Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Healthy Development of the Human Being
An Introduction to Anthroposophical Education and Didactics
GA 303

6 January 1922, Dornach

[ ] Translate the original German text into any language:

Versions Available:

The Healthy Development of the Human Being, tr. SOL
  1. Die gesunde Entwickelung des Menschenwesens

Fünfzehnter Vortrag

Fifteenth Lecture

[ 1 ] Was ich heute vorzubringen haben werde, wird sich im wesentlichen auf die physische Entwickelung, auf die physische Erziehung des Kindes beziehen. Es wird ja in der Natur der Sache liegen, daß diese heutigen Betrachtungen aus verschiedenen Gründen heraus aphoristisch gestaltet sein werden. Der Hauptgrund ist ja der, daß auf dem Gebiete der physischen Entwickelung des Menschen gerade in der Gegenwart am meisten das vorherrscht, was nur aus der Persönlichkeit des Menschen heraus geltend gemacht wird. In bezug auf physische Entwickelung hat jeder Mensch seine Sympathien und Antipathien, und aus diesen Sympathien und Antipathien heraus entwickelt er dann seine Theorien, und gerade dasjenige, was aus Sympathien und Antipathien geltend gemacht wird und was am meisten den Charakter des Fanatismus gewinnt, das ist schließlich auch dasjenige, was am fernsten liegen muß, zunächst wenigstens, der Wirksamkeit der anthroposophischen Bewegung. Diese muß einmal so geartet sein, daß sie ganz weit entfernt ist von allem Fanatismus, daß sie durchaus nicht darauf ausgeht, für das einzelne zu agitieren, sondern einfach darauf aufmerksam macht, wie das eine oder das andere im Leben wirkt, und es dann dem Menschen selbst überläßt, seine Sympathien und Antipathien an die Sache zu knüpfen.

[ 1 ] What I have to say today will essentially concern the physical development and physical education of the child. It is, of course, in the nature of things that today’s reflections will take the form of aphorisms for various reasons. The main reason is that, in the field of human physical development, what currently predominates most is precisely that which is asserted solely on the basis of one’s own personality. When it comes to physical development, every person has their own likes and dislikes, and based on these likes and dislikes, they then develop their theories; and precisely what is asserted on the basis of likes and dislikes—and what most takes on the character of fanaticism—is ultimately also what must be furthest removed, at least initially, from the work of the anthroposophical movement. This movement must be of such a nature that it is far removed from all fanaticism, that it by no means aims to agitate for any particular cause, but simply draws attention to how one thing or another works in life, and then leaves it up to the individual to attach his or her own sympathies and antipathies to the matter.

[ 2 ] Was wird heute für eine Summe von Fanatismus aufgebracht von Vegetariern für, oder von denjenigen, die nicht Vegetarier sind, gegen den Vegetarismus. Man ruft alle möglichen Instanzen der Wissenschaft pro und kontra auf einem solchen Gebiete auf. Man muß aber auch sagen: eigentlich hat niemals gerade der Dilertantismus so geblüht wie bei der heutigen Verteidigung von solchen Dingen. Es ist schon einmal so, daß Anthroposophie nicht die geringste Anlage in sich trägt, nach der einen oder anderen Richtung hin fanatisch zu werden. Sie kann also keine Partei nehmen für die Menschen, die nun etwa, weil sie Vegetarier geworden sind, für diesen Vegetarismus mit einem solchen Fanatismus eintreten, daß sie ihn jedem anderen Menschen aufprägen, aufreden möchten, und eigentlich jeden Menschen, der nicht Vegetarier ist, nicht mehr zur Menschheit im vollen Sinne des Wortes rechnen. Wenn auch zuweilen auf dem Gebiete der anthroposophischen Bewegung solche Fanatismen erblühen, so liegt es eben durchaus nicht im Wesen der Anthroposophie.

[ 2 ] What a tremendous amount of fanaticism is displayed today by vegetarians in favor of vegetarianism, or by those who are not vegetarians against it. People invoke all manner of scientific authorities, both for and against, in this field. But it must also be said: in fact, dilettantism has never flourished quite as much as it does in today’s defense of such matters. It is certainly true that anthroposophy does not possess the slightest tendency to become fanatical in one direction or another. It cannot, therefore, take sides with people who, for example, because they have become vegetarians, advocate for vegetarianism with such fanaticism that they seek to impose it on everyone else, persuade others to adopt it, and, in effect, no longer consider anyone who is not a vegetarian to be part of humanity in the full sense of the word. Even if such fanaticism occasionally flourishes within the anthroposophical movement, it is by no means inherent in the nature of anthroposophy.

[ 3 ] Nun handelt es sich gerade im Zusammenhang mit diesen Vorträgen auch noch um etwas anderes. Sie werden ja bemerkt haben, daß bei den Erziehungsprinzipien, die hier zur Darstellung gekommen sind, immer das Hauptaugenmerk darauf gelegt worden ist, daß alle seelischen und geistigen Maßnahmen auch so getroffen werden, daß das Leiblich-Physische des Menschen zu seiner naturgemäßen Entfaltung, Entwickelung kommt. So daß man wird sagen können: Es liegt hier ein Erziehungssystem vor, unter dessen Einfluß der Mensch, wenn nur alles richtig berücksichtigt wird, sich auch in gesundheitlicher Beziehung am allerbesten entwickeln wird. — Daher sind ja die allerwichtigsten Grundlagen für die physische Erziehung durchaus schon durch das bisher Gesagte gelegt. Man muß aber natürlich die physische Erziehung doch — wenn es auch wegen der Kürze der Zeit nur aphoristisch sein kann, sonst müßte man auch darüber einen ganzen Vortragszyklus halten — wenigstens zusammenfassend noch einmal vor die menschliche Seele hinstellen.

[ 3 ] Now, particularly in connection with these lectures, there is also another aspect to consider. You will have noticed that, in the educational principles presented here, the main emphasis has always been on ensuring that all psychological and spiritual measures are taken in such a way that the physical aspect of the human being can unfold and develop in accordance with its nature. So one can say: Here we have an educational system under whose influence the human being—provided everything is properly taken into account—will develop in the very best way possible, even in terms of health. — Therefore, the most important foundations for physical education have certainly already been laid by what has been said so far. Of course, one must still present physical education—even if, due to time constraints, it can only be done aphoristically (otherwise one would have to devote an entire lecture series to the topic)—at least in summary form, once more before the human soul.

[ 4 ] In bezug auf die physische Erziehung des Menschen kommt ja vor allen Dingen die Ernährungsweise in Betracht, die Art und Weise, wie wir das Kind in die Wärmeverhältnisse, in die Kälteverhältnisse der Umgebung hineinstellen, und in welcher Weise wir die Bewegungstätigkeit an das Kind heranbringen. Unter diese drei Kategorien läßt sich eigentlich im Grunde genommen alles fassen, was für die körperliche Erziehung eine besondere Wichtigkeit hat.

[ 4 ] When it comes to a person’s physical education, the most important factors to consider are diet, the way we expose the child to the warm and cold conditions of the environment, and the way we introduce physical activity to the child. Essentially, these three categories encompass everything that is of particular importance for physical education.

[ 5 ] Nun ist es nicht möglich, mit Hilfe gerade der heutigen Erkenntnisart, die aus intellektualistischer Linie heraus verläuft, die Mannigfaltigkeit des Lebens so zu fassen, daß man aus diesen intellektualistischen Linien heraus die ungeheure Differenzierung des menschlichen Organismus wirklich treffen würde. Es ist schon notwendig, daß sich der Mensch trotz seiner heutigen Wissenschaftlichkeit, auf die er so stolz ist, einen gewissen Instinkt aneignet für das Gesunde und für das Krankhafte und auch für alles dasjenige, was dazwischen liegt. Die instinkthafte Anteilnahme an der Welt gerade für diese Dinge ist von einer außerordentlichen Bedeutung. Und man muß ja auch sagen: wir bringen es nach und nach durch die heute anerkannte Wissenschaft zu einer immer mehr und mehr materialistischen Färbung dieser Wissenschaft. Was wissen wir nicht heute alles schon von jenen Geheimnissen der Welt, die erforscht werden können unter dem Mikroskop, die erforscht werden können, wenn wir irgendwelche niederen Tiere zerschneiden und dann die Teile funktionieren lassen. Was haben wir nicht alles für Konklusionen geschlossen aus dem Verhalten der Tierwelt auf den Menschen, ohne zu wissen, daß gerade mit Bezug auf die wichtigste Sache die menschliche Organisation doch radikal von der tierischen verschieden ist. Wenigstens wird das nicht immer ins Auge gefaßt, und das Wesentliche ist ja, daß die heutige Wissenschaft im Grunde genommen darauf angewiesen ist, ein jegliches Ding abgesondert für sich zu betrachten. Ja, bei einem Ding hat man ja nur einen Ausschnitt des Lebens.

[ 5 ] Now, it is not possible, using precisely today’s mode of knowledge—which follows an intellectualist line—to grasp the diversity of life in such a way that one could truly capture the immense differentiation of the human organism from within these intellectualist lines. It is indeed necessary that human beings, despite their current scientific mindset—of which they are so proud—develop a certain instinct for what is healthy and what is pathological, as well as for everything that lies in between. This instinctive engagement with the world, particularly regarding these matters, is of extraordinary importance. And one must also say: through today’s accepted science, we are gradually leading this science toward an ever-increasing materialistic bias. How much do we already know today about those mysteries of the world that can be explored under the microscope, that can be explored when we dissect certain lower animals and then observe how the parts function? What conclusions haven’t we drawn about human behavior based on the behavior of the animal kingdom, without realizing that, precisely with regard to the most important aspect, human organization is radically different from that of animals? At the very least, this is not always taken into account, and the essential point is that modern science is, in essence, dependent on viewing every single thing in isolation. After all, with any given thing, we have only a snapshot of life.

[ 6 ] Nehmen Sie einmal an, ich möchte das durch einen Vergleich ausdrücken, ich begegne um neun Uhr vormittags zwei Menschen; die sitzen auf einer Bank, und ich rede mit ihnen einiges, mache mir eine Vorstellung über die Gesamtverfassung dieser Menschen. Ich gehe weg. Um drei Uhr nachmittags treffe ich wiederum die zwei Menschen auf der Bank. Nun kann verschiedenes geschehen sein: die beiden Menschen können da gesessen und sich meinetwillen unterhalten haben, oder auch, je nach der Rassenverschiedenheit der Menschen wird das eine oder andere eintreten, sie können stumm nebeneinander gesessen haben. Es kann aber auch das geschehen sein, daß der eine Mensch sitzengeblieben ist, und der andere Mensch, wie ich es nicht mehr bemerkt habe, weggegangen ist und gerade wieder zurückkam, also gerade sich wieder hingesetzt hat, bevor ich die beiden Menschen auf der Bank wieder traf und so weiter. Dann werde ich den Tatbestand um neun Uhr und den Tatbestand um drei Uhr nachmittags konstatieren; er ist äußerlich derselbe, aber die beiden Menschen sind durchaus in ihrer Gesamtverfassung voneinander verschieden.

