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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Renewal of the Pedagogical and Didactic Arts
through Spiritual Science
GA 301

23 April 1920, Basel

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4. Der Erzieher als Bildner des zukünftigen menschlichen Seeleninhalts

4. The Teacher as Sculptor of the Human Soul

[ 1 ] Ich habe bisher versucht, Ihnen zu zeigen, wie man von der äußeren Seite her an den Menschen herankommen kann. Heute möchte ich mich unserer Aufgabe von der anderen Seite her nähern, von der Seite, die ich nennen möchte: die Seite des inneren Erlebens desjenigen, was ich an den drei vorhergehenden Tagen versucht habe zu erörtern. Es könnte scheinen, als ob die Anschauung vom Menschen, wie ich sie versucht habe darzulegen, zunächst nicht dazu führen würde, im Praktischen der pädagogischen Kunst eine Grundlage zu liefern. Allein, es wird sich hier gerade darum handeln, sich zuerst dem Wesen des Menschen von den zwei verschiedenen Seiten her, von der äußeren, wie wir es bisher getan haben, und der inneren Seite zu nähern, und daraus dann erst wirkliche Anhaltspunkte und nicht bloß Gesichtspunkte für die pädagogische Kunst zu gewinnen.

[ ] Up to now I have tried to show how we can approach the human being from the outside. Today I would like to approach our task from the other side, from the side of inner experience. Through this way of considering things—the way of science in the future—the human being becomes transparent from the outside. In a sense, this kind of consideration of the human being, of the activities of the organs and all of human nature, can lead us to discover a person’s inner experiences, what he or she experiences as thinking, feeling, and willing. The commonly held perspective confronts us with a dark, impenetrable, incomprehensible being. At the same time, we are concerned with more or less abstract inner experiences of thinking, feeling, and willing that we cannot perceive or feel concretely. We have seen that the human being has three aspects: thinking, feeling, and willing. Let us look at these three aspects from within. We will soon see how the inner and outer paths of consideration are connected.

[ 2 ] Da möchte ich Sie zunächst darauf hinweisen, daß nach und nach durch die Betrachtungsweise, die hier als Zukunft der Naturwissenschaft gewissermaßen geltend gemacht worden ist, der Mensch von außen her durchsichtig wird. Man kommt gewissermaßen durch die Betrachtung des Menschen dahin, aus der Tätigkeit der Organe, aus dem ganzen Wesen heraus dasjenige zu entdecken, was dann innerlich im Menschen erlebt wird, erlebt wird zunächst als Vorstellen, erlebt wird als Fühlen, erlebt wird als Wollen. Bei allem, was gegenwärtige Weltanschauung ist, hat man es auf der einen Seite zu tun mit einem undurchdringlichen, dunklen Menschenwesen, das man nicht durchschaut, das wie undurchsichtig vor einem steht; und auf der anderen Seite hat man es zu tun mit mehr oder weniger abstrakten inneren Erlebnissen von Denken, Fühlen und Wollen, deren konkrete Auslegung man durchaus nicht innerlich wahrnimmt, innerlich empfindet. Wir haben gesehen, daß der Mensch ein dreigliedriges Wesen ist. Sehen wir ihn jetzt nach den drei Aspekten Denken, Fühlen und Wollen innerlich an — wir werden schon sehen, wie sich die beiden Betrachtungen, die äußere und die innere, zusammenschließen.

[ ] The content of thoughts is essentially very abstract. As teachers, we cannot approach the developing human being through these thoughts. In a certain sense, there is an impenetrable wall between us. That wall exists in social life and brings us many social problems. It also exists in areas such as teaching and education. Through the scientific materialism that has taken over all our thinking and, to an extent, our feeling, everything we have to say about the soul or spirit has slowly become empty words. We cannot work out of empty words. We can find no relationship to other adults through empty words, nor can we find a relationship to children through them. We need to move forward to reality. We cannot encounter reality if we have only the abstract intellectual reasoning that modern science has implanted in us.

[ 3 ] Dasjenige, was wir heute gewinnen als unseren Vorstellungsinhalt, das ist im Grunde genommen etwas sehr, sehr Abstraktes. Durch diesen Vorstellungsinhalt können wir uns als Lehrer, als Pädagogen, als Erzieher auch dem werdenden Menschen nicht nähern. Es ist gewissermaßen eine Scheidewand zwischen uns und dem anderen Menschen. Sie ist da im sozialen Leben und bringt uns unser soziales Unheil. Sie ist da auch in so speziellen Gebieten wie im Unterrichten, im Erziehen. Durch die naturwissenschaftlich materialistische Entwickelung, die unser ganzes Denken angenommen hat und die auch in unsere Gesinnung eingeflossen ist, ist alles dasjenige, was wir über Seele, über Geist zu sagen haben, nach und nach zur Phrase geworden; und aus der Phrase heraus kann man nicht handeln, aus der Phrase heraus kann man sich zu dem erwachsenen Menschen nicht verhalten. Man kann sich auch dem Kinde gegenüber aus der Phrase nicht verhalten. Man muß zur Realität vordringen. Diese Realität, die wird uns nicht zuteil, wenn wir nur jenes abstrakte intellektualistische Verstandesleben haben, wie es durch die bisherige naturwissenschaftliche Richtung gepflegt worden ist. Durch diese kommt man zwar zum Geist. Alles dasjenige, was wir heute in unserer intellektualistischen Bildung als Verstandesinhalt haben, ist Geist, aber es ist filtrierter Geist. Es ist ein solcher Geist, der gewissermaßen gar nicht aus sich heraus kann, der nicht sich innerlich als wirklicher Inhalt erlebt, der daher — ich möchte sagen, wenn ich mich vergleichsweise ausdrücken darf — brutaler bleibt. Dieser Geist beherrscht unser Leben, dieser Geist, der in nichts eigentlich eindringt, dieser Geist, der in der Kunst die materielle äußere Form ausprägt, statt sie herauszuholen aus dem Material selbst, dieser Geist, der in bezug auf die sozialen Gestaltungen der Menschengemeinschaft äußerlich soziale Zusammenhänge aufdrängen möchte, statt sie aus dem unmittelbaren, lebendigen Menschen selbst herauszuholen. Da bekommt man eine ganz andere Stellung zum Geiste, wenn man sich an dasjenige hält, was Geisteswissenschaft geben kann. Denn sehen Sie, Geisteswissenschaft, sie ist viel wichtiger durch die Art, wie sie auftritt, als durch ihren Inhalt. Wenn Sie sich an das halten, was heutiges Wissen ist, so werden Sie finden, daß es gewissermaßen das wiedergibt, was schon da ist. Wir sind ja dadurch zum Naturalismus gekommen, der in der Kunst nur die Außenwelt abbildet, weil wir keine Erkenntnisse haben, die über diese Außenwelt zu einem selbständigen Inhalt kommen. Wir bewegen uns nur in dem Abklatsch der Außenwelt. Wir werden nicht darauf aufmerksam, wie aus den Quellen des Menschen heraufsprießen kann lebendiger Inhalt, denn dieser lebendige Inhalt kann dann nicht von etwas anderem kommen als vom Geiste selbst.

[ ] We do, however, come to the spirit through this reasoning. The entire content of reasoning within our intellectually oriented education is spirit, but it is a filtered spirit. It is a spirit that in a way cannot break out of its own confines, which cannot experience itself as real content, and thus remains brutal. This spirit controls our lives. This spirit penetrates nothing; it is a spirit that in art creates only the external form instead of developing the form out of the material itself. It is a spirit that wants to force itself upon the external social relationships connected with the shape of human society instead of developing those relationships directly from living human beings.

