General Human Studies
as the Basis of Education
GA 293
21 August 1919, Stuttgart
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General Human Studies as the Basis of Education, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Meine lieben Freunde, wir kommen mit unserer Aufgabe nur zurecht, wenn wir sie nicht bloß betrachten als eine intellektuell-gemütliche, sondern als eine im höchsten Sinne moralisch-geistige; und daher werden Sie es begreiflich finden, daß wir, indem wir heute diese Arbeit beginnen, uns zunächst besinnen auf den Zusammenhang, den wir gerade durch diese unsere Tätigkeit gleich im Anfang herstellen wollen mit den geistigen Welten. Wir müssen uns bewußt sein bei einer solchen Aufgabe, daß wir nicht arbeiten bloß als hier auf dem physischen Plan lebende Menschen; diese Art, sich Aufgaben zu stellen, hat ja gerade in den letzten Jahrhunderten besonders an Ausdehnung gewonnen, hat fast einzig und allein die Menschen erfüllt. Unter dieser Auffassung der Aufgaben ist dasjenige aus Unterricht und Erziehung geworden, was eben gerade verbessert werden soll durch die Aufgabe, die wir uns stellen. Daher wollen wir uns im Beginne dieser unserer vorbereitenden Tätigkeit zunächst darauf besinnen, wie wir im einzelnen die Verbindung mit den geistigen Mächten, in deren Auftrag und deren Mandat jeder einzelne von uns gewissermaßen wird arbeiten müssen, herstellen. Ich bitte Sie daher, diese einleitenden Worte aufzufassen als eine Art Gebet zu denjenigen Mächten, die imaginierend, inspirierend, intuitierend hinter uns stehen sollen, indem wir diese Aufgabe übernehmen.
[ 1 ] My dear friends, we can only succeed in our task if we regard it not merely as an intellectual and leisurely pursuit, but as a moral and spiritual one in the highest sense; and therefore you will understand that, as we begin this work today, we first reflect on the connection with the spiritual worlds that we wish to establish right from the start through this very activity of ours. In undertaking such a task, we must be aware that we are not working merely as human beings living here on the physical plane; this way of approaching tasks has, in fact, gained particular prominence in recent centuries and has almost exclusively occupied people’s minds. Under this conception of our tasks, teaching and education have become precisely what is to be improved through the task we have set for ourselves. Therefore, at the outset of this preparatory work, let us first reflect on how, in concrete terms, we will establish the connection with the spiritual powers on whose behalf and by whose mandate each of us will, in a sense, have to work. I therefore ask you to regard these introductory words as a kind of prayer to those powers that are to stand behind us—guiding us through imagination, inspiration, and intuition—as we take on this task.
[Die sich hier anschließenden Worte wurden nicht mitstenographiert. Siehe Hinweise S. 217 f.]
[The words that follow were not included in the stenographic record. See notes on p. 217 ff.]
[ 2 ] [Aufzeichnungen von Herbert Hahn:] Wir dürfen, indem wir uns aktiv der Pädagogik dieser fünften Kulturepoche zuwenden und als Lehrkräfte in ihr tätig sein wollen, im Bewusstsein tragen, dass die Wesen der dritten Hierarchie sich mit unserer Arbeit zu verbinden anschicken.
[ 2 ] [Notes by Herbert Hahn:] As we actively turn to the pedagogy of this fifth cultural epoch and seek to work as teachers within it, we must be mindful that the beings of the third hierarchy are preparing to join us in our work.
[ 3 ] Hinter jedem einzelnen Mitglied des werdenden Lehrerkollegiums sehen wir den Engel stehen. Er legt beide Hände auf das Haupt des seiner Hut vertrauten Erdenmenschen. Und in dieser Haltung und mit dieser Gebärde lässt er Kraft hinüberströmen. Es ist die Kraft, welche das zu vollbringende Werk mit den nötigen Imaginationen begabt. Schöpferisch imaginierend, Imaginationen kraftvoll weckend, steht so hinter dem Einzelnen der Engel.
[ 3 ] Behind every single member of the future teaching staff, we see the angel standing. He places both hands on the head of the earthly human entrusted to his care. And in this posture and with this gesture, he allows strength to flow forth. It is the power that endows the work to be accomplished with the necessary imaginations. Creatively imagining, powerfully awakening imaginations—this is how the angel stands behind each individual.
[ 4 ] Erhebt sich der Blick, dann sieht er über den Häuptern der werdenden Lehrerschaft schwebend eine Schar von Erzengeln. Kreisend und im Kreise wiederkehrend tragen sie das, was als Ergebnis der Geistbegegnung des Einzelnen mit seinem Engel erwachsen will, zu jedem anderen hin. Und sie tragen es, durch die Kraft aller anderen bereichert, zum Einzelnen wieder zurück. — In diesem Kreisen, das wie eine geistige Bildnertätigkeit wirkt, bildet sich über den Häuptern der im gemeinsamen Streben Verbundenen — eine Schale. Und diese Schale hat eine ganz bestimmte Substanz: Sie ist gebildet aus Mut. — Zugleich lassen die kreisend verbindenden Erzengel in ihre Bewegung, in ihr Bilden schöpferisch inspirative Kräfte einströmen. Sie eröffnen die Quelle für jene Inspirationen, die wir für unser Werk nötig haben.
[ 4 ] When one raises one’s gaze, one sees a host of archangels hovering above the heads of the future teachers. Circling and returning in a circle, they carry to each other that which is to grow as the result of the individual’s spiritual encounter with his or her angel. And they carry it back to the individual, enriched by the power of all the others. — In this circling, which acts like a spiritual creative process, a vessel forms above the heads of those united in their common endeavor. And this vessel has a very specific substance: it is formed from courage. — At the same time, the archangels who connect them in this circle allow creative, inspirational forces to flow into their movement and their formation. They open the source of those inspirations that we need for our work.
[ 5 ] Indem der Blick des Schauenden sich noch weiter erhebt, reicht er hinauf bis zu der Region der Archai. Sie stellen sich nicht als Gesamtheit dar. Aber aus ihrer Sphäre, der Sphäre des Lichtes, lassen sie einen Tropfen herunterfallen in die Schale des Mutes. Wir dürfen empfinden, dass dieser Lichtestropfen uns geschenkt wird von dem gMen Geiste unserer Zeit, der hinter dem Gründer und hinter der Gründung dieser neuen Schule steht. Es sind schöpferische Intuitionskräfte, die in dieser Lichtesgabe wirken. Sie wollen in den jetzt an das junge pädagogische Werk Gehenden die notwendigen Intuitionen erwecken.
[ 5 ] As the beholder’s gaze rises even higher, it reaches up to the realm of the Archai. They do not present themselves as a collective whole. But from their sphere—the sphere of light—they let a drop fall into the bowl of courage. We may sense that this drop of light is given to us by the Spirit of our time, who stands behind the founder and behind the founding of this new school. Creative powers of intuition are at work in this gift of light. They seek to awaken the necessary intuitions in those who are now embarking on this young educational endeavor.
[ 6 ] So nimmt — Kraft, Mut und Licht schenkend — die dritte Hierarchie an der sich jetzt vollziehenden Gründung teil. Imaginierend, inspirierend, intuitierend will sie sich verbinden mit unserem irdischen Tun.
[ 6 ] Thus, bestowing strength, courage, and light, the third hierarchy participates in the founding that is now taking place. Through imagination, inspiration, and intuition, it seeks to connect with our earthly activities.