[ 6 ] Let’s say—to illustrate this with an example—I run into two people at nine o’clock in the morning; they’re sitting on a bench, and I talk to them for a while, forming a mental image of their general disposition. I walk away. At three o’clock in the afternoon, I encounter the same two people on the bench again. Now, various things may have happened: the two people may have been sitting there and conversing because of me, or—depending on their racial differences—one thing or another may have occurred; they may have sat silently side by side. But it may also be that one person remained seated, while the other—without my noticing—had walked away and had just returned, that is, had just sat down again before I encountered the two people on the bench once more, and so on. Then I will describe the situation at nine o’clock and the situation at three o’clock in the afternoon; outwardly, they are the same, but the two people are entirely different from one another in their overall disposition.

[ 7 ] Nirgends kann sich das Leben in seinen Geheimnissen enthüllen, wenn man eben nur auf die Beobachtung des unmittelbar Gegenwärtigen sieht. Und wie Sie sich überzeugen können, ist das mehr, als man gewöhnlich meint, der Fall bei den heutigen wissenschaftlichen Methoden. Und so führen sie einen schon einmal dazu, daß man das Entsetzliche erlebt, was ich einmal bei einem Freunde erlebt habe. Ich kannte ihn in der Jugend, ja, ich möchte sagen, als einen naturgemäßen Menschen. Dann sah ich ihn längere Zeit nicht, traf ihn dann wieder einmal, besuchte ihn. Er setzte sich zum Mittagsmahl, und es wurde nicht nur das Übliche, was man in einem solchen Fall gewöhnlich ißt, aufgetragen, sondern auch eine Waage, und auf dieser Waage wog er sich das Fleisch zu, wog er sich das Gemüse zu, denn er hatte angefangen nach der Wissenschaft zu leben, die ja weiß, wieviel Gewichtmengen man von einem jeden Nahrungsmittel aufnehmen muß, wenn man ein richtiger Mensch sein will. Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, daß alles ganz richtig und geistvoll sein kann, daß aber die natürlichen Instinkte des Lebens durch so etwas auf das Gründlichste untergraben werden. Und natürliche Instinkte für das Gesunde und Krankmachende braucht vor allen Dingen der Erziehungs- und Unterrichtskünstler. Dann wird er alles dasjenige, was im Verlaufe dieser Vorträge schon beleuchtet worden ist, auch mit Bezug auf die physische Erziehung auf seinem Wege weitertragen und es gerade für die physische Erziehung besonders ausbilden können.

[ 7 ] Life cannot reveal its mysteries anywhere if one focuses solely on observing what is immediately present. And as you can see for yourself, this is more often the case with today’s scientific methods than one might generally suppose. And so they can sometimes lead one to experience the horrifying thing that I once witnessed with a friend. I knew him in my youth—indeed, I would say he was a person in tune with nature. Then I didn’t see him for quite some time, but eventually met him again and visited him. He sat down to lunch, and not only was the usual fare served—what one typically eats in such a situation—but also a scale; and on that scale he measured out his meat and his vegetables, for he had begun to live according to science, which, after all, knows exactly how much of each food one must consume if one wants to be a proper human being. It hardly needs to be mentioned that all of this may well be entirely correct and ingenious, but that the natural instincts of life are thoroughly undermined by such practices. And the educator and teacher, above all, needs natural instincts for what is healthy and what is harmful. Then he will be able to carry forward everything that has already been illuminated in the course of these lectures—including with regard to physical education—and develop it specifically for physical education.

[ 8 ] Wir haben zum Beispiel gesehen, wie das Kind vorzugsweise vor dem Zahnwechsel ganz in seinem physischen Organismus drinnen lebt. Dieses Leben im physischen Organismus ist nun im höchsten Grade der Fall beim Säugling, und zwar wiederum am hervorstechendsten in bezug auf seine Ernährung. Er genießt ja, wie Sie wissen, zunächst eine außerordentlich einförmige Ernährung, wenn er die Welt betritt. Und wenn der Erwachsene dauernd so einförmig leben müßte, fast ganz von einem einzigen Nahrungsmittel, zum Frühstück, Mittag, sonst, er würde das ja ganz gewiß für seine seelische und auch leibliche Verfassung nicht gerade zuträglich finden. Der Erwachsene will alles durcheinandermischen, er will Abwechslung haben. Der Säugling bekommt diese Abwechslung nicht. Und dennoch machen sich die wenigsten Menschen eine Vorstellung davon, wie groß gerade das Glück des Säuglings durch seine Ernährung ist, weil die wenigsten Menschen wissen, mit welcher intensiven Süße der ganze physische Organismus des Säuglings durch die Muttermilch durchzogen wird.

[ 8 ] We have seen, for example, how the child—especially before losing its baby teeth—lives entirely within its physical organism. This life within the physical organism is most pronounced in the infant, and is most evident in relation to its nutrition. As you know, the infant initially enjoys an extraordinarily monotonous diet when he enters the world. And if an adult were forced to live such a monotonous life—surviving almost entirely on a single food for breakfast, lunch, and every other meal—he would certainly find it not exactly beneficial for his mental and physical well-being. Adults want to mix everything together; they want variety. Infants do not get this variety. And yet very few people have a mental image of just how great an infant’s happiness is due to its diet, because very few people know with what intense sweetness the infant’s entire physical organism is permeated by breast milk.

[ 9 ] Der Erwachsene hat ja nur noch die Möglichkeit, Geschmacksempfindungen auf seinem Gaumen und dessen Nachbarorganen zu haben. Er hat schon einmal das Malheur, daß alle Geschmacksempfindungen sich nach dem unglückseligen Kopfe hingezogen haben, und dadurch unterscheidet er sich von dem Kinde, das im Säuglingsalter durch und durch Geschmacksorganismus ist, das durch und durch schmeckt. Und mit dem Ende des Säuglingsalters hört dieses durch und durch Schmekken auf. Es wird ja auch später, von den Menschen, die sich nun einmal nur des gewöhnlichen Lebensbewußtseins bedienen, vergessen. Die wissen gar nicht, wie verschieden von ihrer späteren Lebensverfassung das Schmecken während des Säuglingsalters war. Es ist ja das auch für manche Menschen durch das spätere Leben außerordentlich schwierig gemacht. Ich nahm zum Beispiel einmal an einer Unterhaltung teil zwischen einem abstinenten Menschen und einem solchen, der das Gegenteil eines abstinenten Menschen war, und der Abstinent, der natürlich auch ein Fanatiker war — solche Menschen sind ja immer Fanatiker -, der Abstinent bearbeitete den anderen; und da sagte der andere - ich will die Geschichte nicht ganz ausführlich erzählen, es ist aus dem Zusammenhang heraus: Aber ich war einmal volle zwei Jahre meines Lebens vollständig Abstinent! — Da fragte ihn der andere: Wann? - Ja, die ersten zwei Jahre meines Lebens! — Nun, es war das eine äußerlich geartete Erkenntnis dessen, was sich zugetragen hat. Von innen heraus wissen das ja die wenigsten Menschen in Wirklichkeit.

[ 9 ] Adults, after all, can only experience taste sensations on their palate and its adjacent organs. They already face the misfortune that all taste sensations have become concentrated in the unfortunate head, and this is what distinguishes them from the child, who in infancy is a being of taste through and through—who tastes through and through. And with the end of infancy, this experience of tasting through and through comes to an end. It is also forgotten later on by people who make use only of their ordinary awareness of life. They have no idea how different tasting during infancy was from their later state of being. For some people, this is made extraordinarily difficult by their later life experiences. For example, I once took part in a conversation between a teetotaler and someone who was the opposite of a teetotaler, and the teetotaler—who was, of course, also a fanatic (such people are always fanatics)—was trying to persuade the other; and then the other said—I don’t want to recount the story in full detail, as it’s taken out of context: “But I was completely abstinent for a full two years of my life!” — Then the other asked him, “When?” — “Yes, the first two years of my life!” — Well, that was an outward expression of an understanding of what had taken place. Very few people actually know this from within.

[ 10 ] Das Kind steckt also in seinem physischen Organismus so drinnen, solange es Säugling ist, daß es eigentlich nur ißt mit seinem physischen Organismus, aber auch davon wirklich sehr viel hat. Und darin besteht ja das Entwachsen aus dem Säuglingsalter, daß zunächst dasjenige beginnt, was sich allmählich so stark nach dem Kopfe heraufzieht, daß der Zahnwechsel möglich wird, daß im Kopfe diese starke Kraft entwickelt werden kann, welche die ersten Zähne abstößt, die zweiten herausbringt. Das geschieht natürlich in dieser Weise im ganzen Lebensalter von der Geburt bis zum Zahnwechsel hin; und das lebt sich darinnen auf den verschiedensten Gebieten aus. So daß also nach dem Säuglingsalter zunächst der Geschmack nach dem Kopfe heraufzieht, und daß dann das Kind damit beginnt, nicht bloß mit dem Leibe zu essen, sondern mit der Seele zu essen, daß es wenigstens mit der Seele unterscheiden lernt, dann auch die einzelnen Nahrungsmittel differenziert.

[ 10 ] The child is thus so deeply embedded in its physical organism while it is an infant that it essentially eats only through its physical organism, but also derives a great deal from it. And this is precisely what growing out of infancy consists of: first, the process begins whereby something gradually draws upward toward the head with such force that the change of teeth becomes possible—that this powerful force can develop in the head, which pushes out the first teeth and brings forth the second set. This, of course, occurs in this way throughout the entire period from birth until the change of teeth; and it manifests itself in the most diverse areas. Thus, after infancy, the sense of taste first shifts toward the head, and the child then begins not merely to eat with the body, but to eat with the soul—learning at least to distinguish with the soul, and then also to differentiate between individual foods.

[ 11 ] Und da müssen wir in der Lage sein, dem Kinde nachgehen zu können. Da müssen wir Verständnis entwickeln können für das Kind. Wir müssen Verständnis entwickeln für das, was dem Kinde schmeckt und nicht schmeckt, denn darinnen liegt noch ein sehr guter Regulator für dasjenige, was beim Kinde auch gesundend und kränkend ist. Allerdings muß man sich zu diesem Zwecke eben eine richtige Anschauung über das Ernähren des Menschen überhaupt erwerben.

