Rudolf Steiner in the Waldorf School
GA 298
17 June 1921, Stuttgart
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Rudolf Steiner in the Waldorf School, tr. SOL
9. Ansprache an der ersten Mitgliederversammlung des Vereins «Freie Waldorfschule»
9. Speech at the First General Meeting of the “Freie Waldorfschule” Association
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Ich eröffne die erste ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins «Freie Waldorfschule». Ehe ich auf das Programm eingehe, gestatten Sie, daß ich Sie im Namen des Vorstandes auf das allerherzlichste begrüße. Es ist nur eine kleine Anzahl der Mitglieder des Vereins heute naturgemäß erschienen, aber um so herzlicher soll die Begrüßung für die kleine Anzahl sein; wir haben 1400 Mitglieder, so viel sind lange nicht da. Um so erfreulicher ist es, daß eine stattliche Anzahl erschienen ist. Was zunächst, meine sehr verehrten Anwesenden, zu sagen ist in bezug auf die bisherige Entwickelung der Waldorfschule, ist das Folgende: Wir haben zwei Schuljahre hinter uns, wir haben, wie Ihnen wohl aus den verschiedenen Veröffentlichungen, die schon erschienen sind, bekannt sein dürfte, mit dieser Waldorfschule, die von Emil Molt gegründet worden ist, etwas angestrebt, das aus neuen pädagogisch-didaktischen Gesichtspunkten und aus Gesichtspunkten einer allgemeinen humanitären Denkweise heraus wirklich nach den verschiedenen Richtungen hin etwas Neues schaffen kann, daß neue Kräfte entfesselt werden, die auf dem Gebiete des Unterrichts und der Erziehung notwendig sind, um gegenüber den Verfallskräften, gegenüber den Niedergangskräften, die in unserer Zeit sehr deutlich zu sehen sind, das Nötige zu tun. Es ist begreiflich, daß ein Wichtiges in der Gegenwart getan werden muß auf dem Gebiete des Unterrichts- und Erziehungswesens. Eine solche Aufgabe war nicht leicht; es handelte sich darum, in der Auswahl der Lehrer so vorzugehen, daß nun wirklich bei denjenigen, die Lehrende und Erziehende sein sollten, der Geist von all dem lebt, was wir eine notwendige neue pädagogisch-didaktische Denkweise nennen können.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! I hereby open the first regular general meeting of the “Freie Waldorfschule” association. Before I go over the agenda, please allow me, on behalf of the board, to extend a most warm welcome to you all. Naturally, only a small number of the association’s members have been able to attend today, but our welcome should be all the more heartfelt for this small group; we have 1,400 members, and it has been a long time since so many were present. It is therefore all the more gratifying that such a substantial number has gathered. First of all, ladies and gentlemen, here is what needs to be said regarding the development of the Waldorf School to date: We have completed two school years; as you are likely aware from the various publications that have already appeared, with this Waldorf School—founded by Emil Molt—we have sought to create something new based on new pedagogical and from the perspective of a general humanitarian way of thinking—that it can truly create something new in various directions, unleashing new forces necessary in the realm of teaching and education to take the necessary action against the forces of decay and decline that are so clearly visible in our time. It is understandable that something important must be done at the present time in the field of teaching and education. Such a task was not easy; it involved proceeding in the selection of teachers in such a way that the spirit of all that we might call a necessary new pedagogical and didactic way of thinking truly lives on in those who are to be teachers and educators.
