Spiritual Science and Medicine
GA 312
21 March 1920, Dornach
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Spiritual Science and Medicine, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Meine lieben Freunde, es ist ja ziemlich selbstverständlich, daß von dem, was Sie wahrscheinlich alle erwarten von der Zukunft des medizinischen Lebens, nur ein sehr geringer Teil in diesem Kursus wird angedeutet werden können, denn Sie alle werden ja mit mir darinnen übereinstimmen, daß ein wirkliches, zukunftssicheres Arbeiten auf dem medizinischen Felde von einer Reform des medizinischen Studiums als solchem abhängt. Man kann nicht mit dem, was man in einem Kursus mitteilen kann, eine solche Reform des medizinischen Studiums auch nur im entferntesten anregen, höchstens in der Weise, daß in einer Anzahl von Menschen der Drang entsteht, mitzutun bei einer solchen Reform. Allein, was man auch heute auf medizinischem Felde bespricht, es hat ja immer zu seinem anderen Pol, zu seinem Hintergrunde die Art und Weise, wie die medizinische Arbeit vorbereitet wird durch Betrachtungen der Anatomie, Physiologie, der ganzen Biologie, und durch diese Vorbereitungen werden die Gedanken der Mediziner von vorneherein in eine bestimmte Richtung gebracht, und diese Richtung ist es vor allen Dingen, von der abgekommen werden muß.
[ 1 ] My dear friends, it goes without saying that of all that you probably expect from the future of medical practice, only a very small part can be touched upon in this course, for you will all agree with me that truly forward-looking work in the medical field depends on a reform of medical education itself. It is impossible to even remotely inspire such a reform of medical education through what can be conveyed in a single course—at most, it can spark a desire in some people to participate in such a reform. However, whatever is discussed today in the field of medicine always has, as its other pole, its background, the way in which medical work is prepared through the study of anatomy, physiology, and biology as a whole; and through these preparations, the thoughts of medical professionals are steered from the outset in a certain direction—and it is this direction, above all, from which we must deviate.
[ 2 ] Dasjenige, was in diesen Vorträgen beigebracht werden soll, das möchte ich erreichen dadurch, daß ich in einer Art von Programm verteile das zu Betrachtende in der folgenden Weise: Erstens möchte ich Ihnen einiges geben, das hinweist auf die Hindernisse, die im heutigen gebräuchlichen Studium bestehen gegen eine wirklich sachgemäße Erfassung des Krankheitswesens als solchen. Zweitens möchte ich dann andeuten, in welcher Richtung eine Erkenntnis des Menschen zu suchen ist, die eine wirkliche Grundlage für das medizinische Arbeiten abgeben kann. Drittens möchte ich auf die Möglichkeiten eines rationellen Heilwesens hinweisen durch die Erkenntnis der Beziehungen des Menschen zur übrigen ‘Welt. Ich möchte dann in diesem Teil die Frage beantworten, ob Heilung überhaupt möglich und zu denken ist. Viertens — und ich denke, das wird vielleicht das wichtigste Glied der Betrachtungen sein, das sich aber mit den anderen drei Gesichtspunkten wird verschlingen müssen — möchte ich, daß jeder von den Teilnehmern mir bis morgen oder übermorgen auf einem Zettel seine besonderen Wünsche aufschreibt, das heißt aufschreibt, was er gern hören möchte, worüber er wünscht, daß in diesem Kursus gesprochen werden soll. Diese Wünsche können sich auf alles mögliche erstrecken. Ich möchte durch diesen vierten Teil des Programms, der aber, wie gesagt, hineingearbeitet werden soll dann in die anderen drei Teile, erreichen, daß Sie von diesem Kursus nicht hinwegzugehen brauchen mit dem Gefühl, Sie hätten vielleicht gerade dasjenige nicht gehört, was Sie zu hören wünschten. Deshalb werde ich den Kursus so gestalten, daß all das, was Sie als Fragen, als Wünsche aufzeichnen, in dem Kurse verarbeitet wird. Ich bitte Sie also, womöglich bis morgen oder, wenn das nicht sein kann, bis übermorgen bis zu dieser Stunde hier Ihre Aufzeichnungen über das von Ihnen Gewünschte zu machen. So werden wir, denke ich, am besten eine Art von Vollständigkeit, wie sie im Rahmen dieser Veranstaltungen liegt, erreichen können.
[ 2 ] I intend to achieve what these lectures are meant to convey by organizing the material to be discussed into a sort of program as follows: First, I would like to present some points that highlight the obstacles in today’s standard medical education that stand in the way of a truly appropriate understanding of the nature of disease as such. Second, I would like to suggest the direction in which to seek an understanding of the human being that can provide a genuine foundation for medical practice. Third, I would like to point out the possibilities for a rational system of healing through an understanding of the human being’s relationships to the rest of the “world.” In this section, I would then like to answer the question of whether healing is even possible or conceivable. Fourth—and I think this may be the most important aspect of our discussion, though it will have to be interwoven with the other three points—I would like each participant to write down their specific wishes on a piece of paper by tomorrow or the day after tomorrow; that is, to write down what they would like to hear and what topics they would like to see discussed in this course. These requests can cover just about anything. Through this fourth part of the program—which, as I said, is to be integrated into the other three parts—I hope to ensure that you do not leave this course feeling that you may have missed hearing exactly what you wanted to hear. Therefore, I will structure the course so that everything you write down as questions or requests is addressed during the course. So I ask you, if possible, to make your notes regarding what you’d like to hear by tomorrow—or, if that’s not possible, by the day after tomorrow—by this time. That way, I believe, we’ll be best able to achieve a sense of completeness, as far as is possible within the framework of these sessions.
[ 3 ] Heute möchte ich nur eine Art von Einleitung geben, eine Art von orientierender Betrachtung. Ausgehen möchte ich davon, daß ja hauptsächlich von mir angestrebt wird, alles dasjenige zusammenzutragen, was gewissermaßen aus geisteswissenschaftlichen Betrachtungen heraus für Ärzte gegeben werden kann. Ich möchte nicht, daß verwechselt werde das, was ich versuchen werde, mit einem medizinischen Kursus, der es ja sein wird; aber es soll alles dasjenige, was von überallher für Ärzte wichtig sein kann, hauptsächlich berücksichtigt werden. Denn eine wirkliche ärztliche Wissenschaft oder Kunst, wenn ich so sagen darf, wird ja doch nur dadurch erreicht, daß alle die Dinge, die in dem angedeuteten Sinne in Betracht kommen, für den Aufbau einer solchen ärztlichen Wissenschaft oder Kunst wirklich berücksichtigt werden.
[ 3 ] Today I would like to offer only a kind of introduction, a sort of orienting overview. I would like to begin by stating that my main aim is to compile everything that, in a sense, can be offered to physicians based on insights from Spiritual Science. I do not want what I am attempting to be confused with a medical course—which it will, of course, be—but the focus should primarily be on everything that may be important for physicians from all perspectives. For true medical science or art, if I may put it that way, is achieved only when all the factors relevant in the sense I have indicated are genuinely taken into account in the development of such medical science or art.
[ 4 ] Nun, von einigen orientierenden Betrachtungen möchte ich heute ausgehen. Sie werden wahrscheinlich, wenn Sie nachgedacht haben über dasjenige, was Ihnen als Arzt zur Aufgabe gestellt ist, wohl des öfteren gestolpert sein über die Frage: Was ist denn Krankheit und was ist denn der kranke Mensch überhaupt? Selten findet man eigentlich eine andere Erklärung über Krankheit und den kranken Menschen als die — wenn sie auch maskiert ist durch diese oder jene scheinbar sachlichen Einschiebsel —, daß der Krankheitsprozeß eine Abweichung ist vom normalen Lebensprozeß, daß durch gewisse Tatsachen, die auf den Menschen wirken und für die der Mensch in seinem normalen Lebensprozeß zunächst nicht angepaßt ist, Veränderungen in dem normalen Lebensprozeß und in der Organisation hervorgerufen werden und daß die Krankheit in diesen mit den Veränderungen verbundenen, funktionellen Beeinträchtigungen der Körperteile besteht. Nun werden Sie sich aber zugestehen müssen, daß dies nichts weiter ist als eine negative Bestimmung der Krankheit. Es ist ja nicht irgend etwas, was einem helfen kann, wenn man es mit Krankheiten zu tun hat, und auf dieses Praktische möchte ich hier vor allen Dingen hinarbeiten, was einem helfen kann, wenn man es mit Krankheiten zu tun hat. Um auf das auf diesem Gebiete Maßgebliche zu kommen, scheint es mir doch gut zu sein, auf gewisse Ansichten hinzuweisen, welche im Laufe der Zeit über das Kranksein entstanden sind, nicht so sehr deshalb, weil ich das unbedingt für nötig halte für die gegenwärtige Erfassung der Krankheitserscheinungen, sondern weil es möglich ist, sich leichter zu orientieren, wenn man ältere Anschauungen, die ja doch zu den gegenwärtigen geführt haben, über das Kranksein berücksichtigen kann.
[ 4 ] Well, today I would like to begin with a few introductory reflections. If you have given thought to the task entrusted to you as a physician, you have probably often stumbled upon the question: What, after all, is illness, and what is a sick person? One rarely finds any explanation of illness and the sick person other than—even if it is masked by this or that seemingly objective interjection—that the disease process is a deviation from the normal life process, that certain factors acting upon the person—to which the person is not initially adapted in his or her normal life process— changes are brought about in the normal life process and in the body’s organization, and that illness consists of the functional impairments of the body’s parts associated with these changes. Now, however, you will have to admit that this is nothing more than a negative definition of disease. After all, it is not something that can help one when dealing with diseases, and it is this practical aspect—what can help one when dealing with diseases—that I would like to focus on above all else here. In order to arrive at what is authoritative in this field, it seems to me advisable to to point out certain views that have emerged over time regarding illness—not so much because I consider this absolutely necessary for the current understanding of disease symptoms, but because it is easier to find one’s bearings if one can take into account older views on illness, which have, after all, led to the current ones.
