der alten Zeit angehört: die Pygmäen, die zu der alten Welt gehören, mit den Reihern, die zu den gegenwärtigen Wassern gehören. Dieser Kamp! spielt sich ab. Und dieses Erblicken des Kampfes ist zu gleicher Zeit ein Aufwachen. Und daß es sich um das Aufwachen handelt, das drückt Goethe so deutlich aus, daß er das andeuter, was oftmals das Aufwachen bewirkt. Man hört irgend etwas, das noch geistig im Traume erscheint, imaginativ-bildlich, und das dann übergeht in die äußere Wirklichkeit: das Herannahen der Kraniche des Ibykus, die ja auftreten in dieser Szene. Das zeigt uns Goethe im ersten Teil dieser Szene, was man im Traumbewußtsein, wenn es voll entwickelt ist, erleben kann, und was auf frühere Erdzustände hinweist, was er glaubte, mit griechischen Vorstellungen besser durchdringen zu können als mit Gegenwartsvorstellungen.
[ 27 ] Well, how did our world actually come into being? It has, after all, evolved into its present state from its former state. We have just spoken of the former state, and one need only point to the present one, for it is what exists in the physical environment of the Earth. But this did not happen without a struggle. There was a mighty cosmic struggle as the old evolved into the new. The question arises: Can this struggle also be observed? — Yes, this struggle can be observed! One observes it when one can perceive the awakening from a very vividly perceived dream into a state that is not yet fully awake, but rather a state of half-awake consciousness. That is, when one awakens from a deeper state of sleep to a shallower one, when one has not yet fully awakened but is on the path to awakening. There one approaches the sensory world, and one has not yet completely left that world below, and there one becomes caught up in a struggle that is very similar to the struggle that took place when the old world transformed into the new. Goethe proceeds so appropriately here that, by introducing a dream as an expression of the old world order, he also depicts the awakening from this dream, which expresses a struggle in the cosmos. That which belongs to the present enters into conflict with that which belongs to the old era: the pygmies, who belong to the old world, with the herons, who belong to the waters of the present. This battle unfolds. And this witnessing of the battle is, at the same time, an awakening. And Goethe expresses so clearly that this is an awakening that he alludes to what often brings about awakening. One hears something that still appears spiritually in a dream, imaginatively and pictorially, and that then passes into external reality: the approach of Ibycus’s cranes, which do indeed appear in this scene. In the first part of this scene, Goethe shows us what one can experience in dream consciousness when it is fully developed, and what points to earlier earthly states—which he believed he could penetrate more deeply through Greek mental images than through contemporary ones.
[ 28 ] Und nun der Homunkulus. So weit geht es doch nicht! Denn für den Gegenwartsmenschen ist es — das deutet Goethe nun ganz klar an nicht möglich, zu voller, klarer Bewußtheit das zu bringen, was da unten sich abspielt. Furcht, Angst hindert den Menschen, wenn auch unbewußte Angst. Ich habe das oft dargestellt. Der Homunkulus wagt sich nicht hinein in diese Welt, das spricht er auch ganz deutlich aus. Als er wieder erscheint, da erklärt er, nein, da will er nicht hinein, er will zwar entstehen, das heißt, es soll ein Homo daraus werden, aber in diese Welt, da will er nicht hinein.
[ 28 ] And now the homunculus. It doesn’t go that far! For modern man—as Goethe now makes quite clear—it is not possible to bring what is happening down there into full, clear consciousness. Fear and anxiety prevent man from doing so, even if that anxiety is unconscious. I have often described this. The homunculus does not dare to enter this world; he states this quite clearly. When he reappears, he explains that no, he does not want to enter it; he does want to come into being—that is, he is to become a human being—but he does not want to enter this world.
Ich schwebe so von Stell’ zu Stelle
Und möchte gern im besten Sinn entstehn,
Voll Ungeduld, mein Glas entzwei zu schlagen;
Allein, was ich bisher gesehn,
Hinein da möcht’ ich mich nicht wagen.
I float from place to place
And would love to emerge in the best sense of the word,
Eager to shatter my glass in two;
But given what I’ve seen so far,
I wouldn’t dare venture in there.
[ 29 ] Also, es ist eine gefährliche Welt, in die der Homunkulus noch nicht untertauchen will. Er möchte doch in einer weniger gefährlichen Welt seinen Weg vom Homunkulus zum Homo antreten.
