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The Rudolf Steiner Archive

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Fundamental Spiritual and Soul Forces
in the Art of Education
Spiritual Values in Education and Social Life
GA 305

16 August 1922, Oxford

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1. Die spirituelle Grundlage der Erziehung I

1. The Spiritual Foundation of Education I

[ 1 ] Meine ersten Worte sollen die Bitte um Entschuldigung sein, daß ich in der Sprache dieses Landes nicht werde diese Vorträge halten können. Allein da es mir an Übung fehlt, so muß ich eben in derjenigen Sprache die Dinge formulieren, in der ich das vermag. Die folgende Übersetzung wird ja hoffentlich das wieder gutmachen können, was in dieser Beziehung mangelt.

[ 1 ] I would like to begin by apologizing for the fact that I will not be able to deliver these lectures in the language of this country. However, since I lack practice, I must simply express these ideas in the language in which I am able to do so. Hopefully, the following translation will make up for any shortcomings in this regard.

[ 2 ] Als zweites gestatten Sie mir zu sagen, daß ich außerordentlich dankbar sein muß dem verehrten Komitee, das mir gestattet, diese Vorträge zu halten innerhalb dieser Oxforder Versammlung. Ich rechne es mir zur ganz besonderen Ehre an, in der altehrwürdigen Stadt hier diese Vorträge halten zu dürfen. Es ist ja die Stadt, in welcher ich selber, als ich vor 20 Jahren sie besuchen durfte, fühlte, welche Gewalt altehrwürdige Überlieferung ausströmt aus all dem, was man hier wahrnehmen kann.

[ 2 ] Secondly, allow me to say that I am deeply grateful to the esteemed committee for permitting me to deliver these lectures at this gathering in Oxford. I consider it a very special honor to be able to deliver these lectures here in this venerable city. It is, after all, the city where I myself, when I had the privilege of visiting it 20 years ago, felt the powers of venerable tradition radiating from everything one can perceive here.

[ 3 ] Und nun, wenn ich mir gestatten werde, über eine Erziehungsmethode zu sprechen, welche in einem gewissen Sinne neu genannt werden darf, so möchte ich auf der anderen Seite sagen, daß das Neue ja in unserer Zeit von so vielen Menschen einfach als Neues angestrebt wird. Allein, wer Neues auf irgendeinem Gebiete der menschlichen Zivilisation anstreben will, muß sich eigentlich dazu erst Recht und Berechtigung holen dadurch, daß er das Alte in entsprechendem Sinne zu würdigen und zu verehren weiß.

[ 3 ] And now, if I may take the liberty of speaking about a method of education that, in a certain sense, may be called new, I would also like to point out that, in our time, so many people simply pursue the new for the sake of being new. However, anyone who wishes to pursue something new in any field of human civilization must first earn the right and justification to do so by knowing how to appreciate and honor the old in an appropriate manner.

[ 4 ] Hier in Oxford fühle ich alles inspirierend durch die Gewalt desjenigen, was heute noch lebendig ist aus diesen alten Traditionen. Und nur derjenige, der solches fühlen kann, hat vielleicht die Berechtigung, auch über Neues zu sprechen. Denn nur dasjenige Neue kann in der Welt bestehen, das seine Wurzeln in dem Altehrwürdigen pflegt. Es ist ja vielleicht gerade die Tragik und das tiefe Elend unserer Zeit, daß fortwährend davon gesprochen wird: man will dieses, man will jenes Neue, und daß so wenige Menschen geneigt sind, dieses Neue aus dem Alten heraus würdig zu gestalten.

[ 4 ] Here in Oxford, I find everything inspiring because of the Powers that still live on today from these ancient traditions. And perhaps only those who can feel this have the right to speak of the new. For only that which is new and has its roots in the time-honored can endure in the world. Perhaps the very tragedy and deep misery of our time lie in the fact that people constantly talk about wanting this or that new thing, yet so few are inclined to shape this newness out of the old in a worthy manner.

[ 5 ] Deshalb fühle ich einen so innigen Dank vor allen Dingen gegenüber Mrs. Mackenzie, der Hauptveranstalterin dieser Versammlung, und gegenüber dem ganzen Komitee, welche sich der Aufgabe, die Vorträge hier einzurichten, hingeben; ich fühle so innigen Dank, weil eben dadurch möglich wird, etwas, was ja in gewissem Sinne als Neues gemeint ist, in dem Milieu des Altehrwürdigen, durch das es erst sanktioniert werden kann, auszusprechen.

[ 5 ] That is why I feel such heartfelt gratitude, above all, toward Mrs. Mackenzie, the principal organizer of this gathering, and toward the entire committee, who have devoted themselves to the task of arranging the lectures here; I feel such deep gratitude because it is precisely this that makes it possible to articulate something that is, in a certain sense, intended to be new, within the milieu of the venerable, through which it can first be validated.

[ 6 ] Ebenso dankbar bin ich für die sehr liebenswürdigen einleitenden Worte, welche gestern Prinzipal Jacks hier gesprochen hat.

[ 6 ] I am equally grateful for the very kind introductory remarks that Principal Jacks made here yesterday.

[ 7 ] Damit habe ich vielleicht zunächst etwas angedeutet aus der Gesinnung heraus, aus der diese Vorträge gehalten werden sollen: Dasjenige, was hier über Erziehungswesen und über Unterrichtswesen zunächst von mir gesagt werden soll, ruht ja auf der Grundlage derjenigen spirituellen wissenschaftlichen Erkenntnis, welche auszubilden ich mir zur Aufgabe meines Lebens gemacht habe.

[ 7 ] With this, I may have hinted at the spirit in which these lectures are to be given: What I am about to say here regarding education and teaching is based on the spiritual-scientific knowledge that I have made it my life’s work to develop.

[ 8 ] Diese spirituelle Erkenntnis, sie wurde zunächst um ihrer selbst willen gepflegt, und in den letzten Jahren haben sich Freunde dieser Weltanschauung gefunden, um sie auch einzuführen in die einzelnen Gebiete des praktischen Lebens. Und so war es in Stuttgart Emil Molt, welcher aus der Anschauung desjenigen, was durch das Goetheanum, die Freie Hochschule für spirituelle Wissenschaft in Dornach in der Schweiz, gewollt wird, das angewendet sehen wollte auf eine Erziehungs- und Unterrichtsanstalt für die Kinder im volksschulpflichtigen Alter. Und so kam es zu der Einrichtung der Waldorfschule in Stuttgart.

[ 8 ] This spiritual insight was initially cultivated for its own sake, and in recent years, followers of this worldview have come together to apply it to the various areas of practical life. And so it was Emil Molt in Stuttgart who, drawing on the vision of what the Goetheanum—the School of Spiritual Science in Dornach, Switzerland—seeks to achieve, wanted to see this applied to an educational institution for children of compulsory school age. And this led to the establishment of the Waldorf School in Stuttgart.

[ 9 ] Der Pädagogik und Didaktik dieser Waldorfschule in Stuttgart wurde nun jenes spirituelle Leben zugrunde gelegt, von dem ich meine, daß es aus dem Geiste unserer Zeit heraus zu einer Fortführung des Erziehungswesens führen muß, gerade so, wie es der Geist für unsere Zeit, wie es die Aufgaben und wie es die Stufe der Menschheitsentwickelung innerhalb unserer Zeitepoche fordern.

[ 9 ] The pedagogy and didactics of this Waldorf school in Stuttgart are now grounded in that spiritual life which I believe, in keeping with the spirit of our time, must lead to a continuation of the educational system—precisely as the spirit of our time, the tasks at hand, and the stage of human development within our epoch demand.

