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The Educational Value
of Understanding Human Nature
GA 296

16 August 1919, Dornach

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Fünfter Vortrag

Fifth Lecture

[ 1 ] In die Betrachtungen, die wir jetzt pflegen, gehört ein immer weiteres Eingehen auf die Zeitgeschichte in dem Sinne, wie sich die Weltenkräfte einfügen in die Entwickelungsströmung der Gegenwart und wie sie gestalten die Grundlagen unseres menschlichen Lebens. Sie haben ja aus den gestrigen Auseinandersetzungen gesehen, wie es immer notwendiger und notwendiger wird, die starren, abstrakten Begriffe, die der gegenwärtige Mensch gewohnt ist, zu verwandeln in flüssige, bewegliche, lebendige Begriffe, wenn wir im Leben weiterkommen wollen als Menschheit. Ein besonderes Licht wirft auf alle die in dieser Beziehung in Betracht kommenden Tatsachen die Betrachtung desjenigen, was wir unter den menschlichen Seelenkräften die Intelligenz nennen. Sie wissen ja, der Mensch der Gegenwart ist auf seine Intelligenz ganz besonders stolz. Er betrachtet die Intelligenz gewissermaßen als dasjenige, das er sich im Laufe der Zeit als ein besonders Auszeichnendes errungen hat.

[ 1 ] The reflections we are now engaging in involve an ever-deeper exploration of contemporary history—specifically, how the forces of the world fit into the current currents of development and how they shape the foundations of our human life. As you saw from yesterday’s discussions, it is becoming ever more necessary to transform the rigid, abstract concepts to which modern people are accustomed into fluid, flexible, and living concepts if we are to make progress in life as a humanity. The consideration of what we call “intelligence” among the human soul forces sheds a special light on all the facts relevant to this matter. As you know, modern people are particularly proud of their intelligence. They regard intelligence, so to speak, as something they have attained over time as a particularly distinguishing characteristic.

[ 2 ] Wenn der Mensch der Gegenwart zurücksieht auf frühere Zeitepochen, sieht, wie die Menschen in früheren Zeitepochen manches sich bildlich vorgestellt haben, wie sie dasjenige, was der Mensch der Gegenwart glaubt jetzt richtig zu erkennen durch seine Intelligenz, durch seine Wissenschaft, wie die Menschen früherer Entwickelungsepochen das durch Mythen, Legenden und dergleichen zu durchdringen versuchten, dann nennt der Mensch der Gegenwart diese frühere Geistes- und Seelenverfassung wohl kindlich. Er blickt dann zurück auf kindliche Stufen der Entwickelung und tut sich so recht etwas darauf zugute, wie er es weit gebracht hat, besonders in der Ausbildung der Intelligenz. Die heutige Auseinandersetzung möge einmal gerade der Eigentümlichkeit der menschlichen Intelligenz gewidmet sein, möge ins Auge fassen diese Seelenkraft, auf die der Mensch der Gegenwart ganz besonders stolz ist. Wenn man gegenwärtig von Intelligenz spricht, dann hat man eben eine Seelenkraft im Auge, die man sich in einer bestimmten Weise vorstellt, und von der man nur denkt, daß sie so sein könne und sein müsse, wie man gewohnt worden ist, sie sich vorzustellen.

[ 2 ] When people today look back on earlier eras, they see how people in those times created mental images of certain things; they see how people in earlier stages of development sought to understand—through myths, legends, and the like—then modern people are likely to call that earlier state of mind and soul “childish.” They look back on these childlike stages of development and take great pride in how far they have come, especially in the cultivation of intelligence. Let today’s discussion be devoted specifically to the peculiar nature of human intelligence; let it focus on this power of the soul of which modern people are particularly proud. When people speak of intelligence today, they have in mind a power of the soul that they imagine in a certain way, and of which they merely assume that it can and must be just as they have become accustomed to having in their mental images.

[ 3 ] Nun, es haben Intelligenz, wenn auch Intelligenz von anderer Form, auch gehabt die Menschen früherer Entwickelungsepochen, und will man die Bedeutung der sogenannten Intelligenz für den Menschen der Gegenwart voll kennenlernen, dann muß man schon die Frage aufwerfen: Wie sah die Intelligenz der Menschen früherer Entwickelungsepochen aus und wie hat sich diese Intelligenz der Menschheit von früheren Zeiten bis in unsere Zeiten herein allmählich verändert?

[ 3 ] Well, people in earlier stages of human development also possessed intelligence, albeit of a different form, and if one wishes to fully understand the significance of so-called intelligence for modern humans, then one must ask the question: What did the intelligence of people in earlier stages of human development look like, and how has this intelligence gradually changed from earlier times to the present day?

[ 4 ] Wir wollen heute nicht weiter zurückgehen als bis zu derjenigen Zeit, die wir gewohnt worden sind, die dritte nachatlantische Zeitperiode zu nennen, die ägyptisch-chaldäische Zeit, auf die dann gefolgt ist die griechisch-lateinische Zeit, und auf die wiederum gefolgt ist unsere Zeit. Wir wollen betrachten die besondere Eigenrümlichkeit der Intelligenz bei den alten Ägyptern, Chaldäern, bei den Griechen und Römern und dann übergehen zu der Betrachtung der besonderen Art von Intelligenz, welche uns Menschen des fünften nachatlantischen Zeitraumes eigen ist. Sie sehen daraus, daß ich voraussetze, daß das nicht richtig ist - und es ist auch nicht richtig —, wenn man denkt, Intelligenz ist einmal Intelligenz, ist nur auf eine Art möglich; wer unsere Intelligenz hat, ist eben intelligent, wer unsere Intelligenz nicht hat, ist eben unintelligent. Das ist nicht richtig. Die Intelligenz geht Metamorphosen durch, die Intelligenz verwandelt sich. Sie war anders in der ägyptisch-chaldäischen Zeit, als sie bei uns ist. Die andersartige Intelligenz der ägyptisch-chaldäischen Zeit macht man sich am besten anschaulich, wenn man sich sagt, daß instinktiv durch seine Intelligenz der alte Ägypter, auch der alte Chaldäer die Verwandtschaft fühlte, die Verwandtschaft auffaßte, begriff, seiner eigenen menschlichen Wesenheit mit dem ganzen Kosmos.