[ 29 ] So, it is a dangerous world into which the homunculus does not yet want to venture. After all, he would like to begin his journey from homunculus to Homo in a less dangerous world.
[ 30 ] Nun, hätte man Goethe gefragt: Ja, also mit der 'Traumwelt, respektive mit der Schlafeswelt, da glauben Sie nicht, daß viel zu machen ist, wenn Sie im Menschenkopf den Homunkulus zu einem Homo werden lassen wollen. Aber wie wäre es mit der Philosophie? Die Philosophen denken ja über die Weltenrätsel nach. Wie wäre es mit der Philosophie? Wie wäre es, wenn man anfrägt über das wahre Menschentum bei Leibniz oder bei Kant? Da würde Goethe ein recht skeptisches Gesicht gemacht haben, ein recht ungläubiges Gesicht! Den modernen Philosophen hat er alles mögliche Gute zugeschrieben, aber daß sie in das Wesen des Menschen eindringen können, daß sie irgend etwas beitragen können, so daß der Homunkulus zu einem Homo im Menschenleben wird, das glaubte er nicht. Auch da glaubte er, daß man schon näherkomme, wenn man griechische Vorstellungen verwende. Von den Griechen namentlich der älteren Zeit, in der Anaxagoras und Thales lebten, wußte Goethe. Die standen mit ihren Anschauungen noch näher jenen alten Mysterienanschauungen, welche noch etwas von jener geistigen Welt gewußt haben, aus der dem Menschen nur die Träume herauffluten. —- Deshalb läßt er den Homunkulus begegnen zwei uralten griechischen Philosophen, von denen der eine, Anaxagoras, sehr viel noch weiß von der alten Mysterienweisheit, namentlich viel von den Geheimnissen der Feuererde. In das Denken, in die vernünftige Philosophie des Anaxagoras ragen hinein noch diejenigen Vorstellungen, welche die alten Mysterien gehabt haben, und die anknüpften an die Geschehnisse innerhalb der Feuererde.
[ 30 ] Well, if one had asked Goethe: “Yes, so as for the ‘world of dreams,’ or rather the world of sleep—you don’t think there’s much to be done there if you want to turn the homunculus in the human mind into a homo. But what about philosophy? Philosophers, after all, ponder the mysteries of the world.” What about philosophy? What if one were to inquire about true humanity in Leibniz or Kant?” Goethe would have made a rather skeptical face at that, a rather incredulous face! He attributed all manner of good qualities to modern philosophers, but he did not believe that they could penetrate the essence of the human being, that they could contribute anything such that the homunculus might become a homo in human life. Here, too, he believed that one comes closer to the truth by drawing on Greek mental images. Goethe was familiar with the Greeks, particularly those of the earlier period in which Anaxagoras and Thales lived. With their views, they stood even closer to those ancient mystery teachings, which still knew something of that spiritual world from which only dreams flow up to human beings. —- That is why he has the homunculus encounter two ancient Greek philosophers, one of whom, Anaxagoras, still knows a great deal about the ancient wisdom of the mysteries—particularly about the secrets of the fiery earth. The mental images held by the ancient mysteries—which were connected to the events within the fiery earth—still permeate the thinking and rational philosophy of Anaxagoras.
[ 31 ] Bei Thales waren zwar auch noch Reminiszenzen an alte Vorstellungen vorhanden, Anknüpfungen an die Geheimnisse der Wasserluft; aber zu gleicher Zeit macht es Goethe klar, daß die Anschauungen des Anaxagoras untergehende sind, wenn auch die höheren, und daß mit Thales die neuere Zeit beginnt. Mit Recht - ich habe es sogar in meinen «Rätseln der Philosophie» ausgesprochen — beginnt die Geschichte der neueren Philosophie, die Geschichte der Philosophie überhaupt, mit Thales. Thales ist gewissermaßen der Urphilister, als den ihn Goethe hier hinstellt, der die philiströse Weltanschauung der fünften nachatlantischen Periode einzuleiten hat, die zwar in einer gewissen, aber nur dunklen Weise anknüpft an die Geheimnisse der Wasserluft.
