The Educational Value
of Understanding Human Nature
GA 296
15 August 1919, Dornach
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The Education Question as a Social Issue, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Aus den letzten Betrachtungen, die wir hier angestellt haben, werden Sie ersehen haben, daß innerhalb der vielen Fragen, die die Gegenwart beschäftigen, die Erziehungsfrage die allerwichtigste ist. Wir haben ja betonen müssen, daß die ganze soziale Fragestellung in sich schließt als hauptsächlichstes Moment gerade die Erziehungsfrage. Und nachdem ich einiges vor acht Tagen angedeutet habe über die Umgestaltung, die Umwandlung des Erziehungswesens, werden Sie es begreiflich finden, daß wiederum innerhalb der Erziehungsfrage die bedeutsamste Unterfrage die nach der Bildung der Lehrer selbst ist. Wenn man den Charakter der Zeitepoche, die verflossen ist in genauer Abgrenzung seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, auf sich wirken läßt, so bekommt man ja, wie Sie wissen, den Eindruck: durch die Menschheitsentwickelung ging hindurch in dieser Zeit die Welle der materialistischen Prüfungen. Und wir leben in der Gegenwart in der Notwendigkeit, aus der materialistischen Welle uns herauszuarbeiten und den Weg zum Geiste zurückzufinden; den Weg zum Geiste, der ja in älteren Kulturepochen der Menschheit bekannt war, der aber damals gegangen wurde von der Menschheit mehr oder weniger instinktiv, unbewußt, der verloren worden ist, damit die Menschheit ihn aus eigenem Antriebe, aus eigener Freiheit heraus suchen könne, und der nun bewußt, voll bewußt gesucht werden muß.
[ 1 ] From the recent observations we have made here, you will have seen that, among the many issues facing our time, the question of education is the most important. We have, after all, had to emphasize that the entire social issue encompasses, as its most fundamental aspect, precisely the issue of education. And since I hinted eight days ago at the restructuring and transformation of the educational system, you will understand that, within the issue of education itself, the most significant sub-issue is that of the training of the teachers themselves. If one allows the character of the historical epoch—which, strictly speaking, has spanned the period since the middle of the 15th century—to sink in, one gets the impression, as you know, that a wave of materialistic trials swept through human development during this time. And we are now faced with the necessity of working our way out of this materialistic wave and finding our way back to the spirit; the path to the spirit, which was, of course, known to humanity in earlier cultural epochs, but which was then followed by humanity more or less instinctively, unconsciously; a path that was lost so that humanity might seek it of its own accord, out of its own freedom, and which must now be sought consciously, fully consciously.
[ 2 ] Der Übergang, durch den die Menschheit durchgehen mußte seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, ist eben das, was man nennen könnte die materialistische Prüfung der Menschheit. Läßt man den Charakter dieser materialistischen Zeit auf sich wirken und betrachtet man dann mit dem, was man dadurch einsieht, die Kulturentwickelung in den letzten drei bis vier Jahrhunderten und bis in unsere Zeit herein, dann findet man, daß am meisten ergriffen worden ist von der materialistischen Welle, am intensivsten in Anspruch genommen worden ist von dieser materialistischen Welle gerade die Lehrerbildung. Alles übrige würde einen so nachhaltigen Eindruck nicht üben können wie die Durchsetzung der pädagogisch-didaktischen Anschauung mit materialistischer Gesinnung. Man braucht nur in verständiger Weise auf Einzelheiten zu sehen in unserem gegenwärtigen Unterrichtswesen, und man wird die ganze Schwierigkeit, die für einen wirklich fruchtbaren Fortschritt vorliegt, ins Auge fassen können. Bedenken Sie, daß immer wieder und wieder wiederholt wird gerade bei denjenigen Menschen, die heute glauben, besonders gut in Erziehungsfragen sprechen zu können, aller Unterricht müsse schon von der untersten Schulstufe ab anschaulich sein — was man eben so anschaulich nennt. Ich habe Sie ja öfter darauf aufmerksam gemacht, wie man zum Beispiel den Rechenunterricht anschaulich machen will: Rechenmaschinen stellt man in der Schule auf! Man legt einen großen Wert darauf, daß gewissermaßen das Kind schon alles anschauen könne und dann aus der Anschauung sich erst Vorstellungen aus dem eigenen Inneren seiner . Seele heraus bilde. Dieser Trieb nach Anschaulichkeit im Erziehungswesen, er ist gewiß auf sehr vielen Gebieten der Pädagogik voll berechtigt. Aber er zwingt doch die Frage aufzuwerfen: Was wird aus dem Menschen, wenn er nur durch einen Anschauungsunterricht durchgeht? Wenn der Mensch nur durch einen Anschauungsunterricht durchgeht, dann wird er seelisch völlig ausgedörrt, dann ersterben nach und nach die inneren Triebkräfte der Seele; dann bildet sich eine Verbindung der ganzen menschlichen Wesenheit mit der anschaulichen Umgebung. Und dasjenige, was aus dem Innern der Seele sprießen sollte, das wird allmählich in der Seele ertötet. Und auf Ertötung des Seelischen geht vieles gerade wegen der Anschaulichkeit des gegenwärtigen Unterrichts aus. Man weiß natürlich nicht, daß man die Seele ertötet, aber man ertötet sie in Wirklichkeit. Und die Folge davon ist das - ich habe das von anderen Gesichtspunkten aus schon erwähnt -, was wir an den Menschen der Gegenwart erleben. Wie viele Menschen der Gegenwart sind eigentlich problematische Naturen. Wie viele Menschen der Gegenwart wissen in reiferen Jahren nicht aus ihrem eigenen Innern herauszuholen das, was ihnen in schwierigen Zeiten Trost und Hoffnung bieten könnte, um den verschiedenen Lagen des Lebens gewachsen zu sein. Wir sehen in der Gegenwart viele gebrochene Naturen, und uns selber kommt es wohl in besonderen Augenblicken an, wie wir uns nicht zurechtfinden können.
[ 2 ] The transition that humanity has had to undergo since the mid-15th century is precisely what one might call humanity’s materialistic trial. If one allows the character of this materialistic era to sink in and then, with the insights gained from it, examines cultural development over the last three to four centuries and up to the present day, one finds that it is precisely teacher education that has been most profoundly affected by the materialistic wave and most intensely shaped by it. Nothing else could have made such a lasting impression as the imposition of a materialistic outlook on pedagogical and didactic principles. One need only look carefully at the details of our current educational system to grasp the full extent of the difficulties standing in the way of truly fruitful progress. Consider that it is repeated time and again—especially by those who today believe they are particularly well-qualified to speak on educational matters—that all instruction, starting from the very lowest grade level, must be “concrete”—as it is so often called. I have, in fact, drawn your attention to this on several occasions, for example, regarding how one seeks to make arithmetic instruction “concrete”: calculators are installed in schools! Great importance is placed on the child, as it were, being able to see everything firsthand and then, based on that observation, forming mental images from within their own soul. This drive toward visual learning in education is certainly fully justified in many areas of pedagogy. But it does force us to ask: What becomes of a person if they are educated solely through visual instruction? If a person is educated solely through visual instruction, then they become completely spiritually drained; the inner driving forces of the soul gradually wither away; and a connection forms between the entire human being and the visual environment. And that which should spring from within the soul is gradually killed off within the soul. And much of what results from the current educational system stems precisely from the visual nature of instruction. Of course, people do not realize that they are killing the soul, but in reality they are doing so. And the consequence of this is—as I have already mentioned from other perspectives—what we observe in people today. How many people today are, in fact, troubled souls. How many people today, in their later years, are unable to draw from within themselves what might offer them comfort and hope in difficult times, enabling them to cope with life’s various situations. We see many broken souls today, and we ourselves may well find ourselves at a loss in certain moments.
[ 3 ] Das alles hängt zusammen mit den Mängeln unseres Erziehungswesens und namentlich mit den Mängeln der Lehrerbildung. Was wäre nun für eine gedeihliche Zukunft gerade in bezug auf die Lehrerbildung anzustreben? Sehen Sie, daß der Lehrer schließlich dasjenige weiß, was er gewöhnlich abgefragt wird bei den Prüfungen, das ist eigentlich eine untergeordnete Sache, denn da wird er ja zumeist über Dinge gefragt, die er vor den Stunden in irgendeinem Handbuch sich aufschlagen könnte, auf die er sich, wenn er sie braucht, vorbereiten könnte. Dasjenige aber, worauf bei den Prüfungen gar nicht gesehen wird, das ist die allgemeine Seelenverfassung des Lehrers, das ist dasjenige, was geistig immerfort übergehen muß von ihm auf seine Schüler. Es ist ein großer Unterschied, ob der eine Lehrer das Klassenzimmer betritt oder der andere. Wenn der eine Lehrer durch die Tür des Klassenzimmers tritt, so fühlen die Kinder oder die Schüler eine gewisse Verwandtschaft mit der eigenen Seelenstimmung; wenn ein anderer Lehrer die Klasse betritt, fühlen die Kinder oder die Schüler oftmals eine solche Verwandtschaft gar nicht; im Gegenteil, sie fühlen eine Kluft zwischen sich und dem Lehrer, und alle möglichen Schattierungen von Gleichgültigkeit bis zu dem, was sich ausspricht im Komischfinden des Lehrers, in dem Spotten über den Lehrer. Alle die Nuancen, die dazwischen liegen, finden sich oftmals recht sehr zum Ruinieren des wirklichen Unterrichtes und der wirklichen Erziehung.
