Art in the Light of Mystery Wisdom
GA 275
1 January 1915, Dornach
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Art as Seen in the Light of Mystery Wisdom, tr. Wehrle, et. al.
Fünfter Vortrag
5. Moral Experience of the Worlds of Colour and Tone
[ 1 ] Ein jegliches Ding, eine jegliche Tatsache der Welt und auch ein. jegliches Verhalten des Menschen, sie haben alle zwei Seiten, sie bilden gleichsam zwei polarische Gegensätze.
[ 1 ] Everything in the world, each event and every act of human conduct has two sides, which are, as it were, polar opposites.
[ 2 ] Gestern hatte ich Sie aufmerksam darauf zu machen, wie aus dem empfindenden Verständnis unserer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung in die Menschenseele hineinkommen sollen Ehrfurcht und Hingebung gegenüber den geistigen Welten. Die andere Seite zu diesem ehrfürchtig-hingebungsvollen Verhalten ist das energische Arbeiten an der eigenen Innerlichkeit, das energische In-die-HandNehmen der Evolutionsfaktoren der eigenen Seele, das Daraufschauen, daß wir unsere Erlebnisse, die wir durchmachen innerhalb unserer Erfahrungen, immer dazu verwenden, etwas an ihnen zu lernen, ein wenig vorwärtszukommen in bezug auf die Kräfte unseres Inneren, damit wir - was uns auch im Leben begegnen, was auch um uns herum vorgehen mag, ob es uns leicht oder schwer verständlich ist — immer der Gefahr entgehen, uns selber zu verlieren. Daß wir immer die Möglichkeit haben, uns zu erhalten, daß wir aus uns selber die Kraft gewinnen können, Verständnis zu entwickeln für dasjenige, was uns oftmals in dem, was als Äußeres an uns herantritt, unverständlich erscheinen kann, daß wir die Ehrfurcht vor Dingen, wie sie gestern erwähnt worden sind, so stark auf die eigene Evolution der Seele wirken lassen mögen, daß diese Seele ein richtiges Verständnis gegenüber dem Weltendasein gewinnen könne: das, meine lieben Freunde, möchte ich Ihnen heute am Beginn des Jahres als den Neujahrsgruß sagen. Ich möchte folgen lassen der Erinnerung an die Ehrfurcht die Erinnerung an das energische Arbeiten an unserem Inneren. Ein Symbolum für diese Folge der Erinnerung ist es, daß uns in dieser Neujahrsnacht der volle Mond aus dem Weltenall hereinscheint. Wäre es umgekehrt gewesen, würden wir den Jahresbeginn mit dem Neumonde haben, so würde ich recht getan haben, die Erinnerungen in der umgekehrten Reihenfolge an Ihre Herzen heranzubringen. Dann hätte ich gestern das Jahr geschlossen mit der Erinnerung an die Kraft der inneren Evolution und hätte heute folgen zu lassen gehabt die Erinnerung an die Ehrfurcht.
[ 2 ] Yesterday it was my task to point out to you that through a feeling understanding of our spiritual-scientific world outlook, the human soul should acquire reverence and devotion for the spiritual worlds. The opposite pole to this devotional attitude is energetic work on our inner life, an energetic taking-in-hand of the evolutionary factors of our own soul, making a point of always using our experiences for the purpose of learning something from them and making progress with regard to our inner forces, so that—whatever meets us in life and whatever takes place around us, whether it is easy to understand or not—we shall always avoid the danger of losing ourselves. May we always have the chance of keeping hold of ourselves and of finding within ourselves the strength to develop an understanding for what can encounter us in an often incomprehensible way, and may the kind of devotion for things we were talking about yesterday make such an impact on the development of our souls, that we acquire a proper understanding of universal existence; this, my dear friends, is the New Year greeting I wanted to give you today at the start of the year. We have just been remembering devotion, and I would like to follow that with a reminder of the energetic work on our inner life. The full moon shining down on us out of the cosmos on New Year's Eve is a symbol for the sequence in which we are remembering these things. If it had been the other way round, and the year had started with the new moon, I should have done the right thing in bringing these reminders to you in the opposite order. I should then have closed the year with a reminder of the power of inner development and should have had to leave the thoughts on reverence until today.
[ 3 ] Daß ein solches Symbolum, wie es uns erglänzt aus dem Makrokosmos, wirklich beachtet wird, das ist dasjenige, was wiederum immer mehr und mehr als etwas Wichtiges angesehen werden soll. Und wenn wir ruhige Augenblicke in diesem Jahr haben, dann lassen wir diesen Wink auf uns wirken, lassen ihn so wirken, daß es in diesem Jahr von besonderer Bedeutung sein kann, sich zuerst einmal zu überlegen, was die Kraft der Ehrfurcht aus uns machen kann, und dann sich zu überlegen, was die Kraft der inneren Erhaltung, Bewahrung der inneren Seelenenergie aus uns machen soll.
[ 3 ] We must attach more and more importance to really noticing a symbol like this that shines on us out of the macrocosm. And in our quiet moments this year let this indication work on us in such a way that it can have a special significance, to think first about the transformation the power of reverence can bring about in us, then to follow this with thinking about the transformation that the power of inner preservation, the maintaining of inner soul energy, should bring about in us.
[ 4 ] Aus der Sternenschrift ist uns diese Reihenfolge für dieses Jahr geboten, und die Welt wird wiederum einsehen nach und nach, daß das Lesen in der Sternenschrift für den Menschen doch eineBedeutung hat. So suchen wir auch in diesen Einzelheiten zu beachten das große Gesetz des menschlichen Daseins, Einklang zu erstreben zwischen dem Makrokosmos und dem Mikrokosmos. Der Makrokosmos drückt sich ja in der Mondphase in diesen Tagen für uns auf die elementarste Weise aus, und den Einklang mit diesem Makrokosmos in unserem Mikrokosmos finden wir, wenn wir uns demgemäß verhalten in dem Ablaufe dieses Jahres, das unter so schmerzlichen Tatsachen geboren worden ist.
[ 4 ] The sequence of these thoughts has been set for the coming year by the writing of the stars, and the world will gradually come to realise again that reading the star script really has a meaning for man. So let us try even in details like this to pay heed to the great law of human existence and to strive for harmony between the macrocosm and the microcosm. The macrocosm is speaking to us over these days in the most obvious way and we shall find how to keep our microcosm in harmony with the macrocosm, if we conduct ourselves in line with it, in the course of this year that has begun amidst such painful events.
[ 5 ] Wenn Sie das beachten, was wie ein Grundton durch die Auseinandersetzungen der letzten Tage hindurchgegangen ist, so wird es Ihnen das sein, daß wir in bezug auf die gerade uns wichtigen Tatsachen, die uns wichtig geworden sind durch die geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, in einer Zeit des Umschwungs, gewissermaßen in einer Zeit der Hoffnung leben, in einer Zeit, wo uns Ahnungen aufgehen sollen, wie es im weiteren Verlaufe der menschlichen Kulturentwickelung auf der Erde werden soll, wie ein Umschwung stattfinden soll von einer rein materialistischen zu einer spirituellen Weltauffassung. Das aber, was hiermit angedeutet worden ist, kann nicht in einem vollen Umfange wirklich eintreten, wenn es nicht alle Gebiete des Lebens ergreift und vor allen Dingen die geistigen Gebiete des Lebens in hohem Maße erfaßt.
[ 5 ] If you try and notice what has been the prevailing mood of our talks in the last few days you will discover that, regarding the facts that spiritual science has made significant for us, we live in a time of change, in a time of hope, as it were, for we should now be getting an inkling of the direction the further course of human cultural development should take; of the change that has to come about from a purely materialistic world conception to a spiritual one. What is meant here, however, cannot really fully take place unless it enters every sphere of life and particularly takes hold of the spiritual cultural areas to a marked degree.
