Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Rudolf Steiner in the Waldorf School
GA 298

9 May 1922, Stuttgart

Translate the original German text into any language:

12. Ansprache am Elternabend

12. Ansprache am Elternabend

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Es ist nicht eigentlich ein Vortrag, den ich bei dieser Gelegenheit halten möchte, sondern ich möchte Veranlassung geben zu einer möglichst weitgehenden Verständigung der an der Führung und an dem Wirken der Waldorfschule Beteiligten und der Elternschaft unserer Schule. Das ist aus dem Grunde, weil ich tatsächlich diese Verständigung, dieses Zusammenwirken der Lehrer und anderer Persönlichkeiten, die an der Führung der Waldorfschule beteiligt sind, und der Eltern für etwas außerordentlich Notwendiges und Bedeutungsvolles halte.

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Es ist nicht eigentlich ein Vortrag, den ich bei dieser Gelegenheit halten möchte, sondern ich möchte Veranlassung geben zu einer möglichst weitgehenden Verständigung der an der Führung und an dem Wirken der Waldorfschule Beteiligten und der Elternschaft unserer Schule. Das ist aus dem Grunde, weil ich tatsächlich diese Verständigung, dieses Zusammenwirken der Lehrer und anderer Persönlichkeiten, die an der Führung der Waldorfschule beteiligt sind, und der Eltern für etwas außerordentlich Notwendiges und Bedeutungsvolles halte.

[ 2 ] Gestatten Sie mir, daß ich dabei von einem Erlebnis ausgehe, das ich erst jüngst hatte, um an diesem Erlebnis zu veranschaulichen, wie wichtig die Frage ist, auf die ich hingedeutet habe. Ich habe ja in den letzten Wochen die Aufgabe gehabt, mitzuwirken bei der zum Geburtstag von Shakespeare veranstalteten Feier in Stratford on Avon in England. Und diese Shakespeare-Festlichkeit war eigentlich eine solche, die ganz unter dem Eindruck und Einfluß stand von Erziehungsfragen. Sie war veranstaltet von Persönlichkeiten, die an Kinder- und Volkserziehung tief interessiert sind. Man kann auch sagen, bei dieser ganzen Festlichkeit stand gewissermaßen die Welt der Shakespeareschen Kunst nur im Hintergrund, denn dasjenige, was verhandelt worden ist, waren Erziehungsfragen der Gegenwart. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich auch eine der kleinen, oder vielleicht einmal sogar großen Auswirkungen jenes pädagogischen Kurses, den ich zu Weihnachten an unserem Goetheanum in Dornach gehalten habe, und an dem gerade Persönlichkeiten teilnahmen, die mitzuwirken hatten an dieser Shakespeare-Festlichkeit.

[ 2 ] Gestatten Sie mir, daß ich dabei von einem Erlebnis ausgehe, das ich erst jüngst hatte, um an diesem Erlebnis zu veranschaulichen, wie wichtig die Frage ist, auf die ich hingedeutet habe. Ich habe ja in den letzten Wochen die Aufgabe gehabt, mitzuwirken bei der zum Geburtstag von Shakespeare veranstalteten Feier in Stratford on Avon in England. Und diese Shakespeare-Festlichkeit war eigentlich eine solche, die ganz unter dem Eindruck und Einfluß stand von Erziehungsfragen. Sie war veranstaltet von Persönlichkeiten, die an Kinder- und Volkserziehung tief interessiert sind. Man kann auch sagen, bei dieser ganzen Festlichkeit stand gewissermaßen die Welt der Shakespeareschen Kunst nur im Hintergrund, denn dasjenige, was verhandelt worden ist, waren Erziehungsfragen der Gegenwart. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich auch eine der kleinen, oder vielleicht einmal sogar großen Auswirkungen jenes pädagogischen Kurses, den ich zu Weihnachten an unserem Goetheanum in Dornach gehalten habe, und an dem gerade Persönlichkeiten teilnahmen, die mitzuwirken hatten an dieser Shakespeare-Festlichkeit.

[ 3 ] Nun gibt es da in der Nähe von London ein Erziehungsinternat. Es hat noch keine besondere Größe, aber dieses Erziehungsinternat wird geleitet von einer Persönlichkeit, die bei dem Dornacher Kurs anwesend war und von dort her die Anregung mitgenommen hat, in dieses Erziehungsinternat, vielleicht sogar bei einer Vergrößerung desselben, dasjenige, was wir jetzt nennen dürfen die Waldorfpädagogik, das Waldorf-Erziehungswesen einzuführen. Wir wurden eingeladen, diese Erziehungsanstalt anzusehen. Dabei kamen die verschiedenen Fragen zur Sprache, die die gegenwärtige Leitung betreffen, und dasjenige, was getan werden könnte, um den Geist des hier in der Waldorfschule gepflegten Erziehungswesens dorthin zu übertragen.

[ 3 ] Nun gibt es da in der Nähe von London ein Erziehungsinternat. Es hat noch keine besondere Größe, aber dieses Erziehungsinternat wird geleitet von einer Persönlichkeit, die bei dem Dornacher Kurs anwesend war und von dort her die Anregung mitgenommen hat, in dieses Erziehungsinternat, vielleicht sogar bei einer Vergrößerung desselben, dasjenige, was wir jetzt nennen dürfen die Waldorfpädagogik, das Waldorf-Erziehungswesen einzuführen. Wir wurden eingeladen, diese Erziehungsanstalt anzusehen. Dabei kamen die verschiedenen Fragen zur Sprache, die die gegenwärtige Leitung betreffen, und dasjenige, was getan werden könnte, um den Geist des hier in der Waldorfschule gepflegten Erziehungswesens dorthin zu übertragen.

[ 4 ] Es kam eine Frage ganz besonders zur Besprechung, und das war diese, daß die leitenden Persönlichkeiten sagten: Ja, mit den Kindern würden wir eigentlich recht gut fertig; wir bekommen jedes Jahr die kleine Anzahl von Kindern herein, welche uns auch zu halten möglich ist bei der Größe unserer Anstalt. Aber das Schwierigste ist das Zusammenwirken mit den Eltern. Schwierig aus dem Grunde, weil nun einmal in der älteren Generation überall - das ist durchaus eine internationale Angelegenheit — heute ganz bestimmte Ansichten vorhanden sind, so und so muß die Erziehung verlaufen. Es gibt manche Veranlassung dazu, daß die Eltern ihre Kinder in diese oder jene Anstalt geben. Wenn es sich wirklich darum handelt, daß ein wenig abgewichen werden soll von dem, in was man sich eingelebt hat, dann entsteht sehr leicht die Uneinigkeit der Schule mit den Eltern. Und das ist etwas, was gerade in einem freien Schulwesen wirklich nicht zu ertragen ist. Nun liegen dort in dem Schulinternat, von dem ich spreche, ganz besondere Schwierigkeiten nach dieser Richtung vor. Ich will jetzt weder Kritik anlegen, noch will ich etwas empfehlen. Ich will einfach von den Tatsachen sprechen. In diesem Schulinternat gibt es, trotzdem es ein Internat ist, gar keine Bediensteten. Die Schule wird ganz allein von den Kindern und Lehrern versorgt, so daß also von diesen Schülern und Lehrern die Diele gewaschen werden muß, die Teller abgewaschen werden müssen, das Gemüse gepflanzt werden muß, die Hühner versorgt werden müssen, damit sie Eier liefern - ich könnte eine lange Liste aufzählen. Daneben werden alle möglichen Arbeiten von den Kindern gezeigt, so daß man schon den Eindruck hat, da geht es doch anders zu als in manchen anderen Erziehungsinternaten. Die Kinder müssen auch kochen, also alles machen, vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Und daß die Lehrer und Erzieher dabei in einer kräftigen Weise mitwirken, das sieht man der Sache schon an. Nun, ich will das weder empfehlen noch irgendwelche Kritik anlegen. Ich will das nur hinstellen. Dann kommt es vor, wenn die Kinder in den Ferien nach Hause kommen und sagen, was sie tun müssen, daß die Eltern die Ansicht haben, das hätten sie sich nicht vorgestellt, das könnten sie nicht begreifen. Deshalb ist es in diesem Falle recht schwierig, die Eintracht mit den Eltern zu erhalten. - Ich führe den Fall nur an, um auf die Empfindung hinzudeuten, die man hat, wenn es sich um das Ernstnehmen des Erziehungs- und Unterrichtswesens handelt, auf die Empfindung, daß es notwendig ist, in vollem Einklang mit der Elternschaft der Kinder zu wirken und zu arbeiten.

[ 4 ] Es kam eine Frage ganz besonders zur Besprechung, und das war diese, daß die leitenden Persönlichkeiten sagten: Ja, mit den Kindern würden wir eigentlich recht gut fertig; wir bekommen jedes Jahr die kleine Anzahl von Kindern herein, welche uns auch zu halten möglich ist bei der Größe unserer Anstalt. Aber das Schwierigste ist das Zusammenwirken mit den Eltern. Schwierig aus dem Grunde, weil nun einmal in der älteren Generation überall - das ist durchaus eine internationale Angelegenheit — heute ganz bestimmte Ansichten vorhanden sind, so und so muß die Erziehung verlaufen. Es gibt manche Veranlassung dazu, daß die Eltern ihre Kinder in diese oder jene Anstalt geben. Wenn es sich wirklich darum handelt, daß ein wenig abgewichen werden soll von dem, in was man sich eingelebt hat, dann entsteht sehr leicht die Uneinigkeit der Schule mit den Eltern. Und das ist etwas, was gerade in einem freien Schulwesen wirklich nicht zu ertragen ist. Nun liegen dort in dem Schulinternat, von dem ich spreche, ganz besondere Schwierigkeiten nach dieser Richtung vor. Ich will jetzt weder Kritik anlegen, noch will ich etwas empfehlen. Ich will einfach von den Tatsachen sprechen. In diesem Schulinternat gibt es, trotzdem es ein Internat ist, gar keine Bediensteten. Die Schule wird ganz allein von den Kindern und Lehrern versorgt, so daß also von diesen Schülern und Lehrern die Diele gewaschen werden muß, die Teller abgewaschen werden müssen, das Gemüse gepflanzt werden muß, die Hühner versorgt werden müssen, damit sie Eier liefern - ich könnte eine lange Liste aufzählen. Daneben werden alle möglichen Arbeiten von den Kindern gezeigt, so daß man schon den Eindruck hat, da geht es doch anders zu als in manchen anderen Erziehungsinternaten. Die Kinder müssen auch kochen, also alles machen, vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Und daß die Lehrer und Erzieher dabei in einer kräftigen Weise mitwirken, das sieht man der Sache schon an. Nun, ich will das weder empfehlen noch irgendwelche Kritik anlegen. Ich will das nur hinstellen. Dann kommt es vor, wenn die Kinder in den Ferien nach Hause kommen und sagen, was sie tun müssen, daß die Eltern die Ansicht haben, das hätten sie sich nicht vorgestellt, das könnten sie nicht begreifen. Deshalb ist es in diesem Falle recht schwierig, die Eintracht mit den Eltern zu erhalten. - Ich führe den Fall nur an, um auf die Empfindung hinzudeuten, die man hat, wenn es sich um das Ernstnehmen des Erziehungs- und Unterrichtswesens handelt, auf die Empfindung, daß es notwendig ist, in vollem Einklang mit der Elternschaft der Kinder zu wirken und zu arbeiten.

[ 5 ] Nun, wir sind selbstverständlich in der Waldorfschule in einer anderen Lage. Wir haben kein Internat, wir haben eine Schule und haben den Unterricht zu erteilen und während des Unterrichtserteilens selbstverständlich das erzieherische Prinzip ins Auge zu fassen. Aber dennoch, dessen können Sie versichert sein: als ein Grundelement für alles, was wir in der Waldorfschule als unsere Aufgabe betrachten, müssen wir ansehen das Zusammenarbeiten mit der Elternschaft. Es ergeben sich fortwährend im Laufe der Schulführung unzählige Fragen mit Bezug auf das Wohl und Wehe, auf den guten Fortgang und auf die Gesundheit, die leibliche und seelische Gesundheit, es ergeben sich fortwährend unzählige Fragen, die nur im Verein mit den Eltern zu lösen sind. Deshalb müßte es eigentlich - und es wird ja den Verhältnissen Rechnung getragen werden müssen — immer nötiger und nötiger werden, diese Elternabende auszubauen und zu einer öfteren Erscheinung in unserer Schulführung zu machen.

[ 5 ] Nun, wir sind selbstverständlich in der Waldorfschule in einer anderen Lage. Wir haben kein Internat, wir haben eine Schule und haben den Unterricht zu erteilen und während des Unterrichtserteilens selbstverständlich das erzieherische Prinzip ins Auge zu fassen. Aber dennoch, dessen können Sie versichert sein: als ein Grundelement für alles, was wir in der Waldorfschule als unsere Aufgabe betrachten, müssen wir ansehen das Zusammenarbeiten mit der Elternschaft. Es ergeben sich fortwährend im Laufe der Schulführung unzählige Fragen mit Bezug auf das Wohl und Wehe, auf den guten Fortgang und auf die Gesundheit, die leibliche und seelische Gesundheit, es ergeben sich fortwährend unzählige Fragen, die nur im Verein mit den Eltern zu lösen sind. Deshalb müßte es eigentlich - und es wird ja den Verhältnissen Rechnung getragen werden müssen — immer nötiger und nötiger werden, diese Elternabende auszubauen und zu einer öfteren Erscheinung in unserer Schulführung zu machen.

[ 6 ] Unsere Waldorfschule soll ja nicht nur ihrem Titel nach, sondern ihrem ganzen Wesen nach eine freie Schule sein, und gerade weil sie eine solche freie Schule sein soll, sind wir auf die Hilfe der Elternschaft in einem ganz außerordentlich hohen Grade angewiesen. Es ist meine Überzeugung, daß es eigentlich bei allen Eltern nur eben die tiefste Befriedigung wird hervorrufen können, wenn in uns das Verlangen nach dem Zusammenwirken mit der Elternschaft besteht.

[ 6 ] Unsere Waldorfschule soll ja nicht nur ihrem Titel nach, sondern ihrem ganzen Wesen nach eine freie Schule sein, und gerade weil sie eine solche freie Schule sein soll, sind wir auf die Hilfe der Elternschaft in einem ganz außerordentlich hohen Grade angewiesen. Es ist meine Überzeugung, daß es eigentlich bei allen Eltern nur eben die tiefste Befriedigung wird hervorrufen können, wenn in uns das Verlangen nach dem Zusammenwirken mit der Elternschaft besteht.

