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Art in the Light of Mystery Wisdom
GA 275

1 January 1915, Dornach

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Fünfter Vortrag

Fifth Lecture

[ 1 ] Ein jegliches Ding, eine jegliche Tatsache der Welt und auch ein. jegliches Verhalten des Menschen, sie haben alle zwei Seiten, sie bilden gleichsam zwei polarische Gegensätze.

[ 1 ] Every single thing, every single fact in the world, and every single human behavior—they all have two sides; they form, as it were, two polar opposites.

[ 2 ] Gestern hatte ich Sie aufmerksam darauf zu machen, wie aus dem empfindenden Verständnis unserer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung in die Menschenseele hineinkommen sollen Ehrfurcht und Hingebung gegenüber den geistigen Welten. Die andere Seite zu diesem ehrfürchtig-hingebungsvollen Verhalten ist das energische Arbeiten an der eigenen Innerlichkeit, das energische In-die-HandNehmen der Evolutionsfaktoren der eigenen Seele, das Daraufschauen, daß wir unsere Erlebnisse, die wir durchmachen innerhalb unserer Erfahrungen, immer dazu verwenden, etwas an ihnen zu lernen, ein wenig vorwärtszukommen in bezug auf die Kräfte unseres Inneren, damit wir - was uns auch im Leben begegnen, was auch um uns herum vorgehen mag, ob es uns leicht oder schwer verständlich ist — immer der Gefahr entgehen, uns selber zu verlieren. Daß wir immer die Möglichkeit haben, uns zu erhalten, daß wir aus uns selber die Kraft gewinnen können, Verständnis zu entwickeln für dasjenige, was uns oftmals in dem, was als Äußeres an uns herantritt, unverständlich erscheinen kann, daß wir die Ehrfurcht vor Dingen, wie sie gestern erwähnt worden sind, so stark auf die eigene Evolution der Seele wirken lassen mögen, daß diese Seele ein richtiges Verständnis gegenüber dem Weltendasein gewinnen könne: das, meine lieben Freunde, möchte ich Ihnen heute am Beginn des Jahres als den Neujahrsgruß sagen. Ich möchte folgen lassen der Erinnerung an die Ehrfurcht die Erinnerung an das energische Arbeiten an unserem Inneren. Ein Symbolum für diese Folge der Erinnerung ist es, daß uns in dieser Neujahrsnacht der volle Mond aus dem Weltenall hereinscheint. Wäre es umgekehrt gewesen, würden wir den Jahresbeginn mit dem Neumonde haben, so würde ich recht getan haben, die Erinnerungen in der umgekehrten Reihenfolge an Ihre Herzen heranzubringen. Dann hätte ich gestern das Jahr geschlossen mit der Erinnerung an die Kraft der inneren Evolution und hätte heute folgen zu lassen gehabt die Erinnerung an die Ehrfurcht.

[ 2 ] Yesterday I sought to draw your attention to how, through the empathetic understanding of our Spiritual Science worldview, reverence and devotion toward the spiritual worlds should find their way into the human soul. The other side of this attitude of reverence and devotion is the energetic work on one’s own inner life, the energetic taking in hand of the evolutionary factors of one’s own soul, and ensuring that we always use the experiences we go through to learn from them, to make a little progress in regard to our inner forces, so that—no matter what we encounter in life, no matter what may be happening around us, whether it is easy or difficult for us to understand—we always avoid the danger of losing ourselves. That we may always have the ability to sustain ourselves, that we may draw from within ourselves the strength to develop an understanding of that which often seems incomprehensible to us in what approaches us from the outside, that we may allow the reverence for things, as mentioned yesterday, to have such a powerful effect on our own soul’s evolution that this soul may gain a true understanding of existence in the world: that, my dear friends, is what I would like to say to you today at the beginning of the year as my New Year’s greeting. I would like to follow the remembrance of reverence with the remembrance of energetic work on our inner selves. A symbol of this sequence of remembrance is that on this New Year’s Eve, the full moon shines upon us from the cosmos. Had it been the other way around—had the year begun with the new moon—I would have been right to present these reflections to your hearts in the reverse order. Then I would have closed out the year yesterday with a reflection on the power of inner evolution and would have followed that today with a reflection on reverence.

[ 3 ] Daß ein solches Symbolum, wie es uns erglänzt aus dem Makrokosmos, wirklich beachtet wird, das ist dasjenige, was wiederum immer mehr und mehr als etwas Wichtiges angesehen werden soll. Und wenn wir ruhige Augenblicke in diesem Jahr haben, dann lassen wir diesen Wink auf uns wirken, lassen ihn so wirken, daß es in diesem Jahr von besonderer Bedeutung sein kann, sich zuerst einmal zu überlegen, was die Kraft der Ehrfurcht aus uns machen kann, und dann sich zu überlegen, was die Kraft der inneren Erhaltung, Bewahrung der inneren Seelenenergie aus uns machen soll.

[ 3 ] That such a symbol, as it shines forth to us from the macrocosm, is truly heeded—that is what, in turn, should be regarded more and more as something important. And when we have moments of quiet this year, let us allow this hint to take effect upon us—let it take effect in such a way that it may be of particular significance this year to first consider what the power of reverence can do for us, and then to consider what the power of inner preservation—the preservation of our inner soul energy—should do for us.

[ 4 ] Aus der Sternenschrift ist uns diese Reihenfolge für dieses Jahr geboten, und die Welt wird wiederum einsehen nach und nach, daß das Lesen in der Sternenschrift für den Menschen doch eineBedeutung hat. So suchen wir auch in diesen Einzelheiten zu beachten das große Gesetz des menschlichen Daseins, Einklang zu erstreben zwischen dem Makrokosmos und dem Mikrokosmos. Der Makrokosmos drückt sich ja in der Mondphase in diesen Tagen für uns auf die elementarste Weise aus, und den Einklang mit diesem Makrokosmos in unserem Mikrokosmos finden wir, wenn wir uns demgemäß verhalten in dem Ablaufe dieses Jahres, das unter so schmerzlichen Tatsachen geboren worden ist.

[ 4 ] The stars have revealed this sequence to us for this year, and the world will once again come to realize, little by little, that reading the stars does indeed hold significance for humankind. Thus, even in these details, we seek to observe the great law of human existence: to strive for harmony between the macrocosm and the microcosm. After all, the macrocosm expresses itself to us in the most elementary way through the phases of the moon these days, and we find harmony with this macrocosm within our microcosm when we conduct ourselves accordingly throughout the course of this year, which was born amid such painful circumstances.

[ 5 ] Wenn Sie das beachten, was wie ein Grundton durch die Auseinandersetzungen der letzten Tage hindurchgegangen ist, so wird es Ihnen das sein, daß wir in bezug auf die gerade uns wichtigen Tatsachen, die uns wichtig geworden sind durch die geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, in einer Zeit des Umschwungs, gewissermaßen in einer Zeit der Hoffnung leben, in einer Zeit, wo uns Ahnungen aufgehen sollen, wie es im weiteren Verlaufe der menschlichen Kulturentwickelung auf der Erde werden soll, wie ein Umschwung stattfinden soll von einer rein materialistischen zu einer spirituellen Weltauffassung. Das aber, was hiermit angedeutet worden ist, kann nicht in einem vollen Umfange wirklich eintreten, wenn es nicht alle Gebiete des Lebens ergreift und vor allen Dingen die geistigen Gebiete des Lebens in hohem Maße erfaßt.

[ 5 ] If you consider what has run like a common thread through the discussions of the past few days, you will find that, with regard to the facts that are particularly important to us—facts that have become important to us through reflections on Spiritual Science—we are living, in a sense, in a time of upheaval, in a sense, a time of hope—a time when we are to gain insights into what the future course of human cultural development on Earth will hold, and how a shift will take place from a purely materialistic to a spiritual worldview. However, what has been hinted at here cannot truly come to pass to its full extent unless it encompasses all areas of life and, above all, permeates the spiritual realms of life to a high degree.

