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The Rudolf Steiner Archive

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Rudolf Steiner in the Waldorf School
GA 298

9 May 1922, Stuttgart

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12. Ansprache am Elternabend

12. Speech at the Parents' Night

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Es ist nicht eigentlich ein Vortrag, den ich bei dieser Gelegenheit halten möchte, sondern ich möchte Veranlassung geben zu einer möglichst weitgehenden Verständigung der an der Führung und an dem Wirken der Waldorfschule Beteiligten und der Elternschaft unserer Schule. Das ist aus dem Grunde, weil ich tatsächlich diese Verständigung, dieses Zusammenwirken der Lehrer und anderer Persönlichkeiten, die an der Führung der Waldorfschule beteiligt sind, und der Eltern für etwas außerordentlich Notwendiges und Bedeutungsvolles halte.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! What I would like to present on this occasion is not so much a lecture as an opportunity to foster the broadest possible understanding among those involved in the administration and work of the Waldorf School and the parents of our school. The reason for this is that I truly consider this mutual understanding and cooperation between the teachers, other individuals involved in the administration of the Waldorf School, and the parents to be something extraordinarily necessary and significant.

[ 2 ] Gestatten Sie mir, daß ich dabei von einem Erlebnis ausgehe, das ich erst jüngst hatte, um an diesem Erlebnis zu veranschaulichen, wie wichtig die Frage ist, auf die ich hingedeutet habe. Ich habe ja in den letzten Wochen die Aufgabe gehabt, mitzuwirken bei der zum Geburtstag von Shakespeare veranstalteten Feier in Stratford on Avon in England. Und diese Shakespeare-Festlichkeit war eigentlich eine solche, die ganz unter dem Eindruck und Einfluß stand von Erziehungsfragen. Sie war veranstaltet von Persönlichkeiten, die an Kinder- und Volkserziehung tief interessiert sind. Man kann auch sagen, bei dieser ganzen Festlichkeit stand gewissermaßen die Welt der Shakespeareschen Kunst nur im Hintergrund, denn dasjenige, was verhandelt worden ist, waren Erziehungsfragen der Gegenwart. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich auch eine der kleinen, oder vielleicht einmal sogar großen Auswirkungen jenes pädagogischen Kurses, den ich zu Weihnachten an unserem Goetheanum in Dornach gehalten habe, und an dem gerade Persönlichkeiten teilnahmen, die mitzuwirken hatten an dieser Shakespeare-Festlichkeit.

[ 2 ] Allow me to begin with an experience I had just recently, in order to use this experience to illustrate how important the question I have alluded to is. Over the past few weeks, I’ve had the opportunity to participate in the celebrations held in Stratford-upon-Avon, England, to mark Shakespeare’s birthday. And this Shakespeare festival was, in fact, one that was entirely shaped by and influenced by issues of education. It was organized by individuals who are deeply interested in children’s education and public education. One could also say that, in a sense, the world of Shakespearean art took a back seat during the entire festival, for what was discussed were contemporary educational issues. On this occasion, one of the small—or perhaps even significant—effects of the educational course I held at Christmas at our Goetheanum in Dornach also became apparent; this course was attended by very people who were involved in organizing this Shakespeare celebration.

[ 3 ] Nun gibt es da in der Nähe von London ein Erziehungsinternat. Es hat noch keine besondere Größe, aber dieses Erziehungsinternat wird geleitet von einer Persönlichkeit, die bei dem Dornacher Kurs anwesend war und von dort her die Anregung mitgenommen hat, in dieses Erziehungsinternat, vielleicht sogar bei einer Vergrößerung desselben, dasjenige, was wir jetzt nennen dürfen die Waldorfpädagogik, das Waldorf-Erziehungswesen einzuführen. Wir wurden eingeladen, diese Erziehungsanstalt anzusehen. Dabei kamen die verschiedenen Fragen zur Sprache, die die gegenwärtige Leitung betreffen, und dasjenige, was getan werden könnte, um den Geist des hier in der Waldorfschule gepflegten Erziehungswesens dorthin zu übertragen.

[ 3 ] Now there is a boarding school near London. It is not yet very large, but this boarding school is led by a person who attended the Dornach Course and was inspired there to introduce what we may now call Waldorf education—the Waldorf educational system—into this boarding school, perhaps even as it expands. We were invited to visit this educational institution. During the visit, various questions arose concerning the current administration and what could be done to transfer the spirit of the educational system cultivated here at the Waldorf School to that institution.

[ 4 ] Es kam eine Frage ganz besonders zur Besprechung, und das war diese, daß die leitenden Persönlichkeiten sagten: Ja, mit den Kindern würden wir eigentlich recht gut fertig; wir bekommen jedes Jahr die kleine Anzahl von Kindern herein, welche uns auch zu halten möglich ist bei der Größe unserer Anstalt. Aber das Schwierigste ist das Zusammenwirken mit den Eltern. Schwierig aus dem Grunde, weil nun einmal in der älteren Generation überall - das ist durchaus eine internationale Angelegenheit — heute ganz bestimmte Ansichten vorhanden sind, so und so muß die Erziehung verlaufen. Es gibt manche Veranlassung dazu, daß die Eltern ihre Kinder in diese oder jene Anstalt geben. Wenn es sich wirklich darum handelt, daß ein wenig abgewichen werden soll von dem, in was man sich eingelebt hat, dann entsteht sehr leicht die Uneinigkeit der Schule mit den Eltern. Und das ist etwas, was gerade in einem freien Schulwesen wirklich nicht zu ertragen ist. Nun liegen dort in dem Schulinternat, von dem ich spreche, ganz besondere Schwierigkeiten nach dieser Richtung vor. Ich will jetzt weder Kritik anlegen, noch will ich etwas empfehlen. Ich will einfach von den Tatsachen sprechen. In diesem Schulinternat gibt es, trotzdem es ein Internat ist, gar keine Bediensteten. Die Schule wird ganz allein von den Kindern und Lehrern versorgt, so daß also von diesen Schülern und Lehrern die Diele gewaschen werden muß, die Teller abgewaschen werden müssen, das Gemüse gepflanzt werden muß, die Hühner versorgt werden müssen, damit sie Eier liefern - ich könnte eine lange Liste aufzählen. Daneben werden alle möglichen Arbeiten von den Kindern gezeigt, so daß man schon den Eindruck hat, da geht es doch anders zu als in manchen anderen Erziehungsinternaten. Die Kinder müssen auch kochen, also alles machen, vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Und daß die Lehrer und Erzieher dabei in einer kräftigen Weise mitwirken, das sieht man der Sache schon an. Nun, ich will das weder empfehlen noch irgendwelche Kritik anlegen. Ich will das nur hinstellen. Dann kommt es vor, wenn die Kinder in den Ferien nach Hause kommen und sagen, was sie tun müssen, daß die Eltern die Ansicht haben, das hätten sie sich nicht vorgestellt, das könnten sie nicht begreifen. Deshalb ist es in diesem Falle recht schwierig, die Eintracht mit den Eltern zu erhalten. - Ich führe den Fall nur an, um auf die Empfindung hinzudeuten, die man hat, wenn es sich um das Ernstnehmen des Erziehungs- und Unterrichtswesens handelt, auf die Empfindung, daß es notwendig ist, in vollem Einklang mit der Elternschaft der Kinder zu wirken und zu arbeiten.

[ 4 ] One issue in particular came up for discussion, and that was this: the leaders said, “Yes, we actually manage quite well with the children; every year we take in the small number of children that we are able to accommodate given the size of our institution. But the most difficult part is working with the parents.” It is difficult because, after all, the older generation everywhere—and this is certainly an international phenomenon—holds very specific views today about how education must be conducted. There are many reasons why parents send their children to this or that institution. When it really comes down to deviating slightly from what they’ve grown accustomed to, disagreements between the school and the parents arise very easily. And that is something that is truly intolerable, especially in a free school system. Now, at the boarding school I am referring to, there are very specific difficulties of this nature. I do not intend to offer criticism, nor do I wish to make any recommendations. I simply want to speak about the facts. At this boarding school, even though it is a boarding school, there are no staff members at all. The school is run entirely by the children and teachers, which means that these students and teachers have to mop the floors, wash the dishes, plant the vegetables, and tend to the chickens so they lay eggs—I could go on and on. In addition, the children take on all sorts of tasks, giving the impression that things are run differently there than in some other boarding schools. The children also have to cook—in other words, they do everything from early morning until late evening. And it’s clear to see that the teachers and educators play an active role in this. Well, I don’t mean to recommend this or offer any criticism. I just want to present the facts. Then, when the children come home for vacation and describe what they have to do, their parents often feel that this is not the mental image they had and that they simply cannot understand it. That is why, in this case, it is quite difficult to maintain harmony with the parents. - I’m only citing this example to illustrate the feeling one has when it comes to taking education and instruction seriously—the feeling that it’s necessary to act and work in full harmony with the children’s parents.

[ 5 ] Nun, wir sind selbstverständlich in der Waldorfschule in einer anderen Lage. Wir haben kein Internat, wir haben eine Schule und haben den Unterricht zu erteilen und während des Unterrichtserteilens selbstverständlich das erzieherische Prinzip ins Auge zu fassen. Aber dennoch, dessen können Sie versichert sein: als ein Grundelement für alles, was wir in der Waldorfschule als unsere Aufgabe betrachten, müssen wir ansehen das Zusammenarbeiten mit der Elternschaft. Es ergeben sich fortwährend im Laufe der Schulführung unzählige Fragen mit Bezug auf das Wohl und Wehe, auf den guten Fortgang und auf die Gesundheit, die leibliche und seelische Gesundheit, es ergeben sich fortwährend unzählige Fragen, die nur im Verein mit den Eltern zu lösen sind. Deshalb müßte es eigentlich - und es wird ja den Verhältnissen Rechnung getragen werden müssen — immer nötiger und nötiger werden, diese Elternabende auszubauen und zu einer öfteren Erscheinung in unserer Schulführung zu machen.

[ 5 ] Well, we are, of course, in a different situation at the Waldorf School. We do not have a boarding school; we have a school, and we must teach the lessons while, of course, keeping the educational principle in mind. Nevertheless, you can rest assured of this: we must regard cooperation with parents as a fundamental element of everything we consider our task at the Waldorf School. In the course of running the school, countless questions continually arise regarding the children’s well-being and welfare, their progress, and their health—both physical and emotional—and these questions can only be resolved in collaboration with the parents. Therefore—and while we must, of course, take the circumstances into account—it should actually become increasingly necessary to expand these parent-teacher conferences and make them a more frequent feature of our school administration.

[ 6 ] Unsere Waldorfschule soll ja nicht nur ihrem Titel nach, sondern ihrem ganzen Wesen nach eine freie Schule sein, und gerade weil sie eine solche freie Schule sein soll, sind wir auf die Hilfe der Elternschaft in einem ganz außerordentlich hohen Grade angewiesen. Es ist meine Überzeugung, daß es eigentlich bei allen Eltern nur eben die tiefste Befriedigung wird hervorrufen können, wenn in uns das Verlangen nach dem Zusammenwirken mit der Elternschaft besteht.

[ 6 ] Our Waldorf school is meant to be a free school not only in name but in its very essence, and precisely because it is meant to be such a free school, we rely on the support of parents to an exceptionally high degree. It is my conviction that nothing can bring all parents deeper satisfaction than our desire to work together with them.