[ 6 ] Schon haben wir erkennen können aus mancherlei Andeutungen, wie das wirkliche gefühlsmäßige, nicht bloß verstandesmäßige Erfassen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung auch einen Umschwung im künstlerischen Schaffen und im künstlerischen Genießen zur Folge haben muß, daß gleichsam einfließen können die Kräfte, die uns kommen aus der geisteswissenschaftlichen Anschauung für das künstlerische Erfassen der Welt. Haben wir ja gerade versucht, mit unserem Bau eine Art Impuls anzudeuten für wenigstens einen kleinen Teil desjenigen, was aus geisteswissenschaftlichen Impulsen hineinfließen kann in das künstlerische Gestalten, in das, was wir künstlerisch vor uns haben können.
[ 6 ] We have already had various indications showing that an understanding of the spiritual-scientific outlook, which has taken hold of our feelings and is not merely rational, is bound to bring a change into both artistic creativity and artistic appreciation, because the forces we gain from this can give us an artistic conception of the world. And in our Goetheanum building we have just made the attempt to show at least a small part of what can take an artistic form, from out of spiritual-scientific impulses.
[ 7 ] Eine Zeit können wir vor uns sehen, wenn wir voll untertauchen in die Empfindungen und Gefühle, die uns hervorgehen können aus der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, eine Zeit, wo der Weg zum Künstlertum in vieler Beziehung ein anderer werden wird, als er in der abgelaufenen Zeit war, wo er ein viel lebensvollerer sein wird, wo das, was Mittel des künstlerischen Schaffens ist, viel intensiver erlebt werden wird von der Menschenseele, als es in abgelebten Zeiten erlebt worden ist, wo Farbe und Ton viel intimer von der menschlichen Seele durchlebt werden, gewissermaßen von der menschlichen Seele moralisch-spirituell durchlebt werden können, und wo in den Schöpfungen der Künstler uns entgegentreten werden gleichsam die Spuren der Erlebnisse der Künstlerseelen im Kosmos.
[ 7 ] We can see a time coming when we shall be able to enter fully into the feelings that can arise from the spiritual-scientific world conception, a time when the way to artistic creation will in many respects be different from the past; it will be much more alive and the medium of artistic creation will be experienced much more intensely in the human soul; the soul will be capable of experiencing colour and sound far more inwardly, in a kind of moral-spiritual way, and in artists' creations we shall meet, as it were, traces of the artists' experiences in the cosmos.
[ 8 ] Im wesentlichen war das Verhalten des künstlerisch Schaffenden und des künstlerisch Genießenden in der abgelaufenen Epoche eine Art äußeren Anschauens, ein Appellieren an das, was von außen an den Künstler herantreten kann. Das Angewiesensein auf die Natur und auf das Modell für das äußere Anschauen ist immer größer und größer geworden. Nicht soll etwa in einer einseitigen Weise hingewiesen werden auf ein Verlassen der Natur, auf ein Verlassen der äußeren Wirklichkeit in der Kunst der Zukunft. Das sei ferne. Hingewiesen soll werden auf ein noch intensiveres Beisammensein mit der äußeren Welt, auf ein so starkes Zusammensein, daß es sich nicht bloß erstreckt auf den äußeren Eindruck der Farbe, des 'Tones und der Form, sondern auch auf dasjenige, was man hinter dem Tone, hinter der Farbe, hinter den Formen erleben kann, was sich offenbart in Farbe, Ton und Form.
[ 8 ] In essentials, the attitude of artistic creation and artistic appreciation in this past epoch was a kind of external observation, an appeal to something that affects the artist from outside . The need to refer to nature and to a model for external observation has become greater and greater. Not that in the art of the future there is to be any one-sided rejection of nature and outer reality. Far from it, for there will be a much more intimate union with the external world; so strong a union that it will cover not merely the external impression of colour and sound and form, but that which one can experience behind the sound and colour and form; what is revealed in them.
[ 9 ] In dieser Beziehung werden die Menschenseelen bedeutungsvolle Entdeckungen machen in der Zukunft. Sie werden wirklich ihr moralisch-spirituelles Wesen verbinden mit demjenigen, was der Sinnenschein uns bringt. Eine unendliche Vertiefung der Menschenseele kann auf diesem Gebiete vorausgesehen werden. Nehmen wir einmal zunächst als Grundlage eine Einzelheit. Wir nehmen einfach den Fall, daß wir unseren Blick auf eine gleichmäßig in stark zinnobrigem Rot leuchtende Farbenfläche richten, und wir nehmen ferner an, daß wir dazu gelangen, alles übrige, das um uns herum ist, zu vergessen, uns zu konzentrieren ganz auf das Erleben dieser Farbe, so daß wir diese Farbe nicht bloß als etwas vor uns haben, das auf uns wirkt, sondern so, daß wir diese Farbe als etwas haben, worin wir selber sind, daß wir eins werden mit dieser Farbe. Wir werden dann gleichsam die Empfindung haben können: Du bist jetzt in der Welt, du bist selbst in dieser Welt ganz Farbe geworden, das Innerste deines Seelenwesens ist ganz Farbe geworden, wo du auch hinkommen magst in der Welt mit deiner Seele, wirst du als roterfüllte Seele hinkommen, du wirst überall in Rot, mit Rot und aus Rot leben. -— Dies aber wird man bei intensivem Seelenleben nicht erleben können, ohne daß die entsprechende Empfindung übergeht in ein moralisches Erleben, in wirkliches moralisches Erleben.
[ 9 ] Human beings will make important discoveries in the future in this respect. They will actually unite their moralspiritual nature with the results of sense perception. An infinite deepening of the human soul can be foreseen in this domain. Let us pick a particular example to start from. We will simply imagine that we are looking at a surface shining all over with the same shade of strong vermilion, and let us assume we succeed in forgetting everything else around us and concentrate entirely on experiencing this colour, so that we have the colour in front of us, not merely as something that works upon us but as something with which we ourselves are united, that we are within. You will then be able to feel as though you were in the world, and in this world the whole of you has become colour, the whole of your innermost soul, and wherever your soul goes in the world you will be a soul filled with red, living in, with and out of red. Yet you will not be able to experience this intensely in the soul unless the corresponding feeling is transformed into moral experience, real moral experience.
[ 10 ] Wenn man so gleichsam die Welt durchschwimmt als Rot, identisch geworden ist mit dem Rot, wenn einem also selbst die Seele und auch die Welt ganz rot ist, so wird man nicht umhin können, in dieser rot gewordenen Welt, mit der man selber rot ist, zu empfinden, als wenn diese ganze Welt im Rot zugleich uns durchsetzt mit der Substanz des göttlichen Zornes, der uns von allen Seiten entgegenstrahlt für alles dasjenige, was an Möglichkeiten des Bösen und der Sünde in uns ist. Wir werden uns gleichsam in dem unendlichen roten Raum wie in einem Strafgerichte Gottes empfinden können, und unser moralisches Empfinden wird wie eine moralische Empfindung unserer Seele im ganzen unendlichen Raum sein können. Und wenn dann die Reaktion kommt, wenn irgend etwas auftaucht in unserer Seele, wenn wir uns also im unendlichen Rot erleben, ich könnte auch sagen, im einzigen Rot erleben, so kann es nur so sein, daß man es bezeichnen möchte mit dem Worte: Man lernt beten. Wenn man im Rot erleben kann das. Erstrahlen und Erglühen des göttlichen Zornes mit allem, was an Möglichkeiten des Bösen in der menschlichen Seele liegen kann, und wenn man im Rot erfahren kann, wie man beten lernt, dann ist das Erleben mit dem Rot unendlich vertieft. Dann können wir auch verspüren, wie sich das Rot formend in die Räumlichkeit hineinstellen kann.