[ 4 ] Nehmen Sie nun den ganzen Gegensatz zwischen dem, was Inhalt der Geisteswissenschaft ist und was Inhalt der gewöhnlichen Naturwissenschaft ist. Diese Geisteswissenschaft wird von vielen Menschen der Gegenwart, wenn sie so hören, was sie zu sagen hat, zunächst genommen wie etwas, ich möchte mich radikal ausdrücken, wie etwas Närrisches, ganz Phantastisches. Warum denn? Weil man nicht gewohnt ist, über die Welt so sprechen zu hören, wie Geisteswissenschaft spricht. Man ist gewohnt, über die Welt so sprechen zu hören, daß man vergleichen kann das Besprochene mit dem, was man draußen sieht, mit dem, was die Augen wahrnehmen, was sonst wahrgenommen wird. Geisteswissenschaft bringt Dinge, für die man nicht irgend etwas in der Außenwelt zunächst finden kann, für die man nicht etwas finden kann dadurch, daß man bloß mit den Sinnen beobachtet, sondern für die man nur etwas dadurch erwirken kann, daß man aus dem eigenen Geiste schafft. Man schafft ja allerdings aus dem tieferen Inhalte der Welt heraus, aber man muß eben produktiv aus dem Geiste heraus schaffen. Auf dieses kommt es an, auf dieses produktive Aus-dem-Geiste-herausSchaffen. Man wartet nicht, wenn man Geisteswissenschaft, wenn ich so sagen darf, studiert, bis einem entgegenkommt von außen ein Baum, ein Tier, das man im Begriff abbildet; man muß den Begriff in seiner inneren Lebendigkeit erzeugen. Wir werden gleich nachher Beispiele sehen, wie man gerade aus der Geisteswissenschaft heraus Begriffe innerlich erzeugen muß, wie sie dadurch ein lebendiger Inhalt werden im Menschen. So daß man sagen kann: unser intellektualistischer Verstand ist allmählich leer geworden. Geisteswissenschaft gibt diesem intellektualistischen Verstand etwas, wodurch er aus sich selbst heraus seine Leerheit erfüllen kann.

[ ] We can arrive at a very different position in regard to the spirit if we hold to what spiritual science can give us. The way spiritual science approaches things is much more important than its actual content. If you stay with what is knowledge today, you will find that it simply reflects what already exists. That is how we have arrived at a kind of naturalism that only recreates the external world in art, because our understanding does not penetrate beyond the external world; it has no independent content. We move about in a mere copy of the external world. We do not understand how living content can germinate from the human being, since this living content cannot arise from anything other than the spirit.

[ 5 ] Wenn Sie heute zum Beispiel so etwas nehmen wie meine »Geheimwissenschaft« und Sie diese »Geheimwissenschaft« lesen wie irgendein anderes Buch, das heute von der Welt handelt, so werden Sie nicht zurechtkommen; denn man ist ja selbst bei künstlerischen Werken heute dazu gedrängt, daß man sagt: Ja, da wird etwas dargestellt, wo findet man so etwas in der Welt? Vom Drama, vom Roman selbst, also von Phantasieprodukten verlangt man heute, daß sie sich ihrem Inhalte nach genau so oder etwa nahezu genau so in der Welt finden. Das können Sie bei dem, was der Inhalt der Geisteswissenschaft ist, zunächst gar nicht. Sie sind zu etwas anderem genötigt. Und deshalb findet sich so vielGegnerschaft gegen dieGeisteswissenschaft, weil man zu etwas ganz anderem genötigt ist, als dem gewöhnlichen wissenschaftlichen oder künstlerischen Produkte der Gegenwart gegenüber. Man ist genötigt, jeden Schritt, der gewissermaßen als von dem Verfasser eines solchen geisteswissenschaftlichen Buches getan, nachgezeichnet wird, in innerer Aktivität mitzumachen. Man hat nichts von der Lektüre eines solchen Buches, wenn man nicht seinen Inhalt sofort nach der Anleitung dieses Buches aus sich selber heraus produziert. Gerade dadurch stellt sich Geisteswissenschaft heute in der herbsten Weise gegen die Zeitbildung. Die Leute laufen heute am liebsten auch in solche Vorträge, in denen ihnen mit Lichtbildern oder auf eine ähnliche Weise vor die Sinne dasjenige gestellt wird, was sie eigentlich aufnehmen sollen. Oder die Leute laufen heute ins Kino, weil sie da etwas sehen können; sie geben nicht viel darauf, daß da auch ein paar Worte zur Erklärung stehen. Das heißt: man will passiver Mensch bleiben, will ein Mensch bleiben, der nur schaut, der nur hinsieht. Wenn man in dieser Weise die Gewohnheiten der heutigen Zeit auf sich wirken läßt, so hat man von einem geisteswissenschaftlichen Buch oder Vortrag gar nichts. Da enthält er eigentlich gar nichts, der geisteswissenschaftliche Vortrag oder das geisteswissenschaftliche Buch. Alles hängt davon ab, daß man innerlich dasjenige erarbeitet, was, ich möchte sagen, nur fadengezeichnet wird in dem Buche oder in dem Vortrage.

[ ] Let us contrast spiritual science and conventional science. When they first hear what spiritual science has to say, many modern people understand it as something silly, a fantasy. Why? Simply because people are not accustomed to hearing in the way that spiritual science speaks. People are accustomed to speaking about the world so that it is possible to compare what is said with what we see, with what the eyes perceive or we perceive in other ways. Spiritual science presents things to which we cannot find any correspondence in the external world, things we cannot find when we observe only with our senses. It presents things we can understand only when we work out of our own spirit. Of course, what we create comes from a deeper aspect of the world, but we must actually produce that out of the spirit. This creation out of the spirit is important.

[ 6 ] Es handelt sich also darum, daß der passiv gewordene Verstand unseres intellektualistischen Zeitalters aktiv wird. Geisteswissenschaft selber ist ein innerliches Tun, insofern man sich mit einer Vorstellungswelt beschäftigt, und unterscheidet sich dadurch radikal von dem, was man heute gewöhnt ist. Sehen Sie, auf diese innerliche Selbsterziehung kommt ungeheuer viel an. Denn dadurch wird die abstrakte Geistigkeit, die gerade der heutigen Verstandesbildung anhaftet, durchaus überwunden. Dadurch aber wird die ganze Geistes- und Seelenverfassung des Menschen eine andere.

[ ] When we study spiritual science, we do not wait until we encounter a tree or an animal that we can then conceptualize. Instead we form the concept in our inner life. In a moment, we will see some examples of how we create concepts inwardly through spiritual science and how they can become alive in the human being. We can therefore say that our intellectual reasoning has slowly lost all meaning, and that spiritual science gives our reasoning something through which it can regain some content.

[ 7 ] Es war mir, ich möchte sagen, ergreifend, als ich gerade heute morgen einen Brief bekam von einer Lehrkraft unserer Stuttgarter Waldorfschule, die wir ja aus den hier geltend gemachten pädagogischen Prinzipien begründet haben. Es ist Ihnen vielleicht bekannt, daß ich wochenlang vorher die Lehrerschaft dieser Waldorfschule durch einen seminaristischen Kursus vorbereitet habe; die Lehrer lesen den Kursus immer wiederum nach. In diesem Brief schrieb diese Lehrkraft: »Wenn ich immer wieder und wiederum diese pädagogischen Vorträge lese, so ist es mir, wie wenn ich in einer fremden Gegend mich befindlich plötzlich Heimatklänge hörte.« — Es ist ein Gefühl, das ich ganz gut verstehen kann. Der Mensch, der innerlichste Mensch heute fühlt sich fremd in unserer intellektualistischen Welt; und überwindet er sich wirklich so weit, daß er seinen aktiven, inneren Menschen in Tätigkeit bringt, wie er es tun muß bei jeder geisteswissenschaftlichen Darstellung, dann hat er etwas wie menschliches Urheimatgefühl, wie etwas von den Klängen aus der geistigen Welt heraus, aus der ja der Mensch eigentlich stammt. Und darauf kommt es an, daß man sich angewöhnt, das Geistige immerfort gegenwärtig zu haben. Worauf kam es mir zum Beispiel den Lehrern der Waldorfschule gegenüber an? Darauf kam es mir an, daß diese Lehrer abtun gewissermaßen alles dasjenige, was Normpädagogik ist, was dann so verwertet wird im Unterrichte, daß man sich erinnert, man solle dieses so, jenes so machen, die richtige pädagogische Wissenschaft sagt dies und sagt jenes und so weiter. Geisteswissenschaft ist gewissermaßen darauf hinauslaufend, daß man in jedem Momente eigentlich vergißt den geistigen Inhalt, den man durch die Geisteswissenschaft aufgenommen hat, und ihn jederzeit wiederum neu aufnehmen und in sich erzeugen muß. Man hat nicht wirklich die Geisteswissenschaft, wenn man sie als etwas hat, woran man sich erinnert.

