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The Rudolf Steiner Archive

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Rudolf Steiner in the Waldorf School
GA 298

11 June 1921, Stuttgart

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8. Ansprache bei der Feier zum Abschluss des zweiten Schuljahres

8. Speech at the Ceremony Marking the End of the Second School Year

[ 1 ] Meine lieben Kinder! Zu euch habe ich zuerst zu sprechen. Ihr habt ein Schuljahr hinter euch. Als ihr in die Klassen, in denen ihr jetzt seid, eintratet, da wart ihr ein Jahr jünger, jetzt seid ihr ein Jahr älter geworden. Das kann euch daran erinnern, wie ihr immer älter werdet, und das wird euch darauf bringen, daß ihr einmal aus Kindern große Menschen werdet, Menschen, die in der Welt werden tüchtig sein müssen, damit sie arbeiten können, damit sie dasjenige, was die Welt und was andere Menschen von ihnen verlangen, wirklich auch ausführen können.

[ 1 ] My dear children! I must speak to you first. You have completed another school year. When you entered the classes you are in now, you were a year younger; now you are a year older. This can remind you that you are growing older all the time, and it will lead you to realize that one day you will grow from children into adults—people who must be capable in the world so that they can work and truly accomplish what the world and other people expect of them.

[ 2 ] Nun erinnert euch daran, wie ihr ganz klein wart. Ihr wart alle einmal ganz kleine Babys, erinnert euch daran, die nicht haben sprechen können. Ihr habt sprechen gelernt, ihr habt manches andere gelernt. Als ihr schon manches gelernt hattet, da kamt ihr zu uns in die Schule. Eure Eltern haben euch zu uns in die Schule getan. Denkt an diese eure Eltern, sie haben an euch gedacht. Als ihr Babys wart, als ihr ganz kleine Kinder wart, da haben die Eltern sich gesorgt darüber: Was wird aus meinem Knaben, oder was wird aus meinem Mädchen werden? Werden sie einmal tüchtige Menschen werden, so daß ich selbst - so sagte der Vater, und so sagte die Mutter -, wenn ich einmal alt sein werde, mit Zuversicht hinblicken kann auf meine Kinder? - Und seht, ihr lieben Kinder, damit ihr solche Menschen werdet, haben euch eure Eltern hierhergebracht; ihr wart das Allerliebste, das eure Eltern gehabt haben. Eure Eltern haben sich gesorgt: Wird mein Kind ein tüchtiger Mensch werden? - Und weil sie geglaubt haben, daß in der Waldorfschule solche Lehrer sind, die aus den Kindern tüchtige Menschen machen können, haben euch eure Eltern hierhergebracht in diese Waldorfschule.

[ 2 ] Now think back to when you were very little. You were all once very tiny babies—remember that—who couldn’t speak. You learned to speak, and you learned many other things. Once you had already learned quite a bit, you came to us at school. Your parents sent you to our school. Think of your parents—they thought of you. When you were babies, when you were very little children, your parents worried: “What will become of my son, or what will become of my daughter?” Will they one day become capable people, so that I myself—as the father said, and as the mother said—when I am old, can look upon my children with confidence?—And look, dear children, so that you might become such people, your parents brought you here; you were the dearest thing your parents ever had. Your parents worried: “Will my child become a capable person?”—And because they believed that the Waldorf School has teachers who can help children become capable people, your parents brought you here to this Waldorf School.

[ 3 ] Denkt daran, daß ihr lernen müßt! Eure Eltern haben euch hierhergebracht, haben euch zu euren lieben Lehrern gegeben. Ihr aber müßt euren Eltern jeden Tag und namentlich am Ende eines jeden Jahres ein Geschenk nach Hause bringen, ein Geschenk, das eure Eltern so sehr lieben, wenn es ein gutes Geschenk sein wird, so daß sie sagen können: Mein Bub oder mein Mädchen hat etwas Ordentliches gelernt. - Das müßt ihr als etwas recht Schönes betrachten, wenn ihr am Ende des Schuljahres nach Hause gehen könnt und sagen könnt: Vater und Mutter, ich habe mich recht angestrengt, um etwas recht Gutes zu . lernen. - Dann, meine lieben Kinder, dann habt ihr euren Eltern eine große Sorge abgenommen und eine große Freude gemacht. Daran wollen wir heute ganz besonders denken. Wir wollen daran denken, daß wir hier als Kinder in der Schule sind, damit wir unseren Eltern dasjenige erfüllen, was sie sich vorgenommen haben, was sie vorausgesetzt haben, als sie uns hierher gebracht haben.