[ 10 ] If we float through the world as though we were red, had identified ourselves with red, and our very soul and the whole world were entirely red, we shall not be able to help feeling that this whole red world is filling us with the substance of divine wrath, coming towards us from all sides in response to all the possibilities of evil and sin in us. In this infinite red space we shall be able to feel as though we were before the judgment of God, and our moral feeling will become the kind of moral experience our souls can have in infinite space. And when the reaction comes, when something emerges in our soul as we are having this experience in infinite red or, I could also say in the one and only red, I can only describe it by saying we learn to pray. If you can experience the raying and glowing of divine wrath, together with all the possibilities of evil in the human soul, and if you can experience in the red how one learns to pray, the experience of red is enormously deepened. We can also experience the form red takes on when it enters space.
[ 11 ] Wir können es dann begreifen, wie wir erleben können ein Wesen, das von sich Gutes ausstrahlt, das erfüllt ist mit göttlicher Güte und göttlicher Barmherzigkeit, ein Wesen, das wir hineinempfinden wollen in den Raum. Dann werden wir die Notwendigkeit fühlen, dieses Hineinempfinden in den Raum der göttlichen Barmherzigkeit, der göttlichen Güte, zur Form aus der Farbe heraus sich gestalten zu lassen. Wir werden das Bedürfnis empfinden, abwehren zu lassen die Räumlichkeit, so daß die Güte, die Barmherzigkeit ausstrahlt. Bevor sie da war, war es so zusammengezogen, ganz konzentriert im Mittelpunkt, und jetzt stellt sie sich hinein, diese Güte und Barmherzigkeit, in den Raum, und wie Wolken auseinandergetrieben werden, so treibt sie das zurück, treibt es auseinander, so daß es vor der Barmherzigkeit weicht und wir das Gefühl bekommen: das mußt du verlaufend rot machen. Und dann werden wir das Gefühl bekommen: Hier (es wurde gezeichnet) in der Mitte werden wir eine Art Rosaviolett schwach andeuten müssen als hineinstrahlend in das auseinanderstiebende Rot.
[ 11 ] We can then understand how we can experience a being that radiates goodness and is full of divine kindness and mercy, a being that we want to feel in the realm of space. Then we shall feel the need of expressing this divine mercy and goodness in a form which arises out of the colour itself. We shall feel the need to let space be pushed aside so that goodness and mercy may shine forth. Before space was there it was all concentrated at the centre, and now goodness and mercy enter space and, just as clouds are driven apart, space is rent asunder and recedes to make way for mercy, and we have the feeling that what is being scattered must be drawn in red. Here in the centre (a drawing was done) we shall have to indicate faintly a kind of magenta shining into the scattering red.
[ 12 ] Wir werden dann mit unserer ganzen Seele bei einem solchen SichFormen der Farbe dabei sein. Wir werden mit unserer ganzen Seele etwas nachempfinden, was die Wesen empfunden haben, die insbesondere zu unserem Erdenwerden gehören, die, als sie zu dem Elohimdasein aufgestiegen waren, gelernt haben, aus den Farben heraus die Formenwelt zu gestalten. Wir werden lernen, etwas zu empfinden von dem Schöpferischen der Geister der Form, die uns als Geister die Elohim sind, und wir werden dann begreifen, wie die Formen der Farbe Werk sein können, was angedeutet worden ist in unserem ersten Mysterium. Wir werden auch etwas begreifen davon, wie gleichsam die Fläche der Farbe für uns etwas wird, was überwunden werden muß, weil wir mit der Farbe in das Weltenall gehen. Wenn das bei einer starken Wunschentwickelung auftritt, dann kann eine solche Empfindung entstehen, wie diejenige ist, die in Strader lebt in dem Augenblicke, wo er das Ebenbild des Capesius sieht und sagt: «Die Leinwand, ich möchte sie durchstoßen. »
[ 12 ] We shall then be present with our whole soul as the colour takes on form. And with our whole soul we shall feel an echo of how the beings who belong especially to our earth process felt, when they had ascended to the Elohim stage and learnt to fashion the world of forms out of colours. We shall learn to experience something of the creative activity of the Spirits of Form who are the Elohim, and we shall then understand how colour can create forms, as indicated in our first Mystery Play. We shall also understand something of how the surface nature of the colour becomes something that has to be overcome, as it were, because we accompany colour into the cosmos. If strong desire is also present, a feeling can arise like Strader has when he sees the portrait of Capesius, and says he would like to pierce the canvas.
[ 13 ] Wenn Sie ein solches Mysterienspiel nehmen, dann werden Sie ja sehen, wie in diesen Mysterienspielen versucht worden ist, wirklich so etwas künstlerisch hinzustellen, wie es sich vor uns hinstellt, wenn unsere Seele versucht, sich aufnehmen zu lassen von den kosmischen Kräften, wenn sie mitfühlt mit den Geistern des Kosmos. Das war wirklich der Anfang aller Kunst. Dann aber mußte die materialistische Zeit kommen und diese mit ihrer göttlichen Nuancierung auftretende alte Kunst, bei der das Geistige als Innerliches durch die Materie sich offenbart, mußte sich verwandeln in die sekundäre, materialistische Afterkunst, die im wesentlichen die Kunst der materialistischen Zeit ist, jene Kunst, welche nicht schaffen, sondern nur nachschaffen kann. Es ist das Zeichen alles Sekundär-Künstlerischen, alles Afterkünstlerischen, daß es nur nachschaffen kann, daß es Vorwürfe braucht zum Nachschaffen, und daß es nicht primär zugleich mit dem Stoffe die Form erzeugt.
[ 13 ] You will see that an attempt has been made in these Mystery Plays really to show in artistic form what it is like for the soul, when it attempts to expand in the cosmic forces and to feel what the spirits of the cosmos are feeling. That was, in fact, the beginning of all art. But the materialistic age had to come, and ancient art, with its divine quality of differentiation, in which spirit was revealed in matter, had to change into secondary, materialistic ‘after’-art, which the art of the materialistic age is, in essence; the kind of art which cannot create but only imitate. The sign of all secondary art, all after-art, is that it needs objects to imitate, and that it does not produce the form primarily out of the material.
[ 14 ] Nehmen wir ein anderes. Nehmen wir an, wir machten dasselbe, was wir hier mit der roten Fläche gemacht haben, mit einer mehr orangefarbenen Fläche. Wir werden da ganz andere Erfahrungen machen mit der orangefarbenen Fläche. Wenn wir uns in sie versenken und eins werden mit derselben, so werden wir nicht jene Empfindungen haben können von einem Entgegensteuern dem göttlichen Zorn, sondern wir werden das Gefühl haben, daß das, was uns da entgegensteuert, höchstens nur noch im schwachen Maße das Seriöse des Zornes hat, daß es aber etwas ist, was sich uns mitteilen will, was uns nicht bloß strafen will, sondern was uns mit innerer Kraft ausrüsten will.
[ 14 ] Let us take another example. Let us imagine we do the same thing with a more orange coloured surface that we did with the red surface. We shall experience something quite different this time. If we submerge ourselves in it and unite with it, then instead of feeling divine wrath bearing down upon us, we shall have the feeling that what comes to meet us here has much less of the serious side of wrath about it and does not only want to punish us, but wants to impart itself to us and arm us with inner strength.
[ 15 ] Indem wir hineingehen in die Welt und eins geworden sind mit der Orangefläche, bewegen wir uns so, daß wir mit jedem Schritt, den wir weiterkommen, fühlen: Durch diese Empfindung im Orange, durch dieses Leben in den Orangekräften werden wir uns so in die Welt hineinkraften, daß wir stärker und stärker werden, daß uns nicht bloß das Strafgericht zerschellt, sondern daß das, was da aus dem Orange an uns herankommt, nicht bloß strafend kommt, sondern ein Stärkendes ist. So leben wir uns mit dem Orange hinein in die Welt. Wir lernen dann die Sehnsucht, das Innere der Dinge zu ergreifen und es mit uns selber zu vereinigen. Wir lernen durch das Leben im Rot beten. Wir lernen durch das Leben im Orange die Erkenntnis, die Sehnsucht nach der Erkenntnis des inneren Wesens der Dinge.
