General Human Studies
as the Basis of Education
GA 293
21 August 1919, Stuttgart
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The Study of Man, tr. Harwood, et. al.
Erster Vortrag
Lecture One
[ 1 ] Meine lieben Freunde, wir kommen mit unserer Aufgabe nur zurecht, wenn wir sie nicht bloß betrachten als eine intellektuell-gemütliche, sondern als eine im höchsten Sinne moralisch-geistige; und daher werden Sie es begreiflich finden, daß wir, indem wir heute diese Arbeit beginnen, uns zunächst besinnen auf den Zusammenhang, den wir gerade durch diese unsere Tätigkeit gleich im Anfang herstellen wollen mit den geistigen Welten. Wir müssen uns bewußt sein bei einer solchen Aufgabe, daß wir nicht arbeiten bloß als hier auf dem physischen Plan lebende Menschen; diese Art, sich Aufgaben zu stellen, hat ja gerade in den letzten Jahrhunderten besonders an Ausdehnung gewonnen, hat fast einzig und allein die Menschen erfüllt. Unter dieser Auffassung der Aufgaben ist dasjenige aus Unterricht und Erziehung geworden, was eben gerade verbessert werden soll durch die Aufgabe, die wir uns stellen. Daher wollen wir uns im Beginne dieser unserer vorbereitenden Tätigkeit zunächst darauf besinnen, wie wir im einzelnen die Verbindung mit den geistigen Mächten, in deren Auftrag und deren Mandat jeder einzelne von uns gewissermaßen wird arbeiten müssen, herstellen. Ich bitte Sie daher, diese einleitenden Worte aufzufassen als eine Art Gebet zu denjenigen Mächten, die imaginierend, inspirierend, intuitierend hinter uns stehen sollen, indem wir diese Aufgabe übernehmen.
[ 1 ] Not translated
[Die sich hier anschließenden Worte wurden nicht mitstenographiert. Siehe Hinweise S. 217 f.]
Not translated
[ 2 ] [Aufzeichnungen von Herbert Hahn:] Wir dürfen, indem wir uns aktiv der Pädagogik dieser fünften Kulturepoche zuwenden und als Lehrkräfte in ihr tätig sein wollen, im Bewusstsein tragen, dass die Wesen der dritten Hierarchie sich mit unserer Arbeit zu verbinden anschicken.
[ 2 ] Not translated
[ 3 ] Hinter jedem einzelnen Mitglied des werdenden Lehrerkollegiums sehen wir den Engel stehen. Er legt beide Hände auf das Haupt des seiner Hut vertrauten Erdenmenschen. Und in dieser Haltung und mit dieser Gebärde lässt er Kraft hinüberströmen. Es ist die Kraft, welche das zu vollbringende Werk mit den nötigen Imaginationen begabt. Schöpferisch imaginierend, Imaginationen kraftvoll weckend, steht so hinter dem Einzelnen der Engel.
[ 3 ] Not translated
[ 4 ] Erhebt sich der Blick, dann sieht er über den Häuptern der werdenden Lehrerschaft schwebend eine Schar von Erzengeln. Kreisend und im Kreise wiederkehrend tragen sie das, was als Ergebnis der Geistbegegnung des Einzelnen mit seinem Engel erwachsen will, zu jedem anderen hin. Und sie tragen es, durch die Kraft aller anderen bereichert, zum Einzelnen wieder zurück. — In diesem Kreisen, das wie eine geistige Bildnertätigkeit wirkt, bildet sich über den Häuptern der im gemeinsamen Streben Verbundenen — eine Schale. Und diese Schale hat eine ganz bestimmte Substanz: Sie ist gebildet aus Mut. — Zugleich lassen die kreisend verbindenden Erzengel in ihre Bewegung, in ihr Bilden schöpferisch inspirative Kräfte einströmen. Sie eröffnen die Quelle für jene Inspirationen, die wir für unser Werk nötig haben.
[ 4 ] Not translated
[ 5 ] Indem der Blick des Schauenden sich noch weiter erhebt, reicht er hinauf bis zu der Region der Archai. Sie stellen sich nicht als Gesamtheit dar. Aber aus ihrer Sphäre, der Sphäre des Lichtes, lassen sie einen Tropfen herunterfallen in die Schale des Mutes. Wir dürfen empfinden, dass dieser Lichtestropfen uns geschenkt wird von dem gMen Geiste unserer Zeit, der hinter dem Gründer und hinter der Gründung dieser neuen Schule steht. Es sind schöpferische Intuitionskräfte, die in dieser Lichtesgabe wirken. Sie wollen in den jetzt an das junge pädagogische Werk Gehenden die notwendigen Intuitionen erwecken.
[ 5 ] Not translated
[ 6 ] So nimmt — Kraft, Mut und Licht schenkend — die dritte Hierarchie an der sich jetzt vollziehenden Gründung teil. Imaginierend, inspirierend, intuitierend will sie sich verbinden mit unserem irdischen Tun.
[ 6 ] Not translated
[ 7 ] [Aus einem frühen, undatierten Notizbuch von Herbert Hahn:] Stellen Sie sich vor, wie hinter jedem Einzelnen von Ihnen sein Engel steht: Der Engel will Kraft geben.
[ 7 ] Not translated
[ 8 ] Über Ihnen allen kreist, die Arbeitsfrüchte und Erfahrungen jedes Einzelnen zu jedem anderen tragend, ein Reigen von Erzengeln. Aus ihrem Kreisen und Tragen bilden die Erzengel eine Schale des Mutes. Aus der Höhe senkt der gute Geist der Zeit, der einer der Archai ist, einen Tropfen Lichtes in die Schale: So schenken die Archai einen Tropfen Licht.
[ 8 ] Not translated
[ 9 ] [Aufzeichnungen von Caroline von Heydebrand:] Wir wollen unsere Gedanken so gestalten, dass wir das Bewusstsein haben können: Hinter jedem von uns steht sein Engel, ihm die Hände sanft aufs Haupt legend; dieser Engel gibt Euch die Kraft, die Ihr braucht. Über Euren Häuptern schwebt der Reigen der Erzengel. Sie tragen von einem zum andern, was einer dem andern zu geben hat. Sie verbinden Eure Seelen. Dadurch wird Euch der Mut, dessen Ihr bedürft. (Aus dem Mut bilden die Erzengel eine Schale.) — Das Licht der Weisheit wird uns geschenkt von den erhabenen Wesenheiten der Archai, welche sich nicht im Reigen abschließen, sondern aus Urbeginnen kommend sich offenbaren und in Urfernen verschwinden. Sie ragen nur wie eine Tropfenform hinein in diesen Raum. (In die Schale des Mutes hinein fällt von dem wirkenden Zeitgeist ein Tropfen des Zeitenlichtes.)
