Art in the Light of Mystery Wisdom
GA 275
1 January 1915, Dornach
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Kunst im Lichte der Mysterienweisheit
Fünfter Vortrag
Fünfter Vortrag
[ 1 ] Ein jegliches Ding, eine jegliche Tatsache der Welt und auch ein. jegliches Verhalten des Menschen, sie haben alle zwei Seiten, sie bilden gleichsam zwei polarische Gegensätze.
[ 1 ] Ein jegliches Ding, eine jegliche Tatsache der Welt und auch ein. jegliches Verhalten des Menschen, sie haben alle zwei Seiten, sie bilden gleichsam zwei polarische Gegensätze.
[ 2 ] Gestern hatte ich Sie aufmerksam darauf zu machen, wie aus dem empfindenden Verständnis unserer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung in die Menschenseele hineinkommen sollen Ehrfurcht und Hingebung gegenüber den geistigen Welten. Die andere Seite zu diesem ehrfürchtig-hingebungsvollen Verhalten ist das energische Arbeiten an der eigenen Innerlichkeit, das energische In-die-HandNehmen der Evolutionsfaktoren der eigenen Seele, das Daraufschauen, daß wir unsere Erlebnisse, die wir durchmachen innerhalb unserer Erfahrungen, immer dazu verwenden, etwas an ihnen zu lernen, ein wenig vorwärtszukommen in bezug auf die Kräfte unseres Inneren, damit wir - was uns auch im Leben begegnen, was auch um uns herum vorgehen mag, ob es uns leicht oder schwer verständlich ist — immer der Gefahr entgehen, uns selber zu verlieren. Daß wir immer die Möglichkeit haben, uns zu erhalten, daß wir aus uns selber die Kraft gewinnen können, Verständnis zu entwickeln für dasjenige, was uns oftmals in dem, was als Äußeres an uns herantritt, unverständlich erscheinen kann, daß wir die Ehrfurcht vor Dingen, wie sie gestern erwähnt worden sind, so stark auf die eigene Evolution der Seele wirken lassen mögen, daß diese Seele ein richtiges Verständnis gegenüber dem Weltendasein gewinnen könne: das, meine lieben Freunde, möchte ich Ihnen heute am Beginn des Jahres als den Neujahrsgruß sagen. Ich möchte folgen lassen der Erinnerung an die Ehrfurcht die Erinnerung an das energische Arbeiten an unserem Inneren. Ein Symbolum für diese Folge der Erinnerung ist es, daß uns in dieser Neujahrsnacht der volle Mond aus dem Weltenall hereinscheint. Wäre es umgekehrt gewesen, würden wir den Jahresbeginn mit dem Neumonde haben, so würde ich recht getan haben, die Erinnerungen in der umgekehrten Reihenfolge an Ihre Herzen heranzubringen. Dann hätte ich gestern das Jahr geschlossen mit der Erinnerung an die Kraft der inneren Evolution und hätte heute folgen zu lassen gehabt die Erinnerung an die Ehrfurcht.
[ 2 ] Gestern hatte ich Sie aufmerksam darauf zu machen, wie aus dem empfindenden Verständnis unserer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung in die Menschenseele hineinkommen sollen Ehrfurcht und Hingebung gegenüber den geistigen Welten. Die andere Seite zu diesem ehrfürchtig-hingebungsvollen Verhalten ist das energische Arbeiten an der eigenen Innerlichkeit, das energische In-die-HandNehmen der Evolutionsfaktoren der eigenen Seele, das Daraufschauen, daß wir unsere Erlebnisse, die wir durchmachen innerhalb unserer Erfahrungen, immer dazu verwenden, etwas an ihnen zu lernen, ein wenig vorwärtszukommen in bezug auf die Kräfte unseres Inneren, damit wir - was uns auch im Leben begegnen, was auch um uns herum vorgehen mag, ob es uns leicht oder schwer verständlich ist — immer der Gefahr entgehen, uns selber zu verlieren. Daß wir immer die Möglichkeit haben, uns zu erhalten, daß wir aus uns selber die Kraft gewinnen können, Verständnis zu entwickeln für dasjenige, was uns oftmals in dem, was als Äußeres an uns herantritt, unverständlich erscheinen kann, daß wir die Ehrfurcht vor Dingen, wie sie gestern erwähnt worden sind, so stark auf die eigene Evolution der Seele wirken lassen mögen, daß diese Seele ein richtiges Verständnis gegenüber dem Weltendasein gewinnen könne: das, meine lieben Freunde, möchte ich Ihnen heute am Beginn des Jahres als den Neujahrsgruß sagen. Ich möchte folgen lassen der Erinnerung an die Ehrfurcht die Erinnerung an das energische Arbeiten an unserem Inneren. Ein Symbolum für diese Folge der Erinnerung ist es, daß uns in dieser Neujahrsnacht der volle Mond aus dem Weltenall hereinscheint. Wäre es umgekehrt gewesen, würden wir den Jahresbeginn mit dem Neumonde haben, so würde ich recht getan haben, die Erinnerungen in der umgekehrten Reihenfolge an Ihre Herzen heranzubringen. Dann hätte ich gestern das Jahr geschlossen mit der Erinnerung an die Kraft der inneren Evolution und hätte heute folgen zu lassen gehabt die Erinnerung an die Ehrfurcht.
[ 3 ] Daß ein solches Symbolum, wie es uns erglänzt aus dem Makrokosmos, wirklich beachtet wird, das ist dasjenige, was wiederum immer mehr und mehr als etwas Wichtiges angesehen werden soll. Und wenn wir ruhige Augenblicke in diesem Jahr haben, dann lassen wir diesen Wink auf uns wirken, lassen ihn so wirken, daß es in diesem Jahr von besonderer Bedeutung sein kann, sich zuerst einmal zu überlegen, was die Kraft der Ehrfurcht aus uns machen kann, und dann sich zu überlegen, was die Kraft der inneren Erhaltung, Bewahrung der inneren Seelenenergie aus uns machen soll.
[ 3 ] Daß ein solches Symbolum, wie es uns erglänzt aus dem Makrokosmos, wirklich beachtet wird, das ist dasjenige, was wiederum immer mehr und mehr als etwas Wichtiges angesehen werden soll. Und wenn wir ruhige Augenblicke in diesem Jahr haben, dann lassen wir diesen Wink auf uns wirken, lassen ihn so wirken, daß es in diesem Jahr von besonderer Bedeutung sein kann, sich zuerst einmal zu überlegen, was die Kraft der Ehrfurcht aus uns machen kann, und dann sich zu überlegen, was die Kraft der inneren Erhaltung, Bewahrung der inneren Seelenenergie aus uns machen soll.
[ 4 ] Aus der Sternenschrift ist uns diese Reihenfolge für dieses Jahr geboten, und die Welt wird wiederum einsehen nach und nach, daß das Lesen in der Sternenschrift für den Menschen doch eineBedeutung hat. So suchen wir auch in diesen Einzelheiten zu beachten das große Gesetz des menschlichen Daseins, Einklang zu erstreben zwischen dem Makrokosmos und dem Mikrokosmos. Der Makrokosmos drückt sich ja in der Mondphase in diesen Tagen für uns auf die elementarste Weise aus, und den Einklang mit diesem Makrokosmos in unserem Mikrokosmos finden wir, wenn wir uns demgemäß verhalten in dem Ablaufe dieses Jahres, das unter so schmerzlichen Tatsachen geboren worden ist.
[ 4 ] Aus der Sternenschrift ist uns diese Reihenfolge für dieses Jahr geboten, und die Welt wird wiederum einsehen nach und nach, daß das Lesen in der Sternenschrift für den Menschen doch eineBedeutung hat. So suchen wir auch in diesen Einzelheiten zu beachten das große Gesetz des menschlichen Daseins, Einklang zu erstreben zwischen dem Makrokosmos und dem Mikrokosmos. Der Makrokosmos drückt sich ja in der Mondphase in diesen Tagen für uns auf die elementarste Weise aus, und den Einklang mit diesem Makrokosmos in unserem Mikrokosmos finden wir, wenn wir uns demgemäß verhalten in dem Ablaufe dieses Jahres, das unter so schmerzlichen Tatsachen geboren worden ist.
[ 5 ] Wenn Sie das beachten, was wie ein Grundton durch die Auseinandersetzungen der letzten Tage hindurchgegangen ist, so wird es Ihnen das sein, daß wir in bezug auf die gerade uns wichtigen Tatsachen, die uns wichtig geworden sind durch die geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, in einer Zeit des Umschwungs, gewissermaßen in einer Zeit der Hoffnung leben, in einer Zeit, wo uns Ahnungen aufgehen sollen, wie es im weiteren Verlaufe der menschlichen Kulturentwickelung auf der Erde werden soll, wie ein Umschwung stattfinden soll von einer rein materialistischen zu einer spirituellen Weltauffassung. Das aber, was hiermit angedeutet worden ist, kann nicht in einem vollen Umfange wirklich eintreten, wenn es nicht alle Gebiete des Lebens ergreift und vor allen Dingen die geistigen Gebiete des Lebens in hohem Maße erfaßt.
[ 5 ] Wenn Sie das beachten, was wie ein Grundton durch die Auseinandersetzungen der letzten Tage hindurchgegangen ist, so wird es Ihnen das sein, daß wir in bezug auf die gerade uns wichtigen Tatsachen, die uns wichtig geworden sind durch die geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, in einer Zeit des Umschwungs, gewissermaßen in einer Zeit der Hoffnung leben, in einer Zeit, wo uns Ahnungen aufgehen sollen, wie es im weiteren Verlaufe der menschlichen Kulturentwickelung auf der Erde werden soll, wie ein Umschwung stattfinden soll von einer rein materialistischen zu einer spirituellen Weltauffassung. Das aber, was hiermit angedeutet worden ist, kann nicht in einem vollen Umfange wirklich eintreten, wenn es nicht alle Gebiete des Lebens ergreift und vor allen Dingen die geistigen Gebiete des Lebens in hohem Maße erfaßt.
