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The Rudolf Steiner Archive

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Fundamental Spiritual and Soul Forces
in the Art of Education
Spiritual Values in Education and Social Life
GA 305

17 August 1922, Oxford

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2. Die spirituelle Grundlage der Erziehung II

2. Spiritual Disciplines of Yesterday: Yoga

[ 1 ] Meine Damen und Herren, zunächst darf ich auch heute meinen innigsten Dank aussprechen für die eben verlesenen Worte, die durchaus von mir so aufgenommen werden, dass ich darinnen sehe eine Ermunterung für dasjenige, was hier wird in diesen Tagen zu leisten sein. Es ist mir gestern mitgeteilt worden, dass einiges schwieriger zu verstehen war in den Betrachtungen, die ich gestern angestellt habe, und zwar weil Schwierigkeiten entstanden sind gegenüber dem Gebrauche des Wortes «spirituell» und «spirituelle Erkenntnis». Das veranlasst mich, heute das Thema etwas zu ändern, das ich mir gestellt habe, und gerade über den Gebrauch der Worte «Geist» und «spirituelles Leben» heute zunächst einige Auseinandersetzungen zu machen, welche etwas hinwegführen werden von dem Thema über Unterricht und Erziehung. Allein aus den Mitteilungen, die mir gestern gemacht worden sind, kann ich entnehmen, dass wir uns dann in den nächsten Tagen besser verstehen können, wenn ich diese Auseinandersetzungen über Geist, Seele, Leib heute mache. Es wird mir schon Gelegenheit gegeben sein, dasjenige, was ich eigentlich heute sagen wollte, in den nächsten Tagen vorzubringen.

[ 1 ] First let me express my deepest thanks for the words from Mr. H. A. L. Fisher which have just been read out. They give me great encouragement in the task of the next few days. I have been informed that there was something difficult to understand in what I spoke about yesterday. In particular that difficulties had arisen from my use of the words “Spiritual” and “spiritual cognition.” This occasions me to depart somewhat to-day from the subject I had set myself and to discuss the use of the words “spirit” (Geist) and “spiritual life” (spirituelles Leben). This will lead us somewhat away from the subject of teaching and education. But from what I hear I gather we shall understand each other better during the next few days if I give these explanations of spirit, soul, and body to-day. During the next few days I shall find an opportunity of saying what I intended saying to-day.

[ 2 ] Zugleich aber veranlaßt eine solche Erörterung, wie sie nun die heutige sein muß, daß man etwas theoretischer wird und in Ideen und Begriffen spricht. Das bitte ich für heute hinzunehmen; es wird in den nächsten Tagen schon wieder besser werden. Ich werde da nicht so grausam sein, Sie mit Ideen und Begriffen zu quälen, sondern Ihnen vielleicht mit Tatsachen gefällig sein können.

[ 2 ] Now such an exposition as that to be given to-day makes it necessary to speak in a more theoretical way, to speak in ideas and concepts. I beg you to acquiesce in this for to-day; in the following days things will be better again and I shall not cruelly torment you with ideas and concepts but shall hope to please you with concrete facts.

[ 3 ] Das Wort «Geist» innerhalb derjenigen Weltanschauung und Lebenserfassung, von deren Gesichtspunkten aus hier gesprochen wird, und auch das Wort «spirituell», wird gewöhnlich nicht tief genug genommen. Man sucht, wenn ausgesprochen wird das Wort «Geist», etwas, was ähnlich ist «Intellektualität», oder man sucht etwas, was ähnlich ist demjenigen, wofür man etwa das englische Wort «mind» gebraucht. Allein dasjenige, was ich hier mit «spirituell» und mit «Geist» meine, ist denn doch etwas ganz anderes. Es ist durchaus nicht zu verwechseln mit all denjenigen Dingen, die etwa von mystischen, schwärmerischen oder abergläubischen, sektiererischen Bewegungen als «Geist» und «spirituell» genommen werden; aber es ist etwas gegenüber dem Intellekt und gegenüber demjenigen, was man mit «mind» bezeichnet, ganz anderes.

[ 3 ] The word ‘Geist’ (Spirit) and also the word ‘Spirituell’ (Spiritual) as used from the point of view and world outlook from which I now speak, is generally not understood profoundly enough. When the word ‘Geist’ (spirit) is used, people take it to mean something like ‘intellectual’ or to mean much the same as the English word ‘mind.’ But what I mean here by ‘spiritual’ and by ‘spirit’ (Geist) is something quite different. It must definitely not be confused with all these things designated as ‘spirit’ and ‘spiritual’ in mystical, fanatical, or superstitious sects and movements: on the other hand it is quite distinct from what is meant by intellect or mind.

[ 4 ] Wenn wir uns eine wirkliche Einsicht, eine unmittelbare, tatsächliche Erkenntnis von demjenigen verschaffen können, was in dem ganz kleinen Kinde bis zum Zahnwechsel hin innerlich wirkt so, daß es aber nicht direkt wahrgenommen werden kann, sondern nur angeschaut werden kann in den Wesensäußerungen des Kindes, mögen uns diese noch so primitiv vorkommen, das ist «Geist», und das ist «Seele».

[ 4 ] If we can obtain an immediate concrete knowledge, a true insight, into what is working in a small child up to the time of changing its teeth—a working not directly perceptible, but observable in expressions of the child's nature which may appear to us even primitive that, then is “Spirit” (Geist), and that then is “Soul.”

[ 5 ] Wir haben sonst, wenn wir die Natur und das Menschenleben anschauen, niemals in dem Sinne Geist und Seele vor uns, als nur, wenn wir dasjenige, was Lebensäußerungen des ganz kleinen Kindes sind, beschauen. Da arbeiten, wie ich gestern sagte, in der Plastik des Gehirnes, in der Ausbildung des ganzen Organismus, die geistigen Kräfte darinnen, da arbeiten die seelischen Essenzen darinnen. Dasjenige, was wir sehen, sind die Lebensäußerungen des Kindes; sie nehmen wir durch die Sinne wahr. Aber dasjenige, was durch den Schleier des sinnlich Wahrnehmbaren hindurch wirkt, ist Geist, ist Seele; so, wie wir sie niemals sonst im Leben ohne eine innere seelische Entwickelung wahrnehmen können. So daß wir sagen müssen: Geist ist zunächst etwas für die gewöhnliche Wahrnehmung ganz Unbekanntes. Seele offenbart sich höchstens in den gewöhnlichen Wahrnehmungen. Aber wir müssen sie durch die Wahrnehmungen hindurch fühlen, empfinden.

