Education and Instruction
Based on an Understanding of Human Nature
GA 302a
21 September 1920, Stuttgart
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Education and Instruction Based on an Understanding of Human Nature, tr. SOL
3. Meditativ erarbeitete Menschenkunde III
A Meditative Approach to the Study of Man III
[ 1 ] Im Leben kommt es darauf an, daß die Beziehungen des Menschen zu seiner Umwelt in der richtigen Weise geregelt werden. Man kann diejenigen Produkte, welche die Außenwelt liefert, in entsprechender Weise essen und verdauen; man würde sich aber nicht mehr gut ernähren, wenn man ein von Menschen bis zu einem gewissen Grade bereits verdautes Produkt als Speise aufnehmen würde. Das bezeugt Ihnen, daß es darauf ankommt, daß gewisse Dinge in einer bestimmten Form von außen aufgenommen werden und dadurch für das Leben ihre Bedeutung gewinnen, daß sie dann vom Menschen selbst weiter verarbeitet werden.
[ 1 ] In life, it is essential that a person’s relationships with their environment be properly regulated. One can eat and digest the products provided by the outside world in the appropriate manner; however, one would no longer be nourished properly if one were to consume as food a product that had already been digested by humans to a certain degree. This demonstrates that it is essential for certain things to be taken in from the outside in a specific form and thereby gain their significance for life, so that they can then be further processed by the human being himself.
[ 2 ] So ist es auf einem höheren Gebiete auch, zum Beispiel mit der Pädagogik, der Erziehungskunst. Es kommt bei der Erziehungskunst darauf an, was man lernen soll, und was man durch das Gelernte bei der Handhabung des Unterrichtes selbst eigentlich erst erfinden soll. Wenn man Pädagogik als Wissenschaft lernt, bestehend in allerlei Prinzipien und formulierten Sätzen, so bedeutet das für die Erziehungskunst ungefähr dasselbe, wie wenn man in bezug auf die Ernährung bis zu einem gewissen Grade von Menschen schon verdaute Nahrungsmittel sich zu seiner Ernährung auswählte. Wenn man dagegen Menschenkunde, die Erkenntnis vom Wesen des Menschen, lernend sich aneignet und so den Menschen verstehen lernt, dann nimmt man dasjenige auf, was dem entspricht, was die Natur als Nahrungsmittel gibt. Und im Handhaben des Unterrichtes erwacht uns dann aus dieser Menschenerkenntnis heraus immer ganz individuell die pädagogische Kunst selber. Die muß in jedem Augenblick durch den Lehrer im Grunde genommen erfunden werden. Das ist es, was ich gerade der heutigen Betrachtung vorausschicken möchte.
[ 2 ] The same is true in a higher realm, for example, in pedagogy, the art of education. In the art of education, what matters is what one is supposed to learn, and what one is actually supposed to discover for oneself through what has been learned while conducting the instruction. If one studies pedagogy as a science, consisting of all sorts of principles and formulated propositions, this means for the art of education roughly the same thing as if, with regard to nutrition, one were to choose for one’s own sustenance food that had already been digested to a certain degree by other people. If, on the other hand, one acquires an understanding of human nature—the knowledge of the essence of the human being—and thus learns to understand people, then one takes in what corresponds to what nature provides as nourishment. And in the conduct of instruction, the art of pedagogy itself then awakens within us, entirely individually, out of this understanding of human nature. Essentially, this art must be invented by the teacher at every moment. That is precisely what I would like to preface today’s discussion with.
[ 3 ] Im Unterricht und im Erziehen webt sich in einer merkwürdigen Weise dasjenige ineinander, was ich auf der einen Seite nennen möchte das Musikalische, das tonhafte Element der Welt, durch das Hören, und was auf der anderen Seite zu bezeichnen ist als das bildhafte Element der Welt, das sich kundgibt durch das Sehen. Natürlich mischen sich hinein in dasjenige, was durch das Hören auf der einen Seite, durch das Sehen auf der anderen Seite dem Menschen vermittelt wird, andere Sinnesqualitäten, die unter Umständen schon für den Unterricht dann auch eine sekundäre Bedeutung haben können, aber nicht dieselbe große Bedeutung haben wie Sehen und Hören.
[ 3 ] In teaching and education, there is a remarkable interweaving of what I would like to call, on the one hand, the musical—the tonal element of the world, experienced through hearing—and, on the other hand, the pictorial element of the world, which reveals itself through seeing. Of course, other sensory qualities intermingle with what is conveyed to human beings through hearing on the one hand and through seeing on the other; under certain circumstances, these may even have a secondary significance for teaching, but they do not carry the same great importance as seeing and hearing.
[ 4 ] Nun handelt es sich darum, daß wir bis in die Leiblichkeit hinein diese Vorgänge wirklich verstehen. Sie wissen, die äußere Wissenschaft unterscheidet heute am Menschen sogenannte Sinnesnerven, die von den Sinnen zum Gehirn beziehungsweise zu dem Zentralorgan gehen sollen und dort vermitteln sollen alles, was Wahrnehmen und Vorstellen ist, und sie unterscheidet von diesen Sinnesnerven die sogenannten motorischen Nerven, die von dem Zentralorgan aus zu den Bewegungsorganen hingehen sollen und die Bewegungsorgane in Bewegung setzen sollen. Sie wissen, daß wir vom Gesichtspunkte der Initiationswissenschaft aus diese Gliederung anfechten müssen. Es besteht absolut kein solcher Unterschied zwischen den sogenannten Sinnesnerven und den motorischen Nerven. Beide sind ein und desselben Wesens, und die motorischen Nerven dienen im wesentlichen zu nichts anderem als dazu, in dem Augenblick, wo wir uns bewegen sollen, das bewegende Organ und den Bewegungsvorgang selbst wahrzunehmen; sie haben nichts zu tun mit der Impulsierung des Willens als solchem. Daher werden wir also sagen können: Wir haben Nerven, welche von unserer Peripherie mehr gegen das Zentrum hingehen, und dann haben wir Nerven, die vom Zentrum aus zu den Enden der Bewegungsorgane verlaufen. Aber das sind im Grunde genommen einheitliche Nervenstränge, und das Wesentliche ist nur, daß diese einheitlichen Nervenstränge unterbrochen sind, daß also gewissermaßen der innervierende seelische Strom, der zum Beispiel von einem Sinnesnerven nach dem Zentrum geht, im Zentrum unterbrochen wird und nun überspringen muß, wodurch aber der innervierende Seelenstrom nichts anderes wird — wie etwa ein elektrischer Funke oder der elektrische Strom durch eine Umschaltungsstelle überspringt, wo die Übertragung unterbrochen ist —, auf den sogenannten motorischen Nerv, der aber in jeder Beziehung dadurch zu nichts anderem wird, der vielmehr genau dasselbe ist wie der Sinnesnerv. Er ist nur dazu veranlagt, den Bewegungsvorgang und das bewegende Organ selbst wahrzunehmen. Aber es gibt etwas, das uns besonders intim hineinschauen läßt in diesen ganzen organischen Vorgang, in dem ineinanderwirken die seelischen Strömungen und die leiblichen Vorgänge.