[ 6 ] Schon haben wir erkennen können aus mancherlei Andeutungen, wie das wirkliche gefühlsmäßige, nicht bloß verstandesmäßige Erfassen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung auch einen Umschwung im künstlerischen Schaffen und im künstlerischen Genießen zur Folge haben muß, daß gleichsam einfließen können die Kräfte, die uns kommen aus der geisteswissenschaftlichen Anschauung für das künstlerische Erfassen der Welt. Haben wir ja gerade versucht, mit unserem Bau eine Art Impuls anzudeuten für wenigstens einen kleinen Teil desjenigen, was aus geisteswissenschaftlichen Impulsen hineinfließen kann in das künstlerische Gestalten, in das, was wir künstlerisch vor uns haben können.

[ 6 ] We have already been able to discern from various indications how the genuine, emotional—and not merely intellectual—grasp of the worldview of Spiritual Science must also bring about a transformation in artistic creation and in the appreciation of art, so that the forces arising from the perspective of Spiritual Science can, as it were, flow into our artistic perception of the world. Indeed, with our building, we have just attempted to suggest a kind of impulse for at least a small part of what can flow from impulses of Spiritual Science into artistic creation—into what we can experience artistically.

[ 7 ] Eine Zeit können wir vor uns sehen, wenn wir voll untertauchen in die Empfindungen und Gefühle, die uns hervorgehen können aus der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, eine Zeit, wo der Weg zum Künstlertum in vieler Beziehung ein anderer werden wird, als er in der abgelaufenen Zeit war, wo er ein viel lebensvollerer sein wird, wo das, was Mittel des künstlerischen Schaffens ist, viel intensiver erlebt werden wird von der Menschenseele, als es in abgelebten Zeiten erlebt worden ist, wo Farbe und Ton viel intimer von der menschlichen Seele durchlebt werden, gewissermaßen von der menschlichen Seele moralisch-spirituell durchlebt werden können, und wo in den Schöpfungen der Künstler uns entgegentreten werden gleichsam die Spuren der Erlebnisse der Künstlerseelen im Kosmos.

[ 7 ] We can envision a time when we fully immerse ourselves in the sensations and feelings that can arise from the worldview of Spiritual Science—a time when the path to artistry will, in many respects, be different from what it was in the past; a time when it will be much more vibrant; a time when the means of artistic creation will be experienced much more intensely by the human soul than it has been in times past, where color and tone will be lived through much more intimately by the human soul—in a sense, experienced morally and spiritually by the human soul—and where, in the artists’ creations, we will encounter, as it were, the traces of the artist’s soul’s experiences in the cosmos.

[ 8 ] Im wesentlichen war das Verhalten des künstlerisch Schaffenden und des künstlerisch Genießenden in der abgelaufenen Epoche eine Art äußeren Anschauens, ein Appellieren an das, was von außen an den Künstler herantreten kann. Das Angewiesensein auf die Natur und auf das Modell für das äußere Anschauen ist immer größer und größer geworden. Nicht soll etwa in einer einseitigen Weise hingewiesen werden auf ein Verlassen der Natur, auf ein Verlassen der äußeren Wirklichkeit in der Kunst der Zukunft. Das sei ferne. Hingewiesen soll werden auf ein noch intensiveres Beisammensein mit der äußeren Welt, auf ein so starkes Zusammensein, daß es sich nicht bloß erstreckt auf den äußeren Eindruck der Farbe, des 'Tones und der Form, sondern auch auf dasjenige, was man hinter dem Tone, hinter der Farbe, hinter den Formen erleben kann, was sich offenbart in Farbe, Ton und Form.

[ 8 ] Essentially, the behavior of both the artist and the art lover in the past era was a form of external observation, an appeal to whatever might approach the artist from the outside. The dependence on nature and on the model for external observation has grown ever greater. This is not to suggest, in a one-sided manner, a departure from nature or a departure from external reality in the art of the future. Far from it. The point is to emphasize an even more intense communion with the external world—a communion so profound that it extends not merely to the external impression of color, “tone,” and form, but also to that which can be experienced behind the tone, behind the color, behind the forms—that which reveals itself in color, tone, and form.

[ 9 ] In dieser Beziehung werden die Menschenseelen bedeutungsvolle Entdeckungen machen in der Zukunft. Sie werden wirklich ihr moralisch-spirituelles Wesen verbinden mit demjenigen, was der Sinnenschein uns bringt. Eine unendliche Vertiefung der Menschenseele kann auf diesem Gebiete vorausgesehen werden. Nehmen wir einmal zunächst als Grundlage eine Einzelheit. Wir nehmen einfach den Fall, daß wir unseren Blick auf eine gleichmäßig in stark zinnobrigem Rot leuchtende Farbenfläche richten, und wir nehmen ferner an, daß wir dazu gelangen, alles übrige, das um uns herum ist, zu vergessen, uns zu konzentrieren ganz auf das Erleben dieser Farbe, so daß wir diese Farbe nicht bloß als etwas vor uns haben, das auf uns wirkt, sondern so, daß wir diese Farbe als etwas haben, worin wir selber sind, daß wir eins werden mit dieser Farbe. Wir werden dann gleichsam die Empfindung haben können: Du bist jetzt in der Welt, du bist selbst in dieser Welt ganz Farbe geworden, das Innerste deines Seelenwesens ist ganz Farbe geworden, wo du auch hinkommen magst in der Welt mit deiner Seele, wirst du als roterfüllte Seele hinkommen, du wirst überall in Rot, mit Rot und aus Rot leben. -— Dies aber wird man bei intensivem Seelenleben nicht erleben können, ohne daß die entsprechende Empfindung übergeht in ein moralisches Erleben, in wirkliches moralisches Erleben.

[ 9 ] In this regard, human souls will make significant discoveries in the future. They will truly unite their moral and spiritual nature with what the play of light brings us. An infinite deepening of the human soul can be foreseen in this area. Let us first take a single detail as our starting point. Let us simply consider the case where we direct our gaze toward a surface of color glowing uniformly in a deep vermilion red, and let us further assume that we manage to forget everything else around us, to concentrate entirely on the experience of this color, so that we do not merely have this color before us as something that acts upon us, but rather so that we have this color as something in which we ourselves are present, that we become one with this color. We will then, as it were, be able to have the sensation: You are now in the world; you yourself have become entirely color in this world; the innermost core of your soul has become entirely color; wherever you may go in the world with your soul, you will arrive as a soul filled with red; you will live everywhere in red, with red, and from red. — But this cannot be experienced in an intense spiritual life without the corresponding feeling merging into a moral experience, into a genuine moral experience.

[ 10 ] Wenn man so gleichsam die Welt durchschwimmt als Rot, identisch geworden ist mit dem Rot, wenn einem also selbst die Seele und auch die Welt ganz rot ist, so wird man nicht umhin können, in dieser rot gewordenen Welt, mit der man selber rot ist, zu empfinden, als wenn diese ganze Welt im Rot zugleich uns durchsetzt mit der Substanz des göttlichen Zornes, der uns von allen Seiten entgegenstrahlt für alles dasjenige, was an Möglichkeiten des Bösen und der Sünde in uns ist. Wir werden uns gleichsam in dem unendlichen roten Raum wie in einem Strafgerichte Gottes empfinden können, und unser moralisches Empfinden wird wie eine moralische Empfindung unserer Seele im ganzen unendlichen Raum sein können. Und wenn dann die Reaktion kommt, wenn irgend etwas auftaucht in unserer Seele, wenn wir uns also im unendlichen Rot erleben, ich könnte auch sagen, im einzigen Rot erleben, so kann es nur so sein, daß man es bezeichnen möchte mit dem Worte: Man lernt beten. Wenn man im Rot erleben kann das. Erstrahlen und Erglühen des göttlichen Zornes mit allem, was an Möglichkeiten des Bösen in der menschlichen Seele liegen kann, und wenn man im Rot erfahren kann, wie man beten lernt, dann ist das Erleben mit dem Rot unendlich vertieft. Dann können wir auch verspüren, wie sich das Rot formend in die Räumlichkeit hineinstellen kann.