[ 15 ] When we enter the world and unite with the orange surface we move in such a way that with every step we take, we feel that by experiencing orange, by living in the forces of orange, we are becoming stronger and stronger, and that what comes to us out of orange does not come merely to punish us and break us with its judgment, but is a source of strength. This is how we go into the world in orange. We then feel the longing to understand the inner nature of things and to unite it with ourselves. By living in red we learn to pray, by living in orange we experience the desire for knowledge of the inner nature of things.
[ 16 ] Wenn es eine gelbe Fläche ist, und wir machen dasselbe, dann fühlen wir uns in diesem Erleben des Gelben wie, ich möchte sagen, an den Anfang unseres Zeitenzyklus versetzt. Wir fühlen: Jetzt lebst du in den Kräften, aus denen du geschaffen worden bist, als du deine erste Erdeninkarnation antratest. — Das, was man ist durch das ganze Erdendasein hindurch, fühlt man verwandt mit dem, was einem entgegenkommt aus der Welt, in die man selber das mit einem identisch gewordene Gelb trägt.
[ 16 ] If we do the same thing with a yellow surface we feel as though we were transported back to the beginning of our cycle of time. We feel that we are then living in the forces out of which we were created when we entered upon our first earthly incarnation. You feel an affinity between what you are throughout the whole of earth existence, and what comes to meet you from the world into which you take the yellow with which you are united.
[ 17 ] Und identifiziert man sich mit Grün und geht mit dem Grün durch die Welt, was man dadurch besonders leicht haben kann, daß man versucht, die Augen über eine grüne Wiese schweifen zu lassen, den Blick über dieselbe auszubreiten, und versucht nun, von allem übrigen abzusehen, sich ganz zu konzentrieren auf die grüne Wiese, unterzutauchen in die grüne Wiese, das Grün als die Oberfläche eines Farbenmeeres zu betrachten und dann unterzutauchen in das Grün: wenn man so versucht zu leben in der Welt, dann erlebt man ein innerliches Kräftigerwerden in dem, was man in der einen Inkarnation ist. Man erlebt ein innerliches Gesundwerden, aber zu gleicher Zeit auch ein innerliches Egoistischerwerden, ein Angeregtsein der egoistischen Kräfte im eigenen Inneren.
[ 17 ] And if you identify yourself with green and accompany green into the world—which can be done very easily by gazing at a green meadow, shutting out everything else and concentrating completely on it, and then trying to immerse yourself in the green meadow as if the green were the surface of a coloured sea—you experience an inner increase in strength in what your are in that particular incarnation. You feel yourself becoming inwardly healthy, yet at the same time becoming inwardly more egoistic, you feel a stimulus of the egoistic forces within you.
[ 18 ] Würde man dasselbe mit einer blauen Fläche machen, so würde man durch die Welt gehen, indem man das Bedürfnis empfindet, mit dem Blau immer weiter und weiter fortzuschreiten, den Egoismus in sich zu überwinden, gleichsam makrokosmisch zu werden, Hingabe zu entwickeln. Und man würde sich beglückt finden, wenn man in dieser Vorstellung bleiben könnte durch das einem Entgegenkommen der göttlichen Barmherzigkeit. Wie begnadet von göttlicher Barmherzigkeit würde man sich fühlen, wenn man also durch die Welt geht.
[ 18 ] If you did the same with a blue surface, you would go through the world with the desire to accompany the blue forever and to overcome your egoism, become macrocosmic, as it were, and develop devotion. And you would find it a blessing if you could remain like this for your meeting with divine mercy. You would feel blessed by divine mercy if you could go through the world like this.
[ 19 ] So lernt man erkennen die innere Natur des Farbigen. Und wie gesagt, eine Zeit können wir vorausahnen, wo die Vorbereitung, die der Maler als Künstler durchmachen wird, ein solches moralisches Erleben in der Farbe bedeuten wird, wo viel innerlicher, viel intimer, als es jemals in alten Zeiten der Fall gewesen ist, das Erleben sein wird, das vorbereitet zum künstlerischen Schaffen. Denn das sind nur einzelne Andeutungen, die ich hier gebe, die noch weiter ausgebildet werden in der Zukunft. Sie werden mit einem kolossalen Sinn für das künstlerische Schaffen die Seele des Menschen ergreifen und lebendig machen können, während das sich Hereinbewegen der materialistischen Kulturentwickelung in unser modernes Zeitalter hinein die Seele ausgedörrt hat, passiv gemacht hat. Durch innere Kraft müssen die Seelen wiederum angeregt werden, erfaßt werden müssen sie von den inneren Kräften der Dinge. Dieses spezifische Beispiel, das ich gebraucht habe, sind die Farben, die in der Welt fluten.
[ 19 ] Thus we learn to know the inner nature of colour and, as I said before, we can foresee a time when an artist's preparation will mean a moral experience in colour of this kind, when the experience preparatory to artistic creation will be much more inward and intuitive than it ever was in past ages. For these are only a few indications I am giving you, and they will be developed much further in the future. They will take hold of men's souls and enliven them with a tremendous sense for artistic creativity, whereas the materialistic culture that has entered our modern age has dried up the soul and made it passive. Souls must be stimulated again by a power from within; they must be taken hold of by the inner forces of things. As a specific example I have taken the colours that flood the world.
[ 20 ] In einer ganz ähnlichen Weise wird die Vertiefung und Belebung des menschlichen Seelenlebens durch die Tonwelt eintreten. Das Wesentliche der abgelaufenen Periode in bezug auf diesen Punkt ist ja, daß der Mensch einen Ton als solchen erlebt, und dann das Verhältnis von einem Ton zu einem andern. In der Zukunft wird der Mensch mit seinem Erleben hinter den Ton gehen können. Er wird gleichsam den Ton wie ein Fenster betrachten, durch das er in die geistige Welt hineintritt, und dann wird es nicht von jenem unbestimmten Fühlen abhängen, wie Ton an Ton sich setzt, zu Melodien zum Beispiel, sondern hinter den einzelnen Tönen wird die Seele wiederum moralisch-spirituell erleben durch den Ton hindurch. Wie durch ein Fenster wird die Seele in die spirituelle Welt eindringen. Die Geheimnisse des einzelnen Tones werden sich in diesem Erleben des einzelnen Tones hinter dem Ton enthüllen.
[ 20 ] The world of sound will deepen and enliven the life of soul in a very similar way. During the period that is now drawing to a close, the essential thing was that a person experienced a tone as such, and the relationship of one tone to another. In the future people will be able to experience what is behind the tone. They will regard the tone as a kind of window through which they enter the spiritual world, and then it will not depend on vague feeling of how one tone is added to another, to form melodies for instance, but by going through the tone the soul will also experience a moral-spiritual quality behind the separate tones. The soul will enter the spiritual world as though through a window. The secrets of the individual tones will be discovered in this experience behind the tones.