[ 6 ] Schon haben wir erkennen können aus mancherlei Andeutungen, wie das wirkliche gefühlsmäßige, nicht bloß verstandesmäßige Erfassen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung auch einen Umschwung im künstlerischen Schaffen und im künstlerischen Genießen zur Folge haben muß, daß gleichsam einfließen können die Kräfte, die uns kommen aus der geisteswissenschaftlichen Anschauung für das künstlerische Erfassen der Welt. Haben wir ja gerade versucht, mit unserem Bau eine Art Impuls anzudeuten für wenigstens einen kleinen Teil desjenigen, was aus geisteswissenschaftlichen Impulsen hineinfließen kann in das künstlerische Gestalten, in das, was wir künstlerisch vor uns haben können.
[ 6 ] Schon haben wir erkennen können aus mancherlei Andeutungen, wie das wirkliche gefühlsmäßige, nicht bloß verstandesmäßige Erfassen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung auch einen Umschwung im künstlerischen Schaffen und im künstlerischen Genießen zur Folge haben muß, daß gleichsam einfließen können die Kräfte, die uns kommen aus der geisteswissenschaftlichen Anschauung für das künstlerische Erfassen der Welt. Haben wir ja gerade versucht, mit unserem Bau eine Art Impuls anzudeuten für wenigstens einen kleinen Teil desjenigen, was aus geisteswissenschaftlichen Impulsen hineinfließen kann in das künstlerische Gestalten, in das, was wir künstlerisch vor uns haben können.
[ 7 ] Eine Zeit können wir vor uns sehen, wenn wir voll untertauchen in die Empfindungen und Gefühle, die uns hervorgehen können aus der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, eine Zeit, wo der Weg zum Künstlertum in vieler Beziehung ein anderer werden wird, als er in der abgelaufenen Zeit war, wo er ein viel lebensvollerer sein wird, wo das, was Mittel des künstlerischen Schaffens ist, viel intensiver erlebt werden wird von der Menschenseele, als es in abgelebten Zeiten erlebt worden ist, wo Farbe und Ton viel intimer von der menschlichen Seele durchlebt werden, gewissermaßen von der menschlichen Seele moralisch-spirituell durchlebt werden können, und wo in den Schöpfungen der Künstler uns entgegentreten werden gleichsam die Spuren der Erlebnisse der Künstlerseelen im Kosmos.
[ 7 ] Eine Zeit können wir vor uns sehen, wenn wir voll untertauchen in die Empfindungen und Gefühle, die uns hervorgehen können aus der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, eine Zeit, wo der Weg zum Künstlertum in vieler Beziehung ein anderer werden wird, als er in der abgelaufenen Zeit war, wo er ein viel lebensvollerer sein wird, wo das, was Mittel des künstlerischen Schaffens ist, viel intensiver erlebt werden wird von der Menschenseele, als es in abgelebten Zeiten erlebt worden ist, wo Farbe und Ton viel intimer von der menschlichen Seele durchlebt werden, gewissermaßen von der menschlichen Seele moralisch-spirituell durchlebt werden können, und wo in den Schöpfungen der Künstler uns entgegentreten werden gleichsam die Spuren der Erlebnisse der Künstlerseelen im Kosmos.
[ 8 ] Im wesentlichen war das Verhalten des künstlerisch Schaffenden und des künstlerisch Genießenden in der abgelaufenen Epoche eine Art äußeren Anschauens, ein Appellieren an das, was von außen an den Künstler herantreten kann. Das Angewiesensein auf die Natur und auf das Modell für das äußere Anschauen ist immer größer und größer geworden. Nicht soll etwa in einer einseitigen Weise hingewiesen werden auf ein Verlassen der Natur, auf ein Verlassen der äußeren Wirklichkeit in der Kunst der Zukunft. Das sei ferne. Hingewiesen soll werden auf ein noch intensiveres Beisammensein mit der äußeren Welt, auf ein so starkes Zusammensein, daß es sich nicht bloß erstreckt auf den äußeren Eindruck der Farbe, des 'Tones und der Form, sondern auch auf dasjenige, was man hinter dem Tone, hinter der Farbe, hinter den Formen erleben kann, was sich offenbart in Farbe, Ton und Form.
[ 8 ] Im wesentlichen war das Verhalten des künstlerisch Schaffenden und des künstlerisch Genießenden in der abgelaufenen Epoche eine Art äußeren Anschauens, ein Appellieren an das, was von außen an den Künstler herantreten kann. Das Angewiesensein auf die Natur und auf das Modell für das äußere Anschauen ist immer größer und größer geworden. Nicht soll etwa in einer einseitigen Weise hingewiesen werden auf ein Verlassen der Natur, auf ein Verlassen der äußeren Wirklichkeit in der Kunst der Zukunft. Das sei ferne. Hingewiesen soll werden auf ein noch intensiveres Beisammensein mit der äußeren Welt, auf ein so starkes Zusammensein, daß es sich nicht bloß erstreckt auf den äußeren Eindruck der Farbe, des 'Tones und der Form, sondern auch auf dasjenige, was man hinter dem Tone, hinter der Farbe, hinter den Formen erleben kann, was sich offenbart in Farbe, Ton und Form.
[ 9 ] In dieser Beziehung werden die Menschenseelen bedeutungsvolle Entdeckungen machen in der Zukunft. Sie werden wirklich ihr moralisch-spirituelles Wesen verbinden mit demjenigen, was der Sinnenschein uns bringt. Eine unendliche Vertiefung der Menschenseele kann auf diesem Gebiete vorausgesehen werden. Nehmen wir einmal zunächst als Grundlage eine Einzelheit. Wir nehmen einfach den Fall, daß wir unseren Blick auf eine gleichmäßig in stark zinnobrigem Rot leuchtende Farbenfläche richten, und wir nehmen ferner an, daß wir dazu gelangen, alles übrige, das um uns herum ist, zu vergessen, uns zu konzentrieren ganz auf das Erleben dieser Farbe, so daß wir diese Farbe nicht bloß als etwas vor uns haben, das auf uns wirkt, sondern so, daß wir diese Farbe als etwas haben, worin wir selber sind, daß wir eins werden mit dieser Farbe. Wir werden dann gleichsam die Empfindung haben können: Du bist jetzt in der Welt, du bist selbst in dieser Welt ganz Farbe geworden, das Innerste deines Seelenwesens ist ganz Farbe geworden, wo du auch hinkommen magst in der Welt mit deiner Seele, wirst du als roterfüllte Seele hinkommen, du wirst überall in Rot, mit Rot und aus Rot leben. -— Dies aber wird man bei intensivem Seelenleben nicht erleben können, ohne daß die entsprechende Empfindung übergeht in ein moralisches Erleben, in wirkliches moralisches Erleben.
[ 9 ] In dieser Beziehung werden die Menschenseelen bedeutungsvolle Entdeckungen machen in der Zukunft. Sie werden wirklich ihr moralisch-spirituelles Wesen verbinden mit demjenigen, was der Sinnenschein uns bringt. Eine unendliche Vertiefung der Menschenseele kann auf diesem Gebiete vorausgesehen werden. Nehmen wir einmal zunächst als Grundlage eine Einzelheit. Wir nehmen einfach den Fall, daß wir unseren Blick auf eine gleichmäßig in stark zinnobrigem Rot leuchtende Farbenfläche richten, und wir nehmen ferner an, daß wir dazu gelangen, alles übrige, das um uns herum ist, zu vergessen, uns zu konzentrieren ganz auf das Erleben dieser Farbe, so daß wir diese Farbe nicht bloß als etwas vor uns haben, das auf uns wirkt, sondern so, daß wir diese Farbe als etwas haben, worin wir selber sind, daß wir eins werden mit dieser Farbe. Wir werden dann gleichsam die Empfindung haben können: Du bist jetzt in der Welt, du bist selbst in dieser Welt ganz Farbe geworden, das Innerste deines Seelenwesens ist ganz Farbe geworden, wo du auch hinkommen magst in der Welt mit deiner Seele, wirst du als roterfüllte Seele hinkommen, du wirst überall in Rot, mit Rot und aus Rot leben. -— Dies aber wird man bei intensivem Seelenleben nicht erleben können, ohne daß die entsprechende Empfindung übergeht in ein moralisches Erleben, in wirkliches moralisches Erleben.
[ 10 ] Wenn man so gleichsam die Welt durchschwimmt als Rot, identisch geworden ist mit dem Rot, wenn einem also selbst die Seele und auch die Welt ganz rot ist, so wird man nicht umhin können, in dieser rot gewordenen Welt, mit der man selber rot ist, zu empfinden, als wenn diese ganze Welt im Rot zugleich uns durchsetzt mit der Substanz des göttlichen Zornes, der uns von allen Seiten entgegenstrahlt für alles dasjenige, was an Möglichkeiten des Bösen und der Sünde in uns ist. Wir werden uns gleichsam in dem unendlichen roten Raum wie in einem Strafgerichte Gottes empfinden können, und unser moralisches Empfinden wird wie eine moralische Empfindung unserer Seele im ganzen unendlichen Raum sein können. Und wenn dann die Reaktion kommt, wenn irgend etwas auftaucht in unserer Seele, wenn wir uns also im unendlichen Rot erleben, ich könnte auch sagen, im einzigen Rot erleben, so kann es nur so sein, daß man es bezeichnen möchte mit dem Worte: Man lernt beten. Wenn man im Rot erleben kann das. Erstrahlen und Erglühen des göttlichen Zornes mit allem, was an Möglichkeiten des Bösen in der menschlichen Seele liegen kann, und wenn man im Rot erfahren kann, wie man beten lernt, dann ist das Erleben mit dem Rot unendlich vertieft. Dann können wir auch verspüren, wie sich das Rot formend in die Räumlichkeit hineinstellen kann.