[ 10 ] When one, as it were, swims through the world as red, having become one with the red—when, in other words, one’s own soul and the world itself are entirely red— then, in this world that has turned red—with which one is oneself red—one cannot help but feel as if this entire world, in its redness, simultaneously permeates us with the substance of divine wrath, which radiates toward us from all sides for all that exists within us in terms of the potential for evil and sin. We will be able to feel, as it were, as though we were in the infinite red space, as if in a divine court of judgment, and our moral sensibility will be like a moral sensation of our soul throughout the entire infinite space. And when the reaction comes—when something arises in our soul, when we experience ourselves in the infinite red—I might also say, in the sole red—then it can only be that one would like to describe it with the words: “One learns to pray.” When one can experience this in the red— The radiance and blaze of divine wrath, along with all the potential for evil that may lie within the human soul—and if one can experience within the red how to learn to pray—then that experience of the red is infinitely deepened. Then we can also sense how the red can take shape and establish itself within space.

[ 11 ] Wir können es dann begreifen, wie wir erleben können ein Wesen, das von sich Gutes ausstrahlt, das erfüllt ist mit göttlicher Güte und göttlicher Barmherzigkeit, ein Wesen, das wir hineinempfinden wollen in den Raum. Dann werden wir die Notwendigkeit fühlen, dieses Hineinempfinden in den Raum der göttlichen Barmherzigkeit, der göttlichen Güte, zur Form aus der Farbe heraus sich gestalten zu lassen. Wir werden das Bedürfnis empfinden, abwehren zu lassen die Räumlichkeit, so daß die Güte, die Barmherzigkeit ausstrahlt. Bevor sie da war, war es so zusammengezogen, ganz konzentriert im Mittelpunkt, und jetzt stellt sie sich hinein, diese Güte und Barmherzigkeit, in den Raum, und wie Wolken auseinandergetrieben werden, so treibt sie das zurück, treibt es auseinander, so daß es vor der Barmherzigkeit weicht und wir das Gefühl bekommen: das mußt du verlaufend rot machen. Und dann werden wir das Gefühl bekommen: Hier (es wurde gezeichnet) in der Mitte werden wir eine Art Rosaviolett schwach andeuten müssen als hineinstrahlend in das auseinanderstiebende Rot.

[ 11 ] We can then understand how we can experience a being that radiates goodness, that is filled with divine goodness and divine mercy—a being that we wish to bring into the space through our inner feeling. Then we will feel the need to allow this sense of divine mercy and divine goodness to take shape within the space, emerging from color. We will feel the need to let the space open up so that goodness and mercy can radiate forth. Before it was there, everything was so contracted, entirely concentrated at the center; and now this goodness and mercy steps into the space, and just as clouds are driven apart, so it pushes it back, drives it apart, so that it gives way to the mercy, and we get the feeling: you must make this a fading red. And then we’ll get the feeling: Here (it was drawn) in the center, we’ll have to faintly suggest a kind of rose-violet as it radiates into the scattering red.

[ 12 ] Wir werden dann mit unserer ganzen Seele bei einem solchen SichFormen der Farbe dabei sein. Wir werden mit unserer ganzen Seele etwas nachempfinden, was die Wesen empfunden haben, die insbesondere zu unserem Erdenwerden gehören, die, als sie zu dem Elohimdasein aufgestiegen waren, gelernt haben, aus den Farben heraus die Formenwelt zu gestalten. Wir werden lernen, etwas zu empfinden von dem Schöpferischen der Geister der Form, die uns als Geister die Elohim sind, und wir werden dann begreifen, wie die Formen der Farbe Werk sein können, was angedeutet worden ist in unserem ersten Mysterium. Wir werden auch etwas begreifen davon, wie gleichsam die Fläche der Farbe für uns etwas wird, was überwunden werden muß, weil wir mit der Farbe in das Weltenall gehen. Wenn das bei einer starken Wunschentwickelung auftritt, dann kann eine solche Empfindung entstehen, wie diejenige ist, die in Strader lebt in dem Augenblicke, wo er das Ebenbild des Capesius sieht und sagt: «Die Leinwand, ich möchte sie durchstoßen. »

[ 12 ] We will then be fully present, with our whole soul, in such a process of color taking form. With our whole soul, we will empathize with what the beings felt—those who are particularly connected to our becoming human, who, having ascended to the state of the Elohim, learned to shape the world of forms out of colors. We will learn to sense something of the creative power of the Spirits of Form—who, as spirits, are the Elohim to us—and we will then understand how the forms of color can be works of art, as was hinted at in our first mystery. We will also gain some understanding of how, as it were, the surface of color becomes for us something that must be overcome, because we enter the universe with color. When this occurs in conjunction with a strong development of desire, a sensation may arise such as that which lives within Strader at the moment when he sees the likeness of Capesius and says: “The canvas—I would like to pierce right through it.”

[ 13 ] Wenn Sie ein solches Mysterienspiel nehmen, dann werden Sie ja sehen, wie in diesen Mysterienspielen versucht worden ist, wirklich so etwas künstlerisch hinzustellen, wie es sich vor uns hinstellt, wenn unsere Seele versucht, sich aufnehmen zu lassen von den kosmischen Kräften, wenn sie mitfühlt mit den Geistern des Kosmos. Das war wirklich der Anfang aller Kunst. Dann aber mußte die materialistische Zeit kommen und diese mit ihrer göttlichen Nuancierung auftretende alte Kunst, bei der das Geistige als Innerliches durch die Materie sich offenbart, mußte sich verwandeln in die sekundäre, materialistische Afterkunst, die im wesentlichen die Kunst der materialistischen Zeit ist, jene Kunst, welche nicht schaffen, sondern nur nachschaffen kann. Es ist das Zeichen alles Sekundär-Künstlerischen, alles Afterkünstlerischen, daß es nur nachschaffen kann, daß es Vorwürfe braucht zum Nachschaffen, und daß es nicht primär zugleich mit dem Stoffe die Form erzeugt.

[ 13 ] If you take a mystery play like this, you will see how these mystery plays attempted to artistically portray exactly what unfolds before us when our soul tries to allow itself to be embraced by the cosmic forces, when it empathizes with the spirits of the cosmos. That was truly the beginning of all art. But then the materialistic age had to come, and this ancient art—which appeared with its divine nuance, in which the spiritual reveals itself as an inner reality through matter—had to transform into the secondary, materialistic imitation art, which is essentially the art of the materialistic age, that art which cannot create but can only imitate. It is the hallmark of all secondary art, all imitative art, that it can only imitate, that it needs models to imitate, and that it does not generate form primarily at the same time as the material.

[ 14 ] Nehmen wir ein anderes. Nehmen wir an, wir machten dasselbe, was wir hier mit der roten Fläche gemacht haben, mit einer mehr orangefarbenen Fläche. Wir werden da ganz andere Erfahrungen machen mit der orangefarbenen Fläche. Wenn wir uns in sie versenken und eins werden mit derselben, so werden wir nicht jene Empfindungen haben können von einem Entgegensteuern dem göttlichen Zorn, sondern wir werden das Gefühl haben, daß das, was uns da entgegensteuert, höchstens nur noch im schwachen Maße das Seriöse des Zornes hat, daß es aber etwas ist, was sich uns mitteilen will, was uns nicht bloß strafen will, sondern was uns mit innerer Kraft ausrüsten will.

[ 14 ] Let’s take another example. Suppose we did the same thing we did here with the red area, but with an area that is more orange in color. We will have a completely different experience with the orange area. If we immerse ourselves in it and become one with it, we will not be able to have those sensations of countering divine wrath; rather, we will have the feeling that what is countering us there possesses, at most, only a faint trace of the gravity of wrath, but that it is something that wants to communicate with us—something that does not merely want to punish us, but rather wants to endow us with inner strength.

[ 15 ] Indem wir hineingehen in die Welt und eins geworden sind mit der Orangefläche, bewegen wir uns so, daß wir mit jedem Schritt, den wir weiterkommen, fühlen: Durch diese Empfindung im Orange, durch dieses Leben in den Orangekräften werden wir uns so in die Welt hineinkraften, daß wir stärker und stärker werden, daß uns nicht bloß das Strafgericht zerschellt, sondern daß das, was da aus dem Orange an uns herankommt, nicht bloß strafend kommt, sondern ein Stärkendes ist. So leben wir uns mit dem Orange hinein in die Welt. Wir lernen dann die Sehnsucht, das Innere der Dinge zu ergreifen und es mit uns selber zu vereinigen. Wir lernen durch das Leben im Rot beten. Wir lernen durch das Leben im Orange die Erkenntnis, die Sehnsucht nach der Erkenntnis des inneren Wesens der Dinge.

