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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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Education for Life
Self-Education and Pedagogical Practice
GA 297a

1 November 1922, Rotterdam

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5. Das Übersinnliche in Mensch und Welt

5. The Supernatural in Humanity and the World

[ 1 ] Zuerst muß ich Sie um Entschuldigung bitten, daß ich nicht in der Lage bin, die folgenden Auseinandersetzungen heute abend in der Sprache dieses Landes zu geben. So bitte ich Sie, dieselben in der mir gewohnten Sprache entgegennehmen zu wollen.

[ 1 ] First, I must apologize for not being able to present the following remarks this evening in the language of this country. I therefore ask that you accept them in the language I am accustomed to using.

[ 2 ] Nun, jeder Unbefangene und jeder, der mit wachem Verstand und auch mit wachem Herzen das Leben der Gegenwart miterlebt, der fühlt ja, daß wir uns heute in einer Zeit befinden, welche dem Menschen herbe Hindernisse in den Weg legt. Die Zeiten sind schwierige geworden. Allein, man würde doch fehlgehen, wenn man meinte, daß man die Ursachen zu den heutigen Zeitschwierigkeiten allein in der äußeren Welt suchen soll. Dasjenige, was in der äußeren Welt — namentlich insofern diese äußere Welt aus den Handlungen der Menschen selbst sich zusammensetzt — uns entgegentritt, hat seine Wurzeln zuletzt doch in den Tiefen der menschlichen Seele. Man sieht es nur nicht immer, wie dem Menschen die Kraft, die Zuversicht, die Tüchtigkeit und namentlich die Übersicht über das Leben dahinschwinden, wenn er nicht aus den geistig-seelischen Untergründen seines Wesens heraus eine Lebensauffassung sich bilden kann, die ihm als solche innere Kraft gibt.

[ 2 ] Well, anyone who is open-minded—and anyone who experiences contemporary life with an alert mind and an alert heart—can sense that we are living in a time that places severe obstacles in the way of human beings. Times have become difficult. Yet one would be mistaken to think that the causes of today’s difficulties should be sought solely in the external world. What confronts us in the external world—especially insofar as this external world is composed of human actions themselves—ultimately has its roots in the depths of the human soul. It is just not always apparent how a person’s strength, confidence, competence, and—above all—sense of perspective on life gradually fade away when they are unable to form, from the spiritual and psychological foundations of their being, a view of life that, as such, gives them inner strength.

[ 3 ] Wie gesagt, man macht sich das nicht immer klar, namentlich deshalb, weil man nicht weiß, wie selbst die physischen Kräfte des Menschen, die wir in der äußeren Welt anwenden, zuletzt abhängig sind von dem, was als seelisches Leben unseren ganzen Menschen durchwellt und durchrieselt. Daher muß es demjenigen, dem daran liegt, daß wir in den weiten Umkreisen unserer gegenwärtigen Zivilisation - denn auf einzelne enge Gebiete kommt es dabei nicht an — zu einem aus freudigem Menschenherzen herauskommenden Aufstieg kommen, dem muß es darum gehen, Einkehr zu halten in das menschliche Seelenleben, zu fragen, wie diesem aus tiefstem Inneren heraus Kräfte zur Arbeit, Kräfte zur Umschau im Leben, Kräfte überhaupt erwachsen können, um die Lebenswege in entsprechender Weise gehen zu können.

[ 3 ] As I said, we do not always realize this, particularly because we do not know how even the physical forces of human beings—which we apply in the external world—are ultimately dependent on what, as spiritual life, flows through and permeates our entire being. Therefore, anyone who cares that—within the broad spheres of our present civilization (for individual, narrow areas are irrelevant here)—an ascent may arise from a joyful human heart must be concerned with turning inward to the life of the human soul, asking how forces for work, forces for observing life, and the strength to navigate life’s paths in an appropriate manner.

[ 4 ] Und wenn wir den eigentlich heute vielen Menschen unbewußten Konflikt ins Auge fassen wollen, so tritt uns dieser doch in der Art und Weise des Widerstreits entgegen, wie sich einerseits für unseren Kopf, andererseits vor allem für unser Herz ausnimmt, was wir an Erkenntnissen, an Eindrücken aus der seit einer Reihe von Jahrhunderten groß gewordenen naturwissenschaftlichen Weltanschauung gewinnen können.

[ 4 ] And if we wish to confront the conflict—one of which many people today are actually unaware—it presents itself to us in the form of a struggle between, on the one hand, what our minds can grasp and, on the other hand, above all, what our hearts can feel regarding the insights and impressions we can gain from the scientific worldview that has developed over the course of several centuries.

[ 5 ] Diese naturwissenschaftliche Weltanschauung hat Triumphe über Triumphe gefeiert, hat das ganze moderne Leben umgestaltet. Alles, was uns in der Außenwelt heute entgegentritt, namentlich wenn wir in Städten wohnen, ist ja ein Ergebnis des heutigen naturwissenschaftlichen Denkens, wie es sich seit Jahrhunderten entwickelt hat.

[ 5 ] This scientific worldview has celebrated one triumph after another and has transformed all of modern life. Everything we encounter in the outside world today—especially if we live in cities—is, after all, a result of contemporary scientific thought as it has developed over the centuries.

[ 6 ] Aber diesem naturwissenschaftlichen Denken steht ein anderes gegenüber, dasjenige, was aus den Bedürfnissen der Menschenbrust, ja, des ganzen Menschen hervorgeht als die moralische, als die religiiöse Weltauffassung des Menschen. Wenn wir uns ein wenig in der Menschheitsentwicklung umschauen, dann müssen wir uns sagen: Je weiter wir zurückgehen in dieser Menschheitsentwicklung, desto mehr finden wir, daß in älteren und immer älteren Zeiten der Mensch alles, was er glaubte zu wissen, aus einer moralischen, aus einer religiösen Weltanschauung herleitete. Wenn er hinausblickte in die Natur, so glaubte er hinter den Naturerscheinungen überall leitende und lenkende geistige Wesenheiten wahrzunehmen. Und wenn er den Blick hinaufrichtete zu den Sternen, glaubte er die Formung der Sterne, die Bewegung der Sterne gelenkt und geleitet von göttlich-geistigen Wesenheiten. Und wenn er hineinblickte in seine eigene Seele, hineinblickte überhaupt in sein eigenes Wesen, dann dachte er sich, daß diese göttlich-geistige Lenkung und Leitung sich fortsetzt; er nahm an, daß, wenn er selbst nur einen Arm bewegte, wenn er einen Gang machte im alltäglichen Leben, eigentlich die göttlich-geistigen Lenker in ihm tätig seien.

[ 6 ] But this scientific way of thinking is counterbalanced by another—one that arises from the needs of the human heart, indeed, of the whole human being, as the moral and religious worldview of humankind. If we take a brief look at the development of humanity, we must acknowledge: The further back we go in this development, the more we find that in earlier and ever earlier times, human beings derived everything they believed they knew from a moral, from a religious worldview. When people looked out into nature, they believed they perceived guiding and directing spiritual beings behind all natural phenomena. And when they raised their gaze to the stars, they believed that the formation and movement of the stars were guided and directed by divine-spiritual beings. And when they looked into their own souls—or, indeed, into their very being—they imagined that this divine-spiritual guidance and direction continued; they assumed that even when they moved a single arm or took a step in their daily lives, the divine-spiritual guides were actually at work within them.

[ 7 ] Eine Naturanschauung, wie wir sie heute in solcher Größe vor uns haben, hatte der ältere Mensch eigentlich nicht. Das tritt uns ja an mancher Einzelheit so gewaltig anschaulich entgegen. Denken Sie zum Beispiel daran, welch enge Verbindung in älteren Zeiten für den menschlichen Gedanken bestand zwischen der Krankheit, ja dem Tode, und demjenigen, was man Sünde nannte. Man glaubte, daß allein aus moralischen Untergründen heraus der Mensch krank werden könne. Man glaubte insbesondere in älteren Zeiten, daß der Tod über das Menschengeschlecht aus einer Ursünde heraus verhängt war. Überall, wo man hinsah, sah man nicht in unserem heutigen Sinne Naturerscheinungen, man sah das Walten und Wirken göttlich-geistiger Mächte, deren Gebiet im Menschengeschlechte selber die moralische Weltanschauung ist und zu denen man das Herz, zu denen man das Gemüt hinlenkte, wenn man sich selber fühlen wollte in seinem geistig-ewigen Wesenskern, im Schoße des Göttlichen der Welt.

[ 7 ] People in earlier times did not actually have a view of nature as vast as the one we have before us today. This becomes strikingly clear to us in many specific details. Consider, for example, the close connection that existed in earlier times in human thought between illness—and indeed, death—and what was called sin. It was believed that a person could fall ill solely for moral reasons. In earlier times, in particular, it was believed that death was imposed upon the human race as a result of original sin. Everywhere one looked, one did not see natural phenomena as we understand them today; one saw the reign and workings of divine-spiritual powers, whose domain within the human race itself is the moral worldview—and toward which one turned one’s heart and mind when one wished to feel oneself in one’s spiritual-eternal core, in the bosom of the divine in the world.

[ 8 ] Neben dieser moralisch-religiösen Weltanschauung hatte man keine Naturanschauung. Und in der Gegenwart hat der Mensch eigentlich nur noch als seine moralische, als seine religiöse Weltanschauung Reste desjenigen, was ihm aus alten Zeiten überkommen ist, in denen einzig und allein eine moralisch-religiöse Weltansicht da war, ohne Naturanschauung.

[ 8 ] Apart from this moral-religious worldview, people had no conception of nature. And today, humanity essentially retains only remnants of what has been handed down from ancient times—when there existed solely a moral-religious worldview, without any conception of nature—in the form of its moral and religious worldviews.

[ 9 ] Heute stehen wir vor einer großartig entwickelten Naturanschauung, und wir haben den Menschen einbezogen in diese Naturanschauung; das 19. Jahrhundert hat namentlich darüber nachdenken gelernt, wie der Mensch aus natürlichen Untergründen heraus gebildet wird, wie er sich allmählich aus niederen tierischen Formen herauf entwickelt hat. Das 19. Jahrhundert - und auch in einer noch vollkommeneren Weise jetzt schon der Anfang des 20. Jahrhunderts — hat darüber nachdenken gelernt, wie das, was wir in unseren Gliedern tragen, unsere Lebenstüchtigkeit, im Grunde genommen die natürliche Folge der Vererbung ist. Den Menschen selbst hat die neuere Zeit in die Naturordnung hineingestellt. Überall erblicken wir Naturgesetzlichkeiten, die wir nicht verbunden denken können mit irgendwelchem Moralischen.

[ 9 ] Today we are faced with a magnificently developed view of nature, and we have incorporated human beings into this view; the 19th century, in particular, learned to reflect on how human beings are formed from natural foundations, how they have gradually evolved from lower animal forms. The nineteenth century—and, in an even more complete way, the early twentieth century—has learned to reflect on how what we carry in our limbs, our vitality, is, in essence, the natural consequence of heredity. Modern times have placed human beings themselves within the natural order. Everywhere we see natural laws that we cannot conceive of as being connected to anything moral.

[ 10 ] Die Art und Weise, wie die Pflanzen wachsen, wie Elektrizität und Magnetismus durch die Naturvorgänge wirken, wie die Entwicklung der Tiere, ja, wie die physische Entwicklung des Menschen geschieht: in alles dasjenige, in das die Naturwissenschaft solche Klarheit gebracht hat, können moralische Gedanken zunächst nicht hineingebracht werden. Und wenn der Mensch auch seine innige Freude, sein tiefes Behagen, ja in gewisser Beziehung eine ästhetische Hingabe an die Natur haben kann: religiöse Hingabe an die Weltordnung kann er insbesondere gegenüber derjenigen Natur nicht haben, die ihm heute die Wissenschaft vor Augen stellt.

[ 10 ] The way plants grow, the way electricity and magnetism operate through natural processes, the way animals develop—indeed, the way human beings physically develop: into all these things—into everything to which natural science has brought such clarity—moral thoughts cannot, at first, be introduced. And even if humans can experience deep joy, profound contentment, and, in a certain sense, an aesthetic devotion to nature, they cannot have religious devotion to the order of the world—especially not toward the nature that science presents to them today.

