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Spiritual Science and Medicine
GA 312

21 March 1920, Dornach

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Erster Vortrag

Erster Vortrag

[ 1 ] Meine lieben Freunde, es ist ja ziemlich selbstverständlich, daß von dem, was Sie wahrscheinlich alle erwarten von der Zukunft des medizinischen Lebens, nur ein sehr geringer Teil in diesem Kursus wird angedeutet werden können, denn Sie alle werden ja mit mir darinnen übereinstimmen, daß ein wirkliches, zukunftssicheres Arbeiten auf dem medizinischen Felde von einer Reform des medizinischen Studiums als solchem abhängt. Man kann nicht mit dem, was man in einem Kursus mitteilen kann, eine solche Reform des medizinischen Studiums auch nur im entferntesten anregen, höchstens in der Weise, daß in einer Anzahl von Menschen der Drang entsteht, mitzutun bei einer solchen Reform. Allein, was man auch heute auf medizinischem Felde bespricht, es hat ja immer zu seinem anderen Pol, zu seinem Hintergrunde die Art und Weise, wie die medizinische Arbeit vorbereitet wird durch Betrachtungen der Anatomie, Physiologie, der ganzen Biologie, und durch diese Vorbereitungen werden die Gedanken der Mediziner von vorneherein in eine bestimmte Richtung gebracht, und diese Richtung ist es vor allen Dingen, von der abgekommen werden muß.

[ 1 ] Meine lieben Freunde, es ist ja ziemlich selbstverständlich, daß von dem, was Sie wahrscheinlich alle erwarten von der Zukunft des medizinischen Lebens, nur ein sehr geringer Teil in diesem Kursus wird angedeutet werden können, denn Sie alle werden ja mit mir darinnen übereinstimmen, daß ein wirkliches, zukunftssicheres Arbeiten auf dem medizinischen Felde von einer Reform des medizinischen Studiums als solchem abhängt. Man kann nicht mit dem, was man in einem Kursus mitteilen kann, eine solche Reform des medizinischen Studiums auch nur im entferntesten anregen, höchstens in der Weise, daß in einer Anzahl von Menschen der Drang entsteht, mitzutun bei einer solchen Reform. Allein, was man auch heute auf medizinischem Felde bespricht, es hat ja immer zu seinem anderen Pol, zu seinem Hintergrunde die Art und Weise, wie die medizinische Arbeit vorbereitet wird durch Betrachtungen der Anatomie, Physiologie, der ganzen Biologie, und durch diese Vorbereitungen werden die Gedanken der Mediziner von vorneherein in eine bestimmte Richtung gebracht, und diese Richtung ist es vor allen Dingen, von der abgekommen werden muß.

[ 2 ] Dasjenige, was in diesen Vorträgen beigebracht werden soll, das möchte ich erreichen dadurch, daß ich in einer Art von Programm verteile das zu Betrachtende in der folgenden Weise: Erstens möchte ich Ihnen einiges geben, das hinweist auf die Hindernisse, die im heutigen gebräuchlichen Studium bestehen gegen eine wirklich sachgemäße Erfassung des Krankheitswesens als solchen. Zweitens möchte ich dann andeuten, in welcher Richtung eine Erkenntnis des Menschen zu suchen ist, die eine wirkliche Grundlage für das medizinische Arbeiten abgeben kann. Drittens möchte ich auf die Möglichkeiten eines rationellen Heilwesens hinweisen durch die Erkenntnis der Beziehungen des Menschen zur übrigen ‘Welt. Ich möchte dann in diesem Teil die Frage beantworten, ob Heilung überhaupt möglich und zu denken ist. Viertens — und ich denke, das wird vielleicht das wichtigste Glied der Betrachtungen sein, das sich aber mit den anderen drei Gesichtspunkten wird verschlingen müssen — möchte ich, daß jeder von den Teilnehmern mir bis morgen oder übermorgen auf einem Zettel seine besonderen Wünsche aufschreibt, das heißt aufschreibt, was er gern hören möchte, worüber er wünscht, daß in diesem Kursus gesprochen werden soll. Diese Wünsche können sich auf alles mögliche erstrecken. Ich möchte durch diesen vierten Teil des Programms, der aber, wie gesagt, hineingearbeitet werden soll dann in die anderen drei Teile, erreichen, daß Sie von diesem Kursus nicht hinwegzugehen brauchen mit dem Gefühl, Sie hätten vielleicht gerade dasjenige nicht gehört, was Sie zu hören wünschten. Deshalb werde ich den Kursus so gestalten, daß all das, was Sie als Fragen, als Wünsche aufzeichnen, in dem Kurse verarbeitet wird. Ich bitte Sie also, womöglich bis morgen oder, wenn das nicht sein kann, bis übermorgen bis zu dieser Stunde hier Ihre Aufzeichnungen über das von Ihnen Gewünschte zu machen. So werden wir, denke ich, am besten eine Art von Vollständigkeit, wie sie im Rahmen dieser Veranstaltungen liegt, erreichen können.

[ 2 ] Dasjenige, was in diesen Vorträgen beigebracht werden soll, das möchte ich erreichen dadurch, daß ich in einer Art von Programm verteile das zu Betrachtende in der folgenden Weise: Erstens möchte ich Ihnen einiges geben, das hinweist auf die Hindernisse, die im heutigen gebräuchlichen Studium bestehen gegen eine wirklich sachgemäße Erfassung des Krankheitswesens als solchen. Zweitens möchte ich dann andeuten, in welcher Richtung eine Erkenntnis des Menschen zu suchen ist, die eine wirkliche Grundlage für das medizinische Arbeiten abgeben kann. Drittens möchte ich auf die Möglichkeiten eines rationellen Heilwesens hinweisen durch die Erkenntnis der Beziehungen des Menschen zur übrigen ‘Welt. Ich möchte dann in diesem Teil die Frage beantworten, ob Heilung überhaupt möglich und zu denken ist. Viertens — und ich denke, das wird vielleicht das wichtigste Glied der Betrachtungen sein, das sich aber mit den anderen drei Gesichtspunkten wird verschlingen müssen — möchte ich, daß jeder von den Teilnehmern mir bis morgen oder übermorgen auf einem Zettel seine besonderen Wünsche aufschreibt, das heißt aufschreibt, was er gern hören möchte, worüber er wünscht, daß in diesem Kursus gesprochen werden soll. Diese Wünsche können sich auf alles mögliche erstrecken. Ich möchte durch diesen vierten Teil des Programms, der aber, wie gesagt, hineingearbeitet werden soll dann in die anderen drei Teile, erreichen, daß Sie von diesem Kursus nicht hinwegzugehen brauchen mit dem Gefühl, Sie hätten vielleicht gerade dasjenige nicht gehört, was Sie zu hören wünschten. Deshalb werde ich den Kursus so gestalten, daß all das, was Sie als Fragen, als Wünsche aufzeichnen, in dem Kurse verarbeitet wird. Ich bitte Sie also, womöglich bis morgen oder, wenn das nicht sein kann, bis übermorgen bis zu dieser Stunde hier Ihre Aufzeichnungen über das von Ihnen Gewünschte zu machen. So werden wir, denke ich, am besten eine Art von Vollständigkeit, wie sie im Rahmen dieser Veranstaltungen liegt, erreichen können.

[ 3 ] Heute möchte ich nur eine Art von Einleitung geben, eine Art von orientierender Betrachtung. Ausgehen möchte ich davon, daß ja hauptsächlich von mir angestrebt wird, alles dasjenige zusammenzutragen, was gewissermaßen aus geisteswissenschaftlichen Betrachtungen heraus für Ärzte gegeben werden kann. Ich möchte nicht, daß verwechselt werde das, was ich versuchen werde, mit einem medizinischen Kursus, der es ja sein wird; aber es soll alles dasjenige, was von überallher für Ärzte wichtig sein kann, hauptsächlich berücksichtigt werden. Denn eine wirkliche ärztliche Wissenschaft oder Kunst, wenn ich so sagen darf, wird ja doch nur dadurch erreicht, daß alle die Dinge, die in dem angedeuteten Sinne in Betracht kommen, für den Aufbau einer solchen ärztlichen Wissenschaft oder Kunst wirklich berücksichtigt werden.

[ 3 ] Heute möchte ich nur eine Art von Einleitung geben, eine Art von orientierender Betrachtung. Ausgehen möchte ich davon, daß ja hauptsächlich von mir angestrebt wird, alles dasjenige zusammenzutragen, was gewissermaßen aus geisteswissenschaftlichen Betrachtungen heraus für Ärzte gegeben werden kann. Ich möchte nicht, daß verwechselt werde das, was ich versuchen werde, mit einem medizinischen Kursus, der es ja sein wird; aber es soll alles dasjenige, was von überallher für Ärzte wichtig sein kann, hauptsächlich berücksichtigt werden. Denn eine wirkliche ärztliche Wissenschaft oder Kunst, wenn ich so sagen darf, wird ja doch nur dadurch erreicht, daß alle die Dinge, die in dem angedeuteten Sinne in Betracht kommen, für den Aufbau einer solchen ärztlichen Wissenschaft oder Kunst wirklich berücksichtigt werden.

[ 4 ] Nun, von einigen orientierenden Betrachtungen möchte ich heute ausgehen. Sie werden wahrscheinlich, wenn Sie nachgedacht haben über dasjenige, was Ihnen als Arzt zur Aufgabe gestellt ist, wohl des öfteren gestolpert sein über die Frage: Was ist denn Krankheit und was ist denn der kranke Mensch überhaupt? Selten findet man eigentlich eine andere Erklärung über Krankheit und den kranken Menschen als die — wenn sie auch maskiert ist durch diese oder jene scheinbar sachlichen Einschiebsel —, daß der Krankheitsprozeß eine Abweichung ist vom normalen Lebensprozeß, daß durch gewisse Tatsachen, die auf den Menschen wirken und für die der Mensch in seinem normalen Lebensprozeß zunächst nicht angepaßt ist, Veränderungen in dem normalen Lebensprozeß und in der Organisation hervorgerufen werden und daß die Krankheit in diesen mit den Veränderungen verbundenen, funktionellen Beeinträchtigungen der Körperteile besteht. Nun werden Sie sich aber zugestehen müssen, daß dies nichts weiter ist als eine negative Bestimmung der Krankheit. Es ist ja nicht irgend etwas, was einem helfen kann, wenn man es mit Krankheiten zu tun hat, und auf dieses Praktische möchte ich hier vor allen Dingen hinarbeiten, was einem helfen kann, wenn man es mit Krankheiten zu tun hat. Um auf das auf diesem Gebiete Maßgebliche zu kommen, scheint es mir doch gut zu sein, auf gewisse Ansichten hinzuweisen, welche im Laufe der Zeit über das Kranksein entstanden sind, nicht so sehr deshalb, weil ich das unbedingt für nötig halte für die gegenwärtige Erfassung der Krankheitserscheinungen, sondern weil es möglich ist, sich leichter zu orientieren, wenn man ältere Anschauungen, die ja doch zu den gegenwärtigen geführt haben, über das Kranksein berücksichtigen kann.

[ 4 ] Nun, von einigen orientierenden Betrachtungen möchte ich heute ausgehen. Sie werden wahrscheinlich, wenn Sie nachgedacht haben über dasjenige, was Ihnen als Arzt zur Aufgabe gestellt ist, wohl des öfteren gestolpert sein über die Frage: Was ist denn Krankheit und was ist denn der kranke Mensch überhaupt? Selten findet man eigentlich eine andere Erklärung über Krankheit und den kranken Menschen als die — wenn sie auch maskiert ist durch diese oder jene scheinbar sachlichen Einschiebsel —, daß der Krankheitsprozeß eine Abweichung ist vom normalen Lebensprozeß, daß durch gewisse Tatsachen, die auf den Menschen wirken und für die der Mensch in seinem normalen Lebensprozeß zunächst nicht angepaßt ist, Veränderungen in dem normalen Lebensprozeß und in der Organisation hervorgerufen werden und daß die Krankheit in diesen mit den Veränderungen verbundenen, funktionellen Beeinträchtigungen der Körperteile besteht. Nun werden Sie sich aber zugestehen müssen, daß dies nichts weiter ist als eine negative Bestimmung der Krankheit. Es ist ja nicht irgend etwas, was einem helfen kann, wenn man es mit Krankheiten zu tun hat, und auf dieses Praktische möchte ich hier vor allen Dingen hinarbeiten, was einem helfen kann, wenn man es mit Krankheiten zu tun hat. Um auf das auf diesem Gebiete Maßgebliche zu kommen, scheint es mir doch gut zu sein, auf gewisse Ansichten hinzuweisen, welche im Laufe der Zeit über das Kranksein entstanden sind, nicht so sehr deshalb, weil ich das unbedingt für nötig halte für die gegenwärtige Erfassung der Krankheitserscheinungen, sondern weil es möglich ist, sich leichter zu orientieren, wenn man ältere Anschauungen, die ja doch zu den gegenwärtigen geführt haben, über das Kranksein berücksichtigen kann.