[ 9 ] Not translated

Not translated
[ 10 ] [Tagebucheintragung zum 21. August 1919 von Walter Johannes Stein:] «Beginn des Kurses. Eröffnung durch Dr. Steiner 9 Uhr Kraft — Engel, Mut — Erzengel, Licht — Archai. Dankt den ... [guten Geistern], die Molt die Idee eingaben. Die Götter werden mit dem Weiterarbeiten, was aus unserem Tun wird.»
[ 10 ] Not translated
[ 11 ] Meine lieben Freunde! Es obliegt uns, die Wichtigkeit unserer Aufgabe zu empfinden. Wir werden dies, wenn wir diese Schule als mit einer besonderen Aufgabe ausgerüstet wissen. Und da wollen wir unsere Gedanken wirklich konkretisieren, wir wollen unsere Gedanken wirklich so gestalten, daß wir das Bewußtsein haben können, daß etwas Besonderes mit dieser Schule ausgeführt wird. Wir werden das nur, wenn wir gewissermaßen nicht in das Alltägliche versetzen dasjenige, was mit dieser Schulbegründung getan worden ist, sondern wenn wir es als einen Festesakt der Weltenordnung betrachten. In diesem Sinne möchte ich als erstes geschehen lassen, daß ich hier im Namen des guten Geistes, der führen soll die Menschheit aus der Not und dem Elend heraus, im Namen dieses guten Geistes, der die Menschheit führen soll zu der höheren Stufe der Entwickelung in Unterricht und Erziehung, den allerherzlichsten Dank ausspreche denjenigen guten Geistern gegenüber, die unserem lieben Herrn Molt den guten Gedanken eingegeben haben, in dieser Richtung und an diesem Platze für die Weiterentwickelung der Menschheit dasjenige zu tun, was er mit der Waldorfschule getan hat. Ich weiß, er ist sich bewußt, daß man dasjenige, was man für diese Aufgabe tun kann, heute doch nur mit schwachen Kräften tun kann. Er sieht die Sache so an; aber er wird gerade dadurch, daß wir mit ihm vereint die Größe der Aufgabe und den Moment, in dem sie begonnen wird, als einen feierlichen in die Weltenordnung hineingestellt empfinden, er wird gerade dadurch mit der rechten Kraft innerhalb unserer Mitte wirken können. Von diesem Gesichtspunkte aus, meine lieben Freunde, wollen wir unsere Tätigkeit beginnen. Wir wollen uns selbst alle betrachten als Menschenwesenheiten, welche das Karma an den Platz gestellt hat, von dem aus nicht etwas Gewöhnliches, sondern etwas geschehen soll, was bei den Mittuenden die Empfindung eines feierlichen Weltenaugenblickes in sich schließt. Dasjenige, was ich dann im Anschluß an diese heutige feierliche Eröffnung unserer Vorbereitung zu sagen haben werde, das wird gesagt werden am Ende unseres Kurses, wo sich manches geklärt haben wird, wo wir in einem viel konkreteren Sinne noch vor der Aufgabe stehen werden, die wir uns heute zu stellen beginnen.
[ 11 ] Not translated
Emil Molt: Wenn ich in diesem feierlichen Augenblick das Wort nehmen darf, so geschieht es, um den herzlichsten Dank auszudrücken dafür, daß es mir vergönnt war, diesen Moment hier zu erleben, und daß ich geloben will, was in meiner schwachen Kraft liegt, mitzuwirken an diesem großen Werke, das wir heute beginnen.
Not translated
[ 12 ] Meine lieben Freunde, das erste, womit wir beginnen wollen, müssen Auseinandersetzungen sein über unsere pädagogische Aufgabe, Auseinandersetzungen, zu denen ich heute eine Art von Einleitung zu Ihnen sprechen möchte. Unsere pädagagogische Aufgabe wird sich ja unterscheiden müssen von den pädagogischen Aufgaben, die sich die Menschheit bisher gestellt hat. Nicht aus dem Grunde wird sie sich unterscheiden sollen, weil wir in eitlem Hochmut glauben, daß wir gerade von uns aus gewissermaßen eine neue pädagogische Weltenordnung beginnen sollen, sondern weil wir aus anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft heraus uns klar darüber sind, daß die aufeinanderfolgenden Entwickelungsepochen der Menschheit dieser Menschheit immer andere Aufgaben stellen werden. Eine andere Aufgabe hatte die Menschheit in der ersten, eine andere in der zweiten bis herein in unsere fünfte nachatlantische Entwickelungsepoche. Und es ist nun einmal so, daß dasjenige, was in einer Entwickelungsepoche der Menschheit getan werden soll, dieser Menschheit erst zum Bewußtsein kommt, einige Zeit nachdem diese Entwickelungsepoche begonnen hat.
[ 12 ] We will begin by making a preliminary survey of our educational task; and to this I would like to give you a kind of introduction to-day. Of necessity our educational task will differ from those which mankind has set itself hitherto. Not that we are so vain or proud as to imagine that we, of ourselves, should initiate a new world-wide order in education, but because from anthroposophical spiritual science we know that the epochs of human evolution as they succeed each other must always set humanity fresh tasks. The task of mankind in the first Post-Atlantean epoch was different, it was different again in the second, and so on down to our fifth Post-Atlantean epoch. And we must realise that, in actual fact, what has to be accomplished in any one epoch of human evolution does not enter into the consciousness of mankind until some time after this epoch has begun.
[ 13 ] Die Entwickelungsepoche, in der wir heute stehen, hat in der Mitte des 15. Jahrhunderts begonnen. Heute kommt gewissermaßen aus den geistigen Untergründen heraus erst die Erkenntnis, was gerade in bezug auf die Erziehungsaufgabe innerhalb dieser unserer Epoche getan werden soll. Die Menschen haben bisher, selbst wenn sie mit dem allerbesten Willen pädagogisch gearbeitet haben, noch im Sinne der alten Erziehung gearbeitet, noch im Sinne derjenigen der vierten nachatlantischen Entwickelungsepoche. Vieles wird davon abhängen, daß wir von vornherein uns einzustellen wissen für unsere Aufgabe, daß wir verstehen lernen, daß wir uns für unsere Zeit eine ganz bestimmte Richtung zu geben haben; eine Richtung, die nicht deshalb wichtig ist, weil sie absolut für die ganze Menschheit in ihrer Entwickelung gelten soll, sondern weil sie gelten soll gerade für unsere Zeit. Der Materialismus hat außer dem anderen noch das hervorgebracht, daß die Menschen kein Bewußtsein haben von den besonderen Aufgaben einer besonderen Zeit. Als allererstes aber, bitte, nehmen Sie das in sich auf, daß besondere Zeiten ihre besonderen Aufgaben haben.
