The Healthy Development of the Human Being
An Introduction to Anthroposophical Education and Didactics
GA 303
27 December 1921, Dornach
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The Healthy Development of the Human Being, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Nach den Schilderungen, die ich bisher gegeben habe, wird die sogenannte imaginative Erkenntnis dadurch erlangt, daß man dasjenige, was im Traume unterbewußt als unwillkürliche Tätigkeit ausgeübt wird, in das volle Bewußtsein heraufhebt. Wenn ich mich also genauer ausdrücken soll, so muß ich dann sagen: nicht das Träumen mit seinem Trauminhalte wird heraufgehoben in das Bewußtsein — dadurch würde man ja nur zu Unwirklichem kommen -, sondern die Tätigkeit, die etwas weiter jetzt nicht zu Definierendes auf unbewußte Art ausübt, wenn wir träumen, die wird heraufgehoben zu einer voll willkürlichen Tätigkeit, die im Lichte des Bewußstseins ausgeübt wird und die dadurch zur Grundlage wird für die imaginative Erkenntnis. Diese Tätigkeit unterscheidet sich ganz wesentlich von der bloßen Traumtätigkeit. Bei der bloßen Traumtätigkeit halten wir ja dasjenige, was vor unser Bewußtsein hintritt, für äußere Wirklichkeit, weil wir eben nicht aktiv in der Tätigkeit drinnenstecken. Wenn wir aber die traumerzeugende Tätigkeit ins Bewußtsein heraufholen, dann wissen wir zunächst, daß das erste, zu dem wir gelangen, von uns selbst gemachte Bilder sind. Wir werden sie also, wie ich schon angedeutet habe, niemals in dieser Form für eine Wirklichkeit halten, sonst würden wir nicht anthroposophische Forscher, sondern Halluzinanten sein. Es muß nun zu dieser als Meditation ausgeübten Tätigkeit, die dazu führt, in solchen Bildern zu leben, die andere kommen, die nun diese Bilder wiederum unterdrücken kann, die also das Bewußtsein von diesen Bildern leer machen muß. Eignet man sich diese Tätigkeit an und gelangt man, nachdem man im Bildergestalten und im Bildervernichten die Seelenkräfte gesteigert hat, dazu, dann mit vollem Bewußtsein zu leben, dann steht man eben in der geistigen Welt drinnen. Man übt eine Tätigkeit, welche geistig-seelisch ist, unabhängig vom Leibe aus. Man nimmt also nicht durch Leibesorgane wahr. Man denkt nicht mit dem Leib, man denkt mit dem Geistig-Seelischen und hat doch einen Bewußtseinsinhalt; der ist dann ein geistiger.
[ 1 ] According to the descriptions I have given so far, so-called imaginative insight is attained by bringing into full consciousness that which is carried out subconsciously in dreams as an involuntary activity. So, to put it more precisely, I must say: it is not dreaming, with its dream content, that is brought up into consciousness — for that would lead only to the unreal — but rather the activity that, in an unconscious manner, carries out something that cannot be defined in more detail at this point when we dream; this activity is raised to a fully voluntary activity that is carried out in the light of consciousness and thereby becomes the foundation for imaginative insight. This activity differs quite fundamentally from mere dream activity. In mere dream activity, we regard whatever appears before our consciousness as external reality, precisely because we are not actively engaged in the activity itself. But when we bring the dream-generating activity into consciousness, we know from the outset that the first thing we encounter are images created by ourselves. So, as I have already indicated, we will never regard them as reality in this form; otherwise, we would not be anthroposophical researchers but hallucinators. Now, alongside this activity practiced as meditation—which leads to living within such images—there must be another that can suppress these images, that is, one that must clear consciousness of them. If one masters this activity and, after having strengthened the soul forces through both the creation and the destruction of images, comes to live with full consciousness, then one stands right within the spiritual world. One engages in an activity that is spiritual-soul-based, independent of the body. One therefore does not perceive through the bodily organs. One does not think with the body; one thinks with the spiritual-soul aspect and yet has a content of consciousness—which is then a spiritual one.
[ 2 ] Ich habe gestern gesagt, daß das Vorbild für die geistige Wahrnehmung des anthroposophischen Forschers nicht die träumerischen Erlebnisse des Bewußtseins sind, sondern geradezu die freien, von der Willkür durchdrungenen Erlebnisse der Sinneswahrnehmungen. Allerdings, im übersinnlichen Erkennen nehmen wir nicht durch die Sinne wahr; aber wir betrachten die Freiheit, mit der wir uns innerhalb des Sinneswahrnehmens bewegen, die Unabhängigkeit von unserer Persönlichkeit in der Sinneswahrnehmung, die betrachten wir als eine Fähigkeit. Und das kann uns insbesondere vor die Seele treten, wenn man gerade auf konkretes einzelnes eingeht.
[ 2 ] I said yesterday that the model for the anthroposophical researcher’s spiritual perception is not the dreamlike experiences of consciousness, but rather the free experiences of sensory perception, which are permeated by arbitrariness. Admittedly, in supersensible cognition we do not perceive through the senses; but we regard the freedom with which we move within sensory perception—the independence from our personality in sensory perception—as a capacity. And this can come to the forefront of our consciousness especially when we focus on a specific, individual instance.
[ 3 ] Betrachten Sie dasjenige Organ der Sinneswahrnehmung, das am charakteristischsten die Sinneswahrnehmungsfähigkeit darstellt, das Auge. Dieses Auge kündigt Ihnen zunächst seine verhältnismäßige organische Selbständigkeit schon dadurch an, daß es wie ein in sich Abgeschlossenes, nur durch geringfügige Brücken mit dem übrigen Organismus Verbundenes in der Augenhöhle drinnensitzt. Wir können also gewissermaßen im Auge schon dem äußeren räumlichen Anblicke nach etwas verhältnismäßig Selbständiges im menschlichen Organismus erblicken.
[ 3 ] Consider the organ of sensory perception that most characteristically represents the capacity for sensory perception: the eye. This eye first reveals its relative organic independence simply by the fact that it sits within the eye socket as a self-contained unit, connected to the rest of the organism only by minor bridges. Thus, in a sense, even from its external, spatial appearance, we can already perceive the eye as something relatively independent within the human organism.
[ 4 ] Sehen wir zunächst von dem Inneren der Sinneswahrnehmung beim Auge ab und halten wir uns an etwas scheinbar Außerliches. Das Auge hat in seiner Nachbarschaft die Tränendrüsen. Diese Tränendrüsen sondern fortwährend die Flüssigkeit ab, die im wesentlichen aus Wasser und Salz besteht. Diese Tränenflüssigkeit wird fortwährend abgesondert, wenn wir wachen. Sie umfließt das Auge, sie umfließt auch denjenigen Teil, der bei auseinandergespannten Augenlidern sich der Außenwelt exponiert. Dadurch wird das Auge fortwährend durch die Tränenflüssigkeit abgewaschen. Der Staub, der sich dem Auge von außen nähert, wird durch diese Tränenflüssigkeit abgewaschen. Und wenn die Tränenflüssigkeit diese hygienische Aufgabe absolviert hat, wenn sie das Auge abgewaschen hat, dann ergießt sie sich durch die feinen Tränenkanälchen in die Nase und wird auf diese Weise abgesondert. Das ist etwas, was zu der normalen Betätigung des Augenorganismus gehört. Aber Sie werden zugeben, daß man im gewöhnlichen Leben von dieser hygienischen Betätigung innerhalb des Auges nicht viel Bewußtsein hat, daß sich das ganz im Unbewußten vollzieht. Man hat es also mit einer rein organischen Tätigkeit zu tun, die sinnvoll, weisheitsvoll ist, die aber eine rein unbewußte organische Tätigkeit ist.
[ 4 ] Let us first set aside the inner workings of sensory perception in the eye and focus on something that appears to be external. The eye is situated near the lacrimal glands. These lacrimal glands continuously secrete a fluid consisting mainly of water and salt. This tear fluid is secreted continuously while we are awake. It flows around the eye and also around the part of the eye that is exposed to the outside world when the eyelids are open. As a result, the eye is constantly washed by the tear fluid. Dust approaching the eye from the outside is washed away by this tear fluid. And once the tear fluid has fulfilled this hygienic function—once it has washed the eye—it flows through the fine tear ducts into the nose and is thus drained. This is part of the normal functioning of the eye. But you will admit that in everyday life we are not very aware of this hygienic process taking place inside the eye—that it occurs entirely in the unconscious. We are therefore dealing with a purely organic activity that is meaningful and wise, but which is a purely unconscious organic activity.
[ 5 ] Nun kann aber diese Tätigkeit gesteigert werden. Das kann dadurch geschehen, daß, sagen wir, ein Stoß auf das Auge ausgeübt wird, daß Kälte das Auge reizt. Es kann auch sogar dadurch herbeigeführt werden, daß das Auge selbst oder der ganze übrige Organismus ermüdet ist; dann wird reichlicher Tränenflüssigkeit abgesondert. Wenn Sie sich überlegen, was da stattfindet, so müssen Sie sich sagen, da wird schon der Reiz, der diese Tränenflüssigkeit absondert, mehr ins Bewußtsein heraufgehoben, da werden Sie schon etwas von dem Reiz gewahr und auch etwas von den Folgen des Reizes, von der Absonderung der Tränenflüssigkeit. Aber es kann diese ganze Tätigkeit noch gesteigert werden, und das geschieht in dem Falle, wo sich der Mensch bewußt wird seines persönlichen Verhältnisses zu der Welt. Das geschieht dann, wenn Moralisch-Seelisches, Trauriges, Schmerzhaftes vom Menschen erlebt wird und er dadurch zum Weinen kommt, dann wird diese Tränenflüssigkeit durch Moralisch-Seelisches abgesondert. Sie sehen, es ist eine Steigerung herauf ins Bewußtsein. Eine Tätigkeit, die Absonderung der Tränenflüssigkeit, geschieht zuerst ganz in der Sphäre des Unbewußten, sie wird dann immer mehr in die Sphäre des Bewußten heraufgehoben, man möchte sagen, in die Sphäre des SeelischMoralischen.