[ 5 ] Sie alle wissen, daß man gewöhnlich, wenn man die Geschichte der Medizin betrachtet, hinweist auf die Entstehung der Medizin im alten Griechenland im fünften und vierten Jahrhundert, daß man auf Hippokrates hinweist, und man kann sagen, wenigstens das Gefühl wird dann hervorgerufen, als ob mit demjenigen, was bei Hippokrates als Anschauung auftritt und dann zur sogenannten Humoralpathologie geführt hat, die im Grunde genommen bis ins neunzehnte Jahrhundert herein noch eine Rolle gespielt hat, ein Erstes für die Entwickelung des medizinischen Wesens im Abendlande gegeben sei. Das ist aber schon der erste Fundamentalirrtum, den man begeht und der eigentlich im Grunde genommen nachwirkt so, daß er verhindert, heute noch zu einer unbefangenen Anschauung über das Krankheitswesen zu kommen. Mit diesem Fundamentalirrtum sollte zunächst aufgeräumt werden. Für den, der unbefangen gerade auf die Anschauungen des Hippokrates hinschaut, die, wie Sie ja vielleicht schon bemerkt haben werden, bis zu Rokitansky herauf, also ins neunzehnte Jahrhundert hinein, eine Rolle spielen, sind diese Anschauungen nicht ein bloßer Anfang, sondern sie sind zugleich, und zwar in einem sehr bedeutenden Maße, ein Ende alter medizinischer Anschauungen. Es tritt uns in dem, was von Hippokrates ausgeht, ich möchte sagen, ein letzter filtrierter Rest von uralten medizinischen Anschauungen entgegen, von Anschauungen, die nicht gewonnen worden sind auf den Wegen, auf denen man heute sucht, auf dem Wege der Anatomie, sondern die gewonnen worden sind auf dem Wege des alten atavistischen Schauens. Und man würde, wenn man zunächst abstrakt charakterisieren sollte die Stellung der Hippokratischen Medizin, eigentlich am besten sagen: mit ihr vollzieht sich das Aufhören der alten, auf einem atavistischen Schauen beruhenden Medizin. Äußerlich gesprochen — aber es ist eben nur äußerlich gesprochen —, kann man sagen: die Hippokraten suchten alles Kranksein in einer nicht gehörigen Mischung derjenigen Flüssigkeitskörper, die im menschlichen Organismus zusammenwirken. Sie wiesen darauf hin, daß in einem normalen Organismus die Flüssigkeitskörper in einem bestimmten Verhältnisse stehen müssen, daß sie in dem kranken Körper eine Abweichung von diesen ihren Mischungsverhältnissen erleiden. Als Krasis bezeichnete man die richtige Mischung, als Dyskrasis die unrichtige Mischung. Nun suchte man selbstverständlich dann einzuwirken auf die unrichtige Mischung, um sie wieder zurückzuführen in die richtige Mischung. Die vier Bestandteile, die man in der Außenwelt sah als konstituierend alles physische Sein, das waren ja Erde, Wasser, Luft und Feuer — Feuer aber war dasselbe, was wir heute einfach Wärme nennen. Für den menschlichen Organismus — auch für den tierischen — sah man spezialisiert diese vier Elemente als schwarze Galle, gelbe Galle, Schleim und Blut. Und man dachte sich, daß aus Blut, Schleim, schwarzer und gelber Galle in der richtigen Mischung der menschliche Organismus funktionieren müsse.

[ 5 ] Sie alle wissen, daß man gewöhnlich, wenn man die Geschichte der Medizin betrachtet, hinweist auf die Entstehung der Medizin im alten Griechenland im fünften und vierten Jahrhundert, daß man auf Hippokrates hinweist, und man kann sagen, wenigstens das Gefühl wird dann hervorgerufen, als ob mit demjenigen, was bei Hippokrates als Anschauung auftritt und dann zur sogenannten Humoralpathologie geführt hat, die im Grunde genommen bis ins neunzehnte Jahrhundert herein noch eine Rolle gespielt hat, ein Erstes für die Entwickelung des medizinischen Wesens im Abendlande gegeben sei. Das ist aber schon der erste Fundamentalirrtum, den man begeht und der eigentlich im Grunde genommen nachwirkt so, daß er verhindert, heute noch zu einer unbefangenen Anschauung über das Krankheitswesen zu kommen. Mit diesem Fundamentalirrtum sollte zunächst aufgeräumt werden. Für den, der unbefangen gerade auf die Anschauungen des Hippokrates hinschaut, die, wie Sie ja vielleicht schon bemerkt haben werden, bis zu Rokitansky herauf, also ins neunzehnte Jahrhundert hinein, eine Rolle spielen, sind diese Anschauungen nicht ein bloßer Anfang, sondern sie sind zugleich, und zwar in einem sehr bedeutenden Maße, ein Ende alter medizinischer Anschauungen. Es tritt uns in dem, was von Hippokrates ausgeht, ich möchte sagen, ein letzter filtrierter Rest von uralten medizinischen Anschauungen entgegen, von Anschauungen, die nicht gewonnen worden sind auf den Wegen, auf denen man heute sucht, auf dem Wege der Anatomie, sondern die gewonnen worden sind auf dem Wege des alten atavistischen Schauens. Und man würde, wenn man zunächst abstrakt charakterisieren sollte die Stellung der Hippokratischen Medizin, eigentlich am besten sagen: mit ihr vollzieht sich das Aufhören der alten, auf einem atavistischen Schauen beruhenden Medizin. Äußerlich gesprochen — aber es ist eben nur äußerlich gesprochen —, kann man sagen: die Hippokraten suchten alles Kranksein in einer nicht gehörigen Mischung derjenigen Flüssigkeitskörper, die im menschlichen Organismus zusammenwirken. Sie wiesen darauf hin, daß in einem normalen Organismus die Flüssigkeitskörper in einem bestimmten Verhältnisse stehen müssen, daß sie in dem kranken Körper eine Abweichung von diesen ihren Mischungsverhältnissen erleiden. Als Krasis bezeichnete man die richtige Mischung, als Dyskrasis die unrichtige Mischung. Nun suchte man selbstverständlich dann einzuwirken auf die unrichtige Mischung, um sie wieder zurückzuführen in die richtige Mischung. Die vier Bestandteile, die man in der Außenwelt sah als konstituierend alles physische Sein, das waren ja Erde, Wasser, Luft und Feuer — Feuer aber war dasselbe, was wir heute einfach Wärme nennen. Für den menschlichen Organismus — auch für den tierischen — sah man spezialisiert diese vier Elemente als schwarze Galle, gelbe Galle, Schleim und Blut. Und man dachte sich, daß aus Blut, Schleim, schwarzer und gelber Galle in der richtigen Mischung der menschliche Organismus funktionieren müsse.

[ 6 ] Nun, wenn der heutige Mensch, so, wie man es sein kann, wissenschaftlich vorbereitet an so etwas herantritt, so denkt er sich zunächst: indem sich Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle mischen, mischen sie sich in Gemäßheit desjenigen, was ihnen als Eigenschaft innewohnt und was man so angeordnet als ihre Eigenschaft durch eine mehr oder weniger niedere oder höhere Chemie feststellen kann. Und eigentlich in diesem Lichte, als wenn die Hippokraten auch gesehen hätten Blut, Schleim und so weiter nur in dieser Weise, stellt man sich eigentlich vor, daß diese Humoralpathologie ihren Ausgangspunkt genommen hat. Das ist aber eben nicht der Fall, sondern bloß von einem einzigen Bestandteile, von der schwarzen Galle, die eigentlich als das Hippokratischeste erscheint für den heutigen Betrachter, dachte man sich, daß die gewöhnlichen chemischen Eigenschaften das sind, was auf das andere wirkt. Von allem übrigen, von weißer oder gelber Galle, von Schleim, von Blut, dachte man nicht etwa bloß an die Eigenschaften, die man durch chemische Reaktionen feststellen kann, sondern man dachte bei diesen flüssigen Bestandteilen des menschlichen Organismus — und ich werde mich immer auf diesen beschränken, auf den tierischen Organismus zunächst keine Rücksicht nehmen —, daß diese Flüssigkeiten gewisse ihnen innewohnenden Eigenschaften von Kräften haben, die außerhalb unseres irdischen Bestandes liegen. So daß also, wie man sich das Wasser, die Luft, die Wärme als abhängig dachte von den Kräften des außerirdischen Kosmos, man sich auch diese Bestandteile des menschlichen Organismus als durchdrungen von Kräften, die von außerhalb der Erde kommen, dachte.

[ 6 ] Nun, wenn der heutige Mensch, so, wie man es sein kann, wissenschaftlich vorbereitet an so etwas herantritt, so denkt er sich zunächst: indem sich Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle mischen, mischen sie sich in Gemäßheit desjenigen, was ihnen als Eigenschaft innewohnt und was man so angeordnet als ihre Eigenschaft durch eine mehr oder weniger niedere oder höhere Chemie feststellen kann. Und eigentlich in diesem Lichte, als wenn die Hippokraten auch gesehen hätten Blut, Schleim und so weiter nur in dieser Weise, stellt man sich eigentlich vor, daß diese Humoralpathologie ihren Ausgangspunkt genommen hat. Das ist aber eben nicht der Fall, sondern bloß von einem einzigen Bestandteile, von der schwarzen Galle, die eigentlich als das Hippokratischeste erscheint für den heutigen Betrachter, dachte man sich, daß die gewöhnlichen chemischen Eigenschaften das sind, was auf das andere wirkt. Von allem übrigen, von weißer oder gelber Galle, von Schleim, von Blut, dachte man nicht etwa bloß an die Eigenschaften, die man durch chemische Reaktionen feststellen kann, sondern man dachte bei diesen flüssigen Bestandteilen des menschlichen Organismus — und ich werde mich immer auf diesen beschränken, auf den tierischen Organismus zunächst keine Rücksicht nehmen —, daß diese Flüssigkeiten gewisse ihnen innewohnenden Eigenschaften von Kräften haben, die außerhalb unseres irdischen Bestandes liegen. So daß also, wie man sich das Wasser, die Luft, die Wärme als abhängig dachte von den Kräften des außerirdischen Kosmos, man sich auch diese Bestandteile des menschlichen Organismus als durchdrungen von Kräften, die von außerhalb der Erde kommen, dachte.