[ 5 ] Sie alle wissen, daß man gewöhnlich, wenn man die Geschichte der Medizin betrachtet, hinweist auf die Entstehung der Medizin im alten Griechenland im fünften und vierten Jahrhundert, daß man auf Hippokrates hinweist, und man kann sagen, wenigstens das Gefühl wird dann hervorgerufen, als ob mit demjenigen, was bei Hippokrates als Anschauung auftritt und dann zur sogenannten Humoralpathologie geführt hat, die im Grunde genommen bis ins neunzehnte Jahrhundert herein noch eine Rolle gespielt hat, ein Erstes für die Entwickelung des medizinischen Wesens im Abendlande gegeben sei. Das ist aber schon der erste Fundamentalirrtum, den man begeht und der eigentlich im Grunde genommen nachwirkt so, daß er verhindert, heute noch zu einer unbefangenen Anschauung über das Krankheitswesen zu kommen. Mit diesem Fundamentalirrtum sollte zunächst aufgeräumt werden. Für den, der unbefangen gerade auf die Anschauungen des Hippokrates hinschaut, die, wie Sie ja vielleicht schon bemerkt haben werden, bis zu Rokitansky herauf, also ins neunzehnte Jahrhundert hinein, eine Rolle spielen, sind diese Anschauungen nicht ein bloßer Anfang, sondern sie sind zugleich, und zwar in einem sehr bedeutenden Maße, ein Ende alter medizinischer Anschauungen. Es tritt uns in dem, was von Hippokrates ausgeht, ich möchte sagen, ein letzter filtrierter Rest von uralten medizinischen Anschauungen entgegen, von Anschauungen, die nicht gewonnen worden sind auf den Wegen, auf denen man heute sucht, auf dem Wege der Anatomie, sondern die gewonnen worden sind auf dem Wege des alten atavistischen Schauens. Und man würde, wenn man zunächst abstrakt charakterisieren sollte die Stellung der Hippokratischen Medizin, eigentlich am besten sagen: mit ihr vollzieht sich das Aufhören der alten, auf einem atavistischen Schauen beruhenden Medizin. Äußerlich gesprochen — aber es ist eben nur äußerlich gesprochen —, kann man sagen: die Hippokraten suchten alles Kranksein in einer nicht gehörigen Mischung derjenigen Flüssigkeitskörper, die im menschlichen Organismus zusammenwirken. Sie wiesen darauf hin, daß in einem normalen Organismus die Flüssigkeitskörper in einem bestimmten Verhältnisse stehen müssen, daß sie in dem kranken Körper eine Abweichung von diesen ihren Mischungsverhältnissen erleiden. Als Krasis bezeichnete man die richtige Mischung, als Dyskrasis die unrichtige Mischung. Nun suchte man selbstverständlich dann einzuwirken auf die unrichtige Mischung, um sie wieder zurückzuführen in die richtige Mischung. Die vier Bestandteile, die man in der Außenwelt sah als konstituierend alles physische Sein, das waren ja Erde, Wasser, Luft und Feuer — Feuer aber war dasselbe, was wir heute einfach Wärme nennen. Für den menschlichen Organismus — auch für den tierischen — sah man spezialisiert diese vier Elemente als schwarze Galle, gelbe Galle, Schleim und Blut. Und man dachte sich, daß aus Blut, Schleim, schwarzer und gelber Galle in der richtigen Mischung der menschliche Organismus funktionieren müsse.
[ 5 ] You all know that when one considers the history of medicine, one usually refers to the origins of medicine in ancient Greece in the fifth and fourth centuries, to Hippocrates; and one might say, at least the impression is then created that what appears as a worldview in Hippocrates—and which subsequently led to so-called humoral pathology, which essentially continued to play a role well into the nineteenth century—constitutes a foundational element in the development of medicine in the Western world. But this is already the first fundamental error that is committed, and one that, in essence, continues to have such an effect that it prevents us even today from arriving at an unbiased view of the nature of disease. This fundamental error must first be cleared up. For anyone who looks impartially at the views of Hippocrates—which, as you may have already noticed, continued to play a role up to Rokitansky, that is, well into the nineteenth century—these views are not merely a beginning, but they are also, to a very significant degree, the end of ancient medical views. What emerges from Hippocrates, I would say, is a final, filtered remnant of ancient medical views—views that were not arrived at through the methods we use today, such as anatomy, but rather through the method of ancient, atavistic perception. And if one were to characterize the position of Hippocratic medicine in abstract terms, it would actually be best to say: with it, the old medicine—based on atavistic perception—comes to an end. Outwardly speaking—though this is, of course, only an outward observation—one can say that the Hippocratics attributed all illness to an improper mixture of the bodily fluids that interact within the human organism. They pointed out that in a normal organism, these bodily fluids must exist in specific proportions, whereas in a diseased body, these proportions are disrupted. The correct mixture was called “krasis,” and the incorrect mixture was called “dyskrasis.” Naturally, the aim was then to influence the incorrect mixture in order to restore it to the correct state. The four elements that were seen in the external world as constituting all physical existence were earth, water, air, and fire—though “fire” was simply what we today call “heat.” In the human organism—and in the animal organism as well—these four elements were specifically identified as black bile, yellow bile, phlegm, and blood. And it was believed that the human organism must function when blood, phlegm, black bile, and yellow bile are present in the correct mixture.
[ 6 ] Nun, wenn der heutige Mensch, so, wie man es sein kann, wissenschaftlich vorbereitet an so etwas herantritt, so denkt er sich zunächst: indem sich Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle mischen, mischen sie sich in Gemäßheit desjenigen, was ihnen als Eigenschaft innewohnt und was man so angeordnet als ihre Eigenschaft durch eine mehr oder weniger niedere oder höhere Chemie feststellen kann. Und eigentlich in diesem Lichte, als wenn die Hippokraten auch gesehen hätten Blut, Schleim und so weiter nur in dieser Weise, stellt man sich eigentlich vor, daß diese Humoralpathologie ihren Ausgangspunkt genommen hat. Das ist aber eben nicht der Fall, sondern bloß von einem einzigen Bestandteile, von der schwarzen Galle, die eigentlich als das Hippokratischeste erscheint für den heutigen Betrachter, dachte man sich, daß die gewöhnlichen chemischen Eigenschaften das sind, was auf das andere wirkt. Von allem übrigen, von weißer oder gelber Galle, von Schleim, von Blut, dachte man nicht etwa bloß an die Eigenschaften, die man durch chemische Reaktionen feststellen kann, sondern man dachte bei diesen flüssigen Bestandteilen des menschlichen Organismus — und ich werde mich immer auf diesen beschränken, auf den tierischen Organismus zunächst keine Rücksicht nehmen —, daß diese Flüssigkeiten gewisse ihnen innewohnenden Eigenschaften von Kräften haben, die außerhalb unseres irdischen Bestandes liegen. So daß also, wie man sich das Wasser, die Luft, die Wärme als abhängig dachte von den Kräften des außerirdischen Kosmos, man sich auch diese Bestandteile des menschlichen Organismus als durchdrungen von Kräften, die von außerhalb der Erde kommen, dachte.
[ 6 ] Now, when modern people—with the scientific background they can possibly have—approach such a subject, their first thought is this: when blood, phlegm, yellow bile, and black bile mix, they do so in accordance with their inherent properties—properties that can be determined through chemistry, whether more or less basic. And in fact, viewed in this light—as if the Hippocratics, too, had seen blood, phlegm, and so on only in this way—one might imagine that this humoral pathology had its origins there. But that is precisely not the case; rather, it was thought—based on a single component, black bile, which actually appears to be the most “Hippocratic” to today’s observer—that its ordinary chemical properties were what exerted an effect on the others. As for everything else—white or yellow bile, phlegm, and blood— one did not merely consider the properties that can be determined through chemical reactions; rather, with regard to these fluid constituents of the human organism—and I will always limit myself to this, initially disregarding the animal organism—it was thought that these fluids possess certain inherent properties of forces that lie beyond our earthly existence. Thus, just as water, air, and heat were thought to be dependent on the forces of the extraterrestrial cosmos, these components of the human organism were also thought to be permeated by forces originating from beyond the Earth.