[ 31 ] Although Thales’s thought still contained echoes of ancient ideas—links to the mysteries of water and air—Goethe makes it clear that Anaxagoras’s views were on the wane, even if they were the more elevated ones, and that a new era began with Thales. Rightly so—I have even stated this in my Riddles of Philosophy—the history of modern philosophy, indeed the history of philosophy itself, begins with Thales. Thales is, in a sense, the archetypal philistine, as Goethe portrays him here, the one who is to usher in the philistine worldview of the fifth post-Atlantean period, which, though it connects in a certain—albeit only obscure—way to the mysteries of water and air.
[ 32 ] So charakterisiert Goethe im ersten Teil dieser Szene, wo er noch aus den Erfahrungen der Traumeswelt heraus schildert, die Welt des Seismos, zu dem die Pygmäen gehören, all dasjenige, was zusammenhängt mit den schöpferischen Kräften des Seismos auf der einen Seite. Und das Element des Wassers, das er in die Gegenwart schon überführen läßt, daher nicht als Wasserluft, sondern als Wasser charakterisiert mit den Reihern und so weiter, das stellt er dem Feuer entgegen: Wasser, Feuer, eigentlich Wasserluft, Feuererde. Und zwischen Wasser und Feuer kommt es zum Kampf: die Pygmäen mit den Reihern. Und nur in anderer Weise in den Verstand herübergetragen spielt sich derselbe Kampf, der sich zuerst abspielt zwischen den Pygmäen, als den Repräsentanten der Erde oder des Erdfeuers, und den Reihern, als den Repräsentanten des Wassers, der Wasserluft, dann im Verstande ab zwischen Anaxagoras, dem Philosophen des Feuers, und Thales, dem Philosophen des Wassers.
[ 32 ] Thus, in the first part of this scene—where he is still describing the world of the Seismos, to which the Pygmies belong, based on his experiences in the world of dreams—Goethe characterizes, on the one hand, everything connected with the creative forces of the Seismos. And the element of water, which he has already brought into the present—and thus characterizes not as “water-air” but as water, along with the herons and so on—he contrasts with fire: water, fire, actually “water-air,” “fire-earth.” And a struggle ensues between water and fire: the Pygmies against the herons. And the same struggle, which first takes place between the Pygmies—as representatives of the earth or earth-fire—and the herons—as representatives of water, of water-air—unfolds in the mind in a different form, between Anaxagoras, the philosopher of fire, and Thales, the philosopher of water.
[ 33 ] So schön ist der Parallelismus, daß in dieser zweiten Stufe seiner Darstellung Goethe richtig zur Anschauung bringt, wie nunmehr, da sich der Homunkulus zum Homo-Werden nicht hinuntergewagt hat ins unterbewußte Element, er jetzt ins Bewußte hinauf sich flüchtet. Und bei denen, die im Bewußtsein noch so manches sich bewahren wollen von dem, was man aber im Unterbewußten erfahren würde, bei den Philosophen, möchte Homunkulus erfahren, wie man zum Homo wird. Da stellt es sich heraus, daß, weil die Philosophen ihre Impulse von verschiedenen Gebieten des Erlebens hernehmen, sie nicht einig sind und selbst in solche Kämpfe kommen, in solche Ideenkämpfe, die sich auf Grundlage der Kämpfe im Kosmos abspielen! Wie zwischen den Pygmäen und Reihern, so zwischen den Begriffen des Anaxagoras und den Begriffen des Thales: derselbe Kampf!
[ 33 ] The parallelism is so beautiful that, in this second stage of his exposition, Goethe vividly illustrates how—now that the homunculus has not dared to descend into the subconscious realm to become a homo—he now flees upward into the conscious realm. And among those who wish to preserve in their consciousness as much as possible of what one would otherwise experience in the subconscious—among the philosophers—the homunculus seeks to learn how one becomes a homo. It turns out that, because philosophers draw their impulses from different realms of experience, they are not in agreement and even become embroiled in such struggles—in such battles of ideas—that play out on the basis of the struggles in the cosmos! Just as between the pygmies and the herons, so too between the concepts of Anaxagoras and those of Thales: the same struggle!
[ 34 ] Was tut Goethe? Er schildert also zuerst dasjenige, was sich da unten abspielt in der unterbewußten Welt, führt dann herauf in die Welt des Bewußtseins, aber knüpft an die Reminiszenzen an, die aus dem Unterbewußten heraufkommen, die namentlich bei Anaxagoras deutlich sind, daher wird Anaxagoras auch von dem Thales für einen Phantasten gehalten.