[ 5 ] Nowhere in our observation of man and of nature are we confronted by spirit and soul so immediately as when we contemplate the manifestations of life in a tiny child. Here, as I said yesterday, in the moulding of the brain, in the shaping of the whole organism, spiritual forces are at work, soul essences are at work. What we see are manifestations of life in the child; we perceive these with our senses. But what works through from behind the veil of sense perceptible things is spirit, is soul;—so to be apprehended as nowhere else in life—unless we have accomplished an inner soul development. Thus we must say: to immediate ordinary perception, spirit is quite unknown. At most, soul can manifest in ordinary percepts. But we must feel and sense it through the percept.

[ 6 ] Wenn ich ein Bild gebrauchen darf, nur zur Verdeutlichung, nicht zur Erklärung, so möchte ich sagen: Wenn wir sprechen, sprechen wir so, daß wir die Worte, die Laute haben durch Konsonanten und Vokale. Beachten Sie den großen Unterschied zwischen den Konsonanten und Vokalen in der Sprache. Die Konsonanten, sie runden den Laut, sie machen ihn spitz, sie machen ihn zu einem Blaselaut, zu einem Wellenlaut, je nachdem wir mit dem einen oder anderen Organ, mit den Lippen, mit den Zähnen, den Laut formen.

[ 6 ] If I may use an image to indicate what is meant—not to explain it—I would say: When we speak, our speech comes from words, sounds made up of consonants and vowels. Observe the great difference between consonants and vowels in speech. Consonants round off a sound, give it angularity, make it into a breath sound or a wave sound according as we form the sound with one organ or another—with lips or teeth.1Usually called labials and dentals. But see Dr. Steiner's classification of vowels and consonants in his Dramatic and Eurhythmy courses.

[ 7 ] Die Vokale entstehen ganz anders. Die Vokale entstehen so, daß wir den Luftstrom durch die Sprachorgane in einer gewissen Weise leiten. Wir runden nicht; wir bilden die Substanz des Lautes durch die Vokale. Wollen wir einen Vergleich, so können wir sagen: Die Vokale geben uns die Substanz, den Stoff. Die Konsonanten plastizieren dasjenige, was die Vokale als Substanz geben.

[ 7 ] Vowels arise in quite another way. Vowels arise while guiding the breath stream through the vocal organs in a particular manner. We do not give contour, we build the substance of the sound by means of vowels. The vowels, as it were provide the substance, the stuff. The consonants mould and sculpture the substance provided by the vowels.

[ 8 ] Wenn wir nun in dem Sinne, wie es hier gemeint sein soll, von Geist und Seele reden, so müssen wir sagen: Geist ist in den Konsonanten der Sprache, Seele ist in den Vokalen der Sprache. Wenn das Kind beginnt A zu sagen, hat es etwas in sich wie Verwunderung, einen Seeleninhalt. Unmittelbar lebt es vor uns diesen Seeleninhalt. Es strömt in dem A.

[ 8 ] And now—using the terms spirit and soul in the sense we are giving them here—we can say: In the consonants of speech there is spirit, in the vowels there is soul. When a child first begins to say A (AH) it is filled with a kind of wonder, a marvelling—a soul content. This content of soul is immediately present to us. It streams out in the A.

[ 9 ] Wenn das Kind den E-Laut ausstößt, es hat etwas wie eine leise Antipathie der Seele in sich. Es rückt ab, zuckt zurück vor demjenigen, was einen Eindruck macht. Es ist etwas von Antipathie im Seelischen, was in dem E zum Ausdrucke kommt. Verwunderung: A - Antipathie: E- seelisch der Vokalismus.

[ 9 ] When a child expresses the sound E (EH) it has a kind of slight antipathy in its soul. It withdraws, starts back from the thing affecting it. E (EH) expresses something antipathetic in the soul. Wonder: A. Antipathy: E. The vowels show soul content.

[ 10 ] Bilde ich irgendeinen Konsonanten, dann runde ich, ich gestalte das Vokalische. Wenn das Kind Ma-Ma sagt, das A zweimal, so lebt es dasjenige dar, was etwa durch diese Gebärde des Suchens eines Hilfreichen von seiten der Mutter zum Ausdrucke kommt. A wäre dasjenige, was das Kind fühlt und empfindet gegenüber der Mutter, M ist dasjenige, was es möchte, daß die Mutter tue. Und so liegt in dem Ma-Ma das ganze Verhältnis des Kindes zur Mutter nach Seele und Geist. So hören wir die Sprache, wir hören das Sinnliche an ihr, aber wir werden nicht darauf aufmerksam, wie Seele und Geist verborgen in der Sprache liegen. In der Sprache wird man manchmal noch darauf aufmerksam. In dem ganzen Menschen beachtet man das nicht mehr. Man sieht die äußere Gestalt des Menschen. Da ist ebenso das Seelische darinnen und das Geistige, wie in der Sprache. Aber man beachtet es nicht mehr.

[ 10 ] When I form a consonant of any kind I give contour, I surround and shape the vowel substance. When a child says Ma Ma—A twice over—the gesture shows the child's need to reach out to its mother for help (The gesture of M is meant. See Eurhythmy.). A by itself would be what the child feels and experiences about its mother. M is that which it would like the mother to do. So that Ma-Ma contains the whole relationship to the mother both according to spirit and soul. Thus we hear language spoken, we hear its sense content, but we do not attend to the way spirit and soul lie hidden in language. True we are still occasionally aware of it in speech, but we fail to notice it in the whole human being. We see the outer form of a man. Within are soul and spirit as they are within speech. But this we no longer heed.