[ 2 ] Wir mußten außerdem uns innerhalb der Lehrerschaft erst verständigen über dasjenige, was da ins einzelne des pädagogisch-didaktischen Wirkens hinein unsere Aufgabe wird werden müssen. Dazu ist ja zunächst ein pädagogisch-didaktischer Kurs vor der Eröffnung der Schule für das Lehrerkollegium in seiner ersten Zusammensetzung gehalten worden, auf Grundlage dessen dann der Unterricht und die Erziehung versucht worden sind. Zu diesem etwas längeren pädagogischen Kurs, der der Eröffnung voranging, kam dann ein kürzerer Ergänzungskurs vor dem Beginn des zweiten Jahres, und ein zweiter Ergänzungskurs wird jetzt eben gehalten vor dem Beginn des dritten Schuljahres. Bei den verschiedenen Besuchen, die mir als pädagogischem Leiter der Waldorfschule möglich waren im Laufe der zwei Jahre, hat sich allerdings dasjenige ergeben, das darf nach einer gewissenhaften Prüfung gesagt werden, daß es - trotz aller Schwierigkeiten, die ja der einzelne Lehrer und Erzieher zum Teil aus äußeren Umständen und zum Teil, weil die Aufgabe schwierig ist, bei sich selbst zu überwinden hat möglich geworden ist, daß der Geist, der in unserer Schule waltet, immer intensiver das Lehrerkollegium ergriffen hat. Wir haben es mit einer aufsteigenden Entwickelung zu tun gehabt; und die Art, wie sich mehr und mehr eingelebt hat dieser Geist der Waldorfschule, läßt uns hoffen, daß wir auch im folgenden Schuljahre eine steigende Entwickelung des Waldorfschulgeistes werden zu verzeichnen haben. Es hat sich herausgestellt, daß die Lehrkräfte, die zu den alten hinzugekommen sind, weil die Vergrößerung der Schule es nötig machte, sich wirklich mit erstaunlicher Schnelligkeit in den Geist der Waldorfschule einleben, so daß man in dieser Beziehung sagen kann: Dieser Geist der Waldorfschule ist immer mehr und mehr etwas Lebendiges geworden, etwas, das man findet, von dem man berührt wird, wenn man in die Waldorfschule hineinkommt.
[ 2 ] We also had to reach an agreement among the teaching staff regarding the specific aspects of our pedagogical and didactic work that would become our responsibility. To that end, a pedagogical and didactic course was first held for the teaching staff in its initial composition before the school opened, and it was on this basis that we then attempted to conduct instruction and education. This somewhat longer pedagogical course, which preceded the opening, was followed by a shorter supplementary course before the start of the second year, and a second supplementary course is now being held just before the start of the third school year. During the various visits I was able to make as the educational director of the Waldorf School over the course of these two years, it has become evident—and this can be said after careful consideration—that, despite all the difficulties that individual teachers and educators have had to overcome—partly due to external circumstances and partly because the task is challenging—it has become possible for the spirit that reigns in our school to has taken hold of the teaching staff with ever-increasing intensity. We have witnessed an upward trend; and the way in which this spirit of the Waldorf School has become more and more deeply ingrained gives us hope that we will also see a continued growth in the Waldorf spirit in the coming school year. It has become apparent that the teachers who have joined the existing staff—as the school’s expansion made necessary—are truly assimilating the spirit of the Waldorf School with astonishing speed, so that in this regard one can say: This spirit of the Waldorf School has increasingly become something alive, something one encounters and is moved by upon entering the Waldorf School.