[ 7 ] Eine freie Schule ist die Waldorfschule. Sehen Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, was eigentlich eine freie Schule bedeuten soll, das ist ja etwas, was immer wieder und wieder gesagt werden muß, und was gar nicht stark genug gesagt werden kann, aus dem einfachen Grunde, weil kaum heute es in weiteren Kreisen möglich ist, das völlige Bedürfnis nach einer solchen freien Schule zu haben. Wir haben das Vorurteil von Jahrhunderten gegen uns, namentlich in der folgenden Weise:

[ 7 ] A free school is the Waldorf school. You see, ladies and gentlemen, what a free school is actually supposed to mean—this is something that must be said again and again, and that cannot be emphasized strongly enough, for the simple reason that today it is hardly possible for wider circles to recognize the absolute need for such a free school. We are up against centuries of prejudice, specifically in the following way:

[ 8 ] Man braucht nicht weit zurückzuschauen in der Entwickelung der Menschheit, da war bis zu einem recht hohen Grade das Schulwesen, namentlich das Volksschulwesen, sehr frei. Aber die damalige Freiheit dieses Schulwesens hatte dazu geführt, daß es sehr viele Analphabeten gab, daß eine Schulerziehung nur von einzelnen Menschen gesucht worden ist. Nun kam im Laufe der Menschheitsentwickelung in den zivilisierten Gebieten immer mehr das Verlangen herauf, eine gewisse Bildungsgrundlage für das soziale Leben zu fordern. Ich kann jetzt nicht ausführen, wodurch es gekommen ist, daß das Verlangen auftauchte, eine gewisse Bildungsgrundlage zu fordern für das soziale Leben; aber dieses Verlangen kam in einer Zeit herauf, in der die Menschen ihrer Hinneigung zu den alten Göttern abgeschworen hatten und nun von einem Gotte allen Segen und alles Gute für die Entwickelung der Menschheit erwarteten, von dem Gotte Staat. Und insbesondere in Mitteleuropa war ja die Gegend, in der man ganz besonders stark darauf erpicht war, in diesem Gotte Staat nun nicht nur alles mögliche andere Heilsame zu sehen, sondern auch das Heilsame für die Kindererziehung.

[ 8 ] One need not look far back in the history of humanity to find that, to a considerable degree, the school system—particularly elementary education—was very free. But the freedom of the school system at that time had led to a very high number of illiterate people, and only a few individuals sought a formal education. Now, as human civilization developed, the desire to demand a certain educational foundation for social life grew increasingly strong in civilized regions. I cannot explain here exactly how this desire to demand a certain educational foundation for social life came about; but this desire arose at a time when people had renounced their devotion to the old gods and now expected all blessings and all that is good for the development of humanity from one God—the God-State. And Central Europe, in particular, was the region where people were especially eager to see in this “God-State” not only every other possible source of well-being, but also the source of well-being for the upbringing of children.

[ 9 ] Man ging einmal von dem wie selbstverständlich angesehenen Grundsatze aus: Parlament, große Ratsversammlung und so weiter, das sind Veranstaltungen, wo die Genialität blüht. Auch dann, wenn die einzelnen, die beteiligt sind an dieser Parlamentsversammlung, einem nicht so als außerordentlich erleuchtet vorkamen. Man hatte die Meinung, wenn die Leute beisammen sind, dann werden sie gescheit. Und dann werden sie über alle Angelegenheiten das Richtige bestimmen können.

[ 9 ] It was once taken for granted that Parliament, large council meetings, and so on, were occasions where genius flourished. This was true even when the individuals participating in these parliamentary sessions did not seem particularly enlightened. The prevailing opinion was that when people come together, they become wise. And then they will be able to make the right decisions on all matters.

[ 10 ] Einzelne Menschen zwar, die auch eine recht gute, tiefe Kenntnis hatten, wie zum Beispiel der Dichter Rosegger, die hatten - verzeihen Sie, daß ich solch ein Wort erwähne - eine andere Meinung. Rosegger hat den Spruch geprägt: «Oaner is a Mensch; mehrere san Leit; vüle, dös san Viecher.»

[ 10 ] There were, however, a few individuals who also possessed quite a good, deep understanding—such as the poet Rosegger—who held—forgive me for using such a word—a different opinion. Rosegger coined the saying: “One is a human being; several are people; many—those are animals.”

[ 11 ] Das ist ein bißchen radikal ausgedrückt, aber jedenfalls widerspricht es der Meinung, die sich gerade in den letzten Jahrhunderten herausgebildet hat, daß man in all dem, was staatsähnlich ist, das finden könne, was das Richtige in bezug auf Kindererziehung feststellen könnte. Und so ist schon unser Schulwesen einfach im Glauben nach und nach herangewachsen, daß es gar nicht anders sein könne, als daß von der staatlichen Gemeinschaft aus alles für das Schulwesen eben auch bestimmt würde.

[ 11 ] That is put rather radically, but in any case it contradicts the view that has emerged, particularly in recent centuries, that one can find in everything that resembles the state the correct approach to raising children. And so our school system has simply grown, step by step, in the belief that it could not be any other way—that everything pertaining to the school system must necessarily be determined by the state.

[ 12 ] Nun, eine freie Schule ist diejenige, welche den Lehrenden und Erziehenden alles dasjenige ermöglicht, was sie aus ihrer Menschenerkenntnis heraus, aus ihrer Welterkenntnis heraus, aus ihrer Kinderliebe heraus unmittelbar für das Wesentliche halten, was hineingetragen werden soll ins Erziehungswesen. — Eine unfreie Schule ist diejenige, wo der Lehrer fragen muß: Was ist vorgeschrieben für die erste Klasse, was ist vorgeschrieben für die zweite Klasse, wie muß die Stunde eingeordnet werden nach dem Gesetz?

[ 12 ] Well, a free school is one that enables teachers and educators to do everything that, based on their understanding of human nature, their understanding of the world, and their love for children, they directly consider essential and believe should be incorporated into the educational system. — A school that is not free is one where the teacher must ask: What is prescribed for the first grade, what is prescribed for the second grade, and how must the lesson be structured according to the law?

[ 13 ] Eine freie Schule ist eine solche, wo die Lehrer eine ganz bestimmte, ihrem Wirken zugrunde liegende Erkenntnis haben von dem, wie ein Kind heranwächst, welche körperlichen und seelischen Kräfte in ihm liegen, welche körperlichen und seelischen Kräfte in dem Kinde entwikkelt werden müssen; wo der Lehrer das, was er jeden Tag und jede Stunde machen muß, aus dieser Menschenerkenntnis und aus seiner Kinderliebe heraus einrichten kann. Man hat nicht ein sehr starkes Gefühl davon, wie grundverschieden die unfreie Schule von der freien Schule ist. Denn die wirklich erzieherischen und unterrichtenden Kräfte des Lehrers können sich nur entwickeln in der freien Schule.

[ 13 ] A free school is one in which the teachers have a very specific understanding—which forms the basis of their work—of how a child grows, what physical and spiritual powers lie within the child, and which physical and spiritual powers need to be developed in the child; where the teacher can organize what he or she must do every day and every hour based on this understanding of human nature and out of love for children. People do not have a very strong sense of how fundamentally different the unfree school is from the free school. For the teacher’s true educational and instructional abilities can only develop in the free school.

[ 14 ] Weil man gegenwärtig von diesen Dingen eigentlich gar nicht eine wirkliche Empfindung hat, deshalb ist es so schwer, mit dem freien und befreiten Schulwesen wieder weiter zu dringen. Man darf sich gar nicht irgendwelchen Illusionen hingeben. Wenige Stunden, bevor ich hierher gereist bin, bekam ich einen Brief, der mir mitteilt, nachdem lange Zeit gearbeitet worden ist, um in einer anderen Stadt Deutschlands eine ähnliche Schule wie diese Waldorfschule zu errichten, daß diese abgewiesen worden ist. Wir haben darin ein deutliches Zeichen, daß die weitere Entwickelung der Zeit nicht dahin geht, das freie Schulwesen zu fördern. Daher müssen wir - und das ist dasjenige, was ich den Eltern unserer lieben Schulkinder ganz besonders ans Herz legen möchte -, darum müssen wir diese Waldorfschule, die wir jetzt haben, die wir uns errungen haben, in der wirklich aus der freien Kraft der Lehrerschaft heraus die Kinder zu allseitig tüchtigen und gesunden Menschen gemacht werden sollen, wir müssen diese Waldorfschule hegen und pflegen. Wir müssen uns bewußt werden, daß es nicht leicht sein wird, gegenüber den Vorurteilen der Gegenwart irgend etwas zweites Ähnliches zu haben wie diese Waldorfschule. Und dabei dürfen wir schon darauf hinweisen, daß diese Waldorfschule, nachdem sie noch nicht drei Jahre besteht, etwas ist, was gegenwärtig, wir dürfen es sagen, in der ganzen zivilisierten Welt besprochen wird. Denn sehen Sie, es ist immerhin von einer gewissen Bedeutung - denken Sie an dasjenige, was ich über diese Schule in der Nähe von London gesagt habe -, daß sich einige Leute gefunden haben, um dort eine Waldorfschule ins Leben zu rufen.

[ 14 ] Because people currently have virtually no real sense of these things, that is why it is so difficult to make further progress with a free and liberated school system. We must not allow ourselves to harbor any illusions. Just a few hours before I traveled here, I received a letter informing me that, after a long period of effort to establish a school similar to this Waldorf School in another city in Germany, the proposal had been rejected. This is a clear sign that the current trend is not moving toward promoting a free school system. Therefore—and this is what I would like to urge the parents of our dear schoolchildren in particular—we must cherish and nurture this Waldorf School that we now have, that we have fought to establish, where, through the genuine, free initiative of the teaching staff, the children are to be shaped into well-rounded, capable, and healthy individuals. We must realize that, in the face of today’s prejudices, it will not be easy to establish anything else even remotely similar to this Waldorf School. And in this regard, we may already point out that this Waldorf School—even though it has been in existence for less than three years—is something that is currently, we may say, the subject of discussion throughout the entire civilized world. For you see, it is, after all, of some significance—think of what I said about that school near London—that a group of people have come together to establish a Waldorf school there.

[ 15 ] Wir können diese Frage auch von einem viel weiteren Gesichtspunkte betrachten. Dieser Gesichtspunkt ist der, daß wir ja nun immerhin in der Notwendigkeit sind, etwas zu tun dazu, daß das deutsche Wesen in der Welt wiederum seine Stellung bekommt. Deutsches Wesen wird aber, das können Sie versichert sein, seine Bedeutung nur dann bekommen, wenn der geistige Inhalt dieses deutschen Wesens vor allen Dingen zu seiner Geltung in der Welt gebracht wird. Und nach dem wird man, wenn er in der richtigen Weise vor die Welt hingestellt wird, nach dem wird man Verlangen tragen. Man wird sich bewußt werden, daß man ihn braucht.

[ 15 ] We can also consider this question from a much broader perspective. This perspective is that we are, after all, now faced with the necessity of doing something to ensure that the German spirit regains its rightful place in the world. But the German spirit—you can be assured of this—will only attain its significance if, above all else, the spiritual content of this German spirit is brought to prominence in the world. And once it is presented to the world in the right way, people will come to desire it. They will become aware that they need it.

[ 16 ] Dazu ist notwendig, daß wir wirklich in die vollen Tiefen dieses deutschen Wesens hineindringen und aus ihnen heraus schaffen. Und das zeigt sich gerade an einer so vehementen, manchmal tumultuarischen Erziehungsbewegung wie derjenigen, die bei dem Shakespeare-Fest erlebt werden konnte. Da zeigt sich, daß in der ganzen Welt das Bedürfnis vorhanden ist: dem Erziehungswesen müssen neue Impulse eröffnet werden. Das ist eine Angelegenheit der zivilisierten Menschheit, daß es mit den alten Formen nicht mehr weiter geht.

[ 16 ] To achieve this, we must truly delve into the very depths of this German essence and create from within them. And this is particularly evident in such a vehement, at times tumultuous educational movement as the one witnessed at the Shakespeare Festival. This demonstrates that there is a need throughout the world: new impulses must be introduced into the educational system. It is a matter of concern for all of civilized humanity that we can no longer continue with the old forms.