[ 11 ] Aber man beachtete es einstmals in der Urzeit der Menschheit, als man nicht sagte: Im Anfange, im Urbeginne, war der Geist — das wäre einem zu abstrakt vorgekommen -, sondern man sagte: Im Urbeginne war das Wort -, weil man noch eine lebendige Empfindung davon hatte, daß der Geist auf den Wellen der Sprache sich fortbewegt. Dieser Geist, das ist dasjenige, was seiner Eigenschaft nach hier als das Spirituelle bezeichnet wird, als dasjenige, was nicht in unserem Intellekt zum Vorschein kommt, auch nicht in dem, was man «mind» nennt. «Mind» und «spirit» sind verschieden voneinander, so verschieden voneinander, wie verschieden ist meine Persönlichkeit, wenn ich hier stehe, einen Spiegel habe, und ich mich in dem Spiegel sehe; darinnen ist mein Spiegelbild. Dieses Spiegelbild, es macht dieselben Bewegungen, die ich mache, es sieht mir ähnlich, aber es ist nicht ich; es unterscheidet sich von mir dadurch, daß es Bild ist, ich die Realität. Geist waltet im Verborgenen. Intellekt hat den Geist nur im Spiegelbild. «Mind» ist das Spiegelbild des Geistes. «Mind» kann zeigen, was der Geist tut, «mind» kann die Bewegungen des Geistes machen, aber «mind» ist passiv. «Mind» kann abbilden, wenn mir jemand einen Schlag gibt, «mind» kann nicht selbst den Schlag geben. Der Geist ist Aktivität. Der Geist ist immer Tätigkeit. Der Geist ist schöpferisch. Der Geist ist das absolut Produktive. «Mind», Intellekt, ist das Abbild, das absolut Passive, dasjenige, was wir im späteren Leben in uns tragen, um die Welt zu verstehen. Würde der Intellekt, würde «mind» tätig sein, würden wir die Welt nicht verstehen können, denn «mind» muß passiv sein, damit die Welt durch ihn verstanden werden kann. Er würde fortwährend die Welt verändern, betasten, wenn er tätig wäre. Er ist das passive Bild des Geistes.

[ 11 ] There was a time however, in ages past when men did heed it and they said, not ‘In the beginning was the Spirit,’—that would have been too abstract—but ‘In the beginning was the word,’ for men still felt livingly how spirit was carried on the waves of speech. It is this spirit and what is characteristic of it that we designate here when we use the word ‘spiritual’—a thing not revealed in intellect, nor yet in what we call mind. Mind and spirit are distinct from one another. They differ as much as my personality differs from the reflection I see in the looking-glass. When I stand there and hold a mirror and look at myself in it: my reflection is in the mirror. This reflection makes the same movements as I do, it looks like me, but it is not I; it differs from me in that it is an image, whereas I am a reality. ‘Spirit’ holds sway in hidden depths. Intellect only has the image of spirit. Mind is the reflected image of the spirit. Mind can show what spirit does, Mind can make the motions of spirit. But mind is passive. If someone gives me a blow mind can reflect it. Mind cannot itself give the blow. Spirit is activity. Spirit is always doing. Spirit is creative. Spirit is the essence of productivity, productivity itself. Mind, Intellect, is copy, reflection, passivity itself:—that thing within us which enables us, when we are older, to understand the world. If intellect, if mind were active we should not be able to understand the world. Mind has to be passive so that the world may be understood through it. If it were active it would continually alter and impinge upon the world. Mind is the passive image of the spirit.

[ 12 ] Und so müssen wir uns sagen: Wie wir vom Spiegelbild auf den Menschen hinschauen müssen, wenn wir zur Realität kommen wollen, so müssen wir versuchen, wenn wir Geist und Seele der Wirklichkeit nach suchen wollen, von dem unproduktiven Passiven zu dem produktiven Aktiven zu kommen.

[ 12 ] Thus: Just as we look away from the reflection to the man himself when we seek reality, so when we seek the reality of spirit and soul we must endeavour to pass from the unproductive passive to the productive active.

[ 13 ] Das haben die Menschen gesucht, seit es eine Menschheitsentwickelung gibt. Und ich möchte heute von einigen Wegen dieses Suchens zu Ihnen sprechen, damit wir uns verständigen über dasjenige, was eigentlich Geist und Seele bedeutet, wenn ich hier von ihnen spreche.

[ 13 ] This, men have endeavoured to do throughout all ages of human development. And to-day I wish to speak to you of one way of this seeking, so that we may agree upon the meaning of spirit and soul when I speak to you here.

[ 14 ] Den Geist nehmen wir als erwachsene Menschen von uns zunächst nur wahr in seinem Spiegelbild als Intellekt, als «mind», als Verstand, als Vernunft. Die Seele nehmen wir nur in ihren Äußerungen wahr, in ihren Offenbarungen. Wir stehen der Seele näher als dem Geiste, aber wir nehmen sie auch nicht in ihrer vollen inneren Aktivität wahr. Wir nehmen sie wahr in ihren Offenbarungen; den Geist nur im Bilde - Bild enthält nichts mehr von der Realität -, die Seele in ihren Offenbarungen. Was wir erleben als Empfindung, als Antipathie, als Sympathie, was wir erleben als Wunsch, als Leidenschaft, das ruht im Seelischen; aber wir nehmen nicht dasjenige wahr, was Seele in uns ist.

[ 14 ] Commonly as adult human beings we only perceive spirit in its reflection as Intellect, Mind or Reason. We only apprehend the soul in its manifestations, or expressions. We are nearer to the soul than to the spirit but we do not perceive the full inner activity even of the soul. We perceive revelations of the soul: we perceive spirit in its reflection only. A reflection retains nothing of the reality.—But we do perceive revelations of the soul. What we know as feeling, our sympathies and antipathies, our experience of desire and passion—these belong to the soul. But we do not perceive what the soul is within us.

[ 15 ] Was ist Seele in uns? Nun, ich kann vielleicht hindeuten auf dasjenige, was Seele in uns ist, wenn ich unterscheide zwischen demjenigen, was wir selbst erleben, und demjenigen, was in uns gemacht wird, damit wir etwas erleben.

[ 15 ] What is soul within us? Now I can perhaps indicate what soul is in us if I distinguish between what we actually experience and what happens within us in order that we may experience.

[ 16 ] Wenn wir über einen weichen Erdboden gehen, bleiben die Spuren unserer Füße darinnen. Es kommt jemand, sieht die Spuren unserer Füße — wird der sagen: Da drunten unter der Erde, da sind gewisse Kräfte, die haben den Erdboden so geformt, daß er solche konkaven Erscheinungen annimmt? Niemand wird das sagen. Jedermann wird sagen: Da ist jemand darüber gegangen.

[ 16 ] When we walk over soft ground we tread on it, our footprints remain in it. Now suppose someone finds our footprints; will he say: “Beneath the earth, below there, are certain forces which have shaped the earth so that it shows these concave forms?” No-one would say such a thing. Any person would say: Someone has walked here.