[ 15 ] As we enter the world and become one with the orange expanse, we move in such a way that with every step we take, we feel: Through this sensation in the orange, through this life within the orange forces, we will power our way into the world in such a way that we become stronger and stronger, so that not only does the judgment of punishment shatter us, but what comes toward us from the orange does not merely come as punishment, but as a source of strength. In this way, we live our way into the world through the orange. We then learn the longing to grasp the inner essence of things and to unite it with ourselves. Through life in red, we learn to pray. Through life in orange, we learn the knowledge—the longing for the knowledge—of the inner essence of things.

[ 16 ] Wenn es eine gelbe Fläche ist, und wir machen dasselbe, dann fühlen wir uns in diesem Erleben des Gelben wie, ich möchte sagen, an den Anfang unseres Zeitenzyklus versetzt. Wir fühlen: Jetzt lebst du in den Kräften, aus denen du geschaffen worden bist, als du deine erste Erdeninkarnation antratest. — Das, was man ist durch das ganze Erdendasein hindurch, fühlt man verwandt mit dem, was einem entgegenkommt aus der Welt, in die man selber das mit einem identisch gewordene Gelb trägt.

[ 16 ] If it is a yellow surface, and we do the same, then in this experience of yellow we feel, as it were, transported back to the beginning of our cycle of time. We feel: Now you are living within the forces from which you were created when you began your first earthly incarnation. — What one is throughout one’s entire earthly existence feels connected to what comes toward one from the world, into which one carries the yellow that has become one’s very self.

[ 17 ] Und identifiziert man sich mit Grün und geht mit dem Grün durch die Welt, was man dadurch besonders leicht haben kann, daß man versucht, die Augen über eine grüne Wiese schweifen zu lassen, den Blick über dieselbe auszubreiten, und versucht nun, von allem übrigen abzusehen, sich ganz zu konzentrieren auf die grüne Wiese, unterzutauchen in die grüne Wiese, das Grün als die Oberfläche eines Farbenmeeres zu betrachten und dann unterzutauchen in das Grün: wenn man so versucht zu leben in der Welt, dann erlebt man ein innerliches Kräftigerwerden in dem, was man in der einen Inkarnation ist. Man erlebt ein innerliches Gesundwerden, aber zu gleicher Zeit auch ein innerliches Egoistischerwerden, ein Angeregtsein der egoistischen Kräfte im eigenen Inneren.

[ 17 ] And if one identifies with green and goes through the world with green—which can be achieved particularly easily by trying to let one’s eyes wander over a green meadow, to let one’s gaze sweep across it, and then try to disregard everything else, to concentrate entirely on the green meadow, to immerse oneself in the green meadow, to regard the green as the surface of a sea of color, and then to dive beneath the green: if one tries to live in the world in this way, one experiences an inner strengthening of what one is in this particular incarnation. One experiences an inner healing, but at the same time also an inner growth in egotism, a stirring of the egotistical forces within oneself.

[ 18 ] Würde man dasselbe mit einer blauen Fläche machen, so würde man durch die Welt gehen, indem man das Bedürfnis empfindet, mit dem Blau immer weiter und weiter fortzuschreiten, den Egoismus in sich zu überwinden, gleichsam makrokosmisch zu werden, Hingabe zu entwickeln. Und man würde sich beglückt finden, wenn man in dieser Vorstellung bleiben könnte durch das einem Entgegenkommen der göttlichen Barmherzigkeit. Wie begnadet von göttlicher Barmherzigkeit würde man sich fühlen, wenn man also durch die Welt geht.

[ 18 ] If one were to do the same with a blue surface, one would journey through the world feeling the need to move ever farther and farther with the blue, to overcome the selfishness within oneself, to become, as it were, macrocosmic, and to develop devotion. And one would find oneself blessed if one could remain in this mental image through the grace of divine mercy. How blessed by divine mercy one would feel, then, as one journeys through the world.

[ 19 ] So lernt man erkennen die innere Natur des Farbigen. Und wie gesagt, eine Zeit können wir vorausahnen, wo die Vorbereitung, die der Maler als Künstler durchmachen wird, ein solches moralisches Erleben in der Farbe bedeuten wird, wo viel innerlicher, viel intimer, als es jemals in alten Zeiten der Fall gewesen ist, das Erleben sein wird, das vorbereitet zum künstlerischen Schaffen. Denn das sind nur einzelne Andeutungen, die ich hier gebe, die noch weiter ausgebildet werden in der Zukunft. Sie werden mit einem kolossalen Sinn für das künstlerische Schaffen die Seele des Menschen ergreifen und lebendig machen können, während das sich Hereinbewegen der materialistischen Kulturentwickelung in unser modernes Zeitalter hinein die Seele ausgedörrt hat, passiv gemacht hat. Durch innere Kraft müssen die Seelen wiederum angeregt werden, erfaßt werden müssen sie von den inneren Kräften der Dinge. Dieses spezifische Beispiel, das ich gebraucht habe, sind die Farben, die in der Welt fluten.

[ 19 ] This is how one learns to recognize the inner nature of color. And as I said, we can foresee a time when the preparation that the painter, as an artist, will undergo will entail such a moral experience in color—an experience that is far more inner, far more intimate than has ever been the case in times past—an experience that prepares one for artistic creation. For these are only a few hints I am offering here, which will be further developed in the future. With a colossal sense for artistic creation, they will be able to seize the human soul and bring it to life, whereas the encroachment of materialistic cultural development into our modern age has dried up the soul and rendered it passive. Souls must once again be stirred by inner strength; they must be grasped by the inner forces of things. The specific example I have used here is the colors that flood the world.

[ 20 ] In einer ganz ähnlichen Weise wird die Vertiefung und Belebung des menschlichen Seelenlebens durch die Tonwelt eintreten. Das Wesentliche der abgelaufenen Periode in bezug auf diesen Punkt ist ja, daß der Mensch einen Ton als solchen erlebt, und dann das Verhältnis von einem Ton zu einem andern. In der Zukunft wird der Mensch mit seinem Erleben hinter den Ton gehen können. Er wird gleichsam den Ton wie ein Fenster betrachten, durch das er in die geistige Welt hineintritt, und dann wird es nicht von jenem unbestimmten Fühlen abhängen, wie Ton an Ton sich setzt, zu Melodien zum Beispiel, sondern hinter den einzelnen Tönen wird die Seele wiederum moralisch-spirituell erleben durch den Ton hindurch. Wie durch ein Fenster wird die Seele in die spirituelle Welt eindringen. Die Geheimnisse des einzelnen Tones werden sich in diesem Erleben des einzelnen Tones hinter dem Ton enthüllen.

[ 20 ] In a very similar way, the world of sound will bring about a deepening and revitalization of human spiritual life. The essential aspect of the past period in this regard is, after all, that human beings experience a sound as such, and then the relationship between one sound and another. In the future, human beings will be able to go beyond the sound in their experience. They will, as it were, regard the sound as a window through which they enter the spiritual world, and then it will no longer depend on that vague feeling of how one sound follows another—forming melodies, for example—but rather, behind the individual sounds, the soul will once again experience moral and spiritual realities through the sound itself. As through a window, the soul will enter the spiritual world. The mysteries of the individual note will be revealed in this experience of the individual note, beyond the note itself.