[ 3 ] All of this is linked to the shortcomings of our educational system and, in particular, to the shortcomings of teacher training. What, then, should we strive for to ensure a prosperous future, especially with regard to teacher training? You see, the fact that a teacher ultimately knows what is usually asked of him in exams is actually a secondary matter, for there he is mostly asked about things he could look up in some textbook before class—things he could prepare for if he needed to. But what is not assessed at all in exams is the teacher’s general state of mind—that is what must constantly flow from them to their students in a spiritual sense. There is a great difference between one teacher entering the classroom and another. When one teacher walks through the classroom door, the children or students feel a certain kinship with their own state of mind; when another teacher enters the classroom, the children or students often do not feel such a kinship at all; on the contrary, they feel a gulf between themselves and the teacher, and all manner of shades of feeling—ranging from indifference to finding the teacher ridiculous or mocking the teacher. All the nuances in between often prove quite detrimental to genuine instruction and true education.
[ 4 ] Die Frage ist daher in erster Linie brennend: Wie kann die Lehrerbildung in die Zukunft hinein umgewandelt werden? Sie kann nicht anders umgewandelt werden als dadurch, daß der Lehrer aufnimmt in sich dasjenige, was aus der Geisteswissenschaft kommen kann an Erkenntnissen über die Natur des Menschen. Der Lehrer muß durchdrungen sein von dem Zusammenhang des Menschen mit den übersinnlichen Welten. Er muß in der Lage sein, in dem heranwachsenden Kinde das Zeugnis dafür zu sehen, daß dieses Kind heruntergestiegen ist aus der übersinnlichen Welt durch Empfängnis oder Geburt und daß das, was heruntergestiegen ist, sich mit dem Leib umkleidet hat, sich etwas aneignet, wozu er zu helfen hat hier in der physischen Welt, weil das Kind sich es nicht aneignen kann in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 4 ] The question is therefore, first and foremost, a pressing one: How can teacher training be transformed for the future? It cannot be transformed in any other way than by the teacher internalizing the insights into human nature that can come from Spiritual Science. The teacher must be imbued with an understanding of the connection between the human being and the supersensible worlds. They must be able to see in the growing child the evidence that this child has descended from the supersensible world through conception or birth, and that what has descended has clothed itself in a physical body and is acquiring something that the teacher must help the child attain here in the physical world, because the child cannot acquire it in the life between death and a new birth.
[ 5 ] Als Frage der übersinnlichen Welt an die sinnliche, so sollte eigentlich vor dem Gemüte des Lehrenden oder Erziehenden jedes Kind stehen. Diese Frage wird man sich nicht im konkreten, im umfassenden Sinne aufwerfen können, namentlich nicht jedem einzelnen Kinde gegenüber, es sei denn, daß man die Erkenntnisse verwenden kann, die über die Natur des Menschen aus der Geisteswissenschaft kommen. Die Menschheit hat sich allmählich im Laufe der drei bis vier letzten Jahrhunderte immer mehr und mehr angewöhnt, den Menschen zu sehen, ich möchte sagen, bloß physiologisch, bloß auf seine äußere leibliche Konstitution hin. Am schädlichsten ist diese Anschauung vom Menschen für den Erzieher, für den Unterrichter. Daher wird vor allen Dingen notwendig sein, daß eine in der Anthroposophie sich ergebende Anthropologie die Grundlage der Zukunftspädagogik werde. Das kann aber nicht anders geschehen als dadurch, daß der Mensch wirklich von den Gesichtspunkten aus ins Auge gefaßt wird, die wir öfter hier berührt haben und die ihn in mancherlei Beziehung charakterisieren als ein dreigliedriges Wesen. Aber man muß sich entschließen dazu, diese Dreigliederung wirklich innerlich zu erfassen. Ich habe Sie wiederholt von den verschiedensten Gesichtspunkten aus darauf aufmerksam gemacht, wie der Mensch, so wie er vor uns steht, zerfällt in das, was er zunächst als Nerven-Sinnes-Mensch ist, wasman populär so ausdrücken kann, daß man sagt: Zunächst ist der Mensch Kopfmensch, Hauptesmensch. Als zweites Glied der menschlichen Wesenheit, äußerlich betrachtet, haben wir denjenigen Menschen, in dem sich hauptsächlich die rhythmischen Vorgänge abspielen, den Brustmenschen; und dann, wie Sie ja wissen, zusammenhängend mit dem ganzen Stoffwechselsystem den Gliedmaßenmenschen, den Stoffwechselmenschen, in dem sich eben der Stoffwechsel als solcher abspielt. Dasjenige, was der Mensch als tätiges Wesen ist, das erschöpft sich äußerlich in der Bildgestalt, in der physischen Bildgestalt des Menschen in diesen drei Gliedern der menschlichen Gesamtnatur.
[ 5 ] Every child should be viewed by the teacher or educator as a question from the supersensible world to the sensible world. One will not be able to pose this question in a concrete, comprehensive sense—especially not to each individual child—unless one can draw upon the insights regarding human nature derived from Spiritual Science. Over the course of the last three to four centuries, humanity has gradually become more and more accustomed to viewing human beings—I would say—merely physiologically, focusing solely on their external physical constitution. This view of human beings is most harmful to the educator and the teacher. Therefore, it will be necessary above all else for an anthropology derived from anthroposophy to become the foundation of future pedagogy. But this can only happen if the human being is truly viewed from the perspectives we have often touched upon here—perspectives that characterize him in many respects as a threefold being. But one must resolve to truly grasp this threefold division inwardly. I have repeatedly drawn your attention to this from a wide variety of perspectives: how the human being, as he stands before us, is divided into what he is first and foremost—the nervous-sensory human being—which can be expressed in popular terms by saying: First and foremost, the human being is a “head human,” a “head-oriented human.” As the second member of the human being, viewed from the outside, we have the human being in whom the rhythmic processes primarily take place—the chest-human; and then, as you know, connected to the entire metabolic system, the limb-human, the metabolic human, in whom metabolism as such takes place. What the human being is as an active being is outwardly embodied in the physical form of the human being in these three aspects of the human nature as a whole.
[ 6 ] Notieren wir uns einmal diese drei Glieder der menschlichen Gesamtnatur: Kopfmensch oder Nerven-Sinnes-Mensch, Brustmensch oder rhythmischer Mensch und dann Gliedmaßenmensch, im weitesten Sinne natürlich, oder Stoffwechselmensch.
[ 6 ] Let us take note of these three aspects of the human nature as a whole: the head human, or the nervous-sensory human; the chest human, or the rhythmic human; and finally, the limb human—in the broadest sense, of course—or the metabolic human.
[ 7 ] Nun handelt es sich darum, daß man diese drei Glieder der menschlichen Natur in ihrem Unterschiede voneinander erfaßt. Das ist ja für den Menschen der Gegenwart unbequem, denn der Mensch der Gegenwart liebt schematische Einteilungen. Er möchte sich, wenn man sagt: der Mensch besteht aus Kopfmensch, Brustmensch, Gliedmaßenmensch, am liebsten da einen Strich machen am Halse, was drüber ist, ist Kopfmensch. Dann möchte er sich wieder anderswo einen Strich machen, eine Linie ziehen, um den Brustmenschen zu begrenzen, und so möchte er die eingeteilten Glieder nebeneinander haben. Was sich nicht so schematisch nebeneinanderstellen läßt, darauf läßt sich der Mensch der Gegenwart nicht gerne ein.
[ 7 ] The point now is to grasp these three aspects of human nature in their distinctness from one another. This is, of course, inconvenient for modern people, because modern people love schematic classifications. When one says that a human being consists of the head-human, the breast-human, and the limb-human, modern people would prefer to draw a line at the neck—whatever is above that is the head-human. Then they would like to draw another line elsewhere to delimit the breast-human, and in this way they want to have the categorized parts arranged side by side. People today are reluctant to engage with anything that cannot be arranged side by side in such a schematic way.