[ 7 ] Sehen Sie, dieses Hinschauen auf Kräfte, die von außerhalb der Erde kommen, das hat man ja im Laufe der Entwickelung der abendländischen Wissenschaft ganz verloren. Und für den heutigen Wissenschafter erscheint es geradezu kurios, wenn man ihm zumutet, zu denken, das Wasser solle nicht nur diejenigen Eigenschaften haben, welche ihm zukommen als chemisch nachweisbar, sondern es soll auch, indem es in den menschlichen Organismus hineinwirkt, Eigenschaften haben, die es hat als Angehöriger des außerirdischen Kosmos. Es werden also durch die Flüssigkeitsbestandteile, die in dem menschlichen Organismus sind, in diesen Organismus, nach der Ansicht der Alten, Kräftewirkungen hineingetragen, die aus dem Kosmos selber stammen. Auf diese Kräftewirkungen, die aus dem Kosmos selber stammen, wurde eben nach und nach nicht mehr die geringste Rücksicht genommen. Dennoch hat man aufgebaut das medizinische Denken bis ins fünfzehnte Jahrhundert hinein auf dasjenige, was gewissermaßen übriggeblieben war von der filtrierten Anschauung, die bei Hippokrates uns entgegentritt. Und daher ist es so schwierig für den heutigen Wissenschafter, überhaupt zu verstehen ältere Werke der Medizin, die vor dem fünfzehnten Jahrhundert liegen, denn es muß schon gesagt werden: die meisten der Menschen, die da geschrieben haben, haben selbst gar nicht einmal ordentlich verstanden, was sie geschrieben haben. Sie haben geredet über die vier Grundbestandteile des menschlichen Organismus, aber warum sie sie in dieser oder jener Weise charakterisierten, das führte zurück auf ein Wissen, das eigentlich mit Hippokrates schon untergegangen war. Man sprach noch über die Nachwirkungen dieses Wissens, über die Eigenschaften der Flüssigkeiten, die den menschlichen Organismus zusammengesetzt haben. Daher ist im Grunde genommen dasjenige, was entstanden ist durch Galen und dann bis ins fünfzehnte Jahrhundert nachgewirkt hat, ein Zusammenstellen von alten Erbschaften, die unverständlicher und unverständlicher geworden sind. Aber einzelne Menschen gab es immer, welche eben einfach aus dem, was da war, noch erkennen konnten: da ist auf irgend etwas hinzuweisen, was nicht sich erschöpft in dem chemisch Feststellbaren oder in dem physisch Feststellbaren, in dem rein Irdischen. Und zu diesen Menschen, die wußten: da ist auf etwas hinzuweisen im menschlichen Organismus, wodurch die flüssigen Substanzen in ihm anders wirken, als man es chemisch konstatieren kann, zu diesen Bekämpfern also der landläufigen Humoralpathologie gehören vorzugsweise — ich könnte auch andere Namen nennen — Paracelsus und van Helmont, die gerade um die Wende des fünfzehnten, sechzehnten Jahrhunderts ins siebzehnte Jahrhundert hinein einen neuen Zug gebracht haben in das medizinische Denken, indem sie einfach, könnte man sagen, etwas versuchten zu formulieren, was die anderen schon nicht mehr formuliert haben. Aber in der Formulierung war etwas enthalten, was man eigentlich nur noch verfolgen konnte, wenn man etwas hellseherisch war, wie es ja Paracelsus und van Helmont ganz entschieden waren. Wir müssen uns schon alle diese Dinge klarmachen, sonst werden wir uns nicht verständigen können über dasjenige, was auch heute noch der medizinischen Terminologie anhaftet, was aber gar nicht mehr seinem Ursprung nach erkennbar ist. So haben denn Paracelsus und später unter seinem Einfluß andere angenommen als die Grundlage für das Wirken der Flüssigkeiten im Organismus den Archäus. Den Archäus hat er angenommen, so wie wir etwa sprechen von dem Ätherleib des Menschen.
[ 7 ] You see, this focus on forces that come from outside the Earth has been completely lost in the course of the development of Western science. And to today’s scientist, it seems downright curious to expect him to believe that water should not only possess the properties that are chemically verifiable, but that, by acting within the human organism, it should also possess properties that it has as a part of the extraterrestrial cosmos. Thus, according to the ancients, the liquid components present in the human organism carry into that organism forces that originate from the cosmos itself. Gradually, however, these forces originating from the cosmos itself were no longer given the slightest consideration. Nevertheless, medical thought up through the fifteenth century was built upon what had, so to speak, remained of the refined worldview presented to us by Hippocrates. And that is why it is so difficult for today’s scientists to understand older medical works dating from before the fifteenth century at all, for it must be said: most of the people who wrote those works did not even properly understand what they themselves had written. They spoke of the four fundamental constituents of the human organism, but the reasons why they characterized them in this or that way traced back to a body of knowledge that had actually already been lost with Hippocrates. People still spoke of the aftereffects of this knowledge, of the properties of the humors that composed the human organism. Therefore, what essentially emerged through Galen and continued to influence thought until the fifteenth century is a compilation of ancient traditions that had become increasingly incomprehensible. But there were always individuals who, simply from what was available, could still recognize that there was something to be pointed out—something that was not exhausted by what could be chemically or physically ascertained, by what was purely earthly. And among these people—who knew that there is something in the human organism that causes the liquid substances within it to act in ways that cannot be chemically ascertained—among these opponents of conventional humoral pathology, the following stand out in particular—though I could also name others — Paracelsus and van Helmont, who, precisely at the turn of the fifteenth and sixteenth centuries and into the seventeenth century, introduced a new trend into medical thought by simply—one might say—attempting to formulate something that others had already ceased to formulate. But there was something in that formulation that one could really only grasp if one possessed a certain clairvoyant insight—as Paracelsus and van Helmont most certainly did. We must make all these things clear to ourselves; otherwise, we will not be able to come to an understanding regarding what still clings to medical terminology today, yet is no longer recognizable in terms of its origin. Thus, Paracelsus—and later, under his influence, others—assumed the “Archäus” to be the basis for the action of fluids in the organism. He posited the “Archäus” in much the same way that we speak, for example, of the human etheric body.
[ 8 ] Sehen Sie, wenn man so wie Paracelsus von dem Archäus spricht, wenn man so spricht, wie wir sprechen von dem Ätherleib des Menschen, so faßt man eigentlich etwas zusammen, das da ist, das man aber seinem eigentlichen Ursprunge nach nicht verfolgt. Denn würde man es seinem eigentlichen Ursprunge nach verfolgen, so müßte man in der folgenden Art vorgehen. Man müßte sagen: Der Mensch hat einen physischen Organismus (siehe Zeichnung Seite 20), der ist im wesentlichen aus Kräften konstituiert, die aus dem Irdischen wirken, und er hat einen ätherischen Organismus (siehe Zeichnung Seite 20 rot), der ist im wesentlichen aus Kräften konstituiert, die aus dem Umkreise des Kosmos wirken. Unser physischer Organismus ist gewissermaßen ein Ausschnitt der ganzen Organisation der Erde. Unser Ätherleib und auch der Paracelsussche Archäus ist ein Ausschnitt aus demjenigen, was nicht zur Erde gehört, was also von allen Seiten des Kosmos ins Irdische hereinwirkt. So daß also Paracelsus dasjenige, was man früher einfach als das Kosmische im Menschen bezeichnete und was mit der hippokratischen Medizin untergegangen ist, zusammengefaßt sah in seiner Anschauung eines ätherischen Organismus, der dem physischen zugrunde liegt. Er hat dann nicht weiter untersucht — er hat ja im einzelnen zwar hingedeutet, aber eben nicht weiter untersucht —, mit welchen außerirdischen Kräften das im Zusammenhang steht, was in diesem Archäus eigentlich wirkt.
[ 8 ] You see, when one speaks of the “Archäus” as Paracelsus does, or when one speaks as we do of the human etheric body, one is actually summarizing something that exists but whose true origin one does not trace. For if one were to trace it back to its true origin, one would have to proceed in the following manner. One would have to say: The human being has a physical organism (see diagram on page 20), which is essentially constituted of forces acting from the earthly realm, and has an etheric organism (see diagram on page 20, in red), which is essentially constituted of forces acting from the cosmos. Our physical organism is, in a sense, a segment of the Earth’s entire organization. Our etheric body—and also Paracelsus’s “Archäus”—is a segment of that which does not belong to the Earth, that is, of what acts into the earthly realm from all sides of the cosmos. Thus, Paracelsus saw what was formerly simply referred to as the “cosmic” aspect of the human being—and which had been lost with the decline of Hippocratic medicine—summarized in his conception of an etheric organism that underlies the physical body. He did not investigate further—he did, admittedly, allude to it in detail, but he did not investigate it further—as to which extraterrestrial forces are connected to what actually operates within this Archäus.




[ 9 ] Nun kann man sagen: Immer weniger und weniger ist verständlich geblieben dasjenige, was da eigentlich gemeint ist. Das zeigt sich ja ganz besonders, wenn wir dann vorrücken bis ins siebzehnte, achtzehnte Jahrhundert und uns entgegentritt die Stahlsche Medizin, welche nichts mehr versteht von diesem Hereinwirken des Kosmischen in das Terrestrische. Die Stahlsche Medizin nimmt alle möglichen Begriffe zu Hilfe, die rein in der Luft schweben, Begriffe von Lebenskraft, Begriffe von Lebensgeistern. Während noch Paracelsus und van Helmont mit einer gewissen Bewußtheit sprachen von etwas, was zwischen dem eigentlich Geistig-Seelischen des Menschen und der physischen Organisation liegt, reden Stahl und seine Anhänger so, als ob das Bewußt-Seelische nur in einer anderen Form hineinspiele in die Strukturgebung des menschlichen Leibes. Dadurch riefen sie natürlich eine starke Reaktion hervor. Denn wenn man in dieser Weise vorgeht und eine Art von hypothetischem Vitalismus begründet, dann kommt man eigentlich in rein willkürliche Aufstellungen hinein. Gegen diese willkürlichen Aufstellungen ist namentlich das neunzehnte Jahrhundert dann angegangen. Man kann sagen: Nur so große Geister wie zum Beispiel Johannes Müller, der 1858 gestorben ist, der Lehrer von Ernst Haeckel, kamen darüber hinaus, all die Schädlichkeiten einigermaßen zu überwinden, die von dieser unklaren Sprechweise über den menschlichen Organismus herrührten, die darin bestand, daß man einfach wie von seelischen Kräften von Lebenskräften gesprochen hat, die wirken sollen im menschlichen Organismus, ohne daß man sich deutlich vorzustellen hätte, wie sie wirken sollen.
[ 9 ] Now one might say: What is actually meant has become less and less understandable. This becomes particularly evident when we move forward to the seventeenth and eighteenth centuries and encounter Stahl’s medicine, which no longer understands anything about this influence of the cosmic on the terrestrial. Stahl’s medicine draws on all manner of concepts that float purely in the air—concepts of life force, concepts of Life-Spirits. While Paracelsus and van Helmont still spoke with a certain awareness of something that lies between the actual spiritual-soul aspect of the human being and the physical organization, Stahl and his followers speak as if the conscious-soul aspect merely played a role in a different form in the structuring of the human body. This, of course, provoked a strong reaction. For if one proceeds in this manner and establishes a kind of hypothetical vitalism, one actually ends up with purely arbitrary constructs. The nineteenth century, in particular, set out to combat these arbitrary constructs. One might say: Only great minds such as Johannes Müller, who died in 1858—the teacher of Ernst Haeckel—were able to move beyond this, to overcome, to some extent, all the harm caused by this unclear way of speaking about the human organism—a way of speaking that consisted of simply referring to “life forces,” as if they were spiritual forces, that were supposed to act within the human organism, without having a clear mental image of how they were supposed to act.