[ 10 ] Das Erziehungs- und Unterrichtswesen, welches hier gemeint ist, ist durchaus gebaut auf Menschenerkenntnis, auf einer Menschenerkenntnis, die über den ganzen Menschen sich ausdehnt von seiner Geburt bis zu seinem Tode, die aber auch erfassen will alles dasjenige, was an übersinnlichem Wesen innerhalb dieses Lebens zwischen Geburt und Tod sich auslebt als Zeuge davon, daß der Mensch einer übersinnlichen Welt angehört.

[ 10 ] The system of education and instruction referred to here is entirely based on an understanding of the human being—an understanding that encompasses the whole person from birth to death, but which also seeks to grasp all that is of a supersensible nature within this life between birth and death, as a testimony to the fact that the human being belongs to a supersensible world.

[ 11 ] Wir haben in unserer Zeit allerdings auch spirituelles Leben; spirituelles Leben vor allen Dingen aber, wie es uns überkommen ist aus alten Zeiten, spirituelles Leben, das wir traditionell fortpflanzen. Wir haben neben diesem spirituellen Leben, immer mehr und mehr, in einer geringen organischen Verbindung damit, jenes Leben, das uns aus der großartigen naturwissenschaftlichen Einsicht unserer neueren Zeit erquillt. Wir dürfen in dem Zeitalter, in dem gelebt haben die großen Naturforscher der Gegenwart, die tonangebenden Geister der Naturerkenntnis, wir dürfen heute auch, wenn wir von dem spirituellen Leben sprechen, nicht außer acht lassen dasjenige, was eindringlich zeigt für die Menschenerkenntnis die Naturwissenschaft selber.

[ 11 ] We do, however, have a spiritual life in our own time; but above all, a spiritual life as it has been handed down to us from ancient times—a spiritual life that we carry on in the traditional way. Alongside this spiritual life, and with an ever-diminishing organic connection to it, we have that life which springs from the magnificent scientific insights of our modern age. In this age—in which the great natural scientists of our time, the leading minds in the understanding of nature, have lived—we must not, even today, when speaking of spiritual life, overlook what natural science itself so powerfully reveals to human understanding.

[ 12 ] Diese Naturwissenschaft, sie kann uns Aufschluß geben über das Körperliche des Menschen, sie kann uns Aufschluß geben über den Verlauf der körperlichen, der physiologischen Funktionen während des physischen Lebens des Menschen. Aber diese naturwissenschaftliche Erkenntnis, so wie wir sie treiben, indem wir mit äußeren Werkzeugen experimentieren, indem wir mit äußeren Sinnen beobachten, sie hat gerade in der Zeit, in der sie so groß geworden ist, nicht vermocht, in das eigentliche spirituelle Leben des Menschen tiefer hineinzudringen. Das ist kein Tadel, den ich damit aussprechen will; das war die große Aufgabe der Naturwissenschaft, wie wir sie zum Beispiel, ich möchte sagen, in einer großen Systematik zusammengestellt finden bei einer Persönlichkeit wie Huxley. Das ist die große Leistung, daß sie einmal die Natur angesehen hat, ganz unbekümmert um alles dasjenige, was etwa in der Welt an Geistigem lebt.

[ 12 ] This natural science can provide us with insight into the physical nature of human beings; it can provide us with insight into the course of physical and physiological functions during a person’s physical life. But this scientific knowledge—as we pursue it by experimenting with external instruments and observing with our external senses—has, precisely at a time when it has become so extensive, failed to penetrate more deeply into the actual spiritual life of human beings. I do not mean this as a criticism; that was the great task of natural science, as we find it, for example—I would say—systematically compiled by a figure such as Huxley. That is its great achievement: that it once looked at nature, completely unconcerned with everything spiritual that exists in the world.

[ 13 ] Dafür haben wir auch eine Menschenerkenntnis, die nicht übergehen kann zu der unmittelbar praktischen Handhabung des Geistigen. Wir haben ein spirituelles Leben in unserer gegenwärtigen Zivilisation, und die verschiedenen Religionsbekenntnisse pflanzen dieses spirituelle Leben fort. Wir haben aber kein solches spirituelles Leben, das dem Menschen etwas zu sagen vermag, wenn er die bange Frage richtet nach dem Ewigen, nach dem Unvergänglichen, nach dem Übersinnlichen, dem er angehört; wir haben kein spirituelles Leben, das uns, mit anderen Worten, zu geben vermag Überzeugungen, Überzeugungen, wenn wir einsam dastehen in der Welt mit unserem physischen Leben, mit unserer physischen Lebensauffassung und nun fragen: Was liegt zugrunde an Ewigem, an Übersinnlichem dieser ganzen Sinneswelt?

[ 13 ] Yet we also possess an understanding of humanity that cannot be translated into the immediate practical application of the spiritual. We have a spiritual life in our present civilization, and the various religious denominations perpetuate this spiritual life. However, we do not have a spiritual life that can speak to a person when he asks the anxious question about the eternal, the imperishable, and the supernatural to which he belongs; we have no spiritual life that, in other words, can give us convictions—convictions when we stand alone in the world with our physical life, with our physical view of life, and now ask: What is the eternal, the supernatural foundation underlying this entire sensory world?

[ 14 ] Wir können uns dann Überzeugungen bilden darüber, was wir waren vor der Geburt im Schoße der göttlichen, übersinnlichen Welt. Wir können Überzeugungen bilden von demjenigen, was unsere Seele wird durchzumachen haben, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen ist. Wir können dasjenige, was wir so als Überzeugungen fassen, in Formeln bringen. Es kann, ich möchte sagen, warm in unser Herz, in unser Gemüt hereinströmen. Wir können sagen: Der Mensch ist mehr im ganzen Weltenall, als er ist in diesem physischen Leben zwischen Geburt und Tod.

[ 14 ] We can then form convictions about what we were before birth in the bosom of the divine, supersensible world. We can form convictions about what our soul will have to go through once it has passed through the gate of death. We can express what we grasp as convictions in the form of statements. It can, I would say, flow warmly into our hearts, into our souls. We can say: A human being is more in the entire universe than he is in this physical life between birth and death.

[ 15 ] Allein dasjenige, was wir auf diese Weise gewinnen, es bleibt Überzeugung, es bleibt etwas, was wir denken und fühlen können. Es wird immer schwieriger und schwieriger, die großartigen Überzeugungen, die uns zu diesem Spirituellen hinzu die Naturwissenschaft gibt, in die Handhabung, in die Praxis des Lebens hineinzuführen. Wir wissen vom Geiste; wir verstehen es nicht mehr, mit dem Geiste zu tun, mit dem Geiste zu handeln, unsere Lebenspraxis, das alltägliche Leben mit dem Geiste zu durchdringen.

[ 15 ] The very thing we gain in this way remains a conviction; it remains something we can think and feel. It is becoming increasingly difficult to incorporate the magnificent convictions that natural science provides us—in addition to this spiritual dimension—into our daily lives and practical actions. We know about the spirit; we no longer know how to deal with the spirit, how to act in accordance with the spirit, or how to infuse our daily lives with the spirit.

[ 16 ] Welches Gebiet des Lebens ist es am meisten, das uns auffordert, mit dem Geiste zu tun? Es ist das Erziehungs-, es ist das Unterrichtswesen. In der Erziehung müssen wir den ganzen Menschen ergreifen, und der ganze Mensch ist Körper, Seele und Geist. Wir müssen mit dem Geiste tun können, wenn wir erziehen, wenn wir unterrichten wollen.

[ 16 ] Which area of life most calls on us to engage with the spirit? It is education; it is the field of teaching. In education, we must address the whole person, and the whole person consists of body, soul, and spirit. We must be able to engage with the spirit when we educate and when we teach.