[ 17 ] Es ist so: mit den Dingen, die in der Waldorfschule gepflegt werden, hat man etwas zu sagen auf die Fragen, die in der ganzen Welt in bezug auf das Erziehungs- und Unterrichtswesen aufgeworfen werden. Nur hat man eben auch fast alle Vorurteile der ganzen Welt gegen sich, und immer mehr geht es auf das hinaus, daß wenigstens die untersten Klassen des Volksschulwesens der Freiheit entzogen werden sollen. Es ist außerordentlich schwierig, gegen diese Voruteile anzukämpfen. Die Waldorfschule kann nur dadurch ankämpfen, daß sie wirklich aus der freien Kraft der Lehrerschaft aus den Kindern dasjenige macht, was eben nur aus einer solchen freien Kraft heraus gemacht werden kann.

[ 17 ] The fact is: through the principles cultivated in Waldorf schools, we have something to contribute to the questions being raised around the world regarding education and teaching. However, we also face almost all the prejudices of the entire world, and it is increasingly coming to the point where at least the lowest grades of the public school system are to be deprived of their freedom. It is extraordinarily difficult to fight against these prejudices. The Waldorf School can only fight back by truly drawing upon the free creative power of its teachers to bring out in the children what can only be brought out through such free creative power.

[ 18 ] Dazu aber bedürfen wir des innigen, des einträchtigen Zusammenwirkens mit der Elternschaft. Und bei einer der Elternversammlungen, bei der ich schon anwesend sein konnte, habe ich schon darauf hingewiesen, daß wir deshalb, weil wir ein freies Schulwesen anstreben, darauf angewiesen sind, Verständnis, tiefes Verständnis bei der Elternschaft zu finden. Wenn wir dieses Verständnis finden, dann werden wir richtig arbeiten können. Und dann werden wir andererseits vielleicht doch dasjenige, was mit der Waldorfschule gemeint ist, zur Geltung bringen können.

[ 18 ] To achieve this, however, we need the close, harmonious cooperation of parents. And at one of the parents’ meetings I was able to attend, I already pointed out that because we are striving for a free school system, we depend on finding understanding—deep understanding—among parents. If we find this understanding, then we will be able to work effectively. And then, perhaps, we will be able to bring to life what the Waldorf school is truly meant to be.

[ 19 ] Ich habe dazumal betont, wie es unser Bestreben sein muß, wirklich aus der Erkenntnis der kindlichen Wesenheit und kindlichen Körperheit alles dasjenige herauszuholen, was zum Gegenstand des Unterrichts und der Erziehung gemacht werden soll. Eine solche Kinderbeobachtung, weil sie ja eine Menschenbeobachtung ist, eine solche Kinderbeobachtung ist nur möglich, wenn man eine Erkenntnis des ganzen Menschen anstrebt, wie sie angestrebt wird durch die Anthroposophie. Immer wieder müssen wir sagen: Es ist uns gar nicht darum zu tun, etwa Anthroposophie in die Schule hineinzutragen. Darüber werden sich die Eltern nicht zu beklagen haben, daß wir Anthroposophie als Weltanschauung in die Schule hineintragen wollen. Aber gerade so, wie wir es vermeiden, Weltanschauung, Anthroposophie in die Schule hineinzutragen, möchten wir es anstreben, diejenige pädagogische Geschicklichkeit, die nur kommen kann aus anthroposophischer Durchbildung, in der Handhabung des Unterrichts, in der Behandlung des Kindes geltend zu machen. - Wir haben die katholischen Kinder dem katholischen Pfarrer zur Verfügung gestellt, die evangelischen Kinder dem evangelischen Pfarrer, und wir haben den freien Religionsunterricht nur für diejenigen, deren Eltern ihn eben suchen. Auch das ist vollständig freigestellt; er ist eingerichtet nur für die Kinder, die wahrscheinlich in der Mehrzahl sonst überhaupt an keinem Religionsunterricht teilnehmen würden. Also darauf legen wir nicht das Hauptgewicht. Dasjenige, was wir in bezug auf die Weltanschauung zu sagen haben, das ist für Erwachsene.

[ 19 ] At that time, I emphasized how our aim must be to draw from an understanding of the child’s essence and physical nature everything that is to become the subject of instruction and education. Such observation of children—since it is, after all, an observation of human beings—is only possible if one strives for an understanding of the whole human being, as is sought through anthroposophy. We must say again and again: We are not at all concerned with, for example, introducing anthroposophy into the school. Parents will have no cause to complain that we want to introduce anthroposophy as a worldview into the school. But just as we avoid introducing a worldview—anthroposophy—into the school, we would like to strive to apply that pedagogical skill—which can only come from anthroposophical training—in the conduct of lessons and in our approach to the child. - We have made the Catholic children available to the Catholic pastor and the Protestant children to the Protestant pastor, and we offer non-denominational religious instruction only to those whose parents specifically seek it. This, too, is entirely optional; it is provided only for those children who, in all likelihood, would otherwise not participate in any religious instruction at all. So we do not place the main emphasis on this. What we have to say regarding our worldview is intended for adults.

[ 20 ] Aber dasjenige, was, ich möchte sagen, bis in die Geschicklichkeit der Fingerspitzen hinein Anthroposophie aus einem Menschen machen kann, das macht sie insbesondere gerade aus einem Lehrer, aus einem Erzieher. Und die Behandlung der Kinder, die Behandlung des Lehr- und Erziehungsinhaltes, das ist es, was so erstrebt werden soll, daß die Kinder überall sich wie selbstverständlich hineinfinden in das, was in der Schule vor diese Kinder hingebracht wird. Überall soll sorgfältig erwogen werden: was ist das Richtige für ein bestimmtes kindliches Alter?

[ 20 ] But what, I would say, can make a person an anthroposophist—right down to the dexterity of their fingertips—is what makes them, in particular, a teacher, an educator. And the way children are treated, the way the content of teaching and education is handled—that is what should be strived for, so that children everywhere can naturally find their way into what is presented to them at school. Everywhere, careful consideration should be given to the question: What is appropriate for a child of a certain age?

[ 21 ] Sie wissen ja, wir beginnen nicht so mit dem Lesen- und Schreibenlernen, wie das heute vielfach geschieht. Wir entwickeln, indem wir mit dem Schreibenlernen beginnen, die Buchstabenformen, die sonst dem Kinde fremd sind, aus dem heraus, zu dem das Kind mit innerem Behagen sich hinwendet aus einer Art künstlerischer Tätigkeit, künstlerischem Formensinn. Unsere Kinder kommen dadurch etwas später dazu, Schreiben und Lesen zu lernen, weil ja, wenn man die Natur des Kindes berücksichtigt, das Lesen nach dem Schreiben kommen muß.

[ 21 ] As you know, we do not begin teaching reading and writing the way it is often done today. By starting with writing, we develop the shapes of letters—which are otherwise unfamiliar to the child—out of that to which the child turns with inner comfort: a kind of artistic activity, an artistic sense of form. As a result, our children begin to learn to read and write a little later, because—if one takes the child’s nature into account—reading must come after writing.

[ 22 ] Nun wenden sich die, die in die alten Anschauungen eingewöhnt sind, dagegen und sagen: da lernen die Kinder viel später Lesen und Schreiben als in anderen Schulen. - Warum lernt das Kind in der anderen Schule früher Lesen und Schreiben? Weil man nicht weiß, welches Lebensalter gut ist dazu, um Lesen und Schreiben zu können. Erst legen wir uns die Frage vor, ob es überhaupt berechtigt ist, zu verlangen, daß das Kind schon im achten Jahr mit einer gewissen Fertigkeit lesen können, schreiben können soll.

[ 22 ] Now those who are accustomed to the old ways of thinking object to this and say: “Children learn to read and write much later here than in other schools.” — Why do children learn to read and write earlier in other schools? Because no one knows what age is best for learning to read and write. First, let us ask ourselves whether it is even justified to demand that a child be able to read and write with a certain degree of proficiency as early as the age of eight.

[ 23 ] Wenn man diese Anschauungen weiter ausdehnt, dann entwickeln sich solche weitergehenden Ansichten, wie wir sie in einer merkwürdigen Weise erfahren können. Wer Goethe genau kennt, der kann auch wissen: Wenn man mit dem, was für einen zwölfjährigen Jungen heute schulmäßige Anforderungen sind, an Goethe herangeht und sich fragt, hat Goethe das wirklich so gekonnt? — wird man sehen, er hat es nicht einmal mit sechzehn Jahren gekonnt und ist doch der Goethe geworden. Österreich hatte einen bedeutenden Dichter, Robert Hamerling. Er hat natürlich in seiner Jugend sich nicht vorgenommen, ein Dichter zu werden, das machte sein Genie, aber er wollte Mittelschullehrer werden. Er hatte eine Lehramtsprüfung abgelegt. In seinem Zeugnis steht, daß er im Lateinischen und Griechischen ganz außerordentlich gute Kenntnisse aufgewiesen habe, daß er aber nicht fähig sei, die deutsche Sprache zu handhaben, sondern daß er nur für die unterste Klasse zum Unterricht tauge. Aber er wurde der bedeutendste neuere Dichter Österreichs. Er hat in der deutschen Sprache und nicht in der slowakischen Sprache geschrieben.

[ 23 ] If one extends these perspectives further, then more far-reaching views emerge, which we can experience in a remarkable way. Anyone who knows Goethe well also knows this: If one approaches Goethe with the academic standards expected of a twelve-year-old boy today and asks, “Did Goethe really master this?” — one will see that he could not have done so even at the age of sixteen, and yet he became Goethe. Austria had a significant poet, Robert Hamerling. Of course, in his youth he did not set out to become a poet—his genius made that happen—but he wanted to become a secondary school teacher. He had passed a teacher certification exam. His report card states that he demonstrated exceptionally good knowledge of Latin and Greek, but that he was unable to handle the German language and was therefore only suitable for teaching the lowest grade level. Yet he became Austria’s most significant modern poet. He wrote in German, not in Slovak.

[ 24 ] An dem Leben müssen eben die pädagogischen Impulse gemessen werden. Und das ist das Wesentliche unserer Pädagogik, daß wir das ganze Leben des Kindes im Auge haben und daß wir wissen: wenn wir dem Kinde etwas im siebenten, achten Lebensjahr beibringen, so muß es so beigebracht werden, daß es mit dem Kinde heranwächst, daß das Kind das noch im dreißigsten, vierzigsten Jahre hat, daß man das ganze Leben etwas hat davon. Sehen Sie, da ist es so, daß gerade diejenigen Kinder, die mit acht Jahren perfekt lesen und schreiben können, daß die mit Bezug auf gewisse innere seelische Gesundheitsimpulse verkümmern. Ja, richtig verkümmern. Es ist ein großes Glück, wenn man mit acht Jahren noch nicht so lesen und schreiben kann, wie es heute verlangt wird. Es ist ein großes Glück für die leibliche und seelische Gesundheit.

[ 24 ] It is against the backdrop of life that educational approaches must be measured. And that is the essence of our educational approach: that we keep the child’s entire life in mind and that we know this: if we teach a child something in their seventh or eighth year, it must be taught in such a way that it grows with the child, so that the child still possesses it in their thirtieth or fortieth year—so that they benefit from it throughout their entire life. You see, it is precisely the case that those children who can read and write perfectly by the age of eight are, in terms of certain inner, psychological health impulses, stunted. Yes, truly stunted. It is a great blessing if, at the age of eight, one cannot yet read and write as is demanded today. It is a great blessing for physical and psychological health.