[ 11 ] Und so ist der moderne Mensch dazu gekommen, das Wahre, das Seiende, dasjenige, was allein Wirklichkeit hat, in der Natur zu sehen. Aber in seiner Brust kämpft sich dennoch der Drang nach moralischer Weltordnung herauf, kämpft sich das innige Bedürfnis herauf, mit etwas zusammenzuhängen, was als Übersinnliches allem Sinnlichen in der Natur gegenübersteht, ringt sich der Drang herauf, religiös empfinden zu können gegenüber Mächten, welche nicht aus der Naturgesetzlichkeit heraus zu den Menschen sprechen können. Und immer mehr und mehr wird dieser moderne Mensch irre daran, die alten Traditionen aus einer moralischen, aus einer religiösen Weltansicht beizubehalten; immer mehr und mehr findet er sie im Widerspruch mit dem, was eine neuere Naturanschauung gibt. So steht der heutige Mensch da im Zwiespalt, indem er hinsieht auf die Welt, die ganz von Naturgesetzen durchwoben ist, die ihren Anfang aus Naturgesetzen genommen hat, die seiner Hypothese nach ihr Ende nach Naturgesetzen nehmen muß.

[ 11 ] And so modern man has come to see the true, the existing, that which alone has reality, in nature. Yet within his heart, the urge for a moral world order still struggles to rise; the deep-seated need to be connected to something that, as the supersensible, stands in contrast to all the sensible in nature struggles to rise; the urge to be able to feel religiously toward powers that cannot speak to human beings through the laws of nature struggles to rise. And more and more, this modern person is led astray by the desire to preserve the old traditions rooted in a moral, religious worldview; more and more, he finds them at odds with what a more recent view of nature offers. Thus, modern man stands in a state of conflict as he looks upon a world that is entirely interwoven with the laws of nature, that has its beginning in the laws of nature, and that, according to his hypothesis, must have its end in the laws of nature.

[ 12 ] Und darüber steht dasjenige, von dem er sagt, daß es ihn eigentlich erst zum Menschen mache; darüber steht das moralische Empfinden, darüber steht die religiöse Hingabe. Und der Mensch steht da mit seiner bangen Rätselfrage des Daseins: Bin ich imstande, demjenigen, was ich aus meinem moralischen Sinn herausbringe, eine Realität zu geben, da die Natur ihm keine Realität gibt? Bin ich imstande, meinen religiösen Sinn nach etwas zu wenden, dem er zustreben kann in Wahrheit und Ehrlichkeit, da dieser Sinn demjenigen, was nur als Naturgesetzlichkeit ihm entgegentritt, sich nicht zuwenden kann?

[ 12 ] And above that lies what he says actually makes him human in the first place; above that lies moral sensibility, above that lies religious devotion. And man stands there with his anxious, enigmatic question about existence: Am I capable of giving reality to that which I derive from my moral sense, since nature does not give it reality? Am I capable of directing my religious sense toward something it can strive for in truth and honesty, since this sense cannot turn toward that which confronts it merely as natural law?

[ 13 ] So kommt sich dieser Mensch vor, wie wenn seine moralischen Ideale, seine religiösen Empfindungen immer mehr und mehr anfingen, als Abstraktes in einer seelischen Luft zu hängen, wie wenn sie verurteilt wären, ebenfalls begraben und verschollen zu sein im bloß naturgesetzlichen Weltenall, wenn dereinst einmal die Erde in einer Art von Wärmetod ihr Ende finder.

[ 13 ] Thus, this person feels as if his moral ideals and religious sentiments were beginning more and more to hang as abstractions in a spiritual void, as if they were doomed to be buried and lost in the universe governed solely by natural laws, should the Earth one day meet its end in a sort of heat death.

[ 14 ] In einen tiefen Zwiespalt ist der Mensch der Gegenwart auf diese Art hineingestellt. Er bringt sich diesen Zwiespalt nicht immer zum Bewußtsein. Allein es kommt ihm etwas anderes zum Bewußtsein. Es kommt ihm zum Bewußtsein, daß er sich nicht auskennt in der Welt, daß er keine Kraft hat und keine Freudigkeit, um in der Welt zu wirken. Und oftmals, um nun wenigstens einen Halt für sein Moralisches, für sein Religiöses zu haben, greift er zurück zu allerlei alten Weltanschauungen, zu allerlei alten mystischen oder, wie man auch sagt, okkultistischen Weltanschauungen. Er wärmt sie auf, weil er aus dem, was ihn selbst heute umgibt, eine Erkenntnis des Übersinnlichen in Mensch und Welt nicht finden kann.

[ 14 ] In this way, modern man is placed in a profound conflict. He is not always aware of this conflict. Yet he becomes aware of something else. They become aware that they do not understand the world, that they lack the strength and joy to act in the world. And often, in order to have at least some foundation for their moral and religious life, they fall back on all sorts of old worldviews—all sorts of old mystical or, as some say, occult worldviews. They revive these because they cannot find, in what surrounds them today, an understanding of the supersensible in human beings and the world.

[ 15 ] Dennoch ist es möglich, dieses Übersinnliche in Welt und Mensch zu finden. Und wie es gefunden werden soll, davon wollen wir heute abend reden.

[ 15 ] Nevertheless, it is possible to find this supernatural aspect in the world and in human beings. And tonight we want to talk about how it can be found.

[ 16 ] Zwischen dem, was rein moralisch und rein religiös ist, und dem, was natürlich und sinnlich ist, empfand man immer mitten drinnenstehend etwas, was am Menschen selbst während seines Lebens einem entgegentritt. Anders hat man das in älteren Zeiten angesehen, wo man nur moralisch, wo man nur religiös die Welt angesehen hat, anders sieht man es heute an. Aber dennoch, man kann auch heute nur in einer einseitigen Weise dasjenige, was so am Menschen ist, in die bloße Naturordnung hineinstellen.

[ 16 ] Between what is purely moral and purely religious, and what is natural and sensual, people have always sensed something in the middle—something that confronts us in human beings themselves during their lives. This was viewed differently in earlier times, when the world was viewed solely through a moral or religious lens; today, it is viewed differently. Nevertheless, even today, one can only place that which is inherent in human beings into the mere order of nature in a one-sided manner.

[ 17 ] Drei Dinge sind es am Menschen, die, ich möchte sagen hin- und herwanken, hin- und herpendeln zwischen demjenigen, was doch als Übersinnliches gefühlt wird, und demjenigen, was nur natürlich ist. Es wird Ihnen vielleicht sonderbar erscheinen, daß ich gerade diese drei Erscheinungen an der Menschennatur hervorhebe; allein, Sie werden sehen, daß sie es gerade sind, deren Umwandlung, deren Metamorphosierung uns hinaufführen wird in eine Betrachtung der übersinnlichen Erkenntnisse und Weltanschauungen.

[ 17 ] There are three aspects of human nature that, I would say, waver back and forth, oscillating between what is perceived as the supernatural and what is merely natural. It may seem strange to you that I am highlighting precisely these three aspects of human nature; yet you will see that it is precisely their transformation, their metamorphosis, that will lead us upward into a contemplation of supersensible insights and worldviews.

[ 18 ] Das Erste, was uns entgegentritt am Menschen, wenn er, ich möchte sagen seine ersten Lebenserfahrungen als ganz kleines Kind im Kampfe mit der Umwelt durchzumachen hat, ist, daß er aus seinem Wesen, dem in der Welt noch nicht seine eigene Lage gegeben ist, diese eigene Lage sich erkämpft: den aufrechten Gang, das Stehen.

[ 18 ] The first thing we encounter in a human being—when, I might say, he must go through his earliest life experiences as a very small child in the struggle with the environment—is that, from his very nature, in which his own place in the world has not yet been established, he fights to carve out that place for himself: walking upright, standing.

[ 19 ] Das Zweite, in das der Mensch sich hineinfindet, das ist das Sprechenlernen. Und erst aus dem Sprechen heraus — wer das kindliche Lebensalter unbefangen zu beobachten vermag, weiß das entwickelt sich die Gabe des Denkens. Sich selbst in der Welt zu orientieren, so daß man nicht wie das Tier zur Erde hinunterschaut, sondern frei hinaus in den Weltenraum zu den Sternen blickt, sein eigenes Inneres hinaustragen zu können zu seinen Mitmenschen in der Sprache, hereinzubekommen in das seelische Leben die Welt in der Form der Gedanken: das empfand eine ältere Weltanschauung als etwas, was gewissermaßen hier herunten im Sinnlichen eine Gabe des Übersinnlichen für den Menschen ist. Den Zusammenhang des übersinnlichen Menschen mit der übersinnlichen Welt empfand man, indem man nach diesen drei Eigentümlichkeiten der Menschennatur hinblickte. Daß der Mensch so gebaut ist, daß aus seinem Bau heraus der aufrechte Gang, das Hinausblicken in Himmelsweiten entspringt, das sah eine ältere Weltanschauung, die auf das Moralische und Religiöse der Weltordnung hinsah, als eine Gabe göttlich-geistiger Mächte, die im Menschen wirkten. Und das Sprechenlernen sah man erst recht als eine Gabe dieser göttlichgeistigen Mächte an.

[ 19 ] The second thing into which a person finds themselves is learning to speak. And it is only through speech—as anyone who can observe childhood with an open mind knows—that the gift of thought develops. To orient oneself in the world so that one does not look down at the earth like an animal, but gazes freely out into the cosmos toward the stars; to be able to convey one’s own inner life to one’s fellow human beings through language; to bring the world into one’s spiritual life in the form of thoughts: an older worldview perceived this as something that is, in a sense, a gift of the supersensible to human beings here below in the sensible realm. The connection between the supersensible human being and the supersensible world was perceived by looking to these three characteristics of human nature. An older worldview, which focused on the moral and religious aspects of the world order, saw the fact that human beings are constructed in such a way that upright walking and the ability to gaze out into the vastness of the heavens spring from their very constitution as a gift from divine-spiritual powers at work within them. And the ability to learn to speak was regarded all the more as a gift from these divine-spiritual powers.

[ 20 ] Niemals war es in älteren Zeiten der Menschheitsentwicklung anders, als daß der Mensch sich sagte: Wenn Gedanken in seinem Inneren Platz greifen, dann leben in diesen Gedanken engelhaftgeistgleiche Wesenheiten. — Erst im Laufe des Mittelalters hat der Mensch die Diskussionen begonnen, ob seine Gedanken nur seine eigene Schöpfung seien oder ob in seinen Gedanken sich göttlichgeistige Mächte innerhalb seiner Leibesorganisation ausleben.

[ 20 ] In earlier times of human development, it was always the case that people told themselves: When thoughts take root within them, angelic, spirit-like beings dwell within those thoughts. — It was not until the Middle Ages that people began to debate whether their thoughts were merely their own creation or whether divine-spiritual powers were at work within their physical bodies through their thoughts.

[ 21 ] So hat man diese drei Gaben in älteren Zeiten als etwas angesehen, was von übersinnlichen Welten in den Menschen hereinkommt und da west und lebt. Daher hat man angeknüpft an diese drei Gaben, die dem Menschen während seiner Kindheit zukommen, wenn man den Menschen, der auf der Erde steht und auf der Erde lebt und auf der Erde seine Arbeit zu verrichten hat, hinauflenken wollte zu den Mächten der moralischen, der religiösen Weltordnung.

[ 21 ] In earlier times, these three gifts were regarded as something that enters into human beings from supersensible worlds and dwells and lives within them. For this reason, these three gifts—which are bestowed upon a person during childhood—were used as a starting point when seeking to guide a person who stands on Earth, lives on Earth, and has work to perform on Earth, upward toward the powers of the moral and religious world order.

[ 22 ] Ich will jetzt absehen von denjenigen Übungen, welche eine noch ältere Menschheit zum Beispiel durch Regulierung des Atems gemacht hat, um auf diese Weise zu den Erkenntnissen der äußeren Welt die übersinnlichen Erkenntnisse zu gewinnen. Ich will auf allerdings weit im Vorchristlichen liegende, aber doch nicht gerade älteste Ansichten und Übungen der Menschheit zurückblicken, welche sich namentlich an diese drei charakterisierten Eigentümlichkeiten der Menschennatur anschlossen.

[ 22 ] I will now set aside those practices that an even more ancient humanity performed—for example, by regulating the breath—in order to gain supersensory knowledge in addition to knowledge of the external world. I would like to look back at views and exercises of humanity that, while dating far back into the pre-Christian era, are not exactly the oldest, and which were specifically linked to these three characteristic features of human nature.