[ 10 ] Nun kam aber, während all das geschah, eine ganz andere Strömung herauf. Wir haben gewissermaßen jetzt die auslaufende Strömung verfolgt bis in ihre letzten Ausläufer hinein. Aber mit der neueren Zeit kam eben dasjenige herauf, was nun in einer anderen Weise ausschlaggebend geworden ist für die medizinische Begriffsbildung namentlich des neunzehnten Jahrhunderts. Das fällt im Grunde zurück auf ein einziges ungemein stark ausschlaggebendes Werk des achtzehnten Jahrhunderts erst, das «De sedibus et causis morborum per anatomen indagatis» von Morgagni, dem Arzt in Padua, mit dem etwas ganz Neues heraufgekommen ist, etwas, das im wesentlichen den materialistischen Zug in der Medizin eingeleitet hat. Man muß diese Dinge ganz objektiv charakterisieren, nicht mit Sympathien und Antipathien. Denn dasjenige, was mit diesem Werk heraufkam, das ist die Hinlenkung des Blickes auf die Folgen des Krankseins im menschlichen Organismus. Der Leichenbefund wurde ausschlaggebend. Eigentlich erst von dieser Zeit an kann man sagen: Der Leichenbefund wurde ausschlaggebend. Man sah an der Leiche, daß wenn diese oder jene Krankheit, gleichgültig, wie man sie benannte, gewirkt hat, so muß dieses oder jenes Organ diese oder jene Veränderung erfahren. Man fing nun an, diese oder jene Veränderung eben aus dem Leichenbefund heraus zu studieren. Eigentlich beginnt da erst die pathologische Anatomie, während alles dasjenige, was früher in der Medizin da war, auf einem gewissen Fortwirken noch des alten hellseherischen Elementes beruhte.
[ 10 ] But while all this was happening, a completely different trend began to emerge. We have, so to speak, now traced this fading trend all the way to its final offshoots. But in more recent times, precisely that which has now become decisive in a different way for the development of medical concepts—particularly in the nineteenth century—began to emerge. This essentially traces back to a single, immensely influential work from the eighteenth century: *De sedibus et causis morborum per anatomen indagatis* by Morgagni, the physician in Padua, with which something entirely new emerged—something that essentially ushered in the materialistic trend in medicine. One must characterize these things entirely objectively, without letting sympathies or antipathies influence one’s judgment. For what emerged with this work was a shift in focus toward the consequences of illness within the human organism. The postmortem findings became decisive. It is only from this time onward, in fact, that one can say: The postmortem findings became decisive. It was observed in the cadaver that if this or that disease—regardless of how it was named—had taken effect, then this or that organ must undergo this or that change. People then began to study these specific changes based precisely on the postmortem findings. In fact, this is where pathological anatomy truly begins, whereas everything that had previously existed in medicine was still based, to a certain extent, on the lingering influence of the old clairvoyant element.
[ 11 ] Interessant ist es nun, wie mit einem Ruck, möchte ich sagen, sich der große Umschwung dann endgültig vollzogen hat. Man kann ja geradezu auf zwei Jahrzehnte hinweisen — und das ist interessant —, in denen sich der große Umschwung vollzogen hat, durch den verlassen wurde alles das, was noch als Erbschaft vom alten da war, und dutch den begründet wurde auch die atomistisch-materialistische Anschauung im modernen Medizinwesen. Wenn Sie sich einmal die Mühe nehmen und die im Jahre 1842 erschienene «Pathologische Anatomie» von Rokitansky durchnehmen, dann werden Sie finden: Bei Rokitansky ist noch immer vorhanden ein Rest der alten Humoralpathologie, noch ein Rest von der Anschauung, daß auf einem nicht normalen Zusammenwirken der Säfte das Kranksein beruht. Diese Anschauung, daß man hinwenden müsse den Blick auf diese Säftemischung — das kann man aber nur, wenn man noch Erbschaften hat der Anschauung über die außerirdischen Eigenschaften der Säfte —, wurde sehr geistreich zusammen verarbeitet durch Rokitansky mit dem Beobachten der Veränderungen der Organe. So daß eigentlich in dem Buch von Rokitansky immer zugrunde liegt die Beobachtung der Organveränderung durch den Leichenbefund, aber verbunden damit ein Hinweis darauf, daß diese spezielle Organveränderung unter dem Einfluß einer abnormen Säftemischung zustande gekommen ist. Da haben Sie 1842, ich möchte sagen, das letzte, was auftritt von der Erbschaft der alten Humoralpathologie. Wie sich hineinstellten in dieses Untergehen der alten Humoralpathologie die nach der Zukunft hinweisenden Versuche, mit umfassenderen Krankheitsvorstellungen zu rechnen, wie zum Beispiel der Versuch von Hahnemann, davon wollen wir dann in den nächsten Tagen sprechen, denn das ist zu wichtig, um es bloß in einer Einleitung darzustellen. Ähnliche Versuche müssen im Zusammenhang besprochen werden, dann in den Einzelheiten.
[ 11 ] It is interesting to note how—in what I would call a sudden shift—the great transformation finally took place. One can indeed point to two decades—and this is interesting—during which the great transformation took place, through which everything that remained as a legacy of the old was abandoned, and through which the atomistic-materialistic view in modern medicine was also established. If you take the time to work through Rokitansky’s *Pathological Anatomy*, published in 1842, you will find that in Rokitansky there is still a remnant of the old humoral pathology, a remnant of the view that illness is based on an abnormal interaction of the humors. This view—that one must turn one’s attention to this mixture of humors (though this is possible only if one still retains traces of the belief in the supernatural properties of the humors)—was very ingeniously integrated by Rokitansky with his observations of changes in the organs. Thus, Rokitansky’s book is fundamentally based on the observation of organ changes through postmortem findings, but this is coupled with the suggestion that these specific organ changes arose under the influence of an abnormal mixture of humors. There, in 1842, you have, I would say, the last manifestation of the legacy of the old humoral pathology. As for how attempts to develop more comprehensive conceptions of disease—such as Hahnemann’s attempt, which we will discuss in the coming days, since it is too important to be covered merely in an introduction—fit into this decline of the old humoral pathology, we will address that in the coming days. Similar attempts must be discussed in context, and then in detail.
[ 12 ] Jetzt will ich aber darauf aufmerksam machen, daß nun die zwei nächsten Jahrzehnte nach dem Erscheinen der «Pathologischen Anatomie» von Rokitansky die eigentlich grundlegenden Jahrzehnte geworden sind für die atomistisch-materialistische Betrachtung des medizinischen Wesens. Es spielt das Alte noch ganz merkwürdig in die Vorstellungen, die in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts sich gebildet haben, hinein. Da ist es interessant, zu beobachten, wie zum Beispiel Schwann, der ja, man könnte sagen, der Entdecker der Pflanzenzelle ist, noch die Ansicht hat, daß zugrunde liegt der Zellbildung eine Art ungeformter Flüssigkeitsbildung, was er als Blastem bezeichnet, wie sich da aus dieser Flüssigkeitsbildung heraus verhärtet der Zellkern und herumgliedert das Zellprotoplasma. Es ist interessant zu beobachten, wie Schwann noch zugrunde legt ein flüssiges Element, das in sich Eigenschaften hat, die darauf hinauslaufen, sich zu differenzieren, und wie durch dieses Differenzieren dann das Zellige entsteht. Es ist interessant, zu verfolgen, wie später dann die Anschauung sich nach und nach allmählich herausbildet, die man zusammenfassen kann in die Worte: Der menschliche Organismus baut sich aus Zellen auf. Das ist ja eine Anschauung, die heute ungefähr gang und gäbe ist, daß die Zelle eine Art Elementarorganismus ist und daß sich der menschliche Organismus aus Zellen aufbaut.
[ 12 ] But I would now like to point out that the two decades following the publication of Rokitansky’s *Pathological Anatomy* have in fact become the foundational decades for the atomistic-materialistic view of the nature of medicine. The old ideas still play a remarkably significant role in the mental images that took shape in the first half of the nineteenth century. It is interesting to observe, for example, how Schwann—who, one might say, is the discoverer of the plant cell—still holds the view that cell formation is based on a kind of unformed fluid mass, which he calls a “blastema,” and how, from this fluid mass, the cell nucleus hardens and the cell protoplasm organizes itself around it. It is interesting to observe how Schwann still posits a liquid element that possesses properties leading to differentiation, and how the cellular structure then arises through this differentiation. It is interesting to trace how, later on, the view gradually took shape, which can be summarized in the words: The human organism is built up from cells. This is, after all, a view that is now more or less accepted as common knowledge—that the cell is a kind of elementary organism and that the human organism is built up from cells.