[ 25 ] Was gepflegt werden muß, es muß hervorgeholt werden aus den Bedürfnissen der menschlichen Natur. Man muß dafür ein feines Verständnis haben, nicht nur für dasjenige, was richtig ist. Es ist leicht, sich vor eine Klasse hinzustellen und in einer Weise herauszubekommen: Der sagt etwas Richtiges, der etwas Falsches! - und dann zu korrigieren das Falsche ins Richtige; aber eine eigentlich erzieherische Tätigkeit wird dabei nicht ausgeübt. Es ist ganz unwesentlich für die menschliche Entwickelung des Kindes, wenn man das Kind Aufsätze und Schularbeiten machen läßt und sie korrigiert, und das Kind sich überzeugt, daß es Fehler gemacht hat. Das Wesentliche ist, daß man einen feinen Sinn hat für die Fehler, welche die Kinder machen. Fehler machen die Kinder auf hunderterlei Weise. Jedes Kind macht anders seine Fehler, und wenn man einen feinen Sinn hat dafür, wie verschieden sich die Kinder verhalten mit Bezug auf die Fehler, dann kriegt man heraus, was man zu tun hat, um die Kinder weiter zu bringen.

[ 25 ] What needs to be nurtured must be drawn from the needs of human nature. One must have a subtle understanding of this, not just of what is right. It is easy to stand in front of a class and say something like: “This one says something right, that one says something wrong!”—and then to correct the wrong into the right; but this does not constitute a truly educational activity. It is entirely irrelevant to a child’s human development to have the child write essays and do schoolwork, to correct them, and for the child to realize that he or she has made mistakes. What is essential is having a keen sense for the mistakes children make. Children make mistakes in a hundred different ways. Every child makes mistakes differently, and if one has a keen sense of how differently children behave in relation to their mistakes, then one can figure out what needs to be done to help the children progress.

[ 26 ] Nicht wahr, mit Bezug auf das Leben sind die Gesichtspunkte, die man hat, verschieden. Der Arzt hat nicht dieselben Gesichtspunkte bezüglich der Krankheit wie der Patient. Vom Patienten kann man nicht verlangen, daß er in ganz bestimmte Krankheiten verliebt ist. Vom Arzt kann man sagen, daß er dann ein richtiger Arzt ist, wenn er die Krankheit liebt. So handelt es sich darum, daß man eine gewisse Verliebtheit hat in die interessanten Fehler, welche die Kinder machen, Dadurch lernt man erst die menschliche Natur kennen. Verzeihen Sie, wenn ich mich radikal ausdrücke. Man muß sich radikal ausdrücken. Für den Lehrer ist es interessanter, die Fehler zu verfolgen, als dasjenige, was die Kinder richtig machen. Von den Fehlern lernt der Lehrer außerordentlich viel.

[ 26 ] Isn’t it true that, when it comes to life, people have different perspectives? A doctor does not have the same perspective on illness as a patient. You cannot expect a patient to be “in love” with specific illnesses. As for a doctor, one might say that he is a true doctor if he loves the illness. So it’s a matter of having a certain fondness for the interesting mistakes that children make; that’s how one truly comes to understand human nature. Forgive me if I sound radical. One must speak radically. For the teacher, it’s more interesting to track the mistakes than to focus on what the children do correctly. The teacher learns an extraordinary amount from those mistakes.

[ 27 ] Aber was braucht man zu alldem? Zu alldem braucht man jene innere tatkräftige Menschen- und Kinderliebe, die für den Lehrer ganz unerläßlich ist. Und da treten dann die unzähligen Fragen auf. Man ist besorgt um die leibliche und seelische Gesundheit dieses und jenes Kindes. Man hat das Kind ein paar Stunden des Tages; man muß für die übrige Zeit das Vertrauen, das volle Vertrauen der Eltern des Kindes haben. Und deshalb ist es, warum die Lehrer und Erzieher unserer Waldorfschule immer an dieses Vertrauen appellieren, und warum sie so gerne alles im Einklang mit den Eltern für das Wohl und Wehe der Kinder zustande bringen möchten. Das ist eben bei einer unfreien Schule in der Regel gar nicht in dem Maße angestrebt. Denn da hält man sich daran, die Vorschrift zu beobachten, und daher findet man sogar für den Begriff des Freien im Schulwesen manchmal recht wenig Verständnis.

[ 27 ] But what does one need for all of this? For all of this, one needs that inner, active love for people and children, which is absolutely essential for a teacher. And that is when the countless questions arise. One is concerned about the physical and emotional well-being of this or that child. One has the child for a few hours a day; for the rest of the time, one must have the trust—the complete trust—of the child’s parents. And that is why the teachers and educators at our Waldorf School always appeal to this trust, and why they are so eager to work in harmony with the parents for the children’s well-being and welfare. In a school that lacks freedom, this is generally not pursued to the same extent. For there, the focus is on adhering to regulations, and as a result, there is sometimes very little understanding even for the concept of freedom in the school system.

[ 28 ] Es gibt Länder, wenn man da vom freien Schulwesen redet, so antwortet man einem: Ja, das mag in Deutschland so sein, daß man da nötig hat, freie Schulen zu gründen. Bei uns ist es nicht so; da ist der Lehrer frei. Das antworten einem Lehrer selbst. Man ist nur erstaunt darüber, daß so etwas geantwortet wird. Man ist erstaunt darüber aus dem Grunde, weil man sieht: Diejenigen, die das antworten, haben keine Ahnung mehr davon, daß sie sich unfrei fühlen könnten. Sie tun das, was ihnen befohlen wird. Da es ihnen nicht einfällt, daß etwas anderes geschehen könnte, so fühlen sie gar nicht, daß die Dinge auch anders sein könnten.

[ 28 ] There are countries where, when you talk about a free school system, people respond: “Yes, that may be the case in Germany, where it’s necessary to establish free schools. But it’s not like that here; here, the teacher is free.” Teachers themselves say this. One can only be astonished that such a response is given. One is astonished because one sees that those who say this no longer have any inkling that they might feel unfree. They do what they are told. Since it does not occur to them that anything else could happen, they do not even feel that things could be any different.

[ 29 ] Bedenken Sie einmal, in welch anderer Lage Sie sind, gerade gegenüber der Auffassung des Waldorfschulwesens, als andere Leute. Andere Menschen müssen sich anstrengen, wenn wir ihnen sagen, so und so wollen wir es machen, weil wir das für das einzig Richtige halten; sie müssen sich anstrengen, das erst einzusehen. Ich glaube, gerade die Eltern der Waldorfschulkinder können unmittelbar an ihren eigenen lieben Wesen sehen, was da in der Waldorfschule getan wird, wie das Verhältnis der ganzen Schule zum Kinde aufgefaßt wird. Man möchte, daß einmal eine Zeit kommt, wo die Eltern gegenüber dem freien Schulwesen sich damit begnügen können, einfach befriedigt zu sein mit dem, was innerhalb des freien Schulwesens geleistet wird. Heute müßte jeder, der an seinem eigenen Fleisch und Blut sieht, wie diese Waldorfschule arbeiten will, zu einem tatkräftigen Verteidiger und Verbreiter des Waldorfschulwesens werden.

[ 29 ] Just consider what a different situation you are in, particularly with regard to your view of the Waldorf school system, compared to other people. Other people have to make an effort when we tell them, “This is how we want to do it, because we believe it is the only right way”; they have to make an effort to understand that in the first place. I believe that the parents of Waldorf school children, in particular, can see directly in their own beloved children what is being done at the Waldorf school and how the entire school’s relationship with the child is conceived. One hopes that a time will come when parents, with regard to the Waldorf school system, can be content simply to be satisfied with what is accomplished within it. Today, anyone who sees firsthand, through their own flesh and blood, how this Waldorf school seeks to operate should become an active defender and advocate of the Waldorf school system.

[ 30 ] Wir haben ja außerdem mancherlei Schwierigkeiten. Sehen Sie, würden wir unsere Ideale erfüllen wollen, so würden wir sagen: Nach unserer Einsicht verhält es sich so: im sechsten, siebenten, achten Jahre soll man dies tun, im neunten, zehnten, elften, zwölften dies und so weiter. Da würde auch das Allerbeste herauskommen, wenn wir das tun könnten. Wir können es nicht tun, wir müssen in gewisser Beziehung eine Art Kompromiß schließen; denn wir können ja den Kindern, der aufwachsenden Menschheit nicht die Möglichkeit nehmen, im Leben darin zu stehen.

[ 30 ] We also face all sorts of difficulties. You see, if we wanted to live up to our ideals, we would say: As we see it, this is how it should be: in the sixth, seventh, and eighth years, one should do this; in the ninth, tenth, eleventh, and twelfth, that; and so on. If we could do that, the very best would come of it. We cannot do it; in a certain sense, we must strike a kind of compromise, for we cannot deprive children—the rising generation—of the opportunity to experience life in this way.

[ 31 ] So haben wir uns vorgenommen, daß wir die Kinder, von dem Alter, wo sie in die Volksschule hineinkommen, bis zum neunten Lebensjahr frei erziehen, aber zu gleicher Zeit, trotzdem wir dasjenige hineinnehmen, was die menschliche Natur erfordert, die Kinder auch so fördern, daß sie in eine andere Schule übertreten können. Ebenso im zwölften und im vierzehnten, fünfzehnten Jahre. Und wenn wir das Glück haben, die weiteren Klassen draufzusetzen, müssen wir sogar dafür sorgen, daß dann diejenigen jungen Herren und Damen, die dann diese Klassen absolvieren werden, in die Lage gebracht werden können, an die Universitäten und technischen Hochschulen überzugehen. Wir müssen dafür sorgen, daß die Kinder an diese Anstalten übergehen können. Ich glaube, noch lange Zeit wird man uns nicht die Möglichkeit geben können, etwa zum Beispiel Doktoren zu fabrizieren, gültige Zeugnisse an unseren Hochschulen zu machen. Dann würden wir viel mehr erreichen. Wir können zunächst nichts anderes tun, als erst die Kinder und dann die jungen Herren und Damen so weit zu bringen, daß sie sich, ohne daß ihnen der größte Schaden passiert, auch das aneignen können, was man im öffentlichen Leben braucht.

[ 31 ] We have therefore resolved to provide a free education for children from the age at which they enter elementary school until they turn nine, but at the same time—while incorporating what human nature requires—to nurture them in such a way that they can transition to another school. The same applies at ages twelve, fourteen, and fifteen. And if we are fortunate enough to be able to add further grades, we must even ensure that those young men and women who complete these grades are then able to transition to universities and technical colleges. We must ensure that the children can move on to these institutions. I believe that for a long time to come, we will not be given the opportunity, for example, to produce doctors or issue valid degrees at our universities. Then we would achieve much more. For now, we can do nothing else but bring first the children and then the young men and women to a level where they can acquire what is needed in public life without suffering any significant harm.

[ 32 ] Wir sind da in ganz erhebliche Schwierigkeiten hineinversetzt. Sehen Sie, wer nach der menschlichen Natur urteilt, nach dem, was dem Menschen gut ist, damit er im späteren Leben ein brauchbarer Mensch wird, der sagt sich: das ist einfach schrecklich, wenn so im vierzehnten, fünfzehnten, sechzehnten, siebzehnten Jahre die jungen Herren und Damen an den heutigen Gymnasien und Realschulen sind. Sie werden allem Leben entfremdet. Wir müssen das Notwendigste tun, was getan werden kann, daß wenigstens auch die Körperlichkeit bis zu einer einigermaßen lebensfähigen Geschicklichkeit kommt. Ich erwähne es öfter, daß man heute erwachsene Männer findet, die nicht in der Lage sind, wenn ihnen ein Knopf abgerissen ist, ihn selbst anzunähen. Das sage ich nur beispielsweise. Andere Dinge ähnlicher Art kann man ja auch nicht. Vor allen Dingen versteht man ja nichts von der Welt. Der Mensch muß mit offenen Augen in der Welt stehen, damit er auch freie Hände haben kann, die überall angreifen. Sehen Sie, deshalb müßte in einem bestimmten Lebensalter so etwas in einer elementaren Weise eingeführt werden wie Spinnen und Weben. Ja, nun müssen wir aber wenn nun an den gewöhnlichen Anstalten die Schüler die Matura machen, werden sie nicht im Weben und Spinnen oder in anderen nützlichen Lebenskünsten geprüft -, wir müssen außerdem allerlei von dem treiben, was man verlangt nach der Richtung des Examens hin. Dazu ist notwendig, daß wir unseren Unterricht in der ökonomischsten Weise einrichten. Das ist eine besondere Kunst im Erziehen und Unterrichten.