[ 23 ] Da sehen wir, wie im Orient drüben, wo in älteren Zeiten ein mächtiges Streben nach einer Erkenntnis des Göttlich-Geistigen war, zunächst der Mensch dasjenige ausbilden wollte, was in der Kraft seiner Orientierung liegt, was in der Kraft liegt, die ihn als Kind dazu bringt, ein aufrechtes, in die Weiten der Welt hinausblickendes Wesen zu werden. - Sehen Sie hin auf jene Stellungen, auf jene Körperlagen, welche der orientalische weise Lehrer seinem Schüler vorschreibt, weil er ihm - indem er als erwachsener Mensch in anderer Weise dasjenige in Angriff nimmt, was im Kinde zur Orientierung des Ganges, zur Orientierung der Stellung wird die Möglichkeit geben will, in den Körper das Göttlich-Geistige hereinwirken zu lassen. Man sagte sich: Wenn das Kind aus dem kriechenden den aufrechten Gang lernt, dann wirkt das GöttlichGeistige herein. Wenn der Schüler des orientalischen Weisen seine Beine übereinanderlegt und sich auf die übereinandergelegten Beine selber mit seinem Oberkörper lagert, dann nimmt er eine andere Position ein. Und wenn er sich dann voll dieser Position bewußt wird, dann kann in ihm diese geistig-seelische Welt hereinwirken, wie sie in das Kind hereinwirkt, so daß sie es zum aufrechten Gang anspornt. Und wenn der Mensch, statt daß er das Sprechen so lernt, wie es in der sinnlichen Welt der Fall ist, das Sprechen nach inwärts wendet, dann wendet er diese Gabe Gottes um in eine hellseherische und hellfühlende Kraft, so daß er dadurch sein eigenes Übersinnliches in Verbindung bringen kann mit dem Übersinnlichen der Welt.

[ 23 ] There we see how, over in the East—where in earlier times there was a powerful striving for knowledge of the divine-spiritual—human beings initially sought to develop that which lies in the power of their orientation, that which lies in the power that leads them, as children, to become upright beings gazing out into the vastness of the world. - Consider those postures, those physical positions, which the Eastern sage prescribes to his student because—by approaching in a different way, as an adult, what in the child serves as the orientation of gait and posture—he wishes to provide the opportunity for the divine-spiritual to work into the body. It was said: When the child learns to walk upright after crawling, the divine-spiritual begins to work within. When the student of the Eastern sage crosses his legs and rests his upper body on them, he assumes a different position. And when he then becomes fully aware of this position, the spiritual-soul world can work within him, just as it works within the child, so that it spurs the child on to upright walking. And when a person, instead of learning to speak as is the case in the sensory world, turns speech inward, he transforms this gift from God into a clairvoyant and clairsentient power, so that through it he can connect his own supersensible nature with the supersensible nature of the world.

[ 24 ] Daher war es, daß in älteren orientalischen Zeiten mit einer gewissen Disziplin des Atmens verbunden war das rezitativ-gesanghafte Sprechen von gewissen Sprüchen, die man Mantrams nannte, die nicht hinausgesprochen wurden, um sich mit anderen Menschen zu verständigen, sondern gewissermaßen hineingewendet wurden, die den menschlichen Organismus durchvibrierten, die alles dasjenige, was wir sonst in der Sprache nach außen wenden, hineinwendeten, so daß der ganze menschliche Organismus die Kraft, die Gewalt dieser mantrischen Worte mitmachte. Und das, was das Kind als eine Gabe des Übersinnlichen, die ihm geworden war, hinausergoß in die Sprache, durch die es sich mit Menschen verständigte, das goß der Schüler des orientalischen Weisen in den eigenen Körper hinein. Bei ihm vibrierten die Worte nicht allein nach außen, damit er sich mit dem anderen Menschen verständigen konnte, bei ihm vibrierten die Worte hinunter in die Lunge, vibrierten weiter in das Blut, vibrierten im Blute mit den Atemstößen hinauf in das Gehirn. Und wie derjenige, der unserer Sprache zuhört, den Schlag unserer Seele, die Empfindung unserer Seele aus den Worten fühlt, so erfühlte der orientalische Weise aus dem, was als Wort in seinem Leibe vibrierte, aus diesem übersinnlichen Erleben des mantrischen Wortes das Übersinnliche der Welt.

[ 24 ] This is why, in ancient Oriental times, a certain discipline of breathing was associated with the recitative recitative-like recitation of certain phrases called mantras—which were not spoken to communicate with other people, but were, so to speak, turned inward, vibrating through the human organism, turning inward everything that we otherwise direct outward through speech, so that the entire human organism participated in the power and force of these mantric words. And what the child poured out into language—as a gift from the supersensible world that had come to him—through which he communicated with people, the disciple of the Eastern sage poured into his own body. For him, the words did not merely vibrate outward so that he could communicate with other people; for him, the words vibrated down into his lungs, continued vibrating into his blood, and, carried by his breaths, vibrated upward through his blood into his brain. And just as one who listens to our language feels the beat of our soul and the sensation of our soul through the words, so too did the Eastern sage perceive the supersensible reality of the world from what vibrated as a word within his body—from this supersensible experience of the mantric word.

[ 25 ] Und wenn das Kind aus dem Sprechen das Denken entwickelt, so entwickelte dieser orientalische Weise als die dritte Stufe - indem er das Übersinnliche durch das mantrische Wort, durch den mantrischen Spruch empfand - jetzt nicht ein Denken, das nur in ihm war. Denn so, wie in der gewöhnlichen Sprache unsere Seele zum anderen Menschen hinausvibriert, so vibrierte in dem inneren Wort, das er erlebte, die Welt herein. Und was zu ihm sprach, war jetzt nicht ein anderer Mensch, waren nicht Menschengedanken; was zu ihm sprach, waren Weltgedanken, es war der Geist, das Übersinnliche der Welt, das sich in seinen eigenen Organismus als ein Übersinnliches ergoß.

[ 25 ] And just as the child develops thinking through speech, so this Eastern sage—as the third stage, by perceiving the supersensible through the mantric word, through the mantric utterance—did not develop a form of thinking that existed only within him. For just as in ordinary speech our soul vibrates outward toward other people, so in the inner word that he experienced, the world vibrated inward. And what spoke to him was not another person, nor were they human thoughts; what spoke to him were world thoughts—it was the Spirit, the supersensible aspect of the world, pouring into his own organism as something supersensible.

[ 26 ] In einer solchen Weise suchte man in älteren Zeiten das Übersinnliche des Menschen in ein Verhältnis zu bringen zu dem Übersinnlichen der Welt. Und alles, was an religiöser Weltanschauung, was an moralischer Weltanschauung auf uns gekommen ist, was in der Tradition lebt, rührt her von einer solchen Verbindung, die einstmals der Mensch zwischen seinem Übersinnlichen und dem Übersinnlichen der Welt hergestellt hat.

[ 26 ] In this way, people in earlier times sought to establish a relationship between the supernatural aspect of the human being and the supernatural aspect of the world. And everything that has come down to us in terms of religious and moral worldviews—everything that lives on in tradition—stems from such a connection that human beings once established between their own spiritual realm and the spiritual realm of the world.

[ 27 ] Der Mensch ist für eine gewisse Epoche herausgetreten aus diesem Miterleben des Göttlich-Geistigen in der Welt. Die Lehrer, die ihren Weg in die übersinnlichen Teile der Welt hinein suchten, wurden immer seltener; und die Menschen, die für solche Lehrer Bedürfnis hatten und die auf dasjenige, was solche Lehrer zu sagen hatten, hören wollten, um die eigene Seelennahrung daraus zu beziehen, wurden immer seltener. Denn der Mensch ging für eine Weile durch eine Epoche hindurch, in der alles, was sich in ihm entwickeln sollte, auch geistig-seelisch entwickeln sollte, in engstem Zusammenhange mit seinem Leibe, mit seinem physischen Körper, mit seinem Sinnlichen stehen sollte. Denn jener ältere Mensch, der sich ganz und gar geborgen fühlte in einer moralischen Weltordnung, die nicht in ihm lag, sondern die die Welt durchflutete, der sich ganz und gar geborgen fühlte in einer göttlichen Welt, die ihm die Natur völlig aufsog, dieser Mensch hätte als solcher niemals zur Freiheit kommen können - zu jener Freiheit, die sich bewußt wird des eigenen Ich als eines festen Stützpunktes im Innern des Menschen; zu jener Freiheit, welche die Handlung, die der Mensch ausführt, nicht unmittelbar ableitet vom Göttlich-Geistigen, das hereinwirkt in den Menschen und das eigentlich im Menschen handelt; zu jener Freiheit, die im Menschen selber den Antrieb zum Handeln suchen will.

[ 27 ] For a certain epoch, humanity has stepped away from this direct experience of the divine-spiritual in the world. Teachers who sought to enter the supersensible realms of the world became increasingly rare; and the people who needed such teachers and who wanted to listen to what they had to say in order to draw nourishment for their own souls from their words also became increasingly rare. For a time, humanity passed through an epoch in which everything that was to develop within it—including its spiritual and soul life—was to be closely connected to its body, to its physical form, and to its sensory realm. For that older human being, who felt completely secure in a moral world order that did not lie within him but permeated the world, who felt completely secure in a divine world that nature fully absorbed for him—such a person, as such, could never have attained freedom—that freedom which becomes conscious of one’s own “I” as a firm point of support within the human being; to that freedom which does not derive the actions a person performs directly from the divine-spiritual, which works within the person and which actually acts within the person; to that freedom which seeks the impulse to act within the person himself.

[ 28 ] Zu diesem Ich-Bewußtsein, zu diesem Freiheitserlebnis mußte die Menschheit kommen und ist sie gekommen. Aber jetzt stehen wir an einem wichtigen Wendepunkt in der Menschheitsentwicklung. Wir haben den alten Zusammenhang mit dem Göttlichen verloren. Und auch diejenigen können ihn nicht finden, die, wie ich schon angedeutet habe, in aller möglicher Weise die alten Wege wieder aufwärmen wollen, nach dem Gnostizismus, nach dem orientalischen Okkultismus hinschauen, um Trost für dasjenige zu finden, was sie aus der naturwissenschaftlichen Anschauung der Gegenwart heraus nicht finden können. Nein, die Anschauung, von der ich hier spreche, die wird zwar oftmals auch dahin verleumdet, daß sie auch nur den alten Gnostizismus oder Orientalismus aufwärmen wollte. Das ist aber nicht der Fall. Diese Weltanschauung steht auf dem Standpunkte, daß wir aus derselben streng exakten Denkweise, die wir heute im Naturerkennen anwenden, den Weg ins Übersinnliche finden können, wenn wir sie nur in der richtigen Weise erkraften und verschärfen.

[ 28 ] Humanity had to arrive at this sense of self, at this experience of freedom—and it has. But now we stand at an important turning point in human development. We have lost our ancient connection with the Divine. And even those who, as I have already indicated, seek in every possible way to revive the old paths—looking to Gnosticism or Eastern occultism—cannot find it, in order to find solace for what they cannot find within the scientific worldview of the present. No, the worldview I am speaking of here is often slandered as merely seeking to revive old Gnosticism or Orientalism. But that is not the case. This worldview takes the position that we can find the path to the supersensible through the very same rigorously exact mode of thinking that we apply today in the study of nature, provided we only apply it in the right way and sharpen it.

[ 29 ] Allerdings, auch dasjenige, was ich eben als die Dreiheit besonderer Eigenschaften in der Menschennatur charakterisiert habe und was in älteren Zeiten als Gaben der moralisch-göttlichen Weltenordnung angesehen worden ist, erscheint dem Menschen der Gegenwart, auf den mit mächtiger Gewalt und überzeugender Autorität die naturwissenschaftliche Weltanschauung wirkt, nur als eine natürliche, als eine sinnliche Gabe. Und so sucht man heute selbstverständlich — und tut von einem gewissen Standpunkt aus durchaus recht damit -, aus dem besonderen Aufbau, der sich aus der Lebensweise des Menschen ergibt, die aus der Lebensweise der Tierheit herausgewachsen ist, die andersartige Organisation der einzelnen Menschenglieder abzuleiten und dadurch den aufrechten Gang aus rein natürlichen Verhältnissen heraus zu verstehen. Man sucht die Sprache aus der natürlichen Organisation heraus und aus dem Zusammenhang zu verstehen, den diese natürliche Organisation des Kindes mit dem älteren Menschen hat. Und man sucht auch das Denken selbst, das Hegen von Gedanken als etwas zu begreifen, was mit der menschlichen Organisation zusammenhängt.