[ 21 ] Wir sind noch weit entfernt von diesem Gefühle, daß wir durch jeden Ton wie durch ein Fenster aus der sinnlichen Welt in die spirituelle Welt hineinsteigen können. Aber dies wird kommen. Wir werden den Ton empfinden wie eine Öffnung, welche die Götter gemacht haben aus der jenseits von uns liegenden spirituellen Welt in diese physisch-sinnliche Welt hinein, und wir werden hineinsteigen durch den Ton aus der physisch-sinnlichen Welt in die spirituelle Welt. Wir werden zum Beispiel durch eine Prim, die wir absolut empfinden, nicht etwa in Anlehnung an frühere Töne der Tonskala, erfühlen, wie wir hineinsteigen aus der Sinnenwelt in die spirituelle Welt, und zwar auf eine gefahrvolle Weise. Die Gefahr liegt darinnen, daß uns dieses Hineinsteigen droht ganz gefangenzunehmen, daß uns die Prim wie mit furchtbarer Saugekraft durch das Fenster des Tones holen will, uns ganz verschwinden lassen will in der spirituellen Welt. Wir werden empfinden, wenn wir also die Prim als eine Absolute empfinden, daß wir spirituell noch zu schwach sind in der physischsinnlichen Welt und daß wir aufgesogen werden von der spirituellen Welt, wenn wir durch dieses Fenster gestiegen sind. Das wird die moralische Empfindung sein, die wir haben können beim Aufsteigen in die spirituelle Welt durch die Prim. Aber das charakterisiere ich jetzt nur so einfach, das wird eine ganz differenzierte, unendlich mannigfaltige Einzelheiten in sich enthaltende Empfindung sein, die wir da erleben.
[ 21 ] We are still a long way away from this feeling of being able to go from the sense world to the spiritual world through the window of each tone. But this will come. We shall experience the tone as an opening made by the gods from the spiritual world yonder to this physical-material world, and we shall climb through the tone out of the physical-material world into the spiritual world. Through the tonic, for example, which we experience as absolute and not in reference to previous tones of the scale, we experience danger as we pass from the sense world into the spiritual world. We are threatened on entry with being taken captive; the tonic wants to suck us in most horribly through the window of the tone and make us completely disappear in the spiritual world. Assuming that we experience the tonic as absolute, we shall feel that we are still too weak in a spiritual sense in the physical world, and that we are sucked up by the spiritual world when we climb through this window. This is the moral experience to be had on entering the spiritual world through the tonic. I am over-simplifying it now, though; we shall have a very differentiated experience which contains an infinite variety of detail.
[ 22 ] Wenn wir dann durch die Sekund wie durch ein Fenster hineinsteigen aus der physischen Welt in die spirituelle Welt, werden wir empfinden so, wie wenn es drüben in der geistig-spirituellen Welt Mächte gäbe, die sich gleichsam unserer Schwachheit erbarmen, die sagen: Nun ja, du warst schwach in dieser physisch-sinnlichen Welt! Wenn du nur durch die Prim hineinsteigst in die geistige Welt, so muß ich dich auflösen, muß dich aufsaugen, muß dich zersplittern oder zerschellen. Wenn du aber durch die Sekund hereinsteigst, will ich dir etwas entgegenbringen aus der geistigen Welt und dich erinnern an etwas, was auch drüben ist. - Das Eigentümliche ist, wenn wir durch die Sekund aus der physischen in die spirituelle Welt hineinsteigen, als ob eine Summe von Tönen, eine Anzahl von Tönen uns entgegentönte, die einen in Empfang nehmen. In eine völlig stumme Welt tritt man ein, wenn man durch die absolute Prim eintritt in die spirituelle Welt. In eine Welt, in der, wenn man so hinhört, leise verschieden hohe Töne erklingen, die einen trösten wollen über die Schwachheit, kommt man, wenn man durch die Sekund eindringt. So aber muß man eindringen, wie man natürlich nicht eindringen darf durch ein Fenster in ein physisch-sinnliches Haus, denn da würde einen der Eigentümer sonderbar anschauen, wenn man durch das Fenster einträte und das ganze Fenster mitnähme. In der geistigen Welt aber muß man das tun, man muß die Fenster mitnehmen, die Töne mitnehmen, und mit ihnen identifiziert ganz drüben leben in der spirituellen Welt, jenseits des Häutchens, das uns von der physisch-sinnlichen Welt trennt.
[ 22 ] When we climb out of the physical world into the spiritual world through the window of the second, we shall have the impression of powers in the spiritual world yonder that, as it were, take pity on our weakness and say, ‘Well! so you were weak in the physical sense world! if you only climb into the spiritual world through the tonic I must dissolve you, suck you up and break you to pieces. But, if you enter through the second, I will offer you something from the spiritual world and remind you of something that is there.’ The peculiar thing is that when we climb from the physical to the spiritual world through the second, it is as though a number of tones rang out to receive us. We enter a totally silent world if we enter the spiritual world through the absolute tonic. If we enter through the second we come to a world where, if we listen, various quiet high-pitched tones ring out wanting to comfort us in our weakness. Yet we must go through the window in a way we most certainly could not do in a physical-material house, for the owner would give us a strange look if we were to walk in through the window and take the whole window with us. But in the spiritual world that is what you have to do, take the tones with you and, in union with them, live over there in the beyond, the other side of the thin partition that separates us from the physical-material world, and in which we have to imagine the tones as windows.
[ 23 ] Wenn man durch die Terz in die geistige Welt eingeht, so wird man das Gefühl einer starken, einer stärkeren Schwäche noch haben. Wenn man so die spirituelle Welt betritt, wird man fühlen, daß man eigentlich recht schwach war in der physisch-sinnlichen Welt in bezug auf deren spirituellen Inhalt. Aber man wird in bezug auf die Terz man ist ja Ton geworden, man ist jetzt selber Terz geworden fühlen, daß da drüben Freunde sind, die nicht selber Terzen sind, die aber herankommen, je nachdem man in der physisch-sinnlichen Welt beschaffen war. Während es bei dem Eindringen durch die Sekunde wie ein leises Erklingen vieler Töne ist, in denen man so im allgemeinen lebt, wenn man durch sie eindringt, werden einem durch die Terz entgegenkommen gleichsam befreundete Töne. Diejenigen, die Komponisten werden wollen, werden insbesondere durch die Terz eindringen müssen, denn da werden sich ergeben die Tonfolgen, Tonkompositionen, welche anregen werden ihr künstlerisches Schaffen. Nicht immer dieselben Tonfreunde werden einem entgegenkommen, sondern ihre Art wird davon abhängen, wie man in der Stimmung, im Erleben, im Temperamente, kurz in der ganzen Verfassung des Lebens war, wenn man also durch die Terz in das geistige Leben eintritt: eine unendliche Mannigfaltigkeit der Tonwelt wird sich da ergeben.
[ 23 ] If you enter the spiritual world through the third, you will have the feeling of an even greater weakness. If you enter the spiritual world this way, you will feel that you were really very weak in the physical-material world, where its spiritual content is concerned. But with regard to the third—and remember that you have become sound; you yourself have become a third—you will feel that there are friends over there who, although they themselves are not thirds, approach you according to the kind of disposition you had in the physical-material world. If you enter through the second, it is like a gentle sounding of many tones, with whom you share life in general when you enter through them, whilst tones that are, as it were, friends with one another, come to meet you through the third. People who want to become composers will have to enter especially through the third, for that is where the tone sequences, the tone compositions are, that will stimulate their artistic creativity. You will not always be met by the same tone friends, for which ones you meet will depend on your mood and your feeling and your temperament—in fact how you are disposed to life at the time when you go through the third into spiritual life. This results in an infinite variety of possibilities.
[ 24 ] Dringt man durch die Quart in die geistige Welt ein, dann wird man eine merkwürdige Erfahrung machen: die Erfahrung, daß jetzt allerdings von keiner Seite andere Töne auftauchen, daß aber dasjenige, was schon aufgetaucht ist, was man durch die Erfahrungen mit der Terz durchgemacht hat, in leicht kommenden Erinnerungen in der Seele lebt. Und man wird finden, indem man so weiterlebt mit seinen Tonerinnerungen, wenn man eingedrungen ist durch die Quart in die spirituelle Welt, daß diese 'Tonerinnerungen immer andere Färbungen annehmen, daß sie bald sich entwickeln zu hellster Helligkeit und Heiterkeit, bald sich herabstimmen zur äußersten Traurigkeit, bald sonnig hell, bald traurig untertauchend bis zur Grabesruhe. Das Temperieren der Stimme, das Hinauf- und Hinuntergehen des Tones, kurz, der Verlauf in der Stimmung eines Tonwerkes wird sich ergeben durch diesen Weg, durch diese Tonerinnerungen.