[ 32 ] We find ourselves in quite serious trouble here. You see, anyone who judges according to human nature—according to what is good for a person so that they may become a useful member of society later in life—will say to themselves: it is simply terrible to see the young men and women in today’s high schools and secondary schools at the ages of fourteen, fifteen, sixteen, and seventeen. They are becoming alienated from all of life. We must do whatever is absolutely necessary to ensure that, at the very least, their physical abilities develop to a reasonably practical level of skill. I often mention that today you find grown men who are unable to sew on a button themselves if one comes off. I say this merely by way of example. They are incapable of doing other things of a similar nature as well. Above all, they understand nothing of the world. A person must stand in the world with open eyes so that they may also have free hands to tackle anything. You see, that is why, at a certain age, such skills as spinning and weaving should be introduced in a basic way. Yes, but now, when students take their high school graduation exams at regular schools, they aren’t tested on weaving and spinning or other useful life skills—we also have to cover all sorts of things required for the exam. To do this, we need to organize our instruction in the most economical way possible. That is a special art in education and teaching.

[ 33 ] Ich darf ein Beispiel, das mir selbst passiert ist, anführen. Es ist jetzt lange her - es wurde mir mit anderen Geschwistern einer Familie zusammen ein elfjähriges Kind zum Erziehen und Unterrichten zugeführt, das aufgegeben war für alles Unterrichten und Erziehen. EIf Jahre war der Junge alt, und um mich zu informieren, hat man mir ein Zeichenheft gezeigt, worin der Junge seine Zeichenkunst entfaltet hat. Dieses Heft hatte in der Mitte auf der ersten Seite ein riesiges Loch. Er hatte nur radiert. Es war das alles, was er konnte. Er hatte auch einmal eine Prüfung für eine erste Volksschulklasse gemacht, er konnte gar nichts. In bezug auf die andere Haltung war er so, daß er oftmals nicht bei Tische aß, sondern in die Küche ging und die Kartoffelschalen aß. Nach den verschiedensten Richtungen war es schwierig. Ich will es nicht genau beschreiben. - Es handelte sich darum, in der möglichst kurzen Zeit möglichst viel zu erreichen. Ich selbst mußte manchmal drei Stunden arbeiten, um den Lehrstoff so zusammenzuarbeiten, daß ich dann dasjenige, was dem Jungen beizubringen war, in einer Viertelstunde beibringen konnte. Nach dem zweiten Jahr war der Junge wo weit, daß er ins Gymnasium gehen konnte. Er hatte einen riesigen Wasserkopf, der immer kleiner wurde.

[ 33 ] Let me give an example of something that happened to me personally. It was a long time ago—I, along with other siblings in a family, was entrusted with the task of raising and teaching an eleven-year-old child who had been given up on as far as education and upbringing were concerned. The boy was eleven years old, and to give me an idea of his abilities, I was shown a sketchbook in which he had expressed his artistic talents. This sketchbook had a huge hole right in the middle of the first page. He had only used an eraser. That was all he could do. He had also once taken an exam for the first grade of elementary school, but he knew nothing at all. As for his behavior, he often didn’t eat at the table but went into the kitchen and ate potato peels. It was difficult in all sorts of ways. I don’t want to describe it in detail. - The goal was to achieve as much as possible in the shortest possible time. I myself sometimes had to work for three hours to organize the material so that I could then teach the boy what he needed to learn in a quarter of an hour. After the second year, the boy had progressed to the point where he could attend high school. He had a massive hydrocephalus, which gradually got smaller.

[ 34 ] Ich will diesen Fall anführen, weil er zeigt, was ich meine mit Ökonomie des Unterrichts. Ökonomie des Unterrichts heißt, eben niemals mehr Zeit für etwas zu verwenden bei den Kindern, als nach den leiblichen und seelischen Gesundheitsbedingungen notwendig ist. Solche Ökonomie des Unterrichts muß heute besonders geübt werden, weil das Leben so viel verlangt. Die Lehrkräfte zum Beispiel für das Lateinische und Griechische haben einen schwierigen Standpunkt, weil wir viel weniger Zeit haben, diese Dinge zu pflegen, und weil sie dennoch so gepflegt werden müssen, wie es den berechtigten Ansprüchen des Geisteslebens entspricht. Die Kunst müssen wir auf allen Gebieten suchen, nirgends das Kind zu überlasten. In all diesen Dingen, ich muß es sagen, brauchen wir das verständnisvolle Entgegenkommen der Elternschaft, brauchen wir ein einträchtiges Zusammenwirken mit der Elternschaft.

[ 34 ] I want to cite this example because it illustrates what I mean by “economy in teaching.” Economy in teaching means never spending more time on anything with the children than is necessary for their physical and mental well-being. Such economy in teaching must be practiced especially today, because life demands so much. Teachers of Latin and Greek, for example, are in a difficult position, because we have much less time to devote to these subjects, and yet they must be taught in a way that meets the legitimate demands of intellectual life. We must strive in every area to avoid overburdening the child. In all these matters, I must say, we need the understanding cooperation of parents; we need harmonious collaboration with parents.

[ 35 ] Wirklich, die eigentlichen Erfolge, die für das Leben die große Bedeutung haben, liegen nicht darinnen, daß für den einen oder anderen begabten Schüler etwas Staunenswertes erreicht wird. Die eigentlichen Erfolge liegen in der Lebenskraft. Und da ist es für mich immer tief befriedigend, wenn so etwas vorkommt, daß man sagt, irgendein Kind soll, weil da dies oder jenes erreicht werden soll, aus der einen Klasse in eine andere versetzt werden. Da kämpft der Lehrer um jedes einzelne Kind zuweilen. Das sind wirkliche Erfolge im liebevollen Zusammenleben der Lehrerschaft mit der Kinderschaft. Aus dem wird etwas; daneben verschwinden diejenigen Dinge, auf die so ein Wert gelegt wird, ob die Kinder ein bißchen weiter oder ein bißchen weniger weit sind.

[ 35 ] Truly, the real successes—the ones that matter most in life—do not lie in some gifted student or another achieving something remarkable. The real successes lie in the vitality of life. And so it is always deeply satisfying to me when something happens that leads people to say that a certain child should be moved from one class to another because this or that goal needs to be achieved. Sometimes the teacher fights for every single child. These are true successes in the loving coexistence of the teaching staff and the children. Something comes of this; alongside it, the things to which so much importance is attached—whether the children are a little further along or a little behind—fade into the background.

[ 36 ] Wir stehen schon vor der Tatsache, daß wir ja - ich möchte es wiederum radikal ausdrücken - unmöglicherweise gelobt werden können von denen, die aus den Meinungen über das heutige Schulwesen heraus kommen und diese Meinung haben. Es ist immer etwas falsch, wenn man glaubt, daß damit etwas erreicht würde, wenn die Menschen, die so denken, uns loben würden. Wenn die Sache so stünde, daß man von den heutigen Schulbehörden gelobt würde, oder von denen, die glauben, daß die heutigen Schulbehörden das Richtige haben, dann hätten wir die Waldorfschule gar nicht zu errichten gebraucht.

[ 36 ] We are already faced with the fact that—to put it bluntly—we cannot possibly be praised by those whose views on today’s school system lead them to hold this opinion. It is always a mistake to believe that anything would be achieved if people who think that way were to praise us. If the situation were such that we were praised by today’s school authorities, or by those who believe that today’s school authorities are right, then we would not have needed to establish the Waldorf School at all.

[ 37 ] Also es ist nur selbstverständlich, daß wir darauf angewiesen sind, daß unsere Elternschaft im Einklang darauf eingeht, auf eine aus dem rein Menschlichen herausgeholte Erziehung zu sehen. Die brauchen wir heute, auch in sozialer Beziehung.

[ 37 ] So it goes without saying that we depend on our parents to work together in harmony to provide an upbringing rooted in what is purely human. We need that today, including in social terms.

[ 38 ] Auf die Art, wie man heute vielfach denkt, werden die sozialen Fragen nicht gelöst, sondern dadurch, daß die richtigen Menschen ins soziale Leben hineingestellt werden. Die werden nur hineingestellt werden, wenn die Menschen richtig an Leib und Seele gesund aufwachsen können. An demjenigen, was einem Menschen ganz spezifisch ist, was ein Mensch seinen besonderen Fähigkeiten nach lernen kann, können wir furchtbar wenig machen. Denn, nicht wahr, wenn wir irgendwelche Verdienste haben können, den Menschen so zu erziehen, zu unterrichten, daß er das Höchste wird, was er werden kann, so müßte man, wenn wir einen Goethe erziehen müßten, als Lehrer mindestens ein Goethe sein, Zu dem, was ein Mensch durch seine Natur wird, können wir nichts tun; das wird er durch andere Veranlassungen. Was wir können, das ist, die Hindernisse wegräumen, daf3 der Mensch die Kräfte in sich findet zu dem, was in ihm veranlagt ist. Das können wir, wenn wir rechte Pädagogen werden, und wenn wir von der Zeitgenossenschaft unterstützt werden.

[ 38 ] Social issues will not be resolved by the way many people think today, but rather by placing the right people into social life. They will only be placed there if people can grow up healthy in both body and soul. There is very little we can do about what is unique to a person—what a person can learn based on their particular abilities. For, isn’t it true that if we can take any credit for educating and teaching a person so that they become the best they can be, then if we were to educate a Goethe, we as teachers would have to be at least a Goethe ourselves? We can do nothing about what a person becomes by nature; that is determined by other factors. What we can do is remove the obstacles so that a person may find within himself the strength to realize what is inherent in him. We can do this if we become true educators and if we are supported by our contemporaries.

[ 39 ] In erster Linie können wir unterstützt werden von der Elternschaft. Wir haben eine verständnisvolle Elternschaft gefunden. Und dasjenige, was ich zu sagen habe, ist zugleich durchaus mit einer Dankesempfindung erfüllt. Und von tiefer Befriedigung bin ich erfüllt davon, daß Sie so zahlreich erschienen sind. Ich hoffe, wir werden uns über einzelnes in der folgenden Aussprache unterhalten können; unsere Lehrer werden bereit sein, alle gestellten Fragen zu beantworten. Aber auf gewisse Charaktereigenschaften möchte ich noch hinweisen.

[ 39 ] First and foremost, we can count on the support of the parents. We have found parents who are understanding. And what I have to say is also filled with a deep sense of gratitude. I am also deeply gratified that so many of you have come today. I hope we will be able to discuss specific points during the upcoming discussion; our teachers will be ready to answer any questions you may have. But I would like to highlight a few character traits.

[ 40 ] Wir haben auch in der letzten Zeit, die Waldorf-Lehrerschaft mit mir zusammen, einen Hochschulkurs in Holland gehalten. Eine Persönlichkeit der Waldorfschule, Fräulein vor Heydebrund, hat jenen Nachmittag zu leiten gehabt, der über pädagogische Fragen zu handeln hatte. Es war einer der interessantesten Nachmittage, weil man sah: die Erziehungsfragen sind heute solche, die überall die ganze Welt beschäftigen. -— Wir wissen zwar, daß wir kein Recht haben, darauf zu pochen, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, daß wir nicht betonen wollen, wie wir es so herrlich weit gebracht haben.