[ 17 ] Hat zu allen Zeiten der Menschheitsentwickelung diese Forderung über der Menschheit gestanden, so dürfen wir sagen: Jetzt gerade, weil wir auf dem Gebiete der äußerlichen Naturerkenntnis so weit gekommen sind, jetzt gerade am allermeisten steht die Forderung vor uns, mit dem Geiste tun zu können, Darum ist die soziale Frage heute in erster Linie eine Erziehungsfrage. Denn wir wollen mit Recht heute fragen: Was soll geschehen, damit soziale Ordnungen, soziale Institutionen unter uns entstehen, die minder tragisch sind als die heutigen, die minder bedrohlich sind als die heutigen? — Wir können uns keine andere Antwort geben als die: Wir müssen zunächst Menschen in das praktische Leben, in die soziale Gemeinschaft hineinstellen, die aus dem Geiste heraus, aus dem Tun im Geiste erzogen sind.

[ 17 ] If this demand has loomed over humanity throughout all periods of human development, then we may say: Right now, precisely because we have come so far in the field of external knowledge of nature, right now more than ever this demand stands before us: to be able to act with the spirit. That is why the social question today is first and foremost a question of education. For we are right to ask today: What must happen so that social orders and social institutions may arise among us that are less tragic than those of today, less threatening than those of today? — We can give no other answer than this: We must first place within practical life and within the social community people who have been educated out of the spirit, through activity in the spirit.

[ 18 ] Eine solche Erkenntnis, die zu gleicher Zeit fortwährendes Tun im Leben ist, strebt diejenige Spiritualität im Leben an, welche zur Basis gemacht werden soll - nach der Meinung, die hier vertreten wird - für die Erziehung der verschiedenen Lebensalter des Menschen. Denn in der Kindheit, da steht der Geist näher dem Leibe des Menschen als beim Erwachsenen. In der Kindheit, da sehen wir, wie die physische Natur plastisch ausgebildet wird vom Geiste. Was ist gerade nach unserer heutigen Naturerkenntnis das Gehirn des Kindes, wenn es geboren wird? Es ist fast wie der Bildestoff, den der Bildhauer übernimmt, wenn er ein Bildhauerwerk bereitet.

[ 18 ] Such insight—which is at the same time a continuous practice in life—is the goal of the spirituality in life that, according to the view presented here, should serve as the foundation for the education of people at various stages of life. For in childhood, the spirit is closer to the human body than it is in adulthood. In childhood, we see how the spirit shapes the physical nature. According to our current understanding of nature, what exactly is a child’s brain at birth? It is almost like the material a sculptor takes in hand when preparing a work of art.

[ 19 ] Und schauen wir uns das Gehirn eines siebenjährigen Kindes an, das wir für die Volksschulerziehung übernehmen: es ist ein wunderbares Kunstwerk geworden, aber ein Kunstwerk, an dem weitergearbeitet werden muß, weitergearbeitet werden muß bis zum Ende der Volksschule. Geheimnisvolle spirituelle Kräfte arbeiten zunächst an der Plastik des menschlichen Leibes, und wir als Erzieher werden mitberufen, zu arbeiten, werden mitberufen, nicht bloß das Leibliche anzuschauen, sondern, obzwar wir niemals das Leibliche vernachlässigen dürfen, dieses Leibliche auch so anzuschauen, wie der Geist daran arbeitet, mit dem unbewußten Geiste bewußt mitzuarbeiten, uns einzufügen nicht nur in die natürliche, sondern in die göttliche Weltenordnung.

[ 19 ] And let us look at the brain of a seven-year-old child whom we are taking under our wing for elementary school education: it has become a marvelous work of art, but a work of art that requires further refinement—refinement that must continue until the end of elementary school. Mysterious spiritual forces are initially at work shaping the human body, and we, as educators, are called upon to work alongside them; we are called upon not merely to observe the physical, but—though we must never neglect the physical—to observe it in the way the spirit works upon it, to consciously cooperate with the unconscious spirit, and to integrate ourselves not only into the natural but also into the divine order of the world.

[ 20 ] Indem wir ernsthaft der Erziehung gegenüberstehen, werden wir aufgefordert, nicht nur Gott zu erkennen für die Befriedigung unserer Seele, sondern mit Gott zu wollen, aus den göttlichen Absichten heraus zu handeln. Dazu aber brauchen wir eine spirituelle Basis für die Erziehung. Von dieser spirituellen Basis der Erziehung möchte ich Ihnen in den nächsten Tagen sprechen.

[ 20 ] By taking education seriously, we are called not only to know God for the fulfillment of our souls, but also to will with God and to act in accordance with His divine purposes. To do this, however, we need a spiritual foundation for education. I would like to speak to you about this spiritual foundation of education over the next few days.

[ 21 ] Man muß fühlen an der Beobachtung des kindlichen Lebens, wie spirituelle Einsicht, wie spirituelle Anschauung notwendig ist, um sachgemäß zu verfolgen, was mit dem Kinde, mit der Seele, mit dem Geiste des Kindes von Tag zu Tag geschieht. Wir müssen denken, wie ganz andersartig das kindliche Leben ist in den allerersten Lebenstagen und Lebenswochen als dasjenige des späteren Kindes, und namentlich dasjenige des Erwachsenen. Wir müssen uns erinnern, welches Ausmaß von Schlaf das Kind zunächst in seiner ersten Lebenszeit braucht. Wir müssen die Frage aufwerfen: Was geschieht in dem Wechselspiel zwischen Geist und Körper, wenn das Kind fast 22. Stunden in seiner ersten Lebenszeit des Schlafes bedürftig ist? Für solche Dinge spricht sich die heutige Philosophie, auch die heutige Lebenspraxis so aus, daß sie sagt: Nun, man kann eben in die Seele des Kindes nicht voll hineinschauen, wie man in die Seele eines Tieres, wie man in das innere Leben der Pflanze auch nicht hineinschauen kann. Da sind eben Grenzen des menschlichen Erkennens.

[ 21 ] When observing a child’s life, one must realize how essential spiritual insight and spiritual perception are for properly understanding what happens to the child—to the child’s soul and spirit—day by day. We must consider how vastly different a child’s life is in the very first days and weeks of life compared to that of the older child—and especially that of the adult. We must remember the extent to which a child needs sleep, especially in the very early stages of life. We must ask: What happens in the interplay between spirit and body when a child needs nearly 22 hours of sleep in the very early stages of life? Contemporary philosophy, as well as contemporary practice, addresses such matters by saying: Well, one simply cannot fully look into the soul of a child, just as one cannot look into the soul of an animal or into the inner life of a plant. There are simply limits to human knowledge.

[ 22 ] Diejenige spirituelle Anschauung, die hier gemeint ist, sie sagt nicht: Hier sind Grenzen der menschlichen Erkenntnis -, sie sagt: Es müssen so viele Erkenntniskräfte aus den Tiefen der Menschennatur hervorgeholt werden, daß wir auch die Möglichkeit gewinnen, so wie wir die "Einrichtung eines menschlichen Auges, eines menschlichen Ohres physiologisch betrachten, so auch den ganzen Menschen nach Körper, Seele und Geist in seinem Sein, in seiner Entwickelung zu beobachten.

[ 22 ] The spiritual perspective referred to here does not say, “Here are the limits of human knowledge”—it says: “We must draw forth so many powers of cognition from the depths of human nature that we may also gain the ability to observe the whole human being—body, soul, and spirit—in his being and in his development, just as we observe the ‘structure of a human eye or a human ear’ from a physiological perspective.”