[ 17 ] Die materialistische Seelenanschauung sagt: Ich finde Furchen im Gehirne, das Gehirn hat Eindrücke. - Der Erdboden hat auch Eindrücke, wenn ich darüber gegangen bin! -— Nun kommt die materialistische Anschauung und sagt: Da drinnen im Gehirn sind Kräfte, die machen die Furchen. — Unrichtig! Die Seele macht die Furchen, wie ich sie mache auf dem Erdboden, und dadurch, daß Furchen drinnen sind, nehme ich erst das Seelische wahr. Ich nehme in der Seele ein Gefühl wahr. Die Seele ist zunächst im Verborgenen. Sie hat die Furchen in meinem Leibe gemacht. Wenn ich eine sehr grobe Furche mache, so tut es mir weh, es schmerzt. Ich nehme nicht dasjenige wahr, was ich da gemacht habe zunächst; das kann ich auch hinterher machen. Aber wenn ich auch nicht sehe, was ich mache, ich nehme den Schmerz wahr. So ritzt gewissermaßen die Seele einen Eindruck auf meinen Leib, verborgen. Die Wirkung nehme ich wahr in Leidenschaften, in Sympathie und so weiter, die Wirkung in der Offenbarung, was die Seele tut. Beim Geiste das Bild; bei der Seele die Offenbarung.

[ 17 ] Materialism says: I find imprints in the brain, the brain has impressions.—The earth too has impressions when I have gone over it!—But now Materialism says: There are forces in the brain, and these make the imprints. This is false. The soul makes the imprints, just as it is I who make them on the ground; and only because the imprints are there can I perceive the soul. I perceive a sensation in the soul. To begin with the soul is hidden. It has made the imprints in my body. If I make a very hard dent it hurts me, it is painful. I do not immediately see what I have done—(I can do it behind my back). But even if I do not see what I do I experience the pain. In the same way the soul scores an impression upon my body, itself hidden. I perceive the effect in passions, in sympathy, etc. I perceive the effect of what the soul does in the manifestation. Thus: Of the spirit we have an image; of the soul an expression.

[ 18 ] Wir stehen der Seele näher. Aber wir müssen daran festhalten, daß Geist oder Seele tiefer gesucht werden müssen als «mind» oder Intellekt oder Verstand oder Vernunft.

[ 18 ] We are closer to the soul. But let us keep in mind that spirit or soul must be sought in profounder depths than mind, or intellect or reason.

[ 19 ] Das wird vielleicht etwas beitragen können zu dem Verständnis von Geist und Seele. Um den Begriff des Geistes und der Seele klarer noch zu machen, darf ich jetzt auf einiges Geschichtliche eingehen - ich werde in dieser Beziehung sehr häufig mißverstanden, und ich bitte, mich heute nicht mißzuverstehen —, um zu erläutern, nicht etwa um zu behaupten, daß wir es, um zu Geist, um zu Seele zu kommen, heute noch ebenso machen müssen, wie es in älteren Zeiten gemacht worden ist. Aber die heutige Methode, zu Geist und Seele zu kommen, wird leichter verstanden, wenn wir auf Geschichtliches eingehen.

[ 19 ] This may perhaps contribute to an understanding of spirit and soul. To make the concept of spirit and soul yet clearer let me now turn to an historical aspect. And let me not here be misunderstood to-day, as has too often happened. I do this expressly for the sake of elucidation—not with any intention at all of maintaining that in order to reach spirit and soul we must proceed to-day in the manner used of old. But the present-day method of attaining to spirit and soul will be easier to understand when we turn to history.

[ 20 ] Wir können es im 20. Jahrhundert gar nicht mehr so machen, wie es etwa vor Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden im alten Indien gemacht worden ist, um zum Geiste zu kommen. Wir können es auch nicht so machen, wie es vor der Tatsache des Mysteriums von Golgatha gemacht worden ist. Wir leben in der Entwickelung des Christentums. Aber wir können uns verständigen über Geist und Seele, wenn wir auf diese ältere Art zurückschauen, wenn wir namentlich wahrnehmen, wie ganz anders der Weg zu Geist und Seele für den spirituellen Menschen ist als für den bloß intellektuellen Menschen.

[ 20 ] In order to attain to the spirit in the twentieth century it is quite impossible to do the same as was done hundreds or thousands of years ago in ancient India. Neither can we do as was done before the event of the Mystery of Golgotha. We live within the development of Christianity. But we shall be helped in our understanding of spirit and soul if we look back to this older way and see, for example, how the way to soul and spirit of the spiritual man differs completely from the way of the merely intellectual man.

[ 21 ] Wenn wir heute aus dem allgemeinen Zeitbewußtsein heraus über uns selber zur Klarheit kommen wollen, was tun wir dann? Wir denken nach, wir betätigen unseren Intellekt. Auch wenn wir über die Natur zur Klarheit kommen wollen, was tun wir? Wir machen Experimente und betätigen an den Experimenten unseren Intellekt. Überall intellektuelle Tätigkeit. In alten Zeiten versuchte man ganz anders zu Geist und Seele zu kommen. Man versuchte - ich will zwei Beispiele aus vielem, was ich anführen könnte, herausheben — zu Geist und Seele zu kommen in uralten Zeiten, im Oriente, durch die sogenannte Jogamethode. Joga — es verursacht, wenn man den Namen ausspricht, heute bei sehr vielen Menschen ein leises Entsetzen, denn man kennt historisch eigentlich nur die späteren Jogamethoden, die zum großen Teil auf dem Egoismus der Menschen beruhen, die irgend etwas Machtvolles in der äußeren Welt haben wollen. Die älteren Jogamethoden, die eigentlich heute nur mehr gefunden werden können durch spirituelle Wissenschaft, nicht durch äußere Wissenschaft, waren Wege, die der Mensch einschlug zum Geiste. Worauf beruhten sie? Sie beruhten darauf, daß der Mensch aus einem gewissen Instinkte heraus sich sagte: Durch das bloße Nachdenken können wir nicht zum Geiste kommen. Wir müssen etwas tun, was uns vielmehreine Tätigkeit,eine Aktivität in uns selbst zeigt, als das bloße Nachdenken. Wir können irgendwo abseits von der Welt stehen, den Zuschauer spielen, das Denken geht in uns vor. Wir vollbringen gar keine Veränderung in uns selber, die uns wahrnehmbar ist.