[ ] If you take my book An Outline of Esoteric Science and read it like any other book, you may not understand it. Today, even with art, we ask ourselves where in the world we would find something like it. In dramas and novels, that is, in products of our imagination, we demand that their content can be found in exactly, or nearly exactly, the same way as in the world. You cannot do that with the content of Esoteric Science. You have to do something else, which is why there is so much opposition to spiritual science: people must do something quite different than in modern conventional science or art. You need to carry out an inner activity for each step described by the writer of such a spiritual scientific book. You will gain nothing from reading such a book if you do not produce something from yourself according to the directions in the book. In this way spiritual science runs quite counter to our modern way of thinking. Today people love to attend lectures that present what they are to learn through slides or other perceptible means. People go to movies because they can see something there. They do not value the fact that there are also some words. People want to remain passive; they just want to be people who watch. You will gain nothing from a spiritual-scientific book or lecture if you allow these modern habits to predominate, as spiritualscientific lectures or books contain nothing of that sort. Everything depends upon your working inwardly with what such books or lectures offer as a thread.

[ 8 ] Nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich hier etwas Persönliches vorbringe. Ich bin niemals imstande, wenn ich 30-, 40-, 50mal über dasselbe Thema rede, irgendwie den gleichen Vortrag zu halten. Ich kann dies ebensowenig, wie ich — verzeihen Sie den grotesken Vergleich das wieder essen könnte, was ich gestern gegessen habe. Da steht man im Lebendigen drinnen. Und so steht man mit dem, was geisteswissenschaftlicher Inhalt ist, im Lebendigen drinnen. Man hat es immer fort und fort neu zu erarbeiten. So versuchte ich auch die Lehrer der Waldorfschule so vorzubereiten, daß sie gewissermaßen jeden Morgen mit jungfräulicher Seele ihre Schule betreten, um vor etwas völlig Neuem zu stehen, vor lauter neuen Rätseln. Das Vergessenkönnen, das nur die andere Seite des Verarbeitetwerdens ist, das ist es, was Geisteswissenschaft dem Menschen anerzieht, was das Ergebnis der Selbsterziehung durch Geisteswissenschaft ist. Sie werden sagen: Ich kenne ja auch ein paar Geisteswissenschafter oder Anthroposophen, die zählen mir doch an den Fingern her dasjenige, was sie gelernt haben. Ja, meine sehr verehrten Anwesenden, das ist ja noch die Unvollkommenheit der Anthroposophen. Ich habe es nicht verhindern können, daß auch solche Anthroposophen gegenwärtig hier sind, die müssen sich das also eventuell anhören. Es ist eine Unvollkommenheit, wenn man das anthroposophische Wissen als ein Gedächtniswissen hat, wenn man es nicht hat als einen Urquell des inneren Seelenerlebens, das jederzeit neu erschaffen sein will in der Seele. Das ist aber die Stimmung, in der man gerade dem Menschen gegenüberstehen soll, wenn man ihn unterrichten oder erziehen soll. Also darum handelt es sich, daß Geisteswissenschaft durch die Art, wie man sie verarbeitet, unsere Seele in eine Lebendigkeit bringt, die so verläuft, wie im Physischen der Verdauungsprozeß jeden Tag neu verläuft, so daß alles bloß Gedächtnismäßige schwindet gegenüber dem, was Geisteswissenschaft dadurch gibt, daß sie vom aktiven Verstande, nicht vom passiven Verstande ausgeht.

[ ] It is important that reasoning,which has become passive in our intellectual age, should now become active. Spiritual science is an inner activity to the extent that it concerns the world of ideas and is therefore radically different from what modern people are used to. This inner training of self is extremely important, since that is how we can overcome the abstract spirituality connected with modern reasoning. This self-training will renew the entire spiritual and soul constitution of a human being.

[ 9 ] Das ist, was ich nennen möchte eine Befruchtung der pädagogischen Kunst schon auf dem Vorstellungsgebiete dadurch, daß man gerade Geisteswissenschaft einfließen läßt in sein ganzes Denken, in sein Vorstellen. Man kann nun auf der einen Seite sich dem Menschen innerlich von der Vorstellungs-, von der Verstandesseite aus nähern; man kann das aber auch von der Willensseite aus tun. Ich kann das ja hier nur schildern, aber die Ideen, die ich versuchen werde zu schildern, die sind geeignet, wenn man sie nur tief genug erfaßt, Feuer in denjenigen hineinzugießen, der Menschen zu erziehen oder zu unterrichten hat. Da möchte ich auf etwas hinweisen, was zusammenhängt mit der Frage, die mir gestellt worden ist.

[ ] Just this morning I received a letter from a teacher at our Waldorf School in Stuttgart, based upon the pedagogical principles we are discussing here. I was quite taken by it. You are perhaps aware that I prepared the faculty of the Waldorf School through a seminar lasting some weeks, and that the teachers continue to reread the transcripts of that course.1 The teacher wrote in this letter, “When I reread the pedagogical lectures, it is as though I find myself in some foreign territory and suddenly hear the sounds of my homeland.” That is a feeling I can well understand. People, at their core, feel like foreigners in our intellectual world. If they rise above themselves to the extent that they bring their inner humanity into activity, as they must do with every spiritual-scientific presentation, they have something like a feeling of coming home to those tones sounding from the spiritual world that actually originated in the human being. It is important that we accustom ourselves to having the spiritual present always. For example, what was important for me with the faculty of the Waldorf School? My goal was that these teachers shed everything that is standard education, all that people used to teach while remembering they should do something in one way or another. According to current education, that is the correct approach. In a way, the core of spiritual science is that you actually forget the spiritual content you have learned and at each moment renew it by creating it again within yourself. You have not really understood spiritual science if you understand it as something you need to remember.

[ 10 ] Es ist gefragt worden, wie sich die Entwickelung des Kindes, so wie ich sie versucht habe wenigstens zunächst zu skizzieren, wie sich diese Entwickelung des Kindes bis zum 7. Jahre, dann bis zum 14., 15. Jahre verhält zu dem, was sich etwa für die Entwickelung ergibt aus dem biogenetischen Grundgesetz Ernst Haeckels heraus.

[ ] Excuse me if I say something personal here. When I speak thirty, forty, or even fifty times on the same theme, I can never give the same lecture. I can do that just as little—excuse the rather inappropriate comparison—as I can eat again what I ate yesterday. I am in something living, and it is the same with spiritual-scientific content: you are in something living. You need to continually work with it. I prepared the teachers of the Waldorf School so that, in a certain sense, they entered school each morning with a virgin soul, so that they would always be confronted with something new, with new riddles. The ability to forget, which is only the other side of comprehending, is what draws people to spiritual science. It is the result of continual spiritual-scientific learning.

[ 11 ] Sie wissen ja, dieses biogenetische Grundgesetz besagt für die äußere naturwissenschaftliche Betrachtung der Welt, daß sich, wenn wir beim Menschen bleiben, in der menschlichen Embryonalentwickelung die Stammesentwickelung wiederholt, daß gewissermaßen die Ontogenie eine Wiederholung der Phylogenie ist. Der Mensch ist in der Zeit von der Konzeption bis zu der Geburt nach und nach in einer solchen Entwickelung, daß er die verschiedenen Tierformen, von den einfacheren bis zu den komplizierteren, bis herauf zum Menschen eben durchmacht. Dieses für die naturwissenschaftliche Weltanschauung außerordentlich bedeutungsvolle Gesetz — ich kenne sehr gut seine Ausnahmen, seine Grenzen - aber gerade derjenige, der das kennt, muß es ein sehr bedeutungsvolles naturwissenschaftliches Gesetz nennen —, das hat man versucht, auch auf die geistig-seelische Entwickelung des einzelnen Menschen im Verhältnis zur ganzen Menschheit geltend zu machen. Man ist dadurch auf eine ganz falsche Fährte gekommen.

[ ] Now you might say that you know a few anthroposophists who could count on their fingers all the things they have learned. But that is only the imperfection of anthroposophists. I was not able to keep some such anthroposophists away, so they will also need to listen to what I am saying. It is a failing to have your anthroposophical knowledge as a memory, to not have it as a source of the inner life of your soul that you must re-create at each moment. That, however, is the attitude you should have when you stand before other human beings who you are to teach and educate. It is important that we work with spiritual science in a way that brings a liveliness to our souls, that is active in the same way that our digestive processes are active each day in our physical body. In this way, everything that is simply memorized disappears into the background, eclipsed by what spiritual science offers; therefore we work with an active, rather than a passive, understanding.