[ 3 ] In dieser Beziehung dürfen wir aus einem sachgemäßen Beurteilen sagen, wir können nur Gutes verzeichnen; wir können hoffen, daß wir durch die Ausbildung des angestrebten Geistes allmählich dahin kommen, einen deutlichen Beweis liefern zu können, daß die Waldorfschule ihr Ziel wird erreichen können. Das ist zu sagen über den Geist, der waltet in der Schule, in den Lehrerkonferenzen, über den Geist, der in der Denkweise, in der Gesinnung des Lehrerkollegiums für mich, der ich das zu prüfen hatte, zu bemerken war. Das Lehrerkollegium besteht aus dem Begründer der Schule, Herrn Emil Molt, und seiner Gattin, die gewissermaßen die Stelle der Patrone innehaben, und aus den Ihnen bekannten Persönlichkeiten; die pädagogische Leitung ist durch die Natur der Sache mir zugefallen, und ich darf sagen: In den Lehrerkonferenzen, die in meiner Anwesenheit gehalten worden sind, und auch bei meinem Dabeisein während des Unterrichtes, was ja auch öfters im Laufe der zwei Jahre stattgefunden hat, ist durchaus das zutage getreten, was ich jetzt auseinandergesetzt habe. Das wäre in aller Kürze dasjenige, was von der einen Seite gesagt werden muß; dem muß allerdings von der anderen Seite etwas gegenübergestellt werden. Das ist das, was ja, wie ich glaube, mit voller Berechtigung von mir vor der Eröffnung der Schule in allerlei Ansprachen und auch bei der Eröffnung gesagt worden ist, daß eigentlich die Aufgabe der Waldorfschule nur dann voll erfüllt ist, wenn zu ihr sehr rasch sich andere solche Schulgründungen finden. Denn mit einer einzelnen Schule kann selbstverständlich nichts anderes geliefert werden als ein Musterbeispiel, das wir in bezug auf PädagogischDidaktisches hingestellt haben. Das glaube ich in dieser berechtigten Weise vor Ihnen sagen zu können. Ein solches Musterbeispiel wird man konstruieren können, Allein mit einem solchen Musterbeispiel ist ja natürlich in unserer Zeit, in der es notwendig ist, den Geist, der hier gemeint ist, ins ganze Unterrichtswesen hineinzutragen im Sinne der Dreigliederung des sozialen Organismus, die ein wirklich freies Geistesleben in bezug auf Erziehung und Unterricht fordert, nur ein Anfang gemacht. Es ist der Geist, der gemeint ist, nur dadurch zu erreichen, daß die Waldorfschul-Idee die weiteste Verbreitung findet. Die Waldorfschule müßte Nachfolge erfahren; und das hängt natürlich davon ab, daß in weitesten Kreisen Interesse dieser Waldorfschule entgegengebracht wird. Wir dürfen allerdings sagen: Die Mitglieder des WaldorfschulVereins haben wirklich durch ihr tätiges Mitwirken ein anerkennenswertes Interesse gezeigt und ebenso die Elternschaft. Leider aber hat sich das Interesse der weitesten Kreise gegenüber der Waldorfschul-Idee nicht geregt; es ist noch außerordentlich gering. Außer einem Versuch, der in dankenswerter Weise im Kleinen unternommen worden ist innerhalb Mitteleuropas, hat die Waldorfschule keine Nachfolgerschaft gefunden. Es sind auch recht wenig Bestrebungen hervorgetreten für eine solche Nachfolgerschaft. Auch kann man sagen, daß sich nach einer anderen Seite hin das Interesse durchaus nicht in der Weise gezeigt hat, wie es eigentlich zu erwarten gewesen wäre: Man braucht Geld, selbst wenn nur eine Schule als Musterbeispiel gedeihen soll. Wir müssen die Sache so einrichten, daß wir mit jedem Jahr eine Klasse anfügen. Wir haben, nachdem wir die Schule achtklassig gegründet haben, im vorigen Jahr die neunte Klasse angefügt; wir werden mit der Eröffnung des dritten Schuljahres, die morgen stattfindet, die zehnte Klasse anzufügen haben. Wir werden damit unsere Schule nach oben in jedem Jahre weiter ausbauen, so daß sich unseren letzten Schuljahren die verschiedenen Hochschulen anschließen können und wir tatsächlich unsere Schüler so weit bringen, daß sie beim Abgang aus unserer Schule das Abiturientenexamen ablegen können. Wir haben noch Zeit dazu, aber in dieser Weise soll diese Schule ausgebaut werden. Das fordert natürlich eine fortwährende bauliche Erweiterung der Schule. Außerdem hat sich herausgestellt, daß die Idee, die ursprünglich zugrunde lag, die Schule der Hauptsache nach zu begründen für die Kinder der Angehörigen der Waldorf-Astoria-Fabrik, ins Breite gewachsen ist. Es kamen immer mehr Anmeldungen aus weitesten Kreisen; und nach dieser Richtung hin ist durchaus ein gewisses Interesse vorhanden. Für die Vergrößerung der Schule, für die Erweiterung der einen Schule, für ihren Geist ist durchaus ein Interesse schon vorhanden. Das zeigt sich darin, daß wir von allen Seiten Schüleranmeldungen haben, daß die meisten Klassen mit Parallelklassen arbeiten müssen.