[ 21 ] What do we do when to-day, in conformity with the general consciousness of our age, we want to get clear about ourselves? We reflect; we use our intellect. And what do we do when we want to get clear about nature? We experiment and bring our intellect to bear upon the experiments. Intellectual activity on all hands. In ancient times men sought to reach spirit and soul in quite a different manner. To take two examples from among many that I might cite: they sought to reach the spirit and soul, for instance, in very ancient times in the East by means of the so-called Yoga method, Now the mention of Yoga produces a feeling of slight horror in many people to-day, for only the later Yoga methods are known to history, methods based on human egoism and which seek power in the external world. The older Yoga methods (which can only be discovered to-day through spiritual science,—not through external science,) were ways which men took towards the spirit. They rested on the fact that men instinctively said to themselves: we cannot attain to the spirit by mere reflection, by mere thinking. We must do something which reveals action, activity, in ourselves far more than mere reaction does. Thinking goes on in us even when we stand aside from the world merely as onlookers: we do not then bring about any perceptible change in ourselves.

[ 22 ] Der Jogi, der suchte einen viel realeren Vorgang, Prozeß, in sich, als wir heute suchen, wenn wir Geist kennenlernen wollen. Wenn wir mit unseren heutigen physiologischen Erkenntnissen uns fragen: Was geschieht dann, wenn wir intellektualisieren? — Nun, es geschieht etwas in unserem Nervensystem, in unserem Gehirn und demjenigen, was durch die Nerven zum Gehirn gehört im übrigen Organismus. Aber dasjenige, was da in den Nerven geschieht, es könnte niemals geschehen, wenn nicht eine viel wahrnehmbarere Tätigkeit sich mit den Vorgängen unseres Gehirns vermischen würde. Unaufhörlich von der Geburt bis zum Tode atmen wir ein, halten den Atem, atmen wir aus. Wenn wir einatmen, geht die Atemluft in unseren ganzen Organismus über. Der Atemstoß wird durch den Rückenmarkskanal in das Gehirn getrieben. Wir atmen nicht nur mit der Lunge, wir atmen auch mit dem Gehirne. Fortwährend ist unser Gehirn in Bewegung. Der Atem, das Einatmen, Atemhalten, Ausatmen durchwellt und lebt in unserem Gehirn. Das geht — uns heute ganz unbewußt - vor sich. Der Jogi sagte: Da geht etwas vor im Menschen, dessen will ich bewußt werden. So atmete er nicht in der gewöhnlichen Weise unbewußt, sondern er atmete abnorm, abnormal; er atmete anders ein, hielt den Atem anders, atmete anders aus. Dadurch wurde er sich des Atemprozesses bewußt. Und was uns ganz unbewußt bleibt, das verlief durchaus in seinem Bewußtsein, indem er es erkannte, empfand. Und so empfand er allmählich, wie im Gehirne sich verband das Atmen mit demjenigen, was als die materielle Tätigkeit des Denkens, des Intellektualisierens zugrunde liegt. Er suchte diese Verbindung zwischen Denken und Atmen, und er empfand schließlich, wie der Gedanke, der für uns etwas Abstraktes ist, sich auf den Wellen des Atems durch den ganzen Leib bewegt. Da war der Gedanke nicht nur im Gehirn, nicht nur in der Lunge, nicht nur im Herzen, da war der Gedanke in jeder Fingerspitze. Da erlebte man, indem man den Atem real durch sich durchpulsen fühlte, wie der Geist schöpferisch ist durch den Atem im Menschen: «Und Gott blies dem Menschen den lebendigen Odem ein, und er ward eine Seele.» Nicht nur am Anfange blies er den Atem ein, sondern er bläst fortwährend im Atmen ein. Und im Atmungsprozesse, nicht im Denken, nicht im intellektuellen Prozeß, werden wir Seele. Wir fühlen unser Wesen, indem wir den Gedanken auf den Wellen des Atems durch unseren ganzen Leib pulsieren fühlen. Sehen Sie, da hatte man jetzt den Gedanken, den Geist, nicht mehr als etwas Intellektualistisches, als etwas Abstraktes abgesondert; da spürte man ihn, fühlte man ihn im ganzen Leibe; da fühlte man seinen Menschen als Geschöpf des Geistes. Sie sehen, man hatte den tätigen Geist.

[ 22 ] The Yogi was seeking out a far more real happening or process in himself when he wanted to learn about the spirit. Suppose we ask ourselves what takes place, according to our present-day physiological knowledge, when we use our intellect? Well, something happens in our nervous system, in our brain, and in those parts in the rest of our organism which are connected with the brain through the nervous system. But what takes place in the nerves could never come about if an activity far more perceptible were not intermingled with the processes of our brain. Unceasingly from our birth till our death we breathe in, retain our breath, breathe out. When we breathe in, the breath passes over our whole organ-ism. The thrust of the breath is through the spinal cord into the brain. We do not only breathe with our lungs, we breathe with our brain. But this means that our brain is in constant motion. The breath—inbreathing, breath-holding and out-breathing—surges and lives within our brain. This goes on continuously—unconscious of it though we are to-day. The Yogi used to say: Something is taking place in man of which I must be conscious. Thus he did not breathe unconsciously in the usual way, he breathed abnormally: he breathed in differently, held his breath differently, breathed out differently. In this manner he became conscious of the breath-process. And what takes place unconsciously for us, took place for him in full consciousness, for he conceived and experienced it. Thus he came to experience how in the brain, breath unites with the material process which under-lies thinking, which underlies intellectual activity. He searched into this union between thinking and breathing and finally experienced how thought, which is for us an abstract thing, pervades the whole body on the tide of the breath. Thus thought was not only in the brain, not only in the lungs, not only in the heart, thought was in the very finger tips. From real experience of the breath pulsing through him he learned how Spirit creates in man through the medium of the breath: “And God breathed the living breath into Man and he became a Soul.” Not only did He breathe the breath in “in the Beginning” but continuously He breathes where breathing takes place. And it is in the breath process, not in thinking, not in the intellectual process, that we become soul. We feel our own being when we feel our thought pulsing throughout the body on the tide of breathing. You see, spirit was here no longer shut off, separated, as an intellectual and abstract thing; hence it could be sensed and felt through-out the whole body. And manhood could be felt as a creation of the Gods. You see, they had active Spirit.