[ 4 ] Today we do not wish to go further back than to the period we have come to call the third post-Atlantean epoch—the Egyptian-Chaldean epoch—which was followed by the Greek-Latin epoch, and which in turn was followed by our own epoch. Let us consider the distinctive nature of intelligence among the ancient Egyptians, Chaldeans, Greeks, and Romans, and then move on to an examination of the particular kind of intelligence that is characteristic of us, the people of the fifth post-Atlantean epoch. You can see from this that I assume it is not correct—and indeed it is not correct—to think that intelligence is simply intelligence, that it is possible only in one way; that whoever possesses our intelligence is simply intelligent, and whoever does not possess our intelligence is simply unintelligent. That is not correct. Intelligence undergoes metamorphoses; it transforms itself. It was different in the Egyptian-Chaldean era than it is today. The best way to visualize the different kind of intelligence of the Egyptian-Chaldean era is to realize that, instinctively through their intelligence, the ancient Egyptians—and the ancient Chaldeans as well—felt, perceived, and understood the kinship between their own human being and the entire cosmos.

[ 5 ] Über dasjenige, worüber der heutige Mensch nachdenkt durch seine Intelligenz, dachten ja die ägyptisch-chaldäischen Menschen wenig oder gar nicht nach. Denn diese Art von Intelligenz hatten sie nicht. Wenn sie dachten, wenn sie ihre Intelligenz in Fluß brachten, dann lebte in dieser Intelligenz ihr Zusammenhang mit dem Kosmos. Der alte Ägypter, der alte Chaldäer wußte, wie er mit dem oder jenem Tierkreisbilde in Beziehung stand, er wußte, welchen Einfluß auf seine seelische, leibliche Beschaffenheit Mond, Sonne, die anderen Planeten haben. Er wußte, wie auf die menschliche Wesenheit wirkt die Aufeinanderfolge der Jahreszeiten. Das alles faßte er auf durch seine Intelligenz. Ein völlig inneres Bild bekam er von seiner Verwandtschaft mit dem Kosmos durch seine Intelligenz.

[ 5 ] The ancient Egyptians and Chaldeans gave little or no thought to the very things that modern humans ponder through their intelligence. For they did not possess this kind of intelligence. When they thought—when they set their intelligence in motion—their connection to the cosmos lived within that intelligence. The ancient Egyptians and the ancient Chaldeans knew how they related to this or that sign of the zodiac; they knew what influence the Moon, the Sun, and the other planets had on their mental and physical constitution. They knew how the succession of the seasons affected the human being. They grasped all of this through their intelligence. Through their intelligence, they gained a completely inner picture of their kinship with the cosmos.

[ 6 ] Diese Intelligenz verwandelte sich, als die ägyptisch-chaldäische Periode der Menschheit abgelaufen war im 8. Jahrhundert vor der Begründung des Christentums. Nach und nach wurde da die Intelligenz etwas völlig anderes, als sie in der ägyptisch-chaldäischen Zeit war. In die Intelligenz kam nicht mehr herein vollständig, so wie es vor dem 8, vorchristlichen Jahrhundert der Fall war, das Begreifen des Zusammenhanges mit dem Kosmos. Man wußte noch von diesem Zusammenhang mit dem Kosmos, aber man wußte mehr wie in einer Art von Nachklang, wie in einer Art von Erinnerung an dasjenige, was man früher in dieser Beziehung gewußt hat; dafür aber kam herein in die griechische Intelligenz mehr ein Nachdenken des Menschen über sich selbst, wie er ist weniger in Beziehung auf den Kosmos, wie er ist mehr abgesehen vom Kosmos, als Erdenbewohner. Der Grieche hatte aber ein deutliches Gefühl davon, ein deutliches Empfinden davon, indem er gerade seine Intelligenz anwandte; er begriff alles dasjenige von der irdischen Welt durch diese Intelligenz, was dem Tode unterliegt.

[ 6 ] This intelligence underwent a transformation when the Egyptian-Chaldean period of human history came to an end in the 8th century before the founding of Christianity. Gradually, this intelligence became something entirely different from what it had been during the Egyptian-Chaldean era. The understanding of the connection with the cosmos no longer entered fully into this intelligence, as had been the case before the 8th century B.C. People were still aware of this connection with the cosmos, but they knew it more as a kind of echo, as a kind of memory of what they had previously known in this regard; in its place, however, Greek intelligence came to be characterized more by human reflection on oneself—on how one is less in relation to the cosmos, how one is more detached from the cosmos, as an inhabitant of the Earth. The Greeks, however, had a clear sense of this, a distinct perception of it, precisely by applying their intellect; through this intellect, they comprehended everything in the earthly world that is subject to death.

[ 7 ] Dieses Gefühl ist wiederum verlorengegangen mit der Entwickelung der Intelligenz seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, seit dem fünften nachatlantischen Zeitraum. Der Grieche wußte, wenn er Übersinnliches verstehen wollte, da mußte er sich wenden an das Schauen, das mehr oder weniger atavistisch insbesondere in der vorchristlichen Zeit noch vorhanden war. Durch das Nachdenken, durch die Intelligenz wußte er, lernte er nur kennen diejenigen Gesetzmäßigkeiten, diejenigen Regeln, welche zugrunde liegen all dem, was auf der Erde dem Tode unterliegt, was stirbt. Will ich das Lebendige verstehen, muß ich schauen - so sagten sich die Plato-Schüler; indem ich nur nachdenke, begreife ich bloß das Tote.

[ 7 ] This feeling, in turn, has been lost with the development of intelligence since the middle of the 15th century, since the fifth post-Atlantean epoch. The Greeks knew that if they wanted to understand the supersensible, they had to turn to the power of vision, which—especially in pre-Christian times—still existed to a greater or lesser extent as an atavism. Through reflection, through the intellect, they knew and learned only those laws and rules that underlie everything on Earth that is subject to death, everything that dies. “If I want to understand what is alive, I must look”—so said the disciples of Plato; “by merely thinking, I comprehend only what is dead.”

