Spiritual Science and Medicine
GA 312
22 March 1920, Dornach
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Geisteswissenschaft und Medizin
Zweiter Vortrag
Zweiter Vortrag
[ 1 ] Wir werden von solchen Ausgangspunkten wie den gestern gewählten weiterschreiten und allmählich auch in das Wesen des Menschen weiter vordringen, indem wir aufmerksam werden auf gewisse Polaritäten, die da herrschen. Sie werden schon gestern bemerkt haben, daß wir genötigt sind, die noch bei dem Tier lastenden Kräfte zu einem Parallelogramm zu verbinden mit gewissermaßen senkrecht gerichteten Kräften, und daß wir entsprechend ein Analogon dazu haben in der Muskelreaktion. Wenn diese beiden Gedanken beim Studium des menschlichen Knochensystems und des menschlichen Muskelsystems weiterverfolgt werden, wenn bei ihrer Verfolgung alles zu Hilfe genommen wird, was die Erfahrung heute schon geben kann, so wird man wahrscheinlich aus der Knochen- und Muskellehre etwas ja bald für die Medizin Bedeutsameres machen können, als man bisher gemacht hat. Ganz besonders schwierig wird aber die Verbindung der Menschenerkenntnis mit dem, was die Medizin braucht, wenn heute ausgegangen werden soll von der Herzlehre. Ich möchte sagen: Was sich bei der Knochen- und Muskellehre erst in der Anlage zeigt, ist bei der Anschauung, die sich herausgebildet hat über die Lehre vom Herzen, gründlich herausgekommen. Denn was hat man denn eigentlich so landläufig von dem menschlichen Herzen — wir wollen zunächst uns auf dieses beschränken — für eine Ansicht? Man hat die Ansicht, daß es eine Art von Pumpe sei, welche das Blut in die verschiedenen Organe hineinpumpt. Man hat auch allerlei interessante mechanische Konstruktionen ausgedacht, welche dieses Pumpwerk «Herz» erklären sollen. Nun widersprechen zwar diese mechanischen Konstruktionen durchaus der Embryologie, aber man ist nicht aufmerksam darauf geworden, diese mechanische Herztheorie wirklich einmal für fragwürdig zu halten, sie noch einmal zu kontrollieren, wenigstens nicht sie zu kontrollieren in der landläufigen Wissenschaft. Dasjenige — ich werde die Dinge zunächst skizzieren, und das, was wir in den nächsten Tagen uns vorführen werden, wird ja stückweise immer eine Bestätigung dessen sein, was ich genötigt bin, zuerst als Gesichtspunkt anzugeben —, dasjenige, was man vor allen Dingen berücksichtigen muß bei der Herzanschauung, ist, daß dieses Herz ganz und gar nicht ist, was man eine Art tätigen Organismus nennen kann. Denn die Herztätigkeit ist nicht eine Ursache, sondern sie ist eine Folge. Verstehen werden Sie diesen Satz nur dann, wenn Sie ins Auge fassen die Polarität, die besteht zwischen all denjenigen Tätigkeiten im menschlichen Organismus, die zusammenhängen mit der Nahrungsaufnahme, mit der weiteren Verarbeitung der Nahrung, mit ihrer Überleitung entweder direkt oder dutch Gefäße ins Blut, denn Sie verfolgen, ich möchte sagen, von unten nach oben gehend, im Organismus die Nahrungsverarbeitung bis zu der Wechselwirkung, welche zunächst besteht zwischen dem Blute, das die Nahrung aufgenommen hat, und der Atmung, durch die die Atemluft aufgenommen wird. Wenn Sie sich die Vorgänge, die dabei in Betracht kommen, ganz ordentlich ansehen — man braucht sie wirklich nur ordentlich anzusehen —, so werden Sie finden, daß ein gewisser Gegensatz besteht zwischen all dem, was im Atmungsprozesse liegt, und dem, was im weitesten Umfange im Verdauungsprozesse liegt. Es will da etwas sich ausgleichen. Es will da etwas, was, ich möchte sagen, zueinander hindurstet, sich aneinander sättigen. Man könnte selbstverständlich auch andere Ausdrücke wählen, allein, wir werden uns ja im Laufe der Zeit immer besser verstehen. Es findet eine Wechselwirkung statt, die zunächst besteht zwischen den flüssig gewordenen Nahrungsstoffen und zwischen dem, was luftförmig von dem Organismus durch die Atmung aufgenommen wird. Diese Wechselwirkung, sie ist genau zu studieren. Diese Wechselwirkung besteht in ineinanderspielenden Kräften. Und dasjenige, was da ineinanderspielt, das, möchte ich sagen, staut sich vor seinem gegenseitigen Ineinanderspiel im Herzen. Das entsteht als ein Stauorgan zwischen dem, was ich nun ferner nennen möchte die untere Betätigung des Organismus, Nahrungsaufnahme, Nahrungsverarbeitung, und den oberen Tätigkeiten des Organismus, zu deren unterster wiederum ich rechnen möchte die Atmung. Ein Stauorgan ist eingeschaltet, und das Wesentlichste dabei ist, daß die Herztätigkeit eine Folge der Wechselwirkung ist zwischen dem flüssig gewordenen Nahrungsstoft, also zwischen der Nahrungsflüssigkeit und der von außen aufgenommenen Luft. Alles dasjenige, was sich im Herzen ausdrückt, was man im Herzen beobachten kann, muß als eine Folge betrachtet werden, zunächst im mechanischen Sinne.