[ 40 ] Recently, the Waldorf teaching staff and I also held a college course in the Netherlands. A prominent figure in the Waldorf school community, Miss vor Heydebrund, was in charge of leading the afternoon session, which focused on educational issues. It was one of the most interesting afternoons, because it became clear that educational issues today are ones that concern the entire world. — We know, of course, that we have no right to boast about how far we have come, so we do not wish to emphasize how far we have come.

[ 41 ] Nun steht die Sache so, daß viele Leute heute das Impulsierende unserer Schule einsehen; was aber noch fehlt, das ist das tatkräftige Zuuns-Stehen, damit die Sache weitere Stütze und weitere Verbreitung gewinnen kann. Es ist durchaus einzusehen, daß Eltern zunächst das Beste für ihre Kinder möchten. Aber so wie heute die Dinge liegen, sollten die Eltern auch uns helfen. Für uns wird es schwer, durchzudringen. Wir brauchen Hilfe in jeder Beziehung, denn wir brauchen einen sich immer mehr und mehr vergrößernden Kreis, damit wir die Vorurteile gegenüber unserer Pädagogik überwinden können. Und vor allen Dingen sage ich das Folgende unter einer bestimmten Voraussetzung und Reserve, daß ich durchaus mich überzeugt halten will, diejenigen, die hier sitzen, haben in pekuniärer Beziehung das getan, was sie tun können. Diese Hypothese sei vorausgesetzt, damit niemand glaubt, ich will ihm zu nahe treten. Aber dabei bleibt doch die andere Tatsache bestehen: Wenn wir weiterkommen wollen, brauchen wir Geld!

[ 41 ] The fact is that many people today recognize the inspiring nature of our school; what is still lacking, however, is active support so that the cause can gain further strength and spread more widely. It is perfectly understandable that parents want what is best for their children. But as things stand today, parents should also help us. It will be difficult for us to make headway on our own. We need help in every respect, for we need an ever-expanding circle of supporters so that we can overcome the prejudices against our educational approach. And above all, I say the following under a certain assumption and with the caveat that I want to be absolutely convinced that those sitting here have done everything they can financially. Let this assumption stand so that no one thinks I am trying to offend them. But the other fact remains: If we want to make progress, we need money!

[ 42 ] Ja, Geld brauchen wir! Nun sagen die Leute: Das ist aber kein Idealismus. Ihr Anthroposophen, was macht ihr uns da von Idealismus vor, da ihr doch sagt, Geld braucht ihr.

[ 42 ] Yes, we need money! Now people say: But that’s not idealism. You anthroposophists, what kind of idealism are you preaching to us when you say you need money?

[ 43 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Sehen Sie, der Idealismus ist halt doch auf schwachen Füßen stehend, der große, ungeheure Worte macht und sagt: Ich bin Idealist, aber weil ich Idealist bin, verachte ich meine Geldbörse; deshalb will ich meine Finger nicht beschmutzen, ich bin ein viel zu großer Idealist!

[ 43 ] Ladies and gentlemen! You see, idealism is, after all, built on shaky ground—that grand idealism that uses grandiose words and declares: “I am an idealist, but because I am an idealist, I despise my wallet; therefore, I will not soil my hands—I am far too great an idealist!”

[ 44 ] Insbesondere werden sich kaum Ideale erfüllen, wenn die Leute zu große Idealisten sind, um sich ihre Finger zu stark zu beschmutzen beim pekuniären Opferbringen. Wir müssen doch schon auch den Ton finden gegenüber der Welt, welcher es den Leuten nahelegt, uns nach dieser Richtung einige Unterstützung zukommen zu lassen, was ja jetzt noch immer unsere große, furchtbare Sorge ausmacht.

[ 44 ] In particular, ideals are unlikely to be realized if people are too idealistic to get their hands too dirty when making financial sacrifices. We must also find the right tone toward the world that encourages people to offer us some support in this regard, which is still our great, terrible concern.

[ 45 ] Denn schließlich, die Waldorfschule ist als einzelne Schule groß; sie hat genügend Schüler. Sie ist fast gar nicht mehr zu übersehen. Das ist eine Sorge, die schr ernst genommen wird. Und gewiß, wir wollen sie nicht mehr gegenüber dem jetzigen Stande vergrößern; wir wollen uns dem Ausbau unterziehen. Aber auch da vergrößert sich die Schülerzahl damit, vergrößert sich die Lehrerzahl. Da nun die Lehrer nicht von der Luft leben können, verlangt das nach Mitteln.

[ 45 ] After all, the Waldorf School is large as an individual school; it has enough students. It’s almost impossible to overlook it anymore. This is a concern that is taken very seriously. And certainly, we do not want to expand it beyond its current size; we want to undergo this expansion. But even then, as the number of students increases, so does the number of teachers. Since teachers cannot live on air alone, this requires funding.

[ 46 ] Und da müssen Sie sich schon, meine sehr verehrten Anwesenden ich setze voraus, jeder hat das Seinige schon getan; es handelt sich darum, die Idee weiter hinauszutragen, damit auch draußen die Idealisten gefunden werden -, da muß man sich dazu entschließen, gerade auf seiten der Elternschaft, nach der Richtung der materiellen Grundlage, der Waldorfschule zu helfen, sonst fürchte ich, kommt es dazu, daß wir uns nächstens, wenn wir die Dinge weiter gut pflegen wollen, vor Sorgen das Schlafen werden abgewöhnen müssen. Und dann weiß ich auch nicht, ob Sie die nötige Lehrerschaft immer in der Schule haben, wenn sich die Lehrerschaft das Schlafen wird abgewöhnen müssen.

[ 46 ] And here, ladies and gentlemen—I assume everyone has already done their part— the point is to spread the idea further so that idealists can be found out there as well—we must resolve, especially on the part of the parents, to support the Waldorf School in terms of its material foundation; otherwise, I fear that if we want to continue to maintain things well, we will soon have to give up sleeping out of worry. And then I also don’t know whether you’ll always have the necessary teaching staff at the school if the teachers have to give up sleeping.

[ 47 ] Ich wollte heute manche Dinge mit Worten andeuten, von denen vielleicht manche das Gefühl haben, sie sind zu radikal gewählt. Aber ich hoffe doch, daß ich über manches verstanden worden bin. Am meisten liegt mir daran, daß ich nicht über das einzelne bloß verstanden werde. Ich möchte in dem Durchgreifenden verstanden werden, daß für uns, für unser Wirken in der Waldorfschule ein herzliches Einvernehmen mit der Elternschaft notwendig ist. Auf die Notwendigkeit dieses herzlichen Einvernehmens wollte ich hinweisen, gerade deshalb, weil es in so hohem Maße wirklich vorhanden ist, und weil man am besten die Möglichkeit finden wird, auf diesem Gebiete vorzudringen, wenn schon heute Unterlagen geschaffen sind.

[ 47 ] Today I wanted to allude to certain things with words that some of you may feel are too radical. But I do hope that I have been understood on some points. What matters most to me is that I am not understood merely in terms of individual points. I would like to be understood in the fundamental sense that, for us and for our work in the Waldorf school, a heartfelt understanding with the parents is essential. I wanted to point out the necessity of this heartfelt understanding precisely because it truly exists to such a high degree, and because the best way to make progress in this area is to lay the groundwork today.

[ 48 ] Möchte daher durch alles dasjenige, was wir im einzelnen erstreben wollen - und darüber kann die folgende Diskussion sich aussprechen -, möchte durch alles dieses einzelne hindurch bei solchen Elternversammlungen der Impuls mitgenommen werden zu dem herzlichen Einvernehmen, das besteht zwischen den Erziehern, zwischen der Lehrerschaft und der Elternschaft, die ja ganz gewiß das tiefste Interesse haben wird, daß diese Eintracht besteht, weil die Elternschaft das Teuerste, was sie hat, der Lehrerschaft anvertraut hat.

[ 48 ] I would therefore like—through everything we aim to achieve in detail—and the following discussion can address this— I hope that through all these specific efforts at such parent meetings, the impetus will be provided for the warm harmony that exists between the educators, between the teaching staff and the parents, who will certainly have the deepest interest in ensuring that this harmony prevails, because the parents have entrusted the most precious thing they have to the teaching staff.

[ 49 ] Aus diesem Bewußtsein heraus und aus dem Bewußtsein der Verantwortlichkeit der Lehrerschaft gegenüber diesem Teuersten der mit ihr verbündeten Elternschaft, aus diesem Zusammenarbeiten möchte derjenige Geist immer weiter erblühen, welcher sich in der Waldorfschule in einem befriedigenden Maße gezeigt hat. Er wird um so mehr wachsen und gedeihen, je mehr diese Einigkeit gedeihen wird. Je mehr das der Fall sein wird, desto mehr wird das andere erzielt werden, das schönste Ziel zu erreichen für das menschliche Wesen: die der Waldorfschule anvertraute Jugend zu erziehen für das menschliche Zusammenleben. Da wird der Mensch zu stehen haben gegenüber den Stürmen des Lebens. Wenn er dasteht im sozialen Leben, um in der richtigen Weise die Wege zu finden zum Zusammenarbeiten mit den anderen Menschen, da werden sich die einzelnen menschlichen und sozialen Fragen lösen können.

[ 49 ] Out of this awareness—and out of the teachers’ sense of responsibility toward the parents, who are their closest allies—and out of this collaboration, may the spirit that has already manifested itself to a satisfying degree in the Waldorf School continue to blossom ever more fully. It will grow and flourish all the more as this unity flourishes. The more this is the case, the more the other goal—the most beautiful goal for the human being—will be achieved: to educate the young people entrusted to the Waldorf School for human coexistence. There, the individual will have to stand firm in the face of life’s storms. When they stand in social life, able to find the right ways to cooperate with other people, then the various human and social issues will be resolved.

Aus der Aussprache am Elternabend

From the discussion at the parents' night

[ 50 ] Es wird eine Frage gestellt wegen der Maturitätsprüfung.

[ 50 ] A question is asked about the high school graduation exam.

[ 51 ] Dr. Steiner: Ich selbst habe nur das Folgende zu sagen: Im ganzen gilt dasjenige als Grundsatz, was ich selbst vorgebracht habe. Wir müssen durch Ökonomie es dahin bringen, daß tatsächlich für die wichtigsten Lebensabschnitte erreicht werden kann, was die Schüler befähigt, unmittelbar sich einzugliedern in das, was heute verlangt wird. Da können wir nicht maßgebend sein darüber, ob wir das für das Richtige halten oder nicht. Wir müssen uns dem fügen. Da tritt die Frage nicht an uns heran, ob das berechtigt oder unberechtigt ist, was bei der Maturitätsprüfung verlangt wird. Das muß durch Ökonomie erreicht werden. Bis jetzt sind wir noch nicht in der Lage. Ich glaube durchaus, daß es möglich sein wird, dieses Ziel zu erreichen, wenn es auch heute bei denjenigen, die dabei in Frage kommen, durchaus noch nicht so aussieht. Das ist aber unser Prinzip, daß wir im entsprechenden Lebensalter die Kinder dazu bringen, daß sie die Prüfung ablegen können. Es ist so, daß man auch äußerlich Schwierigkeiten zu überwinden hat. Es ist notwendig, daß man der Schule vorurteilslos entgegenkommt. Ich weiß selbstverständlich, daf3 man einen Schüler oder eine Schülerin, die wir dazu gebracht haben, daß sie eine Prüfung ablegen, trotzdem durchfallen lassen könnte. Ich gab Ihnen das Exempel, daß es mir eine Leichtigkeit wäre, auch die Kommissäre durchfallen zu lassen. Wir erstreben das, daß die Schüler die Prüfung ablegen können, wie wir auch darüber denken. Wir wollen nicht nach einer Schrulle erziehen, wir wollen nach dem Leben unterrichten. Wir müssen nur insofern die Schüler richtig ins Leben hineinbringen wollen, als es noch gerade geht.