[ 7 ] Sehen Sie, dieses Hinschauen auf Kräfte, die von außerhalb der Erde kommen, das hat man ja im Laufe der Entwickelung der abendländischen Wissenschaft ganz verloren. Und für den heutigen Wissenschafter erscheint es geradezu kurios, wenn man ihm zumutet, zu denken, das Wasser solle nicht nur diejenigen Eigenschaften haben, welche ihm zukommen als chemisch nachweisbar, sondern es soll auch, indem es in den menschlichen Organismus hineinwirkt, Eigenschaften haben, die es hat als Angehöriger des außerirdischen Kosmos. Es werden also durch die Flüssigkeitsbestandteile, die in dem menschlichen Organismus sind, in diesen Organismus, nach der Ansicht der Alten, Kräftewirkungen hineingetragen, die aus dem Kosmos selber stammen. Auf diese Kräftewirkungen, die aus dem Kosmos selber stammen, wurde eben nach und nach nicht mehr die geringste Rücksicht genommen. Dennoch hat man aufgebaut das medizinische Denken bis ins fünfzehnte Jahrhundert hinein auf dasjenige, was gewissermaßen übriggeblieben war von der filtrierten Anschauung, die bei Hippokrates uns entgegentritt. Und daher ist es so schwierig für den heutigen Wissenschafter, überhaupt zu verstehen ältere Werke der Medizin, die vor dem fünfzehnten Jahrhundert liegen, denn es muß schon gesagt werden: die meisten der Menschen, die da geschrieben haben, haben selbst gar nicht einmal ordentlich verstanden, was sie geschrieben haben. Sie haben geredet über die vier Grundbestandteile des menschlichen Organismus, aber warum sie sie in dieser oder jener Weise charakterisierten, das führte zurück auf ein Wissen, das eigentlich mit Hippokrates schon untergegangen war. Man sprach noch über die Nachwirkungen dieses Wissens, über die Eigenschaften der Flüssigkeiten, die den menschlichen Organismus zusammengesetzt haben. Daher ist im Grunde genommen dasjenige, was entstanden ist durch Galen und dann bis ins fünfzehnte Jahrhundert nachgewirkt hat, ein Zusammenstellen von alten Erbschaften, die unverständlicher und unverständlicher geworden sind. Aber einzelne Menschen gab es immer, welche eben einfach aus dem, was da war, noch erkennen konnten: da ist auf irgend etwas hinzuweisen, was nicht sich erschöpft in dem chemisch Feststellbaren oder in dem physisch Feststellbaren, in dem rein Irdischen. Und zu diesen Menschen, die wußten: da ist auf etwas hinzuweisen im menschlichen Organismus, wodurch die flüssigen Substanzen in ihm anders wirken, als man es chemisch konstatieren kann, zu diesen Bekämpfern also der landläufigen Humoralpathologie gehören vorzugsweise — ich könnte auch andere Namen nennen — Paracelsus und van Helmont, die gerade um die Wende des fünfzehnten, sechzehnten Jahrhunderts ins siebzehnte Jahrhundert hinein einen neuen Zug gebracht haben in das medizinische Denken, indem sie einfach, könnte man sagen, etwas versuchten zu formulieren, was die anderen schon nicht mehr formuliert haben. Aber in der Formulierung war etwas enthalten, was man eigentlich nur noch verfolgen konnte, wenn man etwas hellseherisch war, wie es ja Paracelsus und van Helmont ganz entschieden waren. Wir müssen uns schon alle diese Dinge klarmachen, sonst werden wir uns nicht verständigen können über dasjenige, was auch heute noch der medizinischen Terminologie anhaftet, was aber gar nicht mehr seinem Ursprung nach erkennbar ist. So haben denn Paracelsus und später unter seinem Einfluß andere angenommen als die Grundlage für das Wirken der Flüssigkeiten im Organismus den Archäus. Den Archäus hat er angenommen, so wie wir etwa sprechen von dem Ätherleib des Menschen.

[ 7 ] Sehen Sie, dieses Hinschauen auf Kräfte, die von außerhalb der Erde kommen, das hat man ja im Laufe der Entwickelung der abendländischen Wissenschaft ganz verloren. Und für den heutigen Wissenschafter erscheint es geradezu kurios, wenn man ihm zumutet, zu denken, das Wasser solle nicht nur diejenigen Eigenschaften haben, welche ihm zukommen als chemisch nachweisbar, sondern es soll auch, indem es in den menschlichen Organismus hineinwirkt, Eigenschaften haben, die es hat als Angehöriger des außerirdischen Kosmos. Es werden also durch die Flüssigkeitsbestandteile, die in dem menschlichen Organismus sind, in diesen Organismus, nach der Ansicht der Alten, Kräftewirkungen hineingetragen, die aus dem Kosmos selber stammen. Auf diese Kräftewirkungen, die aus dem Kosmos selber stammen, wurde eben nach und nach nicht mehr die geringste Rücksicht genommen. Dennoch hat man aufgebaut das medizinische Denken bis ins fünfzehnte Jahrhundert hinein auf dasjenige, was gewissermaßen übriggeblieben war von der filtrierten Anschauung, die bei Hippokrates uns entgegentritt. Und daher ist es so schwierig für den heutigen Wissenschafter, überhaupt zu verstehen ältere Werke der Medizin, die vor dem fünfzehnten Jahrhundert liegen, denn es muß schon gesagt werden: die meisten der Menschen, die da geschrieben haben, haben selbst gar nicht einmal ordentlich verstanden, was sie geschrieben haben. Sie haben geredet über die vier Grundbestandteile des menschlichen Organismus, aber warum sie sie in dieser oder jener Weise charakterisierten, das führte zurück auf ein Wissen, das eigentlich mit Hippokrates schon untergegangen war. Man sprach noch über die Nachwirkungen dieses Wissens, über die Eigenschaften der Flüssigkeiten, die den menschlichen Organismus zusammengesetzt haben. Daher ist im Grunde genommen dasjenige, was entstanden ist durch Galen und dann bis ins fünfzehnte Jahrhundert nachgewirkt hat, ein Zusammenstellen von alten Erbschaften, die unverständlicher und unverständlicher geworden sind. Aber einzelne Menschen gab es immer, welche eben einfach aus dem, was da war, noch erkennen konnten: da ist auf irgend etwas hinzuweisen, was nicht sich erschöpft in dem chemisch Feststellbaren oder in dem physisch Feststellbaren, in dem rein Irdischen. Und zu diesen Menschen, die wußten: da ist auf etwas hinzuweisen im menschlichen Organismus, wodurch die flüssigen Substanzen in ihm anders wirken, als man es chemisch konstatieren kann, zu diesen Bekämpfern also der landläufigen Humoralpathologie gehören vorzugsweise — ich könnte auch andere Namen nennen — Paracelsus und van Helmont, die gerade um die Wende des fünfzehnten, sechzehnten Jahrhunderts ins siebzehnte Jahrhundert hinein einen neuen Zug gebracht haben in das medizinische Denken, indem sie einfach, könnte man sagen, etwas versuchten zu formulieren, was die anderen schon nicht mehr formuliert haben. Aber in der Formulierung war etwas enthalten, was man eigentlich nur noch verfolgen konnte, wenn man etwas hellseherisch war, wie es ja Paracelsus und van Helmont ganz entschieden waren. Wir müssen uns schon alle diese Dinge klarmachen, sonst werden wir uns nicht verständigen können über dasjenige, was auch heute noch der medizinischen Terminologie anhaftet, was aber gar nicht mehr seinem Ursprung nach erkennbar ist. So haben denn Paracelsus und später unter seinem Einfluß andere angenommen als die Grundlage für das Wirken der Flüssigkeiten im Organismus den Archäus. Den Archäus hat er angenommen, so wie wir etwa sprechen von dem Ätherleib des Menschen.

[ 8 ] Sehen Sie, wenn man so wie Paracelsus von dem Archäus spricht, wenn man so spricht, wie wir sprechen von dem Ätherleib des Menschen, so faßt man eigentlich etwas zusammen, das da ist, das man aber seinem eigentlichen Ursprunge nach nicht verfolgt. Denn würde man es seinem eigentlichen Ursprunge nach verfolgen, so müßte man in der folgenden Art vorgehen. Man müßte sagen: Der Mensch hat einen physischen Organismus (siehe Zeichnung Seite 20), der ist im wesentlichen aus Kräften konstituiert, die aus dem Irdischen wirken, und er hat einen ätherischen Organismus (siehe Zeichnung Seite 20 rot), der ist im wesentlichen aus Kräften konstituiert, die aus dem Umkreise des Kosmos wirken. Unser physischer Organismus ist gewissermaßen ein Ausschnitt der ganzen Organisation der Erde. Unser Ätherleib und auch der Paracelsussche Archäus ist ein Ausschnitt aus demjenigen, was nicht zur Erde gehört, was also von allen Seiten des Kosmos ins Irdische hereinwirkt. So daß also Paracelsus dasjenige, was man früher einfach als das Kosmische im Menschen bezeichnete und was mit der hippokratischen Medizin untergegangen ist, zusammengefaßt sah in seiner Anschauung eines ätherischen Organismus, der dem physischen zugrunde liegt. Er hat dann nicht weiter untersucht — er hat ja im einzelnen zwar hingedeutet, aber eben nicht weiter untersucht —, mit welchen außerirdischen Kräften das im Zusammenhang steht, was in diesem Archäus eigentlich wirkt.

[ 8 ] Sehen Sie, wenn man so wie Paracelsus von dem Archäus spricht, wenn man so spricht, wie wir sprechen von dem Ätherleib des Menschen, so faßt man eigentlich etwas zusammen, das da ist, das man aber seinem eigentlichen Ursprunge nach nicht verfolgt. Denn würde man es seinem eigentlichen Ursprunge nach verfolgen, so müßte man in der folgenden Art vorgehen. Man müßte sagen: Der Mensch hat einen physischen Organismus (siehe Zeichnung Seite 20), der ist im wesentlichen aus Kräften konstituiert, die aus dem Irdischen wirken, und er hat einen ätherischen Organismus (siehe Zeichnung Seite 20 rot), der ist im wesentlichen aus Kräften konstituiert, die aus dem Umkreise des Kosmos wirken. Unser physischer Organismus ist gewissermaßen ein Ausschnitt der ganzen Organisation der Erde. Unser Ätherleib und auch der Paracelsussche Archäus ist ein Ausschnitt aus demjenigen, was nicht zur Erde gehört, was also von allen Seiten des Kosmos ins Irdische hereinwirkt. So daß also Paracelsus dasjenige, was man früher einfach als das Kosmische im Menschen bezeichnete und was mit der hippokratischen Medizin untergegangen ist, zusammengefaßt sah in seiner Anschauung eines ätherischen Organismus, der dem physischen zugrunde liegt. Er hat dann nicht weiter untersucht — er hat ja im einzelnen zwar hingedeutet, aber eben nicht weiter untersucht —, mit welchen außerirdischen Kräften das im Zusammenhang steht, was in diesem Archäus eigentlich wirkt.

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[ 9 ] Nun kann man sagen: Immer weniger und weniger ist verständlich geblieben dasjenige, was da eigentlich gemeint ist. Das zeigt sich ja ganz besonders, wenn wir dann vorrücken bis ins siebzehnte, achtzehnte Jahrhundert und uns entgegentritt die Stahlsche Medizin, welche nichts mehr versteht von diesem Hereinwirken des Kosmischen in das Terrestrische. Die Stahlsche Medizin nimmt alle möglichen Begriffe zu Hilfe, die rein in der Luft schweben, Begriffe von Lebenskraft, Begriffe von Lebensgeistern. Während noch Paracelsus und van Helmont mit einer gewissen Bewußtheit sprachen von etwas, was zwischen dem eigentlich Geistig-Seelischen des Menschen und der physischen Organisation liegt, reden Stahl und seine Anhänger so, als ob das Bewußt-Seelische nur in einer anderen Form hineinspiele in die Strukturgebung des menschlichen Leibes. Dadurch riefen sie natürlich eine starke Reaktion hervor. Denn wenn man in dieser Weise vorgeht und eine Art von hypothetischem Vitalismus begründet, dann kommt man eigentlich in rein willkürliche Aufstellungen hinein. Gegen diese willkürlichen Aufstellungen ist namentlich das neunzehnte Jahrhundert dann angegangen. Man kann sagen: Nur so große Geister wie zum Beispiel Johannes Müller, der 1858 gestorben ist, der Lehrer von Ernst Haeckel, kamen darüber hinaus, all die Schädlichkeiten einigermaßen zu überwinden, die von dieser unklaren Sprechweise über den menschlichen Organismus herrührten, die darin bestand, daß man einfach wie von seelischen Kräften von Lebenskräften gesprochen hat, die wirken sollen im menschlichen Organismus, ohne daß man sich deutlich vorzustellen hätte, wie sie wirken sollen.

[ 9 ] Nun kann man sagen: Immer weniger und weniger ist verständlich geblieben dasjenige, was da eigentlich gemeint ist. Das zeigt sich ja ganz besonders, wenn wir dann vorrücken bis ins siebzehnte, achtzehnte Jahrhundert und uns entgegentritt die Stahlsche Medizin, welche nichts mehr versteht von diesem Hereinwirken des Kosmischen in das Terrestrische. Die Stahlsche Medizin nimmt alle möglichen Begriffe zu Hilfe, die rein in der Luft schweben, Begriffe von Lebenskraft, Begriffe von Lebensgeistern. Während noch Paracelsus und van Helmont mit einer gewissen Bewußtheit sprachen von etwas, was zwischen dem eigentlich Geistig-Seelischen des Menschen und der physischen Organisation liegt, reden Stahl und seine Anhänger so, als ob das Bewußt-Seelische nur in einer anderen Form hineinspiele in die Strukturgebung des menschlichen Leibes. Dadurch riefen sie natürlich eine starke Reaktion hervor. Denn wenn man in dieser Weise vorgeht und eine Art von hypothetischem Vitalismus begründet, dann kommt man eigentlich in rein willkürliche Aufstellungen hinein. Gegen diese willkürlichen Aufstellungen ist namentlich das neunzehnte Jahrhundert dann angegangen. Man kann sagen: Nur so große Geister wie zum Beispiel Johannes Müller, der 1858 gestorben ist, der Lehrer von Ernst Haeckel, kamen darüber hinaus, all die Schädlichkeiten einigermaßen zu überwinden, die von dieser unklaren Sprechweise über den menschlichen Organismus herrührten, die darin bestand, daß man einfach wie von seelischen Kräften von Lebenskräften gesprochen hat, die wirken sollen im menschlichen Organismus, ohne daß man sich deutlich vorzustellen hätte, wie sie wirken sollen.

