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Anthroposophical Anthropology and Education
GA 304a

1 July 1923, Dornach

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Anthroposophical Anthropology and Education, tr. SOL
  1. Anthroposophische Menschenkunde und Pädagogik

5. Warum eine anthroposophische Pädagogik? II

5. Why Anthroposophical Education? II

[ 1 ] Gestern abend versuchte ich zu zeigen, wie die tiefe Kluft, welche zwischen unserem ganz theoretisch gewordenen Geistesleben und der Lebenspraxis ist, den Zugang zu einer wirklichen pädagogischen Kunst für den Menschen der Gegenwart verhindert. Man nimmt die Dinge, die mit dieser Zeiterscheinung zusammenhängen, gewöhnlich nicht ernst genug, weil sie sich eigentlich gar nicht dem Verstande mitteilen, sondern weil sie sich mitteilen im Verlaufe des Lebens dem Gemüte. Unsere Zeit ist aber so sehr geneigt, immer die Kundgebungen des menschlichen Gemütes, der menschlichen Empfindungen verstummen zu machen vor den Ansprüchen des Verstandes.

[ 1 ] Last night I tried to show how the deep chasm between our intellectual life—which has become entirely theoretical—and the practice of daily life prevents people today from accessing a true art of education. People generally do not take the things associated with this contemporary phenomenon seriously enough, because they do not actually reveal themselves to the intellect, but rather reveal themselves to the soul in the course of life. Our age, however, is so inclined to always silence the expressions of the human soul and human feelings in the face of the demands of the intellect.

[ 2 ] Alles was den Menschen der Gegenwart so stark zwingt, die Wissenschaft der Gegenwart, die eigentlich nur eine Naturwissenschaft ist, keine Seelen- und keine Geisteswissenschaft, als eine unbeschränkte, unfehlbare Autorität anzuerkennen, besteht eigentlich darin, daß der Mensch heute immerzu seinen Verstand zum Richter einsetzt gegenüber allem, was sonst aus der vollen Menschheit herauskommt. Der Lehrer aber, der ja auch herauswächst aus dem, was die ganze heutige Bildung geben kann über das Geistesleben, der also in allen seinen Empfindungen, in seinen Gefühlen, in der Schule wiederum aus demjenigen Schulleben heraus wirken muß, das er durchgemacht hat, der fühlt schon, wenn er mit seinen Kindern zusammen ist, in seiner Seele, wie stark, wie intensiv der gestern abend angedeutete Abgrund wirkt.

[ 2 ] Everything that compels people today so strongly to recognize contemporary science—which is actually only a natural science, not a science of the soul or Spiritual Science—as an unlimited, infallible authority, consists in the fact that people today constantly use their intellect as a judge against everything else that arises from the fullness of humanity. The teacher, however—who, after all, also grows out of all that contemporary education can offer regarding spiritual life, and who must therefore, in all his sensibilities and feelings, act within the school setting based on the school life he himself has experienced—already senses in his soul, when he is with his students, just how strongly and intensely the abyss hinted at last night is at work.

[ 3 ] Der Lehrer hat zunächst verschiedenes aufgenommen über die menschliche Seele, über die Art und Weise, wie die menschliche Seele wirkt. Darnach haben sich seine eigenen Empfindungen, ja seine Willensimpulse gestaltet. Namentlich aber hat sich darnach gestaltet die ganze Lebensstimmung, mit der er sein Lehramt antritt. Und dann muß er aus dem, was ihm heute ganz theoretisch über den Geist in seine Seele hineinergossen ist, wirken.

[ 3 ] The teacher first absorbed various insights about the human soul and the way in which the human soul functions. His own feelings, indeed his impulses of will, took shape accordingly. In particular, however, the entire spirit with which he assumes his teaching position was shaped by this. And then he must act upon what has been poured into his soul today—entirely theoretically—concerning the spirit.

[ 4 ] Man sage nicht: Ach was, Theorie! Man wirkt aus seinem vollen menschlichen Herzen heraus, wenn man in der Schule steht. - Meine sehr verehrten Anwesenden, das ist abstrakt ganz richtig. Das kann man auch abstrakt in Worten aussprechen. Aber geradeso wie niemand sagen kann: Ich will mich ins Wasser hineinbegeben und trocken bleiben -, weil das ein innerer Widerspruch ist, ebensowenig kann heute dasjenige, was man auch in den Lehrerbildungsanstalten über die Seele, über den Geist durchmacht, so für die Seele wirken, daß diese Seele einen frischen, einen vollen Zugang zu den Kinderseelen hat. Denn wie man naß werden muß, wenn man ins Wasser hineinspringt, so muß man seelenfremd, geistfremd werden, wenn man sich die heutige Schulbildung aneignet.

[ 4 ] Don’t say, “Oh, come on, theory!” When you stand in front of a class, you act from the depths of your whole human heart. — Ladies and gentlemen, that is absolutely correct in the abstract. You can also express that in words, in the abstract. But just as no one can say, “I want to go into the water and stay dry”—because that is an internal contradiction—so, too, what one experiences today in teacher-training colleges regarding the soul and the spirit cannot have such an effect on the soul that this soul gains a fresh, full access to the souls of children. For just as one must get wet when jumping into water, so one must become alien to the soul and alien to the spirit when one assimilates today’s school education.

[ 5 ] Das ist eine Tatsache. Und gerade denjenigen, die die pädagogische Kunst üben wollen, müßte es heute eigentlich die erste Angelegenheit sein, diese Tatsache in ihrer vollen menschlichen Bedeutung zu durchschauen.

[ 5 ] That is a fact. And for those who wish to practice the art of education, understanding this fact in its full human significance should actually be their top priority today.

[ 6 ] Wenn der Lehrer mit dem, was er heute angeregt hat an Menschheitsgefühl, an Wille, mit den Menschen zu wirken und zu tun, aus seinen eigenen Bildungsstätten herauskommt und das nun anwenden will auf den werdenden Menschen, auf das Kind, dann fühlt er, als wenn das alles, was er in einer so theoretischen Weise sich angeeignet hat, was sein Herz nicht warm, seinen Willen nicht tatkräftig im Geiste gemacht hat, als wenn das alles ein Herumflattern um das Kind herum wäre, nicht etwas, was den Zugang zum Kind findet.

[ 6 ] When the teacher leaves his own educational institutions with the sense of humanity and the will to work and act with people that he has cultivated today, and now wishes to apply this to the developing human being—to the child—he feels as if everything he has acquired in such a theoretical way, which his heart has not warmly nor made his will active in the spirit—as if all of that were merely fluttering around the child, rather than something that truly connects with the child.

[ 7 ] Und so geht eigentlich der Lehrer in die Klasse hinein, indem er, man möchte sagen, eine Scheidewand um sich aufrichtet, durch diese Scheidewand nicht hindurchdringt bis zu den Seelen der Kinder, und nun gewissermaßen sich in der Luft betätigt, die außerhalb der Kinder ist, nicht mitfolgen kann in seiner Seele dem eingezogenen Atem, durch den die Luft in das Innere der Kinder kommt. Er fühlt sich außerhalb des Kindes stehend, gewissermaßen herumplätschernd in einem unbestimmten theoretischen Elemente außerhalb des Kindes.

[ 7 ] And so, in a sense, the teacher enters the classroom by, one might say, erecting a partition around himself; he does not penetrate through this partition to reach the children’s souls, and now, as it were, operates in the air that is outside the children, unable to follow in his soul the inhaled breath through which the air enters the children’s inner beings. He feels himself standing outside the child, as it were, splashing about in an indeterminate theoretical element outside the child.

[ 8 ] Und wiederum, wenn der Lehrer alles das, was er heute durch unsere ausgezeichnete Naturwissenschaft lernt, das ihn in einer so gediegenen Weise hineinführt in die äußeren Naturdinge und Naturtatsachen, wenn er das alles nun in seinen Verstand, in seinen Kopf aufgenommen hat, dann fühlt er, daß er mit diesem erst recht nicht an das Kind herankommt, denn das sagt ihm etwas über die Leiblichkeit des Kindes. Aber die Leiblichkeit, die Körperlichkeit, wir verstehen sie nicht, wenn wir nicht durch sie hindurchdringen zu dem Geist. In aller Körperlichkeit, in aller Leiblichkeit ist das Zugrundeliegende geistig.

[ 8 ] And again, when the teacher takes in everything he learns today through our excellent natural science—which introduces him in such a solid way to the external phenomena and facts of nature—and when he has absorbed all of this into his mind, into his head, then he feels that this knowledge is even less likely to help him reach the child, for it tells him something about the child’s physicality. But physicality—we do not understand it unless we penetrate through it to the spirit. In all physicality, the underlying reality is spiritual.