[ 13 ] Nun, diese Anschauung, die noch Schwann, ich möchte sagen, ganz gut zwischen den Zeilen hat, sogar mehr als zwischen den Zeilen, ist im Grunde genommen der letzte Rest des alten medizinischen Wesens, denn sie geht nicht auf das Atomistische. Sie betrachtet dasjenige, was atomistisch auftritt, das Zellenwesen, als hervorgehend aus etwas, das man niemals, wenn man es ordentlich betrachtet, atomistisch betrachten kann, aus einem flüssigen Wesen, das Kräfte in sich hat und das Atomistische erst aus sich heraus differenziert. Also in diesen zwei Jahrzehnten, in den vierziger und fünfziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, geht die alte Anschauung, die universeller ist, ihrem letzten Ende entgegen und dämmert dasjenige auf, was atomistische medizinische Anschauung ist. Und das ist voll da, als 1858 erscheint die «Zellularpathologie» von Virchow. Zwischen diesen zwei Werken muß man eigentlich einen ungeheuer sprunghaften Umschwung in dem neueren medizinischen Denken sehen, zwischen der «Pathologischen Anatomie» 1842 von Rokitansky und der «Zellularpathologie» 1858 von Virchow. Durch diese Zellularpathologie wird im Grunde genommen alles, was auftritt im Menschen, abgeleitet von Veränderungen der Zellenwirkung. Im Grunde genommen betrachtet man es dann in der offiziellen Anschauungsweise als ein Ideal, alles aufzubauen auf die Veränderungen der Zelle. Man sieht geradezu darin das Ideal, die Veränderung der Zelle im Gewebe eines Organs zu studieren und aus der Veränderung der Zelle heraus die Krankheit begreifen zu wollen. Man hat es ja leicht mit dieser atomistischen Betrachtung, denn nicht wahr, sie liegt im Grunde, ich möchte sagen, auf der flachen Hand. Man kann alles so hinstellen, leicht begreiflich. Und trotz allen Fortschritten der neueren Wissenschaft geht diese neuere Wissenschaft eigentlich immer darauf aus, möglichst alles leicht zu begreifen und nicht zu bedenken, daß das Naturwesen und das Weltenwesen überhaupt etwas außerordentlich Kompliziertes ist.
[ 13 ] Well, this view—which Schwann, I would say, still holds quite well between the lines, even more than between the lines—is, in essence, the last remnant of the old medical paradigm, for it does not stem from atomism. It regards that which appears atomistically—the cellular entity—as emerging from something that, when properly considered, can never be viewed atomistically: a fluid substance that possesses forces within itself and from which the atomistic aspect differentiates itself. Thus, during these two decades—the 1840s and 1850s—the old, more universal view was drawing to a close, and the atomistic medical view began to dawn. And it was fully established by 1858, when Virchow’s *Cellular Pathology* was published. Between these two works—Rokitansky’s *Pathological Anatomy* (1842) and Virchow’s *Cellular Pathology* (1858)—one must indeed see a tremendous, abrupt shift in modern medical thought. Through this cellular pathology, essentially everything that occurs in the human body is derived from changes in cellular function. Essentially, the official view regards it as an ideal to base everything on changes in the cell. One sees it as the very ideal to study the changes in the cell within the tissue of an organ and to seek to understand the disease through these cellular changes. This atomistic approach makes things easy, for—isn’t it true—it is, I might say, as plain as day. One can present everything in this way, making it easy to understand. And despite all the advances in modern science, this modern science actually always aims to make everything as easy to understand as possible, without considering that the nature of the natural world and the universe is, in fact, something extraordinarily complex.
[ 14 ] Nicht wahr, man kann so leicht experimentell zeigen, daß zum Beispiel eine Amöbe im Wasser ihre Form verändert, die armartigen Gebilde, Fortsätze, ausstreckt, wieder einzieht. Man kann dann die Flüssigkeit, in der die Amöbe schwimmt, erwärmen. Man wird dann sehen, daß das Ausstrecken und ebenso das Einziehen der Fortsätze lebhafter wird, bis man die Temperatur zu einem gewissen Punkt bringt. Dann zieht sich die Amöbe zusammen und kann nicht mehr weiter mitgehen mit diesen Veränderungen, die in dem umgebenden Medium vorgehen. Man kann dann in die Flüssigkeit hineinleiten einen Strom: man beobachtet dann die Amöbe, sie bildet ihren Körper kugelartig aus und platzt zum Schluß, wenn der Strom zu stark hineingeleitet wird. Also man kann studieren selbst wie die einzelne Zelle sich verändert unter dem Einfluß der Umgebung, und man kann dann daraus eine Theorie bilden, wie durch Veränderung des Zellwesens sich nach und nach das Krankheitswesen aufbaut.
[ 14 ] Isn’t it true that it’s so easy to demonstrate experimentally that, for example, an amoeba in water changes its shape, extending and retracting its arm-like structures, or pseudopodia? One can then heat the liquid in which the amoeba is swimming. You will then see that both the extension and the retraction of the appendages become more vigorous until the temperature reaches a certain point. Then the amoeba contracts and can no longer keep up with these changes taking place in the surrounding medium. You can then introduce a current into the liquid: and observe the amoeba as it forms its body into a spherical shape and eventually bursts if the current is too strong. Thus, one can study for oneself how the individual cell changes under the influence of the environment, and from this, one can formulate a theory of how the nature of disease gradually develops through changes in the cellular structure.
[ 15 ] Was ist das Wesentliche all dessen, was da heraufgekommen ist durch den Umschwung, der sich in zwei Jahrzehnten vollzogen hat? Was da heraufgezogen ist, es lebt eigentlich fort in allem, was heute die offizielle medizinische Wissenschaft durchdringt. In dem, was da heraufgezogen ist, lebt eben doch nichts anderes als der allgemeine Zug, die Welt atomistisch zu begreifen, wie er sich eben im materialistischen Zeitalter herausgebildet hat.
[ 15 ] What is the essence of everything that has emerged as a result of the upheaval that has taken place over the past two decades? What has emerged actually lives on in everything that permeates official medical science today. What has emerged is nothing other than the general tendency to understand the world atomistically, just as it has taken shape in the materialistic age.
[ 16 ] Nun bitte ich Sie, doch das Folgende zu beachten. Ich ging aus davon, daß ich Sie aufmerksam machte, daß derjenige, der es heute mit dem Arbeiten in der Medizin zu tun hat, sich ganz notwendigerweise doch die Frage vorlegen muß: Was sind denn eigentlich die Krankheiten für Prozesse? Wie unterscheiden sie sich denn von den sogenannten Normalprozessen des menschlichen Organismus? Denn nur mit einer positiven Vorstellung über diese Abweichung kann man doch arbeiten, während die Darstellungen, die man gewöhnlich findet und die gegeben werden in der offiziellen Wissenschaft, eigentlich nur negativ sind. Es wird nur darauf hingewiesen, daß eben solche Abweichungen da sind. Und dann probiert man, wie man etwa die Abweichungen beseitigen könne. Aber eine durchgreifende Anschauung über das Menschenwesen ist ja eigentlich nicht vorhanden. Und an dem Mangel einer solchen durchgreifenden Anschauung über das Menschenwesen krankt im Grunde genommen unsere ganze medizinische Anschauung. Denn was sind denn die Krankheitsprozesse? Sie werden doch nicht umhin können, sich zu sagen, daß es Naturprozesse sind. Sie können doch nicht einen abstrakten Unterschied konstruieren ohne weiteres zwischen irgendeinem Naturprozeß, der draußen verläuft und dessen Folgen Sie verfolgen, und zwischen einem Krankheitsprozesse. Den Naturprozeß, Sie nennen ihn normal, den Krankheitsprozeß nennen Sie abnorm, ohne eigentlich darauf hinzuweisen, warum nun dieser Prozeß im menschlichen Organismus ein abnormer ist. Man kann ja zu keiner Praxis kommen, wenn man nicht wenigstens sich Aufschluß darüber geben kann, warum der Prozeß abnorm ist. Dann erst kann man irgendwie nachforschen danach, wie man ihn aufheben kann. Denn man kann dadurch erst darauf kommen, aus welcher Ecke des Weltendaseins das Hinwegschaffen eines solchen Prozesses möglich ist. Schließlich ist sogar das Bezeichnen als abnorm ein Hindernis. Denn warum sollte denn mancher Prozeß im Menschen abnorm genannt werden? Selbst wenn ich mich in den Finger schneide, so ist das nur relativ abnorm für den Menschen, denn wenn ich mich nicht in den Finger schneide, sondern ein Stück Holz schneide zu irgendeiner Form, so ist das ein normaler Prozeß. Just, wenn ich mich in den Finger schneide, so nenne ich das einen abnormen Prozeß. Damit, nicht wahr, daß man gewöhnt ist, just andere Prozesse zu verfolgen, als sich in den Finger zu schneiden, ist ja gar nichts gesagt, es sind bloß Wortspiele eigentlich in die Welt gesetzt. Denn dasjenige, was geschieht, wenn ich mich in den Finger schneide, ist von einer gewissen Seite her ähnlich in seinem Verlauf, ganz ebenso normal wie irgendein anderer Naturprozeß.
[ 16 ] Now I ask you to please consider the following. I assumed that I had drawn your attention to the fact that anyone involved in medical practice today must necessarily ask themselves the question: What, exactly, are diseases as processes? How do they differ from the so-called normal processes of the human organism? For one can only work with a positive mental image of this deviation, whereas the descriptions one usually finds—and which are presented in official science—are actually only negative. It is merely pointed out that such deviations exist. And then one tries to figure out how to eliminate them. But a comprehensive understanding of the human being is actually lacking. And it is this lack of a comprehensive understanding of the human being that fundamentally undermines our entire medical perspective. For what, after all, are disease processes? You cannot help but conclude that they are natural processes. You cannot simply construct an abstract distinction between any natural process occurring externally—whose consequences you observe—and a disease process. You call the natural process “normal” and the disease process “abnormal,” without actually explaining why this particular process is abnormal within the human organism. After all, one cannot arrive at any practical approach unless one can at least clarify why the process is abnormal. Only then can one begin to investigate how to eliminate it. For only in this way can one discover from which aspect of human existence the elimination of such a process is possible. Ultimately, even the label “abnormal” is an obstacle. For why should any process in humans be called abnormal? Even if I cut my finger, that is only relatively abnormal for humans, because if I do not cut my finger but instead cut a piece of wood into some shape, that is a normal process. Precisely when I cut my finger, I call that an abnormal process. But the fact that we are accustomed to observing processes other than cutting our fingers doesn’t really say anything; it’s just a matter of wordplay, really. For what happens when I cut my finger is, from a certain perspective, similar in its course—just as normal as any other natural process.