[ 23 ] Haben wir im gewöhnlichen Leben gerade durch unsere naturwissenschaftliche Erziehung in der Gegenwart diese Erkenntnis nicht, so müssen wir sie eben ausbilden. Daher werde ich zu sprechen haben zu Ihnen über die Ausbildung jener Erkenntnisse, die eine eigentliche Einsicht in das innere Gewebe des kindlichen Lebens gewähren können. Und zu dieser Einsicht zwingt auch schon eine Beobachtung, die nur unbefangen sich dem Leben hingibt.

[ 23 ] If, in our everyday lives, we lack this understanding—precisely because of our current scientific education—then we must simply cultivate it. That is why I will speak to you about the development of those insights that can provide a true understanding of the inner fabric of a child’s life. And even a simple observation—one that simply surrenders itself to life without preconceptions—already compels us to gain this insight.

[ 24 ] Wir sehen das Kind. Wenn wir es so äußerlich anschauen, so finden wir eigentlich keine einschneidenden Entwickelungspunkte in dem Leben des Kindes von der Geburt bis etwa zum 20. Jahre. Wir fassen alles so auf wie eine kontinuierliche Entwickelung.

[ 24 ] We observe the child. When we look at the child from the outside, we do not actually find any significant developmental milestones in the child’s life from birth to about the age of 20. We view the entire process as a continuous development.

[ 25 ] So ist es nicht für denjenigen, der ausgerüstet mit der Erkenntnis, von der ich in den nächsten Tagen hier sprechen werde, an die Beobachtung des kindlichen Lebens herantritt. Da ist das Kind innerlich im Grunde ein ganz anderes Wesen bis etwa zu seinem 7., 8. Jahre, wo der Zahnwechsel beginnt, als es ist im späteren Leben von dem Zahnwechsel bis etwa zum 14., 15. Jahre mit der Geschlechtsreife. Und unendlich bedeutungsvolle Rätsel gehen uns auf, wenn wir versuchen, ganz tief uns in das Leben des Kindes hineinzuversenken und uns zu fragen: Wie arbeitet das Geistig-Seelische an dem Kinde bis zum Zahnwechsel hin? Wie arbeitet das Geistig-Seelische an dem Kinde, wenn wir es gerade in der Volksschule, in der Elementarschule zu erziehen, zu unterrichten haben? Wie haben wir da selbst mit dem Geistig-Seelischen mitzuarbeiten?

[ 25 ] This is not the case for those who, equipped with the insight I will discuss here in the coming days, approach the observation of a child’s life. Inwardly, the child is essentially a completely different being up until about the age of 7 or 8, when the change of teeth begins, than the child is in later life—from the change of teeth until about the age of 14 or 15, when sexual maturity sets in. And infinitely significant mysteries unfold before us when we try to immerse ourselves deeply into the life of the child and ask ourselves: How does the spiritual-soul aspect work within the child up to the time of tooth replacement? How does the spiritual-soul aspect work within the child when we are tasked with educating and teaching them in elementary school? How are we ourselves to cooperate with this spiritual-soul aspect?

[ 26 ] Wir sehen zum Beispiel, wie in dem ersten Lebensalter des Kindes bis zum Zahnwechsel hin instinktiv - instinktiv für das Kind, instinktiv auch für die Umgebung des Kindes — die Sprache ausgebildet wird. Wir denken heute vielfach darüber nach, ich will heute nicht sprechen von dem Historischen in der Entstehung der Sprache, sondern nur von dem Sprechenlernen des Kindes, wie eigentlich das Kind sprechen lernt, ob es gewissermaßen einen Instinkt hat, sich in den Klang, den es von der Umgebung hört, hineinzufinden, oder ob aus irgendwelchem anderen Zusammenhang mit der Umgebung der Trieb, Sprache zu entwickeln, besteht. Sieht man aber genauer in das Leben des Kindes hinein, so merkt man, daß alle Sprache, alles Sprechenlernen auf der Nachahmung beruht desjenigen, was das Kind durch seine Sinne in der Umgebung beobachtet, unbewußt beobachtet. Das ganze Leben des Kindes bis zum 7. Jahre ist ein fortwährendes Imitieren desjenigen, was in der Umgebung vor sich geht. Und in dem Augenblick, wo das Kind irgend etwas wahrnimmt, sei es eine Bewegung, sei es einen Klang, entsteht in ihm der Drang nach innerlicher Gebärde, nach Nacherleben desjenigen, was wahrgenommen wird aus seiner ganzen Innerlichkeit heraus.

[ 26 ] We see, for example, how language develops instinctively—instinctively for the child and instinctively for the child’s environment as well—during the child’s early years up until the time of tooth replacement. We reflect on this a great deal today; I do not wish to speak today about the historical aspects of the origin of language, but only about the child’s process of learning to speak—how the child actually learns to speak, whether it has, so to speak, an instinct to find its way into the sounds it hears from its surroundings, or whether the impulse to develop language arises from some other connection with the environment. But if we look more closely at the child’s life, we realize that all language, all speech acquisition, is based on the imitation of what the child observes—unconsciously observes—in its surroundings through its senses. The child’s entire life up to the age of seven is a continuous imitation of what is happening in its surroundings. And the moment the child perceives something—be it a movement or a sound—an urge arises within them for an inner gesture, for reliving what is perceived from the depths of their inner being.

[ 27 ] Wir verstehen das Kind nur, wenn wir es so betrachten, wie wir beim späteren Menschen das Auge oder das Ohr betrachten. Das Kind ist ganz Sinnesorgan. Sein Blut wird noch in einer viel lebendigeren Weise durch seinen ganzen Körper getrieben, als es später der Fall ist. Und wir merken gerade durch eine feine Physiologie, worauf die Ausbildung unserer Sinnesorgane, zum Beispiel des Auges beruht. Das Auge entwickelt sich dadurch, daß in ihm zuerst das Blut präponderiert, die Blutzirkulation, in den allerersten Lebensjahren des Menschen. Dann überwiegt später immer mehr und mehr das Nervenleben in den Sinnen, und eine Entwickelung von Blutzirkulation zum Nervenleben hin ist die Entwickelung des Sinneslebens im Menschen. Man kann sich eine feine Beobachtungsgabe aneignen dafür, wie allmählich im Menschen übergeht das Blutleben ins Nervenleben.

[ 27 ] We can only understand the child if we view it in the same way that we view the eye or the ear in an adult. The child is entirely a sensory organ. Blood is driven through its entire body in a much more vibrant way than is the case later in life. And it is precisely through a subtle understanding of physiology that we realize what the development of our sensory organs—the eye, for example—is based on. The eye develops because, in the very first years of a person’s life, blood—the blood circulation—prevails within it. Later, nervous activity increasingly predominates in the senses, and the development from blood circulation toward nervous activity is the development of sensory life in human beings. One can cultivate a keen power of observation to see how gradually, in human beings, blood life transitions into nervous life.

[ 28 ] So aber, wie es beim einzelnen Sinn ist, so beim ganzen Menschen. Das Kind muß so viel schlafen, weil es ganz Sinnesorgan ist, weil es die Außenwelt noch nicht mit ihrem Blenden, mit ihren Lauten vertragen würde. Wie das Auge sich schließen muß, wenn das blendende Sonnenlicht herandringt, so muß sich dieses Sinnesorgan Kind — denn das Kind ist ganz Sinnesorgan — abschließen gegenüber der Welt, muß viel schlafen; denn dann, wenn es der Welt gegenübergestellt ist, muß es beobachten, innerlich reden. Jeder Laut der Sprache entsteht aus der innerlichen Gebärde.