[ 8 ] Aber so ist es in der Wirklichkeit nicht; die Wirklichkeit macht nicht solche Striche. Der Mensch ist zwar über den Schultern hauptsächlich Kopfmensch, Nerven-Sinnes-Mensch. Aber er ist nicht allein über den Schultern Nerven-Sinnes-Mensch; zum Beispiel der Gefühlssinn, der Wärmesinn sind über den ganzen Leib ausgedehnt, so daß der Kopf über den ganzen Leib wiederum reicht. Also man kann, wenn man so sprechen will, sagen: der menschliche Kopf ist hauptsächlich Kopf. Und die Brust ist eben weniger Kopf, aber auch noch Kopf. Die Gliedmaßen oder alles, was Stoffwechselsystem ist, sind noch weniger Kopf, aber auch Kopf. So daß man also eigentlich sagen muß: der ganze Mensch ist Kopf, nur der Kopf ist hauptsächlich Kopf. Wollte man also schematisch zeichnen, so müßte man etwa, wenn man wollte den Kopfmenschen zeichnen, ihn so zeichnen (siehe Zeichnung, helle Schraffur).
[ 8 ] But that is not how it is in reality; reality does not draw such distinctions. Above the shoulders, a human being is primarily a head-oriented being, a being of nerves and senses. But they are not solely a being of nerves and senses above the shoulders; for example, the sense of feeling and the sense of warmth extend throughout the entire body, so that the head, in turn, extends throughout the entire body. So one can, if one wishes to put it that way, say: the human head is primarily head. And the chest is, in a sense, less head, but still head. The limbs—or everything that constitutes the metabolic system—are even less “head,” but they are still “head.” So one must actually say: the whole human being is “head,” only the head is primarily “head.” If one were to draw a schematic diagram, then, for example, if one wanted to draw the “head-oriented person,” one would have to draw him like this (see drawing, light hatching).
[ 9 ] Der Brustmensch ist wiederum nicht bloß in der Brust, er ist hauptsächlich in den Brustorganen, in den Organen, in denen sich das Herz und der Atmungsrhythmus am deutlichsten ausdrücken. Aber die Atmung setzt sich auch in den Kopf hinein fort, die Blutzirkulation in ihrem Rhythmus setzt sich in den Kopf hinein fort und in die Gliedmaßen. So daß man sagen kann: der Mensch ist Brust allerdings in dieser Gegend; aber er ist auch hier - zwar weniger — Brust (siehe Zeichnung, mittlere Schraffur) und hier — wiederum weniger Brust. Also wiederum der ganze Mensch ist Brust, aber in der Hauptsache ist das die Brust, das der Kopf.
[ 9 ] The “chest-oriented” person, in turn, is not merely in the chest; he is primarily in the chest organs—the organs in which the heart and the breathing rhythm are most clearly expressed. But breathing also extends into the head; the rhythm of blood circulation extends into the head and into the limbs. So one can say: the human being is indeed “chest” in this region; but he is also “chest” here—albeit to a lesser extent—(see drawing, middle hatching) and here—again to a lesser extent. So, once again, the whole human being is chest, but primarily it is the chest that is the head.


[ 10 ] Und wiederum der Gliedmaßen- und Stoffwechselmensch, ja er ist schon in der Hauptsache dieses (siehe Zeichnung, dunkle Schraffur); aber diese Gliedmaßen setzen sich wiederum so fort, daß sie weniger sind in der Brust und am wenigsten im Kopfe.
[ 10 ] And again, the human being composed of limbs and metabolism—indeed, this is essentially what he is (see drawing, dark hatching); but these limbs continue in such a way that they are fewer in the chest and fewest of all in the head.
[ 11 ] Also ebenso wahr, wie man sagen kann: der Kopf ist Kopf, kann man sagen: der ganze Mensch ist Kopf. Ebenso wahr, wie man sagen kann: die Brust ist Brust, kann man sagen: der ganze Mensch ist Brust und so weiter. Die Dinge schwimmen ineinander in der Wirklichkeit. Und unser Begreifen ist so veranlagt, daß wir gerne so nebeneinanderstellen die Teile, die Glieder. Dieses zeigt uns, wie wenig wir mit Bezug auf unsere Erkenntnisvorstellungen verwandt sind der äußeren Wirklichkeit. In der äußeren Wirklichkeit schwimmen die Dinge ineinander. Und wir müssen, wenn wir auf der einen Seite trennen; Kopf-, Brust-, Stoffwechselmensch, uns bewußt sein, daß wir dann die getrennten Glieder wieder zusammendenken müssen. Wir dürfen eigentlich niemals bloß auseinanderdenken, wir müssen immer auch wieder zusammendenken. Ein denkender Mensch, der nur auseinanderdenken wollte, der gleicht einem Menschen, der nur einatmen, nicht aber ausatmen wollte.
[ 11 ] Just as it is true to say, “The head is the head,” so it is true to say, “The whole person is the head.” Just as it is true to say, “The chest is the chest,” so it is true to say, “The whole person is the chest,” and so on. In reality, things flow into one another. And our understanding is such that we tend to place the parts—the members—side by side. This shows us how little our concepts of knowledge correspond to external reality. In external reality, things flow into one another. And when we make distinctions—such as the head, chest, and metabolic human—we must be aware that we then have to think the separated parts back together again. We must never merely think things apart; we must always think them back together again. A thinking person who only wants to think things apart is like a person who only wants to inhale but not exhale.
[ 12 ] Damit haben Sie gleich etwas gegeben, was eintreten muß namentlich für das Denken der Lehrer der Zukunft; die müssen ganz besonders in sich aufnehmen dieses innerlich bewegliche Denken, dieses unschematische Denken. Denn nur dadurch, daß sie dieses unschematische Denken in sich aufnehmen, kommen sie mit ihrer Seele der Wirklichkeit nahe. Aber man wird der Wirklichkeit nicht naliekommen, wenn man nicht dieses Nahekommen von einem gewissen größeren Gesichtspunkte aus als Zeiterscheinung aufzufassen in der Lage ist. Man muß die Vorliebe, welche man gegen die Gegenwart herein immer mehr entwickelt hat, sich an die Details des Lebens zu halten, wenn man Wissenschaftliches ins Auge faßt, man muß diese Vorliebe überwinden und muß dahin kommen, die Details des Lebens an die großen Lebensfragen anzuknüpfen.
[ 12 ] In doing so, you have already provided something that must become a reality, particularly for the thinking of future teachers; they must especially internalize this inwardly flexible thinking, this non-schematic thinking. For it is only by internalizing this non-schematic thinking that they can draw close to reality with their souls. But one cannot come close to reality unless one is able to view this approach from a certain broader perspective as a phenomenon of our time. One must overcome the tendency—which has become increasingly prevalent in recent times—to focus on the details of life when approaching scientific matters; one must move toward linking the details of life to the great questions of life.
[ 13 ] Und bedeutsam wird eine Frage werden für alle Entwickelung der Geisteskultur in die Zukunft hinein: das ist die Unsterblichkeitsfrage. Man wird sich klar werden müssen darüber, wie eigentlich ein großer Teil der Menschheit diese Unsterblichkeit auffaßt, namentlich seit der Zeit, in welcher viele Menschen sogar schon bis zur Leugnung der Unsterblichkeit gekommen sind. Was lebt eigentlich in den meisten Menschen, die heute noch aus den Untergründen der gebräuchlichen Religionen heraus über Unsterblichkeit sich unterrichten wollen, was lebt in diesen Menschen? Es lebt in diesen Menschen der Drang, etwas zu wissen darüber, was mit der Seele wird, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes durchgegangen ist.
[ 13 ] And one question will become significant for the entire future development of spiritual culture: the question of immortality. We will have to gain clarity on how a large portion of humanity actually conceives of this immortality, particularly since the time when many people have even gone so far as to deny immortality altogether. What actually lives within most people who, even today, seek to learn about immortality from the foundations of mainstream religions—what lives within these people? What lives within these people is the urge to know something about what becomes of the soul once a person has passed through the gate of death.
[ 14 ] Wenn wir fragen nach dem Interesse, das die Menschen nehmen an der Unsterblichkeitsfrage, besser gesagt, an der Frage nach der Ewigkeit des menschlichen Wesenskernes, so bekommen wir keine andere Antwort, als: das hauptsächlichste Interesse an der Ewigkeit des menschlichen Wesenskernes knüpft sich eben daran: Was wird mit dem Menschen, wenn er die Pforte des Todes durchschreitet? Der Mensch ist sich bewußt: er ist ein Ich. In diesem Ich lebt sein Denken, Fühlen und Wollen. Der Gedanke ist ihm unerträglich, dieses Ich etwa vernichtet zu wissen. Daß er es durch den Tod tragen kann, und was mit dem Ich nach dem Tode wird, das interessiert die Menschen vor allen Dingen. Daß es so mit diesem Interesse gekommen ist, das beruht im wesentlichen darauf, daß ja die, wenigstens für uns hier zunächst in Betracht kommenden Religionssysteme, wenn sie von der Unsterblichkeit sprechen, von der Ewigkeit des menschlichen Wesenskernes hauptsächlich im Auge haben eben die Frage: Was wird mit der Menschenseele, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht?