[ 21 ] Wir sind noch weit entfernt von diesem Gefühle, daß wir durch jeden Ton wie durch ein Fenster aus der sinnlichen Welt in die spirituelle Welt hineinsteigen können. Aber dies wird kommen. Wir werden den Ton empfinden wie eine Öffnung, welche die Götter gemacht haben aus der jenseits von uns liegenden spirituellen Welt in diese physisch-sinnliche Welt hinein, und wir werden hineinsteigen durch den Ton aus der physisch-sinnlichen Welt in die spirituelle Welt. Wir werden zum Beispiel durch eine Prim, die wir absolut empfinden, nicht etwa in Anlehnung an frühere Töne der Tonskala, erfühlen, wie wir hineinsteigen aus der Sinnenwelt in die spirituelle Welt, und zwar auf eine gefahrvolle Weise. Die Gefahr liegt darinnen, daß uns dieses Hineinsteigen droht ganz gefangenzunehmen, daß uns die Prim wie mit furchtbarer Saugekraft durch das Fenster des Tones holen will, uns ganz verschwinden lassen will in der spirituellen Welt. Wir werden empfinden, wenn wir also die Prim als eine Absolute empfinden, daß wir spirituell noch zu schwach sind in der physischsinnlichen Welt und daß wir aufgesogen werden von der spirituellen Welt, wenn wir durch dieses Fenster gestiegen sind. Das wird die moralische Empfindung sein, die wir haben können beim Aufsteigen in die spirituelle Welt durch die Prim. Aber das charakterisiere ich jetzt nur so einfach, das wird eine ganz differenzierte, unendlich mannigfaltige Einzelheiten in sich enthaltende Empfindung sein, die wir da erleben.

[ 21 ] We are still far from that feeling that through every sound we can step, as through a window, from the sensory world into the spiritual world. But this will come. We will perceive the sound as an opening that the gods have created from the spiritual world beyond us into this physical-sensory world, and we will step through the sound from the physical-sensory world into the spiritual world. For example, through a prime that we perceive absolutely—not by reference to earlier notes on the scale—we will sense how we step from the sensory world into the spiritual world, and in a perilous way at that. The danger lies in the fact that this descent threatens to completely ensnare us, that the prime note seeks to draw us through the window of sound with a terrible suction, seeking to make us vanish entirely into the spiritual world. We will sense, then, when we perceive the Prime as an Absolute, that we are still spiritually too weak in the physical-sensory world and that we will be absorbed by the spiritual world once we have passed through this window. This will be the moral sensation we may experience as we ascend into the spiritual world through the Prime. But I am characterizing it here only in such simple terms; it will be a highly nuanced sensation, containing an infinite variety of details, that we will experience there.

[ 22 ] Wenn wir dann durch die Sekund wie durch ein Fenster hineinsteigen aus der physischen Welt in die spirituelle Welt, werden wir empfinden so, wie wenn es drüben in der geistig-spirituellen Welt Mächte gäbe, die sich gleichsam unserer Schwachheit erbarmen, die sagen: Nun ja, du warst schwach in dieser physisch-sinnlichen Welt! Wenn du nur durch die Prim hineinsteigst in die geistige Welt, so muß ich dich auflösen, muß dich aufsaugen, muß dich zersplittern oder zerschellen. Wenn du aber durch die Sekund hereinsteigst, will ich dir etwas entgegenbringen aus der geistigen Welt und dich erinnern an etwas, was auch drüben ist. - Das Eigentümliche ist, wenn wir durch die Sekund aus der physischen in die spirituelle Welt hineinsteigen, als ob eine Summe von Tönen, eine Anzahl von Tönen uns entgegentönte, die einen in Empfang nehmen. In eine völlig stumme Welt tritt man ein, wenn man durch die absolute Prim eintritt in die spirituelle Welt. In eine Welt, in der, wenn man so hinhört, leise verschieden hohe Töne erklingen, die einen trösten wollen über die Schwachheit, kommt man, wenn man durch die Sekund eindringt. So aber muß man eindringen, wie man natürlich nicht eindringen darf durch ein Fenster in ein physisch-sinnliches Haus, denn da würde einen der Eigentümer sonderbar anschauen, wenn man durch das Fenster einträte und das ganze Fenster mitnähme. In der geistigen Welt aber muß man das tun, man muß die Fenster mitnehmen, die Töne mitnehmen, und mit ihnen identifiziert ganz drüben leben in der spirituellen Welt, jenseits des Häutchens, das uns von der physisch-sinnlichen Welt trennt.

[ 22 ] When we then ascend through the second sphere—as through a window—from the physical world into the spiritual world, we will feel as if there were powers over there in the spiritual world that take pity on our weakness, as it were, and say: Well, you were weak in this physical, sensory world! If you were to enter the spiritual world through the prime, I would have to dissolve you, absorb you, shatter you, or smash you to pieces. But if you enter through the second, I will offer you something from the spiritual world and remind you of something that also exists over there. - What is peculiar is that when we ascend from the physical into the spiritual world through the second, it is as if a sum of tones, a number of tones, resounded toward us, welcoming us. One enters a completely silent world when one enters the spiritual world through the absolute prime. One enters a world in which, if one listens closely, soft tones of varying pitches resound, seeking to comfort one regarding one’s weakness, when one enters through the second. But one must enter in this way—just as one naturally must not enter through a window into a physical, sensory house, for the owner would look at one strangely if one were to enter through the window and take the entire window with one. In the spiritual world, however, one must do just that; one must take the windows with one, take the sounds with one, and, identified with them, live entirely over there in the spiritual world, beyond the thin veil that separates us from the physical-sensory world.

[ 23 ] Wenn man durch die Terz in die geistige Welt eingeht, so wird man das Gefühl einer starken, einer stärkeren Schwäche noch haben. Wenn man so die spirituelle Welt betritt, wird man fühlen, daß man eigentlich recht schwach war in der physisch-sinnlichen Welt in bezug auf deren spirituellen Inhalt. Aber man wird in bezug auf die Terz man ist ja Ton geworden, man ist jetzt selber Terz geworden fühlen, daß da drüben Freunde sind, die nicht selber Terzen sind, die aber herankommen, je nachdem man in der physisch-sinnlichen Welt beschaffen war. Während es bei dem Eindringen durch die Sekunde wie ein leises Erklingen vieler Töne ist, in denen man so im allgemeinen lebt, wenn man durch sie eindringt, werden einem durch die Terz entgegenkommen gleichsam befreundete Töne. Diejenigen, die Komponisten werden wollen, werden insbesondere durch die Terz eindringen müssen, denn da werden sich ergeben die Tonfolgen, Tonkompositionen, welche anregen werden ihr künstlerisches Schaffen. Nicht immer dieselben Tonfreunde werden einem entgegenkommen, sondern ihre Art wird davon abhängen, wie man in der Stimmung, im Erleben, im Temperamente, kurz in der ganzen Verfassung des Lebens war, wenn man also durch die Terz in das geistige Leben eintritt: eine unendliche Mannigfaltigkeit der Tonwelt wird sich da ergeben.

[ 23 ] When one enters the spiritual world through the third, one will still have the feeling of a strong—indeed, an even stronger—weakness. When one enters the spiritual world in this way, one will feel that one was actually quite weak in the physical-sensory world with regard to its spiritual content. But with regard to the third—for one has become a tone, one has now become a third oneself—one will feel that there are friends over there who are not themselves thirds, but who draw near depending on one’s nature in the physical-sensory world. Whereas entering through the second is like the soft ringing of many tones—in which one generally lives—when one passes through them, friendly tones, as it were, will come to meet one through the third. Those who wish to become composers will have to enter specifically through the third, for there will arise the tone sequences and tone compositions that will inspire their artistic creation. It is not always the same “tone friends” that will come to meet you; rather, their nature will depend on your state of mind, your experience, your temperament—in short, your entire state of being—at the moment you enter spiritual life through the third: an infinite variety of the world of sound will unfold there.

[ 24 ] Dringt man durch die Quart in die geistige Welt ein, dann wird man eine merkwürdige Erfahrung machen: die Erfahrung, daß jetzt allerdings von keiner Seite andere Töne auftauchen, daß aber dasjenige, was schon aufgetaucht ist, was man durch die Erfahrungen mit der Terz durchgemacht hat, in leicht kommenden Erinnerungen in der Seele lebt. Und man wird finden, indem man so weiterlebt mit seinen Tonerinnerungen, wenn man eingedrungen ist durch die Quart in die spirituelle Welt, daß diese 'Tonerinnerungen immer andere Färbungen annehmen, daß sie bald sich entwickeln zu hellster Helligkeit und Heiterkeit, bald sich herabstimmen zur äußersten Traurigkeit, bald sonnig hell, bald traurig untertauchend bis zur Grabesruhe. Das Temperieren der Stimme, das Hinauf- und Hinuntergehen des Tones, kurz, der Verlauf in der Stimmung eines Tonwerkes wird sich ergeben durch diesen Weg, durch diese Tonerinnerungen.