[ 7 ] Eine freie Schule ist die Waldorfschule. Sehen Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, was eigentlich eine freie Schule bedeuten soll, das ist ja etwas, was immer wieder und wieder gesagt werden muß, und was gar nicht stark genug gesagt werden kann, aus dem einfachen Grunde, weil kaum heute es in weiteren Kreisen möglich ist, das völlige Bedürfnis nach einer solchen freien Schule zu haben. Wir haben das Vorurteil von Jahrhunderten gegen uns, namentlich in der folgenden Weise:

[ 7 ] Eine freie Schule ist die Waldorfschule. Sehen Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, was eigentlich eine freie Schule bedeuten soll, das ist ja etwas, was immer wieder und wieder gesagt werden muß, und was gar nicht stark genug gesagt werden kann, aus dem einfachen Grunde, weil kaum heute es in weiteren Kreisen möglich ist, das völlige Bedürfnis nach einer solchen freien Schule zu haben. Wir haben das Vorurteil von Jahrhunderten gegen uns, namentlich in der folgenden Weise:

[ 8 ] Man braucht nicht weit zurückzuschauen in der Entwickelung der Menschheit, da war bis zu einem recht hohen Grade das Schulwesen, namentlich das Volksschulwesen, sehr frei. Aber die damalige Freiheit dieses Schulwesens hatte dazu geführt, daß es sehr viele Analphabeten gab, daß eine Schulerziehung nur von einzelnen Menschen gesucht worden ist. Nun kam im Laufe der Menschheitsentwickelung in den zivilisierten Gebieten immer mehr das Verlangen herauf, eine gewisse Bildungsgrundlage für das soziale Leben zu fordern. Ich kann jetzt nicht ausführen, wodurch es gekommen ist, daß das Verlangen auftauchte, eine gewisse Bildungsgrundlage zu fordern für das soziale Leben; aber dieses Verlangen kam in einer Zeit herauf, in der die Menschen ihrer Hinneigung zu den alten Göttern abgeschworen hatten und nun von einem Gotte allen Segen und alles Gute für die Entwickelung der Menschheit erwarteten, von dem Gotte Staat. Und insbesondere in Mitteleuropa war ja die Gegend, in der man ganz besonders stark darauf erpicht war, in diesem Gotte Staat nun nicht nur alles mögliche andere Heilsame zu sehen, sondern auch das Heilsame für die Kindererziehung.

[ 8 ] Man braucht nicht weit zurückzuschauen in der Entwickelung der Menschheit, da war bis zu einem recht hohen Grade das Schulwesen, namentlich das Volksschulwesen, sehr frei. Aber die damalige Freiheit dieses Schulwesens hatte dazu geführt, daß es sehr viele Analphabeten gab, daß eine Schulerziehung nur von einzelnen Menschen gesucht worden ist. Nun kam im Laufe der Menschheitsentwickelung in den zivilisierten Gebieten immer mehr das Verlangen herauf, eine gewisse Bildungsgrundlage für das soziale Leben zu fordern. Ich kann jetzt nicht ausführen, wodurch es gekommen ist, daß das Verlangen auftauchte, eine gewisse Bildungsgrundlage zu fordern für das soziale Leben; aber dieses Verlangen kam in einer Zeit herauf, in der die Menschen ihrer Hinneigung zu den alten Göttern abgeschworen hatten und nun von einem Gotte allen Segen und alles Gute für die Entwickelung der Menschheit erwarteten, von dem Gotte Staat. Und insbesondere in Mitteleuropa war ja die Gegend, in der man ganz besonders stark darauf erpicht war, in diesem Gotte Staat nun nicht nur alles mögliche andere Heilsame zu sehen, sondern auch das Heilsame für die Kindererziehung.

[ 9 ] Man ging einmal von dem wie selbstverständlich angesehenen Grundsatze aus: Parlament, große Ratsversammlung und so weiter, das sind Veranstaltungen, wo die Genialität blüht. Auch dann, wenn die einzelnen, die beteiligt sind an dieser Parlamentsversammlung, einem nicht so als außerordentlich erleuchtet vorkamen. Man hatte die Meinung, wenn die Leute beisammen sind, dann werden sie gescheit. Und dann werden sie über alle Angelegenheiten das Richtige bestimmen können.

[ 9 ] Man ging einmal von dem wie selbstverständlich angesehenen Grundsatze aus: Parlament, große Ratsversammlung und so weiter, das sind Veranstaltungen, wo die Genialität blüht. Auch dann, wenn die einzelnen, die beteiligt sind an dieser Parlamentsversammlung, einem nicht so als außerordentlich erleuchtet vorkamen. Man hatte die Meinung, wenn die Leute beisammen sind, dann werden sie gescheit. Und dann werden sie über alle Angelegenheiten das Richtige bestimmen können.

[ 10 ] Einzelne Menschen zwar, die auch eine recht gute, tiefe Kenntnis hatten, wie zum Beispiel der Dichter Rosegger, die hatten - verzeihen Sie, daß ich solch ein Wort erwähne - eine andere Meinung. Rosegger hat den Spruch geprägt: «Oaner is a Mensch; mehrere san Leit; vüle, dös san Viecher.»

[ 10 ] Einzelne Menschen zwar, die auch eine recht gute, tiefe Kenntnis hatten, wie zum Beispiel der Dichter Rosegger, die hatten - verzeihen Sie, daß ich solch ein Wort erwähne - eine andere Meinung. Rosegger hat den Spruch geprägt: «Oaner is a Mensch; mehrere san Leit; vüle, dös san Viecher.»

[ 11 ] Das ist ein bißchen radikal ausgedrückt, aber jedenfalls widerspricht es der Meinung, die sich gerade in den letzten Jahrhunderten herausgebildet hat, daß man in all dem, was staatsähnlich ist, das finden könne, was das Richtige in bezug auf Kindererziehung feststellen könnte. Und so ist schon unser Schulwesen einfach im Glauben nach und nach herangewachsen, daß es gar nicht anders sein könne, als daß von der staatlichen Gemeinschaft aus alles für das Schulwesen eben auch bestimmt würde.

[ 11 ] Das ist ein bißchen radikal ausgedrückt, aber jedenfalls widerspricht es der Meinung, die sich gerade in den letzten Jahrhunderten herausgebildet hat, daß man in all dem, was staatsähnlich ist, das finden könne, was das Richtige in bezug auf Kindererziehung feststellen könnte. Und so ist schon unser Schulwesen einfach im Glauben nach und nach herangewachsen, daß es gar nicht anders sein könne, als daß von der staatlichen Gemeinschaft aus alles für das Schulwesen eben auch bestimmt würde.

[ 12 ] Nun, eine freie Schule ist diejenige, welche den Lehrenden und Erziehenden alles dasjenige ermöglicht, was sie aus ihrer Menschenerkenntnis heraus, aus ihrer Welterkenntnis heraus, aus ihrer Kinderliebe heraus unmittelbar für das Wesentliche halten, was hineingetragen werden soll ins Erziehungswesen. — Eine unfreie Schule ist diejenige, wo der Lehrer fragen muß: Was ist vorgeschrieben für die erste Klasse, was ist vorgeschrieben für die zweite Klasse, wie muß die Stunde eingeordnet werden nach dem Gesetz?

[ 12 ] Nun, eine freie Schule ist diejenige, welche den Lehrenden und Erziehenden alles dasjenige ermöglicht, was sie aus ihrer Menschenerkenntnis heraus, aus ihrer Welterkenntnis heraus, aus ihrer Kinderliebe heraus unmittelbar für das Wesentliche halten, was hineingetragen werden soll ins Erziehungswesen. — Eine unfreie Schule ist diejenige, wo der Lehrer fragen muß: Was ist vorgeschrieben für die erste Klasse, was ist vorgeschrieben für die zweite Klasse, wie muß die Stunde eingeordnet werden nach dem Gesetz?

[ 13 ] Eine freie Schule ist eine solche, wo die Lehrer eine ganz bestimmte, ihrem Wirken zugrunde liegende Erkenntnis haben von dem, wie ein Kind heranwächst, welche körperlichen und seelischen Kräfte in ihm liegen, welche körperlichen und seelischen Kräfte in dem Kinde entwikkelt werden müssen; wo der Lehrer das, was er jeden Tag und jede Stunde machen muß, aus dieser Menschenerkenntnis und aus seiner Kinderliebe heraus einrichten kann. Man hat nicht ein sehr starkes Gefühl davon, wie grundverschieden die unfreie Schule von der freien Schule ist. Denn die wirklich erzieherischen und unterrichtenden Kräfte des Lehrers können sich nur entwickeln in der freien Schule.

[ 13 ] Eine freie Schule ist eine solche, wo die Lehrer eine ganz bestimmte, ihrem Wirken zugrunde liegende Erkenntnis haben von dem, wie ein Kind heranwächst, welche körperlichen und seelischen Kräfte in ihm liegen, welche körperlichen und seelischen Kräfte in dem Kinde entwikkelt werden müssen; wo der Lehrer das, was er jeden Tag und jede Stunde machen muß, aus dieser Menschenerkenntnis und aus seiner Kinderliebe heraus einrichten kann. Man hat nicht ein sehr starkes Gefühl davon, wie grundverschieden die unfreie Schule von der freien Schule ist. Denn die wirklich erzieherischen und unterrichtenden Kräfte des Lehrers können sich nur entwickeln in der freien Schule.

[ 14 ] Weil man gegenwärtig von diesen Dingen eigentlich gar nicht eine wirkliche Empfindung hat, deshalb ist es so schwer, mit dem freien und befreiten Schulwesen wieder weiter zu dringen. Man darf sich gar nicht irgendwelchen Illusionen hingeben. Wenige Stunden, bevor ich hierher gereist bin, bekam ich einen Brief, der mir mitteilt, nachdem lange Zeit gearbeitet worden ist, um in einer anderen Stadt Deutschlands eine ähnliche Schule wie diese Waldorfschule zu errichten, daß diese abgewiesen worden ist. Wir haben darin ein deutliches Zeichen, daß die weitere Entwickelung der Zeit nicht dahin geht, das freie Schulwesen zu fördern. Daher müssen wir - und das ist dasjenige, was ich den Eltern unserer lieben Schulkinder ganz besonders ans Herz legen möchte -, darum müssen wir diese Waldorfschule, die wir jetzt haben, die wir uns errungen haben, in der wirklich aus der freien Kraft der Lehrerschaft heraus die Kinder zu allseitig tüchtigen und gesunden Menschen gemacht werden sollen, wir müssen diese Waldorfschule hegen und pflegen. Wir müssen uns bewußt werden, daß es nicht leicht sein wird, gegenüber den Vorurteilen der Gegenwart irgend etwas zweites Ähnliches zu haben wie diese Waldorfschule. Und dabei dürfen wir schon darauf hinweisen, daß diese Waldorfschule, nachdem sie noch nicht drei Jahre besteht, etwas ist, was gegenwärtig, wir dürfen es sagen, in der ganzen zivilisierten Welt besprochen wird. Denn sehen Sie, es ist immerhin von einer gewissen Bedeutung - denken Sie an dasjenige, was ich über diese Schule in der Nähe von London gesagt habe -, daß sich einige Leute gefunden haben, um dort eine Waldorfschule ins Leben zu rufen.

[ 14 ] Weil man gegenwärtig von diesen Dingen eigentlich gar nicht eine wirkliche Empfindung hat, deshalb ist es so schwer, mit dem freien und befreiten Schulwesen wieder weiter zu dringen. Man darf sich gar nicht irgendwelchen Illusionen hingeben. Wenige Stunden, bevor ich hierher gereist bin, bekam ich einen Brief, der mir mitteilt, nachdem lange Zeit gearbeitet worden ist, um in einer anderen Stadt Deutschlands eine ähnliche Schule wie diese Waldorfschule zu errichten, daß diese abgewiesen worden ist. Wir haben darin ein deutliches Zeichen, daß die weitere Entwickelung der Zeit nicht dahin geht, das freie Schulwesen zu fördern. Daher müssen wir - und das ist dasjenige, was ich den Eltern unserer lieben Schulkinder ganz besonders ans Herz legen möchte -, darum müssen wir diese Waldorfschule, die wir jetzt haben, die wir uns errungen haben, in der wirklich aus der freien Kraft der Lehrerschaft heraus die Kinder zu allseitig tüchtigen und gesunden Menschen gemacht werden sollen, wir müssen diese Waldorfschule hegen und pflegen. Wir müssen uns bewußt werden, daß es nicht leicht sein wird, gegenüber den Vorurteilen der Gegenwart irgend etwas zweites Ähnliches zu haben wie diese Waldorfschule. Und dabei dürfen wir schon darauf hinweisen, daß diese Waldorfschule, nachdem sie noch nicht drei Jahre besteht, etwas ist, was gegenwärtig, wir dürfen es sagen, in der ganzen zivilisierten Welt besprochen wird. Denn sehen Sie, es ist immerhin von einer gewissen Bedeutung - denken Sie an dasjenige, was ich über diese Schule in der Nähe von London gesagt habe -, daß sich einige Leute gefunden haben, um dort eine Waldorfschule ins Leben zu rufen.

[ 15 ] Wir können diese Frage auch von einem viel weiteren Gesichtspunkte betrachten. Dieser Gesichtspunkt ist der, daß wir ja nun immerhin in der Notwendigkeit sind, etwas zu tun dazu, daß das deutsche Wesen in der Welt wiederum seine Stellung bekommt. Deutsches Wesen wird aber, das können Sie versichert sein, seine Bedeutung nur dann bekommen, wenn der geistige Inhalt dieses deutschen Wesens vor allen Dingen zu seiner Geltung in der Welt gebracht wird. Und nach dem wird man, wenn er in der richtigen Weise vor die Welt hingestellt wird, nach dem wird man Verlangen tragen. Man wird sich bewußt werden, daß man ihn braucht.

[ 15 ] Wir können diese Frage auch von einem viel weiteren Gesichtspunkte betrachten. Dieser Gesichtspunkt ist der, daß wir ja nun immerhin in der Notwendigkeit sind, etwas zu tun dazu, daß das deutsche Wesen in der Welt wiederum seine Stellung bekommt. Deutsches Wesen wird aber, das können Sie versichert sein, seine Bedeutung nur dann bekommen, wenn der geistige Inhalt dieses deutschen Wesens vor allen Dingen zu seiner Geltung in der Welt gebracht wird. Und nach dem wird man, wenn er in der richtigen Weise vor die Welt hingestellt wird, nach dem wird man Verlangen tragen. Man wird sich bewußt werden, daß man ihn braucht.

[ 16 ] Dazu ist notwendig, daß wir wirklich in die vollen Tiefen dieses deutschen Wesens hineindringen und aus ihnen heraus schaffen. Und das zeigt sich gerade an einer so vehementen, manchmal tumultuarischen Erziehungsbewegung wie derjenigen, die bei dem Shakespeare-Fest erlebt werden konnte. Da zeigt sich, daß in der ganzen Welt das Bedürfnis vorhanden ist: dem Erziehungswesen müssen neue Impulse eröffnet werden. Das ist eine Angelegenheit der zivilisierten Menschheit, daß es mit den alten Formen nicht mehr weiter geht.