[ 23 ] Wir haben den passiven, nicht den aktiven Geist in der Intellektualität. Wir können heute, weil wir anders organisiert sind, diesen Jogaprozeß nicht mehr nachmachen, sollen es auch nicht tun. Denn, was bezweckte der Jogi? Er bezweckte, daß er fühlte, wie sich sein Denkvorgang mit dem Atmungsvorgang verknüpfte, und er seinen Menschen empfand in dem Atmungsvorgang, was er dann als Erkenntnis hatte. Er verband den Gedanken inniger mit dem Menschen, als wir das heute tun. Aber unser menschlicher Fortschritt beruht darauf, daß wir den Gedanken selber viel mehr losgelöst haben, viel intellektualistischer gemacht haben, als es damals der Fall war, als die Jogamethode blühte. Niemals hätte man mit einem solchen Denksystem, wie es die alten Inder ausgebildet hatten, als sie Jogi waren, die Entdeckungen des Kopernikus, Galilei, des Faraday, des Darwin und so weiter machen können. Dazu brauchte man den Gedanken als bloßes Bild, als Intellektualität. Und unsere ganze Zivilisation beruht darauf, daß wir nicht mehr so sind wie diejenigen, die die Jogaphilosophie ausgebildet haben. Das mißversteht man gewöhnlich, wenn ich die Dinge auseinandersetze. Man glaubt, ich will die Menschen wieder zurückführen zur Jogaphilosophie. Keine Rede davon! Sondern ich will durchaus die Dinge so nehmen, wie sie in dem Zeitalter des Kopernikus, Galilei, Faraday, genommen werden müssen. Wir müssen rechnen damit, daß unsere abendländische Zivilisation groß geworden ist durch die Intellektualität. Aber zugleich müssen wir anders empfinden als diejenigen, die im alten Indien empfunden haben, müssen auch anders empfinden als diejenigen, die heute Joga treiben wollen. Wir müssen heute ganz anders vorgehen, sogar geistiger, als man im alten Indien vorgegangen ist. Und weil es geistiger sein soll, und weil man heute den Geist nicht sehr liebt, so liebt man gerade die neuere Methode nicht. Es ist bequem heute, scheint wenigstens bequem, Jogaatmungen zu machen, um in die geistige Welt hinein den Weg zu finden. Das aber ist nicht der Weg, wodurch der moderne Mensch ins Geistige hineinkommen soll. Nein, da muß der moderne Mensch erst einmal erlebt haben alles dasjenige, was im bloßen Intellektualismus unreal, als Bild wahrgenommen werden kann, da muß der Mensch einmal das ganze Leid durchgemacht haben, das darinnen besteht, daß man sich sagt: Indem ich denke, indem ich bloß intellektualistisch tätig bin an dem Experiment oder an den sonstigen Beobachtungen, lebe ich im Leeren, im bloßen Bilde. Ich habe mich vom Realen entfernt.

[ 23 ] In intellectuality we have passive, not active spirit. Nowadays, since we are differently organised, we cannot copy this Yoga process, nor would it be right for us to do so. For what was the Yogi's aim? He aimed at feeling how the thought process was bound up with the breath process, and in the breath process, which was his mode of cognition, he experienced his humanity. He united thought more intimately with man's whole nature than we do to-day. But our human progress rests on the fact that we have freed thought itself far more, have made it far more intellectual than it was when Yoga nourished. Never could the discoveries of Copernicus, Gallileo, Faraday, Darwin, etc., have been made with a system of thought such as that produced by the ancient Indians when they were Yogis. These achievements have required a thinking reduced to the state of reflection, of image, of intellectuality. And our whole civilisation is based on the fact that we are no longer the same as those who developed the Yoga philosophy. People generally misunderstand this when I describe these things. They believe I wish to lead men back again to the Yoga philosophy. Not at all. On the contrary I wish to treat matters as they have to be treated in the age of Copernicus, Gallileo, Faraday. We must realise that it is through intellectuality that our western civilisation has achieved its greatness. But also we must feel differently from the way the Ancient Indians felt; and feel differently too from the way those who now practice Yoga, feel. To-day we must proceed in a way quite different from that of Ancient Indian times, a more spiritual way. And because it must be a more spiritual way, and because people do not much like spirit nowadays it follows that people do not like the new methods. It is easy, at least it seems easy, to perform Yoga-breathing to-day in order to find entry into the world of spirit. But this is not the means whereby men of to-day should come into spiritual realms. No, modern man must first have had to experience at some time the world of appearance (the unreality) which can be perceived by sheer intellectualism, the image nature of things. Man must for once go through all the suffering which goes with saying: “As long as I am merely engaged in intellectual activity, or in observations of that kind, I dwell in emptiness, in mere images. I am remote from reality.”

[ 24 ] Dasjenige, was ich hier ausspreche, es erscheint gering; es ist groß in bezug auf das innere Erleben. Erlebt man einmal, daß alles Denken, das im Intellektuellen verläuft, irreal ist, bloßes Bild ist, dann erlebt man dasselbe, was man physisch erlebt als Ohnmacht, in der Seele. Ohnmacht gegenüber der Realität. Erkenntnis in Wirklichkeit geht nicht aus davon, daß man sich vornimmt: Ich kann denken, und kann daher über alle Dinge nachdenken; Erkenntnis geht aus davon, daß man sich sagt: Und wenn ich über alle Dinge nachdächte mit den Bildgedanken, die ich habe, so wäre ich nichts anderes als ein ohnmächtiges Wesen. Der Jogi suchte seinen Menschen im Atem. Wir modernen Menschen müssen unseren Menschen verlieren in einer Ohnmacht, die wir empfinden gegenüber dem Gedanken-Bild, dem Intellektualistischen. Dann müssen wir uns sagen können: Jetzt gehen wir nicht nach dem Inneren, wie der Jogi gegangen ist, nach dem Atemprozesse, jetzt gehen wir nach dem Äußeren, schauen uns jede Pflanze an, schauen uns jedes Tier an, schauen uns jeden Menschen an und leben mit das Äußere.

[ 24 ] What I am saying here seems a small thing; but it is great in terms of inner experience. When one comes to experience that all thinking which is intellectual is unreal, is a mere image, then in one's own soul one experiences what in the body would be faintness: one experiences a fainting of the soul where reality is concerned. Actually, knowledge does not start by man's saying to himself: I can think, and can therefore reflect upon all things. Rather knowledge proceeds from a man's saying to himself: Even if I think about all things with the image thinking that I possess I shall be nothing but a weak, impotent being. The Yogi looked to find his manhood in the breath: we modern men have to lose our manhood, we have become weak and faint in contact with this intellectual image thought. And now we must be able to say to ourselves: We must not now go inwards, as was done in Yoga, into the breathing process. We must now go outwards, must look upon every flower, look upon every animal, look upon every man, and live in the outward environment.

