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The Healthy Development of the Human Being
An Introduction to Anthroposophical Education and Didactics
GA 303

25 December 1921, Dornach

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The Healthy Development of the Human Being, tr. SOL
  1. Die gesunde Entwickelung des Menschenwesens

Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Wenn man die Betrachtungen, von denen ich gestern hier gesprochen habe, immer mehr und mehr ausdehnt, so wird man bemerken, daß in der Tat die moderne Welterklärung vor dem menschlichen Wesen stillstehen muß, daß sie ohnmächtig wird gegenüber der Erklärung des Menschenwesens selber. Und man wird das, was ich ja hier nur andeuten konnte, gerade durch eine Verfolgung ins einzelne hinein überall bestätigt finden. Man wird gerade dann, wenn man auf die einzelnen Lebensfragen ganz besonders exakt eingeht, immer mehr finden, wie das gilt, was ich in dieser Weise habe aussprechen müssen.

[ 1 ] If one expands the considerations I spoke of here yesterday more and more, one will notice that, in fact, the modern explanation of the world must come to a halt when it comes to the human being, that it becomes powerless when it comes to explaining the human being itself. And one will find confirmation of what I could only hint at here precisely by delving into the details. It is precisely when one examines the individual questions of life with particular precision that one will increasingly find that what I have had to express in this way holds true.

[ 2 ] Nun steht aber dieser eigentümlichen Tatsache, daß die gegenwärtige Welterklärung an den Menschen nicht herankommen kann, diese Welterklärung selber in einer eigenartigen Weise gegenüber; sie will sich diese Tatsache nicht in ihrer vollen Bedeutung gestehen. Sie will nicht zugeben, daß auf diesem Gebiete eine Unvollkommenheit der modernen Weltanschauung vorliegt. Aber gerade in der Einsicht in diese Unvollkommenheit gewinnt man auch die Einsicht in die Berechtigung der anthroposophischen Forschung.

[ 2 ] However, this peculiar fact—that the current worldview cannot reach human beings—is countered in a peculiar way by the worldview itself; it refuses to acknowledge this fact in its full significance. It refuses to admit that there is an imperfection in the modern worldview in this area. But it is precisely through recognizing this imperfection that one also gains insight into the validity of anthroposophical research.

[ 3 ] Besonders charakteristisch tritt uns das, was ich sagte, dann entgegen, wenn wir repräsentative Beispiele betrachten. Ich habe nicht, um etwas zu beweisen, aber um die Denkweise der Gegenwart zu veranschaulichen, Herbert Spencer angeführt.

[ 3 ] What I said becomes particularly evident when we examine representative examples. I cited Herbert Spencer not to prove anything, but to illustrate the contemporary way of thinking.

[ 4 ] Nun, Herbert Spencer hatte seine wichtigsten, seine grundlegenden Ideen bereits ausgebildet, bevor der eigentliche Darwinismus aufgetreten war. Man sieht aber gerade an dem Auftreten dieses eigentlichen Darwinismus, wie naturwissenschaftlich-intellektualistische Vorstellungsart sich denjenigen Fragen und Problemen gegenüberstellt, die doch einer tiefen Sehnsucht des menschlichen Gemütes ihren Ursprung verdanken.

[ 4 ] Well, Herbert Spencer had already developed his most important, his fundamental ideas before actual Darwinism had emerged. But it is precisely in the emergence of this true Darwinism that we see how a scientific-intellectualist way of thinking confronts those questions and problems that ultimately owe their origin to a deep longing of the human soul.

[ 5 ] Man kann schon sagen, daß mit dem Werke von Charles Darwin, das 1859 erschienen ist, «Die Entstehung der Arten», etwas maßgebliches innerhalb des modernen Geisteslebens getan war. Die ganze Art und Weise, wie beobachtet worden ist, wie die Beobachtungen durch Schlußfolgerungen verknüpft worden sind, wie dann das Ganze, Beobachten und in Schlußfolgerungen sich ergehen, in das Werk über «Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl» gebracht worden ist, das ist für die moderne Vorstellungsart mustergültig. Man kann sagen, außerordentlich treu ist Charles Darwin in bezug auf sinnliche Beobachtungen, und in einem ganz hervorragenden Maße sucht er innerhalb dessen, was er sinnlich beobachtet, Gesetze, welche die Beobachtungen miteinander verknüpfen. Er sucht so nach Gesetzen, wie man das tut, wenn man alles das berücksichtigt, was uns die Beobachtung selbst für unseren Verstand lehrt. Er tut es so, wie man es zu tun gewöhnt wird, wenn man sich nicht durch allerlei Subjektives verleiten läßt, über die Außenwelt zu denken, sondern wenn man in der Außenwelt selber lernt für sein Verstandes-Ich, für die Art und Weise, wie der Verstand, der Intellekt im Leben wirken soll.

[ 5 ] It is fair to say that Charles Darwin’s work, *On the Origin of Species*, published in 1859, marked a decisive milestone in modern intellectual life. The entire manner in which observations were made, how the observations were linked through deductions, and how the whole—the observations and the deductions derived from them—was then incorporated into the work *On the Origin of Species by Means of Natural Selection* is exemplary for the modern way of thinking. One can say that Charles Darwin is extraordinarily faithful to sensory observations, and to a truly outstanding degree he seeks, within what he observes with his senses, laws that link the observations together. He seeks such laws in the same way one does when taking into account everything that observation itself teaches our intellect. He does this in the way one becomes accustomed to doing when one does not allow oneself to be led astray by all manner of subjective factors in thinking about the external world, but rather when one learns from the external world itself for one’s rational self—for the way in which reason and intellect are to function in life.

[ 6 ] Durch eine solche Art der Lebensbetrachtung kommt Darwin wirklich in mustergültiger Weise darauf, eine Verbindung zu schaffen zwischen den einfachsten, unvollkommensten Organismen und dem höchsten Erdenorganismus, dem Menschen. Die ganze Reihe, vom ersten bis zum letzten, wird in intellektualistisch-naturwissenschaftlicher Art durchsichtig betrachtet. Aber es ist das Außermenschliche, was da betrachtet wird. Es ist dasjenige, worinnen weder das Wesen des Menschen selber schon beschlossen ist, noch auch dasjenige, was der Mensch als seine Sehnsucht nach dem Übersinnlichen erlebt.

[ 6 ] Through this way of viewing life, Darwin truly succeeds, in an exemplary manner, in establishing a connection between the simplest, most imperfect organisms and the highest organism on Earth, humankind. The entire sequence, from the first to the last, is viewed with intellectual and scientific clarity. But it is the non-human that is being considered here. It is that in which neither the essence of humanity itself is already determined, nor that which humanity experiences as its longing for the supernatural.

[ 7 ] Es ist außerordentlich charakteristisch, wie Darwin bis an eine Grenze gelangt, und besonders, wie er sich an dieser Grenze verhält. Er sagt nämlich, nachdem er die ausgezeichneten Schlußfolgerungen in seinem Buche angeführt hat: Warum sollte es dem göttlichen Schöpferwesen weniger gefallen haben, einmal eine kleine Anzahl verhältnismäßig unvollkommener Urformen des Organischen zu schaffen und sie dann nach und nach in immer Vollkommenere umzuwandeln, oder sich umwandeln zu lassen, als gleich im Beginne die ganze Fülle und Mannigfaltigkeit der organischen Formen in die Welt hineinzuzaubern?

[ 7 ] It is remarkably characteristic how Darwin reaches a limit, and especially how he behaves at that limit. For, after presenting the excellent conclusions in his book, he says: Why would it have been any less pleasing to the divine Creator to create, at first, a small number of relatively imperfect primordial forms of life and then, little by little, to transform them—or allow them to be transformed—into ever more perfect forms, rather than to conjure up the entire abundance and diversity of organic forms into the world right from the very beginning?

[ 8 ] Was bedeutet ein solches Stehenbleiben an einer gewissen Grenze? Es bedeutet, daß man die intellektualistisch-naturalistischen Gedanken in sich aufnimmt, sie so weit führt, als ein inneres Gefühl, eine innere Empfindung einem das gestattet, und daß man dann an einer gewissen Grenze stehenbleibt, nicht weiter grübelt, ob man eine Grenze hat, oder ob man eventuell diese Grenze auch überschreiten könne, sondern wie selbstverständlich an dieser Grenze stehenbleibt und an dieser Grenze dasjenige aufnimmt, was von alten Zeiten traditionell sich erhalten hat.

[ 8 ] What does it mean to stop at a certain limit? It means that one takes in intellectualistic-naturalistic ideas, taking them as far as an inner feeling, an inner sensibility, allows, and that one then stops at a certain boundary—not pondering further whether one has a boundary, or whether one might possibly cross it, but simply stopping at this boundary as a matter of course and, at this boundary, embracing what has been traditionally preserved from ancient times.

[ 9 ] Man führt also innerhalb des außermenschlichen Gebietes die moderne intellektualistisch-naturalistische Forschungsweise durch, und an der Grenze, zu der man da kommt, nimmt man das Traditionelle, das alte Religionsbekenntnisse geben, herein. Diese Art der Weltbetrachtung ist auch nicht viel anders geworden in dem Werke, das dann Darwin hat nachfolgen lassen, und das den Titel trägt: «Die Abstammung des Menschen». In bezug auf das eben Charakterisierte ist eigentlich bei Darwin selbst nichts dazugekommen.

[ 9 ] Thus, within the non-human realm, the modern intellectualist-naturalist method of research is applied, and at the boundary reached by this approach, one incorporates the traditional elements provided by ancient religious creeds. This way of viewing the world has not changed much in the work that Darwin subsequently published, titled *The Descent of Man*. With regard to what has just been described, Darwin himself actually added nothing new.