[ 28 ] But just as it is with the individual sense, so it is with the whole human being. The child must sleep so much because it is entirely a sensory organ, because it could not yet tolerate the outside world with its glare and its sounds. Just as the eye must close when the blinding sunlight approaches, so must this sensory organ that is the child—for the child is entirely a sensory organ—shut itself off from the world and sleep a great deal; for when it is confronted with the world, it must observe and speak inwardly. Every sound of speech arises from an inner gesture.

[ 29 ] Das, was ich hier sage aus einer spirituellen Erkenntnis heraus, das ist, ich möchte sagen, naturwissenschaftlich heute schon voll zu belegen. Es gibt eine naturwissenschaftliche Entdeckung - gestatten Sie mir, weil diese Entdeckung mich ja während meines ganzen Lebens verfolgt hat, die persönliche Bemerkung, daß diese naturwissenschaftliche Entdeckung so alt ist wie ich selber; sie ist in dem Jahre gemacht worden, wo ich geboren bin -, diese naturwissenschaftliche Entdeckung besteht darin, daß des Menschen Sprache beruht auf der Ausbildung der linken Schläfenwindung im Gehirn. Die wird plastisch im Gehirn ausgebildet. Aber diese Ausbildung geschieht durchaus während des kindlichen Alters selber aus jener Plastik heraus, von der ich Ihnen gesprochen habe. Und wenn wir den ganzen Zusammenhang betrachten, der besteht zwischen der Gebärde des rechten Armes und der rechten Hand, die präponderieren bei denjenigen Kindern, die das normal bilden — über Linkshänder werde ich noch zu sprechen haben, inwiefern sie sich zu den Allgemeinen verhalten; sie machen eine Ausnahme; aber gerade sie sind Beweise, wie das, was Sprechenlernen bedeutet, zusammenhängt mit jeder Gebärde, bis ins einzelnste hinein mit dem rechten Arm und der rechten Hand -, so werden wir sehen, wie durch einen inneren geheimnisvollen Zusammenhang von Blut, Nerven und der Windung des Gehirns aus der Gebärde heraus durch Imitation der Umgebung, die Sprache sich bildet.

[ 29 ] What I am saying here, based on a spiritual insight, can—I would say—already be fully substantiated by modern science. There is a scientific discovery—allow me, since this discovery has followed me throughout my entire life, to make a personal remark: this scientific discovery is as old as I am myself; it was made in the year I was born—this scientific discovery consists in the fact that human language is based on the development of the left temporal lobe in the brain. This is formed plastically in the brain. But this formation takes place entirely during childhood itself, arising from that plasticity I have spoken to you about. And when we consider the entire connection that exists between the gestures of the right arm and the right hand—which predominate in children who develop normally—I will have more to say about left-handers and how they relate to the general population; they are an exception; but they are precisely the evidence of how the process of learning to speak is connected to every gesture—down to the very smallest detail involving the right arm and the right hand—we will see how, through an inner, mysterious connection between blood, nerves, and the convolutions of the brain, language is formed from gestures through imitation of the environment.

[ 30 ] Wenn wir schon eine feinere Physiologie hätten, als wir sie heute haben, so würden wir für jedes Alter nicht nur das Passive, sondern auch das Aktive entdecken. Aber dieses Aktive ist besonders regsam in diesem großen Sinnesorgan, das das Kind ist. Daher lebt das Kind so in seiner Umgebung, wie im späteren Leben unser Auge in der Umgebung lebt. Unser Auge ist besonders herausgestaltet aus der allgemeinen Kopforganisation, liegt, ich möchte sagen, in einer besonderen Höhlung, damit es das Leben der Außenwelt mitmachen kann. Das Kind macht so das Leben der Außenwelt mit, lebt ganz in der Außenwelt drinnen, ist noch nicht in sich, fühlt noch nicht sich, lebt ganz mit der Außenwelt.

[ 30 ] If we had a more refined understanding of physiology than we do today, we would discover not only the passive but also the active aspect at every age. But this active aspect is particularly vibrant in that great sensory organ that is the child. That is why the child lives in its environment just as our eye lives in the environment later in life. Our eye is specially formed from the general organization of the head; it lies, I might say, in a special cavity so that it can participate in the life of the outside world. In this way, the child participates in the life of the outside world, lives entirely within the outside world, is not yet within itself, does not yet feel itself, and lives entirely with the outside world.

[ 31 ] Wir entwickeln heute mit Recht innerhalb unserer Zivilisation eine Erkenntnis, die eine sogenannte intellektualistische Erkenntnis ist, die ganz in uns lebt. Wir glauben die Außenwelt zu erfassen. Aber alle Gedanken, vor denen wir, und vor deren Logik wir allein gelten lassen die Erkenntnis, sie leben ja ganz in uns. Und das Kind lebt ganz außerhalb seiner selbst. Dürfen wir glauben, daß wir mit unserer intellektualistischen Erkenntnis jemals herankommen an dasjenige, was das Kind, das ganz Sinnesorgan ist, mit der Außenwelt erlebt? Das dürfen wir niemals. Das dürfen wir nur hoffen von der Erkenntnis, die selber ganz aus sich herausgehen kann, ganz untertaucht in das Wesen desjenigen, was lebt und west. Eine solche Erkenntnis ist nur die intuitive Erkenntnis, nicht die intellektuelle, mit der wir in uns bleiben, wo wir uns bei jeder Idee fragen: Ist sie auch logisch? - es ist eine Erkenntnis, mit der der Geist hinunterdringt in die Tiefen des Lebens selber, eine intuitive Erkenntnis. Wir müssen uns bewußt aneignen eine intuitive Erkenntnis, dann werden wir erst selbst so praktisch, damit wir mit dem Geiste tun können dasjenige, was mit dem Kinde zu geschehen hat zunächst in den ersten Lebensjahren.

[ 31 ] Today, within our civilization, we are rightly developing a form of knowledge—what is known as “intellectualist” knowledge—that exists entirely within us. We believe we grasp the external world. But all thoughts—before which we stand, and whose logic alone we accept as knowledge—live entirely within us. And the child lives entirely outside of itself. May we believe that with our intellectualistic knowledge we will ever come close to what the child—which is entirely a sensory organ—experiences with the external world? We may never do so. We can only hope for this from the kind of understanding that can step entirely outside of itself, fully immersing itself in the very essence of that which lives and exists. Such understanding is only intuitive understanding, not the intellectual kind, with which we remain within ourselves, asking ourselves with every idea: “Is it logical?”—it is an understanding with which the spirit delves into the depths of life itself, an intuitive understanding. We must consciously cultivate intuitive insight; only then will we ourselves become practical enough to do with the spirit what must first be done for the child in the early years of life.

[ 32 ] Dann aber, wenn das Kind seinen Zahnwechsel nach und nach überwindet, wenn an die Stelle derjenigen Zähne, die noch vererbt sind, diejenigen treten, die schon aus der ersten Lebensepoche heraus mit ihre Formung erhalten haben, dann tritt für das ganze Leben des Kindes das ein, daß es nicht mehr bloß Sinnesorgan ist, sondern hingegeben ist an etwas Seelischeres als an jeden äußeren Sinneseindruck. Dann tritt gerade für das Volksschulalter der Elementarschule das für das Kind ein, daß es beginnt, nun aus der Umgebung nicht mehr nur dasjenige aufzunehmen, was es beobachtet, sondern das, was in dem Beobachten lebt. Für das Kind tritt dasjenige Alter ein, das vorzugsweise gebaut sein muß auf jene Autorität, in der das Kind gegenüber seiner erziehenden und unterrichtenden Umgebung lebt.