[ 7 ] [Aus einem frühen, undatierten Notizbuch von Herbert Hahn:] Stellen Sie sich vor, wie hinter jedem Einzelnen von Ihnen sein Engel steht: Der Engel will Kraft geben.
[ 7 ] [From an early, undated notebook by Herbert Hahn:] Imagine how an angel stands behind each and every one of you: The angel wants to give you strength.
[ 8 ] Über Ihnen allen kreist, die Arbeitsfrüchte und Erfahrungen jedes Einzelnen zu jedem anderen tragend, ein Reigen von Erzengeln. Aus ihrem Kreisen und Tragen bilden die Erzengel eine Schale des Mutes. Aus der Höhe senkt der gute Geist der Zeit, der einer der Archai ist, einen Tropfen Lichtes in die Schale: So schenken die Archai einen Tropfen Licht.
[ 8 ] Circling above you all, carrying the fruits of each individual’s labor and experiences to every other, is a circle of archangels. Through their circling and carrying, the archangels form a bowl of courage. From on high, the good spirit of the age—who is one of the Archai—pours a drop of light into the bowl: thus the Archai bestow a drop of light.
[ 9 ] [Aufzeichnungen von Caroline von Heydebrand:] Wir wollen unsere Gedanken so gestalten, dass wir das Bewusstsein haben können: Hinter jedem von uns steht sein Engel, ihm die Hände sanft aufs Haupt legend; dieser Engel gibt Euch die Kraft, die Ihr braucht. Über Euren Häuptern schwebt der Reigen der Erzengel. Sie tragen von einem zum andern, was einer dem andern zu geben hat. Sie verbinden Eure Seelen. Dadurch wird Euch der Mut, dessen Ihr bedürft. (Aus dem Mut bilden die Erzengel eine Schale.) — Das Licht der Weisheit wird uns geschenkt von den erhabenen Wesenheiten der Archai, welche sich nicht im Reigen abschließen, sondern aus Urbeginnen kommend sich offenbaren und in Urfernen verschwinden. Sie ragen nur wie eine Tropfenform hinein in diesen Raum. (In die Schale des Mutes hinein fällt von dem wirkenden Zeitgeist ein Tropfen des Zeitenlichtes.)
[ 9 ] [Notes by Caroline von Heydebrand:] Let us direct our thoughts so that we may be aware: Behind each of us stands an angel, gently placing his hands upon our heads; this angel gives you the strength you need. Above your heads, the circle of archangels hovers. They carry from one to another what each has to give to the other. They connect your souls. Through this, you receive the courage you need. (From this courage, the archangels form a vessel.) — The light of wisdom is bestowed upon us by the sublime beings of the Archai, who do not close the circle but, coming from the primordial beginning, reveal themselves and vanish into primordial distance. They project into this space only in the shape of a drop. (A drop of the light of time falls into the bowl of courage from the active spirit of the age.)


[ 10 ] [Tagebucheintragung zum 21. August 1919 von Walter Johannes Stein:] «Beginn des Kurses. Eröffnung durch Dr. Steiner 9 Uhr Kraft — Engel, Mut — Erzengel, Licht — Archai. Dankt den ... [guten Geistern], die Molt die Idee eingaben. Die Götter werden mit dem Weiterarbeiten, was aus unserem Tun wird.»
[ 10 ] [Diary entry for August 21, 1919, by Walter Johannes Stein:] “Start of the course. Opening remarks by Dr. Steiner at 9 a.m.: Power—Angels, Courage—Archangels, Light—Archaei. He thanks the ... [benevolent spirits] who inspired Molt with the idea. The gods will continue to work on what becomes of our actions.”
[ 11 ] Meine lieben Freunde! Es obliegt uns, die Wichtigkeit unserer Aufgabe zu empfinden. Wir werden dies, wenn wir diese Schule als mit einer besonderen Aufgabe ausgerüstet wissen. Und da wollen wir unsere Gedanken wirklich konkretisieren, wir wollen unsere Gedanken wirklich so gestalten, daß wir das Bewußtsein haben können, daß etwas Besonderes mit dieser Schule ausgeführt wird. Wir werden das nur, wenn wir gewissermaßen nicht in das Alltägliche versetzen dasjenige, was mit dieser Schulbegründung getan worden ist, sondern wenn wir es als einen Festesakt der Weltenordnung betrachten. In diesem Sinne möchte ich als erstes geschehen lassen, daß ich hier im Namen des guten Geistes, der führen soll die Menschheit aus der Not und dem Elend heraus, im Namen dieses guten Geistes, der die Menschheit führen soll zu der höheren Stufe der Entwickelung in Unterricht und Erziehung, den allerherzlichsten Dank ausspreche denjenigen guten Geistern gegenüber, die unserem lieben Herrn Molt den guten Gedanken eingegeben haben, in dieser Richtung und an diesem Platze für die Weiterentwickelung der Menschheit dasjenige zu tun, was er mit der Waldorfschule getan hat. Ich weiß, er ist sich bewußt, daß man dasjenige, was man für diese Aufgabe tun kann, heute doch nur mit schwachen Kräften tun kann. Er sieht die Sache so an; aber er wird gerade dadurch, daß wir mit ihm vereint die Größe der Aufgabe und den Moment, in dem sie begonnen wird, als einen feierlichen in die Weltenordnung hineingestellt empfinden, er wird gerade dadurch mit der rechten Kraft innerhalb unserer Mitte wirken können. Von diesem Gesichtspunkte aus, meine lieben Freunde, wollen wir unsere Tätigkeit beginnen. Wir wollen uns selbst alle betrachten als Menschenwesenheiten, welche das Karma an den Platz gestellt hat, von dem aus nicht etwas Gewöhnliches, sondern etwas geschehen soll, was bei den Mittuenden die Empfindung eines feierlichen Weltenaugenblickes in sich schließt. Dasjenige, was ich dann im Anschluß an diese heutige feierliche Eröffnung unserer Vorbereitung zu sagen haben werde, das wird gesagt werden am Ende unseres Kurses, wo sich manches geklärt haben wird, wo wir in einem viel konkreteren Sinne noch vor der Aufgabe stehen werden, die wir uns heute zu stellen beginnen.
[ 11 ] My dear friends! It is up to us to grasp the importance of our task. We will do so when we recognize that this school has been entrusted with a special mission. And in this regard, let us truly give concrete form to our thoughts; let us shape our thoughts in such a way that we can be fully aware that something special is being accomplished through this school. We will only do so if, so to speak, we do not reduce what has been accomplished in founding this school to the realm of the everyday, but rather regard it as a solemn act within the order of the worlds. In this spirit, I would first like to express, here and now, on behalf of the good spirit who is to lead humanity out of distress and misery, in the name of this good spirit, who is to lead humanity to a higher stage of development in teaching and education, express my most heartfelt thanks to those good spirits who inspired our dear Mr. Molt with the noble idea of doing, in this direction and at this place, what he has done with the Waldorf School for the further development of humanity. I know he is aware that whatever one can do for this task today can only be done with limited strength. He sees it this way; but precisely because we, united with him, perceive the magnitude of the task and the moment in which it begins as a solemn event set within the order of the worlds, he will be able to work with the right strength within our midst. From this perspective, my dear friends, let us begin our work. Let us all regard ourselves as human beings whom karma has placed in a position from which not something ordinary, but something that evokes in those participating the sense of a solemn moment in the life of the world, is to take place. What I will then have to say following today’s solemn opening of our preparation will be spoken at the end of our course, when many things will have become clearer, and when we will still be facing—in a much more concrete sense—the task that we are beginning to set for ourselves today.