[ 1 ] Wir werden von solchen Ausgangspunkten wie den gestern gewählten weiterschreiten und allmählich auch in das Wesen des Menschen weiter vordringen, indem wir aufmerksam werden auf gewisse Polaritäten, die da herrschen. Sie werden schon gestern bemerkt haben, daß wir genötigt sind, die noch bei dem Tier lastenden Kräfte zu einem Parallelogramm zu verbinden mit gewissermaßen senkrecht gerichteten Kräften, und daß wir entsprechend ein Analogon dazu haben in der Muskelreaktion. Wenn diese beiden Gedanken beim Studium des menschlichen Knochensystems und des menschlichen Muskelsystems weiterverfolgt werden, wenn bei ihrer Verfolgung alles zu Hilfe genommen wird, was die Erfahrung heute schon geben kann, so wird man wahrscheinlich aus der Knochen- und Muskellehre etwas ja bald für die Medizin Bedeutsameres machen können, als man bisher gemacht hat. Ganz besonders schwierig wird aber die Verbindung der Menschenerkenntnis mit dem, was die Medizin braucht, wenn heute ausgegangen werden soll von der Herzlehre. Ich möchte sagen: Was sich bei der Knochen- und Muskellehre erst in der Anlage zeigt, ist bei der Anschauung, die sich herausgebildet hat über die Lehre vom Herzen, gründlich herausgekommen. Denn was hat man denn eigentlich so landläufig von dem menschlichen Herzen — wir wollen zunächst uns auf dieses beschränken — für eine Ansicht? Man hat die Ansicht, daß es eine Art von Pumpe sei, welche das Blut in die verschiedenen Organe hineinpumpt. Man hat auch allerlei interessante mechanische Konstruktionen ausgedacht, welche dieses Pumpwerk «Herz» erklären sollen. Nun widersprechen zwar diese mechanischen Konstruktionen durchaus der Embryologie, aber man ist nicht aufmerksam darauf geworden, diese mechanische Herztheorie wirklich einmal für fragwürdig zu halten, sie noch einmal zu kontrollieren, wenigstens nicht sie zu kontrollieren in der landläufigen Wissenschaft. Dasjenige — ich werde die Dinge zunächst skizzieren, und das, was wir in den nächsten Tagen uns vorführen werden, wird ja stückweise immer eine Bestätigung dessen sein, was ich genötigt bin, zuerst als Gesichtspunkt anzugeben —, dasjenige, was man vor allen Dingen berücksichtigen muß bei der Herzanschauung, ist, daß dieses Herz ganz und gar nicht ist, was man eine Art tätigen Organismus nennen kann. Denn die Herztätigkeit ist nicht eine Ursache, sondern sie ist eine Folge. Verstehen werden Sie diesen Satz nur dann, wenn Sie ins Auge fassen die Polarität, die besteht zwischen all denjenigen Tätigkeiten im menschlichen Organismus, die zusammenhängen mit der Nahrungsaufnahme, mit der weiteren Verarbeitung der Nahrung, mit ihrer Überleitung entweder direkt oder dutch Gefäße ins Blut, denn Sie verfolgen, ich möchte sagen, von unten nach oben gehend, im Organismus die Nahrungsverarbeitung bis zu der Wechselwirkung, welche zunächst besteht zwischen dem Blute, das die Nahrung aufgenommen hat, und der Atmung, durch die die Atemluft aufgenommen wird. Wenn Sie sich die Vorgänge, die dabei in Betracht kommen, ganz ordentlich ansehen — man braucht sie wirklich nur ordentlich anzusehen —, so werden Sie finden, daß ein gewisser Gegensatz besteht zwischen all dem, was im Atmungsprozesse liegt, und dem, was im weitesten Umfange im Verdauungsprozesse liegt. Es will da etwas sich ausgleichen. Es will da etwas, was, ich möchte sagen, zueinander hindurstet, sich aneinander sättigen. Man könnte selbstverständlich auch andere Ausdrücke wählen, allein, wir werden uns ja im Laufe der Zeit immer besser verstehen. Es findet eine Wechselwirkung statt, die zunächst besteht zwischen den flüssig gewordenen Nahrungsstoffen und zwischen dem, was luftförmig von dem Organismus durch die Atmung aufgenommen wird. Diese Wechselwirkung, sie ist genau zu studieren. Diese Wechselwirkung besteht in ineinanderspielenden Kräften. Und dasjenige, was da ineinanderspielt, das, möchte ich sagen, staut sich vor seinem gegenseitigen Ineinanderspiel im Herzen. Das entsteht als ein Stauorgan zwischen dem, was ich nun ferner nennen möchte die untere Betätigung des Organismus, Nahrungsaufnahme, Nahrungsverarbeitung, und den oberen Tätigkeiten des Organismus, zu deren unterster wiederum ich rechnen möchte die Atmung. Ein Stauorgan ist eingeschaltet, und das Wesentlichste dabei ist, daß die Herztätigkeit eine Folge der Wechselwirkung ist zwischen dem flüssig gewordenen Nahrungsstoft, also zwischen der Nahrungsflüssigkeit und der von außen aufgenommenen Luft. Alles dasjenige, was sich im Herzen ausdrückt, was man im Herzen beobachten kann, muß als eine Folge betrachtet werden, zunächst im mechanischen Sinne.
[ 2 ] Der einzige hoffnungsvolle Anfang, der gemacht worden ist, wenigstens diese mechanische Grundlage der Herztätigkeit — mehr allerdings nicht — einmal ins Auge zu fassen, der ist gemacht worden von einem österreichischen Arzte Dr. Karl Schmid, der Arzt in der nördlichen Steiermark war und der darüber eine Veröffentlichung hat erscheinen lassen in der «Wiener Medizinischen Wochenschrift» 1892, Nr. 15-17, «Über Herzstoß und Pulskurven». Es ist nicht sehr viel noch in dieser Abhandlung enthalten, aber man muß sich sagen, daß wenigstens da einmal jemand aus seiner medizinischen Praxis heraus bemerkt hat, daß man es nicht zu tun hat mit dem Herzen als mit einer gewöhnlichen Pumpe, sondern mit dem Herzen als einem Stauapparat. Schmid denkt sich den ganzen Vorgang der Herzbewegung und des Herzstoßes wie die Tätigkeit des hydraulischen Widders, der durch die Strömungen in Bewegung gesetzt wird. Darinnen liegt das Wahre, was den Ausführungen des Dr. Karl Schmid innewohnt. Aber man ist erst bei dem Mechanischen, wenn man alles, was Herztätigkeit ist, auffaßt als die Folge dieser ineinandergehenden — ich kann sie jetzt symbolisch Strömungen nennen —, der flüssigen Strömung und der luftförmigen Strömung. Denn letzten Endes, was ist das Herz? Letzten Endes ist das Herz nämlich ein Sinnesorgan. Und wenn wir auch dasjenige, was die Sinnestätigkeit des Herzens ist, nicht unmittelbar im Bewußtsein haben, wenn es auch zu den unterbewußten Sinnestätigkeiten gehört, was im Herzen vorgeht, so ist deshalb doch das Herz dazu da, daß gewissermaßen die oberen Tätigkeiten wahrnehmen, empfinden können die unteren Tätigkeiten des Menschen. So, wie Sie mit Ihren Augen wahrnehmen die äußeren Farbenvorgänge, so nehmen Sie, aber allerdings im dumpfen Unterbewußtsein, durch das Herz wahr dasjenige, was in Ihrem Unterleibe sich vollzieht. Ein Sinnesorgan zum inneren Wahrnehmen ist zuletzt das Herz. Als solches ist es anzusprechen.