[ 14 ] When we ask about the interest people take in the question of immortality—or, more precisely, in the question of the eternity of the human essence—we receive no other answer than this: the primary interest in the eternity of the human essence is precisely tied to this: What becomes of a person when they pass through the gates of death? A person is conscious of being an “I.” Their thinking, feeling, and willing live within this “I.” The thought of this “I” being destroyed is unbearable to them. Whether they can carry this “I” through death, and what becomes of it after death—this is what interests people above all else. The reason this interest has arisen is essentially that the religious systems—at least those we are considering here for the time being—when they speak of immortality and the eternity of the human essence, have in mind primarily the very question: What becomes of the human soul when a person passes through the gate of death?
[ 15 ] Nun müssen Sie fühlen, daß man der Unsterblichkeitsfrage, wenn man sie so stellt, einen außerordentlich stark egoistischen Beigeschmack gibt. Es ist im Grunde genommen ein egoistischer Trieb, der dem Menschen das Interesse einflößt, zu wissen, was mit seinem Wesenskern wird, wenn er die Pforte des Todes durchschreitet. Und würden die Menschen der Gegenwart, mehr als sie das tun, so recht Selbsterkenntnis üben, würden sie mit sich zu Rate gehen und sich nicht so stark Illusionen hingeben, als das der Fall ist, dann würden die Menschen schon einsehen, wie stark der Egoismus mitwirkt bei dem Interesse, etwas über das Schicksal der Seele nach dem Tode zu wissen.
[ 15 ] Now you must realize that posing the question of immortality in this way gives it an extraordinarily strong tinge of selfishness. It is, at its core, a selfish impulse that instills in people the desire to know what will become of the core of their being when they pass through the gates of death. And if people today were to practice self-knowledge more than they do now, if they were to consult within themselves and not succumb to illusions as much as they do, then they would already realize how strongly selfishness plays a role in their interest in knowing about the fate of the soul after death.
[ 16 ] Diese Art der Seelenstimmung ist nun ganz besonders stark wiederum geworden in der Zeit der materialistischen Prüfung in den letzten drei bis vier Jahrhunderten. Und man kann das, was so die Seele des Menschen wie eine innere Empfindungs- und Denkgewohnheit ergriffen hat, nicht etwa durch Theorien oder Lehren überwinden, wenn diese Theorien oder Lehren nur abstrakte Form haben. Aber die Frage muß doch aufgeworfen werden: Kann es so bleiben? Darf bei der Frage nach dem ewigen Wesenskern des Menschen nur Egoistisches in der Menschennatur sprechen?
[ 16 ] This kind of spiritual disposition has once again become particularly strong during the era of materialistic scrutiny over the past three to four centuries. And what has thus taken hold of the human soul as an inner habit of feeling and thinking cannot be overcome by theories or doctrines if these theories or doctrines exist only in abstract form. But the question must nevertheless be raised: Can things remain this way? When it comes to the question of the eternal essence of the human being, must only the egoistic aspect of human nature have a voice?
[ 17 ] Wenn man alles, was mit diesem Fragenkomplex zusammenhängt, ins Auge faßt, dann muß man sich sagen: Daß das so geworden ist mit der menschlichen Seelenstimmung, wie ich es eben charakterisiert habe, das rührt im wesentlichen davon her, daß von den Religionen vernachlässigt worden ist der andere Gesichtspunkt: anzuschauen den Menschen, indem er geboren wird, indem er hereinwächst in die Welt vom ersten kindlichen Schrei, in dieser wunderbaren Weise, wie sich immer mehr und mehr die Seele hineindrängt in die Körperlichkeit, anzuschauen den Menschen, wie da in ihm sich herauflebt das, was vorgeburtlich in der geistigen Welt gelebt hat. Wie oft wird denn heute die Frage aufgeworfen: Was setzt sich fort aus dem geistigen Gebiete, wenn der Mensch geboren wird, mit dem physischen Menschen? Danach frägt man immer wieder und wieder: Was setzt sich fort, wenn der Mensch stirbt? Danach aber frägt man wenig: Was setzt sich fort, wenn der Mensch geboren wird?
[ 17 ] When one considers everything related to this complex of questions, one must conclude: The fact that the human state of mind has come to be as I have just described it stems essentially from the fact that religions have neglected the other perspective: to observe the human being as he is born, as he grows into the world from his first infant cry, in that wondrous way in which the soul increasingly pushes its way into physicality; to observe the human being as that which was lived in the spiritual world before birth rises up within him. How often, then, is the question raised today: What carries over from the spiritual realm into the physical human being when a person is born? People ask this again and again: What carries over when a person dies? But they rarely ask: What carries over when a person is born?
[ 18 ] Darauf ist die Hauptaufmerksamkeit zu richten in der Zukunft. Wir müssen gewissermaßen lernen, abzulauschen dem heranwachsenden Menschen die Offenbarung des Geistig-Seelischen, wie es war vor der Geburt oder vor der Empfängnis. Wir müssen lernen, in dem heranwachsenden Kinde die Fortsetzung seines Aufenthaltes in der geistigen Welt zu sehen: dann wird unser Verhältnis zu dem ewigen Wesenskern des Menschen immer unegoistischer und unegoistischer werden. Wenn einen nämlich nicht interessiert, was sich fortsetzt mit dem physischen Leben aus der geistigen Welt heraus, sondern nur interessiert, was sich fortsetzt hinter dem Tode, dann ist man innerlich egoistisch. Es begründet in einer gewissen Weise eine unegoistische Seelenstimmung, auf dasjenige hinzuschauen, was sich aus dem Geistigen fortsetzt in das physische Dasein hinein.
[ 18 ] This is where our main focus should lie in the future. We must, so to speak, learn to listen for the revelation of the spiritual-soul aspect in the growing human being, as it was before birth or before conception. We must learn to see in the growing child the continuation of its sojourn in the spiritual world: then our relationship to the eternal core of the human being will become more and more selfless. For if one is not interested in what continues from the spiritual world into physical life, but is interested only in what continues after death, then one is inwardly self-centered. In a certain sense, it fosters a selfless state of mind to look toward that which continues from the spiritual into physical existence.
[ 19 ] Der Egoismus, der frägt aus dem Grunde nicht nach dieser Fortsetzung, weil er ja dessen gewiß ist, daß er da ist, der Mensch, und er ist zufrieden damit, daß er da ist. Er ist nur dessen nicht gewiß, daß er auch noch nach dem Tode da ist; daher möchte er sich das beweisen lassen. Dazu treibt ihn der Egoismus. Aber die wahre Erkenntnis wird nicht dem Menschen aus dem Egoismus heraus, auch nicht aus jenem sublimierten Egoismus, den wir jetzt eben charakterisiert haben als erzeugend das Interesse an der Fortsetzung des seelischen Daseins nach dem Tode. Und ist es denn eigentlich zu leugnen, daß die Religionen gar sehr spekulieren auf diesen eben gekennzeichneten Egoismus? Dieses Spekulieren auf den eben gekennzeichneten Egoismus, das muß überwunden werden. Und der, welcher hineinschaut in die geistige Welt, der weiß, daß diese Überwindung mit sich bringen wird nicht bloß Erkenntnisse — diese Überwindung wird mit sich bringen eine ganz andere Einstellung des Menschen zu seiner menschlichen Umgebung. Man wird ganz anders fühlen und empfinden mit dem kindlich heranwachsenden Menschen, wenn man immer darauf hinschaut, wie sich fortsetzt das, was nicht mehr bleiben konnte in der geistigen Welt.
[ 19 ] Egoism, fundamentally, does not ask about this continuation because it is certain that the human being exists, and it is satisfied with that existence. It is only uncertain whether the human being will still exist after death; therefore, it wants proof of this. Egoism drives him to do this. But true knowledge does not come to man out of egoism, nor even out of that sublimated egoism which we have just characterized as generating an interest in the continuation of spiritual existence after death. And can it really be denied that religions capitalize heavily on this very egoism we have just described? This capitalizing on the egoism we have just described must be overcome. And those who look into the spiritual world know that this overcoming will bring about not merely insights—this overcoming will bring about a completely different attitude on the part of human beings toward their human surroundings. One will feel and sense things quite differently toward a child growing up if one always considers how that which could no longer remain in the spiritual world continues on.