[ 17 ] Die Aufgabe ist, nun wirklich darauf zu kommen, welcher Unterschied besteht zwischen den Prozessen im menschlichen Organismus, die wir als Krankheitsprozesse bezeichnen und die doch im Grunde genommen ganz normale Naturprozesse sind, nur eben durch bestimmte Ursachen hervorgerufen sein müssen, und denjenigen Prozessen, die wir gewöhnlich als die gesunden bezeichnen und die die alltäglichen sind. Dieser durchgreifende Unterschied muß gefunden werden. Er wird nicht gefunden werden, wenn man nicht eingehen kann auf eine Betrachtungsweise des Menschen, die zum menschlichen Wesen wirklich führt. Dazu möchte ich Ihnen in dieser Einleitung wenigstens die ersten Elemente aufzeichnen, die wir dann im einzelnen im Detail weiter ausführen wollen.
[ 17 ] The task now is to truly discern the difference between the processes in the human organism that we call disease processes—which are, in essence, entirely normal natural processes, albeit ones that must be triggered by specific causes—and those processes that we usually refer to as healthy and that are part of everyday life. This fundamental difference must be identified. It will not be found unless one is able to adopt a perspective on the human being that truly leads to an understanding of human nature. To this end, I would like to outline for you in this introduction at least the basic elements, which we will then elaborate on in greater detail.
[ 18 ] Sie werden es begreifen, daß ich hier in diesen Vorträgen, die ja nur in einer beschränkten Anzahl gehalten werden können, hauptsächlich dasjenige gebe, was Sie sonst in Büchern oder Vorträgen eben nicht finden, und dasjenige voraussetze, was man eben sonst finden kann. Ich glaube nicht, daß es besonders wertvoll wäre, wenn ich Ihnen irgendeine Theorie geben würde in Aufstellungen, die Sie sonst auch finden könnten. Daher verweise ich Sie an diesem Punkt an dasjenige, was sich Ihnen ergeben kann, wenn Sie einfach miteinander vergleichen das, was Sie sehen, wenn Sie vor sich stellen ein Menschenskelett und das Skelett, sagen wir eines Gorillas, eines sogenannt hochstehenden Affen. Wenn Sie diese zwei Skelette rein äußerlich miteinander vergleichen, so werden Sie bemerken als Wesentliches, daß beim Gorilla vorhanden ist einfach der Masse nach eine besondere Ausbildung des ganzen Unterkiefersystems. Das Unterkiefersystem steht gewissermaßen als Lastendes im ganzen Kopfskelett drinnen, und man hat das Gefühl, wenn man den Gorillakopf ansieht (siehe Zeichnung Seite 27, links) mit seinem mächtigen Unterkiefer, daß dieses Unterkiefersystem in irgendeiner Weise lastet, nach vorne drückt das ganze Skelett, daß der Gorilla, ich möchte sagen, mit einer gewissen Anstrengung sich aufrecht erhält gegen dieses Lastende, das da wirkt, namentlich im Unterkiefer.
[ 18 ] You will understand that in these lectures—which, after all, can only be given in limited numbers—I mainly present what you would not otherwise find in books or lectures, and I take for granted what can otherwise be found. I do not believe it would be particularly valuable for me to present you with some theory in the form of diagrams that you could find elsewhere. Therefore, on this point, I refer you to what may become apparent to you if you simply compare what you see when you place before you a human skeleton and the skeleton of, say, a gorilla—a so-called “higher” ape. If you compare these two skeletons purely from an external perspective, you will notice, as a key feature, that the gorilla’s entire lower jaw system is, simply in terms of mass, particularly well-developed. The lower jaw system, so to speak, acts as a weight within the entire skull, and when you look at the gorilla’s head (see drawing on page 27, left) with its massive lower jaw, you get the feeling that this lower jaw system is, in some way, exerting a load, pushing the entire skeleton forward—that the gorilla, I would say, maintains an upright posture with a certain effort against this load-bearing force at work there, particularly in the lower jaw.


[ 19 ] Aber dasselbe Lastsystem finden Sie gegenüber dem menschlichen Skelett, wenn Sie das Skelett der Vorderarme mit den daranhängenden Vorderhänden ins Auge fassen. Die wirken schwer, da ist alles massig beim Gorilla, während beim Menschen alles fein und zart gegliedert ist. Die Masse tritt da zurück. Gerade in diesem Teil, im Unterkiefersystem und im Vorderarmsystem mit dem Fingersystem, da tritt das Massige beim Menschen zurück, während es beim Gorilla auftritt. Der, der sich dann den Blick geschärft hat für diese Verhältnisse, der wird dasselbe auch noch verfolgen können beim Fuß- und Untergliedmaßenskelett. Auch da ist gewissermaßen noch ein Lastendes vorhanden, das nach einer bestimmten Richtung hin drückt. Ich möchte schematisch diese Kraft, die man sehen kann — man kann sie sehen im Unterkiefersystem, im Armsystem und im Bein-, im Fußsystem —, durch diese Linie bezeichnen (siehe Zeichnung Seite 28: Pfeile).
[ 19 ] But you will find the same system of weight distribution when comparing it to the human skeleton, if you consider the skeleton of the forearms with the hands attached to them. They appear heavy; everything is massive in the gorilla, whereas in humans everything is finely and delicately structured. Mass takes a back seat there. It is precisely in this region—in the lower jaw system and the forearm system with the fingers—that mass recedes in humans, whereas it comes to the fore in the gorilla. Anyone who has thus sharpened their eye for these proportions will also be able to observe the same phenomenon in the skeletal structure of the foot and lower leg. There, too, there is, so to speak, a load that exerts pressure in a specific direction. I would like to schematically indicate this force—which can be observed in the lower jaw, the arm, and the leg and foot systems—with this line (see drawing on page 28: arrows).


[ 20 ] Wenn Sie dies ins Auge fassen, was sich als Unterschied ergibt rein aus der Anschauung zwischen dem Gorillaskelett und dem Menschenskelett, wo zurücktritt, nicht mehr lastet das Unterkieferskelett, wo fein ausgebildet ist das Arm- und Fingerskelett, so werden Sie nicht umhin können, sich zu sagen: beim Menschen tritt diesen Kräften überall ein Aufwärtsstrebendes entgegen (Pfeile). Sie werden dasjenige konstruieren müssen, was beim Menschen formbildend ist aus einem gewissen Kräfteparallelogramm, das sich Ihnen ergibt aus derselben Kraft, die nach aufwärts geht und die der Gorilla sich nur äußerlich aneignet — man sieht es an der Mühe, mit der er sich aufrecht hält, mit der er sich aufrecht halten will. Dann bekomme ich ein Kräfteparallelogramm, das in diesen Linien verläuft (siehe Zeichnung Seite 29).
[ 20 ] If you consider this—the difference that arises purely from observation between the gorilla’s skeleton and the human skeleton, where the lower jawbone recedes and no longer bears the load, and where the skeleton of the arm and fingers is finely developed—you will not be able to help but conclude: in humans, these forces are met everywhere by an upward-striving force (arrows). You will have to construct what gives form to the human body from a certain parallelogram of forces, which arises from the same upward-directed force that the gorilla appropriates only externally—you can see this in the effort with which it holds itself upright, with which it strives to remain upright. Then I obtain a parallelogram of forces that runs along these lines (see drawing on page 29).


[ 21 ] Nun ist das höchst Eigentümliche dieses, daß wir uns ja gewöhnlich heute darauf beschränken, zu vergleichen die Knochen oder die Muskeln der höheren Tiere mit den Knochen und Muskeln der Menschen, aber dabei nicht das nötige Gewicht legen auf diese Formumwandelung. In der Anschauung dieser Formumwandelung muß man ein Wesentliches und Wichtiges suchen. Denn sehen Sie, diese Kräfte, die müssen ja dasein, die entgegenwirken den Kräften, die beim Gorilla die Gestalt bilden. Diese Kräfte müssen ja dasein, diese Kräfte müssen ja wirken. Wenn wir diese Kräfte suchen werden, werden wir wieder finden dasjenige, was verlassen worden ist, indem die alte Medizin filtriert worden ist vom hippokratischen System. Wir werden wiederum finden, daß diese Kräfte im Kräfteparallelogramm irdischer Natur sind und diejenigen Kräfte, die sich mit diesen irdischen Kräften im Kräfteparallelogramm vereinigen, so daß eine Resultierende entsteht, die nun nicht irdischen Kräften ihren Ursprung verdankt, sondern außerirdischen, außerterrestrischen Kräften, diese Kräfte müssen wir außerhalb des Irdischen suchen. Wir müssen Zugkräfte suchen, die den Menschen zur Aufrichtestellung bringen, aber nicht nur zur Aufrichtestellung bringen, wie sie beim höheren Tier vorhanden ist zuweilen, sondern so zur Aufrichtestellung bringen, daß die in der Aufrichtestellung wirkenden Kräfte zugleich Bildekräfte sind. Es ist ja ein Unterschied, ob der Affe, der aufrecht geht, dennoch Kräfte hat, die massig entgegenwirken, oder ob der Mensch sein Knochensystem schon so ausbildet, daß diese Ausbildung in der Richtung von Kräften wirkt, die nichtirdischen Ursprungs sind. Man kann einfach, wenn man richtig anschaut die Form des menschlichen Skeletts, sich nicht darauf beschränken, den einzelnen Knochen zu beschreiben und ihn zu vergleichen mit dem Tierknochen, sondern wenn man das Dynamische im Aufbau des menschlichen Skeletts verfolgt, dann kann man sich sagen: das findet man in den übrigen Reichen der Erde nicht, da treten uns Kräfte auf, die wir mit den übrigen zu dem Kräfteparallelogramm vereinigen müssen. Es entstehen Resultierende, die wir nicht finden können, wenn wir bloß auf die Kräfte Rücksicht nehmen, die außerhalb des Menschen vorhanden sind. Es wird sich also darum handeln, einmal diesen Sprung vom Tier zum Menschen ordentlich zu verfolgen. Dann wird man nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Tier den Ursprung des Krankheitswesens finden können. Ich kann Sie nur nach und nach auf diese Elemente hinweisen, wir werden aber aus ihnen, weitergehend, sehr vieles finden können.