[ 3 ] In this regard, based on an objective assessment, we can report only positive developments; we can hope that, by cultivating the spirit we are striving for, we will gradually be able to provide clear evidence that the Waldorf School will be able to achieve its goal. This is what can be said about the spirit that prevails in the school and in the teachers’ conferences—the spirit that, as I observed while examining this matter, was evident in the way of thinking and in the attitude of the teaching staff. The teaching staff consists of the school’s founder, Mr. Emil Molt, and his wife, who, in a sense, serve as patrons, as well as the individuals you are familiar with; the pedagogical leadership has, by the nature of things, fallen to me, and I may say: In the faculty meetings held in my presence, and also during my observations of classes—which, after all, have taken place frequently over the course of the past two years—what I have just outlined has become quite evident. That, in a nutshell, is what must be said from one perspective; however, this must, of course, be balanced by a view from the other side. This is what I believe I stated with full justification in various speeches before the school’s opening and also at the opening itself: that the mission of the Waldorf School is only fully fulfilled if other such schools are established very quickly alongside it. For a single school can, of course, offer nothing more than a model example of what we have established in terms of pedagogy and didactics. I believe I can say this before you with good reason. Such a model example can be established; yet, in our time—when it is necessary to carry the spirit referred to here into the entire educational system in accordance with the threefold social order, which calls for a truly free spiritual life in regard to education and instruction—such a model example is, of course, only a beginning. This spirit can only be achieved by ensuring that the Waldorf school ideal is disseminated as widely as possible. The Waldorf school must find successors; and this, of course, depends on the widest possible circles showing interest in the Waldorf school. We may, however, say that the members of the Waldorf School Association have truly shown commendable interest through their active participation, as have the parents. Unfortunately, however, interest in the Waldorf school idea among the broadest circles has not materialized; it remains exceptionally low. Aside from one initiative, which was thankfully undertaken on a small scale within Central Europe, the Waldorf school has found no followers. Very few efforts have emerged to establish such a following. It can also be said that, from another perspective, interest has by no means manifested itself in the way one might actually have expected: Money is needed, even if only a single school is to flourish as a model. We must organize things so that we add one class each year. Having founded the school with eight grades, we added the ninth grade last year; and with the opening of the third school year, which takes place tomorrow, we will have to add the tenth grade. We will thus continue to expand our school upward each year, so that our upper grades can lead directly to various colleges and universities, and we can indeed prepare our students to the point where they can take the high school graduation exam upon leaving our school. We still have time to do this, but this is how the school is to be developed. This, of course, requires ongoing physical expansion of the school. Furthermore, it has become apparent that the original idea—to establish the school primarily for the children of Waldorf-Astoria factory employees—has broadened in scope. More and more applications have been coming in from the widest possible circles; and there is certainly a certain amount of interest in this direction. There is already a definite interest in the growth of the school, in the expansion of this one school, and in its spirit. This is evident in the fact that we are receiving student applications from all sides, and that most classes have to operate with parallel classes.
[ 4 ] Daß Schwierigkeiten bestehen in bezug auf den Ausbau der Schule, das wird im Vorstandsbericht gesagt werden. Jedenfalls sieht man daraus, daß es notwendig ist, daß man der Schule in finanzieller Beziehung Interesse entgegenbringe. Man kann wirklich nicht sagen, daß die Schule in finanzieller Beziehung dieses Interesse gefunden hat. Wir stehen jedesmal, wenn eine Erweiterung notwendig ist, vor neuen finanziellen Sorgen. Daher muß schon heute der Vorstand vor dieser ordentlichen Mitgliederversammlung in den Bericht etwas über seine Sorgen hineintragen. Wenn wir auf der einen Seite berichten dürfen über die Befriedigung, die man haben kann über den geistigen Fortgang, so muß dem entgegengesetzt werden, daß wir berichten müssen von den Sorgen, die wir haben und die sich insbesondere im Verlaufe der nächsten Wochen "sehr vergrößern werden. Diese Sorgen kann natürlich das Lehrerkollegium nicht bewältigen; das hat schon sehr viel zu tun mit der Bewältigung des geistigen Fortschrittes. Das ist etwas, was in geeigneter Weise in der nächsten Zeit in die weitere Öffentlichkeit hineingetragen werden müßte. Wir brauchen einfach die Erweckung des Interesses in bezug auf die finanzielle Stützung der Waldorfschule, sonst würde selbst dieses eine Beispiel, das mit der einen Schule gegeben worden ist, nicht in der entsprechenden Weise ausgebaut werden können. Es steht zu hoffen, daß, wenn es gelingt, allmählich das Interesse der breitesten Öffentlichkeit für den Geist der Waldorfschule, für deren Ergebnisse zu erregen, auch das andere Notwendige nachfolgen wird: die Erweiterung der Waldorfschul-Idee dadurch, daß diese eine Schule Nachfolge findet, daß solche Schulen weiter begründet werden. Geschieht das nicht, so bleibt es bei einer Art Musterbeispiel. Damit wäre der Idee der WaldorfschulBewegung durchaus nicht Rechnung getragen. Das ist dasjenige, was ich als Vorsitzender des Waldorfschul-Vereins vorbringen wollte.