[ 5 ] However, this activity can be increased. This can happen, for example, by applying a blow to the eye or by exposing the eye to cold. It can even be triggered by fatigue in the eye itself or in the rest of the body; in such cases, a greater amount of tear fluid is secreted. If you consider what is happening here, you must realize that the stimulus that causes this tear fluid to be secreted is already being brought more into your consciousness; you are already becoming aware of something of the stimulus and also of some of the consequences of the stimulus—namely, the secretion of tear fluid. But this entire process can be intensified even further, and this happens when a person becomes aware of their personal relationship to the world. This occurs when a person experiences moral-psychological, sad, or painful events that cause them to weep; in such cases, the tear fluid is secreted as a result of these moral-psychological experiences. You see, it is an ascent into consciousness. An activity—the secretion of tear fluid—first takes place entirely within the sphere of the unconscious; it is then increasingly raised into the sphere of the conscious—one might say, into the sphere of the moral-psychic.
[ 6 ] An dieser einfachen Tatsache, die sich an einem relativ selbständigen Teil des menschlichen Organismus abspielt, kann man sich veranschaulichen, was geschieht, wenn man sich durch Meditation zu leibfreiem Seelen- und Geistesleben aufschwingt. Wenn Sie weinen, weil Sie einen Brief bekommen, der sie traurig macht, so werden Sie sich sagen müssen: Dasjenige, was da erlebt wird durch den Brief, das ist ziemlich außerhalb der Organisation des Auges, das steht zunächst nicht irgendwie innerlich mit der Organisation des Auges in Zusammenhang. Dennoch wird eine Wirkung auf das Auge hervorgebracht. — Daß die Tränen nicht bloß vom Lesen zu kommen brauchen, das können Sie ja daraus ersehen, daß Sie ebenso Tränen vergießen, wenn Sie sich den Brief vorlesen lassen. Also es handelt sich wirklich darum, daß man nachweisen kann: hier ist etwas, was äußerlich vor sich geht und was in einer von außen her geschehenden Wirkung einen organischen Prozeß hervorruft. Allerdings, dieser organische Prozeß ist immer noch so, daß etwas außer ihm Stehendes ihn bewirkt.
[ 6 ] This simple fact, which takes place in a relatively independent part of the human organism, illustrates what happens when one rises through meditation to a soul and spiritual life that is free from the body. If you cry because you receive a letter that makes you sad, you will have to say to yourself: What is experienced through the letter lies quite outside the structure of the eye; at first, it is not in any way internally connected to the structure of the eye. Nevertheless, an effect is produced on the eye. — You can see from this that the tears need not come solely from reading, since you shed tears just as readily when you have the letter read aloud to you. So the point is really that one can demonstrate: here is something that takes place externally and which, through an external influence, triggers an organic process. However, this organic process is still such that it is brought about by something external to it.
[ 7 ] Aber Sie können sich die Sache noch gesteigert denken. Sie können sich nämlich folgendes denken: Sie hätten sich trainiert, geübt, nicht immer gieich tränenselig zu sein, schwere Noterlebnisse das Daseins so zu erleben, daß Ihr seelischer Schmerz nicht geringer ist als bei denjenigen, denen gleich die Tränen überquellen, aber daß dieser seelische Schmerz rein in der Seele erlebt wird und es nicht zu Tränen kommt. Sie brauchen deswegen wahrhaftig nicht kälter zu sein, aber sie erleben auf eine geistig-seelischere Art, bei der sich dasjenige, was eben in der Seele vorgeht, von dem physischen Organismus absondert. Es drückt sich das, was in der Seele vorgeht, nicht gleich in den Organismus hinein.
[ 7 ] But you can imagine the situation taken even further. You can imagine the following: You have trained and practiced not to be tearful all the time, to experience life’s difficult trials in such a way that your emotional pain is no less than that of those whose eyes immediately well up with tears, but that this emotional pain is experienced purely within the soul and does not result in tears. You truly do not need to be colder because of this, but you experience things in a more spiritual and soulful way, in which what is happening in the soul is separated from the physical organism. What is happening in the soul does not immediately express itself through the organism.
[ 8 ] Wenn Sie das, was Sie hier an einem Beispiel aus dem Leben gewinnen können, auf das gesamte Erleben im imaginierenden, im inspirierten Bewußtsein sich ausgedehnt denken, wenn Sie sich ein solches selbständiges geistseelisches Erleben denken, das gar nicht einen Eindruck auf den Organismus macht, das ganz außerhalb des Organismus verläuft — wie der Schmerz der Seele erlebt wird ohne Tränen, ohne Überfließen in den Augenorganismus —, dann haben Sie ein Bild desjenigen Erlebens, das Sie in die geistige Welt hineinstellt. Sie sehen daraus: Man kann, wenn man richtig vorgeht, das Erleben in der geistigen Welt, in der Welt jenseits des Sinnesteppichs so schildern, daß klar sich zeigt: dieses Erleben ist nur eine Fortsetzung desjenigen, was in irgendeiner Weise schon beim normalen, gewöhnlichen Menschen vorhanden ist. Es müssen nur eben seelisch-geistige Übungen gemacht werden, um in dieser Weise zur Unabhängigkeit vom Leiblichen zu kommen.
[ 8 ] If you take what you can gain from this example drawn from life and extend it to the entirety of experience in the imaginative, inspired consciousness—if you conceive of such an independent spiritual-soul experience that has no effect whatsoever on the physical body, that takes place entirely outside the physical body—such as the pain of the soul experienced without tears, without overflowing into the visual system—then you have a picture of the very experience that places you within the spiritual world. From this you can see: If one proceeds correctly, one can describe the experience in the spiritual world—the world beyond the tapestry of the senses—in such a way that it becomes clear: this experience is merely a continuation of what is already present in some form in the normal, ordinary human being. One need only engage in spiritual-soul exercises to attain independence from the physical in this way.
[ 9 ] Wenn Sie nun die Übungsrichtung so weit fortsetzen, daß Sie es bis zur Unterdrückung der selbstgemachten Imagination gebracht haben, bis zur Leerheit des Bewußtseins und dennoch realen geistig-seelischen Inhalt erleben, dann wird das erste sein, was Sie erleben, ein Tableau Ihres bisherigen Erdenlebens so ungefähr bis zur Geburt hin. Den physischen Leib sehen Sie dabei nicht. Der physische Leib entschwindet einem, wenn man also zum leibfreien Wahrnehmen kommt. Aber alles das bleibt vor der Seele stehen, was man erlebt hat, was sonst unbewußte Erinnerungsströmung ist, aus der die einzelnen Erinnerungen auftauchen. Das tritt jetzt vor die Seele hin, aber nicht so wie in der gewöhnlichen Erinnerung, sondern so, daß es auf einmal da ist, daß es gewissermaßen ein Zeitorganismus ist, ein in sich beweglicher Zeitorganismus.
[ 9 ] If you now continue this practice to the point where you have suppressed your self-generated imagination—reaching a state of emptiness of consciousness—and yet still experience real spiritual and soul content, then the first thing you will experience will be a tableau of your earthly life up to that point, roughly up to the time of your birth. You will not see the physical body in this vision. The physical body disappears when one reaches a state of perception free from the body. But everything one has experienced remains before the soul—what is otherwise an unconscious stream of memories from which individual memories emerge. This now comes before the soul, but not as in ordinary memory; rather, it is suddenly there—it is, so to speak, a temporal organism, a self-moving temporal organism.
[ 10 ] Der Raumesorganismus, den wir an uns tragen, ist dadurch ein Organismus, daß er in seinen einzelnen Gliedern Wechselwirkungen hat und seine einzelnen Glieder voneinander abhängig sind, daß das Ganze sich zu einer Totalität zusammenfügt. Wie es im Magen zugeht, davon hängt ab, wie es im Kopfe zugeht, und wie es im Kopfe zugeht, davon hängt ab, wie es im Magen zugeht. Im Organismus ist alles voneinander abhängig. So ist es auch in diesem Zeitorganismus: das Spätere, das der Mensch erlebt hat, gliedert sich organisch zusammen mit dem Vorhergehenden. Ein totales Tableau steht auf einmal vor unserer Seele.
[ 10 ] The spatial organism that we carry within us is an organism in that its individual parts interact with one another and are interdependent, and in that the whole comes together to form a totality. What happens in the stomach determines what happens in the head, and what happens in the head determines what happens in the stomach. In an organism, everything is interdependent. So it is also in this organism of time: what comes later, which the human being has experienced, is organically integrated with what came before. A complete tableau suddenly stands before our soul.