[ 20 ] Bedenken Sie doch nur einmal, wie sehr sich eine Frage gerade von diesem Gesichtspunkte aus verschiebt. Man könnte sagen: Der Mensch war in der geistigen Welt, bevor er durch Empfängnis oder Geburt heruntergestiegen ist in die physische Welt. Da oben muß es also gewesen sein, daß er sein jeweiliges Ziel nicht mehr gefunden hat. Die geistige Welt muß ihm das nicht mehr gegeben haben, was die Seele anstrebt. Und aus der geistigen Welt heraus muß sich der Drang ergeben haben, herunterzusteigen in die physische Welt, sich mit einem Leib zu umkleiden, um das in der physischen Welt zu suchen, was nicht mehr in der geistigen Welt gesucht werden konnte, als die Zeit nahe der Geburt zuging.
[ 20 ] Just consider for a moment how much a question shifts when viewed from this particular perspective. One could say: Human beings were in the spiritual world before they descended into the physical world through conception or birth. So it must have been up there that they lost sight of their respective goals. The spiritual world must no longer have provided what the soul was striving for. And it must have been from within the spiritual world that the urge arose to descend into the physical world, to clothe oneself in a body, in order to seek in the physical world what could no longer be sought in the spiritual world as the time of birth approached.
[ 21 ] Es ist eine ungeheure Vertiefung des Lebens, wenn man den Gesichtspunkt so — aber jetzt fühlend und empfindend — zu nehmen weiß. Während der eine Gesichtspunkt, der egoistische, immerzu den Menschen dazu drängt, abstrakter und abstrakter zu werden, ins Theoretische einzulaufen, dem Kopfdenken sich zuzuneigen, wird das, was nach dem anderen, dem unegoistischen Gesichtspunkte hingeht, den Menschen immer mehr und mehr dazu drängen, die Welt in Liebe zu erkennen und durch Liebe zu begreifen. Das ist eines der Elemente, die in der Lehrerbildung werden aufgenommen werden müssen: hinzuschauen auf den vorgeburtlichen Menschen, nicht also nur das Rätsel des Todes zu empfinden, sondern auch zu empfinden dem Leben gegenüber das Rätsel der Geburt.
[ 21 ] It is an immense deepening of life when one knows how to adopt this perspective—but now with feeling and sensitivity. While one perspective—the egoistic one—constantly urges people to become more and more abstract, to drift into the theoretical, and to lean toward intellectual thinking, the other, non-egoistic perspective will urge people more and more to perceive the world through love and to understand it through love. This is one of the elements that must be incorporated into teacher training: to look toward the pre-birth human being—not merely to sense the mystery of death, but also to sense the mystery of birth in relation to life.
[ 22 ] Dann aber muß gelernt werden, Anthropologie zu erhöhen zu Anthroposophie dadurch, daß man nun wirklich ein Gefühl sich aneignet für die Formen, die sich in dem dreigegliederten Menschen ausdrücken. Ich sagte schon neulich: Ja, ist denn nicht dieses Haupt des Menschen, das, was hauptsächlich Haupt ist, in einer ganz anderen Form kugelig, nur aufgesetzt dem übrigen Organismus? (siehe Zeichnung). Und wiederum, wenn wir den Brustmenschen nehmen, wie erscheint er uns? Er erscheint uns eigentlich so, daß wir ein Stück des Kopfes nehmen könnten, es nun vergrößern, und hier das Rückgrat haben würden (siehe Zeichnung). Während der Kopf seinen Mittelpunkt in sich trägt, trägt der Brustmensch den Mittelpunkt sehr weit von sich weg. Und würden Sie sich das gleichsam wie einen großen Kopf denken, so würde er, dieser große Kopf, angehören etwa einem auf dem Rücken liegenden Menschen. So daß wir haben würden, wenn wir die Wirbelsäule wie einen unvollkommenen Kopf betrachten, einen horizontal liegenden Menschen, und einen vertikal stehenden Menschen.
[ 22 ] But then we must learn to elevate anthropology to anthroposophy by truly developing a sense for the forms that are expressed in the threefold human being. I said the other day: Yes, isn’t the human head—that which is primarily the head—spherical in a completely different form, merely superimposed on the rest of the organism? (see drawing). And again, when we consider the chest-human, how does he appear to us? He actually appears to us in such a way that we could take a piece of the head, enlarge it, and have the spine right here (see drawing). While the head carries its center within itself, the thoracic human carries the center very far away from itself. And if you were to imagine it, as it were, as a large head, this large head would belong, so to speak, to a human lying on their back. So that if we regard the spine as an imperfect head, we would have a human lying horizontally and a human standing vertically.


[ 23 ] Noch komplizierter, so daß man gar nicht in der Lage ist, das in die Ebene zu zeichnen, wird das, wenn wir den Stoffwechselmenschen ins Auge fassen würden. Kurz, für eine Formbetrachtung, für eine Betrachtung der plastischen Form, stellen sich die drei Glieder der menschlichen Natur ganz verschieden vor. Der Kopf ist gleichsam eine Totalität, der Brustmensch ist keine Totalität, das ist ein Fragment; und gar erst der Stoffwechselmensch!
[ 23 ] It becomes even more complicated—so much so that one is not even able to draw it on a plane—when we consider the metabolic human being. In short, from the perspective of form, from the perspective of plastic form, the three aspects of human nature present themselves quite differently. The head is, as it were, a totality; the chest-human is not a totality—it is a fragment; and the metabolic human even more so!
[ 24 ] Nun, wodurch ist der menschliche Kopf, das menschliche Haupt, dieses in sich Abgeschlossene? Dieses in sich Abgeschlossene ist das menschliche Haupt dadurch, daß von allen Gliedern des Menschen dieses menschliche Haupt am meisten angepaßt ist der physischen Welt. So sonderbar Ihnen das scheinen mag, weil Sie ja gewohnt sind, das menschliche Haupt als das edelste Glied des Menschen zu betrachten, so richtig ist es doch, daß dieses menschliche Haupt am meisten angepaßt ist dem physischen Dasein. Das Haupt drückt am meisten vom physischen Dasein aus. So daß man sagen kann: Will man den physischen Leib in der Hauptsache charakterisieren, so muß man nach dem Kopfe hinschauen. In bezug auf den Kopf ist der Mensch am meisten physischer Leib. In bezug auf die Brustorgane, auf die Rhythmusorgane ist der Mensch am meisten Ätherleib; in bezug auf die Stoffwechselorgane ist der Mensch am meisten astralischer Leib. Und das Ich, das hat überhaupt noch nichts Deutliches in der physischen Welt ausgeprägt.
[ 24 ] Now, what makes the human head, the human skull, this self-contained entity? This self-contained entity is the human head because, of all the human body’s parts, this human head is the most adapted to the physical world. As strange as this may seem to you—since you are accustomed to regarding the human head as the noblest part of the human being—it is nevertheless true that this human head is the most adapted to physical existence. The head expresses physical existence the most. So one can say: If one wants to characterize the physical body in its essence, one must look to the head. In terms of the head, the human being is most physical body. In terms of the chest organs and the organs of rhythm, the human being is most etheric body; in terms of the metabolic organs, the human being is most astral body. And the “I”—it has not yet developed any distinct features in the physical world at all.
[ 25 ] Hier sind wir bei einem Gesichtspunkte angelangt, der außerordentlich wichtig ist ins Auge zu fassen. Sie müssen sich diesen Gesichtspunkt so zurechtlegen, daß Sie sich sagen: Sehe ich das menschliche Haupt an, also das, was ich weiß gezeichnet habe (siehe Zeichnung Seite 72, helle Schraffur), so habe ich das Hauptsächlichste auch vom physischen Leib. Das Haupt bringt am meisten zum Ausdrucke, was im Menschen offenbar ist. Im Brustmenschen, da ist der Ätherleib mehr tätig. Im Kopf ist der Ätherleib am wenigsten tätig, in der Brust ist der Ätherleib viel mehr tätig. Daher ist physisch genommen der Brustteil des Menschen unvollkommener als der Kopf. Physisch genommen ist er unvollkommener. Und erst recht unvollkommen ist der Stoffwechselmensch, weil da wiederum der Ätherleib ganz wenig tätig ist und der astralische Leib am meisten tätig ist. Und wie ich oftmals betont habe: Das Ich ist ja noch das Baby, hat noch kaum ein physisches Korrelat.
[ 25 ] Here we have arrived at a point of view that is extremely important to consider. You must understand this point in such a way that you say to yourself: When I look at the human head—that is, what I have drawn (see drawing on page 72, light hatching)—I am also seeing the most essential aspect of the physical body. The head most fully expresses what is manifest in the human being. In the chest-oriented person, the etheric body is more active. In the head, the etheric body is least active; in the chest, it is much more active. Therefore, physically speaking, the chest region of a human being is less perfect than the head. Physically speaking, it is more imperfect. And the metabolic human is even more imperfect, because there, too, the etheric body is very little active, while the astral body is most active. And as I have often emphasized: The “I” is still the baby; it has hardly any physical counterpart yet.