[ 10 ] Wenn man so gleichsam die Welt durchschwimmt als Rot, identisch geworden ist mit dem Rot, wenn einem also selbst die Seele und auch die Welt ganz rot ist, so wird man nicht umhin können, in dieser rot gewordenen Welt, mit der man selber rot ist, zu empfinden, als wenn diese ganze Welt im Rot zugleich uns durchsetzt mit der Substanz des göttlichen Zornes, der uns von allen Seiten entgegenstrahlt für alles dasjenige, was an Möglichkeiten des Bösen und der Sünde in uns ist. Wir werden uns gleichsam in dem unendlichen roten Raum wie in einem Strafgerichte Gottes empfinden können, und unser moralisches Empfinden wird wie eine moralische Empfindung unserer Seele im ganzen unendlichen Raum sein können. Und wenn dann die Reaktion kommt, wenn irgend etwas auftaucht in unserer Seele, wenn wir uns also im unendlichen Rot erleben, ich könnte auch sagen, im einzigen Rot erleben, so kann es nur so sein, daß man es bezeichnen möchte mit dem Worte: Man lernt beten. Wenn man im Rot erleben kann das. Erstrahlen und Erglühen des göttlichen Zornes mit allem, was an Möglichkeiten des Bösen in der menschlichen Seele liegen kann, und wenn man im Rot erfahren kann, wie man beten lernt, dann ist das Erleben mit dem Rot unendlich vertieft. Dann können wir auch verspüren, wie sich das Rot formend in die Räumlichkeit hineinstellen kann.
[ 11 ] Wir können es dann begreifen, wie wir erleben können ein Wesen, das von sich Gutes ausstrahlt, das erfüllt ist mit göttlicher Güte und göttlicher Barmherzigkeit, ein Wesen, das wir hineinempfinden wollen in den Raum. Dann werden wir die Notwendigkeit fühlen, dieses Hineinempfinden in den Raum der göttlichen Barmherzigkeit, der göttlichen Güte, zur Form aus der Farbe heraus sich gestalten zu lassen. Wir werden das Bedürfnis empfinden, abwehren zu lassen die Räumlichkeit, so daß die Güte, die Barmherzigkeit ausstrahlt. Bevor sie da war, war es so zusammengezogen, ganz konzentriert im Mittelpunkt, und jetzt stellt sie sich hinein, diese Güte und Barmherzigkeit, in den Raum, und wie Wolken auseinandergetrieben werden, so treibt sie das zurück, treibt es auseinander, so daß es vor der Barmherzigkeit weicht und wir das Gefühl bekommen: das mußt du verlaufend rot machen. Und dann werden wir das Gefühl bekommen: Hier (es wurde gezeichnet) in der Mitte werden wir eine Art Rosaviolett schwach andeuten müssen als hineinstrahlend in das auseinanderstiebende Rot.
[ 11 ] Wir können es dann begreifen, wie wir erleben können ein Wesen, das von sich Gutes ausstrahlt, das erfüllt ist mit göttlicher Güte und göttlicher Barmherzigkeit, ein Wesen, das wir hineinempfinden wollen in den Raum. Dann werden wir die Notwendigkeit fühlen, dieses Hineinempfinden in den Raum der göttlichen Barmherzigkeit, der göttlichen Güte, zur Form aus der Farbe heraus sich gestalten zu lassen. Wir werden das Bedürfnis empfinden, abwehren zu lassen die Räumlichkeit, so daß die Güte, die Barmherzigkeit ausstrahlt. Bevor sie da war, war es so zusammengezogen, ganz konzentriert im Mittelpunkt, und jetzt stellt sie sich hinein, diese Güte und Barmherzigkeit, in den Raum, und wie Wolken auseinandergetrieben werden, so treibt sie das zurück, treibt es auseinander, so daß es vor der Barmherzigkeit weicht und wir das Gefühl bekommen: das mußt du verlaufend rot machen. Und dann werden wir das Gefühl bekommen: Hier (es wurde gezeichnet) in der Mitte werden wir eine Art Rosaviolett schwach andeuten müssen als hineinstrahlend in das auseinanderstiebende Rot.
[ 12 ] Wir werden dann mit unserer ganzen Seele bei einem solchen SichFormen der Farbe dabei sein. Wir werden mit unserer ganzen Seele etwas nachempfinden, was die Wesen empfunden haben, die insbesondere zu unserem Erdenwerden gehören, die, als sie zu dem Elohimdasein aufgestiegen waren, gelernt haben, aus den Farben heraus die Formenwelt zu gestalten. Wir werden lernen, etwas zu empfinden von dem Schöpferischen der Geister der Form, die uns als Geister die Elohim sind, und wir werden dann begreifen, wie die Formen der Farbe Werk sein können, was angedeutet worden ist in unserem ersten Mysterium. Wir werden auch etwas begreifen davon, wie gleichsam die Fläche der Farbe für uns etwas wird, was überwunden werden muß, weil wir mit der Farbe in das Weltenall gehen. Wenn das bei einer starken Wunschentwickelung auftritt, dann kann eine solche Empfindung entstehen, wie diejenige ist, die in Strader lebt in dem Augenblicke, wo er das Ebenbild des Capesius sieht und sagt: «Die Leinwand, ich möchte sie durchstoßen. »
[ 12 ] Wir werden dann mit unserer ganzen Seele bei einem solchen SichFormen der Farbe dabei sein. Wir werden mit unserer ganzen Seele etwas nachempfinden, was die Wesen empfunden haben, die insbesondere zu unserem Erdenwerden gehören, die, als sie zu dem Elohimdasein aufgestiegen waren, gelernt haben, aus den Farben heraus die Formenwelt zu gestalten. Wir werden lernen, etwas zu empfinden von dem Schöpferischen der Geister der Form, die uns als Geister die Elohim sind, und wir werden dann begreifen, wie die Formen der Farbe Werk sein können, was angedeutet worden ist in unserem ersten Mysterium. Wir werden auch etwas begreifen davon, wie gleichsam die Fläche der Farbe für uns etwas wird, was überwunden werden muß, weil wir mit der Farbe in das Weltenall gehen. Wenn das bei einer starken Wunschentwickelung auftritt, dann kann eine solche Empfindung entstehen, wie diejenige ist, die in Strader lebt in dem Augenblicke, wo er das Ebenbild des Capesius sieht und sagt: «Die Leinwand, ich möchte sie durchstoßen. »
[ 13 ] Wenn Sie ein solches Mysterienspiel nehmen, dann werden Sie ja sehen, wie in diesen Mysterienspielen versucht worden ist, wirklich so etwas künstlerisch hinzustellen, wie es sich vor uns hinstellt, wenn unsere Seele versucht, sich aufnehmen zu lassen von den kosmischen Kräften, wenn sie mitfühlt mit den Geistern des Kosmos. Das war wirklich der Anfang aller Kunst. Dann aber mußte die materialistische Zeit kommen und diese mit ihrer göttlichen Nuancierung auftretende alte Kunst, bei der das Geistige als Innerliches durch die Materie sich offenbart, mußte sich verwandeln in die sekundäre, materialistische Afterkunst, die im wesentlichen die Kunst der materialistischen Zeit ist, jene Kunst, welche nicht schaffen, sondern nur nachschaffen kann. Es ist das Zeichen alles Sekundär-Künstlerischen, alles Afterkünstlerischen, daß es nur nachschaffen kann, daß es Vorwürfe braucht zum Nachschaffen, und daß es nicht primär zugleich mit dem Stoffe die Form erzeugt.
[ 13 ] Wenn Sie ein solches Mysterienspiel nehmen, dann werden Sie ja sehen, wie in diesen Mysterienspielen versucht worden ist, wirklich so etwas künstlerisch hinzustellen, wie es sich vor uns hinstellt, wenn unsere Seele versucht, sich aufnehmen zu lassen von den kosmischen Kräften, wenn sie mitfühlt mit den Geistern des Kosmos. Das war wirklich der Anfang aller Kunst. Dann aber mußte die materialistische Zeit kommen und diese mit ihrer göttlichen Nuancierung auftretende alte Kunst, bei der das Geistige als Innerliches durch die Materie sich offenbart, mußte sich verwandeln in die sekundäre, materialistische Afterkunst, die im wesentlichen die Kunst der materialistischen Zeit ist, jene Kunst, welche nicht schaffen, sondern nur nachschaffen kann. Es ist das Zeichen alles Sekundär-Künstlerischen, alles Afterkünstlerischen, daß es nur nachschaffen kann, daß es Vorwürfe braucht zum Nachschaffen, und daß es nicht primär zugleich mit dem Stoffe die Form erzeugt.
[ 14 ] Nehmen wir ein anderes. Nehmen wir an, wir machten dasselbe, was wir hier mit der roten Fläche gemacht haben, mit einer mehr orangefarbenen Fläche. Wir werden da ganz andere Erfahrungen machen mit der orangefarbenen Fläche. Wenn wir uns in sie versenken und eins werden mit derselben, so werden wir nicht jene Empfindungen haben können von einem Entgegensteuern dem göttlichen Zorn, sondern wir werden das Gefühl haben, daß das, was uns da entgegensteuert, höchstens nur noch im schwachen Maße das Seriöse des Zornes hat, daß es aber etwas ist, was sich uns mitteilen will, was uns nicht bloß strafen will, sondern was uns mit innerer Kraft ausrüsten will.
[ 14 ] Nehmen wir ein anderes. Nehmen wir an, wir machten dasselbe, was wir hier mit der roten Fläche gemacht haben, mit einer mehr orangefarbenen Fläche. Wir werden da ganz andere Erfahrungen machen mit der orangefarbenen Fläche. Wenn wir uns in sie versenken und eins werden mit derselben, so werden wir nicht jene Empfindungen haben können von einem Entgegensteuern dem göttlichen Zorn, sondern wir werden das Gefühl haben, daß das, was uns da entgegensteuert, höchstens nur noch im schwachen Maße das Seriöse des Zornes hat, daß es aber etwas ist, was sich uns mitteilen will, was uns nicht bloß strafen will, sondern was uns mit innerer Kraft ausrüsten will.
[ 15 ] Indem wir hineingehen in die Welt und eins geworden sind mit der Orangefläche, bewegen wir uns so, daß wir mit jedem Schritt, den wir weiterkommen, fühlen: Durch diese Empfindung im Orange, durch dieses Leben in den Orangekräften werden wir uns so in die Welt hineinkraften, daß wir stärker und stärker werden, daß uns nicht bloß das Strafgericht zerschellt, sondern daß das, was da aus dem Orange an uns herankommt, nicht bloß strafend kommt, sondern ein Stärkendes ist. So leben wir uns mit dem Orange hinein in die Welt. Wir lernen dann die Sehnsucht, das Innere der Dinge zu ergreifen und es mit uns selber zu vereinigen. Wir lernen durch das Leben im Rot beten. Wir lernen durch das Leben im Orange die Erkenntnis, die Sehnsucht nach der Erkenntnis des inneren Wesens der Dinge.