[ 32 ] But then, as the child gradually completes the process of losing its baby teeth—as the teeth that were inherited are replaced by those that have been taking shape since the very beginning of life—a new phase begins for the child’s entire life: the child is no longer merely a sensory organ but is devoted to something more spiritual than any external sensory impression. Then, particularly during the elementary school years, the child begins to take in from the environment not merely what it observes, but what lives within that observation. The child enters an age that must be built primarily upon the authority within which the child lives in relation to its educational and instructional environment.

[ 33 ] Geben wir uns keiner Täuschung darüber hin, daß das Kind, wenn wir es ansprechen zwischen dem 7. und 14. Jahre, von uns nicht vernimmt das Urteil, das sich in einem Satze ausspricht. Wenn wir das Kind zwingen, das Urteil zu erlauschen, das sich in einem Satze ausspricht, so bringen wir ihm etwas bei, was erst einem späteren Lebensalter angehört. Dasjenige, was das Kind durch seine Wesenheit von uns verlangt, das ist, daß es an uns glauben kann, daß es das instinktive Gefühl haben kann: Da steht einer neben mir, der sagt mir etwas. Er kann es sagen, er steht mit der ganzen Welt so in Verbindung, daß er es sagen kann. Der ist für mich der Vermittler zwischen mir und dem ganzen Kosmos. So steht das Kind, natürlich nicht ausgesprochen, aber instinktiv dem anderen Menschen, namentlich dem lehrenden und erziehenden Menschen gegenüber. Er ist ihm der Vermittler zwischen der göttlichen Welt und zwischen ihm selber in seiner Ohnmacht. Und nur, wenn sich der Erzieher bewußt wird, daß er selbstverständliche Autorität sein muß, daß er dasjenige sein muß, zu dem das Kind hinaufsehen kann in einer ganz selbstverständlichen Weise, dann wird er Erzieher sein.

[ 33 ] Let us not delude ourselves into thinking that when we speak to a child between the ages of 7 and 14, the child does not hear the judgment expressed in a sentence. If we force the child to listen for the judgment expressed in a single sentence, we are teaching them something that belongs to a later stage of life. What the child demands of us by virtue of its very nature is that it can believe in us, that it can have the instinctive feeling: Here is someone standing beside me who is telling me something. He can say it; he is connected to the whole world in such a way that he can say it. For me, he is the mediator between myself and the entire cosmos. This is how the child relates—not explicitly, of course, but instinctively—to another human being, namely the teacher and educator. The teacher is the mediator between the divine world and the child in his own powerlessness. And only when the educator becomes aware that he must be a natural authority—that he must be the one to whom the child can look up in a completely natural way—will he be an educator.

[ 34 ] Daher haben wir gefunden während unseres Waldorfschul-Unterrichtes und unserer Waldorfschul-Erziehung, daß die Erziehungsfrage in der Hauptsache eine Lehrerfrage ist: Wie hat der Lehrer zu sein, um sein zu können eine selbstverständliche Autorität, der Vermittler zwischen der göttlichen Weltordnung und dem Kinde?

[ 34 ] Therefore, through our Waldorf school lessons and our Waldorf school education, we have found that the question of education is primarily a question of the teacher: What kind of person must the teacher be in order to be a natural authority, the mediator between the divine world order and the child?

[ 35 ] Nun, was ist da das Kind geworden? Zwischen dem 7. Jahre ungefähr und dem 14., 15. Jahre ist das Kind aus dem Sinnesorgan ganz Seele geworden, noch nicht Geist, noch nicht so, daß es den Hauptwert auf den logischen Zusammenhang, auf das Intellektualistische legt; da würde es innerlich in der Seele verknöchern. Für das Kind zwischen dem 7. und 14. Jahre hat es eine viel größere Bedeutung, wenn wir vermögen in liebevoller Weise ihm irgend etwas beizubringen, als es ihm zu beweisen. Es hat viel größeren Wert, wenn wir Gemüt durch irgendeine Lehre gehen lassen können, als Logik; denn das Kind braucht noch nicht die Logik, das Kind braucht uns, braucht unsere Menschlichkeit.

[ 35 ] Well, what has become of the child? Between the ages of about 7 and 14 or 15, the child has transformed from a sensory being into a being of the soul—not yet a spirit, not yet at the stage where it places primary value on logical connections or intellectual matters; if it were, it would become inwardly ossified in the soul. For a child between the ages of 7 and 14, it is far more important that we be able to lovingly teach them something than to prove it to them. It is far more valuable if we can allow their heart to experience a lesson than to rely on logic; for the child does not yet need logic—the child needs us, needs our humanity.

[ 36 ] Deshalb legen wir in der Waldorfschule gerade im Volksschulalter zwischen dem 6., 7. und 14. Jahre alles darauf an, daß der Lehrer mit einer künstlerischen Liebe und liebevollen Kunst dasjenige an das Kind heranzubringen vermag, was in dieses Lebensalter des Menschen hineingehört. Denn darauf beruht jene Erziehungskunst, die hier gemeint ist, daß man den Menschen kennt, kennt, was jedes Lebensalter von uns fordert in bezug auf Erziehung und Unterricht: Was fordern die ersten Jahre? Was ist gefordert bis zum 7. Jahre? Was kann das Volksschulalter verlangen? - Ganz anders müssen wir das Kind erziehen bis zum 10. Jahre, ganz anders wiederum vom 10. bis 14. Jahre, seine Menschenerkenntnis sich erwerben lassen. Daß wir das Wesen des Kindes in jedem einzelnen Jahre, ja jeder einzelnen Woche in unserer eigenen Seele lebendig machen, das ist dasjenige, was spirituelle Basis für die Erziehung bilden muß.

[ 36 ] That is why, in Waldorf schools—especially during the elementary school years between the ages of 6, 7, and 14—we make every effort to ensure that the teacher, with an artistic love and loving artistry, is able to convey to the child what is appropriate for this stage of human life. For the art of education referred to here is based on knowing the human being—knowing what each stage of life demands of us in terms of education and instruction: What do the early years require? What is required up to the age of 7? What can be expected of children of elementary school age?—We must educate the child quite differently up to the age of 10, and quite differently again from ages 10 to 14, allowing them to acquire an understanding of humanity. The fact that we bring the child’s nature to life in our own souls in every single year—indeed, every single week—is what must form the spiritual foundation for education.

[ 37 ] Und so können wir sagen: wie das Kind in den ersten Jahren ein Imitator, ein Nachahmer ist, so wird es in den späteren Jahren einFolger, einer, welcher sich nach dem, was er seelisch zu erleben vermag, auch seelisch entwickelt. Jetzt sind die Sinnesorgane selbständig geworden, und die Seele ist wesenhaft im Kinde eigentlich erst aufgetaucht. Unendlich zart müssen wir diese Seele nun behandeln, fort und fort, als Lehrer und Erzieher in einen innigen Kontakt kommen mit demjenigen, was jeden Tag in der Seele des Kindes vor sich geht.

[ 37 ] And so we can say: just as the child is an imitator in the early years, so in later years it becomes a follower—one who develops spiritually in accordance with what it is capable of experiencing spiritually. Now the sense organs have become independent, and the soul has, in essence, only just emerged in the child. We must now treat this soul with infinite tenderness, constantly—as teachers and educators—entering into intimate contact with what is taking place in the child’s soul every day.