[ 4 ] The fact that there are difficulties regarding the school’s expansion will be mentioned in the board’s report. In any case, it is clear from this that it is necessary to show financial support for the school. One really cannot say that the school has received such financial support. Every time an expansion is necessary, we face new financial concerns. Therefore, the Board must address these concerns in its report to this regular general meeting of members today. While on the one hand we may report on the satisfaction we derive from the school’s spiritual progress, this must be balanced by our need to report on the concerns we have—concerns that will, in particular, “grow significantly” over the course of the coming weeks. Naturally, the teaching staff cannot resolve these concerns on their own; they already have their hands full managing the school’s spiritual progress. This is something that should be communicated to the wider public in an appropriate manner in the near future. We simply need to spark interest in providing financial support for the Waldorf School; otherwise, even this single example—which has been set by this one school—would not be able to be expanded in the necessary way. It is to be hoped that, if we succeed in gradually arousing the interest of the broadest public in the spirit of the Waldorf School and in its achievements, the other necessary steps will follow: the expansion of the Waldorf School idea through the establishment of successor schools and the founding of further such schools. If this does not happen, it will remain merely a kind of model example. This would by no means do justice to the idea of the Waldorf school movement. This is what I wanted to bring up as chairman of the Waldorf School Association.
Aus der Aussprache bei der Mitgliederversammlung vom 17. Juni 1921
From the discussion at the general meeting on June 17, 1921
[ 5 ] E. Molt: Es scheint eine der schönsten Aufgaben zu sein, Herrn Dr. Steiner den tiefgefühlten Dank zum Ausdruck zu bringen für seine liebevolle Führung der Schule. Wir wissen, daß wir ihm die gedeihliche Entwickelung der Schule zu verdanken haben.
[ 5 ] E. Molt: It seems to be one of the most rewarding tasks to express our heartfelt gratitude to Dr. Steiner for his devoted leadership of the school. We know that we owe the school’s flourishing development to him.
[ 6 ] Dr. Steiner: Meine sehr verehrten Anwesenden! Ich danke Herrn Molt für seine lieben Worte, und ich danke allen für ihre Zustimmung zu seinen lieben Worten. Ich glaube diesen Dank auch aussprechen zu dürfen im Namen des gesamten Lehrerkollegiums unserer Waldorfschule. Es wird ja kein Zweifel darüber bestehen können, daß dasjenige, was einigermaßen gelungen sein kann diesem Lehrerkollegium, was möglich war für es, für die Entwickelung der Waldorfschule zu leisten, daß das nur hat geleistet werden können aus dem Grunde, weil das gesamte Lehrerkollegium durchaus tief durchdrungen ist von der Notwendigkeit der Waldorfschul-Idee, weil jeder einzelne dieses Lehrerkollegiums mit Begeisterung an dieser Waldorfschul-Idee hängt, und aus dieser Begeisterung kommt die Kraft zu dem Wirken für eine im wesentlichen doch neue Sache. Wir dürfen annehmen, daß trotz mancher Schwierigkeit uns, die wir für die Waldorfschule und ihren geistigen Fortgang zu sorgen haben, diese Begeisterung bleibt und infolgedessen auch die Kraft zum Wirken bleibt. Und in diesem Sinne, weil Sie vielleicht doch glauben können, daß wir aus reiner Begeisterung für die Waldorfschul-Idee in dieser Schule wirken, werden Sie auch das Versprechen entgegennehmen können, das ich in meinem Namen und in meiner lieben Freunde Namen vom Kollegium abgeben möchte. Sie werden das Versprechen entgegennehmen, daß wir auch in der Zukunft in der Weise wirken werden, wie Sie es sehen, die Sie Ihr tiefstes Interesse für die Wadlorfschule bezeigt haben, wie es Sie wird befriedigen können.
[ 6 ] Dr. Steiner: Ladies and gentlemen! I would like to thank Mr. Molt for his kind words, and I thank everyone for their approval of his kind words. I believe I may also express this gratitude on behalf of the entire teaching staff of our Waldorf School. There can be no doubt that whatever this teaching staff may have achieved—whatever it was able to do to contribute to the development of the Waldorf School—could only have been accomplished because the entire teaching staff is deeply imbued with the necessity of the Waldorf School ideal, because every single member of this teaching staff is passionately committed to this Waldorf school ideal, and from this enthusiasm comes the strength to work for what is, in essence, a new endeavor. We may assume that, despite many difficulties, this enthusiasm will remain with us—those of us who are responsible for the Waldorf school and its spiritual progress—and, as a result, the strength to act will also remain. And in this spirit—because you may well believe that we work at this school out of pure enthusiasm for the Waldorf school ideal—you will also be able to accept the promise that I would like to make on behalf of the faculty, both in my own name and in the names of my dear friends. You will accept our promise that we will continue to work in the future in the way that you—who have shown such deep interest in the Waldorf School—deem appropriate, in a manner that will satisfy you.