[ 9 ] Und so kommt es, daß der Mensch, der heute an das Kind herankommen will mit pädagogischer Kunst, äußerlich experimentierend an dem Leibe herumprobiert: Wie muß man den Leib behandeln, damit das Gedächtnis in der richtigen Weise ausgebildet wird? Wie muß man den Leib behandeln, damit die Aufmerksamkeit in der richtigen Weise geübt wird? - und so weiter. Und da fühlt sich dann der Lehrer so ungefähr, wie wenn man jemandem, den man ins Licht führen wollte, zunächst vollständig die Augen verdeckende Brillen vor die Augen setzte. Wie etwas Undurchsichtiges wird die Menschenleiblichkeit selber durch diese Naturwissenschaft. Und so fühlt sich der Lehrer mit aller Naturwissenschaft gerade nicht fähig, an das durchgeistigte natürliche Leben des Kindes heranzukommen.

[ 9 ] And so it happens that anyone today who wants to reach a child through the art of education ends up experimenting externally on the body: How should one treat the body so that memory is developed in the right way? How should one treat the body so that attention is trained in the right way? —and so on. And then the teacher feels something like someone who, wanting to lead another person into the light, first puts glasses over their eyes that completely block the view. Through this natural science, human physicality itself becomes something opaque. And so, with all of natural science, the teacher feels precisely incapable of reaching the child’s natural life, which is imbued with spirit.

[ 10 ] Das wird heute noch nicht in der allgemeinen Zivilisation verstandesmäßig erörtert. Wo wird heute so gesprochen, wie ich eben jetzt gesprochen habe, über die Fremdheit, mit der wir um das Kind herumgehen, ohne eine wirkliche Menschenkenntnis, mit einer ausgezeichneten Naturerkenntnis, wo wird so gesprochen? Und weil nicht so gesprochen wird, lädt sich das alles, was so in Worte gekleidet werden kann, in Gefühlen und Empfindungen ab. Und der Lehrer geht fast jede Stunde mit einem ganz kleinen Quantum von unbefriedigter Empfindung aus seiner Klasse heraus. Und diese kleinen Quanten von unbefriedigter Empfindung verhärten ihn, die machen ihn nicht nur kinderfremd, sondern weltfremd, die lassen sein eigenes Gemüt kalt und nüchtern werden.

[ 10 ] This is not yet being discussed rationally in mainstream civilization today. Where today is anyone speaking, as I have just spoken, about the alienation with which we treat children—lacking a true understanding of human nature, yet possessing an excellent understanding of nature—where is anyone speaking this way? And because no one speaks this way, everything that could be expressed in words is instead channeled into feelings and emotions. And the teacher leaves his classroom almost every hour carrying a tiny bit of unfulfilled feeling. And these tiny bits of unfulfilled feeling harden him; they not only make him alien to children but also alien to the world; they cause his own spirit to grow cold and sober.

[ 11 ] So sehen wir, wie Frische und Leben und Beweglichkeit gerade aus jenem intimen Verkehr des Menschen mit dem Menschen schwindet, der zur Offenbarung kommt in dem Verkehr zwischen dem erwachsenen Lehrenden und Erziehenden und dem zu erziehenden, dem heranwachsenden Kinde. Diese Dinge muß man mit dem Gemüte auch verstehen, weil heute der Verstand, der nur an den äußeren Naturerscheinungen geschult ist, ich möchte sagen, noch zu grob ist, um diese intimen Dinge in all ihrer Feinheit zu begreifen.

[ 11 ] Thus we see how freshness, vitality, and agility are fading precisely from that intimate interaction between human beings, which is revealed in the relationship between the adult teacher and educator and the child being raised—the growing child. One must also understand these things with the heart, because today the intellect—trained only in the external phenomena of nature—is, I would say, still too coarse to grasp these intimate matters in all their subtlety.

[ 12 ] Und so sehen wir, daß alte Forderungen immer und immer wiederholt werden, wenn von pädagogischer Kunst gesprochen wird. Sie wissen ja, wie die Pädagogik auf der einen Seite hergeleitet wird aus der Psychologie, aus der Seelenkunde, und Sie wissen, wie auf der anderen Seite die Pädagogik hergeleitet wird aus der Ethik, aus der Erkenntnis der sittlichen Menschenpflichten. Überall kann man, wo von pädagogischer Kunst geredet wird, heute hören, wie auf diesen zwei Grundsäulen begründet werden soll die pädagogische Kunst: auf einer Seelenkunde und auf einer Sittenkunde. Aber wir haben ja nur dasjenige, was zwischen den beiden drinnen steht. Es gibt sich der Mensch einer schier unbegrenzten Illusion hin, wenn er glaubt, daß heute eine wirkliche Seelenkunde vorhanden sei. Immer wieder muß erinnert werden an das Wort, welches schon im 19. Jahrhundert geprägt worden ist: Seelenkunde ohne Seele, weil die Menschen einfach nicht mehr zum Seelischen durchdringen. Was ist denn unsere heutige Seelenkunde? Es wird paradox klingen, wenn ich zum Ausdruck bringe, was eigentlich unsere heutige Seelenkunde ist. Die Menschen haben aus ursprünglichen Instinkten heraus, aus einer in aller Menschheit in Urzeiten ausgebreiteten hellsichtigen Erkenntnis der Geschichte, die primitiv bildlich, mythisch war, die aber trotz ihrer Primitivität, trotz ihres mythischen Charakters eben in das Seelische hineindrang, eine Seelenkunde gehabt, sie haben gefühlt und empfunden, was das Seelische ist. Und in jener alten Zeit sind Worte geprägt worden, die sich auf das Seelische beziehen: Denken, Fühlen und Wollen. Aber heute’haben wir nicht mehr jenes innere Leben, das uns diese Worte, Denken, Fühlen und Wollen, wirklich belebt.

[ 12 ] And so we see that old demands are repeated over and over again whenever the art of education is discussed. You know, of course, how pedagogy is derived, on the one hand, from psychology—the study of the soul—and you know how, on the other hand, pedagogy is derived from ethics—the understanding of moral human duties. Wherever the art of education is discussed today, one hears how it is to be founded on these two pillars: the study of the soul and the study of morality. But we really have only what lies between the two. People succumb to a nearly boundless illusion when they believe that a true study of the soul exists today. We must repeatedly recall the phrase that was coined as early as the 19th century: “psychology without a soul,” because people simply no longer penetrate to the spiritual realm. What, then, is our psychology today? It will sound paradoxical when I express what our psychology actually is today. Out of primal instincts—out of a clairvoyant understanding of history that was widespread among all humanity in primeval times, which was primitively pictorial and mythical, but which, despite its primitiveness and mythical character, penetrated right into the soul—people once possessed a science of the soul; they felt and sensed what the soul is. And in those ancient times, words were coined that refer to the soul: thinking, feeling, and willing. But today we no longer have that inner life that truly brings these words—thinking, feeling, and willing—to life.

[ 13 ] Was zeigt uns Anthroposophie gegenüber dem Denken? Nun, das Denken stattet uns als Menschen eben mit Gedanken aus. Aber die Gedanken, die wir im gewöhnlichen Leben heute innerhalb unserer gegenwärtigen Zivilisation haben, diese Gedanken zeigen sich uns so, wie wenn wir einem Menschen, den wir antreffen, nicht von vorne ins Antlitz sähen, sondern wie wenn wir ihn nur von hinten anschauten. Es ist ja nur die Rückseite desjenigen, was im Denken lebt, wenn wir so von Gedanken sprechen, wie wir heute innerhalb unserer Kulturzivilisation von Gedanken sprechen. Warum?

[ 13 ] What does anthroposophy reveal to us about thinking? Well, thinking is precisely what endows us, as human beings, with thoughts. But the thoughts we have in everyday life today within our present civilization—these thoughts appear to us as if, when we encounter a person, we were not looking directly into their face, but rather as if we were looking at them only from behind. It is, after all, only the reverse side of what lives in thinking when we speak of thoughts in the way we do today within our cultural civilization. Why?

[ 14 ] Wenn Sie einen Menschen vor sich haben und Sie schauen ihn von hinten an, dann haben Sie eine gewisse Gestaltung. Aber Sie lernen ihn nicht erkennen von derjenigen Seite, in der er seinen eigentlichen physiognomischen Ausdruck hat. Sie lernen ihn nicht erkennen von der Seite, in der er nach außen offenbarend sein Seelenleben lebt. Wenn Sie die Gedanken so kennenlernen, wie es dem heutigen naturwissenschaftlichen Zeitalter möglich ist, so lernen Sie das innere Menschenwesen von hinten kennen. Schauen Sie die Gedanken von der anderen Seite an, dann behalten die Gedanken Leben, dann sind die Gedanken Kräfte.

[ 14 ] When you have a person standing before you and you look at them from behind, you see a certain appearance. But you do not come to recognize them from the side where they display their true physiognomic expression. You do not come to recognize them from the side where they outwardly reveal their inner life. If you come to know thoughts in the way that is possible in today’s age of natural science, you come to know the inner human being from behind. If you look at thoughts from the other side, then the thoughts retain their life; then the thoughts are forces.