[ 10 ] Nun kam aber, während all das geschah, eine ganz andere Strömung herauf. Wir haben gewissermaßen jetzt die auslaufende Strömung verfolgt bis in ihre letzten Ausläufer hinein. Aber mit der neueren Zeit kam eben dasjenige herauf, was nun in einer anderen Weise ausschlaggebend geworden ist für die medizinische Begriffsbildung namentlich des neunzehnten Jahrhunderts. Das fällt im Grunde zurück auf ein einziges ungemein stark ausschlaggebendes Werk des achtzehnten Jahrhunderts erst, das «De sedibus et causis morborum per anatomen indagatis» von Morgagni, dem Arzt in Padua, mit dem etwas ganz Neues heraufgekommen ist, etwas, das im wesentlichen den materialistischen Zug in der Medizin eingeleitet hat. Man muß diese Dinge ganz objektiv charakterisieren, nicht mit Sympathien und Antipathien. Denn dasjenige, was mit diesem Werk heraufkam, das ist die Hinlenkung des Blickes auf die Folgen des Krankseins im menschlichen Organismus. Der Leichenbefund wurde ausschlaggebend. Eigentlich erst von dieser Zeit an kann man sagen: Der Leichenbefund wurde ausschlaggebend. Man sah an der Leiche, daß wenn diese oder jene Krankheit, gleichgültig, wie man sie benannte, gewirkt hat, so muß dieses oder jenes Organ diese oder jene Veränderung erfahren. Man fing nun an, diese oder jene Veränderung eben aus dem Leichenbefund heraus zu studieren. Eigentlich beginnt da erst die pathologische Anatomie, während alles dasjenige, was früher in der Medizin da war, auf einem gewissen Fortwirken noch des alten hellseherischen Elementes beruhte.

[ 10 ] Nun kam aber, während all das geschah, eine ganz andere Strömung herauf. Wir haben gewissermaßen jetzt die auslaufende Strömung verfolgt bis in ihre letzten Ausläufer hinein. Aber mit der neueren Zeit kam eben dasjenige herauf, was nun in einer anderen Weise ausschlaggebend geworden ist für die medizinische Begriffsbildung namentlich des neunzehnten Jahrhunderts. Das fällt im Grunde zurück auf ein einziges ungemein stark ausschlaggebendes Werk des achtzehnten Jahrhunderts erst, das «De sedibus et causis morborum per anatomen indagatis» von Morgagni, dem Arzt in Padua, mit dem etwas ganz Neues heraufgekommen ist, etwas, das im wesentlichen den materialistischen Zug in der Medizin eingeleitet hat. Man muß diese Dinge ganz objektiv charakterisieren, nicht mit Sympathien und Antipathien. Denn dasjenige, was mit diesem Werk heraufkam, das ist die Hinlenkung des Blickes auf die Folgen des Krankseins im menschlichen Organismus. Der Leichenbefund wurde ausschlaggebend. Eigentlich erst von dieser Zeit an kann man sagen: Der Leichenbefund wurde ausschlaggebend. Man sah an der Leiche, daß wenn diese oder jene Krankheit, gleichgültig, wie man sie benannte, gewirkt hat, so muß dieses oder jenes Organ diese oder jene Veränderung erfahren. Man fing nun an, diese oder jene Veränderung eben aus dem Leichenbefund heraus zu studieren. Eigentlich beginnt da erst die pathologische Anatomie, während alles dasjenige, was früher in der Medizin da war, auf einem gewissen Fortwirken noch des alten hellseherischen Elementes beruhte.

[ 11 ] Interessant ist es nun, wie mit einem Ruck, möchte ich sagen, sich der große Umschwung dann endgültig vollzogen hat. Man kann ja geradezu auf zwei Jahrzehnte hinweisen — und das ist interessant —, in denen sich der große Umschwung vollzogen hat, durch den verlassen wurde alles das, was noch als Erbschaft vom alten da war, und dutch den begründet wurde auch die atomistisch-materialistische Anschauung im modernen Medizinwesen. Wenn Sie sich einmal die Mühe nehmen und die im Jahre 1842 erschienene «Pathologische Anatomie» von Rokitansky durchnehmen, dann werden Sie finden: Bei Rokitansky ist noch immer vorhanden ein Rest der alten Humoralpathologie, noch ein Rest von der Anschauung, daß auf einem nicht normalen Zusammenwirken der Säfte das Kranksein beruht. Diese Anschauung, daß man hinwenden müsse den Blick auf diese Säftemischung — das kann man aber nur, wenn man noch Erbschaften hat der Anschauung über die außerirdischen Eigenschaften der Säfte —, wurde sehr geistreich zusammen verarbeitet durch Rokitansky mit dem Beobachten der Veränderungen der Organe. So daß eigentlich in dem Buch von Rokitansky immer zugrunde liegt die Beobachtung der Organveränderung durch den Leichenbefund, aber verbunden damit ein Hinweis darauf, daß diese spezielle Organveränderung unter dem Einfluß einer abnormen Säftemischung zustande gekommen ist. Da haben Sie 1842, ich möchte sagen, das letzte, was auftritt von der Erbschaft der alten Humoralpathologie. Wie sich hineinstellten in dieses Untergehen der alten Humoralpathologie die nach der Zukunft hinweisenden Versuche, mit umfassenderen Krankheitsvorstellungen zu rechnen, wie zum Beispiel der Versuch von Hahnemann, davon wollen wir dann in den nächsten Tagen sprechen, denn das ist zu wichtig, um es bloß in einer Einleitung darzustellen. Ähnliche Versuche müssen im Zusammenhang besprochen werden, dann in den Einzelheiten.

[ 11 ] Interessant ist es nun, wie mit einem Ruck, möchte ich sagen, sich der große Umschwung dann endgültig vollzogen hat. Man kann ja geradezu auf zwei Jahrzehnte hinweisen — und das ist interessant —, in denen sich der große Umschwung vollzogen hat, durch den verlassen wurde alles das, was noch als Erbschaft vom alten da war, und dutch den begründet wurde auch die atomistisch-materialistische Anschauung im modernen Medizinwesen. Wenn Sie sich einmal die Mühe nehmen und die im Jahre 1842 erschienene «Pathologische Anatomie» von Rokitansky durchnehmen, dann werden Sie finden: Bei Rokitansky ist noch immer vorhanden ein Rest der alten Humoralpathologie, noch ein Rest von der Anschauung, daß auf einem nicht normalen Zusammenwirken der Säfte das Kranksein beruht. Diese Anschauung, daß man hinwenden müsse den Blick auf diese Säftemischung — das kann man aber nur, wenn man noch Erbschaften hat der Anschauung über die außerirdischen Eigenschaften der Säfte —, wurde sehr geistreich zusammen verarbeitet durch Rokitansky mit dem Beobachten der Veränderungen der Organe. So daß eigentlich in dem Buch von Rokitansky immer zugrunde liegt die Beobachtung der Organveränderung durch den Leichenbefund, aber verbunden damit ein Hinweis darauf, daß diese spezielle Organveränderung unter dem Einfluß einer abnormen Säftemischung zustande gekommen ist. Da haben Sie 1842, ich möchte sagen, das letzte, was auftritt von der Erbschaft der alten Humoralpathologie. Wie sich hineinstellten in dieses Untergehen der alten Humoralpathologie die nach der Zukunft hinweisenden Versuche, mit umfassenderen Krankheitsvorstellungen zu rechnen, wie zum Beispiel der Versuch von Hahnemann, davon wollen wir dann in den nächsten Tagen sprechen, denn das ist zu wichtig, um es bloß in einer Einleitung darzustellen. Ähnliche Versuche müssen im Zusammenhang besprochen werden, dann in den Einzelheiten.

[ 12 ] Jetzt will ich aber darauf aufmerksam machen, daß nun die zwei nächsten Jahrzehnte nach dem Erscheinen der «Pathologischen Anatomie» von Rokitansky die eigentlich grundlegenden Jahrzehnte geworden sind für die atomistisch-materialistische Betrachtung des medizinischen Wesens. Es spielt das Alte noch ganz merkwürdig in die Vorstellungen, die in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts sich gebildet haben, hinein. Da ist es interessant, zu beobachten, wie zum Beispiel Schwann, der ja, man könnte sagen, der Entdecker der Pflanzenzelle ist, noch die Ansicht hat, daß zugrunde liegt der Zellbildung eine Art ungeformter Flüssigkeitsbildung, was er als Blastem bezeichnet, wie sich da aus dieser Flüssigkeitsbildung heraus verhärtet der Zellkern und herumgliedert das Zellprotoplasma. Es ist interessant zu beobachten, wie Schwann noch zugrunde legt ein flüssiges Element, das in sich Eigenschaften hat, die darauf hinauslaufen, sich zu differenzieren, und wie durch dieses Differenzieren dann das Zellige entsteht. Es ist interessant, zu verfolgen, wie später dann die Anschauung sich nach und nach allmählich herausbildet, die man zusammenfassen kann in die Worte: Der menschliche Organismus baut sich aus Zellen auf. Das ist ja eine Anschauung, die heute ungefähr gang und gäbe ist, daß die Zelle eine Art Elementarorganismus ist und daß sich der menschliche Organismus aus Zellen aufbaut.

[ 12 ] Jetzt will ich aber darauf aufmerksam machen, daß nun die zwei nächsten Jahrzehnte nach dem Erscheinen der «Pathologischen Anatomie» von Rokitansky die eigentlich grundlegenden Jahrzehnte geworden sind für die atomistisch-materialistische Betrachtung des medizinischen Wesens. Es spielt das Alte noch ganz merkwürdig in die Vorstellungen, die in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts sich gebildet haben, hinein. Da ist es interessant, zu beobachten, wie zum Beispiel Schwann, der ja, man könnte sagen, der Entdecker der Pflanzenzelle ist, noch die Ansicht hat, daß zugrunde liegt der Zellbildung eine Art ungeformter Flüssigkeitsbildung, was er als Blastem bezeichnet, wie sich da aus dieser Flüssigkeitsbildung heraus verhärtet der Zellkern und herumgliedert das Zellprotoplasma. Es ist interessant zu beobachten, wie Schwann noch zugrunde legt ein flüssiges Element, das in sich Eigenschaften hat, die darauf hinauslaufen, sich zu differenzieren, und wie durch dieses Differenzieren dann das Zellige entsteht. Es ist interessant, zu verfolgen, wie später dann die Anschauung sich nach und nach allmählich herausbildet, die man zusammenfassen kann in die Worte: Der menschliche Organismus baut sich aus Zellen auf. Das ist ja eine Anschauung, die heute ungefähr gang und gäbe ist, daß die Zelle eine Art Elementarorganismus ist und daß sich der menschliche Organismus aus Zellen aufbaut.