[ 11 ] And we must be able to adapt to the child. We must be able to develop an understanding of the child. We must develop an understanding of what the child likes and dislikes, for therein lies a very good indicator of what is healthy and what is harmful to the child. However, to this end, one must acquire a proper understanding of human nutrition in general.

[ 12 ] Heute sieht man ja hauptsächlich in der Ernährung auf das hin, was das Gewichtartige in den äußeren Nahrungsmitteln ist. Das ist aber nicht das Wesentliche, das Gewichtartige, sondern das Wesentliche besteht darinnen, daß ein Nahrungsmittel, das ein Mensch zu sich nimmt, in der äußeren Welt eine bestimmte Summe von Kräften in sich hat. Jedes Nahrungsmittel hat eine ganz bestimmte Summe von Kräften in sich, durch die es der äußeren Welt angepaßt ist. Und im Inneren des menschlichen Organismus ist alles anders. Dieser menschliche Organismus muß das Nahrungsmittel vollständig metamorphosieren. Er muß die Nahrungsmittelprozesse in diejenigen Prozesse umändern, die in seinem Organismus walten sollen. Und dasjenige, was im menschlichen Organismus vor sich geht, ist nämlich ein fortwährender Kampf, indem wir die Dynamik der Nahrungsmittel umändern, indem wir sie zu etwas ganz anderem machen. Die Reaktion in unserem Inneren gegen die Nahrungsmittel ist es eigentlich, was wir dann als dasjenige empfinden, was uns anregt und was unser Leben unterhält. Daher dürfen wir nicht immer bloß fragen: Müssen wir von diesem oder jenem Stoff so und so viel zufügen? — sondern vor allen Dingen: Was tut der Organismus oftmals mit den kleinsten Mengen von irgendeinem Stoff? Wie reagiert er darauf? -— Der Organismus hat eben diese Kräfte notwendig, die Widerstände gegen die äußeren Naturprozesse entwickeln. Der menschliche Organismus ist ja so, daß er zunächst in einem bestimmten Gebiete, das, grob gesprochen, etwa vom Mund bis zum Magen reicht, zwar gegenüber der Außenwelt schon etwas modifizierte Prozesse hat, aber doch solche, welche sich mit den Prozessen der Außenwelt noch vergleichen lassen. Dann hat er in all den Prozessen, die sich an die Magenprozesse anschließen, solche Prozesse, die schon stark verschieden sind von denjenigen, die sich in der Außenwelt vollziehen. Und er hat dann in seiner Kopforganisation Prozesse, die das genaue Gegenteil von dem darstellen, was die Naturprozesse in der Außenwelt sind. Es muß also der Gesamtorganismus des Menschen vor allen Dingen durch die Nahrung in der richtigen Weise angeregt werden.

[ 12 ] Today, when it comes to nutrition, people mainly focus on the weight of external foods. But weight is not the essential factor; rather, the essential factor is that a food a person consumes contains a specific sum of forces from the external world. Every food contains a very specific sum of forces through which it is adapted to the external world. And within the human organism, everything is different. This human organism must completely transform the food. It must convert the processes of the food into the processes that are to take place within its own organism. And what takes place within the human organism is, in fact, a constant struggle in which we transform the dynamics of the food, turning it into something entirely different. The reaction within us to food is actually what we then perceive as the force that stimulates us and sustains our life. Therefore, we must not always simply ask: “Do we need to consume this or that substance in such-and-such an amount?”—but above all: “What does the organism often do with even the smallest amounts of any substance? How does it react to it?” — The organism necessarily possesses these very forces that develop resistance against external natural processes. The human organism is such that, initially, in a specific region—which, roughly speaking, extends from the mouth to the stomach—it does indeed have processes that are somewhat modified in relation to the outside world, but these are still processes that can be compared to those of the outside world. Then, in all the processes that follow the stomach processes, it has processes that are already very different from those taking place in the external world. And in the organization of the head, it has processes that represent the exact opposite of the natural processes in the external world. The human organism as a whole must therefore be stimulated in the proper way, above all through nutrition.

[ 13 ] Nun kann ich mich, da ich eben aphoristisch sein muß, nicht auf eine Terminologie einlassen, die vielleicht aus den tieferen Erkenntnissen der Sache selbst genommen ist, ich muß an dasjenige anknüpfen, was die populäre Terminologie ist; aber das genügt auch durchaus für unsere diesmaligen Zwecke. - Sie wissen, es gibt solche Nahrungsmittel, die man im gewöhnlichen Leben nahrhafte Nahrungsmittel nennt, und es gibt solche, die man unnahrhafte nennt. Menschen wachsen sowohl bei unnahrhaften wie bei nahrhaften Nahrungsmitteln auf. Sie brauchen nur zu bedenken, wie viele Menschen etwa bei Brot und Kartoffeln aufwachsen, was in ganz entschiedenem Maße unnahrhafte Nahrung ist. Sie brauchen sich auf der anderen Seite zu erinnern, wieviel besonders bei einer labilen Gesundheit darauf Rücksicht genommen werden muß, daß man das Verdauungssystem nicht durch unnahrhafte Nahrungsmittel überlastet, also ihm nichts zumutet. Bei Brot- und Kartoffelnahrung wird dem Verdauungssystem ungeheuer viel zugemutet, und es wird für die übrigen Funktionen nicht mehr viel übrigbleiben. Daher wird das Wachstum nicht leicht gefördert werden können, gerade bei einer in Brot und Kartoffeln bestehenden Ernährung. Es wird dann darauf gesehen, daß man Nahrungsmittel zusammenstellt, welche das Verdauungssystem nicht überlasten. Dann hat das Verdauungssystem verhältnismäßig wenig zu arbeiten. Wenn man aber das wiederum bis zum Extrem treibt, dann versetzt man das Gehirn in eine übertriebene Tätigkeit. Das entwickelt dann Prozesse, die den äußeren Naturprozessen außerordentlich unähnlich sind, und es wirkt wiederum zurück auf die übrige Organisation des Menschen; das Verdauungssystem wird schlaff und so weiter.

[ 13 ] Now, since I must be aphoristic here, I cannot delve into terminology that might be drawn from a deeper understanding of the subject itself; I must rely on what is commonly known as “popular terminology”; but that is certainly sufficient for our purposes this time. - As you know, there are foods that are commonly referred to as nutritious, and there are those that are called non-nutritious. People grow up on both non-nutritious and nutritious foods. You need only consider how many people, for example, grow up on bread and potatoes, which are decidedly non-nutritious foods. On the other hand, you need to remember how important it is—especially when one’s health is fragile—to ensure that the digestive system is not overburdened by non-nutritious foods, that is, not to place undue strain on it. A diet consisting of bread and potatoes places an enormous burden on the digestive system, leaving little energy for other bodily functions. Consequently, growth cannot be easily promoted, especially with a diet consisting primarily of bread and potatoes. Care is therefore taken to select foods that do not overload the digestive system. In this way, the digestive system has relatively little work to do. However, if one takes this to the extreme, the brain is forced into excessive activity. This then gives rise to processes that are extraordinarily dissimilar to natural processes in the external world, and in turn, this has a negative effect on the rest of the human organism; the digestive system becomes sluggish, and so on.

[ 14 ] Alles das, was da in Betracht kommt, ist außerordentlich kompliziert und es ist außerordentlich schwierig für den Menschen, in alle Verzweigungen desjenigen hineinzudringen, was da in Betracht kommt. Es gehört zu den schwierigsten Aufgaben einer ernsten, nicht einer heute gebräuchlichen, sondern einer ernsten wissenschaftlichen Forschung, zum Beispiel alles das zu erkennen, was geschieht, wenn der Mensch durch seinen Mund eine Kartoffel oder ein Stück Roastbeef befördert. Die beiden Prozesse sind in sich unendlich mannigfaltig, aber grundverschieden, und man muß eine große Menge von Einzelheiten kennen, wenn man auf diese Dinge sachgemäß eingehen will.

[ 14 ] Everything that comes into consideration here is extraordinarily complicated, and it is extraordinarily difficult for a person to penetrate all the ramifications of what is at stake. One of the most difficult tasks of serious scientific research—not the kind commonly practiced today, but genuine, serious scientific research—is, for example, to understand everything that happens when a person swallows a potato or a piece of roast beef through their mouth. These two processes are infinitely diverse in themselves, yet fundamentally different, and one must be familiar with a great deal of detail if one wishes to address these matters properly.

[ 15 ] Für unseren Zusammenhang wird zum Beispiel schon eine Andeutung genügen von dem, was hier eigentlich stattfindet, wenn ich Ihnen das Folgende sage. Nehmen Sie an, ein Kind verzehrt eine Kartoffel. Diese Kartoffel schmeckt es zunächst im Haupte, also in den Geschmacksorganen, und dieser Geschmack wirkt nun. Obwohl er nicht mehr den ganzen Organismus durchzieht, wirkt er nun doch auf den ganzen Organismus. Nun ist eine Kartoffel nicht besonders, nicht übertrieben schmackhaft. Sie läßt also den Organismus in einer gewissen Weise lässig sein. Er hat keinen außerordentlich starken Anteil an dem, was da mit der Kartoffel im Munde des Menschen geschieht. Dann wird die Kartoffel auf den Wegen, die Sie ja kennen, in den Magen befördert. Der Magen nimmt sie aus dem Grunde nicht mit übertriebenem Interesse auf, weil er nicht darauf vorbereitet worden ist durch anregenden Geschmack. Der anregende Geschmack ist immer die Provokation für den Magen, um mit größerer oder geringerer Sympathie ein Nahrungsmittel aufzunehmen; so daß sich der Magen schon nicht mehr stark anstrengen will, um diese Kartoffel in ihrem dynamischen System dem Organismus zuzuführen. Dann muß das aber doch geschehen. Die Kartoffel kann nicht im Magen liegenbleiben. Hat der Magen dann die nötige Stärke, so nimmt er dasjenige, was die Dynamik der Kartoffel ist, in sich auf, verarbeitet es mit Widerwillen in sich, läßt es in sich hineinrollen, entwickelt auch keine starke Reaktion, empfängt keine starke Anregung. Das Ganze geht dann in das weitere Verdauungssystem über und wird in dem weiteren Verdauungssystem widerwillig verarbeitet. Und dasjenige, was von der Kartoffel in die Kopforganisation gelangt, ist außerordentlich wenig. So daß also nur in diesen wenigen Andeutungen, die man natürlich jetzt überall vertiefen müßte, Ihnen vor Augen treten kann, wie kompliziert das eigentlich ist, was sich da im menschlichen Organismus abspielt.