[ 15 ] Indem wir hineingehen in die Welt und eins geworden sind mit der Orangefläche, bewegen wir uns so, daß wir mit jedem Schritt, den wir weiterkommen, fühlen: Durch diese Empfindung im Orange, durch dieses Leben in den Orangekräften werden wir uns so in die Welt hineinkraften, daß wir stärker und stärker werden, daß uns nicht bloß das Strafgericht zerschellt, sondern daß das, was da aus dem Orange an uns herankommt, nicht bloß strafend kommt, sondern ein Stärkendes ist. So leben wir uns mit dem Orange hinein in die Welt. Wir lernen dann die Sehnsucht, das Innere der Dinge zu ergreifen und es mit uns selber zu vereinigen. Wir lernen durch das Leben im Rot beten. Wir lernen durch das Leben im Orange die Erkenntnis, die Sehnsucht nach der Erkenntnis des inneren Wesens der Dinge.
[ 16 ] Wenn es eine gelbe Fläche ist, und wir machen dasselbe, dann fühlen wir uns in diesem Erleben des Gelben wie, ich möchte sagen, an den Anfang unseres Zeitenzyklus versetzt. Wir fühlen: Jetzt lebst du in den Kräften, aus denen du geschaffen worden bist, als du deine erste Erdeninkarnation antratest. — Das, was man ist durch das ganze Erdendasein hindurch, fühlt man verwandt mit dem, was einem entgegenkommt aus der Welt, in die man selber das mit einem identisch gewordene Gelb trägt.
[ 16 ] Wenn es eine gelbe Fläche ist, und wir machen dasselbe, dann fühlen wir uns in diesem Erleben des Gelben wie, ich möchte sagen, an den Anfang unseres Zeitenzyklus versetzt. Wir fühlen: Jetzt lebst du in den Kräften, aus denen du geschaffen worden bist, als du deine erste Erdeninkarnation antratest. — Das, was man ist durch das ganze Erdendasein hindurch, fühlt man verwandt mit dem, was einem entgegenkommt aus der Welt, in die man selber das mit einem identisch gewordene Gelb trägt.
[ 17 ] Und identifiziert man sich mit Grün und geht mit dem Grün durch die Welt, was man dadurch besonders leicht haben kann, daß man versucht, die Augen über eine grüne Wiese schweifen zu lassen, den Blick über dieselbe auszubreiten, und versucht nun, von allem übrigen abzusehen, sich ganz zu konzentrieren auf die grüne Wiese, unterzutauchen in die grüne Wiese, das Grün als die Oberfläche eines Farbenmeeres zu betrachten und dann unterzutauchen in das Grün: wenn man so versucht zu leben in der Welt, dann erlebt man ein innerliches Kräftigerwerden in dem, was man in der einen Inkarnation ist. Man erlebt ein innerliches Gesundwerden, aber zu gleicher Zeit auch ein innerliches Egoistischerwerden, ein Angeregtsein der egoistischen Kräfte im eigenen Inneren.
[ 17 ] Und identifiziert man sich mit Grün und geht mit dem Grün durch die Welt, was man dadurch besonders leicht haben kann, daß man versucht, die Augen über eine grüne Wiese schweifen zu lassen, den Blick über dieselbe auszubreiten, und versucht nun, von allem übrigen abzusehen, sich ganz zu konzentrieren auf die grüne Wiese, unterzutauchen in die grüne Wiese, das Grün als die Oberfläche eines Farbenmeeres zu betrachten und dann unterzutauchen in das Grün: wenn man so versucht zu leben in der Welt, dann erlebt man ein innerliches Kräftigerwerden in dem, was man in der einen Inkarnation ist. Man erlebt ein innerliches Gesundwerden, aber zu gleicher Zeit auch ein innerliches Egoistischerwerden, ein Angeregtsein der egoistischen Kräfte im eigenen Inneren.
[ 18 ] Würde man dasselbe mit einer blauen Fläche machen, so würde man durch die Welt gehen, indem man das Bedürfnis empfindet, mit dem Blau immer weiter und weiter fortzuschreiten, den Egoismus in sich zu überwinden, gleichsam makrokosmisch zu werden, Hingabe zu entwickeln. Und man würde sich beglückt finden, wenn man in dieser Vorstellung bleiben könnte durch das einem Entgegenkommen der göttlichen Barmherzigkeit. Wie begnadet von göttlicher Barmherzigkeit würde man sich fühlen, wenn man also durch die Welt geht.
[ 18 ] Würde man dasselbe mit einer blauen Fläche machen, so würde man durch die Welt gehen, indem man das Bedürfnis empfindet, mit dem Blau immer weiter und weiter fortzuschreiten, den Egoismus in sich zu überwinden, gleichsam makrokosmisch zu werden, Hingabe zu entwickeln. Und man würde sich beglückt finden, wenn man in dieser Vorstellung bleiben könnte durch das einem Entgegenkommen der göttlichen Barmherzigkeit. Wie begnadet von göttlicher Barmherzigkeit würde man sich fühlen, wenn man also durch die Welt geht.
[ 19 ] So lernt man erkennen die innere Natur des Farbigen. Und wie gesagt, eine Zeit können wir vorausahnen, wo die Vorbereitung, die der Maler als Künstler durchmachen wird, ein solches moralisches Erleben in der Farbe bedeuten wird, wo viel innerlicher, viel intimer, als es jemals in alten Zeiten der Fall gewesen ist, das Erleben sein wird, das vorbereitet zum künstlerischen Schaffen. Denn das sind nur einzelne Andeutungen, die ich hier gebe, die noch weiter ausgebildet werden in der Zukunft. Sie werden mit einem kolossalen Sinn für das künstlerische Schaffen die Seele des Menschen ergreifen und lebendig machen können, während das sich Hereinbewegen der materialistischen Kulturentwickelung in unser modernes Zeitalter hinein die Seele ausgedörrt hat, passiv gemacht hat. Durch innere Kraft müssen die Seelen wiederum angeregt werden, erfaßt werden müssen sie von den inneren Kräften der Dinge. Dieses spezifische Beispiel, das ich gebraucht habe, sind die Farben, die in der Welt fluten.
[ 19 ] So lernt man erkennen die innere Natur des Farbigen. Und wie gesagt, eine Zeit können wir vorausahnen, wo die Vorbereitung, die der Maler als Künstler durchmachen wird, ein solches moralisches Erleben in der Farbe bedeuten wird, wo viel innerlicher, viel intimer, als es jemals in alten Zeiten der Fall gewesen ist, das Erleben sein wird, das vorbereitet zum künstlerischen Schaffen. Denn das sind nur einzelne Andeutungen, die ich hier gebe, die noch weiter ausgebildet werden in der Zukunft. Sie werden mit einem kolossalen Sinn für das künstlerische Schaffen die Seele des Menschen ergreifen und lebendig machen können, während das sich Hereinbewegen der materialistischen Kulturentwickelung in unser modernes Zeitalter hinein die Seele ausgedörrt hat, passiv gemacht hat. Durch innere Kraft müssen die Seelen wiederum angeregt werden, erfaßt werden müssen sie von den inneren Kräften der Dinge. Dieses spezifische Beispiel, das ich gebraucht habe, sind die Farben, die in der Welt fluten.
[ 20 ] In einer ganz ähnlichen Weise wird die Vertiefung und Belebung des menschlichen Seelenlebens durch die Tonwelt eintreten. Das Wesentliche der abgelaufenen Periode in bezug auf diesen Punkt ist ja, daß der Mensch einen Ton als solchen erlebt, und dann das Verhältnis von einem Ton zu einem andern. In der Zukunft wird der Mensch mit seinem Erleben hinter den Ton gehen können. Er wird gleichsam den Ton wie ein Fenster betrachten, durch das er in die geistige Welt hineintritt, und dann wird es nicht von jenem unbestimmten Fühlen abhängen, wie Ton an Ton sich setzt, zu Melodien zum Beispiel, sondern hinter den einzelnen Tönen wird die Seele wiederum moralisch-spirituell erleben durch den Ton hindurch. Wie durch ein Fenster wird die Seele in die spirituelle Welt eindringen. Die Geheimnisse des einzelnen Tones werden sich in diesem Erleben des einzelnen Tones hinter dem Ton enthüllen.
[ 20 ] In einer ganz ähnlichen Weise wird die Vertiefung und Belebung des menschlichen Seelenlebens durch die Tonwelt eintreten. Das Wesentliche der abgelaufenen Periode in bezug auf diesen Punkt ist ja, daß der Mensch einen Ton als solchen erlebt, und dann das Verhältnis von einem Ton zu einem andern. In der Zukunft wird der Mensch mit seinem Erleben hinter den Ton gehen können. Er wird gleichsam den Ton wie ein Fenster betrachten, durch das er in die geistige Welt hineintritt, und dann wird es nicht von jenem unbestimmten Fühlen abhängen, wie Ton an Ton sich setzt, zu Melodien zum Beispiel, sondern hinter den einzelnen Tönen wird die Seele wiederum moralisch-spirituell erleben durch den Ton hindurch. Wie durch ein Fenster wird die Seele in die spirituelle Welt eindringen. Die Geheimnisse des einzelnen Tones werden sich in diesem Erleben des einzelnen Tones hinter dem Ton enthüllen.