[ 12 ] Wodurch würde man einen Parallelismus finden können zwischen der seelisch-geistigen Entwickelung des Menschen und zwischen diesem biogenetischen Grundgesetz? Doch nur dann, wenn man sagen könnte: das kleine Kind, wenn es seinen irdischen Lebenslauf beginnt, macht gewissermaßen Urzustände des Menschengeschlechts durch. Wächst es heran, so macht es Zustände späterer Entwickelungsepochen der Menschheit durch und so weiter. Es wiederholt die kindliche Entwickelung die Entwickelung des ganzen Menschengeschlechtes. So etwas kann man als ein Phantasiegebilde aufstellen, aber es entspricht dies keiner Wirklichkeit; und erst Geisteswissenschaft ist in der Lage, auf diesem Gebiete sich der Wirklichkeit zu nähern. Wenn man den menschlichen Embryo verfolgt von der ersten, zweiten, dritten Woche — soweit man es heute schon kann —- bis zu seinem Reifwerden, so sieht man da die Andeutungen der aufeinanderfolgenden, immer vollkommener werdenden Formen, die Fischgestalt und so weiter. Wenn man dagegen im Kinde die ersten Entwickelungsjahre beobachtet, so sieht man nichts von einer Wiederholung von irgendwelchen Urzuständen der Menschheitsentwickelung, oder im weiteren Fortgang von folgenden Epochen der Menschheitsentwickelung. Da müßte man in die kindliche Entwickelung Kräfte und Vorgänge hineinträumen, wenn man so etwas finden wollte. Es war ein schöner Traum, als Leute, wie der Pädagoge Wolf oder andere geltend gemacht haben, Kinder machen gewissermaßen die Zeiten der wilden Barbarenzeit durch, dann gibt es gewisse Knabenzeiten, wo man die persische Kulturzeit durchmacht und so weiter. Schöne poetische Bilder können dabei herauskommen, aber Unsinn bleibt es, denn es entspricht eine solche Schilderung durchaus nicht einer wahren Wirklichkeit! Da muß man schon in der Lage sein, das menschliche Leben in seiner vollen Realität zu schauen, wenn man das Entsprechende im Geistig-Seelischen für das biogenetische Grundgesetz finden will. Und da zeigt sich der Geisteswissenschaft, daß man nicht an den Anfang des Lebens sehen darf, sondern an das Ende des Lebens blicken muß. Wenn man über das 35., 40., 45. Jahr hinaus ist und nun wirklich sich über diese Jahre hinaus bewahrt hat die Möglichkeit einiger Selbstbeobachtung, dann zeigen sich im Seelenleben des Menschen, im innersten Erleben des Menschen gewisse Rudimente. So wie sich in bezug auf äußerliche Körperlichkeit im Embryonalleben Rudimente der Stammesentwickelung zeigen, so zeigen sich merkwürdige innere Erlebnisse, die der Mensch hat nach dem 35., 40., 45. Jahre, wenn er zu wirklicher Selbstbeobachtung aufsteigt, zu der man vielleicht eben doch nur dadurch kommt, daß man jene Aktivität des Denkens, wie man sie sich aneignen muß, wenn man Geisteswissenschaft wirklich durchlebt, ausbildet. Da merkt man: im Alter treten innerliche Erlebnisse auf, die nicht ganz herauskommen, die wie Rudimente sich ausnehmen; die Leiblichkeit ist nicht mehr da, die uns die Möglichkeit bietet, das, was im Alter geistig-seelisch auftritt, wirklich herauszubringen; der Leib, die Leiblichkeit versagt. Wir werden, wenn wir uns nur durch unsere Leiblichkeit nicht beirren lassen, im Alter seelisch-geistig reich. Allerdings wenige Menschen merken heute in unserer intellektualistischen Kultur etwas von dem, was da im Alter des Menschen wie rudimentär in der Seele auftritt. Und wissen Sie, warum man es nicht merkt? Man merkt es nicht wegen unserer heute auf Intellektualismus gebauten Erziehung! Die macht uns im hohen Grade abhängig vom Leiblichen. Dabei merken wir nicht, wie, sobald als wir über das 35. Jahr hinauskommen, in unserem Seelenleben Dinge auftreten, die eben einfach durch die heutige Körperlichkeit der Menschheit körperlich sich nicht ausleben können, die aber innerlich erlebt werden können, wenn wir diesen Zeitraum des Menschenlebens nicht eigentlich seelisch verschlafen.

[ ] The art of education is enriched in the realm of thought when people allow spiritual science to flow into their way of thinking, into their imagination. Then we can approach the human being in an inner way, through imagination and reason. However, we can also do that through will. Here, I can describe that only briefly, but these ideas will light fires in those people who are to teach and educate if they are comprehended deeply enough. I would like to say something related to a question I was asked.

[ 13 ] Das ist es, was sich einem so furchtbar auf die Seele legt, daß der größte Teil der heutigen Menschheit jene Alterserlebnisse, die den Menschen in ungeheuere Tiefen hineinführen können, einfach dadurch, daß er älter wird, mit vollem inneren Wachsein älter wird, geradezu verschläft. Heute wird ja ungeheuer viel von der Menschheit verschlafen! Eignet man sich den aktiven Verstand an, eignet man sich vor allen Dingen — wir werden gleich sehen, was eigentlich damit gemeint ist -— das aktive Gemütsleben und Willensleben an, dann merkt man diese Rudimente des Seelenlebens im Alter. Und eine wirklich von der Geisteswissenschaft befruchtete Erziehungskunst, die wird es dahin bringen, daß wir tatsächlich diese Alterserlebnisse haben können. Dann wird man auch in der sozialen Lebensordnung wissen: solche Alterserlebnisse gibt es; dann wird man auch in einer anderen Weise dem Alter entgegenleben. Man wird gewissermaßen neugierig sein, was das Alter einem bieten kann. Ganz andere innere Lebenserfahrung wird im Menschen reif.

[ ] I attempted to sketch the child’s development beginning about age seven until fourteen or fifteen. Someone asked how that development relates to Haeckel’s biogenetic law. This law considers the world in an external, scientific way, and says that the embryonic development of the human being repeats the evolution of human beings—that ontogeny recapitulates phylogeny. During the period from conception until birth, human development passes through the various animal forms from the most simple to the most complicated right up to the stage of the human being. I am aware of the exceptions and limitations, but those who understand this law certainly know it is scientifically very important. People have tried to apply this law to the spiritual and soul development of individuals in relationship to all of humanity. In that way, however, we follow a very incorrect path.

[ 14 ] Aber woher kommt es denn, daß solche Alterserlebnisse, solche rudimentären Erlebnisse auftreten? Um das zu verstehen, muß man aus der Geisteswissenschaft heraus die wirkliche Entwickelung des Menschengeschlechtes ins Auge fassen. Diese wirkliche Entwickelung des Menschengeschlechtes ist ganz verfinstert worden durch unsere materialistische Anthropologie. Im Ausgangspunkte der Menschheitsentwickelung, glaubt man, wäre menschliche Wildheit. Das trifft nicht zu. Im Gegenteil, wenn wir zurückgehen ins 7., 8. vorchristliche Jahrtausend, so war über einem großen Teil der damals zivilisierten Menschheit ein Urwissen, allerdings instinktiver Art, ausgebreitet, aber ein Urwissen, vor dem wir heute in Demut uns beugen, wenn wir es erfassen können. Letzte Reste sind aufgezeichnet in den Veden der Inder. Aber das ist nicht das Ursprüngliche, das ist schon etwas Abgeleitetes. Mit ungeheuer trockener Intellektualität geht heute unsere Gelehrsamkeit an dasjenige, was die ersten historischen Überbleibsel sind aus dem Ägyptertum, aus dem Babyloniertum, aus dem Indertum. Aber dasjenige, was unsere Gelehrsamkeit nur in aller Trockenheit zutage fördert, das ist wiederum nur der letzte Rest eines instinktiven Urwissens der Menschheit, durch das der Mensch sich eins fühlte mit dem ganzen Universum. Wer heute wirklich Naturwissenschaft beherrscht, und dann sieht, was dieses Urwissen der Menschen, selbst in dem schwachen Abglanz, der historisch überliefert ist, war — Geisteswissenschaft kann dasjenige zeigen, was nicht historisch überliefert ist; Sie können darüber in meiner »Geheimwissenschaft« nachlesen —, wer wirklich hineinzuschauen weiß in dieses Urwissen, der weiß, daß es anders ausgesehen hat in den älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung, als die heutige materialistische Anthropologie glaubt, die sich einbildet, daß sich der Mensch von selbst vom Wilden zu dem heraufentwickelt hat, von dem wir heute sagen: Wir haben’s so herrlich weit gebracht. Nein, es weist uns die wirkliche Betrachtung der Menschenentwickelung dahin, daß es zunächst eine Periode vorgeschichtlicher Entwickelung gegeben hat. Wir kommen dabei bis ins 7., 8., 9. Jahrtausend vor der Entstehung des Christentums zurück, wo die Menschen ein Urwissen gehabt haben, das sie sich aber nur aneignen konnten dadurch, daß sie bis in ein höheres Alter herauf leiblich-seelisch entwickelungsfähig geblieben sind. Und dann blicken wir auf die erste, im Süden von Asien nach einer großen Weltkatastrophe, welche die Erde betroffen hatte, entstandene Kultur. Nur dadurch kommen wir dieser Urkultur nahe, daß wir auf die Eigentümlichkeit der Menschheit in der damaligen Zeit blicken. Das Parallelgehen der leiblichen Entwickelung mit der Seelenentwickelung bis zum 7. Jahre, dann wiederum bis zur Geschlechtsreife, das hört mit den Zwanzigerjahren auf, dann sind wir fertige Menschen für die heutige Zeit. Da dürfen wir nicht mehr glauben, daß wir uns in einer ähnlichen Weise über die Abgründe der Entwickelung hinüberheben, wie wir uns hinüberheben über den Zahnwechsel und über die Geschlechtsreife.