[ 8 ] Und in den griechischen Geheimschulen wurde über diesen Zusammenhang etwas ganz Bestimmtes auseinandergesetzt. Es wurde ungefähr das Folgende in den griechischen Geheimschulen über diesen Tatbestand auseinandergesetzt. Es wurde den Geheimschülern gesagt: Alles ist geistig, auch das scheinbar Materielle hat geistige Vorgänge, geistige Gesetzmäßigkeiten zugrunde liegend. Dasjenige, was euch erscheint als Irdisch-Materielles, ist im Grunde genommen auch von geistigen Gesetzen beherrscht. Aber es gibt geistige Gesetze, denen gehört ihr insoweit an, als ihr leiblich seid. Insoferne als ihr leiblich seid und durch die Pforte des Todes tretet, wird euer Leib den materiellen Mächten und materiellen Kräften und Stoffen der Erde überliefert. Aber diese materiellen Kräfte und Stoffe der Erde sind nur scheinbar materiell. Auch sie sind geistig, aber sie sind von demjenigen Geistigen durchdrungen, das euch als der Tod erscheint. Begreift ihr durch eure Intelligenz irgendwelche Gesetze, so sind es die Gesetze des Toten. Es sind die Gesetze desjenigen, welches die Gräber enthalten, welche die Leichname aufnehmen. - Das wurde Überzeugung vieler griechischer Geheimschüler, daß die Intelligenz der Menschen nur begreifen kann dasjenige, was die Gräber aufnehmen, welche die Leichname in sich einschließen. Wollt ihr wissen — so sagte der Geheimlehrer zu den Geheimschülern -, in welchem Geistigen ihr lebt, wenn ihr hier auf der Erde lebt, oder wenn ihr mit eurer Seele leibfrei seid zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, dann müßt ihr das Geschaute als eure Überzeugung aufnehmen. Nehmt ihr nicht das Geschaute als eure Überzeugung auf, entwickelt ihr durch eure Intelligenz Begriffe und Ideen, so begreift ihr nur dasjenige, was Geist ist der Materie, die eure Leiber aufnimmt.

[ 8 ] And in the Greek mystery schools, this connection was discussed in great detail. The following was discussed in the Greek mystery schools regarding this matter. The students of occultism were told: Everything is spiritual; even what appears to be material is based on spiritual processes and spiritual laws. That which appears to you as earthly and material is, in essence, also governed by spiritual laws. But there are spiritual laws to which you belong insofar as you are physical beings. To the extent that you are physical and pass through the gate of death, your body is surrendered to the material powers, forces, and substances of the earth. But these material forces and substances of the earth are only seemingly material. They, too, are spiritual, but they are permeated by that which appears to you as death. If you comprehend any laws through your intellect, they are the laws of the dead. They are the laws of that which the graves contain, which receive the corpses. — It became the conviction of many students of occultism that human intellect can comprehend only that which the graves receive, which enclose the corpses within themselves. “If you wish to know,” the secret teacher said to students of occultism, “in what spiritual realm you live while you are here on Earth, or when your soul is free from the body between death and a new birth, then you must accept what you have seen as your conviction.” If you do not accept what you have seen as your conviction, but instead develop concepts and ideas through your intellect, then you will comprehend only that which is the spirit of the matter that contains your bodies.

[ 9 ] Während der ägyptisch-chaldäische Mensch in seiner Intelligenz empfand und wahrnahm seine Verwandtschaft mit dem ganzen Kosmos, nahm der griechische Mensch wahr durch seine Intelligenz dasjenige, was Grabstätten beherrscht. Auch wir nehmen durch unsere Intelligenz nur dasjenige wahr, was Grabstätten beherrscht, nur sind wir uns dessen nicht bewußt. Wir gehen deshalb - diejenigen, die das lernen sollen - in die Seziersäle, untersuchen den Leichnam und halten die Geserzmäßigkeit des Leichnams, die wir durch unsere Intelligenz begreifen, für die Gesetzmäßigkeit des Menschen. Es ist aber nur die Gesetzmäßigkeit des Grabes; und dasjenige, was die Intelligenz begreift, ist die Gesetzmäßigkeit des Grabes.

[ 9 ] While the Egyptian-Chaldean person, through his intelligence, sensed and perceived his kinship with the entire cosmos, the Greek person perceived, through his intelligence, that which governs burial sites. We, too, perceive through our intellect only that which governs the graves; it is just that we are not aware of it. That is why we—those who are meant to learn this—go into the dissection rooms, examine the corpse, and regard the corpse’s decay, which we comprehend through our intellect, as the law of human nature. But it is only the law of the grave; and what the intellect comprehends is the law of the grave.

[ 10 ] Aber wiederum mit dem Übergange durch die Mitte des 15. Jahrhunderts verändert sich neuerdings die Intelligenz, und wir stehen im Anfange dieser Veränderung, dieser Umwandlung der Intelligenz. Unsere Intelligenz geht einen gewissen Weg; heute sind wir noch sehr stark in einer solchen Entwickelung der Intelligenz darinnen, wie sie die Griechen hatten. Wir begreifen durch unsere Intelligenz dasjenige, was dem Tode unterliegt. Aber auch diese Art von Intelligenz, die das Tote begreift, verwandelt sich. Und in den nächsten Jahrhunderten und Jahrtausenden wird diese Intelligenz etwas anderes, etwas weit weit anderes werden. Sie hat heute schon eine gewisse Anlage, unsere Intelligenz. Wir werden als Menschheit einlaufen in eine Entwickelung der Intelligenz so, daß die Intelligenz wird die Neigung haben, nur das Falsche, den Irrtum, die Täuschung zu begreifen und auszudenken nur das Böse.

[ 10 ] But once again, with the transition in the mid-15th century, intelligence is changing anew, and we are at the beginning of this change, this transformation of intelligence. Our intelligence is following a certain path; today we are still very much immersed in a development of intelligence similar to that of the Greeks. Through our intelligence, we comprehend that which is subject to death. But even this kind of intelligence, which comprehends what is dead, is transforming. And in the coming centuries and millennia, this intelligence will become something else—something very, very different. Our intelligence already possesses a certain predisposition today. As humanity, we will enter a phase of intellectual development in which intelligence will have a tendency to comprehend only what is false, error, and deception—and to conceive only evil.

[ 11 ] Das wußten ja die Geheimschüler und wußten namentlich die Eingeweihten seit einer gewissen Zeit, daß die menschliche Intelligenz entgegengeht ihrer Entwickelung nach dem Bösen hin, daß es immer mehr und mehr unmöglich wird, durch die bloße Intelligenz das Gute zu erkennen. Die Menschheit ist heute in diesem Übergange. Wir können sagen: Gerade noch gelingt es den Menschen, wenn sie ihre Intelligenz anstrengen und nicht in sich ganz besonders wilde Instinkte tragen, nach dem Lichte des Guten etwas hinzuschauen. Aber diese menschliche Intelligenz wird immer mehr und mehr die Neigung bekommen, das Böse auszudenken und das Böse dem Menschen einzufügen im Moralischen, das Böse in der Erkenntnis, den Irrtum.