[ 11 ] Wenn man jetzt durch die Steigerung derjenigen Kraft, durch die man früher selbstgemachte Imaginationen unterdrückt hat, es dahin bringt, nun auch dieses Erinnerungstableau zu unterdrücken, also nicht nur seinen eigenen Leib nicht mehr zu sehen, sondern das ganze Tableau sich innerlich unsichtbar zu machen und dabei doch im Wachzustande zu verharren, dann kommt man zu der Stufe der Erkenntnis, die einem das Geistig-Seelische enthüllt, das man vor der Geburt, oder sagen wir vor der Konzeption, durchgemacht hat. Die geistig-seelische Welt, in der man war, bevor man heruntergestiegen ist in das Erdendasein, die trägt man während des Erdendaseins in sich. Sie wirkt und lebt in uns, aber sie wirkt und lebt so in uns, wie der Wasserstoff im Sauerstoff, wenn Wasser da ist. Man kann gar nicht während des Erdenlebens zwischen der Geburt und dem Tod das Geistig-Seelische an sich untersuchen, so wenig man den Wasserstoff untersuchen kann, wenn er mit dem Sauerstoff zusammen im Wasser gebunden ist. Es muß der Sauerstoff erst herauskommen aus dem Wasser; so muß das Geistig-Seelische herauskommen. Dann versetzt es einen aber nicht in die Gegenwart, sondern es versetzt einen gerade in das präexistente Dasein. Man nimmt also dasjenige wirklich wahr, was sich zur irdischen Daseinsform herunterbegeben hat. Man bekommt auf diese Weise eine Anschauung von demjenigen, in dem man gelebt hat, bevor man zur Erde gekommen ist.
[ 11 ] If, by intensifying the very force with which one previously suppressed one’s own imaginings, one succeeds in suppressing this tableau of memories as well—that is, not only ceasing to see one’s own body, but making the entire tableau inwardly invisible while remaining in the waking state—then one reaches the stage of knowledge that reveals the spiritual-soul life one experienced before birth, or, let us say, before conception. The spiritual-soul world in which one existed before descending into earthly life is carried within oneself throughout one’s earthly existence. It acts and lives within us, but it acts and lives within us in the same way that hydrogen acts and lives within oxygen when water is present. During earthly life, between birth and death, one cannot examine the spiritual-soul aspect in itself any more than one can examine hydrogen when it is bound together with oxygen in water. The oxygen must first be separated from the water; in the same way, the spiritual-soul aspect must be brought forth. But then it does not transport one into the present; rather, it transports one precisely into that pre-existing existence. One thus truly perceives that which has descended into the earthly form of existence. In this way, one gains an insight into that in which one lived before coming to Earth.
[ 12 ] Nun kann man ja natürlich sagen, man wolle nicht Anstalten machen, auf diese Weise das Ewige im Menschen zu erforschen. Gewiß, dem Menschen steht es frei, solches auch nicht zu wollen. Dann aber irgendwie zu glauben, daß man das Geistig-Seelische durch die gewöhnliche Erkenntnis erfassen könne, das käme dem naiven Glauben gleich, daß man den Wasserstoff erforschen könne, wenn er ans Wasser gebunden ist, ohne daß man ihn erst absondert. Man wird schon zugeben müssen, daß eben mit dem gewöhnlichen Bewußtsein das Geistig-Seelische einfach nicht zu erlangen ist. Will man also die Ergebnisse der Geistesforschung nicht aufnehmen, so gibt es nichts anderes als Schweigen über das Geistig-Seelische und sich bloß mit der materiellen Seite des Daseins zu beschäftigen. Das mag manchen heutigen Menschen verstimmen, aber es gibt eben Lebensnotwendigkeiten, denen man sich fügen muß.
[ 12 ] Now, of course, one might say that one has no intention of setting out to explore the eternal in human beings in this way. Certainly, a person is free not to want to do so. But to believe, in any case, that one can grasp the spiritual-soul aspect through ordinary cognition would be tantamount to the naïve belief that one can study hydrogen when it is bound to water without first isolating it. One must admit that the spiritual-soul aspect simply cannot be attained through ordinary consciousness. If, therefore, one does not wish to accept the findings of spiritual research, there is no alternative but to remain silent about the spiritual and psychological realms and to concern oneself solely with the material aspects of existence. This may displease some people today, but there are simply necessities of life to which one must conform.
[ 13 ] So gelangen wir allmählich in das inspirierte Erkennen hinein. Denn es ist ein inspiriertes Erkennen bereits, ein Inspiriertwerden von etwas, das sonst nicht in unser Bewußtsein hineintritt, das uns aber so durchorganisiert wie bei der Respiration oder durch die Respiration der Sauerstoff, den wir auf materielle Weise aus der äußeren Luft aufnehmen. Wir werden gewissermaßen von dieser inspirierten Erkenntnis erfüllt, bewußt erfüllt von dem Inhalte unseres vorgeburtlichen, unseres präexistenten Daseins, wie wir bei der Respiration von dem materiellen Sauerstoff erfüllt werden. Wir atmen unser Geistig-Seelisches ein. Wir erheben uns zur Inspiration. Der Name ist nicht willkürlich, sondern durchaus aus den Eigentümlichkeiten heraus gewählt, die eben diese Erkenntnis hat.
[ 13 ] This is how we gradually enter into inspired insight. For it is already a form of inspired insight—a being inspired by something that would otherwise not enter our consciousness, but which permeates us just as thoroughly as oxygen does through respiration, which we take in materially from the outside air. We are, so to speak, filled with this inspired insight—consciously filled with the content of our prenatal, our pre-existent existence—just as we are filled with material oxygen through respiration. We breathe in our spiritual-soul life. We rise to inspiration. The name is not arbitrary, but is chosen precisely because of the characteristics that this very insight possesses.
[ 14 ] Nun hat diese Erkenntnis aber noch ein Charakteristikon. Sie werden auch darüber in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» Aufschlüsse finden. Man muß sich nämlich noch etwas aneignen, wenn man zu dieser inspirierten Erkenntnis kommen will. Das ist Geistesgegenwart. Geistesgegenwart hat man, wenn man, in irgendeine Lebenssituation gebracht, schnell handeln kann, nicht erst nachklappt mit seinem Urteil, bis die Gelegenheit zum Handeln schon vorüber ist. Man muß gerade durch solche Dinge sich üben, die einem notwendig machen, schnell zu handeln, schnell zuzugreifen, weil nämlich dasjenige, was durch Inspiration auftritt, schnell vorüberhuscht; im Status nascendi, im Momente des Entstehens entschwindet es auch schon. Man muß die Aufmerksamkeit schnell darauf werfen können.
[ 14 ] However, this insight has yet another characteristic. You will also find further insights on this in my book *How Does One Attain Insights into the Higher Worlds?*. For one must acquire something else if one wishes to attain this inspired insight. That is presence of mind. One possesses presence of mind when, placed in any situation in life, one can act quickly, rather than waiting to form a judgment until the opportunity to act has already passed. One must practice precisely through those things that require one to act quickly, to seize the moment, because what arises through inspiration fleets by quickly; in its nascent state, in the very moment of its emergence, it vanishes already. One must be able to turn one’s attention to it quickly.
[ 15 ] Sie sehen daraus: wenn man der gewöhnlichen äußeren Sinneswelt gegenübersteht, ist sie räumlich ausgedehnt. Steht man dem nächsten, was einem entgegentritt, gegenüber, dem eigenen Lebenstableau, dann hat man die Zeit auf einmal vor sich, und jetzt, im inspirierten Erkennen, ist man aus der Zeit heraus. Man ist angewiesen, im Augenblick wahrzunehmen. Man ist ganz heraus aus der Zeit. Die Zeit hat für dasjenige, was in inspirierter Erkenntnis gewonnen wird, gar keine innere Bedeutung mehr.
[ 15 ] You can see from this: when one faces the ordinary external sensory world, it is spatially extended. When one faces the next thing that comes one’s way—one’s own life tableau—then time suddenly lies before one, and now, in inspired insight, one is outside of time. One is compelled to perceive in the moment. One is completely outside of time. Time no longer has any inner significance whatsoever for what is gained through inspired insight.
[ 16 ] Wenn man sich in dieses Lebenstableau hineinlebt, dann findet man: in diesem Lebenstableau ist etwas viel realer als in der bloßen Erinnerung. Die Erinnerungsvorstellungen sind neutrale, die keine innere Kraft haben, die gewissermaßen daliegen, die wir aufnehmen können, die aber keine innere Kraft haben. Dasjenige, was im Lebenstableau enthalten ist, hat innere Kraft und enthält zugleich diejenigen Kräfte, die den Menschen bilden, die innerlich bildend wirken, die zum Beispiel beim Kinde, wo das Gehirn zunächst noch nicht seine vollständige plastische Ausgestaltung hat, sondern erst im Laufe der ersten Lebensjahre ausgestaltet wird, als übersinnliche Bildekräfte wirken. Diese übersinnlichen Bildekräfte lernt man jetzt kennen, indem sie in diesem Lebenstableau drinnen enthalten sind. Man ergreift also nicht etwas bloß abstrakt Vorstellungsmäßiges, sondern man ergreift eine Realität, einen Zeitlauf, der krafterfüllt ist: und das ist der feinere Leib, von dem wir sprechen, Ätherleib, auch Bildekräfteleib genannt, der ein abgeschlossenes Bild im Raume nur gibt als ein augenblicklich Festgehaltenes in einem fortwährenden Strömen. Dieser ÄAtherleib ist in fortwährender Bewegung. Und wenn man versucht, ihn zu malen, so malt man eigentlich etwas Unwirkliches auf, etwas, was nur einen Augenblick dauern könnte, denn der nächste Zustand ist schon gleich wieder ein anderer und der frühere war ein anderer. Es ist eben durchaus ein Zeitenleib, der aber als Kräfteleib, als Bildekräfteleib dem Wachstum und auch dem Stoffwechsel des menschlichen Organismus zugrunde liegt, von dem wir als von einem feineren, ätherischeren Leibe sprechen. Das Wort ätherisch darf uns dabei nicht an das erinnern, wie es in der Physik gebraucht wird, sondern nur an dasjenige, was eben vorhin charakterisiert und so genannt worden ist.