[ 15 ] Und was sind denn diese Gedanken? Sie sind diejenigen Kräfte, die die Wachstumskräfte des Menschen sind. Nach außen sind die Gedanken abstrakt, nach innen, nach dem Menschen hin, sind dasjenige, wodurch das ganz kleine Kind größer wird, wodurch es aus seinen unbestimmten Gliedmaßen heraus bestimmte macht, die Gedankenkräfte. Nach außen sehen wir nur tote Gedanken, wie dasjenige, was der Mensch nach rückwärts zeigt, nicht sein lebendiges Wesen offenbart. Wir müssen uns sozusagen auf die andere Seite des Gedankenlebens begeben, dann offenbart sich uns im Gedankenleben dasjenige, was von Tag zu Tag, indem das Kind seinen unbestimmten Gesichtsausdruck immer mehr und mehr zum Ausdruck seiner Seele macht, von innen nach außen wirkt, was in den Blick übergeht, den Blick warm und feurig macht, was in die gerade ja noch im Leben vor sich gehende Formung der Nase übergeht, was aber auch die ganzen ungeordneten Bewegungen des Kindes zu geordneten macht, was innerlich lebt und sich regt, was wirkt und lebt in der ganzen Zeit, solange der Mensch überhaupt wächst.

[ 15 ] And what, then, are these thoughts? They are the very forces that constitute the human being’s powers of growth. Outwardly, thoughts are abstract; inwardly, toward the human being, they are the very forces through which a very small child grows larger, through which it transforms its undefined limbs into defined ones—the powers of thought. Outwardly, we see only dead thoughts—such as what a person projects backward—which do not reveal their living essence. We must, so to speak, turn to the other side of the life of thought; then, within that life of thought, what is revealed to us is that which works from the inside out day by day—as the child increasingly transforms its indeterminate facial expression into an expression of its soul—and which flows into the gaze, making the gaze warm and fiery, what flows into the shaping of the nose—a process still unfolding in life—but also transforms the child’s entire range of disordered movements into ordered ones, what lives and stirs inwardly, what acts and lives throughout the entire period of a person’s growth.

[ 16 ] Und wenn man anfängt also anthroposophisch das Gedankenleben anzuschauen, so ist es wirklich so, wie wenn man einen Menschen, den man bisher nur von hinten kennengelernt hat, nun beginnt von vorne anzuschauen. Alles Tote wird lebendig, das ganze Gedankenleben wird lebendig, wenn man anfängt, es nach innen hin anzuschauen.

[ 16 ] And when one begins to view the life of thought from an anthroposophical perspective, it is truly as if one were now beginning to look at a person from the front, having previously known them only from behind. Everything that was dead comes to life; the entire life of thought comes to life when one begins to look at it from within.

[ 17 ] Das hat man früher zwar nicht so erkannt, wie es heute der Anthroposophie möglich ist, aber man hat es gefühlt, man hat es mythisch zum Ausdrucke gebracht. Heute kann man es erkennen. Daher kann man es auch in die Lebenspraxis überführen. Daher kann man eine Kunst daraus machen, wenn man das Kind zu behandeln hat, wenn man richtig lebendig in diese Dinge eindringt.

[ 17 ] Although people in the past did not recognize this in the same way that anthroposophy makes it possible today, they did sense it and expressed it mythically. Today we can recognize it. That is why we can also put it into practice in our daily lives. That is why we can turn it into an art when dealing with a child, when we truly immerse ourselves in these things with a living sense of them.

[ 18 ] Kennt man das Denken nur von seiner hinteren, von seiner toten Seite, dann kann man das Kind nur verstehen; lernt man das Denken von seiner vorderen, von seiner lebendigen Seite kennen, dann kann man dem Kinde so gegenüberstehen, daß man es nicht nur versteht, sondern daß man alle seine Regungen miterlebt, daß man Liebe hineingießt in alles, was das Kind darlebt.

[ 18 ] If one knows thinking only from its backward, dead side, then one can only understand the child; if one comes to know thinking from its forward, living side, then one can relate to the child in such a way that one not only understands it, but also experiences all its emotions firsthand, pouring love into everything the child lives through.

[ 19 ] Von all dem ist ja nichts Lebendiges geblieben. Unsere heutige Zivilisation hat nur das Wort Gedanke, nicht mehr die Sache. Wir sprechen ja nicht mehr von dem Inhalte der Seelenkunde; wir haben uns nur gewöhnt, die alten Worte weiter zu gebrauchen, und die Worte haben ihren Inhalt verloren.

[ 19 ] Nothing alive has remained of all this. Our civilization today has only the word “thought,” but no longer the thing itself. We no longer speak of the content of the science of the soul; we have simply grown accustomed to continuing to use the old words, and the words have lost their meaning.

[ 20 ] Noch mehr aber als für das Gedankliche hat in unserer Zeit die Sprache den Inhalt verloren für das Gefühlsmäßige oder gar für das Willensmäßige. Die Gefühle dringen aus dem Unterbewußten des Menschen herauf. Der Mensch lebt in ihnen. Aber er schaut nicht in diese unterbewußten Tiefen hinunter; oder wenn er es tut, sieht er hinunter psychoanalytisch, dilettantisch. Er wird nicht gewahr, was da als Seelisches in den Untergründen lebt, wenn er Gefühle hat. Auch für die Gefühle sind nur die Worte geblieben, und erst recht für das Wollen.

[ 20 ] But even more than in the realm of thought, language in our time has lost its meaning for the emotional—or even for the volitional. Emotions well up from the human subconscious. People live within them. But they do not look down into these subconscious depths; or if they do, they look down in a psychoanalytical, amateurish way. When they experience feelings, they are unaware of what lives there in the depths of the soul. For feelings, too, only words remain—and even more so for the will.

[ 21 ] Wir müßten heute, wenn wir das bezeichnen wollten, was wir wissen von diesen Dingen, eigentlich gar nicht vom Willen reden, denn Wille ist für die heutige Zivilisation nur ein Wort; wir müßten sagen, wenn wir den Menschen sehen, er fängt an, seine Hand zu bewegen, seine Hand nimmt die Schreibfeder, die Schreibfeder wird über das Papier geschleift: wir müßten die äußeren Tatsachen der Bewegung beschreiben. Das ist heute noch so. Was da drinnen als Wille steckt, wird ja nicht mehr erlebt, das ist nur ein Wort.

[ 21 ] Today, if we wanted to describe what we know about these things, we really shouldn’t speak of “will” at all, because “will” is merely a word in today’s civilization; we would have to say, when we see a person begin to move his hand, his hand take up the pen, the pen glide across the paper: we would have to describe the external facts of the movement. That is still the case today. What lies within as “will” is no longer experienced; it is merely a word.

[ 22 ] Zu diesen Worten, aus denen das heute besteht, was man Seelenkunde nennt, wiederum die Sache zu finden, wiederum die Vorgänge zu finden, das ist die Aufgabe der Anthroposophie. Daher kann die Anthroposophie eine wirkliche Menschenerkenntnis liefern, während heute für unsere gegenwärtige Zivilisation das, was nur in Worten erlebt ist, sich wie ein Schleier hinbreitet über die wirkliche Tatsache der Psychologie. Und interessant ist es, daß der eben verstorbene Fritz Mauthner eine «Kritik der Sprache» geschrieben hat, weil er gefunden hat, wenn die Menschen heute von seelischen Dingen, von geistigen Dingen sprechen, so haben sie doch bloß Worte. Fritz Mauthner hat nur den Fehler gemacht, daß er nur darauf aufmerksam gemacht hat: Die Gegenwartsmenschen haben bloß Worte, sie haben nicht Sachen, wenn sie über die Seele sprechen, und daß er nicht aufmerksam darauf gemacht hat, daß wiederum die Sachen gefunden werden müssen, weil bloß die Worte vorhanden sind.

[ 22 ] To rediscover, within these words—which today constitute what is called the science of the soul—the essence of the matter and the underlying processes: that is the task of anthroposophy. Therefore, anthroposophy can provide a true understanding of the human being, whereas today, for our present civilization, what is experienced only in words spreads like a veil over the actual reality of psychology. And it is interesting that Fritz Mauthner, who has just passed away, wrote a “Critique of Language,” because he found that when people today speak of spiritual matters, they have nothing but words. Fritz Mauthner’s only mistake was that he merely pointed out: People today have only words, they have no realities, when they speak of the soul; and he failed to point out that these realities must be rediscovered, since only the words exist.

[ 23 ] Natürlich ist Mauthners «Kritik der Sprache» für die Naturwissenschaft ein Unsinn, denn ich möchte einmal wissen, wenn einer ein heißes Bügeleisen angreift, ob er nicht die Tatsache vom Worte unterscheiden kann! Wenn er bloß ausspricht: Das Bügeleisen ist heiß, so brennt es nicht; wenn er es anrührt, da brennt es. In bezug auf alles Naturwissenschaftliche weiß der Mensch - allerdings vielleicht nicht, wenn er durch Theorien ruiniert ist —, aber wenn er im vollen Leben steht, weiß er die Sachen von den Worten zu unterscheiden.

[ 23 ] Of course, Mauthner’s “Critique of Language” is nonsense when it comes to the natural sciences, because I’d like to know—if someone were to grab a hot iron—whether he couldn’t distinguish the fact from the word! If he merely says, “The iron is hot,” it doesn’t burn; if he touches it, then it burns. When it comes to everything related to the natural sciences, people know—though perhaps not if they’ve been ruined by theories—but if they’re living life to the fullest, they know how to distinguish things from words.