[ 4 ] The point is that we must truly understand these processes right down to the level of the physical body. You know that modern external science distinguishes in the human being what are called sensory nerves, which are said to run from the senses to the brain—or rather, to the central organ—and to transmit there everything that constitutes perception and imagination; and it distinguishes from these sensory nerves the so-called motor nerves, which are said to run from the central organ to the organs of movement and to set the organs of movement in motion. You know that from the standpoint of initiatory science, we must challenge this classification. There is absolutely no such distinction between the so-called sensory nerves and the motor nerves. Both are of one and the same nature, and the motor nerves essentially serve no other purpose than to perceive, at the very moment we are to move, the moving organ and the process of movement itself; they have nothing to do with the impulsion of the will as such. Therefore, we can say: We have nerves that run from our periphery toward the center, and then we have nerves that run from the center to the extremities of the motor organs. But these are, in essence, unified nerve tracts, and the essential point is simply that these unified nerve tracts are interrupted—that is, the innervating spiritual current, which, for example, travels from a sensory nerve toward the center, is interrupted at the center and must now make a leap; as a result, however, the innervating spiritual current becomes nothing other than — just as, for example, an electric spark or an electric current jumps across a switching point where the transmission is interrupted — to the so-called motor nerve, which, however, in every respect becomes nothing other than that; rather, it is exactly the same as the sensory nerve. It is merely predisposed to perceive the process of movement and the moving organ itself. But there is something that allows us to look particularly closely into this entire organic process, in which the mental currents and the physical processes interact.
[ 5 ] Nehmen wir einmal an, um davon auszugehen, wir leben in dem Wahrnehmen eines Bildes; wir leben also in dem Wahrnehmen von etwas, was vorzugsweise durch das Sehorgan vermittelt wird, einer Zeichnung, irgendeiner beliebigen Form, die in unserer Umgebung lebt, kurz von irgend etwas, was unser Seeleneigentum dadurch wird, daß wir Augen haben. Da müssen wir nun unterscheiden zwischen drei sehr scharf voneinander zu sondern den inneren Tätigkeiten: erstens dem Wahrnehmen als solchem. Dieses Wahrnehmen als solches spielt sich eigentlich im Sehorgan ab.
[ 5 ] Let us assume, for the sake of argument, that we live in the perception of an image; that is, we live in the perception of something that is primarily conveyed through the organ of sight—a drawing, any arbitrary form that exists in our environment—in short, anything that becomes part of our inner life by virtue of our having eyes. Here we must now distinguish between three inner activities that are very sharply distinct from one another: first, perception as such. This perception as such actually takes place in the organ of sight.
[ 6 ] Dann haben wir davon zu unterscheiden das Verstehen. Und wir müssen uns hierbei über eines klar sein: alles Verstehen wird vermittelt durch das rhythmische System des Menschen, nicht durch das NervenSinnessystem. Durch das Nerven-Sinnessystem wird lediglich das Wahrnehmen vermittelt; und wir verstehen zum Beispiel irgendeinen Bildvorgang auch nur dadurch, daß sich der rhythmische Vorgang, der reguliert wird vom Herzen und von der Lunge, durch das Gehirnwasser in das Gehirn hinauf fortpflanzt. Jene Vibrationen im Gehirn, die dort vorgehen und die ihre Erregung im rhythmischen System des Menschen haben, vermitteln in Wahrheit körperlich das Verstehen. Verstehen können wir dadurch, daß wir atmen.
[ 6 ] Then we must distinguish this from understanding. And we must be clear about one thing here: all understanding is mediated by the human rhythmic system, not by the nervous-sensory system. The nervous-sensory system merely mediates perception; and we understand, for example, any visual process only because the rhythmic process—which is regulated by the heart and the lungs—propagates upward into the brain via the cerebrospinal fluid. Those vibrations in the brain, which occur there and derive their excitation from the human rhythmic system, are in truth the physical mediators of understanding. We are able to understand because we breathe.
[ 7 ] Sie sehen, wie falsch heute vielfach diese Dinge von der Physiologie angesehen werden! Das Verstehen, so glaubt man, hätte etwas zu tun mit dem Nervensystem des Menschen. In Wirklichkeit aber beruht es darauf, daß das rhythmische System dasjenige in Empfang nimmt, was von uns wahrgenommen und vorgestellt wird, und es weiter verarbeitet. Dadurch aber, daß das rhythmische System mit dem Verstehen zusammenhängt, kommt das Verstehen in enge Beziehung zum Fühlen des Menschen. Und wer intime Selbstwahrnehmung pflegt, wird sehen, welche Zusammenhänge bestehen zwischen dem Verstehen und dem eigentlichen Fühlen. Im Grunde genommen müssen wir die Wahrheit eines Verstandenen fühlen, wenn wir uns dazu bekennen wollen. Es treffen da eben in uns zusammen dasjenige, was vom verstehenden Erkennen kommt, mit dem Seelischen des Fühlens durch das rhythmische System.
[ 7 ] You can see how wrong the view of these matters is today in many cases from a physiological perspective! People believe that understanding has something to do with the human nervous system. In reality, however, it is based on the fact that the rhythmic system receives what we perceive and imagine, and processes it further. But because the rhythmic system is connected to understanding, understanding is closely related to human feeling. And anyone who cultivates intimate self-awareness will see the connections that exist between understanding and true feeling. Essentially, we must feel the truth of what we have understood if we are to acknowledge it. It is precisely here that what arises from intellectual recognition converges within us with the soul-life of feeling through the rhythmic system.