Emil Molt: Wenn ich in diesem feierlichen Augenblick das Wort nehmen darf, so geschieht es, um den herzlichsten Dank auszudrücken dafür, daß es mir vergönnt war, diesen Moment hier zu erleben, und daß ich geloben will, was in meiner schwachen Kraft liegt, mitzuwirken an diesem großen Werke, das wir heute beginnen.
Emil Molt: If I may take the floor at this solemn moment, it is to express my heartfelt gratitude for having been granted the opportunity to experience this moment here, and to pledge that I will do everything in my power to contribute to this great work that we are beginning today.
[ 12 ] Meine lieben Freunde, das erste, womit wir beginnen wollen, müssen Auseinandersetzungen sein über unsere pädagogische Aufgabe, Auseinandersetzungen, zu denen ich heute eine Art von Einleitung zu Ihnen sprechen möchte. Unsere pädagagogische Aufgabe wird sich ja unterscheiden müssen von den pädagogischen Aufgaben, die sich die Menschheit bisher gestellt hat. Nicht aus dem Grunde wird sie sich unterscheiden sollen, weil wir in eitlem Hochmut glauben, daß wir gerade von uns aus gewissermaßen eine neue pädagogische Weltenordnung beginnen sollen, sondern weil wir aus anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft heraus uns klar darüber sind, daß die aufeinanderfolgenden Entwickelungsepochen der Menschheit dieser Menschheit immer andere Aufgaben stellen werden. Eine andere Aufgabe hatte die Menschheit in der ersten, eine andere in der zweiten bis herein in unsere fünfte nachatlantische Entwickelungsepoche. Und es ist nun einmal so, daß dasjenige, was in einer Entwickelungsepoche der Menschheit getan werden soll, dieser Menschheit erst zum Bewußtsein kommt, einige Zeit nachdem diese Entwickelungsepoche begonnen hat.
[ 12 ] My dear friends, the first thing we wish to begin with must be discussions about our educational task—discussions for which I would like to offer you a sort of introduction today. Our educational task will, of course, have to differ from the educational tasks that humanity has set for itself thus far. It is not because we believe, in vain arrogance, that we alone should, as it were, initiate a new educational world order, but because, based on anthroposophically oriented Spiritual Science, we are clear that the successive epochs of human development will always present humanity with different tasks. Humanity had one task in the first epoch, another in the second, and so on up to our fifth post-Atlantean epoch of development. And it is simply the case that what is to be accomplished in a particular epoch of human development only comes to the consciousness of humanity some time after that epoch has begun.
[ 13 ] Die Entwickelungsepoche, in der wir heute stehen, hat in der Mitte des 15. Jahrhunderts begonnen. Heute kommt gewissermaßen aus den geistigen Untergründen heraus erst die Erkenntnis, was gerade in bezug auf die Erziehungsaufgabe innerhalb dieser unserer Epoche getan werden soll. Die Menschen haben bisher, selbst wenn sie mit dem allerbesten Willen pädagogisch gearbeitet haben, noch im Sinne der alten Erziehung gearbeitet, noch im Sinne derjenigen der vierten nachatlantischen Entwickelungsepoche. Vieles wird davon abhängen, daß wir von vornherein uns einzustellen wissen für unsere Aufgabe, daß wir verstehen lernen, daß wir uns für unsere Zeit eine ganz bestimmte Richtung zu geben haben; eine Richtung, die nicht deshalb wichtig ist, weil sie absolut für die ganze Menschheit in ihrer Entwickelung gelten soll, sondern weil sie gelten soll gerade für unsere Zeit. Der Materialismus hat außer dem anderen noch das hervorgebracht, daß die Menschen kein Bewußtsein haben von den besonderen Aufgaben einer besonderen Zeit. Als allererstes aber, bitte, nehmen Sie das in sich auf, daß besondere Zeiten ihre besonderen Aufgaben haben.
[ 13 ] The epoch of development in which we find ourselves today began in the mid-15th century. Only now, so to speak, is the realization emerging from the spiritual depths of what needs to be done—particularly with regard to the task of education—within this epoch of ours. Until now, even when people have worked in education with the very best of intentions, they have still been working in the spirit of the old system of education—that is, in the spirit of the fourth post-Atlantean epoch of development. Much will depend on our ability to prepare ourselves from the outset for our task, on our learning to understand that we must set a very specific course for our time; a direction that is important not because it is meant to apply absolutely to all of humanity in its development, but because it is meant to apply specifically to our time. Materialism has, among other things, led to people having no awareness of the special tasks of a particular time. But first and foremost, please take this to heart: special times have their own special tasks.
[ 14 ] Sie werden zur Erziehung und zum Unterricht Kinder zu übernehmen haben, allerdings Kinder schon eines bestimmten Alters, und Sie werden ja dabei bedenken müssen, daß Sie diese Kinder übernehmen, nachdem sie schon in der allerersten Epoche ihres Lebens die Erziehung, vielleicht oftmals die Mißerziehung der Eltern durchgemacht haben. Vollständig erfüllt wird dasjenige, was wir wollen, doch erst werden, wenn wir einmal so weit sind als Menschheit, daß auch die Eltern verstehen werden, daß schon in der ersten Epoche der Erziehung besondere Aufgaben der heutigen Menschheit gestellt sind. Wir werden manches, was verfehlt worden ist in der ersten Lebensepoche, doch noch ausbessern können, wenn wir die Kinder zur Schule bekommen.
[ 14 ] You will be responsible for the upbringing and education of children—albeit children who are already of a certain age—and you must bear in mind that you are taking on these children after they have already undergone, in the very earliest stage of their lives, the upbringing—and perhaps, in many cases, the misguided upbringing—provided by their parents. What we want will only be fully realized, however, once we as humanity have reached the point where even parents understand that the very first stage of upbringing presents special challenges for humanity today. We will still be able to correct some of what went wrong in the first stage of life once we have the children in school.
[ 15 ] Wir müssen uns aber ganz stark durchdringen von dem Bewußtsein, aus dem heraus wir, jeder einzelne, unseren Unterricht und unsere Erziehung auffassen.
[ 15 ] However, we must be deeply imbued with the awareness that shapes the way each and every one of us approaches our teaching and education.
[ 16 ] Vergessen Sie nicht, indem Sie sich Ihrer Aufgabe widmen, daß die ganze heutige Kultur, bis in die Sphäre des Geistigen hinein, gestellt ist auf den Egoismus der Menschheit. Betrachten Sie unbefangen das geistigste Gebiet, dem sich der Mensch heute hingibt, betrachten Sie das religiöse Gebiet, und fragen Sie sich, ob nicht unsere heutige Kultur gerade auf dem religiösen Gebiet hingeordnet ist auf den Egoismus der Menschen. Typisch ist es gerade für das Predigtwesen in unserer Zeit, daß der Prediger den Menschen angreifen will im Egoismus. Nehmen Sie gleich dasjenige, was den Menschen am tiefsten erfassen soll: die Unsterblichkeitsfrage, und bedenken Sie, daß heute fast alles, selbst im Predigtwesen, darauf hingeordnet ist, den Menschen so zu erfassen, daß sein Egoismus für das Übersinnliche ins Auge gefaßt wird. Durch den Egoismus hat der Mensch den Trieb, nicht wesenlos durch die Pforte des Todes hindurchzugehen, sondern sein Ich zu erhalten. Dies ist ein, wenn auch noch so verfeinerter, Egoismus. An diesen Egoismus appelliert heute in weitestem Umfange auch jedes religiöse Bekenntnis, wenn es sich um die Unsterblichkeitsfrage handelt. Daher spricht vor allen Dingen das religiöse Bekenntnis so zu den Menschen, daß es meistens das eine Ende unseres irdischen Daseins vergißt und nur Rücksicht nimmt auf das andere Ende dieses Daseins, daß der Tod vor allen Dingen ins Auge gefaßt wird, daß die Geburt vergessen wird.