[ 13 ] The epoch of evolution in which we live to-day began in the middle of the fifteenth century. And only now is there coming forth, from spiritual depths as it were, a perception of what has to be done in this epoch, particularly in the realm of education. Hitherto, even with the best will in the world, men's work in education has been done in the light of the old education; I mean in the sense of the education of the fourth Post-Atlantean epoch. Now much will depend on our placing ourselves in the right relation to our task at the outset. We must learn to understand that we have to give a very definite guidance to our age—guidance which is of importance, not because it is considered valid for the whole evolution of humanity, but because it is valid just for this age of ours. For, amongst other things, materialism has brought it about that men have no idea of the particular tasks of a particular age. Please do understand this at the very beginning: particular epochs have their own particular tasks.
[ 14 ] Sie werden zur Erziehung und zum Unterricht Kinder zu übernehmen haben, allerdings Kinder schon eines bestimmten Alters, und Sie werden ja dabei bedenken müssen, daß Sie diese Kinder übernehmen, nachdem sie schon in der allerersten Epoche ihres Lebens die Erziehung, vielleicht oftmals die Mißerziehung der Eltern durchgemacht haben. Vollständig erfüllt wird dasjenige, was wir wollen, doch erst werden, wenn wir einmal so weit sind als Menschheit, daß auch die Eltern verstehen werden, daß schon in der ersten Epoche der Erziehung besondere Aufgaben der heutigen Menschheit gestellt sind. Wir werden manches, was verfehlt worden ist in der ersten Lebensepoche, doch noch ausbessern können, wenn wir die Kinder zur Schule bekommen.
[ 14 ] You will have to take over children for their education and instruction—children who will have received already (as you must remember) the education, or mis-education given them by their parents. Indeed our intentions will only be fully accomplished when we, as humanity, will have reached the stage where parents, too, will understand that special tasks are set for mankind to-day, even for the first years of the child's education. But when we receive the children into the school we shall still be able to make up for many things which have been done wrongly, or left undone, in the first years of the child's life.
[ 15 ] Wir müssen uns aber ganz stark durchdringen von dem Bewußtsein, aus dem heraus wir, jeder einzelne, unseren Unterricht und unsere Erziehung auffassen.
[ 15 ] For this we must fill ourselves with the consciousness through which alone we can truly teach and educate.
[ 16 ] Vergessen Sie nicht, indem Sie sich Ihrer Aufgabe widmen, daß die ganze heutige Kultur, bis in die Sphäre des Geistigen hinein, gestellt ist auf den Egoismus der Menschheit. Betrachten Sie unbefangen das geistigste Gebiet, dem sich der Mensch heute hingibt, betrachten Sie das religiöse Gebiet, und fragen Sie sich, ob nicht unsere heutige Kultur gerade auf dem religiösen Gebiet hingeordnet ist auf den Egoismus der Menschen. Typisch ist es gerade für das Predigtwesen in unserer Zeit, daß der Prediger den Menschen angreifen will im Egoismus. Nehmen Sie gleich dasjenige, was den Menschen am tiefsten erfassen soll: die Unsterblichkeitsfrage, und bedenken Sie, daß heute fast alles, selbst im Predigtwesen, darauf hingeordnet ist, den Menschen so zu erfassen, daß sein Egoismus für das Übersinnliche ins Auge gefaßt wird. Durch den Egoismus hat der Mensch den Trieb, nicht wesenlos durch die Pforte des Todes hindurchzugehen, sondern sein Ich zu erhalten. Dies ist ein, wenn auch noch so verfeinerter, Egoismus. An diesen Egoismus appelliert heute in weitestem Umfange auch jedes religiöse Bekenntnis, wenn es sich um die Unsterblichkeitsfrage handelt. Daher spricht vor allen Dingen das religiöse Bekenntnis so zu den Menschen, daß es meistens das eine Ende unseres irdischen Daseins vergißt und nur Rücksicht nimmt auf das andere Ende dieses Daseins, daß der Tod vor allen Dingen ins Auge gefaßt wird, daß die Geburt vergessen wird.
[ 16 ] In devoting yourselves to your task do not forget that the whole civilisation of to-day, even into the sphere of the most spiritual life, is founded on the egoism of humanity. In the first place, consider with an open mind that domain of spiritual life which receives men's reverence to-day—the domain of religion. Ask yourselves if our present civilisation, particularly in the religious sphere, is not so constituted, as to appeal to man's egoism. It is typical of all sermons and preaching of our time that the preacher tries to reach men through their egoism. Take for example that question which should concern people most deeply—the question of immortality. You will see how almost everything to-day, even in sermons and exhortations, is directed by the preachers to appeal to man's egoism in the super-sensible sphere. Egoism impels man to cling to his own being as he passes through the gate of death, to preserve his Ego. This is a form of egoism, however refined. And to-day every religious denomination appeals largely to this egoism when treating of immortality. Hence official religion mostly forgets one end of our earthly existence in addressing man, and takes account only of the other. It fixes its gaze on death and forgets birth. Though these things may not be openly acknowledged, they are nevertheless underlying tendencies.
[ 17 ] Wenn auch die Dinge nicht so deutlich ausgesprochen werden, so liegen sie doch zugrunde. Wir leben in der Zeit, in der dieser Appell an den menschlichen Egoismus in allen Sphären bekämpft werden muß, wenn die Menschen nicht auf dem absteigenden Wege der Kultur, auf dem sie heute gehen, immer mehr und mehr abwärts gehen sollen. Wir werden uns immer mehr und mehr bewußt werden müssen des anderen Endes der menschlichen Entwickelung innerhalb des Erdendaseins: der Geburt. Wir werden in unser Bewußtsein die Tatsache aufnehmen müssen, daß der Mensch sich entwickelt eine lange Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, daß er innerhalb dieser Entwickelung an einen Punkt gelangt ist, wo er für die geistige Welt gewissermaßen stirbt, wo er unter solchen Bedingungen in der geistigen Welt lebt, daß er dort nicht mehr weiterleben kann, ohne in eine andere Daseinsform überzugehen. Diese andere Daseinsform bekommt er dadurch, daß er sich umkleiden läßt mit dem physischen und Ätherleib. Dasjenige, was er bekommen soll durch die Umkleidung des physischen und Ätherleibes, könnte er nicht bekommen, wenn er sich in gerader Linie in der geistigen Welt nur weiterentwickeln würde. Indem wir daher das Kind von seiner Geburt an nur mit physischen Augen anblicken dürfen, wollen wir uns dabei bewußt sein: auch das ist eine Fortsetzung. Und wir wollen nicht nur sehen auf das, was das Menschendasein erfährt nach dem Tode, also auf die geistige Fortsetzung des Physischen; wir wollen uns bewußt werden, daß das physische Dasein hier eine Fortsetzung des geistigen ist, daß wir durch Erziehung fortzusetzen haben dasjenige, was ohne unser Zutun besorgt worden ist von höheren Wesen. Das wird unserem Erziehungs- und Unterrichtswesen allein die richtige Stimmung geben, wenn wir uns bewußt werden: Hier in diesem Menschenwesen hast du mit deinem Tun eine Fortsetzung zu leisten für dasjenige, was höhere Wesen vor der Geburt getan haben.