[ 8 ] Dann aber gibt es noch ein Drittes: das ist, die Sache so aufzunehmen, daß das Gedächtnis sie behalten kann. Wir haben also bei jedem solchen Vorgang zu unterscheiden: Wahrnehmen, Verstehen und soweit innerliches Verarbeiten des Verstandenen, daß das Gedächtnis es behalten kann. Und dieses Dritte ist nun verbunden mit dem Stoffwechselsystem. Jene feinsten inneren Stoffwechselvorgänge, die im Organismus vor sich gehen, auf die wir wohl zu achten haben, und die uns namentlich als Erzieher bekannt sein müssen, hängen mit dem Gedächtnis, mit dem Erinnerungsvermögen zusammen. Beobachten Sie nur einmal, wie unterschiedlich im Erinnern Kinder sind, die blaß sind, gegenüber solchen Kindern, die rotes, gutes Inkarnat haben; oder wie unterschiedlich in bezug auf das Erinnerungsvermögen die verschiedenen Menschenrassen voneinander sind. All das sind Dinge, die auf den feinsten Gliederungen und Vorgängen des Stoffwechsels beruhen. Und wenn wir zum Beispiel als Erzieher in der Lage sind, einem bläßlichen Kinde so beizukommen, daß wir ihm etwas gesunden Schlaf verschaffen, so daß es eine gewisse größere Erregung im Inneren für die feineren Vorgänge des Stoffwechsels hätte, so können wir damit seinem Gedächtnis gut aufhelfen. Aber auch dadurch können wir seinem Gedächtnis aufhelfen, daß wir als Lehrer uns bemühen, den rechten Pulsschlag zu halten zwischen dem bloßen Zuhören und dem Selbstarbeiten des Kindes. Nehmen Sie einmal an, Sie lassen das Kind zuviel zuhören; dann kommt es zwar zum Wahrnehmen und auch zur Not zum Verstehen, weil es ja fortwährend atmet und dadurch das Gehirnwasser in Regsamkeit hält; aber der Wille des Kindes wird zu wenig angespannt. Der Wille hängt nun, wie Sie wissen, mit dem Stoffwechsel zusammen. Wenn Sie also das Kind zu sehr an das Zuschauen und Hinhören sich gewöhnen lassen und es zu wenig selbst arbeiten lassen, so daß dadurch — weil das innere Verarbeiten mit dem Stoffwechsel und mit dem Willen zusammenhängt — der Wille zu wenig in Tätigkeit kommt, so werden Sie das Kind nicht gut erziehen und unterrichten können. Sie müssen also den richtigen Pulsschlag zwischen Zuhören und Zuschauen und eigener Arbeit finden. Denn das wird nicht gut bewahrt, was nicht im Menschen so verarbeitet wird, daß der Wille in den Stoffwechsel hinein arbeitet und dadurch das Erinnerungsvermögen angefeuert wird. Das sind feine Dinge in der Physiologie, die mit der Geisteswissenschaft allmählich sehr genau werden durchschaut werden müssen.
[ 8 ] But then there is a third aspect: that is, taking in the matter in such a way that memory can retain it. We must therefore distinguish between the following in every such process: perception, understanding, and the internal processing of what has been understood to the extent that memory can retain it. And this third aspect is connected to the metabolic system. Those most subtle internal metabolic processes that take place within the organism—to which we must pay close attention, and which we, as educators, must be particularly aware of—are linked to memory and the ability to recall. Just observe how different children with a pale complexion are in their ability to remember compared to those with a healthy, rosy complexion; or how different the various human races are from one another in terms of their capacity for memory. All these are things that are based on the finest structures and processes of metabolism. And if, for example, as educators, we are able to help a pale child by ensuring that they get some healthy sleep—so that they experience a certain greater inner stimulation for the finer processes of metabolism—we can thereby give their memory a real boost. But we can also support the child’s memory by striving, as teachers, to maintain the right balance between mere listening and the child’s own independent work. Suppose, for instance, that you let the child listen too much; then the child will indeed perceive and, if necessary, understand, because the child is breathing continuously and thereby keeps the cerebrospinal fluid active; but the child’s will is not sufficiently engaged. As you know, the will is connected to metabolism. So if you allow the child to become too accustomed to merely watching and listening and let them do too little independent work—so that, because internal processing is linked to metabolism and the will, the will remains underutilized—you will not be able to educate and teach the child effectively. You must therefore find the right balance between listening, observing, and independent work. For what is not processed within a person in such a way that the will works into the metabolism—thereby stimulating the memory—will not be retained well. These are subtle aspects of physiology that must gradually be understood in great detail through spiritual science.
[ 9 ] Während sich dies alles auf das bildliche, durch das Sehen vermittelte Erleben bezieht, ist es anders bei allem, wo Tönendes, mehr oder weniger Musikalisches in Betracht kommt; wobei ich nicht nur das in der Musik lebende Musikalische meine, das nur diese Dinge besonders anschaulich macht und wofür es allerdings vorzüglich gilt, sondern alles, was mit dem Hörbaren zusammenhängt, was mehr in der Sprache und so weiter lebt. Alles das meine ich, wenn ich jetzt vom Tönenden spreche. Da ist nun der Vorgang gegenüber dem, was ich eben geschildert habe — so paradox es klingt —, gerade der umgekehrte. Dasjenige, was im Ohr Sinnesorganisation ist, hängt in einer sehr feinen Weise innerlich mit allen den Nerven zusammen, welche die heutige Physiologie motorische nennt, die aber in Wirklichkeit dasselbe wie die Sinnesnerven sind; daß alles dasjenige, was von uns als Ertönendes erlebt wird, wahrgenommen wird durch die in unsere gliedliche Organisation eingebetteten Nervenstränge. Alles Musikalische muß zuerst tief in unseren Organismus eindringen — und dazu sind die Nerven des Ohres schon organisiert —, muß zuerst tief in unsere ganze Organisation eindringen und muß dasjenige ergreifen, wohinein sonst nur der Wille wirkt in den Nerven, um in der richtigen Weise wahrgenommen zu werden. Denn diejenigen Territorien im menschlichen Organismus, die bei den bildhaften Erlebnissen die Erinnerung vermitteln, diese Territorien sind es, die beim Musikalischen, beim Hörbaren, die Wahrnehmung vermitteln. Suchen Sie also im Organismus diejenigen Partien, welche für die Gesichtswahrnehmungen das Gedächtnis ausbilden, so finden Sie in denselben Partien diejenigen Nerven, welche für die Hörwahrnehmung das Wahrnehmen selbst vermitteln. Darin liegt zum Beispiel der Grund, warum Schopenhauer und andere die Musik so eng mit dem Willen in Zusammenhang gebracht haben. Wo für die Sehvorstellungen erinnert wird, nämlich in den Willensbezirken, da wird