[ 16 ] Dazu ist notwendig, daß wir wirklich in die vollen Tiefen dieses deutschen Wesens hineindringen und aus ihnen heraus schaffen. Und das zeigt sich gerade an einer so vehementen, manchmal tumultuarischen Erziehungsbewegung wie derjenigen, die bei dem Shakespeare-Fest erlebt werden konnte. Da zeigt sich, daß in der ganzen Welt das Bedürfnis vorhanden ist: dem Erziehungswesen müssen neue Impulse eröffnet werden. Das ist eine Angelegenheit der zivilisierten Menschheit, daß es mit den alten Formen nicht mehr weiter geht.

[ 17 ] Es ist so: mit den Dingen, die in der Waldorfschule gepflegt werden, hat man etwas zu sagen auf die Fragen, die in der ganzen Welt in bezug auf das Erziehungs- und Unterrichtswesen aufgeworfen werden. Nur hat man eben auch fast alle Vorurteile der ganzen Welt gegen sich, und immer mehr geht es auf das hinaus, daß wenigstens die untersten Klassen des Volksschulwesens der Freiheit entzogen werden sollen. Es ist außerordentlich schwierig, gegen diese Voruteile anzukämpfen. Die Waldorfschule kann nur dadurch ankämpfen, daß sie wirklich aus der freien Kraft der Lehrerschaft aus den Kindern dasjenige macht, was eben nur aus einer solchen freien Kraft heraus gemacht werden kann.

[ 17 ] Es ist so: mit den Dingen, die in der Waldorfschule gepflegt werden, hat man etwas zu sagen auf die Fragen, die in der ganzen Welt in bezug auf das Erziehungs- und Unterrichtswesen aufgeworfen werden. Nur hat man eben auch fast alle Vorurteile der ganzen Welt gegen sich, und immer mehr geht es auf das hinaus, daß wenigstens die untersten Klassen des Volksschulwesens der Freiheit entzogen werden sollen. Es ist außerordentlich schwierig, gegen diese Voruteile anzukämpfen. Die Waldorfschule kann nur dadurch ankämpfen, daß sie wirklich aus der freien Kraft der Lehrerschaft aus den Kindern dasjenige macht, was eben nur aus einer solchen freien Kraft heraus gemacht werden kann.

[ 18 ] Dazu aber bedürfen wir des innigen, des einträchtigen Zusammenwirkens mit der Elternschaft. Und bei einer der Elternversammlungen, bei der ich schon anwesend sein konnte, habe ich schon darauf hingewiesen, daß wir deshalb, weil wir ein freies Schulwesen anstreben, darauf angewiesen sind, Verständnis, tiefes Verständnis bei der Elternschaft zu finden. Wenn wir dieses Verständnis finden, dann werden wir richtig arbeiten können. Und dann werden wir andererseits vielleicht doch dasjenige, was mit der Waldorfschule gemeint ist, zur Geltung bringen können.

[ 18 ] Dazu aber bedürfen wir des innigen, des einträchtigen Zusammenwirkens mit der Elternschaft. Und bei einer der Elternversammlungen, bei der ich schon anwesend sein konnte, habe ich schon darauf hingewiesen, daß wir deshalb, weil wir ein freies Schulwesen anstreben, darauf angewiesen sind, Verständnis, tiefes Verständnis bei der Elternschaft zu finden. Wenn wir dieses Verständnis finden, dann werden wir richtig arbeiten können. Und dann werden wir andererseits vielleicht doch dasjenige, was mit der Waldorfschule gemeint ist, zur Geltung bringen können.

[ 19 ] Ich habe dazumal betont, wie es unser Bestreben sein muß, wirklich aus der Erkenntnis der kindlichen Wesenheit und kindlichen Körperheit alles dasjenige herauszuholen, was zum Gegenstand des Unterrichts und der Erziehung gemacht werden soll. Eine solche Kinderbeobachtung, weil sie ja eine Menschenbeobachtung ist, eine solche Kinderbeobachtung ist nur möglich, wenn man eine Erkenntnis des ganzen Menschen anstrebt, wie sie angestrebt wird durch die Anthroposophie. Immer wieder müssen wir sagen: Es ist uns gar nicht darum zu tun, etwa Anthroposophie in die Schule hineinzutragen. Darüber werden sich die Eltern nicht zu beklagen haben, daß wir Anthroposophie als Weltanschauung in die Schule hineintragen wollen. Aber gerade so, wie wir es vermeiden, Weltanschauung, Anthroposophie in die Schule hineinzutragen, möchten wir es anstreben, diejenige pädagogische Geschicklichkeit, die nur kommen kann aus anthroposophischer Durchbildung, in der Handhabung des Unterrichts, in der Behandlung des Kindes geltend zu machen. - Wir haben die katholischen Kinder dem katholischen Pfarrer zur Verfügung gestellt, die evangelischen Kinder dem evangelischen Pfarrer, und wir haben den freien Religionsunterricht nur für diejenigen, deren Eltern ihn eben suchen. Auch das ist vollständig freigestellt; er ist eingerichtet nur für die Kinder, die wahrscheinlich in der Mehrzahl sonst überhaupt an keinem Religionsunterricht teilnehmen würden. Also darauf legen wir nicht das Hauptgewicht. Dasjenige, was wir in bezug auf die Weltanschauung zu sagen haben, das ist für Erwachsene.

[ 19 ] Ich habe dazumal betont, wie es unser Bestreben sein muß, wirklich aus der Erkenntnis der kindlichen Wesenheit und kindlichen Körperheit alles dasjenige herauszuholen, was zum Gegenstand des Unterrichts und der Erziehung gemacht werden soll. Eine solche Kinderbeobachtung, weil sie ja eine Menschenbeobachtung ist, eine solche Kinderbeobachtung ist nur möglich, wenn man eine Erkenntnis des ganzen Menschen anstrebt, wie sie angestrebt wird durch die Anthroposophie. Immer wieder müssen wir sagen: Es ist uns gar nicht darum zu tun, etwa Anthroposophie in die Schule hineinzutragen. Darüber werden sich die Eltern nicht zu beklagen haben, daß wir Anthroposophie als Weltanschauung in die Schule hineintragen wollen. Aber gerade so, wie wir es vermeiden, Weltanschauung, Anthroposophie in die Schule hineinzutragen, möchten wir es anstreben, diejenige pädagogische Geschicklichkeit, die nur kommen kann aus anthroposophischer Durchbildung, in der Handhabung des Unterrichts, in der Behandlung des Kindes geltend zu machen. - Wir haben die katholischen Kinder dem katholischen Pfarrer zur Verfügung gestellt, die evangelischen Kinder dem evangelischen Pfarrer, und wir haben den freien Religionsunterricht nur für diejenigen, deren Eltern ihn eben suchen. Auch das ist vollständig freigestellt; er ist eingerichtet nur für die Kinder, die wahrscheinlich in der Mehrzahl sonst überhaupt an keinem Religionsunterricht teilnehmen würden. Also darauf legen wir nicht das Hauptgewicht. Dasjenige, was wir in bezug auf die Weltanschauung zu sagen haben, das ist für Erwachsene.

[ 20 ] Aber dasjenige, was, ich möchte sagen, bis in die Geschicklichkeit der Fingerspitzen hinein Anthroposophie aus einem Menschen machen kann, das macht sie insbesondere gerade aus einem Lehrer, aus einem Erzieher. Und die Behandlung der Kinder, die Behandlung des Lehr- und Erziehungsinhaltes, das ist es, was so erstrebt werden soll, daß die Kinder überall sich wie selbstverständlich hineinfinden in das, was in der Schule vor diese Kinder hingebracht wird. Überall soll sorgfältig erwogen werden: was ist das Richtige für ein bestimmtes kindliches Alter?

[ 20 ] Aber dasjenige, was, ich möchte sagen, bis in die Geschicklichkeit der Fingerspitzen hinein Anthroposophie aus einem Menschen machen kann, das macht sie insbesondere gerade aus einem Lehrer, aus einem Erzieher. Und die Behandlung der Kinder, die Behandlung des Lehr- und Erziehungsinhaltes, das ist es, was so erstrebt werden soll, daß die Kinder überall sich wie selbstverständlich hineinfinden in das, was in der Schule vor diese Kinder hingebracht wird. Überall soll sorgfältig erwogen werden: was ist das Richtige für ein bestimmtes kindliches Alter?

[ 21 ] Sie wissen ja, wir beginnen nicht so mit dem Lesen- und Schreibenlernen, wie das heute vielfach geschieht. Wir entwickeln, indem wir mit dem Schreibenlernen beginnen, die Buchstabenformen, die sonst dem Kinde fremd sind, aus dem heraus, zu dem das Kind mit innerem Behagen sich hinwendet aus einer Art künstlerischer Tätigkeit, künstlerischem Formensinn. Unsere Kinder kommen dadurch etwas später dazu, Schreiben und Lesen zu lernen, weil ja, wenn man die Natur des Kindes berücksichtigt, das Lesen nach dem Schreiben kommen muß.

[ 21 ] Sie wissen ja, wir beginnen nicht so mit dem Lesen- und Schreibenlernen, wie das heute vielfach geschieht. Wir entwickeln, indem wir mit dem Schreibenlernen beginnen, die Buchstabenformen, die sonst dem Kinde fremd sind, aus dem heraus, zu dem das Kind mit innerem Behagen sich hinwendet aus einer Art künstlerischer Tätigkeit, künstlerischem Formensinn. Unsere Kinder kommen dadurch etwas später dazu, Schreiben und Lesen zu lernen, weil ja, wenn man die Natur des Kindes berücksichtigt, das Lesen nach dem Schreiben kommen muß.

[ 22 ] Nun wenden sich die, die in die alten Anschauungen eingewöhnt sind, dagegen und sagen: da lernen die Kinder viel später Lesen und Schreiben als in anderen Schulen. - Warum lernt das Kind in der anderen Schule früher Lesen und Schreiben? Weil man nicht weiß, welches Lebensalter gut ist dazu, um Lesen und Schreiben zu können. Erst legen wir uns die Frage vor, ob es überhaupt berechtigt ist, zu verlangen, daß das Kind schon im achten Jahr mit einer gewissen Fertigkeit lesen können, schreiben können soll.

[ 22 ] Nun wenden sich die, die in die alten Anschauungen eingewöhnt sind, dagegen und sagen: da lernen die Kinder viel später Lesen und Schreiben als in anderen Schulen. - Warum lernt das Kind in der anderen Schule früher Lesen und Schreiben? Weil man nicht weiß, welches Lebensalter gut ist dazu, um Lesen und Schreiben zu können. Erst legen wir uns die Frage vor, ob es überhaupt berechtigt ist, zu verlangen, daß das Kind schon im achten Jahr mit einer gewissen Fertigkeit lesen können, schreiben können soll.

[ 23 ] Wenn man diese Anschauungen weiter ausdehnt, dann entwickeln sich solche weitergehenden Ansichten, wie wir sie in einer merkwürdigen Weise erfahren können. Wer Goethe genau kennt, der kann auch wissen: Wenn man mit dem, was für einen zwölfjährigen Jungen heute schulmäßige Anforderungen sind, an Goethe herangeht und sich fragt, hat Goethe das wirklich so gekonnt? — wird man sehen, er hat es nicht einmal mit sechzehn Jahren gekonnt und ist doch der Goethe geworden. Österreich hatte einen bedeutenden Dichter, Robert Hamerling. Er hat natürlich in seiner Jugend sich nicht vorgenommen, ein Dichter zu werden, das machte sein Genie, aber er wollte Mittelschullehrer werden. Er hatte eine Lehramtsprüfung abgelegt. In seinem Zeugnis steht, daß er im Lateinischen und Griechischen ganz außerordentlich gute Kenntnisse aufgewiesen habe, daß er aber nicht fähig sei, die deutsche Sprache zu handhaben, sondern daß er nur für die unterste Klasse zum Unterricht tauge. Aber er wurde der bedeutendste neuere Dichter Österreichs. Er hat in der deutschen Sprache und nicht in der slowakischen Sprache geschrieben.

[ 23 ] Wenn man diese Anschauungen weiter ausdehnt, dann entwickeln sich solche weitergehenden Ansichten, wie wir sie in einer merkwürdigen Weise erfahren können. Wer Goethe genau kennt, der kann auch wissen: Wenn man mit dem, was für einen zwölfjährigen Jungen heute schulmäßige Anforderungen sind, an Goethe herangeht und sich fragt, hat Goethe das wirklich so gekonnt? — wird man sehen, er hat es nicht einmal mit sechzehn Jahren gekonnt und ist doch der Goethe geworden. Österreich hatte einen bedeutenden Dichter, Robert Hamerling. Er hat natürlich in seiner Jugend sich nicht vorgenommen, ein Dichter zu werden, das machte sein Genie, aber er wollte Mittelschullehrer werden. Er hatte eine Lehramtsprüfung abgelegt. In seinem Zeugnis steht, daß er im Lateinischen und Griechischen ganz außerordentlich gute Kenntnisse aufgewiesen habe, daß er aber nicht fähig sei, die deutsche Sprache zu handhaben, sondern daß er nur für die unterste Klasse zum Unterricht tauge. Aber er wurde der bedeutendste neuere Dichter Österreichs. Er hat in der deutschen Sprache und nicht in der slowakischen Sprache geschrieben.

[ 24 ] An dem Leben müssen eben die pädagogischen Impulse gemessen werden. Und das ist das Wesentliche unserer Pädagogik, daß wir das ganze Leben des Kindes im Auge haben und daß wir wissen: wenn wir dem Kinde etwas im siebenten, achten Lebensjahr beibringen, so muß es so beigebracht werden, daß es mit dem Kinde heranwächst, daß das Kind das noch im dreißigsten, vierzigsten Jahre hat, daß man das ganze Leben etwas hat davon. Sehen Sie, da ist es so, daß gerade diejenigen Kinder, die mit acht Jahren perfekt lesen und schreiben können, daß die mit Bezug auf gewisse innere seelische Gesundheitsimpulse verkümmern. Ja, richtig verkümmern. Es ist ein großes Glück, wenn man mit acht Jahren noch nicht so lesen und schreiben kann, wie es heute verlangt wird. Es ist ein großes Glück für die leibliche und seelische Gesundheit.

[ 24 ] An dem Leben müssen eben die pädagogischen Impulse gemessen werden. Und das ist das Wesentliche unserer Pädagogik, daß wir das ganze Leben des Kindes im Auge haben und daß wir wissen: wenn wir dem Kinde etwas im siebenten, achten Lebensjahr beibringen, so muß es so beigebracht werden, daß es mit dem Kinde heranwächst, daß das Kind das noch im dreißigsten, vierzigsten Jahre hat, daß man das ganze Leben etwas hat davon. Sehen Sie, da ist es so, daß gerade diejenigen Kinder, die mit acht Jahren perfekt lesen und schreiben können, daß die mit Bezug auf gewisse innere seelische Gesundheitsimpulse verkümmern. Ja, richtig verkümmern. Es ist ein großes Glück, wenn man mit acht Jahren noch nicht so lesen und schreiben kann, wie es heute verlangt wird. Es ist ein großes Glück für die leibliche und seelische Gesundheit.