[ 29 ] However, even what I have just characterized as the trinity of special qualities in human nature—and what in earlier times was regarded as gifts from the moral-divine world order—appears to modern people, upon whom the scientific worldview exerts a powerful influence and compelling authority, merely as a natural, sensory gift. And so today, as a matter of course—and, from a certain point of view, quite rightly—one seeks to derive the distinct organization of the individual human limbs from the unique structure resulting from the human way of life, which has evolved from the way of life of the animal realm, and thereby to understand upright walking as arising from purely natural conditions. One seeks to understand language from the perspective of natural organization and from the connection that this natural organization of the child has with that of the adult. And one also seeks to understand thinking itself—the nurturing of thoughts—as something connected to human organization.

[ 30 ] Wie sollte man das nicht? Hat doch die Naturwissenschaft zunächst gezeigt, daß die Gedanken der Menschen gar sehr abhängig sind von ihrer natürlichen Organisation. Es braucht nur diese oder jene Partie des Gehirnes des Menschen gelähmt zu sein; eine gewisse Partie von Gedankentätigkeit kann ausfallen. Wir sehen überall, wie selbst durch Anwendung von giftigen Substanzen, die im menschlichen Leibe wirken, die menschliche geistige Tätigkeit beeinträchtigt werden kann. Die Gewohnheit, alles naturwissenschaftlich zu betrachten, hat gerade diese Dreiheit - Orientierung des Menschen im Weltenall, Sprechenlernen, Denkenlernen — auch auf naturgemäße sinnliche Weise in eine natürliche sinnliche Weltenordnung hineingestellt. Und von da aus hat man noch anderes in eine solche Weltenordnung hineingestellt.

[ 30 ] How could one not? After all, the natural sciences have shown that human thoughts are very much dependent on our natural constitution. It only takes for this or that part of the human brain to be paralyzed for a certain aspect of mental activity to cease. We see everywhere how even the use of toxic substances that act on the human body can impair human mental activity. The habit of viewing everything through the lens of natural science has placed precisely this triad—human orientation in the universe, learning to speak, and learning to think—into a natural, sensory world order in a natural, sensory way. And from there, other things have also been placed into such a world order.

[ 31 ] Nun, was der Mensch zunächst durch seine Geburt, oder sagen wir durch seine Empfängnis hier für diese Erde wird, von dem kann man glauben, daß es hervorgehe - denn man sieht es äußerlich hervorgehen - aus einer bloßen natürlichen Ordnung. So kann man hinblicken auf der einen Seite nach vorne, nach der Geburt, und man kann in Geburt und Vererbung alles dasjenige sehen, was uns Menschen durchpulst und durchkraftet. Aber sieht man nach der anderen Seite, nach der Seite des Todes, dann sieht man klar, wenn man nur ein wenig unbefangen sein will, wie das, was wir sind als Mensch, die Natur nicht wieder aufnimmt, sondern es auslöscht, wie die Flamme der Kerze ausgelöscht wird. So erscheint es dem modernen Menschen, als ob er selber sich von der Natur gegeben würde durch Keimesleben und Vererbung. Aber es muß ihm auch erscheinen, als ob er sich selber am Ende seines Erdenlebens durch die Natur in keiner Fortsetzung sehen könnte, als ob die Natur eben nicht in der Lage wäre, sein menschliches Wesen aufzunehmen, sondern nur, es zu zerstören. Deshalb ist das große Rätsel, das einstmals für die Menschen in älteren Zeiten, in denen man namentlich eine moralische und eine religiöse Weltanschauung hatte, das Geburtsrätsel war, für eine spätere Menschheit und noch für uns heute zum Todesrätsel geworden. Das Rätsel des Geborenwerdens ist zu dem Rätsel der Unsterblichkeit geworden.

[ 31 ] Now, what a human being first becomes here on this earth through birth—or, let us say, through conception—one can believe arises—for one sees it arise outwardly—from a purely natural order. Thus, on the one hand, one can look forward toward birth, and one can see in birth and heredity everything that pulses through us and gives us strength. But if one looks in the other direction, toward death, then one sees clearly—if one is only willing to be a little open-minded—how what we are as human beings is not taken back by nature, but rather extinguished, just as the flame of a candle is extinguished. Thus it appears to modern human beings as though they themselves were given by nature through embryonic life and heredity. But it must also seem to them as though, at the end of their earthly life, they could not see themselves continuing through nature—as though nature were simply incapable of absorbing their human being, but only of destroying it. That is why the great mystery—which was once, for people in earlier times, when they held a moral and religious worldview in particular, the mystery of birth—has become, for later generations and even for us today, the mystery of death. The mystery of being born has become the mystery of immortality.

[ 32 ] Denn in der Zeit, in der die Menschen nach der göttlich-geistigen Welt in moralischer, in religiöser Beziehung erkennend haben hinschauen können, das Übersinnliche der Menschen mit dem Übersinnlichen der Welt in Beziehung haben bringen können, fragte man sich: Wie ist der Mensch herunter gekommen von den geistigen Welten, in denen er früher gelebt hat, auf diese Erde? Was natürliches Geschehen im Keimesleben, bei der Geburt war, das sah man nur als den äußeren Ausdruck dieses Heruntersteigens aus göttlich-geistigen Welten ins physische Erdenleben. Die Geburt war das große Rätsel. Was hat der Mensch hier auf der Erde zu vollbringen? Das fragte man sich. Heute blickt der Mensch nach der anderen Seite, nach der Seite des Todes, wenn er sich das große Rätsel nach dem wahren Wesen seines innersten Menschheitskernes aufwerfen will.

[ 32 ] For in the time when people were able to look toward the divine-spiritual world with moral and religious insight—when they could relate the supersensible aspects of human beings to the supersensible aspects of the world—they asked themselves: How did human beings descend from the spiritual worlds in which they once lived to this Earth? Whatever natural processes occurred during embryonic life and at birth were seen merely as the outward expression of this descent from the divine-spiritual worlds into physical earthly life. Birth was the great mystery. What is humanity meant to accomplish here on Earth? That was the question people asked themselves. Today, when people wish to pose the great mystery of the true nature of their innermost human core, they look toward the other side—the side of death.

[ 33 ] Und noch von einer anderen Seite können wir dasselbe Rätsel betrachten. Ja, man kann den Glauben haben, daß aus den natürlichen Instinkten, die aus dem Blute, aus dem Fleische, aus dem Nervensystem, aus der ganzen menschlichen Organisation geboren werden, durch eine gewisse Vervollkommnung die moralischen Impulse des Menschen entstehen, und man kann aus dem Vorhandensein solcher moralischer Impulse auch gewisse religiöse Empfindungen ableiten. Man kann also gewissermaßen das Herkommen der Moral und das Herkommen der religiösen Empfindungen aus der sinnlichen Naturordnung ableiten.

[ 33 ] And we can look at this same mystery from yet another angle. Yes, one can hold the belief that human moral impulses arise, through a certain refinement, from the natural instincts that originate in the blood, the flesh, the nervous system, and the entire human organism, and one can also deduce certain religious sentiments from the existence of such moral impulses. Thus, in a sense, one can trace the origin of morality and the origin of religious sentiments back to the sensory order of nature.

[ 34 ] Aber wir brauchen nicht etwa von der Vergeltung der moralischen oder unmoralischen Handlungen zu sprechen. Das führt zu sehr ins egoistische Gebiet. Doch wir können davon sprechen, daß dasjenige, was wir moralisch vollbringen - wenn wir als Allumfassendes nur die sinnliche Naturordnung glauben -, kraftlos in der Welt erlöschen müßte. Die Frage entsteht: Die kleinste Äußerung der elektrischen Kraft hat innerhalb des Weltenalls ihre bestimmte Folge — das ist nach der Anschauung der Naturwissenschaft; dasjenige, was moralisch aus uns entspringt, das sollte im Weltenall keine Folgen haben?

[ 34 ] But we need not speak of retribution for moral or immoral actions. That leads too far into the realm of selfishness. Yet we can say that whatever we accomplish morally—if we believe, as an all-encompassing principle, only in the sensory order of nature—would inevitably fade away, powerless, in the world. The question arises: The smallest manifestation of electrical force has a specific consequence within the universe—that is the view of natural science; yet what springs from us morally is supposed to have no consequences in the universe?

[ 35 ] Wir blicken auch in dieser Beziehung nach dem andern Ende. Wir können zur Not die moralischen Impulse als höher entwickelte Triebe und Instinkte ansehen, aber wir können nicht die Bedeutung der moralischen Impulse für die Zukunft aus einer bloß natürlichsinnlichen Weltanschauung heraus erkennen.

[ 35 ] In this regard, too, we are looking in the opposite direction. At a pinch, we can regard moral impulses as more highly developed drives and instincts, but we cannot recognize the significance of moral impulses for the future from a purely natural-sensual worldview.

[ 36 ] Vor diesen Fragen steht ein Teil der Menschen heute ganz bewußt. Und wer bewußt vor diesen Fragen steht, der muß sich eben zu demjenigen hinwenden, was hier als anthroposophische Geisteswissenschaft auseinandergesetzt wird. Ein großer Teil der Menschheit steht unbewußt, mehr empfindend vor diesen Fragen. Fr kann nicht mehr ganz mitgehen mit dem, was ihm an alten religiösen Traditionen überliefert worden ist, denn er fühlt instinktiv, daß das doch aus alten Erkenntnissen hervorgegangen sein muß. — Das ist nicht aus einem Glauben, den man heute den Menschen aufreden will, hervorgegangen! Alle religiösen Bekenntnisse sind aus alten Erkenntnissen entsprungen, aus solcher Verbindung des Übersinnlichen im Menschen mit dem Übersinnlichen der Welt, wie ich es Ihnen vorhin charakterisiert habe. Aber wir können diesen alten Weg heute nicht wiederum gehen. Die Menschheit hat seither andere Entwicklungsformen angenommen. Sie hätte sonst nicht jenen Weg, ich möchte sagen jene Zwischenepoche durchmachen können, in der sie sich das Gefühl des Ich-Bewußtseins, das Erlebnis der Freiheit geholt hat. Sie hätte nicht ganz im physischen Menschenleibe leben können, wenn sie nicht ganz anders organisiert gewesen wäre in dieser Zwischenepoche als in jenen älteren Zeiten, wo diejenigen Vertrauen und Anerkenntnis gefunden haben, die auf dem Wege der Körperposition, der Mantrams und der sich ihnen offenbarenden Weltgedanken den Menschen Kunde gebracht haben von der Art und Weise, wie die Menschenseele, das Menscheninnere mit dem Übersinnlichen der Welt zusammenhängt, wie der Mensch nur als Körper ein vergängliches, als Seelisches aber ein unvergängliches Wesen, eine ewige Wesenheit ist.

[ 36 ] Some people today are very consciously grappling with these questions. And anyone who is consciously grappling with these questions must turn to what is explored here as anthroposophical Spiritual Science. A large portion of humanity approaches these questions unconsciously, relying more on intuition. They can no longer fully identify with what has been handed down to them from ancient religious traditions, for they instinctively sense that this must have arisen from ancient insights. — It did not arise from a belief that people today are being persuaded to accept! All religious creeds have sprung from ancient insights, from such a connection between the supersensible in the human being and the supersensible in the world as I described to you earlier. But we cannot retrace that old path today. Humanity has since taken on other forms of development. Otherwise, it would not have been able to pass through that path—I might say, that intermediate epoch—in which it acquired the sense of ego-consciousness, the experience of freedom. It would not have been able to live fully within the physical human body if it had not been organized quite differently during this intermediate epoch than in those earlier times, when those who, through the practice of physical postures, mantras, and the cosmic ideas revealed to them, brought word to humanity about the way in which the human soul—the inner being of the human being—is connected to the supersensible realm of the world, and how the human being is a transitory being only as a body, but as a soul a timeless being, an eternal entity.