[ 2 ] Der einzige hoffnungsvolle Anfang, der gemacht worden ist, wenigstens diese mechanische Grundlage der Herztätigkeit — mehr allerdings nicht — einmal ins Auge zu fassen, der ist gemacht worden von einem österreichischen Arzte Dr. Karl Schmid, der Arzt in der nördlichen Steiermark war und der darüber eine Veröffentlichung hat erscheinen lassen in der «Wiener Medizinischen Wochenschrift» 1892, Nr. 15-17, «Über Herzstoß und Pulskurven». Es ist nicht sehr viel noch in dieser Abhandlung enthalten, aber man muß sich sagen, daß wenigstens da einmal jemand aus seiner medizinischen Praxis heraus bemerkt hat, daß man es nicht zu tun hat mit dem Herzen als mit einer gewöhnlichen Pumpe, sondern mit dem Herzen als einem Stauapparat. Schmid denkt sich den ganzen Vorgang der Herzbewegung und des Herzstoßes wie die Tätigkeit des hydraulischen Widders, der durch die Strömungen in Bewegung gesetzt wird. Darinnen liegt das Wahre, was den Ausführungen des Dr. Karl Schmid innewohnt. Aber man ist erst bei dem Mechanischen, wenn man alles, was Herztätigkeit ist, auffaßt als die Folge dieser ineinandergehenden — ich kann sie jetzt symbolisch Strömungen nennen —, der flüssigen Strömung und der luftförmigen Strömung. Denn letzten Endes, was ist das Herz? Letzten Endes ist das Herz nämlich ein Sinnesorgan. Und wenn wir auch dasjenige, was die Sinnestätigkeit des Herzens ist, nicht unmittelbar im Bewußtsein haben, wenn es auch zu den unterbewußten Sinnestätigkeiten gehört, was im Herzen vorgeht, so ist deshalb doch das Herz dazu da, daß gewissermaßen die oberen Tätigkeiten wahrnehmen, empfinden können die unteren Tätigkeiten des Menschen. So, wie Sie mit Ihren Augen wahrnehmen die äußeren Farbenvorgänge, so nehmen Sie, aber allerdings im dumpfen Unterbewußtsein, durch das Herz wahr dasjenige, was in Ihrem Unterleibe sich vollzieht. Ein Sinnesorgan zum inneren Wahrnehmen ist zuletzt das Herz. Als solches ist es anzusprechen.
[ 3 ] Nur dann versteht man die Polarität im Menschen selbst, wenn man weiß, daß es sich handelt darum, daß der Mensch eigentlich ein solches dualgebautes Wesen ist, das von seiten seines Oberen wahrnimmt sein Unteres. Nun muß ich allerdings das Folgende hinzufügen: Die unteren Tätigkeiten, also den einen Pol des ganzen Menschenwesens, haben wir allerdings gegeben, wenn wir Nahrungsaufnahme, Nahrungsverarbeitung im weiteren Sinne studieren bis zum Ausgleich mit der Atmung. Der Ausgleich mit der Atmung erfolgt dann mit einer rhythmischen Tätigkeit. Wir werden von der Bedeutung unserer rhythmischen Tätigkeit noch zu sprechen haben. Aber verschlungen mit der Atmungstätigkeit, dazugehörig zu der Atmungstätigkeit, müssen wir die Sinnes-Nerven-Tätigkeit ansehen, alles dasjenige, was sich bezieht auf die äußere Wahrnehmung und auf die Fortsetzung dieser äußeren Wahrnehmung, auf ihre Verarbeitung durch die Nerventätigkeit. Wenn Sie also auf der einen Seite sich vorstellen alles dasjenige, was zusammenhängend ist: Atmungstätigkeit, Sinnes-Nerven-Tätigkeit, so haben Sie gewissermaßen den einen Pol der menschlichen Organisation. Wenn Sie zusammennehmen alles dasjenige, was auf der anderen Seite Nahrungsaufnahme, Nahrungsverarbeitung, Stoffwechsel im gewöhnlichen Sinne des Wortes ist, so haben Sie den anderen Pol der Prozesse in der menschlichen Organisation. Das Herz ist im wesentlichen dasjenige Organ, welches in seinen beobachtbaren Bewegungen der Ausdruck ist des Ausgleiches zwischen diesem Oberen und Unteren, welches psychisch oder vielleicht besser gesagt, unterpsychisch das Wahrnehmungsorgan ist, das vermittelt zwischen diesen beiden Polen der menschlichen Organisation. Sie können alles dasjenige, was Ihnen Anatomie, Physiologie, Biologie bieten, studieren auf dieses Prinzip hin, und Sie werden sehen, daß dadurch erst Licht kommt in die menschliche Organisation. Solange Sie nicht unterscheiden zwischen diesem Oberen und Unteren, das durch das Herz vermittelt ist, werden Sie den Menschen nicht verstehen können, denn es ist ein Grundunterschied zwischen alledem, was in der unteren Organisationstätigkeit des Menschen vorgeht, und dem, was in der oberen Organisationstätigkeit vorgeht.
[ 3 ] Nur dann versteht man die Polarität im Menschen selbst, wenn man weiß, daß es sich handelt darum, daß der Mensch eigentlich ein solches dualgebautes Wesen ist, das von seiten seines Oberen wahrnimmt sein Unteres. Nun muß ich allerdings das Folgende hinzufügen: Die unteren Tätigkeiten, also den einen Pol des ganzen Menschenwesens, haben wir allerdings gegeben, wenn wir Nahrungsaufnahme, Nahrungsverarbeitung im weiteren Sinne studieren bis zum Ausgleich mit der Atmung. Der Ausgleich mit der Atmung erfolgt dann mit einer rhythmischen Tätigkeit. Wir werden von der Bedeutung unserer rhythmischen Tätigkeit noch zu sprechen haben. Aber verschlungen mit der Atmungstätigkeit, dazugehörig zu der Atmungstätigkeit, müssen wir die Sinnes-Nerven-Tätigkeit ansehen, alles dasjenige, was sich bezieht auf die äußere Wahrnehmung und auf die Fortsetzung dieser äußeren Wahrnehmung, auf ihre Verarbeitung durch die Nerventätigkeit. Wenn Sie also auf der einen Seite sich vorstellen alles dasjenige, was zusammenhängend ist: Atmungstätigkeit, Sinnes-Nerven-Tätigkeit, so haben Sie gewissermaßen den einen Pol der menschlichen Organisation. Wenn Sie zusammennehmen alles dasjenige, was auf der anderen Seite Nahrungsaufnahme, Nahrungsverarbeitung, Stoffwechsel im gewöhnlichen Sinne des Wortes ist, so haben Sie den anderen Pol der Prozesse in der menschlichen Organisation. Das Herz ist im wesentlichen dasjenige Organ, welches in seinen beobachtbaren Bewegungen der Ausdruck ist des Ausgleiches zwischen diesem Oberen und Unteren, welches psychisch oder vielleicht besser gesagt, unterpsychisch das Wahrnehmungsorgan ist, das vermittelt zwischen diesen beiden Polen der menschlichen Organisation. Sie können alles dasjenige, was Ihnen Anatomie, Physiologie, Biologie bieten, studieren auf dieses Prinzip hin, und Sie werden sehen, daß dadurch erst Licht kommt in die menschliche Organisation. Solange Sie nicht unterscheiden zwischen diesem Oberen und Unteren, das durch das Herz vermittelt ist, werden Sie den Menschen nicht verstehen können, denn es ist ein Grundunterschied zwischen alledem, was in der unteren Organisationstätigkeit des Menschen vorgeht, und dem, was in der oberen Organisationstätigkeit vorgeht.