[ 38 ] Ich möchte heute in dieser einleitenden Rede nur auf das eine hinweisen: es gibt zum Beispiel für jedes Kind während des schulpflichtigen Alters, so zwischen dem 9. und 11. Jahre, einen kritischen Punkt, einen Punkt, der nicht übersehen werden darf von dem Erzieher. In diesem Alter zwischen dem 9. und 11. Jahre kommt für jedes Kind, wenn es nicht unternormal ist, der Punkt, wo vor seiner Seele die Frage auftaucht: Wie finde ich mich in die Welt hinein? — Man darf nicht denken, daß diese Frage so gestellt wird, wie ich es eben jetzt besprochen habe. Die Frage tritt auf in unbestimmtem Fühlen, in unbefriedigtem Fühlen; die Frage tritt so auf, daß das Kind ein größeres Anlehnungsbedürfnis an einen Erwachsenen fühlt, die Frage tritt auf vielleicht so, daß sie sogar in einem starken Liebeshange zu einem Erwachsenen sich hervortut. Aber wir müssen in der richtigen Weise zu beobachten verstehen, was in diesem kritischen Punkt in dem Kinde vorgeht. Es fühlt sich plötzlich vereinsamt. Es sucht plötzlich Anschluß. Bisher hat es die Autorität als selbstverständlich hingenommen. Jetzt beginnt es zu fragen: Was ist es denn mit dieser Autorität? -— Ob man in diesem Augenblicke das rechte Wort findet oder nicht findet, davon hängt ungeheuer viel ab für das ganze spätere Leben des Menschen.

[ 38 ] In this introductory speech today, I would like to point out just one thing: for example, for every child of school age—that is, between the ages of 9 and 11—there is a critical point, a point that educators must not overlook. At this age, between 9 and 11 years old, every child—unless they are developmentally delayed—reaches a point where the question arises in their soul: How do I find my place in the world? — One must not think that this question is posed exactly as I have just described. The question arises as an indefinable feeling, an unsatisfied feeling; it arises in such a way that the child feels a greater need for support from an adult; it may even manifest itself as a strong inclination toward an adult. But we must learn to observe correctly what is going on within the child at this critical juncture. The child suddenly feels isolated. It suddenly seeks connection. Until now, it has accepted authority as a matter of course. Now it begins to ask: What is this authority all about? — Whether or not one finds the right words at this moment has an immense impact on the person’s entire future life.

[ 39 ] So wie es ungeheuer wichtig ist, daß der Arzt, wenn er eine Kinderkrankheit beobachtet, weiß, was da vorgeht im Organismus, das sind Entwickelungsprozesse, die nicht nur für das Kind Bedeutung haben gehen sie im Kinde nicht in der richtigen Weise vor sich, so spürt das der Mensch noch als Greis -, so müssen wir uns bewußt werden: was wir in dem Kinde anregen an Vorstellungen, an Empfindungen, an Willensimpulsen, das darf nicht in steife Begriffe gefaßt sein, die das Kind sich nur merken soll, nur lernen soll; diejenigen Vorstellungen, diejenigen Empfindungsimpulse, die wir dem Kinde vermitteln, sie sollen leben so, wie unsere Glieder leben. Die Hand des Kindes ist klein. Sie muß sich selbständig entwickeln: wir dürfen sie nicht einzwängen. Die Vorstellungen, die seelische Entwickelung des Kindes, sie sind klein und zart. Wir dürfen sie nicht in scharfe Konturen fassen, von denen wir etwa voraussetzen, daß das Kind als Erwachsener nach dreißig Jahren noch diese Vorstellungen hat, wie das Kind sie hatte. Wir müssen die Vorstellungen, die wir dem Kinde beibringen, so gestalten, daß sie wachsen können. Die Waldorfschule soll keine Schule sein, sondern eine Vorschule sein, weil jede Schule eine Vorschule sein soll zu der großen Schule, die das Leben selber für den Menschen ist. Wir müssen eigentlich in der Schule nicht lernen, damit wir es können, sondern wir müssen in der Schule lernen, damit wir vom Leben immer lernen können. Das ist dasjenige, was einer, ich möchte sagen, spirituell-physiologischen Pädagogik und Didaktik zugrunde liegen muß. Man muß Sinn und Gefühl haben für dasjenige, was man an das Kind heranbringt als ein Lebendiges, als etwas, was in das spätere Alter hineinreichen kann. Denn dasjenige, was im Kind ausgebildet wird, verhält sich manchmal auf dem Seelenuntergrund des Kindes so, daß man es nicht bemerkt. Im späteren Lebensalter kommt es heraus. Man kann ein Bild gebrauchen; es soll nur ein Bild sein, das aber auf Wahrheit beruht: es gibt Menschen, die in einem bestimmten Lebensalter wohltätig wirken auf ihre Mitmenschen. Sie können — wenn ich es so aussprechen darf - segnen. Solche Menschen gibt es. Sie brauchen gar nicht zu sprechen, sie brauchen nur da zu sein mit ihrer segnenden Persönlichkeit. Man beobachtet gewöhnlich den Menschen nicht in seinem ganzen Leben, sonst würde man folgendes bemerken: Wie sind solche Menschen, die später segnen können, in ihrer Kindheit erzogen worden, vielleicht bewußt von dem oder jenem, vielleicht hat es sich instinktiv auch für den Erzieher und Unterrichter gegeben. Sie waren so erzogen, daß sie als Kinder verehren gelernt haben, daß sie als Kinder beten gelernt haben im umfassenden Sinne des Wortes, hinaufzuschauen zu etwas - dann können sie hinunterwollen zu etwas. Hat man erst gelernt, hinaufschauen, verehren, in Autorität ganz gehüllt sein, dann hat man die Möglichkeit, zu segnen, hinunterzuwirken, selber Autorität zu werden, selbstverständliche Autorität zu werden.

[ 39 ] Just as it is immensely important for a doctor, when observing a childhood illness, to know what is happening within the organism—these are developmental processes that are significant not only for the child; if they do not proceed correctly in the child, the person will still feel the effects even in old age—so too must we become aware that: what we stimulate in the child—in terms of mental images, feelings, and impulses of the will—must not be confined to rigid concepts that the child is merely supposed to memorize or learn; the mental images and emotional impulses we convey to the child should be alive, just as our limbs are alive. The child’s hand is small. It must develop independently: we must not constrain it. The mental images, the child’s spiritual development—they are small and delicate. We must not define them with sharp contours, assuming, for example, that the child, as an adult thirty years later, will still hold these mental images exactly as the child did. We must shape the mental images we teach the child in such a way that they can grow. The Waldorf school is not meant to be a school, but rather a preparatory school, because every school should be a preparatory school for the great school that life itself is for human beings. We do not actually need to learn in school so that we can do something, but rather we must learn in school so that we can always learn from life. This is what must underlie what I would call a spiritual-physiological pedagogy and didactics. One must have a sense and feeling for what one presents to the child as something living, as something that can extend into later life. For what is developed in the child sometimes lies so deeply in the child’s soul that it goes unnoticed. It emerges later in life. One can use an image; it is meant to be only an image, but one based on truth: there are people who, at a certain stage of life, have a beneficial effect on those around them. They can—if I may put it this way—bestow a blessing. Such people exist. They do not need to speak at all; they need only be present with their blessing presence. One does not usually observe a person throughout their entire life; otherwise, one would notice the following: How were such people—who later become a blessing—raised in their childhood? Perhaps consciously by one person or another; perhaps it also happened instinctively on the part of their educators and teachers. They were raised in such a way that, as children, they learned to revere, that they learned to pray in the broadest sense of the word—to look up to something—and then they can reach down toward something. Once one has learned to look up, to revere, to be completely enveloped in authority, then one has the ability to bless, to exert a downward influence, to become an authority oneself, to become a natural authority.