[ 15 ] For our purposes, for example, a hint of what is actually happening here will suffice if I tell you the following. Suppose a child eats a potato. The child first tastes this potato in the mouth—that is, with the taste buds—and this taste then takes effect. Although it no longer permeates the entire organism, it nevertheless affects the entire organism. Now, a potato is not particularly, nor excessively, tasty. It therefore allows the organism to remain, in a certain sense, at ease. The organism does not play an exceptionally strong role in what happens to the potato in the person’s mouth. Then the potato is transported to the stomach via the pathways you are familiar with. The stomach does not, for this reason, take it in with excessive interest, because it has not been prepared for it by a stimulating taste. The stimulating taste is always what prompts the stomach to accept a food with greater or lesser enthusiasm; so the stomach is already unwilling to exert itself greatly to supply this potato to the organism through its dynamic system. Yet this must still happen. The potato cannot remain in the stomach. If the stomach then has the necessary strength, it takes in the potato’s dynamic energy, processes it reluctantly, allows it to roll through its system, develops no strong reaction, and receives no strong stimulation. The whole process then passes into the rest of the digestive system and is processed there with reluctance. And what actually reaches the brain from the potato is extremely little. So even from these few hints—which, of course, would now need to be explored in depth—you can see just how complicated the processes actually are that take place within the human organism.

[ 16 ] Dennoch, der Erziehungs- und Unterrichtskünstler muß über diese Dinge seine praktische Anschauung haben. Ich glaube, es ist, damit man aus einem gewissen Ernste heraus auf diesem Gebiete praktische Anschauung entwickelt, schon notwendig, daß man gerade auf diesem Gebiete das Warum und Weil ein wenig einsieht. Ich könnte mir vorstellen, daß es auch Zuhörer gibt, die sagen: Sage uns nur einmal, was wir dem Kinde zu essen geben sollen und was nicht, dann genügt uns das. — Aber es genügt dieses eben nicht in Wirklichkeit. Man entwickelt gerade in physischer Beziehung die richtige Erziehertätigkeit, wenn man in die Dinge hineinsieht; denn die Dinge sind so mannigfaltig, daß man vor allen Dingen nötig hat, auf den richtigen Weg geführt zu werden, die richtigen Maximen auf diesem Gebiete zu erkennen. Und dazu ist notwendig, daß man gerade auf das hinschaut, was einem nun in einer vereinfachteren Weise vor Augen führen kann, wie das Kind eigentlich ernährt werden soll.

[ 16 ] Nevertheless, the educator and teacher must have a practical understanding of these matters. I believe that, in order to develop a practical understanding in this field with a certain degree of seriousness, it is necessary to gain at least some insight into the “whys” and “howcomes” specifically in this area. I can have a mental image of listeners saying: Just tell us once and for all what we should and shouldn’t feed the child, and that will be enough for us. — But in reality, that is simply not enough. It is precisely in the physical realm that one develops the proper approach to child-rearing by looking deeply into these matters; for things are so diverse that, above all, one needs to be guided onto the right path and to recognize the correct principles in this area. And for this, it is necessary to focus specifically on what can demonstrate to us, in a simplified way, how the child should actually be nourished.

[ 17 ] Vielleicht auf keinem Gebiete bemerkt man so sehr, wie weit man mit den Erziehungsmaximen von dem allgemeinen sozialen Leben abgegangen ist, als gerade bei der physischen Erziehung. Wenn man nicht gerade Internate hat, durch die man in leichter Weise befolgen kann, was ich heute andeute, dann wird man nämlich immer genötigt sein, mit den Eltern oder der sonstigen Umgebung des Kindes gerade bei der physischen Erziehung eminent zusammenzuwirken, und das bietet ja nach der mannigfaltigsten Richtung hin, wie Sie wissen, große Schwierigkeiten. Daher wird das, was man für richtig hält, vielleicht sogar nur nach Überwindung großer Hindernisse zu erreichen sein. Ich will von einem Beispiel ausgehen.

[ 17 ] Perhaps in no other area is it as evident as in physical education just how far educational principles have strayed from general social life. Unless one has boarding schools, which make it easy to follow what I am suggesting today, one will always be compelled to cooperate closely with the parents or the child’s other surroundings, particularly in physical education—and as you know, this presents great difficulties in a wide variety of ways. Consequently, what is considered correct may perhaps only be achievable after overcoming major obstacles. I’d like to start with an example.

[ 18 ] Nehmen Sie an, ich bekomme ein Kind in die Schule, das sich in übertriebener Weise mit der melancholischen Temperamentsnuance äußert. Wenn so etwas in übertriebener Weise auftritt, kann man immer sicher sein, daß bei dem Kinde eine abnorme physische Organisation nach irgendeiner Richtung vorliegt. Seelische Abnormitäten haben eben immer ihre Grundlage in physischen Abnormitäten nach irgendeiner Richtung hin, denn das Physische ist durchaus ein wirklicher Ausdruck des Seelisch-Geistigen. Nehmen wir also an, in eine Schule, die nicht gerade Internat ist — sonst werde ich natürlich die entsprechenden Maßregeln innerhalb des Hauses treffen —, bekomme ich also ein solches Kind. Was muß ich tun? Ich muß versuchen, mit den Eltern des Kindes in Verbindung zu treten, und, wenn ich mir ganz klargeworden bin, was in diesem Falle eigentlich vorliegt, die Eltern bitten, die Speisen, die das Kind genießt, mindestens anderthalbmal, manchmal doppelt so stark zu versüßen, als das vielleicht bei einem Kinde notwendig ist, das sich sonst normal zeigt. Also, ich muß den Eltern raten, bei diesem Kinde mit dem Zucker als Speisenzusatz, den man ihm vielleicht in Form von Bonbons beibringt, nicht zu sparen.

[ 18 ] Suppose I have a child in my class who exhibits an exaggerated tendency toward the melancholic temperament. When such a tendency is so pronounced, one can always be certain that the child has an abnormal physical constitution in some way. Psychological abnormalities always have their basis in physical abnormalities of some kind, for the physical is indeed a genuine expression of the psychological and spiritual. So let’s assume that I have such a child in a school that is not exactly a boarding school—otherwise, of course, I would take the appropriate measures within the school—. What must I do? I must try to get in touch with the child’s parents, and, once I have a clear understanding of what the situation actually is in this case, ask the parents to sweeten the food the child eats at least one and a half times, and sometimes twice as much, as might be necessary for a child who otherwise appears normal. So, I must advise the parents not to skimp on sugar as a food additive for this child—perhaps introducing it in the form of candies.

[ 19 ] Was will ich denn da eigentlich? Nun es wird Ihnen vielleicht noch klarer werden, was ich da will, wenn ich noch einen solchen Fall nehme: Nehmen wir an, ich bekomme ein krankhaft sanguinisches Kind. Ich meine, die Sache muß natürlich bis zur Abnormität gehen, krankhaft sein, wenn das richtig sein soll, was ich jetzt sage. Ich bekomme ein übertrieben sanguinisches Kind. Wiederum wird eine Abnormität der physischen Organisation vorliegen, und ich werde in einem solchen Fall die Eltern bitten, sie sollen den Süßigkeitsgehalt der Speisen verringern, überhaupt mit dem Zucker etwas sparen dem Kinde gegenüber.

[ 19 ] What do I actually want here? Well, it might become even clearer to you what I’m getting at if I give another example: Let’s suppose I have a pathologically sanguine child. I mean, the condition must, of course, be extreme—pathological—if what I’m about to say is to be true. I have a child who is excessively sanguine. Again, there will be an abnormality in the child’s physical constitution, and in such a case I will ask the parents to reduce the amount of sweets in the child’s diet—and to go easy on sugar in general when it comes to the child.

[ 20 ] Aus welchem Grunde tue ich das? Man sieht erst ein, in welchem Maße und Grade man so etwas tun muß, wenn man folgendes wirklich durchschaut. Sehen Sie, die Muttermilch am meisten, Milch- und Milchprodukte aber überhaupt, wirken so auf den Menschen, daß sie ihre Wirksamkeit in gleichmäßiger Art auf den ganzen Menschen erstrecken. Alle Organe kommen gewissermaßen in einer gewissen Harmonie zu ihrem Rechte durch Milch und Milchprodukte. Dagegen die anderen Nahrungsmittel haben die Eigentümlichkeit, daß jedes einzelne auf ein besonderes Organsystem einen überwiegenden Einfluß hat. Bitte, ich sage nicht, einen ausschließlichen, sondern einen überwiegenden Einfluß hat. Da handelt es sich darum: die Art und Weise, wie ein Kind sich mit seinem Geschmack zu einem Nahrungs- oder auch Genußmittel verhält, oder wie diesem Geschmack entgegengekommen wird, hängt davon ab, wie ein bestimmtes Organsystem des Kindes oder überhaupt des Menschen beschaffen ist; die Genußmittel sind manchmal durchaus bei der Ernährung ebenso wichtig wie die Nahrungsmittel.

[ 20 ] Why do I do this? One only realizes the extent and degree to which one must do such a thing once one truly understands the following. You see, breast milk in particular—and milk and dairy products in general—affect the human body in such a way that their effects extend evenly throughout the entire body. All organs, so to speak, are brought into a certain harmony through milk and dairy products. In contrast, other foods have the characteristic that each one exerts a predominant influence on a specific organ system. Please note, I am not saying an exclusive influence, but a predominant one. The point is this: the way a child relates to a food or even a luxury item based on their taste, or how that taste is accommodated, depends on the nature of a specific organ system in the child or in humans in general; luxury items are sometimes just as important to nutrition as food itself.

[ 21 ] Bei der Milch kommt der ganze Mensch in Betracht; bei irgendeinem anderen Nahrungsmittel ein einzelnes Organsystem. Beim Zucker kommt in dem Zusammenhang, den ich jetzt hier ins Auge fasse, ganz besonders die menschliche Leber in Betracht. Nun, was will ich denn also, wenn ich das abnorm melancholisch auftretende Kind mit viel Zucker behandeln lasse? Dann bewirke ich nämlich, daß seine Leber in ihrer Tätigkeit etwas herabgesetzt wird, weil der Zucker so dem Organismus zugeführt wird, daß er in einem gewissen Sinne die Lebertätigkeit übernimmt, daß also die Lebertätigkeit mehr, ich möchte sagen, auf etwas Äußeres, was ich zuführe, bezogen wird, und als eigene Tätigkeit zurücktritt. Das ist etwas, wodurch ich die melancholische Neigung des Kindes — auch als anämische Neigung erscheinend -, die unter Umständen eben in der Lebertätigkeit des Kindes fußen kann, auf rein ernährungsmäßigem Wege etwas zurücktreiben kann. — Was tue ich, wenn ich die Sparsamkeit in Zucker bei einem übertrieben sanguinischen Kinde anempfehle? Da versuche ich, bei diesem übertrieben sanguinischen Kinde die äußere Tätigkeit des Zukkers einzuschränken und dadurch die Leber aufzufordern, eine regere Tätigkeit aus ihrem Eigenen heraus zu entwickeln, und ich sporne dadurch das Kind an, das Ich stärker anzuregen, also dasjenige zu überwinden, was in dem physischen Gefolge des sanguinischen Temperamentes auftritt.