[ 4 ] Will man in einer einfachen Weise diesen Unterschied ausdrücken, so könnte man etwa sagen: alles dasjenige, was im Unteren vorgeht, hat sein Negativ, sein negatives Gegenbild im Oberen. Es ist immer so, daß man zu allem, was mit dem Oberen zusammenhängt, ein Gegenbild finden kann im Unteren. Nun ist aber das Bedeutsame dieses, daß eigentlich eine materielle Vermittlung zwischen diesem Oberen und Unteren nicht stattfindet, sondern ein Entsprechen. Man muß immer das eine im Unteren auf das andere im Oberen richtig zu beziehen verstehen, nicht darauf ausgehen, eine materielle Vermittlung zu wollen. Nehmen wir ein ganz einfaches Beispiel, nehmen wir den Hustenreiz und den wirklichen Husten, wie er zusammenhängt mit dem Oberen, also insofern er dem Oberen angehört, so werden wir dafür das entsprechende Gegenbild im Unteren in der Diarrhöe haben. Wir finden immer ein entsprechendes Gegenbild für ein Oberes in dem Unteren. Und nur dadurch kommt man recht auf ein Begreifen des Menschen, daß man diese Entsprechungen — es werden uns viele solche im Laufe der Betrachtungen vor Augen treten — richtig ins Auge fassen kann.
[ 4 ] Will man in einer einfachen Weise diesen Unterschied ausdrücken, so könnte man etwa sagen: alles dasjenige, was im Unteren vorgeht, hat sein Negativ, sein negatives Gegenbild im Oberen. Es ist immer so, daß man zu allem, was mit dem Oberen zusammenhängt, ein Gegenbild finden kann im Unteren. Nun ist aber das Bedeutsame dieses, daß eigentlich eine materielle Vermittlung zwischen diesem Oberen und Unteren nicht stattfindet, sondern ein Entsprechen. Man muß immer das eine im Unteren auf das andere im Oberen richtig zu beziehen verstehen, nicht darauf ausgehen, eine materielle Vermittlung zu wollen. Nehmen wir ein ganz einfaches Beispiel, nehmen wir den Hustenreiz und den wirklichen Husten, wie er zusammenhängt mit dem Oberen, also insofern er dem Oberen angehört, so werden wir dafür das entsprechende Gegenbild im Unteren in der Diarrhöe haben. Wir finden immer ein entsprechendes Gegenbild für ein Oberes in dem Unteren. Und nur dadurch kommt man recht auf ein Begreifen des Menschen, daß man diese Entsprechungen — es werden uns viele solche im Laufe der Betrachtungen vor Augen treten — richtig ins Auge fassen kann.
[ 5 ] Nun besteht aber nicht bloß ein solches abstraktes Entsprechen, sondern es besteht zu gleicher Zeit im gesunden Organismus ein inniges Zusammengehören des Oberen und des Unteren. Es besteht ein solches Zusammengehören im gesunden Organismus, daß das Obere, irgendeine obere Tätigkeit, sei es eine Tätigkeit, die zusammenhängt mit dem Atmen, sei es eine Tätigkeit, die zusammenhängt mit dem Nerven-Sinnes-Apparat, irgendwie ein Unteres bezwingen muß, mit einem Unteren in vollem Einklang sich abspielen muß. Und es besteht sofort — und das wird uns später führen auf ein wirkliches Begreifen des Krankheitsprozesses — eine Unregelmäßigkeit im Organismus, wenn irgendwie die Vorherrschaft gewinnt, die Oberherrschaft gewinnt ein Unteres, so daß es zu stark ist für die entsprechende Tätigkeit im Oberen, oder ein Oberes, so daß es zu stark ist für eine entsprechende Tätigkeit im Unteren. Es müssen sich immer die Tätigkeiten des Oberen zu den Tätigkeiten des Unteren so verhalten, daß sie in einer gewissen Weise einander entsprechen, daß sie einander bezwingen, daß sie so zueinander verlaufen, wie sie, ich möchte sagen, zueinander orientiert sind. Da gibt es eine ganz bestimmte Orientierung. Sie ist individuell für die verschiedenen Menschen, aber es gibt eine ganz bestimmte Orientierung des ganzen oberen Verlaufes der Prozesse zu dem ganzen unteren Verlauf der Prozesse.
[ 5 ] Nun besteht aber nicht bloß ein solches abstraktes Entsprechen, sondern es besteht zu gleicher Zeit im gesunden Organismus ein inniges Zusammengehören des Oberen und des Unteren. Es besteht ein solches Zusammengehören im gesunden Organismus, daß das Obere, irgendeine obere Tätigkeit, sei es eine Tätigkeit, die zusammenhängt mit dem Atmen, sei es eine Tätigkeit, die zusammenhängt mit dem Nerven-Sinnes-Apparat, irgendwie ein Unteres bezwingen muß, mit einem Unteren in vollem Einklang sich abspielen muß. Und es besteht sofort — und das wird uns später führen auf ein wirkliches Begreifen des Krankheitsprozesses — eine Unregelmäßigkeit im Organismus, wenn irgendwie die Vorherrschaft gewinnt, die Oberherrschaft gewinnt ein Unteres, so daß es zu stark ist für die entsprechende Tätigkeit im Oberen, oder ein Oberes, so daß es zu stark ist für eine entsprechende Tätigkeit im Unteren. Es müssen sich immer die Tätigkeiten des Oberen zu den Tätigkeiten des Unteren so verhalten, daß sie in einer gewissen Weise einander entsprechen, daß sie einander bezwingen, daß sie so zueinander verlaufen, wie sie, ich möchte sagen, zueinander orientiert sind. Da gibt es eine ganz bestimmte Orientierung. Sie ist individuell für die verschiedenen Menschen, aber es gibt eine ganz bestimmte Orientierung des ganzen oberen Verlaufes der Prozesse zu dem ganzen unteren Verlauf der Prozesse.
[ 6 ] Nun handelt es sich darum, daß man den Übergang finden könne von diesem gesund wirkenden Organismus, in dem das Obere dem Unteren entspricht, zu dem kranken Organismus. Wenn man, ich möchte sagen, ausgeht von den Andeutungen des Kranken in dem, was der Paracelsus Archaeus genannt hat, was wir Ätherleib nennen, oder wenn Sie es so frisieren wollen, daß es Ihnen von außen, von den Leuten, die nichts wissen wollen von diesen Dingen, nicht übelgenommen wird, so können Sie ja auch sagen, Sie wollen reden zunächst von den Andeutungen des Krankseins im Funktionellen oder Dynamischen, also von den Anflügen, die gewissermaßen erst da sind zum Kranksein — wenn wir von diesen ausgehen, wenn wir davon reden, was sich zuerst im Ätherleib oder im bloßen Funktionellen ankündet, so kann man auch von einer Polarität reden, aber einer Polarität, die schon das Nicht-Entsprechende, die Unregelmäßigkeit in sich trägt. Und das entsteht auf die folgende Weise.