[ 17 ] We live in a time when this appeal to human egoism must be combated in every domain, if the life of mankind is not to decline further and further on its present downward course. We must become more and more conscious of the other end of man's development on earth, namely birth. We must consciously face this fact: that man evolves through a long period between death and a new birth and that then, within this evolution, he reaches a point where he dies, as it were, for the spiritual world—where conditions of his life in the spiritual world oblige him to pass over into another form of existence. He receives this other form of existence in that he lets himself be clothed with the physical and etheric body. What he has to receive by being clothed with the physical and etheric body he could not receive if he were simply to go on evolving in a straight line in the spiritual world. Hence although from his birth onwards we may only look upon the child with physical eyes, we will all the time be conscious of the fact—“this too is a continuation.” And we will not only look to what human existence experiences after death, i.e. to the spiritual continuation of the physical; but we will be conscious that physical existence here is a continuation of the spiritual, and that we, through education, have to carry on what has hitherto been done by higher beings without our participation. This alone will give the right mood and feeling to our whole system of teaching and education, if we fill ourselves with the consciousness: here, in this human being, you, with your action, have to achieve a continuation of what higher beings have done before his birth.
[ 18 ] Man wird heute, wo die Menschen in ihren Gedanken und Empfindungen den Zusammenhang verloren haben mit den geistigen Welten, oftmals in abstrakter Art um etwas gefragt, was eigentlich als Frage einer geistigen Weltauffassung gegenüber keinen rechten Sinn hat. Man wird gefragt, wie man die sogenannte vorgeburtliche Erziehung leiten soll. Es gibt viele Menschen, die nehmen heute die Dinge abstrakt; wenn man die Dinge konkret nimmt, kann man das Fragen in gewissen Gebieten nicht in beliebiger Weise weitertreiben. Ich habe einmal das Beispiel erwähnt: Man sieht auf einer Straße Furchen. Da kann man fragen: Woher sind sie? — Weil ein Wagen gefahren ist. — Warum ist der Wagen gefahren? — Weil die, die darin sitzen, einen bestimmten Ort erreichen wollten. — Warum wollten sie einen bestimmten Ort erreichen? — Einmal hört in der Wirklichkeit die Fragestellung auf. Bleibt man im Abstrakten, so kann man immer weiter fragen: warum? Man kann das Rad des Fragens immerfort weiter drehen. Das konkrete Denken findet immer ein Ende, das abstrakte Denken läuft mit dem Gedanken immer endlos wie ein Rad herum. So ist es auch mit den Fragen, die über nicht so naheliegende Gebiete gestellt werden. Die Menschen denken über Erziehung nach und fragen über die vorgeburtliche Erziehung. Aber, meine lieben Freunde, vor der Geburt ist das Menschenwesen noch in der Hut über dem Physischen stehender Wesenheiten. Denen müssen wir die unmittelbare einzelne Beziehung überlassen zwischen der Welt und dem einzelnen Wesen. Daher hat die vorgeburtliche Erziehung noch keine Aufgabe für das Kind selbst. Die vorgeburtliche Erziehung kann nur eine unbewußte Folge desjenigen sein, was die Eltern, insbesondere die Mutter, leisten. Verhält sich die Mutter bis zu der Geburt so, daß sie in sich selbst zum Ausdruck bringt dasjenige, was im rechten Sinn moralisch und intellektuell das Richtige ist, so wird ganz von selbst das, was sie in fortgesetzter Selbsterziehung vollbringt, übergehen auf das Kind. Je weniger man daran denkt, das Kind, schon bevor es das Licht der Welt erblickt, zu erziehen, und je mehr man daran denkt, selbst ein entsprechend rechtes Leben zu führen, desto besser wird es für das Kind sein. Die Erziehung kann erst angehen, wenn das Kind wirklich eingegliedert ist in die Weltenordnung des physischen Planes, und das ist dann, wenn das Kind beginnt, die äußere Luft zu atmen.
[ 18 ] In this age when men have lost connection with the spiritual worlds in their thought and feeling, we are often asked an abstract question which in the light of a spiritual conception of the world has no real meaning. We are asked how so-called pre-natal education should be conducted. There are many people to-day who take things abstractly, but, if one takes them concretely,' then in certain domains one simply cannot continue asking questions in an arbitrary manner. I once gave this example: on a road we see tracks. We can ask: Why are they there? Because a carriage has been driven over the road. Why was the carriage driven? Because its occupants wanted to reach a certain destination. Why did they want to reach a certain destination? The asking of questions must come to a stop somewhere in reality. If we remain in abstractions we can continue for ever asking: Why? We can go on turning the wheel of questions without end. Concrete thought will always find an end, but abstract thought goes on running round like a wheel for ever. And so it is with the questions that are asked about domains that do not lie so close at hand. People begin thinking about education and then they ask about pre-natal education. But, my dear friends, before birth the human being is still in the protection of Beings who stand above the physical. It is to them that we must leave the immediate and individual relationship between the world and the human being. Hence a pre-natal education cannot be addressed to the child itself. It can only be an unconscious result of what the parents—especially the mother—achieve. If until birth the mother behaves in such a way that she brings to expression in herself what is morally and intellectually right, in the true sense of the word, then of its own accord what the mother achieves in this continuous self-education will pass over to the child. The less we think of beginning to educate the child before it sees the light of the world and the more we think of leading a right and proper life ourselves, the better will it be for the child. Education can only begin when the child becomes a true member of the physical world—and that is when he begins to breathe the external air.
[ 19 ] Wenn nun das Kind auf den physischen Plan herausgetreten ist, dann müssen wir uns bewußt sein, was eigentlich für das Kind geschehen ist im Übergang von einem geistigen zu einem physischen Plan. Sehen Sie, da müssen wir vor allen Dingen uns bewußt werden, daß sich das Menschenwesen wirklich aus zwei Gliedern zusammensetzt. Bevor das Menschenwesen die physische Erde betritt, wird eine Verbindung eingegangen zwischen dem Geist und der Seele; dem Geist, insofern wir darunter verstehen dasjenige, was in der physischen Welt heute noch ganz verborgen ist und was wir anthroposophisch-geisteswissenschaftlich nennen: der Geistesmensch, der Lebensgeist, das Geistselbst. Mit diesen drei Wesensgliedern des Menschen ist es ja so, daß sie gewissermaßen in der übersinnlichen Sphäre vorhanden sind, zu der wir uns nun hindurcharbeiten müssen, und wir stehen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt schon in einer gewissen Beziehung zu Geistesmensch, Lebensgeist und Geistselbst. Die Kraft, die von dieser Dreiheit ausgeht, die durchdringt das Seelische des Menschen: Bewußtseinsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Empfindungsseele.