[ 13 ] Nun, diese Anschauung, die noch Schwann, ich möchte sagen, ganz gut zwischen den Zeilen hat, sogar mehr als zwischen den Zeilen, ist im Grunde genommen der letzte Rest des alten medizinischen Wesens, denn sie geht nicht auf das Atomistische. Sie betrachtet dasjenige, was atomistisch auftritt, das Zellenwesen, als hervorgehend aus etwas, das man niemals, wenn man es ordentlich betrachtet, atomistisch betrachten kann, aus einem flüssigen Wesen, das Kräfte in sich hat und das Atomistische erst aus sich heraus differenziert. Also in diesen zwei Jahrzehnten, in den vierziger und fünfziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, geht die alte Anschauung, die universeller ist, ihrem letzten Ende entgegen und dämmert dasjenige auf, was atomistische medizinische Anschauung ist. Und das ist voll da, als 1858 erscheint die «Zellularpathologie» von Virchow. Zwischen diesen zwei Werken muß man eigentlich einen ungeheuer sprunghaften Umschwung in dem neueren medizinischen Denken sehen, zwischen der «Pathologischen Anatomie» 1842 von Rokitansky und der «Zellularpathologie» 1858 von Virchow. Durch diese Zellularpathologie wird im Grunde genommen alles, was auftritt im Menschen, abgeleitet von Veränderungen der Zellenwirkung. Im Grunde genommen betrachtet man es dann in der offiziellen Anschauungsweise als ein Ideal, alles aufzubauen auf die Veränderungen der Zelle. Man sieht geradezu darin das Ideal, die Veränderung der Zelle im Gewebe eines Organs zu studieren und aus der Veränderung der Zelle heraus die Krankheit begreifen zu wollen. Man hat es ja leicht mit dieser atomistischen Betrachtung, denn nicht wahr, sie liegt im Grunde, ich möchte sagen, auf der flachen Hand. Man kann alles so hinstellen, leicht begreiflich. Und trotz allen Fortschritten der neueren Wissenschaft geht diese neuere Wissenschaft eigentlich immer darauf aus, möglichst alles leicht zu begreifen und nicht zu bedenken, daß das Naturwesen und das Weltenwesen überhaupt etwas außerordentlich Kompliziertes ist.

[ 13 ] Nun, diese Anschauung, die noch Schwann, ich möchte sagen, ganz gut zwischen den Zeilen hat, sogar mehr als zwischen den Zeilen, ist im Grunde genommen der letzte Rest des alten medizinischen Wesens, denn sie geht nicht auf das Atomistische. Sie betrachtet dasjenige, was atomistisch auftritt, das Zellenwesen, als hervorgehend aus etwas, das man niemals, wenn man es ordentlich betrachtet, atomistisch betrachten kann, aus einem flüssigen Wesen, das Kräfte in sich hat und das Atomistische erst aus sich heraus differenziert. Also in diesen zwei Jahrzehnten, in den vierziger und fünfziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, geht die alte Anschauung, die universeller ist, ihrem letzten Ende entgegen und dämmert dasjenige auf, was atomistische medizinische Anschauung ist. Und das ist voll da, als 1858 erscheint die «Zellularpathologie» von Virchow. Zwischen diesen zwei Werken muß man eigentlich einen ungeheuer sprunghaften Umschwung in dem neueren medizinischen Denken sehen, zwischen der «Pathologischen Anatomie» 1842 von Rokitansky und der «Zellularpathologie» 1858 von Virchow. Durch diese Zellularpathologie wird im Grunde genommen alles, was auftritt im Menschen, abgeleitet von Veränderungen der Zellenwirkung. Im Grunde genommen betrachtet man es dann in der offiziellen Anschauungsweise als ein Ideal, alles aufzubauen auf die Veränderungen der Zelle. Man sieht geradezu darin das Ideal, die Veränderung der Zelle im Gewebe eines Organs zu studieren und aus der Veränderung der Zelle heraus die Krankheit begreifen zu wollen. Man hat es ja leicht mit dieser atomistischen Betrachtung, denn nicht wahr, sie liegt im Grunde, ich möchte sagen, auf der flachen Hand. Man kann alles so hinstellen, leicht begreiflich. Und trotz allen Fortschritten der neueren Wissenschaft geht diese neuere Wissenschaft eigentlich immer darauf aus, möglichst alles leicht zu begreifen und nicht zu bedenken, daß das Naturwesen und das Weltenwesen überhaupt etwas außerordentlich Kompliziertes ist.

[ 14 ] Nicht wahr, man kann so leicht experimentell zeigen, daß zum Beispiel eine Amöbe im Wasser ihre Form verändert, die armartigen Gebilde, Fortsätze, ausstreckt, wieder einzieht. Man kann dann die Flüssigkeit, in der die Amöbe schwimmt, erwärmen. Man wird dann sehen, daß das Ausstrecken und ebenso das Einziehen der Fortsätze lebhafter wird, bis man die Temperatur zu einem gewissen Punkt bringt. Dann zieht sich die Amöbe zusammen und kann nicht mehr weiter mitgehen mit diesen Veränderungen, die in dem umgebenden Medium vorgehen. Man kann dann in die Flüssigkeit hineinleiten einen Strom: man beobachtet dann die Amöbe, sie bildet ihren Körper kugelartig aus und platzt zum Schluß, wenn der Strom zu stark hineingeleitet wird. Also man kann studieren selbst wie die einzelne Zelle sich verändert unter dem Einfluß der Umgebung, und man kann dann daraus eine Theorie bilden, wie durch Veränderung des Zellwesens sich nach und nach das Krankheitswesen aufbaut.

[ 14 ] Nicht wahr, man kann so leicht experimentell zeigen, daß zum Beispiel eine Amöbe im Wasser ihre Form verändert, die armartigen Gebilde, Fortsätze, ausstreckt, wieder einzieht. Man kann dann die Flüssigkeit, in der die Amöbe schwimmt, erwärmen. Man wird dann sehen, daß das Ausstrecken und ebenso das Einziehen der Fortsätze lebhafter wird, bis man die Temperatur zu einem gewissen Punkt bringt. Dann zieht sich die Amöbe zusammen und kann nicht mehr weiter mitgehen mit diesen Veränderungen, die in dem umgebenden Medium vorgehen. Man kann dann in die Flüssigkeit hineinleiten einen Strom: man beobachtet dann die Amöbe, sie bildet ihren Körper kugelartig aus und platzt zum Schluß, wenn der Strom zu stark hineingeleitet wird. Also man kann studieren selbst wie die einzelne Zelle sich verändert unter dem Einfluß der Umgebung, und man kann dann daraus eine Theorie bilden, wie durch Veränderung des Zellwesens sich nach und nach das Krankheitswesen aufbaut.

[ 15 ] Was ist das Wesentliche all dessen, was da heraufgekommen ist durch den Umschwung, der sich in zwei Jahrzehnten vollzogen hat? Was da heraufgezogen ist, es lebt eigentlich fort in allem, was heute die offizielle medizinische Wissenschaft durchdringt. In dem, was da heraufgezogen ist, lebt eben doch nichts anderes als der allgemeine Zug, die Welt atomistisch zu begreifen, wie er sich eben im materialistischen Zeitalter herausgebildet hat.

[ 15 ] Was ist das Wesentliche all dessen, was da heraufgekommen ist durch den Umschwung, der sich in zwei Jahrzehnten vollzogen hat? Was da heraufgezogen ist, es lebt eigentlich fort in allem, was heute die offizielle medizinische Wissenschaft durchdringt. In dem, was da heraufgezogen ist, lebt eben doch nichts anderes als der allgemeine Zug, die Welt atomistisch zu begreifen, wie er sich eben im materialistischen Zeitalter herausgebildet hat.

[ 16 ] Nun bitte ich Sie, doch das Folgende zu beachten. Ich ging aus davon, daß ich Sie aufmerksam machte, daß derjenige, der es heute mit dem Arbeiten in der Medizin zu tun hat, sich ganz notwendigerweise doch die Frage vorlegen muß: Was sind denn eigentlich die Krankheiten für Prozesse? Wie unterscheiden sie sich denn von den sogenannten Normalprozessen des menschlichen Organismus? Denn nur mit einer positiven Vorstellung über diese Abweichung kann man doch arbeiten, während die Darstellungen, die man gewöhnlich findet und die gegeben werden in der offiziellen Wissenschaft, eigentlich nur negativ sind. Es wird nur darauf hingewiesen, daß eben solche Abweichungen da sind. Und dann probiert man, wie man etwa die Abweichungen beseitigen könne. Aber eine durchgreifende Anschauung über das Menschenwesen ist ja eigentlich nicht vorhanden. Und an dem Mangel einer solchen durchgreifenden Anschauung über das Menschenwesen krankt im Grunde genommen unsere ganze medizinische Anschauung. Denn was sind denn die Krankheitsprozesse? Sie werden doch nicht umhin können, sich zu sagen, daß es Naturprozesse sind. Sie können doch nicht einen abstrakten Unterschied konstruieren ohne weiteres zwischen irgendeinem Naturprozeß, der draußen verläuft und dessen Folgen Sie verfolgen, und zwischen einem Krankheitsprozesse. Den Naturprozeß, Sie nennen ihn normal, den Krankheitsprozeß nennen Sie abnorm, ohne eigentlich darauf hinzuweisen, warum nun dieser Prozeß im menschlichen Organismus ein abnormer ist. Man kann ja zu keiner Praxis kommen, wenn man nicht wenigstens sich Aufschluß darüber geben kann, warum der Prozeß abnorm ist. Dann erst kann man irgendwie nachforschen danach, wie man ihn aufheben kann. Denn man kann dadurch erst darauf kommen, aus welcher Ecke des Weltendaseins das Hinwegschaffen eines solchen Prozesses möglich ist. Schließlich ist sogar das Bezeichnen als abnorm ein Hindernis. Denn warum sollte denn mancher Prozeß im Menschen abnorm genannt werden? Selbst wenn ich mich in den Finger schneide, so ist das nur relativ abnorm für den Menschen, denn wenn ich mich nicht in den Finger schneide, sondern ein Stück Holz schneide zu irgendeiner Form, so ist das ein normaler Prozeß. Just, wenn ich mich in den Finger schneide, so nenne ich das einen abnormen Prozeß. Damit, nicht wahr, daß man gewöhnt ist, just andere Prozesse zu verfolgen, als sich in den Finger zu schneiden, ist ja gar nichts gesagt, es sind bloß Wortspiele eigentlich in die Welt gesetzt. Denn dasjenige, was geschieht, wenn ich mich in den Finger schneide, ist von einer gewissen Seite her ähnlich in seinem Verlauf, ganz ebenso normal wie irgendein anderer Naturprozeß.

[ 16 ] Nun bitte ich Sie, doch das Folgende zu beachten. Ich ging aus davon, daß ich Sie aufmerksam machte, daß derjenige, der es heute mit dem Arbeiten in der Medizin zu tun hat, sich ganz notwendigerweise doch die Frage vorlegen muß: Was sind denn eigentlich die Krankheiten für Prozesse? Wie unterscheiden sie sich denn von den sogenannten Normalprozessen des menschlichen Organismus? Denn nur mit einer positiven Vorstellung über diese Abweichung kann man doch arbeiten, während die Darstellungen, die man gewöhnlich findet und die gegeben werden in der offiziellen Wissenschaft, eigentlich nur negativ sind. Es wird nur darauf hingewiesen, daß eben solche Abweichungen da sind. Und dann probiert man, wie man etwa die Abweichungen beseitigen könne. Aber eine durchgreifende Anschauung über das Menschenwesen ist ja eigentlich nicht vorhanden. Und an dem Mangel einer solchen durchgreifenden Anschauung über das Menschenwesen krankt im Grunde genommen unsere ganze medizinische Anschauung. Denn was sind denn die Krankheitsprozesse? Sie werden doch nicht umhin können, sich zu sagen, daß es Naturprozesse sind. Sie können doch nicht einen abstrakten Unterschied konstruieren ohne weiteres zwischen irgendeinem Naturprozeß, der draußen verläuft und dessen Folgen Sie verfolgen, und zwischen einem Krankheitsprozesse. Den Naturprozeß, Sie nennen ihn normal, den Krankheitsprozeß nennen Sie abnorm, ohne eigentlich darauf hinzuweisen, warum nun dieser Prozeß im menschlichen Organismus ein abnormer ist. Man kann ja zu keiner Praxis kommen, wenn man nicht wenigstens sich Aufschluß darüber geben kann, warum der Prozeß abnorm ist. Dann erst kann man irgendwie nachforschen danach, wie man ihn aufheben kann. Denn man kann dadurch erst darauf kommen, aus welcher Ecke des Weltendaseins das Hinwegschaffen eines solchen Prozesses möglich ist. Schließlich ist sogar das Bezeichnen als abnorm ein Hindernis. Denn warum sollte denn mancher Prozeß im Menschen abnorm genannt werden? Selbst wenn ich mich in den Finger schneide, so ist das nur relativ abnorm für den Menschen, denn wenn ich mich nicht in den Finger schneide, sondern ein Stück Holz schneide zu irgendeiner Form, so ist das ein normaler Prozeß. Just, wenn ich mich in den Finger schneide, so nenne ich das einen abnormen Prozeß. Damit, nicht wahr, daß man gewöhnt ist, just andere Prozesse zu verfolgen, als sich in den Finger zu schneiden, ist ja gar nichts gesagt, es sind bloß Wortspiele eigentlich in die Welt gesetzt. Denn dasjenige, was geschieht, wenn ich mich in den Finger schneide, ist von einer gewissen Seite her ähnlich in seinem Verlauf, ganz ebenso normal wie irgendein anderer Naturprozeß.