[ 6 ] Nun handelt es sich darum, daß man den Übergang finden könne von diesem gesund wirkenden Organismus, in dem das Obere dem Unteren entspricht, zu dem kranken Organismus. Wenn man, ich möchte sagen, ausgeht von den Andeutungen des Kranken in dem, was der Paracelsus Archaeus genannt hat, was wir Ätherleib nennen, oder wenn Sie es so frisieren wollen, daß es Ihnen von außen, von den Leuten, die nichts wissen wollen von diesen Dingen, nicht übelgenommen wird, so können Sie ja auch sagen, Sie wollen reden zunächst von den Andeutungen des Krankseins im Funktionellen oder Dynamischen, also von den Anflügen, die gewissermaßen erst da sind zum Kranksein — wenn wir von diesen ausgehen, wenn wir davon reden, was sich zuerst im Ätherleib oder im bloßen Funktionellen ankündet, so kann man auch von einer Polarität reden, aber einer Polarität, die schon das Nicht-Entsprechende, die Unregelmäßigkeit in sich trägt. Und das entsteht auf die folgende Weise.
[ 7 ] Nehmen wir an, daß im Unteren, also im Nahrungsaufnehmen und im Verdauungsapparat im weiteren Sinne, präponderiert dasjenige, was die inneren chemischen oder auch organischen Kräfte der aufgenommenen Nahrung sind. Im gesunden Organismus muß es so sein, daß alle diejenigen Kräfte, welche in den Nahrungsmitteln selber wirken, welche den Nahrungsmitteln immanent sind, die wir also außen im Laboratorium an den Nahrungsmitteln untersuchen, durch das Obere überwunden sind, daß sie für die Wirksamkeit des Inneren im Organismus gar nicht in Betracht kommen, daß da gar nichts von äußerer Chemie, von äußerer Dynamik und dergleichen geschieht, sondern alles das ganz überwunden ist. Aber es kann so kommen, daß das Obere nicht stark genug ist in seinem Entsprechen, um das Untere wirklich ganz zu durchfassen, um es gewissermaßen ganz zu durchkochen, ich könnte auch sagen, zu durchätherisieren, das würde etwas genauer gesprochen sein, dann ist im menschlichen Organismus ein eigentlich nicht zu ihm gehöriger präponderierender Vorgang, der ein Vorgang ist, wie er sich sonst in der Außenwelt abspielt, wie er sich nicht abspielen sollte im menschlichen Organismus. Es zeigt sich ein solcher Vorgang, weil nicht gleich der physische Leib voll ergriffen wird von solchen Unregelmäßigkeiten, zunächst in dem, was man eben das Funktionelle nennen könnte, in dem Ätherleib, dem Archäus. Wenn wir einen gebräuchlichen Ausdruck wählen wollen, der nur genommen ist, ich möchte sagen, von bestimmten Formen dieser Unregelmäßigkeit, so müssen wir den Ausdruck Hysterie wählen. Hysterie wollen wir wählen als Ausdruck — wir werden später noch sehen, daß der Ausdruck nicht schlecht gewählt ist —, als Terminus für das zu große Selbständigwerden der Stoffwechselprozesse. Die eigentlich hysterischen Erscheinungen im engeren Sinne sind ja nichts anderes als ein Bis-zur-Kulmination-Treiben dieses unregelmäßigen Stoffwechsels. In Wirklichkeit haben wir auch in dem bis zu den sexuellen Symptomen hinreichenden hysterischen Prozesse im wesentlichen nichts anderes vorliegen als solche Unregelmäßigkeiten des Stoffwechsels, die eigentlich Außenprozesse sind ihrem Wesen nach, die nicht im menschlichen Organismus sein sollten, Prozesse also, denen gegenüber sich das Obere zu schwach erweist, um sie zu bewältigen. Das ist der eine Pol.
[ 7 ] Nehmen wir an, daß im Unteren, also im Nahrungsaufnehmen und im Verdauungsapparat im weiteren Sinne, präponderiert dasjenige, was die inneren chemischen oder auch organischen Kräfte der aufgenommenen Nahrung sind. Im gesunden Organismus muß es so sein, daß alle diejenigen Kräfte, welche in den Nahrungsmitteln selber wirken, welche den Nahrungsmitteln immanent sind, die wir also außen im Laboratorium an den Nahrungsmitteln untersuchen, durch das Obere überwunden sind, daß sie für die Wirksamkeit des Inneren im Organismus gar nicht in Betracht kommen, daß da gar nichts von äußerer Chemie, von äußerer Dynamik und dergleichen geschieht, sondern alles das ganz überwunden ist. Aber es kann so kommen, daß das Obere nicht stark genug ist in seinem Entsprechen, um das Untere wirklich ganz zu durchfassen, um es gewissermaßen ganz zu durchkochen, ich könnte auch sagen, zu durchätherisieren, das würde etwas genauer gesprochen sein, dann ist im menschlichen Organismus ein eigentlich nicht zu ihm gehöriger präponderierender Vorgang, der ein Vorgang ist, wie er sich sonst in der Außenwelt abspielt, wie er sich nicht abspielen sollte im menschlichen Organismus. Es zeigt sich ein solcher Vorgang, weil nicht gleich der physische Leib voll ergriffen wird von solchen Unregelmäßigkeiten, zunächst in dem, was man eben das Funktionelle nennen könnte, in dem Ätherleib, dem Archäus. Wenn wir einen gebräuchlichen Ausdruck wählen wollen, der nur genommen ist, ich möchte sagen, von bestimmten Formen dieser Unregelmäßigkeit, so müssen wir den Ausdruck Hysterie wählen. Hysterie wollen wir wählen als Ausdruck — wir werden später noch sehen, daß der Ausdruck nicht schlecht gewählt ist —, als Terminus für das zu große Selbständigwerden der Stoffwechselprozesse. Die eigentlich hysterischen Erscheinungen im engeren Sinne sind ja nichts anderes als ein Bis-zur-Kulmination-Treiben dieses unregelmäßigen Stoffwechsels. In Wirklichkeit haben wir auch in dem bis zu den sexuellen Symptomen hinreichenden hysterischen Prozesse im wesentlichen nichts anderes vorliegen als solche Unregelmäßigkeiten des Stoffwechsels, die eigentlich Außenprozesse sind ihrem Wesen nach, die nicht im menschlichen Organismus sein sollten, Prozesse also, denen gegenüber sich das Obere zu schwach erweist, um sie zu bewältigen. Das ist der eine Pol.