[ 19 ] Now when the child has come forth on to the physical plane, we must realise what has really happened for him in the transition from a spiritual to a physical plane. Firstly, we must recognise that the human being is really composed of two members. Before the human being comes down to earth a union is entered into between the spirit and the soul—meaning by spirit what for the physical world of to-day is still entirely hidden, and what in Spiritual Science we call Spirit-Man, Life-Spirit, Spirit-Self. These three members of man's being are present in a certain way in the super-sensible sphere to which we must now work our way through. And between death and a new birth we do already stand in a certain relationship to Spirit-Man, Life-Spirit, Spirit-Self. Now the force which proceeds from this trinity permeates the Soul element in man: Consciousness Soul, Intellectual or Mind Soul, and Sentient Soul.
[ 20 ] Und wenn Sie betrachten würden das Menschenwesen, das sich anschickt, nachdem es durchgegangen ist durch das Dasein zwischen Tod und neuer Geburt, in die physische Welt hinunterzusteigen, dann würden Sie das eben charakterisierte Geistige zusammengebunden finden mit dem Seelischen. Der Mensch steigt gewissermaßen als Geistseele oder Seelengeist aus einer höheren Sphäre in das irdische Dasein. Mit dem irdischen Dasein umkleidet er sich. Wir können ebenso dieses andere Wesensglied, das sich mit dem eben gekennzeichneten verbindet, charakterisieren, wir können sagen: Da unten auf der Erde wird der Geistseele entgegengebracht dasjenige, was entsteht durch die Vorgänge der physischen Vererbung. Nun wird an den Seelengeist oder die Geistseele der Körperleib oder der Leibeskörper so herangebracht, daß wiederum zwei Dreiheiten verbunden sind. Bei der Geistseele sind verbunden Geistesmensch, Lebensgeist und Geistselbst mit dem Seelischen, das besteht aus Bewußtseinsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Empfindungsseele. Die sind miteinander verbunden und sollen sich verbinden beim Herabsteigen in die physische Welt mit Empfindungsleib oder Astralleib, Ätherleib, physischem Leib. Aber diese sind ihrerseits wiederum verbunden zuerst im Leibe der Mutter, dann in der physischen Welt mit den drei Reichen der physischen Welt, dem mineralischen, dem Pflanzen- und dem Tierreich, so daß auch hier zwei Dreiheiten miteinander verbunden sind.
[ 20 ] And if you were to observe the human being when, having passed through the existence between death and a new birth, he is just preparing to descend into the physical world, then you would find the spiritual which we have just described united with the soul. Man descends, as it were, as Spirit-Soul or Soul-Spirit from a higher sphere into earthly existence. He clothes himself with earthly existence. In a similar way we can describe the other member of man's being which unites itself with the one just described. We can say: down there on the earth the Spirit-Soul is met by what arises through the processes of physical inheritance. And now the Soul-Spirit or Spirit-Soul meets with the Life-Body in such a way that two trinities are united with two other trinities. In the Spirit-Soul: Spirit-Man, Life-Spirit and Spirit-Self are united with that which is soul, namely: Consciousness-Soul, Intellectual Soul and Sentient Soul. These two trinities are united with one another, and descend into the physical world where they are now to unite with the Sentient or Astral body, Etheric body and Physical body. But these in turn are united—first in the body of the mother and then in the physical world—with the three kingdoms of the physical world: the mineral, the plant and the animal kingdoms. So that here again, two trinities are united with one another.
[ 21 ] Betrachten Sie das Kind, das hereingewachsen ist in die Welt, mit der genügenden Unbefangenheit, so werden Sie richtig wahrnehmen: Hier in dem Kind ist noch unverbunden Seelengeist oder Geistseele mit Leibeskörper oder Körperleib. Die Aufgabe der Erziehung, im geistigen Sinn erfaßt, bedeutet das In-Einklang-Versetzen des Seelengeistes mit dem Körperleib oder dem Leibeskörper. Die müssen miteinander in Harmonie kommen, müssen aufeinander gestimmt werden, denn die passen gewissermaßen, indem das Kind hereingeboren wird in die physische Welt, noch nicht zusammen. Die Aufgabe des Erziehers und auch des Unterrichters ist das Zusammenstimmen dieser zwei Glieder.
[ 21 ] If you regard with an open mind the child who has found his way into earthly life, you will observe that here in the child, Soul-Spirit or Spirit-Soul is as yet dis-united from the Life-Body. The task of education conceived in the spiritual sense is to bring the Soul-Spirit into harmony with the Life-Body. They must come into harmony with one another. They must be attuned to one another; for when the child is born into the physical world, they do not as yet fit one another. The task of the educator, and of the teacher too, is the mutual attunement of these two members.
[ 22 ] Nun, fassen wir diese Aufgabe etwas mehr im Konkreten. Unter all diesen Beziehungen, welche der Mensch zur Außenwelt hat, ist die allerwichtigste das Atmen. Aber das Atmen beginnen wir ja gerade, indem wir die physische Welt betreten. Das Atmen im Mutterleib ist noch sozusagen ein vorbereitendes Atmen, es bringt den Menschen noch nicht in vollkommenen Zusammenhang mit der Außenwelt. Dasjenige, was im rechten Sinn Atmen genannt werden soll, beginnt der Mensch erst, wenn er den Mutterleib verlassen hat. Dieses Atmen bedeutet sehr, sehr viel für die menschliche Wesenheit, denn in diesem Atmen liegt ja schon das ganze dreigliedrige System des physischen Menschen.
[ 22 ] Let us now consider this task more concretely. Amongst all the relationships which man has to the external world, the most important of all is breathing. We begin breathing at the very moment we enter the physical world. Breathing in the mother-body is still, if I may put it so, a preparatory breathing: it does not yet bring the being into a complete connection with the external world. The child only begins to breathe in the right sense of the word when he has left the mother-body. Now this breathing signifies a very great deal for the human being, for in this breathing there dwells already the whole threefold system of physical man.
[ 23 ] Wir rechnen zu den Gliedern des dreigliedrigen physischen Menschensystems zunächst den Stoffwechsel. Aber der Stoffwechsel hängt an dem einen Ende mit dem Atmen innig zusammen; der Atmungsprozeß hängt stoffwechselmäßig mit der Blutzirkulation zusammen. Die Blutzirkulation nimmt die auf anderem Wege eingeführten Stoffe der äußeren Welt auf in den menschlichen Körper, so daß gewissermaßen auf der einen Seite das Atmen mit dem ganzen Stoffwechselsystem zusammenhängt. Das Atmen hat also seine eigenen Funktionen, aber es hängt doch auf der einen Seite mit dem Stoffwechselsystem zusammen.