wahrgenommen für die Gehörvorstellungen. Verstanden wird auch für die Gehörvorstellungen durch das rhythmische System. Und das ist das Bedeutsame in der menschlichen Organisation, daß sich die Dinge in einer so eigentümlichen Weise verschlingen. Unsere Bildvorstellungen kommen mit unseren Gehörvorstellungen zusammen und verweben sich zu einem gemeinsamen inneren Seelenleben dadurch, daß sowohl die Bildvorstellungen wie die Gehörvorstellungen durch das rhythmische System verstanden werden. Verstanden wird alles, was wir wahrnehmen, durch das rhythmische System. Wahrgenommen werden die Gesichtsvorstellungen durch den abgesonderten Kopforganismus, und wahrgenommen werden die Gehörvorstellungen durch den ganzen gliedlichen Organismus. Die Gesichtsvorstellungen haben eine Strömung nach dem Organismus hinein; die Gehörvorstellungen haben eine Strömung von dem Organismus aufwärts. Das müssen Sie nun zusammenbringen mit dem, was ich in der ersten Stunde gesagt habe. Das läßt sich sehr gut zusammenbringen, wenn man es empfindet. Und dadurch, daß sich beide Welten begegnen im rhythmischen System, entsteht dasjenige in unserem seelischen Erleben, was gemeinsam in sich schließt Gehörerlebnisse und Gesichtserlebnisse. Und erinnert wird das Musikalische, erinnert wird alles Hörbare nun in demselben Bezirk, wo das Sichtbare seine Sinnes-Nervenorgane hat. Das sind zu gleicher Zeit diejenigen Organe — Sinnes-Nervenorgane, scheinbar, so nennt sie die äußere Physiologie —, die wieder in Wirklichkeit solche Organe sind, die zusammenhängen mit dem Stoffwechsel, die den feineren Stoffwechsel des Kopfbezirkes vermitteln und durch den die musikalischen Erinnerungen zustande kommen. In denselben Bezirken, wo das Wahrnehmen für die Gesichtsvorstellungen zustande kommt, da kommt das musikalische Erinnern, überhaupt das Erinnern des Hörbaren zustande. In denselben Bezirken, in denen wir das Sichtbare wahrnehmen, erinnern wir uns des Hörbaren. In denselben Bezirken, in denen wir uns des Sichtbaren erinnern, nehmen wir das Hörbare wahr. Und die beiden überkreuzen sich wie eine Lemniskate im rhythmischen System, wo sie ineinander—, übereinandergreifen.
[ 9 ] While all of this relates to visual experience mediated by sight, the situation is different when it comes to anything involving sound—whether more or less musical; by which I do not mean only the musical element inherent in music—which merely renders these things particularly vivid and to which it is, of course, primarily applicable—but everything connected with the audible, which is more present in language and so on. I mean all of this when I now speak of sound. Here, the process is—as paradoxical as it may sound—exactly the opposite of what I have just described. That which constitutes the sensory apparatus in the ear is connected in a very subtle way internally with all the nerves that modern physiology calls motor nerves, but which are in reality the same as the sensory nerves; that everything we experience as sound is perceived through the nerve tracts embedded in our bodily organization. Everything musical must first penetrate deeply into our organism—and the nerves of the ear are already organized for this purpose—must first penetrate deeply into our entire organism and must take hold of that part where otherwise only the will acts within the nerves, in order to be perceived in the proper way. For those regions of the human organism that mediate memory in visual experiences—it is these very regions that mediate perception in the case of music, of the audible. So if you look for the parts of the organism that form the memory for visual perceptions, you will find in those very same parts the nerves that mediate perception itself for auditory perception. This, for example, is the reason why Schopenhauer and others associated music so closely with the will. Where visual images are remembered—namely, in the regions of the will—that is where auditory perceptions are perceived. Auditory perceptions are also understood through the rhythmic system. And this is what is significant in the human organism: that things are intertwined in such a peculiar way. Our visual images come together with our auditory images and interweave into a shared inner life of the soul because both visual and auditory images are understood through the rhythmic system. Everything we perceive is understood through the rhythmic system. Visual images are perceived by the separate head organism, and auditory images are perceived by the entire bodily organism. Visual perceptions flow into the organism; auditory perceptions flow upward from the organism. You must now reconcile this with what I said in the first lecture. This can be reconciled very well if one feels it. And because both worlds meet within the rhythmic system, what arises in our spiritual experience is that which encompasses both auditory and visual experiences. And what is recalled—the musical, everything audible—is now recalled in the same region where the visible has its sensory-nervous organs. These are at the same time those organs—sensory-nervous organs, as it were; that is how external physiology refers to them—which are, in reality, organs connected to metabolism, mediating the finer metabolism of the head region and through which musical memories come into being. In the very same regions where perception of visual images takes place, musical memory—and indeed, the memory of the audible in general—arises. In the very same regions where we perceive the visible, we recall the audible. In the same regions where we recall the visible, we perceive the audible. And the two intersect like a lemniscate in the rhythmic system, where they interlock and overlap.
[ 10 ] Wer jemals jenes, von dem Menschen so selbstverständlich genommene, aber so wunderbare und rätselvolle musikalische Erinnern, das musikalische Gedächtnis studiert hat, der wird finden, wie grundverschieden dieses musikalische Gedächtnis, das auf einer bestimmten feinen Organisation des Kopfstoffwechsels beruht, zwar dem allgemeinen Charakter nach auch mit dem Willen verwandt ist und dadurch mit dem Stoffwechsel, wie es aber in einem ganz anderen Bezirk des Leibes lokalisiert ist als das Erinnern der Gesichtsvorstellungen, das wieder mit dem Willen zusammenhängt.
[ 10 ] Anyone who has ever studied that musical memory—which people take for granted, yet which is so wonderful and mysterious—will find how fundamentally different this musical memory, which is based on a specific, delicate organization of the brain’s metabolism, is, in its general character, related to the will and thus to metabolism, is, however, localized in a completely different part of the body than the recall of visual images, which in turn is connected to the will.