[ 21 ] With milk, the whole person is taken into account; with any other food, a single organ system. With sugar, in the context I am now considering here, the human liver is of particular concern. So, what am I actually aiming for when I have a child exhibiting abnormally melancholic behavior treated with a lot of sugar? In doing so, I cause the liver’s activity to be somewhat reduced, because the sugar is supplied to the organism in such a way that it, in a certain sense, takes over the liver’s function—so that the liver’s activity becomes, I might say, more directed toward an external factor that I am supplying, and recedes into the background as an independent function. This is a way in which I can, through purely dietary means, somewhat counteract the child’s melancholic tendency—which may also manifest as an anemic tendency—and which, under certain circumstances, may indeed be rooted in the child’s liver function. — What do I do when I recommend limiting sugar intake for an excessively sanguine child? In that case, I attempt to limit the external activity of sugar in this excessively sanguine child and thereby prompt the liver to develop more vigorous activity from within itself; in doing so, I encourage the child to stimulate the “I” more strongly, thus overcoming what arises as a physical consequence of the sanguine temperament.

[ 22 ] Sie sehen also, man trifft Maßnahmen aus dem Durchschauen der Gesamtorganisation des Menschen heraus. Deshalb kommt es bei diesen Dingen in der physischen Erziehung wirklich auf das Warum und Weil an, daß man Bescheid weiß in dem Warum und Weil; und auch da gibt es natürlich wiederum ungeheuer viele Details. Aber es ist schon durchaus möglich, diese Details auf allgemeinere Gesichtspunkte zurückzuführen, und diese allgemeineren Gesichtspunkte bestehen in etwas Polarischem. Allerdings derjenige, der ein ganz guter Erzieher und Ünterrichter ist, ein so guter, wie es sie gar nicht gibt, wird in einer gewissen Beziehung durch seine Anteilnahme an dem Kinde schon prophetisch voraus wissen, wie er da oder dort einzugreifen hat. Aber es ist immerhin von außerordentlicher Bedeutung, daß man seine Aufmerksamkeit darauf zu lenken vermag, wenn das Kind in irgendeiner Weise von dem Normalen nach dieser oder jener Richtung hin abweicht, um dann einzugreifen.

[ 22 ] So you see, measures are taken based on an understanding of the human being’s overall organization. That is why, in physical education, what really matters in these matters is the “why” and “because”—that one understands the “why” and “because”; and, of course, there are, in turn, an immense number of details involved. But it is certainly possible to trace these details back to more general principles, and these general principles consist of something polar in nature. Of course, someone who is a truly good educator and teacher—as good as one could possibly be—will, in a certain sense, through their empathy with the child, already know prophetically how to intervene here or there. But it is, after all, of extraordinary importance to be able to direct one’s attention to instances where the child deviates in any way from the norm in one direction or another, so as to intervene at that point.

[ 23 ] Tut man das durch längere Zeit, dann kommt man dazu, überhaupt solche Erkenntnis zu entwickeln, daß man auch schon zu Vorbeugungsmaßregeln kommen kann. Aber das ergibt sich in der Regel erst dann für den wirklichen tätigen Lehrer und Erzieher, wenn er eine Zeitlang die leisen Abweichungen - man darf natürlich nicht warten, bis es ins Extrem geht — zu bemerken in der Lage ist. Es erfordert das allerdings, daß der Lehrer fortwährend die Neigung hat, sich nach dieser Richtung hin zu vertiefen, und daß er da manche menschliche Neigungen überwindet, die dem entgegenstehen, sonst fürchte ich, daß die Lehrer und Erzieher die nötige Gründlichkeit erst in dem Momente haben, wo sie sich pensionieren lassen.

[ 23 ] If one does this over a longer period of time, one eventually develops such insight that one can even begin to take preventive measures. But this usually only becomes possible for the truly active teacher and educator once they have been able to notice the subtle deviations for some time—of course, one must not wait until things reach an extreme. This does, however, require that the teacher continually have the inclination to delve deeper in this direction and that he or she overcome certain human tendencies that stand in the way; otherwise, I fear that teachers and educators will not possess the necessary thoroughness until the moment they retire.

[ 24 ] Das, worauf man besonders achtgeben muß, liegt auf der einen Seite in dem Interesse, das das ganze Kind, also nicht bloß das Geistig-Seelische, sondern das Kind als Leib, Seele und Geist sowohl sich selber wie seiner Umwelt entgegenbringt; für das Interesse oder für diese Interesselosigkeit muß man eine instinktive Aufmerksamkeit entwickeln. Das ist der eine Pol. Der andere Pol ist die Ermüdbarkeit des Kindes. Woher kommt die besondere Ausprägung des Interesses? Diese besondere Ausprägung des Interesses kommt aus dem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, vorzugsweise aus dem Stoffwechselsystem. Wenn ich sehe, daß ein Kind nach irgendeiner Richtung interesselos wird, sagen wir also zunächst, was das Auffälligste ist, in geistiger Beziehung interesselos wird, oder auch interesselos wird in bezug auf äußere Betätigung: daß es an den Spielen nicht mehr teilnehmen will und dergleichen, wenn ich sehe, was beim Kinde unter Umständen sogar das Allerschlimmste sein kann, daß es interesselos wird gegenüber der Leckerheit der Speisen — das Kind soll vor allen Dingen Interesse daran haben, wie die Dinge schmecken, und es soll in seiner Art den Geschmack der einzelnen Dinge differenzieren -, wenn das Kind sogar zur Appetitlosigkeit übergeht, Appetitlosigkeit ist ja Interesselosigkeit in physischer Beziehung, dann weiß ich: die Ernährung ist falsch, die Ernährung ist so, daß sie dem Verdauungssystem zuviel zumutet. Ich habe nachzuforschen, inwiefern gerade diesem Kinde nach seiner Organisation zuviel solche unnahrhafte Nahrungsmittel beigebracht werden, die das Verdauungssystem zu stark in Anspruch nehmen. Wie ich das Wetter an dem Barometer merke, so merke ich an der Interesselosigkeit, daß die Ernährung falsch ist. Ich muß mir also klar sein, daß ich das vorhandene Interesse oder die Interesselosigkeit für etwas außerordentlich Wichtiges betrachten muß für die Maßnahmen, die ich in bezug auf die Ernährung zu treffen habe.

[ 24 ] What requires particular attention lies, on the one hand, in the interest that the whole child—that is, not merely the spiritual-soul aspect, but the child as body, soul, and spirit—shows toward both itself and its environment; one must develop an instinctive awareness of this interest or this lack of interest. That is one pole. The other pole is the child’s susceptibility to fatigue. Where does this particular expression of interest come from? This particular expression of interest arises from the metabolic-limb system, primarily from the metabolic system. When I see that a child is losing interest in some area—let’s say, first of all, what is most noticeable: losing interest in intellectual matters, or losing interest in external activities—such as no longer wanting to participate in games and the like—when I see what, under certain circumstances, may even be the very worst thing for the child: that it is losing interest in the deliciousness of food — above all, the child should take an interest in how things taste, and should, in its own way, distinguish between the flavors of individual foods — if the child even begins to lose its appetite—and a loss of appetite is, after all, a lack of interest in the physical realm—then I know: the diet is wrong; it places too great a strain on the digestive system. I must investigate to what extent this particular child, given its constitution, is being fed too many of these non-nutritious foods that place too great a strain on the digestive system. Just as I gauge the weather by the barometer, so I gauge from the child’s lack of interest that the diet is wrong. I must therefore be clear that I have to regard the child’s existing interest—or lack thereof—as something of extraordinary importance for the measures I need to take regarding their diet.

[ 25 ] Bemerke ich, daß ein Kind leicht ermüdbar ist - es ist ja der gerade entgegengesetzte Pol -, sei es, daß ein Kind durch geistige Beschäftigung oder durch körperliche Betätigung abnorm leicht müde wird, da kommt wiederum beim Kinde ganz besonders das Physische in Betracht, welches sich so ausdrückt, daß das Kind zwar essen kann, aber durch das Essen in eine Art Traumzustand versetzt wird, daß es also nach jedem Essen ein abnormes Bedürfnis hat, sich auszuruhen, sich nach Schlangenart zu benehmen und sich hinzulegen und nicht zurechtkommt in dieser Weise mit der Verdauung, also durch die Verdauungstätigkeit ermüdet wird — merke ich dieses, dann weiß ich, dem Kinde wird zuviel von solchen Nahrungsmitteln beigebracht, die das Verdauungssystem zu wenig in Anspruch nehmen, die daher vorzugsweise mit dem Kopfsystem verarbeitet werden, und die auf diese Weise das Kind zur Ermüdung bringen.

[ 25 ] If I notice that a child tires easily—which is, after all, the exact opposite—whether the child becomes abnormally tired from mental activity or physical exertion, then, once again, the physical aspect comes into play particularly strongly in the child, which manifests itself in such a way that, although the child can eat, eating puts the child into a sort of dreamlike state—so that after every meal the child has an abnormal need to rest, to behave like a snake and lie down, and is unable to cope with digestion in this way, that is, becomes fatigued by the digestive process—if I notice this, then I know that the child is being given too much of the kind of food that places too little demand on the digestive system, which is therefore processed primarily by the mental system, and which in this way causes the child to become fatigued.