[ 17 ] Die Aufgabe ist, nun wirklich darauf zu kommen, welcher Unterschied besteht zwischen den Prozessen im menschlichen Organismus, die wir als Krankheitsprozesse bezeichnen und die doch im Grunde genommen ganz normale Naturprozesse sind, nur eben durch bestimmte Ursachen hervorgerufen sein müssen, und denjenigen Prozessen, die wir gewöhnlich als die gesunden bezeichnen und die die alltäglichen sind. Dieser durchgreifende Unterschied muß gefunden werden. Er wird nicht gefunden werden, wenn man nicht eingehen kann auf eine Betrachtungsweise des Menschen, die zum menschlichen Wesen wirklich führt. Dazu möchte ich Ihnen in dieser Einleitung wenigstens die ersten Elemente aufzeichnen, die wir dann im einzelnen im Detail weiter ausführen wollen.

[ 17 ] Die Aufgabe ist, nun wirklich darauf zu kommen, welcher Unterschied besteht zwischen den Prozessen im menschlichen Organismus, die wir als Krankheitsprozesse bezeichnen und die doch im Grunde genommen ganz normale Naturprozesse sind, nur eben durch bestimmte Ursachen hervorgerufen sein müssen, und denjenigen Prozessen, die wir gewöhnlich als die gesunden bezeichnen und die die alltäglichen sind. Dieser durchgreifende Unterschied muß gefunden werden. Er wird nicht gefunden werden, wenn man nicht eingehen kann auf eine Betrachtungsweise des Menschen, die zum menschlichen Wesen wirklich führt. Dazu möchte ich Ihnen in dieser Einleitung wenigstens die ersten Elemente aufzeichnen, die wir dann im einzelnen im Detail weiter ausführen wollen.

[ 18 ] Sie werden es begreifen, daß ich hier in diesen Vorträgen, die ja nur in einer beschränkten Anzahl gehalten werden können, hauptsächlich dasjenige gebe, was Sie sonst in Büchern oder Vorträgen eben nicht finden, und dasjenige voraussetze, was man eben sonst finden kann. Ich glaube nicht, daß es besonders wertvoll wäre, wenn ich Ihnen irgendeine Theorie geben würde in Aufstellungen, die Sie sonst auch finden könnten. Daher verweise ich Sie an diesem Punkt an dasjenige, was sich Ihnen ergeben kann, wenn Sie einfach miteinander vergleichen das, was Sie sehen, wenn Sie vor sich stellen ein Menschenskelett und das Skelett, sagen wir eines Gorillas, eines sogenannt hochstehenden Affen. Wenn Sie diese zwei Skelette rein äußerlich miteinander vergleichen, so werden Sie bemerken als Wesentliches, daß beim Gorilla vorhanden ist einfach der Masse nach eine besondere Ausbildung des ganzen Unterkiefersystems. Das Unterkiefersystem steht gewissermaßen als Lastendes im ganzen Kopfskelett drinnen, und man hat das Gefühl, wenn man den Gorillakopf ansieht (siehe Zeichnung Seite 27, links) mit seinem mächtigen Unterkiefer, daß dieses Unterkiefersystem in irgendeiner Weise lastet, nach vorne drückt das ganze Skelett, daß der Gorilla, ich möchte sagen, mit einer gewissen Anstrengung sich aufrecht erhält gegen dieses Lastende, das da wirkt, namentlich im Unterkiefer.

[ 18 ] Sie werden es begreifen, daß ich hier in diesen Vorträgen, die ja nur in einer beschränkten Anzahl gehalten werden können, hauptsächlich dasjenige gebe, was Sie sonst in Büchern oder Vorträgen eben nicht finden, und dasjenige voraussetze, was man eben sonst finden kann. Ich glaube nicht, daß es besonders wertvoll wäre, wenn ich Ihnen irgendeine Theorie geben würde in Aufstellungen, die Sie sonst auch finden könnten. Daher verweise ich Sie an diesem Punkt an dasjenige, was sich Ihnen ergeben kann, wenn Sie einfach miteinander vergleichen das, was Sie sehen, wenn Sie vor sich stellen ein Menschenskelett und das Skelett, sagen wir eines Gorillas, eines sogenannt hochstehenden Affen. Wenn Sie diese zwei Skelette rein äußerlich miteinander vergleichen, so werden Sie bemerken als Wesentliches, daß beim Gorilla vorhanden ist einfach der Masse nach eine besondere Ausbildung des ganzen Unterkiefersystems. Das Unterkiefersystem steht gewissermaßen als Lastendes im ganzen Kopfskelett drinnen, und man hat das Gefühl, wenn man den Gorillakopf ansieht (siehe Zeichnung Seite 27, links) mit seinem mächtigen Unterkiefer, daß dieses Unterkiefersystem in irgendeiner Weise lastet, nach vorne drückt das ganze Skelett, daß der Gorilla, ich möchte sagen, mit einer gewissen Anstrengung sich aufrecht erhält gegen dieses Lastende, das da wirkt, namentlich im Unterkiefer.

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[ 19 ] Aber dasselbe Lastsystem finden Sie gegenüber dem menschlichen Skelett, wenn Sie das Skelett der Vorderarme mit den daranhängenden Vorderhänden ins Auge fassen. Die wirken schwer, da ist alles massig beim Gorilla, während beim Menschen alles fein und zart gegliedert ist. Die Masse tritt da zurück. Gerade in diesem Teil, im Unterkiefersystem und im Vorderarmsystem mit dem Fingersystem, da tritt das Massige beim Menschen zurück, während es beim Gorilla auftritt. Der, der sich dann den Blick geschärft hat für diese Verhältnisse, der wird dasselbe auch noch verfolgen können beim Fuß- und Untergliedmaßenskelett. Auch da ist gewissermaßen noch ein Lastendes vorhanden, das nach einer bestimmten Richtung hin drückt. Ich möchte schematisch diese Kraft, die man sehen kann — man kann sie sehen im Unterkiefersystem, im Armsystem und im Bein-, im Fußsystem —, durch diese Linie bezeichnen (siehe Zeichnung Seite 28: Pfeile).

[ 19 ] Aber dasselbe Lastsystem finden Sie gegenüber dem menschlichen Skelett, wenn Sie das Skelett der Vorderarme mit den daranhängenden Vorderhänden ins Auge fassen. Die wirken schwer, da ist alles massig beim Gorilla, während beim Menschen alles fein und zart gegliedert ist. Die Masse tritt da zurück. Gerade in diesem Teil, im Unterkiefersystem und im Vorderarmsystem mit dem Fingersystem, da tritt das Massige beim Menschen zurück, während es beim Gorilla auftritt. Der, der sich dann den Blick geschärft hat für diese Verhältnisse, der wird dasselbe auch noch verfolgen können beim Fuß- und Untergliedmaßenskelett. Auch da ist gewissermaßen noch ein Lastendes vorhanden, das nach einer bestimmten Richtung hin drückt. Ich möchte schematisch diese Kraft, die man sehen kann — man kann sie sehen im Unterkiefersystem, im Armsystem und im Bein-, im Fußsystem —, durch diese Linie bezeichnen (siehe Zeichnung Seite 28: Pfeile).

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[ 20 ] Wenn Sie dies ins Auge fassen, was sich als Unterschied ergibt rein aus der Anschauung zwischen dem Gorillaskelett und dem Menschenskelett, wo zurücktritt, nicht mehr lastet das Unterkieferskelett, wo fein ausgebildet ist das Arm- und Fingerskelett, so werden Sie nicht umhin können, sich zu sagen: beim Menschen tritt diesen Kräften überall ein Aufwärtsstrebendes entgegen (Pfeile). Sie werden dasjenige konstruieren müssen, was beim Menschen formbildend ist aus einem gewissen Kräfteparallelogramm, das sich Ihnen ergibt aus derselben Kraft, die nach aufwärts geht und die der Gorilla sich nur äußerlich aneignet — man sieht es an der Mühe, mit der er sich aufrecht hält, mit der er sich aufrecht halten will. Dann bekomme ich ein Kräfteparallelogramm, das in diesen Linien verläuft (siehe Zeichnung Seite 29).

[ 20 ] Wenn Sie dies ins Auge fassen, was sich als Unterschied ergibt rein aus der Anschauung zwischen dem Gorillaskelett und dem Menschenskelett, wo zurücktritt, nicht mehr lastet das Unterkieferskelett, wo fein ausgebildet ist das Arm- und Fingerskelett, so werden Sie nicht umhin können, sich zu sagen: beim Menschen tritt diesen Kräften überall ein Aufwärtsstrebendes entgegen (Pfeile). Sie werden dasjenige konstruieren müssen, was beim Menschen formbildend ist aus einem gewissen Kräfteparallelogramm, das sich Ihnen ergibt aus derselben Kraft, die nach aufwärts geht und die der Gorilla sich nur äußerlich aneignet — man sieht es an der Mühe, mit der er sich aufrecht hält, mit der er sich aufrecht halten will. Dann bekomme ich ein Kräfteparallelogramm, das in diesen Linien verläuft (siehe Zeichnung Seite 29).

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[ 21 ] Nun ist das höchst Eigentümliche dieses, daß wir uns ja gewöhnlich heute darauf beschränken, zu vergleichen die Knochen oder die Muskeln der höheren Tiere mit den Knochen und Muskeln der Menschen, aber dabei nicht das nötige Gewicht legen auf diese Formumwandelung. In der Anschauung dieser Formumwandelung muß man ein Wesentliches und Wichtiges suchen. Denn sehen Sie, diese Kräfte, die müssen ja dasein, die entgegenwirken den Kräften, die beim Gorilla die Gestalt bilden. Diese Kräfte müssen ja dasein, diese Kräfte müssen ja wirken. Wenn wir diese Kräfte suchen werden, werden wir wieder finden dasjenige, was verlassen worden ist, indem die alte Medizin filtriert worden ist vom hippokratischen System. Wir werden wiederum finden, daß diese Kräfte im Kräfteparallelogramm irdischer Natur sind und diejenigen Kräfte, die sich mit diesen irdischen Kräften im Kräfteparallelogramm vereinigen, so daß eine Resultierende entsteht, die nun nicht irdischen Kräften ihren Ursprung verdankt, sondern außerirdischen, außerterrestrischen Kräften, diese Kräfte müssen wir außerhalb des Irdischen suchen. Wir müssen Zugkräfte suchen, die den Menschen zur Aufrichtestellung bringen, aber nicht nur zur Aufrichtestellung bringen, wie sie beim höheren Tier vorhanden ist zuweilen, sondern so zur Aufrichtestellung bringen, daß die in der Aufrichtestellung wirkenden Kräfte zugleich Bildekräfte sind. Es ist ja ein Unterschied, ob der Affe, der aufrecht geht, dennoch Kräfte hat, die massig entgegenwirken, oder ob der Mensch sein Knochensystem schon so ausbildet, daß diese Ausbildung in der Richtung von Kräften wirkt, die nichtirdischen Ursprungs sind. Man kann einfach, wenn man richtig anschaut die Form des menschlichen Skeletts, sich nicht darauf beschränken, den einzelnen Knochen zu beschreiben und ihn zu vergleichen mit dem Tierknochen, sondern wenn man das Dynamische im Aufbau des menschlichen Skeletts verfolgt, dann kann man sich sagen: das findet man in den übrigen Reichen der Erde nicht, da treten uns Kräfte auf, die wir mit den übrigen zu dem Kräfteparallelogramm vereinigen müssen. Es entstehen Resultierende, die wir nicht finden können, wenn wir bloß auf die Kräfte Rücksicht nehmen, die außerhalb des Menschen vorhanden sind. Es wird sich also darum handeln, einmal diesen Sprung vom Tier zum Menschen ordentlich zu verfolgen. Dann wird man nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Tier den Ursprung des Krankheitswesens finden können. Ich kann Sie nur nach und nach auf diese Elemente hinweisen, wir werden aber aus ihnen, weitergehend, sehr vieles finden können.