[ 26 ] Also Sie sehen, man kann den Menschen auch so beschreiben, daß man sagt: Der Mensch besteht aus dem physischen Leib. Willst du dir die Frage beantworten: Was ist am ähnlichsten dem physischen Leib des Menschen? so lautet die Antwort: Die Kopfkugel. Der Mensch besteht aus dem Ätherleibe. Was ist am ähnlichsten dem Ätherleibe? Das Brustfragment. Der Mensch besteht aus astralischem Leib. Was ist am ähnlichsten dem astralischen Leib? Der Stoffwechselmensch. Für das Ich hat man kaum auf etwas hinzudeuten im physischen Menschen. So wird jedes der drei Glieder des Menschen, Kopf, Nerven-Sinnes-Mensch, der Brustmensch, der rhythmische Mensch und der Stoffwechselmensch zum Bilde für etwas Dahinterstehendes: der Kopf zum Bilde für den physischen Leib, die Brust zum Bilde für den ÄÄtherleib, der Stoffwechsel zum Bilde für den astralischen Leib. Das wird man lernen müssen, nicht so zu betrachten, wie man heute den Menschen betrachtet, indem man den Leichnam in der Klinik untersucht, ein Stück als Gewebe oder so etwas betrachtet, gleichgültig ob es in der Brust oder im Kopfe ist. Man wird lernen müssen, sich zu sagen: Kopf-, Brust- und Stoffwechsel-Mensch stehen in verschiedenen Beziehungen zum Kosmos, drücken bildhaft verschiedenes Dahinterstehendes aus. Das wird erweitern die heutige bloß anthropologische Betrachtungsweise ins Anthroposophische hinein. Rein physisch betrachtet sind Brustorgane und Kopforgane gleichwertig. Ob Sie schließlich die Lunge sezieren oder das Gehirn sezieren, physisch genommen ist das eine wie das andere Materie. Geistig genommen ist dies keineswegs der Fall. Geistig genommen ist das so, daß, wenn Sie das Gehirn seziieren, Sie wirklich das ziemlich deutlich vor sich haben, was Sie sezieren. Wenn Sie die Brust sezieren, zum Beispiel die Lunge, da haben Sie das schon recht undeutlich vor sich, was Sie sezieren, denn da spielt der Ätherleib eine eminent wichtige Rolle darinnen, während der Mensch schläft.
[ 26 ] So you see, one can also describe a human being by saying: A human being consists of the physical body. If you want to answer the question: What is most similar to the human physical body? the answer is: the head. A human being consists of the etheric body. What is most similar to the etheric body? The chest region. A human being consists of the astral body. What is most similar to the astral body? The metabolic human. As for the “I,” there is hardly anything in the physical human being that points to it. Thus, each of the three members of the human being—the head, the nervous-sensory human, the chest human, the rhythmic human, and the metabolic human—becomes an image of something lying behind it: the head as an image of the physical body, the chest as an image of the etheric body, and the metabolism as an image of the astral body. We will have to learn not to view the human being as we do today—by examining a corpse in a clinic and treating a piece of tissue or something similar as just that, regardless of whether it is in the chest or the head. We will have to learn to say to ourselves: the head, chest, and metabolic human beings stand in different relationships to the cosmos and symbolically express different underlying realities. This will expand today’s purely anthropological perspective into the realm of anthroposophy. From a purely physical standpoint, the organs of the chest and the head are equivalent. Whether you dissect the lungs or the brain, physically speaking, one is just as much matter as the other. Spiritually speaking, this is by no means the case. Spiritually speaking, when you dissect the brain, you really have a fairly clear picture of what you are dissecting. When you dissect the chest—for example, the lungs—you have a rather vague picture of what you are dissecting, because the etheric body plays an eminently important role there while the human being is asleep.
[ 27 ] Die Sache, die ich eben jetzt auseinandergesetzt habe, hat ihr geistiges Gegenbild. Derjenige, der etwas vorgeschritten ist durch Meditation, durch solche Übungen, wie Sie sie beschrieben finden in unserer Literatur, der kommt allmählich dazu, den Menschen wirklich dreizugliedern. Sie wissen, ich spreche von dieser Dreigliederung von einem gewissen Gesichtspunkte aus in dem Kapitel meines Buches «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», wo auf den Hüter der Schwelle hingedeutet wird. Aber man kann die Dreigliederung so auch vollziehen durch starke Konzentration auf sich selbst: daß man nun wirklich Kopfmenschen (siehe Zeichnung, helle Schraffur), Brustmenschen (mittlere Schraffur) und Stoffwechselmenschen (dunkle Schraffur) trennt. Dann merkt man, wodurch der Kopf dieser Kopf eigentlich ist, den wir haben. Sehen Sie, wenn Sie durch innere Konzentration den Kopf herausziehen mit seinem Anhange, herausziehen aus dem übrigen menschlichen Organismus und dann als wirklichen Kopf unbeeintlußt von den anderen Gliedern der Menschennatur vor sich haben, dann ist er tot, dann lebt er nicht mehr. Sie können hellseherisch unmöglich den Kopf abgliedern von dem übrigen menschlichen Organismus, ohne daß Sie ihn als Leichnam wahrnehmen. Beim Brustmenschen können Sie das, der bleibt lebendig. Und wenn Sie den astralischen Leib abtrennen dadurch, daß Sie abtrennen den Stoffwechselmenschen, dann läuft er Ihnen davon, der astralische Mensch, dann bleibt er nicht an dem Orte, dann folgt er den kosmischen Bewegungen, denn er hat das Astralische in sich.
[ 27 ] The matter I have just explained has its spiritual counterpart. Those who have made some progress through meditation and through exercises such as those described in our literature gradually come to truly divide the human being into three parts. As you know, I speak of this threefold division from a certain perspective in the chapter of my book *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?*, where reference is made to the Guardian of the Threshold. But one can also achieve this threefold division through intense concentration on oneself: by truly separating the head-being (see drawing, light hatching), the chest-being (medium hatching), and the metabolic being (dark hatching). Then one realizes what it is that actually makes the head—the head we have—a head. You see, if through inner concentration you draw out the head with its attachments—draw it out of the rest of the human organism—and then have it before you as a real head, unaffected by the other members of human nature, then it is dead; it no longer lives. It is impossible for you, clairvoyantly, to separate the head from the rest of the human organism without perceiving it as a corpse. With the chest-human, you can do this; he remains alive. And if you separate the astral body by separating the metabolic human, then the astral human runs away from you; he does not remain in that place; he follows the cosmic movements, for he has the astral within him.
[ 28 ] Und jetzt denken Sie sich einmal, Sie stehen vor einem Menschenkinde, Sie schauen es mit solchen Erkenntnissen unbefangen und vernünftig an, wie ich sie eben auseinandergesetzt habe. Dann blicken Sie hin auf das menschliche Haupt: es trägt den Tod in sich; Sie blicken hin auf dasjenige, was das Haupt beeinflußt von der Brust aus: es belebt alles. Sie blicken hin, wenn das Kind anfängt zu laufen, Sie merken: das ist der astralische Leib eigentlich, der da im Laufen drinnen tätig ist. Jetzt wird Ihnen die menschliche Wesenheit etwas innerlich Durchschaubares. Der Kopf — Leichnam; das sich ausbreitende Leben in dem Menschen stillstehend, wenn er ganz ruhig sein würde. Im Augenblick, wo er zu laufen beginnt, merken Sie sogleich: der astralische Leib ist es eigentlich, der läuft; und er kann laufen, weil dieser astralische Leib beim Laufen, beim Bewegen Stoffe verbraucht, der Stoffwechsel ist tätig in einer gewissen Weise. Das Ich, wie kann man das beobachten? Es ist eigentlich jetzt schon alles erschöpft. Wenn Sie verfolgen den Kopf-Leichnam, das Belebende des Brustmenschen, das Laufen, was bleibt noch übrig, um das Ich äußerlich anzuschauen? Ich sagte Ihnen, das Ich hat kaum ein physisches Korrelat. Sie schauen das Ich nur an, wenn Sie den Menschen in seinem aufsteigenden Wachstum betrachten. Mit einem Jahr, da ist er ganz klein, mit zwei Jahren größer und so weiter. Wenn Sie ihn so größer und größer werden sehen, wenn Sie zusammenfügen dasjenige, was er in den aufeinanderfolgenden Zeiten ist, dann sehen Sie physisch das Ich an. Sie sehen das Ich niemals im Menschen, wenn Sie ihm nur gegenüberstehen, sondern das Ich sehen Sie erst dadurch, daß Sie den Menschen wachsen sehen. Würden sich die Menschen nicht Illusionen hingeben, sondern die Wirklichkeit sehen, dann würden sie sich klar sein darüber, daß sie in dem Menschen, der einem nur so einfach begegnet, physisch gar nicht das Ich so ohne weiteres wahrnehmen, daß sie das Ich eigentlich nur wahrnehmen, wenn sie den Menschen in verschiedenen Lebensaltern betrachten. Wenn Sie aber einen Menschen später wiedersehen nach zwanzig Jahren, dann nehmen Sie sehr stark sein Ich wahr an der Veränderung, die mit ihm vorgegangen ist, insbesondere wenn Sie ihn vor zwanzig Jahren als Kind gesehen haben.