[ 25 ] Was gepflegt werden muß, es muß hervorgeholt werden aus den Bedürfnissen der menschlichen Natur. Man muß dafür ein feines Verständnis haben, nicht nur für dasjenige, was richtig ist. Es ist leicht, sich vor eine Klasse hinzustellen und in einer Weise herauszubekommen: Der sagt etwas Richtiges, der etwas Falsches! - und dann zu korrigieren das Falsche ins Richtige; aber eine eigentlich erzieherische Tätigkeit wird dabei nicht ausgeübt. Es ist ganz unwesentlich für die menschliche Entwickelung des Kindes, wenn man das Kind Aufsätze und Schularbeiten machen läßt und sie korrigiert, und das Kind sich überzeugt, daß es Fehler gemacht hat. Das Wesentliche ist, daß man einen feinen Sinn hat für die Fehler, welche die Kinder machen. Fehler machen die Kinder auf hunderterlei Weise. Jedes Kind macht anders seine Fehler, und wenn man einen feinen Sinn hat dafür, wie verschieden sich die Kinder verhalten mit Bezug auf die Fehler, dann kriegt man heraus, was man zu tun hat, um die Kinder weiter zu bringen.

[ 25 ] Was gepflegt werden muß, es muß hervorgeholt werden aus den Bedürfnissen der menschlichen Natur. Man muß dafür ein feines Verständnis haben, nicht nur für dasjenige, was richtig ist. Es ist leicht, sich vor eine Klasse hinzustellen und in einer Weise herauszubekommen: Der sagt etwas Richtiges, der etwas Falsches! - und dann zu korrigieren das Falsche ins Richtige; aber eine eigentlich erzieherische Tätigkeit wird dabei nicht ausgeübt. Es ist ganz unwesentlich für die menschliche Entwickelung des Kindes, wenn man das Kind Aufsätze und Schularbeiten machen läßt und sie korrigiert, und das Kind sich überzeugt, daß es Fehler gemacht hat. Das Wesentliche ist, daß man einen feinen Sinn hat für die Fehler, welche die Kinder machen. Fehler machen die Kinder auf hunderterlei Weise. Jedes Kind macht anders seine Fehler, und wenn man einen feinen Sinn hat dafür, wie verschieden sich die Kinder verhalten mit Bezug auf die Fehler, dann kriegt man heraus, was man zu tun hat, um die Kinder weiter zu bringen.

[ 26 ] Nicht wahr, mit Bezug auf das Leben sind die Gesichtspunkte, die man hat, verschieden. Der Arzt hat nicht dieselben Gesichtspunkte bezüglich der Krankheit wie der Patient. Vom Patienten kann man nicht verlangen, daß er in ganz bestimmte Krankheiten verliebt ist. Vom Arzt kann man sagen, daß er dann ein richtiger Arzt ist, wenn er die Krankheit liebt. So handelt es sich darum, daß man eine gewisse Verliebtheit hat in die interessanten Fehler, welche die Kinder machen, Dadurch lernt man erst die menschliche Natur kennen. Verzeihen Sie, wenn ich mich radikal ausdrücke. Man muß sich radikal ausdrücken. Für den Lehrer ist es interessanter, die Fehler zu verfolgen, als dasjenige, was die Kinder richtig machen. Von den Fehlern lernt der Lehrer außerordentlich viel.

[ 26 ] Nicht wahr, mit Bezug auf das Leben sind die Gesichtspunkte, die man hat, verschieden. Der Arzt hat nicht dieselben Gesichtspunkte bezüglich der Krankheit wie der Patient. Vom Patienten kann man nicht verlangen, daß er in ganz bestimmte Krankheiten verliebt ist. Vom Arzt kann man sagen, daß er dann ein richtiger Arzt ist, wenn er die Krankheit liebt. So handelt es sich darum, daß man eine gewisse Verliebtheit hat in die interessanten Fehler, welche die Kinder machen, Dadurch lernt man erst die menschliche Natur kennen. Verzeihen Sie, wenn ich mich radikal ausdrücke. Man muß sich radikal ausdrücken. Für den Lehrer ist es interessanter, die Fehler zu verfolgen, als dasjenige, was die Kinder richtig machen. Von den Fehlern lernt der Lehrer außerordentlich viel.

[ 27 ] Aber was braucht man zu alldem? Zu alldem braucht man jene innere tatkräftige Menschen- und Kinderliebe, die für den Lehrer ganz unerläßlich ist. Und da treten dann die unzähligen Fragen auf. Man ist besorgt um die leibliche und seelische Gesundheit dieses und jenes Kindes. Man hat das Kind ein paar Stunden des Tages; man muß für die übrige Zeit das Vertrauen, das volle Vertrauen der Eltern des Kindes haben. Und deshalb ist es, warum die Lehrer und Erzieher unserer Waldorfschule immer an dieses Vertrauen appellieren, und warum sie so gerne alles im Einklang mit den Eltern für das Wohl und Wehe der Kinder zustande bringen möchten. Das ist eben bei einer unfreien Schule in der Regel gar nicht in dem Maße angestrebt. Denn da hält man sich daran, die Vorschrift zu beobachten, und daher findet man sogar für den Begriff des Freien im Schulwesen manchmal recht wenig Verständnis.

[ 27 ] Aber was braucht man zu alldem? Zu alldem braucht man jene innere tatkräftige Menschen- und Kinderliebe, die für den Lehrer ganz unerläßlich ist. Und da treten dann die unzähligen Fragen auf. Man ist besorgt um die leibliche und seelische Gesundheit dieses und jenes Kindes. Man hat das Kind ein paar Stunden des Tages; man muß für die übrige Zeit das Vertrauen, das volle Vertrauen der Eltern des Kindes haben. Und deshalb ist es, warum die Lehrer und Erzieher unserer Waldorfschule immer an dieses Vertrauen appellieren, und warum sie so gerne alles im Einklang mit den Eltern für das Wohl und Wehe der Kinder zustande bringen möchten. Das ist eben bei einer unfreien Schule in der Regel gar nicht in dem Maße angestrebt. Denn da hält man sich daran, die Vorschrift zu beobachten, und daher findet man sogar für den Begriff des Freien im Schulwesen manchmal recht wenig Verständnis.

[ 28 ] Es gibt Länder, wenn man da vom freien Schulwesen redet, so antwortet man einem: Ja, das mag in Deutschland so sein, daß man da nötig hat, freie Schulen zu gründen. Bei uns ist es nicht so; da ist der Lehrer frei. Das antworten einem Lehrer selbst. Man ist nur erstaunt darüber, daß so etwas geantwortet wird. Man ist erstaunt darüber aus dem Grunde, weil man sieht: Diejenigen, die das antworten, haben keine Ahnung mehr davon, daß sie sich unfrei fühlen könnten. Sie tun das, was ihnen befohlen wird. Da es ihnen nicht einfällt, daß etwas anderes geschehen könnte, so fühlen sie gar nicht, daß die Dinge auch anders sein könnten.

[ 28 ] Es gibt Länder, wenn man da vom freien Schulwesen redet, so antwortet man einem: Ja, das mag in Deutschland so sein, daß man da nötig hat, freie Schulen zu gründen. Bei uns ist es nicht so; da ist der Lehrer frei. Das antworten einem Lehrer selbst. Man ist nur erstaunt darüber, daß so etwas geantwortet wird. Man ist erstaunt darüber aus dem Grunde, weil man sieht: Diejenigen, die das antworten, haben keine Ahnung mehr davon, daß sie sich unfrei fühlen könnten. Sie tun das, was ihnen befohlen wird. Da es ihnen nicht einfällt, daß etwas anderes geschehen könnte, so fühlen sie gar nicht, daß die Dinge auch anders sein könnten.

[ 29 ] Bedenken Sie einmal, in welch anderer Lage Sie sind, gerade gegenüber der Auffassung des Waldorfschulwesens, als andere Leute. Andere Menschen müssen sich anstrengen, wenn wir ihnen sagen, so und so wollen wir es machen, weil wir das für das einzig Richtige halten; sie müssen sich anstrengen, das erst einzusehen. Ich glaube, gerade die Eltern der Waldorfschulkinder können unmittelbar an ihren eigenen lieben Wesen sehen, was da in der Waldorfschule getan wird, wie das Verhältnis der ganzen Schule zum Kinde aufgefaßt wird. Man möchte, daß einmal eine Zeit kommt, wo die Eltern gegenüber dem freien Schulwesen sich damit begnügen können, einfach befriedigt zu sein mit dem, was innerhalb des freien Schulwesens geleistet wird. Heute müßte jeder, der an seinem eigenen Fleisch und Blut sieht, wie diese Waldorfschule arbeiten will, zu einem tatkräftigen Verteidiger und Verbreiter des Waldorfschulwesens werden.

[ 29 ] Bedenken Sie einmal, in welch anderer Lage Sie sind, gerade gegenüber der Auffassung des Waldorfschulwesens, als andere Leute. Andere Menschen müssen sich anstrengen, wenn wir ihnen sagen, so und so wollen wir es machen, weil wir das für das einzig Richtige halten; sie müssen sich anstrengen, das erst einzusehen. Ich glaube, gerade die Eltern der Waldorfschulkinder können unmittelbar an ihren eigenen lieben Wesen sehen, was da in der Waldorfschule getan wird, wie das Verhältnis der ganzen Schule zum Kinde aufgefaßt wird. Man möchte, daß einmal eine Zeit kommt, wo die Eltern gegenüber dem freien Schulwesen sich damit begnügen können, einfach befriedigt zu sein mit dem, was innerhalb des freien Schulwesens geleistet wird. Heute müßte jeder, der an seinem eigenen Fleisch und Blut sieht, wie diese Waldorfschule arbeiten will, zu einem tatkräftigen Verteidiger und Verbreiter des Waldorfschulwesens werden.

[ 30 ] Wir haben ja außerdem mancherlei Schwierigkeiten. Sehen Sie, würden wir unsere Ideale erfüllen wollen, so würden wir sagen: Nach unserer Einsicht verhält es sich so: im sechsten, siebenten, achten Jahre soll man dies tun, im neunten, zehnten, elften, zwölften dies und so weiter. Da würde auch das Allerbeste herauskommen, wenn wir das tun könnten. Wir können es nicht tun, wir müssen in gewisser Beziehung eine Art Kompromiß schließen; denn wir können ja den Kindern, der aufwachsenden Menschheit nicht die Möglichkeit nehmen, im Leben darin zu stehen.

[ 30 ] Wir haben ja außerdem mancherlei Schwierigkeiten. Sehen Sie, würden wir unsere Ideale erfüllen wollen, so würden wir sagen: Nach unserer Einsicht verhält es sich so: im sechsten, siebenten, achten Jahre soll man dies tun, im neunten, zehnten, elften, zwölften dies und so weiter. Da würde auch das Allerbeste herauskommen, wenn wir das tun könnten. Wir können es nicht tun, wir müssen in gewisser Beziehung eine Art Kompromiß schließen; denn wir können ja den Kindern, der aufwachsenden Menschheit nicht die Möglichkeit nehmen, im Leben darin zu stehen.

[ 31 ] So haben wir uns vorgenommen, daß wir die Kinder, von dem Alter, wo sie in die Volksschule hineinkommen, bis zum neunten Lebensjahr frei erziehen, aber zu gleicher Zeit, trotzdem wir dasjenige hineinnehmen, was die menschliche Natur erfordert, die Kinder auch so fördern, daß sie in eine andere Schule übertreten können. Ebenso im zwölften und im vierzehnten, fünfzehnten Jahre. Und wenn wir das Glück haben, die weiteren Klassen draufzusetzen, müssen wir sogar dafür sorgen, daß dann diejenigen jungen Herren und Damen, die dann diese Klassen absolvieren werden, in die Lage gebracht werden können, an die Universitäten und technischen Hochschulen überzugehen. Wir müssen dafür sorgen, daß die Kinder an diese Anstalten übergehen können. Ich glaube, noch lange Zeit wird man uns nicht die Möglichkeit geben können, etwa zum Beispiel Doktoren zu fabrizieren, gültige Zeugnisse an unseren Hochschulen zu machen. Dann würden wir viel mehr erreichen. Wir können zunächst nichts anderes tun, als erst die Kinder und dann die jungen Herren und Damen so weit zu bringen, daß sie sich, ohne daß ihnen der größte Schaden passiert, auch das aneignen können, was man im öffentlichen Leben braucht.

[ 31 ] So haben wir uns vorgenommen, daß wir die Kinder, von dem Alter, wo sie in die Volksschule hineinkommen, bis zum neunten Lebensjahr frei erziehen, aber zu gleicher Zeit, trotzdem wir dasjenige hineinnehmen, was die menschliche Natur erfordert, die Kinder auch so fördern, daß sie in eine andere Schule übertreten können. Ebenso im zwölften und im vierzehnten, fünfzehnten Jahre. Und wenn wir das Glück haben, die weiteren Klassen draufzusetzen, müssen wir sogar dafür sorgen, daß dann diejenigen jungen Herren und Damen, die dann diese Klassen absolvieren werden, in die Lage gebracht werden können, an die Universitäten und technischen Hochschulen überzugehen. Wir müssen dafür sorgen, daß die Kinder an diese Anstalten übergehen können. Ich glaube, noch lange Zeit wird man uns nicht die Möglichkeit geben können, etwa zum Beispiel Doktoren zu fabrizieren, gültige Zeugnisse an unseren Hochschulen zu machen. Dann würden wir viel mehr erreichen. Wir können zunächst nichts anderes tun, als erst die Kinder und dann die jungen Herren und Damen so weit zu bringen, daß sie sich, ohne daß ihnen der größte Schaden passiert, auch das aneignen können, was man im öffentlichen Leben braucht.

[ 32 ] Wir sind da in ganz erhebliche Schwierigkeiten hineinversetzt. Sehen Sie, wer nach der menschlichen Natur urteilt, nach dem, was dem Menschen gut ist, damit er im späteren Leben ein brauchbarer Mensch wird, der sagt sich: das ist einfach schrecklich, wenn so im vierzehnten, fünfzehnten, sechzehnten, siebzehnten Jahre die jungen Herren und Damen an den heutigen Gymnasien und Realschulen sind. Sie werden allem Leben entfremdet. Wir müssen das Notwendigste tun, was getan werden kann, daß wenigstens auch die Körperlichkeit bis zu einer einigermaßen lebensfähigen Geschicklichkeit kommt. Ich erwähne es öfter, daß man heute erwachsene Männer findet, die nicht in der Lage sind, wenn ihnen ein Knopf abgerissen ist, ihn selbst anzunähen. Das sage ich nur beispielsweise. Andere Dinge ähnlicher Art kann man ja auch nicht. Vor allen Dingen versteht man ja nichts von der Welt. Der Mensch muß mit offenen Augen in der Welt stehen, damit er auch freie Hände haben kann, die überall angreifen. Sehen Sie, deshalb müßte in einem bestimmten Lebensalter so etwas in einer elementaren Weise eingeführt werden wie Spinnen und Weben. Ja, nun müssen wir aber wenn nun an den gewöhnlichen Anstalten die Schüler die Matura machen, werden sie nicht im Weben und Spinnen oder in anderen nützlichen Lebenskünsten geprüft -, wir müssen außerdem allerlei von dem treiben, was man verlangt nach der Richtung des Examens hin. Dazu ist notwendig, daß wir unseren Unterricht in der ökonomischsten Weise einrichten. Das ist eine besondere Kunst im Erziehen und Unterrichten.