[ 3 ] Remember that you must study! Your parents brought you here and entrusted you to your dear teachers. But you must bring your parents a gift home every day—and especially at the end of each year—a gift that your parents will love so much, if it is a good gift, that they can say: “My son or my daughter has learned something worthwhile.”—You should consider it a truly wonderful thing when, at the end of the school year, you can go home and say: “Father and Mother, I’ve worked really hard to learn something really good.”—Then, my dear children, you will have relieved your parents of a great worry and brought them great joy. Let’s think about that very especially today. Let’s remember that we are here at school as children so that we can fulfill for our parents what they set out to do, what they expected when they brought us here.

[ 4 ] Dann wollen wir daran denken, daß wir mit jedem Jahre älter werden, daß wir einmal erwachsene Menschen sein werden. Und da kommt das Leben mit seinen Schmerzen, mit seinem Schicksal, mit seiner Freude, da kommt aber auch das Leben mit seiner Arbeit. Das Leben, meine lieben Kinder, wird viel von euch verlangen. Das Leben wird für euch ganz besondere Voraussetzungen haben. Nun, meine lieben Kinder, eines wird euch immer Kraft geben, eines wird euch immer Sonne geben: wenn Ihr euch erinnern könnt, wie ihr hier in der Schule wart, wie ihr eure Lehrer allmählich lieber und lieber gewonnen habt. Ihr habt doch eure Lehrer sehr lieb? [Ja! - antworten die Kinder.] Wenn ihr später zurückdenken könnt: Da habe ich etwas gelernt, da war einmal ein schöner Tag, da hat der Lehrer lieb zu mir gesprochen, dahabe ich in der Schule eine rechte Freude gehabt - da werdet ihr wirklich eine Sonne haben, die ins Leben hineinstrahlt. Wenn ihr einmal ganz alt seid und graue Haare habt, könnt ihr euch zurückerinnern, wie ihr etwas Schönes erlernt habt. Wenn ihr euch recht erinnert, wie ihr inderSchule wart, werdet ihr sehen: das gibt Kraft, davon hat man etwas bis zu seinem Tode.

[ 4 ] Let us remember, then, that we grow older with each passing year, that one day we will be adults. And with that comes life—with its sorrows, its fate, and its joys—but life also brings its share of work. Life, my dear children, will demand a great deal from you. Life will place very special demands on you. Well, my dear children, one thing will always give you strength, one thing will always bring you sunshine: if you can remember what it was like here at school, how you gradually grew to love your teachers more and more. You do love your teachers very much, don’t you? [Yes!—the children reply.] If later on you can look back and think: “There I learned something,” “That was a wonderful day,” “The teacher spoke kindly to me,” “I truly enjoyed being at school”—then you will truly have a ray of sunshine that shines into your lives. When you’re very old one day and have gray hair, you’ll be able to look back on how you learned something wonderful. If you remember clearly what it was like to be at school, you’ll see: it gives you strength—something that stays with you until the day you die.

[ 5 ] Es gibt etwas, das die Erinnerung nicht lieb macht, das die Erinnerung trübt, wenn wir denken müssen: Ach, da war ich ein fauler Kerl! - Das ist nicht gut im späteren Leben, wenn man daran denken muß, wie man ein fauler Kerl war, das wirkt sehr schlimm im Leben, wenn man sich daran erinnern muß, daß man nicht den Lehrer, die Lehrerin geliebt hat, daß? man nicht den Gegenstand oder das, was auf der Tafel stand, was gesagt wurde und was vorgelesen worden ist, geliebt hat. Es ist immer wunderschön, wenn man sich später erinnern kann, wie man fleißig war, wie man den Lehrer oder die Lehrerin geliebt hat. Es ist etwas Schmerzliches, wenn man sich sagen muß: Da war ich ein fauler Junge. Wenn ich nicht ein fauler Junge gewesen wäre, so wäre ich jetzt ein geschickter Mensch. - Die Faulheit hat euch vielleicht Vergnügen gemacht; später werdet ihr es bitter bereuen, wenn ihr faul gewesen seid. Ebenso werdet ihr nichts verstehen vom Leben, wenn ihr unaufmerksam gewesen seid; das ganze Leben wird euch dann sein wie eine Sonne, vor der eine gelbe Wolke steht, die alle Welt mit Hagel bedeckt. So wird das sein, wenn ihr euch erinnern müßt: Ihr habt die Lehrer nicht geliebt oder dasjenige, was euch gelehrt worden ist. Wenn ihr das bedenkt, dann wird das ein guter Gedanke sein, wenn ihr an Fleiß und Aufmerksamkeit und Liebe denkt.