[ 21 ] Wir sind noch weit entfernt von diesem Gefühle, daß wir durch jeden Ton wie durch ein Fenster aus der sinnlichen Welt in die spirituelle Welt hineinsteigen können. Aber dies wird kommen. Wir werden den Ton empfinden wie eine Öffnung, welche die Götter gemacht haben aus der jenseits von uns liegenden spirituellen Welt in diese physisch-sinnliche Welt hinein, und wir werden hineinsteigen durch den Ton aus der physisch-sinnlichen Welt in die spirituelle Welt. Wir werden zum Beispiel durch eine Prim, die wir absolut empfinden, nicht etwa in Anlehnung an frühere Töne der Tonskala, erfühlen, wie wir hineinsteigen aus der Sinnenwelt in die spirituelle Welt, und zwar auf eine gefahrvolle Weise. Die Gefahr liegt darinnen, daß uns dieses Hineinsteigen droht ganz gefangenzunehmen, daß uns die Prim wie mit furchtbarer Saugekraft durch das Fenster des Tones holen will, uns ganz verschwinden lassen will in der spirituellen Welt. Wir werden empfinden, wenn wir also die Prim als eine Absolute empfinden, daß wir spirituell noch zu schwach sind in der physischsinnlichen Welt und daß wir aufgesogen werden von der spirituellen Welt, wenn wir durch dieses Fenster gestiegen sind. Das wird die moralische Empfindung sein, die wir haben können beim Aufsteigen in die spirituelle Welt durch die Prim. Aber das charakterisiere ich jetzt nur so einfach, das wird eine ganz differenzierte, unendlich mannigfaltige Einzelheiten in sich enthaltende Empfindung sein, die wir da erleben.
[ 21 ] Wir sind noch weit entfernt von diesem Gefühle, daß wir durch jeden Ton wie durch ein Fenster aus der sinnlichen Welt in die spirituelle Welt hineinsteigen können. Aber dies wird kommen. Wir werden den Ton empfinden wie eine Öffnung, welche die Götter gemacht haben aus der jenseits von uns liegenden spirituellen Welt in diese physisch-sinnliche Welt hinein, und wir werden hineinsteigen durch den Ton aus der physisch-sinnlichen Welt in die spirituelle Welt. Wir werden zum Beispiel durch eine Prim, die wir absolut empfinden, nicht etwa in Anlehnung an frühere Töne der Tonskala, erfühlen, wie wir hineinsteigen aus der Sinnenwelt in die spirituelle Welt, und zwar auf eine gefahrvolle Weise. Die Gefahr liegt darinnen, daß uns dieses Hineinsteigen droht ganz gefangenzunehmen, daß uns die Prim wie mit furchtbarer Saugekraft durch das Fenster des Tones holen will, uns ganz verschwinden lassen will in der spirituellen Welt. Wir werden empfinden, wenn wir also die Prim als eine Absolute empfinden, daß wir spirituell noch zu schwach sind in der physischsinnlichen Welt und daß wir aufgesogen werden von der spirituellen Welt, wenn wir durch dieses Fenster gestiegen sind. Das wird die moralische Empfindung sein, die wir haben können beim Aufsteigen in die spirituelle Welt durch die Prim. Aber das charakterisiere ich jetzt nur so einfach, das wird eine ganz differenzierte, unendlich mannigfaltige Einzelheiten in sich enthaltende Empfindung sein, die wir da erleben.
[ 22 ] Wenn wir dann durch die Sekund wie durch ein Fenster hineinsteigen aus der physischen Welt in die spirituelle Welt, werden wir empfinden so, wie wenn es drüben in der geistig-spirituellen Welt Mächte gäbe, die sich gleichsam unserer Schwachheit erbarmen, die sagen: Nun ja, du warst schwach in dieser physisch-sinnlichen Welt! Wenn du nur durch die Prim hineinsteigst in die geistige Welt, so muß ich dich auflösen, muß dich aufsaugen, muß dich zersplittern oder zerschellen. Wenn du aber durch die Sekund hereinsteigst, will ich dir etwas entgegenbringen aus der geistigen Welt und dich erinnern an etwas, was auch drüben ist. - Das Eigentümliche ist, wenn wir durch die Sekund aus der physischen in die spirituelle Welt hineinsteigen, als ob eine Summe von Tönen, eine Anzahl von Tönen uns entgegentönte, die einen in Empfang nehmen. In eine völlig stumme Welt tritt man ein, wenn man durch die absolute Prim eintritt in die spirituelle Welt. In eine Welt, in der, wenn man so hinhört, leise verschieden hohe Töne erklingen, die einen trösten wollen über die Schwachheit, kommt man, wenn man durch die Sekund eindringt. So aber muß man eindringen, wie man natürlich nicht eindringen darf durch ein Fenster in ein physisch-sinnliches Haus, denn da würde einen der Eigentümer sonderbar anschauen, wenn man durch das Fenster einträte und das ganze Fenster mitnähme. In der geistigen Welt aber muß man das tun, man muß die Fenster mitnehmen, die Töne mitnehmen, und mit ihnen identifiziert ganz drüben leben in der spirituellen Welt, jenseits des Häutchens, das uns von der physisch-sinnlichen Welt trennt.
[ 22 ] Wenn wir dann durch die Sekund wie durch ein Fenster hineinsteigen aus der physischen Welt in die spirituelle Welt, werden wir empfinden so, wie wenn es drüben in der geistig-spirituellen Welt Mächte gäbe, die sich gleichsam unserer Schwachheit erbarmen, die sagen: Nun ja, du warst schwach in dieser physisch-sinnlichen Welt! Wenn du nur durch die Prim hineinsteigst in die geistige Welt, so muß ich dich auflösen, muß dich aufsaugen, muß dich zersplittern oder zerschellen. Wenn du aber durch die Sekund hereinsteigst, will ich dir etwas entgegenbringen aus der geistigen Welt und dich erinnern an etwas, was auch drüben ist. - Das Eigentümliche ist, wenn wir durch die Sekund aus der physischen in die spirituelle Welt hineinsteigen, als ob eine Summe von Tönen, eine Anzahl von Tönen uns entgegentönte, die einen in Empfang nehmen. In eine völlig stumme Welt tritt man ein, wenn man durch die absolute Prim eintritt in die spirituelle Welt. In eine Welt, in der, wenn man so hinhört, leise verschieden hohe Töne erklingen, die einen trösten wollen über die Schwachheit, kommt man, wenn man durch die Sekund eindringt. So aber muß man eindringen, wie man natürlich nicht eindringen darf durch ein Fenster in ein physisch-sinnliches Haus, denn da würde einen der Eigentümer sonderbar anschauen, wenn man durch das Fenster einträte und das ganze Fenster mitnähme. In der geistigen Welt aber muß man das tun, man muß die Fenster mitnehmen, die Töne mitnehmen, und mit ihnen identifiziert ganz drüben leben in der spirituellen Welt, jenseits des Häutchens, das uns von der physisch-sinnlichen Welt trennt.
[ 23 ] Wenn man durch die Terz in die geistige Welt eingeht, so wird man das Gefühl einer starken, einer stärkeren Schwäche noch haben. Wenn man so die spirituelle Welt betritt, wird man fühlen, daß man eigentlich recht schwach war in der physisch-sinnlichen Welt in bezug auf deren spirituellen Inhalt. Aber man wird in bezug auf die Terz man ist ja Ton geworden, man ist jetzt selber Terz geworden fühlen, daß da drüben Freunde sind, die nicht selber Terzen sind, die aber herankommen, je nachdem man in der physisch-sinnlichen Welt beschaffen war. Während es bei dem Eindringen durch die Sekunde wie ein leises Erklingen vieler Töne ist, in denen man so im allgemeinen lebt, wenn man durch sie eindringt, werden einem durch die Terz entgegenkommen gleichsam befreundete Töne. Diejenigen, die Komponisten werden wollen, werden insbesondere durch die Terz eindringen müssen, denn da werden sich ergeben die Tonfolgen, Tonkompositionen, welche anregen werden ihr künstlerisches Schaffen. Nicht immer dieselben Tonfreunde werden einem entgegenkommen, sondern ihre Art wird davon abhängen, wie man in der Stimmung, im Erleben, im Temperamente, kurz in der ganzen Verfassung des Lebens war, wenn man also durch die Terz in das geistige Leben eintritt: eine unendliche Mannigfaltigkeit der Tonwelt wird sich da ergeben.
[ 23 ] Wenn man durch die Terz in die geistige Welt eingeht, so wird man das Gefühl einer starken, einer stärkeren Schwäche noch haben. Wenn man so die spirituelle Welt betritt, wird man fühlen, daß man eigentlich recht schwach war in der physisch-sinnlichen Welt in bezug auf deren spirituellen Inhalt. Aber man wird in bezug auf die Terz man ist ja Ton geworden, man ist jetzt selber Terz geworden fühlen, daß da drüben Freunde sind, die nicht selber Terzen sind, die aber herankommen, je nachdem man in der physisch-sinnlichen Welt beschaffen war. Während es bei dem Eindringen durch die Sekunde wie ein leises Erklingen vieler Töne ist, in denen man so im allgemeinen lebt, wenn man durch sie eindringt, werden einem durch die Terz entgegenkommen gleichsam befreundete Töne. Diejenigen, die Komponisten werden wollen, werden insbesondere durch die Terz eindringen müssen, denn da werden sich ergeben die Tonfolgen, Tonkompositionen, welche anregen werden ihr künstlerisches Schaffen. Nicht immer dieselben Tonfreunde werden einem entgegenkommen, sondern ihre Art wird davon abhängen, wie man in der Stimmung, im Erleben, im Temperamente, kurz in der ganzen Verfassung des Lebens war, wenn man also durch die Terz in das geistige Leben eintritt: eine unendliche Mannigfaltigkeit der Tonwelt wird sich da ergeben.
[ 24 ] Dringt man durch die Quart in die geistige Welt ein, dann wird man eine merkwürdige Erfahrung machen: die Erfahrung, daß jetzt allerdings von keiner Seite andere Töne auftauchen, daß aber dasjenige, was schon aufgetaucht ist, was man durch die Erfahrungen mit der Terz durchgemacht hat, in leicht kommenden Erinnerungen in der Seele lebt. Und man wird finden, indem man so weiterlebt mit seinen Tonerinnerungen, wenn man eingedrungen ist durch die Quart in die spirituelle Welt, daß diese 'Tonerinnerungen immer andere Färbungen annehmen, daß sie bald sich entwickeln zu hellster Helligkeit und Heiterkeit, bald sich herabstimmen zur äußersten Traurigkeit, bald sonnig hell, bald traurig untertauchend bis zur Grabesruhe. Das Temperieren der Stimme, das Hinauf- und Hinuntergehen des Tones, kurz, der Verlauf in der Stimmung eines Tonwerkes wird sich ergeben durch diesen Weg, durch diese Tonerinnerungen.