[ 7 ] Es wird der Wunsch ausgesprochen nach einer Gelegenheit, die Waldorfschule zu besichtigen.
[ 7 ] A request is made for an opportunity to visit the Waldorf school.
[ 8 ] Dr. Steiner: Ich glaube, daß man nicht außerordentlich viel haben wird von einer Besichtigung in der Waldorfschule selbst, und daß die Lehrerschaft am morgigen Vormittag verhindert wäre zu führen. Es wäre vielleicht möglich, Ihren Wunsch dahin zu modifizieren, daß Sie morgen um halb zehn Uhr im hiesigen Stadtgartensaal an der Eröftnungsfeier teilnehmen, wenn es nicht allzu viele sind. Darf ich die verehrten Anwesenden bitten - es ist auch wohl von seiten der Lehrer nichts einzuwenden -, wenn es Ihnen möglich erscheint, diesen Wunsch dahin zu modifizieren, daß Sie morgen an der Eröffnungsfeier teilnehmen. Sollte Ihr Wunsch sein, gegen Abend nach sechs Uhr einen Spaziergang machen zu wollen, so werden sich die Mitglieder des Kollegiums freuen, morgen nach Feierabend das Gebäude zu zeigen.
[ 8 ] Dr. Steiner: I don’t think a tour of the Waldorf School itself would be particularly informative, and the teaching staff would be unable to lead a tour tomorrow morning. It might be possible to adjust your plans so that you can attend the opening ceremony tomorrow at 9:30 a.m. in the local Stadtgartensaal, provided there aren’t too many of you. May I ask the distinguished guests here—and I’m sure the teachers would have no objection—if it seems feasible to you, to adjust your plans so that you can attend the opening ceremony tomorrow. Should you wish to take a walk in the evening after 6:00 p.m., the faculty members will be happy to show you around the building tomorrow after work.
[ 9 ] Ein Mitglied: Vielleicht kann man Leute an einem bestimmten Tag die Schule besuchen lassen? Etwa die Eurythmiestunden?
[ 9 ] A member: Maybe we could let people visit the school on a specific day? Like during the eurythmy classes?
[ 10 ] Dr. Steiner: Die Eurythmie gehört zum Unterricht; es würde für die Eurythmie dasselbe in Betracht kommen, was für den übrigen Unterricht in Betracht kommt. Da möchte ich bemerken, daß es sich höchstens darum handeln kann, daß vielleicht der Beschluß gefaßt würde, daß die von den Kindern und Lehrern leere Schule besucht würde. Von einer Besichtigung der Schule während des Unterrichts könnte nicht die Rede sein. Denn solch eine Besichtigung sollte nur stattfinden nach vorheriger genauer Erwägung, nach vorherigem Verhandeln mit denen, die durch die Besichtigung der Schule etwas lernen wollen. Es kann sich etwa handeln um die, die aus dem Grunde etwas sehen wollen von der Schule, weil sie irgendwo eine solche Schule begründen wollen, weil sie selbst irgend etwas in sachgemäßer Weise für die Verbreitung der Waldorfschul-Idee tun wollen. Es kann sich im Grunde nur um derartige seltene Fälle handeln, wenn es sich um die Besichtigung des Betriebes der Schule handelt. Wir sind natürlich nach dieser Richtung hin schon reichlich aufgefordert worden, aber irgendwie weitergehend könnte das nicht geschehen. Das kann aus rein pädagogisch-didaktischen Gründen nicht sein. Auch das berechtigte Besuchen der Schule während des Unterrichts bedeutet doch immer eine Störung, eine vor der Pädagogik nicht zu rechtfertigende Störung des Unterrichtes. Wer auch immer das Schulzimmer betritt, stört den Unterricht. Es kann begründet sein, daß zu einem höheren Ziele der Unterricht gestört wird. Dann muß man solche Gründe gelten lassen. Man sollte doch ein Herz dafür haben, daß der Unterricht etwas ist, was der Sammlung bedarf, was daher unter keinen Umständen, wenn es nicht dringend notwendig ist, der Besichtigung des Besuches ausgesetzt werden sollte.