[ 16 ] As you devote yourself to your task, do not forget that all of today’s culture, right down to the spiritual realm, is based on human selfishness. Take an unbiased look at the most spiritual realm to which people devote themselves today—the realm of religion—and ask yourself whether our present-day culture, particularly in the religious sphere, is not organized around human selfishness. It is particularly characteristic of preaching in our time that the preacher seeks to appeal to people’s selfishness. Take, for example, the very thing that is meant to touch people most deeply: the question of immortality—and consider that today almost everything, even in preaching, is geared toward addressing people in such a way that their selfishness regarding the supersensible is brought into focus. Because of selfishness, human beings have the impulse not to pass through the gate of death as mere non-entities, but to preserve their “I.” This is a form of selfishness, however refined it may be. Today, every religious denomination appeals to this selfishness to the greatest extent when it comes to the question of immortality. Consequently, religious creeds address people in such a way that they usually overlook one end of our earthly existence and focus solely on the other end—that is, death is emphasized above all else, while birth is forgotten.
[ 17 ] Wenn auch die Dinge nicht so deutlich ausgesprochen werden, so liegen sie doch zugrunde. Wir leben in der Zeit, in der dieser Appell an den menschlichen Egoismus in allen Sphären bekämpft werden muß, wenn die Menschen nicht auf dem absteigenden Wege der Kultur, auf dem sie heute gehen, immer mehr und mehr abwärts gehen sollen. Wir werden uns immer mehr und mehr bewußt werden müssen des anderen Endes der menschlichen Entwickelung innerhalb des Erdendaseins: der Geburt. Wir werden in unser Bewußtsein die Tatsache aufnehmen müssen, daß der Mensch sich entwickelt eine lange Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, daß er innerhalb dieser Entwickelung an einen Punkt gelangt ist, wo er für die geistige Welt gewissermaßen stirbt, wo er unter solchen Bedingungen in der geistigen Welt lebt, daß er dort nicht mehr weiterleben kann, ohne in eine andere Daseinsform überzugehen. Diese andere Daseinsform bekommt er dadurch, daß er sich umkleiden läßt mit dem physischen und Ätherleib. Dasjenige, was er bekommen soll durch die Umkleidung des physischen und Ätherleibes, könnte er nicht bekommen, wenn er sich in gerader Linie in der geistigen Welt nur weiterentwickeln würde. Indem wir daher das Kind von seiner Geburt an nur mit physischen Augen anblicken dürfen, wollen wir uns dabei bewußt sein: auch das ist eine Fortsetzung. Und wir wollen nicht nur sehen auf das, was das Menschendasein erfährt nach dem Tode, also auf die geistige Fortsetzung des Physischen; wir wollen uns bewußt werden, daß das physische Dasein hier eine Fortsetzung des geistigen ist, daß wir durch Erziehung fortzusetzen haben dasjenige, was ohne unser Zutun besorgt worden ist von höheren Wesen. Das wird unserem Erziehungs- und Unterrichtswesen allein die richtige Stimmung geben, wenn wir uns bewußt werden: Hier in diesem Menschenwesen hast du mit deinem Tun eine Fortsetzung zu leisten für dasjenige, was höhere Wesen vor der Geburt getan haben.
[ 17 ] Even if these things are not stated so explicitly, they are nonetheless the underlying reality. We live in a time when this appeal to human selfishness must be combated in all spheres, lest people continue to slide further and further down the downward path of culture on which they are currently traveling. We will have to become increasingly aware of the other end of human development within earthly existence: birth. We will have to take into our consciousness the fact that the human being develops over a long period of time between death and a new birth, that within this development he has reached a point where he, so to speak, dies to the spiritual world, where he lives in the spiritual world under such conditions that he can no longer continue to live there without passing into another form of existence. He attains this other form of existence by allowing himself to be clothed in the physical and etheric bodies. What he is to receive through the clothing of the physical and etheric bodies, he could not receive if he were to continue developing in a straight line within the spiritual world. Therefore, as we are permitted to view the child from birth onward only with physical eyes, let us be mindful that this, too, is a continuation. And let us not look only at what human existence experiences after death—that is, at the spiritual continuation of the physical—but let us become aware that physical existence here is a continuation of the spiritual, and that through education we must continue what has been provided by higher beings without our intervention. Only when we become aware of this will our educational and instructional systems be imbued with the proper spirit: Here, within this human being, you must, through your actions, carry forward what higher beings have accomplished before birth.
[ 18 ] Man wird heute, wo die Menschen in ihren Gedanken und Empfindungen den Zusammenhang verloren haben mit den geistigen Welten, oftmals in abstrakter Art um etwas gefragt, was eigentlich als Frage einer geistigen Weltauffassung gegenüber keinen rechten Sinn hat. Man wird gefragt, wie man die sogenannte vorgeburtliche Erziehung leiten soll. Es gibt viele Menschen, die nehmen heute die Dinge abstrakt; wenn man die Dinge konkret nimmt, kann man das Fragen in gewissen Gebieten nicht in beliebiger Weise weitertreiben. Ich habe einmal das Beispiel erwähnt: Man sieht auf einer Straße Furchen. Da kann man fragen: Woher sind sie? — Weil ein Wagen gefahren ist. — Warum ist der Wagen gefahren? — Weil die, die darin sitzen, einen bestimmten Ort erreichen wollten. — Warum wollten sie einen bestimmten Ort erreichen? — Einmal hört in der Wirklichkeit die Fragestellung auf. Bleibt man im Abstrakten, so kann man immer weiter fragen: warum? Man kann das Rad des Fragens immerfort weiter drehen. Das konkrete Denken findet immer ein Ende, das abstrakte Denken läuft mit dem Gedanken immer endlos wie ein Rad herum. So ist es auch mit den Fragen, die über nicht so naheliegende Gebiete gestellt werden. Die Menschen denken über Erziehung nach und fragen über die vorgeburtliche Erziehung. Aber, meine lieben Freunde, vor der Geburt ist das Menschenwesen noch in der Hut über dem Physischen stehender Wesenheiten. Denen müssen wir die unmittelbare einzelne Beziehung überlassen zwischen der Welt und dem einzelnen Wesen. Daher hat die vorgeburtliche Erziehung noch keine Aufgabe für das Kind selbst. Die vorgeburtliche Erziehung kann nur eine unbewußte Folge desjenigen sein, was die Eltern, insbesondere die Mutter, leisten. Verhält sich die Mutter bis zu der Geburt so, daß sie in sich selbst zum Ausdruck bringt dasjenige, was im rechten Sinn moralisch und intellektuell das Richtige ist, so wird ganz von selbst das, was sie in fortgesetzter Selbsterziehung vollbringt, übergehen auf das Kind. Je weniger man daran denkt, das Kind, schon bevor es das Licht der Welt erblickt, zu erziehen, und je mehr man daran denkt, selbst ein entsprechend rechtes Leben zu führen, desto besser wird es für das Kind sein. Die Erziehung kann erst angehen, wenn das Kind wirklich eingegliedert ist in die Weltenordnung des physischen Planes, und das ist dann, wenn das Kind beginnt, die äußere Luft zu atmen.