[ 32 ] Wir sind da in ganz erhebliche Schwierigkeiten hineinversetzt. Sehen Sie, wer nach der menschlichen Natur urteilt, nach dem, was dem Menschen gut ist, damit er im späteren Leben ein brauchbarer Mensch wird, der sagt sich: das ist einfach schrecklich, wenn so im vierzehnten, fünfzehnten, sechzehnten, siebzehnten Jahre die jungen Herren und Damen an den heutigen Gymnasien und Realschulen sind. Sie werden allem Leben entfremdet. Wir müssen das Notwendigste tun, was getan werden kann, daß wenigstens auch die Körperlichkeit bis zu einer einigermaßen lebensfähigen Geschicklichkeit kommt. Ich erwähne es öfter, daß man heute erwachsene Männer findet, die nicht in der Lage sind, wenn ihnen ein Knopf abgerissen ist, ihn selbst anzunähen. Das sage ich nur beispielsweise. Andere Dinge ähnlicher Art kann man ja auch nicht. Vor allen Dingen versteht man ja nichts von der Welt. Der Mensch muß mit offenen Augen in der Welt stehen, damit er auch freie Hände haben kann, die überall angreifen. Sehen Sie, deshalb müßte in einem bestimmten Lebensalter so etwas in einer elementaren Weise eingeführt werden wie Spinnen und Weben. Ja, nun müssen wir aber wenn nun an den gewöhnlichen Anstalten die Schüler die Matura machen, werden sie nicht im Weben und Spinnen oder in anderen nützlichen Lebenskünsten geprüft -, wir müssen außerdem allerlei von dem treiben, was man verlangt nach der Richtung des Examens hin. Dazu ist notwendig, daß wir unseren Unterricht in der ökonomischsten Weise einrichten. Das ist eine besondere Kunst im Erziehen und Unterrichten.

[ 33 ] Ich darf ein Beispiel, das mir selbst passiert ist, anführen. Es ist jetzt lange her - es wurde mir mit anderen Geschwistern einer Familie zusammen ein elfjähriges Kind zum Erziehen und Unterrichten zugeführt, das aufgegeben war für alles Unterrichten und Erziehen. EIf Jahre war der Junge alt, und um mich zu informieren, hat man mir ein Zeichenheft gezeigt, worin der Junge seine Zeichenkunst entfaltet hat. Dieses Heft hatte in der Mitte auf der ersten Seite ein riesiges Loch. Er hatte nur radiert. Es war das alles, was er konnte. Er hatte auch einmal eine Prüfung für eine erste Volksschulklasse gemacht, er konnte gar nichts. In bezug auf die andere Haltung war er so, daß er oftmals nicht bei Tische aß, sondern in die Küche ging und die Kartoffelschalen aß. Nach den verschiedensten Richtungen war es schwierig. Ich will es nicht genau beschreiben. - Es handelte sich darum, in der möglichst kurzen Zeit möglichst viel zu erreichen. Ich selbst mußte manchmal drei Stunden arbeiten, um den Lehrstoff so zusammenzuarbeiten, daß ich dann dasjenige, was dem Jungen beizubringen war, in einer Viertelstunde beibringen konnte. Nach dem zweiten Jahr war der Junge wo weit, daß er ins Gymnasium gehen konnte. Er hatte einen riesigen Wasserkopf, der immer kleiner wurde.

[ 33 ] Ich darf ein Beispiel, das mir selbst passiert ist, anführen. Es ist jetzt lange her - es wurde mir mit anderen Geschwistern einer Familie zusammen ein elfjähriges Kind zum Erziehen und Unterrichten zugeführt, das aufgegeben war für alles Unterrichten und Erziehen. EIf Jahre war der Junge alt, und um mich zu informieren, hat man mir ein Zeichenheft gezeigt, worin der Junge seine Zeichenkunst entfaltet hat. Dieses Heft hatte in der Mitte auf der ersten Seite ein riesiges Loch. Er hatte nur radiert. Es war das alles, was er konnte. Er hatte auch einmal eine Prüfung für eine erste Volksschulklasse gemacht, er konnte gar nichts. In bezug auf die andere Haltung war er so, daß er oftmals nicht bei Tische aß, sondern in die Küche ging und die Kartoffelschalen aß. Nach den verschiedensten Richtungen war es schwierig. Ich will es nicht genau beschreiben. - Es handelte sich darum, in der möglichst kurzen Zeit möglichst viel zu erreichen. Ich selbst mußte manchmal drei Stunden arbeiten, um den Lehrstoff so zusammenzuarbeiten, daß ich dann dasjenige, was dem Jungen beizubringen war, in einer Viertelstunde beibringen konnte. Nach dem zweiten Jahr war der Junge wo weit, daß er ins Gymnasium gehen konnte. Er hatte einen riesigen Wasserkopf, der immer kleiner wurde.

[ 34 ] Ich will diesen Fall anführen, weil er zeigt, was ich meine mit Ökonomie des Unterrichts. Ökonomie des Unterrichts heißt, eben niemals mehr Zeit für etwas zu verwenden bei den Kindern, als nach den leiblichen und seelischen Gesundheitsbedingungen notwendig ist. Solche Ökonomie des Unterrichts muß heute besonders geübt werden, weil das Leben so viel verlangt. Die Lehrkräfte zum Beispiel für das Lateinische und Griechische haben einen schwierigen Standpunkt, weil wir viel weniger Zeit haben, diese Dinge zu pflegen, und weil sie dennoch so gepflegt werden müssen, wie es den berechtigten Ansprüchen des Geisteslebens entspricht. Die Kunst müssen wir auf allen Gebieten suchen, nirgends das Kind zu überlasten. In all diesen Dingen, ich muß es sagen, brauchen wir das verständnisvolle Entgegenkommen der Elternschaft, brauchen wir ein einträchtiges Zusammenwirken mit der Elternschaft.

[ 34 ] Ich will diesen Fall anführen, weil er zeigt, was ich meine mit Ökonomie des Unterrichts. Ökonomie des Unterrichts heißt, eben niemals mehr Zeit für etwas zu verwenden bei den Kindern, als nach den leiblichen und seelischen Gesundheitsbedingungen notwendig ist. Solche Ökonomie des Unterrichts muß heute besonders geübt werden, weil das Leben so viel verlangt. Die Lehrkräfte zum Beispiel für das Lateinische und Griechische haben einen schwierigen Standpunkt, weil wir viel weniger Zeit haben, diese Dinge zu pflegen, und weil sie dennoch so gepflegt werden müssen, wie es den berechtigten Ansprüchen des Geisteslebens entspricht. Die Kunst müssen wir auf allen Gebieten suchen, nirgends das Kind zu überlasten. In all diesen Dingen, ich muß es sagen, brauchen wir das verständnisvolle Entgegenkommen der Elternschaft, brauchen wir ein einträchtiges Zusammenwirken mit der Elternschaft.

[ 35 ] Wirklich, die eigentlichen Erfolge, die für das Leben die große Bedeutung haben, liegen nicht darinnen, daß für den einen oder anderen begabten Schüler etwas Staunenswertes erreicht wird. Die eigentlichen Erfolge liegen in der Lebenskraft. Und da ist es für mich immer tief befriedigend, wenn so etwas vorkommt, daß man sagt, irgendein Kind soll, weil da dies oder jenes erreicht werden soll, aus der einen Klasse in eine andere versetzt werden. Da kämpft der Lehrer um jedes einzelne Kind zuweilen. Das sind wirkliche Erfolge im liebevollen Zusammenleben der Lehrerschaft mit der Kinderschaft. Aus dem wird etwas; daneben verschwinden diejenigen Dinge, auf die so ein Wert gelegt wird, ob die Kinder ein bißchen weiter oder ein bißchen weniger weit sind.

[ 35 ] Wirklich, die eigentlichen Erfolge, die für das Leben die große Bedeutung haben, liegen nicht darinnen, daß für den einen oder anderen begabten Schüler etwas Staunenswertes erreicht wird. Die eigentlichen Erfolge liegen in der Lebenskraft. Und da ist es für mich immer tief befriedigend, wenn so etwas vorkommt, daß man sagt, irgendein Kind soll, weil da dies oder jenes erreicht werden soll, aus der einen Klasse in eine andere versetzt werden. Da kämpft der Lehrer um jedes einzelne Kind zuweilen. Das sind wirkliche Erfolge im liebevollen Zusammenleben der Lehrerschaft mit der Kinderschaft. Aus dem wird etwas; daneben verschwinden diejenigen Dinge, auf die so ein Wert gelegt wird, ob die Kinder ein bißchen weiter oder ein bißchen weniger weit sind.

[ 36 ] Wir stehen schon vor der Tatsache, daß wir ja - ich möchte es wiederum radikal ausdrücken - unmöglicherweise gelobt werden können von denen, die aus den Meinungen über das heutige Schulwesen heraus kommen und diese Meinung haben. Es ist immer etwas falsch, wenn man glaubt, daß damit etwas erreicht würde, wenn die Menschen, die so denken, uns loben würden. Wenn die Sache so stünde, daß man von den heutigen Schulbehörden gelobt würde, oder von denen, die glauben, daß die heutigen Schulbehörden das Richtige haben, dann hätten wir die Waldorfschule gar nicht zu errichten gebraucht.

[ 36 ] Wir stehen schon vor der Tatsache, daß wir ja - ich möchte es wiederum radikal ausdrücken - unmöglicherweise gelobt werden können von denen, die aus den Meinungen über das heutige Schulwesen heraus kommen und diese Meinung haben. Es ist immer etwas falsch, wenn man glaubt, daß damit etwas erreicht würde, wenn die Menschen, die so denken, uns loben würden. Wenn die Sache so stünde, daß man von den heutigen Schulbehörden gelobt würde, oder von denen, die glauben, daß die heutigen Schulbehörden das Richtige haben, dann hätten wir die Waldorfschule gar nicht zu errichten gebraucht.

[ 37 ] Also es ist nur selbstverständlich, daß wir darauf angewiesen sind, daß unsere Elternschaft im Einklang darauf eingeht, auf eine aus dem rein Menschlichen herausgeholte Erziehung zu sehen. Die brauchen wir heute, auch in sozialer Beziehung.

[ 37 ] Also es ist nur selbstverständlich, daß wir darauf angewiesen sind, daß unsere Elternschaft im Einklang darauf eingeht, auf eine aus dem rein Menschlichen herausgeholte Erziehung zu sehen. Die brauchen wir heute, auch in sozialer Beziehung.

[ 38 ] Auf die Art, wie man heute vielfach denkt, werden die sozialen Fragen nicht gelöst, sondern dadurch, daß die richtigen Menschen ins soziale Leben hineingestellt werden. Die werden nur hineingestellt werden, wenn die Menschen richtig an Leib und Seele gesund aufwachsen können. An demjenigen, was einem Menschen ganz spezifisch ist, was ein Mensch seinen besonderen Fähigkeiten nach lernen kann, können wir furchtbar wenig machen. Denn, nicht wahr, wenn wir irgendwelche Verdienste haben können, den Menschen so zu erziehen, zu unterrichten, daß er das Höchste wird, was er werden kann, so müßte man, wenn wir einen Goethe erziehen müßten, als Lehrer mindestens ein Goethe sein, Zu dem, was ein Mensch durch seine Natur wird, können wir nichts tun; das wird er durch andere Veranlassungen. Was wir können, das ist, die Hindernisse wegräumen, daf3 der Mensch die Kräfte in sich findet zu dem, was in ihm veranlagt ist. Das können wir, wenn wir rechte Pädagogen werden, und wenn wir von der Zeitgenossenschaft unterstützt werden.

[ 38 ] Auf die Art, wie man heute vielfach denkt, werden die sozialen Fragen nicht gelöst, sondern dadurch, daß die richtigen Menschen ins soziale Leben hineingestellt werden. Die werden nur hineingestellt werden, wenn die Menschen richtig an Leib und Seele gesund aufwachsen können. An demjenigen, was einem Menschen ganz spezifisch ist, was ein Mensch seinen besonderen Fähigkeiten nach lernen kann, können wir furchtbar wenig machen. Denn, nicht wahr, wenn wir irgendwelche Verdienste haben können, den Menschen so zu erziehen, zu unterrichten, daß er das Höchste wird, was er werden kann, so müßte man, wenn wir einen Goethe erziehen müßten, als Lehrer mindestens ein Goethe sein, Zu dem, was ein Mensch durch seine Natur wird, können wir nichts tun; das wird er durch andere Veranlassungen. Was wir können, das ist, die Hindernisse wegräumen, daf3 der Mensch die Kräfte in sich findet zu dem, was in ihm veranlagt ist. Das können wir, wenn wir rechte Pädagogen werden, und wenn wir von der Zeitgenossenschaft unterstützt werden.

[ 39 ] In erster Linie können wir unterstützt werden von der Elternschaft. Wir haben eine verständnisvolle Elternschaft gefunden. Und dasjenige, was ich zu sagen habe, ist zugleich durchaus mit einer Dankesempfindung erfüllt. Und von tiefer Befriedigung bin ich erfüllt davon, daß Sie so zahlreich erschienen sind. Ich hoffe, wir werden uns über einzelnes in der folgenden Aussprache unterhalten können; unsere Lehrer werden bereit sein, alle gestellten Fragen zu beantworten. Aber auf gewisse Charaktereigenschaften möchte ich noch hinweisen.

[ 39 ] In erster Linie können wir unterstützt werden von der Elternschaft. Wir haben eine verständnisvolle Elternschaft gefunden. Und dasjenige, was ich zu sagen habe, ist zugleich durchaus mit einer Dankesempfindung erfüllt. Und von tiefer Befriedigung bin ich erfüllt davon, daß Sie so zahlreich erschienen sind. Ich hoffe, wir werden uns über einzelnes in der folgenden Aussprache unterhalten können; unsere Lehrer werden bereit sein, alle gestellten Fragen zu beantworten. Aber auf gewisse Charaktereigenschaften möchte ich noch hinweisen.

[ 40 ] Wir haben auch in der letzten Zeit, die Waldorf-Lehrerschaft mit mir zusammen, einen Hochschulkurs in Holland gehalten. Eine Persönlichkeit der Waldorfschule, Fräulein vor Heydebrund, hat jenen Nachmittag zu leiten gehabt, der über pädagogische Fragen zu handeln hatte. Es war einer der interessantesten Nachmittage, weil man sah: die Erziehungsfragen sind heute solche, die überall die ganze Welt beschäftigen. -— Wir wissen zwar, daß wir kein Recht haben, darauf zu pochen, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, daß wir nicht betonen wollen, wie wir es so herrlich weit gebracht haben.