[ 24 ] Für die Psychologie hat das aufgehört. Die Menschen haben nur noch die Worte. Und solch ein Mensch wie Fritz Mauthner, der nun in dieser Beziehung ehrlich zu Werke gehen will, sagt: Verbannen wir doch überhaupt das Wort Seele. Wir sehen, daß da innerlich etwas zum Vorschein kommt, das sich dann äußerlich offenbart. Sprechen wir also nicht von Seele, sondern, so meint Fritz Mauthner, sprechen wir, so wie man vom «Gewissen» spricht oder von «Geschwistern», von «Geseel», damit gar nicht mehr der Irrtum hervorgerufen werde, daß man es da mit etwas Realem zu tun hat, wenn man von der Seele spricht.

[ 24 ] For psychology, that has come to an end. People have only words left. And someone like Fritz Mauthner, who now wants to approach this subject honestly, says: Let’s banish the word “soul” altogether. We see that something emerges from within, which then manifests itself externally. So let us not speak of the “soul”; rather, as Fritz Mauthner suggests, let us speak—just as one speaks of “conscience” or “siblings”—of “Geseel,” so that the misconception is no longer given rise to that one is dealing with something real when speaking of the soul.

[ 25 ] Für die Gegenwartszivilisation hat Mauthner vollständig recht. Aber was wir brauchen, ist, wieder einzudringen in dasjenige, was Seele ist, für die Worte wiederum einen Inhalt zu bekommen.

[ 25 ] Mauthner is entirely correct when it comes to modern civilization. But what we need is to reenter into the essence of the soul, so that words may once again have meaning.

[ 26 ] Es ist trostlos, wie herumgeplätschert wird in diesen bloß in Worten lebenden Seelenerkenntnissen — wenn man da von Erkenntnissen sprechen will -, wie da nicht berührt wird das Seelische, und wie daher die Leute sich den Kopf zerbrechen: Wirkt das Seelische auf den Körper? Wirkt der Körper auf das Seelische? Oder verlaufen beide Erscheinungen nur parallel miteinander? In solchen Dingen ist heute keine Einsicht vorhanden, daher wird in einer ganz äußerlichen Weise herumdiskutiert.

[ 26 ] It is disheartening to see how people ramble on about these insights into the soul—if one can even call them insights—that exist only in words; how they fail to touch the soul; and how, as a result, people rack their brains over the question: Does the soul affect the body? Does the body affect the soul? Or do these two phenomena simply run parallel to one another? There is no real understanding of such matters today, which is why the discussion remains entirely superficial.

[ 27 ] Wenn man sich aber angewöhnt, in einer solch äußerlichen Weise über die Dinge herumzudiskutieren, dann verliert man den herzhaften Sinn, das enthusiastische Gemüt, das man als pädagogischer Künstler in die Schule hineintragen soll, ja, das man aus der Lebendigkeit der Zivilisation heraus schon haben soll, wenn man als Eltern dem heranwachsenden Kinde gegenübersteht.

[ 27 ] But if one gets into the habit of discussing things in such a superficial way, then one loses the heartfelt spirit, the enthusiastic disposition that one, as an educational artist, is meant to bring into the school—indeed, that one should already possess, drawn from the vitality of civilization, when facing one’s own growing child as a parent.

[ 28 ] Und so sagen wir: Pädagogische Kunst soll sich gründen auf die eine Säule, auf die Psychologie, auf die Seelenkunde. Aber wir haben keine Seelenkunde in der gegenwärtigen Zivilisation. Und was das Schlimmste ist, wir sind, weil wir keuchen unter der Autorität der bloßen Naturwissenschaft, nicht ehrlich genug, uns das einzugestehen. Wir reden immerfort vom Seelischen und haben es nicht mehr. Wir tragen diese Lebenslüge in die intimsten menschlichen Beschäftigungen hinein. Wir haben auf der anderen Seite den guten Willen, das soll voll anerkannt werden, bei allen denen, die heute von Erziehungs- und Uhterrichtsidealen sprechen, die so reichlich die Welt mit Reformgedanken auf diesem Gebiete versehen. Aber wir haben nicht den großen Mut, uns zuzugestehen, daß wir erst zu einer wirklichen menschlichen Seelenkunde vordringen müssen, bevor wir heute den Mund aufmachen dürfen, um über Erziehungsreformen, über Erziehungskunst zu sprechen. Denn wir entbehren — zunächst müssen wir es einsehen - der einen Grundsäule einer wirklichen Einsicht in das Seelenleben. Wir haben vom Seelenleben die Worte, die in grauen Vorzeiten geprägt worden sind, wir haben aber nicht mehr ein Erlebnis von der lebendigen Seele.

[ 28 ] And so we say: The art of education should be founded on a single column—psychology, the study of the soul. But we have no such study of the soul in our present civilization. And what is worst of all is that, because we are gasping for breath under the authority of mere natural science, we are not honest enough to admit this to ourselves. We talk constantly about the soul, yet we no longer possess it. We carry this lie of life into the most intimate human pursuits. On the other hand, we must fully acknowledge the good will of all those who speak today of ideals in education and teaching, who so generously provide the world with reformist ideas in this field. But we lack the great courage to admit to ourselves that we must first advance to a genuine understanding of the human soul before we can open our mouths today to speak of educational reforms or the art of education. For we lack—and we must first recognize this—the very foundation of a genuine insight into the life of the soul. We have the words describing the life of the soul, coined in ancient times, but we no longer have any experience of the living soul.

[ 29 ] Und die andere Grundsäule ist die Summe der Sittengebote. Hat man aber auf der einen Seite eine Psychologie in Worten, eine Psychologie ohne Seele, so hat man auf der anderen Seite eine Sittenlehre ohne göttliche Geistigkeit. Gewiß, den Leuten sind vielfach die alten Religionslehren traditionell erhalten. Aber dasjenige, was die alten Religionslehren haben, das lebt ja gerade so in den Menschen der Gegenwart, wie die in Worten totgewordene Seelenkunde lebt. Die Menschen bekennen sich zu dem, was ihnen als Dogmen oder als anderer religiös-geistiger Inhalt gegeben wird, weil das den alten Gewohnheiten entspricht, weil man hineingewachsen ist im Laufe der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit in das, was so gegeben wird. Aber der lebendige Inhalt fehlt.

[ 29 ] And the other fundamental pillar is the sum of moral precepts. But if, on the one hand, one has a psychology expressed in words—a psychology without a soul—then, on the other hand, one has a moral doctrine without divine spirituality. Certainly, the old religious teachings have been preserved in many cases through tradition. But what the old religious teachings contain lives on in people today just as the study of the soul—which has become dead in words—lives on. People profess what is given to them as dogmas or other religious and spiritual content because it corresponds to old habits, because, in the course of humanity’s historical development, they have grown into what is thus presented to them. But the living content is missing.

[ 30 ] Und so haben wir eine Psychologie ohne Seele, so haben wir eine Ethik ohne göttlich-geistige Verbindlichkeit. Die Menschen sprechen zwar noch, wenn sie theoretisch sprechen, oder wenn sie ihre Gemütsbedürfnisse befriedigen wollen, in den Worten, die geblieben sind aus jenen alten Sittenlehren, durch die der Mensch die Absichten der Götter ausführen wollte, indem er ein sittliches Leben auf Erden führen wollte; die Menschen sprechen noch in Worten, die in jenen Zeiten geprägt worden sind, wo der Mensch gewußt hat: Was er in seinem sittlichen Leben auswirkt, das sind Kräfte wie die Naturkräfte, und die göttlich-geistigen Wesenheiten sind es, die diesen ethischen Impulsen, diesen sittlichen Kräften Realität geben. Das sagt der Mensch heute noch vielfach, indem er gewohnheitsmäßig in den Worten, die ihm frühere Religionen überliefert haben, lebt, aber indem er nicht mehr aufschauen kann zu der lebendig-göttlichen Geistigkeit, die den sittlichen Impulsen ihre Realität gibt.

[ 30 ] And so we have a psychology without a soul; we have an ethics without divine-spiritual obligation. People still speak—when they speak theoretically, or when they wish to satisfy their emotional needs—in the words that have remained from those ancient moral teachings through which human beings sought to carry out the intentions of the gods by leading a moral life on earth; people still speak in words that were coined in those times when human beings knew: What they bring about in their moral lives are forces akin to the forces of nature, and it is the divine-spiritual beings who give reality to these ethical impulses, these moral forces. People still say this in many ways today, living habitually within the words handed down to them by earlier religions, yet no longer able to look up to the living, divine spirituality that gives these moral impulses their reality.