[ 18 ] Today, when people have lost touch with the spiritual worlds in their thoughts and feelings, one is often asked, in an abstract way, about something that actually makes little sense in the context of a spiritual worldview. One is asked how to guide so-called prenatal education. There are many people today who view things abstractly; if one views things concretely, one cannot continue asking questions in certain areas in just any way. I once mentioned this example: You see ruts in a road. You might ask: Where did they come from? — Because a car drove over them. — Why did the car drive there? — Because the people sitting in it wanted to reach a specific place. — Why did they want to reach a specific place? — At some point, in reality, the line of questioning comes to an end. If one remains in the abstract, one can keep asking “why?” endlessly. One can keep turning the wheel of questioning over and over. Concrete thinking always finds an end; abstract thinking, however, goes round and round endlessly with the thought, like a wheel. The same is true of questions posed about less obvious areas. People reflect on education and ask about prenatal education. But, my dear friends, before birth, the human being is still in the care of beings who stand above the physical realm. We must leave to them the direct, individual relationship between the world and the individual being. Therefore, prenatal education has no role yet for the child itself. Prenatal education can only be an unconscious consequence of what the parents—especially the mother—do. If, up until the birth, the mother behaves in a way that expresses within herself what is morally and intellectually right in the true sense, then what she accomplishes through her ongoing self-education will naturally be passed on to the child. The less one thinks about educating the child even before it is born, and the more one focuses on leading a correspondingly upright life oneself, the better it will be for the child. Education can only begin once the child is truly integrated into the world order of the physical plane, and that is when the child begins to breathe the outer air.
[ 19 ] Wenn nun das Kind auf den physischen Plan herausgetreten ist, dann müssen wir uns bewußt sein, was eigentlich für das Kind geschehen ist im Übergang von einem geistigen zu einem physischen Plan. Sehen Sie, da müssen wir vor allen Dingen uns bewußt werden, daß sich das Menschenwesen wirklich aus zwei Gliedern zusammensetzt. Bevor das Menschenwesen die physische Erde betritt, wird eine Verbindung eingegangen zwischen dem Geist und der Seele; dem Geist, insofern wir darunter verstehen dasjenige, was in der physischen Welt heute noch ganz verborgen ist und was wir anthroposophisch-geisteswissenschaftlich nennen: der Geistesmensch, der Lebensgeist, das Geistselbst. Mit diesen drei Wesensgliedern des Menschen ist es ja so, daß sie gewissermaßen in der übersinnlichen Sphäre vorhanden sind, zu der wir uns nun hindurcharbeiten müssen, und wir stehen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt schon in einer gewissen Beziehung zu Geistesmensch, Lebensgeist und Geistselbst. Die Kraft, die von dieser Dreiheit ausgeht, die durchdringt das Seelische des Menschen: Bewußtseinsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Empfindungsseele.
[ 19 ] Now that the child has entered the physical plane, we must be aware of what has actually happened to the child during the transition from the spiritual to the physical plane. You see, above all else, we must realize that the human being is truly composed of two parts. Before the human being enters the physical world, a connection is established between the spirit and the soul—the spirit, insofar as we understand it to be that which is still entirely hidden in the physical world today and which, in anthroposophical Spiritual Science, we call the Spirit-Man, the Life-Spirit, and the Spirit-Self. The fact is that these three aspects of the human being exist, so to speak, in the supersensible sphere, into which we must now work our way; and between death and a new birth, we already stand in a certain relationship to the Spirit-Man, the Life-Spirit, and the Spirit-Self. The force that emanates from this triad permeates the human soul: the conscious soul, the intellectual or emotional soul, and the feeling soul.
[ 20 ] Und wenn Sie betrachten würden das Menschenwesen, das sich anschickt, nachdem es durchgegangen ist durch das Dasein zwischen Tod und neuer Geburt, in die physische Welt hinunterzusteigen, dann würden Sie das eben charakterisierte Geistige zusammengebunden finden mit dem Seelischen. Der Mensch steigt gewissermaßen als Geistseele oder Seelengeist aus einer höheren Sphäre in das irdische Dasein. Mit dem irdischen Dasein umkleidet er sich. Wir können ebenso dieses andere Wesensglied, das sich mit dem eben gekennzeichneten verbindet, charakterisieren, wir können sagen: Da unten auf der Erde wird der Geistseele entgegengebracht dasjenige, was entsteht durch die Vorgänge der physischen Vererbung. Nun wird an den Seelengeist oder die Geistseele der Körperleib oder der Leibeskörper so herangebracht, daß wiederum zwei Dreiheiten verbunden sind. Bei der Geistseele sind verbunden Geistesmensch, Lebensgeist und Geistselbst mit dem Seelischen, das besteht aus Bewußtseinsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Empfindungsseele. Die sind miteinander verbunden und sollen sich verbinden beim Herabsteigen in die physische Welt mit Empfindungsleib oder Astralleib, Ätherleib, physischem Leib. Aber diese sind ihrerseits wiederum verbunden zuerst im Leibe der Mutter, dann in der physischen Welt mit den drei Reichen der physischen Welt, dem mineralischen, dem Pflanzen- und dem Tierreich, so daß auch hier zwei Dreiheiten miteinander verbunden sind.
[ 20 ] And if you were to observe the human being who, after passing through the existence between death and rebirth, is preparing to descend into the physical world, you would find the spiritual aspect just described bound together with the soul aspect. In a sense, the human being descends from a higher sphere into earthly existence as a spirit-soul or soul-spirit. He clothes himself in earthly existence. We can likewise characterize this other aspect of the being that unites with the one just described; we can say: Down here on Earth, the spirit-soul is met by that which arises through the processes of physical heredity. Now the physical body is brought into contact with the soul-spirit or spirit-soul in such a way that, once again, two triads are united. In the spirit-soul, the Spirit-Man, the Life-Spirit, and the Spirit-Self are united with the soul, which consists of the consciousness soul, the intellectual or emotional soul, and the feeling soul. These are connected to one another and are to unite, upon descending into the physical world, with the body of sensation or astral body, the etheric body, and the physical body. But these, in turn, are connected first within the mother’s womb, then in the physical world with the three kingdoms of the physical world—the mineral, plant, and animal kingdoms—so that here, too, two triads are united.
[ 21 ] Betrachten Sie das Kind, das hereingewachsen ist in die Welt, mit der genügenden Unbefangenheit, so werden Sie richtig wahrnehmen: Hier in dem Kind ist noch unverbunden Seelengeist oder Geistseele mit Leibeskörper oder Körperleib. Die Aufgabe der Erziehung, im geistigen Sinn erfaßt, bedeutet das In-Einklang-Versetzen des Seelengeistes mit dem Körperleib oder dem Leibeskörper. Die müssen miteinander in Harmonie kommen, müssen aufeinander gestimmt werden, denn die passen gewissermaßen, indem das Kind hereingeboren wird in die physische Welt, noch nicht zusammen. Die Aufgabe des Erziehers und auch des Unterrichters ist das Zusammenstimmen dieser zwei Glieder.
[ 21 ] If you observe the child who has come into the world with sufficient objectivity, you will perceive correctly: Here in the child, the soul-spirit—or spiritual soul—is still unconnected to the physical body. The task of education, understood in a spiritual sense, means bringing the soul-spirit into harmony with the physical body. These two must come into harmony with one another; they must be attuned to each other, for—in a sense—they do not yet fit together when the child is born into the physical world. The task of the educator and also of the teacher is to bring these two elements into harmony.