[ 24 ] If you penetrate through the fourth into the spiritual world, you will have a strange experience. Although no new tones appear from any direction, those that have come before, when you were experiencing the third, will live lightly in the soul as memories. And you will find that in continuing to live with these tone memories they perpetually take on a fresh colouring; at one time they become as bright and cheerful as can be, at other times they descend to the utmost sadness; now they are as bright as day, now they sink down to the silence of the grave. The modulating of the voice, the way the sound ascends and descends; in short, the whole mood of a tonal creation will have its origin along this path, from these sound memories.
[ 25 ] Die Quint wird mehr subjektive Erfahrungen und Erlebnisse ergeben, sie wird anregend, bereichernd auf das seelische Erleben wirken. Sie wird gleichsam wie ein Zauberstab wirken, der die Geheimnisse der Tonwelt drüben aus unergründlichen Tiefen hervorzaubett.
[ 25 ] The fifth will produce experiences that are more subjective, that work to stimulate and enrich the life of the soul. It is like a magic wand that conjures up the secrets of the sound world yonder, out of unfathomable depths.
[ 26 ] Solche Erlebnisse wird man haben, wenn man mit den Dingen, mit den Erscheinungen der Welt nicht bloß so verkehrt, daß man sie anschaut, anhört, sondern so, daß man sie innerlich erlebt. Durch diese Art des Erlebens, namentlich an Farben und Tönen, aber auch an den Formen, kurz, an dem Künstlerischen muß der Weg gefunden werden, den die Menschheit gehen muß, um überhaupt aus dem bloß äußerlichen Sich-Verhalten zu den Dingen und ihrem Verlaufe — was das Kennzeichen eines materialistischen Zeitalters ist -— herauszukommen und in die innerlichen Tiefen der Dinge, in ihre Geheimnisse zu dringen.
[ 26 ] Experiences of this kind will come to one when one no longer just looks at the things and phenomena in the world, or just listens to them, but experiences them from within. These are the kind of experiences mankind must have, particularly through colour and sound, but also through form; in fact, altogether through the realm of art, in order to get away from the purely external relationship to things and their functioning—which is characteristic of the materialistic age—and to penetrate into the inner secrets at the heart of things.
[ 27 ] Dann wird über den Menschen kommen ein Bewußtsein, ein ungeheuer bedeutungsvolles Bewußtsein von seinem Zusammenhang mit den für das materialistische Bewußtsein unterbewußten göttlich-geistigen Kräften, die ihn führen und leiten durch die Welt. Und dann wird vor allen Dingen so etwas auftreten wie ein innerliches Erleben jener Kräfte, die zum Beispiel den Menschen hinüberleiten von einer Inkarnation zur andern.
[ 27 ] Then something tremendously significant will happen to man, and he will be filled with the awareness of his connection with the divine spiritual powers, which are sub-conscious when his awarenesss is confined to the material realm, and which guide and lead him through the world. And then, above all, he will have inner experiences, such as experiencing the forces which guide man from one incarnation to the next.
[ 28 ] Wenn wir eine Lokomotive nicht heizen, so kann sie nicht einen Eisenbahnzug vorwärtsziehen. Die Kräfte müssen fortwährend angeregt werden, die das Geschehen in der Welt herbeiführen. So müssen auch die Kräfte angeregt werden, welche den Menschen vorwärtstreiben. Und es geschieht das auch. Aber lernen muß der Mensch, sich in Verbindung zu wissen mit diesen Kräften.
[ 28 ] If we omit to heat a locomotive, it cannot pull a train. The forces which make things happen in the world have to be continually stimulated. The forces which drive mankind forward also need to be stimulated. And this does happen. However, man has to learn that he is connected with these forces.
[ 29 ] Ich konnte einmal folgende bemerkenswerte Erfahrung machen. Es war ein Rechtsgelehrter, ein Advokat, der ganz berühmt war, an dem Orte, wo ich eine Zeitlang lebte, ein außerordentlich berühmter Advokat, dem die Leute förmlich zugelaufen sind und von dem sie die Meinung hatten, daß er die schwierigsten Prozesse gewinnen müsse. Es war das auch in vielen Fällen geschehen. Seine advokatorische Dialektik war eine außerordentlich große, und die Leute, die ihn kannten, hatten die größte Verehrung für diese advokatorische Dialektik. Da wurde ihm einmal ein schwieriger Prozeß eines reichen Mannes übergeben. Es hing das Verhängtwerden einer großen Strafe von dem Ausgang des Prozesses für diesen reichen Mann im Verurteilungsfalle ab. Der Advokat bot die alleräußerste Dialektik, die wunderbarste Advokatengeschicklichkeit auf. Er hielt eine lange Rede, und das Auditorium hatte durchaus den Eindruck, wenn die Geschworenen — es handelte sich um ein Geschworenengeticht — jetzt den Angeklagten nicht freisprechen, dann weiß man eigentlich gar nicht mehr, was advokatorische Kunst noch entwickeln könnte. Alle diejenigen, welche das gehört hatten, was an ungeheuerlicher Geschicklichkeit von dem Advokaten geleistet worden war, hatten durchaus den Eindruck, die Geschworenen würden sich jetzt zurückziehen und den Angeklagten freisprechen.
[ 29 ] I once had the following remarkable experience. There was a lawyer, a famous advocate, in the town where I lived for a while, an extraordinarily famous advocate, whom the people absolutely flocked to, because they believed he was bound to win the most difficult lawsuits. And this was often the case. His legal dialectic was extraordinary, and people who knew him had the deepest respect for it. Now he was once entrusted with the difficult case of a rich man. The rich man would have to suffer a severe penalty if the lawsuit resulted in his being sentenced. The advocate used his greatest dialectic and the most wonderful of his legal skills. He made a long speech, and the people who heard him were convinced that if the jury were not to acquit the accused, nothing further could be done about it. Everyone who heard the advocate's amazing skill were absolutely convinced the jury would now withdraw and acquit the accused.
[ 30 ] Nun war aber bei dem Gerichte nicht nur ein geschickter Rechtsanwalt, sondern auch ein geschickter Vorsitzender des Gerichtshofes, und obgleich die Stunde noch nicht so weit vorgerückt war, daß das Urteil nicht mehr hätte gefällt werden können, so sagte der Vorsitzende doch: Wir wollen heute die Sitzung abbrechen und sie morgen fortsetzen. - Am nächsten Tag, vormittags, sollte also die Sitzung der Geschworenen sein und dadurch hatten die Geschworenen über Nacht Zeit, die Sache noch einmal durchzudenken. Der nächste Tag kam. Dieses «Verschleppen über Nacht», wie er es nannte, war dem Advokaten schon recht unangenehm gewesen. Die Sitzung begann, die Geschworenen zogen sich zurück, alles wartete in größter Spannung auf ihr Wiedererscheinen, in allergrößter Spannung aber war der betreffende Advokat. Nach einer Viertelstunde schon kamen die Geschworenen zurück, und als der Advokat die Geschworenen nach so kurzer Zeit aus dem Beratungszimmer zurückkehren hörte, fiel er in Ohnmacht. Ja, er fiel in Ohnmacht. Er erholte sich wieder, wurde gestützt von einem seiner Freunde. Der Angeklagte war wirklich verurteilt worden. Aber das erfuhr der Advokat erst, nachdem er sich von der Ohnmacht wieder erholt hatte.