[ 11 ] The students of occultism—and especially the initiates—had known for some time that human intelligence, in its development, is heading toward evil, and that it is becoming increasingly impossible to recognize the good through intelligence alone. Humanity is in this transitional phase today. We can say: People are still just barely able—if they exert their intelligence and do not harbor particularly wild instincts within themselves—to look toward the light of goodness. But this human intelligence will increasingly develop a tendency to conceive of evil and to introduce evil into human morality, into knowledge, and into error.

[ 12 ] Das war mit einer der Gründe, warum die Eingeweihten sich die Männer der Sorge nannten, weil in der Tat, wenn man in dieser Einseitigkeit, wie ich es jetzt auseinandergesetzt habe, die Entwickelung der Menschheit betrachtet, so macht sie Sorge; Sorge gerade wegen der Entwickelung der Intelligenz. Es ist schließlich gar nicht umsonst, daß die Intelligenz dem gegenwärtigen Menschen so viel Stolz und Hochmut einflößen kann. Das ist, möchte ich sagen, der Vorgeschmack für das Böse-Werden der Intelligenz im fünften nachatlantischen Zeitraum, an dessen Anfang wir stehen. Und würde der Mensch nichts anderes ausbilden als seine Intelligenz, dann würde er auf der Erde ein böses Wesen werden. Wir dürfen nicht rechnen, wenn wir mit der Zukunft der Menschheit rechnen und diese Zukunft uns als heilsam denken wollen, wir dürfen nicht rechnen auf die einseitige Ausbildung der Intelligenz. Diese Intelligenz war noch in der ägyptisch-chaldäischen Zeit etwas Gutes, diese Intelligenz ist dann dasjenige geworden, was seine Verwandtschaft eingegangen hat mit den Kräften des Todes. Diese Intelligenz wird eine Verwandtschaft eingehen mit den Kräften des Irrtums, der Täuschung und des Bösen.

[ 12 ] That was one of the reasons why the Initiates called themselves the “Men of Concern,” because, in fact, if one views the development of humanity from this one-sided perspective—as I have just explained—it gives cause for concern; concern precisely because of the development of intelligence. After all, it is no coincidence that intelligence can instill so much pride and arrogance in modern human beings. This, I would say, is a foretaste of the evil that intelligence will become in the fifth post-Atlantean epoch, at the very beginning of which we now stand. And if human beings were to develop nothing but their intelligence, they would become evil beings on Earth. When we consider the future of humanity and wish to envision that future as beneficial, we must not rely on the one-sided development of intelligence. This intelligence was still a good thing in the Egyptian-Chaldean era; this intelligence then became that which entered into a kinship with the forces of death. This intelligence will enter into a kinship with the forces of error, deception, and evil.

[ 13 ] Das ist etwas, worüber sich die Menschheit eigentlich keiner Illusion hingeben sollte. Die Menschheit sollte unbefangen damit rechnen, daß sie sich zu schützen hat gegen die einseitige Entwickelung der Intelligenz. Und nicht umsonst wird gerade durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft ein anderes hinzukommen, hinzukommen die Aufnahme desjenigen, was durch ein erneuertes Schauen aus der geistigen Welt heraus gewonnen werden kann, was nicht durch Intelligenz begriffen werden kann, sondern nur begriffen werden kann, wenn man eingeht auf dasjenige, was die Wissenschaft der Einweihung holt aus den geistigen Welten heraus durch Schauung.

[ 13 ] This is something about which humanity should not, in fact, harbor any illusions. Humanity should realistically expect that it must protect itself against the one-sided development of intelligence. And it is not without reason that anthroposophically oriented Spiritual Science will add another dimension—namely, the incorporation of that which can be gained through a renewed vision from the spiritual world, which cannot be grasped by intelligence alone, but can only be understood by engaging with what the science of initiation draws from the spiritual worlds through vision.

[ 14 ] Aber ein Objektives ist dazu notwendig. Und hier tritt man vor ein tiefes Geheimnis gerade der christlich-esoterischen Entwickelung. Wäre das Mysterium von Golgatha nicht im Laufe der Erdenentwickelung geschehen, dann wäre es unvermeidlich, daß die Menschen nach und nach durch ihre Intelligenz böse und in den Irrtum verfallende Wesen werden müßten. Sie wissen ja, mit dem Mysterium von Golgatha ist nicht nur eine Lehre, eine Theorie, eine Weltanschauung, eine Religion in die Entwickelung der Menschheit eingeflossen, sondern mit dem Mysterium von Golgatha ist etwas Tatsächliches geschehen. In dem Menschen Jesus von Nazareth hat gewohnt das außerirdische Wesen, der Christus. Dadurch, daß der Christus in dem Jesus von Nazareth gewohnt hat, der Jesus von Nazareth gestorben ist, ist das Christus-Wesen übergegangen in die irdische Entwickelung, da ist das Christus-Wesen darinnen. Wir müssen uns nur bewußt sein, daß das eine objektive Tatsache ist, daß das eine Tatsache ist, die mit dem, was wir subjektiv erkennen, was wir subjektiv empfinden, als solches nichts zu tun hat. Wir müssen es erkennen um unseres Erkennens willen. Wir müssen es aufnehmen in unser Ethos, um dieses unseres Ethos willen. Aber der Christus ist ausgeflossen in die Menschheitsentwickelung, da ist er seitdem darinnen — was man die Auferstehung nennt — und er ist vor allen Dingen in unseren eigenen Seelenkräften. Fassen Sie nur einmal diese Tatsache in ihrer ganzen Tiefe auf!

[ 14 ] But an objective element is necessary for this. And here we encounter a profound mystery specific to Christian-esoteric development. If the Mystery of Golgotha had not taken place in the course of Earth’s evolution, it would be inevitable that human beings would gradually, through their intelligence, become evil beings who fall into error. You know, after all, that with the Mystery of Golgotha, it was not merely a doctrine, a theory, a worldview, or a religion that flowed into the development of humanity; rather, with the Mystery of Golgotha, something actual took place. The extraterrestrial being, the Christ, dwelt within the human being Jesus of Nazareth. Because the Christ dwelt within Jesus of Nazareth, and because Jesus of Nazareth died, the Christ-being has passed into earthly evolution; the Christ-being is present within it. We must simply be aware that this is an objective fact—a fact that, as such, has nothing to do with what we subjectively perceive or feel. We must recognize it for the sake of our own understanding. We must incorporate it into our ethos for the sake of that ethos. But the Christ has flowed into the development of humanity; he has been present there ever since—what is called the Resurrection—and he is, above all, present in our own soul forces. Just try to grasp this fact in all its depth!