[ 23 ] You know that amongst the members of the threefold physical human system we reckon, in the first place, the digestion and metabolism. But the metabolism, the assimilation, is intimately connected at one end with the breathing. The breathing process is connected with the blood circulation through metabolism. The blood circulation receives into the human body the substances of the external world which are introduced by another path, so that on the one hand the breathing is connected with the whole metabolic system or digestive system.
[ 24 ] Auf der anderen Seite hängt dieses Atmen auch zusammen mit dem Nerven-Sinnesleben des Menschen. Indem wir einatmen, pressen wir fortwährend das Gehirnwasser in das Gehirn hinein; indem wir ausatmen, prellen wir es zurück in den Körper. Dadurch verpflanzen wir den Atmungsrhythmus auf das Gehirn. Und wie das Atmen zusammenhängt auf der einen Seite mit dem Stoffwechsel, so hängt es auf der anderen Seite zusammen mit dem Nerven-Sinnesleben. Wir können sagen: Das Atmen ist der wichtigste Vermittler des die physische Welt betretenden Menschen mit der physischen Außenwelt. Aber wir müssen uns auch bewußt sein, daß dieses Atmen durchaus noch nicht so verläuft, wie es zum Unterhalt des physischen Lebens beim Menschen voll verlaufen muß, namentlich nach der einen Seite nicht: es ist beim Menschen, der das physische Dasein betritt, noch nicht die richtige Harmonie, der rechte Zusammenhang hergestellt zwischen dem Atmungsprozeß und dem Nerven-Sinnesprozeß.
[ 24 ] On the other hand the breathing is also connected with the nerve-sense life of man. As we breathe in, we are continually pressing the cerebro-spinal fluid into the brain: and, as we breathe out, we press it back again into the body. Thus we transplant the rhythm of breathing to the brain. And as the breathing is connected on the one hand with digestion and assimilation, so on the other hand it is connected with the life of nerves and senses. We may say: the breathing is the most important mediator between the outer physical world and the human being who is entering it. But we must also be aware that this breathing cannot yet, by any means, function so as fully to maintain the life of the body. This applies particularly to the one side of breathing. At the beginning of his physical existence man has not yet achieved the right harmony, the right connection between the breathing process and the nerve-sense process.
[ 25 ] Betrachten wir das Kind, so müssen wir in bezug auf sein Wesen sagen: Das Kind hat noch nicht so atmen gelernt, daß das Atmen in der richtigen Weise den Nerven-Sinnesprozeß unterhält. Da liegt wiederum die feinere Charakteristik desjenigen, was mit dem Kind zu tun ist. Wir müssen zunächst die Menschenwesenheit anthropologisch-anthroposophisch verstehen. Die wichtigsten Maßnahmen in der Erziehung werden daher liegen in der Beobachtung alles desjenigen, was in der rechten Weise den Atmungsprozeß hineinorganisiert in den NervenSinnesprozeß. Im höheren Sinne muß das Kind lernen, in seinen Geist aufzunehmen dasjenige, was ihm geschenkt werden kann dadurch, daß es geboren wird zum Atmen. Sie sehen, dieser Teil der Erziehung wird hinneigen zu dem Geistig-Seelischen: dadurch, daß wir harmonisieren das Atmen mit dem Nerven-Sinnesprozeß, ziehen wir das Geistig-Seelische in das physische Leben des Kindes herein. Grob ausgedrückt, können wir sagen: Das Kind kann noch nicht innerlich richtig atmen, und die Erziehung wird darin bestehen müssen, richtig atmen zu lehren.
[ 25 ] Observation of the nature of the child will show us that he has not yet learnt to breathe in such a way that breathing maintains the nerve-sense process rightly. In this lies the finer characterisation of what we really have to do with the child. We must first gain an Anthropological-Anthroposophical understanding of the human being. Thus, the most important measures in education will consist in paying attention to all that rightly organises the breathing process into the nerve-sense process. In the higher sense the child has to learn to take up into his spirit what is bestowed on him in that he is born to breathe. This part of education will, you see, tend to the side of the soul and spirit. By harmonising the breathing with the nerve-sense process we draw all that is soul and spirit into the physical life of the child. To express it roughly we may say: the child cannot yet breathe in the right inner way, and education will have to consist in teaching the child to breathe rightly.
[ 26 ] Aber das Kind kann noch etwas anderes nicht richtig, und dieses andere muß in Angriff genommen werden, damit ein Einklang geschaffen werde zwischen den zwei Wesensgliedern, zwischen dem Körperleib und zwischen der Geistseele. Was das Kind nicht richtig kann im Anfang seines Daseins — es wird Ihnen auffallen, daß gewöhnlich das, was wir geistig betonen müssen, der äußeren Weltenordnung zu widersprechen scheint —, was das Kind nicht richtig kann, das ist, den Wechsel zwischen Schlafen und Wachen in einer dem Menschenwesen entsprechenden Weise zu vollziehen. Man kann freilich sagen, äußerlich betrachtet: Das Kind kann ja ganz gut schlafen; es schläft ja viel mehr als der Mensch im späteren Lebensalter, es schläft sogar in das Leben herein. — Aber das, was innerlich dem Schlafen und Wachen zugrunde liegt, das kann es noch nicht. Das Kind erlebt allerlei auf dem physischen Plan. Es gebraucht seine Glieder, es ißt, trinkt und atmet. Aber indem es so allerlei macht auf dem physischen Plan, indem es abwechselt zwischen Schlafen und Wachen, kann es nicht alles dasjenige, was es auf dem physischen Plan erfährt — was es mit den Augen sieht, den Ohren hört, den Händchen vollbringt, wie es mit den Beinchen strampelt —, es kann nicht das, was es auf dem physischen Plan erlebt, hineintragen in die geistige Welt und dort verarbeiten und das Ergebnis der Arbeit wieder zurücktragen auf den physischen Plan. Sein Schlaf ist gerade dadurch charakterisiert, daß er ein anderer Schlaf ist als der Schlaf der Erwachsenen. Im Schlafe des Erwachsenen wird vorzugsweise das verarbeitet, was der Mensch erfährt zwischen dem Aufwachen und dem Einschlafen. Das Kind kann das noch nicht in den Schlaf hineintragen, was es erfährt zwischen Aufwachen und Einschlafen, und es lebt sich daher noch so in die allgemeine Weltenordnung mit dem Schlafen hinein, daß es nicht mitbringt in diese Weltenordnung während des Schlafes dasjenige, was es äußerlich in der physischen Welt erfahren hat. Dahin muß es gebracht werden durch die richtiggehende Erziehung, daß das, was der Mensch auf dem physischen Plan erfährt, hineingetragen wird in dasjenige, was der Seelengeist oder die Geistseele tut vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Wir können als Unterrichter und Erzieher dem Kinde gar nichts von der höheren Welt beibringen. Denn dasjenige, was in den Menschen von der höheren Welt hineinkommt, das kommt hinein in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Wir können nur die Zeit, die der Mensch auf dem physischen Plan verbringt, so ausnützen, daß er gerade das, was wir mit ihm tun, allmählich hineintragen kann in die geistige Welt und daß durch dieses Hineintragen wiederum in die physische Welt zurückfließen kann die Kraft, die er mitnehmen kann aus der geistigen Welt, um dann im physischen Dasein ein rechter Mensch zu sein.