[ 31 ] Oh, meine lieben Freunde, wenn der Mensch heute ehrlich ist, versteht er denn noch dasjenige, was zum Beispiel in den Briefen des Paulus enthalten ist, wo ja geredet werden kann, daß der Mensch die Erwekkung des lebendigen Christus in sich braucht, damit er nicht stirbt? Kann ein Mensch heute im vollen Umfange des Wortes fühlen, daß Unsittlichsein, keinen inneren Seelenzusammenhang haben mit den sittlichen Pflichten, ebenso etwas zu tun hat mit Tod und Leben der Seele, wie Gesundheit und Krankheit etwas zu tun haben mit Tod und Leben des Körpers? Versteht man heute noch geistig, daß die Seele sich nicht das Leben im Geiste, sondern den Tod im Geiste erwirbt, wenn sie nicht sich eingliedert in die Kräfte des sittlichen Lebens? Ist das noch ein lebendiges Wort, wenn Paulus davon spricht: Wenn ihr nicht habet das Wissen, die Erkenntnis von der Auferstehung Christi, so ist euer Glaube, eure Seele tot. Und indem ihr durch den Tod des Physischen geht, wird eure Seele angesteckt von dem Sterben des Physischen und fängt selber an, im Geistigen zu sterben? - Ist davon ein Verständnis vorhanden, ein inneres lebendiges Verständnis?

[ 31 ] Oh, my dear friends, if a person is honest today, does he still understand what is contained, for example, in the letters of Paul, where it is said that a person needs the living Christ to be awakened within him so that he does not die? Can a person today feel, in the fullest sense of the word, that immorality—having no inner spiritual connection to moral duties—has just as much to do with the death and life of the soul as health and illness have to do with the death and life of the body? Do people today still understand spiritually that the soul acquires not life in the Spirit but death in the Spirit if it does not integrate itself into the forces of moral life? Is this still a living word when Paul says: “If you do not have the knowledge, the understanding of Christ’s resurrection, then your faith—your soul—is dead. And as you pass through the death of the physical, your soul is infected by the dying of the physical and begins itself to die in the spiritual?”—Is there an understanding of this, an inner, living understanding?

[ 32 ] Und was das noch Schlimmere ist - wiederum hat unsere Zivilisation nicht den Mut, sich diesen Mangel an innerem lebendigem Verständnis zu gestehen. Sie gibt sich zufrieden mit einer Naturwissenschaft, die nur vom Tod reden kann, die nicht von dem Leben der Seele reden kann, und hält aus bloßer Gewohnheit dasjenige aufrecht, was sich auf die Unsterblichkeit der Seele, auf die Auferstehung des Christus auf Erden bezieht. Und ist nicht selbst in die Theologie dieser materialistische Geist eingezogen?

[ 32 ] And what is even worse—once again, our civilization lacks the courage to admit this lack of inner, living understanding. It is content with a natural science that can speak only of death, that cannot speak of the life of the soul, and out of mere habit upholds that which relates to the immortality of the soul and to the resurrection of Christ on earth. And has not this materialistic spirit even crept into theology itself?

[ 33 ] Sehen wir uns die modernste Form der Theologie an. Dasjenige, was die Menschen begreifen sollen: daß das Christus-Ereignis so in der irdischen Weltgeschichte drinnensteht, daß da ein Geistiges geistig beurteilt werden muß, daß man nicht die Auferstehung nach dem Sinne der Naturwissenschaft verstehen kann, sondern nur nach dem Sinne einer Geisteswissenschaft, diese Einsicht haben die Menschen verloren, haben auch die Theologen verloren; sie sprechen nur von dem Menschen Jesus und können nicht mehr zu einem lebendigen Begreifen von dem lebendig auferstandenen Christus gelangen, und verfallen im Grunde genommen dem Verdikt des Paulus: So ihr nicht wisset, daß der Christus auferstanden ist, so ist euer Glaube tot. - Selbst der Glaube der modernsten Theologie ist tot nach den eigenen Worten des Paulus.

[ 33 ] Let us consider the most modern form of theology. What people need to understand is that the Christ event is so deeply embedded in earthly world history that a spiritual reality must be judged spiritually; that the Resurrection cannot be understood in the sense of natural science, but only in the sense of Spiritual Science. People have lost this insight, and so have the theologians; they speak only of the man Jesus and can no longer arrive at a living understanding of the living, risen Christ, and essentially fall prey to Paul’s verdict: “If you do not know that Christ has been raised, your faith is dead.”—Even the faith of the most modern theology is dead, according to Paul’s own words.

[ 34 ] Wenn es uns aber nicht gelingt, ungefähr zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre in dem Menschen durch jene Pädagogik, von der in der Anthroposophie gesprochen wird, den lebendigen Christus innerlich zu beleben, dann tritt der Mensch in das spätere Leben hinaus, ohne mehr sich ein Verständnis für diesen lebendigen Christus erwerben zu können. Dann muß er entweder ein Leugner des Christus werden oder ein solcher, der innerlich nicht ganz wahr ist, indem er den Christus traditionell festhält, aber eigentlich gar nicht die inneren Seelenmittel hat, um zu begreifen, wie durch das, daß der Christus auferstanden ist, indem der Mensch es miterlebt, indem es der Erzieher mit dem Kinde miterlebt, wie da der lebendige Christus im Herzen, in der Seele erweckt wird. Da kann er erweckt werden, und dadurch kann der Seele die Unsterblichkeit durch ihre Verbindung mit dem Christus gegeben werden. Da muß man aber erst ein geistiges Verständnis für die Unsterblichkeit haben. Da muß man erst dazu kommen, sich sagen zu können: Ja, wenn wir bloß die Natur anschauen, dann kommen wir zu Naturgesetzen, die uns lehren, wie einstmals unsere Erde dem Wärmetod verfallen wird, wie einstmals alles auf Erden ersterben wird. Aber haben wir nicht den Einblick in die lebendige göttliche Geistigkeit, dann müssen wir glauben, daß unsere sittlichen Ideale mitsterben mit dem Wärmetod der Erde, daß sich alles in einen großen Friedhof verwandelt. Haben wir die Einsicht in die lebendige Geistigkeit, dann wissen wir, daß dasjenige, was als sittliche Impulse aus unserer Seele quillt, aufgenommen wird von der göttlichen Geistigkeit. Wie von uns der Sauerstoff der Luft aufgenommen wird zu unserem Leben, so wird das, was wir sittlich tun, von der in der Welt lebenden göttlichen Geistigkeit aufgenommen und unsere Seele selber hinausgetragen über den Untergang der Erde in andere Welten hinein.

[ 34 ] But if we do not succeed, between approximately the ages of seven and fourteen, in awakening the living Christ within the human being through the pedagogy spoken of in anthroposophy, then the person enters later life without being able to acquire an understanding of this living Christ. Then they must either become a denier of Christ or someone who is not entirely true within, in that they hold fast to Christ out of tradition but actually lack the inner spiritual resources to comprehend how, through Christ’s resurrection—as the individual experiences it, as the educator experiences it together with the child—the living Christ is awakened in the heart and in the soul. There he can be awakened, and through this, immortality can be granted to the soul through its union with Christ. But first one must have a spiritual understanding of immortality. One must first reach the point where one can say to oneself: Yes, if we look only at nature, we arrive at the laws of nature that teach us how our Earth will one day succumb to heat death, how everything on Earth will one day perish. But if we lack insight into the living divine spirituality, then we must believe that our moral ideals will perish along with the Earth’s heat death, that everything will be transformed into one great graveyard. If we have insight into the living spirituality, then we know that what springs forth from our soul as moral impulses is received by the divine spirituality. Just as we take in the oxygen in the air to sustain our lives, so too are our moral deeds absorbed by the divine spirituality living in the world, and our soul itself is carried beyond the Earth’s demise into other worlds.

[ 35 ] Das aber muß man lebendig aufnehmen können in seine Anschauung, in sein ganzes Seelenleben, wie man heute aufnimmt die Lehre von den Röntgenstrahlen, die Lehre von der Telephonie, die Lehre von dem Magnetismus und der Elektrizität; an die glaubt man, weil man innerlich lebendig damit lebt durch die äußeren Sinne. Man muß, damit man das richtige lebendige Verhältnis dazu hat, in diesen Dingen drinnen auch lebendig leben, sonst ist man in diesen Dingen wie ein Künstler, der weiß, was schön ist, der in trockenen abstrakten Verstandesbegriffen alles beisammen hat, was ein Kunstwerk schön machen soll, der aber keine Farben behandeln kann, der niemals den Lehm kneten kann und so weiter. Wollen wir herankommen an den lebendigen Menschen, so müssen wir die Kräfte zu diesem Herankommen suchen in der lebendigen Geistigkeit selbst. Unserer gegenwärtigen Zivilisation fehlt aber die Geistigkeit. Das soll die zweite Säule der pädagogischen Kunst sein.

[ 35 ] But one must be able to take this in vividly—into one’s perception, into one’s entire inner life—just as one today takes in the science of X-rays, the science of telephony, the science of magnetism and electricity; one believes in these because one lives with them inwardly and vividly through the external senses. In order to have the right, living relationship to these things, one must also live vividly within them; otherwise, one is like an artist who knows what is beautiful, who has gathered together in dry, abstract intellectual concepts everything that is supposed to make a work of art beautiful, but who cannot handle colors, who can never knead clay, and so on. If we wish to approach the living human being, we must seek the powers for this approach within living spirituality itself. Our present civilization, however, lacks spirituality. This is to be the second column of the art of education.