[ 16 ] When one immerses oneself in this tableau of life, one discovers that there is something in it that is far more real than in mere memory. The images of memory are neutral; they possess no inner power; they lie there, as it were, ready for us to take in, but they have no inner power. What is contained in the tableau of life, however, possesses inner power and at the same time contains those forces that shape the human being—forces that have a formative effect within—which, for example, in the case of a child, whose brain has not yet attained its full plastic development but is only formed in the course of the first years of life, act as supersensible formative forces. We now come to know these supersensible formative forces because they are contained within this tableau of life. One does not, therefore, grasp something merely abstract or conceptual, but rather a reality, a passage of time filled with forces: and this is the finer body of which we speak—the etheric body, also called the body of formative forces—which presents a complete image in space only as an instantaneous snapshot within a continuous flow. This etheric body is in constant motion. And when one tries to paint it, one is actually depicting something unreal, something that could last only a moment, for the next state is already different again, and the previous one was different as well. It is indeed a body of time, but as a body of forces—a body of formative forces—it underlies the growth and metabolism of the human organism, which we refer to as a finer, more ethereal body. The word “ethereal” should not remind us here of its use in physics, but only of what has just been characterized and named as such.
[ 17 ] Wenn man nun in der imaginativen Erkenntnis so weit kommt, daß man in der geistig-seelischen Außenwelt drinnensteht und zunächst es bis dahin gebracht hat, das eigene Lebenstableau, also den Äther- oder den Bildekräfteleib wahrzunehmen, dann hat man eine gewisse Umänderung, eine Transformation «:s Erkenntnislebens erfahren. Was man da im Erkennen dieses ätherischen Wesens ausführt, das ist ähnlich und doch wiederum sehr unähnlich nicht der gewöhnlich naturalistisch-abstrakten Erkenntnisweise, sondern der künstlerischen Betätigung. Man muß vielmehr ein gestaltendes Denken entwickeln, ein Denken, das in einer gewissen Beziehung schon an die besondere Vorstellungsweise des Künstlers erinnert. Allerdings, es ist auch wiederum der künstlerischen Vorstellungsweise sehr unähnlich. Denn dasjenige, was der Künstler bildet, bleibt innerhalb des Wesens der Phantasie stehen. Die phantasievoll bildende Tätigkeit ist im eminentesten Sinne an die Leiblichkeit, an die Körperlichkeit gebunden, ist nicht eine Tätigkeit frei von der Leiblichkeit. Die Tätigkeit, die man in der imaginativen Erkenntnis ausübt, ist frei von der Leiblichkeit, und deswegen ergreift sie auch ein Reales. Die Schöpfungen des Künstlers sind nicht so, daß sie sich als Reales in die Welt hineinstellen können. Sie werden noch niemals die Vorstellung gehabt haben von der Venus von Milo, daß sie anfängt weiterzuschreiten und auf Sie zuzukommen. Dasjenige, was der Künstler bildet, ist doch nicht Realität. Ebensowenig werden Sie, wenn Sie auf einem Gemälde einen Teufel gesehen haben, die Befürchtung haben hegen können, daß der Teufel, der da gemalt ist, Sie holen könnte. Es ist die Art und Weise, wie der Künstler sich in die Realität hineinstellt, an die menschliche physische Realität gebunden, taucht aber nicht in die geistig-seelische Realität hinein. Dasjenige, was in imaginativer Erkenntnis erobert wird, das taucht in eine wirkliche Realität, in ein Geschehen ein.
[ 17 ] When one has progressed so far in imaginative cognition that one stands within the spiritual-soul world and has, for the time being, reached the point of perceiving one’s own life tableau—that is, the etheric body or body of formative forces—then one has experienced a certain change, a “transformation” of one’s cognitive life. What one does in recognizing this ethereal being is similar—and yet, in turn, very dissimilar—not to the usual naturalistic-abstract mode of cognition, but to artistic activity. Rather, one must develop a formative way of thinking—a way of thinking that, in a certain respect, already recalls the artist’s particular mode of imagination. However, it is also, in turn, very dissimilar to the artistic mode of imagination. For what the artist creates remains within the realm of the imagination. The imaginative creative activity is, in the most eminent sense, bound to physicality; it is not an activity free from physicality. The activity one engages in through imaginative cognition is free from corporeality, and that is why it also grasps something real. The artist’s creations are not such that they can stand in the world as something real. You have never once had a mental image of the Venus de Milo beginning to walk forward and come toward you. What the artist creates is, after all, not reality. Nor, when you have seen a devil in a painting, will you have been able to harbor the fear that the devil depicted there might come to get you. It is the way the artist positions himself within reality—bound to human physical reality—but does not delve into spiritual-soul reality. What is attained through imaginative insight delves into a true reality, into an actual event.
[ 18 ] Nun kann man ja allerdings sagen, man könne logisch, erkenntnistheoretisch beweisen, daß das Erkennen überhaupt nicht bis zur künstlerischen Betätigung aufsteigen solle. Denn Erkennen heißt, mit Hilfe der diskursiven Begriffe von einem Begriff zum anderen logisch fortschreiten; und wenn man eben ins Künstlerische übergeht, so überschreitet man das Gebiet der erlaubten Erkenntnis. Man kann lange genug, lange gut in dieser Art philosophieren, wie Erkenntnis beschaffen sein solle oder nicht: wenn die Natur, wenn die Welt eine Künstlerin ist, so wird sie sich eben einem bloß logischen Erkennen nicht ergeben. Man gelangt nicht an sie heran; sie entzieht sich einem bloß logischen Erkennen. Daher kann es noch so bloß logisch gerechtfertigt sein, daß das Erkennen nicht künstlerisch sein soll: mit einem nichtkünstlerischen Erkennen taucht man eben nicht in die ätherische Wirklichkeit hinunter. Es kommt darauf an, wie die Welt ist, nicht wie das Erkennen sein soll, nicht daß wir aus irgendwelchen logisch richtigen Voraussetzungen etwas anerkennen. So muß man sagen: Es tritt ein künstlerisches Moment ein, wenn wir uns von der gewöhnlichen, gegenständlichen Erkenntnis zu der imaginativen herauferheben.
[ 18 ] Now, one might well argue that it can be proven logically and epistemologically that cognition should not extend to artistic activity at all. For cognition means proceeding logically from one concept to another with the aid of discursive concepts; and when one crosses over into the artistic realm, one transcends the realm of permissible cognition. One can philosophize long enough, and quite well, about what the nature of cognition should or should not be: if nature, if the world, is an artist, then it will simply not yield to merely logical cognition. One cannot approach it; it eludes purely logical cognition. Therefore, no matter how logically justified it may be that cognition should not be artistic: with non-artistic cognition, one simply does not plunge into ethereal reality. What matters is how the world is, not how cognition ought to be, nor that we recognize something based on logically correct premises. Thus, one must say: an artistic moment arises when we rise from ordinary, concrete cognition to imaginative cognition.
[ 19 ] Und wenn wir uns zur inspirierten herauferheben, dann werden die Inspirationen, die wir in unserem Bewußtsein tragen, so sein, daß wir sie wieder Erlebnissen vergleichen können, die ihnen ähnlich und doch wiederum unähnlich sind; und das sind die moralischen Erlebnisse und ist das Auffassen moralischer Ideen. Ähnlich sind die Inspirationen aus der geistigen Welt den moralischen Ideen dadurch, daß man qualitativ dasselbe tut, wenn man die inspirierten Vorstellungen erlebt, wie man tut, wenn man moralische Ideen und Ideale in seinem Bewußtsein anwesend sein läßt. Diesem Qualitativen des innerlichen Erlebens nach sind auch die Inspirationen dem moralischen IdealeErleben ähnlich; aber sie sind wiederum total verschieden dadurch, daß ja das moralische Ideal, das wir fassen, nicht die innerliche Aktivität hat, sich durch eigene Kraft zu verwirklichen. Unser moralisches Ideal ist zunächst machtlos, ohnmächtig in der Welt. Wir müssen es durch unsere physische Persönlichkeit verwirklichen. Wir müssen es auf dem Umwege durch unsere physische Persönlichkeit in die Welt hineinstellen. An sich bleibt das moralische Ideal ein bloßer Gedanke. Das ist die Inspiration nicht. Wir vollziehen sie so, daß sie qualitativ ähnlich ist dem moralischen Vorstellen, dem moralischen Impuls; aber sie erweist sich durch ihr Drinnenstehen in der Welt als ein Reales, als ein Mächtiges, als dasjenige, was so wirkt, wie Naturkräfte wirken. Man taucht also in eine Welt ein, die man so zu denken hat, wie man die moralische denkt, die aber eine von vornherein durch ihre eigene Kraft reale ist.
[ 19 ] And when we elevate ourselves to the level of inspiration, the inspirations we carry within our consciousness will be such that we can again compare them to experiences that are similar to them and yet, at the same time, dissimilar; and these are moral experiences and the comprehension of moral ideas. The inspirations from the spiritual world are similar to moral ideas in that, when we experience these inspired mental images, we are doing qualitatively the same thing as when we allow moral ideas and ideals to be present in our consciousness. In terms of this qualitative aspect of inner experience, inspirations are also similar to the experience of moral ideals; but they are, in turn, entirely different in that the moral ideal we grasp lacks the inner activity to realize itself through its own power. Our moral ideal is, at first, powerless, impotent in the world. We must realize it through our physical personality. We must introduce it into the world indirectly through our physical personality. In and of itself, the moral ideal remains a mere thought. Inspiration is not like that. We bring it to fruition in such a way that it is qualitatively similar to the moral mental image, to the moral impulse; but by being embedded in the world, it proves itself to be a reality, a powerful force—that which acts just as natural forces act. One thus immerses oneself in a world that one must conceive of in the same way as one conceives of the moral world, but which is, from the outset, real by virtue of its own power.