[ 40 ] Wir haben auch in der letzten Zeit, die Waldorf-Lehrerschaft mit mir zusammen, einen Hochschulkurs in Holland gehalten. Eine Persönlichkeit der Waldorfschule, Fräulein vor Heydebrund, hat jenen Nachmittag zu leiten gehabt, der über pädagogische Fragen zu handeln hatte. Es war einer der interessantesten Nachmittage, weil man sah: die Erziehungsfragen sind heute solche, die überall die ganze Welt beschäftigen. -— Wir wissen zwar, daß wir kein Recht haben, darauf zu pochen, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, daß wir nicht betonen wollen, wie wir es so herrlich weit gebracht haben.

[ 41 ] Nun steht die Sache so, daß viele Leute heute das Impulsierende unserer Schule einsehen; was aber noch fehlt, das ist das tatkräftige Zuuns-Stehen, damit die Sache weitere Stütze und weitere Verbreitung gewinnen kann. Es ist durchaus einzusehen, daß Eltern zunächst das Beste für ihre Kinder möchten. Aber so wie heute die Dinge liegen, sollten die Eltern auch uns helfen. Für uns wird es schwer, durchzudringen. Wir brauchen Hilfe in jeder Beziehung, denn wir brauchen einen sich immer mehr und mehr vergrößernden Kreis, damit wir die Vorurteile gegenüber unserer Pädagogik überwinden können. Und vor allen Dingen sage ich das Folgende unter einer bestimmten Voraussetzung und Reserve, daß ich durchaus mich überzeugt halten will, diejenigen, die hier sitzen, haben in pekuniärer Beziehung das getan, was sie tun können. Diese Hypothese sei vorausgesetzt, damit niemand glaubt, ich will ihm zu nahe treten. Aber dabei bleibt doch die andere Tatsache bestehen: Wenn wir weiterkommen wollen, brauchen wir Geld!

[ 41 ] Nun steht die Sache so, daß viele Leute heute das Impulsierende unserer Schule einsehen; was aber noch fehlt, das ist das tatkräftige Zuuns-Stehen, damit die Sache weitere Stütze und weitere Verbreitung gewinnen kann. Es ist durchaus einzusehen, daß Eltern zunächst das Beste für ihre Kinder möchten. Aber so wie heute die Dinge liegen, sollten die Eltern auch uns helfen. Für uns wird es schwer, durchzudringen. Wir brauchen Hilfe in jeder Beziehung, denn wir brauchen einen sich immer mehr und mehr vergrößernden Kreis, damit wir die Vorurteile gegenüber unserer Pädagogik überwinden können. Und vor allen Dingen sage ich das Folgende unter einer bestimmten Voraussetzung und Reserve, daß ich durchaus mich überzeugt halten will, diejenigen, die hier sitzen, haben in pekuniärer Beziehung das getan, was sie tun können. Diese Hypothese sei vorausgesetzt, damit niemand glaubt, ich will ihm zu nahe treten. Aber dabei bleibt doch die andere Tatsache bestehen: Wenn wir weiterkommen wollen, brauchen wir Geld!

[ 42 ] Ja, Geld brauchen wir! Nun sagen die Leute: Das ist aber kein Idealismus. Ihr Anthroposophen, was macht ihr uns da von Idealismus vor, da ihr doch sagt, Geld braucht ihr.

[ 42 ] Ja, Geld brauchen wir! Nun sagen die Leute: Das ist aber kein Idealismus. Ihr Anthroposophen, was macht ihr uns da von Idealismus vor, da ihr doch sagt, Geld braucht ihr.

[ 43 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Sehen Sie, der Idealismus ist halt doch auf schwachen Füßen stehend, der große, ungeheure Worte macht und sagt: Ich bin Idealist, aber weil ich Idealist bin, verachte ich meine Geldbörse; deshalb will ich meine Finger nicht beschmutzen, ich bin ein viel zu großer Idealist!

[ 43 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Sehen Sie, der Idealismus ist halt doch auf schwachen Füßen stehend, der große, ungeheure Worte macht und sagt: Ich bin Idealist, aber weil ich Idealist bin, verachte ich meine Geldbörse; deshalb will ich meine Finger nicht beschmutzen, ich bin ein viel zu großer Idealist!

[ 44 ] Insbesondere werden sich kaum Ideale erfüllen, wenn die Leute zu große Idealisten sind, um sich ihre Finger zu stark zu beschmutzen beim pekuniären Opferbringen. Wir müssen doch schon auch den Ton finden gegenüber der Welt, welcher es den Leuten nahelegt, uns nach dieser Richtung einige Unterstützung zukommen zu lassen, was ja jetzt noch immer unsere große, furchtbare Sorge ausmacht.

[ 44 ] Insbesondere werden sich kaum Ideale erfüllen, wenn die Leute zu große Idealisten sind, um sich ihre Finger zu stark zu beschmutzen beim pekuniären Opferbringen. Wir müssen doch schon auch den Ton finden gegenüber der Welt, welcher es den Leuten nahelegt, uns nach dieser Richtung einige Unterstützung zukommen zu lassen, was ja jetzt noch immer unsere große, furchtbare Sorge ausmacht.

[ 45 ] Denn schließlich, die Waldorfschule ist als einzelne Schule groß; sie hat genügend Schüler. Sie ist fast gar nicht mehr zu übersehen. Das ist eine Sorge, die schr ernst genommen wird. Und gewiß, wir wollen sie nicht mehr gegenüber dem jetzigen Stande vergrößern; wir wollen uns dem Ausbau unterziehen. Aber auch da vergrößert sich die Schülerzahl damit, vergrößert sich die Lehrerzahl. Da nun die Lehrer nicht von der Luft leben können, verlangt das nach Mitteln.

[ 45 ] Denn schließlich, die Waldorfschule ist als einzelne Schule groß; sie hat genügend Schüler. Sie ist fast gar nicht mehr zu übersehen. Das ist eine Sorge, die schr ernst genommen wird. Und gewiß, wir wollen sie nicht mehr gegenüber dem jetzigen Stande vergrößern; wir wollen uns dem Ausbau unterziehen. Aber auch da vergrößert sich die Schülerzahl damit, vergrößert sich die Lehrerzahl. Da nun die Lehrer nicht von der Luft leben können, verlangt das nach Mitteln.

[ 46 ] Und da müssen Sie sich schon, meine sehr verehrten Anwesenden ich setze voraus, jeder hat das Seinige schon getan; es handelt sich darum, die Idee weiter hinauszutragen, damit auch draußen die Idealisten gefunden werden -, da muß man sich dazu entschließen, gerade auf seiten der Elternschaft, nach der Richtung der materiellen Grundlage, der Waldorfschule zu helfen, sonst fürchte ich, kommt es dazu, daß wir uns nächstens, wenn wir die Dinge weiter gut pflegen wollen, vor Sorgen das Schlafen werden abgewöhnen müssen. Und dann weiß ich auch nicht, ob Sie die nötige Lehrerschaft immer in der Schule haben, wenn sich die Lehrerschaft das Schlafen wird abgewöhnen müssen.

[ 46 ] Und da müssen Sie sich schon, meine sehr verehrten Anwesenden ich setze voraus, jeder hat das Seinige schon getan; es handelt sich darum, die Idee weiter hinauszutragen, damit auch draußen die Idealisten gefunden werden -, da muß man sich dazu entschließen, gerade auf seiten der Elternschaft, nach der Richtung der materiellen Grundlage, der Waldorfschule zu helfen, sonst fürchte ich, kommt es dazu, daß wir uns nächstens, wenn wir die Dinge weiter gut pflegen wollen, vor Sorgen das Schlafen werden abgewöhnen müssen. Und dann weiß ich auch nicht, ob Sie die nötige Lehrerschaft immer in der Schule haben, wenn sich die Lehrerschaft das Schlafen wird abgewöhnen müssen.

[ 47 ] Ich wollte heute manche Dinge mit Worten andeuten, von denen vielleicht manche das Gefühl haben, sie sind zu radikal gewählt. Aber ich hoffe doch, daß ich über manches verstanden worden bin. Am meisten liegt mir daran, daß ich nicht über das einzelne bloß verstanden werde. Ich möchte in dem Durchgreifenden verstanden werden, daß für uns, für unser Wirken in der Waldorfschule ein herzliches Einvernehmen mit der Elternschaft notwendig ist. Auf die Notwendigkeit dieses herzlichen Einvernehmens wollte ich hinweisen, gerade deshalb, weil es in so hohem Maße wirklich vorhanden ist, und weil man am besten die Möglichkeit finden wird, auf diesem Gebiete vorzudringen, wenn schon heute Unterlagen geschaffen sind.

[ 47 ] Ich wollte heute manche Dinge mit Worten andeuten, von denen vielleicht manche das Gefühl haben, sie sind zu radikal gewählt. Aber ich hoffe doch, daß ich über manches verstanden worden bin. Am meisten liegt mir daran, daß ich nicht über das einzelne bloß verstanden werde. Ich möchte in dem Durchgreifenden verstanden werden, daß für uns, für unser Wirken in der Waldorfschule ein herzliches Einvernehmen mit der Elternschaft notwendig ist. Auf die Notwendigkeit dieses herzlichen Einvernehmens wollte ich hinweisen, gerade deshalb, weil es in so hohem Maße wirklich vorhanden ist, und weil man am besten die Möglichkeit finden wird, auf diesem Gebiete vorzudringen, wenn schon heute Unterlagen geschaffen sind.

[ 48 ] Möchte daher durch alles dasjenige, was wir im einzelnen erstreben wollen - und darüber kann die folgende Diskussion sich aussprechen -, möchte durch alles dieses einzelne hindurch bei solchen Elternversammlungen der Impuls mitgenommen werden zu dem herzlichen Einvernehmen, das besteht zwischen den Erziehern, zwischen der Lehrerschaft und der Elternschaft, die ja ganz gewiß das tiefste Interesse haben wird, daß diese Eintracht besteht, weil die Elternschaft das Teuerste, was sie hat, der Lehrerschaft anvertraut hat.

[ 48 ] Möchte daher durch alles dasjenige, was wir im einzelnen erstreben wollen - und darüber kann die folgende Diskussion sich aussprechen -, möchte durch alles dieses einzelne hindurch bei solchen Elternversammlungen der Impuls mitgenommen werden zu dem herzlichen Einvernehmen, das besteht zwischen den Erziehern, zwischen der Lehrerschaft und der Elternschaft, die ja ganz gewiß das tiefste Interesse haben wird, daß diese Eintracht besteht, weil die Elternschaft das Teuerste, was sie hat, der Lehrerschaft anvertraut hat.

[ 49 ] Aus diesem Bewußtsein heraus und aus dem Bewußtsein der Verantwortlichkeit der Lehrerschaft gegenüber diesem Teuersten der mit ihr verbündeten Elternschaft, aus diesem Zusammenarbeiten möchte derjenige Geist immer weiter erblühen, welcher sich in der Waldorfschule in einem befriedigenden Maße gezeigt hat. Er wird um so mehr wachsen und gedeihen, je mehr diese Einigkeit gedeihen wird. Je mehr das der Fall sein wird, desto mehr wird das andere erzielt werden, das schönste Ziel zu erreichen für das menschliche Wesen: die der Waldorfschule anvertraute Jugend zu erziehen für das menschliche Zusammenleben. Da wird der Mensch zu stehen haben gegenüber den Stürmen des Lebens. Wenn er dasteht im sozialen Leben, um in der richtigen Weise die Wege zu finden zum Zusammenarbeiten mit den anderen Menschen, da werden sich die einzelnen menschlichen und sozialen Fragen lösen können.

[ 49 ] Aus diesem Bewußtsein heraus und aus dem Bewußtsein der Verantwortlichkeit der Lehrerschaft gegenüber diesem Teuersten der mit ihr verbündeten Elternschaft, aus diesem Zusammenarbeiten möchte derjenige Geist immer weiter erblühen, welcher sich in der Waldorfschule in einem befriedigenden Maße gezeigt hat. Er wird um so mehr wachsen und gedeihen, je mehr diese Einigkeit gedeihen wird. Je mehr das der Fall sein wird, desto mehr wird das andere erzielt werden, das schönste Ziel zu erreichen für das menschliche Wesen: die der Waldorfschule anvertraute Jugend zu erziehen für das menschliche Zusammenleben. Da wird der Mensch zu stehen haben gegenüber den Stürmen des Lebens. Wenn er dasteht im sozialen Leben, um in der richtigen Weise die Wege zu finden zum Zusammenarbeiten mit den anderen Menschen, da werden sich die einzelnen menschlichen und sozialen Fragen lösen können.

Aus der Aussprache am Elternabend

Aus der Aussprache am Elternabend

[ 50 ] Es wird eine Frage gestellt wegen der Maturitätsprüfung.

[ 50 ] Es wird eine Frage gestellt wegen der Maturitätsprüfung.

[ 51 ] Dr. Steiner: Ich selbst habe nur das Folgende zu sagen: Im ganzen gilt dasjenige als Grundsatz, was ich selbst vorgebracht habe. Wir müssen durch Ökonomie es dahin bringen, daß tatsächlich für die wichtigsten Lebensabschnitte erreicht werden kann, was die Schüler befähigt, unmittelbar sich einzugliedern in das, was heute verlangt wird. Da können wir nicht maßgebend sein darüber, ob wir das für das Richtige halten oder nicht. Wir müssen uns dem fügen. Da tritt die Frage nicht an uns heran, ob das berechtigt oder unberechtigt ist, was bei der Maturitätsprüfung verlangt wird. Das muß durch Ökonomie erreicht werden. Bis jetzt sind wir noch nicht in der Lage. Ich glaube durchaus, daß es möglich sein wird, dieses Ziel zu erreichen, wenn es auch heute bei denjenigen, die dabei in Frage kommen, durchaus noch nicht so aussieht. Das ist aber unser Prinzip, daß wir im entsprechenden Lebensalter die Kinder dazu bringen, daß sie die Prüfung ablegen können. Es ist so, daß man auch äußerlich Schwierigkeiten zu überwinden hat. Es ist notwendig, daß man der Schule vorurteilslos entgegenkommt. Ich weiß selbstverständlich, daf3 man einen Schüler oder eine Schülerin, die wir dazu gebracht haben, daß sie eine Prüfung ablegen, trotzdem durchfallen lassen könnte. Ich gab Ihnen das Exempel, daß es mir eine Leichtigkeit wäre, auch die Kommissäre durchfallen zu lassen. Wir erstreben das, daß die Schüler die Prüfung ablegen können, wie wir auch darüber denken. Wir wollen nicht nach einer Schrulle erziehen, wir wollen nach dem Leben unterrichten. Wir müssen nur insofern die Schüler richtig ins Leben hineinbringen wollen, als es noch gerade geht.