[ 21 ] Nun ist das höchst Eigentümliche dieses, daß wir uns ja gewöhnlich heute darauf beschränken, zu vergleichen die Knochen oder die Muskeln der höheren Tiere mit den Knochen und Muskeln der Menschen, aber dabei nicht das nötige Gewicht legen auf diese Formumwandelung. In der Anschauung dieser Formumwandelung muß man ein Wesentliches und Wichtiges suchen. Denn sehen Sie, diese Kräfte, die müssen ja dasein, die entgegenwirken den Kräften, die beim Gorilla die Gestalt bilden. Diese Kräfte müssen ja dasein, diese Kräfte müssen ja wirken. Wenn wir diese Kräfte suchen werden, werden wir wieder finden dasjenige, was verlassen worden ist, indem die alte Medizin filtriert worden ist vom hippokratischen System. Wir werden wiederum finden, daß diese Kräfte im Kräfteparallelogramm irdischer Natur sind und diejenigen Kräfte, die sich mit diesen irdischen Kräften im Kräfteparallelogramm vereinigen, so daß eine Resultierende entsteht, die nun nicht irdischen Kräften ihren Ursprung verdankt, sondern außerirdischen, außerterrestrischen Kräften, diese Kräfte müssen wir außerhalb des Irdischen suchen. Wir müssen Zugkräfte suchen, die den Menschen zur Aufrichtestellung bringen, aber nicht nur zur Aufrichtestellung bringen, wie sie beim höheren Tier vorhanden ist zuweilen, sondern so zur Aufrichtestellung bringen, daß die in der Aufrichtestellung wirkenden Kräfte zugleich Bildekräfte sind. Es ist ja ein Unterschied, ob der Affe, der aufrecht geht, dennoch Kräfte hat, die massig entgegenwirken, oder ob der Mensch sein Knochensystem schon so ausbildet, daß diese Ausbildung in der Richtung von Kräften wirkt, die nichtirdischen Ursprungs sind. Man kann einfach, wenn man richtig anschaut die Form des menschlichen Skeletts, sich nicht darauf beschränken, den einzelnen Knochen zu beschreiben und ihn zu vergleichen mit dem Tierknochen, sondern wenn man das Dynamische im Aufbau des menschlichen Skeletts verfolgt, dann kann man sich sagen: das findet man in den übrigen Reichen der Erde nicht, da treten uns Kräfte auf, die wir mit den übrigen zu dem Kräfteparallelogramm vereinigen müssen. Es entstehen Resultierende, die wir nicht finden können, wenn wir bloß auf die Kräfte Rücksicht nehmen, die außerhalb des Menschen vorhanden sind. Es wird sich also darum handeln, einmal diesen Sprung vom Tier zum Menschen ordentlich zu verfolgen. Dann wird man nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Tier den Ursprung des Krankheitswesens finden können. Ich kann Sie nur nach und nach auf diese Elemente hinweisen, wir werden aber aus ihnen, weitergehend, sehr vieles finden können.

[ 22 ] Nun, im Zusammenhange mit dem, was ich Ihnen eben dargelegt habe, möchte ich Ihnen jetzt das Folgende erwähnen. Gehen wir über vom Kinochensystem zum Muskelsystem, so finden wir ja diesen bedeutsamen Unterschied im Wesen des Muskels, daß der ruhende Muskel alkalisch reagiert, wenn wir auf seine gewöhnliche chemische Wirkung Rücksicht nehmen; aber man kann doch nur sagen: ähnlich wie alkalisch, denn die alkalische Reaktion ist nicht eine absolut so klar ausgesprochene beim ruhenden Muskel, wie sonst alkalische Reaktionen sind. Beim tätigen Muskel tritt ebenso eine nicht ganz klare saure Reaktion in Tätigkeit. Nun bedenken Sie, daß ja selbstverständlich zunächst stoffwechselgemäß der Muskel zusammengesetzt ist aus dem, was der Mensch aufnimmt, daß er also in gewisser Weise ein Ergebnis ist der Kräfte, die in den irdischen Stoffen vorhanden sind. Aber indem der Mensch zur Tätigkeit übergeht, wird ja klarer und klarer dasjenige überwunden, was der Muskel in sich dadurch hat, daß er bloß dem gewöhnlichen Stoffwechsel unterliegt. Es treten im Muskel eben Veränderungen ein, die man zuletzt mit nichts anderem vergleichen kann gegenüber den gewöhnlichen stoffwechselgemäßen Veränderungen, als mit den Kräften, die die Bildung des Knochensystems beim Menschen bewirken. Wie diese Kräfte beim Menschen hinausgehen über dasjenige, was er von außen hat, wie sie sich terrestrisch durchdringen und sich mit ihnen zu einer bloßen Resultierenden vereinigen, so muß man auch mit dem, was im Muskel als wirkend im Stoffwechsel auftritt, etwas sehen, was nun hineinwirkt auch chemisch in die irdische Chemie. Hier haben wir, könnte man sagen, in die irdische Mechanik und Dynamik etwas hineinwirkend, was wir nicht mehr im Irdischen finden. Beim Stoffwechsel haben wir in die irdische Chemie etwas hineinwirkend, was nicht-irdische Chemie ist, was andere Wirkungen hervorbringt, als sie nur unter dem Einfluß der irdischen Chemie auftreten können.

[ 22 ] Nun, im Zusammenhange mit dem, was ich Ihnen eben dargelegt habe, möchte ich Ihnen jetzt das Folgende erwähnen. Gehen wir über vom Kinochensystem zum Muskelsystem, so finden wir ja diesen bedeutsamen Unterschied im Wesen des Muskels, daß der ruhende Muskel alkalisch reagiert, wenn wir auf seine gewöhnliche chemische Wirkung Rücksicht nehmen; aber man kann doch nur sagen: ähnlich wie alkalisch, denn die alkalische Reaktion ist nicht eine absolut so klar ausgesprochene beim ruhenden Muskel, wie sonst alkalische Reaktionen sind. Beim tätigen Muskel tritt ebenso eine nicht ganz klare saure Reaktion in Tätigkeit. Nun bedenken Sie, daß ja selbstverständlich zunächst stoffwechselgemäß der Muskel zusammengesetzt ist aus dem, was der Mensch aufnimmt, daß er also in gewisser Weise ein Ergebnis ist der Kräfte, die in den irdischen Stoffen vorhanden sind. Aber indem der Mensch zur Tätigkeit übergeht, wird ja klarer und klarer dasjenige überwunden, was der Muskel in sich dadurch hat, daß er bloß dem gewöhnlichen Stoffwechsel unterliegt. Es treten im Muskel eben Veränderungen ein, die man zuletzt mit nichts anderem vergleichen kann gegenüber den gewöhnlichen stoffwechselgemäßen Veränderungen, als mit den Kräften, die die Bildung des Knochensystems beim Menschen bewirken. Wie diese Kräfte beim Menschen hinausgehen über dasjenige, was er von außen hat, wie sie sich terrestrisch durchdringen und sich mit ihnen zu einer bloßen Resultierenden vereinigen, so muß man auch mit dem, was im Muskel als wirkend im Stoffwechsel auftritt, etwas sehen, was nun hineinwirkt auch chemisch in die irdische Chemie. Hier haben wir, könnte man sagen, in die irdische Mechanik und Dynamik etwas hineinwirkend, was wir nicht mehr im Irdischen finden. Beim Stoffwechsel haben wir in die irdische Chemie etwas hineinwirkend, was nicht-irdische Chemie ist, was andere Wirkungen hervorbringt, als sie nur unter dem Einfluß der irdischen Chemie auftreten können.

[ 23 ] Von diesen Betrachtungen, die auf der einen Seite Formbetrachtungen, auf der anderen Seite Qualitätsbetrachtungen sind, werden wir auszugehen haben, wenn wir finden wollen dasjenige, was eigentlich im Menschenwesen liegt. Da wird man wiederum einen Rückweg sich eröffnen können zu dem, was verloren worden ist und was man ganz offenbar braucht, wenn man nicht stehenbleiben will bei einem bloßen formalen Definieren des Krankheitswesens, mit dem man dann in der Praxis eigentlich nicht viel anfangen kann. Denn denken Sie, daß ja eine sehr wichtige Frage auftaucht. Wir haben ja im Grunde genommen nur irdische Mittel, aus der Umgebung des Menschen, mit denen wir wirken können auf den menschlichen Organismus, wenn er Veränderungen erfährt. Aber im Menschen wirken nicht-irdische Prozesse oder wenigstens Kräfte, die seine Prozesse zu nicht-irdischen Prozessen machen. Und es entsteht also die Frage: Wie können wir eine Wechselwirkung, die hinführt vom Kranksein zum Gesundsein, hervorrufen zwischen dem, was wir als Wechselverhältnis bewirken zwischen dem kranken Organismus und seiner physischen Erdenumgebung? Wie können wir ein solches Wechselverhältnis hervorrufen, so daß nun wirklich durch dieses Wechselverhältnis beeinflußt werden können auch diejenigen Kräfte, die im menschlichen Organismus tätig sind und die nicht aufgehen in dem, worinnen die Prozesse aufgehen, aus denen heraus wir unsere Arzneimittel wählen können, selbst wenn diese Prozesse Anordnungen zur Diät sind und so weiter.

[ 23 ] Von diesen Betrachtungen, die auf der einen Seite Formbetrachtungen, auf der anderen Seite Qualitätsbetrachtungen sind, werden wir auszugehen haben, wenn wir finden wollen dasjenige, was eigentlich im Menschenwesen liegt. Da wird man wiederum einen Rückweg sich eröffnen können zu dem, was verloren worden ist und was man ganz offenbar braucht, wenn man nicht stehenbleiben will bei einem bloßen formalen Definieren des Krankheitswesens, mit dem man dann in der Praxis eigentlich nicht viel anfangen kann. Denn denken Sie, daß ja eine sehr wichtige Frage auftaucht. Wir haben ja im Grunde genommen nur irdische Mittel, aus der Umgebung des Menschen, mit denen wir wirken können auf den menschlichen Organismus, wenn er Veränderungen erfährt. Aber im Menschen wirken nicht-irdische Prozesse oder wenigstens Kräfte, die seine Prozesse zu nicht-irdischen Prozessen machen. Und es entsteht also die Frage: Wie können wir eine Wechselwirkung, die hinführt vom Kranksein zum Gesundsein, hervorrufen zwischen dem, was wir als Wechselverhältnis bewirken zwischen dem kranken Organismus und seiner physischen Erdenumgebung? Wie können wir ein solches Wechselverhältnis hervorrufen, so daß nun wirklich durch dieses Wechselverhältnis beeinflußt werden können auch diejenigen Kräfte, die im menschlichen Organismus tätig sind und die nicht aufgehen in dem, worinnen die Prozesse aufgehen, aus denen heraus wir unsere Arzneimittel wählen können, selbst wenn diese Prozesse Anordnungen zur Diät sind und so weiter.

[ 24 ] Sie sehen, wie innig zusammenhängt mit einer richtigen Auffassung des Wesens des Menschen dasjenige, was schließlich zu einer gewissen Therapie führen kann. Und ich habe gerade die ersten Elemente, die uns befähigen sollen, zu einer Lösung dieser Frage aufzusteigen, hergenommen von Unterscheidungen des Menschen vom Tiere, mit vollem Bewußtsein, trotzdem der Einwand sehr leicht sein kann — wir werden ihn später beheben —, daß ja auch die Tiere erkranken, sogar Pflanzen eventuell erkranken — neuerdings hat man ja auch von Erkrankungen der Mineralien gesprochen — und daß daher gerade für das Kranksein der Unterschied des Menschen von dem Tiere nicht gemacht werden sollte. Man wird diesen Unterschied schon bemerken, wenn man sehen wird, wie wenig der Arzt auf die Dauer doch haben wird von der bloßen Untersuchung des Tierwesens mit dem Ziele, in der menschlichen Medizin weiterzukommen. Man kann — und das wird sich uns ergeben, warum das ist — ganz gewiß einiges erreichen für menschliche Heilung aus dem Tierversuch, aber nur dann, wenn man sich gründlich klar darüber ist, welch ein durchgreifender Unterschied bis in die einzelnsten Details hinein doch zwischen der tierischen und der menschlichen Organisation ist. Daher wird es sich darum handeln, gerade die Bedeutung des Tierversuches in der entsprechenden Weise immer mehr und mehr für die Entwickelung der Medizin klarlegen zu können.