[ 10 ] Nun ist das, was ich eben angeführt habe, nicht nur an sich charakteristisch, sondern es ist auch charakteristisch durch die Art, wie es je nach den verschiedenen nationalen Gesichtspunkten mehr von den westlichen, namentlich den anglo-amerikanischen Völkern aufgenommen wird und wie in Mitteleuropa. Man kann, wenn man das moderne Dasein lebensvoll betrachten will, gerade auch in Beziehung auf diese nationalen Nuancen viel lernen.

[ 10 ] Now, what I have just mentioned is not only characteristic in and of itself, but it is also characteristic in the way it is received—depending on various national perspectives—more by the Western, namely the Anglo-American, peoples than in Central Europe. If one wishes to view modern existence in a lively way, one can learn a great deal precisely in relation to these national nuances.

[ 11 ] Man hat es in Deutschland gesehen, daß man dem Darwinismus enthusiastisch entgegengekommen ist. Aber in zweierlei Art hat man den Darwinismus aufgenommen. Da war erstens vor allen Dingen Ernst Haeckel, der sich mit jugendlicher Begeisterung die ganze Anschauungsweise Darwins angeeignet hat, aber aus der national-deutschen Nuance heraus nicht in so selbstverständlicher Weise an der Grenze stehen blieb wie Darwin; der nicht haltmachte vor den traditionellen Religionsbekenntnissen und von einem Schöpfer sprechen wollte, der einige unvollkommene Urformen geschaffen hat. Ernst Haeckel nahm vielmehr dasjenige, was in so ausgezeichneter Weise für das Außermenschliche gilt, auf und konstruierte daraus auch eine neue Religion, dehnte dasjenige, was sich als so prägnant erwiesen hat für das außermenschliche Gebiet, auch auf das Menschliche und Göttliche aus. Er machte also nicht halt an der Grenze, sondern er überschritt diese Grenze, aber mit denselben Mitteln, mit denen Darwin nur innerhalb des außermenschlichen Gebietes arbeiten wollte.

[ 11 ] In Germany, we have seen that Darwinism was enthusiastically embraced. But it was received in two different ways. First and foremost was Ernst Haeckel, who, with youthful enthusiasm, adopted Darwin’s entire worldview, but—due to his national-German perspective—did not stop at the boundary as naturally as Darwin did; he did not pause at the traditional religious creeds and was willing to speak of a Creator who had created certain imperfect primordial forms. Rather, Ernst Haeckel took what applies so excellently to the non-human realm and used it to construct a new religion, extending what had proven so concise for the non-human realm to the human and divine realms as well. He did not, therefore, stop at the boundary, but crossed it—using the very same methods with which Darwin intended to work only within the non-human realm.

[ 12 ] In einer anderen Weise hat Du Bois-Reymond den Darwinismus aufgegriffen. Er sagte: Es ist so, daß man mit der naturalistisch-intellektualistischen Denkweise nur innerhalb des außermenschlichen Gebietes stehen kann. Aber man muß da auch stehenbleiben. Er machte nicht in einer selbstverständlich gefühlsmäßigen Weise halt, sondern das Haltmachen selber machte er zur Theorie. Da wo, ich möchte sagen, ein unbestimmtes Auslaufen da war bei Darwin, dahin setzte Du Bois-Reymond ein aut-aut, ein Entweder-Oder, und er konstatierte seinerseits: Ja, es ist so: wenn wir in die Außenwelt hineinschauen, da tritt uns die Materie entgegen. In das Wesen der Materie können wir nicht eindringen — eine Grenze unseres Erkennens. Wenn wir in das eigene Innere hineinschauen, da tritt uns das Bewußtsein entgegen. Wir können mit der gewöhnlichen naturalistisch-intellektualistischen Anschauungsweise das Bewußtsein nicht erkennen — die andere Grenze. Wir können also nicht zu einem Übersinnlichen aufsteigen. - Das macht Du Bois-Reymond zu einer Theorie. Er sagt: Man müßte aufsteigen zu dem Supranaturalismus. Allein, wo der Supranaturalismus anfängt, hört Wissenschaft auf. Daher überläßt er alles dasjenige, was über das sinnliche Gebiet hinausgeht, den Religionen, spricht aber alldem, wozu man da kommen kann, die Wissenschaftlichkeit ab und gestattet es dem Menschen bloß, in freier, mystisch-phantastischer Weise, oder auch durch Aufnahme desjenigen, was uns traditionell überkommen ist, sich sein Erkenntnisgebiet durch das Glaubensgebiet zu ergänzen.

[ 12 ] Du Bois-Reymond took a different approach to Darwinism. He said: The fact is that with a naturalistic-intellectualistic way of thinking, one can only remain within the non-human realm. But one must also stop there. He did not stop in a self-evidently emotional way; rather, he turned the act of stopping itself into a theory. Where, I would say, there was an indefinite open-endedness in Darwin, Du Bois-Reymond introduced an “aut-aut,” an “either-or,” and he stated for his part: Yes, it is true: when we look into the external world, matter confronts us. We cannot penetrate the essence of matter—a limit of our cognition. When we look into our own inner being, consciousness confronts us. We cannot comprehend consciousness with the ordinary naturalistic-intellectualist approach—the other limit. We cannot, therefore, ascend to the supernatural. — Du Bois-Reymond turns this into a theory. He says: One would have to ascend to supernaturalism. Yet where supernaturalism begins, science ends. Therefore, he leaves everything that goes beyond the realm of the senses to the religions, but denies the scientific validity of everything one can arrive at in this way and merely allows human beings to supplement their realm of knowledge with the realm of faith in a free, mystical, and imaginative manner, or by embracing what has been handed down to us through tradition.

[ 13 ] Es ist überhaupt der charakteristische Unterschied zwischen den mitteleuropäischen Menschen und den westländischen Menschen, daß die westländischen Menschen das allerdings mehr praktische Gebaren haben, die Gedanken so zu fassen, daß sie in einer gewissen Weise ins Unbestimmte auslaufen, wie das Leben selbst ins Unbestimmte ausläuft. In Mitteleuropa ist man mehr zu dem Unpraktischen, aber theoretisch Konsequenteren veranlagt, die Gedanken bis zu dem Entweder-Oder zu bringen. Und das sehen wir ganz besonders da, wo solche Lebensgrundlagen sich geltend machen mit Bezug auf die höchsten Fragen des menschlichen Daseins.

[ 13 ] The fundamental difference between Central Europeans and Westerners is that Westerners, while certainly more practical in their behavior, tend to frame their thoughts in such a way that they, in a certain sense, fade into the indefinite, just as life itself fades into the indefinite. In Central Europe, people are more inclined toward the impractical—though theoretically more consistent—approach of taking thoughts to their logical conclusion, to the point of an “either-or” choice. And we see this particularly clearly where such fundamental principles of life come into play in relation to the highest questions of human existence.

[ 14 ] Nun aber liegt von Darwin noch ein drittes Buch vor, das dem, der sich im Ernste mit Seelenfragen befaßt, eigentlich viel bedeutungsvoller erscheint als sowohl «Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl» wie auch «Die Abstammung des Menschen». Und das ist das Werk über die Gemütsbewegungen. Wenn man dieses Werk mit seinen feinen Beobachtungen über den Ausdruck menschlicher Seelenregungen, menschlicher Gemütsbewegungen auf sich wirken läßt, dann geht man eigentlich von diesem Werk sehr befriedigt fort, und man sagt sich zuletzt: Durch dasjenige, was man sich durch die Beobachtung, die im naturalistisch-intellektualistischen Sinne gehalten ist, heranschult, kommt man schon zu Fähigkeiten, die sehr geeignet sind, auch das menschliche Seelen- und Geistesleben zu beobachten. Darwin kam selbstverständlich nur so weit, als ihm das durch seine Instinkte gegeben war. Aber gerade die Feinsinnigkeit dieser Beobachtung liefert den Beweis, daß es jener Gewöhnung, jener Schulung, die man sich aneignet an den naturwissenschaftlichen und intellektualistischen Beobachtungen, gelingt, auch in das Seelenleben einzudringen.

[ 14 ] But there is actually a third book by Darwin that, to anyone seriously engaged with questions of the soul, seems far more significant than both *On the Origin of Species by Means of Natural Selection* and *The Descent of Man*. And that is the work on the emotions. When one allows this work, with its subtle observations on the expression of human emotional stirrings and human emotions, to sink in, one actually comes away from it feeling very satisfied, and ultimately says to oneself: Through what one learns by means of observation—conducted in a naturalistic and intellectualistic sense—one already acquires abilities that are well-suited to observing human emotional and spiritual life as well. Darwin, of course, could only go as far as his instincts allowed him. But it is precisely the subtlety of this observation that provides proof that the habit and training one acquires through scientific and intellectual observations succeed in penetrating the inner life as well.

[ 15 ] Und auf dieser Tatsache beruht nun die Hoffnung der anthroposophischen Forschung. Diese anthroposophische Forschung möchte bei keinem ihrer Schritte die streng exakte Schulung durch die moderne naturalistisch-intellektualistische Denkungsart verleugnen. Aber sie möchte zu gleicher Zeit zeigen, wie man diese Vorstellungsart weiter ausbilden und dadurch dazu kommen kann, die Grenze, welche von Darwin in mehr praktischer Weise statuiert, von Haeckel kühnlichst mit dem Naturalismus überschritten, von Du Bois-Reymond theoretisch festgelegt worden ist, in sachlich exakter Weise zu überschreiten und wie man in eine übersinnliche Welt hineingelangen kann, damit auf diese Weise eine wirkliche Menschenerkenntnis zustande kommt.