[ 51 ] Dr. Steiner: Ich selbst habe nur das Folgende zu sagen: Im ganzen gilt dasjenige als Grundsatz, was ich selbst vorgebracht habe. Wir müssen durch Ökonomie es dahin bringen, daß tatsächlich für die wichtigsten Lebensabschnitte erreicht werden kann, was die Schüler befähigt, unmittelbar sich einzugliedern in das, was heute verlangt wird. Da können wir nicht maßgebend sein darüber, ob wir das für das Richtige halten oder nicht. Wir müssen uns dem fügen. Da tritt die Frage nicht an uns heran, ob das berechtigt oder unberechtigt ist, was bei der Maturitätsprüfung verlangt wird. Das muß durch Ökonomie erreicht werden. Bis jetzt sind wir noch nicht in der Lage. Ich glaube durchaus, daß es möglich sein wird, dieses Ziel zu erreichen, wenn es auch heute bei denjenigen, die dabei in Frage kommen, durchaus noch nicht so aussieht. Das ist aber unser Prinzip, daß wir im entsprechenden Lebensalter die Kinder dazu bringen, daß sie die Prüfung ablegen können. Es ist so, daß man auch äußerlich Schwierigkeiten zu überwinden hat. Es ist notwendig, daß man der Schule vorurteilslos entgegenkommt. Ich weiß selbstverständlich, daf3 man einen Schüler oder eine Schülerin, die wir dazu gebracht haben, daß sie eine Prüfung ablegen, trotzdem durchfallen lassen könnte. Ich gab Ihnen das Exempel, daß es mir eine Leichtigkeit wäre, auch die Kommissäre durchfallen zu lassen. Wir erstreben das, daß die Schüler die Prüfung ablegen können, wie wir auch darüber denken. Wir wollen nicht nach einer Schrulle erziehen, wir wollen nach dem Leben unterrichten. Wir müssen nur insofern die Schüler richtig ins Leben hineinbringen wollen, als es noch gerade geht.

[ 52 ] In Mitteleuropa ist gegenwärtig noch einiges möglich, in Rußland gar nichts mehr. Wir müssen froh sein über dieses einige. Wenn wir dieses einige in die Kinder hineinbringen, wird es in der nächsten Generation schon mehr sein.

[ 52 ] In Mitteleuropa ist gegenwärtig noch einiges möglich, in Rußland gar nichts mehr. Wir müssen froh sein über dieses einige. Wenn wir dieses einige in die Kinder hineinbringen, wird es in der nächsten Generation schon mehr sein.

[ 53 ] Ich betone ausdrücklich, verrückte Kerle sind wir nicht, die etwa sagen, die Kinder dürfen nur dies oder jenes können. Dasjenige, was verlangt wird bei den Prüfungen - wenn wir damit auch nicht immer einverstanden sind, wenn wir auch im stillen Kämmerlein es für verdreht halten -, so machen wir es doch mit, und dabei beachten wir doch alles, was wir zum Heile der Menschheit für notwendig halten.

[ 53 ] Ich betone ausdrücklich, verrückte Kerle sind wir nicht, die etwa sagen, die Kinder dürfen nur dies oder jenes können. Dasjenige, was verlangt wird bei den Prüfungen - wenn wir damit auch nicht immer einverstanden sind, wenn wir auch im stillen Kämmerlein es für verdreht halten -, so machen wir es doch mit, und dabei beachten wir doch alles, was wir zum Heile der Menschheit für notwendig halten.

[ 54 ] Frage: Wäre es nicht möglich, die Schulstunden auf den Vormittag zu legen?

[ 54 ] Frage: Wäre es nicht möglich, die Schulstunden auf den Vormittag zu legen?

[ 55 ] Dr. Steiner: Nicht wahr, für solche Fragen kommt immer nicht bloß der eine oder der andere Gesichtspunkt in Betracht. Man sollte von sieben bis ein Uhr unterrichten, sagt man. Nun sehen Sie, da darf ich auf einige Prinzipien hinweisen. Als ich meinen Weihnachtskurs hielt, da wurde dann in den Stunden, die einer Fragebeantwortung gewidmet waren, auch die Frage aufgeworfen, wie verhält es sich mit der Ermüdung? Ich erwähnte, daß es durchaus im Sinne unserer Pädagogik liegt, nicht in der Weise die Aufmerksamkeit der Kinder zu zerstäuben, daß man in einer Stunde Religion, in der anderen Zoologie und dergleichen hat, sondern daß es darauf ankommt, den Unterricht möglichst so zu geben, daß die Aufmerksamkeit der Kinder konzentriert sein kann. Daher haben wir den Unterricht so, daß ein gewisses Gebiet durch Wochen hindurch getrieben wird, durch eine längere Schulzeit hindurch. Das ist ein Gesichtspunkt, der hervorgeholt wird aus der besonderen Erkenntnis der kindlichen Wesenheit.

[ 55 ] Dr. Steiner: Nicht wahr, für solche Fragen kommt immer nicht bloß der eine oder der andere Gesichtspunkt in Betracht. Man sollte von sieben bis ein Uhr unterrichten, sagt man. Nun sehen Sie, da darf ich auf einige Prinzipien hinweisen. Als ich meinen Weihnachtskurs hielt, da wurde dann in den Stunden, die einer Fragebeantwortung gewidmet waren, auch die Frage aufgeworfen, wie verhält es sich mit der Ermüdung? Ich erwähnte, daß es durchaus im Sinne unserer Pädagogik liegt, nicht in der Weise die Aufmerksamkeit der Kinder zu zerstäuben, daß man in einer Stunde Religion, in der anderen Zoologie und dergleichen hat, sondern daß es darauf ankommt, den Unterricht möglichst so zu geben, daß die Aufmerksamkeit der Kinder konzentriert sein kann. Daher haben wir den Unterricht so, daß ein gewisses Gebiet durch Wochen hindurch getrieben wird, durch eine längere Schulzeit hindurch. Das ist ein Gesichtspunkt, der hervorgeholt wird aus der besonderen Erkenntnis der kindlichen Wesenheit.

[ 56 ] Man stellt die Frage, ob die Kinder nicht ermüden. - Da muß man aufmerksam machen, daß der Unterricht bei uns dem Prinzip nach so erteilt wird, daß zwischen dem siebenten und zwölften Jahr überhaupt gar nicht auf die Kopfarbeit der Kinder, weil das falsch wäre, gerechnet wird, sondern auf das rhythmische System, auf das Mitarbeiten des Gemütes, das mit dem rhythmischen Atmungs- und Zirkulationssystem zusammenhängt. Sie müssen bedenken, wenn der Mensch ermüdet, ermüdet er nicht durch sein rhythmisches System, sondern durch sein Kopfsystem und Gliedmaßensystem. Wenn das Herz und die Lunge auch ermüden würden, dann könnten sie nicht das ganze Leben hindurch tätig sein. Die anderen Systeme ermüden. Indem wir in diesen Jahren rechnen auf das rhythmische System, machen wir die Kinder nicht so müde, als sie sonst gemacht werden.

[ 56 ] Man stellt die Frage, ob die Kinder nicht ermüden. - Da muß man aufmerksam machen, daß der Unterricht bei uns dem Prinzip nach so erteilt wird, daß zwischen dem siebenten und zwölften Jahr überhaupt gar nicht auf die Kopfarbeit der Kinder, weil das falsch wäre, gerechnet wird, sondern auf das rhythmische System, auf das Mitarbeiten des Gemütes, das mit dem rhythmischen Atmungs- und Zirkulationssystem zusammenhängt. Sie müssen bedenken, wenn der Mensch ermüdet, ermüdet er nicht durch sein rhythmisches System, sondern durch sein Kopfsystem und Gliedmaßensystem. Wenn das Herz und die Lunge auch ermüden würden, dann könnten sie nicht das ganze Leben hindurch tätig sein. Die anderen Systeme ermüden. Indem wir in diesen Jahren rechnen auf das rhythmische System, machen wir die Kinder nicht so müde, als sie sonst gemacht werden.

[ 57 ] Wenn man daher jetzt Ermüdungsversuche anstellt in der experimentellen Psychologie und sagt, sie sind nach Dreiviertelstunden so müde, daß sie abwechseln müssen, so bezeugt das nur, daß der Unterricht falsch erteilt wird, daß man in unrechtmäßiger Weise das Kind ermüdert. Die Ermüdungszahl würde sonst nicht herauskommen. Es handelt sich darum, den Unterricht so künstlerisch zu machen, daß jene Ermüdung nicht eintritt. Es kann nur langsam und allmählich erreicht werden, weil ja eine Schulpraxis in der Richtung erst nach und nach ausgebildet werden kann.

[ 57 ] Wenn man daher jetzt Ermüdungsversuche anstellt in der experimentellen Psychologie und sagt, sie sind nach Dreiviertelstunden so müde, daß sie abwechseln müssen, so bezeugt das nur, daß der Unterricht falsch erteilt wird, daß man in unrechtmäßiger Weise das Kind ermüdert. Die Ermüdungszahl würde sonst nicht herauskommen. Es handelt sich darum, den Unterricht so künstlerisch zu machen, daß jene Ermüdung nicht eintritt. Es kann nur langsam und allmählich erreicht werden, weil ja eine Schulpraxis in der Richtung erst nach und nach ausgebildet werden kann.

[ 58 ] Ja, sehen Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, das Kind kann man vor dem Ermüden bis zu einem sehr hohen Grade bewahren, wenn man richtig erzieht und unterrichtet. Aber die Lehrer nicht; die müssen mit dem Kopf arbeiten. Und wenn man eben das durchführt - das ist richtig pädagogisch -, daß man möglichst den Unterricht in einer Hand hält, dann möchte ich wissen, wie der Lehrer aussehen würde, der von sieben Uhr morgens bis ein Uhr den Unterricht erteilen soll. Und das ist es also, was in erster Linie berücksichtigt werden muß. Es ist nicht einerlei, ob man mit Lehrern, die um zehn Uhr erschöpft sein würden, nachdem sie von sieben bis zehn Uhr Unterricht zu erteilen haben, ob man diese Lehrer von zehn Uhr an weiter anstrengen würde. Das kann man nicht wünschen, so sehr ich wünschen würde, daß die auswärtigen Kinder nicht zwei Stunden fahren müssen, um eine Schulstunde zu haben. Aber es ist doch nur die Ausnahme. Es ist übertrieben. Und zweitens, man muß manches mitnehmen, wenn irgend etwas erreicht werden soll. Natürlich können wir nicht den Unterricht für alle Kinder so einrichten, wie zu wünschen wäre für die, die so weit auswärts wohnen. Es ist natürlich, daß das nicht geschehen kann. Also auch in solchen Dingen muß man mit den realen Verhältnissen rechnen.

[ 58 ] Ja, sehen Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, das Kind kann man vor dem Ermüden bis zu einem sehr hohen Grade bewahren, wenn man richtig erzieht und unterrichtet. Aber die Lehrer nicht; die müssen mit dem Kopf arbeiten. Und wenn man eben das durchführt - das ist richtig pädagogisch -, daß man möglichst den Unterricht in einer Hand hält, dann möchte ich wissen, wie der Lehrer aussehen würde, der von sieben Uhr morgens bis ein Uhr den Unterricht erteilen soll. Und das ist es also, was in erster Linie berücksichtigt werden muß. Es ist nicht einerlei, ob man mit Lehrern, die um zehn Uhr erschöpft sein würden, nachdem sie von sieben bis zehn Uhr Unterricht zu erteilen haben, ob man diese Lehrer von zehn Uhr an weiter anstrengen würde. Das kann man nicht wünschen, so sehr ich wünschen würde, daß die auswärtigen Kinder nicht zwei Stunden fahren müssen, um eine Schulstunde zu haben. Aber es ist doch nur die Ausnahme. Es ist übertrieben. Und zweitens, man muß manches mitnehmen, wenn irgend etwas erreicht werden soll. Natürlich können wir nicht den Unterricht für alle Kinder so einrichten, wie zu wünschen wäre für die, die so weit auswärts wohnen. Es ist natürlich, daß das nicht geschehen kann. Also auch in solchen Dingen muß man mit den realen Verhältnissen rechnen.

[ 59 ] Wir haben ohnedies die Sache so, daß am Vormittag der Unterricht, soweit es tunlich ist, erteilt wird, der sich an Geist und Seele wendet. An den Nachmittagsstunden ist das Eurythmisch-Künstlerische. Es ist der Unterricht bis in die Tagesstunden hinein so gelegt, daß es dem Lebensalter, dem Wesen des Kindes entspricht. Aber es würde das Fehler ergeben, die dann mit großer Unzufriedenheit bemerkt würden, wenn der ganze Unterricht von sieben Uhr frühmorgens bis ein Uhr mittags erteilt würde. Es würde ein kompliziertes System notwendig sein. Das müßte ganz anders sein. Dann möchte ich erst sehen, was entstehen würde, wenn wir jeden Tag von sieben bis ein Uhr die Kinder in der Waldorfschule hätten, und nachher sie sich ganz selbst überlassen würden, da möchte ich erst sehen, was da für Zettel auftauchen würden mit Klagen, weil alle möglichen Ungezogenheiten mitgebracht würden. Man hätte die Schläfrigkeit der Kinder mit den Ungezogenheiten, die sie mitbringen würden aus diesen Nachmittagen, und das würde summiert mit der Schläfrigkeit der Lehrer. Dann würden ganz schlimme Dinge auf den Zetteln stehen.

[ 59 ] Wir haben ohnedies die Sache so, daß am Vormittag der Unterricht, soweit es tunlich ist, erteilt wird, der sich an Geist und Seele wendet. An den Nachmittagsstunden ist das Eurythmisch-Künstlerische. Es ist der Unterricht bis in die Tagesstunden hinein so gelegt, daß es dem Lebensalter, dem Wesen des Kindes entspricht. Aber es würde das Fehler ergeben, die dann mit großer Unzufriedenheit bemerkt würden, wenn der ganze Unterricht von sieben Uhr frühmorgens bis ein Uhr mittags erteilt würde. Es würde ein kompliziertes System notwendig sein. Das müßte ganz anders sein. Dann möchte ich erst sehen, was entstehen würde, wenn wir jeden Tag von sieben bis ein Uhr die Kinder in der Waldorfschule hätten, und nachher sie sich ganz selbst überlassen würden, da möchte ich erst sehen, was da für Zettel auftauchen würden mit Klagen, weil alle möglichen Ungezogenheiten mitgebracht würden. Man hätte die Schläfrigkeit der Kinder mit den Ungezogenheiten, die sie mitbringen würden aus diesen Nachmittagen, und das würde summiert mit der Schläfrigkeit der Lehrer. Dann würden ganz schlimme Dinge auf den Zetteln stehen.

[ 60 ] Es sind gar mancherlei Gesichtspunkte zu beobachten. Es muß appelliert werden daran, daß selbstverständlich so etwas bedacht wird, daß man eben doch, weil man nicht vermeiden kann, den Unterricht auf Nachmittagsstunden zu verlegen, daß man schon die Gründe berücksichtigt hat, die solche Gründe aus dem Felde schlagen.