[ 36 ] Und so stehen wir heute als pädagogische Künstler vor dem Menschen mit einer bloßen naturwissenschaftlichen Gesinnung. Auf der einen Seite ist uns entfallen in eine bloße Summe von Worten die Seelenwelt, auf der anderen Seite ist uns entfallen wiederum in einer bloßen Summe von Worten die geistige Welt, die sittliche Welt, die höchstens noch in einer Summe von Zeremonien vorhanden ist. Wir wollen pädagogische Kunst auf Seelenkunde und Ethik gründen und haben nur eine Seelenkunde ohne Seele, eine Ethik ohne göttlich-geistige Verbindlichkeit. Wir wollen vom Christus sprechen und müßten gerade, um richtig von Christus sprechen zu können, ein Seelisches haben, müßten, um richtig von ihm sprechen zu können, ein Göttlich-Geistiges haben. Denn haben wir beide nicht, so sprechen wir nur von dem Menschen Jesus, das heißt von dem, der im physischen Leibe unter den Menschen gewandelt hat, wie andere Menschen herumwandeln.

[ 36 ] And so today, as educational artists, we stand before people with a purely scientific mindset. On the one hand, the world of the soul has been reduced for us to a mere sum of words; on the other hand, the spiritual world and the moral world have likewise been reduced to a mere sum of words, existing at most as a collection of ceremonies. We wish to base educational art on the science of the soul and ethics, yet all we have is a science of the soul without a soul, an ethics without divine-spiritual obligation. We wish to speak of Christ, and yet, precisely in order to speak correctly of Christ, we must possess a spiritual dimension; we must, in order to speak correctly of him, possess a divine-spiritual dimension. For if we lack both, we speak only of the man Jesus—that is, of the one who walked among people in a physical body, just as other people walk among them.

[ 37 ] Will man den Christus erkennen, will man aus der Christus-Kraft heraus auch in der Schule wirken, dann braucht man nicht eine Seelenkunde in Worten, nicht eine Ethik in Worten, dann braucht man die lebendige Einsicht in das Leben und Wirken des Seelischen, dann braucht man die lebendige Einsicht in das Weben und Wirken der ethischen Kräfte in dem Sinne, wie die Naturkräfte wirken, als Realitäten, nicht bloß als konventionelle Gebote, denen man sich fügt aus Gewohnheit, sondern als Kräfte, in denen man leben will, weil man weiß, daß man stirbt im Geiste, wenn man nicht darinnen lebt, so wie man stirbt im Leibe, wenn einem das Blut erstarrt.

[ 37 ] If one wishes to recognize the Christ, if one wishes to work in the school as well from the power of the Christ, then one does not need a psychology of the soul expressed in words, nor an ethics expressed in words; rather, one needs a living insight into the life and workings of the soul, then one needs a living insight into the interweaving and working of ethical forces in the same sense that natural forces work—as realities, not merely as conventional precepts to which one conforms out of habit, but as forces in which one wishes to live, because one knows that one dies in the spirit if one does not live within them, just as one dies in the body when one’s blood congeals.

[ 38 ] Diese Anschauungen in aller Lebendigkeit, sie müssen eben Lebensgut werden gerade für die pädagogische Kunst. Sie müssen als etwas, was belebt, was innerlich bewegt, was aus einem Toten ein Lebendiges bildet, dasjenige durchdringen, was der Lehrer in seinem Gemüte zu tragen hat, wenn er erziehen, wenn er unterrichten will.

[ 38 ] These insights, in all their vitality, must become the very lifeblood of the art of education. As something that enlivens, that stirs the soul, that transforms what is dead into something alive, they must permeate everything the teacher carries within his heart when he seeks to educate and teach.

[ 39 ] Wir sprechen heute von der Seele, ob wir Gebildete oder Ungebildete sind, in toten Worten, das heißt, wir leben nicht in dem seelischen Leben, wir plätschern herum um das Kind, denn wir haben keinen Zugang zu seiner Seele. Wir leben heute in den toten Worten, wenn wir vom Geiste reden. Wir suchen mit allen möglichen experimentellen Mitteln an den Leib des Kindes heranzudringen. Er bleibt uns finster und stumm, weil hinter allem Leiblichen das Geistige ist. Aber das Geistige müssen wir in Lebendigkeit ergreifen, wenn wir es in Kunst überführen sollen, wenn es nicht bloß in abstrakten Gedanken erfaßt werden soll, die keine Wirkungskraft haben.

[ 39 ] Today, whether we are educated or uneducated, we speak of the soul in dead words; that is to say, we do not live in the life of the soul—we merely babble around the child because we have no access to its soul. Today, when we speak of the spirit, we live in dead words. We seek to penetrate the child’s body by every possible experimental means. It remains dark and silent to us, because behind everything physical lies the spiritual. But we must grasp the spiritual in its living reality if we are to translate it into art, if it is not to be captured merely in abstract thoughts that have no power to act.

[ 40 ] Geradeso wie überall gehört werden kann, die pädagogische Kunst ist auf den beiden Grundsäulen zu errichten, der Ethik auf der einen Seite, der Seelenkunde auf der anderen Seite, so hört man heute vielfach herbe Zweifel darüber äußern, wie eigentlich das Kind erzogen werden soll. Man weist darauf hin, frühere Zeiten haben das Kind so erzogen, daß sie schon im Kinde den erwachsenen Menschen gesehen haben. Man hat recht. Wie haben die Griechen noch ihre Kinder erzogen? Sie haben eigentlich nicht viel Rücksicht darauf genommen, wie die Kinder, da sie noch Kinder waren, sich eigentlich darlebten. Hat man gesehen, daß sie nicht richtige erwachsene Griechen werden konnten, so setzte man sie Ja in älteren Zeiten sogar aus. Das Kind als solches hatte überhaupt nicht eine Bedeutung, nur der erwachsene Mensch hatte eine Bedeutung. Und indem man das Kind erzog, handelte es sich darum, den erwachsenen Menschen nur zu berücksichtigen, alles am Kinde zu machen, was nur den erwachsenen Menschen berücksichtigt.

[ 40 ] Just as it is widely acknowledged that the art of education must be built upon two fundamental pillars—ethics on the one hand and the study of the soul on the other—so, too, do we often hear serious doubts expressed today about how a child should actually be raised. It is pointed out that in earlier times, children were raised in such a way that adults saw the adult human being already within the child. This is true. How did the Greeks raise their children? They did not really take much account of how the children—since they were still children—actually behaved. If it became apparent that they could not become proper adult Greeks, they were even abandoned in earlier times. The child as such had no significance whatsoever; only the adult had significance. And in raising the child, the aim was to take only the adult into account—to do everything with the child that took only the adult into account.

[ 41 ] Heute ist man angelangt in einer Zivilisation, wo, wenn man es so ausdrücken darf - diejenigen, die auf diesem Gebiete Erfahrungen haben, werden das schon wissen -, wo die Kinder nicht mehr mitmachen, wenn man sie nicht berücksichtigt, wo die Kinder innerlich sich sträuben, wenn man beabsichtigt, sie eigentlich nicht gelten zu lassen, sondern nur den Erwachsenen berücksichtigen will.

[ 41 ] Today we have reached a point in civilization where—if I may put it this way—those with experience in this area will already know—children no longer participate if they are not taken into account; they resist inwardly when there is an intention to disregard them and consider only the adults.

[ 42 ] Daher treten heute die Zweifel auf: Soll man so erziehen und unterrichten, daß man vor allem das Kind in der unmittelbaren Gegenwart als Kind behandelt, daß man das Kind unmittelbar ansieht, und nun dem Kinde eine solche Erziehung, einen solchen Unterricht angedeihen läßt, daß das Kind sich dabei befriedigt fühlt, oder soll man mehr Rücksicht darauf nehmen, in dem Kinde das zu erwecken, was das Kind einmal als Erwachsener sein muß?

[ 42 ] This is why doubts arise today: Should we educate and teach in such a way that, above all, we treat the child as a child in the immediate present—looking directly at the child and providing an education and instruction that make the child feel satisfied—or should we place greater emphasis on awakening in the child what the child must one day become as an adult?

[ 43 ] Ja, sehen Sie, solche Fragen treten auf, wenn man nur noch in der Lage ist, den Menschen von außen zu beachten, wenn man gar nicht mehr darauf kommt, in das menschliche Innere hineinzuschauen. Freilich, wenn man mit einem Verstande, der entweder schon an experimenteller Psychologie herangebildet ist, oder schon nur die Gesinnung hat, die dann zu experimenteller Psychologie kommt, wenn man mit einem solchen Verstande erzieht, ja, dann kommt man eben nicht an das Kind heran. Denn das Kind trägt noch nicht sein seelisches Sein an der äußeren Oberfläche, daß man es nur zu verstehen hat. Beim Erwachsenen genügt es, wenn wir ihn bloß verstehen. Beim Kinde genügt es nicht, wenn wir es bloß verstehen. Mit dem Kinde müssen wir innerlich zusammenleben können. Wir müssen so das Menschliche lebendig in uns aufgenommen haben, daß wir mit dem Kinde lebendig zusammenleben können. Bloßes Verstehen des Kindes nützt gar nichts.