[ 20 ] Und wenn man in der Inspiration so weit gekommen ist, daß man nun darinnensteht in einer geistig-seelischen Welt, daß einem die geistig-seelische Welt einen Inhalt gibt, dann ist zum vollen Erleben dieser geistig-seelischen Welt noch etwas notwendig. Dann muß man in diese geistig-seelische Welt etwas hineintragen, was eben durchaus nicht in unserer abstrakten Gedankenwelt ist. Man muß hineintragen die Hingabe an das Objekt. Man lernt doch eine Wesenheit oder eine Kraft in der geistig-seelischen Welt nicht voll kennen, wenn man nicht mit dem eigenen Wesen in Liebe ganz hinübergehen, ganz einströmen kann in das, was sich einem in der Inspiration darbietet. Die Inspiration ist gewissermaßen zunächst nur eine Offenbarung des Geistig-Seelischen. Das innere Wesen enthüllt sich einem, wenn man sich selber in liebevoller Hingabe in dasjenige ausgießt, wovon man inspiriert wird. Und indem man in dieser Weise, lebensvoll erhöht, die geistig-seelische Realität erlebt, ist man in der Intuition darinnen.
[ 20 ] And when one has progressed so far in inspiration that one now stands within a spiritual-soul world—that is, that the spiritual-soul world provides one with content—then something else is necessary to fully experience this spiritual-soul world. Then one must bring into this spiritual-soul world something that is by no means part of our abstract world of thought. One must bring into it devotion to the object. After all, one cannot fully come to know a being or a force in the spiritual-soul world unless one can, with one’s own being, cross over completely in love and flow entirely into what presents itself to one in inspiration. Inspiration is, in a sense, initially only a revelation of the spiritual-soul realm. The inner being reveals itself to one when one pours oneself, in loving devotion, into that from which one is inspired. And by experiencing the spiritual-soul reality in this way—elevated and full of life—one is intuitively within it.
[ 21 ] Das ist die intuitive Erkenntnis. Schatten von der Intuition sind ja auch schon im gewöhnlichen Leben vorhanden, und die Schatten der Intuition leben sich im religiösen Empfinden, im religiösen Fühlen aus. Dasjenige, was im religiösen Fühlen nur innerlich ist, ohne daß man in einer besonderen Welt darinnensteht, das ist in der geistigen Intuition voll erfüllt mit Realität. So daß die geistige Intuition ähnlich und wiederum ganz verschieden ist von dem bloß religiösen Empfinden. Das bloß religiöse Empfinden bleibt subjektiv. Bei der geistigen Intuition strömt das Innenwesen in die Objektivität hinüber, lebt in der geistig-seelischen Realität darinnen, so daß man sagen kann: Ähnlich und unähnlich dem religiösen Vorstellen ist die intuitive Art der übersinnlichen Erkenntnis.
[ 21 ] This is intuitive insight. Traces of intuition are, after all, already present in everyday life, and these traces of intuition find their full expression in religious sensibility and religious feeling. That which in religious feeling is purely internal—without one being immersed in a specific world—is fully realized in spiritual intuition. Thus, spiritual intuition is similar to, yet at the same time entirely different from, mere religious feeling. Mere religious feeling remains subjective. In spiritual intuition, the inner being flows over into objectivity, living within the spiritual-soul reality there, so that one can say: The intuitive mode of supersensible knowledge is both similar to and dissimilar from religious mental images.
[ 22 ] Will man also in einer gewissen Systematik diese Stufen der höheren Erkenntnis aneinanderreihen, so kann man sagen: Wir haben zuerst die im gewöhnlichen Leben stehende gegenständliche Erkenntnis; die ist naturalistisch. Wir kommen dann zu der Erkenntnis durch Imagination; die ist künstlerisch. Wir kommen dann zu der Erkenntnis durch Inspiration; die ist moralisch. Und wir kommen dann zu der Erkenntnis durch Intuition; die ist religiös, in dem Sinne also, wie ich das charakterisiert habe.
[ 22 ] If, then, one wishes to arrange these stages of higher knowledge in a certain systematic order, one can say: First, we have the concrete knowledge found in everyday life; this is naturalistic. We then move on to knowledge gained through imagination; this is artistic. We then move on to knowledge gained through inspiration; this is moral. And we then move on to knowledge gained through intuition; this is religious, in the sense that I have characterized it.
[ 23 ] Sie sehen: das, was da in Wirklichkeit zu ergreifen ist durch kunstähnliche Vorstellungen, moralähnliche, religionsähnliche Vorstellungen, das wirkt ja im Menschen, das ist in ihm darinnen. Es entzieht sich nur dem gewöhnlichen Bewußtsein. Daher kann man gerade dadurch, daß man diese Erlebnisse des übersinnlichen Bewußtseins kennenlernt, den vollen Menschen auffassen. Insbesondere, da ja dasjenige, was aus der geistigen Welt sich in die physische Welt hereinlebt, im Kinde mächtig wirkt, kann man gerade die kindliche Natur kennenlernen, wenn man die höheren Glieder der menschlichen Wesenheit kennt: dasjenige, was durch Imagination, durch Inspiration, durch Intuition am Menschen erkennbar ist. Aber man muß sich in das richtige Verhältnis zu dem versetzen, wie dieses Übersinnliche zu dem Physisch-Leiblichen steht.
[ 23 ] You see: what can actually be grasped there through art-like, moral-like, and religious-like mental images—that is what has an effect on the human being; it is within him. It simply eludes ordinary consciousness. Therefore, it is precisely by becoming acquainted with these experiences of supersensible consciousness that one can grasp the whole human being. In particular, since what flows from the spiritual world into the physical world exerts a powerful influence on the child, one can come to know the child’s nature precisely by understanding the higher aspects of the human being: that which is recognizable in human beings through imagination, inspiration, and intuition. But one must place oneself in the proper relationship to how this supersensible realm relates to the physical-bodily realm.
[ 24 ] Man kann das an dem Beispiel des Gedächtnisses, der Erinnerung, ganz besonders gut. Die Erinnerung ergreift ja in ihrer Tätigkeit durchaus das Leiblich-Physische. Der Leib, der Körper ist an unserer Erinnerungstätigkeit beteiligt. Das kann schon durch die ganz gewöhnliche Erfahrung nachgewiesen werden. Wenn wir heute eine Rolle oder ein Gedicht lernen, und es will durchaus nicht recht in uns hinein und wir schlafen dann eine Nacht darüber, dann geht es am nächsten Tage schnell, kommt wie von selbst. Der Leib hat sich durch seine Regeneration zubereitet, die Arbeit auszuführen, die eben als eine leibliche im Erinnern ausgeführt werden muß.
[ 24 ] This can be seen particularly well in the example of memory. Memory, in its functioning, certainly involves the physical body. The body is involved in our act of remembering. This can be demonstrated simply through everyday experience. If we try to learn a role or a poem today, and it just won’t quite sink in, and we then sleep on it for a night, the next day it comes quickly, as if by itself. Through its regeneration, the body has prepared itself to carry out the work that, in the process of remembering, must be performed as a physical act.
[ 25 ] Aber auch sonst kann man ja durch unsere gewöhnliche Anatomie, Physiologie wirklich im einzelnen nachweisen, wie gewisse Provinzen des Nervensystems gelähmt, abgetrennt sein können, und wie dadurch auch gewisse Provinzen des Gedächtnisses auslöschen. Kurz, man kann durchaus die Gebundenheit des Gedächtnisses an die leibliche Organisation durchschauen. Der Leib übt eine Tätigkeit aus, wenn Gedächtnistätigkeit ausgeübt wird. Diese Gedächtnistätigkeit aber, diese Erinnerungsfähigkeit ist nun, wie schon daraus hervorgeht, durchaus verschieden von dem, was da in Imagination, in Inspiration, im höheren Bewußtsein erlebt wird; denn das ist unabhängig von der Leiblichkeit. Das darf nicht in die Leiblichkeit eingreifen, was da übersinnlich erlebt wird. Und das zeigt sich bei diesen Erlebnissen auch: sie können nämlich nicht in der gewöhnlichen Weise erinnert werden, sie prägen sich der gewöhnlichen Erinnerung nicht ein.
[ 25 ] But even beyond that, our basic knowledge of anatomy and physiology allows us to demonstrate in detail how certain regions of the nervous system can be paralyzed or severed, and how this can also lead to the loss of certain regions of memory. In short, one can certainly see through the bond between memory and the physical organism. The body is active when the activity of memory is exercised. This activity of memory, however—this capacity for recollection—is, as is already evident from this, entirely different from what is experienced in imagination, in inspiration, or in higher consciousness; for that is independent of the physical body. What is experienced supersensually must not interfere with physicality. And this is also evident in these experiences: namely, they cannot be recalled in the usual way; they do not imprint themselves on ordinary memory.