[ 34 ] What does Goethe do? He first describes what is taking place down there in the subconscious world, then leads us up into the world of consciousness, but ties this in with the reminiscences that rise up from the subconscious—reminiscences that are particularly evident in Anaxagoras—which is why Thales also considers Anaxagoras a fantasist.
[ 35 ] Aber wir haben es schon mit einer zweiten Schichte des Menschenlebens zu tun, mit derjenigen Schichte, die das tagwachende Bewußtsein auch hat, wenn auch der eine oder andere in mehr geistiger Weise, oder auch mehr oder weniger — wie ich es dargestellt habe — wachend-schlafend, schlafend-wachend es hat. Man kann es auch wachend-schlafend und schlafend-wachend haben. Das ist die zweite Schichte des Erlebens, die da dargestellt wird. Und sehr bedeutsam ist das Folgende. Was da erlebt wird, das läßt Goethe in einer andern Form erleben, als er das erste erleben läßt. Mit den Sirenen läßt er einfach beginnen. Die beginnen die Szene. Man ist in der Schlafeswelt, in der Traumeswelt, man hat nicht nötig, irgend etwas dazu zu tun, um in dieser Welt zu sein, daher führt sie Goethe einfach vor. Nun wacht man aber auf aus dieser Welt. Indem man aufwacht, kommt man in das gewöhnliche Bewußtsein. Goethe hat aus einem gewissen Grunde Luzifer und Ahriman in dem einen Mephistopheles zusammengefaßt. Dieses Aufwachen zeigt er in dem Erlebnisse des Mephistopheles. Und interessant ist es, indem Mephistopheles gewissermaßen repräsentiert das noch nicht voll Aufgewachtsein, da ist er noch unten, er erlebt es durch die griechischen Lamien; dann geht es ins bewußte Leben herauf. Aber soll es nun ins vollbewußte Leben heraufgehen, soll wirklich der Homunkulus-Mephisto eintreten in das vollbewußte Leben, in das Verstandesleben, da muß sich der Mensch gleichsam aufrütteln, da muß er sich fassen, da muß er aus dem Traum in die Wirklichkeit erwachen. Daher begegnet der Mephisto bei diesem Erwachen der Oreade, der Oreas, die sehr deutlich in Goethes Sprache andeutet, daß es sich um das handelt, was ich gesagt habe.
[ 35 ] But we are already dealing with a second layer of human life—the layer that waking consciousness also possesses, even if some people experience it in a more spiritual way, or—as I have described—in a state that is more or less a mixture of waking and sleeping, or sleeping and waking. One can also experience it as half-awake, half-asleep and half-asleep, half-awake. This is the second layer of experience that is depicted here. And what follows is very significant. Goethe has us experience what happens there in a different way than he had us experience the first part. He simply has the sirens begin. They open the scene. One is in the world of sleep, in the world of dreams; one does not need to do anything to be in this world, so Goethe simply presents it. But now one awakens from this world. By awakening, one enters ordinary consciousness. For a certain reason, Goethe has combined Lucifer and Ahriman into the single figure of Mephistopheles. He depicts this awakening through Mephistopheles’s experience. And it is interesting that Mephistopheles, in a sense, represents a state of not yet being fully awake; there he is still down below, experiencing it through the Greek lamia; then he ascends into conscious life. But if it is to ascend into fully conscious life—if the homunculus Mephisto is truly to enter fully conscious life, the life of the intellect—then the human being must, as it were, rouse himself; he must pull himself together; he must awaken from the dream into reality. That is why, during this awakening, Mephisto encounters the Oread, the Oreas, who very clearly indicates in Goethe’s language that this is precisely what I have described.
Herauf hier! Mein Gebirg ist alt,
Steht in ursprünglicher Gestalt.
Verehre schroffe Felsensteige,
Des Pindus letztgedehnte Zweige.
Schon stand ich unerschüttert so,
Als über mich Pompejus floh.
Daneben das Gebild des Wahns
Verschwindet schon beim Krähn des Hahns.
Come up here! My mountain is ancient,
Standing in its original form.
Admire the rugged rocky paths,
The outermost branches of Mount Pindus.
I stood there unshaken,
When Pompey fled over me.
Beside it, the figment of delusion
Already vanishes at the crowing of the rooster.