[ 30 ] But in the law court there was not only a skilful counsel but also a skilful judge, and although the hour was not yet so advanced that a judgment could no longer be given, the judge said, ‘Let us close the session for today and continue tomorrow.’ So the jury's session was to take place the following morning, and this gave them time to think the matter over again during the night. The following day came. This ‘overnight delay’ as he called it, had already proved very irksome for the advocate. The session began, the jury withdrew, and everyone awaited their return with tense expectation, most of all our advocate. The jury came back after only a quarter of an hour, and when the advocate heard them coming back from the conference room so soon, he fainted. Yes, he fainted. He did recover again, and a friend helped him up. The accused really had been sentenced, but the advocate only heard this after he had recovered from fainting.
[ 31 ] Was konnte man nun sagen, wenn man den Verlauf der Tatsachen äußerlich betrachtete, nach dem, was sich der menschlichen Anschauung darbot? Man konnte sagen: Der Advokat ist ein sehr ehrgeiziger Mann, denn ihm lag so viel an dem Gewinnen dieses Prozesses, daß er vor der Urteilsverkündung das Bewußtsein verlor. Als er sah, daß die Geschworenen nur so lange sich beraten hatten, war es für ihn sicher, daß der Angeklagte verurteilt würde, denn hätten sie ihn freigesprochen, so würden sie natürlich viel längere Zeit gebraucht haben.
[ 31 ] Now what could be said about the course of events looked at from the point of view of external perception? One could say that the advocate was a very ambitious man, for he cared so much about winning this lawsuit that he lost consciousness before the verdict was pronounced. As soon as he saw that the jury had only conferred for a short time he was sure the accused had been sentenced, for if they had acquitted him they would, of course, have taken much longer.
[ 32 ] So war aber die Sache nicht, so hätte sie sich nur für die äußere Anschauung darstellen können. Es lag gleichsam eine andere Schicht von Ereignissen hinter dem, was ich jetzt erzählt habe. Diese andere Schicht oder Geschichte ist diese: Der betreffende Advokat war erfaßt worden - ich kannte ihn ja gut - in einer Zeit, die vor diesem Prozesse lag, von dem, was man nennen kann den Spielteufel. Er nahm die Gelder, die ihm als Depot anvertraut waren, und spielte damit an der Börse. Es war eine reine Leidenschaft für ihn, und er war kurz vor dem Beginne dieses Prozesses so weit, daß er große Geldbeträge, die ihm anvertraut gewesen, verspielt hatte. Versprochen aber war ihm, daß er, wenn er den Prozeß gewinnt, so viel bekommen würde, daß er ungefähr die Differenz ausgleichen konnte.
[ 32 ] But that was not how the matter stood; it only appeared to be so from an external point of view. There was a kind of second layer of events behind what I have just told you. This other layer, or story, is like this: Before this lawsuit took place this advocate had become addicted to what one can call the demon of gambling—I knew him well, of course. He used the sums of money entrusted to him, as deposit to gamble with. It was an absolute passion with him, and not long before this lawsuit began he had reached the point where he had gambled away large sums of money entrusted to his care. But he had been promised that if he should win this suit, he would be paid so much that he could more or less balance the difference.
[ 33 ] Er fiel also nicht in Ohnmacht aus bloß gekränktem Ehrgeiz, sondern er fiel in Ohnmacht, als nach einer Viertelstunde die Geschwotrenen mit einem Schuldurteil herauskamen, weil tatsächlich seine Existenz vernichtet war. Denn nun konnte er niemals mehr daran denken, dasjenige, was er an Depotgeldern verspielt hatte, wieder zu ersetzen. Seine ganze Existenz hing also an dem Ausgange dieses Prozesses. Er fiel in Ohnmacht als symbolische Andeutung dafür, daß er jetzt für diese Inkarnation überhaupt vernichtet war. Er mußte dann nach Amerika fliehen und hat ein nicht sehr beneidenswertes Dasein für den Rest seiner Inkarnation in Amerika durchzumachen gehabt.
[ 33 ] So he did not faint only out of wounded ambition; he fainited when the jury returned with the verdict after only a quarter of an hour, because his existence had in fact been destroyed. For he had no hope any more of replacing the deposit money he had lost. Therefore his whole existence had depended on the outcome of the lawsuit. He fainted as symbolic indication that he was now completely ruined for this incarnation. He had to escape to America after that, and had to endure a not very enviable existence there for the rest of his life.
[ 34 ] Wir sehen an einem solchen Falle das Folgende. Wir sehen, daß sehr häufig im Leben das Urteil fehlgeht, denn es hätte ganz gut Menschen geben können, die niemals etwas erfahren hätten von dem, was hinter dem Prozesse spielte. Wenn diese nur den dialektisch so geschulten Advokaten bei dem Prozesse gehört und gesehen hätten, wie er in Ohnmacht fiel, so hätten sie sehr wohl urteilen können: Es gibt Leute, die so ehrgeizig sind, daß sie bei einer verfehlten Rede das Bewußtsein verlieren. —- Bei diesem Urteil hätte man bleiben können.
[ 34 ] An example of this sort shows us that judgment can very often be wrong, for some people might never have had the chance to hear anything about what went on behind the lawsuit. If these people had only heard the clever advocate during the lawsuit and seen him fainting, they could very well have concluded that some people are so ambitious that they lose consciousness if a speech of theirs misfires. And they could have left it at that.
[ 35 ] Um hier richtig urteilen zu können, mußte man also noch eine Schicht mehr der Tatsachen wissen. Für viele Dinge muß man sogar viele Schichten mehr wissen, denn sonst kann man Recht haben in bezug auf die eine Schicht, die man übersieht, und dennoch ein. falsches Urteil fällen. Das ist das Äußerliche. Aber die Sache hat noch einen weiteren Hintergrund. Der Mann mußte doch auch einen Weg finden von dieser Inkarnation in die nächste hinein. Und so haben wir hier ein Beispiel, wie die weise Weltenlenkung gleichsam die Kräfte in die Seele hineinversetzt, die notwendig sind, um die Seele von der einen Inkarnation in die nächste hinüberzuleiten. Der Mann war in einen solchen Lebenskonflikt gekommen, daß ihm dieser Lebenskonflikt die Existenzmöglichkeit verzehrt hatte. Es war eine furchtbare Lage geschaffen; es war damit die Lage geschaffen, daß keine Kräfte mehr vorhanden waren, die ihn hinüberbringen konnten in die nächste Inkarnation. Es war aber auch die Lage geschaffen, daß in sein Bewußtsein solche Kräfte nicht gebracht werden konnten. Da mußte denn der Fall eintreten, daß das Bewußtsein kurz ausgelöscht wurde. Und in der Zeit, wo das Bewußtsein in der Menschenseele für kurze Zeit ausgelöscht wird, kann das Mannigfaltigste von äußerer Spiritualität in die Menschenseele hineindringen. In diesem Momente drangen also Kräfte in ihn hinein, die geeignet sind, ihm wiederum den Impuls, den Antrieb für den Übergang in die nächste Inkarnation zu geben. Natürlich geschieht das Geben des Antriebes, des Impulses in der verschiedenartigsten Weise. Das, was ich geschildert habe, war so ein besonderer Fall.
[ 35 ] To be able to judge correctly you would therefore have to know a further layer of facts. In many instances you would even have to know several more layers, otherwise you could be correct with regard to the layer you can see and yet make a wrong judgment. That is the external aspect. But the matter has more behind it. The fellow also had to find a way of getting from this incarnation to the next one. And here we have an example of how wise world guidance puts into the soul the forces it needs to lead it from one incarnation to the next. The man was in such inner conflict that it had destroyed his existence. He was in a terrible position. A situation had been created in which there were no forces left to carry him over to his next incarnation. Also, a situation had been created in which forces of that nature could not be brought to his conscious mind. So his consciousness had to be extinguished for a moment. During short breaks in consciousness all kinds of other spirituality can enter the human soul. And in that moment he received forces capable of restoring his impulse to go forward into the next incarnation. Of course an impulse like this can be given in many different ways. What I have described here was one particular case.