[ 26 ] But there is yet another thing which the child cannot do rightly, and this must be taken in hand, in order that a harmony may thereby be created between the two members of the child's being—between the bodily corporeality and the Spirit-Soul. What the child cannot do properly at the beginning of his existence is this: he cannot yet accomplish the alternation between waking and sleeping in the way proper to man. It will strike you that what we have to emphasise from the spiritual side generally appears to be in contradiction to the external world-order. Externally speaking it is of course possible to say: “But the child can sleep perfectly well: indeed he sleeps far more than the human being at a later stage of life. The child sleeps his very way into life.” Nevertheless, what inwardly underlies sleeping and waking, this the child cannot yet do. The child experiences all sorts of things on the physical plane. He uses his little limbs: he eats, drinks and breathes. He alternates between sleeping and waking, but he is not able to carry into the spiritual world in sleep all that he experiences on the physical plane—all that he sees with his eyes, and hears with his ears, and does with his little hands, and the way he kicks and tosses with his little legs. All this he is not able to carry into the spiritual world and work upon there, carrying the results of this work back again on the physical plane. The child's sleep is characterised by the very fact that it is a different sleep from that of the grown-up person. What distinguishes the sleep of the adult is that his experiences during waking life are then worked upon, are metamorphosed. The child is not yet able to carry into his sleep what he has experienced between waking and falling asleep again. Thus in sleep the child still lives his way into the universal world order without being able to take with him what he has experienced externally in the physical world. It is this that a rightly guided education must accomplish: it must enable the human being to carry over his experiences on the physical plane into what the Soul-Spirit or Spirit-Soul is engaged upon during sleep. We, as teachers and educators, cannot really teach the child anything about the higher world. For what enters the human being from the higher world enters in during the time between falling asleep and waking again. All we can do is to use the time which the human being spends on the physical plane in such a way that he gradually becomes able to carry over into the spiritual world what we have done with him here; and that, in carrying it over, he can receive and bring back with him power from the spiritual world which will help him to be a true human being in physical existence.
[ 27 ] So wird zunächst alle Unterrichts- und Erziehungstätigkeit gelenkt auf ein recht hohes Gebiet, auf das Lehren des richtigen Atmens und auf das Lehren des richtigen Rhythmus im Abwechseln zwischen Schlafen und Wachen. Wir werden selbstverständlich solche Verhaltungsmaßregeln beim Erziehen und Unterrichten kennenlernen, die nicht etwa auf eine Dressur des Atmens hinauslaufen oder auf eine Dressur von Schlafen und Wachen. Das wird alles nur im Hintergrund stehen. Das, was wir kennenlernen werden, werden konkrete Maßregeln sein. Aber wir müssen uns bis in die Fundamente hinein bewußt sein dessen, was wir tun. So werden wir uns bewußt werden müssen, wenn wir einem Kinde diesen oder jenen Lehrgegenstand beibringen, daß wir dann in der einen Richtung wirken auf das mehr in den physischen Leib Hineinbringen der Geistseele und in der anderen Richtung mehr auf das Hereinbringen der Körperleiblichkeit in die Geistseele.
[ 27 ] Thus you see that all our activity of teaching and education is first directed to a very lofty domain—namely to the teaching of right breathing, and to the teaching of the right rhythm in the alternation of sleeping and waking. Needless to say, my dear friends, in our educational practice there will be no question of direct training of the breathing, or of direct training of sleeping and waking. All this will only be in the background. What we have to learn will be concrete measures of educational practice. But we must be conscious of what we are doing, right down to the foundations. When we teach this subject or that, we must be fully aware that we are working either in the one direction to bring the Spirit-Soul more into the earthly Body, or in the other direction to bring the bodily nature into the Spirit-Soul.
[ 28 ] Unterschätzen wir nicht, daß das wichtig ist, was jetzt gesagt ist, denn Sie werden nicht gute Erzieher und Unterrichter werden, wenn Sie bloß auf dasjenige sehen werden, was Sie tun, wenn Sie nicht auf dasjenige sehen werden, was Sie sind. Wir haben ja die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft eigentlich aus dem Grunde, um die Bedeutsamkeit dieser Tatsache einzusehen, daß der Mensch in der Welt wirkt nicht nur durch dasjenige, was er tut, sondern vor allem durch dasjenige, was er ist. Es ist einmal ein großer Unterschied, meine lieben Freunde, ob der eine Lehrer in die Schule durch die Klassentür zu einer kleineren oder größeren Anzahl von Schülern hineingeht oder der andere Lehrer. Es ist ein großer Unterschied, und der liegt nicht bloß darin, daß der eine Lehrer geschickter ist, die äußerlichen pädagogischen Handgriffe so oder so zu machen, als der andere; sondern der hauptsächlichste Unterschied, der wirksam ist beim Unterricht, rührt her von dem, was der Lehrer in der ganzen Zeit seines Daseins an Gedankenrichtung hat, die er durch die Klassentür hereinträgt. Ein Lehrer, der sich beschäftigt mit Gedanken vom werdenden Menschen, wirkt ganz anders auf die Schüler als ein Lehrer, der von alledem nichts weiß, der niemals seine Gedanken dahin lenkt. Denn was geschieht in dem Augenblick, wo Sie über solche Gedanken nachdenken, das heißt, wo Sie anfangen zu wissen, welche kosmische Bedeutung der Atmungsprozeß und seine Umwandlung in der Erziehung hat, welche kosmische Bedeutung der Rhythmusprozeß zwischen Schlafen und Wachen hat? In dem Augenblick, wo Sie solche Gedanken haben, bekämpft etwas in Ihnen alles das, was bloßer Persönlichkeitsgeist ist. In diesem Augenblick werden abgedämpft alle Instanzen, welche dem Persönlichkeitsgeist zugrunde liegen; es wird etwas von dem ausgelöscht, was gerade am meisten vorhanden ist im Menschen dadurch, daß er ein physischer Mensch ist.