[ 10 ] Dr. Steiner: Eurythmy is part of the curriculum; the same considerations that apply to the rest of the curriculum would apply to eurythmy. I would like to note that, at most, this could involve a decision to visit the school when it is empty of children and teachers. There could be no question of a tour of the school during class time. For such a tour should only take place after careful prior consideration and after prior consultation with those who wish to learn something from the tour of the school. These might include, for example, those who wish to see the school because they intend to establish a similar school elsewhere, or because they themselves wish to contribute in a meaningful way to the dissemination of the Waldorf school ideal. Essentially, visits to observe the school’s operations can only involve such rare cases. Of course, we have already received numerous requests along these lines, but it cannot go any further than that. This is not possible for purely pedagogical and didactic reasons. Even a justified visit to the school during class always constitutes a disruption—a disruption of instruction that cannot be justified from a pedagogical standpoint. Whoever enters the classroom disrupts the lesson. It may be justified to disrupt the lesson for a higher purpose. In that case, such reasons must be accepted. One should, after all, recognize that a lesson is something that requires concentration and should therefore, under no circumstances—unless it is absolutely necessary—be subjected to observation by visitors.
[ 11 ] Ich glaube, daß es auch die Ansicht der übrigen Mitglieder des Kollegiums ist, daß wir daher höchstens könnten - das wäre eine Belastung, die jetzt auch kaum zuzumuten ist -, daß wir höchstens könnten die Schulräume sehen lassen. Nun kann ich Ihnen die Versicherung geben, daß die dann etwas Sehenswertes darstellen werden, wenn wir recht viel finanzielle Mittel bekommen werden. Aber wahrscheinlich mit Bezug auf dasjenige, was von Dotierungen herrührt, was die Ausstattung betrifft, die auf Dotierungen begründet ist, werden die Leute viel eher auf die Rechnung kommen, wenn sie andere Schulen anschauen. Wir könnten uns höchstens der Gefahr aussetzen, daß sie uns sagen werden, wir haben nichts gesehen, und Lehrmittel, die durchaus nicht etwa reichlich sind. Gebt uns unser Geld zurück!
[ 11 ] I believe it is also the view of the other members of the faculty that, under these circumstances, the most we could do—and this would be a burden that can hardly be expected at this time—is to allow you to view the classrooms. Now, I can assure you that they will be quite a sight to behold if we receive sufficient financial resources. But when it comes to endowment-funded equipment—specifically, the facilities based on endowments—people are much more likely to realize the true cost when they visit other schools. At best, we could run the risk that they’ll tell us, “We didn’t see anything, and the teaching materials are by no means plentiful. Give us our money back!”
[ 12 ] Bezüglich der Eurythmie ist festzuhalten, daß wir das Tunlichste gemacht haben, um zu zeigen, wie es mit der Eurythmie steht. Wir haben Veranstaltungen gemacht, in denen man sehen kann, wie die Waldorfschulkinder eurythmisch sich betätigen. Solche Veranstaltungen werden hoffentlich auch weiter gemacht werden. Das kann die Gelegenheit sein, bei der man sich überzeugen muß, was in der Eurythmie durch die Waldorfschulkinder geleistet werden kann. Es erscheint mir aus pädagogischen Gründen tatsächlich untunlich, daß in bezug auf die Eurythmie irgendeine Ausnahme gemacht würde für dasjenige, was dem Unterricht gegenüber überhaupt gilt.
[ 12 ] With regard to eurythmy, it should be noted that we have done everything possible to demonstrate the state of eurythmy today. We have organized events where people can see Waldorf school children engaging in eurythmy. Hopefully, such events will continue to be held. This can be an opportunity for people to see for themselves what Waldorf school children are capable of achieving through eurythmy. For pedagogical reasons, it seems to me truly inadvisable to make any exceptions regarding eurythmy to the general rules that apply to instruction.
[ 13 ] Es ist bisher in der weitgehendsten Weise jedem berechtigten Wunsch entgegengekommen worden, sich zu informieren über das, was in der Waldorfschule vorgeht. Es ist in der weitgehendsten Weise auch ein nicht immer wünschenswerter Gebrauch gemacht worden von der Möglichkeit, die Waldorfschule zu besichtigen.
[ 13 ] To date, every legitimate desire to learn about what goes on at the Waldorf School has been accommodated to the greatest extent possible. The opportunity to visit the Waldorf School has also been taken advantage of to the greatest extent possible—though not always in a desirable way.