[ 25 ] In meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» habe ich beschrieben, wie man das macht, wie man die Pflanze nicht bloß von außen anschaut, sondern jeden ihrer Vorgänge mitverfolgt, so daß das Denken ganz aus der bloßen Bild-Natur heraus kommt und das reale Leben der Außenwelt mitmacht. Man versenkt sich in die Pflanze, so daß man fühlt, wie die Schwerkraft hinunter in der Wurzel nach der Erde geht, wie sich die Blütenkraft nach oben entfaltet. Man erlebt mit das Blühen, das Fruchten. Man taucht ganz unter in die äußere Welt. Da, da wird man hingenommen von der äußeren Welt. Man wacht wieder auf wie aus einer Ohnmacht. Aber man bekommt jetzt nicht mehr abstrakte Gedanken, man bekommt Imaginationen. Man bekommt Bilder. Und in diesen Bildern, die man bekommt, sieht man vom Standpunkte des Materialismus aus keine Erkenntnis mehr. Man sagt: Erkenntnis muß in abstrakten, logischen Begriffen vor sich gehen. Ja, wenn aber die Welt nicht so ist, daß sie sich den abstrakten Begriffen der Logik ergibt! - Wenn die Welt ein Kunstwerk wäre, zum Beispiel, dann müßten wir sie künstlerisch auffassen, nicht logisch, dann wäre die Logik bloß da, damit wir uns disziplinierten. Aber von der Welt würden wir mit der Logik nichts verstehen.

[ 25 ] In my book “Wie erlangt man Erkenntnis der hoheren Welten” which has been translated into English here under the title Knowledge of the Higher Worlds, I have described how one does this. How one looks upon the plant not merely externally, but how one participates in all its processes, so that one's thinking is taken right out of its image character and participates in the life of the external world. Or one sinks into the plant until one feels how gravity goes down through the root into the earth, how the formative forces unfold above. One participates in the blooming, the fruiting of the plant; one dives right into the external world. And then, O then—one is taken up by the external world. One awakens as from a swoon. But now one no longer receives abstract thoughts, now one receives “Imaginations.” One gets pictures. And a materialistic view would not recognise these pictures as knowledge. Knowledge, it is said, proceeds in abstract, logical concepts. Yes, but how if the world is not to be comprehended in the abstract concepts of logic? How if the world be a work of art; then we must apprehend it artistically, not logically. Then logic would be a means of discipline only. We should not understand anything about the world by logic.

[ 26 ] So müssen wir untertauchen in die Dinge. Wo der Jogi in sich hineingegangen ist, gehen wir heraus, versuchen uns mit allen Dingen so zu verbinden, und erlangen dann dasselbe in der Tat, nur auf seelischere, geistigere Art. Indem wir uns unsere Begriffe, Ideen, dasjenige, was bloße Intellektualität darstellt, mit Realität durchdrungen haben, spüren wir wiederum, wie der Geist in uns schöpferisch ist.

[ 26 ] Thus we must enter into the objects themselves. Where Yoga went inwards we must go outwards, and endeavour in this manner to unite ourselves with all things. And thus actually we shall attain the same thing, only in a more psychic, a more spiritual way. By permeating with reality the endings of mere intellect, our concepts, our ideas, we can feel anew how spirit works in us creatively.

[ 27 ] Dann können wir nachfühlen, was in dem Kinde real wirkt. Nicht das wirkt, was wir als «mind» in uns ausführten. Das würde nicht schöpferisch sein in dem ganz kleinen Kinde. Das würde nur dazu führen, uns zu verlieren. Aber dasjenige, wozu wir kommen auf die eben beschriebene schöpferische Art, ist das, was in dem Kinde wirkt, was die zweiten Zähne nachbildet den ersten Zähnen, und was mit dem 7. Jahre aufhört plastisch zu wirken.

[ 27 ] And from this we must come to feel that reality which is working in a child. It is not what we have called “mind” in us that is at work. That in a little child would not be a creative thing. That would only lead us astray. But it is what we come to know in the creative way just described which is at work in a child: it is this which forms the second teeth after the manner of the first, and reaches conclusion in the seventh year.

[ 28 ] Sehen Sie, Sie können nun sagen: Ja, aber der Lehrer kann doch nicht gleich ein hellsichtiger Mensch werden. Er kann doch nicht all diese Methoden so ausbilden! Wie kommen wir mit der Schule und dem Unterrichtswesen zurecht, wenn wir einen so komplizierten Weg voraussetzen, um in den Geist hineinzukommen?

[ 28 ] Now you may perhaps say: Yes, but a teacher cannot immediately become a seer, a clairvoyant. He cannot train himself in these methods! How shall we manage schooling and education if we are confronted at the outset with this complicated way of reaching spirit?

[ 29 ] Man braucht das nicht. Es können einige Menschen in der Welt sein, die in dieser Weise die höhere Erkenntnis ausbilden. Die anderen brauchen nur einen gesunden Verstand und eine gesunde Anschauung. Sie werden dasjenige, was der einzelne entdeckt, finden durch den gesunden Verstand und durch die gesunde Anschauung. So wie nicht jeder die Venusdurchgänge beobachten kann, sie sind ja auch viel zu selten sichtbar, die Astronomen können das gerade in den Zeiten, wo sie sichtbar sind, aber wäre es deshalb unsinnig, von den Venusdurchgängen zu sprechen, weil sie nicht jeder beobachtet hat? Dasjenige, was beobachtet wird, wie beobachtet wird, kann eingesehen werden. So ist es auch bei der spirituellen Welt. Es ist nur ein wenig der heutige Egoismus, der immer gleich alles selber will.

[ 29 ] But one is not called upon to do this. A few people in the world can develop this higher knowledge. The rest only need sound judgment and sound observation. What the few discover these others will recognise by means of their sound judgment and sound observation. Just as not every person can observe the transits of Venus.—They are visible far too rarely; astronomers can observe them on the rare occasions when they are visible.—But would it on this account be absurd to speak of the transits of Venus, just because they had not been observed by everybody? What was observed, and how it was observed can be comprehended. It is the same thing with the spiritual world. It is only part of present day egoism to want to do everything oneself.