[ 15 ] Blicken Sie hin auf den Unterschied des Menschen, der gelebt hat vor dem Mysterium von Golgatha, und des Menschen, der lebt nach dem Mysterium von Golgatha. Gewiß, es sind immer dieselben Menschen, denn die Seelen gehen ja durch die wiederholten Erdenleben. Aber indem wir den Menschen als Erdenmenschen betrachten, müssen wir diesen Unterschied machen zwischen dem Menschen, der vor dem Mysterium von Golgatha gelebt hat, und dem Menschen, der nach dem Mysterium von Golgatha lebt.

[ 15 ] Consider the difference between the human being who lived before the Mystery of Golgotha and the human being who lives after the Mystery of Golgotha. Certainly, they are always the same human beings, for souls do, after all, pass through repeated earthly lives. But when we consider human beings as earthly beings, we must make this distinction between those who lived before the Mystery of Golgotha and those who live after the Mystery of Golgotha.

[ 16 ] Sehen Sie, wenn man zu einem allgemeinen Gottes-Begriffe kommt, so ist dieser allgemeine Gottes-Begriff nicht der Christus-Begriff. Den allgemeinen Gottes-Begriff kann man bekommen, wenn man die Natur in ihren Erscheinungen verfolgt, wenn man das menschliche physische Wesen, so weit es äußerlich zu betrachten ist, verfolgt. Die Christus-Wesenheit ist so, daß man ihr nur nahekommt, wenn man im Lauf des irdischen Lebens etwas in sich selber entdeckt. Den allgemeinen Gottes-Begriff kann man finden, indem man einfach sich sagt, man ist aus den Kräften der Welt zum Dasein gekommen. Den Christus-Begriff muß man finden in sich, indem man weiter kommt, als die Natur einen kommen läßt. Findet man, wenn man in der Welt lebt, nicht den Gottes-Begriff, dann ist dieses Nichtfinden des GottesBegriffes eine Art von Krankheit. Ein gesunder Mensch ist niemals wirklich atheistisch. Man muß in irgendeiner Weise leiblich oder seelisch krank sein. Diese Krankheit äußert sich oftmals eben durch nichts anderes, als daß man Atheist ist.

[ 16 ] You see, when one arrives at a general concept of God, this general concept of God is not the concept of Christ. One can arrive at the general concept of God by observing nature in its manifestations, by observing the human physical being, insofar as it can be viewed from the outside. The essence of Christ is such that one can only approach it by discovering something within oneself in the course of earthly life. One can find the general concept of God simply by telling oneself that one has come into being through the forces of the world. One must find the concept of Christ within oneself by going beyond what nature allows one to reach. If, while living in the world, one does not find the concept of God, then this failure to find the concept of God is a kind of illness. A healthy person is never truly an atheist. One must be ill in some way, whether physically or mentally. This illness often manifests itself in nothing other than being an atheist.

[ 17 ] Christus nicht zu erkennen, ist nicht eine Krankheit, sondern ein Unglück, ist ein Versäumnis des Lebens. Dadurch, daß man sich besinnt auf das Geborenwerden aus der Natur und ihren Kräften heraus, kann man, wenn man mit gesunder Seele dieses Geborenwerden verfolgt, zum Gottes-Begriff kommen. Dadurch, daß man im Laufe des Lebens etwas erlebt wie eine Wiedergeburt, kann man zum Christus-Begriff kommen. Die Geburt führt zu Gott, die Wiedergeburt zu Christus. Zu dieser Wiedergeburt, durch welche der Christus als Wesenheit im Menschen gefunden werden kann, konnte der Mensch vor dem Mysterium von Golgatha nicht kommen. Und das ist der Unterschied, auf den ich Sie bitte Ihr Augenmerk zu richten: daß der Mensch vor dem Mysterium von Golgatha, weil der Christus noch nicht ausgeflossen war mit seiner Wesenheit in die Menschheit, nicht zu dieser Wiedergeburt kommen konnte, nicht erkennen konnte, daß in ihm der Christus lebt. Nach dem Mysterium von Golgatha kann das der Mensch. Er kann den Funken des Christus in sich selber finden, wenn er sich anstrengt durch sein Leben.

[ 17 ] Failing to recognize Christ is not an illness, but a misfortune; it is a failure to live life to the fullest. By reflecting on being born out of nature and its forces, one can—if one observes this birth with a healthy soul—arrive at the concept of God. By experiencing something like a rebirth in the course of one’s life, one can arrive at the concept of Christ. Birth leads to God; rebirth leads to Christ. Before the Mystery of Golgotha, human beings could not attain this rebirth through which Christ can be found as a being within the human being. And this is the difference to which I ask you to pay close attention: that before the Mystery of Golgotha—because Christ had not yet poured out His being into humanity—humanity could not attain this rebirth, could not recognize that Christ lives within them. After the Mystery of Golgotha, human beings can do this. They can find the spark of Christ within themselves if they make the effort throughout their lives.

[ 18 ] Und in dieser Wiedergeburt, in diesem Finden des ChristusFunkens in sich, in diesem aufrichtigen und ehrlichen Sich-sagenKönnen: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», liegt die Möglichkeit, den Intellekt nicht in Täuschung und in das Böse verfallen zu lassen. Und das ist im esoterisch-christlichen Sinne der höhere Begriff der Erlösung. Wir müssen unsere Intelligenz ausbilden, denn wir können ja nicht unintelligent werden; aber wir stehen, indem wir anstreben unsere Intelligenz auszubilden, vor der Versuchung, dem Irrtum und dem Bösen zu verfallen. Wir können der Versuchung, dem Irrtum und dem Bösen zu verfallen, nur entgehen, wenn wir uns aneignen die Empfindung von dem, was das Mysterium von Golgatha in die Menschheitsentwickelung hineingebracht hat.