[ 24 ] Dringt man durch die Quart in die geistige Welt ein, dann wird man eine merkwürdige Erfahrung machen: die Erfahrung, daß jetzt allerdings von keiner Seite andere Töne auftauchen, daß aber dasjenige, was schon aufgetaucht ist, was man durch die Erfahrungen mit der Terz durchgemacht hat, in leicht kommenden Erinnerungen in der Seele lebt. Und man wird finden, indem man so weiterlebt mit seinen Tonerinnerungen, wenn man eingedrungen ist durch die Quart in die spirituelle Welt, daß diese 'Tonerinnerungen immer andere Färbungen annehmen, daß sie bald sich entwickeln zu hellster Helligkeit und Heiterkeit, bald sich herabstimmen zur äußersten Traurigkeit, bald sonnig hell, bald traurig untertauchend bis zur Grabesruhe. Das Temperieren der Stimme, das Hinauf- und Hinuntergehen des Tones, kurz, der Verlauf in der Stimmung eines Tonwerkes wird sich ergeben durch diesen Weg, durch diese Tonerinnerungen.
[ 25 ] Die Quint wird mehr subjektive Erfahrungen und Erlebnisse ergeben, sie wird anregend, bereichernd auf das seelische Erleben wirken. Sie wird gleichsam wie ein Zauberstab wirken, der die Geheimnisse der Tonwelt drüben aus unergründlichen Tiefen hervorzaubett.
[ 25 ] Die Quint wird mehr subjektive Erfahrungen und Erlebnisse ergeben, sie wird anregend, bereichernd auf das seelische Erleben wirken. Sie wird gleichsam wie ein Zauberstab wirken, der die Geheimnisse der Tonwelt drüben aus unergründlichen Tiefen hervorzaubett.
[ 26 ] Solche Erlebnisse wird man haben, wenn man mit den Dingen, mit den Erscheinungen der Welt nicht bloß so verkehrt, daß man sie anschaut, anhört, sondern so, daß man sie innerlich erlebt. Durch diese Art des Erlebens, namentlich an Farben und Tönen, aber auch an den Formen, kurz, an dem Künstlerischen muß der Weg gefunden werden, den die Menschheit gehen muß, um überhaupt aus dem bloß äußerlichen Sich-Verhalten zu den Dingen und ihrem Verlaufe — was das Kennzeichen eines materialistischen Zeitalters ist -— herauszukommen und in die innerlichen Tiefen der Dinge, in ihre Geheimnisse zu dringen.
[ 26 ] Solche Erlebnisse wird man haben, wenn man mit den Dingen, mit den Erscheinungen der Welt nicht bloß so verkehrt, daß man sie anschaut, anhört, sondern so, daß man sie innerlich erlebt. Durch diese Art des Erlebens, namentlich an Farben und Tönen, aber auch an den Formen, kurz, an dem Künstlerischen muß der Weg gefunden werden, den die Menschheit gehen muß, um überhaupt aus dem bloß äußerlichen Sich-Verhalten zu den Dingen und ihrem Verlaufe — was das Kennzeichen eines materialistischen Zeitalters ist -— herauszukommen und in die innerlichen Tiefen der Dinge, in ihre Geheimnisse zu dringen.
[ 27 ] Dann wird über den Menschen kommen ein Bewußtsein, ein ungeheuer bedeutungsvolles Bewußtsein von seinem Zusammenhang mit den für das materialistische Bewußtsein unterbewußten göttlich-geistigen Kräften, die ihn führen und leiten durch die Welt. Und dann wird vor allen Dingen so etwas auftreten wie ein innerliches Erleben jener Kräfte, die zum Beispiel den Menschen hinüberleiten von einer Inkarnation zur andern.
[ 27 ] Dann wird über den Menschen kommen ein Bewußtsein, ein ungeheuer bedeutungsvolles Bewußtsein von seinem Zusammenhang mit den für das materialistische Bewußtsein unterbewußten göttlich-geistigen Kräften, die ihn führen und leiten durch die Welt. Und dann wird vor allen Dingen so etwas auftreten wie ein innerliches Erleben jener Kräfte, die zum Beispiel den Menschen hinüberleiten von einer Inkarnation zur andern.
[ 28 ] Wenn wir eine Lokomotive nicht heizen, so kann sie nicht einen Eisenbahnzug vorwärtsziehen. Die Kräfte müssen fortwährend angeregt werden, die das Geschehen in der Welt herbeiführen. So müssen auch die Kräfte angeregt werden, welche den Menschen vorwärtstreiben. Und es geschieht das auch. Aber lernen muß der Mensch, sich in Verbindung zu wissen mit diesen Kräften.
[ 28 ] Wenn wir eine Lokomotive nicht heizen, so kann sie nicht einen Eisenbahnzug vorwärtsziehen. Die Kräfte müssen fortwährend angeregt werden, die das Geschehen in der Welt herbeiführen. So müssen auch die Kräfte angeregt werden, welche den Menschen vorwärtstreiben. Und es geschieht das auch. Aber lernen muß der Mensch, sich in Verbindung zu wissen mit diesen Kräften.
[ 29 ] Ich konnte einmal folgende bemerkenswerte Erfahrung machen. Es war ein Rechtsgelehrter, ein Advokat, der ganz berühmt war, an dem Orte, wo ich eine Zeitlang lebte, ein außerordentlich berühmter Advokat, dem die Leute förmlich zugelaufen sind und von dem sie die Meinung hatten, daß er die schwierigsten Prozesse gewinnen müsse. Es war das auch in vielen Fällen geschehen. Seine advokatorische Dialektik war eine außerordentlich große, und die Leute, die ihn kannten, hatten die größte Verehrung für diese advokatorische Dialektik. Da wurde ihm einmal ein schwieriger Prozeß eines reichen Mannes übergeben. Es hing das Verhängtwerden einer großen Strafe von dem Ausgang des Prozesses für diesen reichen Mann im Verurteilungsfalle ab. Der Advokat bot die alleräußerste Dialektik, die wunderbarste Advokatengeschicklichkeit auf. Er hielt eine lange Rede, und das Auditorium hatte durchaus den Eindruck, wenn die Geschworenen — es handelte sich um ein Geschworenengeticht — jetzt den Angeklagten nicht freisprechen, dann weiß man eigentlich gar nicht mehr, was advokatorische Kunst noch entwickeln könnte. Alle diejenigen, welche das gehört hatten, was an ungeheuerlicher Geschicklichkeit von dem Advokaten geleistet worden war, hatten durchaus den Eindruck, die Geschworenen würden sich jetzt zurückziehen und den Angeklagten freisprechen.
[ 29 ] Ich konnte einmal folgende bemerkenswerte Erfahrung machen. Es war ein Rechtsgelehrter, ein Advokat, der ganz berühmt war, an dem Orte, wo ich eine Zeitlang lebte, ein außerordentlich berühmter Advokat, dem die Leute förmlich zugelaufen sind und von dem sie die Meinung hatten, daß er die schwierigsten Prozesse gewinnen müsse. Es war das auch in vielen Fällen geschehen. Seine advokatorische Dialektik war eine außerordentlich große, und die Leute, die ihn kannten, hatten die größte Verehrung für diese advokatorische Dialektik. Da wurde ihm einmal ein schwieriger Prozeß eines reichen Mannes übergeben. Es hing das Verhängtwerden einer großen Strafe von dem Ausgang des Prozesses für diesen reichen Mann im Verurteilungsfalle ab. Der Advokat bot die alleräußerste Dialektik, die wunderbarste Advokatengeschicklichkeit auf. Er hielt eine lange Rede, und das Auditorium hatte durchaus den Eindruck, wenn die Geschworenen — es handelte sich um ein Geschworenengeticht — jetzt den Angeklagten nicht freisprechen, dann weiß man eigentlich gar nicht mehr, was advokatorische Kunst noch entwickeln könnte. Alle diejenigen, welche das gehört hatten, was an ungeheuerlicher Geschicklichkeit von dem Advokaten geleistet worden war, hatten durchaus den Eindruck, die Geschworenen würden sich jetzt zurückziehen und den Angeklagten freisprechen.
[ 30 ] Nun war aber bei dem Gerichte nicht nur ein geschickter Rechtsanwalt, sondern auch ein geschickter Vorsitzender des Gerichtshofes, und obgleich die Stunde noch nicht so weit vorgerückt war, daß das Urteil nicht mehr hätte gefällt werden können, so sagte der Vorsitzende doch: Wir wollen heute die Sitzung abbrechen und sie morgen fortsetzen. - Am nächsten Tag, vormittags, sollte also die Sitzung der Geschworenen sein und dadurch hatten die Geschworenen über Nacht Zeit, die Sache noch einmal durchzudenken. Der nächste Tag kam. Dieses «Verschleppen über Nacht», wie er es nannte, war dem Advokaten schon recht unangenehm gewesen. Die Sitzung begann, die Geschworenen zogen sich zurück, alles wartete in größter Spannung auf ihr Wiedererscheinen, in allergrößter Spannung aber war der betreffende Advokat. Nach einer Viertelstunde schon kamen die Geschworenen zurück, und als der Advokat die Geschworenen nach so kurzer Zeit aus dem Beratungszimmer zurückkehren hörte, fiel er in Ohnmacht. Ja, er fiel in Ohnmacht. Er erholte sich wieder, wurde gestützt von einem seiner Freunde. Der Angeklagte war wirklich verurteilt worden. Aber das erfuhr der Advokat erst, nachdem er sich von der Ohnmacht wieder erholt hatte.
[ 30 ] Nun war aber bei dem Gerichte nicht nur ein geschickter Rechtsanwalt, sondern auch ein geschickter Vorsitzender des Gerichtshofes, und obgleich die Stunde noch nicht so weit vorgerückt war, daß das Urteil nicht mehr hätte gefällt werden können, so sagte der Vorsitzende doch: Wir wollen heute die Sitzung abbrechen und sie morgen fortsetzen. - Am nächsten Tag, vormittags, sollte also die Sitzung der Geschworenen sein und dadurch hatten die Geschworenen über Nacht Zeit, die Sache noch einmal durchzudenken. Der nächste Tag kam. Dieses «Verschleppen über Nacht», wie er es nannte, war dem Advokaten schon recht unangenehm gewesen. Die Sitzung begann, die Geschworenen zogen sich zurück, alles wartete in größter Spannung auf ihr Wiedererscheinen, in allergrößter Spannung aber war der betreffende Advokat. Nach einer Viertelstunde schon kamen die Geschworenen zurück, und als der Advokat die Geschworenen nach so kurzer Zeit aus dem Beratungszimmer zurückkehren hörte, fiel er in Ohnmacht. Ja, er fiel in Ohnmacht. Er erholte sich wieder, wurde gestützt von einem seiner Freunde. Der Angeklagte war wirklich verurteilt worden. Aber das erfuhr der Advokat erst, nachdem er sich von der Ohnmacht wieder erholt hatte.