[ 51 ] Dr. Steiner: For my part, I have only the following to say: On the whole, what I myself have put forward serves as the guiding principle. Through sound economic management, we must ensure that, for the most important stages of life, students are equipped to integrate directly into what is required of them today. We cannot be the ones to decide whether we consider this to be right or wrong. We must accept it. The question of whether what is required in the high school graduation exam is justified or unjustified does not arise for us. This must be achieved through economic means. So far, we have not yet been able to do so. I firmly believe that it will be possible to achieve this goal, even if it does not yet appear that way among those who are currently eligible. However, it is our principle that we prepare children at the appropriate age so that they can take the exam. The fact is that there are also external difficulties to overcome. It is necessary to approach the school without prejudice. I am, of course, aware that a student whom we have prepared to take an exam could still be failed. I gave you the example that it would be easy for me to fail even the examiners. Our goal is for students to be able to take the exam, regardless of our personal opinions on the matter. We do not want to educate according to some quirk; we want to teach according to real life. We must simply strive to prepare students for life as best we can while it is still possible.

[ 52 ] In Mitteleuropa ist gegenwärtig noch einiges möglich, in Rußland gar nichts mehr. Wir müssen froh sein über dieses einige. Wenn wir dieses einige in die Kinder hineinbringen, wird es in der nächsten Generation schon mehr sein.

[ 52 ] In Central Europe, there are still some possibilities at present; in Russia, there are none left. We must be grateful for these few possibilities. If we instill these few possibilities in our children, there will be more of them in the next generation.

[ 53 ] Ich betone ausdrücklich, verrückte Kerle sind wir nicht, die etwa sagen, die Kinder dürfen nur dies oder jenes können. Dasjenige, was verlangt wird bei den Prüfungen - wenn wir damit auch nicht immer einverstanden sind, wenn wir auch im stillen Kämmerlein es für verdreht halten -, so machen wir es doch mit, und dabei beachten wir doch alles, was wir zum Heile der Menschheit für notwendig halten.

[ 53 ] I want to make it very clear that we are not crazy people who say, for example, that children should only be able to do this or that. Whatever is required in the exams—even if we don’t always agree with it, even if we privately consider it twisted—we still go along with it, while taking into account everything we deem necessary for the good of humanity.

[ 54 ] Frage: Wäre es nicht möglich, die Schulstunden auf den Vormittag zu legen?

[ 54 ] Question: Wouldn't it be possible to schedule classes in the morning?

[ 55 ] Dr. Steiner: Nicht wahr, für solche Fragen kommt immer nicht bloß der eine oder der andere Gesichtspunkt in Betracht. Man sollte von sieben bis ein Uhr unterrichten, sagt man. Nun sehen Sie, da darf ich auf einige Prinzipien hinweisen. Als ich meinen Weihnachtskurs hielt, da wurde dann in den Stunden, die einer Fragebeantwortung gewidmet waren, auch die Frage aufgeworfen, wie verhält es sich mit der Ermüdung? Ich erwähnte, daß es durchaus im Sinne unserer Pädagogik liegt, nicht in der Weise die Aufmerksamkeit der Kinder zu zerstäuben, daß man in einer Stunde Religion, in der anderen Zoologie und dergleichen hat, sondern daß es darauf ankommt, den Unterricht möglichst so zu geben, daß die Aufmerksamkeit der Kinder konzentriert sein kann. Daher haben wir den Unterricht so, daß ein gewisses Gebiet durch Wochen hindurch getrieben wird, durch eine längere Schulzeit hindurch. Das ist ein Gesichtspunkt, der hervorgeholt wird aus der besonderen Erkenntnis der kindlichen Wesenheit.

[ 55 ] Dr. Steiner: Isn’t it true that when it comes to questions like these, it’s never just one perspective or another that comes into play? People say one should teach from seven to one. Well, you see, I’d like to point out a few principles here. When I held my Christmas course, during the sessions devoted to answering questions, the question was also raised: What about fatigue? I mentioned that it is entirely in keeping with our educational philosophy not to scatter the children’s attention by having religion in one class and zoology in the next, but rather to structure lessons in such a way that the children’s attention can remain focused. That is why we organize our lessons so that a specific subject area is covered over the course of several weeks, throughout a longer school period. This is a perspective derived from a special understanding of the nature of the child.

[ 56 ] Man stellt die Frage, ob die Kinder nicht ermüden. - Da muß man aufmerksam machen, daß der Unterricht bei uns dem Prinzip nach so erteilt wird, daß zwischen dem siebenten und zwölften Jahr überhaupt gar nicht auf die Kopfarbeit der Kinder, weil das falsch wäre, gerechnet wird, sondern auf das rhythmische System, auf das Mitarbeiten des Gemütes, das mit dem rhythmischen Atmungs- und Zirkulationssystem zusammenhängt. Sie müssen bedenken, wenn der Mensch ermüdet, ermüdet er nicht durch sein rhythmisches System, sondern durch sein Kopfsystem und Gliedmaßensystem. Wenn das Herz und die Lunge auch ermüden würden, dann könnten sie nicht das ganze Leben hindurch tätig sein. Die anderen Systeme ermüden. Indem wir in diesen Jahren rechnen auf das rhythmische System, machen wir die Kinder nicht so müde, als sie sonst gemacht werden.

[ 56 ] The question arises as to whether the children do not become tired. - Here one must point out that, in principle, our lessons are conducted in such a way that, between the ages of seven and twelve, we do not rely at all on the children’s mental faculties—because that would be wrong—but rather on the rhythmic system, on the participation of the soul, which is connected to the rhythmic respiratory and circulatory systems. You must bear in mind that when a person becomes tired, it is not their rhythmic system that tires, but rather their mental and limb systems. If the heart and lungs were to tire as well, they could not remain active throughout a person’s entire life. It is the other systems that tire. By relying on the rhythmic system during these years, we do not tire the children as much as they would otherwise be made to.

[ 57 ] Wenn man daher jetzt Ermüdungsversuche anstellt in der experimentellen Psychologie und sagt, sie sind nach Dreiviertelstunden so müde, daß sie abwechseln müssen, so bezeugt das nur, daß der Unterricht falsch erteilt wird, daß man in unrechtmäßiger Weise das Kind ermüdert. Die Ermüdungszahl würde sonst nicht herauskommen. Es handelt sich darum, den Unterricht so künstlerisch zu machen, daß jene Ermüdung nicht eintritt. Es kann nur langsam und allmählich erreicht werden, weil ja eine Schulpraxis in der Richtung erst nach und nach ausgebildet werden kann.

[ 57 ] Therefore, when fatigue tests are conducted in experimental psychology and it is claimed that students are so tired after three-quarters of an hour that they must take a break, this merely demonstrates that instruction is being provided incorrectly—that the child is being unduly fatigued. Otherwise, that fatigue threshold would not be reached. The goal is to structure instruction so skillfully that such fatigue does not set in. This can only be achieved slowly and gradually, since school practices in this regard can only be developed step by step.

[ 58 ] Ja, sehen Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, das Kind kann man vor dem Ermüden bis zu einem sehr hohen Grade bewahren, wenn man richtig erzieht und unterrichtet. Aber die Lehrer nicht; die müssen mit dem Kopf arbeiten. Und wenn man eben das durchführt - das ist richtig pädagogisch -, daß man möglichst den Unterricht in einer Hand hält, dann möchte ich wissen, wie der Lehrer aussehen würde, der von sieben Uhr morgens bis ein Uhr den Unterricht erteilen soll. Und das ist es also, was in erster Linie berücksichtigt werden muß. Es ist nicht einerlei, ob man mit Lehrern, die um zehn Uhr erschöpft sein würden, nachdem sie von sieben bis zehn Uhr Unterricht zu erteilen haben, ob man diese Lehrer von zehn Uhr an weiter anstrengen würde. Das kann man nicht wünschen, so sehr ich wünschen würde, daß die auswärtigen Kinder nicht zwei Stunden fahren müssen, um eine Schulstunde zu haben. Aber es ist doch nur die Ausnahme. Es ist übertrieben. Und zweitens, man muß manches mitnehmen, wenn irgend etwas erreicht werden soll. Natürlich können wir nicht den Unterricht für alle Kinder so einrichten, wie zu wünschen wäre für die, die so weit auswärts wohnen. Es ist natürlich, daß das nicht geschehen kann. Also auch in solchen Dingen muß man mit den realen Verhältnissen rechnen.

[ 58 ] Yes, you see, ladies and gentlemen, a child can be protected from fatigue to a very high degree if he or she is properly educated and taught. But not the teachers; they have to use their minds. And if one were to implement this—which is pedagogically sound—namely, keeping instruction in one person’s hands as much as possible, then I would like to know what a teacher would look like who is expected to teach from seven in the morning until one o’clock. And that is precisely what must be taken into account first and foremost. It makes a difference whether, with teachers who would be exhausted by ten o’clock after having to teach from seven to ten, one would continue to strain these teachers from ten o’clock onward. That is not something one can wish for, as much as I would wish that children living far away did not have to travel two hours just to attend one class. But that is, after all, only the exception. It’s an exaggeration. And secondly, one has to make certain compromises if anything is to be achieved. Of course, we cannot organize instruction for all children in the way that would be ideal for those who live so far out. It’s only natural that this cannot happen. So even in matters like these, one must take realistic circumstances into account.

[ 59 ] Wir haben ohnedies die Sache so, daß am Vormittag der Unterricht, soweit es tunlich ist, erteilt wird, der sich an Geist und Seele wendet. An den Nachmittagsstunden ist das Eurythmisch-Künstlerische. Es ist der Unterricht bis in die Tagesstunden hinein so gelegt, daß es dem Lebensalter, dem Wesen des Kindes entspricht. Aber es würde das Fehler ergeben, die dann mit großer Unzufriedenheit bemerkt würden, wenn der ganze Unterricht von sieben Uhr frühmorgens bis ein Uhr mittags erteilt würde. Es würde ein kompliziertes System notwendig sein. Das müßte ganz anders sein. Dann möchte ich erst sehen, was entstehen würde, wenn wir jeden Tag von sieben bis ein Uhr die Kinder in der Waldorfschule hätten, und nachher sie sich ganz selbst überlassen würden, da möchte ich erst sehen, was da für Zettel auftauchen würden mit Klagen, weil alle möglichen Ungezogenheiten mitgebracht würden. Man hätte die Schläfrigkeit der Kinder mit den Ungezogenheiten, die sie mitbringen würden aus diesen Nachmittagen, und das würde summiert mit der Schläfrigkeit der Lehrer. Dann würden ganz schlimme Dinge auf den Zetteln stehen.

[ 59 ] In any case, our approach is such that, in the mornings—as far as practicable—we offer instruction that appeals to the spirit and soul. The afternoon sessions are devoted to eurythmy and the arts. The curriculum is structured throughout the day to correspond to the child’s age and nature. But it would lead to problems—which would then be met with great dissatisfaction—if all instruction were held from seven in the morning until one in the afternoon. A complicated system would be necessary. It would have to be quite different. Then I’d like to see what would happen if we had the children at the Waldorf School every day from seven to one, and afterward they were left entirely to their own devices—I’d like to see what kinds of notes would turn up with complaints because all sorts of misbehavior would be brought home. You’d have the children’s drowsiness combined with the misbehavior they’d bring back from those afternoons, and that would add up to the teachers’ drowsiness. Then there would be some really terrible things written on those notes.

[ 60 ] Es sind gar mancherlei Gesichtspunkte zu beobachten. Es muß appelliert werden daran, daß selbstverständlich so etwas bedacht wird, daß man eben doch, weil man nicht vermeiden kann, den Unterricht auf Nachmittagsstunden zu verlegen, daß man schon die Gründe berücksichtigt hat, die solche Gründe aus dem Felde schlagen.