[ 26 ] Wenn das Kind zu starke Interesselosigkeit zeigt, muß ich versuchen, solche Nahrungsmittel beizubringen, die zu den sogenannten nahrhaften gehören. Und da braucht man wiederum kein Fanatiker zu sein. Fanatiker des Vegetarismus werden sagen: Ah, sieh einmal, dieses Kind ist interesselos geworden, das hast du mit Fleisch gefüttert, jetzt mußt du es an bloße rohe Früchte gewöhnen, dann wird es wiederum an Interesse gewinnen! — Das kann ja durchaus sein. Auf der anderen Seite werden natürlich wiederum die Fleischernährer sagen, wenn ein Kind leicht ermüdbar wird: Ja, das muß man eben mit Fleisch anregen. — Die Dinge sind nämlich, soweit sie auf diesem Gebiete liegen, gar nicht so, daß sie ein so furchtbar intensives Interesse herausfordern, aus dem einfachen Grunde, weil es in der Tat möglich ist, andere Nahrungsmittel so zu kombinieren, daß sie das Fleisch zum Beispiel ersetzen können. Auf der anderen Seite ist es nicht so wichtig, daß man den Menschen ganz und gar zum Vegetarier macht und dergleichen. Aber darum handelt es sich, daß man diese Maxime kennt, daß man in dieser Form eintretende Interesselosigkeit durch Aufbesserung der Ernährung in bezug auf nahrhafte Nahrungsmittel beseitigt, und daß man die Ermüdbarkeit dadurch aufbessern muß, daß man eben nach der anderen Richtung hin wirkt. Das sind die Dinge, die durchaus das allgemeine Wissen, ich möchte sagen, aus dem Intellektuellen, Mannigfaltigen und Unübersehbaren auf das Gebiet des Einfachen herabbringen. Wenn ich zum Beispiel weiß, daß ich ein Kind habe, das leicht ermüdet, so muß ich wissen, es wird sein Verdauungssystem eben zu wenig oder in einer unrichtigen Weise in Anspruch genommen. Ich muß die Nahrung nach dieser Richtung ändern.

[ 26 ] If the child shows too much disinterest, I must try to introduce foods that are considered nutritious. And there’s no need to be a fanatic about it. Vegetarian fanatics will say: “Ah, look, this child has lost interest; you fed it meat, so now you have to get it used to eating only raw fruits, and then it will regain its interest!” — That may well be true. On the other hand, of course, meat-eaters will say, when a child becomes easily fatigued: “Yes, you just have to stimulate it with meat.” — The fact is, as far as this area is concerned, things aren’t really such that they demand such an intensely strong interest, for the simple reason that it is indeed possible to combine other foods in such a way that they can, for example, replace meat. On the other hand, it’s not all that important to turn people into complete vegetarians or anything like that. But the point is to be aware of this principle: that one can eliminate this kind of apathy by improving one’s diet with nutritious foods, and that one must counteract this tendency to tire by taking a different approach. These are the things that bring general knowledge—I would say—down from the intellectual, the multifaceted, and the vast into the realm of the simple. If, for example, I know that I have a child who tires easily, then I must realize that his or her digestive system is simply not being utilized enough or is being utilized incorrectly. I must adjust the diet accordingly.

[ 27 ] So sehen Sie, daß es darauf ankommt, eine Art Symptomatologie des Menschen zu entwickeln, und diese Symptomatologie bringt einen schon auf den Weg, auf dem man dann weiterkommen kann. Es ist nicht nötig, daß durchaus in allen Einzelheiten gesagt wird: Das muß man tun. — Das ist es gerade: wenn man in dieser Weise sich den Überblick über das Leben verschafft, indem man an eine Symptomatologie herantritt, kann man in bezug auf die Ernährung die Maximen auf den Weg mitnehmen, die einen dann durchaus richtig weiterleiten.

[ 27 ] So you see that what matters is developing a kind of symptomatology of the human being, and this symptomatology already sets you on the path along which you can then make progress. It is not necessary to spell out every single detail: “This is what you must do.” — That is precisely the point: when you gain an overview of life in this way, by approaching it through a symptomatology, you can take with you the guiding principles regarding nutrition that will then lead you in exactly the right direction.

[ 28 ] Innig verwandt, aber doch wiederum in einem gewissen Sinne entgegengesetzt, ist nun die Wärmung des Kindes. Da handelt es sich darum, daß ja in einer noch deutlicheren Weise die Welt dem Menschen eine Art Richtschnur mitgibt; aber cs muß diese Richtschnur nur in der richtigen Weise verstanden werden. Man hat ja auch noch jetzt dasjenige, was im 19. Jahrhundert Schlagwort geworden ist. — Auf der einen Seite sind ja Schlagworte immer nur allzu berechtigt in ihrem Inhalt, wenn man ihn versteht. Schlagworte werden sie aber dadurch, daß eben die Sache übertrieben wird. Auf der anderen Seite werden eben dadurch, daß die Sache übertrieben wird, Schädigungen hervorgerufen. - Es ist auch heute noch ein Schlagwort vorhanden und wirksam, das im 19. Jahrhundert immer mehr und mehr um sich gegriffen hat: Abhärtung. Gewiß, sie kann sehr gut sein, und in bezug auf die Abhärtung ist außerordentlich viel getan worden. Aber sehen Sie, es wird dem, der auf einer wirklichen Menschenerkenntnis fußen kann, doch immer in einem gewissen Sinne angst und bange, wenn er Menschen sieht, die als Kinder sehr im Sinne der Abhärtung erzogen worden sind, und die dann nicht in der Lage sind, weil sie so abgehärtet sind, über einen sonnendurchstrahlten, heißen Platz zu gehen, weil sie anfangen, in einer Weise in eine Seelen- und Körperverfassung zu kommen, daß sie eben dann nicht über den Platz gehen. Die Abhärtung kann nur dann eine richtige sein, wenn sie den Menschen für die verschiedensten Gebiete des Lebens ertragsam macht.

[ 28 ] Closely related, yet in a certain sense opposite, is the nurturing of the child. Here, the world provides humanity with a kind of guiding principle in an even clearer way; but this guiding principle must simply be understood correctly. Even today, we still have what became a buzzword in the 19th century. — On the one hand, buzzwords are always all too justified in their content, if one understands them. But they become buzzwords precisely because the matter is exaggerated. On the other hand, it is precisely because the matter is exaggerated that harm is caused. - There is still a catchphrase in use today—one that gained more and more traction in the 19th century: hardening. Certainly, it can be very beneficial, and an extraordinary amount has been done in this regard. But you see, anyone who can draw on a genuine understanding of human nature it is always, in a certain sense, a cause for anxiety and apprehension when they see people who, as children, were raised very much in the spirit of hardening, and who are then—precisely because they are so hardened—unable to walk across a sun-drenched, hot square, because they begin to enter a state of mind and body such that they simply cannot walk across the square at that moment. Hardening can only be proper if it makes a person resilient in the most diverse areas of life.

[ 29 ] Da muß man allerdings zwei Arten in Betracht ziehen. Das erste ist dieses, daß ja die Welt dem Menschen eine gewisse Richtschnur mitgegeben hat, daß er sich eigentlich nur wohl befindet, wenn er die Wärme- und Kälteverhältnisse seiner Umgebung nicht bemerkt, und daß er eigentlich immer in einer Lage ist, die unter allen Umständen seiner Gesundheit nicht zuträglich ist, wenn er in abnormer Weise die Wärme- und Kälteverhältnisse seiner Umgebung merken muß. Er muß sie natürlich unter Umständen als Sinnesempfindungen merken, aber er soll sie nicht durch seinen ganzen Organismus merken.

[ 29 ] However, one must take two types into account. The first is this: the world has, in a sense, provided humans with a certain guideline, namely that they are truly comfortable only when they do not notice the temperature conditions of their environment, and that they are, in fact, always in a situation that is detrimental to their health under any circumstances when they are forced to perceive the temperature conditions of their environment in an abnormal way. Of course, he must perceive them as sensory impressions under certain circumstances, but he should not perceive them through his entire organism.

[ 30 ] Dazu ist also notwendig, daß wir wirklich vor allen Dingen die Bekleidung so einrichten, daß der Mensch in einem neutralen Erlebnis gegenüber den Wärmeverhältnissen sein kann, und da muß tatsächlich alles einzelne berücksichtigt werden. Wir sind durchaus als Menschen so veranlagt, daß, wenn wir zu stark den Kälteverhältnissen ausgesetzt sind, wir dann einfach ein gewisses inneres Funktionieren nicht in der richtigen Weise vollziehen können; und daß, wenn wir zu stark den Wärmeverhältnissen ausgesetzt sind, dieses innere Funktionieren gewisser Organe wiederum übertrieben wird. So können wir sagen: Wenn der Mensch in abnormer Weise zu stark Kälteverhältnissen ausgesetzt ist, werden seine Organe allmählich dazu geneigt gemacht, sich innerlich zu verschleimen, und es entstehen dann alle diejenigen Krankkeiten, die ich eben mit einem populären Ausdruck bezeichnen will: die innerlichen Verschleimungen. Die Organe werden innerlich mit Stoffwechselabgängen durchkleistert. Es entsteht diese Verschleimung. — Wenn ich den Menschen zu stark der Hitze aussetze, so verdorren die Organe, sie verknöchern, sie verkrusten, und sie werden dann im eminentesten Sinne anämische Organe.

[ 30 ] To this end, it is therefore necessary that we, above all else, design clothing in such a way that a person can experience neutral conditions with regard to temperature, and every single detail must indeed be taken into account. As human beings, we are inherently predisposed such that, if we are exposed to cold conditions too intensely, we simply cannot carry out certain internal functions properly; and that, if we are exposed to heat conditions too intensely, the internal functioning of certain organs, in turn, becomes excessive. Thus we can say: When a person is abnormally and excessively exposed to cold conditions, their organs gradually become prone to internal mucus buildup, and this gives rise to all those diseases that I would like to describe, using a popular term, as “internal mucus buildup.” The organs become internally clogged with metabolic waste products. This mucus accumulation occurs. — If I expose a person to excessive heat, the organs wither, they ossify, they encrust, and they then become, in the truest sense of the word, anemic organs.

[ 31 ] Das ist dasjenige, was durch ein gewisses Hineinschauen in den Organismus einem wiederum den Weg bereitet, um auf diesem Gebiete in der richtigen Weise erziehend vorzugehen. Aus allem muß der Mensch symptomatologisch lernen. Wir Menschen sind zum Beispiel dazu veranlagt, daß wir das Gesicht in einer Weise der Kälte aussetzen können; und dieses menschliche Antlitz ist durch den Anteil, den es an der Gesamtorganisation des Menschen nimmt, eben schon dazu veranlagt, auch größeren Kälteverhältnissen ausgesetzt zu werden als der übrige Organismus. Dadurch, daß es größeren Kälteverhältnissen ausgesetzt ist, hält es fortwährend die anderen Organe vor dem Verdorren zurück, regt die Organe an, und es ist ein Wechselspiel zwischen dem der Kälte sich leichter aussetzenden Gesicht und den anderen Gliedern der menschlichen Organisation. Aber man darf das nicht verwechseln mit einem anderen des Menschen, verzeihen Sie den harten Ausdruck, man darf die Waden des Menschen nicht verwechseln mit dem Gesicht. Das ist ein Unfug, der in der Gegenwart getrieben wird, indem des Menschen Waden verwechselt werden mit seinem Gesicht. Man läßt die Kinder so herumgehen, daß sie nackte Beine haben bis über die Knie herauf, manchmal noch weit über die Knie herauf. Das ist eine Verwechslung des einen Endes des Menschen mit dem anderen. Wenn die Menschen den Zusammenhang einsehen würden, der da besteht, so würden sie eben wissen, wie ungeheuer viel Blinddarmentzündungen im späteren Leben eben einfach zusammenhängen mit dieser Verwechslung des einen Endes des Menschen mit dem anderen Ende.