[ ] Can we find a parallel between human spiritual and soul development and this biogenetic law? We can do so only if we can say that at the beginning of his or her earthly life, a small child goes through the various stages of humanity and moves through later periods of human development as he or she grows. Thus the development of a child repeats the development of humanity as a whole. We could certainly create such a fantasy, but it would not correspond to reality. In this area we can approach reality only through spiritual science. When we follow the development of the human embryo from the second or third week until it matures, we can see hints of a continuously more perfect form in the developmental stages, the form of a fish, and so on. However, when we observe the early developmental years of a child, we find nothing that indicates a recapitulation of the subsequent stages of human development. We would have to attribute fantasy forces and processes to the child’s development to find something like that. It is just a beautiful dream when people like Wolf try to demonstrate that children go through a period corresponding to wild barbarians, then they go through the Persian period, and so forth. Beautiful pictures can result from this, but it is nonsense nevertheless because it does not correspond to any genuine reality. We have to look at human life in its full reality if we want to find something corresponding to the spirit and soul in the biogenetic law. Spiritual science shows that we should not look at the beginning of life, but rather at the end. If we can observe ourselves beyond the age of thirty-five or forty, possibly forty-five, we can then find certain artifacts in the soul life of a human being, in the innermost experiences of a human being. Just as there are vestiges of physical human evolution during the embryonic period, there are strange inner experiences people can have after the age of thirty-five or forty if they are able to accurately observe themselves.

[ 15 ] Das war anders in Urzeiten der Menschheit. In der alt-indischen Zeit haben sich die Menschen bis in die Fünfzigerjahre hinein physisch-leiblich so entwickelt, wie wir uns nur bis in die zwanziger Jahre hinein entwickeln. Durch diesen Parallelismus der physisch-leiblichen Entwickelung und der geistig-seelischen Entwickelung war das instinktive Urwissen vorhanden, das erlebt wurde von den Patriarchen der damaligen Zeit, von denen, die einfach alt geworden sind, und die noch solche körperliche Umwandlung, wie wir sie nur in der Geschlechtsreife erleben, bis über die Fünfzigerjahre hinaus mit dem seelisch-geistigen Entwickeln durchgemacht haben.

[ ] Perhaps this quality of observation is possible only if people develop active thinking through really experiencing spiritual science. We see that later in life, we have inner experiences that do not completely take shape, that are like artifacts. Our physicality can no longer fully develop spirit-soul events later in life. The physical body fails. If we do not let our physical bodies lead us astray, we become enriched in spirit and soul later in life. Of course in modern intellectual culture, only a few people notice what arises as vestiges in our souls. This is because education is founded upon intellectualism, which makes us dependent upon the physical body to an extreme degree. Once we have reached the age of thirty-five, we do not notice events in our souls that cannot really live in our modern physical bodies, but we can experience these events inwardly if we do not sleep through this period of human soul life.

[ 16 ] Dann kam die Zeit, die ich in meiner »Geheimwissenschaft« die urpersische genannt habe. Da kommen wir in das 4., 5., 6. Jahrtausend der vorchristlichen Zeitrechnung zurück, und da vollzieht sich die leibliche Entwickelung noch bis über die Vierzigerjahre hinauf. Und dann kommt die ägyptisch-babylonische Entwickelung, die bisins 3., 4. Jahrtausend der vorchristlichen Zeitrechnung geht. Da bleibt der Mensch entwickelungsfähig bis in die Mitte des Lebens, bis übers 35. Jahr hinaus. Dann kommt diejenige Entwickelung, von der wir eigentlich historisch allein etwas Erhebliches wissen, es kommt die Entwickelung der griechisch-lateinischen, der griechisch-römischen Zeit, jene Entwickelung, in der der Mensch immerhin noch bis zum Anfang der Dreißiger in seiner Leiblichkeit voll entwickelbar bleibt. Der Grieche lebte anders, auch noch der alte Römer lebte anders, als wir leben. Solche Wahrheiten der weltgeschichtlichen Entwickelung, man will sie heute nur nicht zugeben, weil man auf diese Dinge nicht die Aufmerksamkeit hinwendet. Der Grieche lebte noch so, daß er das GeistigSeelische zugleich als ein Leibliches spürte. Wenn er den Blick hinauswendete in die Welt, so wußte er: ich schaue die Dinge nicht bloß an; er wußte gleichzeitig um den physischen Vorgang seines Leibes. Das hing davon ab, daß er viel länger entwickelungsfähig blieb, als wir körperlich-physisch entwickelungsfähig sind.

[ ] This weighs heavily upon our souls. Most modern people sleep through those experiences in old age, experiences that could guide them into tremendous depths, simply because they are older and are completely awake inwardly. Today a tremendous number of people are simply asleep. If you develop an active understanding, an active feeling and willing, when you are old you will notice these artifacts of the soul’s life. An art of education genuinely fructified by spiritual science will enable us to have these experiences of old age. Our society will also know that there are such experiences in old age, so we will move into old age in a different way. We will become curious about what old age can offer us. People will have an entirely different inner experience of life.

[ 17 ] Sehen Sie, all das, was die Menschen einer früheren menschlichen Entwickelungsepoche noch im Leibe erlebt haben, das erleben wir im Alter nur noch geistig-seelisch, wenn wir es nicht verschlafen. Das sind die Rudimente. Während für das Physische im biogenetischen Grundgesetz der Anfang des Lebens als Wiederholung erscheint dessen, was in der Stammesentwickelung durchgemacht wurde, wachsen wir gerade heute hinein in das, was die Urmenschheit durchgemacht hat, indem wir die Rudimente im Alter betrachten. Dasjenige, was wir heute erleben, wenn wir am Ende der Vierziger-, Anfang der Fünfzigerjahre sind, als seelische Rudimente, das kann uns noch eine Vorstellung geben von der ersten indischen Urkultur, die bis ins 7., 8. Jahrtausend der vorchristlichen Zeitrechnung zurückgeht. Das, was wir in den Vierzigerjahren innerlich seelisch erleben, gibt uns einen Abglanz dessen, was die urpersische Zeit war im 4., 5. Jahrtausend. Dasjenige, was wir erleben in den letzten Dreißigerjahren ist ein Abglanz — nicht mehr leiblich, nur geistig — von dem, was die alten Ägypter, Babylonier ganz anders lebten und fühlten, weshalb sie auch ein ganz anderes soziales Leben führen konnten. Die Gelehrten beschreiben heute die Griechen so, daß sie ihnen im Grunde ganz fremd gegenüberstehen. Es ist ganz merkwürdig, was man eigentlich alles an Außerlichkeit heute geleistet hat. Wir haben vor den Kriegsjahren gehört, wie da oder dort in der Welt »olympische Spiele« wiederum gefeiert werden sollen, olympische Spiele, in denen man die Äußerlichkeit nachahmt von etwas, das ganz darauf gebaut war, daß der Mensch über die Dreißiger hinaus noch eine leiblich-physische Entwickelung durchmacht, die er heute eben nicht durchmacht. Aus dem Leiblichen heraus floß dem Menschen ein Geistig-Seelisches bis ins hohe Alter hinauf in den früheren Zeiten.