[ 8 ] Dann, wenn solche Erscheinungen mit dem hysterischen Charakter auftreten, dann haben wir es zu tun mit einem Zu-stark-Werden der außermenschlichen Tätigkeit in den unteren Teilen der menschlichen Organisation. Aber es kann dieselbe Unregelmäßigkeit der Wechselwirkung auch eintreten dadurch, daß der obere Prozeß nicht richtig verläuft, daß er so in sich verläuft, daß er die obere Organisation zu stark in Anspruch nimmt. Er ist der entgegengesetzte, gewissermaßen das Negativ der unteren Prozesse, er nimmt die oberen Prozesse zu stark in Anspruch. Er hört gleichsam auf, bevor er sich durch das Herz vermittelt mit der unteren Organisation. Er ist also zu stark geistig, zu stark — wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf — organisch intellektuell. Dann tritt der andere Pol dieser Unregelmäßigkeiten auf, die Neurasthenie. Diese beiden, ich möchte sagen, noch im Funktionellen steckenden Unregelmäßigkeiten der menschlichen Organisation müssen vor allen Dingen ins Auge gefaßt werden. Denn sie sind gewissermaßen die Defekte, die sich ausdrücken im Oberen, ausdrücken im Unteren. Und man wird allmählich verstehen müssen, wie die Polarität in der menschlichen Organisation dem einen oder dem anderen Mangel unterliegt. Man hat also in der Neurasthenie ein Funktionieren des Oberen, das zu stark die Organe des Oberen in Anspruch nimmt, so daß dasjenige, was eigentlich, vermittelt durch das Herz von oben aus, im Unteren geschehen soll, schon im Oberen geschieht, schon da abgemacht wird, so daß die Tätigkeit nicht hinunterdringt, vermittelt durch die Stauung im Herzen, in die untere Strömung. Sie sehen auch, daß es wichtiger, viel wichtiger ist, ich möchte sagen, die äußere Physiognomie des Krankheitsbildes zu beobachten als durch die Autopsie die defekt gewordenen Organe. Denn was die Autopsie in den defekt gewordenen Organen zeigt, sind doch nur Folgeerscheinungen. Das Wesentliche ist, das ganze Bild, die Physiognomie der Krankheit ins Auge zu fassen. Diese Physiognomie wird Ihnen immer geben in einer gewissen Weise ein nach der einen oder der anderen Richtung zunächst inklinierendes Bild nach dem Neurasthenischen oder nach dem Hysterischen. Aber natürlich, man muß diese Ausdrücke erweitern gegenüber dem gewöhnlichen Wortgebrauch.
[ 8 ] Dann, wenn solche Erscheinungen mit dem hysterischen Charakter auftreten, dann haben wir es zu tun mit einem Zu-stark-Werden der außermenschlichen Tätigkeit in den unteren Teilen der menschlichen Organisation. Aber es kann dieselbe Unregelmäßigkeit der Wechselwirkung auch eintreten dadurch, daß der obere Prozeß nicht richtig verläuft, daß er so in sich verläuft, daß er die obere Organisation zu stark in Anspruch nimmt. Er ist der entgegengesetzte, gewissermaßen das Negativ der unteren Prozesse, er nimmt die oberen Prozesse zu stark in Anspruch. Er hört gleichsam auf, bevor er sich durch das Herz vermittelt mit der unteren Organisation. Er ist also zu stark geistig, zu stark — wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf — organisch intellektuell. Dann tritt der andere Pol dieser Unregelmäßigkeiten auf, die Neurasthenie. Diese beiden, ich möchte sagen, noch im Funktionellen steckenden Unregelmäßigkeiten der menschlichen Organisation müssen vor allen Dingen ins Auge gefaßt werden. Denn sie sind gewissermaßen die Defekte, die sich ausdrücken im Oberen, ausdrücken im Unteren. Und man wird allmählich verstehen müssen, wie die Polarität in der menschlichen Organisation dem einen oder dem anderen Mangel unterliegt. Man hat also in der Neurasthenie ein Funktionieren des Oberen, das zu stark die Organe des Oberen in Anspruch nimmt, so daß dasjenige, was eigentlich, vermittelt durch das Herz von oben aus, im Unteren geschehen soll, schon im Oberen geschieht, schon da abgemacht wird, so daß die Tätigkeit nicht hinunterdringt, vermittelt durch die Stauung im Herzen, in die untere Strömung. Sie sehen auch, daß es wichtiger, viel wichtiger ist, ich möchte sagen, die äußere Physiognomie des Krankheitsbildes zu beobachten als durch die Autopsie die defekt gewordenen Organe. Denn was die Autopsie in den defekt gewordenen Organen zeigt, sind doch nur Folgeerscheinungen. Das Wesentliche ist, das ganze Bild, die Physiognomie der Krankheit ins Auge zu fassen. Diese Physiognomie wird Ihnen immer geben in einer gewissen Weise ein nach der einen oder der anderen Richtung zunächst inklinierendes Bild nach dem Neurasthenischen oder nach dem Hysterischen. Aber natürlich, man muß diese Ausdrücke erweitern gegenüber dem gewöhnlichen Wortgebrauch.
[ 9 ] Nun, hat man sich ein genügendes Bild gemacht von diesem Zusammenwirken des Oberen und des Unteren, dann wird man von da ausgehend allmählich erkennen, wie das, was zunächst nur funktionell vorliegt, also — wie wir sagen würden — im Ätherischen sich abspielt, ergreift das Organisch-Physische, indem es gewissermaßen in seinen Kräften dichter wird, und wie man davon sprechen kann, daß dasjenige, was zuerst nur als hysterische Andeutung vorhanden ist, in verschiedenen Unterleibserkrankungen gewissermaßen physische Gestalt annehmen kann, wie nach der anderen Seite in Halskrankheiten, Kopfkrankheiten die Neurasthenie organische Gestalt annehmen kann. Dieses, ich möchte sagen, Abdrücken dieser zunächst funktionellen physischen Erscheinungen im Neurasthenischen und Hysterischen zu studieren, das wird außerordentlich wichtig sein für die zukünftige Medizin. Es wird die Folge der, ich möchte sagen, organisch gewordenen Hysterie sein: Unregelmäßigkeiten in dem ganzen Verdauungsvorgang, überhaupt in allen Vorgängen des Unterleibes. Aber dasjenige, was so in einem Organismus vorgeht, das wirkt doch wiederum auf den ganzen Organismus zurück. Das darf nicht außer acht gelassen werden, daß dasjenige, was als Unregelmäßigkeiten vor sich geht, wiederum auf den ganzen Organismus zurückwirkt.
[ 9 ] Nun, hat man sich ein genügendes Bild gemacht von diesem Zusammenwirken des Oberen und des Unteren, dann wird man von da ausgehend allmählich erkennen, wie das, was zunächst nur funktionell vorliegt, also — wie wir sagen würden — im Ätherischen sich abspielt, ergreift das Organisch-Physische, indem es gewissermaßen in seinen Kräften dichter wird, und wie man davon sprechen kann, daß dasjenige, was zuerst nur als hysterische Andeutung vorhanden ist, in verschiedenen Unterleibserkrankungen gewissermaßen physische Gestalt annehmen kann, wie nach der anderen Seite in Halskrankheiten, Kopfkrankheiten die Neurasthenie organische Gestalt annehmen kann. Dieses, ich möchte sagen, Abdrücken dieser zunächst funktionellen physischen Erscheinungen im Neurasthenischen und Hysterischen zu studieren, das wird außerordentlich wichtig sein für die zukünftige Medizin. Es wird die Folge der, ich möchte sagen, organisch gewordenen Hysterie sein: Unregelmäßigkeiten in dem ganzen Verdauungsvorgang, überhaupt in allen Vorgängen des Unterleibes. Aber dasjenige, was so in einem Organismus vorgeht, das wirkt doch wiederum auf den ganzen Organismus zurück. Das darf nicht außer acht gelassen werden, daß dasjenige, was als Unregelmäßigkeiten vor sich geht, wiederum auf den ganzen Organismus zurückwirkt.