[ 18 ] And in this rebirth, in this discovery of the Christ spark within oneself, in this sincere and honest ability to say to oneself: “Not I, but the Christ within me”—herein lies the possibility of preventing the intellect from falling into delusion and evil. And this is, in the esoteric-Christian sense, the higher concept of salvation. We must develop our intelligence, for we cannot, after all, become unintelligent; but in striving to develop our intelligence, we face the temptation to succumb to error and evil. We can only escape the temptation to fall into error and evil if we acquire a sense of what the Mystery of Golgotha has brought into human evolution.

[ 19 ] Es ist schon so, daß der Mensch in dem Christus-Bewußtsein, in dem Vereinigtsein mit dem Christus findet die Möglichkeit, dem Bösen, dem Irrtum zu entrinnen. Der ägyptisch-chaldäische Mensch brauchte die Wiedergeburt in Christo nicht, weil er noch die Verwandtschaft mit dem Kosmos durch seine naturgemäße Intelligenz fühlte. Der Grieche hatte im Grunde genommen den Ernst des Todes vor sich, wenn er seiner Intelligenz sich hingab. Jetzt lebt die Menschheit im Beginne eines Zeitalters, wo die Intelligenz böse werden würde, wenn die menschliche Seelenwesenheit sich nicht mit der Christus-Kraft durchdringen würde. Denken Sie einmal, das ist eine sehr ernste Sache. Das bezeugt, wie man nehmen muß gewisse Dinge, die sich in unserer Zeit ankündigen, wie man daran denken muß, daß in unserer Zeit die Menschen die Anlage bekommen zum Bösen, gerade weil sie einer höheren Ausbildung ihrer Intelligenz entgegengehen. Es wäre natürlich eine völlig falsche Spekulation, zu glauben, daß man etwa die Intelligenz unterdrücken soll. Die Intelligenz darf nicht unterdrückt werden, aber es gehört für den Einsichtigen in der Zukunft ein gewisser Mut dazu, der Intelligenz sich hinzugeben, weil die Intelligenz die Versuchung bringt zum Bösen und zum Irrtum und weil wir in der Durchdringung der Intelligenz mit dem ChristusPrinzip finden müssen die Möglichkeit, diese Intelligenz umzuwandeln. Ganz und gar ahrimanisch würde die Intelligenz der Menschen, wenn das Christus-Prinzip die Seelen der Menschen nicht durchdränge.

[ 19 ] It is indeed true that in Christ-consciousness—in union with Christ—human beings find the possibility of escaping evil and error. The Egyptian-Chaldean did not need rebirth in Christ because he still felt a kinship with the cosmos through his natural intelligence. The Greek, in essence, faced the gravity of death when he surrendered to his intelligence. Now humanity is living at the beginning of an age in which intelligence would turn to evil if the human soul were not permeated by the Christ-force. Just think about it—this is a very serious matter. It shows how we must regard certain developments emerging in our time, and how we must bear in mind that in our time people are becoming predisposed to evil precisely because they are moving toward a higher development of their intelligence. It would, of course, be a completely mistaken assumption to believe that one should, for example, suppress intelligence. Intelligence must not be suppressed, but for those who have insight into the future, it takes a certain courage to surrender to intelligence, because intelligence brings the temptation toward evil and error, and because we must find in the permeation of intelligence by the Christ principle the possibility of transforming this intelligence. Human intelligence would become entirely Ahrimanic if the Christ principle did not permeate human souls.

[ 20 ] Sie wissen ja, wie vieles da ist, in der Entwickelung der Menschheit ersichtlich ist, besonders in der Gegenwart, von dem, was für den Einsichtsvollen schon zeigt, daß die Dinge sich so ankündigen, wie ich sie eben charakterisiert habe. Man denke nur, was das dritte von den Entwickelungsgliedern, die durch den Materialismus der Menschheit drohen, über die Menschen heute schon bringt. Sehen Sie, wenn Sie bedenken, mit wie viel Grausamkeiten die heutige Kulturentwickelung durchsetzt ist, die sich kaum vergleichen lassen mit den Grausamkeiten barbarischer Zeitalter, dann werden Sie kaum zweifeln können, daß sich die Morgenröte für den Abstieg der Intelligenz deutlich ankündigt. Man sollte nicht in oberflächlicher Weise die sogenannten Kulturerscheinungen unseres Zeitalters betrachten, man sollte wahrhaftig nicht daran zweifeln, daß die Menschen der Gegenwart sich aufraffen müssen zu einem wirklichen Erfassen des ChristusImpulses, wenn sie einer heilsamen Entwickelung entgegengehen wollen. Es ist zweierlei heute schon stark zu bemerken: Menschen, die sehr intelligent sind und die einen deutlichen Hang zum Bösen haben; und es ist auf der anderen Seite zu bemerken, wie viele Menschen unbewußt diesen Hang zum Bösen dadurch unterdrücken, nicht bekämpfen, daß sie ihre Intelligenz schlafen lassen. Schläfrigkeit der Seele oder aber bei wachen Seelen ein starker Hang zum Bösen und zum Irrtum, das ist in der Gegenwart durchaus zu bemerken.

[ 20 ] You know, after all, how much is evident in the course of human development—especially in the present—that already shows the discerning observer that things are unfolding exactly as I have just described them. Just consider what the third of the stages of development—which threaten humanity through materialism—is already bringing upon people today. You see, when you consider how deeply today’s cultural development is permeated with cruelties that can scarcely be compared to those of barbaric ages, you will hardly be able to doubt that the dawn of the decline of intelligence is clearly heralded. One should not view the so-called cultural phenomena of our age superficially; one should truly have no doubt that people today must summon the strength to truly grasp the Christ impulse if they wish to move toward a wholesome development. Two things are already strongly evident today: people who are very intelligent and who have a distinct inclination toward evil; and, on the other hand, it is evident how many people unconsciously suppress—rather than combat—this inclination toward evil by allowing their intelligence to lie dormant. Drowsiness of the soul, or—in the case of alert souls—a strong inclination toward evil and error: this is certainly evident in the present day.

[ 21 ] Und nun erinnern Sie sich einmal, wie ich vor meiner letzten Abreise an einem Abend hier auseinandersetzte, wie anders die Kinder seit fünf bis sechs bis sieben, acht Jahren geboren werden heute, mit einem, man möchte sagen, melancholischen Anflug über den Gesichtern, der deutlich zu bemerken ist für denjenigen, der so etwas bemerken kann. Und ich habe gesagt: Das rührt davon her, daß die Seelen heute nicht gern heruntergehen in die von Materialismus erfüllte Welt. Man könnte sagen: Die Seelen haben vor ihrer Geburt eine gewisse Furcht und Angst in die Welt einzutreten, in der die Intelligenz den Hang, die Neigung zum Bösen hat und in absteigender Entwickelung begriffen ist.