[ 26 ] Bei demjenigen, der auf anthroposophische Weise forscht, muß immer die gewöhnliche Erinnerung an die sonstigen Erlebnisse ganz nebenherlaufen; sie muß intakt sein. Er muß gewissermaßen diese zweite Persönlichkeit, die er im alltäglichen Leben ist, immer neben sich haben. Aber er weiß ganz gut: er lebt außerdem in den übersinnlichen Erkenntnissen, und die prägen sich der gewöhnlichen Erinnerung gar nicht ein. Geradesowenig wie Sie einen Fisch, den Sie anschauen, seiner Wirklichkeit nach in der Erinnerung mittragen: Sie tragen ihn bildlich in sich; Sie müssen zum Fisch wieder zurückgehen, wenn Sie ihn als Wahrnehmung haben wollen. Mit den übersinnlich..n Erlebnissen hat man Wahrnehmungen, nicht Vorstellungen, daher muß man immer wieder zu ihnen zurückkehren. Man kann sich aber an das erinnern, wie man es gemacht hat, daß man zu der übersinnlichen Anschauung gekommen ist. Wenn man das wieder macht, dann taucht sie wieder auf, aber passiv; in der Erinnerung wirkt sie nicht fort. Sie ist daher nur in der Aktivität wiederum zu erreichen. Dieses der Erinnerung Entrücktsein, das ist ein besonderes Kennzeichen dessen, was übersinnliche Erkenntnisse sind. Man kann sie wieder haben, aber man muß sie eben erst wiederum auf dieselbe Weise herbeiführen, wie man sie das erste Mal herbeigeführt hat. An den Weg, wie man sie herbeigeführt hat, kann man sich erinnern, aber nicht einfach an das übersinnliche Erlebnis.
[ 26 ] For those who conduct research in an anthroposophical manner, ordinary memory of other experiences must always run parallel; it must remain intact. In a sense, they must always have this second personality—the one they are in everyday life—beside them. But they know full well: they also live within supersensible insights, and these do not imprint themselves on ordinary memory at all. Just as you do not carry the reality of a fish you are looking at in your memory: you carry it figuratively within you; you must return to the fish if you want to perceive it. With supersensory experiences, one has perceptions, not mental images; therefore, one must return to them again and again. One can, however, remember how one went about arriving at the supersensory perception. If one does that again, it resurfaces, but passively; it does not continue to have an effect in memory. It can therefore only be attained again through active engagement. This detachment from memory is a distinctive characteristic of what supersensible insights are. One can have them again, but one must first bring them about in the same way as one did the first time. One can remember the path by which one brought them about, but not simply the supersensible experience itself.
[ 27 ] Gerade dadurch zeigt sich, wie das übersinnliche Erlebnis etwas anderes ist als dasjenige, was in dem gewöhnlichen Erleben beschlossen wird. Dabei ist durchaus immer festzuhalten, daß die gesunde menschliche Erinnerungskraft allem richtigen übersinnlichen Erleben parallel gehen muß. Derjenige, der in übersinnlichen Erlebnissen den gewöhnlichen Strom seiner Erinnerungen verlieren würde, der würde seine ganze Persönlichkeit in das übersinnliche Erleben hineingießen. Er wäre kein anthroposophischer Forscher, er wäre ein Halluzinant, der ganz in seinen Visionen, in seinen Bildern, in seinen Halluzinationen lebt.
[ 27 ] This is precisely what shows how the supersensory experience differs from what is contained within ordinary experience. It must always be borne in mind that a healthy human memory must run parallel to all genuine supersensory experience. Anyone who were to lose the ordinary flow of their memories in supersensible experiences would pour their entire personality into those experiences. They would not be an anthroposophical researcher; they would be a hallucinator who lives entirely within their visions, their images, and their hallucinations.
[ 28 ] Das ist es aber gerade, auf was es ankommt, daß alles bloß Halluzinatorische ausgeschlossen ist, daß alles im Übersinnlichen Erlebte neben dem steht, was der gesunde Standort der Seele sonst im Leben ist. Dieses muß durchaus festgehalten werden, wenn man die übersinnliche Erkenntnis in der richtigen Weise beurteilen will. Wer einwendet, es könnten die Imaginationen und Inspirationen, die in der Anthroposophie gegeben werden, auch nur Halluzinationen sein, wer das sagt, kennt eben die charakteristischen Eigentümlichkeiten des anthroposophischen Weges noch nicht, und redet dann von dem, was er nicht kennt.
[ 28 ] But that is precisely what matters: that everything merely hallucinatory is ruled out, that everything experienced in the supersensible realm stands alongside what is otherwise the healthy state of the soul in life. This must be firmly upheld if one is to judge supersensible knowledge in the proper way. Anyone who objects that the imaginations and inspirations presented in anthroposophy might simply be hallucinations—anyone who says this—simply does not yet know the characteristic features of the anthroposophical path and is therefore speaking about what they do not know.
[ 29 ] Diese Beziehung von einem Übersinnlichen zu dem Gedächtnis zu durchschauen ist wichtig. Denn, sehen Sie, das alles sind Realitäten im Menschenleben. Dieses Übersinnliche, das wir durch Imagination, Inspiration vor unsere Seele hinstellen, das ist ja vorhanden. Wir rufen es nur in unser Bewußtsein herein. Dasjenige aber, was Erinnerung ist, daran arbeiten wir nicht allein aktiv, sondern da arbeitet unser Unbewußtes mit. Dasjenige also, was wir in der Imagination erleben, bleibt in der geistigen Welt, tritt gewissermaßen nur an den Menschen heran, vereinigt sich mit ihm; dasjenige, was Erinnerung wird, strömt in ihn unter, ergreift die physische Organisation und veranlaßt die physische Organisation zu einer Mittätigkeit. Es dringt hinunter in die physische Organisation. Man kann gerade an dem Vergleich des Imaginativen mit der Erinnerung genau den Unterschied merken zwischen dem, was verleiblicht und dem, was fortdauernd, auch zwischen Geburt und Tod, als Übersinnliches in uns lebt, was sich aber dem gewöhnlichen Bewußtsein entzieht und daher durch anthroposophische Forschung enthüllt werden muß.
[ 29 ] It is important to understand this relationship between the supersensible and memory. For, you see, these are all realities in human life. This supersensible realm, which we bring before our soul through imagination and inspiration, does indeed exist. We merely call it into our consciousness. But when it comes to memory, we do not work on it actively alone; our unconscious mind is also at work there. Thus, what we experience in imagination remains in the spiritual world; it, so to speak, merely approaches the human being and unites with him; what becomes memory, however, flows into him, takes hold of the physical organism, and prompts the physical organism to participate actively. It penetrates down into the physical organism. It is precisely through the comparison of the imaginative with memory that one can clearly discern the difference between what is embodied and what lives on within us as the supersensible—even between birth and death—but which eludes ordinary consciousness and must therefore be revealed through anthroposophical research.
[ 30 ] Gerade wenn man sich in dieses Zusammenwirken hineinvertieft des nur im Übersinnlichen zu erlebenden Menschenwesens mit dem leiblich-physischen Menschen, lernt man ja erst den vollen, ganzen Menschen kennen, und man lernt an dem Sich-Hineinleben in das, was übersinnliche Erkenntnis enthüllt, auch das Kind, den werdenden Menschen so kennen, daß man ihn wirklich durch Erziehungs- und Unterrichtskunst entsprechend behandeln kann. Gerade an einem solchen konkreten Beispiel wie der Beziehung der übersinnlichen Wesenheit zu dem, was im Gedächtnis, was in der Erinnerung wirkt, kann man manches anschaulich machen.
[ 30 ] It is precisely when one delves into this interplay between the human being—who can be experienced only in the supersensible realm—and the physical human being that one truly comes to know the full, whole human being, and by immersing oneself in what supersensible knowledge reveals, one also comes to know the child—the human being in the making—in such a way that one can truly treat the child appropriately through the art of education and instruction. It is precisely through a concrete example such as the relationship between the supersensible being and what is at work in memory and recollection that one can illustrate many things.
[ 31 ] Nehmen wir einmal an, man hätte in irgendeiner Schulklasse ein Kind, das man von einem gewissen Punkte an zu unterrichten beginnt. Man geht zunächst in einer allgemeineren Weise vor und glaubt, das Richtige zu tun. Man merkt aber von einem gewissen Momente ab, daß ein bestimmtes, individuelles Kind immer blasser und blasser wird. Es braucht nicht gleich eine ganz robust auffallende Blässe zu sein, sondern es kann eine solche Blaßheit vielleicht eben nur für denjenigen bemerkbar sein, der sich für solches Bemerken besonders eingeschult hat. Aber das muß ja durchaus bei dem Lehrer und Erzieher sein, daß er sich auf ein feineres Bemerken und Beobachten des Lebens einstellt.
[ 31 ] Let’s suppose there is a child in some school class whom we begin to teach at a certain point. At first, we proceed in a more general way and believe we are doing the right thing. But from a certain point on, we notice that a particular, individual child is becoming paler and paler. It need not be a strikingly obvious pallor; rather, such pallor may be noticeable only to someone who has specifically trained themselves to observe such things. But it is absolutely essential for the teacher and educator to attune themselves to a more subtle perception and observation of life.