[ 14 ] Es kann im Grunde genommen in bezug auf diese Sache etwas Gesundes nicht herauskommen, wenn bezüglich der Handhabung des Verkehrs mit der Außenwelt und der Besichtigung irgendwie eine andere Weisung möglich ist als diejenige, die durch die Leitung der Waldorfschule und das Lehrerkollegium möglich ist. Mir scheint es unmöglich zu sein, daß die Leitung der Schule irgendwelche Weisung erhalten würde von einem Verein. Hier handelt es sich darum, daß auch bezüglich dieser Sache nur das sachgemäße Urteil des Lehrerkollegiums in Betracht käme, so daß es mir gar nicht nötig schien, im Schoß des Waldorfschul-Vereins irgendwie darüber abzustimmen, ob man es gestatten soll oder nicht. Es müßte das durchaus vom Lehrerkollegium abhängen, wie man diese Sache handhabt. Es ist wohl auch kein Antrag gewesen.
[ 14 ] Essentially, nothing constructive can come of this matter if, with regard to handling interactions with the outside world and school tours, any directive other than that issued by the Waldorf School administration and the teaching staff is possible. It seems impossible to me that the school administration would receive any instructions from an association. The point here is that, even regarding this matter, only the appropriate judgment of the teaching staff should be taken into account, so that it did not seem necessary to me at all to vote on it within the Waldorf School Association as to whether it should be permitted or not. How this matter is handled should depend entirely on the teaching staff. It was probably not even a motion.
[ 15 ] .. . Das geht nicht, daß das, was ich im ersten Teil gesagt habe, daß der Geist der Waldorfschule vor Besucher hingetragen wird. Das muß entwickelt werden im Unterricht. Das läßt sich auf keine Weise machen, als auf den Wegen, auf denen es bisher gesucht worden ist. Das, was der Geist der Waldorfschule ist, wird nicht anders vor die Öffentlichkeit gebracht werden können, als wenn diejenigen, welche Kinder haben, die Erziehungsideale kennenlernen, wenn die Elternschaft und auch andere, die damit zusammenhängen, in der Öffentlichkeit zeugen. Auf eine andere Weise gibt es keine Möglichkeit, daß der Geist der Waldorfschule beachtet wird.
[ 15 ] ... It is not possible for what I said in the first part—that the spirit of the Waldorf school is presented to visitors—to be developed in this way. This must be developed in the classroom. There is no other way to do this than through the methods that have been used so far. The spirit of the Waldorf school can only be brought to the public’s attention if those who have children become familiar with the educational ideals, and if parents—as well as others involved—bear witness to them in public. There is no other way for the spirit of the Waldorf school to be recognized.
[ 16 ] Ich kann die Versicherung geben, da ich weiß, daß der Vorschlag aus gutem Willen hervorgeht: in den bisherigen zwei Jahren sind wir nach jeder Richtung entgegengekommen. Wir müssen scharf darüber wachen, daß nicht neugierige Leute kommen. Wir werden auch in der Zukunft niemanden, der eine Berechtigung hat, die Schule kennenzulernen, abweisen.
[ 16 ] I can assure you of this, since I know that the proposal stems from good will: over the past two years, we have made concessions in every direction. We must be very vigilant to ensure that no nosy people come. In the future, too, we will not turn away anyone who is entitled to visit the school.
[ 17 ] Und da wir dann am Ende der Versammlung angekommen sind, gestatten Sie mir noch, daß ich im Namen des Vorstandes den herzlichen Dank dafür ausspreche, daß Sie diese erste Versammlung besuchen wollten. Ich hoffe, daß Sie an den Erfahrungen, die Sie werden machen können, das erleben werden, was Sie befriedigt, angesichts des Interesses, das Sie heute an den Tag gelegt haben durch Ihr Erscheinen. In diesem Sinne danke ich Ihnen im Namen des Vorstandes des Waldorfschul-Vereins für Ihr Erscheinen und erlaube mir, die erste ordentliche Mitgliederversammlung zu schließen.
[ 17 ] And now that we have reached the end of the meeting, please allow me, on behalf of the Board of Directors, to express our heartfelt thanks for your willingness to attend this first meeting. I hope that the experiences you will have here will prove rewarding to you, given the interest you have shown today by attending. With this in mind, I thank you on behalf of the Board of Directors of the Waldorf School Association for your attendance, and I hereby close the first regular general meeting of members.