[ 15 ] And it is on this fact that the hope of anthroposophical research now rests. In none of its steps does this anthroposophical research wish to deny the rigorously exact training provided by the modern naturalistic-intellectualistic way of thinking. But at the same time, it seeks to show how this mode of thinking can be further developed, thereby enabling us to transcend—in a factually precise manner—the boundary that Darwin boldly established in a more practical sense, boldly crossed by Haeckel in the name of naturalism, and theoretically established by Du Bois-Reymond, in a factually precise manner—and how one can enter into a supersensible world so that, in this way, a true understanding of the human being may come about.

[ 16 ] Der erste Schritt nun, der in dieser Beziehung gemacht wird, ist nicht gleich auf dem Gebiet gelegen, das uns in den nächsten Tagen vorzugsweise beschäftigen wird, sondern er ist bemüht, von den gewöhnlichen modernen Vorstellungen und Empfindungen eine Brücke zu schlagen zu der übersinnlichen Erkenntnis. Und diese Brücke kann geschlagen werden, wenn man bloß mit den Mitteln zunächst, die gar nicht auf dem Gebiete übersinnlicher Forschung liegen, sich klarmacht, worinnen das Wesen der naturalistisch-sensualistischen Ansicht von der Welt eigentlich beruht.

[ 16 ] The first step taken in this regard, however, does not lie directly within the field that will be our primary focus in the coming days; rather, it seeks to build a bridge from ordinary modern mental images and perceptions to supersensory knowledge. And this bridge can be built if one simply uses means—which, at first, do not lie within the realm of supersensible research—to clarify what the essence of the naturalistic-sensualistic view of the world actually rests upon.

[ 17 ] Um von diesem Wesen sprechen zu können, möchte ich zweierlei hypothetisch vor Ihre Seele hinstellen. Nehmen Sie einmal an, wir wüchsen von Kindheit auf so heran, daß das ganze Gebiet des materiellen Daseins lichtvoll vor uns aufgeschlossen wird. Nehmen Sie an, die Materie wäre außer uns nicht als etwas Dunkles gelegen, bis zu dem unser Blick dringt, das wir aber nicht durchschauen können, sondern alles materielle Dasein wäre für den äußeren Blick und den kombinierenden Verstand restlos zu durchschauen, so daß wir uns durch die bloße naturalistisch-intellektualistische Anschauung von der Welt dazu bringen könnten, daß wir Gedanken haben von alledem, was innerlichst die Materie ist. Nehmen wir also an, die Materie läge nicht undurchsichtig vor uns, sondern ganz durchsichtig. Wir würden das, was uns als Materielles im Mineral entgegentritt, wie ganz von innerem Gedankenlicht durchdrungen, voll verstehen können. Wir würden dann aber auch alles das voll verstehen können, was uns zum Beispiel als Mensch materiell vor Augen steht. Wir würden in dem Menschenwesen nicht ein unbestimmtes Materielles vor unserem sinnlichen Auge haben, sondern wir würden voll hineinschauen in das ganz durchsichtige Menschenwesen, insofern es materiell ist.

[ 17 ] In order to speak about this being, I would like to present two hypothetical scenarios to your soul. Suppose, for a moment, that we grew up from childhood in such a way that the entire realm of material existence lay open before us in all its clarity. Suppose matter were not situated outside of us as something dark—something our gaze reaches but which we cannot see through—but rather that all material existence were completely transparent to the external gaze and the reasoning mind, so that through a purely naturalistic-intellectualist view of the world we could come to have thoughts about everything that is, at its very core, matter. Let us therefore assume that matter does not lie before us as opaque, but rather as completely transparent. We would be able to fully understand what appears to us as material in a mineral, as if it were completely permeated by an inner light of thought. But then we would also be able to fully understand everything that appears before us as material, for example, in a human being. We would not see an indeterminate material form before our sensory eye in the human being, but rather we would look fully into the completely transparent human being, insofar as it is material.

[ 18 ] Wenn Sie einen Augenblick hypothetisch annehmen, daß Ihnen die Welt so entgegentritt, dann müssen Sie sich etwas hinwegdenken, ohne das das Leben, in dem unser gewöhnliches Bewußtsein sich entwickelt, gar nicht gedacht werden kann, Sie müssen sich aus diesem Leben alles dasjenige hinwegdenken, was wir mit dem Worte Liebe umfassen. Denn worauf beruht die Liebe, die wir zu einem anderen Menschen, auch nur in allgemeiner Menschenliebe vielleicht, oder zu noch anderen Wesen in der Welt haben? Sie beruht darauf, daß wir zunächst noch mit anderen Kräften, als den durchsichtig machenden Gedanken, uns dem anderen Menschen, dem anderen Wesen gegenüberstellen. Wenn in demselben Augenblicke, wo wir uns dem anderen Wesen gegenüberstellen, sogleich der abstrakte, helle Gedanke aufleuchten würde, der uns dieses Wesen voll durchsichtig machte — jede Liebe erstürbe schon in ihrem allerersten Keime; wir könnten nicht lieben. Sie brauchen sich nur zu erinnern, wie für das gewöhnliche Leben die Liebe aufhört, wenn der abstrakte Gedanke in seiner Helligkeit beginnt. Sie brauchen sich nur daran zu erinnern, wie berechtigt es ist, von der Kälte der abstrakten Gedankenwelt zu sprechen, wie alle innere Wärme aufhört, wenn wir uns dem Gedanken nähern. So würde diese Wärme, die in der Liebe sich offenbart, gar nicht entstehen können, wenn wir dem äußeren materiellen Leben mit vollem intellektualistischen Verständnisse gegenüberstehen könnten. Es wäre also die Liebe ausgelöscht aus unserer Welt.

[ 18 ] If you were to hypothetically assume for a moment that the world presents itself to you in this way, then you would have to set aside something without which the life in which our ordinary consciousness develops cannot even be conceived; you would have to set aside from this life everything that we encompass with the word “love.” For what is the basis of the love we have for another human being—even if only in the form of general human love—or for other beings in the world? It is based on the fact that, at first, we confront the other human being or the other being with powers other than the thoughts that make things transparent. If, at the very moment we confront another being, the abstract, luminous thought were to flash into being—a thought that made this being completely transparent to us—every love would wither away even in its very first bud; we could not love. You need only recall how, in ordinary life, love ceases when the abstract thought begins to shine in its brightness. You need only recall how justified it is to speak of the coldness of the abstract world of thought, how all inner warmth ceases when we approach that thought. Thus, this warmth, which reveals itself in love, could not arise at all if we were able to face external, material life with full intellectual understanding. Love would therefore be extinguished from our world.

[ 19 ] Und jetzt nehmen Sie für einen Augenblick hypothetisch an, daß Sie ganz hineinschauen könnten in das eigene menschliche Wesen, daß Sie dann, wenn Sie den Blick von der Außenwelt abwenden und ihn zurückwenden nach dem eigenen Inneren, gewissermaßen die Kräfte und Stoffe des eigenen Inneren heraufleuchten sehen würden, so wie Ihnen die Erscheinungen der Außenwelt entgegenleuchten in den Farben, entgegentönen in den Tönen. In dem Augenblicke, wo das der Fall wäre, würden Sie ja immer das eigene innere Wesen gegenwärtig haben können. Allein Sie müßten sich wiederum etwas wegdenken, ohne das das persönliche menschliche Wesen in der gewöhnlichen Welt gar nicht bestehen könnte. Denn, was leuchtet Ihnen denn da in der gewöhnlichen Welt aus dem Inneren entgegen, wenn Sie diese Selbstschau suchen? Da leuchten Ihnen die erinnerungsgemäßen Vorstellungen an das entgegen, was sie in der Außenwelt durchgemacht haben. Da leuchtet Ihnen gar nicht das Wesen Ihres eigenen Inneren entgegen, sondern die Spiegelbilder, die Erinnerungsbilder desjenigen, was äußeres Erlebnis ist, das leuchtet Ihnen entgegen.

[ 19 ] And now, for a moment, hypothetically assume that you could look completely into your own human being—that when you turn your gaze away from the external world and turn it back toward your own inner self, you would, so to speak, see the forces and substances of your own inner being shine up before you, just as the phenomena of the external world shine toward you in colors and resonate toward you in tones. The moment that were the case, you would indeed always be able to have your own inner being present. But you would have to set aside something else—without which the personal human being could not exist at all in the ordinary world. For what is it that shines out at you from within in the ordinary world when you seek this self-contemplation? The mental images of what you have experienced in the external world shine out to you. It is not the essence of your own inner self that shines out to you, but rather the reflections—the mental images—of what constitutes external experience; that is what shines out to you.

[ 20 ] Wenn Sie bedenken, daß ohne dieses Erinnerungsvermögen, ohne dieses Gedächtnis das persönliche Leben gar nicht möglich wäre, daß Sie sich dieses Erinnerungsmäßige hinwegdenken müßten, wenn Sie die volle Selbstschau hätten im gewöhnlichen Leben, dann werden Sie sich sagen: Hier kommen wir in einer Weise an eine höhere Grenze, die sich einfach aus der Notwendigkeit der menschlichen Organisation heraus erklärt. - Eine Erkenntnis, welche das Wesen der Materie immer mehr enthüllt hätte, setzte einen Menschen voraus, der liebelos wäre. Eine Erkenntnis, welche das innere Wesen fortwährend enthüllen würde, setzte einen Menschen voraus, der sein Erinnerungsvermögen nicht als eine ureigene menschliche Fähigkeit ausgebildet hätte.