[ 21 ] Now, what is most peculiar about this is that today we usually limit ourselves to comparing the bones or muscles of higher animals with those of humans, but in doing so we do not place the necessary emphasis on this transformation of form. In the observation of this transformation of form, one must seek something essential and important. For you see, these forces—which must surely exist—counteract the forces that shape the form of the gorilla. These forces must surely exist; these forces must surely be at work. When we seek these forces, we will once again find that which was abandoned when ancient medicine was filtered through the Hippocratic system. We will find once more that these forces in the parallelogram of forces are of an earthly nature, and that the forces which unite with these earthly forces in the parallelogram of forces—so that a resultant arises that does not owe its origin to earthly forces but to extraterrestrial forces—these forces we must seek outside the earthly realm. We must seek pulling forces that bring the human being into an upright posture—but not merely into an upright posture, as is sometimes the case with higher animals—but bring them into an upright posture in such a way that the forces acting in this upright posture are simultaneously formative forces. There is, after all, a difference between a monkey that walks upright but still possesses forces that counteract this movement, and a human being whose skeletal system is already developed in such a way that this development acts in the direction of forces of non-earthly origin. If one looks closely at the form of the human skeleton, one cannot simply limit oneself to describing the individual bones and comparing them with animal bones; rather, if one traces the dynamic aspects of the human skeleton’s structure, one can say: this is not found in the other kingdoms of the Earth; there, forces arise that we must combine with the others to form the parallelogram of forces. Resultant forces arise that we cannot identify if we consider only the forces existing outside the human being. The task, therefore, will be to properly trace this leap from animal to human. Then we will be able to find the origin of the nature of disease not only in humans but also in animals. I can only point out these elements to you little by little, but by building on them, we will be able to discover a great deal.
[ 22 ] Nun, im Zusammenhange mit dem, was ich Ihnen eben dargelegt habe, möchte ich Ihnen jetzt das Folgende erwähnen. Gehen wir über vom Kinochensystem zum Muskelsystem, so finden wir ja diesen bedeutsamen Unterschied im Wesen des Muskels, daß der ruhende Muskel alkalisch reagiert, wenn wir auf seine gewöhnliche chemische Wirkung Rücksicht nehmen; aber man kann doch nur sagen: ähnlich wie alkalisch, denn die alkalische Reaktion ist nicht eine absolut so klar ausgesprochene beim ruhenden Muskel, wie sonst alkalische Reaktionen sind. Beim tätigen Muskel tritt ebenso eine nicht ganz klare saure Reaktion in Tätigkeit. Nun bedenken Sie, daß ja selbstverständlich zunächst stoffwechselgemäß der Muskel zusammengesetzt ist aus dem, was der Mensch aufnimmt, daß er also in gewisser Weise ein Ergebnis ist der Kräfte, die in den irdischen Stoffen vorhanden sind. Aber indem der Mensch zur Tätigkeit übergeht, wird ja klarer und klarer dasjenige überwunden, was der Muskel in sich dadurch hat, daß er bloß dem gewöhnlichen Stoffwechsel unterliegt. Es treten im Muskel eben Veränderungen ein, die man zuletzt mit nichts anderem vergleichen kann gegenüber den gewöhnlichen stoffwechselgemäßen Veränderungen, als mit den Kräften, die die Bildung des Knochensystems beim Menschen bewirken. Wie diese Kräfte beim Menschen hinausgehen über dasjenige, was er von außen hat, wie sie sich terrestrisch durchdringen und sich mit ihnen zu einer bloßen Resultierenden vereinigen, so muß man auch mit dem, was im Muskel als wirkend im Stoffwechsel auftritt, etwas sehen, was nun hineinwirkt auch chemisch in die irdische Chemie. Hier haben wir, könnte man sagen, in die irdische Mechanik und Dynamik etwas hineinwirkend, was wir nicht mehr im Irdischen finden. Beim Stoffwechsel haben wir in die irdische Chemie etwas hineinwirkend, was nicht-irdische Chemie ist, was andere Wirkungen hervorbringt, als sie nur unter dem Einfluß der irdischen Chemie auftreten können.
[ 22 ] Now, in connection with what I have just explained to you, I would like to mention the following. If we move from the nervous system to the muscular system, we find this significant difference in the nature of the muscle: the resting muscle reacts alkaline when we consider its usual chemical behavior; but one can only say: similar to alkaline, because the alkaline reaction in the resting muscle is not as clearly pronounced as alkaline reactions usually are. In an active muscle, a similarly not entirely clear acidic reaction also comes into play. Now consider that, of course, from a metabolic standpoint, the muscle is composed of what the human being takes in; it is thus, in a certain sense, a result of the forces present in earthly substances. But as the human being transitions to activity, what the muscle possesses within itself—merely being subject to ordinary metabolism—is increasingly overcome. Changes occur in the muscle that, in contrast to ordinary metabolic changes, can ultimately be compared to nothing other than the forces that bring about the formation of the skeletal system in humans. Just as these forces in human beings extend beyond what they receive from the outside, just as they permeate earthly forces and unite with them to form a single resultant, so too must we recognize that what acts within the muscle as part of metabolism is something that also exerts a chemical influence on earthly chemistry. Here, one might say, we have something acting into earthly mechanics and dynamics that we no longer find in the earthly realm. In metabolism, we have something acting into earthly chemistry that is non-earthly chemistry, producing effects other than those that can occur solely under the influence of earthly chemistry.
[ 23 ] Von diesen Betrachtungen, die auf der einen Seite Formbetrachtungen, auf der anderen Seite Qualitätsbetrachtungen sind, werden wir auszugehen haben, wenn wir finden wollen dasjenige, was eigentlich im Menschenwesen liegt. Da wird man wiederum einen Rückweg sich eröffnen können zu dem, was verloren worden ist und was man ganz offenbar braucht, wenn man nicht stehenbleiben will bei einem bloßen formalen Definieren des Krankheitswesens, mit dem man dann in der Praxis eigentlich nicht viel anfangen kann. Denn denken Sie, daß ja eine sehr wichtige Frage auftaucht. Wir haben ja im Grunde genommen nur irdische Mittel, aus der Umgebung des Menschen, mit denen wir wirken können auf den menschlichen Organismus, wenn er Veränderungen erfährt. Aber im Menschen wirken nicht-irdische Prozesse oder wenigstens Kräfte, die seine Prozesse zu nicht-irdischen Prozessen machen. Und es entsteht also die Frage: Wie können wir eine Wechselwirkung, die hinführt vom Kranksein zum Gesundsein, hervorrufen zwischen dem, was wir als Wechselverhältnis bewirken zwischen dem kranken Organismus und seiner physischen Erdenumgebung? Wie können wir ein solches Wechselverhältnis hervorrufen, so daß nun wirklich durch dieses Wechselverhältnis beeinflußt werden können auch diejenigen Kräfte, die im menschlichen Organismus tätig sind und die nicht aufgehen in dem, worinnen die Prozesse aufgehen, aus denen heraus wir unsere Arzneimittel wählen können, selbst wenn diese Prozesse Anordnungen zur Diät sind und so weiter.
[ 23 ] We will have to take these considerations—which are, on the one hand, considerations of form and, on the other, considerations of quality—as our starting point if we are to discover what actually lies at the heart of the human being. This will in turn open up a path back to what has been lost and what is quite clearly needed if we do not wish to remain stuck at a mere formal definition of the nature of disease—a definition that is of little practical use. For consider that a very important question arises here. After all, we essentially have only earthly remedies—derived from the human environment—with which we can act upon the human organism when it undergoes changes. But non-earthly processes—or at least forces that transform human processes into non-earthly ones—are at work within the human being. And so the question arises: How can we bring about an interaction that leads from illness to health—an interaction we create between the diseased organism and its physical earthly environment? How can we bring about such an interaction so that even those forces active within the human organism—which are not subsumed within the processes from which we select our remedies, even if these processes involve dietary instructions and so on—can truly be influenced by this interaction?
[ 24 ] Sie sehen, wie innig zusammenhängt mit einer richtigen Auffassung des Wesens des Menschen dasjenige, was schließlich zu einer gewissen Therapie führen kann. Und ich habe gerade die ersten Elemente, die uns befähigen sollen, zu einer Lösung dieser Frage aufzusteigen, hergenommen von Unterscheidungen des Menschen vom Tiere, mit vollem Bewußtsein, trotzdem der Einwand sehr leicht sein kann — wir werden ihn später beheben —, daß ja auch die Tiere erkranken, sogar Pflanzen eventuell erkranken — neuerdings hat man ja auch von Erkrankungen der Mineralien gesprochen — und daß daher gerade für das Kranksein der Unterschied des Menschen von dem Tiere nicht gemacht werden sollte. Man wird diesen Unterschied schon bemerken, wenn man sehen wird, wie wenig der Arzt auf die Dauer doch haben wird von der bloßen Untersuchung des Tierwesens mit dem Ziele, in der menschlichen Medizin weiterzukommen. Man kann — und das wird sich uns ergeben, warum das ist — ganz gewiß einiges erreichen für menschliche Heilung aus dem Tierversuch, aber nur dann, wenn man sich gründlich klar darüber ist, welch ein durchgreifender Unterschied bis in die einzelnsten Details hinein doch zwischen der tierischen und der menschlichen Organisation ist. Daher wird es sich darum handeln, gerade die Bedeutung des Tierversuches in der entsprechenden Weise immer mehr und mehr für die Entwickelung der Medizin klarlegen zu können.