[ 24 ] When one enters the spiritual world through the fourth, one will have a remarkable experience: the experience that, while no new tones emerge from any direction, what has already emerged—what one has gone through in the experiences with the third—lives on in the soul as easily evoked memories. And one will find, as one continues to live with these tone memories after having entered the spiritual world through the fourth, that these “tone memories” constantly take on different hues—sometimes developing into the brightest radiance and cheerfulness, sometimes sinking into the deepest sadness, sometimes sunny and bright, sometimes plunging into sorrow until they reach the stillness of the grave. The modulation of the voice, the rising and falling of the tone—in short, the progression of the mood in a musical work—will emerge through this path, through these musical memories.

[ 25 ] Die Quint wird mehr subjektive Erfahrungen und Erlebnisse ergeben, sie wird anregend, bereichernd auf das seelische Erleben wirken. Sie wird gleichsam wie ein Zauberstab wirken, der die Geheimnisse der Tonwelt drüben aus unergründlichen Tiefen hervorzaubett.

[ 25 ] The fifth will yield more subjective experiences and sensations; it will have a stimulating and enriching effect on the emotional experience. It will act, as it were, like a magic wand that conjures up the secrets of the world of sound from unfathomable depths.

[ 26 ] Solche Erlebnisse wird man haben, wenn man mit den Dingen, mit den Erscheinungen der Welt nicht bloß so verkehrt, daß man sie anschaut, anhört, sondern so, daß man sie innerlich erlebt. Durch diese Art des Erlebens, namentlich an Farben und Tönen, aber auch an den Formen, kurz, an dem Künstlerischen muß der Weg gefunden werden, den die Menschheit gehen muß, um überhaupt aus dem bloß äußerlichen Sich-Verhalten zu den Dingen und ihrem Verlaufe — was das Kennzeichen eines materialistischen Zeitalters ist -— herauszukommen und in die innerlichen Tiefen der Dinge, in ihre Geheimnisse zu dringen.

[ 26 ] One will have such experiences when one engages with things—with the phenomena of the world—not merely by looking at them or listening to them, but by experiencing them inwardly. Through this kind of experience—particularly with colors and sounds, but also with forms; in short, with the artistic—we must find the path that humanity must take in order to break free from a merely external relationship to things and their course—which is the hallmark of a materialistic age—and to penetrate into the inner depths of things, into their mysteries.

[ 27 ] Dann wird über den Menschen kommen ein Bewußtsein, ein ungeheuer bedeutungsvolles Bewußtsein von seinem Zusammenhang mit den für das materialistische Bewußtsein unterbewußten göttlich-geistigen Kräften, die ihn führen und leiten durch die Welt. Und dann wird vor allen Dingen so etwas auftreten wie ein innerliches Erleben jener Kräfte, die zum Beispiel den Menschen hinüberleiten von einer Inkarnation zur andern.

[ 27 ] Then a consciousness will dawn upon human beings—an immensely significant awareness of their connection to the divine-spiritual forces, which are subconscious to materialistic consciousness, yet which guide and lead them through the world. And then, above all, something like an inner experience of those forces will arise—forces that, for example, guide human beings from one incarnation to the next.

[ 28 ] Wenn wir eine Lokomotive nicht heizen, so kann sie nicht einen Eisenbahnzug vorwärtsziehen. Die Kräfte müssen fortwährend angeregt werden, die das Geschehen in der Welt herbeiführen. So müssen auch die Kräfte angeregt werden, welche den Menschen vorwärtstreiben. Und es geschieht das auch. Aber lernen muß der Mensch, sich in Verbindung zu wissen mit diesen Kräften.

[ 28 ] If we do not stoke a locomotive, it cannot pull a train forward. The forces that bring about events in the world must be continually stimulated. Likewise, the forces that drive human beings forward must also be stimulated. And this does happen. But human beings must learn to recognize their connection to these forces.

[ 29 ] Ich konnte einmal folgende bemerkenswerte Erfahrung machen. Es war ein Rechtsgelehrter, ein Advokat, der ganz berühmt war, an dem Orte, wo ich eine Zeitlang lebte, ein außerordentlich berühmter Advokat, dem die Leute förmlich zugelaufen sind und von dem sie die Meinung hatten, daß er die schwierigsten Prozesse gewinnen müsse. Es war das auch in vielen Fällen geschehen. Seine advokatorische Dialektik war eine außerordentlich große, und die Leute, die ihn kannten, hatten die größte Verehrung für diese advokatorische Dialektik. Da wurde ihm einmal ein schwieriger Prozeß eines reichen Mannes übergeben. Es hing das Verhängtwerden einer großen Strafe von dem Ausgang des Prozesses für diesen reichen Mann im Verurteilungsfalle ab. Der Advokat bot die alleräußerste Dialektik, die wunderbarste Advokatengeschicklichkeit auf. Er hielt eine lange Rede, und das Auditorium hatte durchaus den Eindruck, wenn die Geschworenen — es handelte sich um ein Geschworenengeticht — jetzt den Angeklagten nicht freisprechen, dann weiß man eigentlich gar nicht mehr, was advokatorische Kunst noch entwickeln könnte. Alle diejenigen, welche das gehört hatten, was an ungeheuerlicher Geschicklichkeit von dem Advokaten geleistet worden war, hatten durchaus den Eindruck, die Geschworenen würden sich jetzt zurückziehen und den Angeklagten freisprechen.

[ 29 ] I once had the following remarkable experience. There was a legal scholar, a lawyer, who was quite famous in the place where I lived for a time—an extraordinarily famous lawyer whom people literally flocked to and whom they believed was bound to win even the most difficult cases. This had indeed been the case in many instances. His legal rhetoric was extraordinary, and the people who knew him held it in the highest regard. Then, one day, he was entrusted with a difficult case involving a wealthy man. If convicted, the outcome of the trial would determine whether this wealthy man would face a severe penalty. The attorney displayed the utmost skill in argumentation and the most marvelous legal dexterity. He delivered a long speech, and the audience was left with the distinct impression that if the jurors—it was a jury trial—did not now acquit the defendant, then one would truly be at a loss to imagine what further feats of legal artistry could possibly be achieved. All those who had heard the tremendous skill displayed by the defense attorney were under the distinct impression that the jury would now retire and acquit the defendant.

[ 30 ] Nun war aber bei dem Gerichte nicht nur ein geschickter Rechtsanwalt, sondern auch ein geschickter Vorsitzender des Gerichtshofes, und obgleich die Stunde noch nicht so weit vorgerückt war, daß das Urteil nicht mehr hätte gefällt werden können, so sagte der Vorsitzende doch: Wir wollen heute die Sitzung abbrechen und sie morgen fortsetzen. - Am nächsten Tag, vormittags, sollte also die Sitzung der Geschworenen sein und dadurch hatten die Geschworenen über Nacht Zeit, die Sache noch einmal durchzudenken. Der nächste Tag kam. Dieses «Verschleppen über Nacht», wie er es nannte, war dem Advokaten schon recht unangenehm gewesen. Die Sitzung begann, die Geschworenen zogen sich zurück, alles wartete in größter Spannung auf ihr Wiedererscheinen, in allergrößter Spannung aber war der betreffende Advokat. Nach einer Viertelstunde schon kamen die Geschworenen zurück, und als der Advokat die Geschworenen nach so kurzer Zeit aus dem Beratungszimmer zurückkehren hörte, fiel er in Ohnmacht. Ja, er fiel in Ohnmacht. Er erholte sich wieder, wurde gestützt von einem seiner Freunde. Der Angeklagte war wirklich verurteilt worden. Aber das erfuhr der Advokat erst, nachdem er sich von der Ohnmacht wieder erholt hatte.