[ 5 ] There’s something that makes memories unpleasant, that clouds them, when we have to think: “Oh, I was such a lazybones back then!” - That’s not good later in life, when you have to think about how lazy you were; it has a very negative effect on your life when you have to remember that you didn’t love your teacher, that you didn’t love the subject or what was on the board, what was said, and what was read aloud. It’s always wonderful when, later on, you can remember how hardworking you were, how much you loved your teacher. It’s painful when you have to tell yourself: “Back then, I was a lazy boy.” If I hadn’t been a lazy boy, I’d be a capable person now. - Laziness may have given you pleasure; later, you will bitterly regret it if you were lazy. Likewise, you will understand nothing of life if you were inattentive; your whole life will then be like a sun obscured by a yellow cloud that covers the whole world with hail. That is how it will be when you have to remember: You did not love your teachers or what was taught to you. When you reflect on this, it will be a good thought to remember diligence, attentiveness, and love.

[ 6 ] Das ist dasjenige, weswegen ihr hier seid. Ihr seid hier, um tüchtige, kraftvolle Menschen im Leben zu werden; das könnt ihr nur werden, wenn ihr euch so erinnert an eure Kindheit, daß ihr euch sagen könnt: Ich habe mich angestrengt, aufmerksam zu sein und liebevoll zu sein zu meinen Lehrgegenständen und zu meinen Lehrern. - Das ist dasjenige, was ihr in jeder Stunde fühlen sollt. Wenn ihr des Morgens in die Schule hereinkommt, wenn ihr den Morgenspruch sagt, dann sollt ihr euch erinnern: Ich bin da, um ein tüchtiger Mensch zu werden. - Wenn ihr aus der Schule nach Hause geht, dann sollt ihr daran denken: Jede Minute ist verloren, in der ich nicht fleißig, aufmerksam und liebevoll gewesen bin, weil ich meinen Eltern schwere Sorge bereite. - Das Beste, was ihr euren Eltern mitbringen könnt, ist, daß eure Eltern, wenn sie euch zurückkommen sehen, sich sagen: Ich sehe es meinem Kinde an, daß es heute etwas Ordentliches aus der Schule mitbringt. - Denkt daran, daß ihr so aus der Schule zu euren Eltern nach Hause kommt, daß sie sich sagen: Das werden einmal tüchtige Menschen sein. - Das möchte ich zu euch, meine lieben Kinder, sagen, weil jedes Schuljahr uns älter macht, und wir uns erinnern, wie wir älter werden.

[ 6 ] That is why you are here. You are here to become capable, powerful people in life; you can only become that if you remember your childhood in such a way that you can say to yourselves: I made an effort to be attentive and loving toward my subjects and my teachers. - That is what you should feel in every moment. When you come into school in the morning, when you recite the morning prayer, you should remember: “I am here to become a capable person.” - When you go home from school, you should think: Every minute I haven’t been diligent, attentive, and loving is a minute lost, because I’m causing my parents great worry. - The best thing you can bring home to your parents is for them, when they see you return, to say to themselves: “I can tell by the look on my child’s face that they’ve brought something worthwhile home from school today.” - Remember that when you come home from school to your parents, they should say to themselves: “These will one day be capable people.” - This is what I want to say to you, my dear children, because every school year makes us older, and we remember how we are growing older.