[ ] Why do such vestigial experiences occur in old age? To understand that, we must focus on real human evolution from the perspective of spiritual science. Materialistic anthropology has rendered real human evolution murky. People believe that humanity began as wild beings. But that is not true. On the contrary, when we go back to the seventh or eighth millennium before Christ, a large portion of the then-civilized humanity possessed a primitive knowledge; of course, it was an instinctive sort of knowledge. But it was knowledge that we need to bow down to in humility if we are to comprehend it today. The last remains of it were retained in the Indian Vedas. However, these do not contain the original knowledge, but something derived from it. Today people enter the early historical remnants of ancient Egypt, Babylon, and India with a tremendous amount of dry intellectuality—a kind of arid, academic perspective. What our modern academic research with all its dryness brings to light is just the corpse of an instinctive, primal human knowledge through which people experienced their connection with the entire universe. People who understand science and then look at that early primal human knowledge, even in its weak historical reflection, know that the world looked different in those ancient periods of human development than modern materialistic anthropology believes. Spiritual science can show what has not been handed down historically. You can read about it in An Outline of Esoteric Science. Modern materialistic anthropology believes human beings somehow developed from some wild creatures, so that we now say we have developed far beyond them. However, a true consideration of humanity shows us a period of prehistoric development. Through that consideration, we return to the seventh, eighth, or ninth millennium before Christ, when people had a primal knowledge that was possible only because they could continue to develop their body and soul until a much later age. We can then look back upon the first culture that developed in the southern part of Asia after a major world catastrophe. We can comprehend that primal culture only when we consider the characteristics of humanity at that time. Today physical development runs parallel with that of the soul until the age of seven and continues until puberty, but ceases sometime around age twenty. We are then complete human beings for our modern times. We can no longer believe we can leap over the chasm of development as we leapt over the change of teeth or puberty.

[ 18 ] So daß wir sagen können:

[ ] That was completely different in primal times. During the ancient Indian period, people developed physically until their fifties as we do until our twenties. Because their physical development continued in parallel with that of their spirit-soul, they had an instinctive knowledge that their patriarchs experienced simply by becoming old and undergoing the physical transformation that we experience only during puberty.

[ 19 ] 1. Kulturstufe: wirkliche Erlebnisse bis über das 48. Jahr
2. Kulturstufe: wirkliche Erlebnisse bis über das 42. Jahr
3. Kulturstufe: wirkliche Erlebnisse bis über das 35. Jahr
4. Kulturstufe: wirkliche Erlebnisse vom 28. bis zum 35. Jahr.

[ ] Then came the period that I called the Primal or ancient Persian period in An Outline of Esoteric Science. Here in the fourth, fifth or sixth millennium before Christ, physical development continued beyond the age of forty. Then we have the Egyptian-Babylonian development that goes back to the third or fourth millennium before Christ. At that time, the human being remained capable of physical development until the middle of life, until about the age of thirty-five. Then we come to the Greco-Roman period, when the human being could still develop physically until about the age of thirty. The Greeks as well as the ancient Romans lived differently than we do. Today, people do not want to admit the truth about historical development because they do not want to pay any attention to such things. The Greeks still felt their spirit-soul as a part of their physical body. When they looked out into the world, they knew they were not just looking at things; at the same time, they were aware of a physical process within their body. That was because they remained capable of development much longer than we do today.

[ 20 ] Die 5. Kulturstufe ist unsere heutige, ist unsere Gegenwart; in der leben wir drinnen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Da bleiben wir entwickelungsfähig höchstens bis zum 27. oder 28. Jahr.

[ ] You see, everything earlier peoples experienced within their bodies, we experience in old age only in our spirit-souls—if we are not asleep. These are vestiges, artifacts. For the biogenetic law, human embryonic and fetal physical development appears to repeat the evolution of humanity; today we grow into the development of ancient human beings when we consider its remnants in our old age. What we experience as soul artifacts when we are about fifty can give us an idea of the first Indian culture of the seventh or eighth millennium before Christ. Our soul experiences in our forties give us a hint about the ancient Persian period, around the fourth or fifth millennium before Christ. What we experience at the end of our thirties is a hint—no longer physical, only spiritual—of how the ancient Egyptians, Babylonians, and others lived and felt, and why they had a much different social life. Academics describe the Greeks in a way that is quite foreign to how they were. The way modern people base everything on externalities is quite curious. Before the war, we heard that we were to once again celebrate the so-called Olympic Games. We were going to imitate the externalities of games that were entirely based upon the fact that human beings could continue their physical development beyond the age of thirty, something we cannot do. Something of the spirit and soul flowed out of the physical body and into the ancient human being at a much later age.

[ 21 ] Allein diese Anschauung erklärt uns, wie die gegenwärtige Menschheit beschaffen ist. Diese gegenwärtige Menschheit ist so beschaffen, daß sie sich anders entwickeln muß als eine frühere Menschheit. Der gegenwärtigen Menschheit erstehen im Geistig-Seelischen keine Anschauungen mehr, wenn sie sich passiv der leiblich-physischen Entwickelung hingibt. Wenn wir von den Dreißigerjahren an nicht veröden wollen, sind wir darauf angewiesen, uns Anschauungen aus anderen Quellen heraus zu schaffen, als diejenigen sind, die wir bloß durch unsere leiblich-physische Entwickelung erhalten. Vorläufig geben sich die Menschen in bezug auf diese Dinge noch furchtbaren Illusionen hin.

[ ] We can therefore say that in the first cultural period, genuine experiences were possible beyond the age of forty-eight. In the second cultural age, such experiences were possible beyond the age of forty-two; in the third, beyond the age of thirty-five; and in the fourth, beyond twenty-eight to thirty-five years of age. The fifth cultural period is ours, the present time. We have been in that stage of cultural development since the middle of the fifteenth century, and we remain capable of physical development until the age of twenty-seven or twenty-eight at most.

[ 22 ] Ich will Sie nur darauf aufmerksam machen, daß unsere religiösen Vorstellungen, auch diejenigen, wovon wir heute noch im Unterrichten leben, ererbte sind. Warum haben wir denn eigentlich diese Furcht vor irgendeiner Erneuerung der religiösen Vorstellungen? Weil man eben heute mit ungeheurer Scheu entgegenblickt dem Entgegennehmen aus geistigen Quellen. Man will bei dem Ererbten stehenbleiben, weil man gewissermaßen sich vor dem Nichts sieht. Das Gefühl ist berechtigt, denn mit 27, 28 Jahren stirbt heute beim Menschen das durch die Leibesentwickelung geweckte innere Geistesleben ab. Wir würden also verödet sein, wenn nicht die ererbten religiösen Vorstellungen wenigstens noch unbewußt und instinktiv in uns spielten. Und wenn wir nicht manche Vorstellungen aus alten Zeiten noch traditionell fortpflanzten, würden wir alle nach dem 28. Jahre veröden. Wir sind eben heute darauf angewiesen, anzuerkennen dies Gesetz der Menschheitsentwickelung. Sie werden merken, die Sache ist im übertragenen Sinne gemeint. Je weiter die Menschheitsentwickelung fortschreitet, desto jünger wird die Menschheit. Mit anderen Worten: diese Menschheitsentwickelung erreicht passiv nur immer jüngere Jahre, dann hört sie auf, in geistiger Hinsicht wirksam zu sein. Der Grieche erreichte noch die Dreißigerjahre in der Leibesentwickelung. Der heutige Mensch erreicht sie nur in seelisch-geistiger Entwickelung und innerlich in Anlagen, die er durch produktive Geistigkeit hervortreiben muß. Und je mehr die Menschen erkalten in bezug auf die traditionellen religiösen Vorstellungen und nichts anderes an ihre Stelle setzen wollen, desto mehr werden sie erleben dieses Erkalten. Die rein intellektualistische Bildung könnte nie und nimmer irgend etwas den Menschen geben für das spätere Alter. Sie ist im wesentlichen dasjenige, was mit dem Zahnwechsel auftritt, was in jungen Kindesjahren auftritt, was wir nur durch eine Anspornung des Willens dann weiter bringen können. Aber dasjenige, um was es sich handelt, ist, daß der Mensch heute in einer Menschheit lebt, die eigentlich nur bis zum 27., 28. Jahre entwickelungsfähig bleibt durch ihre Leiblichkeit und der die weiteren Entwickelungsimpulse für das höhere Alter durch geistige Quellen zugeführt werden müssen.

[ ] Only this perspective can explain the characteristics of modern people. Modern humanity needs to develop differently than humanity of earlier times. Modern people cannot perceive their spirit-souls by allowing their physical development to occur passively. If we do not want to wither away after we are thirty, we will need to acquire points of view from sources other than those we can obtain through our physical development. At the present time, we suffer under terrible illusions in regard to such things.