[ 20 ] If you consider that without this capacity for recollection, without this memory, personal life would not be possible at all—that you would have to imagine away this aspect of memory if you had full self-awareness in everyday life—then you will say to yourself: Here we come up against a higher limit that can be explained simply by the necessity of human organization. — Knowledge that would increasingly reveal the nature of matter would require a human being who was devoid of love. Knowledge that would continually reveal the inner nature would require a human being who had not developed his capacity for memory as an inherently human ability.

[ 21 ] Und so gehen wir davon aus, zu erkennen, daß für das gewöhnliche Leben und gewöhnliche Erkennen, das ja in diesem Leben stehenbleiben will, diese beiden Grenzen einfach durch die menschliche Natur notwendig sind. Weil Liebe sein muß für das soziale Außenleben, weil Erinnerung sein muß für das persönliche Innenleben, müssen zwei Grenzen des Erkennens da sein. Und die Frage ist nur diese, ob man in der Lage sein kann, ein Gebiet zu betreten, welches uns zwar in die übersinnliche Welt hineinführt, welches aber nicht das soziale und das persönliche Leben zerstört.

[ 21 ] And so we assume that we recognize that for ordinary life and ordinary cognition—which, after all, seeks to remain within this life—these two limits are simply necessary by virtue of human nature. Because love is necessary for social life in the external world, and because memory is necessary for personal life in the inner world, there must be two limits to cognition. And the only question is whether one can enter a realm that, while leading us into the supersensible world, does not destroy social and personal life.

[ 22 ] Anthroposophie hat den Mut, zu gestehen, daß man eben mit naturalistisch-intellektualistischer Erkenntnis nicht zum Übersinnlichen kommt. Aber sie hat auch den Mut, danach zu fragen, ob es Mittel gibt, welche mit ebensolcher Strenge, wie die intellektualistisch-naturalistischen Mittel in die Sinnenwelt hineinführen, hinaufführen in die übersinnliche Welt. Anthroposophie will den Mut haben, nicht zu sagen: Wo Supranaturalismus anfängt, hört Wissenschaft auf -, sondern sie will die Wege eröffnen, welche uns auf ebenso exakte Weise, wie man durch naturalistische, intellektualistische Anschauungsweise in die Sinneswelt eindringt, in die übersinnliche Welt eindringen lassen. Dadurch ist Anthroposophie in Wahrheit eine echte Fortsetzerin des modernen Weges, des ganzen modernen Lebens. Sie will nicht ein Rebell sein, sie will gerade dasjenige geben, was dieses moderne Leben aus seiner eigenen Grundlage heraus braucht, aber mit den eigenen Mitteln sich nicht geben kann.

[ 22 ] Anthroposophy has the courage to admit that naturalistic-intellectualistic knowledge alone cannot lead us to the supersensible. But it also has the courage to ask whether there are means that, with the same rigor as the intellectualistic-naturalistic means that lead into the sensory world, lead upward into the supersensible world. Anthroposophy seeks to have the courage not to say, “Where supernaturalism begins, science ends”—but rather to open up paths that allow us to penetrate the supersensible world just as precisely as we penetrate the sensory world through a naturalistic, intellectualistic approach. In this way, anthroposophy is truly a genuine continuation of the modern path, of modern life as a whole. It does not seek to be a rebel; rather, it seeks to provide precisely what modern life needs from its own foundations, but cannot provide for itself with its own means.

[ 23 ] Dasjenige, was man an Ansicht gewinnen kann über das notwendige Aufsteigen in eine übersinnliche Welt aus solchen Betrachtungen heraus, wie sie eben angestellt worden sind, kann aber nun ergänzt werden durch zwei andere, wie mir scheint, bedeutungsvolle Gesichtspunkte, die sich aus dem modernen Leben heraus ergeben, und die auch ein bedeutsames Schlaglicht gerade auf das Erziehungs- und Unterrichtswesen werfen.

[ 23 ] The insight one can gain into the necessity of ascending into a supersensible world from such reflections as those just presented can now be supplemented by two other, in my view, significant perspectives that arise from modern life and that also shed significant light specifically on the system of education and instruction.

[ 24 ] Man muß nämlich sagen, daß die intellektualistisch-naturalistische Denkweise des modernen Lebens, so sehr sie darnach strebt, lichtvolle Klarheit in den Zusammenhang der sinnlichen Erscheinungen zu bringen, doch auf der anderen Seite wiederum in viel Unbewußtes hineinführt, das in diesem modernen Leben vorhanden ist. Ich möchte an zwei Beispielen dieses Hineinsegeln in das Ungewisse, in das Instinktive des modernen Lebens veranschaulichen.

[ 24 ] It must be said, in fact, that the intellectualistic-naturalistic way of thinking characteristic of modern life, for all its striving to bring luminous clarity to the interrelationships of sensory phenomena, nevertheless leads, on the other hand, into much of the unconscious that is present in this modern life. I would like to illustrate this drifting into the unknown, into the instinctive realm of modern life, with two examples.

[ 25 ] Man könnte ja sagen, wenn man in solcher Weise zu Darwin hinblickt, wie wir das eben getan haben: Nun ja, wenn es eben so sein muß, daß man mit der sicheren Wissenschaftlichkeit stehenbleibt auf dem physisch-sinnlichen Gebiete, und wenn man an das Übersinnliche herankommen will, zu dem Traditionellen des Glaubens fortschreiten muß, dann müsse das eben hingenommen werden, dann könne man eben nichts dagegen machen. Aber man müßte ja dann etwas hinnehmen, was ganz und gar nicht zum Heile der Menschheit wäre. Derjenige, der mit ein wenig psychologischem Blick die Geschichte verfolgt, der findet nämlich, daß in alten Zeiten die religiösen Vorstellungen nicht als Glaubensvorstellungen gegolten haben, das sind sie erst in der neueren Zeit geworden, sondern durchaus als Erkenntnis, die ebenso wissenschaftlich genommen wurde, wie die Erkenntnis der äußeren Sinneswelt. Nur die neuere Zeit hat das Wissen eingeschränkt auf die Sinneswelt. Daher kommt es, daß sie kein Wissen über die übersinnliche Welt erreicht; sie nahm das übersinnliche Wissen in der alten traditionellen Form herüber und erzeugte kein neues. Und aus der Illusion, in der man in dieser Richtung lebt, entstand die Meinung, daß man dem Übersinnlichen gegenüber überhaupt nur zu Glaubensvorstellungen kommen kann. Aber wenn man die Art überblickt, wie das Übersinnliche in den alten Religionen gelebt hat, dann sieht man zugleich, daß diese Art des inneren Erfassens des Übersinnlichen eine Stärkung des Menschen bedeutet, daß im religiösen Leben erkenntnismäßig drinnenstehen den Menschen innerlich bis ins Physische mit Kraft durchtränkt; und man sieht, daß die moderne Zivilisation dem Menschen diese Kraft, die aus dem Religiösen in der alten Art an den Menschen herankam, nicht geben kann. Denn wenn das Religiöse zur Glaubensvorstellung herabgedämpft wird, dann ist es keine starke Kraft mehr, dann wirkt es nicht bis in das Physische hinein. Das wird wohl instinktiv gefühlt in der neueren Zeit, aber nicht in seiner ganzen Bedeutung durchschaut. Und aus dem instinktiven Fühlen dieser Sache ist die Hinleitung der modernen Menschheit zu etwas entstanden, das man instinktiv sucht, dessen Hineinstellen in die moderne Zivilisation man eigentlich gar nicht versteht, und das ist alles dasjenige, was mit dem Sport zusammenhängt.

[ 25 ] One could say, when looking at Darwin in the way we just did: Well, if it is simply the case that one must remain within the realm of the physical and sensory when relying on sound scientific method, and if one wishes to approach the supersensible, one must proceed to the traditional realm of faith—then that is simply something that must be accepted; there is nothing one can do about it. But then one would have to accept something that would by no means be for the good of humanity. Anyone who follows history with a little psychological insight will find, in fact, that in ancient times religious mental images were not regarded as matters of faith—they only became so in more recent times—but rather as knowledge that was taken just as scientifically as knowledge of the external sensory world. It is only in modern times that knowledge has been restricted to the sensory world. This is why modern times have failed to attain any knowledge of the supersensible world; they merely adopted supersensible knowledge in its old, traditional form and did not generate any new knowledge. And from the illusion in which people live in this regard arose the belief that, when it comes to the supersensible, one can arrive at nothing but articles of faith. But when one surveys the way in which the supersensible was lived in the ancient religions, one sees at the same time that this way of inwardly grasping the supersensible signifies a strengthening of the human being—that being deeply immersed in religious life in a cognitive sense imbues the human being inwardly, right down to the physical level, with strength; and one sees that modern civilization cannot give human beings this strength, which used to reach them through religion in the ancient way. For when the religious is reduced to mere belief, it is no longer a powerful force; it no longer works its way down into the physical realm. This is probably felt instinctively in recent times, but its full significance is not fully grasped. And out of this instinctive sense of the matter has arisen a movement within modern humanity toward something that is instinctively sought, something whose place within modern civilization is not really understood at all—and that is everything connected with sports.

[ 26 ] Die Religion hat die innerliche Kraft, das Physische des Menschen zu stärken, verloren. Daher ist der Instinkt entstanden, auf äußerliche Weise sich diese Kraft zuzuführen. Und wie alles im Leben polarisch wirkt, so haben wir hier die Tatsache, daß, was der Mensch auf dem Gebiete der Religion verloren hat, er sich instinktiv auf äußerliche Weise zuführen will. Nun, ich will ganz sicher keine Philippika gegen das Sportwesen halten, will gar nicht das Geringste gegen die Berechtigung des Sportwesens sagen, bin auch überzeugt davon, daß es sich schon in gesunder Weise weiterentwickeln wird. Aber es wird in der Zukunft eine andere Stelle im Menschenleben einnehmen, während es heute ein Religionsersatz ist. Solche Dinge erscheinen einem paradox, wenn sie heute ausgesprochen werden. Aber gerade die Wahrheit erscheint heute paradox, weil wir in so vieles in der modernen Zivilisation hineingeraten sind.