[ 24 ] Sie sehen, wie innig zusammenhängt mit einer richtigen Auffassung des Wesens des Menschen dasjenige, was schließlich zu einer gewissen Therapie führen kann. Und ich habe gerade die ersten Elemente, die uns befähigen sollen, zu einer Lösung dieser Frage aufzusteigen, hergenommen von Unterscheidungen des Menschen vom Tiere, mit vollem Bewußtsein, trotzdem der Einwand sehr leicht sein kann — wir werden ihn später beheben —, daß ja auch die Tiere erkranken, sogar Pflanzen eventuell erkranken — neuerdings hat man ja auch von Erkrankungen der Mineralien gesprochen — und daß daher gerade für das Kranksein der Unterschied des Menschen von dem Tiere nicht gemacht werden sollte. Man wird diesen Unterschied schon bemerken, wenn man sehen wird, wie wenig der Arzt auf die Dauer doch haben wird von der bloßen Untersuchung des Tierwesens mit dem Ziele, in der menschlichen Medizin weiterzukommen. Man kann — und das wird sich uns ergeben, warum das ist — ganz gewiß einiges erreichen für menschliche Heilung aus dem Tierversuch, aber nur dann, wenn man sich gründlich klar darüber ist, welch ein durchgreifender Unterschied bis in die einzelnsten Details hinein doch zwischen der tierischen und der menschlichen Organisation ist. Daher wird es sich darum handeln, gerade die Bedeutung des Tierversuches in der entsprechenden Weise immer mehr und mehr für die Entwickelung der Medizin klarlegen zu können.

[ 25 ] Weitergehend möchte ich Sie dann noch darauf aufmerksam machen, daß ja allerdings dann, wenn man auf solche außerirdischen Kräfte hinweisen muß, die Persönlichkeit des Menschen viel mehr in Anspruch genommen wird, als wenn man auf sogenannte objektive Regeln, objektive Naturgesetze immer hinweisen kann. Es wird sich allerdings darum handeln, daß man das medizinische Wesen viel mehr nach dem Intuitiven hin arbeitet und daß man darauf kommt, daß von dem Talent, aus Formerscheinungen heraus auf das Wesen des menschlichen Organismus, des individuellen menschlichen Organismus, der in einer gewissen Beziehung krank oder gesund sein kann, Schlüsse zu ziehen, daß dieses intuitive Eingeschultsein auf Formbeobachtung eine immer größere Rolle spieJen muß in der Entwickelung der Medizin und nach der Zukunft hin.

[ 25 ] Weitergehend möchte ich Sie dann noch darauf aufmerksam machen, daß ja allerdings dann, wenn man auf solche außerirdischen Kräfte hinweisen muß, die Persönlichkeit des Menschen viel mehr in Anspruch genommen wird, als wenn man auf sogenannte objektive Regeln, objektive Naturgesetze immer hinweisen kann. Es wird sich allerdings darum handeln, daß man das medizinische Wesen viel mehr nach dem Intuitiven hin arbeitet und daß man darauf kommt, daß von dem Talent, aus Formerscheinungen heraus auf das Wesen des menschlichen Organismus, des individuellen menschlichen Organismus, der in einer gewissen Beziehung krank oder gesund sein kann, Schlüsse zu ziehen, daß dieses intuitive Eingeschultsein auf Formbeobachtung eine immer größere Rolle spieJen muß in der Entwickelung der Medizin und nach der Zukunft hin.

[ 26 ] Diese Dinge sollten, wie gesagt, nur zu einer Art von Einleitung, von orientierender Einleitung dienen. Denn das, worauf es hier ankam heute, das war, zu zeigen, daß die Medizin wiederum hinwenden müsse ihren Blick auf dasjenige, was sich durch Chemie oder auch durch die gewöhnliche vergleichende Anatomie nicht erreichen läßt, was nur erreicht werden kann, wenn man zu einer geisteswissenschaftlichen Betrachtung der Tatsachen übergeht. In bezug darauf gibt man sich ja heute noch mancherlei Irrtümern hin. Man denkt, daß es sich hauptsächlich darum handeln müsse, für eine Vergeistigung der Medizin an die Stelle der materiellen Mittel geistige zu setzen. Aber so berechtigt das auf gewissen Gebieten ist, so unberechtigt ist es in seiner Gänze. Denn es handelt sich vor allen Dingen auch darum, auf geistige Art zu erkennen, welcher Heilwert in einem materiellen Mittel stecken könnte, Geisteswissenschaft also schon anzuwenden auf die Bewertung der materiellen Mittel. Das wird namentlich die Aufgabe sein desjenigen Teiles, den ich bezeichnet habe: die Möglichkeiten der Heilung durch die Erkenntnis der Beziehung des Menschen zu der übrigen Welt aufzusuchen.

[ 26 ] Diese Dinge sollten, wie gesagt, nur zu einer Art von Einleitung, von orientierender Einleitung dienen. Denn das, worauf es hier ankam heute, das war, zu zeigen, daß die Medizin wiederum hinwenden müsse ihren Blick auf dasjenige, was sich durch Chemie oder auch durch die gewöhnliche vergleichende Anatomie nicht erreichen läßt, was nur erreicht werden kann, wenn man zu einer geisteswissenschaftlichen Betrachtung der Tatsachen übergeht. In bezug darauf gibt man sich ja heute noch mancherlei Irrtümern hin. Man denkt, daß es sich hauptsächlich darum handeln müsse, für eine Vergeistigung der Medizin an die Stelle der materiellen Mittel geistige zu setzen. Aber so berechtigt das auf gewissen Gebieten ist, so unberechtigt ist es in seiner Gänze. Denn es handelt sich vor allen Dingen auch darum, auf geistige Art zu erkennen, welcher Heilwert in einem materiellen Mittel stecken könnte, Geisteswissenschaft also schon anzuwenden auf die Bewertung der materiellen Mittel. Das wird namentlich die Aufgabe sein desjenigen Teiles, den ich bezeichnet habe: die Möglichkeiten der Heilung durch die Erkenntnis der Beziehung des Menschen zu der übrigen Welt aufzusuchen.

[ 27 ] Ich möchte ja, daß die Dinge, die ich werde zu sagen haben über spezielle Heilprozesse, möglichst gut fundiert seien und möglichst alle darauf hintendieren, daß bei jeder einzelnen Krankheit eigentlich eine Anschauung gewonnen werden kann über den Zusammenhang des sogenannten abnormen Prozesses, der auch ein Naturprozeß sein muß, mit den sogenannten normalen Prozessen, die ja auch wiederum nichts anderes sind als Naturprozesse. Wo immer diese Frage, diese Fundamentalfrage aufgetaucht ist — das möchte ich nur gleichsam als einen kleinen Anhang bemerken —: Wie kommt man eigentlich damit zurecht, daß die Krankheitsprozesse doch auch Naturprozesse sind? — da sucht man sich so bald wie möglich immer wiederum um die Sache zu drücken. Interessant war mir zum Beispiel ja, daß Troxler, der in Bern gelehrt hat, sehr intensiv schon in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts darauf hingewiesen hat, daß man gewissermaßen die Normalität der Krankheit untersuchen müsse und daß man dadurch in einer Richtung geführt wird, die zuletzt landet in der Anerkennung einer gewissen Welt, die mit der unseren verbunden ist und die nur wie durch unberechtigte Löcher sich hereinschiebt in unsere Welt und daß man dadurch auf irgend etwas in bezug auf die Krankheitserscheinungen kommen könne. Denken Sie sich — ich will das jetzt nur gewissermaßen grob schematisch andeuten -, es gäbe so irgendeine Welt im Hintergrunde, die zu ihren Gesetzen die ganz berechtigten Dinge hätte, die bei uns die Krankheitserscheinungen bewirken, dann könnten durch gewisse Löcher, durch die diese Welt hereindringt in unsere, diese Gesetze, die in einer anderen Welt ganz berechtigt sind, bei uns Unheil anrichten. Auf dieses wollte Troxler hinarbeiten. Und so unklar und undeutlich er sich auch in mancher Beziehung ausgesprochen hat, so merkt man doch, wie er auf einem Wege in der Medizin war, der hinarbeiter gerade auf eine gewisse Gesundung der medizinischen Wissenschaft.

[ 27 ] Ich möchte ja, daß die Dinge, die ich werde zu sagen haben über spezielle Heilprozesse, möglichst gut fundiert seien und möglichst alle darauf hintendieren, daß bei jeder einzelnen Krankheit eigentlich eine Anschauung gewonnen werden kann über den Zusammenhang des sogenannten abnormen Prozesses, der auch ein Naturprozeß sein muß, mit den sogenannten normalen Prozessen, die ja auch wiederum nichts anderes sind als Naturprozesse. Wo immer diese Frage, diese Fundamentalfrage aufgetaucht ist — das möchte ich nur gleichsam als einen kleinen Anhang bemerken —: Wie kommt man eigentlich damit zurecht, daß die Krankheitsprozesse doch auch Naturprozesse sind? — da sucht man sich so bald wie möglich immer wiederum um die Sache zu drücken. Interessant war mir zum Beispiel ja, daß Troxler, der in Bern gelehrt hat, sehr intensiv schon in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts darauf hingewiesen hat, daß man gewissermaßen die Normalität der Krankheit untersuchen müsse und daß man dadurch in einer Richtung geführt wird, die zuletzt landet in der Anerkennung einer gewissen Welt, die mit der unseren verbunden ist und die nur wie durch unberechtigte Löcher sich hereinschiebt in unsere Welt und daß man dadurch auf irgend etwas in bezug auf die Krankheitserscheinungen kommen könne. Denken Sie sich — ich will das jetzt nur gewissermaßen grob schematisch andeuten -, es gäbe so irgendeine Welt im Hintergrunde, die zu ihren Gesetzen die ganz berechtigten Dinge hätte, die bei uns die Krankheitserscheinungen bewirken, dann könnten durch gewisse Löcher, durch die diese Welt hereindringt in unsere, diese Gesetze, die in einer anderen Welt ganz berechtigt sind, bei uns Unheil anrichten. Auf dieses wollte Troxler hinarbeiten. Und so unklar und undeutlich er sich auch in mancher Beziehung ausgesprochen hat, so merkt man doch, wie er auf einem Wege in der Medizin war, der hinarbeiter gerade auf eine gewisse Gesundung der medizinischen Wissenschaft.

[ 28 ] Ich habe dann mit einem Freunde einmal nachgesucht, da der Troxler doch in Bern gelehrt hat, wie er angesehen war unter seinen Kollegen, was man aus seiner Anregung gemacht hat, und wir konnten in dem Lexikon, das viele Dinge verzeichnet aus der Geschichte der Universität, bei Troxler nur herausfinden, daß er sehr viele Krache an der Universität gemacht hat! Das war dasjenige, was behalten worden ist. Und über seine wissenschaftliche Bedeutung konnte man gar nichts Besonderes herausfinden.

[ 28 ] Ich habe dann mit einem Freunde einmal nachgesucht, da der Troxler doch in Bern gelehrt hat, wie er angesehen war unter seinen Kollegen, was man aus seiner Anregung gemacht hat, und wir konnten in dem Lexikon, das viele Dinge verzeichnet aus der Geschichte der Universität, bei Troxler nur herausfinden, daß er sehr viele Krache an der Universität gemacht hat! Das war dasjenige, was behalten worden ist. Und über seine wissenschaftliche Bedeutung konnte man gar nichts Besonderes herausfinden.

[ 29 ] Nun, ich wollte, wie gesagt, heute nur auf die Dinge hinweisen, und ich bitte Sie recht sehr, damit ich durchschießen kann dasjenige, was ich darstellen will aus meinen Absichten heraus mit dem, was in Ihren Wünschen liegt, mir bis morgen oder übermorgen alle Ihre Wünsche aufzuschreiben. Dann werde ich erst aus diesen Wünschen heraus dem Vortragszyklus die nötige Form geben. Ich glaube, so kommen wir dann am allerbesten zurecht. Ich bitte, das nur ganz ausgiebig zu machen.

[ 29 ] Nun, ich wollte, wie gesagt, heute nur auf die Dinge hinweisen, und ich bitte Sie recht sehr, damit ich durchschießen kann dasjenige, was ich darstellen will aus meinen Absichten heraus mit dem, was in Ihren Wünschen liegt, mir bis morgen oder übermorgen alle Ihre Wünsche aufzuschreiben. Dann werde ich erst aus diesen Wünschen heraus dem Vortragszyklus die nötige Form geben. Ich glaube, so kommen wir dann am allerbesten zurecht. Ich bitte, das nur ganz ausgiebig zu machen.