[ 30 ] However, the court had not only a skilled attorney but also a skilled presiding judge, and although it was not yet so late that a verdict could not have been rendered, the presiding judge nevertheless said: “Let us adjourn the session today and resume it tomorrow.” - The jury was scheduled to meet the next morning, which meant the jurors had the night to think the matter over once more. The next day arrived. This “delaying until the next day,” as he called it, had already been quite unpleasant for the attorney. The session began; the jurors retired to deliberate, and everyone waited with bated breath for their return—but the lawyer in question was the most anxious of all. After just a quarter of an hour, the jurors returned, and when the lawyer heard them coming back from the deliberation room after such a short time, he fainted. Yes, he fainted. He regained consciousness, supported by one of his friends. The defendant had indeed been convicted. But the lawyer did not learn this until after he had recovered from his fainting spell.

[ 31 ] Was konnte man nun sagen, wenn man den Verlauf der Tatsachen äußerlich betrachtete, nach dem, was sich der menschlichen Anschauung darbot? Man konnte sagen: Der Advokat ist ein sehr ehrgeiziger Mann, denn ihm lag so viel an dem Gewinnen dieses Prozesses, daß er vor der Urteilsverkündung das Bewußtsein verlor. Als er sah, daß die Geschworenen nur so lange sich beraten hatten, war es für ihn sicher, daß der Angeklagte verurteilt würde, denn hätten sie ihn freigesprochen, so würden sie natürlich viel längere Zeit gebraucht haben.

[ 31 ] What could one say, then, if one looked at the sequence of events from the outside, based on what was apparent to the human eye? One could say: The lawyer is a very ambitious man, for he was so determined to win this case that he lost consciousness before the verdict was announced. When he saw how briefly the jury had deliberated, he was certain that the defendant would be convicted, for if they had acquitted him, they would naturally have needed much more time.

[ 32 ] So war aber die Sache nicht, so hätte sie sich nur für die äußere Anschauung darstellen können. Es lag gleichsam eine andere Schicht von Ereignissen hinter dem, was ich jetzt erzählt habe. Diese andere Schicht oder Geschichte ist diese: Der betreffende Advokat war erfaßt worden - ich kannte ihn ja gut - in einer Zeit, die vor diesem Prozesse lag, von dem, was man nennen kann den Spielteufel. Er nahm die Gelder, die ihm als Depot anvertraut waren, und spielte damit an der Börse. Es war eine reine Leidenschaft für ihn, und er war kurz vor dem Beginne dieses Prozesses so weit, daß er große Geldbeträge, die ihm anvertraut gewesen, verspielt hatte. Versprochen aber war ihm, daß er, wenn er den Prozeß gewinnt, so viel bekommen würde, daß er ungefähr die Differenz ausgleichen konnte.

[ 32 ] But that was not how things were; that is only how they might have appeared to an outside observer. There was, as it were, another layer of events underlying what I have just recounted. This other layer, or story, is as follows: The lawyer in question—whom I knew well—had been gripped, prior to this trial, by what one might call a gambling addiction. He took the funds entrusted to him as a deposit and gambled them away on the stock market. It was a pure passion for him, and shortly before the start of this trial, he had reached the point where he had gambled away large sums of money that had been entrusted to him. However, he had been promised that if he won the trial, he would receive enough to roughly make up the difference.

[ 33 ] Er fiel also nicht in Ohnmacht aus bloß gekränktem Ehrgeiz, sondern er fiel in Ohnmacht, als nach einer Viertelstunde die Geschwotrenen mit einem Schuldurteil herauskamen, weil tatsächlich seine Existenz vernichtet war. Denn nun konnte er niemals mehr daran denken, dasjenige, was er an Depotgeldern verspielt hatte, wieder zu ersetzen. Seine ganze Existenz hing also an dem Ausgange dieses Prozesses. Er fiel in Ohnmacht als symbolische Andeutung dafür, daß er jetzt für diese Inkarnation überhaupt vernichtet war. Er mußte dann nach Amerika fliehen und hat ein nicht sehr beneidenswertes Dasein für den Rest seiner Inkarnation in Amerika durchzumachen gehabt.

[ 33 ] So he did not faint merely out of wounded pride, but he fainted when, after a quarter of an hour, the jurors returned with a verdict of guilt, because his livelihood had in fact been destroyed. For now he could never again hope to recoup what he had gambled away from his trust funds. His entire existence thus hung on the outcome of this trial. He fainted as a symbolic indication that he was now utterly ruined for this incarnation. He then had to flee to America and had to endure a less-than-enviable existence there for the remainder of his incarnation.

[ 34 ] Wir sehen an einem solchen Falle das Folgende. Wir sehen, daß sehr häufig im Leben das Urteil fehlgeht, denn es hätte ganz gut Menschen geben können, die niemals etwas erfahren hätten von dem, was hinter dem Prozesse spielte. Wenn diese nur den dialektisch so geschulten Advokaten bei dem Prozesse gehört und gesehen hätten, wie er in Ohnmacht fiel, so hätten sie sehr wohl urteilen können: Es gibt Leute, die so ehrgeizig sind, daß sie bei einer verfehlten Rede das Bewußtsein verlieren. —- Bei diesem Urteil hätte man bleiben können.

[ 34 ] In a case like this, we see the following. We see that judgment is very often mistaken in life, for there could very well have been people who never learned anything about what was going on behind the scenes of the trial. If they had merely listened to the lawyer—who was so well-versed in dialectics—during the trial and seen him faint, they could very well have concluded: There are people who are so ambitious that they lose consciousness when they make a misstep in their speech. —- One could have left it at that conclusion.

[ 35 ] Um hier richtig urteilen zu können, mußte man also noch eine Schicht mehr der Tatsachen wissen. Für viele Dinge muß man sogar viele Schichten mehr wissen, denn sonst kann man Recht haben in bezug auf die eine Schicht, die man übersieht, und dennoch ein. falsches Urteil fällen. Das ist das Äußerliche. Aber die Sache hat noch einen weiteren Hintergrund. Der Mann mußte doch auch einen Weg finden von dieser Inkarnation in die nächste hinein. Und so haben wir hier ein Beispiel, wie die weise Weltenlenkung gleichsam die Kräfte in die Seele hineinversetzt, die notwendig sind, um die Seele von der einen Inkarnation in die nächste hinüberzuleiten. Der Mann war in einen solchen Lebenskonflikt gekommen, daß ihm dieser Lebenskonflikt die Existenzmöglichkeit verzehrt hatte. Es war eine furchtbare Lage geschaffen; es war damit die Lage geschaffen, daß keine Kräfte mehr vorhanden waren, die ihn hinüberbringen konnten in die nächste Inkarnation. Es war aber auch die Lage geschaffen, daß in sein Bewußtsein solche Kräfte nicht gebracht werden konnten. Da mußte denn der Fall eintreten, daß das Bewußtsein kurz ausgelöscht wurde. Und in der Zeit, wo das Bewußtsein in der Menschenseele für kurze Zeit ausgelöscht wird, kann das Mannigfaltigste von äußerer Spiritualität in die Menschenseele hineindringen. In diesem Momente drangen also Kräfte in ihn hinein, die geeignet sind, ihm wiederum den Impuls, den Antrieb für den Übergang in die nächste Inkarnation zu geben. Natürlich geschieht das Geben des Antriebes, des Impulses in der verschiedenartigsten Weise. Das, was ich geschildert habe, war so ein besonderer Fall.

[ 35 ] To be able to judge this correctly, one would have had to know yet another layer of the facts. For many things, one must even know many more layers, because otherwise one might be right regarding the one layer that one overlooks, and yet still reach a wrong conclusion. That is the external aspect. But there is yet another layer to the matter. After all, the man also had to find a path from this incarnation into the next. And so we have here an example of how the wise guidance of the universe, as it were, instills within the soul the forces necessary to guide the soul from one incarnation into the next. The man had become embroiled in such a life conflict that this conflict had consumed his very possibility of existence. A terrible situation had arisen; a situation had thus been created in which there were no longer any forces available that could carry him over into the next incarnation. But a situation had also arisen in which such forces could not be brought into his consciousness. Consequently, his consciousness had to be briefly extinguished. And during the brief period when consciousness is extinguished in the human soul, the most diverse elements of external spirituality can penetrate the human soul. At that moment, therefore, forces entered him that were capable of giving him, once again, the impulse, the drive for the transition to the next incarnation. Of course, the imparting of this drive, this impulse, occurs in the most varied ways. What I have described was one such special case.