[ 36 ] Diese Antriebe sind immer da. Aber ich wollte Ihnen damit nur zeigen, wie des Menschen bewußtes Leben an einen unbewußten Verlauf geknüpft ist, und wie es wirklich im bewußten Verlaufe Punkte gibt, wo das Bewußtsein zerpreßt wird, damit aus dem Unbewußten etwas hereinkommen kann. Diese unbewußten Augenblicke brauchen manchmal nicht lang zu sein, es können kurze, ohnmachtähnliche Zustände sein. Dennoch kann ungeheuer vieles in solchen Momenten an spirituell-vitalen Kräften in die menschliche Natur hineinstrahlen, sowohl an guten, als auch an bösen Kräften, die zu dem oder jenem fähig sind.
[ 36 ] These impulses are always there. But I just wanted to show you that man's conscious life is linked with an ongoing process in the unconscious, and that in man's conscious life there are really points where the consciousness is suppressed so that something can enter out of the unconscious. Sometimes these unconscious moments need not be long; they can be short spells similar to fainting. Yet a tremendous amount of spiritual life forces can stream into the human being at such moments, both good and bad, and capable of good and evil.
[ 37 ] Dieses letztere Beispiel und dasjenige, was ich darin ausführen will, führte ich an aus dem Grunde, um zu zeigen, wie in der Weltbetrachtung die Menschheit versuchen muß, Zusammenhänge zu beachten, die für eine materialistische Welterfassung bedeutungslos sind.
[ 37 ] What I want to show you with this example is that, in observing the world, mankind must try to notice links of this kind, which are of no significance to a materialistic outlook.
[ 38 ] Man wird dahin kommen, die Lebenszusammenhänge allmählich so zu durchschauen, daß man die Augenblicke erkennt, in denen das Spirituelle an jeden Menschen herantritt. Man wird in Zukunft die Welt nicht mehr so eindeutig darstellen, wie man es jetzt macht, indem man sie aus den materiellen Ursachen erklärt, sondern man wird sie in Zukunft so darstellen, daß man das Materielle an den richtigen Ort stellen wird, gleichzeitig aber auch erkennen wird, daß noch mehr da ist als die bloße materielle Erscheinung, und daß durch die materielle Erscheinung durchblickt das Spirituelle.
[ 38 ] You will gradually reach the point of becoming so perceptive for living links that you will recognise the moments in which the spirit comes near to each human being. In the future the world will no longer be explained so unequivocably as it is now, on the basis of material causes, but matter will be relegated to its right place, and at the same time people will realise that the material phenomenon is not the only thing, for spirit shines through
it.
[ 39 ] Haben wir in den Farben und Tönen Fenster gesehen, durch die wir hindurchsteigen, geistig, in die spirituelle Welt hinein, so bringt uns das Leben wiederum Fenster, durch welche die geistige Welt in unsere physische Welt hineintritt. Die Ohnmacht des Advokaten war ein solches Fenster. Deuten wir richtig dieses Ereignis, so müssen wir sagen: Es strömt durch dieses Fenster spirituelles Leben zu uns herein. Wir sehen, hier spielen Kräfte in uns hinein, die wir nicht bloß sinnlich deuten können. Es gibt also Fenster in den Tönen, durch die wir aus der physisch-sinnlichen Welt in die spirituelle Welt hineinsteigen. Und es gibt wieder Fenster, durch die, wenn wir stehenbleiben in der physisch-sinnlichen Welt, das Spirituelle zu uns hineinsteigt.
[ 39 ] We have seen that colours and sound are windows through which we can ascend spiritually into the spirit world, and life also brings to us windows through which the spiritual world enters our physical world. The advocate's fainting fit was this kind of window. If we interpret this phenomenon correctly we have to say that spiritual life streams down to us through this window. It is clear to us that these forces flowing into us cannot be explained on a purely material level. So there are windows in the tones through which we ascend from the physical-material world into the spiritual world; and there are also windows through which, if we remain in the physical-material world, the spirit can descend to us.
[ 40 ] Merken wir das nicht, daß das Spirituelle durch solche Fenster zu uns hineinsteigt, ja, dann ist es so, wie wenn ein Mensch, der nicht lesen kann, ein schönes Buch aufschlägt. Er hat dasselbe vor sich wie einer, der lesen kann, aber wer nicht lesen kann, der sieht da ein Kricksel-Kracksel auf dem weißen Papier, das er nicht deuten kann, er kann es höchstens beschreiben. Nur derjenige, welcher lesen kann, ist in der Lage, in diesem Buche vielleicht ein Schicksal oder eine Weisheit zu verfolgen, die hineingelegt worden sind in diese sonderbaren Zeichen. Derjenige, der die Welterscheinungen nicht lesen kann, steht eben wie ein Analphabet des Kosmos vor den Erscheinungen. Der aber, der lesen kann, liest den Verlauf der geistigen Welt aus diesen Dingen. Das für die jetzige materialistische Zeit Charakteristische ist, daß die Menschen durch den Materialismus dem Kosmos gegenüber Analphabeten sind, und zwar nahezu hundertprozentige. In einer Zeit, wo man so stolz darauf ist, daß man die Prozente der Analphabeten in den Kulturländern so sehr vermindert hat, steuert man mit Begeisterung dem Analphabetismus in kosmischer Beziehung entgegen.
[ 40 ] If we do not perceive the fact that spirit descends to us through such windows, it is like someone opening a beautiful book who cannot read. He has the same thing in front of him as someone who can read, but if he cannot read he sees unintelligible scribble on the white pages which, at the most, he can just describe. Only a person who can read is capable of following a biography, perhaps, or a piece of information that has been laid down in these strange signs. A person who cannot read world phenomena is like a cosmic illiterate where these phenomena are concerned. A person who can read, however, reads the ongoing process of the spiritual world in them. It is characteristic of the present materialistic age that materialism has made people illiterate with regard to the cosmos, almost a hundred per cent so. At a time when people are so proud of having reduced the percentage of illiteracy in civilised countries to such a great extent, they are enthusiastically heading towards illiteracy where the cosmos is concerned.
[ 41 ] Diesen kosmischen Analphabetismus aufzuheben, ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft. Jetzt gibt es wenige Menschen, die Analphabeten sind im gewöhnlichen Sinne. Die Menschen waren in den Zeiten des alten Hellsehens viel weniger Analphabeten des Geistes. Aber das soll uns alles nicht stolz machen. Wahr ist es, wenn wir unsere Aufgabe in der geisteswissenschaftlichen Strömung ahnen, daß wir aus Analphabeten Lesende des Kosmos werden sollen. Aber wir sollen die Demut dabei nicht verlieren, denn so wie die Zeit heute ist, sind wir noch sehr stark in der Notwendigkeit der Elementarschule. Wir kommen kaum schon zu einem wirklichen Lesen, sondern nur zu einer Art von Buchstabieren. Aber wir können doch ergriffen sein von dem Umwandlungsimpuls, der dadurch für die Menschheitsentwickelung hereinbricht. Und wenn wir davon ergriffen werden, dann stellen wir uns in der richtigen Weise zu dem, was sozusagen die Zeichen der Zeit von uns fordern, stellen uns als richtige Glieder der geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsströmung in diese hinein.
[ 41 ] It is the task of spiritual science to eliminate this cosmic illiteracy. Few people nowadays are illiterate in the ordinary sense. In the time of ancient clairvoyance human beings were far less illiterate in the spirit. But this must not make us conceited. It is a fact that when we acquire an inkling of our task in the spiritual-scientific stream, we ought to change from being illiterate to becoming people who can read the cosmos. Yet we should remain humble, for the times are such that we are still very much in need of the elementary level of education. We can hardly read yet, but only spell out the letters. Yet we can be gripped by the impulse to change, an impulse which is breaking in upon mankind through these things. And if we are gripped by them we shall have the right attitude to what the signs of the times are demanding of us, and we shall enter into them as people who rightly belong to the spiritual-scientific world conceptual stream.