[ 30 ] Aber es gibt einen anderen Weg, um fruchtbar, um nützlich zu machen dasjenige, was spirituell ist. Ich möchte das wiederum durch ein Beispiel veranschaulichen. Nehmen wir an, beispielsweise, ich unterrichte ein Kind vielleicht vom 9., 10. Lebensjahre, Ich will dem Kinde die Unsterblichkeit beibringen, die Unsterblichkeit der menschlichen Seele. Wenn ich noch so schöne philosophische Auseinandersetzungen mache, das Kind wird nichts begreifen zunächst. Es bleibt ganz uneingenommen von demjenigen, was ich ihm darbiete. Wenn ich aber jetzt zu ihm sage: Liebes Kind, schau dir an, wie der Schmetterling aus der Puppe herauskommt, wie er ausfliegt aus der Puppe, dann hast du ein Bild, das du anwenden kannst auf den Menschen. Schau dir den menschlichen Leib an, der ist wie die Schmetterlingspuppe. Und wie aus der Schmetterlingspuppe der Schmetterling ausfliegt, so fliegt die Seele, wenn der Tod kommt, aus dem Körper aus. Nur ist der Schmetterling sichtbar, die Seele ist unsichtbar.

[ 30 ] But there is another way of making spiritual things fruitful, of making use of them. Once more, I will illustrate this by an example: Suppose I am teaching a child of nine or ten years old. I want to tell the child about immortality, the immortality of the human soul. If I go into philosophic dissertations, however charming, the child at his age will make nothing of it. He will be quite untouched by my expositions. But if now I say to him: Dear child, see how the butterfly comes out of the chrysalis—there you have an image that you can apply to man. Look at the human body, it is like a butterfly's cocoon. And just as the butterfly flies out of the chrysalis, so after death does the soul fly out of the body. Only, the butterfly is visible, the soul is invisible.

[ 31 ] Nun, ich will dieses Bild nur andeuten. Aber dieses Bild werde ich im weiteren ausführen vor dem Kinde. Ich kann zweierlei Erfahrungen machen, wenn ich das anwende. Ich kann einen Lehrer, eine Lehrerin finden, die setzen dem Kind dieses Bild auseinander, und das Kind hat gar nichts davon. Das Kind hat vielleicht ein sehr schönes Bild, aber für seine Seele, für dasjenige, was erreicht werden soll, hat es gar nichts. Ein anderer Lehrer oder eine andere Lehrerin setzen auch dieses Bild auseinander, vielleicht mit denselben Worten, nehmen wir an, und das Kind hat ungeheuer viel davon. Das Kind geht in seiner Seele ganz auf. Wo ist denn der Unterschied? Der Unterschied ist der, daß der erste Lehrer oder die erste Lehrerin furchtbar gescheit sind, unendlich gescheit. Deshalb sagen sie sich: Ja, ein gescheiter Mensch, der glaubt doch nicht daran, daß die Puppe und der Schmetterling ein Bild sind; das mache ich nur, weil das Kind dumm ist. Das Kind ist dumm, ich bin gescheit. Ich mache für das Kind ein Bild. Der gescheite Lehrer, der das dumme Kind neben sich hat und für das dumme Kind ein gescheites Bild gemacht hat, wird nicht verstanden von dem Kinde. Sie können sich verlassen darauf, er wird nicht verstanden! Da ist ein anderer Lehrer oder eine andere Lehrerin, die glauben selber an ihr Bild. Sie sagen sich: Die göttliche Weltordnung hat, damit wir verstehen können die Unsterblichkeit, dieses Bild selber in die Natur hineingesetzt. Das ist nicht etwa da, damit wir es erst erfinden können, sondern wir entdecken dieses Bild. Die schöpferische Geistigkeit in der Natur schafft uns dieses Bild, damit wir in dem Bilde die Unsterblichkeit sehen können. Gott hat selber hingemalt vor uns dieses Bild. Wir glauben an dieses Bild, wie das Kind auch glauben soll. Und das Kind hat alles, was es braucht, bloß dadurch, daß wir selbst nicht sagen: Wir sind gescheit und das Kind ist dumm -, sondern daß wir sagen: Das Kind hat seinen gescheiten Geist durch die Geburt in die Welt gebracht. Das Kind ist gescheit. Der Geist ist nur noch nicht erweckt. Wenn wir ihn nicht erwecken können, sind wir die Dummen, nicht das Kind.

[ 31 ] Not translated

[ 32 ] Wenn wir nur einmal den Gedanken haben können, daß das Kind eigentlich verborgen gescheit und wir offenbar dumm sind, und nun gerade die Aufgabe haben dem Kind gegenüber, von dem Kinde lernend, erst gescheit zu werden, dann werden wir Eindruck machen mit unserem Unterricht auf das Kind.

[ 32 ] Not translated

[ 33 ] Und dann, wenn das der Fall ist, dann haben wir im ersten Beispiel durch den Lehrer, durch die Lehrerin, die sich gescheit fanden, das Wirken des Intellektes gesehen, und bei dem zweiten Beispiel das Wirken des Geistes, des Spirituellen, desjenigen, was innerlich lebendig ist, was sich mit den Dingen verbindet, und was auch wirken kann, wenn man keine hellseherische Anschauung von dem Geiste hat. Da ist der Geist der Tätige. Da tut man im Geiste, wenn man selber an sein Bild glaubt. Wenn man nicht daran glaubt, sondern aus lauter Gescheitheit und aus lauter Intellektualität das Bild formt, steht man mit Intellektualität und «mind» außerhalb der Wirklichkeit, hat man bloß ein Spiegelbild. Spiegelbilder wirken nicht, Spiegelbilder sind inaktiv. Spiegelbilder sind bloß passiv. Der Geist ist produktiv, der Geist ist schöpferisch. Und wir müssen uns vor allen Dingen, um im Geiste zu tun, in das Schöpferische hineinfinden.

[ 33 ] Not translated

[ 34 ] Und so kommen wir auf dem Wege des seelischen Arbeitens, indem wir uns in die Imagination selbst hineinarbeiten, dem Geist nah, kommen wir allmählich in den Geist hinein, in dasjenige was das Spirituelle ist. Wir müssen nur erst die Ohnmacht des Intellektuellen empfinden, dann kommen wir in das Spirituelle hinein.

[ 34 ] Not translated

[ 35 ] Die Zeit ist so vorgeschritten, daß dies heute wohl der Abschluß sein muß. Ich werde mir dann erlauben, morgen noch einen anderen Weg in den Geist hinein zu charakterisieren und dann in unseren Betrachtungen fortschreiten. Es war durch die gestrige Aufforderung schon Veranlassung, diese Begriffe genauer zu erörtern. Ich bitte das aufzunehmen aus der Notwendigkeit heraus, damit wir uns verstehen können. Es wird nun sehr bald, wenn ich noch den anderen Weg, den der Askese gegenüber der Jogamethode erklärt habe, ein Ende sein des grausamen Spieles, und wir werden in der Tat in die Wege des Erziehungslebens dann untertauchen.

[ 35 ] Not translated