[ 26 ] Religion has lost the inner power to strengthen the physical aspect of human beings. Consequently, the instinct has arisen to obtain this power through external means. And just as everything in life operates in polar opposites, we have the fact here that what human beings have lost in the realm of religion, they instinctively seek to obtain through external means. Now, I certainly do not wish to launch a tirade against sports; I do not wish to say the slightest thing against the legitimacy of sports, and I am also convinced that it will continue to develop in a healthy way. But in the future, it will occupy a different place in human life, whereas today it serves as a substitute for religion. Such things seem paradoxical when spoken of today. But it is precisely the truth that seems paradoxical today, because we have become entangled in so many aspects of modern civilization.

[ 27 ] Und ein anderes ist es noch, was als ein Charakteristisches auftritt in der naturalistisch-intellektualistischen Zivilisation, das ist, daß sie überall nicht ins Lebensvolle, sondern in Widersprüche hineinführt, die das Leben zerstören. Der Intellektualismus verstrickt sich, kommt zu allerlei Gedankennetzen, deren Verstricktheit, deren Verworrenheit, deren chaotische Beschaffenheit er nicht durchschaut. Er wird einfach nicht darauf aufmerksam.

[ 27 ] And there is yet another characteristic feature of naturalistic-intellectualist civilization: it leads not toward the fullness of life, but everywhere into contradictions that destroy life. Intellectualism becomes entangled, giving rise to all sorts of webs of thought whose intricacy, whose confusion, and whose chaotic nature it fails to grasp. It simply does not take notice of them.

[ 28 ] So steht der moderne naturalistische Intellektualismus bewundernd vor der Tatsache, daß das Kind heute gewissermaßen die Wiederholung des wilden, barbarischen Zustandes der gesamten Menschheit ist. Die Menschheit ist vorgeschritten aus älteren Zeiten zu den jetzigen, von der Wildheit, der Barbarei zu der Zivilisation. Das Kind wiederholt in seinem ganzen Wesen wiederum etwas von der Barbarei, von der Wildheit. Der moderne naturalistische Denker sieht das Kind ja nur so an: er sieht die Nase des Kindes an mit den etwas aufgestülpten Nasenlöchern, die Augenstellung — die Augen sind noch weiter auseinander als im späteren Leben -, er sieht die Stirnbildung an mit ihrer eigentümlichen Wölbung, die Mundbildung: alles erinnert ihn an den wilden, barbarischen Zustand. Das Kind ist ein Barbar, ein Wilder.

[ 28 ] Thus, modern naturalistic intellectualism stands in awe of the fact that the child today is, in a sense, a reenactment of the wild, barbaric state of all humanity. Humanity has progressed from earlier times to the present—from savagery and barbarism to civilization. The child, in its very being, repeats something of that barbarism and savagery. The modern naturalistic thinker views the child precisely in this way: he looks at the child’s nose with its slightly upturned nostrils, the position of the eyes—which are even further apart than in later life—he looks at the shape of the forehead with its peculiar curve, the shape of the mouth: everything reminds him of the wild, barbaric state. The child is a barbarian, a savage.

[ 29 ] Aber auf der anderen Seite rumort in einem sehr eigenen Widerspruche mit dem eben Angeführten doch wiederum etwas Rousseausches in dem modernen Zivilisationsmenschen. Er möchte den Menschen wiederum zu dem Naturgemäßen in der physischen, in der moralischen Erziehung bringen. Aber er steckt doch im Intellektualismus drinnen, dieser moderne Mensch. Und dieser Intellektualismus, er führt im Denken zur Logik. Nun sieht der moderne Mensch viel Unlogisches in der Erziehung, und er will nun die Logik in die Erziehung hineinbringen. Er will die Erziehung logisch gestalten. Das greift nicht an gegenüber dem Kindeswesen. Er findet es naturgemäß, daß die Dinge logisch sich entwickeln. Es greift nicht an beim Kindeswesen. Und doch, wenn er in die barbarische Zeit, in die wilde Zeit zurückblickt, deren Wiederholung sich im Kinde darstellen soll, dann kann man nicht sagen, daß uns die Archäologen lehren, daß die Barbaren, die Wilden in unserem Sinne besonders logisch denken.

[ 29 ] But on the other hand, in a contradiction quite unique to what has just been stated, there is nevertheless something Rousseauian stirring within the modern civilized person. He wishes to bring human beings back to what is natural in both physical and moral education. But this modern human being is, after all, trapped within intellectualism. And this intellectualism leads to logic in thought. Now, the modern human being sees much that is illogical in education, and thus seeks to introduce logic into it. He wants to structure education logically. This does not conflict with the nature of childhood. He finds it natural that things develop logically. It does not apply to the nature of the child. And yet, when he looks back to the barbaric era, to the “wild” era, which is supposed to be reenacted in the child, one cannot say that archaeologists teach us that the barbarians—the “savages” in our sense—thought in a particularly logical way.

[ 30 ] Und so glaubt der moderne Mensch zum Naturgemäßen zu kommen, indem er gerade etwas an das Kind heranbringen will, was das Kind nicht haben kann, wenn es ein wirklicher Wilder, ein wirklicher Barbar ist. Der Rousseauismus kommt in einen merkwürdigen Widerspruch mit dem Intellektualismus. Das Streben nach Natur läßt sich nicht ganz anpassen der Richtung zum Intellektualismus. Und erst wenn es zu der Willenserziehung kommt, dann findet sich der moderne intellektualistische Denker erst recht nicht zurecht. Da findet er aus seiner Denkweise heraus, der Mensch müsse vor allen Dingen nach dem Nützlichen streben. Das Kind schon müsse zum Nützlichen erzogen werden. Und nicht müde wird dieser moderne intellektualistische Denker, zu finden, daß die Menschen sich unbequeme Kleider anziehen, die nicht nützlich sind, daß sie sich allerlei Verrichtungen im Leben hingeben, die nicht nützlich sind. Er findet, man muß, um zum Naturgemäfßen zu kommen, das Nützliche so recht heranerziehen. Insbesondere die Mädchenerziehung wird von den pädagogischen Reformisten gerade von diesem Gesichtspunkte aus ganz besonders getadelt.

[ 30 ] And so modern man believes he is returning to what is natural by seeking to impart to the child precisely what the child cannot possess if it is a true savage, a true barbarian. Rousseauism comes into a strange contradiction with intellectualism. The pursuit of nature cannot be fully reconciled with the trend toward intellectualism. And when it comes to the education of the will, the modern intellectualist thinker is even more at a loss. Based on his way of thinking—that human beings must, above all, strive for what is useful—he concludes Children, he argues, must be educated to be useful. And this modern intellectualist never tires of pointing out that people wear uncomfortable clothes that are not useful, that they engage in all sorts of activities in life that are not useful. He believes that, in order to achieve a state in harmony with nature, one must properly cultivate the concept of usefulness. The education of girls, in particular, is strongly criticized by educational reformers precisely from this perspective.

[ 31 ] Nun steht man aber wiederum vor dem Rätsel: die Wilden, die Barbaren, die in den Kindern sich wiederholen sollen — haben die das Nützliche angestrebt? Ganz gewiß nicht. Der moderne intellektuelle Denker sieht sich auf der einen Seite gedrängt, in den Vorstellungen nach dem Logischen hinzustreben, nach der anderen Seite auf dem Gebiete des Willens nach dem Nützlichen. Und die Barbaren, die Wilden, deren Wiederholung doch die Kinder sein sollen, die haben, wie uns die Archäologie lehrt, bei ihrem Denken wenig um Logik, wenig um das Nützliche gestrebt, das sie, soweit es nur allernotdürftigst für sie war, aus den Instinkten heraus befriedigten.

[ 31 ] But now we are once again faced with a puzzle: the savages, the barbarians, who are supposed to be repeated in children—did they strive for what is useful? Certainly not. The modern intellectual thinker finds himself compelled, on the one hand, to strive for logic in his mental images, and on the other hand, to strive for utility in the realm of the will. And the barbarians, the savages—whose likeness children are supposed to embody—as archaeology teaches us, cared little in their thinking for logic or for utility, which they satisfied—insofar as it was absolutely necessary for them—through their instincts.

[ 32 ] Aber nach was haben sie gestrebt? Nach dem Schmuck. Die Kleidung ist nicht aus dem Befriedigen der Bedürfnisse des Menschen entstanden, sondern aus der Sehnsucht, sich zu schmücken. Alles das, was sich der Wilde anzieht, oder namentlich, was er sich nicht anzieht, was er sich nur aufmalt auf den Körper, was ja ebenfalls gerade nicht zu dem Nützlichen gerechnet werden kann: alles das zeigt, daß man nicht von dem Logisch-Wahren oder dem Logisch-Richtigen, nicht von dem Nützlichen, sondern von dem Schmückenden, von dem Schönen eigentlich in dem Sinne, wie es verstanden wird, ausgegangen ist.

[ 32 ] But what were they striving for? Adornment. Clothing did not arise from the need to satisfy human needs, but from the desire to adorn oneself. Everything that the savage puts on—or, more specifically, what he does not put on, but merely paints onto his body—which, after all, cannot be considered useful either: all of this shows that the starting point was not the logically true or the logically correct, not the useful, but rather the ornamental, the beautiful—in the sense in which it is understood.