[ 22 ] Nun, fassen wir diese Aufgabe etwas mehr im Konkreten. Unter all diesen Beziehungen, welche der Mensch zur Außenwelt hat, ist die allerwichtigste das Atmen. Aber das Atmen beginnen wir ja gerade, indem wir die physische Welt betreten. Das Atmen im Mutterleib ist noch sozusagen ein vorbereitendes Atmen, es bringt den Menschen noch nicht in vollkommenen Zusammenhang mit der Außenwelt. Dasjenige, was im rechten Sinn Atmen genannt werden soll, beginnt der Mensch erst, wenn er den Mutterleib verlassen hat. Dieses Atmen bedeutet sehr, sehr viel für die menschliche Wesenheit, denn in diesem Atmen liegt ja schon das ganze dreigliedrige System des physischen Menschen.
[ 22 ] Well, let’s define this task a little more concretely. Among all the relationships that a human being has with the outside world, the most important one is breathing. But we begin to breathe precisely when we enter the physical world. Breathing in the womb is, so to speak, a preparatory form of breathing; it does not yet bring the human being into full connection with the outside world. What should be called breathing in the true sense of the word begins only when the human being has left the womb. This breathing means a great, great deal to the human being, for the entire threefold system of the physical human being is already contained within it.
[ 23 ] Wir rechnen zu den Gliedern des dreigliedrigen physischen Menschensystems zunächst den Stoffwechsel. Aber der Stoffwechsel hängt an dem einen Ende mit dem Atmen innig zusammen; der Atmungsprozeß hängt stoffwechselmäßig mit der Blutzirkulation zusammen. Die Blutzirkulation nimmt die auf anderem Wege eingeführten Stoffe der äußeren Welt auf in den menschlichen Körper, so daß gewissermaßen auf der einen Seite das Atmen mit dem ganzen Stoffwechselsystem zusammenhängt. Das Atmen hat also seine eigenen Funktionen, aber es hängt doch auf der einen Seite mit dem Stoffwechselsystem zusammen.
[ 23 ] We first count metabolism among the components of the threefold physical human system. But metabolism is intimately connected at one end with breathing; the process of breathing is metabolically linked to blood circulation. Blood circulation takes up the substances from the external world that have been introduced by other means into the human body, so that, in a sense, breathing is connected on one side to the entire metabolic system. Breathing therefore has its own functions, but it is nonetheless connected on one side to the metabolic system.
[ 24 ] Auf der anderen Seite hängt dieses Atmen auch zusammen mit dem Nerven-Sinnesleben des Menschen. Indem wir einatmen, pressen wir fortwährend das Gehirnwasser in das Gehirn hinein; indem wir ausatmen, prellen wir es zurück in den Körper. Dadurch verpflanzen wir den Atmungsrhythmus auf das Gehirn. Und wie das Atmen zusammenhängt auf der einen Seite mit dem Stoffwechsel, so hängt es auf der anderen Seite zusammen mit dem Nerven-Sinnesleben. Wir können sagen: Das Atmen ist der wichtigste Vermittler des die physische Welt betretenden Menschen mit der physischen Außenwelt. Aber wir müssen uns auch bewußt sein, daß dieses Atmen durchaus noch nicht so verläuft, wie es zum Unterhalt des physischen Lebens beim Menschen voll verlaufen muß, namentlich nach der einen Seite nicht: es ist beim Menschen, der das physische Dasein betritt, noch nicht die richtige Harmonie, der rechte Zusammenhang hergestellt zwischen dem Atmungsprozeß und dem Nerven-Sinnesprozeß.
[ 24 ] On the other hand, this breathing is also connected to the human nervous and sensory life. As we inhale, we continuously press the cerebrospinal fluid into the brain; as we exhale, we push it back into the body. In this way, we transfer the breathing rhythm to the brain. And just as breathing is connected, on the one hand, to metabolism, so, on the other hand, is it connected to the nervous-sensory life. We can say: Breathing is the most important mediator between the human being entering the physical world and the physical external world. But we must also be aware that this breathing does not yet proceed in the way it must in order to sustain physical life in human beings—specifically, not in one respect: in the human being who enters physical existence, the proper harmony and the right connection between the respiratory process and the nervous-sensory process have not yet been established.
[ 25 ] Betrachten wir das Kind, so müssen wir in bezug auf sein Wesen sagen: Das Kind hat noch nicht so atmen gelernt, daß das Atmen in der richtigen Weise den Nerven-Sinnesprozeß unterhält. Da liegt wiederum die feinere Charakteristik desjenigen, was mit dem Kind zu tun ist. Wir müssen zunächst die Menschenwesenheit anthropologisch-anthroposophisch verstehen. Die wichtigsten Maßnahmen in der Erziehung werden daher liegen in der Beobachtung alles desjenigen, was in der rechten Weise den Atmungsprozeß hineinorganisiert in den NervenSinnesprozeß. Im höheren Sinne muß das Kind lernen, in seinen Geist aufzunehmen dasjenige, was ihm geschenkt werden kann dadurch, daß es geboren wird zum Atmen. Sie sehen, dieser Teil der Erziehung wird hinneigen zu dem Geistig-Seelischen: dadurch, daß wir harmonisieren das Atmen mit dem Nerven-Sinnesprozeß, ziehen wir das Geistig-Seelische in das physische Leben des Kindes herein. Grob ausgedrückt, können wir sagen: Das Kind kann noch nicht innerlich richtig atmen, und die Erziehung wird darin bestehen müssen, richtig atmen zu lehren.
[ 25 ] When we consider the child, we must say, with regard to its nature: The child has not yet learned to breathe in such a way that breathing properly sustains the nervous-sensory process. Herein lies, once again, the more subtle characteristic of what needs to be done with the child. We must first understand the human being from an anthropological and anthroposophical perspective. The most important measures in education will therefore lie in observing everything that properly integrates the breathing process into the nervous-sensory process. In a higher sense, the child must learn to take into its spirit what can be given to it through the fact that it is born to breathe. You see, this aspect of education tends toward the spiritual-soul aspect: by harmonizing breathing with the nervous-sensory process, we draw the spiritual-soul aspect into the child’s physical life. To put it simply, we can say: The child is not yet able to breathe properly from within, and education must consist of teaching the child to breathe correctly.