[ 31 ] This is precisely what, through a certain insight into the organism, paves the way for us to proceed in the right educational manner in this area. Human beings must learn from everything through a symptomatic approach. We humans, for example, are predisposed to be able to expose our faces to cold; and because of the role the human face plays in the overall organization of the human being, it is already predisposed to be exposed to colder conditions than the rest of the organism. Because it is exposed to greater cold, it continually prevents the other organs from withering, stimulates the organs, and there is an interplay between the face—which is more readily exposed to the cold—and the other parts of the human organism. But one must not confuse this with another part of the human body—forgive the harsh expression—one must not confuse a person’s calves with their face. This is the nonsense being perpetrated today, in which a person’s calves are confused with their face. Children are allowed to walk around with their legs bare up to the knees, sometimes even far above the knees. This is a confusion of one end of the human being with the other. If people could see the connection that exists here, they would realize just how many cases of appendicitis in later life are simply linked to this confusion of one end of the human being with the other.

[ 32 ] Es muß allerdings gesagt werden, daß der Mensch eben auch ertragsam gemacht werden muß, daß er nicht bei jedem 'Temperaturwechsel außer sich gerät. Das wird dann wiederum dadurch bewirkt, daß man zum Beispiel weiß: Wenn der Mensch sich schon in der Kindheit zu empfänglich zeigt für einen solchen Temperaturwechsel, dann muß man durch die entsprechende Nahrung wiederum aufhelfen. Das sind durchaus Dinge, welche uns zeigen, wie Erwärmung und Ernährung zusammenwirken müssen. Nahrung und Wärme, Ernährung und Wärmung stehen durchaus in einem Wechselverhältnisse. Bei demjenigen Menschen, der den Temperaturwechsel zu stark empfindet, muß man dafür sorgen, daß er durch eine mehr oder weniger wärmende Ernährung innerlich fester wird gegen diese Temperaturwechsel.

[ 32 ] It must be said, however, that people must also be made resilient so that they do not lose their composure at every ‘change in temperature.’ This, in turn, is achieved, for example, by recognizing that if a person shows themselves to be overly sensitive to such temperature changes even in childhood, then they must be supported through appropriate nutrition. These are precisely the kinds of things that show us how warmth and nutrition must work together. Food and warmth, nutrition and warming are definitely interrelated. For people who are overly sensitive to temperature changes, care must be taken to ensure that they become internally stronger against these changes through a diet that is more or less warming.

[ 33 ] Sie sehen also, wie eine wirkliche Menschenerkenntnis auch in dieser Beziehung auf den Weg hilft, und wie im Grunde genommen alles im menschlichen Organismus nicht nur zusammenwirken muß, sondern vor allen Dingen beim Erzieher und Unterrichter zusammenwirkend muß gedacht werden können.

[ 33 ] So you can see how a genuine understanding of human nature also helps us find our way in this regard, and how, fundamentally, everything in the human organism must not only work together, but—above all—must be conceived of as working together, especially in the case of educators and teachers.

[ 34 ] Das dritte, worauf Sorgfalt zu verwenden ist in bezug auf die physische Erziehung, das ist die Bewegungsbetätigung, die wir an das Kind heranbringen. Es handelt sich ja da durchaus darum, daß das menschliche Wesen nicht nur seine innere Betätigung auszuführen hat, sondern so organisiert ist, daß in seiner Wesenheit selbst die Mitbetätigung an der äußeren Welt liegt; daß es sich als ein Glied dieser äußeren Welt fühlen muß. Wir können sagen, kein Organ an dem Menschen ist so organisiert, daß wir es in der Ruhe verstehen können. Wir können die Ruhe eines menschlichen Organes nur verstehen, wenn wir es auf die Bewegung beziehen können, die durch das Organ ausgeführt ist, sei es ein äußeres Organ, wo in der Ruheform schon die äußere Bewegungsform angedeutet ist, sei es ein inneres, wo in der Gestalt des Organes eben durchaus ausgedrückt wird, in welcher Weise es in einer innerlichen Rührigkeit ist und dadurch an dem Gesamtprozesse der menschlichen Organe teilnimmt. Dem wird dadurch Rechnung getragen, daß wir die Bewegungsbetätigung in der richtigen Weise an das Kind heranbringen. Aber wir müssen gerade dabei die Gesamtwesenheit des Menschen ins Auge fassen und werden darauf Rücksicht nehmen müssen, daß das Leibliche, das Seelische, das Geistige in der gleichen Weise zu seinem Rechte kommt. Das ist zunächst für das Kind nur dann der Fall, wenn wir seine Bewegungsbetätigung in dem richtigen Stil geschehen lassen, in dem Stile, bei dem das Kind dadurch eine Befriedigung hat, daß es die entsprechenden Bewegungsformen aus seinen eigenen Intentionen hervorbringt und mit seinen eigenen Befriedigungen begleiten kann.

[ 34 ] The third aspect that requires careful attention with regard to physical education is the physical activity we introduce to the child. The point here is that human beings are not only meant to carry out their inner activities, but are organized in such a way that their very nature involves active participation in the external world; that they must feel themselves to be a part of this external world. We can say that no organ in the human body is organized in such a way that we can understand it in a state of rest. We can only understand the rest of a human organ if we can relate it to the movement performed by the organ—whether it is an external organ, where the external form of movement is already implied in its state of rest, or an internal one, where the organ’s very form expresses precisely how it is engaged in inner activity and thereby participates in the overall process of the human organs. This is taken into account by introducing movement activities to the child in the proper way. But in doing so, we must keep the human being’s totality in mind and ensure that the physical, the psychological, and the spiritual are all given their due in equal measure. For the child, this is initially the case only when we allow the child’s physical activity to take place in the right style—a style in which the child derives satisfaction from bringing forth the appropriate forms of movement from their own intentions and accompanying them with their own sense of fulfillment.

[ 35 ] Wir müssen daher bei einer auf Menschenerkenntnis beruhenden Erziehung dafür sorgen, daß wir verstehen lernen, in welcher Weise sich das Kind im Spiel frei betätigen will. Alles, was wir an stereotypen, ausgetüftelten Spielformen an das Kind heranbringen, all das spannt ja das Kind in etwas ein, was ihm fremd ist; es unterdrückt dasjenige, was innerlich in dem Kinde rührig sein sollte. Das Kind wird allmählich träge in bezug auf seine eigene innere Tätigkeit, und da man ihm dann äußere Tätigkeit aufnötigt, fühlt es sich innerhalb dieser äußeren Betätigung ohne Interesse drinnen.

[ 35 ] In an education based on an understanding of human nature, we must therefore ensure that we learn to understand the ways in which the child wants to engage freely in play. Everything we present to the child in the form of stereotypical, contrived forms of play constrains the child into something that is foreign to him or her; it suppresses what should be active within the child. The child gradually becomes sluggish with regard to its own inner activity, and since external activity is then imposed upon it, it feels uninterested within this external activity.

[ 36 ] Man kann sich in diese Dinge besonders dadurch gut Einblick verschaffen, wenn man bemerkt, wie man das Spiel des Kindes, bei dem man ja meist darauf Rücksicht nimmt, was in den Intentionen des Kindes liegen kann, wie man das freie Spiel des Kindes zu sehr aufgehen läßt in der turnerischen Beschäftigung. Wie gesagt, ich will durchaus nicht etwa das Turnen in Grund und Boden verdammen; aber im allgemeinen muß doch gesagt werden, daß die Turnübungen so geformt sind, daß sie in einer gewissen äußerlichen Weise an das Kind herantreten. Daher wird derjenige, der wirkliche Menschenerkenntnis hat, lieber sehen, wenn die Kinder in ihrer freien Weise am Barren, am Reck, an den Strickleitern und so weiter sich frei betätigen, als wenn der Turnlehrer dasteht und die Bewegungen kommandiert, in die sich das Kind dann als in etwas Äußerliches, das es anschaut, mehr hineinbequemt, als daß sie aus ihm selbst hervorkämen. Nicht so gut wäre es, wenn der Lehrer kommandiert eins! zwei! drei! —- und vorschreibt, wie das Kind auf die erste Speiche der Strickleiter, auf die zweite Speiche und so weiter gehen soll, oder in entsprechender Weise am Reck oder Barren sich zu betätigen habe, indem es seinen Körper in stereotype Formen bringt.

[ 36 ] One can gain a particularly good insight into these matters by observing how a child’s play—in which one usually takes into account what the child’s intentions might be—is allowed to become too deeply intertwined with gymnastic activities. As I said, I certainly do not wish to condemn gymnastics outright; but in general, it must be said that gymnastic exercises are structured in such a way that they approach the child in a certain external manner. Therefore, anyone with a genuine understanding of human nature would prefer to see children engaging freely in their own way on the parallel bars, the high bar, the rope ladders, and so on, rather than having the gymnastics teacher stand there and command the movements—movements into which the child then adapts more as something external that it observes, rather than movements that arise from within the child itself. It would not be as good if the teacher commanded “one! two! three!”—and prescribed how the child should step onto the first rung of the rope ladder, then the second, and so on, or how it should perform exercises on the high bar or parallel bars in a corresponding manner, forcing its body into stereotypical forms.

[ 37 ] Ich weiß, daß dieses ja schon ein wenig über das hinausgeht, was heute in einer neutralen Weise aufgenommen wird, denn für die eine oder andere gymnastische Zeitbewegung ist ja heute ein jeder etwas fanatisiert, und man trifft insbesondere dann auf Antipathien, wenn man das bloß Gymnastische, das äußerlich dem Kinde beigebracht wird, in das richtige Licht stellt gegenüber dem, was aus dem Kinde selbst an der Entfaltung des freien Spieles hervorgerufen wird.

[ 37 ] I know that this does go a little beyond what is generally accepted today, since everyone today is somewhat fanatical about one or another trend in gymnastics, and one encounters particular resistance when one places the purely gymnastic elements—which are taught to the child externally—in the proper light in contrast to what arises from within the child itself through the unfolding of free play.