[ 33 ] Das sieht man im Grunde eigentlich auch bei den Kindern. Da kommt man dann, wenn man einerseits intellektualistisch denkt, wodurch man zu dem Logisch-Richtigen und zu dem Lebensvoll-Nützlichen gedrängt wird, und wenn man nun auf der anderen Seite rousseauisch fühlt und zurück will zur Natur, da kommt man in einen seltsamen Widerspruch hinein. Man will eigentlich das dem Kind aufdrängen, was man als Erwachsener in seinem Intellektualismus als das Logische, Nützliche, Richtige hat. Die Kinder, die streben aber tatsächlich, nur in einer anderen Weise als in der rousseauischen Weise zurück, nämlich zu dem Schmücken, zu dem, was für sie weder der Ausdruck des Guten auf der einen Seite noch des Nützlichen auf der anderen Seite, sondern das Schöne ist.

[ 33 ] You can actually see this in children, too. You end up in a strange contradiction when, on the one hand, you think in an intellectualistic way—which pushes you toward what is logically correct and practically useful—and, on the other hand, you feel in a Rousseauian way and want to return to nature. You actually want to impose on the child what you, as an adult in your intellectualism, consider to be logical, useful, and right. But children do indeed strive to return—only in a way different from the Rousseauian way—namely, toward adornment, toward that which for them is neither the expression of the good on the one hand nor of the useful on the other, but rather the beautiful.

[ 34 ] Wer das Unvollkommene und auch Widerspruchsvolle des modernen Lebens in dieser Art durchschaut, der wird schon dazu getrieben werden können, die Frage aufzuwerfen: Woran liegt denn eigentlich dieses Unvollkommene und dieses Widerspruchsvolle? -— Wenn wir auf diese Frage unbefangen hinschauen, werden wir immer mehr und mehr dazu getrieben, einzusehen, wie einseitig die intellektualistischnaturalistische Denkweise den Menschen selbst betrachten muß. Sie betrachtet ja wirklich nicht den ganzen Menschen, das ganze Menschenleben, sondern nur eine Seite des menschlichen Lebens. Sie betrachtet nämlich nur das wache Tagesleben und kommt nicht dazu, einzusehen, daß das ganze menschliche Leben in der Tat ebenso dasjenige umfaßt, was vom Einschlafen bis zum Aufwachen geschieht, wie dasjenige, was vom Aufwachen bis zum Einschlafen geschieht. Man kann ja allerdings sagen, die moderne intellektualistisch-naturalistische Denkweise betrachte auch das Schlafesleben, und es gibt mancherlei interessante Hypothesen über das Wesen des Schlafes, über das Wesen des Traumes; aber das alles ist ja nur vom Gesichtspunkte des Wachenden erkannt.

[ 34 ] Anyone who sees through the imperfections and contradictions of modern life in this way will inevitably be driven to ask: What, exactly, is the cause of these imperfections and contradictions? — If we look at this question with an open mind, we will be increasingly compelled to recognize how one-sided the intellectualist-naturalist way of thinking must be in its view of human beings themselves. It does not, in fact, consider the whole person, the whole of human life, but only one aspect of human life. It considers only waking daily life and fails to recognize that the whole of human life in fact encompasses just as much what happens from falling asleep to waking up as what happens from waking up to falling asleep. One could, of course, argue that the modern intellectualistic-naturalistic way of thinking also considers the life of sleep, and there are various interesting hypotheses about the nature of sleep and the nature of dreams; but all of this is understood solely from the perspective of the waking person.

[ 35 ] Der Mensch, indem er wacht, erkennt ja nicht nur, er erlebt, er steht im Dasein drinnen. Im Schlafleben steht der Mensch zunächst nicht bewußt darinnen. Er kann es in der Perspektive betrachten, in der es in das wache Leben hereinscheint; aber er kann nicht unmittelbar mit dem gewöhnlichen Bewußtsein drinnenstehen. Eine völlige Lebensbetrachtung erfordert, daß man nicht nur etwas abstrakt erkennt, sondern daß man in dem Erkannten voll darinnenstehen kann. Und so steht man als moderner intellektualistischer Denker vor dem Schlafesleben, daß einem, wenn man unbefangen und seriös genug dazu ist, allerdings viel Verwunderungswürdiges und Erstaunenerregendes aus diesem Schlafesleben entgegenleuchtet, daß man aber über das Erstaunen und die Verwunderung nicht in der Art hinauskommt, wie es die griechische Philosophie zum Beispiel für eine Lebensanschauung überhaupt gefordert hat. Alles in der Lebensanschauung, so sagte die griechische Philosophie, beginnt mit der Verwunderung über die Welt, mit dem Erstaunen über die Tatsachen, die einem entgegentreten. Aber es muß dann eben weitergehen. Man muß vorschreiten von Verwunderung und Erstaunen zum Erkennen.

[ 35 ] When a person is awake, they do not merely perceive; they experience—they are fully immersed in existence. In the life of sleep, a person is not initially consciously present within it. They can view it from the perspective in which it shines into waking life; but they cannot be directly immersed in it with ordinary consciousness. A complete view of life requires not only that one recognize something abstractly, but that one be able to stand fully within what has been recognized. And so, as a modern intellectualist thinker, one stands before the life of sleep in such a way that, if one is open-minded and serious enough about it, admittedly, much that is wondrous and astonishing shines out from this life of sleep, yet one cannot move beyond this astonishment and wonder in the way that Greek philosophy, for example, demanded for a worldview in general. Everything in one’s worldview, Greek philosophy taught, begins with wonder at the world, with amazement at the facts that confront one. But it must then go further. One must proceed from wonder and amazement to knowledge.

[ 36 ] Das kann zunächst der moderne Mensch mit seinen Mitteln gegenüber dem Schlafes- und Traumleben nicht. Und der erste Schritt, der in die übersinnliche Welt hinein gemacht werden soll, darf nicht darinnen bestehen, daß man gleich die übersinnliche Erkenntnis selbst anstrebt, sondern daß man eben eine Brücke baut von der gewöhnlichen sinnlich-physischen Erkenntnis hinüber zu der übersinnlichen Erkenntnis. Das kann dadurch erreicht werden, daß man die Schulung, die man sich durch die Beobachtung der sinnlich-physischen Welt angeeignet hat, lebensvoll ausdehnt über dasjenige, was aus Schlaf und Traum in das gewöhnliche Leben hereinragt. Beobachten kann allerdings der moderne Mensch; aber das Beobachten allein macht es nicht aus, sondern es kommt darauf an, daß man nach gewissen Richtungen hin beobachtet, wenn sich einem das Wesen der Dinge ergeben soll. Es kommt auf das an, wie man beobachtet.

[ 36 ] Modern human beings, with the means at their disposal, are initially unable to do this with regard to the life of sleep and dreams. And the first step to be taken into the supersensible world must not consist in striving immediately for supersensible knowledge itself, but rather in building a bridge from ordinary sensory-physical knowledge over to supersensible knowledge. This can be achieved by vividly extending the training one has acquired through observation of the physical-sensory world to encompass what extends from sleep and dreams into ordinary life. Modern people can certainly observe; but observation alone is not enough—what matters is observing in certain directions if one is to grasp the essence of things. It all depends on how one observes.

[ 37 ] Einige Beispiele sollen Ihnen zeigen, wie man die Beobachtung veranlagen soll gegenüber dieser anderen Seite des Lebens, die in das Tagleben hereinragt, die aber nicht von demselben Gesichtspunkte aus gewöhnlich beobachtet wird wie das gewöhnliche, wache Alltagsleben.

[ 37 ] A few examples will show you how to approach observing this other aspect of life—one that intrudes into daily life but is not usually observed from the same perspective as ordinary, waking everyday life.

[ 38 ] Es gibt Menschen, die nehmen den Unterschied zwischen dem wachen Alltagsleben und dem Schlafleben allerdings wahr, aber nur in einer ganz beschränkten Weise. Aber man kann doch sagen, in manchem naiven Gemüte ist ein Bewußtsein vorhanden, daß der Mensch etwas anderes ist im wachen Tagesleben als im Schlafleben. Deshalb sagen solche naiven Gemüter oftmals, wenn man ihnen die Wertlosigkeit zum Beispiel des Schlafes darlegen will, daß es faul sei, träge vom Menschen, wenn er zuviel verschläft: Solange man schläft, sündigt man nicht, man ist da kein sündiger Mensch. — Und damit wollen sie ausdrücken, daß der Mensch das, was er vom Aufwachen bis zum Einschlafen ist, ein sündiges Wesen, radikal nicht ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Es liegt ein sehr guter Instinkt in dieser naiven Anschauung drinnen.

[ 38 ] There are people who do perceive the difference between waking daily life and the life of sleep, but only in a very limited way. Yet one can still say that in some naive minds there is an awareness that a person is different in waking daily life than in the life of sleep. That is why such naive minds often say—when one tries to explain to them the worthlessness of sleep, for example—that it is lazy and sluggish of a person to sleep too much: As long as one sleeps, one does not sin; one is not a sinful person then. — And by this they mean to express that what a person is from the moment they wake up until they fall asleep—a sinful being—they are radically not from the moment they fall asleep until they wake up. There is a very good instinct inherent in this naive view.

[ 39 ] Aber dasjenige, was eigentlich auf diesem Gebiete vorliegt, wird man doch nur kennenlernen, wenn man die Beobachtung in entsprechender Weise ausbildet. Und da möchte ich zum Beispiel das Folgende sagen: Es wird gewiß einige unter Ihnen geben, vielleicht sind es alle, die Träume von der Art gehabt haben, welche ihrem Inhalte nach deutlich Reminiszenzen des äußerlich physisch-sinnlichen Lebens darstellen. Man kann zum Beispiel träumen, man werde an einen Fluß geführt, man müsse hinüber über diesen Fluß. Man sucht sich im Traume ein Boot. Man hat die ganze Mühe des Bootsuchens im Traume. Dann hat man das Boot gefunden —- man kann das alles träumen -, man muß sich nun anstrengen, jeden einzelnen Ruderschlag zu machen. Man fühlt während des Träumens die Anstrengung, die man mit den Ruderschlägen macht, und endlich kommt man mit aller Mühe hinüber, wie man es im Alltagsleben etwa auch tun würde.