[ 26 ] Aber das Kind kann noch etwas anderes nicht richtig, und dieses andere muß in Angriff genommen werden, damit ein Einklang geschaffen werde zwischen den zwei Wesensgliedern, zwischen dem Körperleib und zwischen der Geistseele. Was das Kind nicht richtig kann im Anfang seines Daseins — es wird Ihnen auffallen, daß gewöhnlich das, was wir geistig betonen müssen, der äußeren Weltenordnung zu widersprechen scheint —, was das Kind nicht richtig kann, das ist, den Wechsel zwischen Schlafen und Wachen in einer dem Menschenwesen entsprechenden Weise zu vollziehen. Man kann freilich sagen, äußerlich betrachtet: Das Kind kann ja ganz gut schlafen; es schläft ja viel mehr als der Mensch im späteren Lebensalter, es schläft sogar in das Leben herein. — Aber das, was innerlich dem Schlafen und Wachen zugrunde liegt, das kann es noch nicht. Das Kind erlebt allerlei auf dem physischen Plan. Es gebraucht seine Glieder, es ißt, trinkt und atmet. Aber indem es so allerlei macht auf dem physischen Plan, indem es abwechselt zwischen Schlafen und Wachen, kann es nicht alles dasjenige, was es auf dem physischen Plan erfährt — was es mit den Augen sieht, den Ohren hört, den Händchen vollbringt, wie es mit den Beinchen strampelt —, es kann nicht das, was es auf dem physischen Plan erlebt, hineintragen in die geistige Welt und dort verarbeiten und das Ergebnis der Arbeit wieder zurücktragen auf den physischen Plan. Sein Schlaf ist gerade dadurch charakterisiert, daß er ein anderer Schlaf ist als der Schlaf der Erwachsenen. Im Schlafe des Erwachsenen wird vorzugsweise das verarbeitet, was der Mensch erfährt zwischen dem Aufwachen und dem Einschlafen. Das Kind kann das noch nicht in den Schlaf hineintragen, was es erfährt zwischen Aufwachen und Einschlafen, und es lebt sich daher noch so in die allgemeine Weltenordnung mit dem Schlafen hinein, daß es nicht mitbringt in diese Weltenordnung während des Schlafes dasjenige, was es äußerlich in der physischen Welt erfahren hat. Dahin muß es gebracht werden durch die richtiggehende Erziehung, daß das, was der Mensch auf dem physischen Plan erfährt, hineingetragen wird in dasjenige, was der Seelengeist oder die Geistseele tut vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Wir können als Unterrichter und Erzieher dem Kinde gar nichts von der höheren Welt beibringen. Denn dasjenige, was in den Menschen von der höheren Welt hineinkommt, das kommt hinein in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Wir können nur die Zeit, die der Mensch auf dem physischen Plan verbringt, so ausnützen, daß er gerade das, was wir mit ihm tun, allmählich hineintragen kann in die geistige Welt und daß durch dieses Hineintragen wiederum in die physische Welt zurückfließen kann die Kraft, die er mitnehmen kann aus der geistigen Welt, um dann im physischen Dasein ein rechter Mensch zu sein.
[ 26 ] But there is something else the child cannot do properly, and this other aspect must be addressed in order to create harmony between the two aspects of the being—between the physical body and the spiritual soul. What the child cannot do properly at the beginning of its existence—you will notice that usually what we must emphasize spiritually seems to contradict the external order of the world—what the child cannot do properly is to carry out the transition between sleeping and waking in a manner appropriate to the human being. Of course, viewed from the outside, one might say: The child can sleep quite well; it sleeps much more than adults do later in life; it even sleeps its way into life. — But what underlies sleeping and waking on the inner level, that it cannot yet do. The child experiences all sorts of things on the physical plane. It uses its limbs; it eats, drinks, and breathes. But while it does all these things on the physical plane, while alternating between sleeping and waking, it cannot take everything it experiences on the physical plane—what it sees with its eyes, hears with its ears, accomplishes with its little hands, how it kicks with its little legs— it cannot take what it experiences on the physical plane into the spiritual world, process it there, and carry the result of that work back to the physical plane. Its sleep is characterized precisely by the fact that it is a different kind of sleep than that of adults. In an adult’s sleep, what is primarily processed is what the person experiences between waking and falling asleep. The child cannot yet carry into sleep what it experiences between waking and falling asleep, and therefore it is still so immersed in the general order of the worlds through sleep that it does not bring into this order of the worlds during sleep what it has experienced externally in the physical world. Proper education must lead to a state where what a person experiences on the physical plane is carried into the activities of the soul-spirit or the spiritual soul from the moment of falling asleep until waking up. As teachers and educators, we cannot teach the child anything at all about the higher world. For whatever enters a person from the higher world does so during the time between falling asleep and waking up. We can only make use of the time a person spends on the physical plane in such a way that they can gradually carry what we do with them into the spiritual world, and that through this carrying, the power they can take with them from the spiritual world can flow back into the physical world, enabling them to be a true human being in their physical existence.
[ 27 ] So wird zunächst alle Unterrichts- und Erziehungstätigkeit gelenkt auf ein recht hohes Gebiet, auf das Lehren des richtigen Atmens und auf das Lehren des richtigen Rhythmus im Abwechseln zwischen Schlafen und Wachen. Wir werden selbstverständlich solche Verhaltungsmaßregeln beim Erziehen und Unterrichten kennenlernen, die nicht etwa auf eine Dressur des Atmens hinauslaufen oder auf eine Dressur von Schlafen und Wachen. Das wird alles nur im Hintergrund stehen. Das, was wir kennenlernen werden, werden konkrete Maßregeln sein. Aber wir müssen uns bis in die Fundamente hinein bewußt sein dessen, was wir tun. So werden wir uns bewußt werden müssen, wenn wir einem Kinde diesen oder jenen Lehrgegenstand beibringen, daß wir dann in der einen Richtung wirken auf das mehr in den physischen Leib Hineinbringen der Geistseele und in der anderen Richtung mehr auf das Hereinbringen der Körperleiblichkeit in die Geistseele.
[ 27 ] Thus, all teaching and educational activities are initially directed toward a rather high level: the teaching of proper breathing and the teaching of the proper rhythm in the alternation between sleeping and waking. Of course, we will learn behavioral guidelines for education and instruction that do not amount to training in breathing or in the alternation of sleep and wakefulness. All of that will remain in the background. What we will learn will be concrete guidelines. But we must be deeply aware, right down to the very foundations, of what we are doing. Thus, when we teach a child this or that subject, we will have to be aware that, on the one hand, we are working to bring the spirit-soul more fully into the physical body, and on the other hand, to bring physicality more fully into the spirit-soul.
[ 28 ] Unterschätzen wir nicht, daß das wichtig ist, was jetzt gesagt ist, denn Sie werden nicht gute Erzieher und Unterrichter werden, wenn Sie bloß auf dasjenige sehen werden, was Sie tun, wenn Sie nicht auf dasjenige sehen werden, was Sie sind. Wir haben ja die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft eigentlich aus dem Grunde, um die Bedeutsamkeit dieser Tatsache einzusehen, daß der Mensch in der Welt wirkt nicht nur durch dasjenige, was er tut, sondern vor allem durch dasjenige, was er ist. Es ist einmal ein großer Unterschied, meine lieben Freunde, ob der eine Lehrer in die Schule durch die Klassentür zu einer kleineren oder größeren Anzahl von Schülern hineingeht oder der andere Lehrer. Es ist ein großer Unterschied, und der liegt nicht bloß darin, daß der eine Lehrer geschickter ist, die äußerlichen pädagogischen Handgriffe so oder so zu machen, als der andere; sondern der hauptsächlichste Unterschied, der wirksam ist beim Unterricht, rührt her von dem, was der Lehrer in der ganzen Zeit seines Daseins an Gedankenrichtung hat, die er durch die Klassentür hereinträgt. Ein Lehrer, der sich beschäftigt mit Gedanken vom werdenden Menschen, wirkt ganz anders auf die Schüler als ein Lehrer, der von alledem nichts weiß, der niemals seine Gedanken dahin lenkt. Denn was geschieht in dem Augenblick, wo Sie über solche Gedanken nachdenken, das heißt, wo Sie anfangen zu wissen, welche kosmische Bedeutung der Atmungsprozeß und seine Umwandlung in der Erziehung hat, welche kosmische Bedeutung der Rhythmusprozeß zwischen Schlafen und Wachen hat? In dem Augenblick, wo Sie solche Gedanken haben, bekämpft etwas in Ihnen alles das, was bloßer Persönlichkeitsgeist ist. In diesem Augenblick werden abgedämpft alle Instanzen, welche dem Persönlichkeitsgeist zugrunde liegen; es wird etwas von dem ausgelöscht, was gerade am meisten vorhanden ist im Menschen dadurch, daß er ein physischer Mensch ist.