[ 36 ] Diese Antriebe sind immer da. Aber ich wollte Ihnen damit nur zeigen, wie des Menschen bewußtes Leben an einen unbewußten Verlauf geknüpft ist, und wie es wirklich im bewußten Verlaufe Punkte gibt, wo das Bewußtsein zerpreßt wird, damit aus dem Unbewußten etwas hereinkommen kann. Diese unbewußten Augenblicke brauchen manchmal nicht lang zu sein, es können kurze, ohnmachtähnliche Zustände sein. Dennoch kann ungeheuer vieles in solchen Momenten an spirituell-vitalen Kräften in die menschliche Natur hineinstrahlen, sowohl an guten, als auch an bösen Kräften, die zu dem oder jenem fähig sind.

[ 36 ] These impulses are always present. But I only wanted to show you how a person’s conscious life is linked to an unconscious process, and how there really are points in the conscious process where consciousness is squeezed aside so that something from the unconscious can come in. These unconscious moments do not always have to be long; they can be brief, fainting-like states. Nevertheless, an immense amount of spiritual and vital forces can radiate into human nature during such moments—both good and evil forces capable of this or that.

[ 37 ] Dieses letztere Beispiel und dasjenige, was ich darin ausführen will, führte ich an aus dem Grunde, um zu zeigen, wie in der Weltbetrachtung die Menschheit versuchen muß, Zusammenhänge zu beachten, die für eine materialistische Welterfassung bedeutungslos sind.

[ 37 ] I cited this latter example—and what I intend to elaborate on in it—in order to show how, in its view of the world, humanity must strive to take into account connections that are meaningless to a materialistic worldview.

[ 38 ] Man wird dahin kommen, die Lebenszusammenhänge allmählich so zu durchschauen, daß man die Augenblicke erkennt, in denen das Spirituelle an jeden Menschen herantritt. Man wird in Zukunft die Welt nicht mehr so eindeutig darstellen, wie man es jetzt macht, indem man sie aus den materiellen Ursachen erklärt, sondern man wird sie in Zukunft so darstellen, daß man das Materielle an den richtigen Ort stellen wird, gleichzeitig aber auch erkennen wird, daß noch mehr da ist als die bloße materielle Erscheinung, und daß durch die materielle Erscheinung durchblickt das Spirituelle.

[ 38 ] We will gradually come to understand the interconnections of life in such a way that we recognize the moments when the spiritual approaches each person. In the future, the world will no longer be portrayed as unambiguously as it is now—by explaining it through material causes—but rather it will be portrayed in such a way that the material will be placed in its proper place, while at the same time recognizing that there is more than mere material appearance, and that the spiritual shines through the material appearance.

[ 39 ] Haben wir in den Farben und Tönen Fenster gesehen, durch die wir hindurchsteigen, geistig, in die spirituelle Welt hinein, so bringt uns das Leben wiederum Fenster, durch welche die geistige Welt in unsere physische Welt hineintritt. Die Ohnmacht des Advokaten war ein solches Fenster. Deuten wir richtig dieses Ereignis, so müssen wir sagen: Es strömt durch dieses Fenster spirituelles Leben zu uns herein. Wir sehen, hier spielen Kräfte in uns hinein, die wir nicht bloß sinnlich deuten können. Es gibt also Fenster in den Tönen, durch die wir aus der physisch-sinnlichen Welt in die spirituelle Welt hineinsteigen. Und es gibt wieder Fenster, durch die, wenn wir stehenbleiben in der physisch-sinnlichen Welt, das Spirituelle zu uns hineinsteigt.

[ 39 ] If we have seen in colors and tones windows through which we pass, spiritually, into the spiritual world, then life in turn brings us windows through which the spiritual world enters our physical world. The lawyer’s fainting spell was such a window. If we interpret this event correctly, we must say: Spiritual life flows in to us through this window. We see that forces are at work within us here that we cannot interpret solely through our senses. There are, therefore, windows in sounds through which we ascend from the physical-sensory world into the spiritual world. And there are, in turn, windows through which—when we remain in the physical-sensory world—the spiritual ascends into us.

[ 40 ] Merken wir das nicht, daß das Spirituelle durch solche Fenster zu uns hineinsteigt, ja, dann ist es so, wie wenn ein Mensch, der nicht lesen kann, ein schönes Buch aufschlägt. Er hat dasselbe vor sich wie einer, der lesen kann, aber wer nicht lesen kann, der sieht da ein Kricksel-Kracksel auf dem weißen Papier, das er nicht deuten kann, er kann es höchstens beschreiben. Nur derjenige, welcher lesen kann, ist in der Lage, in diesem Buche vielleicht ein Schicksal oder eine Weisheit zu verfolgen, die hineingelegt worden sind in diese sonderbaren Zeichen. Derjenige, der die Welterscheinungen nicht lesen kann, steht eben wie ein Analphabet des Kosmos vor den Erscheinungen. Der aber, der lesen kann, liest den Verlauf der geistigen Welt aus diesen Dingen. Das für die jetzige materialistische Zeit Charakteristische ist, daß die Menschen durch den Materialismus dem Kosmos gegenüber Analphabeten sind, und zwar nahezu hundertprozentige. In einer Zeit, wo man so stolz darauf ist, daß man die Prozente der Analphabeten in den Kulturländern so sehr vermindert hat, steuert man mit Begeisterung dem Analphabetismus in kosmischer Beziehung entgegen.

[ 40 ] If we do not realize that the spiritual enters our lives through such windows, then it is as if a person who cannot read were to open a beautiful book. He has the same thing before him as someone who can read, but the person who cannot read sees only scribbles and squiggles on the white paper that he cannot interpret; at most, he can describe them. Only the one who can read is able to trace, perhaps, a destiny or a wisdom in this book that has been embedded in these strange symbols. Those who cannot “read” the phenomena of the world stand before them just as an illiterate person of the cosmos would. But those who can “read” can discern the course of the spiritual world from these things. What is characteristic of the present materialistic age is that, because of materialism, people are illiterate with regard to the cosmos—and this is true of nearly one hundred percent of them. At a time when people are so proud of having reduced illiteracy rates so significantly in developed countries, they are enthusiastically heading toward illiteracy in a cosmic sense.

[ 41 ] Diesen kosmischen Analphabetismus aufzuheben, ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft. Jetzt gibt es wenige Menschen, die Analphabeten sind im gewöhnlichen Sinne. Die Menschen waren in den Zeiten des alten Hellsehens viel weniger Analphabeten des Geistes. Aber das soll uns alles nicht stolz machen. Wahr ist es, wenn wir unsere Aufgabe in der geisteswissenschaftlichen Strömung ahnen, daß wir aus Analphabeten Lesende des Kosmos werden sollen. Aber wir sollen die Demut dabei nicht verlieren, denn so wie die Zeit heute ist, sind wir noch sehr stark in der Notwendigkeit der Elementarschule. Wir kommen kaum schon zu einem wirklichen Lesen, sondern nur zu einer Art von Buchstabieren. Aber wir können doch ergriffen sein von dem Umwandlungsimpuls, der dadurch für die Menschheitsentwickelung hereinbricht. Und wenn wir davon ergriffen werden, dann stellen wir uns in der richtigen Weise zu dem, was sozusagen die Zeichen der Zeit von uns fordern, stellen uns als richtige Glieder der geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsströmung in diese hinein.

[ 41 ] It is the task of Spiritual Science to overcome this cosmic illiteracy. Today, there are few people who are illiterate in the ordinary sense. In the days of ancient clairvoyance, people were far less spiritually illiterate. But none of this should make us proud. It is true that, as we sense our task within the Spiritual Science movement, we are meant to transform ourselves from spiritual illiterates into readers of the cosmos. But we must not lose our humility in the process, for given the state of the times today, we are still very much in need of elementary schooling. We have barely begun to truly read; rather, we are still only at the stage of spelling. Yet we can still be moved by the impulse for transformation that is thereby breaking in for the development of humanity. And when we are moved by this, then we position ourselves correctly in relation to what, so to speak, the signs of the times demand of us; we place ourselves within the Spiritual Science worldview movement as its true members.