[ 32 ] Nun, selbstverständlich sind solche Dinge, wie ich sie jetzt charakterisieren werde, von dem allermannigfaltigsten abhängig; aber derjenige, der eben gerade durch die Erkenntnis des anthroposophisch-übersinnlichen Weges sich auch in Menschenerkenntnis hineinfindet, wird als Lehrer, als Erzieher durch diese lebensvolle Erkenntnis des Menschenwesens, vertiefend, steigernd auf seine ganz natürlich elementaren Erziehungs- und Unterrichtsinstinkte wirken. Eine Pädagogik und Didaktik, die ihre Regeln in abstrakte Gesetze faßt, ist eigentlich für den praktischen Erzieher und Unterrichter wirklich etwas, was ihn allmählich in eine Lebenssituation bringt, wie wenn er sich fortwährend selber auf die Füße treten würde und dabei gehen wollte; sie bringt einen um alle Unbefangenheit. Wenn man immer nachdenken sollte: Wie soll eigentlich erzogen werden? Welche Regeln schreibt Pädagogik und Didaktik vor? - dann verliert man eben die Unbefangenheit, dann verliert man das Berechtigte des Instinktiven. Nicht so wirkt eine Pädagogik und Didaktik, die auf anthroposophischer Grundlage erbaut ist; die zieht sich viel intimer in das ganze menschliche Leben hinein, und es werden einem nicht die elementaren Erziehungsinstinkte untergraben, sondern sie werden gerade angefeuert, belebt, durchwärmt, erkrafet. Man verliert nicht die Unbefangenheit, sondern man vertieft, man belebt sie. Das ist dasjenige, was anthroposophische Pädagogik und Didaktik für den Lehrer, für den Erzieher anstrebt. Daher mögen noch so sehr, wie im Leben alles mannigfaltig ist, die Verhältnisse mannigfaltig sein: wenn man ein solches blaßwerdendes Kind vor sich hat wenn es aus anderen Gründen, als die ich jetzt anführe, blaß geworden ist, wird das der Lehrer, der Erzieher aus seinem naturgemäßen Instinkte heraus schon bemerken, aber es kann durchaus der Fall eintreten, den ich jetzt charakterisiere -, ein Kind wird immer blasser und blasser. Berücksichtige ich dann alles aus den pädagogischen Instinkten heraus, die durch anthroposophische Einsicht vertieft sind, so werde ich vielleicht darauf kommen: dieses Kind habe ich mit Erinnerungsstoff, mit Gedächtnisstoff überfüttert; ich habe seinem Gedächtnisse, seiner Erinnerung zuviel zugemutet.
[ 32 ] Well, of course, such things—as I am about to describe them—depend on a wide variety of factors; but the one who, precisely through the knowledge of the anthroposophical, supersensible path, also finds his way into an understanding of human nature will, as a teacher and educator, through this living knowledge of the human being, have a deepening and enhancing effect on his entirely natural, elementary instincts for education and instruction. A pedagogy and didactics that cast their rules into abstract laws is, in reality, something that gradually leads the practical educator and teacher into a life situation as if he were constantly stepping on his own feet while trying to walk; it robs one of all spontaneity. If one were always to ask oneself: How, exactly, should one educate? What rules do pedagogy and didactics prescribe?”—then one simply loses that natural ease; one loses the legitimacy of what is instinctive. This is not the effect of a pedagogy and didactics built on an anthroposophical foundation; it draws much more intimately into the whole of human life, and one’s elementary educational instincts are not undermined, but rather are stirred, enlivened, warmed, and strengthened. One does not lose one’s natural spontaneity, but rather deepens and enlivens it. This is precisely what anthroposophical pedagogy and didactics strive to achieve for the teacher and the educator. Therefore, no matter how varied life may be, and no matter how varied the circumstances may be: if one has such a pale child before one—if the child has turned pale for reasons other than those I am now citing—the teacher or educator will already notice this out of their natural instinct; but the situation I am now describing may very well arise—a child becomes paler and paler. If I then take everything into account based on my pedagogical instincts, which are deepened by anthroposophical insight, I may come to the conclusion: I have overloaded this child with material for memory; I have demanded too much of his memory.
[ 33 ] Sehen Sie, darum ist es der Anthroposophie zu tun, dieses Ineinanderwirken von Seelisch-Geistigem und Physisch-Leiblichem vor die Aufmerksamkeit hinzustellen. Nicht in irgendeiner Weise dem Menschen bloß eine Kunde von dem Geistigen bringen will Anthroposophie, sondern das lebendige Wirken des Geistigen auch im Materiellen verstehen können, das will sie. Und das allein kann ja lebenspraktisch machen; das allein kann den Menschen stark hereinstellen in die Welt, in der er schon einmal seine Aufgabe zu erfüllen hat.
[ 33 ] You see, this is what anthroposophy is all about: bringing this interplay between the soul-spiritual and the physical-bodily into focus. Anthroposophy does not seek merely to convey information about the spiritual to human beings in any way; rather, it seeks to enable them to understand the living activity of the spiritual within the material world. And that alone can make life practical; that alone can firmly ground human beings in the world in which they are called upon to fulfill their task.
[ 34 ] Nun wird man bemerken können, wenn so etwas nicht zur rechten Zeit erfaßt wird, daß man ein Kind durch Überwiegen des Gedächtnisstoffes blaß gemacht hat, daß sich das dann steigert. Wenn man fortfährt, das Kind mit Gedächtnisstoff zu überfüttern, wird die nächste Stufe dann eine Seelenoffenbarung sein: das Kind wird zu allerlei Angstlichkeiten, zu Angst- und Furchtzuständen kommen. Auch diese brauchen wiederum nicht robust für eine oberflächliche Beobachtung hervorzutreten, sondern eben nur für das feinere Beobachten, das sich der Erziehungs- und Unterrichtskünstler eben aneignen muß. Und die letzte Stufe, wenn man fortfährt, aus irgendwelchen theoretischen Vorurteilen heraus immer mehr und mehr Gedächtnisstoff in das Kind hineinzustopfen, sind Wachstumsstörungen. Das Kind bleibt auf irgendeine Weise sogar im Wachstum zurück.
[ 34 ] One will then be able to observe that, if such a thing is not recognized in time, a child has been made pale by an excess of memory material, and that this condition will then intensify. If one continues to overfeed the child with rote material, the next stage will be a revelation of the soul: the child will develop all sorts of anxieties and states of fear and dread. These, too, need not necessarily be obvious to superficial observation, but only to the more subtle observation that the skilled educator and teacher must cultivate. And the final stage, if one continues—based on some theoretical prejudices—to cram more and more material into the child’s memory, is growth disorders. The child will, in some way, actually lag behind in growth.
[ 35 ] Da sieht man das Ineinanderwirken von Geistig-Seelischem und Physisch-Leiblichem. Da lernt man einsehen, wie notwendig es ist für den Unterrichts- und Erziehungskünstler, eine Vorstellung zu gewinnen, wie die menschlichen Neigungen zum Gesunden und zum Kranken zu behandeln sind. Die groben Krankheitsfälle werden natürlich dem Arzt überlassen bleiben, aber man hat es in der Erziehung fortwährend mit einem Ausleben der feineren Neigungen zur Gesundung und zur Erkrankung zu tun. Die müssen durchaus dem Bewußtsein des Lehrenden, des Erziehenden immer gegenwärtig, immer zugänglich sein. Immer muß der Lehrende, der Erziehende wissen, wie die menschliche Natur durch ihre Totalität dahin neigt, durch dies zur Gesundheit zu kommen, durch jenes zum Erkranken; wie Krankheitsursachen entstehen zum Beispiel in dem Falle, den ich Ihnen jetzt angeführt habe. Durch ein so geartetes Bewußtsein wird man es dahin bringen, in der richtigen Weise einzuhalten mit der Überfütterung des Gedächtnisses und in anderer Weise an das Kind heranzutreten. Und man wird sehen, das Kind wird wiederum eine gesundere Lebensfarbe bekommen, wenn man in der Folgezeit nicht zu stark an seine Erinnerung appelliert, sondern mehr an dasjenige, was erlebt wird. Sagen wir, man führt ihm an dem einen Tag etwas Schönes vor, an dem es eine unmittelbare Freude hat, und am nächsten Tag etwas anderes Schönes oder das frühere in einer Variante. Man appelliert also in der nächsten Zeit nicht an sein Erinnerungsvermögen.
[ 35 ] Here one sees the interplay between the spiritual-soul and the physical-bodily. Here one comes to understand how essential it is for the master of teaching and education to gain a mental image of how to address human tendencies toward health and illness. Severe cases of illness will, of course, be left to the physician, but in education one is constantly dealing with the manifestation of the more subtle inclinations toward health and toward illness. These must always be present in the consciousness of the teacher and the educator, always accessible to them. The teacher and educator must always know how human nature, in its totality, tends toward health through one thing and toward illness through another; how causes of illness arise, for example, in the case I have just cited. Through this kind of awareness, one will be able to refrain in the right way from overloading the child’s memory and approach the child in a different manner. And one will see that the child will, in turn, take on a healthier vitality if, in the time that follows, one does not appeal too strongly to the child’s memory but rather to what is actually being experienced. Let’s say, for example, that one day you show the child something beautiful that brings them immediate joy, and the next day something else beautiful or a variation on the previous one. In the days that follow, you do not appeal to their memory.
[ 36 ] Oder man habe einen Knaben vor sich, den man wiederum von einem gewissen Punkte an unterrichtet hat. Der zeigt für ein feineres Bemerken nach einiger Zeit, daß er leise errötet. Nicht Schamröte kommt ihm, sondern ein mit seinen ganzen Gesundheitsverhältnissen zusammenhängendes Erröten kann man bemerken. Das braucht nicht robust aufzutreten, sondern in intimer Beobachtung enthüllt sich: der Knabe ist einfach jetzt von rötlicherer Hautfarbe, als er sie vorher gehabt hat. Natürlich können wieder alle möglichen Veranlassungen dazu da sein; aber das wird sich ja für eine gesunde Erziehungs- und Unterrichtskunst im einzelnen herausstellen. Aber es kann der Fall vorliegen, daß ich gerade diesem Knaben in bezug auf das Erinnerungsvermögen zuwenig zugemutet habe, daß ich zuwenig appelliert habe an sein Erinnerungsvermögen. Dadurch ist er zum Erröten gekommen, und ich muß das nach einer anderen Seite ausbessern, indem ich nun anfange, seine Erinnerungsfähigkeit in Anspruch zu nehmen. Und wieder gibt es eine Steigerung desjenigen, was einem da entgegentritt im, ich möchte sagen, milden Erröten. Das nächste ist nämlich ein Seelisches: der Knabe bekommt leise, aber als Anlage schon bedeutende Zornanwandlungen, Wutanwandlungen. Es ist durchaus ein Zusammenhang möglich, daß aus einem Leerbleiben der Erinnerungsfähigkeit ein Kind zu Zornanwandlungen, zu krankhaften leisen Wutausbrüchen kommt, die wiederum in schädlicher Weise auf den Organismus zurückwirken; denn das Geistig-Seelische ist beim Menschen zwischen der Geburt und dem Tode fortwährend in Wechselwirkung mit dem Physisch-Leiblichen. Und die höchste Steigerung, die dadurch kommen kann, ist diese, daß das betreffende Kind zu einer Steigerung, zu einem Unregelmäßigwerden seiner Atmung, seiner Blutzirkulation kommt. Ich kann sogar nach dieser Richtung hin ganz schlimme Anlagen in das Kind versetzen, wenn ich mich nicht zurechtfinde in dem, was sich da zunächst im Rötlicherwerden der Hautfarbe, nachher in den leisen Zorn- und Wutanwandlungen, und dann in einem leise gesteigerten Atmungs- und Zirkulationsprozesse ausdrückt. - Manche Anlagen, die in dem Menschen stecken und erst nach Jahren, wenn andere auslösende Ursachen da sind, vielleicht zu sehr schweren Krankheitsfällen führen, die haben ihren Grund in den Vornahmen einer verfehlten Erziehungs- und Unterrichtskunst.