[ 10 ] Nun denken Sie sich einmal, so etwas, was, wenn man es zunächst im Funktionellen beobachten könnte, einfach eine hysterische Erscheinung wäre, kommt funktionell überhaupt nicht zum Ausdruck. Es kann das durchaus sein. Es kommt funktionell nicht zum Ausdruck. Der Ätherleib drückt es sogleich in den physischen Leib hinein. Es erscheint auch nicht als eine ausgesprochene Erkrankung irgendwie in den Unterleibsorganen, aber es ist drinnen. Es ist also in den Unterleibsorganen, sagen wir, etwas, was wie ein Stempelabdruck der Hysterie ist. Dadurch, daß es sich in das Physische hinein abgedrückt hat, kommt es nicht psychisch als hysterische Erscheinung zum Vorschein, aber es ist auch noch nicht stark genug, um eine belästigende Krankheit, physische Krankheit zu sein. Aber es ist dann stark genug, um doch im ganzen Organismus zu wirken. Dann haben wir die eigentümliche Erscheinung, daß so etwas, was, ich möchte sagen, schwebt zwischen Krankheit und Gesundheit, daß das vom Unteren aufs Obere hinaufwirkt, aufs Obere zurückwirkt, das Obere gewissermaßen ansteckt und in seinem Negativ erscheint. Diese Erscheinung, wo gewissermaßen der erste physische Folgezustand des Hysterischen in seiner Wirkung auf die Gebiete erscheint, die sonst, wenn sie einseitig, unregelmäßig werden, der Neurasthenie unterliegen, diese Erscheinung, die gibt die Anlage zur Tuberkulose.
[ 10 ] Nun denken Sie sich einmal, so etwas, was, wenn man es zunächst im Funktionellen beobachten könnte, einfach eine hysterische Erscheinung wäre, kommt funktionell überhaupt nicht zum Ausdruck. Es kann das durchaus sein. Es kommt funktionell nicht zum Ausdruck. Der Ätherleib drückt es sogleich in den physischen Leib hinein. Es erscheint auch nicht als eine ausgesprochene Erkrankung irgendwie in den Unterleibsorganen, aber es ist drinnen. Es ist also in den Unterleibsorganen, sagen wir, etwas, was wie ein Stempelabdruck der Hysterie ist. Dadurch, daß es sich in das Physische hinein abgedrückt hat, kommt es nicht psychisch als hysterische Erscheinung zum Vorschein, aber es ist auch noch nicht stark genug, um eine belästigende Krankheit, physische Krankheit zu sein. Aber es ist dann stark genug, um doch im ganzen Organismus zu wirken. Dann haben wir die eigentümliche Erscheinung, daß so etwas, was, ich möchte sagen, schwebt zwischen Krankheit und Gesundheit, daß das vom Unteren aufs Obere hinaufwirkt, aufs Obere zurückwirkt, das Obere gewissermaßen ansteckt und in seinem Negativ erscheint. Diese Erscheinung, wo gewissermaßen der erste physische Folgezustand des Hysterischen in seiner Wirkung auf die Gebiete erscheint, die sonst, wenn sie einseitig, unregelmäßig werden, der Neurasthenie unterliegen, diese Erscheinung, die gibt die Anlage zur Tuberkulose.
[ 11 ] Das ist ein interessanter Zusammenhang. Die Anlage zu Tuberkulose ist eine Rückwirkung der Ihnen eben geschilderten Tätigkeit im Unteren auf das Obere. Diese ganz merkwürdige Wechselwirkung, die da entsteht dadurch, daß ein nicht ganz auslaufender Prozeß, wie ich ihn geschildert habe, zurückwirkt auf das Obere, gibt die Anlage zu Tuberkulose. Man wird nicht finden irgend etwas, was rationell der Tuberkulose beikommt, wenn man nicht auf diese, ich möchte sagen, Ur-Anlage des menschlichen Organismus zurückgeht. Denn daß die Parasiten Platz greifen im menschlichen Organismus, das ist nur eine Folgeerscheinung jener Ut-Anlagen, von denen ich Ihnen jetzt eben gesprochen habe. Das widerspricht nicht der Tatsache, daß, wenn die nötigen Voraussetzungen dazu da sind, so etwas wie die Tuberkulose ansteckend ist. Natürlich müssen die nötigen Voraussetzungen dazu dasein. Aber es ist schon so, daß bei einem furchtbar großen Teile der heutigen Menschheit dieses Prädominierende der unteren organischen Tätigkeit leider vorliegt, so daß die Disposition zur Tuberkulose in einer erschrekkenden Weise heute eigentlich ausgebreitet ist.
[ 11 ] Das ist ein interessanter Zusammenhang. Die Anlage zu Tuberkulose ist eine Rückwirkung der Ihnen eben geschilderten Tätigkeit im Unteren auf das Obere. Diese ganz merkwürdige Wechselwirkung, die da entsteht dadurch, daß ein nicht ganz auslaufender Prozeß, wie ich ihn geschildert habe, zurückwirkt auf das Obere, gibt die Anlage zu Tuberkulose. Man wird nicht finden irgend etwas, was rationell der Tuberkulose beikommt, wenn man nicht auf diese, ich möchte sagen, Ur-Anlage des menschlichen Organismus zurückgeht. Denn daß die Parasiten Platz greifen im menschlichen Organismus, das ist nur eine Folgeerscheinung jener Ut-Anlagen, von denen ich Ihnen jetzt eben gesprochen habe. Das widerspricht nicht der Tatsache, daß, wenn die nötigen Voraussetzungen dazu da sind, so etwas wie die Tuberkulose ansteckend ist. Natürlich müssen die nötigen Voraussetzungen dazu dasein. Aber es ist schon so, daß bei einem furchtbar großen Teile der heutigen Menschheit dieses Prädominierende der unteren organischen Tätigkeit leider vorliegt, so daß die Disposition zur Tuberkulose in einer erschrekkenden Weise heute eigentlich ausgebreitet ist.
[ 12 ] Nun, Ansteckung ist deshalb doch ein gültiger Begriff auf diesem Gebiete, denn derjenige, der in einem höheren Grade tuberkulosekrank ist, wirkt schon auf seine Mitmenschen. Und wenn man dem ausgesetzt ist, in dem der Tuberkulosekranke drinnen lebt, so tritt eben das ein, daß, was sonst bloß Wirkung ist, wiederum zur Ursache werden kann. Ich versuche immer mit einem Vergleich, mit einer Analogie diese Beziehung zwischen dem primären Entstehen einer Krankheit und der Ansteckung klarzumachen, indem ich etwa sage: Nehmen wir an, ich treffe auf der Straße einen Freund, dessen menschliche Beziehungen mir sonst nicht naheliegen. Er kommt traurig, er hat einen Grund, traurig zu sein, denn es ist ihm ein Freund gestorben. Ich habe keine direkten Beziehungen zu dem Freunde, der ihm gestorben ist. Indem ich ihm aber begegne und er mir seine Traurigkeit meldet, werde ich mit ihm traurig. Er wird traurig durch die direkte Ursache, ich durch eine Ansteckung. Aber dabei bleibt es doch richtig, daß nur die gegenseitige Beziehung zwischen mir und ihm die Voraussetzung zu dieser Ansteckung ist.