[ 60 ] Es sind gar mancherlei Gesichtspunkte zu beobachten. Es muß appelliert werden daran, daß selbstverständlich so etwas bedacht wird, daß man eben doch, weil man nicht vermeiden kann, den Unterricht auf Nachmittagsstunden zu verlegen, daß man schon die Gründe berücksichtigt hat, die solche Gründe aus dem Felde schlagen.

[ 61 ] Ein Vater verlangt, daß die Schüler beim Abiturienten-Examen von einer Kommission der Waldorflehrer geprüft werden.

[ 61 ] Ein Vater verlangt, daß die Schüler beim Abiturienten-Examen von einer Kommission der Waldorflehrer geprüft werden.

[ 62 ] Dr. Steiner: Die Frage ist keine pädagogische Frage. Wir haben es mit den pädagogischen Impulsen zu tun. Uns kann es sich nur darum handeln, daß wir tun, was ich erwähnt habe, daß wir rechnen damit, was dem menschlichen Wesen gemäß ist, und sehen, daß die Kinder nicht aus dem Leben herausgerissen werden. Die Dinge sind natürlich schon einmal so im Leben, daß man in den ersten Jahren gewisse Möglichkeiten wird haben können. Ich bitte Sie, dabei zu berücksichtigen, daß wir ja in der Bildung dieses Urteiles, ob nun ein Kind die Prüfung wird bestehen können oder nicht, manchen Fährlichkeiten ausgesetzt sind.

[ 62 ] Dr. Steiner: Die Frage ist keine pädagogische Frage. Wir haben es mit den pädagogischen Impulsen zu tun. Uns kann es sich nur darum handeln, daß wir tun, was ich erwähnt habe, daß wir rechnen damit, was dem menschlichen Wesen gemäß ist, und sehen, daß die Kinder nicht aus dem Leben herausgerissen werden. Die Dinge sind natürlich schon einmal so im Leben, daß man in den ersten Jahren gewisse Möglichkeiten wird haben können. Ich bitte Sie, dabei zu berücksichtigen, daß wir ja in der Bildung dieses Urteiles, ob nun ein Kind die Prüfung wird bestehen können oder nicht, manchen Fährlichkeiten ausgesetzt sind.

[ 63 ] Was glauben Sie, was geschähe, wenn es vorkommen sollte, daß bei uns irgendein Knabe oder ein Mädchen die Schule absolviert und zur Prüfung geführt wird, wenn eine Garantie vorhanden wäre, daß sie nicht durchfallen würden? In manchen Fällen hat man Prüfungsschwierigkeiten vorausgesehen und hat einen solchen Schüler zu uns gebracht. Indem wir als Pädagogen das suchen, was ich angedeutet habe, werden wir immer weiter kommen, daß wir die Möglichkeit finden, daß die Kinder die Examina bestehen können. — Übelwollende könnten systematisch beweisen, daß das nicht der Fall ist.

[ 63 ] Was glauben Sie, was geschähe, wenn es vorkommen sollte, daß bei uns irgendein Knabe oder ein Mädchen die Schule absolviert und zur Prüfung geführt wird, wenn eine Garantie vorhanden wäre, daß sie nicht durchfallen würden? In manchen Fällen hat man Prüfungsschwierigkeiten vorausgesehen und hat einen solchen Schüler zu uns gebracht. Indem wir als Pädagogen das suchen, was ich angedeutet habe, werden wir immer weiter kommen, daß wir die Möglichkeit finden, daß die Kinder die Examina bestehen können. — Übelwollende könnten systematisch beweisen, daß das nicht der Fall ist.

[ 64 ] Es ist nicht unsere Sache, dafür zu sorgen, daß ein amtlich abgestempelter Kommissär zur Prüfung da ist. Wenn das [Prüfung durch Waldorflehrer] von der Elternschaft gewünscht wird, so ist das etwas, was von der Elternschaft in die Wege geleitet werden müßte. Im Sinne der Waldorf-Pädagogik liegt es nicht. Es ist eine Opportunitätsfrage, die ja auch im opportunistischen Sinne gelöst werden müßte, die vielleicht auch von seiten der Eltern gelöst werden müßte. - Uns kommt es nicht darauf an, ausgeschlossen zu werden davon, gültige Zeugnisse auszustellen, nur werden wir dann müssen die Sache vom pädagogischen Standpunkt aus ansehen. Daß es einen Sinn hat vom Standpunkt der Pädagogik aus, wenn man jahrelang mit den Schülern zusammen ist, diese dann einer Abgangsprüfung zu unterziehen, daß das einen Sinn haben soll, das möchte ich, daß es jemand mir beweist. Wir wissen, was wir über einen Schüler zu sagen haben, wenn er sein Alter erreicht hat und die Klasse verläßt. Wenn dann noch extra für irgendeine andere Sache das festgestellt werden soll, dann kann es geschehen. Es ist keine eigentlich pädagogische Angelegenheit. Wer Erfahrungen hat auf diesem Gebiet, der weiß, daß man viel besser ohne Prüfungen weiß, was ein Schüler taugt, als durch Prüfung. Wir haben keine Ursache, darauf hinzuarbeiten, daß wir die Prüfungen vornehmen sollen, weil es nicht aus unseren pädagogischen Unterlagen folgt.

[ 64 ] Es ist nicht unsere Sache, dafür zu sorgen, daß ein amtlich abgestempelter Kommissär zur Prüfung da ist. Wenn das [Prüfung durch Waldorflehrer] von der Elternschaft gewünscht wird, so ist das etwas, was von der Elternschaft in die Wege geleitet werden müßte. Im Sinne der Waldorf-Pädagogik liegt es nicht. Es ist eine Opportunitätsfrage, die ja auch im opportunistischen Sinne gelöst werden müßte, die vielleicht auch von seiten der Eltern gelöst werden müßte. - Uns kommt es nicht darauf an, ausgeschlossen zu werden davon, gültige Zeugnisse auszustellen, nur werden wir dann müssen die Sache vom pädagogischen Standpunkt aus ansehen. Daß es einen Sinn hat vom Standpunkt der Pädagogik aus, wenn man jahrelang mit den Schülern zusammen ist, diese dann einer Abgangsprüfung zu unterziehen, daß das einen Sinn haben soll, das möchte ich, daß es jemand mir beweist. Wir wissen, was wir über einen Schüler zu sagen haben, wenn er sein Alter erreicht hat und die Klasse verläßt. Wenn dann noch extra für irgendeine andere Sache das festgestellt werden soll, dann kann es geschehen. Es ist keine eigentlich pädagogische Angelegenheit. Wer Erfahrungen hat auf diesem Gebiet, der weiß, daß man viel besser ohne Prüfungen weiß, was ein Schüler taugt, als durch Prüfung. Wir haben keine Ursache, darauf hinzuarbeiten, daß wir die Prüfungen vornehmen sollen, weil es nicht aus unseren pädagogischen Unterlagen folgt.

[ 65 ] Es wird eine Frage gestellt nach Disziplin und nach einer devotionellen Haltung den Lehrern gegenüber.

[ 65 ] Es wird eine Frage gestellt nach Disziplin und nach einer devotionellen Haltung den Lehrern gegenüber.

[ 66 ] Dr. Steiner: Wenn Sie fragen, ob überall dort lauter Devotion besteht, wo man die Waldorfschul-Pädagogik nicht anwendet... es kommt durchaus darauf an, daß gerade das, was Devotion, Verehrung des Lehrers, Liebe zum Lehrer ist, daß das sich in einer selbstverständlichen Weise ergibt. Sonst ist es nichts wert. Jede Devotion, die erzwungen wird, die gewissermaßen in gesetzlichen Bestimmungen der Schule begründet ist, hat für die Entwickelung des Menschen keinen Wert. Es ist so, daß man durchaus die Erfahrung macht, wenn die Kinder so erzogen werden, daß ihre eigene Wesenheit das Maßgebende ist, kommen sie am meisten dazu, ihre Lehrer zu verehren. Es ist keine Veranlassung zu Klagen. Natürlich, daß einzelne Dinge vorkommen, die nicht gerade für Devotion sprechen, ist nicht abzuleugnen. Aber es kommt darauf an, wieviel wert gerade die Devotion ist, die aus der Liebe erwächst, und wieviel mehr wert die andere ist, die ja doch nur gegenüber der Vorderseite der Lehrer und Erzieher sich abspielt und weniger, wenn er den Rücken gedreht hat. - Man muß die Dinge nicht so sich vorstellen, als ob die Sache so liegt, daß jedes Kind macht, was es will. Der Fall ist der, daß die Kinder immer mehr Vertrauen gewinnen zur Lehrerschaft.

[ 66 ] Dr. Steiner: Wenn Sie fragen, ob überall dort lauter Devotion besteht, wo man die Waldorfschul-Pädagogik nicht anwendet... es kommt durchaus darauf an, daß gerade das, was Devotion, Verehrung des Lehrers, Liebe zum Lehrer ist, daß das sich in einer selbstverständlichen Weise ergibt. Sonst ist es nichts wert. Jede Devotion, die erzwungen wird, die gewissermaßen in gesetzlichen Bestimmungen der Schule begründet ist, hat für die Entwickelung des Menschen keinen Wert. Es ist so, daß man durchaus die Erfahrung macht, wenn die Kinder so erzogen werden, daß ihre eigene Wesenheit das Maßgebende ist, kommen sie am meisten dazu, ihre Lehrer zu verehren. Es ist keine Veranlassung zu Klagen. Natürlich, daß einzelne Dinge vorkommen, die nicht gerade für Devotion sprechen, ist nicht abzuleugnen. Aber es kommt darauf an, wieviel wert gerade die Devotion ist, die aus der Liebe erwächst, und wieviel mehr wert die andere ist, die ja doch nur gegenüber der Vorderseite der Lehrer und Erzieher sich abspielt und weniger, wenn er den Rücken gedreht hat. - Man muß die Dinge nicht so sich vorstellen, als ob die Sache so liegt, daß jedes Kind macht, was es will. Der Fall ist der, daß die Kinder immer mehr Vertrauen gewinnen zur Lehrerschaft.

[ 67 ] Gerade in dieser Beziehung sind die Fortschritte ganz außerordentlich. Wer vergleichen kann, der findet einfach die Fortschritte ganz außerordentlich groß, die mit Bezug auf Disziplin seit zwei Jahren gemacht worden sind. Es ist tatsächlich so, wie wir die Kinder hereinbekommen haben, mußten wir nachdenken, wie wir Disziplin und dergleichen halten sollen. Jetzt ist die Sache auf einem ganze anderen Standpunkt eigentlich. Wir haben dadurch, daß das Verhältnis zwischen Lehrer und Kind ein natürliches ist, das allermeiste erreicht. Es ist ein großer Unterschied zwischen der Disziplinhaltung gegenwärtig und der Disziplinhaltung vor eineinhalb Jahren.

[ 67 ] Gerade in dieser Beziehung sind die Fortschritte ganz außerordentlich. Wer vergleichen kann, der findet einfach die Fortschritte ganz außerordentlich groß, die mit Bezug auf Disziplin seit zwei Jahren gemacht worden sind. Es ist tatsächlich so, wie wir die Kinder hereinbekommen haben, mußten wir nachdenken, wie wir Disziplin und dergleichen halten sollen. Jetzt ist die Sache auf einem ganze anderen Standpunkt eigentlich. Wir haben dadurch, daß das Verhältnis zwischen Lehrer und Kind ein natürliches ist, das allermeiste erreicht. Es ist ein großer Unterschied zwischen der Disziplinhaltung gegenwärtig und der Disziplinhaltung vor eineinhalb Jahren.

[ 68 ] Diese Dinge dürfen nicht von dem Gesichtspunkt beurteilt werden, der von außen hineingetragen wird. Man muß die Waldorfschule selbst betrachten. Die Devotion kann eben nicht eingebläut werden, womit ich nicht sagen will, daß manches andere schon eingebläut werden könnte. Die Devotion muß auf eine andere Weise erworben werden. Ängstlichkeiten, die nach solcher Richtung bestehen, kann man begreifen. Allein auch nach dieser Richtung hin ist es notwendig, daß man die Ängstlichkeit sich abgewöhnt und mehr auf das sieht, was in der Waldorfschule als Resultat und Ergebnis hervorrtritt.

[ 68 ] Diese Dinge dürfen nicht von dem Gesichtspunkt beurteilt werden, der von außen hineingetragen wird. Man muß die Waldorfschule selbst betrachten. Die Devotion kann eben nicht eingebläut werden, womit ich nicht sagen will, daß manches andere schon eingebläut werden könnte. Die Devotion muß auf eine andere Weise erworben werden. Ängstlichkeiten, die nach solcher Richtung bestehen, kann man begreifen. Allein auch nach dieser Richtung hin ist es notwendig, daß man die Ängstlichkeit sich abgewöhnt und mehr auf das sieht, was in der Waldorfschule als Resultat und Ergebnis hervorrtritt.

[ 69 ] Lassen Sie ein paar Jahre hinübergehen und unsere Schule weiterbestehen, dann wollen wir wieder reden, ob wir es erreicht haben, daß die Examina gemacht werden. Wir wollen es dann bereden. Wir sind überzeugt davon, daß sie im wesentlichen werden gemacht werden. Und dann sind wir auch überzeugt, daß ganz gewiß die Befürchtung ungerechtfertigt ist, daß durch unsere Schulmethode das eintritt, was man ja wahrhaftig da, wo der stärkste Schulzwang ist, reichlich genug bemerken kann. Ich habe dort auf der niedersten Schulstufe und auf der höchsten Schulstufe gesehen, daß es mit der Devotion nicht sehr gut bestellt ist. Ich meine, daß man nicht etwa das Dogma aufstellen dürfte, wo Zwangserziehung ist, da gedeiht allein die Devotion, wo unsere Erziehung herrscht, könnte vorkommen, daß die Kinder hinter den Lehrern Eselsohren machen. Wenn man in der rechten Weise dem Kinde beikommt mit der freundlichen Ermahnung, so ist es besser als mit der Ohrfeige.

[ 69 ] Lassen Sie ein paar Jahre hinübergehen und unsere Schule weiterbestehen, dann wollen wir wieder reden, ob wir es erreicht haben, daß die Examina gemacht werden. Wir wollen es dann bereden. Wir sind überzeugt davon, daß sie im wesentlichen werden gemacht werden. Und dann sind wir auch überzeugt, daß ganz gewiß die Befürchtung ungerechtfertigt ist, daß durch unsere Schulmethode das eintritt, was man ja wahrhaftig da, wo der stärkste Schulzwang ist, reichlich genug bemerken kann. Ich habe dort auf der niedersten Schulstufe und auf der höchsten Schulstufe gesehen, daß es mit der Devotion nicht sehr gut bestellt ist. Ich meine, daß man nicht etwa das Dogma aufstellen dürfte, wo Zwangserziehung ist, da gedeiht allein die Devotion, wo unsere Erziehung herrscht, könnte vorkommen, daß die Kinder hinter den Lehrern Eselsohren machen. Wenn man in der rechten Weise dem Kinde beikommt mit der freundlichen Ermahnung, so ist es besser als mit der Ohrfeige.