[ 37 ] Wenn der Mensch heute versucht - und es tun es ja viele, ich möchte sagen zum Unheil für eine wirkliche Erkenntnis -, in derselben Weise die Verbindung des Übersinnlichen in seiner Natur mit dem Übersinnlichen der Welt zu suchen wie, sagen wir die Anhänger des Buddha, wenn er etwa durch besondere Körperpositionen, durch Absingen von Mantrams und durch so geartete, im Innern regsame Worte im inneren Logos sich offenbarende Weltgedanken suchen wollte, wenn er durch das alles zum Übersinnlichen kommen wollte, so würde er als heutiger Mensch, der in ganz anderer Weise seinen physischen Leib ausgebildet hat als eine ältere Menschheit, nur seinen physischen Menschenleib in Unordnung bringen und ihn nicht hinauflenken können zum Übersinnlichen. Jener ältere Menschenleib, der in der Weise mit Übungen zu durchdringen war, wie ich das dargestellt habe, der hatte eben noch nicht jene Festigkeit, jene innere Konsistenz, aus der ein starkes Erden-Ich-Bewußtsein, ein starkes Erdenfreiheitserlebnis entspringt. Der menschliche Organismus ist konsistenter geworden. Würde man heute eine genauere Physiologie, wie sie die hier gemeinte anthroposophische Geisteswissenschaft gibt, anerkennen, so würde man wissen, daß in den neueren Menschenleibern die festen Bestandteile, namentlich die salzigen, intensiver ausgebildet sind, als sie in den Körpern der alten Menschen ausgebildet waren, die solche Übungen für die höhere Erkenntnis machen konnten, wie ich sie geschildert habe. Der heutige Mensch muß deshalb in anderer Weise sein eigenes Übersinnliches mit dem Übersinnlichen der Welt in Beziehung, in Verbindung bringen. Der heutige Mensch muß auf andere Weise das Moralische, das Religiöse in der Weltenordnung suchen, als es ältere Zeiten gesucht haben.

[ 37 ] If people today attempt—and many do, I might say to the detriment of true knowledge—to seek the connection between the supersensible in their own nature and the supersensible in the world in the same way as, say, the followers of the Buddha, for example, by adopting specific physical postures, chanting mantras, and through such words that stir the inner being to seek world-ideas revealed in the inner Logos—if they were to attempt to reach the supersensible through all of this—then, as modern human beings who have developed their physical bodies in a completely different way than earlier humanity, they would only throw their physical human bodies into disarray and would be unable to direct them upward toward the supersensible. That older human body, which was to be penetrated through exercises as I have described, simply did not yet possess that firmness, that inner consistency, from which a strong earthly “I”-consciousness and a strong experience of earthly freedom spring. The human organism has become more consistent. If one were to recognize today a more precise physiology—such as that provided by the anthroposophical Spiritual Science referred to here—one would know that in the bodies of modern human beings, the solid constituents, namely the saline ones, are more intensely developed than they were in the bodies of the people of old who were able to perform such exercises for higher knowledge as I have described. Modern human beings must therefore relate and connect their own supersensible realm with the supersensible realm of the world in a different way. Modern human beings must seek the moral and the religious in the world order in a different way than people of earlier times did.

[ 38 ] Die Geisteswissenschaft, von der ich hier spreche, sucht deshalb von zwei Seiten her in die übersinnliche Welt hineinzukommen: erstens von der Seite des Gedankens, zweitens aber von der Seite des Willens. Von der Seite des Gedankens dadurch, daß der Mensch den Gedanken, der ihm ja so ungeheure Dienste gerade in der modernen Naturwissenschaft in der Beobachtung und Experimentierkunde geleistet hat, nicht bloß als ein Abbild der Außenwelt erlebt, sondern daß er lernt, mit diesen Gedanken im stillen Inneren der Seele zu leben. Dadurch kann der moderne Mensch eine geisteswissenschaftliche Methode ausbilden, ähnlich wie der alte Mensch sie durch seine Mantrams ausgebildet hat, nur daß die Mantrams noch etwas Sinnlicheres waren, der moderne Mensch aber etwas Geistigeres in der bloßen Ausbildung der Gedanken hat.

[ 38 ] The Spiritual Science of which I am speaking here therefore seeks to enter the supersensible world from two directions: first, from the side of thought, and second, from the side of the will. From the side of thought, this is achieved by the human being not merely experiencing thought—which has rendered such immense service to him, particularly in modern natural science through observation and experimentation—as a mere reflection of the external world, but by learning to live with these thoughts in the quiet innermost part of the soul. In this way, modern human beings can develop a method of Spiritual Science, similar to the way ancient people developed it through their mantras—except that the mantras were still somewhat more sensory, whereas modern human beings have something more spiritual in the mere cultivation of thought.

[ 39 ] Ich habe im einzelnen den weiten Weg, den man zu durchlaufen hat, um in dieser Weise zu einer wirklichen Geisteswissenschaft und somit zu einer Erkenntnis der übersinnlichen Welten zu kommen, ausführlich in meinen Büchern, zum Beispiel in dem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft» und in anderen Büchern, geschildert. Hier möchte ich nur kurz prinzipiell andeuten, wie man heute — ganz angemessen der heutigen Menschheitsorganisation zum Geistesforscher werden kann.

[ 39 ] I have described in detail the long path one must travel to arrive in this way at a true Spiritual Science and thus at an understanding of the supersensible worlds in my books, for example in the book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, in the second part of my *Secret Science*, and in other books. Here I would like only to briefly outline, in principle, how one can become a spiritual researcher today—in a manner entirely appropriate to the current organization of humanity.

[ 40 ] Nicht jeder braucht ein Geistesforscher zu werden, aber einzelne Menschen können es werden. Bis zu einem gewissen Grade kann allerdings jeder wenigstens zum Nachprüfer dieser Geistesforschung werden, wenn er dasjenige als Übungen sich angelegen sein läßt, was ich in den genannten Büchern dargestellt habe. Aber wer heute ein Geistesforscher werden will, muß es nicht mehr durch das sinnliche Absingen von Mantrams, sondern durch rein übersinnliche Übung in Gedanken werden.

[ 40 ] Not everyone needs to become a spiritual researcher, but some people can become one. To a certain extent, however, anyone can at least become a verifier of this spiritual research if they make it a point to practice what I have described in the books mentioned. But anyone who wants to become a spiritual researcher today must do so not through the sensory chanting of mantras, but through purely supersensory mental practice.

[ 41 ] Nun, wir haben es heute zu exakten Gedanken gebracht. Wenn ich hinschaue in die Sternenwelten in der exakten Astronomie: da haben wir es zu einem exakten Denken im Physikalischen, im Chemischen gebracht; sogar streben wir es heute schon im biologischen Forschen, im Erforschen der Lebewesen an, und wir fühlen uns da insbesondere dann befriedigt, wenn wir die äußere sinnliche Welt so erforschen können, wie wir gewöhnt sind, unsere Gedanken zu orientieren, wenn wir in der Mathematik Probleme lösen. Daher hat man ja das Wort geprägt, nur soviel sei wirkliche Wissenschaft der Natur vorhanden, als Mathematik in der Naturwissenschaft enthalten ist. Und man redet aus diesem Grunde von exakter Naturwissenschaft. Alles soll in Beobachtung und Experimentieren so überschaut werden können, wie man die Probleme überschaut, wenn man mathematische Aufgaben löst. Von exakter Wissenschaft redet man da.

[ 41 ] Well, today we have achieved precise thinking. When I look at the worlds of the stars through the lens of precise astronomy, we have achieved precise thinking in the physical and chemical realms; we are even striving for it today in biological research, in the study of living beings, and we feel particularly satisfied when we can explore the external sensory world in the same way we are accustomed to orienting our thoughts when solving problems in mathematics. That is why the saying has been coined that there is only as much true natural science as there is mathematics contained within the natural sciences. And for this reason, people speak of “exact natural science.” Everything should be able to be grasped through observation and experimentation in the same way that one grasps problems when solving mathematical problems. This is what is meant by “exact science.”

[ 42 ] Von exaktem Hellsehen, exakter Clairvoyance redet die anthroposophische Geisteswissenschaft, die hier gemeint ist. Wenn der heutige Naturwissenschafter die heutige Welt in exakter Weise erforscht, so macht derjenige, der anthroposophischer Geistesforscher wird, etwas ebenso Exaktes, nur auf einem anderen Gebiete. Er entdeckt allmählich, daß es in der Seele verborgene Kräfte gibt, die im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft nicht angewendet werden. Er entdeckt allmählich, daß es wirklich so ist, daß im Kinde, im ganz kleinen Kinde, Geistig-Übersinnliches und Physisch-Sinnliches noch ungetrennt zusammenwirken, daß aber dann das Kind gewissermaßen in den aufrechten Gang, in die Sprache, in das Denken nach der sinnlichen Außenwelt dasjenige ergießt, was in ihm vorher übersinnlich gestaltet lebt. Alles, was in der allerersten Lebenszeit des Menschen hinunterquillt in das Blut, das, was ganz und gar in den Organen vibriert, das ergießt sich, indem der Mensch sich in der Außenwelt orientiert, nach außen; das ergießt sich in der Sprache nach außen, das ergießt sich insbesondere im Denken nach außen.

[ 42 ] Anthroposophical Spiritual Science—which is what is meant here—speaks of exact clairvoyance. Just as today’s natural scientist investigates the modern world in a precise manner, so too does the person who becomes an anthroposophical spiritual researcher engage in something equally precise, only in a different field. He gradually discovers that there are hidden powers in the soul that are not utilized in ordinary life or in ordinary science. He gradually discovers that it is indeed the case that in the child—in the very young child—the spiritual-supersensory and the physical-sensory still interact inseparably; but that the child then, as it were, pours into upright walking, into speech, and into thinking about the external sensory world that which previously lived within it in a supersensory form. Everything that wells up into the blood in the very earliest stages of human life—that which vibrates entirely within the organs—flows outward as the human being orientates himself toward the external world; it flows outward through language, and it flows outward, in particular, through thinking.

[ 43 ] Aber wir können es wieder zurücknehmen. Der orientalische Schüler des orientalischen Weisen suchte vorzugsweise durch das Zurückwenden der Sprache zu erreichen, was man Verbindung des Übersinnlichen im Menschen mit dem Übersinnlichen der Welt nennen kann. Wir Neueren müssen den Gedanken selbst nach innen wenden. Wir müssen uns ganz im Ernste sagen können: Wir haben es weit gebracht in der Beobachtung der äußeren Natur. Es stehen vor uns die exakten Gedanken der Sternenformen und Sternenbewegungen. Es stehen vor uns die exakten Gedanken der elektrischen, der magnetischen, der Wärme-Wirkungen, der Schall-, der Licht-Wirkungen. Wir blicken in die Welt hinaus - exakte Gedanken in uns bilden uns diese Welt ab. Wir müssen uns als Geistesforscher in die Lage versetzen können, Jetzt von allen Gedanken abzusehen, die uns so nach außen zu den Sternen, zu den elektrischen, magnetischen Wärmeerscheinungen führen. Wir müssen imstande sein, so wie der alte Weise sein mantrisches Sprechen nach innen wendete und sich dadurch den Logos der Welt offenbaren ließ, die Kraft des Gedankens nach innen wenden zu können. Mit derselben Stärke wie äußerlich durch unsere Sinne - die körperliche Organisationen sind und uns zu Hilfe kommen, so daß wir nicht die eigene Stärke, die Stärke der Seele anzuwenden brauchen - müssen wir uns aufschwingen, das Denken im Meditieren so stark zu machen, daß unsere Gedanken, obwohl sie nur innerlich entwickelt werden, so lebhaft werden wie sonst die Sinnesempfindungen.

[ 43 ] But we can take it back again. The Eastern disciple of the Eastern sage sought, primarily by turning language inward, to achieve what might be called a connection between the supersensible in human beings and the supersensible in the world. We modern thinkers must turn the thought itself inward. We must be able to say to ourselves in all seriousness: We have come a long way in the observation of external nature. Before us stand the precise concepts of the forms and movements of the stars. Before us stand the precise concepts of electrical, magnetic, thermal, acoustic, and light phenomena. We look out into the world—precise concepts within us reflect this world to us. As spiritual researchers, we must be able to put ourselves in a position to now set aside all thoughts that lead us outward toward the stars and toward electrical, magnetic, and thermal phenomena. Just as the ancient sage turned his mantric speech inward and thereby allowed the Logos of the world to reveal itself to him, we must be able to turn the power of thought inward. With the same strength with which we perceive the external world through our senses—which are physical organs that assist us, so that we do not need to draw upon our own strength, the strength of the soul—we must strive to make our thinking during meditation so powerful that our thoughts, even though they are developed only inwardly, become as vivid as our sensory perceptions otherwise are.