[ 40 ] Das sind die Dinge, die nun nicht als Grundsätze bloß leben, die durchaus in den Lehrer übergehen sollen, in sein ganzes Wesen, indem sie aus dem Kopf fortwährend in die Arme gehen, und er aus dem Geiste tun, und nicht aus dem Geiste bloß denken soll, die in dem Lehrer Leben gewinnen müssen.

[ 40 ] These are the things that do not merely exist as principles, but are meant to become an integral part of the teacher—of his entire being—by continually flowing from his mind into his actions, so that he acts from the spirit and does not merely think from the spirit; these are the things that must come to life within the teacher.

[ 41 ] Wie das im einzelnen vom 7. bis 14. Jahre durch alle Schuljahre der Fall sein kann, das will ich dann in den nächsten Tagen darstellen. Aber vor allen Dingen das wollte ich heute aussprechen, wie eine gewisse Art und Weise nicht einer Lebensanschauung bloß, sondern eines innerlichen Lebens selber die spirituelle Basis der Erziehung sein muß. Dann erst, wenn der Mensch diese Autorität überwunden hat, wenn der Mensch geschlechtsreif geworden ist und auf diese Weise physiologisch ein ganz anderes Verhältnis zur Außenwelt gewinnt als früher, gewinnt er auch in seinem seelischen und leiblichen, in seinem körperlichen Leben im umfassendsten Sinne ein ganz anderes Verhältnis zur Außenwelt als früher. Jetzt erst erwacht der Geist im Menschen. Jetzt erst sucht der Mensch in allem Sprachlichen das Urteilhafte, das Logische. Jetzt erst können wir hoffen, daß wir den Menschen so erziehen und unterrichten können, daß wir an seinen Intellekt appellieren. Das ist ungeheuer wichtig, daß wir nicht, wie es heute so sehr beliebt ist, auf den Intellekt bewußt oder unbewußt zu früh reflektieren.

[ 41 ] I intend to explain in the coming days exactly how this can apply in detail throughout all school years, from age 7 to 14. But above all, what I wanted to emphasize today is how a certain way of being—not merely a worldview, but inner life itself—must form the spiritual foundation of education. Only then—when a person has overcome this authority, when they have reached sexual maturity and thereby gain a completely different physiological relationship to the outside world than before—do they also gain a completely different relationship to the outside world in their psychological and physical life, in the broadest sense of the term, than before. Only now does the spirit awaken within the human being. Only now does the human being seek the judgmental and the logical in everything linguistic. Only now can we hope to educate and instruct people in such a way that we appeal to their intellect. It is immensely important that we do not, as is so popular today, focus on the intellect—whether consciously or unconsciously—too early.

[ 42 ] Und wiederum, wenn wir uns nun fragen: Was wirkt in dem Kinde, wenn wir sehen, wie es nun auf Autorität hin dasjenige aufnimmt, was seine Seele lenken und leiten soll? - Nun, das Kind hört nicht zu, um logisch zu prüfen, was wir sagen. Das Kind nimmt unbewußt dasjenige, was in seine Seele hineinwirkt, was von der Seele aus auch am Leibe bildet und kraftet, es nimmt es auf wie eine Inspiration. Und nur, wenn wir die unbewußte, die wunderbare Inspiration, die im ganzen Leben des Kindes vom 7. bis 14. Jahre waltet, verstehen, wenn wir hineinwirken können in dieses fortwährend Inspiriertsein, dann können wir erziehen. Dazu müssen wir uns wiederum eine spirituelle Erkenntnis erwerben, und der Intuition hinzufügen die Inspiration.

[ 42 ] And again, if we now ask ourselves: What is at work within the child when we see how it accepts, out of deference to authority, that which is meant to guide and direct its soul? — Well, the child does not listen in order to logically examine what we say. The child unconsciously takes in what works its way into its soul—what, emanating from the soul, also shapes and energizes the body—and absorbs it like an inspiration. And only when we understand this unconscious, wondrous inspiration that reigns throughout the child’s life from ages 7 to 14—when we can work within this state of constant inspiration—can we truly educate. To do this, we must once again acquire spiritual insight and supplement intuition with inspiration.

[ 43 ] Und haben wir das Kind so weit, daß es das 14. Jahr erreicht hat, dann machen wir eine eigentümliche Entdeckung. Wenn wir dem Kinde dasjenige, was es nun logisch auffassen soll, auch unmittelbar logisch beibringen, so wird es ihm langweilig; es hört zunächst zu, wenn wir in dieser Weise alles logisch gestalten; wenn der junge Mann und das junge Mädchen uns unsere Logik nur nachdenken sollen, so werden sie nach und nach müde. Wir brauchen selbst noch in dieser Lebensepoche als Lehrer etwas anderes als bloße Logik. Wir können das im großen beobachten.

[ 43 ] And once the child has reached the age of 14, we make a peculiar discovery. If we teach the child—in a strictly logical manner—what it is now supposed to grasp logically, the child becomes bored; at first, they listen when we present everything logically in this way; but if the young man and the young woman are expected merely to think through our logic, they gradually grow weary. Even at this stage of life, as teachers, we need something other than mere logic. We can observe this on a large scale.

[ 44 ] Nehmen Sie einen solchen Forscher, der ganz in der äußeren Natur lebt, wie Ernst Haeckel. Er selber interessiert sich ungeheuer für alles dasjenige, was er mikroskopiert, was er ausbildet. Wird es übertragen auf die Schüler, so lernen sie es, aber sie können nicht mehr dasselbe Interesse entwickeln. Wir müssen als Lehrer etwas anderes auch in uns haben, als das Kind in sich hat. Dringt das Kind mit der Geschlechtsreife zur Logik vor, so müssen wir das Bildhafte, die Imagination in uns tragen. Wenn wir selber dasjenige, was wir dem jungen Menschen beibringen sollen, vermögen in das Bild zu gießen, so daß er Bilder, die wir wie in einer höheren Kunst ausbreiten, Bilder von der Welt und ihrem Wert und Sinn gewinnt, wenn wir diese Bilder ausbreiten und den Zuhörenden, den zu Erziehenden und zu Unterrichtenden die Logik entwickeln lassen, dann ergreift ihn dasjenige, was wir zu sagen haben.

[ 44 ] Take, for example, a researcher like Ernst Haeckel, who is completely immersed in the external world of nature. He himself is immensely interested in everything he observes under the microscope and everything he studies. When this is conveyed to the students, they learn it, but they are no longer able to develop the same interest. As teachers, we must possess something within ourselves that is different from what the child possesses. As the child, upon reaching sexual maturity, advances toward logic, we must carry within ourselves the pictorial, the imagination. If we ourselves are able to cast what we are to teach the young person into images—so that they gain images of the world and its value and meaning, which we unfold as in a higher art—and if we unfold these images and allow those listening, those being educated and taught, to develop the logic themselves, then what we have to say will truly capture them.

[ 45 ] So daß wir gewiesen werden in dieser dritten Lebensepoche auf die Imagination, ebenso wie zuerst auf die Intuition und auf die Inspiration. Und wir müssen nun suchen nach jener spirituellen Basis, welche uns nun auch, wenn wir Lehrer sein sollen, in die Lage versetzt, aus Imagination, Inspiration und Intuition heraus zu arbeiten, Geist zu tun, nicht bloß Geist zu denken.

[ 45 ] Thus, in this third epoch of life, we are directed toward imagination, just as we were first directed toward intuition and inspiration. And we must now seek that spiritual foundation which, if we are to be teachers, will enable us to work from imagination, inspiration, and intuition—to act spiritually, not merely to think spiritually.

[ 46 ] Das ist dasjenige, was ich als eine Einleitung vorbringen wollte.

[ 46 ] That is what I wanted to say by way of introduction.