[ 43 ] Yes, you see, such questions arise when one is only capable of observing people from the outside, when it no longer occurs to one to look into the human inner world. Of course, if one educates with a mind that is either already trained in experimental psychology or simply has the mindset that leads to experimental psychology—if one educates with such a mind—well, then one simply cannot reach the child. For the child does not yet carry its soul life on the outer surface in such a way that one merely has to understand it. With adults, it is enough simply to understand them. With children, it is not enough simply to understand them. We must be able to live together with the child on an inner level. We must have absorbed what it means to be human so deeply within ourselves that we can live together with the child in a living way. Merely understanding the child is of no use at all.

[ 44 ] Aber wenn wir das können, wenn wir innerlich lebendig mit dem Kinde leben können, dann besteht für uns der Widerspruch nicht mehr, das Kind als Kind zu erziehen, oder den Erwachsenen im Kinde zu erziehen; dann wissen wir lebendig, daß wir dasjenige, was wir an das Kind heranbringen wollen, so heranbringen müssen, wie es das Kind selbst will, und dennoch den Erwachsenen im Kinde erziehen. Will denn das Kind in seinem innersten Wesen ein Kind sein? Dann würde es ja nicht mit der Puppe spielen, um nachzuahmen, wie der erwachsene Mensch zu dem Kinde eine Beziehung hat, dann würde ja das Kind nicht mit größter Freude, wenn irgendwo eine Werkstätte in seiner Nähe ist, mit den Arbeitern mitarbeiten in seiner Art, das heißt, mitspielen, aber das Spiel ist ihm ja rechter Ernst. Das Kind lechzt ja nur darnach, auf seine Art schon die Kräfte zu entwickeln, die die Erwachsenen entwikkeln, aber eben auf seine Art.

[ 44 ] But if we can do that—if we can live in inner harmony with the child—then the contradiction no longer exists for us between raising the child as a child and raising the adult within the child; then we know intuitively that whatever we wish to impart to the child, we must do so in the way the child itself desires, while still nurturing the adult within the child. Does the child, in its innermost being, want to be a child? If so, it would not play with a doll to imitate how an adult relates to a child; nor would the child, with the greatest joy, work alongside the workers in its own way—that is, play along—whenever there is a workshop nearby, even though the play is, for the child, a matter of the utmost seriousness. The child simply yearns to develop, in its own way, the same abilities that adults develop—but precisely in its own way.

[ 45 ] Verstehen wir den Menschen und verstehen wir dadurch auch das Kind, dann kennen wir auch die Art und Weise, wie das Kind in sein Erwachsensein hineinstrebt, nur daß es statt des wirklichen Kindes nun die Puppe nimmt. Wir wissen dann auch in bezug auf alles das, was wir heranzuerziehen, heranzuunterrichten haben, wie wir dem Kinde die größte Freude machen, wenn wir in der richtigen Weise in ihm den Erwachsenen erziehen, aber nicht auf unsere nüchterne, trockene Weise, wo uns selber die Arbeit zuwider ist, wo wir ächzen unter der Arbeit, sondern wenn wir in der richtigen Weise in ihm den Erwachsenen erziehen, so, daß die Arbeit innerlich wie ein zweiter Mensch entsteht, was beim Kinde macht, daß die Arbeit noch in das ernste Spiel hineinergossen ist. Wenn wir dies verstehen, innerlich lebendig verstehen, nicht in abstrakten Begriffen, dann lernen wir, überhaupt einen solchen Zweife] nicht mehr zu haben, ob wir nun den Erwachsenen im Kinde erziehen sollen, oder ob wir im Kinde das Kind erziehen sollen, dann schauen wir in dem jungen Kinde, wie der Keim des Erwachsenen in ihm ist. Aber wir reden jetzt mit diesem Keim des Erwachsenen nicht, wie wir mit einem Erwachsenen reden, wir reden eben, wie wir mit einem Kinde reden.

[ 45 ] If we understand human beings—and thereby also understand the child—then we also understand the way in which the child strives toward adulthood, except that instead of the real child, it now takes the doll. We then also know, with regard to everything we have to raise and teach, how to bring the child the greatest joy when we nurture the adult within them in the right way, but not in our sober, dry way—where we ourselves find the work distasteful, where we groan under the burden of it—but rather when we nurture the adult within the child in the right way, so that the work arises inwardly like a second person, which causes the work to flow even into the child’s serious play. If we understand this—understand it vividly from within, not in abstract terms—then we learn to no longer harbor such a doubt at all: whether we should nurture the adult within the child, or whether we should nurture the child within the child; then we see in the young child how the seed of the adult is within them. But we do not speak to this seed of the adult as we speak to an adult; rather, we speak just as we speak to a child.

[ 46 ] Dadurch ist es so, daß wenn wir nicht an die Menschennatur herankommen, sich uns überall auf der einen Seite die Begriffe hinstellen, die eigentlich nur Worte sind, und auf der anderen Seite die anderen Begriffe, die eigentlich nur Worte sind. Darüber soll eben gerade die Anthroposophie hinwegführen. Sehen Sie, man streitet heute über Materialismus und Geistigkeit. Man sagt: Ja, den Materialismus muß man überwinden, man muß wieder zur Geistigkeit kommen. Aber Anthroposophie ist etwas, für das überhaupt der Begriff der Materie, wie er heute in den Menschen spukt, allen Sinn verloren hat. Denn lernt man die Materie wirklich kennen, dann fängt sie an, bildlich gesprochen, durchsichtig zu werden und löst sich ganz in Geist auf.

[ 46 ] As a result, if we cannot get to the heart of human nature, we are confronted everywhere, on the one hand, with concepts that are really just words, and on the other hand, with other concepts that are really just words. This is precisely what anthroposophy is meant to help us transcend. You see, people today argue about materialism and spirituality. People say: Yes, we must overcome materialism; we must return to spirituality. But anthroposophy is something for which the very concept of matter—as it haunts people today—has lost all meaning. For when one truly comes to know matter, it begins, figuratively speaking, to become transparent and dissolves entirely into spirit.

[ 47 ] Lernt man den Geist wirklich kennen, dann fängt er an, nicht bloß das abstrakte tote Gebilde zu sein, das heute der intellektualistische Mensch in sich hat, sondern ein innerlich Tätiges zu werden. Der Geist fängt an, selber die Summe der Wachstumskräfte zum Beispiel in dem werdenden Menschen zu sein. Alles wird innerlich regsamer und tätig. Der Geist wird schöpferisch, wird so dicht wie die Materie.

[ 47 ] When one truly comes to know the spirit, it ceases to be merely the abstract, lifeless construct that the intellectualist of today carries within, and instead becomes an inner force in action. The spirit itself begins to embody the sum of the forces of growth, for example, in the developing human being. Everything becomes more inwardly active and dynamic. The spirit becomes creative, as dense as matter.

[ 48 ] Lernt man die Materie richtig kennen, so verwandelt sie sich in Geist. Lernt man den Geist richtig kennen, verwandelt er sich vor unserem Seelenauge in Materie, die dasjenige ist, was der Geist in seiner Schöpferkraft nach außen hin offenbart. Und die Worte Materie und Geist, einseitig gebraucht, hören auf einen Sinn zu haben. Wenn wir aber anfangen, aus einer solchen Gesinnung heraus zu sprechen, dann reden wir vielleicht auch noch von Materie und Geist, weil die Worte einmal geprägt sind, aber wir reden ganz anders, indem wir das Wort Materie oder Stoff aussprechen, weil wir es gefühlsmäßig anders färben, wenn wir diese anthroposophische Erkenntnis haben, die ich gerade charakterisiert habe. Das Wort Materie und Stoff bekommt einen anderen, geheimen Klang. Dieser geheime Klang aber wirkt dann auf das Kind, nicht der Inhalt des Wortes Materie.

[ 48 ] If we come to truly understand matter, it transforms into spirit. If we come to truly understand spirit, it transforms before the eye of our soul into matter, which is what the spirit reveals outwardly through its creative power. And the words “matter” and “spirit,” when used in isolation, cease to have any meaning. But when we begin to speak from such a mindset, we may still speak of matter and spirit—because the words have already been established—but we speak quite differently when we utter the word “matter” or “substance,” for we imbue it with a different emotional nuance when we possess this anthroposophical insight that I have just described. The words “matter” and “substance” take on a different, secret resonance. It is this secret resonance, however, that then affects the child—not the content of the word “matter.”