[ 28 ] Do not let us underestimate the importance of what has now been said. For you can only become good teachers and educators if you pay attention not merely to what you do, but also to what you are. It is really for this reason that we have Spiritual Science with its anthroposophical outlook: to perceive the significance of the fact that man is effective in the world not only through what he does, but above all through what he is. Truly, my dear friends, it makes a very great difference whether one teacher of the school or another comes through the classroom door to any group of children. There is a big difference; and the difference is not merely that the one teacher is more skilful in his practice than the other. No, the main difference—the one that is really influential in teaching—lies in what the teacher bears within him, as his constant trend of thought, and carries with him into the classroom. A teacher who occupies himself with thoughts of the evolving human being will work very differently upon his pupils from a teacher who knows nothing of all these things, and never gives them a thought. Once you begin to know the cosmic significance of the breathing process and of its transformation through education, and the cosmic significance of the rhythm between sleeping and waking—what is it that happens? The moment you have such thoughts something in you is combating your purely personal nature. The moment you have such thoughts the very basis of this spirit of personality is of less effect. In that moment all that enhances a personal spirit is damped down, all that man possesses through the fact that he is a physical man. If you have quenched this personal spirit, then, as you enter the classroom, it will come about through inner forces that a relationship is established between the pupils and yourself.
[ 29 ] Und indem Sie in diesem Ausgelöschtsein leben und hineingehen in das Klassenzimmer, kommt es durch innere Kräfte, daß sich ein Verhältnis herstellt zwischen den Schülern und Ihnen. Da kann es sein, daß die äußeren Tatsachen dem anfangs widersprechen. Sie gehen in die Schule hinein, und vielleicht haben Sie Rangen und Ranginnen vor sich, die Sie auslachen. Sie müssen so gestärkt sein durch solche Gedanken, wie wir sie hier pflegen wollen, daß Sie gar nicht achten dieses Auslachens, daß Sie es hinnehmen wie eine äußere Tatsache, ich will sagen wie die Tatsache, daß es, während Sie ohne Regenschirm ausgegangen sind, plötzlich beginnt zu regnen. Gewiß, das ist eine unangenehme Überraschung. Aber gewöhnlich macht der Mensch selbst einen Unterschied zwischen dem Ausgelachtwerden und dem Überraschtwerden durch den Regen, wenn man keinen Schirm hat. Es darf kein Unterschied gemacht werden. Wir müssen so starke Gedanken entwickeln, daß dieser Unterschied nicht gemacht wird, daß wir dieses Ausgelachtwerden wie einen Regenguß hinnehmen. Wenn wir durchdrungen sind von diesen Gedanken, und namentlich den rechten Glauben an sie haben, dann wird das über uns kommen, was vielleicht erst nach acht Tagen, vielleicht erst nach vierzehn Tagen, vielleicht nach noch längerer Zeit eintritt — wenn wir noch so sehr ausgelacht werden von den Kindern: daß wir ein Verhältnis zu den Kindern herstellen, das wir für das wünschenswerte halten. Wir müssen dieses Verhältnis auch gegen Widerstand herstellen durch das, was wir aus uns selbst machen. Und wir müssen uns vor allen Dingen der ersten pädagogischen Aufgabe bewußt werden, daß wir erst selbst aus uns etwas machen müssen, daß eine gedankliche, daß eine innere spirituelle Beziehung herrscht zwischen dem Lehrer und den Kindern und daß wir in das Klassenzimmer eintreten in dem Bewußtsein: Diese spirituelle Beziehung ist da, nicht bloß die Worte, die Ermahnungen, die ich die Kinder erfahren lasse, die Geschicklichkeit im Unterrichten wird da sein. Das alles sind Äußerlichkeiten, die wir gewiß pflegen müssen; aber wir werden sie nicht richtig pflegen, wenn wir nicht als Grundtatsache herstellen das ganze Verhältnis zwischen den Gedanken, die uns selbst erfüllen, und den Tatsachen, die während des Unterrichts an Leib und Seele der Kinder vor sich gehen sollen. Unsere ganze Haltung im Unterrichten würde nicht vollständig sein, wenn wir nicht das Bewußtsein in uns tragen würden: der Mensch wurde geboren; dadurch wurde ihm die Möglichkeit gegeben, dasjenige zu tun, was er nicht konnte in der geistigen Welt. Wir müssen erziehen und unterrichten, der Atmung erst die richtige Harmonie geben zur geistigen Welt. Der Mensch konnte nicht in derselben Weise den rhythmischen Wechsel vollziehen zwischen Wachen und Schlafen in der geistigen Welt wie in der physischen Welt. Wir müssen diesen Rhythmus so regeln durch Erziehung und Unterricht, daß in der rechten Weise im Menschen eingegliedert werde Körperleib oder Leibeskörper in Seelengeist oder Geistseele. Das ist etwas, was wir selbstverständlich nicht so wie eine Abstraktion vor uns haben und als solche unmittelbar im Unterricht verwenden sollen, aber als Gedanke von der menschlichen Wesenheit muß es uns beherrschen.
[ 29 ] Now it may be that at first external facts will contradict this. You enter the school and perhaps you find yourself faced with scamps, both boys and girls, who make fun of you. Now you must be so strengthened with such thoughts as we shall here cultivate, that you do not pay any attention to their ridicule but accept it as something perfectly external. Accept it, shall I say, like the external circumstances that when you go out without an umbrella it suddenly begins to rain. Undoubtedly this is an unpleasant surprise. But we usually make a distinction between being ridiculed and being taken by surprise in a shower when we have no umbrella. This distinction must not be made. We must evolve thoughts so strong that the distinction is not made—that we take ridicule like a good shower of rain. If we are permeated by these thoughts and have real faith in them then (perhaps after a week, or a fortnight, or maybe longer still), we shall certainly find that however much the children may laugh at us, we have nevertheless established a relationship with them such as we would wish. Through what we make of ourselves we must come to this relationship, even in the face of difficulty and resistance. And we must above all become conscious of this first of educational tasks: that we must first make something of ourselves, so that a relationship in thought, an inner spiritual relationship, may hold sway between the teacher and the children. So that we enter the classroom with the conscious thought: this spiritual relationship is present—not only the words, not only all that I say to the children in the way of instruction and admonition, not only my skilfulness in teaching. These are externals which we must certainly cultivate, but we shall only cultivate them rightly if we establish the importance of the relation between the thoughts that fill us and the effects of our teaching on the children, in body and soul. Our whole conduct and bearing as we teach will not be complete unless we keep this thought in our minds: the human being was born. Thereby the possibility was given him to do what he could not do in the spiritual world. We have to teach and educate first of all so as to give the breathing its right harmony in relation to the spiritual world. The human being could not accomplish the rhythmical alternation between waking and sleeping in the same way in the spiritual world as in the physical world. By education, by teaching, we must regulate this rhythm in such a way that the bodily nature in the human being becomes properly membered with the Soul-Spirit. Needless to say, this is not something that we should have before us as an abstraction, and apply it as such directly to our teaching, but this thought about the human being must be our rule and guide.
[ 30 ] Diesen Gedanken von der menschlichen Wesenheit, den wollte ich Ihnen in dieser Einleitung sagen, und wir wollen morgen mit der eigentlichen Pädagogik beginnen.
[ 30 ] This is what I wanted to give you in this present introduction. To-morrow we will begin with the subject of education proper.