[ 11 ] Sehen Sie, wenn Sie diese Dinge in Erwägung ziehen, dann werden Sie das ganze Komplizierte des Sprachvorganges auch auf Ihre Seele wirken lassen können. Im Sprachvorgang haben wir von innen heraus wirkend etwas, worin sich dadurch, daß das rhythmische System so nahe mit dem Sprachorgan verbunden ist, erst das Verstehen auslebt. Aber es lebt sich in einer eigentümlichen Weise aus, und da darf ich Sie wohl, um diese Sache voll zum Verständnis zu bringen, an die Goethesche Farbenlehre erinnern. Denken Sie einmal daran, wie Goethe — abgesehen davon, daß er die rot-gelbe Seite der Farbenwelt die warme, und die blau-violette Seite die kalte nennt — nahe aneinanderrückt die Farbenwahrnehmung und die Tonwahrnehmung; wie er gewissermaßen in der rot-gelben Seite des Spektrums anders «tönen» sieht als in der blau-violetten Seite und wie er das zusammenbringt mit Dur und Moll, also mit gewiß schon intimeren Seiten der Tonerlebnisse. Man findet dies besonders in denjenigen Partien, die dann von seinen naturwissenschaftlichen Schriften aus dem ungedruckten Material in der Weimarischen Ausgabe veröffentlicht sind, und von mir in dem letzten Bande meiner Kürschnerschen Ausgabe dann nachgeholt sind. Und wir können uns schon sagen: Wenn wir das, was mehr in der Art des Beschreibens Goethe so in seiner Farbenlehre gibt, wenn wir das jetzt übertragen auf den inneren Menschen, so kommt etwas Besonderes heraus. Es ist gewissermaßen im Inneren des Menschen so, daß in dem Sprechen zunächst das Tönen lebt. Ja, es lebt im Sprechen das Tönen, aber dieses Tönen wird ja in einer gewissen Beziehung verändert. Ich möchte sagen, es wird dieses Tönen durchsetzt von etwas, was es «abstumpft» im Sprechen. Und es ist wirklich nicht bloß ein bildlicher Vergleich, sondern etwas, was mit realen Vorgängen zu tun hat, wenn wir sagen, der eigentliche Ton wird im Sprechen «gefärbt». Dasselbe, was, wenn wir die Farbe «tonlich» wahrnehmen, dann mit der äußeren Farbe geschieht — wir nehmen an der äußeren Farbe auch nicht den Ton wahr, aber wir hören gewissermaßen aus jeder Farbe etwas herausklingen —, dasselbe geschieht innerlich: wir sehen nicht eine Farbe, wenn wir I oder U sprechen, so wenig wie wir die Töne hören, wenn wir Gelb oder Blau sehen. Aber dasselbe Erlebnis, das wir haben, wenn wir die Farbe tönend erleben, haben wir, wenn wir den Ton aus der Sprache heraus lautend erleben. Da schieben sich ineinander Gesichtswelt und Tonwelt. Was wir draußen im Raume sehen als Farbe, das trägt einen ganz offenbaren Schaucharakter und einen intimen Toncharakter, der dann so in uns hineingeht, wie ich es in einer der vorhergehenden Stunden beschrieben habe. Was von innen als Sprache an die Oberfläche des Menschen kommt, trägt einen Toncharakter offenbar, aber einen intimen Farbencharakter im Lautieren, der sich wieder mehr so heraufarbeitet, wie ich das beschrieben habe mehr beim Menschen bis zum 7. Lebensjahre. Sie sehen daraus, daß in der Außenwelt das Farbige mehr offenbar gehalten wird, in der menschlichen Innenwelt mehr das Tönende offenbar gehalten wird, und daß unter dieser Oberfläche in der Außenwelt die Weltenmusik schwimmt; unter der Oberfläche des Tönenden im Inneren des Menschen schwimmt und bewegt sich ein geheimnisvoll-farbiges Astrales.
[ 11 ] You see, when you take these things into consideration, you will be able to allow the full complexity of the speech process to take effect on your soul as well. In the speech process, we have something that works from within, in which—because the rhythmic system is so closely connected to the speech organ—understanding first comes to life. But it unfolds in a peculiar way, and to help you fully grasp this, I’d like to remind you of Goethe’s theory of colors. Think for a moment about how Goethe—aside from calling the red-yellow side of the color spectrum “warm” and the blue-violet side “cold”—brings color perception and tone perception close together; how he, so to speak, perceives different “tones” in the red-yellow side of the spectrum than in the blue-violet side, and how he relates this to major and minor keys—that is, to aspects of musical experience that are certainly more intimate. This is particularly evident in those sections that were later published from his unprinted material in the Weimar Edition of his scientific writings and which I subsequently included in the final volume of my Kürschner Edition. And we can already say this: If we take what Goethe offers in his Theory of Colors—which is more in the nature of description—and apply it to the inner human being, something special emerges. It is, so to speak, the case within the human being that sound lives first and foremost in speech. Yes, sound lives in speech, but this sound is, in a certain sense, altered. I would like to say that this sound is permeated by something that “dulls” it in speech. And it is truly not merely a figurative comparison, but something that has to do with real processes, when we say that the actual sound is “colored” in speech. The same thing that happens with external color when we perceive it “tonally”—we do not perceive the tone in the external color either, but we hear, as it were, something resonating from every color—the same thing happens internally: we do not see a color when we say “I” or “U,” just as we do not hear the tones when we see yellow or blue. But we have the same experience when we perceive color as resonating as we do when we perceive the tone emerging from speech as a sound. Here, the world of vision and the world of sound intertwine. What we see outside in space as color bears a quite obvious visual character and an intimate tonal character, which then penetrates us in the way I described in one of the previous lectures. What emerges from within as language onto the surface of the human being clearly bears a tonal character, but also an intimate, color-like character in its articulation—one that works its way up, as I have described, more so in human beings up to the age of seven. You can see from this that in the outer world, the colorful aspect is more prominently present, while in the human inner world, the tonal aspect is more prominently present; and that beneath this surface in the outer world, the music of the worlds floats; beneath the surface of the tonal aspect within the human being, a mysterious, colorful astral realm floats and moves.
[ 12 ] Und wenn Sie nun die eigentliche Sprache, diesen wunderbaren, sich vom Menschen absondernden Organismus richtig verstehen, dann fühlen Sie, indem die Sprache aus dem Menschen erklingt, zu gleicher Zeit die ganzen Vibrationen des astralischen Leibes, die da drinnen sind in den farbigen Schwingungen, die unmittelbar in die Sprache übergehen. Sonst wirken sie ja auch im Menschen, aber sie kommen in eine sonderbare Aufregung, konzentrieren sich zum Kehlkopf hin, bekommen ihre Einschläge von Sonne und Mond, und das gibt etwas wie ein Spiel im astralischen Leib, das sich äußerlich offenbart in den Bewegungen des Kehlkopfes. Und jetzt haben Sie die Möglichkeit, wenigstens als ein Bild vor Ihnen stehend: Sie hören irgendeiner Sprache zu, schauen den astralischen Leib an, der dann seine Vibrationen sogleich auf den Ätherleib überträgt, wodurch das Ganze noch intimer wirkt; Sie zeichnen nun das Ganze, dadurch bekommen Sie nur Bewegungen, die im menschlichen Organismus begründet sind, und Sie erhalten jene Eurythmie, die immer ausgeführt wird gemeinsam vom astralischen Leib und Ätherleib, wenn der Mensch spricht. Es ist keine Willkür möglich, sondern es wird dadurch lediglich in die Sichtbarkeit heruntergeholt, was sonst fortwährend unsichtbar geschieht.