[ 49 ] Fühlen Sie einmal, wie in dem vollergriffenen Worte das menschliche Gemüt darinnen lebt! Nehmen Sie einen Menschen wie Fritz Mauthner, der gefühlt hat, daß eigentlich für das Seelenhafte nur noch Worte da sind, der wollte, daß man von «Geseel» sprechen soll. Nun, darüber lacht man vielleicht. Aber nehmen Sie an, dieselbe Methode setze man fort in das religiös-ethische, sittliche Gebiet hinein, wo unsere Taten wirken, und ein Mensch macht aus derselben Gesinnung heraus eine Wortbildung - was kommt heraus? «Getue!» Sehen Ste, nach demselben Sprachgesetze wie das Wort Geseel habe ich Getue gebildet. Über das Wort Geseel wird man höchstens lachen; das Wort Getue empört. Denn wenn unser ganzer Handlungsinhalt ein Getue wird, so wird er etwas, was eigentlich empörend ist. Dies rührt nicht her von dem Inhalt des Wortes, dies rührt her von dem, was wir empfindend erleben beim Worte. Wir erleben empfindend ganz etwas anderes, wenn es sich darum handelt, Worte zu bilden, die ins Innere der Seele hineinführen: Geseel, oder ob es sich darum handelt, Worte zu bilden, die das bezeichnen, was den Menschen hinaus in die Außenwelt führt, was den Menschen dahin führt, wo die Taten des Menschen selber Naturereignisse werden. Spricht man da von Getue, dann wird die Sache empörend.

[ 49 ] Just feel how the human spirit lives within these richly evocative words! Take a person like Fritz Mauthner, who felt that, in truth, only words remain for the spiritual realm—he wanted people to speak of “Geseel.” Well, people might laugh at that. But suppose the same method were applied to the religious-ethical, moral realm—where our actions have an effect—and a person, driven by the same mindset, coined a new word—what would come of it? “Getue!” You see, I’ve formed the word “Getue” according to the same linguistic principles as the word “Geseel.” People might laugh at the word “Geseel” at most; the word “Getue,” however, is outrageous. For if the very substance of our actions becomes mere “Getue,” it becomes something that is actually outrageous. This does not stem from the content of the word; it stems from what we intuitively experience when we hear the word. We experience something entirely different emotionally when it comes to forming words that lead into the innermost depths of the soul—such as “Geseel”—or when it comes to forming words that describe what leads human beings out into the external world, what leads them to a place where their own actions become natural phenomena. If one speaks of “Getue” in this context, then the matter becomes outrageous.

[ 50 ] Aber jetzt bedenken Sie, wie auf der einen Seite die Worte so ineinanderlaufend liegen. Man spricht mit derselben Neutralität Stoff, Geist, Leib, mit derselben Neutralität Seele, man spricht mit derselben Neutralität Gehirn, die zwei Beine und so weiter. Es ist ja sozusagen geradezu das Ideal naturwissenschaftlicher Erkenntnis, daß wir alles ohne menschlichen Anteil sagen.

[ 50 ] But now consider how, on the one hand, the words flow so seamlessly into one another. We speak of matter, mind, and body with the same neutrality; we speak of the soul with the same neutrality; we speak of the brain, the two legs, and so on with the same neutrality. It is, so to speak, the very ideal of scientific knowledge that we speak of everything without any human input.

[ 51 ] Wenn wir aber zu Worten kommen, die ohne menschlichen Anteil sind, dann werden die Worte tot. Die abstrakten naturwissenschaftlichen Worte werden tot, wenn wir nicht mehr den menschlichen Anteil in sie hineingießen. Wir sprechen zum Beispiel in der Physik von einer Lehre vom Stoß. Wir können höchstens noch eine mathematische Formel aufschreiben, die wir aber auch nicht verstehen, wenn wir vom Stoß sprechen, ohne jene lebendigen Empfindungen, die wir haben, wenn wir selber stoßen. Dadurch bekommt allein das Wort Leben, daß wir wiederum das Menschliche in unsere Zivilisation hineintragen.

[ 51 ] But when we come to words that lack a human element, those words become lifeless. Abstract scientific terms become lifeless when we no longer infuse them with a human element. In physics, for example, we speak of the theory of impact. At most, we can write down a mathematical formula—but we do not understand it either if we speak of impact without those vivid sensations we experience when we ourselves collide. It is only through this that the word itself comes to life—that we, in turn, bring the human element back into our civilization.

[ 52 ] Dieses Menschliche hineintragen in unsere Zivilisation, das möchte Anthroposophie. Geht man durchs Leben lässig, gleichgültig, indem man einfach die äußeren Ereignisse durch die Technik ablaufen läßt, die ein Kind der so großartig fortgeschrittenen Naturwissenschaft ist, so geht es noch. Kommt man aber in diejenigen Gebiete herauf, wo der Mensch dem Menschen helfen soll als Arzt, als Lehrer, als Erzieher, dann geht es nicht. Dann wird die Notwendigkeit empfunden, wirkliche, lebendig gefühlte, gewollte Menschenerkenntnis zu haben, diese in der pädagogischen Kunst - man braucht sie nicht umzuwandeln - sich selber offenbaren zu lassen.

[ 52 ] Anthroposophy seeks to bring this human element into our civilization. If one goes through life casually, indifferently, simply letting external events unfold through technology—which is a child of our so magnificently advanced natural science—then that is still acceptable. But when one enters those spheres where one is called upon to help fellow human beings—as a doctor, a teacher, or an educator—that approach no longer works. Then one feels the necessity of possessing a genuine, vividly felt, and consciously sought understanding of human nature, and of allowing this understanding to reveal itself in the art of education—there is no need to transform it.

[ 53 ] Deshalb ist es nicht irgendein Eigensinn, von dem wir sprechen, sondern es ist innere Zivilisationsnotwendigkeit, erst zu einer Menschenkunde zu kommen, und dann von dem zu sprechen, was man braucht, um die heute noch unbewußten oder unterbewußten Erziehungsforderungen zu erfüllen.

[ 53 ] That is why we are not speaking of mere obstinacy, but rather of an inner necessity of civilization: first to arrive at an understanding of human nature, and then to speak of what is needed to meet the educational demands that are still unconscious or subconscious today.

[ 54 ] Und wenn sich noch so viele Erziehungs-Reformvereine bilden, sie helfen nichts, wenn ihnen nicht vorangehen diejenigen Vereinigungen, diejenigen Menschengemeinschaften, die erst wiederum hinarbeiten auf eine lebendige Menschenerkenntnis, das heißt auf eine Seelenkunde mit einer wirklichen Seele, auf eine Sittenlehre mit einer wirklichen göttlich-geistigen Verbindlichkeit.

[ 54 ] And no matter how many educational reform associations are formed, they will be of no help unless they are led by those associations, those communities of people, that in turn work toward a living understanding of humanity—that is, toward a study of the soul that involves a real soul, and toward a moral teaching grounded in a genuine divine-spiritual commitment.

[ 55 ] Diese Vereinigungen müssen das Banner vorantragen. Dann mögen hinten nachfolgen diejenigen, die wiederum auf den beiden Grundsäulen bauen wollen, die pädagogischen Vereinigungen, die da bauen wollen auf dem, was erst erbaut werden muß auf den Grundfesten einer realen Seelenkunde, einer realen Ethik, einer Seelenkunde, die nicht bloß in Worten redet, und einer Ethik, die weiß, daß dasjenige, was der Mensch sittlich vollbringt, in der göttlich-geistigen Welt verankert ist. Dann wird er auch als künstlerischer Erzieher, Unterrichter durch dasjenige, was er spricht, tut, ja selbst durch das, was er unsichtbar wirkt, durch seine bloße Anwesenheit als Erzieher, als Unterrichtender, an die Seele herankommen. Er wird wiederum den Zugang haben zur menschlichen Seele. Und er wird, wenn er das Kind ethisch erziehen will, wissen, daß er dann das Kind eingliedert in eine göttlich-geistige Weltenordnung; er wird aus dem, was auf der einen Seite übersinnlich ist, aus einer wirklichen Seelenkunde herausarbeiten und in dasjenige, was auf der anderen Seite übersinnlich ist, in eine wirkliche Geistigkeit hineinarbeiten.

[ 55 ] These associations must carry the banner forward. Then may those follow behind who, in turn, wish to build upon the two fundamental pillars—the educational associations that seek to build upon what must first be established: the foundations of a genuine science of the soul, a genuine ethics, a science of the soul that does not merely speak in words, and an ethics that knows that what a human being accomplishes morally is anchored in the divine-spiritual world. Then, as an artistic educator and teacher, he will also reach the soul through what he says, does, and even through what he does invisibly—through his mere presence as an educator and teacher. He will once again have access to the human soul. And if he wishes to educate the child ethically, he will know that he is thereby integrating the child into a divine-spiritual world order; he will draw upon what is supersensible on the one hand—a genuine science of the soul—and work toward what is supersensible on the other hand—a genuine spirituality.

[ 56 ] Das, meine sehr verehrten Anwesenden, gibt der pädagogischen Kunst die wirklichen, die echten Grundsäulen. Die müssen erobert werden. Anthroposophie möchte sie erobern. Darum eine anthroposophische Pädagogik, nicht aus Willkür heraus, sondern aus einer Zeitnotwendigkeit heraus.

[ 56 ] This, my esteemed audience, provides the true, genuine cornerstones of the art of education. These must be attained. Anthroposophy seeks to attain them. That is why we need an anthroposophical pedagogy—not out of caprice, but out of the necessity of the times.