[ 31 ] Was konnte man nun sagen, wenn man den Verlauf der Tatsachen äußerlich betrachtete, nach dem, was sich der menschlichen Anschauung darbot? Man konnte sagen: Der Advokat ist ein sehr ehrgeiziger Mann, denn ihm lag so viel an dem Gewinnen dieses Prozesses, daß er vor der Urteilsverkündung das Bewußtsein verlor. Als er sah, daß die Geschworenen nur so lange sich beraten hatten, war es für ihn sicher, daß der Angeklagte verurteilt würde, denn hätten sie ihn freigesprochen, so würden sie natürlich viel längere Zeit gebraucht haben.
[ 31 ] Was konnte man nun sagen, wenn man den Verlauf der Tatsachen äußerlich betrachtete, nach dem, was sich der menschlichen Anschauung darbot? Man konnte sagen: Der Advokat ist ein sehr ehrgeiziger Mann, denn ihm lag so viel an dem Gewinnen dieses Prozesses, daß er vor der Urteilsverkündung das Bewußtsein verlor. Als er sah, daß die Geschworenen nur so lange sich beraten hatten, war es für ihn sicher, daß der Angeklagte verurteilt würde, denn hätten sie ihn freigesprochen, so würden sie natürlich viel längere Zeit gebraucht haben.
[ 32 ] So war aber die Sache nicht, so hätte sie sich nur für die äußere Anschauung darstellen können. Es lag gleichsam eine andere Schicht von Ereignissen hinter dem, was ich jetzt erzählt habe. Diese andere Schicht oder Geschichte ist diese: Der betreffende Advokat war erfaßt worden - ich kannte ihn ja gut - in einer Zeit, die vor diesem Prozesse lag, von dem, was man nennen kann den Spielteufel. Er nahm die Gelder, die ihm als Depot anvertraut waren, und spielte damit an der Börse. Es war eine reine Leidenschaft für ihn, und er war kurz vor dem Beginne dieses Prozesses so weit, daß er große Geldbeträge, die ihm anvertraut gewesen, verspielt hatte. Versprochen aber war ihm, daß er, wenn er den Prozeß gewinnt, so viel bekommen würde, daß er ungefähr die Differenz ausgleichen konnte.
[ 32 ] So war aber die Sache nicht, so hätte sie sich nur für die äußere Anschauung darstellen können. Es lag gleichsam eine andere Schicht von Ereignissen hinter dem, was ich jetzt erzählt habe. Diese andere Schicht oder Geschichte ist diese: Der betreffende Advokat war erfaßt worden - ich kannte ihn ja gut - in einer Zeit, die vor diesem Prozesse lag, von dem, was man nennen kann den Spielteufel. Er nahm die Gelder, die ihm als Depot anvertraut waren, und spielte damit an der Börse. Es war eine reine Leidenschaft für ihn, und er war kurz vor dem Beginne dieses Prozesses so weit, daß er große Geldbeträge, die ihm anvertraut gewesen, verspielt hatte. Versprochen aber war ihm, daß er, wenn er den Prozeß gewinnt, so viel bekommen würde, daß er ungefähr die Differenz ausgleichen konnte.
[ 33 ] Er fiel also nicht in Ohnmacht aus bloß gekränktem Ehrgeiz, sondern er fiel in Ohnmacht, als nach einer Viertelstunde die Geschwotrenen mit einem Schuldurteil herauskamen, weil tatsächlich seine Existenz vernichtet war. Denn nun konnte er niemals mehr daran denken, dasjenige, was er an Depotgeldern verspielt hatte, wieder zu ersetzen. Seine ganze Existenz hing also an dem Ausgange dieses Prozesses. Er fiel in Ohnmacht als symbolische Andeutung dafür, daß er jetzt für diese Inkarnation überhaupt vernichtet war. Er mußte dann nach Amerika fliehen und hat ein nicht sehr beneidenswertes Dasein für den Rest seiner Inkarnation in Amerika durchzumachen gehabt.
[ 33 ] Er fiel also nicht in Ohnmacht aus bloß gekränktem Ehrgeiz, sondern er fiel in Ohnmacht, als nach einer Viertelstunde die Geschwotrenen mit einem Schuldurteil herauskamen, weil tatsächlich seine Existenz vernichtet war. Denn nun konnte er niemals mehr daran denken, dasjenige, was er an Depotgeldern verspielt hatte, wieder zu ersetzen. Seine ganze Existenz hing also an dem Ausgange dieses Prozesses. Er fiel in Ohnmacht als symbolische Andeutung dafür, daß er jetzt für diese Inkarnation überhaupt vernichtet war. Er mußte dann nach Amerika fliehen und hat ein nicht sehr beneidenswertes Dasein für den Rest seiner Inkarnation in Amerika durchzumachen gehabt.
[ 34 ] Wir sehen an einem solchen Falle das Folgende. Wir sehen, daß sehr häufig im Leben das Urteil fehlgeht, denn es hätte ganz gut Menschen geben können, die niemals etwas erfahren hätten von dem, was hinter dem Prozesse spielte. Wenn diese nur den dialektisch so geschulten Advokaten bei dem Prozesse gehört und gesehen hätten, wie er in Ohnmacht fiel, so hätten sie sehr wohl urteilen können: Es gibt Leute, die so ehrgeizig sind, daß sie bei einer verfehlten Rede das Bewußtsein verlieren. —- Bei diesem Urteil hätte man bleiben können.
[ 34 ] Wir sehen an einem solchen Falle das Folgende. Wir sehen, daß sehr häufig im Leben das Urteil fehlgeht, denn es hätte ganz gut Menschen geben können, die niemals etwas erfahren hätten von dem, was hinter dem Prozesse spielte. Wenn diese nur den dialektisch so geschulten Advokaten bei dem Prozesse gehört und gesehen hätten, wie er in Ohnmacht fiel, so hätten sie sehr wohl urteilen können: Es gibt Leute, die so ehrgeizig sind, daß sie bei einer verfehlten Rede das Bewußtsein verlieren. —- Bei diesem Urteil hätte man bleiben können.
[ 35 ] Um hier richtig urteilen zu können, mußte man also noch eine Schicht mehr der Tatsachen wissen. Für viele Dinge muß man sogar viele Schichten mehr wissen, denn sonst kann man Recht haben in bezug auf die eine Schicht, die man übersieht, und dennoch ein. falsches Urteil fällen. Das ist das Äußerliche. Aber die Sache hat noch einen weiteren Hintergrund. Der Mann mußte doch auch einen Weg finden von dieser Inkarnation in die nächste hinein. Und so haben wir hier ein Beispiel, wie die weise Weltenlenkung gleichsam die Kräfte in die Seele hineinversetzt, die notwendig sind, um die Seele von der einen Inkarnation in die nächste hinüberzuleiten. Der Mann war in einen solchen Lebenskonflikt gekommen, daß ihm dieser Lebenskonflikt die Existenzmöglichkeit verzehrt hatte. Es war eine furchtbare Lage geschaffen; es war damit die Lage geschaffen, daß keine Kräfte mehr vorhanden waren, die ihn hinüberbringen konnten in die nächste Inkarnation. Es war aber auch die Lage geschaffen, daß in sein Bewußtsein solche Kräfte nicht gebracht werden konnten. Da mußte denn der Fall eintreten, daß das Bewußtsein kurz ausgelöscht wurde. Und in der Zeit, wo das Bewußtsein in der Menschenseele für kurze Zeit ausgelöscht wird, kann das Mannigfaltigste von äußerer Spiritualität in die Menschenseele hineindringen. In diesem Momente drangen also Kräfte in ihn hinein, die geeignet sind, ihm wiederum den Impuls, den Antrieb für den Übergang in die nächste Inkarnation zu geben. Natürlich geschieht das Geben des Antriebes, des Impulses in der verschiedenartigsten Weise. Das, was ich geschildert habe, war so ein besonderer Fall.
[ 35 ] Um hier richtig urteilen zu können, mußte man also noch eine Schicht mehr der Tatsachen wissen. Für viele Dinge muß man sogar viele Schichten mehr wissen, denn sonst kann man Recht haben in bezug auf die eine Schicht, die man übersieht, und dennoch ein. falsches Urteil fällen. Das ist das Äußerliche. Aber die Sache hat noch einen weiteren Hintergrund. Der Mann mußte doch auch einen Weg finden von dieser Inkarnation in die nächste hinein. Und so haben wir hier ein Beispiel, wie die weise Weltenlenkung gleichsam die Kräfte in die Seele hineinversetzt, die notwendig sind, um die Seele von der einen Inkarnation in die nächste hinüberzuleiten. Der Mann war in einen solchen Lebenskonflikt gekommen, daß ihm dieser Lebenskonflikt die Existenzmöglichkeit verzehrt hatte. Es war eine furchtbare Lage geschaffen; es war damit die Lage geschaffen, daß keine Kräfte mehr vorhanden waren, die ihn hinüberbringen konnten in die nächste Inkarnation. Es war aber auch die Lage geschaffen, daß in sein Bewußtsein solche Kräfte nicht gebracht werden konnten. Da mußte denn der Fall eintreten, daß das Bewußtsein kurz ausgelöscht wurde. Und in der Zeit, wo das Bewußtsein in der Menschenseele für kurze Zeit ausgelöscht wird, kann das Mannigfaltigste von äußerer Spiritualität in die Menschenseele hineindringen. In diesem Momente drangen also Kräfte in ihn hinein, die geeignet sind, ihm wiederum den Impuls, den Antrieb für den Übergang in die nächste Inkarnation zu geben. Natürlich geschieht das Geben des Antriebes, des Impulses in der verschiedenartigsten Weise. Das, was ich geschildert habe, war so ein besonderer Fall.