[ 28 ] Let us not underestimate the importance of what has just been said, for you will not become good educators and teachers if you focus solely on what you do, rather than on who you are. After all, the very reason we have anthroposophically oriented Spiritual Science is to recognize the significance of this fact: that human beings act in the world not only through what they do, but above all through what they are. There is, my dear friends, a great difference between one teacher entering the classroom through the door to face a smaller or larger number of students, and another teacher doing the same. There is a great difference, and it does not lie merely in the fact that one teacher is more skilled at carrying out the external pedagogical procedures in one way or another than the other; rather, the most significant difference that has an effect on teaching stems from the teacher’s overall way of thinking throughout his or her life, which he or she brings in through the classroom door. A teacher who engages with thoughts about the developing human being has a completely different effect on the students than a teacher who knows nothing of this, who never directs his or her thoughts in that direction. For what happens at the moment when you reflect on such thoughts—that is, when you begin to understand the cosmic significance of the breathing process and its transformation in education, and the cosmic significance of the rhythmic process between sleeping and waking? At the very moment you entertain such thoughts, something within you combats everything that is merely the spirit of the personality. At that moment, all the forces underlying the spirit of the personality are subdued; something of what is most present in the human being—precisely because he is a physical being—is extinguished.
[ 29 ] Und indem Sie in diesem Ausgelöschtsein leben und hineingehen in das Klassenzimmer, kommt es durch innere Kräfte, daß sich ein Verhältnis herstellt zwischen den Schülern und Ihnen. Da kann es sein, daß die äußeren Tatsachen dem anfangs widersprechen. Sie gehen in die Schule hinein, und vielleicht haben Sie Rangen und Ranginnen vor sich, die Sie auslachen. Sie müssen so gestärkt sein durch solche Gedanken, wie wir sie hier pflegen wollen, daß Sie gar nicht achten dieses Auslachens, daß Sie es hinnehmen wie eine äußere Tatsache, ich will sagen wie die Tatsache, daß es, während Sie ohne Regenschirm ausgegangen sind, plötzlich beginnt zu regnen. Gewiß, das ist eine unangenehme Überraschung. Aber gewöhnlich macht der Mensch selbst einen Unterschied zwischen dem Ausgelachtwerden und dem Überraschtwerden durch den Regen, wenn man keinen Schirm hat. Es darf kein Unterschied gemacht werden. Wir müssen so starke Gedanken entwickeln, daß dieser Unterschied nicht gemacht wird, daß wir dieses Ausgelachtwerden wie einen Regenguß hinnehmen. Wenn wir durchdrungen sind von diesen Gedanken, und namentlich den rechten Glauben an sie haben, dann wird das über uns kommen, was vielleicht erst nach acht Tagen, vielleicht erst nach vierzehn Tagen, vielleicht nach noch längerer Zeit eintritt — wenn wir noch so sehr ausgelacht werden von den Kindern: daß wir ein Verhältnis zu den Kindern herstellen, das wir für das wünschenswerte halten. Wir müssen dieses Verhältnis auch gegen Widerstand herstellen durch das, was wir aus uns selbst machen. Und wir müssen uns vor allen Dingen der ersten pädagogischen Aufgabe bewußt werden, daß wir erst selbst aus uns etwas machen müssen, daß eine gedankliche, daß eine innere spirituelle Beziehung herrscht zwischen dem Lehrer und den Kindern und daß wir in das Klassenzimmer eintreten in dem Bewußtsein: Diese spirituelle Beziehung ist da, nicht bloß die Worte, die Ermahnungen, die ich die Kinder erfahren lasse, die Geschicklichkeit im Unterrichten wird da sein. Das alles sind Äußerlichkeiten, die wir gewiß pflegen müssen; aber wir werden sie nicht richtig pflegen, wenn wir nicht als Grundtatsache herstellen das ganze Verhältnis zwischen den Gedanken, die uns selbst erfüllen, und den Tatsachen, die während des Unterrichts an Leib und Seele der Kinder vor sich gehen sollen. Unsere ganze Haltung im Unterrichten würde nicht vollständig sein, wenn wir nicht das Bewußtsein in uns tragen würden: der Mensch wurde geboren; dadurch wurde ihm die Möglichkeit gegeben, dasjenige zu tun, was er nicht konnte in der geistigen Welt. Wir müssen erziehen und unterrichten, der Atmung erst die richtige Harmonie geben zur geistigen Welt. Der Mensch konnte nicht in derselben Weise den rhythmischen Wechsel vollziehen zwischen Wachen und Schlafen in der geistigen Welt wie in der physischen Welt. Wir müssen diesen Rhythmus so regeln durch Erziehung und Unterricht, daß in der rechten Weise im Menschen eingegliedert werde Körperleib oder Leibeskörper in Seelengeist oder Geistseele. Das ist etwas, was wir selbstverständlich nicht so wie eine Abstraktion vor uns haben und als solche unmittelbar im Unterricht verwenden sollen, aber als Gedanke von der menschlichen Wesenheit muß es uns beherrschen.
[ 29 ] And as you live in this state of self-effacement and enter the classroom, inner forces bring about a relationship between you and your students. It may be that outward circumstances initially seem to contradict this. You walk into the school, and perhaps you find yourself facing students who laugh at you. You must be so strengthened by the kind of thoughts we seek to cultivate here that you pay no attention to this mockery at all, that you accept it as an external fact—I mean, like the fact that it suddenly starts to rain while you’ve gone out without an umbrella. Certainly, that is an unpleasant surprise. But usually, people themselves draw a distinction between being laughed at and being surprised by the rain when they don’t have an umbrella. No such distinction should be made. We must develop thoughts so strong that this distinction is not made, so that we accept this mockery just as we would a downpour. If we are imbued with these thoughts—and, above all, have true faith in them—then what will come to pass—perhaps only after eight days, perhaps only after fourteen days, perhaps after an even longer time, no matter how much the children laugh at us—is that we will establish a relationship with the children that we consider desirable. We must establish this relationship even in the face of resistance through what we make of ourselves. And above all, we must become aware of the first pedagogical task: that we ourselves must first become something, that an intellectual, an inner spiritual relationship prevails between the teacher and the children, and that we enter the classroom with the awareness: This spiritual relationship is present—not merely the words, the admonitions I convey to the children; the skill in teaching will be there. All of these are external aspects that we certainly must cultivate; but we will not cultivate them properly unless we establish as a fundamental fact the entire relationship between the thoughts that fill us and the processes that are to take place in the children’s bodies and souls during the lesson. Our entire approach to teaching would not be complete if we did not carry within us the awareness that human beings were born; thereby they were given the opportunity to do what they could not do in the spiritual world. We must educate and teach in such a way as to first bring the breath into proper harmony with the spiritual world. In the spiritual world, human beings could not accomplish the rhythmic alternation between waking and sleeping in the same way as in the physical world. Through education and instruction, we must regulate this rhythm so that the physical body is properly integrated into the soul-spirit, or spirit-soul. This is something we naturally do not have before us as an abstraction to be used directly in the classroom, but as a concept of the human being, it must guide us.
[ 30 ] Diesen Gedanken von der menschlichen Wesenheit, den wollte ich Ihnen in dieser Einleitung sagen, und wir wollen morgen mit der eigentlichen Pädagogik beginnen.
[ 30 ] That is the idea about human nature I wanted to share with you in this introduction, and tomorrow we will begin with the actual subject of pedagogy.