[ 36 ] Die Oreas, sie macht, indem aufgerüttelt wird das Schlafbewußtsein ins Wachbewußtsein, gewissermaßen darauf aufmerksam, daß man jetzt aus der Welt, die man sonst die Welt des Wahns nennt, wenn sie auch in der Weise eine Wirklichkeit ist, wie ich geschildert habe, herüberkommt in die Welt, wo die Gebirge feststehen, wo nicht alles auf und ab wogt. Und Goethe geniert sich eigentlich nicht, sehr deutlich darauf hinzuweisen, wie man aus dieser Welt erwacht. Denken Sie nur, wie oft man aus der Welt, aus der die Träume heraufsprudeln, erwacht beim Krähn des Hahns. Also Goethe macht das sehr deutlich. Jetzt geht es in die wache Welt hinauf, wo die Philosophen zu reden haben, wo durch die Reden der Philosophen der Homunkulus zu einem Homo werden soll.
[ 36 ] The Oreas, by shaking one’s sleeping consciousness awake into waking consciousness, draws one’s attention, so to speak, to the fact that one is now emerging from the world—which is otherwise called the world of illusion, even though it is a reality in the sense I have described—into the world where the mountains stand firm, where not everything surges up and down. And Goethe doesn’t really shy away from pointing out very clearly how one awakens from this world. Just think how often one awakens from the world from which dreams bubble up at the crowing of the rooster. So Goethe makes this very clear. Now one ascends into the waking world, where the philosophers have their say, where, through the philosophers’ words, the homunculus is to become a homo.
[ 37 ] Nun wäre viel zu sagen — vielleicht morgen. Ich will nur noch darauf aufmerksam machen, daß, nachdem diese Welt absolviert ist, Goethe auch noch auf eine dritte hinweist. Und wie es erst die Bergnymphe Oreas war, die hingewiesen hat auf diese Welt des Wachens, des Tagwachens, so ist es eine Nymphe wiederum, das heißt, ein Elementarwesen, welches stark aufrüttelt: die Baumnymphe, die Dryade, die Mephistopheles zu einer dritten Schichte des Bewußtseins führt, zu einer dritten Schichte, in der man Vernunft und Hellsichtigkeit vereinigt: Unterbewußtes, Bewußtes, Überbewußtes. Auch auf diejenige Welt, auf die wir gerade durch die Geisteswissenschaft hinweisen wollen, deutet Goethe in einer gewissen Beziehung schon hin. Nur deutet er in einer sehr eigenartigen Weise darauf hin. Die Wesen, welche Mephistopheles zunächst findet, sind die Phorkyaden.
[ 37 ] There is much to be said here—perhaps tomorrow. I just want to point out that, after this world has been completed, Goethe also points to a third one. And just as it was the mountain nymph Oreas who first pointed to this world of wakefulness, of daytime wakefulness, so it is once again a nymph—that is, an elemental being—who stirs us deeply: the tree nymph, the dryad, who leads Mephistopheles to a third layer of consciousness, a third layer in which reason and clairvoyance are united: the subconscious, the conscious, and the superconscious. Goethe, too, in a certain sense, already points toward the very world to which we now wish to draw attention through Spiritual Science. Only he points to it in a very peculiar way. The beings that Mephistopheles first encounters are the Phorkyads.
[ 38 ] Aus unseren Darstellungen übermorgen werden Sie sehen, was für angenehme, schöne Wesen diese Phorkyaden sind, und namentlich, was für eine eindringliche, Herzenstöne anschlagende Sprache diese Phorkyaden führen! Und dennoch, wer da weiß, welchen Erlebnissen der Mensch die Stirne bieten muß, wenn er in bewußter Art in die geistige Welt einzudringen hat, der versteht die Begegnung des Mephistopheles mit den Phorkyaden.
[ 38 ] From our descriptions the day after tomorrow, you will see what pleasant, beautiful beings these Phorkyads are, and especially what a vivid, heartfelt language they speak! And yet, anyone who knows what experiences a person must face when consciously venturing into the spiritual world will understand Mephistopheles’ encounter with the Phorcys.
[ 39 ] Doch davon will ich dann morgen weiter sprechen, weil sich die Sache doch nicht in einer Auseinandersetzung erledigen läßt.
[ 39 ] But I'll talk more about that tomorrow, because this matter can't be settled in a single discussion.