[ 36 ] Diese Antriebe sind immer da. Aber ich wollte Ihnen damit nur zeigen, wie des Menschen bewußtes Leben an einen unbewußten Verlauf geknüpft ist, und wie es wirklich im bewußten Verlaufe Punkte gibt, wo das Bewußtsein zerpreßt wird, damit aus dem Unbewußten etwas hereinkommen kann. Diese unbewußten Augenblicke brauchen manchmal nicht lang zu sein, es können kurze, ohnmachtähnliche Zustände sein. Dennoch kann ungeheuer vieles in solchen Momenten an spirituell-vitalen Kräften in die menschliche Natur hineinstrahlen, sowohl an guten, als auch an bösen Kräften, die zu dem oder jenem fähig sind.
[ 36 ] Diese Antriebe sind immer da. Aber ich wollte Ihnen damit nur zeigen, wie des Menschen bewußtes Leben an einen unbewußten Verlauf geknüpft ist, und wie es wirklich im bewußten Verlaufe Punkte gibt, wo das Bewußtsein zerpreßt wird, damit aus dem Unbewußten etwas hereinkommen kann. Diese unbewußten Augenblicke brauchen manchmal nicht lang zu sein, es können kurze, ohnmachtähnliche Zustände sein. Dennoch kann ungeheuer vieles in solchen Momenten an spirituell-vitalen Kräften in die menschliche Natur hineinstrahlen, sowohl an guten, als auch an bösen Kräften, die zu dem oder jenem fähig sind.
[ 37 ] Dieses letztere Beispiel und dasjenige, was ich darin ausführen will, führte ich an aus dem Grunde, um zu zeigen, wie in der Weltbetrachtung die Menschheit versuchen muß, Zusammenhänge zu beachten, die für eine materialistische Welterfassung bedeutungslos sind.
[ 37 ] Dieses letztere Beispiel und dasjenige, was ich darin ausführen will, führte ich an aus dem Grunde, um zu zeigen, wie in der Weltbetrachtung die Menschheit versuchen muß, Zusammenhänge zu beachten, die für eine materialistische Welterfassung bedeutungslos sind.
[ 38 ] Man wird dahin kommen, die Lebenszusammenhänge allmählich so zu durchschauen, daß man die Augenblicke erkennt, in denen das Spirituelle an jeden Menschen herantritt. Man wird in Zukunft die Welt nicht mehr so eindeutig darstellen, wie man es jetzt macht, indem man sie aus den materiellen Ursachen erklärt, sondern man wird sie in Zukunft so darstellen, daß man das Materielle an den richtigen Ort stellen wird, gleichzeitig aber auch erkennen wird, daß noch mehr da ist als die bloße materielle Erscheinung, und daß durch die materielle Erscheinung durchblickt das Spirituelle.
[ 38 ] Man wird dahin kommen, die Lebenszusammenhänge allmählich so zu durchschauen, daß man die Augenblicke erkennt, in denen das Spirituelle an jeden Menschen herantritt. Man wird in Zukunft die Welt nicht mehr so eindeutig darstellen, wie man es jetzt macht, indem man sie aus den materiellen Ursachen erklärt, sondern man wird sie in Zukunft so darstellen, daß man das Materielle an den richtigen Ort stellen wird, gleichzeitig aber auch erkennen wird, daß noch mehr da ist als die bloße materielle Erscheinung, und daß durch die materielle Erscheinung durchblickt das Spirituelle.
[ 39 ] Haben wir in den Farben und Tönen Fenster gesehen, durch die wir hindurchsteigen, geistig, in die spirituelle Welt hinein, so bringt uns das Leben wiederum Fenster, durch welche die geistige Welt in unsere physische Welt hineintritt. Die Ohnmacht des Advokaten war ein solches Fenster. Deuten wir richtig dieses Ereignis, so müssen wir sagen: Es strömt durch dieses Fenster spirituelles Leben zu uns herein. Wir sehen, hier spielen Kräfte in uns hinein, die wir nicht bloß sinnlich deuten können. Es gibt also Fenster in den Tönen, durch die wir aus der physisch-sinnlichen Welt in die spirituelle Welt hineinsteigen. Und es gibt wieder Fenster, durch die, wenn wir stehenbleiben in der physisch-sinnlichen Welt, das Spirituelle zu uns hineinsteigt.
[ 39 ] Haben wir in den Farben und Tönen Fenster gesehen, durch die wir hindurchsteigen, geistig, in die spirituelle Welt hinein, so bringt uns das Leben wiederum Fenster, durch welche die geistige Welt in unsere physische Welt hineintritt. Die Ohnmacht des Advokaten war ein solches Fenster. Deuten wir richtig dieses Ereignis, so müssen wir sagen: Es strömt durch dieses Fenster spirituelles Leben zu uns herein. Wir sehen, hier spielen Kräfte in uns hinein, die wir nicht bloß sinnlich deuten können. Es gibt also Fenster in den Tönen, durch die wir aus der physisch-sinnlichen Welt in die spirituelle Welt hineinsteigen. Und es gibt wieder Fenster, durch die, wenn wir stehenbleiben in der physisch-sinnlichen Welt, das Spirituelle zu uns hineinsteigt.
[ 40 ] Merken wir das nicht, daß das Spirituelle durch solche Fenster zu uns hineinsteigt, ja, dann ist es so, wie wenn ein Mensch, der nicht lesen kann, ein schönes Buch aufschlägt. Er hat dasselbe vor sich wie einer, der lesen kann, aber wer nicht lesen kann, der sieht da ein Kricksel-Kracksel auf dem weißen Papier, das er nicht deuten kann, er kann es höchstens beschreiben. Nur derjenige, welcher lesen kann, ist in der Lage, in diesem Buche vielleicht ein Schicksal oder eine Weisheit zu verfolgen, die hineingelegt worden sind in diese sonderbaren Zeichen. Derjenige, der die Welterscheinungen nicht lesen kann, steht eben wie ein Analphabet des Kosmos vor den Erscheinungen. Der aber, der lesen kann, liest den Verlauf der geistigen Welt aus diesen Dingen. Das für die jetzige materialistische Zeit Charakteristische ist, daß die Menschen durch den Materialismus dem Kosmos gegenüber Analphabeten sind, und zwar nahezu hundertprozentige. In einer Zeit, wo man so stolz darauf ist, daß man die Prozente der Analphabeten in den Kulturländern so sehr vermindert hat, steuert man mit Begeisterung dem Analphabetismus in kosmischer Beziehung entgegen.
[ 40 ] Merken wir das nicht, daß das Spirituelle durch solche Fenster zu uns hineinsteigt, ja, dann ist es so, wie wenn ein Mensch, der nicht lesen kann, ein schönes Buch aufschlägt. Er hat dasselbe vor sich wie einer, der lesen kann, aber wer nicht lesen kann, der sieht da ein Kricksel-Kracksel auf dem weißen Papier, das er nicht deuten kann, er kann es höchstens beschreiben. Nur derjenige, welcher lesen kann, ist in der Lage, in diesem Buche vielleicht ein Schicksal oder eine Weisheit zu verfolgen, die hineingelegt worden sind in diese sonderbaren Zeichen. Derjenige, der die Welterscheinungen nicht lesen kann, steht eben wie ein Analphabet des Kosmos vor den Erscheinungen. Der aber, der lesen kann, liest den Verlauf der geistigen Welt aus diesen Dingen. Das für die jetzige materialistische Zeit Charakteristische ist, daß die Menschen durch den Materialismus dem Kosmos gegenüber Analphabeten sind, und zwar nahezu hundertprozentige. In einer Zeit, wo man so stolz darauf ist, daß man die Prozente der Analphabeten in den Kulturländern so sehr vermindert hat, steuert man mit Begeisterung dem Analphabetismus in kosmischer Beziehung entgegen.
[ 41 ] Diesen kosmischen Analphabetismus aufzuheben, ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft. Jetzt gibt es wenige Menschen, die Analphabeten sind im gewöhnlichen Sinne. Die Menschen waren in den Zeiten des alten Hellsehens viel weniger Analphabeten des Geistes. Aber das soll uns alles nicht stolz machen. Wahr ist es, wenn wir unsere Aufgabe in der geisteswissenschaftlichen Strömung ahnen, daß wir aus Analphabeten Lesende des Kosmos werden sollen. Aber wir sollen die Demut dabei nicht verlieren, denn so wie die Zeit heute ist, sind wir noch sehr stark in der Notwendigkeit der Elementarschule. Wir kommen kaum schon zu einem wirklichen Lesen, sondern nur zu einer Art von Buchstabieren. Aber wir können doch ergriffen sein von dem Umwandlungsimpuls, der dadurch für die Menschheitsentwickelung hereinbricht. Und wenn wir davon ergriffen werden, dann stellen wir uns in der richtigen Weise zu dem, was sozusagen die Zeichen der Zeit von uns fordern, stellen uns als richtige Glieder der geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsströmung in diese hinein.
[ 41 ] Diesen kosmischen Analphabetismus aufzuheben, ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft. Jetzt gibt es wenige Menschen, die Analphabeten sind im gewöhnlichen Sinne. Die Menschen waren in den Zeiten des alten Hellsehens viel weniger Analphabeten des Geistes. Aber das soll uns alles nicht stolz machen. Wahr ist es, wenn wir unsere Aufgabe in der geisteswissenschaftlichen Strömung ahnen, daß wir aus Analphabeten Lesende des Kosmos werden sollen. Aber wir sollen die Demut dabei nicht verlieren, denn so wie die Zeit heute ist, sind wir noch sehr stark in der Notwendigkeit der Elementarschule. Wir kommen kaum schon zu einem wirklichen Lesen, sondern nur zu einer Art von Buchstabieren. Aber wir können doch ergriffen sein von dem Umwandlungsimpuls, der dadurch für die Menschheitsentwickelung hereinbricht. Und wenn wir davon ergriffen werden, dann stellen wir uns in der richtigen Weise zu dem, was sozusagen die Zeichen der Zeit von uns fordern, stellen uns als richtige Glieder der geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsströmung in diese hinein.