[ 60 ] There are many different perspectives to consider. We must emphasize that, of course, such matters are taken into account—that is, precisely because it is unavoidable to move classes to the afternoon, we have already considered the reasons that would preclude such a move.

[ 61 ] Ein Vater verlangt, daß die Schüler beim Abiturienten-Examen von einer Kommission der Waldorflehrer geprüft werden.

[ 61 ] A father demands that students be examined by a committee of Waldorf teachers during their high school graduation exams.

[ 62 ] Dr. Steiner: Die Frage ist keine pädagogische Frage. Wir haben es mit den pädagogischen Impulsen zu tun. Uns kann es sich nur darum handeln, daß wir tun, was ich erwähnt habe, daß wir rechnen damit, was dem menschlichen Wesen gemäß ist, und sehen, daß die Kinder nicht aus dem Leben herausgerissen werden. Die Dinge sind natürlich schon einmal so im Leben, daß man in den ersten Jahren gewisse Möglichkeiten wird haben können. Ich bitte Sie, dabei zu berücksichtigen, daß wir ja in der Bildung dieses Urteiles, ob nun ein Kind die Prüfung wird bestehen können oder nicht, manchen Fährlichkeiten ausgesetzt sind.

[ 62 ] Dr. Steiner: This is not a pedagogical question. We are dealing with pedagogical impulses. Our sole concern must be to do what I have mentioned—to take into account what is in keeping with human nature and to ensure that children are not torn away from life. Of course, life is such that certain opportunities may arise in the early years. I ask you to bear in mind that, in forming this judgment—whether a child will be able to pass the exam or not—we are exposed to certain dangers.

[ 63 ] Was glauben Sie, was geschähe, wenn es vorkommen sollte, daß bei uns irgendein Knabe oder ein Mädchen die Schule absolviert und zur Prüfung geführt wird, wenn eine Garantie vorhanden wäre, daß sie nicht durchfallen würden? In manchen Fällen hat man Prüfungsschwierigkeiten vorausgesehen und hat einen solchen Schüler zu uns gebracht. Indem wir als Pädagogen das suchen, was ich angedeutet habe, werden wir immer weiter kommen, daß wir die Möglichkeit finden, daß die Kinder die Examina bestehen können. — Übelwollende könnten systematisch beweisen, daß das nicht der Fall ist.

[ 63 ] What do you think would happen if it were to happen that a boy or girl here graduated from school and took an exam, and there were a guarantee that they would not fail? In some cases, difficulties with exams have been anticipated, and such a student has been sent to us. By seeking, as educators, what I have indicated, we will continue to make progress toward finding a way for the children to pass their exams. — Those with ill will could systematically prove that this is not the case.

[ 64 ] Es ist nicht unsere Sache, dafür zu sorgen, daß ein amtlich abgestempelter Kommissär zur Prüfung da ist. Wenn das [Prüfung durch Waldorflehrer] von der Elternschaft gewünscht wird, so ist das etwas, was von der Elternschaft in die Wege geleitet werden müßte. Im Sinne der Waldorf-Pädagogik liegt es nicht. Es ist eine Opportunitätsfrage, die ja auch im opportunistischen Sinne gelöst werden müßte, die vielleicht auch von seiten der Eltern gelöst werden müßte. - Uns kommt es nicht darauf an, ausgeschlossen zu werden davon, gültige Zeugnisse auszustellen, nur werden wir dann müssen die Sache vom pädagogischen Standpunkt aus ansehen. Daß es einen Sinn hat vom Standpunkt der Pädagogik aus, wenn man jahrelang mit den Schülern zusammen ist, diese dann einer Abgangsprüfung zu unterziehen, daß das einen Sinn haben soll, das möchte ich, daß es jemand mir beweist. Wir wissen, was wir über einen Schüler zu sagen haben, wenn er sein Alter erreicht hat und die Klasse verläßt. Wenn dann noch extra für irgendeine andere Sache das festgestellt werden soll, dann kann es geschehen. Es ist keine eigentlich pädagogische Angelegenheit. Wer Erfahrungen hat auf diesem Gebiet, der weiß, daß man viel besser ohne Prüfungen weiß, was ein Schüler taugt, als durch Prüfung. Wir haben keine Ursache, darauf hinzuarbeiten, daß wir die Prüfungen vornehmen sollen, weil es nicht aus unseren pädagogischen Unterlagen folgt.

[ 64 ] It is not our responsibility to ensure that an officially appointed commissioner is present for the examination. If the parents wish for this [examination by Waldorf teachers], then that is something the parents would have to arrange. It is not in keeping with Waldorf pedagogy. It is a matter of expediency, which would have to be resolved in an opportunistic manner—and perhaps even by the parents themselves. —It is not our concern to be excluded from issuing valid report cards; however, we will then have to view the matter from a pedagogical standpoint. That it makes sense from a pedagogical standpoint—after spending years with the students—to then subject them to a final exam, that this is supposed to make sense—I would like someone to prove that to me. We know what we have to say about a student when he or she reaches the appropriate age and leaves the class. If an assessment is needed for some other specific purpose, then it can be done. It is not, strictly speaking, an educational matter. Anyone with experience in this field knows that one can gauge a student’s abilities much better without exams than through them. We have no reason to work toward administering these exams, because it does not follow from our educational principles.

[ 65 ] Es wird eine Frage gestellt nach Disziplin und nach einer devotionellen Haltung den Lehrern gegenüber.

[ 65 ] The text raises the issue of discipline and a respectful attitude toward teachers.

[ 66 ] Dr. Steiner: Wenn Sie fragen, ob überall dort lauter Devotion besteht, wo man die Waldorfschul-Pädagogik nicht anwendet... es kommt durchaus darauf an, daß gerade das, was Devotion, Verehrung des Lehrers, Liebe zum Lehrer ist, daß das sich in einer selbstverständlichen Weise ergibt. Sonst ist es nichts wert. Jede Devotion, die erzwungen wird, die gewissermaßen in gesetzlichen Bestimmungen der Schule begründet ist, hat für die Entwickelung des Menschen keinen Wert. Es ist so, daß man durchaus die Erfahrung macht, wenn die Kinder so erzogen werden, daß ihre eigene Wesenheit das Maßgebende ist, kommen sie am meisten dazu, ihre Lehrer zu verehren. Es ist keine Veranlassung zu Klagen. Natürlich, daß einzelne Dinge vorkommen, die nicht gerade für Devotion sprechen, ist nicht abzuleugnen. Aber es kommt darauf an, wieviel wert gerade die Devotion ist, die aus der Liebe erwächst, und wieviel mehr wert die andere ist, die ja doch nur gegenüber der Vorderseite der Lehrer und Erzieher sich abspielt und weniger, wenn er den Rücken gedreht hat. - Man muß die Dinge nicht so sich vorstellen, als ob die Sache so liegt, daß jedes Kind macht, was es will. Der Fall ist der, daß die Kinder immer mehr Vertrauen gewinnen zur Lehrerschaft.

[ 66 ] Dr. Steiner: If you are asking whether there is genuine devotion wherever Waldorf pedagogy is not practiced... it is absolutely essential that devotion—reverence for the teacher, love for the teacher—arise in a natural way. Otherwise, it is worthless. Any devotion that is forced—that is, in a sense, based on the school’s rules and regulations—has no value for human development. The fact is that one consistently finds that when children are educated in such a way that their own nature is the guiding principle, they are most likely to come to revere their teachers. There is no cause for complaint. Of course, it cannot be denied that certain things occur that do not exactly speak in favor of devotion. But what matters is how much value there is in the devotion that arises from love, and how much more valuable the other kind is—which, after all, is directed only toward the teachers and educators when they are facing the students, and diminishes when they have their backs turned. - One must not create a mental image of things as if every child simply does whatever it wants. The fact is that the children are gaining more and more trust in the teaching staff.

[ 67 ] Gerade in dieser Beziehung sind die Fortschritte ganz außerordentlich. Wer vergleichen kann, der findet einfach die Fortschritte ganz außerordentlich groß, die mit Bezug auf Disziplin seit zwei Jahren gemacht worden sind. Es ist tatsächlich so, wie wir die Kinder hereinbekommen haben, mußten wir nachdenken, wie wir Disziplin und dergleichen halten sollen. Jetzt ist die Sache auf einem ganze anderen Standpunkt eigentlich. Wir haben dadurch, daß das Verhältnis zwischen Lehrer und Kind ein natürliches ist, das allermeiste erreicht. Es ist ein großer Unterschied zwischen der Disziplinhaltung gegenwärtig und der Disziplinhaltung vor eineinhalb Jahren.

[ 67 ] It is precisely in this regard that the progress has been truly extraordinary. Anyone who can compare will simply find that the progress made over the past two years with regard to discipline has been truly extraordinary. In fact, when we first brought the children in, we had to figure out how to maintain discipline and the like. Now, the situation is actually on an entirely different level. We have achieved the very most simply because the relationship between teacher and child is a natural one. There is a huge difference between the current level of discipline and that of a year and a half ago.

[ 68 ] Diese Dinge dürfen nicht von dem Gesichtspunkt beurteilt werden, der von außen hineingetragen wird. Man muß die Waldorfschule selbst betrachten. Die Devotion kann eben nicht eingebläut werden, womit ich nicht sagen will, daß manches andere schon eingebläut werden könnte. Die Devotion muß auf eine andere Weise erworben werden. Ängstlichkeiten, die nach solcher Richtung bestehen, kann man begreifen. Allein auch nach dieser Richtung hin ist es notwendig, daß man die Ängstlichkeit sich abgewöhnt und mehr auf das sieht, was in der Waldorfschule als Resultat und Ergebnis hervorrtritt.

[ 68 ] These matters must not be judged from a perspective imposed from the outside. One must look at the Waldorf School itself. Devotion simply cannot be drummed into children—though I do not mean to suggest that certain other things might already be drummed into them. Devotion must be acquired in a different way. One can understand the anxieties that exist in this regard. However, even in this regard, it is necessary to overcome such anxiety and focus more on what emerges as the result and outcome of the Waldorf School.

[ 69 ] Lassen Sie ein paar Jahre hinübergehen und unsere Schule weiterbestehen, dann wollen wir wieder reden, ob wir es erreicht haben, daß die Examina gemacht werden. Wir wollen es dann bereden. Wir sind überzeugt davon, daß sie im wesentlichen werden gemacht werden. Und dann sind wir auch überzeugt, daß ganz gewiß die Befürchtung ungerechtfertigt ist, daß durch unsere Schulmethode das eintritt, was man ja wahrhaftig da, wo der stärkste Schulzwang ist, reichlich genug bemerken kann. Ich habe dort auf der niedersten Schulstufe und auf der höchsten Schulstufe gesehen, daß es mit der Devotion nicht sehr gut bestellt ist. Ich meine, daß man nicht etwa das Dogma aufstellen dürfte, wo Zwangserziehung ist, da gedeiht allein die Devotion, wo unsere Erziehung herrscht, könnte vorkommen, daß die Kinder hinter den Lehrern Eselsohren machen. Wenn man in der rechten Weise dem Kinde beikommt mit der freundlichen Ermahnung, so ist es besser als mit der Ohrfeige.

[ 69 ] Let a few years pass and let our school continue to operate; then we’ll talk again about whether we’ve succeeded in having the exams administered. We’ll discuss it then. We’re convinced that, for the most part, they will be administered. And we are also convinced that the fear is certainly unjustified—that our school method will lead to what can indeed be observed in abundance where the strictest school discipline prevails. I have seen there, at both the lowest and highest school levels, that devotion is not in very good shape. I believe that one should not establish the dogma that devotion flourishes only where there is coercive education, whereas where our method of education prevails, it might happen that children make fun of their teachers behind their backs. If one approaches the child in the right way with a friendly admonition, it is better than a slap in the face.