[ 23 ] Wenn man heute so das soziale Leben betrachtet, dann sagt man sich ja allerdings, die Betrachtung nach Ideen zeige uns dieses Jüngerwerden der Menschheit, zeige uns dieses immer Unvollkommenerwerden der Menschheit nach einer gewissen Seite hin. Aber ich glaube, derjenige, der nun wirklich so etwas erfassen kann, der sich mit vollem Verantwortungsgefühl in die Menschheit hineinstellen kann mit einem solchen Wissen von der Entwickelung der Menschheit, in dem geht der Wille auf, der unsere pädagogische Kunst befruchten kann. Man sieht dann hin auf dasjenige, was man eigentlich zu leisten hat. Man hat aus geistigen Quellen etwas herauszuholen, was den Menschen Mensch sein läßt, auch wenn er über das 27. oder 28. Jahr hinauf sich entwickelt. Dieses Sichvertiefen mit Gefühl und Gemüt in die Entwickelungsimpulse der Menschheit, das ist der Sporn in uns, den wir zuerst brauchen. Man überschaut es heute nicht genügend. Wenn dem Menschen heute eingeimpft wird, die Erde habe sich herausentwickelt aus einem Urnebel mit den anderen Planeten, werde einstmals wiederum in die Sonne zurückfallen, und man wisse nicht, wozu eigentlich diese Menschheit da ist; wenn man heute in seine Gesinnung die ganze Entwickelung aufnimmt, von der die naturwissenschaftliche Weltanschauung spricht, da wird kein Wille daraus. Aus dieser Weltanschauung, die auf die wahre Wirklichkeit im Menschen hinblickt, wird Wille, denn man weiß jetzt, was man zu tun hat, man weiß, daß jetzt jene Erziehungsnotwendigkeiten beginnen, die vorher von der Natur selbst geleistet worden sind. Man blickt zurück in die alten Zeiten und sagt: Ihr Griechen waret noch so glücklich, daß ihr aus eurer Leiblichkeit heraus über das 28. Jahr hinein Geistig-Seelisches in euch habt entwickeln können, ihr Ägypter, ihr Babylonier, daß ihr selbst noch bis in die Vierzigerjahre rein dadurch, daß Göttliches urkräftig in eure leiblichen Organe hineingewirkt hat, das wiederum habt herausholen können. Diese Möglichkeit, dasjenige, was die Natur selbst, das heißt die göttlichen Kräfte in der Natur geleistet haben, herauszuholen, die besteht für die heutige Menschheit nicht mehr, wird immer weniger bestehen für die zukünftige Menschheit. Wir Menschen müssen die Entwickelung in die Hand nehmen. Wir müssen immer mehr und mehr uns hineinfinden in die Aufgabe, aus den Menschen erst Menschen zu machen.

[ ] I would like to remind you that we have inherited our religious ideas, including those we offer in education. Why are we so afraid of renewing our religious thinking? Because, quite simply, we are reluctant to receive new religious ideas from other spiritual sources. We want to remain with our inheritance because we feel as though we are facing a void. That feeling is justified since the inner spiritual development that results from physical development begins to wither in modern people at about the age of twenty-seven or twenty-eight. If those inherited religious ideas did not continue to play in us, at least unconsciously and instinctively, we would wither. If we did not propagate many of those thoughts from earlier times, we would all wither after the age of twenty-eight. It is very important for us to recognize this law of human development. You will, of course, realize that I mean this figuratively. The more human development progresses, the younger humanity will become. In other words, passive human development continues only until increasingly younger ages; then it ceases to be effective from a spiritual perspective. The development of the Greek physical body continued until the thirties, but today’s modern people reach that level only in their spiritual-soul development, inwardly, in tendencies that they need to develop through productive spirituality. The more people cool in regard to traditional religious ideas and have nothing with which to replace them, the more they will experience this cooling. It is absolutely impossible to give human beings something for later in life from a purely intellectual upbringing. It is primarily what occurs with the change of teeth, what occurs in early childhood that can give us sufficient will to bring us further. What is important here, though, is that people today live in a humanity that is actually capable of development through their physical bodies only until the age of twenty-seven or twenty-eight. The impulse for further development in later years must come from spiritual sources. When we look at modern social life, we have to say that humanity is becoming younger, that it reveals an increasing incompleteness of humanity.

[ 24 ] Da beginnt Wissenschaft unmittelbar Wille zu werden. Denn da, da zeigt es sich, daß wir eigentlich in jene Zeit der Menschheitsentwickelung erst eingetreten sind, in der gerade für die Erziehungskunst die neuen Aufgaben erwachsen. Deshalb war alle Erziehungskunst bis in die neueste Zeit instinktiv. Mehr als irgend etwas anderes war alle Erziehungskunst instinktiv. Dann gab es gute abstrakte Grundsätze, die ich hinlänglich schon auseinandergesetzt habe. Jetzt aber entsteht die Notwendigkeit, diese abstrakten Grundsätze von innen heraus zu beleben, weil wir es in der Hand haben, entweder diese abstrakten Grundsätze durch Belebung zu einer wirklichen Kunst der Menschenbildung zu machen, oder aber die Menschheit der Ödigkeit auszuliefern in der Zukunft.

[ ] Those who can comprehend such things and who have both knowledge and a sense of responsibility toward human development will be able to fructify the art of education. They will then look for what they need to accomplish. They will need to bring from spiritual sources what people need to be human beings, even when they develop beyond the age of twenty-seven or twentyeight. Our deepened understanding of the human developmental impulse, along with our feeling and concern, will motivate us. We do not see this clearly enough today. When people are bombarded with ideas such as that the earth developed out of some kind of nebular fog along with the other planets and will someday fall back into the sun, they do not know why human beings exist. When people have soaked up the attitude about evolution presented by the natural scientific worldview, they will no longer have any will. A perspective that looks at the reality of the human being will generate will: then we will know what we have to do. We will know that we now need to educate where previously nature carried out the deed by itself. We can look back to older periods and say the Greeks were happy because their physicality could develop their spirit-soul beyond the age of twenty-eight. We will see that the Egyptians and Babylonians could develop beyond the age of forty purely because a divine force they could draw upon affected their physical organs. To draw upon what nature itself, the divine forces in nature, accomplishes is no longer possible for modern human beings and will become even less so for humanity in the future. As human beings, we must take up the responsibility for our own development. We must more and more find a way to make human beings truly human.

[ 25 ] Indem ich jetzt am Beginne desjenigen stehe, was ich eigentlich pädagogisch-künstlerisch erörtern will, sehen Sie, daß ich den Ausgangspunkt nehmen möchte nicht von einer theoretischen Erörterung, sondern von einem Gefühl. Ich möchte hier am Ausgangspunkt der Betrachtungen die Worte aussprechen, daß man bei einer Pädagogik nicht auszugehen hat von Grundsätzen, sondern von einem Gefühl. Wir müssen in diesem Moment von dem Gefühl durchdrungen sein: Der Menschheit Seeleninhalt ist in die Hand der Jugendbildner, der Erzieher gegeben. Sie ist es in gesunder Weise, wenn wir sozusagen die Zukunft der Menschheit in uns fühlen. Dies ist der richtige Ausgangspunkt, nicht wenn wir das oder jenes wissen, sondern wenn wir das fühlen, wenn wir das empfinden, wenn wir die ganze Aufgabe der Erziehung, wie sie zusammenhängt mit der Menschheitsentwickelung, fühlen und empfinden. Diesen Ausgangspunkt wollte ich heute als nicht einen theoretischen, sondern als einen empfindungsgemäßen vor Sie hinstellen. Ich möchte sagen, das, was ich heute vor Sie hinstellen wollte, hat man dann richtig erfaßt, wenn man alle einzelnen Sätze, die ich gesprochen habe, alle einzelnen theoretischen Wendungen, die ich gebraucht habe, vergessen kann, und auf seiner Seele lasten fühlt dasjenige, was die Aufgabe des Erziehers ist. Wenn man, in dieses Gefühl zusammengefaßt, das mitnehmen kann, was angeregt werden sollte durch diese Betrachtungen, wenn sich alles Gesprochene in einem Gefühl ablagert, werden wir aus diesem Gefühl die Einzelheiten der pädagogischen Kunst in den folgenden Betrachtungen entwickeln können.

[ ] In that way, science will become will. We can see we have just moved into that period of human development when new tasks are arising for education. Until the present, all education was, more than anything else, instinctive. As I have previously said, there were good abstract principles. Now, however, comes the time when we must enliven those abstract principles from within. It lies in our hands either to enliven those abstract principles into a genuine art of human education or to deliver humanity into the wilderness. Now that I am at the beginning of what I actually want to discuss about education, you can see that I do not wish to begin with some theoretical discussion, but rather with a feeling. We cannot begin with a pedagogy of rules, but with a feeling. We must feel that the content of the human soul has been given to those who are to teach and educate young people. It is healthy to feel within ourselves the future of humanity. That is the proper starting point, not whether we know one thing or another, but when we feel that the entire task of education is connected with the development of humanity.