[ 7 ] Nachdem ich zu den Kindern gesprochen habe, möchte ich ein kurzes Wort über die Köpfe der Kinder hinweg zu den lieben Eltern der Kinder sprechen. Dasjenige, was uns hier in der Schule als Lehrerschaft vereint, ist die Erkenntnis, daß durch alles menschliche Wirken ein GöttlichGeistiges durchgeht, daß der Mensch sich diesem Göttlich-Geistigen hingeben kann, sich besonders hingeben muß bei einer solchen Aufgabe, wie sie dem Lehrer erwächst. Unsere Lehrer müssen sich immer bewußt sein, daß ihre Aufgabe ein Herabrufen des Geistes der Welt in die Schule hinein ist, und sie müssen in diesem Bewußtsein leben. Dies Bewußtsein, meine sehr verehrten Anwesenden, begründet in unserer Lehrerschaft am besten jenes notwendige Verhältnis zu den Eltern der Schulkinder. Dies Verhältnis soll so sein, daß wir wirklich als Lehrer mit den Eltern recht zusammen denken, harmonisch zusammen empfinden, daß wir dasjenige in der Schule wollen, was die Eltern selbst mit ihren verkörperten Idealen, mit ihren lieben Kindern wollen. Das insbesondere hämmert unseren Lehrern ihre Weltanschauung jeden Morgen ins Herz und in die Seele hinein. Unsere Lehrer lernen, indem sie auf die Seelen der Kinder hinsehen, den Wert der Menschenseele am Kinde erkennen. Daher wissen sie es, was Ihr ihnen gebracht habt, indem Ihr Eure Kinder gebracht habt und damit die Gabe ins Schulhaus getragen habt, um den Geist in Menschenseelen einführen zu können. In diesem tiefen, dankbaren, wohlwollenden Gefühl empfangen unsere Lehrer dasjenige, was Ihr als Euer Liebstes ins Schulhaus hineinbringt. Daraus entspringt das Bestreben dieser Lehrer, in Dankbarkeit und Liebe Euch nach ihren Kräften zurückzugeben, was Ihr selbst gegeben habt, in den Seelen, die Ihr wiederum schaut, wenn Eure Kinder zu Euch nach Hause kommen, oder wenn sie ins Leben hinaus entlassen werden sollen. In diesem menschlichen Entwickelungsglauben empfangen unsere Lehrer eine Gabe von Euch. Eine Gegengabe möchten sie geben, indem sie Eure Kinder zu guten Menschen machen. Dazu bedarf es des vollen Einverständnisses mit Euch. Daher können die verehrten Anwesenden überzeugt sein, daß, wenn Sie als Eltern nach diesem Einverständnis streben, wenn Sie es in der rechten Weise harmonisch zusammenfühlend zum Ausdruck bringen, wie es jüngst geschehen ist, daß dann unsere Lehrer fühlen - was auch sonst wirken möge an Gegnerschaft und Feindseligkeit: sie haben sicheren Boden unter den Füßen. In diesem Einklang mit den Eltern mögen die Lehrer den Impuls des Wirkens suchen.

[ 7 ] After speaking to the children, I would like to say a few words over the children’s heads to their dear parents. What unites us here at the school as teachers is the realization that a divine-spiritual element permeates all human activity, that human beings can surrender themselves to this divine-spiritual element—and must do so especially in a task such as that which falls to the teacher. Our teachers must always be aware that their task is to summon the spirit of the world into the school, and they must live with this awareness. This awareness, my esteemed guests, best establishes that necessary relationship between our teaching staff and the parents of the schoolchildren. This relationship should be such that we, as teachers, truly think in unison with the parents and feel in harmony with them, so that what we seek in the school is precisely what the parents themselves—with their embodied ideals and their beloved children—seek. This, in particular, hammers our teachers’ worldview into their hearts and souls every morning. By looking into the souls of the children, our teachers learn to recognize the value of the human soul in the child. That is why they understand what you have given them by bringing your children—and thereby carrying that gift into the school—so that the spirit may be instilled in human souls. It is with this deep, grateful, and benevolent feeling that our teachers receive what you bring into the school as your most cherished possession. From this springs the teachers’ aspiration to give back to you, to the best of their ability and with gratitude and love, what you yourselves have given—in the souls you see once again when your children come home to you, or when they are to be sent out into life. In this belief in human development, our teachers receive a gift from you. They wish to offer a gift in return by helping your children become good people. This requires full agreement with you. Therefore, the esteemed guests here may be assured that if you, as parents, strive for this agreement—if you express it in the right way, with harmonious empathy, as has recently been the case—then our teachers will feel that, no matter what opposition or hostility may otherwise be at work, they have solid ground beneath their feet. In this harmony with the parents, may the teachers seek the impulse to act.

[ 8 ] Ein drittes Wort möchte ich an Euch, meine lieben Lehrer, richten. Ihr seid vereinigt mit dem Geist einer Geistesweltanschauung. Ihr versucht nach den besten Kräften, die in Euch wurzeln, im Sinne nicht einer Weltanschauungsschule, im Sinne der Durchdringung alles Erziehungswesens mit einer durchgeistigten Gesinnung, die Seelen der werdenden Menschen zu erkennen, an diesen Seelen der werdenden Menschen zu arbeiten. Dabei lernt man am besten zwei Dinge kennen, meine lieben Freunde und Freundinnen.

[ 8 ] I would like to address a third message to you, my dear teachers. You are united by the spirit of a spiritual worldview. To the best of your abilities, rooted within you—not in the sense of a particular school of thought, but in the sense of permeating the entire educational system with a spiritually-inspired attitude—you strive to recognize the souls of the developing human beings and to work with these souls. In doing so, my dear friends, you come to understand two things best.