[ 44 ] Denken Sie nach, wenn Sie Töne hören, Farbe sehen, wenn Wärme- und Kälte-Empfindungen Ihren Leib durchrieseln, wie lebendig das alles ist, wie intensiv das wirkt. Denken Sie darüber nach, wie grau und abstrakt die Gedanken dagegen sind, die Sie von diesen Erlebnissen der Außenwelt behalten. Und Meditieren besteht darinnen, daß man diese Gedanken - die sich nur grau und abstrakt an die Außenwelt schließen, die dadurch in uns aufdämmern, daß man sich passiv an die Beobachtung der Sinne hingibt innerlich so erkraftet, so intensiviert, daß sie genauso werden wie Sinneswirkungen. Dadurch schwingt man sich auf zu einem neuen Denken. Während das Denken, das man im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft hat, so ist, daß man sich darinnen passiv fühlt, daß diese Gedanken eigentlich kraftlos sind, nur Bilder sind, die die äußere Welt abbilden, kann man durch das Meditieren erreichen, daß man in der Gedankenwelt lebt, wie man in seinen Wachstumskräften lebt, wie man in Hunger und Durst lebt, wie man im innerlichen leiblichen Wohlbefinden lebt - das ist der Ertrag des Meditierens. Man muß nur eines lernen, um in einer solchen Weise die Gedankenwelt innerlich zu beleben: man muß lernen, liebend in Gedanken innerlich zu weben.

[ 44 ] When you hear sounds, see colors, or feel sensations of warmth and cold coursing through your body, reflect on how vivid all of this is, how intensely it affects you. Consider, by contrast, how gray and abstract the thoughts are that you retain from these experiences of the outside world. And meditation consists in taking these thoughts—which relate to the external world only in a gray and abstract way, and which dawn within us as a result of passively surrendering to sensory observation—and strengthening and intensifying them internally so that they become just like sensory impressions. In this way, one rises to a new level of thinking. Whereas the thinking we engage in during ordinary life and in conventional science is such that we feel passive within it—that these thoughts are actually powerless, mere images that reflect the external world, through meditation one can achieve a state of living in the world of thought just as one lives in one’s growth forces, just as one lives in hunger and thirst, just as one lives in inner physical well-being—this is the fruit of meditation. One need only learn one thing to enliven the world of thought in this way: one must learn to weave lovingly within one’s thoughts.

[ 45 ] Das muß man, wenn man Geistesforscher werden will, mit ebensolcher Hingabe üben, wie man, wenn man Physiker werden will, jahrelang im physikalischen Laboratorium üben muß, wie man jahrelang, wenn man Astronom werden will, auf der Sternwarte üben muß. Es ist wahrhaftig nicht leichter, Geistesforscher zu werden, als ein Astronom oder ein Physiker. Nachprüfen kann jeder, der nur ein wenig beachtet, was ich im Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben habe, dasjenige, was der Geistesforscher sagt. Aber ebensowenig, wie jeder ein Astronom werden soll, der die Ergebnisse der Astronomie in seine Weltanschauung aufnimmt, ebenso wenig braucht jeder ein Geistesforscher zu werden, wenn Geistesforschung ein Element unserer Zivilisation, unseres Kulturlebens werden soll. Ja, im Gegenteil: jene Beziehung von Mensch zu Mensch, die einmal dadurch entstehen kann und die eigentlich in einer nicht sehr fernen Menschheitszukunft entstehen muß - wenn der Niedergang nicht immer stärker und stärker werden soll -, jenes soziale Zusammenleben zwischen Mensch und Mensch, das notwendig werden wird und, man könnte sagen eigentlich schon heute notwendig ist, das wird wesentlich belebt, wenn jenes Vertrauen wiederum in das soziale Leben der Menschen einzieht, wodurch man weiß: Wer aus den Tiefen seiner Seele heraus über die geistigen, übersinnlichen Welten spricht, weil er als Geistesforscher sich zu ihnen aufgeschwungen hat, der verdient Vertrauen.

[ 45 ] If one wants to become a spiritual researcher, one must practice this with just as much dedication as one must practice for years in a physics laboratory if one wants to become a physicist, or as one must practice for years at an observatory if one wants to become an astronomer. It is truly no easier to become a spiritual researcher than it is to become an astronomer or a physicist. Anyone who pays even a little attention to what I have described in the book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*—that is, what the spiritual researcher says—can verify this. But just as not everyone who incorporates the findings of astronomy into their worldview is meant to become an astronomer, neither does everyone need to become a spiritual researcher if spiritual research is to become an element of our civilization and our cultural life. Indeed, on the contrary: that relationship between human beings which can one day arise—and which must actually arise in humanity’s not-too-distant future, if the decline is not to grow ever stronger—that social coexistence between human beings, which will become necessary and, one might say, is in fact already necessary today, will be substantially enlivened when that trust returns to people’s social life, through which one knows: Whoever speaks from the depths of his soul about the spiritual, supersensible worlds—because, as a spiritual researcher, he has risen to them—deserves trust.

[ 46 ] Wo in dieser Weise die Seelen intim zueinander stehen können, daß die Intimitäten der übersinnlichen Welt in der übersinnlichen Wesenheit des Menschen einander mitgeteilt werden, in einer solchen sozialen Ordnung werden diejenigen Kräfte leben, die einzig und allein wiederum unser soziales Leben festigen werden. Deshalb ist es vollständig unbegründet und entspringt eigentlich nur einem menschlichen Egoismus, wenn man sagt: Ich halte mich nicht an die Erkenntnisse der anthroposophischen Forschung über das Übersinnliche, solange ich die Dinge nicht selber sehe. - Jeder Mensch ist so geartet, daß er für die Wahrheit und nicht für die Unwahrheit veranlagt ist. Erforschen kann nicht jeder die übersinnliche Welt, wie nicht jeder ein Bild malen kann. Wie aber jeder ein Bild, das künstlerisch gemalt ist, in sich aufnehmen kann, ebenso kann auch jeder, weil er als ganzer, als Vollmensch für die Wahrheit veranlagt ist, nicht auf einen blinden Glauben hin, sondern auf innerliches Erleben hin die Wahrheit der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, anerkennen. Diese Geisteswissenschaft selbst kann nur dadurch erlangt werden, daß durch Meditieren, durch Konzentrieren innerhalb des Denklebens selbst in dieser Weise von dem gewöhnlichen abstrakten Denken zu einem bildhaften Denken vorgeschritten wird, zu einem solchen Denken, das innerlich lebendig ist. In diesem Denken leben wiederum die Weltgedanken. In diesem Denken fühlt sich dann der Mensch nicht mehr wie eingeschlossen in seinem Leibe, in diesem Denken fühlt er sich auf der ersten Stufe bezüglich des Eintrittes in die übersinnliche Welt.

[ 46 ] Where souls can be so intimately connected that the intimacies of the supersensible world are communicated to one another within the human being’s supersensible nature, in such a social order will live those forces that, and they alone, will in turn strengthen our social life. Therefore, it is completely unfounded—and stems, in fact, solely from human selfishness—to say: “I will not accept the findings of anthroposophical research into the supersensible realm until I see these things for myself.”—Every human being is constituted in such a way that they are predisposed toward truth and not toward falsehood. Not everyone can explore the supersensible world, just as not everyone can paint a picture. But just as everyone can take in an artistically painted picture, so too can everyone—because they are, as whole, fully developed human beings, predisposed toward truth—acknowledge the truth of Spiritual Science, as it is meant here, not out of blind faith but through inner experience. This Spiritual Science itself can only be attained by progressing, through meditation and concentration within one’s own thought life, from ordinary abstract thinking to pictorial thinking—to a form of thinking that is inwardly alive. Within this kind of thinking, the world-ideas come to life. In this state of thinking, the human being no longer feels confined within his or her body; in this state of thinking, he or she feels, on the first stage, that he or she is entering the supersensible world.

[ 47 ] Der ältere Mensch ging von etwas mehr Sinnlichem, von dem nach innen gewendeten Worte aus. Der neuere Mensch muß von etwas mehr Geistigem, von dem nach innen gewendeten Gedanken selber ausgehen, und er findet dadurch seinen Zusammenhang mit dem Übersinnlichen der Welt und kann wiederum sprechen von diesem Übersinnlichen der Welt. Denn das bleiben nicht leere Worte, die sich einem dann ergeben, wenn man in solcher Weise durch das innerlich belebte Denken in das Übersinnliche der Welt eintritt und mit dem Übersinnlichen in seinem eigenen Inneren dieses Übersinnliche der Welt miterlebt. Geradeso, wie wir in der sinnlichen Außenwelt von den vielen Pflanzenformen, von den Formen der Tiere umgeben sind, wie wir umgeben sind von demjenigen, was uns aus den Sternen herunterleuchtet, so verglimmt gewissermaßen vor der geistigen Anschauung, die sich dem bildhaften Denken ergibt, die sinnliche Welt, und eine geistige Welt geht auf. Man erblickt jetzt nicht mehr bloß die Sonne in ihrem physischen Glanze, man erblickt eine Summe von geistigen Wesenheiten, deren physisches Abbild die physische Sonne ist. Man dringt durch die physisch erscheinende Sonne zu dem geistigen Sonnenwesen vor. Und ebenso dringt man durch den physisch erscheinenden Mond zu den geistigen Mondenwesen vor. Man lernt erkennen, wie diese geistigen Mondenwesen die Menschenseele aus geistig-seelischen Welten durch die Geburt hier in das Erdenleben hereinführen, wo sie von der Mutter und von dem Vater den Leib annimmt. Man lernt erkennen, wie in dem geistigen Sonnenwesen diejenigen Kräfte liegen, die den Menschen durch den Tod wiederum hinausführen, und man lernt erkennen den Gang der Menschenseele aus den übersinnlichen Welten heraus.

[ 47 ] The person of earlier times started from something more sensual, from words turned inward. The person of more recent times must start from something more spiritual, from the thought itself turned inward, and through this finds his connection with the supersensible world and can, in turn, speak of this supersensible world. For these are not empty words that arise when one enters the supersensible realm of the world in this way through inwardly animated thinking and, together with the supersensible within one’s own inner being, experiences this supersensible realm of the world. Just as we are surrounded in the external sensory world by the many forms of plants and animals, just as we are surrounded by what shines down upon us from the stars, so, in a sense, the sensory world fades away before the spiritual vision that arises from pictorial thinking, and a spiritual world unfolds. One no longer sees merely the sun in its physical splendor; one sees a host of spiritual beings whose physical image is the physical sun. One penetrates through the physically appearing sun to the spiritual sun being. And in the same way, one penetrates through the physically appearing moon to the spiritual moon beings. One learns to recognize how these spiritual lunar beings guide the human soul from the spiritual-soul worlds through birth into earthly life here, where it receives its body from the mother and the father. One learns to recognize how the spiritual solar being contains the forces that lead the human being out again through death, and one learns to recognize the path of the human soul as it emerges from the supersensible worlds.

[ 48 ] Diese Erkenntnis vertieft sich einem allerdings noch dadurch, daß man jetzt nicht den Willen durch Körperlagen ausbildet, wie es der alte Orientale getan hat, sondern daß man den Willen in einer ähnlichen Weise ausbildet, wie man den Gedanken zu einer exakten Clairvoyance, zu einem exakten Hellsehen ausgebildet hat, wie ich es Ihnen geschildert habe. Es war auch eine Willensbildung, wenn man die äußere Orientierung unterdrückte, seine Beine kreuzte und sich darauf setzte, um in einer anderen Lage des Menschenleibes andere Strömungen der Welt durch den Menschen hindurch und so vom Übersinnlichen eine Wahrnehmung zu bekommen. Der moderne Mensch kann das nicht ausführen. Sein Organismus ist ein anderer geworden. Der moderne Mensch muß auf den Willen selber gehen. Was der alte Orientale, ich möchte sagen durch eine mehr physische Weise durch Körperstellungen ausgebildet hat - er stellte ja auch den Körper nach Osten, nach Westen, nach Süden -, alles dasjenige würde Scharlatanerie für den modernen Menschen sein. Der moderne Mensch muß seinen Willen unmittelbar in die Hand nehmen. Und Sie finden wiederum in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in der «Geheimwissenschaft» eine ganze Anzahl von Übungen zur Selbstüberwindung, Selbsterziehung, vor allem zur Willenskultur. Ich möchte nur einige anführen.