[ 38 ] Dieses freie Spiel ist dasjenige, was man studieren muß! Man muß das Kind kennenlernen, dann wird man auch die Möglichkeit finden, es zu diesem freien Spiel anzuregen. An diesen freien Spielen sollen die Knaben ebenso wie die Mädchen teilnehmen können. Dadurch wird die Möglichkeit herbeigeführt werden, daß durch die Regsamkeit, welche dann das Innere des Menschen mitmacht, während das Kind äußerlich rege ist, die gesamten inneren Funktionen in einer harmonischen Weise zur Betätigung kommen. Und man wird vor allen Dingen in der richtigen Weise dann auf so etwas hinsehen wie, sagen wir, das Eintreten der Anämie, der Bleichsucht bei jungen Mädchen, die ja in den meisten Fällen einfach davon herrührt, daß die jungen Mädchen abgeschlossen werden von den Knaben, daß es so angesehen wird, als ob es bei ihnen nicht artig wäre, wenn sie etwas herumtollen, am freien Spiel mit den Knaben teilnehmen. Nur vielleicht in einer kleinen Weise nuanciert sollen sie in derselben Weise dasjenige ausführen, was die Knaben im freien Spiel ausführen.

[ 38 ] This free play is what one must study! One must get to know the child; then one will also find a way to encourage the child to engage in this free play. Both boys and girls should be able to participate in these free games. This will create the opportunity for all inner functions to be activated in a harmonious way through the inner activity that accompanies the child’s outward liveliness. And above all, one will then be able to properly address issues such as, let’s say, the onset of anemia in young girls—which in most cases simply stems from the fact that young girls are kept separate from boys, and it is considered improper for them to romp about or participate in free play with the boys. Only, perhaps with a slight nuance, should they engage in the same activities that the boys do during free play.

[ 39 ] Gerade das aber - bitte, es soll durchaus nicht im geringsten eine Anspielung auf irgend etwas sein, das im Leben einmal da ist, es soll nur als eine Terminologie aufgefaßt werden -, es ist einmal richtig, daß das gewohnte Ideal, das oftmals in bezug auf kleine Mädchen vorhanden ist, in vieler Beziehung gerade die gesundheitliche Veranlassung ist für das Eintreten der späteren anämischen Zustände, denen wir eben dadurch abhelfen können, daß wir auch das Mädchen in der entsprechenden Weise in das freie Spiel hineinbringen. Wir behüten es in dieser Beziehung davor, daß seine inneren Funktionen allmählich träge werden und es nicht bis dahin bringen, in der richtigen Weise aus der Verdauungstätigkeit heraus das Blut zu bilden.

[ 39 ] But precisely that—please, this is by no means meant to be the slightest allusion to anything that might exist in real life; it should be understood solely as a matter of terminology— it is indeed true that the conventional ideal, which is often held regarding little girls, is in many respects precisely the health-related cause of the later onset of anemic conditions—conditions we can remedy precisely by encouraging the girl to engage in free play in an appropriate manner. In this regard, we protect her from her internal functions gradually becoming sluggish and from failing to properly produce blood through the digestive process.

[ 40 ] Bei solchen Dingen ist es ja insbesondere schwierig, in der Gegenwart volles Verständnis hervorzurufen, aus dem einfachen Grunde, weil die Art von Erkenntnis, die man heute anerkennt, nicht aus dem eigentlichen inneren Wesen des Menschen heraus forscht, sondern einzelne Tatsachen zusammenträgt, und sich aus diesen einzelnen Tatsachen, wie man sagt, auf induktivem Wege ein allgemeines Wissen zusammenbraut. Dadurch kommt man ja ganz gewiß auf richtige Dinge; aber es kommt im Leben darauf an, daß man immer auf die lebenswichtigen Dinge kommt. So kann es schon geschehen, daß ein für die heutige Wissensart besonders fanatisierter Mensch kommt und sagt: Ja, du erzählst uns jetzt, daß durch eine mangelhafte Betätigung des Bewegungsspieles die Anämie bei jungen Mädchen erzeugt werden kann; aber ich hatte einen Fall - er kann auch fünf meinetwillen beobachtet haben -, wo auf dem Dorfe draußen die Mädchen gar nicht abgehalten worden sind, herumzutollen, und dennoch habe ich dort anämische Fälle gefunden. — Ja, da handelt es sich darum, daß dann eben nachgeforscht werden muß, wo gerade in diesem speziellen Fall die Anämie herkommt. Vielleicht hat einfach das junge Mädchen als Kind, sagen wir, an einer Herbstzeitlose, Colchicum autumnale, einmal leise genascht, und dadurch ist die Veranlagung in das Kind gebracht worden, die sich später in anämischen Zuständen auswirkt.

[ 40 ] With matters such as these, it is particularly difficult to elicit full understanding in the present day, for the simple reason that the kind of knowledge recognized today does not probe the actual inner essence of the human being, but rather gathers individual facts and, as they say, concocts general knowledge from these individual facts by inductive means. This certainly leads to correct conclusions; but what matters in life is that one always arrives at the things that are vital to life. So it can happen that a person who is particularly fanatical about today’s kind of knowledge comes along and says: “Yes, you’re telling us now that anemia in young girls can be caused by a lack of physical activity; but I had a case—he might as well have observed five, for all I care—where out in the village the girls were not prevented at all from running around and playing, and yet I found cases of anemia there.” — Yes, the point is that we must then investigate where the anemia comes from in this specific case. Perhaps the young girl simply nibbled a little on, say, a colchicum autumnale as a child, and this instilled in her a predisposition that later manifested as anemia.

[ 41 ] Dasjenige, was dann hier noch besonders in Betracht kommt, ist, daß wir die Gesamtgesundheitsveranlagung des Kindes auch durch geistige Überbürdung beeinträchtigen. Wenn wir das Kind nicht in der richtigen Weise ins Bewegungsspiel hineinbringen, dann versorgen wir in schlechter Weise seinen Stoffwechselorganismus. Wenn wir das Kind namentlich mit denjenigen geistigen Dingen, die sich auf die äußere Welt beziehen, überbürden, dann rufen wir in dem Kinde einen übertriebenen Stoffwechsel im Kopfe selbst hervor. Der Mensch ist zwar ein dreigliedriges Wesen, aber alle einzelnen Betätigungen, die in einem Organsystem überwiegen, sind in einem gewissen Sinne auch in dem anderen Organsystem vorhanden. Und wenn wir den Menschen nicht mit spirituellen Sachen, sondern mit demjenigen, was die äußere Welt an ihrem Inhalte auf physischem Gebiete bietet, überbürden, dann lenken wir in einem gewissen Sinne die reguläre Verdauungstätigkeit von dem Stoffwechselsystem nach dem Kopfsystem ab, und dadurch rufen wir auf der anderen Seite wiederum eine Art von anormaler Betätigung des ganzen Verdauungssystems hervor.

[ 41 ] Another factor that is particularly important here is that we can also impair a child’s overall health by overburdening them mentally. If we do not introduce the child to active play in the right way, then we are not properly supporting their metabolic processes. If we overload the child, particularly with mental matters relating to the external world, we induce an excessive metabolism in the child’s head itself. Although the human being is a threefold being, all individual activities that predominate in one organ system are, in a certain sense, also present in the other organ systems. And if we overload a person not with spiritual matters but with what the external world offers in terms of physical content, then we divert, in a certain sense, the normal digestive activity from the metabolic system to the head system, and thereby we in turn induce a kind of abnormal activity in the entire digestive system.

[ 42 ] Es können dadurch ganz ähnliche Erscheinungen, wiederum anämische Zustände, im geschlechtsreifen Alter eintreten. Und auch da kann man uns wieder kommen und hinausweisen aufs Dorf, wo unter Umständen auch anämische Zustände auftreten, und man gar nicht geltend machen kann, daß solche Kinder etwa geistig überfüttert worden seien. Man wird wiederum nachforschen müssen und wird herausbekommen, daß Anämie vielleicht in diesem Falle dadurch hervorgerufen worden ist, daß in diesem Dorf ein Haus ist, das von sogenanntem wildem Wein umrankt ist; die Beeren des wilden Weines haben vielleicht einmal die Neugierde des Kindes erregt, das kann später eingesehen werden, es hat eine, zwei, drei dieser Beeren in einem überreifen Zustand, wo sie ganz schwarz werden, genascht, und hat dadurch wegen seiner übrigen Konstitution die Anlage zur Anämie gelegt.

[ 42 ] This can lead to very similar symptoms—again, cases of anemia—during puberty. And here, too, people may once again point to the village, where cases of anemia may also occur under certain circumstances, and one cannot claim that such children have been, so to speak, “overfed” intellectually. One will have to investigate further and will discover that anemia in this case may have been caused by the fact that there is a house in this village overgrown with so-called wild grapevines; the berries of the wild grapevine may once have piqued the child’s curiosity—as can be understood later—and the child may have nibbled on one, two, or three of these berries when they were overripe, turning completely black, thereby laying the groundwork for anemia due to the child’s overall constitution.

[ 43 ] Das sind die Dinge, die durchaus berücksichtigt werden müssen: daß ja das ganz richtig sein kann, wenn man einzelne solche Tatsachen zusammenträgt und sich daraus ein allgemeines Wissen zusammenbraut, aber bei einem lebenspraktischen Wissen kommt es darauf an, eben auch das eigentlich Lebenspraktische ins Auge zu fassen, dasjenige, wo man angreifen und eingreifen kann im und am Leben. Und ein solches Wissen liefert dem Unterrichtenden und dem Erziehenden doch nur eine wirkliche Menschenerkenntnis von innen heraus, eine solche Menschenerkenntnis, die ihm dasjenige überliefert, was er in der Hauptsache in seiner Macht haben kann: daß wir in der richtigen Weise das Kind in Bewegungsspiele hineinführen, daß wir das Kind nicht überbürden in geistiger Beziehung. Das haben wir nicht nur in der Hand, sondern das ist unsere erste Aufgabe.

[ 43 ] These are the things that must certainly be taken into account: that it may well be correct to gather individual facts of this kind and concoct a general body of knowledge from them, but when it comes to practical knowledge of life, what matters is to focus precisely on what is actually practical in life—that which one can address and intervene in within and in relation to life. And only such knowledge provides the teacher and the educator with a genuine understanding of human nature from within—an understanding that conveys to them what they can primarily control: that we guide the child into movement games in the right way, and that we do not overburden the child intellectually. Not only is this within our control, but it is our primary task.

[ 44 ] Wir können natürlich nicht in jedem einzelnen Fall ein Kind abhalten, an Colchicum autumnale oder an wildem Wein zu naschen. Aber wir können es in der richtigen Zeit mit solchen Intuitionen versehen, durch die es in der Lage ist, sein Physisches nach allen Seiten hin und in der höheren Regsamkeit auszubilden.

[ 44 ] Of course, we cannot prevent a child from nibbling on Colchicum autumnale or wild grapevine in every single case. But we can, at the right time, equip the child with the kind of intuition that enables him or her to develop his or her physical constitution in every respect and to achieve a higher level of vitality.