[ 21 ] And now, let me remind you of how, one evening before my last departure, I discussed here how differently children have been born for the past five, six, seven, or eight years—with what one might call a melancholic air about their faces, which is clearly noticeable to anyone who can perceive such things. And I said: This stems from the fact that souls today are reluctant to descend into a world filled with materialism. One could say: Before their birth, souls feel a certain fear and anxiety about entering a world in which intelligence has a tendency toward evil and is in a state of declining development.

[ 22 ] Das ist auch etwas, wovon ein Bewußtsein entwickelt werden muß bei denjenigen Menschen, die für die Menschenzukunft Erzieher und Unterrichter werden. Die Kinder sind heute anders, als sie waren vor Jahrzehnten. Das ergibt sich schon einer oberflächlichen Betrachtung sehr deutlich. Man muß sie anders erziehen und anders unterrichten, als man sie vor Jahrzehnten unterrichtet hat. Man muß mit dem Bewußtsein unterrichten, daß man eigentlich bei jedem Kinde eine Rettung zu vollziehen hat, daß man jedes Kind dahin bringen muß, im Lauf des Lebens den Christus-Impuls in sich zu finden, eine Wiedergeburt in sich zu finden.

[ 22 ] This is also something that those who will become educators and teachers for the future of humanity must become aware of. Children today are different from what they were decades ago. This becomes very clear even from a superficial observation. They must be raised and taught differently than they were decades ago. One must teach with the awareness that one must, in fact, bring about a salvation in every child—that one must lead every child to find the Christ impulse within themselves over the course of their life, to find a rebirth within themselves.

[ 23 ] Solche Dinge, sie lebt man da, wo man sie zum Beispiel nötig hat als Lehrer, als Erzieher, nicht aus, wenn man sie einfach nur theoretisch kennt; sie lebt man nur aus, man führt sie nur ein in die Erziehung, in das Unterrichten, wenn man in der Seele stark erfaßt ist von diesen Dingen. Von der Lehrerschaft insbesondere muß es gefordert werden, daß sie in ihrer Seele stark erfaßt wird von diesem Sorgenvollen für die Menschheit, welche Versuchung der Intellekt mit sich bringt! Der Stolz, den die gegenwärtige Menschheit auf den Intellekt entwickelt, dieser Stolz, er könnte sich schwer rächen an der Menschheit, wenn er nicht durch dasjenige abgelähmt würde, was ich eben auseinandergesetzt habe, wenn er nicht abgelähmt würde durch ein starkes, energisches Bewußtsein: das Beste in mir als Mensch dieser und der folgenden Inkarnationen ist, was ich in mir als den ChristusImpuls finde.

[ 23 ] Such things—which one experiences, for example, as a teacher or educator—cannot be fully lived out simply by knowing them in theory; one can only live them out fully and incorporate them into education and teaching when one’s soul is deeply moved by these things. Teachers, in particular, must be required to be deeply moved in their souls by this concern for humanity—for what a temptation the intellect brings with it! The pride that present-day humanity is developing in regard to the intellect—this pride could take a heavy toll on humanity if it were not tempered by what I have just explained, if it were not tempered by a strong, energetic awareness: that the best within me as a human being in this and future incarnations is what I find within myself as the Christ impulse.

[ 24 ] Nun muß man sich klar sein darüber, daß dieser Christus-Impuls nicht sein darf die Dogmatik irgendeiner Religionsgemeinschaft. Die Religionsgemeinschaften haben seit der Mitte des 15. Jahrhunderts in ihrer Entwickelung mehr beigetragen, den Christus-Impuls von der Menschheit zu entfernen, als ihn der Menschheit nahe zu bringen. Die Religionsgemeinschaften machen den Menschen allerlei vor; aber indem sie ihnen dies oder jenes vormachen, bringen sie sie dem Christus-Impuls nicht nahe. Notwendig ist, daß der Mensch fühlt, daß alles dasjenige, was sich ihm eröffnen und offenbaren kann in seinem Innern nach dem Mysterium von Golgatha hin, zusammenhängt mit dem, was für die Erde durch das Mysterium von Golgatha geworden ist. Empfindet man den Sinn der Erde in dem Mysterium von Golgatha, kann man sich aufraffen dazu, sich zu sagen: Die Entwickelung der Erde wäre sinnlos, wenn die Menschen durch ihre Intelligenz dem Bösen, dem Irrtum verfallen würden. Empfindet man so den Sinn des Mysteriums von Golgatha, dann empfindet man als sinnlos die Erdenentwickelung ohne das Mysterium von Golgatha.

[ 24 ] Now, one must be clear that this Christ impulse must not become the dogma of any religious community. Since the mid-15th century, religious communities have, in their development, contributed more to distancing humanity from the Christ impulse than to bringing it closer to humanity. Religious communities present all sorts of things to people; but by presenting this or that to them, they do not bring them closer to the Christ impulse. It is essential that people feel that everything within them that can open up and reveal itself in connection with the Mystery of Golgotha is linked to what has come about for the Earth through the Mystery of Golgotha. If one perceives the meaning of the Earth in the Mystery of Golgotha, one can bring oneself to say: The development of the Earth would be meaningless if human beings, through their intelligence, were to fall prey to evil and error. If one perceives the meaning of the Mystery of Golgotha in this way, then one perceives the development of the Earth as meaningless without the Mystery of Golgotha.

[ 25 ] Damit muß man sich stark, sehr stark durchdringen, wenn man heute und in der Zukunft etwas tun will, um den Menschen zu erziehen, den Menschen zu unterrichten. Diese großen Gesichtspunkte müssen eingenommen werden. Aber Sie wissen auch, wie weit die Menschen der Gegenwart entfernt sind davon, diese großen Gesichtspunkte einzunehmen; daher ist nichts notwendiger, als immer wieder und wiederum nicht nur zu verweisen auf die Wichtigkeit geisteswissenschaftlicher Lehre, sondern zu verweisen auf den Ernst, der sich unserer Seele bemächtigen soll dadurch, daß wir die entsprechenden Tatsachen in der Entwickelung der Menschheit durch die Geisteswissenschaft kennenlernen. Denn nicht allein unser Wissen, unser ganzes Leben soll einen Impuls bekommen durch dasjenige, was Geisteswissenschaft ist; ohne daß man diesen Ernst fühlt, ist man nicht wirklicher Geisteswissenschafter.