[ 39 ] But one can only come to know what actually exists in this realm by training one’s powers of observation in the appropriate way. And here, for example, I would like to say the following: There are certainly some among you—perhaps all of you—who have had dreams of the kind whose content clearly represents reminiscences of external, physical-sensory life. One might, for example, dream that one is led to a river and must cross it. In the dream, one looks for a boat. One goes through the entire effort of searching for a boat in the dream. Then one has found the boat—one can dream all of this—and must now exert oneself to make every single stroke of the oars. While dreaming, one feels the effort involved in each stroke, and finally, with great effort, one crosses over, just as one might do in everyday life.

[ 40 ] Viele solcher Träume sind vorhanden. Sie stellen sich als Träume dar, die wenigstens ihrem Inhalte nach klare Reminiszenzen des physisch-sinnlichen Lebens sind. Andere Träume stellen sich nicht als solche Reminiszenzen des physisch-sinnlichen Lebens dar. Auch solche Träume werden Sie kennen. Es kann zum Beispiel jemand träumen, er werde an einen Fluß geführt, er soll hinüber; er überlegt sich das im Traume, kurz und gut, er breitet seine Flügel aus, fliegt hinüber und kommt am anderen Ufer an. Man kann nicht sagen, daß das eine Reminiszenz aus dem physisch-sinnlichen Leben ist, denn so viel mir bekannt ist, pflegen die allermeisten Menschen nicht auf diese Art im physisch-sinnlichen Leben einen Fluß zu übersetzen; wir haben es also da im Traum mit etwas zu tun, was der Mensch im physisch-sinnlichen Leben wirklich nicht ausführt.

[ 40 ] There are many such dreams. They appear to be dreams that, at least in terms of their content, are clear reminiscences of physical-sensory life. Other dreams do not present themselves as such reminiscences of physical-sensory life. You are familiar with such dreams as well. For example, someone might dream that they are led to a river and are supposed to cross it; they consider this in the dream, and in short, they spread their wings, fly across, and arrive on the other bank. One cannot say that this is a reminiscence from physical-sensory life, for as far as I know, the vast majority of people do not cross a river in this way in physical-sensory life; we are therefore dealing here in the dream with something that a person does not actually do in physical-sensory life.

[ 41 ] Nun tritt aber etwas sehr Eigentümliches ein, das einem erst auffällt, wenn man den Zusammenhang wirklich betrachtet zwischen dem Schlafesleben, dem Traumesleben und dem äußerlich sinnlich-wirklichen Leben im Wachzustande. Wer auf diesem Gebiete exakt beobachtet, würde nämlich das Folgende sehen. Er würde wahrnehmen, wenn er einen solchen Traum oder solche Träume gehabt hat, die ihm all die Plackerei und Mühen des Alltagslebens im Traume auferlegen, die Reminiszenzen des physisch-sinnlichen Lebens sind, daß er ermüdet aufwacht. Die Glieder sind schwer, wenn er aufwacht, und er bleibt den ganzen Tag in dieser ermüdeten Stimmung. Man wacht also so auf aus einem Traume, der der sinnlich-physischen Wirklichkeit nachgebildet ist, daß man im Alltagsleben, im Wachleben, geschwächt ist. Beobachten Sie, wie ein Traum wirkt, der nicht eine Reminiszenz des physisch-sinnlichen Lebens ist: wenn Sie einmal geflogen sind, so mit rechter Begeisterung, mit Leichtigkeit geflogen sind im Traume, kurz und gut mit Ihren Flügeln, die Sie ja im physischen Leben gar nicht haben, einen Fluß übersetzt haben, wachen Sie frisch und munter auf, Ihre Glieder sind leicht. Solche Unterschiede in der Wirkung des Traumeslebens und des Wachlebens muß man exakt beobachten, wie man sonst gewöhnt ist, in der Mathematik oder Physik zu beobachten. Würde man da nicht exakt beobachten, käme man auch nicht zu Resultaten. Aber in dieser Weise stellt man eben auf den besprochenen Gebieten die Beobachtungen nicht an; daher kommt man eben auch nicht zu Ergebnissen, die einen befriedigen können, noch zu Impulsen für ein weitergehendes Erkennen und Leben.

[ 41 ] Now, however, something very peculiar occurs, which one only notices when one truly examines the connection between the life of sleep, the life of dreams, and the external, sensory-real life in the waking state. Anyone who observes this area closely would, in fact, notice the following. They would perceive that when they have had a dream—or dreams—in which all the drudgery and hardships of everyday life are imposed upon them in the dream—which are reminiscences of physical-sensory life—they wake up feeling exhausted. Their limbs feel heavy upon waking, and they remain in this state of fatigue throughout the day. Thus, one wakes from a dream modeled on physical-sensory reality in such a way that one is weakened in everyday life, in waking life. Observe how a dream that is not a reminiscence of physical-sensual life affects you: if you have ever flown—with genuine enthusiasm, flying with ease in a dream—and, in short, crossed a river with your wings, which you do not actually have in physical life, you wake up fresh and lively, your limbs feeling light. One must observe such differences in the effects of dream life and waking life with the same precision one is accustomed to using in mathematics or physics. If one did not observe precisely in this regard, one would not arrive at any results. But this is precisely not how observations are conducted in the fields under discussion; that is why one fails to arrive at results that can be satisfying, nor at impulses for deeper understanding and living.

[ 42 ] Und es ist nicht etwa so, daß man nur einzelne Aperçus hinstellen kann, die dann das, was ich eben angedeutet habe, scheinbar bestätigen, sondern je weiter man auf die Tatsachen eingeht, desto mehr zeigt sich, daß ein solcher Zusammenhang, den man ja ahnen kann, zwischen dem, was vorgeht im Schlafesleben und dem wachen Leben, besteht. Es gibt ja Träume, die verlaufen zum Beispiel so, daß man recht sympathische Speisen vor sich hat und im Traume ißt, mit riesigem Appetit und viel. Sie werden nun in der Regel wahrnehmen, wenn Sie im Traume gegessen haben, daß Sie appetitlos aufwachen, daß Sie irgendwie einen verdorbenen Magen haben, daß Sie den ganzen Tag nicht recht essen können. Haben Sie aber im Traume mit einem Engel gesprochen, und haben Sie sich so recht hineinversetzt in diese Sprache mit dem Engel, dann werden Sie sehen, daß das in außerordentlich anregender Weise auf ihren Appetit während des Tages wirkt. Ich brauche wohl nicht ausdrücklich zu sagen, oder etwa sogar einen exakten Beweis zu liefern, daß das Essen im Traume eine Reminiszenz an das physisch-sinnliche Leben ist, denn in der übersinnlichen Welt ißt man und trinkt man nicht. Das werden Sie mir wohl auch ohne Beweise zugeben. Es ist also, wenn man im Traume ißt und trinkt, der Trauminhalt Reminiszenz an das physisch-sinnliche Leben, und es ist, wenn man mit einem Engel spricht — das kommt ja auch für die wenigsten Menschen im physisch-sinnlichen Leben vor —, ein Ereignis, das seinem Inhalte noch nicht eine Reminiszenz aus dem physisch-sinnlichen Leben sein kann. Schon wenn man mehr abstrakt denkt, sieht man daraus, daß mit dem Menschen irgend etwas zunächst ganz Unbekanntes vorgeht zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, was herüberspielt in das wache Gebiet, in das Leben zwischen dem Aufwachen und Einschlafen. Und man kann nicht sagen, daß man nicht eigentlich ganz differenzierte Vorstellungen auf diesem Gebiete gewinnen könnte. Denn es ist doch etwas ganz Differenziertes, wenn man sagen muß: Träumen wir von dem, was im physisch-sinnlichen Leben die Wirklichkeit ist, wird der Traum zu dem, was eine Zeitlang die naturalistischen Dichter oder naturalistischen Künstler anstrebten, die nur immer das Leben nachahmen wollten, die nicht irgend etwas aus dem Übersinnlichen heraus in das Leben hineinstellen wollten -, wird der Traum solch ein Naturalist, dann wirkt er auf das wache Leben ungesund ein. Er wirkt Krankheit erzeugend. Wenn man also das gewöhnliche Sinnesleben im Traume herausträgt in den Schlaf hinein, so wirkt es krankmachend, ungesund zurück. Und auf der anderen Seite, wenn man dasjenige, was nicht real ist in der physisch-sinnlichen Welt, was der steife Philister für Phantastisches hält, für ein Mystisches, für ein Zeug, das ein vernünftiger Mensch, ein richtiger Intellektualist nicht geistig auffassen möchte, wenn es im Traume auftritt, so ist es gerade dasjenige, was einen dann munter, frisch und gesund macht. -— So kann man ein eigentümliches Hereinspielen desjenigen beobachten, was zwischen dem Einschlafen und Aufwachen mit dem Menschen vorgeht, in das gewöhnliche wache Leben.