[ 12 ] And if you now truly understand language itself—this marvelous organism that sets itself apart from the human being—then, as language resounds from within the human being, you will simultaneously sense all the vibrations of the astral body that are present there within the colored oscillations, which flow directly into the language. Otherwise, they do indeed act within the human being, but they enter into a peculiar state of agitation, concentrate toward the larynx, receive their influences from the sun and moon, and this creates something like a play within the astral body, which manifests externally in the movements of the larynx. And now you have the opportunity, at least as an image before you: You listen to a language, look at the astral body, which then immediately transmits its vibrations to the etheric body, making the whole experience seem even more intimate; You now sketch the entire process; in doing so, you capture only movements rooted in the human organism, and you obtain that eurythmy which is always performed jointly by the astral body and the etheric body when a person speaks. There is no room for arbitrariness here; rather, this process merely brings into the realm of the visible what otherwise takes place continuously in the invisible realm.
[ 13 ] Warum tun wir das gegenwärtig? Ja, wir tun es, weil es in uns liegt, gegenwärtig bewußt diejenigen Sachen machen zu müssen, die wir früher unbewußt gemacht haben; denn alle Entwickelung des Menschen besteht darin, daß nach und nach das erst bloß geistig existierende Übersinnliche sich ins Sinnliche herunterbewegt. Die Griechen zum Beispiel haben noch eigentlich mit der Seele gedacht; es war ihr Denken noch ganz seelisch. Die modernen Menschen, besonders seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, denken mit dem Gehirn. Der Materialismus ist eigentlich eine ganz richtige Theorie für den modernen Menschen. Denn was die Griechen noch in der Seele erlebten, das hat sich allmählich abgedrückt im Gehirn, das vererbt sich im Gehirn von Generation zu Generation, und die neueren Menschen denken schon mit den Abdrücken des Gehirns; sie denken schon durch materielle Vorgänge. Das mußte so kommen. Man muß nur wieder hinauf; man muß nur zu diesen Vorgängen hinzufügen das Sich-Erheben des Menschen zu denjenigen Ergebnissen, die aus der übersinnlichen Welt kommen. Daher müssen wir dem Hineinprägen des früheren Seelischen in den Leib jetzt den Gegenpol entgegenstellen, das freie Ergreifen des GeistigÜbersinnlichen durch die Geisteswissenschaft. Aber damit die Menschheitsentwickelung fortgehe, müssen wir dieses Hinuntertragen des Übersinnlichen in das Sinnliche bewußt in die Hand nehmen. Wir müssen den Körper des Menschen, diesen sinnlichen Körper, so in die sichtbare Beweglichkeit bewußt versetzen, wie es bisher nur im Unsichtbaren, unbewußt für uns, geschehen ist. Damit setzen wir dann den Weg der Götter bewußt fort, indem wir die Arbeit der Götter noch übernommen haben: die Einprägung des Denkens in das Gehirn, indem wir aus dem Übersinnlichen der Eurythmie, aus der übersinnlichen Eurythmie die sinnliche machen. Würden wir das nicht machen, so würde die Menschheit allmählich in ein seelisches Träumen verfallen; sie würde schlafend werden. Es würde so werden, daß zwar aus den geistigen Welten heraus allerlei in das menschliche Ich und in den astralischen Leib hineinfluten würde, aber das würde immer im Schlafzustande geschehen, und beim Erwachen würde es sich niemals auf den physischen Organismus übertragen.
[ 13 ] Why are we doing this now? Yes, we are doing it because it is in our nature to now consciously do those things that we used to do unconsciously; for the entire process of human development consists in the supersensible—which previously existed only spiritually—gradually descending into the sensible realm. The Greeks, for example, still thought with the soul, so to speak; their thinking was still entirely soul-based. Modern people, especially since the mid-15th century, think with the brain. Materialism is, in fact, a perfectly valid theory for modern human beings. For what the Greeks still experienced in the soul has gradually been imprinted in the brain; this is passed down from generation to generation through the brain, and modern human beings already think through the imprints of the brain; they already think through material processes. This was bound to happen. We need only ascend once more; we need only add to these processes the human being’s elevation to those results that come from the supersensible world. Therefore, we must now counter the imprinting of the former soul elements into the body with their antithesis: the free grasping of the spiritual-supersensible through spiritual science. But for human development to continue, we must consciously take charge of this process of bringing the supersensible down into the sensible. We must consciously imbue the human body—this sensible body—with visible mobility, just as has hitherto occurred only in the invisible realm, unconsciously to us. In doing so, we consciously continue the path of the gods by taking on the work of the gods: the imprinting of thought into the brain, by transforming the supersensible aspect of eurythmy—supersensible eurythmy—into the sensory. If we did not do this, humanity would gradually sink into a state of soulful dreaming; it would become dormant. It would come to pass that, although all manner of things would flow from the spiritual worlds into the human “I” and the astral body, this would always occur in a state of sleep, and upon awakening, it would never be transferred to the physical organism.
[ 14 ] Wenn die Menschen Eurythmie treiben, so ist es so, daß Eurythmisten und Zuschauern im Leben gedient wird; beide haben etwas Wesentliches davon. Bei denen, die selbst Eurythmisten sind, wird der physische Organismus durch die Bewegungen der Eurythmie zu einem geeigneten Aufnahmeorgan für die geistige Welt gemacht, weil die Bewegungen herunter wollen aus der geistigen Welt. Es werden gewissermaßen die Eurythmisten Aufnahmeorgane für Vorgänge der geistigen Welt, indem sie ihren Körper dafür vorbereiten. Bei denen, die Zuschauer in der Eurythmie sind, wird gewissermaßen, was an Bewegungen in bezug auf ihren astralischen Leib und ihr Ich lebt, durch die Bewegungen der Eurythmie intensiviert. Könnten Sie nach einer Eurythmieaufführung plötzlich in der Nacht aufwachen, dann würden Sie sehen, daß Sie noch viel mehr in sich haben als nach einer Sonate, wenn Sie ein Abendkonzert gehört haben und in der Nacht wieder aufwachen; das tritt bei der Eurythmie in noch stärkerem Maße auf. Das stärkt die Seele, indem es die Seele lebendig sich einleben läßt in das Übersinnliche. Es muß nur auch da eine gewisse Hygiene herrschen. Denn wenn es zuviel wird, so zappelt die Seele in der geistigen Welt des Nachts, wenn der Mensch schlafen soll, und dieses Zappeln würde im Seelischen drinnen das Gegenbild für die physische Nervosität sein.