[ 48 ] This insight is further deepened, however, by the fact that one now does not develop the will through physical postures, as the ancient Orientals did, but rather develops the will in a manner similar to how one has developed the mind toward precise clairvoyance—as I have described to you. It was also a form of will development when one suppressed external orientation, crossed one’s legs, and sat in that position in order to allow different currents of the world to flow through the human body in a different physical posture, thereby gaining a perception of the supersensible. Modern people cannot do this. Their physical constitution has changed. Modern people must turn to the will itself. What the ancient Orientals—I would say—cultivated through a more physical means, namely bodily postures—they would, after all, orient the body toward the east, the west, or the south—all of that would be charlatanism to modern people. Modern people must take their will directly into their own hands. And you will find, once again, in *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds* and in *The Secret Science* a whole series of exercises for self-mastery, self-education, and above all, the cultivation of the will. I would like to mention just a few.

[ 49 ] Wenn der Mensch zum Beispiel - während er sonst gewöhnt ist, mit seinem Denken nur die äußeren sinnlichen Vorgänge von rückwärts nach vorne [vom Früheren zum Späteren] zu verfolgen - sein Denken umstellt, zum Beispiel abends dasjenige, was er zuletzt erlebt hat, vorstellt, dann dasjenige, was er früher am Tage erlebt hat und so zurück bis zum Morgen, wenn er also gewissermaßen die Naturordnung in umgekehrter Folge vor seiner Seele darstellt, dann reißt er sich mit seinem Denken, das sonst an dem Naturlaufe haftet, das vom Früheren zum Späteren geht, los von diesem Naturlaufe. Er denkt dem Lauf der Natur entgegengesetzt. Dadurch erkraftet sich der Wille, der in dem Denken liegt. Insbesondere ist das dann der Fall, wenn man auf Kleinigkeiten, auf Einzelheiten eingeht. Stellen Sie sich zum Beispiel vor: Ich bin heute über eine Treppe hinaufgegangen; ich stelle mich nicht auf der untersten Stufe, sondern auf der höchsten Stufe vor, gehe so zurück, stelle das ganze Hinaufgehen als einen Heruntergang vor, reiße mich los von demjenigen, was wirklich Erlebnis war, stelle es umgekehrt vor. Dadurch erkrafte ich den Willen, der in dem Denken liegt. Ich kann diesen Willen auch dadurch erkraften, daß ich zum Beispiel meine Selbsterziehung in die Hand nehme, daß ich mir sage: Ich habe diese oder jene Lebensgewohnheit; ich ändere sie - in drei Jahren muß ich in bezug auf irgend etwas eine ganz andere Lebensgewohnheit haben. Und so gibt es Hunderte und Tausende von Übungen, die unmittelbar Willensübungen sind, die unmittelbar auf eine Umänderung des Willens abzielen, so daß sich der Wille losreißt von demjenigen, was ihm durch die bloße Körperlichkeit aufgedrängt ist.

[ 49 ] For example, if a person—who is otherwise accustomed to using their thinking to trace only external sensory events from back to front [from the earlier to the later]—changes their way of thinking, for example, by creating a mental image in the evening of what he experienced most recently, then of what he experienced earlier in the day, and so on back to the morning—that is, by creating a mental image of the natural order in reverse sequence before his soul—then he detaches himself, through his thinking—which otherwise adheres to the course of nature, moving from the earlier to the later—from this natural course. He thinks in a manner opposed to the course of nature. Through this, the will—which lies within thought—gains strength. This is particularly the case when one focuses on small things, on details. Imagine, for example: Today I walked up a flight of stairs; I picture myself not on the bottom step but on the top step, walk back down as if I were going down, and create a mental image of the entire ascent as a descent, detaching myself from what was actually experienced and imagining it in reverse. In this way, I draw strength from the will that lies within this thinking. I can also draw strength from this will by, for example, taking my self-education into my own hands, by telling myself: I have this or that lifestyle habit; I will change it—in three years, I must have a completely different lifestyle habit with regard to something. And so there are hundreds and thousands of exercises that are directly exercises of the will, aimed directly at transforming the will, so that the will breaks free from what is imposed on it by mere physicality.

[ 50 ] Dadurch macht in seiner Art der moderne Mensch etwas Ähnliches durch wie der alte Mensch durch seine Körperstellung. Denn zu diesen alten Übungen können wir aus den erwähnten Gründen nicht wiederum zurückgehen. Dadurch aber gelangt dieser moderne Mensch dazu, immer mehr und mehr in ein unmittelbares Verhältnis seines eigenen Übersinnlichen zu dem Übersinnlichen der Welt zu kommen.

[ 50 ] In this way, modern human beings experience something similar to what ancient people experienced through their physical postures. For the reasons mentioned, we cannot return to those ancient exercises. Through this, however, modern human beings come to establish an ever-closer, more direct relationship between their own supersensible nature and the supersensible nature of the world.

[ 51 ] Was ich da meine, darf ich vielleicht durch ein Gleichnis klarmachen. Das menschliche Auge zum Beispiel - wodurch ist es eigentlich unser Sehorgan? Nun, Sie können an der Starkrankheit, die eine Verhärtung der Linse oder des Glaskörpers darstellt, sehen, wie das Auge nicht mehr dem Sehen dienen kann, wenn sich das Materielle im Auge geltend macht. Das Auge muß in gewissen Teilen seiner Organe selber absolut durchsichtig sein, wenn es dem Sehen dienen soll. Es muß gewissermaßen selbstlos sein, dann dient es dem Menschen. So wird unser Leib, wenn wir den Willen in der Weise erkraften, wie ich es eben dargestellt habe, geistig-seelisches Sinnesorgan — wenn ich das Paradoxon gebrauchen darf; unser Leib wird - in gewissen Augenblicken der Erkenntnis natürlich, sonst im Leben wohl - nicht mehr von Trieben, Instinkten, Begierden, welche unseren Körper undurchsichtig machen, in seelischer Weise durchdrungen. Er wird in bezug auf Wünsche, Triebe, Begierden so rein, wie es in bezug auf das Materielle das durchsichtige Auge ist. Und wie man durch das durchsichtige Auge die Farbenwelt sieht, so kommt man durch den wunsch- und begierdelos gewordenen Leib — er ist es nicht immer, aber er kann darauf eingestellt werden bei demjenigen, der sich dazu durch die Übungen in den genannten Büchern geübt hat - zum Ansichtigwerden der geistigen Welt, der übersinnlichen Welt, der man als übersinnliche Wesenheit des Menschen, die man ja in seinem Innern ist, angehört.

[ 51 ] Perhaps I can clarify what I mean here with an analogy. Take the human eye, for example—what actually makes it our organ of sight? Well, you can see from cataracts—which involve a hardening of the lens or the vitreous humor—how the eye can no longer serve the purpose of sight when the material aspect within the eye asserts itself. Certain parts of the eye’s organs must themselves be absolutely transparent if it is to serve the purpose of sight. It must, so to speak, be selfless; only then does it serve the human being. Thus, when we strengthen our will in the way I have just described, our body becomes a spiritual-soul organ of perception—if I may use that paradox; our body is—in certain moments of insight, of course, and otherwise in life as well—no longer permeated, in a soulful sense, by drives, instincts, and desires that make our body opaque. With regard to wishes, drives, and desires, it becomes as pure as the transparent eye is with regard to the material world. And just as one sees the world of colors through the transparent eye, so too, through the body that has become free of wishes and desires—it is not always so, but it can be attuned to this state in those who have trained themselves through the exercises in the aforementioned books—to perceive the spiritual world, the supersensible world, to which one belongs as the supersensible being of the human being, which one indeed is within oneself.

[ 52 ] Damit lernen wir das wahrhaft Übersinnliche in dem Menschen selber kennen. Hat man einmal durchschaut, wie es sich mit dem Menschen verhält, wenn er seinen Leib in der geschilderten Weise durchsichtig gemacht hat, wenn er in der rein übersinnlichen Welt lebt, dann hat man schauend das Rätsel des Todes gelöst, denn man hat in der Anschauung das Leben ohne den Leib. Man weiß, wie man lebt, wenn man durch die Todespforte gegangen ist und den Leib abgelegt hat. Man weiß, wie es sich in der Welt ohne den Leib lebt. Man lernt auf diese Weise sein eigenes menschliches Übersinnliches kennen. Und indem man so sein eigenes menschliches Übersinnliches kennenlernt, wie es lebendig seelisch durch die Todespforte geht, lernt man es erkennen als etwas, was von einer übersinnlichen Welt dann aufgenommen werden kann, wie es bei der Empfängnis von der übersinnlichen Welt entlassen worden ist. Lernt man auf diese Weise durch den lebendigen Gedanken, der im Meditieren errungen wird, hinter der Sonne die geistige Sonnenwelt, hinter dem Mond die geistige Mondenwelt kennen, das heißt diejenigen geistigen Wesenheiten, welche den Menschen ins irdische Dasein hereinführen, welche ihn aus dem irdischen Dasein hinausführen, dann lernt man das Übersinnliche der Welt kennen. Und dann weiß man, wie unsere lebendige Seele nach dem Tode von dem lebendigen Wesen der Welt, dem lebendigen Wesen des Universums, des übersinnlichen Universums aufgenommen wird. Wie unser Leib von der Sinnenwelt aufgenommen wird und zum Tode gerufen wird, so wird zum Leben im Ewigen die Menschenseele von denjenigen Wesen gerufen, die man im Übersinnlichen der Welt durchschaut.

[ 52 ] In this way, we come to know the truly supersensible within the human being himself. Once one has grasped how a human being functions when he has made his body transparent in the manner described, when he lives in the purely supersensible world, then one has solved the mystery of death through direct perception, for one has beheld life without the body. One knows how one lives after passing through the gate of death and shedding the body. One knows how life is lived in the world without the body. In this way, one comes to know one’s own human supersensible nature. And by coming to know one’s own human supersensible nature in this way—as it passes through the gate of death as a living soul—one learns to recognize it as something that can then be received by a supersensible world, just as it was released from the supersensible world at conception. If, in this way, through the living thought attained in meditation, one comes to know the spiritual world of the sun behind the sun and the spiritual world of the moon behind the moon—that is, those spiritual beings who lead the human being into earthly existence and who lead the human being out of earthly existence—then one comes to know the supersensible aspect of the world. And then one knows how, after death, our living soul is received by the living being of the world, the living being of the universe—the supersensible universe. Just as our body is received by the sensory world and called to death, so the human soul is called to life in the eternal by those beings whom one perceives in the supersensible realm of the world.

[ 53 ] Den Gang, den die Menschheitszivilisation auf diese Weise genommen hat, den erkennen wir dann als einen solchen, der uns die Kraft gibt, in der Gegenwart wiederum aus unserer Natur heraus in ebenso exakter Weise durch Willenskultur - die, wie sonst mathematische Probleme, ganz exakt in Übungen durchgeführt wird, durch Übungen in Gedanken, wie ich sie geschildert habe, die zur exakten Clairvoyance führen -, an die natürliche Weltenordnung eine Moralität, eine Religion anzugliedern.

[ 53 ] We then recognize the path that human civilization has taken in this way as one that gives us the strength, in the present, to act once again in accordance with our nature in an equally precise manner through the cultivation of the will—which, just as with mathematical problems, is carried out with complete precision through exercises—through mental exercises, as I have described, that lead to precise clairvoyance—to integrate a morality and a religion into the natural order of the world.

[ 54 ] Das brauchen wir heute. Dieser Gang der Menschheitsentwicklung, er wird auch in grandioser Weise angedeutet in der Stellung, die gerade eine wirkliche Geisterkenntnis dem Mysterium von Golgatha in der Menschheitsentwicklung geben kann.

[ 54 ] That is what we need today. This course of human development is also magnificently hinted at in the significance that true spiritual knowledge can ascribe to the Mystery of Golgotha in the course of human development.