[ 28 ] And now imagine that you are standing before a human child, looking at it with the kind of open-minded and rational insight that I have just described. Then look at the human head: it carries death within itself; look at what influences the head from the chest: it animates everything. Look as the child begins to walk, and you will notice: it is actually the astral body that is at work there as the child walks. Now the human being becomes something you can perceive from within. The head—a corpse; the life spreading throughout the human being would be at a standstill if he were completely still. The moment he begins to run, you immediately realize: it is actually the astral body that is running; and it can run because this astral body consumes substances while running and moving—metabolism is active in a certain way. The “I”—how can one observe it? Actually, everything has already been exhausted. If you follow the head-corpse, the animating force of the chest-human, and the running—what remains to observe the “I” externally? I told you, the “I” has hardly any physical counterpart. You can only observe the “I” when you look at the human being in the course of his upward growth. At one year old, the child is very small; at two years old, larger, and so on. When you see the child growing larger and larger, when you piece together what the child is at each successive stage, then you are physically observing the “I.” You never see the “I” in a person simply by standing face-to-face with them; rather, you see the “I” only by observing the person as they grow. If people did not succumb to illusions but saw reality, they would realize that in a person they simply encounter, they do not readily perceive the “I” physically; rather, they actually perceive the “I” only when they observe the person at different stages of life. But when you see a person again twenty years later, you perceive their “I” very strongly through the changes that have taken place in them, especially if you saw them as a child twenty years ago.
[ 29 ] Nun bitte ich Sie, das, was ich gesagt habe, nicht theoretisch bloß zu durchdenken, sondern ich bitte, beleben Sie Ihre Vorstellungen und überlegen Sie sich, wenn Sie so den Menschen betrachten: Kopf Leichnam, Brust — Belebung, Laufen des astralischen Leibes, Größerwerden durch das Ich - wie sich der ganze Mensch belebt, der vorher wie eine Wachspuppe vor Ihnen stand.
[ 29 ] Now I ask you not merely to think through what I have said in a theoretical way, but rather to bring your mental images to life and to consider—when you look at a human being in this way: head—corpse; chest—animation; the movement of the astral body; growth through the “I”—how the whole human being comes to life, who previously stood before you like a wax figure.
[ 30 ] Was ist denn schließlich das, was man gewöhnlich mit seinen physischen Augen und auch mit seinem Verstande vom Menschen sieht? Eine Wachspuppe! und die belebt sich, wenn Sie das hinzufügen, was ich eben jetzt auseinandergesetzt habe!
[ 30 ] After all, what is it that one usually perceives of a human being with one’s physical eyes and also with one’s mind? A wax figure! And it comes to life when you add what I have just explained!
[ 31 ] Dazu brauchen Sie allerdings die Durchsetzung Ihrer Anschauung _ durch dasjenige, was Geisteswissenschaft in die Empfindungen, in die Gefühle, in das ganze Verhältnis des Menschen zur Welt hineingießen kann. Ein laufendes Kind verrät Ihnen den astralischen Leib. Und das, was in der Geste des Laufens liegt — jedes Kind läuft ja anders —, das kommt von der Konfiguration der verschiedenen astralischen Leiber her. Und dasjenige, was im Wachsen liegt, das prägt etwas vom Ich aus.
[ 31 ] To do this, however, you need to assert your perspective—through what Spiritual Science can infuse into sensations, feelings, and the whole relationship of human beings to the world. A running child reveals the astral body to you. And what is inherent in the gesture of running—every child runs differently, after all—stems from the configuration of the various astral bodies. And what is inherent in growth is shaped in part by the “I.”
[ 32 ] Sehen Sie, da wirkt das Karma sehr stark in den Menschen hinein. Nehmen wir ein Beispiel, das der Gegenwart nicht mehr naheliegt: Fichte, Johann Gottlieb Fichte. Ich habe Ihnen von den verschiedensten Seiten Johann Gottlieb Fichte charakterisiert. Ich habe ihn Ihnen charakterisiert einmal als großen Philosophen, ich habe ihn Ihnen charakterisiert einmal als Bolschewisten, und so weiter, nicht wahr. Wollen wir ihn aber einmal noch von einem anderen Gesichtspunkte aus ins Auge fassen. Sie erinnern sich ja wohl, daß ich auch gezeigt habe, wie Johann Gottlieb Fichte durchaus unter die Bolschewisten gerechnet werden kann; nun wollen wir ihn von einem anderen Gesichtspunkte ins Auge fassen. Nehmen wir einmal an, wir stünden so auf der Straße und Fichte ginge vorüber, wir schauen ihm nach: ein nicht sehr großer Mann, stämmig. Was verrät die Art, wie er gewachsen ist? Zurückgehaltenes Wachstum. Stark aufsetzend die Füße, besonders stark die Fersen aufsetzend, so, wenn man ihm nachschaut, geht er dahin. Das ganze Fichte-Ich ist dadrinnen. Keine Nuance dessen, was der Mann war, kann einem entgehen, wenn man ihn so anschaut mit dem durch etwas Hungern in der Jugend zurückgehaltenen Wachstum, stämmig, den Körper zurückgehalten, stark die Fersen aufsetzend. Man hörte, wie er sprach, indem man ihn so von rückwärts bemerkte!
[ 32 ] You see, karma has a very strong influence on people. Let’s take an example that is no longer familiar to us today: Fichte, Johann Gottlieb Fichte. I have described Johann Gottlieb Fichte to you from a wide variety of perspectives. I have described him to you once as a great philosopher, I have described him to you once as a Bolshevik, and so on, haven’t I? But let’s consider him from yet another perspective. You surely remember that I also showed how Johann Gottlieb Fichte can certainly be counted among the Bolsheviks; now let’s consider him from a different angle. Let’s suppose we were standing on the street and Fichte walked by; we watch him go: a man not very tall, stocky. What does the way he is built reveal? Stunted growth. He plants his feet firmly, especially his heels, and as you watch him, that’s how he walks. The whole essence of Fichte is right there. Not a single nuance of who the man was can escape one’s notice when observing him like this—with his growth stunted by some form of malnutrition in his youth, stocky, his body restrained, planting his heels firmly as he walks. One could hear how he spoke just by observing him from behind like this!
[ 33 ] Sie sehen, in die Äußerlichkeiten des Lebens kann ein geistiges Element hineinkommen. Es kann allerdings nicht hineinkommen in die ÄAußerlichkeiten des Lebens, wenn nicht die Menschen etwas anderes, als heute noch in der Seelenverfassung ist, an Gesinnung in sich aufnehmen. Für die heutigen Menschen wäre ja das Anschauen ihrer Mitmenschen von diesem Gesichtspunkte aus eine recht böse Indiskretion. Man möchte es nicht sehr wünschen, daß das sich verbreitete, denn die Menschen von heute sind ja zumeist so geartet durch den Materialismus, wie er sich immer mehr und mehr ausgebreitet hat, daß sie nur deshalb, weil es verboten ist, nicht Briefe aufmachen, die ihnen nicht gehören, sonst würden sie es nämlich tun. Aber bei einer solchen Menschengesinnung ist es nicht tunlich, daß mit den Menschen alles anders werde. Dennoch, die Erde hat mit der Mitte des 15. Jahrhunderts dasjenige erfüllt, was die Menschen auf andere Weise sich im Erdendasein nicht aneignen konnten, als dadurch, daß Mensch dem Menschen bis ins Physische hinein geistig entgegenkommt. Und je mehr wir der Zukunft entgegenwachsen, desto mehr müssen wir alles dasjenige, was sinnlich um uns herum ist, lernen geistig aufzufassen. Und angefangen muß das werden mit der pädagogischen Betätigung des Lehrers gegenüber dem heranwachsenden Kinde. Physiognomische Pädagogik: Wille, dieses größte Rätsel Mensch in jedem einzelnen Exemplar Mensch durch die Erziehung zu lösen!