[ 14 ] When people practice eurythmy, it serves both the eurythmists and the audience in their lives; both derive something essential from it. For those who are eurythmists themselves, the physical organism is transformed through the movements of eurythmy into a suitable receptive organ for the spiritual world, because these movements seek to descend from the spiritual world. In a sense, eurythmists become receptacles for processes of the spiritual world by preparing their bodies for this purpose. For those who are spectators of eurythmy, the movements that are alive in relation to their astral body and their “I” are, in a sense, intensified by the movements of eurythmy. If you were to wake up suddenly in the middle of the night after a eurythmy performance, you would find that you have much more within you than after a sonata—if you had attended an evening concert and then woken up again during the night; this occurs to an even greater degree with eurythmy. This strengthens the soul by allowing it to become vividly attuned to the supersensible realm. However, a certain degree of moderation must also be observed here. For if it becomes too much, the soul fidgets in the spiritual world at night—when a person is supposed to be sleeping—and this fidgeting would be the psychological counterpart to physical nervousness.
[ 15 ] Sie sehen, wie diese Dinge uns darauf hinweisen, immer realer und realer diesen wunderbaren Bau der menschlichen Organisation wahrzunehmen. Es zeigt sich uns auf der einen Seite herab ins Physische, wo alles darauf hinweist, daß nichts existiert in unserem Leibe, was nicht durchgeistigt ist, und auf der anderen Seite sehen wir das Geistig-Seelische, was darauf hinstrebt, daß nichts mehr im Menschen geistigseelisch ist, was nicht das physische Erleben verarbeitet. Und besonders interessant ist es, wenn man dann solche Dinge, wie ich sie heute wieder gesagt habe, auf sich wirken läßt und als Anregungen betrachtet. Wenn Sie zum Beispiel jetzt lebhafte Meditationsvorstellungen sich bilden über das ganze Leben des Musikalischen im Menschen in den Willensbezirken des Sichtbaren, und wieder über das gedächtnismäßige Erleben im Musikalischen, über das Leben der musikalischen Erinnerungen in den Vorstellungsbezirken des Sichtbaren — und umgekehrt, wenn Sie das, was in den Vorstellungsbezirken des Hörbaren ist, in Zusammenhang bringen mit dem, was in den Gedächtnisbezirken des Sichtbaren ist —, wenn Sie alle diese Dinge zusammenbringen und Meditationsvorstellungen sich daraus bilden, dann können Sie sicher sein, daß eines in Ihnen angeregt wird: eine tiefe Erfindungskraft, die Sie brauchen, wenn Sie erziehend dem Kinde gegenüberstehen.
[ 15 ] You can see how these things point us toward perceiving this marvelous structure of the human organism in an ever more real way. On the one hand, it reveals itself to us down into the physical realm, where everything points to the fact that nothing exists in our body that is not imbued with spirit; and on the other hand, we see the spiritual-soul aspect, which strives toward a state where nothing in the human being is spiritual-soul in nature unless it processes physical experience. And it is particularly interesting when one then allows such things—as I have spoken of again today—to take effect within oneself and regards them as inspirations. If, for example, vivid meditative images now form in your mind regarding the entire life of music within the human being in the realms of the will of the visible, and again regarding the memory-based experience in music, regarding the life of musical memories in the realms of imagination of the visible — and conversely, if you connect what is in the realms of imagination within the audible with what is in the realms of memory within the visible — if you bring all these things together and meditative images form from them, then you can be certain that something will be stirred within you: a deep creative power that you need when you are educating a child.
[ 16 ] Die Betrachtungen, die eine geisteswissenschaftliche Pädagogik so anstellt, wie wir sie angestellt haben, gehen alle darauf aus, den Menschen intimer kennenzulernen. Aber wenn Sie dann über diese Dinge meditierend nachdenken, so können Sie gar nicht anders als bewirken, daß diese Dinge in Ihnen weiterwirken. — Sehen Sie, wenn Sie zum Beispiel ein Butterbrot essen, so haben Sie es zunächst mit einem bewußten Vorgang zu tun; aber was dann weiter geschieht, wenn das Butterbrot den komplizierten Verdauungsprozeß durchmacht, so ist das etwas, worauf Sie nicht viel wirken können; aber dieser Prozeß geht vor sich, und Ihr allgemeines Leben hängt damit stark zusammen. Wenn Sie nun Menschenkunde studieren, wie wir es getan haben, so erleben Sie das zunächst bewußt; meditieren Sie nachher darüber, so geht ein innerer geistig-seelischer Verdauungsprozeß in Ihnen vor sich, und der macht Sie zum Erzieher und Unterrichter. Geradeso, wie Sie der Stoffwechsel zum sonst lebenden Menschen macht, so macht Sie dieses meditierende Verdauen einer wahren Menschenkunde zum Erzieher. Sie stehen eben einfach dem Kinde als Erzieher ganz anders gegenüber, wenn Sie das durchgemacht haben, was eben erst folgt aus einer wirklichen anthroposophischen Menschenkunde. Das, was wird aus uns, was in uns wirkt, wodurch wir Erzieher werden, das geht im meditierenden Erarbeiten einer solchen Menschenkunde vor sich. Und solche Betrachtungen wie die heutigen, wenn wir sie immer wieder und wieder in uns erwecken, wenn wir auch nur 5 Minuten am Tage darauf zurückkommen, sie bringen alles innere Seelenleben in Bewegung. Wir werden innerlich so gedanken- und empfindungsfruchtbare Menschen, daß alles nur so aus uns heraussprudelt. Abends meditieren Sie über Menschenkunde, und morgens quillt Ihnen heraus: Ja, mit dem Hans Müller mußt du jetzt dies oder jenes machen — oder: Bei diesem Mädchen fehlt es an dem und dem und so weiter. Kurz, Sie wissen, was Sie für den speziellen Fall anwenden müssen.
[ 16 ] The reflections that a humanities-based pedagogy undertakes—as we have done—all aim to gain a deeper understanding of the human being. But when you then meditate on these things, you cannot help but allow them to continue to have an effect within you. — You see, when you eat a slice of bread and butter, for example, you are initially engaged in a conscious act; but what happens next, as the bread and butter undergoes the complex process of digestion, is something over which you have little control; yet this process takes place, and your overall life is closely connected to it. Now, if you study human nature, as we have done, you initially experience it consciously; if you meditate on it afterward, an inner, spiritual-psychic process of digestion takes place within you, and that is what makes you an educator and teacher. Just as metabolism makes you the living human being you are, so does this meditative assimilation of a true anthropology make you an educator. You simply approach the child as an educator in an entirely different way once you have gone through what follows from a genuine anthroposophical anthropology. What becomes of us, what works within us, and what makes us educators—all this takes place in the meditative development of such an understanding of humanity. And reflections such as today’s, when we awaken them within ourselves again and again—even if we return to them for just five minutes a day—set our entire inner soul life in motion. We become people so rich in inner thoughts and feelings that everything just bubbles up from within us. In the evening you meditate on the science of the human being, and in the morning it wells up within you: “Yes, with Hans Müller you must now do this or that”—or: “This girl lacks this and that,” and so on. In short, you know what you must apply to each specific case.