[ 9 ] Das erste ist dasjenige, was in menschlicher Freiheit aus der schöpferischen Kraft, aus dem Inneren herausquillt. Wir lernen allmählich erkennen, wie wir selbst fortwährend von den Kindern lernen müssen, was ihnen frommt. Wir lernen erkennen, daß nur dasjenige, was wir aus der Freiheit erschaffen, was als unser Bestes ersteht im Umgange mit den Kindern, hineinwirkt in die Seele des Kindes. Unsere Schöpferkraft kann uns im besten Sinne des Wortes selbst dazu heranentwickeln; das betrachten wir als unser Bestes in unserer ganzen Arbeit.

[ 9 ] The first is that which springs forth from within, out of creative power, through human freedom. We are gradually learning to recognize how we ourselves must continually learn from the children what is good for them. We are learning to recognize that only what we create out of freedom—what emerges as our very best in our interaction with the children—has a profound effect on the child’s soul. Our creative power can, in the best sense of the word, develop us toward this very end; we regard this as our very best in all our work.

[ 10 ] Der andere Punkt ist der, daß wir gerade aus unserer Weltanschauung heraus eine tiefere Beziehung zur Schicksalsidee gebildet haben. Wir arbeiten künstlerisch an den Seelen der Kinder. Das, woran wir künstlerisch arbeiten, ist nicht so wie das äußere Kunstwerk in Marmor oder Holz, es ist etwas, was sich schicksalsmäßig mit uns verbindet. Wenn wir so am Tage vor unseren Kindern stehen, wenn wir ihnen dasjenige einzuverleiben, einzuseelen, einzugeistigen versuchen, was als rechte Einsicht im Hintergrunde dasteht, verbinden wir uns für eine Ewigkeit schicksalsmäßig mit diesen Seelen, so daß uns im Reiche der Ewigkeit an dem, was wir gebildet haben in den verschiedenen Metamorphosen, die Art, wie wir es gemacht haben, entgegentreten wird. Aus dem Freiheits- und Schicksalsgefühl quillt in einer Weltauffassung, wie wir sie hier haben, die wahre Lehrerverantwortlichkeit. Aus dem Geiste dieser Lehrerverantwortlichkeit heraus haben unsere Freunde und Freundinnen gesprochen vorhin; sie haben zu den Kindern gesprochen und über die Köpfe der Kinder hinweg zu den Eltern. Ich wollte diesen Worten nur einen zusammenfassenden Ausdruck verleihen.

[ 10 ] The other point is that, precisely because of our worldview, we have formed a deeper connection to the idea of destiny. We work artistically with the children’s souls. What we work on artistically is not like an external work of art in marble or wood; it is something that is fatefully connected to us. When we stand before our children each day, when we try to instill in them, to breathe life into them, to imbue them with that which lies in the background as true insight, we bind ourselves fatefully to these souls for all eternity, so that in the realm of eternity, what we have shaped through various metamorphoses the way we have done it will confront us. From the sense of freedom and destiny springs, in a worldview such as we have here, the true responsibility of the teacher. It was in the spirit of this responsibility as teachers that our friends spoke earlier; they spoke to the children and, over the children’s heads, to the parents. I simply wanted to summarize these words.

[ 11 ] Noch einmal sei es euch Kindern gesagt: Kommt mit derselben Liebe und mit derselben Lust zur Aufmerksamkeit im nächsten Schuljahr in die Schule hinein; lernt noch mehr, als ihr es bis jetzt getan habt, eure Lehrer lieben; denkt daran, daß das Sinnen eurer Lehrer Tag und Nacht darauf gerichtet ist, euch zu tüchtigen Menschen zu machen. Eure Lehrer lieben euch, indem sie dadurch, daß sie eure Seelen, eure Geister, eure Leiber bilden, euch zu tüchtigen Menschen machen. Das wollen wir uns recht tief einprägen, indem wir aus diesem Schuljahr hinausgehen. Wir wollen mit der entsprechenden Kraft das nächste Schuljahr recht gut beginnen. Nehmt es euch vor: Ich will fleißig und aufmerksam sein, ich will liebevoll zu den Gegenständen und zu den Lehrern und Lehrerinnen werden. - Es wird gehen, es wird noch besser gehen, als es dieses Jahr gegangen ist.

[ 11 ] Once again, let this be said to you, children: Come to school next year with the same love and the same eagerness to learn; learn to love your teachers even more than you have until now; remember that your teachers’ thoughts are focused day and night on making you capable people. Your teachers love you by shaping your souls, your minds, and your bodies to make you capable people. Let’s take this to heart as we leave this school year behind. Let’s start the next school year off on the right foot with the necessary determination. Make it your resolution: I will be diligent and attentive; I will treat the subjects and my teachers with love. — It will work out; it will go even better than it did this year.