[ 33 ] You see, a spiritual element can enter into the outward aspects of life. However, it cannot enter into the outward aspects of life unless people take on within themselves a mindset that is different from what still prevails in the state of the soul today. For people today, observing their fellow human beings from this perspective would indeed be a rather malicious intrusion of privacy. One would not really wish for this to become widespread, for people today are, for the most part, so shaped by materialism—which has spread more and more—that they do not open letters that do not belong to them only because it is forbidden; otherwise, they would certainly do so. But given such a human mindset, it is not feasible for everything to change among people. Nevertheless, by the middle of the 15th century, the Earth had fulfilled what human beings could not otherwise acquire in their earthly existence except through one human being spiritually meeting another right down into the physical realm. And the more we move toward the future, the more we must learn to perceive spiritually everything that surrounds us in the physical world. And this must begin with the teacher’s educational work with the growing child. Physiognomic pedagogy: the will to solve this greatest of mysteries—the human being—in every single individual through education!
[ 34 ] Nun können Sie fühlen, wie stark eigentlich in unserer Zeit das ist, was ich als Prüfung der Menschheit auseinandergesetzt habe. Eigentlich drängt dasjenige, was ich auseinandergesetzt habe, dahin: immer mehr und mehr zu individualisieren, jeden Menschen als ein Wesen für sich zu betrachten. Das muß uns ja eigentlich als großes Ideal vorschweben: Keiner gleicht dem andern, jeder, jeder ist ein Wesen für sich. Würde die Erde an ihr Ziel kommen, ohne daß wir uns aneignen würden als Menschen, anzuerkennen jeden Menschen als ein Wesen für sich, die Menschheit würde auf der Erde nicht ihr Ziel erreichen. Aber wie weit sind wir heute von der Gesinnung entfernt, die nach diesem Ziele hinstrebt! Wir nivellieren ja heute die Menschen. Wir sehen die Menschen so an, daß wir sie gar nicht stark auf ihre individuellen Eigenschaften hin prüfen, Hermann Bahr, von dem ich Ihnen öfter erzählt habe, hat einmal in Berlin verraten, wie die Zeitbildung dahin geht, gar nicht mehr zu individualisieren. Als Hermann Bahr in den neunziger Jahren eine Zeitlang in Berlin lebte und mitmachte das Berliner Gesellschaftsleben, hatte er natürlich an jedem Abend rechts eine Tischdame und links eine Tischdame neben sich, nicht wahr. Aber wenn er wiederum am nächsten Abend zwischen zwei Tischdamen saß, da konnte er höchstens aus der Einladungskarte entnehmen, daß das andere Damen waren: er schaute sie sich nämlich gar nicht so genau an, denn im Grunde genommen war die Dame von gestern und die Dame von heute ganz dasselbe. Was er von ihnen sah, war ganz dasselbe. Und die gesellschaftliche, namentlich industrielle Kultur, die macht auch äußerlich aus den Menschen gleiche, läßt die Individualitäten nicht herauskommen. Und so strebt man in der Gegenwart nach Nivellement, während das innerste Ziel des Menschen sein muß, nach Individualisierung zu streben. Wir verdecken am meisten die Individualität in der Gegenwart und haben es am nötigsten, die Individualität aufzusuchen.
[ 34 ] Now you can sense just how powerful, in our time, is what I have described as a test for humanity. In fact, what I have described points in this direction: to individualize more and more, to regard every human being as a being in and of themselves. This must indeed be our great ideal: No one is like another; each and every one is a being in their own right. If the Earth were to reach its goal without us, as human beings, learning to recognize every human being as a being in their own right, humanity would not achieve its goal on Earth. But how far are we today from the mindset that strives toward this goal! After all, we tend to treat people as if they were all the same today. We view people in such a way that we hardly examine their individual characteristics at all. Hermann Bahr, whom I have often told you about, once revealed in Berlin how contemporary culture is moving toward no longer distinguishing individuals at all. When Hermann Bahr lived in Berlin for a time in the 1890s and participated in Berlin social life, he naturally had a lady on his right and a lady on his left every evening, didn’t he? But when he found himself seated between two ladies the very next evening, the only way he could tell they were different women was from the invitation card—he didn’t really look at them that closely, because, when it came down to it, yesterday’s lady and today’s lady were exactly the same. What he saw in them was exactly the same. And social culture—especially industrial culture—makes people outwardly the same as well; it does not allow individuality to emerge. And so, in the present, we strive for leveling, while humanity’s innermost goal must be to strive for individualization. We conceal individuality the most in the present, and yet we are in the greatest need of seeking it out.
[ 35 ] Beginnen, den inneren Seelenblick voll auf die Individualität hinzulenken, das muß im Unterricht des Menschen kommen. In die Lehrerbildung muß die Gesinnung aufgenommen werden: Individualitäten in den Menschen zu finden. Das können wir nur dadurch, daß wir unsere Vorstellung vom Menschen so beleben, wie ich es dargestellt habe; daß wir uns wirklich bewußt werden: Es ist nicht ein Mechanismus, der sich vorwärtsbewegt, es ist der astralische Leib, der sich vorwärtsbewegt, und der den physischen Leib mitzieht. Und vergleichen Sie mit dem, was in Ihrer Seele entstehen kann als innerlich belebtes und sich bewegendes Bild des ganzen Menschen, vergleichen Sie damit das, was heute die gebräuchliche Wissenschaft gibt: den Homunkulus, einen richtigen Homunkulus! Die Wissenschaft sagt nichts vom Menschen, predigt nur den Homunkulus. Der wirkliche Mensch, das ist derjenige, der vor allen Dingen in die Pädagogik einziehen muß. Aber er ist ganz heraußen aus der Pädagogik.
[ 35 ] Beginning to direct the inner gaze of the soul fully toward individuality—this must be part of human education. Teacher training must incorporate the mindset of recognizing individuality in people. We can only do this by bringing our mental image of the human being to life in the way I have described; by truly becoming aware that: It is not a mechanism that moves forward; it is the astral body that moves forward and draws the physical body along with it. And compare what can arise in your soul as an inwardly animated and moving image of the whole human being with what conventional science offers today: the homunculus—a veritable homunculus! Science says nothing about the human being; it merely preaches the homunculus. The real human being—that is the one who, above all, must find his way into pedagogy. But he is completely outside of pedagogy.
[ 36 ] Also die Erziehungsfrage ist eine Lehrerbildungsfrage, und so lange sie nicht als das betrachtet wird, ist man nicht so weit, daß irgend Ersprießliches in der Erziehung geschehen kann. Sie sehen, alles gehört von den höheren Gesichtspunkten aus betrachtet so zusammen, daß man das eine wirklich an das andere anschließt. Heute möchte man am liebsten auch die menschlichen Tätigkeiten, innerlichen Tätigkeiten als Fächer nebeneinander ausbilden. Da lernt der Mensch Menschenkunde, dann Religion — die Dinge haben nicht viel miteinander zu tun. In Wahrheit grenzt, wie Sie gesehen haben, dasjenige, was man am Menschen betrachtet, an die Unsterblichkeitsfrage, an die Frage nach dem ewigen Wesen der Menschennatur. Und wir mußten die Frage nach dem ewigen Wesen der Menschennatur mit dem unmittelbaren Anschauen des Menschen zusammenbringen. Dieses Bewegliche des seelischen Erlebens, das muß insbesondere in die Pädagogik hinein. Dann werden ganz andere innere Fähigkeiten entwickelt, als sie heute durch die Lehrerbildungsanstalten entwickelt werden. Und das ist von ganz besonderer Wichtigkeit.
[ 36 ] So the question of education is a question of teacher training, and as long as it is not viewed in that light, we are not yet at the point where anything fruitful can happen in education. You see, when viewed from a higher perspective, everything is so interconnected that one aspect truly builds upon the other. Today, people would prefer to teach human activities—inner activities—as separate subjects side by side. Students learn “human studies,” then religion—things that have little to do with one another. In truth, as you have seen, what we observe in human beings borders on the question of immortality, on the question of the eternal nature of human nature. And we had to bring the question of the eternal nature of the human being together with the direct observation of the human being. This dynamic aspect of soul experience must be incorporated into pedagogy in particular. Then entirely different inner abilities will be developed than those fostered today by teacher-training institutions. And that is of very special importance.
[ 37 ] Ich wollte Ihnen durch die heutige Betrachtung nahebringen, wie Geisteswissenschaft eigentlich alles durchdringen muß, und wie man ohne Geisteswissenschaft die großen sozialen Probleme der Gegenwart nicht lösen kann.
[ 37 ] Through today’s reflection, I wanted to help you understand how Spiritual Science must actually permeate everything, and how the major social problems of our time cannot be solved without Spiritual Science.