[ 55 ] Wie war es doch - lassen Sie mich das zum Schlusse noch mit einigen Worten andeuten — unmittelbar, nachdem das Mysterium von Golgatha sich auf der Erde abgespielt hat, mit denjenigen Menschen, die die ersten Bekenner dieses Mysteriums von Golgatha waren? Sie haben hingeschaut auf dasjenige, was ihnen berichtet worden ist, daß es auf Golgatha geschehen ist. Sie haben hingeschaut auf dasjenige, was der Jesus von Nazareth erlebt hat, und sie haben empfunden, daß in dem Jesus von Nazareth als Menschen das göttlich-geistige Christus-Wesen gelebt habe.

[ 55 ] How was it—let me conclude by saying a few words about this—immediately after the Mystery of Golgotha took place on Earth, with those people who were the first to profess faith in this Mystery of Golgotha? They looked upon what had been reported to them as having taken place on Golgotha. They looked upon what Jesus of Nazareth had experienced, and they sensed that the divine-spiritual Christ Being had lived within Jesus of Nazareth as a human being.

[ 56 ] Das haben sie empfunden, daß dieses göttlich-geistige ChristusWesen zu ihnen heruntergestiegen ist auf die Erde, um ihnen etwas zu bringen, was sie auf Erden gar sehr brauchten. Was hat denn Veranlassung gegeben, daß diese ersten Christen die Weisheit des Mysteriums von Golgatha so unbedingt angenommen haben? Das hat Veranlassung gegeben, daß da noch Reste vorhanden waren jener alten Anschauungen, die sich sagten: Der Mensch ist von übersinnlichen Welten durch die Geburt ins irdische Dasein heruntergestiegen. Als der Mensch in älteren Zeiten das noch aus seinem instinktiven Anschauen und aus demjenigen, was ihm seine Eingeweihten, seine Lehrer gesagt haben, ganz klar gewußt hat, da empfanden die Menschen, daß ein geistiger Führer in den geistigen Welten war, der sie zum physischen Erdendasein heruntergeleitet hat. Aber sie fühlten, weil sie wußten, daß sie als Geister auf die Erde heruntergekommen sind, daß sie auch durch die Pforte des Todes gehen werden. Und der Tod hatte nichts Rätselhaftes, keine Schrecken für die ältere Menschheit, geradeso - mißverstehen Sie den Vergleich nicht, es ist nicht für den Menschen herabsetzend gemeint — wie das Tier auch keine Todesrätsel und keinen Schrekken des Todes empfindet.

[ 56 ] They sensed that this divine-spiritual Christ Being had descended to Earth to bring them something they desperately needed here on Earth. What, then, prompted these first Christians to accept the wisdom of the Mystery of Golgotha so unconditionally? It was because remnants still existed of those ancient views that held: Human beings have descended from supersensible worlds into earthly existence through birth. In earlier times, when people still knew this quite clearly from their instinctive perception and from what their initiates and teachers had told them, they sensed that there was a spiritual guide in the spiritual worlds who had led them down to physical earthly existence. But because they knew that they had come down to Earth as spirits, they felt that they would also pass through the gate of death. And death held no mystery, no terror for the ancient human race—just as—please do not misunderstand the comparison; it is not meant to be derogatory toward human beings—just as an animal feels no mystery of death and no terror of death.

[ 57 ] Daß der Mensch den Tod empfinden lernte, kam erst im Laufe der Zeit. Der Tod wurde erst Rätsel, als der Mensch nicht mehr das Rätsel der Geburt hatte, als er nicht mehr hinaufschaute in die geistig-seelischen Welten, aus denen er heruntergestiegen war, als in der Menschheitsentwicklung die Anlage heraufkam, die dann alles dasjenige, was wir im Geburtsvorgang haben, als ein bloß Natürliches ansah - da kam über die Menschen das Todesrätsel, da kam der eigentliche Schrecken des Todes.

[ 57 ] It was only over the course of time that human beings came to experience death. Death only became a mystery when human beings no longer had the mystery of birth, when they no longer looked up toward the spiritual and soul worlds from which they had descended, when, in the course of human development, the tendency arose to regard everything involved in the process of birth as merely natural—it was then that the mystery of death came upon human beings, and the true horror of death set in.

[ 58 ] Das wurde nicht geheilt durch eine theoretische Erkenntnis, das wurde aber dadurch geheilt, daß sich das Mysterium von Golgatha auf der Erde abspielte. Und die Menschen wußten aus den Resten der alten Weisheit, daß der Christus, der auf der Erde in dem Menschen Jesus von Nazareth erschienen war, dasselbe Wesen war, das die Menschen als Seelen aus geistig-seelischen Welten auf diese Erde heruntergeleitete. Und die ersten Christen wußten, daß der Christus auf die Erde heruntergestiegen ist, um den Menschen auf Erden dasjenige zu geben, was sie über das Rätsel des Todes hinwegführt. Daher sehen wir jenen Zusammenhang, den selbst noch Paulus zwischen dem Todesrätsel und demjenigen, was auf Golgatha vollbracht worden ist, hat. Wir sehen, daß Paulus den Menschen klarmacht, daß sie über den Tod als Menschenseelen nur hinausdenken können, wenn sie hinblicken können zu dem Auferstandenen, das heißt zu dem den Tod besiegenden Christus.

[ 58 ] This was not healed through theoretical knowledge, but was healed by the fact that the Mystery of Golgotha took place on Earth. And people knew from the remnants of ancient wisdom that the Christ, who had appeared on Earth in the person of Jesus of Nazareth, was the very same Being who guided human souls down to this Earth from the spiritual-soul worlds. And the first Christians knew that Christ had descended to Earth to give people on Earth that which leads them beyond the mystery of death. Thus we see the connection that even Paul himself recognized between the mystery of death and what was accomplished on Golgotha. We see that Paul makes it clear to people that, as human souls, they can only think beyond death if they can look toward the Risen One—that is, toward the Christ who conquers death.

[ 59 ] Nun, aus älterer Weisheit heraus waren die ersten Christen noch imstande - mehr fühlend als klar erkennend -, den Christus als denjenigen zu erfassen, der auf die Erde heruntergestiegen ist. Die neuere Geisteswissenschaft, von der ich Ihnen heute abend gesprochen habe, lehrt die Menschen wiederum durch exakte Clairvoyance in die übersinnlichen Welten hineinschauen. Diese anthroposophische Geistesforschung wird, indem sie den Menschen zum Schauen außer seinem Leibe hinführt - wenn dieser Leib in der geschilderten Weise durchsichtig geworden ist und sich der Mensch in der Welt, in der er zu leben hat, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist, erlebt -, wiederum hinweisen dürfen nicht nur auf den Menschen Jesus von Nazareth, sondern auf den göttlich-geistigen Christus, der aus übersinnlichen Welten heruntergestiegen ist und das Übersinnliche im Menschen selber durchkraften kann. Aus dieser Durchkraftung, aus dieser Kraft heraus, die Christus in ihm nach dem Paulusworte: «Nicht ich, sondern der Christus in mir» entfaltet, kann der Erdenmensch den Impuls gewinnen, mit dem Christus als lebendige Seele durch den Tod durchzugehen, um nicht blind in jene geistigen Welten einzutreten, in denen er — wie ich es dargestellt habe - von dem Sonnenwesen aufgenommen wird, sondern durch das Licht, das Christus auf die Erde gebracht hat, sehend in diese geistige Welt einzutreten.

[ 59 ] Well, drawing on ancient wisdom, the early Christians were still able—more by feeling than by clear understanding—to perceive Christ as the One who had descended to Earth. Modern Spiritual Science, which I have spoken to you about this evening, teaches people once again to look into the supersensible worlds through precise clairvoyance. This anthroposophical spiritual research, by leading the human being to see beyond his physical body—once this body has become transparent in the manner described and the human being experiences himself in the world in which he must live after passing through the gate of death—may in turn point not only to the human being Jesus of Nazareth, but to the divine spiritual Christ, who descended from the supersensible worlds and can work through the supersensible within the human being himself. From this working through, from this power that Christ unfolds within him according to the words of Paul: “Not I, but Christ in me”—can the earthly human being gain the impulse to pass through death with Christ as a living soul, so as not to enter blindly into those spiritual worlds where—as I have described—he is received by the solar being, but rather to enter this spiritual world with sight, through the light that Christ has brought to Earth.

[ 60 ] So kann eine solche anthroposophische Geisteswissenschaft das religiös-christliche Leben aufnehmen. So wird das religiös-christliche Leben auf diese Weise gerade durch die anthroposophische Geisteswissenschaft wiederum eine Vertiefung erfahren. Die letzten Jahrhunderte haben uns die Großartigkeit der Naturwissenschaft gebracht, die wir langsam sich entwickeln sehen - jedoch so, daß wir in dem Entwickelnden keine moralische Weltordnung erblicken können, Ja die Natur sich uns um so treuer offenbart, je weniger wir in sie hineinmoralisieren. Wie wir uns jedoch nicht eigentlich an dasjenige, was Naturgesetzlichkeit ist, als an ein Göttliches hingeben können, so werden wir aber, indem wir die exakte Methode, die wir in der Mathematik, in der Naturwissenschaft anwenden gelernt haben, auf das Denken anwenden, dieses zur Bildhaftigkeit, zur exakten Clairvoyance erheben. Und indem wir die exakte Methode auf unseren Willen anwenden, uns selbst erziehen, die schönsten Taten zu unserer Selbsterziehung tun, werden wir dadurch nicht zu einer äußerlich scharlatanhaften Magie, sondern zu einer innerlichen, idealistischen Magie kommen und so wiederum das Moralische an das Natürliche, an das Religiöse anknüpfen.

[ 60 ] In this way, such an anthroposophical Spiritual Science can embrace Christian religious life. And in this way, Christian religious life will, in turn, experience a deepening precisely through anthroposophical Spiritual Science. The past few centuries have brought us the magnificence of the natural sciences, which we see slowly developing—yet in such a way that we cannot discern a moral world order within this development; indeed, nature reveals itself to us all the more faithfully the less we impose morality upon it. However, just as we cannot truly devote ourselves to the laws of nature as if they were divine, so too, by applying the exact method we have learned to use in mathematics and the natural sciences to our thinking, we will elevate it to a state of imagery and exact clairvoyance. And by applying the exact method to our will, by disciplining ourselves to perform the most beautiful deeds for our own self-education, we will thereby arrive not at an outwardly charlatan-like magic, but at an inner, idealistic magic, and thus once again link the moral to the natural and to the religious.

[ 61 ] Und letzten Endes: was will diese Anthroposophie, von der ich hier spreche? Sie will den tiefen Abgrund ausfüllen, der wenigstens für den modernen Menschen, für alle Menschen, die nur irgendwie die Welt miterleben, unbewußt zwischen der natürlichen amoralischen Weltenordnung auf der einen Seite und der religiösen moralischen Ordnung auf der anderen Seite besteht, damit der Mensch in der Zukunft in seinem Leben, in dem, was ihm durch seinen Leib die Natur, die Sinnlichkeit gibt, das starke Übersinnliche wieder habe, in das die Weltenmoral, nicht nur die Menschheitsmoral hereinströmt, in das nicht bloß die Naturordnung, sondern die göttliche Ordnung hereinströmt.

[ 61 ] And ultimately: what does this anthroposophy, of which I am speaking here, seek to achieve? It seeks to bridge the deep chasm that—at least for modern human beings, for all people who in any way experience the world—unconsciously exists between the natural, amoral world order on the one hand and the religious, moral order on the other, so that in the future, human beings may, in their lives—in what nature, through their bodies, sensuality—may once again possess the powerful supersensible realm into which the moral order of the world, not merely the moral order of humanity, flows; into which not merely the natural order, but the divine order flows.

[ 62 ] Und mit den kosmisch-moralischen Impulsen, die seine individuellen werden, mit der Durchdringung mit dem durch den geistig geschärften Blick ihm gegebenen Gottesbewußtsein, wird der Mensch seinen Weg in die Zukunft finden und jene wichtigen Fragen und Rätsel lösen, die man heute schon ahnen kann, wenn man nicht schlafend, sondern mit voller, wacher Unbefangenheit die Welt rings herum und dasjenige, was im Menschenherzen als Drang, als Hoffnung aus der Gegenwart heraus in die Zukunft hinein leben kann, ansieht.

[ 62 ] And with the cosmic-moral impulses that become his own, with the permeation by the awareness of God granted to him through his spiritually sharpened gaze, humanity will find its way into the future and solve those important questions and mysteries that can already be sensed today—if one looks at the world around us and at what lives in the human heart as an impulse, as a hope reaching from the present into the future, not with a sleeping mind but with full, alert impartiality.