[ 25 ] One must deeply, very deeply internalize this if one wants to do anything today and in the future to educate and instruct people. These broad perspectives must be adopted. But you also know how far people today are from adopting these broad perspectives; therefore, nothing is more necessary than to repeatedly and consistently point not only to the importance of spiritual scientific teaching, but also to the seriousness that should take hold of our souls as we come to know the relevant facts about human evolution through Spiritual Science. For it is not only our knowledge, but our entire life that should be inspired by what Spiritual Science is; without feeling this seriousness, one is not a true spiritual scientist.

[ 26 ] Und ich bitte Sie, auf diese besondere Offenbarung aus geisteswissenschaftlichen Unterlagen heraus gründlich zu achten: daß die menschliche Intelligenz, sich selbst überlassen, der Bahn des Ahrimanischen entgegenwandelt, daß sie stark für das Gute nur werden kann durch die Aufnahme des wahren Christus-Impulses. Ich glaube, daß wer den vollen Ernst dieser Wahrheit in sich aufnimmt, auch diesen Ernst hineintragen wird in das Verhältnis, das er in sich ausbildet zu den verschiedenen Weltanschauungen und Weltanschauungsströmungen der Gegenwart. Denn da ist viel, sehr viel zu tun.

[ 26 ] And I ask you to pay close attention to this particular revelation drawn from sources of Spiritual Science: that human intelligence, left to its own devices, is heading down the path of Ahriman, and that it can only become truly strong for the good by absorbing the true Christ impulse. I believe that whoever takes the full gravity of this truth to heart will also carry this gravity into the relationship they develop within themselves toward the various worldviews and ideological currents of the present. For there is much, very much, to be done.

[ 27 ] Nicht wahr: Leute, die jetzt von verschiedenen Gegenden des Ostens von Europa kommen, erzählen zu ihrem besonderen Entsetzen von einer Tatsache, die nicht gerade für das Fortgeschrittensein auf dem Wege nach einer besonderen Zivilisation zeugt. Das, was ich meine, ist das Vorhandensein, das Erstehen der sogenannten «Flintenweiber». Es ist das eine besondere Klasse von Menschen, die sich im Osten von Europa ausbilden, Frauen der europäischen Bevölkerung des Ostens, die verwendet werden in den gegenwärtigen revolutionären Bewegungen, wo ja immer derjenige, der nicht gerade der regierenden Partei angehört, in den Kerker oder ins Gefängnis überliefert, wird oder getötet wird nach einiger Zeit - wo der eben immer in Lebensgefahr ist. Ausersehen in gewissen Gegenden des Ostens sind dazu besonders jüngere Frauen, die ausgerüstet werden mit den vom Kriege übriggebliebenen Flinten und die das Amt haben, die Leute zu erschießen, die gerade die Gegner der nach oben gekommenen Regierung sind. Diese Flintenweiber sind angetan mit den gestohlenen Gewändern, in Putz und Tand, und haben ihre Freude daran, die Flinte zu tragen und die Leute zu erschießen und finden es mit der gegenwärtigen Menschlichkeit vereinbar, damit zu renommieren, wie sie sich aneignen, allmählich aneignen eine feine Empfindung dafür, wie das Blut von jungen Menschen spritzt, wie das Blut von älteren Menschen aussieht. Nicht wahr, wir sind schon angekommen bei ganz besonderen Gestaltungen unserer gegenwärtigen Zivilisation! Und das Institut der Flintenweiber ist ja immerhin eine Errungenschaft der Gegenwart.

[ 27 ] Isn’t it true: People who have recently arrived from various parts of Eastern Europe recount, to their particular horror, a fact that does not exactly attest to progress on the path toward a distinctive civilization. What I mean is the existence, the emergence, of the so-called “shotgun women.” This is a particular class of people emerging in Eastern Europe—women from the European population of the East—who are being utilized in the current revolutionary movements, where anyone who does not belong to the ruling party is thrown into a dungeon or prison, or is killed after some time—where one’s life is constantly in danger. In certain regions of the East, younger women in particular are singled out for this purpose; they are equipped with shotguns left over from the war and tasked with shooting people who are opponents of the newly established government. These “shotgun women” are decked out in stolen garments, finery, and trinkets; they take pleasure in carrying the shotgun and shooting people, and find it compatible with contemporary notions of humanity to boast about how they are gradually acquiring a refined sensibility for how the blood of young people spatters and how the blood of older people looks. Isn’t it true that we have already arrived at some very peculiar manifestations of our present-day civilization! And the Institute of the Shotgun Women is, after all, an achievement of the present.

[ 28 ] Man muß auf solche Erscheinungen hinweisen. Sie sind da, um gewissermaßen die Reverse, die andere Seite des Ernstes unserer Zeit ins Auge zu fassen. Gewiß, man braucht nicht diese abscheulichen Auswüchse unserer sogenannten fortgeschrittenen Kultur zu kennen, um diesen Ernst, dem man sich hingeben soll in der Gegenwart, wirklich zu empfinden. Aus der Erkenntnis der Entwickelung der Menschheit selber soll uns dieser Ernst aufgehen. Man möchte wünschen, daß der Schlaf, der allmählich ergriffen hat die Menschheit der Gegenwart, in eine Erweckung hineingeht. Diese würdigste Erweckung, die kann nur sein das Ergriffenwerden von dem Ernst der Aufgabe, die obliegt den Menschen der Gegenwart, und der Hinweis auf die Gefahren des einseitig sich selbst überlassenen, ins Ahrimanische hineinsteuernden Intellektes. Das soll der Impuls sein, der uns durchtränkt mit diesem Ernste.

[ 28 ] One must draw attention to such phenomena. They exist, so to speak, to bring into focus the flip side, the other side of the gravity of our times. Certainly, one need not be familiar with these abhorrent excesses of our so-called advanced culture in order to truly feel this gravity to which one ought to devote oneself in the present. This gravity should dawn upon us from our understanding of the development of humanity itself. One might wish that the slumber that has gradually overtaken contemporary humanity might give way to an awakening. This most worthy awakening can only be the realization of the gravity of the task that falls to the people of the present, and the recognition of the dangers of an intellect left to its own devices, which is veering toward the Ahrimanic. That should be the impulse that imbues us with this gravity.