[ 42 ] And it is not simply a matter of presenting isolated insights that seem to confirm what I have just hinted at; rather, the more one delves into the facts, the more evident it becomes that such a connection—which one can indeed intuit—exists between what occurs in the life of sleep and waking life. There are, after all, dreams that unfold, for example, in such a way that you have quite appetizing food in front of you and eat it in the dream—with a huge appetite and in large quantities. You will generally notice, if you have eaten in a dream, that you wake up without an appetite, that your stomach feels a bit upset, and that you can’t really eat properly all day. But if you have spoken with an angel in a dream, and if you have truly immersed yourself in that conversation with the angel, then you will see that this has an extraordinarily stimulating effect on your appetite during the day. I probably don’t need to state explicitly—or even provide exact proof—that eating in a dream is a reminiscence of physical-sensory life, for in the supersensible world one does not eat or drink. You will surely concede this to me even without proof. So when one eats and drinks in a dream, the content of the dream is a reminiscence of physical-sensual life; and when one speaks with an angel—which, after all, happens to very few people in physical-sensual life—it is an event whose content cannot yet be a reminiscence of physical-sensual life. Even if one thinks more abstractly, one can see from this that something initially quite unknown is happening to a person between falling asleep and waking up, something that spills over into the waking realm, into the life between waking and falling asleep. And one cannot say that one could not actually gain fully differentiated mental images in this realm. For it is indeed something quite differentiated when one must say: If we dream of what is reality in physical-sensory life—if the dream becomes what the naturalist poets or naturalist artists once strove for, those who always sought only to imitate life and did not wish to introduce anything from the supersensible into life—if the dream becomes such a naturalist, then it has an unhealthy effect on waking life. It has a disease-inducing effect. So if one carries ordinary sensory life into sleep through dreaming, it has a sickening, unhealthy effect in return. And on the other hand, when that which is not real in the physical-sensory world—what the narrow-minded philistine regards as fanciful, as mystical, as something a reasonable person, a true intellectual, would not wish to grasp spiritually—appears in a dream, it is precisely that which then makes one lively, fresh, and healthy. — Thus one can observe a peculiar interplay of what happens to a person between falling asleep and waking up, as it influences ordinary waking life.

[ 43 ] Und da die Dinge differenziert sind, so kann man schon sagen: es muß etwas mit dem Menschen geschehen, was unabhängig ist von der Leiblichkeit, denn es drückt sich in seiner Wirkung in der Leiblichkeit aus, während der Mensch schläft. Und der Traum ist dasjenige, was zunächst für das gewöhnliche Bewußtsein zur Verwunderung und zum Erstaunen hereinspielt, dasjenige, was da der Mensch in einem außergewöhnlichen Zustande für sein gewöhnliches Bewußtsein nicht erlebt, sondern unbewußt durchmacht. Je mehr Sie versuchen werden, Beispiele zu sammeln, desto mehr werden Sie finden, daß in der Tat ein solcher realer Zusammenhang zwischen dem Wach- und Schlafleben existiert.

[ 43 ] And since things are differentiated, one can certainly say: something must happen to the human being that is independent of the physical body, for it expresses itself in its effect on the physical body while the human being sleeps. And the dream is that which initially strikes ordinary consciousness as a source of wonder and amazement—that which a person, in an extraordinary state, does not experience with their ordinary consciousness but rather undergoes unconsciously. The more you try to gather examples, the more you will find that such a real connection between waking and sleeping life does indeed exist.

[ 44 ] Aber sehen Sie sich jetzt den Traum einmal an. Er unterscheidet sich ganz wesentlich von dem Seeleninhalte des wachen Tageslebens. Dem wachen Tagesleben stehen wir so gegenüber, daß wir durch unseren Willen Vorstellung mit Vorstellung verbinden, Vorstellung von Vorstellung trennen. Das alles können wir im Traume nicht. Das Bild des Traumes webt sich, wie sich objektive Erscheinungen weben, ohne unseren Willen. Die Aktivität der Seele, die im wachen Tagesleben sich betätigt, ist herabgelähmt, sie geht in eine Passivität über gegenüber dem Traum.

[ 44 ] But now take a look at the dream. It differs quite significantly from the mental content of waking life. In waking life, we approach our experiences in such a way that, through our will, we connect one mental image with another and separate one mental image from another. We cannot do any of this in a dream. The image of the dream weaves itself, just as objective phenomena do, without our will. The activity of the soul, which is at work in waking life, is paralysed; it becomes passive in the face of the dream.

[ 45 ] Und wenn wir dann den Traum von einem ganz besonderen Gesichtspunkte aus studieren, wird er wiederum ein merkwürdiger Verräter geheimer Seiten unseres Menschenwesens. Beobachten Sie nur, wie Sie manchmal einem Menschen im Leben gegenüberstehen, den Sie beurteilen, nun, aus den Rücksichten des Lebens heraus. Sie gestatten sich nicht, Ihre ganze volle Innerlichkeit in dieses Urteil einfließen zu lassen. Sie urteilen so, daß Sie noch immer darauf Rücksicht nehmen, daß der Betreffende zum Beispiel einen Titel hat, daß derjenige, der einen solchen Titel hat, gewöhnlich in einer gewissen Art angesehen werden muß, oder daß er sonst irgendwie im gesellschaftlichen Leben drinnensteht, kurz, Sie kommen zu einem gewissen Urteil im wachen Tagesleben. Im Schlafesleben passiert Ihnen zuweilen aber das Folgende: Sie sehen sich diesem Menschen gegenüber und fangen an, ihn tüchtig durchzuprügeln, was von dem Urteil abweicht, das Sie im wachen Tagesleben ausgebildet haben, was Sie aber hinweist auf tiefer in Ihnen liegende Sympathien und Antipathien, die Sie sich im wachen Tagesleben nicht gestatten und die der Traum im Bilde vor Ihre Seele zaubert. Also etwas, was der Mensch sich nicht gesteht im wachen Tagesleben, was er aber in sich trägt, das wird in bildhafter Weise durch unterbewußte Imagination durch das Traumesleben vor die Seele hingestellt. Das ist noch verhältnismäßig leichter zu beachten. Aber würde man auf der anderen Seite auf manches, was im wachen Tagesleben an Verstimmungen, an Launen oder auch an einer unerklärlichen Munterkeit, die aus den Erscheinungen des Lebens heraus nicht zu verstehen sind, eingehen, so würde man finden, wenn man die Träume nicht vergessen hätte, die da waren: sie haben einen entweder zu dieser Verstimmung oder zu dieser Munterkeit gebracht; ins Unbewußte, ins Stimmungsgemäße schiebt sich dasjenige hinein, was vom Einschlafen bis zum Aufwachen erlebt wird und was der Traum enthüllen kann. Man kann überhaupt das Leben in seiner Totalität nicht verstehen, wenn man diese andere Seite des Lebens, die zwischen dem Einschlafen und Aufwachen verläuft, nicht in exakter Weise in Rechnung zieht.

[ 45 ] And when we then study the dream from a very special perspective, it in turn becomes a curious revealer of the hidden aspects of our human nature. Just observe how you sometimes find yourself face to face with a person in life whom you judge—well, out of practical considerations. You do not allow your entire inner self to flow into this judgment. You judge in such a way that you still take into account, for example, that the person in question holds a title, that someone with such a title must usually be regarded in a certain way, or that he is otherwise somehow part of social life—in short, you arrive at a certain judgment in your waking daily life. In your dream life, however, the following sometimes happens: You find yourself face to face with this person and begin to give them a thorough thrashing—which deviates from the judgment you formed in your waking daily life, but which points to sympathies and antipathies lying deeper within you, ones you do not allow yourself to feel in your waking daily life and which the dream conjures up before your soul in the form of an image. So, something that a person does not admit to themselves in waking life, but which they carry within them, is presented to the soul in a pictorial way through subconscious imagination in the dream world. This is still relatively easy to observe. But if, on the other hand, one were to examine certain moods, whims, or even inexplicable cheerfulness in waking life—phenomena that cannot be understood from the events of daily life—one would find, had one not forgotten the dreams that were there, that they were what led one to either that mood or that cheerfulness; what is experienced from the moment of falling asleep until waking up—and what the dream can reveal—finds its way into the unconscious, into one’s mood. One cannot understand life in its entirety at all unless one takes this other aspect of life—which unfolds between falling asleep and waking up—into account in a precise manner.

[ 46 ] Aber das alles verläuft ja ohne das menschliche Zutun. Man kann nun aber auch dasjenige, was da auf unbewußte Weise unwillkürlich verläuft, zu einer vollbewußten Tätigkeit erheben, zu einer so vollbewußten Tätigkeit, wie nur die Tätigkeit ist zum Beispiel im Mathematisieren, im wissenschaftlichen Forschen. Und wenn man das tut, steigt man auf von dem Unbestimmten, das man anschauen kann, wenn man das Schlafesleben auf das wache Leben bezieht, zu dem, was einem dann an bewußt ausgebildeter Imagination, Inspiration und Intuition entgegentreten kann.

[ 46 ] But all of this takes place without human intervention. However, one can also elevate what occurs unconsciously and involuntarily to a fully conscious activity—an activity as fully conscious as, for example, that involved in doing mathematics or conducting scientific research. And when one does this, one rises from the indeterminate—which one can perceive when one relates the life of sleep to waking life—to that which can then present itself to one in the form of consciously developed imagination, inspiration, and intuition.

[ 47 ] Durch diese aber wird dann erst wahre Menschenerkenntnis möglich. Dasjenige, worauf also, ich möchte sagen, die Welt stammelnd hindeutet, indem sie uns das Schlafesleben vorführt, das wird in bewußter Weise in den Methoden ausgebildet, welche zu einer wirklichen Welt- und Menschenerkenntnis durch Anthroposophie angestrebt werden.

[ 47 ] But it is through these that true knowledge of humanity becomes possible. That which, I might say, the world stammeringly points toward by presenting us with the life of sleep is consciously developed in the methods through which anthroposophy strives to attain a genuine understanding of the world and of humanity.