[ 17 ] Es kommt im Menschenleben darauf an, daß man in dieser Weise das Innere mit dem Äußeren zusammenarbeiten läßt. Man braucht gar nicht einmal so viel Zeit dazu. Wenn Sie einmal dafür Force bekommen haben, dann können Sie innerlich in drei Sekunden erarbeiten, was Sie dann in der Sprache oft, wenn Sie es auf die Erziehung anwenden, für einen ganzen Tag versorgt. Da hört die Zeit auf ihre Bedeutung zu haben, wenn es sich darum handelt, das Übersinnliche zum Leben zu bringen. Der Geist hat eben andere Gesetze. Geradeso wie wenn Sie beim Aufwachen einen Gedanken haben können, dessen Zeitinhalt zum Beispiel Wochen in Anspruch nehmen kann — er ist Ihnen aber durch den Kopf geschossen in einer Zeit, die kaum anzugeben ist —, geradeso kann umgekehrt das, was Ihnen aus dem Geiste herausfließen kann, sich dann verlängern. Wie sich beim Traume alles zusammenzieht, so verlängert sich das, was uns aus dem Geiste erfließt. So können Sie jetzt durch ein solches meditierendes Sich-Hineinleben in die anthroposophische Menschenkunde es dahin bringen, daß Sie, wenn Sie im40.oder 45. Jahre sind, in fünf Minuten die ganze Umwandlung des inneren Menschen haben, die Sie für Ihren Unterricht brauchen, und die Sie dann im äußeren Leben zu etwas ganz anderem macht, als Sie früher gewesen sind.
[ 17 ] What matters in human life is that one allows the inner and the outer to work together in this way. It doesn’t even take that much time. Once you’ve gained the momentum for it, you can work through something internally in three seconds—and when you apply this to education, it often provides enough material for an entire day. Time ceases to have any significance when it comes to bringing the supersensible to life. The spirit simply operates by different laws. Just as when you wake up you may have a thought whose temporal content might, for example, span weeks—yet it has flashed through your mind in a time that is almost impossible to specify—so, conversely, what flows out of you from the spirit can then be prolonged. Just as everything contracts in a dream, so what flows out of us from the spirit is prolonged. In this way, by immersing yourself in anthroposophical anthropology through such meditative reflection, you can reach a point where, by the time you are 40 or 45 years old, you can undergo in five minutes the entire transformation of your inner being that you need for your teaching—a transformation that will then make you, in your outer life, something entirely different from what you used to be.
[ 18 ] Von solchen Dingen sprechen diejenigen Schriften, die von Menschen herrühren, welche so etwas erlebt haben. Man muß es verstehen. Man muß aber auch verstehen, daß dasjenige, was von einzelnen Individualitäten in einem ganz besonderen Maße erlebt wird und nun sein Licht auf das ganze Leben hinwerfen kann, beim Erzieher sich im kleinen abspielen muß.
[ 18 ] Such matters are discussed in writings by people who have experienced them. One must understand this. But one must also understand that what is experienced to a very special degree by individual personalities—and can now shed light on life as a whole—must play out on a smaller scale in the life of the educator.
[ 19 ] Er muß Menschenkunde aufnehmen, Menschenkunde verstehen durch Meditieren, an Menschenkunde sich erinnern: da wird das Erinnern lebendiges Leben. Es ist nicht bloß ein Erinnern wie sonst, sondern ein Erinnern, welches neue innere Impulse aus sich heraustreibt. Da kommt die Erinnerung quellend aus dem geistigen Leben, und da überträgt sich in unser äußeres Arbeiten dasjenige, was als dritte Etappe kommt: Nach dem meditierenden Verstehen kommt das schaffende, das schöpferische Sich-Erinnern, das zugleich ein Aufnehmen aus der geistigen Welt ist. So also haben wir: Zuerst ein Aufnehmen oder Wahrnehmen der Menschenkunde, dann ein Verstehen, ein meditierendes Verstehen dieser Menschenkunde, indem wir in uns immer mehr hineingehen, innerlich hineingehen, wo die Menschenkunde empfangen wird von unserem ganzen rhythmischen System, und dann haben wir ein Erinnern der Menschenkunde aus dem Geistigen heraus. Das heißt: aus dem Geiste heraus pädagogisch schaffen, pädagogische Kunst werden. Gesinnung muß das werden, Seelenverfassung muß das werden.
[ 19 ] He must take up the study of humanity, understand it through meditation, and recall it: then remembrance becomes living life. It is not merely a recollection as it usually is, but a recollection that drives forth new inner impulses from within itself. There, memory springs forth from spiritual life, and there, what comes as the third stage is transferred into our outer work: After meditative understanding comes the creative, the creative act of remembering, which is at the same time a receiving from the spiritual world. So we have the following: First, a reception or perception of the science of humanity; then an understanding—a meditative understanding—of this science of humanity, as we go deeper and deeper within ourselves, inwardly, where the science of humanity is received by our entire rhythmic system; and then we have a recollection of the science of humanity arising from the spiritual realm. This means: creating pedagogically from the spirit, becoming pedagogical art. This must become a mindset; this must become a state of soul.
[ 20 ] So müssen Sie den Menschen anschauen, daß Sie auch da diese drei Etappen fortwährend in sich fühlen. Und je mehr Sie dazu kommen, sich zu sagen: Da ist mein äußerer Leib, da ist meine Haut; das umschließt in mir den die Menschenkunde Aufnehmenden, den die Menschenkunde meditierend Verstehenden, den von Gott durch das Erinnern der Menschenkunde Befruchteten — je mehr Sie dieses Gefühl in sich tragen, desto mehr sind Sie Erzieher und unterrichtender Erzieher.
[ 20 ] You must look at people in such a way that you continually feel these three stages within yourself. And the more you come to say to yourself: Here is my outer body, here is my skin; within me, this encloses the one who absorbs the study of humanity, the one who understands it through meditation, the one who is inspired by God through the remembrance of the study of humanity—the more you carry this feeling within you, the more you are an educator and a teacher-educator.