[ 24 ] You can see how closely linked to a correct understanding of human nature is that which can ultimately lead to a certain form of therapy. And I have just drawn upon the initial elements—which should enable us to arrive at a solution to this question—from the distinctions between humans and animals, fully aware even though the objection may be very easy to raise—we will address it later—namely, that animals also fall ill, and even plants may fall ill—recently, there has even been talk of diseases in minerals—and that, therefore, the distinction between human beings and animals should not be made specifically in relation to illness. One will already notice this difference when one sees how little the physician will ultimately gain from the mere study of animal physiology with the aim of making progress in human medicine. One can—and we will come to understand why this is so—certainly achieve some progress in human healing through animal experimentation, but only if one is thoroughly clear about the profound difference, down to the minutest details, between the animal and human organisms. Therefore, the task will be to increasingly clarify the significance of animal experimentation for the development of medicine in an appropriate manner.
[ 25 ] Weitergehend möchte ich Sie dann noch darauf aufmerksam machen, daß ja allerdings dann, wenn man auf solche außerirdischen Kräfte hinweisen muß, die Persönlichkeit des Menschen viel mehr in Anspruch genommen wird, als wenn man auf sogenannte objektive Regeln, objektive Naturgesetze immer hinweisen kann. Es wird sich allerdings darum handeln, daß man das medizinische Wesen viel mehr nach dem Intuitiven hin arbeitet und daß man darauf kommt, daß von dem Talent, aus Formerscheinungen heraus auf das Wesen des menschlichen Organismus, des individuellen menschlichen Organismus, der in einer gewissen Beziehung krank oder gesund sein kann, Schlüsse zu ziehen, daß dieses intuitive Eingeschultsein auf Formbeobachtung eine immer größere Rolle spieJen muß in der Entwickelung der Medizin und nach der Zukunft hin.
[ 25 ] Furthermore, I would like to draw your attention to the fact that, when one must refer to such extraterrestrial forces, the human personality is called upon to a much greater extent than when one can always refer to so-called objective rules or objective laws of nature. It will, however, be a matter of approaching the medical field much more intuitively and of coming to the realization that, based on the talent for discerning the essence of the human organism—the individual human organism, which in a certain sense can be sick or healthy—from its outward forms, that this intuitive training in observing form must play an ever-greater role in the development of medicine and looking toward the future.
[ 26 ] Diese Dinge sollten, wie gesagt, nur zu einer Art von Einleitung, von orientierender Einleitung dienen. Denn das, worauf es hier ankam heute, das war, zu zeigen, daß die Medizin wiederum hinwenden müsse ihren Blick auf dasjenige, was sich durch Chemie oder auch durch die gewöhnliche vergleichende Anatomie nicht erreichen läßt, was nur erreicht werden kann, wenn man zu einer geisteswissenschaftlichen Betrachtung der Tatsachen übergeht. In bezug darauf gibt man sich ja heute noch mancherlei Irrtümern hin. Man denkt, daß es sich hauptsächlich darum handeln müsse, für eine Vergeistigung der Medizin an die Stelle der materiellen Mittel geistige zu setzen. Aber so berechtigt das auf gewissen Gebieten ist, so unberechtigt ist es in seiner Gänze. Denn es handelt sich vor allen Dingen auch darum, auf geistige Art zu erkennen, welcher Heilwert in einem materiellen Mittel stecken könnte, Geisteswissenschaft also schon anzuwenden auf die Bewertung der materiellen Mittel. Das wird namentlich die Aufgabe sein desjenigen Teiles, den ich bezeichnet habe: die Möglichkeiten der Heilung durch die Erkenntnis der Beziehung des Menschen zu der übrigen Welt aufzusuchen.
[ 26 ] As I said, these points were intended merely as a kind of introduction, an introductory overview. For what mattered here today was to show that medicine must once again turn its gaze toward that which cannot be attained through chemistry or even through ordinary comparative anatomy—that which can only be attained by adopting a Spiritual Science approach to the facts. In this regard, people still succumb to various errors today. It is thought that the main concern must be to replace material remedies with spiritual ones in order to spiritualize medicine. But as justified as this is in certain areas, it is equally unjustified when taken in its entirety. For it is, above all, also a matter of recognizing in a spiritual way what healing value might lie within a material remedy—that is, of already applying Spiritual Science to the evaluation of material remedies. This will be the specific task of the part I have described: to explore the possibilities of healing through an understanding of the relationship between the human being and the rest of the world.
[ 27 ] Ich möchte ja, daß die Dinge, die ich werde zu sagen haben über spezielle Heilprozesse, möglichst gut fundiert seien und möglichst alle darauf hintendieren, daß bei jeder einzelnen Krankheit eigentlich eine Anschauung gewonnen werden kann über den Zusammenhang des sogenannten abnormen Prozesses, der auch ein Naturprozeß sein muß, mit den sogenannten normalen Prozessen, die ja auch wiederum nichts anderes sind als Naturprozesse. Wo immer diese Frage, diese Fundamentalfrage aufgetaucht ist — das möchte ich nur gleichsam als einen kleinen Anhang bemerken —: Wie kommt man eigentlich damit zurecht, daß die Krankheitsprozesse doch auch Naturprozesse sind? — da sucht man sich so bald wie möglich immer wiederum um die Sache zu drücken. Interessant war mir zum Beispiel ja, daß Troxler, der in Bern gelehrt hat, sehr intensiv schon in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts darauf hingewiesen hat, daß man gewissermaßen die Normalität der Krankheit untersuchen müsse und daß man dadurch in einer Richtung geführt wird, die zuletzt landet in der Anerkennung einer gewissen Welt, die mit der unseren verbunden ist und die nur wie durch unberechtigte Löcher sich hereinschiebt in unsere Welt und daß man dadurch auf irgend etwas in bezug auf die Krankheitserscheinungen kommen könne. Denken Sie sich — ich will das jetzt nur gewissermaßen grob schematisch andeuten -, es gäbe so irgendeine Welt im Hintergrunde, die zu ihren Gesetzen die ganz berechtigten Dinge hätte, die bei uns die Krankheitserscheinungen bewirken, dann könnten durch gewisse Löcher, durch die diese Welt hereindringt in unsere, diese Gesetze, die in einer anderen Welt ganz berechtigt sind, bei uns Unheil anrichten. Auf dieses wollte Troxler hinarbeiten. Und so unklar und undeutlich er sich auch in mancher Beziehung ausgesprochen hat, so merkt man doch, wie er auf einem Wege in der Medizin war, der hinarbeiter gerade auf eine gewisse Gesundung der medizinischen Wissenschaft.
[ 27 ] I would like the things I have to say about specific healing processes to be as well-founded as possible and, as far as possible, to all point toward the fact that, for every single illness, one can actually gain an understanding of the connection between the so-called abnormal process—which must also be a natural process—and the so-called normal processes, which, in turn, are nothing other than natural processes. Whenever this question—this fundamental question—has arisen—and I’d just like to note this as a sort of brief aside—namely, “How does one actually come to terms with the fact that disease processes are, after all, natural processes as well?”—people invariably seek to sidestep the issue as soon as possible. I found it interesting, for example, that Troxler, who taught in Bern, pointed out very emphatically as early as the first half of the nineteenth century that one must, so to speak, investigate the normality of disease, and that this leads one in a direction that ultimately results in the recognition of a certain world connected to our own—a world that intrudes into ours only through unwarranted gaps—and that through this one might arrive at some understanding regarding the manifestations of disease. Imagine—I want to sketch this out only in very broad terms for now—that there were some kind of world in the background whose laws include the very legitimate phenomena that cause disease symptoms in our world; then, through certain gaps through which this world penetrates into ours, these laws—which are entirely legitimate in another world—could wreak havoc here. This is what Troxler was striving toward. And as unclear and vague as he may have expressed himself in some respects, one can still see how he was on a path in medicine that was leading precisely toward a certain revitalization of medical science.
[ 28 ] Ich habe dann mit einem Freunde einmal nachgesucht, da der Troxler doch in Bern gelehrt hat, wie er angesehen war unter seinen Kollegen, was man aus seiner Anregung gemacht hat, und wir konnten in dem Lexikon, das viele Dinge verzeichnet aus der Geschichte der Universität, bei Troxler nur herausfinden, daß er sehr viele Krache an der Universität gemacht hat! Das war dasjenige, was behalten worden ist. Und über seine wissenschaftliche Bedeutung konnte man gar nichts Besonderes herausfinden.
[ 28 ] I then looked into it with a friend—since Troxler had taught in Bern—to find out how he was regarded among his colleagues and what had come of his ideas, and all we could find about Troxler in the encyclopedia, which records many aspects of the university’s history, was that he had caused a great deal of trouble at the university! That was the only thing that had been remembered. And as for his scholarly significance, we couldn’t find anything of note at all.
[ 29 ] Nun, ich wollte, wie gesagt, heute nur auf die Dinge hinweisen, und ich bitte Sie recht sehr, damit ich durchschießen kann dasjenige, was ich darstellen will aus meinen Absichten heraus mit dem, was in Ihren Wünschen liegt, mir bis morgen oder übermorgen alle Ihre Wünsche aufzuschreiben. Dann werde ich erst aus diesen Wünschen heraus dem Vortragszyklus die nötige Form geben. Ich glaube, so kommen wir dann am allerbesten zurecht. Ich bitte, das nur ganz ausgiebig zu machen.
[ 29 ] Well, as I said, I just wanted to point out these things today, and I would very much ask you—so that I can align what I intend to present with your wishes—to write down all your wishes for me by tomorrow or the day after tomorrow. Only then, based on these wishes, will I give the lecture series the necessary structure. I believe this is the very best way for us to proceed. Please be as thorough as possible in doing so.