Fragenbeantwortung

[ ] You will have correctly comprehended what I have presented today when you can forget all of the individual sentences, all of the theoretical terms I have used, and feel the task of the teacher as a burden upon your soul. If you take with you what is condensed in that feeling, the intent of what I have presented today, when all of what I have said rests in a feeling, we will be able to develop the specifics of the art of education out of that feeling in the following lectures.

[ 26 ] Dr. Steiner (auf Einwendungen antwortend, die mündlich vorgebracht wurden): Ich möchte heute nur weniges noch sagen: Es ist ja ungeheuer naheliegend, davon auszugehen, daß zum Beispiel Zeichnungen der Kinder erinnern an Zeichnungen wilder Völker. Dem liegt aber eine völlig unbegründete Hypothese zugrunde, daß nämlich die Völker, bei denen wir heute diese Zeichnungen finden, die Urvölker gewesen seien. Wir finden allerdings, daß wir die Zeichnungen der Kinder vergleichen können mit Zeichnungen, die, wie wir sagen, primitive Völker machen. Diese Völker sind aber nicht primitiv, sondern dekadent. Dazu macht die naturwissenschaftliche Anthropologie noch den Fehler, daß sie die Völker, die heute wild und barbarisch leben, gewissermaßen wie diejenigen ansieht, von denen wir alle mehr oder weniger abstammen. Die Erziehungskunst darf nicht aufbauen auf einen solchen wissenschaftlichen Fehler; denn wenn sie das tut, wird sie eben diesen Anklang kindlicher Eigenheiten an Eigenheiten von heute lebenden wilden Völkern überschätzen; und dieser Anklang ist auch in der neuesten Zeit gründlich überschätzt worden. Die Tatsachen kann man selbstverständlich zugeben, aber die Verbindung der Tatsachen beruht auf einer Verkennung des wirklichen Zusammenhanges zwischen der Entwickelung des einzelnen Menschen mit der ganzen Menschheitsentwickelung. Auch das ist nicht ausschlaggebend, daß wir heute Kinderverse finden, die weit in die Zeit, die ich hier als den 5. Zeitraum angegeben habe, zurückgehen. Weiter gehen diese Kinderverse nicht zurück. Würden wir durch Geisteswissenschaft weiter zurückgehen, als es die äußere Anthropologie kann, so würden wir finden, daß wir heutige Kinderverse durchaus nicht anführen dürfen für das, was in früheren Zeiten der Menschheitsentwickelung vorhanden war.

Discussion Following Lecture Four

[ 27 ] Auf nichts anderes möchte ich heute hinweisen, als daß von der äußerlichen Anthropologie, die den Menschen von der Gegenwart in die Urzeit zurückverfolgt, die im heutigen Menschen einen Nachklang des Urmenschen sieht, der Weg beschritten werden muß zu einer geisteswissenschaftlichen Betrachtung der Menschheitsentwickelung. Auf diesem Weg muß man natürlich auch ein Gefühl entwickeln für das, was nur historisch von der instinktiven Urkultur der Menschheit übriggeblieben ist. Ich erinnere an die Veden-Literatur, an die ungeheuer bedeutsamen Taosprüche des Laotse und so weiter. Gerade der, welcher eine geisteswissenschaftliche Betrachtung der Menschheitsentwickelung vermittelt, wird alles das, was historisch überliefert ist, berücksichtigt haben, bevor er zu dem gelangt, was ich hier erwähnt habe.

[ ] Dr. Steiner(responding to some objection):Today I would like to say only a little about this. It is tremendously tempting to assume, for example, that the drawings made by children are similar to those made by primitive peoples. However, this is based upon the unfounded assumption that the peoples who create such drawings today are the original peoples. Of course, we see that modern children’s drawings are similar to those made by primitive peoples, but these people are not primitive; they are decadent. Anthropology errs in saying that those contemporary peoples who live primitively in the wilds are to a certain extent the same as those from which we all descended. We cannot base education upon such errors in science, for if we were to do that, we would overvalue the childlike peculiarities of today’s primitive people. Such an overvaluation of those characteristics has been quite thorough in modern times. We can certainly acknowledge the facts of the matter, but the attributed significance of such facts is based upon a misunderstanding of the genuine relationship between the development of individual human beings and that of humanity as a whole. It is also not tremendously important that we find children’s rhymes that go back far into the time that I have referred to here as the Fifth Period. Such children’s rhymes do not go back any further. Were we to go back further through spiritual science than is possible through anthropology, we would discover that what we find in children’s rhymes today did not exist during earlier periods of human development.

[ 28 ] Gestern habe ich nicht umsonst gesagt, es wäre selbstverständlich viel bequemer, in das allgemeine Horn hineinzublasen, als sich so vielen Dingen entgegenstemmen zu müssen. Gerade das ist aber heute ein gefährlicher pädagogischer Grundsatz: den Parallelismus zu ziehen zwischen dem, was Kinder tun, mit dem, was die heutigen wilden Völker tun oder was uns heute frühere Zeiten — was man heute »frühere Zeiten« nennt — vormachen. Denn es handelt sich tatsächlich darum, daß wir wirklich finden die Quellen des geistigen Lebens, und wir müssen sie ja im Kinde erst suchen.

[ ] Anthropology, which follows human development from the present back to its beginnings and finds a resonance of original human beings in contemporary people, must undertake a new path toward a spiritual-scientific consideration of the development of humanity. Along that path we must, of course, develop a feeling for what remains original, instinctive human culture. I would remind you of the Vedantic literature and of the extremely significant Taoist sayings of Lao Tsu. A person who presents a spiritual-scientific perspective of human development will certainly take everything historical into account before arriving at what I have mentioned here.

[ 29 ] Dann das andere. Beachten Sie, bitte, daß ich doch gesagt habe, es findet sich heute der abstrakte Grundsatz — ich habe ihn sogar als mustergültig bezeichnet —, aus dem Kinde heraus zu entwickeln. Das können wir heute in allen Varianten hören, und wir können den Glauben finden, daß man es tue. Aber versuchen Sie nur einmal erst darauf einzugehen, was es heißt, die kindliche Natur nicht als ein unbekanntes Mystisches hinzunehmen, das dann aus sich heraus entwickelt werden soll, sondern sich selbst erst bereit zu machen durch das, was wir in uns als Selbsterziehung erlangen, was wir nur durch Geisteswissenschaft erlangen können. Versuchen Sie durch Geisteswissenschaft einen Blick zu erlangen für das, was wirklich in den Kindern lebt! Ich habe durchaus nichts gegen den Grundsatz, man solle nichts von außen an das Kind heranbringen, sondern alles in dem Kinde sehen; man muß aber erst lernen, in dem Kinde zu sehen. Dazu muß der Mensch erst durchsichtig werden. Und das, was ich gebe, führt ja nur dahin, wirklich die verschiedensten Seiten der Menschennatur zu sehen. Man verdeckt sich aber die verschiedenen Seiten der Menschennatur durch vieles von dem, was heute aus der gewöhnlichen materialistischen Gesinnung heraus stammt. Denn dasjenige, was man heute vielfach geistig-seelisch nennt, ist ein Abstraktes, ein Intellektualistisches. Manches von dem, was natürlich notwendig ist, um die Dinge zu belegen, die ich ausgesprochen habe, wird ja erst in den folgenden Betrachtungen wirklich zutage treten. Aber weder habe ich etwas dagegen, wenn man sagt, man soll dasjenige, was im Kinde ist, vor allen Dingen schätzen und bewerten und es aus dem Kinde herausholen, noch habe ich etwas dagegen, wenn jemand sagt, man soll nicht das, was in uns ist, in das Kind hineinbringen. Im Gegenteil, die beiden Grundsätze betrachte ich als etwas ganz Selbstverständliches. Es handelt sich mir nur darum, zu zeigen, wie es möglich ist, diese beiden Grundsätze im umfassenden Sinne wirklich zu beachten.

[ ] It is much easier to go with the flow of general opinion than to fight. Today there is a dangerous pedagogical idea that draws a parallel between what children do and what contemporary primitive peoples, or those of earlier times, have done. What is important is that we find genuine sources of spiritual life. and we must actually seek them first in children.