[ 36 ] Or suppose one is dealing with a boy whom one has been teaching from a certain point onward. After some time, upon closer observation, one notices that he blushes slightly. It is not a blush of shame that appears on his face, but rather a blush related to his overall state of health. This need not be obvious; rather, it reveals itself upon close observation: the boy’s skin tone is simply more reddish now than it was before. Of course, there may be all sorts of reasons for this; but a healthy approach to education and instruction will determine the specifics. But it may be the case that I have demanded too little of this particular boy in terms of his memory, that I have not appealed sufficiently to his memory. This has caused him to blush, and I must correct this by taking a different approach, beginning now to make use of his memory. And once again, there is an intensification of what we encounter here in—I would say—a mild blushing. The next development is, in fact, of a psychological nature: the boy begins to experience mild, yet already significant—in terms of their potential—outbursts of anger and rage. It is entirely possible that a lack of memory capacity could lead a child to outbursts of anger—to pathological, subtle fits of rage—which in turn have a harmful effect on the organism; for in human beings, between birth and death, the spiritual-psychic realm is in constant interaction with the physical-bodily realm. And the most extreme consequence that can result from this is that the child in question experiences an intensification—an irregularity—in their breathing and blood circulation. I can even instill very serious predispositions in the child in this regard if I fail to recognize what is initially expressed in the reddening of the skin, subsequently in the subtle shifts of anger and rage, and then in a slightly accelerated respiratory and circulatory process. - Some predispositions inherent in human beings—which may only lead to very serious illnesses years later when other triggering factors are present—have their roots in the practices of flawed methods of upbringing and education.
[ 37 ] So muß derjenige, der Erzieher und Unterrichtskünstler sein will, durchaus eine Erkenntnis davon haben, wie die Wege der menschlichen Natur sind zur Gesundung hin oder zum Krankwerden, zum Bekommen von Krankheitsanlagen. Wie gesagt, die extremen Fälle mögen dem Arzte gehören, aber im Entwickeln des Menschen werden fortwährend die Wege zur Gesundungs-, zur Krankheitsanlage betreten. Die muß der Erziehungs-, der Unterrichtskünstler kennen. Er muß sie sogar in ihrer feineren Manifestation beobachten können. Das sind Dinge, die in allererster Linie der Erziehende, der Unterrichtende vom Gesund- und Krankwerden des Menschen wissen muß.
[ 37 ] Thus, anyone who wishes to be an educator and a master of teaching must have a thorough understanding of the ways in which human nature leads toward health or toward illness, and toward the development of predispositions to disease. As mentioned, extreme cases may be the domain of the physician, but in human development, the paths leading to health or to a predisposition to illness are constantly being traversed. The educator and teaching artist must be familiar with these. He must even be able to observe them in their subtlest manifestations. These are things that, first and foremost, the educator and teacher must know about the processes by which human beings become healthy or ill.
[ 38 ] Um das noch anschaulicher zu machen, werde ich ein drastisches Beispiel gebrauchen, das ja anfechtbar ist, aber im Leben kann ja alles die mannigfaltigste Gestalt annehmen. Daher kann auch dasjenige, was ich anführe, in anderen Fällen selbstverständlich wiederum von ganz anderem kommen. Man gewöhnt sich daran, wenn man sich in anthroposophische Pädagogik und Didaktik hineinlebt, für dasjenige, was auftritt, eben die mannigfaltigsten Ursachen zu suchen; aber der Zusammenhang kann durchaus der folgende sein, den ich jetzt darstellen will.
[ 38 ] To illustrate this even more clearly, I will use a drastic example—one that is, of course, open to debate—but in real life, everything can take on the most varied forms. Therefore, what I cite here may, of course, stem from entirely different causes in other cases. As one immerses oneself in anthroposophical pedagogy and didactics, one becomes accustomed to seeking the most diverse causes for whatever arises; but the connection can certainly be the one I now wish to describe.
[ 39 ] Nehmen wir einmal an, ein Knabe oder ein Mädchen sitzt da in der Klasse. Es war lange Zeit hindurch ganz normal aufmerksam, ich war mit seiner Aufmerksamkeit durchaus zufrieden. Nun fängt es an, so leise blasiert zu werden, nicht mehr genügend aufmerksam zu sein. Gewisse Dinge, die ich vorbringe, gehen an ihm vorüber. Vielleicht kann es dann vorkommen, daß ein nicht geschulter Erziehungskünstler, je nach seiner Weltanschauung, zum Prügeln greift oder zu einer anderen Strafe, um das Kind wieder aufmerksamer zu machen. Derjenige, der mit dem Zusammenhange zwischen dem Geistig-Seelischen und dem Leiblich-Physischen des Menschen in bezug auf die Wege von Gesundheit und Krankheit bekannt ist, wird zu etwas ganz anderem greifen. Er wird dem Jungen oder dem Mädchen sagen: Du mußt dir zur rechten Zeit die Fingernägel oder die Fußnägel schneiden; du wartest zulange, bis du dir die Finger- oder die Fußnägel abschneidest. — Denn dasjenige, was sich da als Wachstumskraft äußert, in das menschliche Werden übergeht, in das Wachsen der Fingernägel und der Fußnägel, das ist ja auch durchseelt, durchgeistet. Und wenn die Fingernägel oder die Fußnägel zu lang werden, dann staut sich diese Wachstumskraft, dann kann diese Wachstumskraft sich nicht in die Finger- und in die Fußnägel hinein ergießen, wird zurückgehalten. Und dieses Stauen des Wachstums, das erst wiederum frei wird, wenn man die Nägel abschneidet, wenn also wiederum die freie kleine Oberfläche daliegt, dieses Stauen, das staut auch auf der anderen Seite das Geistig-Seelische der Aufmerksamkeit zurück. Denn die Aufmerksamkeit kann sich nur bei einem vollen, freien, ungehemmten Leben, das durch den Organismus fließt, entwickeln. In den meisten Fällen wird man bei Kindern, die man dazu angeleitet hat, die Fingernägel und die Fußnägel in der richtigen Weise zu schneiden, solche Wandlungen, solche Metamorphosen in der Aufmerksamkeit eben nicht bemerken.
[ 39 ] Let’s suppose a boy or a girl is sitting there in class. For a long time, he or she was paying attention quite normally, and I was thoroughly satisfied with his or her attention. Now he or she begins to act a little aloof, no longer paying enough attention. Certain things I bring up go right over his or her head. It may then happen that an untrained educator, depending on his or her worldview, resorts to corporal punishment or some other form of discipline in order to make the child more attentive again. Someone who is familiar with the connection between the spiritual-soul aspects and the physical-bodily aspects of the human being—in relation to the paths of health and illness—will resort to something entirely different. He will say to the boy or girl: “You must cut your fingernails or toenails at the right time; you wait too long before cutting your fingernails or toenails.” — For what manifests there as a growth force, which flows into human development and into the growth of fingernails and toenails, is also imbued with soul and spirit. And when the fingernails or toenails grow too long, this growth force becomes blocked; it cannot flow freely into the fingernails and toenails but is held back. And this stagnation of growth—which is only released again when one cuts the nails, when the free little surface is once more exposed—this stagnation also holds back, on the other side, the spiritual-soul aspect of attention. For attention can develop only in a full, free, uninhibited life that flows through the organism. In most cases, one will not notice such changes, such metamorphoses in attention, in children who have been taught to cut their fingernails and toenails properly.
[ 40 ] Ich führe ein solches Beispiel nur an, damit Sie sehen, daß anthroposophische Pädagogik und Didaktik nicht darauf ausgeht, das Physische zu vernachlässigen und nur in das Nebulos-Geistige hinaufzusteigen, sondern daß gerade das Geistige ins Auge gefaßt wird, um das Leben in der richtigen Weise zu verstehen und zu behandeln.
[ 40 ] I cite this example only to show you that anthroposophical pedagogy and didactics do not aim to neglect the physical and ascend solely into the nebulous spiritual realm, but rather that the spiritual is taken into account precisely in order to understand and approach life in the right way.
[ 41 ] So wird der Lehrende, der Erziehende dadurch, daß er sich in dieser Weise in die menschliche Natur erkennend hineinversetzen lernt, gerade in bezug auf die Wege des Menschen zur Gesundheit, zur Krankheit für seinen Beruf auf das Richtige kommen.
[ 41 ] Thus, by learning to empathize with human nature in this way, the teacher and educator will find the right path for their profession, particularly with regard to the ways in which human beings attain health and fall ill.