[ 12 ] Nun, Ansteckung ist deshalb doch ein gültiger Begriff auf diesem Gebiete, denn derjenige, der in einem höheren Grade tuberkulosekrank ist, wirkt schon auf seine Mitmenschen. Und wenn man dem ausgesetzt ist, in dem der Tuberkulosekranke drinnen lebt, so tritt eben das ein, daß, was sonst bloß Wirkung ist, wiederum zur Ursache werden kann. Ich versuche immer mit einem Vergleich, mit einer Analogie diese Beziehung zwischen dem primären Entstehen einer Krankheit und der Ansteckung klarzumachen, indem ich etwa sage: Nehmen wir an, ich treffe auf der Straße einen Freund, dessen menschliche Beziehungen mir sonst nicht naheliegen. Er kommt traurig, er hat einen Grund, traurig zu sein, denn es ist ihm ein Freund gestorben. Ich habe keine direkten Beziehungen zu dem Freunde, der ihm gestorben ist. Indem ich ihm aber begegne und er mir seine Traurigkeit meldet, werde ich mit ihm traurig. Er wird traurig durch die direkte Ursache, ich durch eine Ansteckung. Aber dabei bleibt es doch richtig, daß nur die gegenseitige Beziehung zwischen mir und ihm die Voraussetzung zu dieser Ansteckung ist.
[ 13 ] Also die beiden Begriffe: primäres Entstehen und Ansteckung, haben durchaus ihre Berechtigung, und sie haben insbesondere bei der Tuberkulose eine starke Berechtigung. Nur sollte man sie im rationellen Sinne wirklich verwenden. Die 'Tuberkuloseanstalten sind ja manchmal gerade Brutanstalten für die Tuberkulose. Wenn man die Tuberkulösen schon zusammenpfercht in Tuberkuloseanstalten, so sollte man diese Tuberkuloseanstalten, soviel man kann, immer wiederum abbrechen und durch andere ersetzen. Nach einer bestimmten Zeit sollten Tuberkuloseanstalten eigentlich immer entfernt werden. Denn das ist das Eigentümliche, daß die Tuberkulösen selber die allergrößte Anlage haben, angesteckt zu werden, das heißt, daß ihre vielleicht sonst ausbesserbare Krankheit vielleicht schlimmer wird, wenn sie in der Nähe von schwereren Tuberkulosekranken sind. Aber ich wollte ja vorläufig zunächst nur auf das Wesen der Tuberkulose hinweisen. Wir sehen gerade bei der Tuberkulose als an einem Beispiel, wie gewissermaßen ineinandergreifen müssen die verschiedenen Prozesse am menschlichen Organismus, die ja, wie Sie sich denken können, immer unter dem Einflusse dieser Tatsache stehen müssen, daß wir es eben mit der oberen und mit der unteren Organisation zu tun haben, die einander so entsprechen, wie positives Bild und negatives Bild einander entgegengesetzt sind. Man kann an den, ich möchte sagen, ganz auffälligsten Erscheinungen, welche die Tuberkulose zunächst vorbereiten, indem eine solche Konstitution des Organismus vorhanden ist, wie ich sie dargelegt habe, in ihrem Verlaufe dann weiter studieren, wie überhaupt das Krankheitswesen anzuschauen ist.
[ 13 ] Also die beiden Begriffe: primäres Entstehen und Ansteckung, haben durchaus ihre Berechtigung, und sie haben insbesondere bei der Tuberkulose eine starke Berechtigung. Nur sollte man sie im rationellen Sinne wirklich verwenden. Die 'Tuberkuloseanstalten sind ja manchmal gerade Brutanstalten für die Tuberkulose. Wenn man die Tuberkulösen schon zusammenpfercht in Tuberkuloseanstalten, so sollte man diese Tuberkuloseanstalten, soviel man kann, immer wiederum abbrechen und durch andere ersetzen. Nach einer bestimmten Zeit sollten Tuberkuloseanstalten eigentlich immer entfernt werden. Denn das ist das Eigentümliche, daß die Tuberkulösen selber die allergrößte Anlage haben, angesteckt zu werden, das heißt, daß ihre vielleicht sonst ausbesserbare Krankheit vielleicht schlimmer wird, wenn sie in der Nähe von schwereren Tuberkulosekranken sind. Aber ich wollte ja vorläufig zunächst nur auf das Wesen der Tuberkulose hinweisen. Wir sehen gerade bei der Tuberkulose als an einem Beispiel, wie gewissermaßen ineinandergreifen müssen die verschiedenen Prozesse am menschlichen Organismus, die ja, wie Sie sich denken können, immer unter dem Einflusse dieser Tatsache stehen müssen, daß wir es eben mit der oberen und mit der unteren Organisation zu tun haben, die einander so entsprechen, wie positives Bild und negatives Bild einander entgegengesetzt sind. Man kann an den, ich möchte sagen, ganz auffälligsten Erscheinungen, welche die Tuberkulose zunächst vorbereiten, indem eine solche Konstitution des Organismus vorhanden ist, wie ich sie dargelegt habe, in ihrem Verlaufe dann weiter studieren, wie überhaupt das Krankheitswesen anzuschauen ist.
[ 14 ] Nehmen wir die gebräuchlichste Erscheinung eines Menschen, der etwa ein angehender Tuberkulosekranker ist, bei dem also die Tuberkulose eigentlich erst in der Zukunft liegt, sich vorbereitet. Da werden wir vielleicht wahrnehmen, daß er hustet. Wir werden wahrnehmen, daß er Hals-Brust-Schmerzen, vielleicht auch Gliedschmerzen hat. Wir werden wahrnehmen gewisse Ermüdungszustände bei ihm, wir werden namentlich wahrnehmen Nachtschweiße.
[ 14 ] Nehmen wir die gebräuchlichste Erscheinung eines Menschen, der etwa ein angehender Tuberkulosekranker ist, bei dem also die Tuberkulose eigentlich erst in der Zukunft liegt, sich vorbereitet. Da werden wir vielleicht wahrnehmen, daß er hustet. Wir werden wahrnehmen, daß er Hals-Brust-Schmerzen, vielleicht auch Gliedschmerzen hat. Wir werden wahrnehmen gewisse Ermüdungszustände bei ihm, wir werden namentlich wahrnehmen Nachtschweiße.
[ 15 ] Was ist das alles? Wenn wir diese Erscheinungen uns vor Augen führen, was sind sie eigentlich alle? Dies alles, was ich Ihnen jetzt vorgeführt habe, ist zunächst etwas, was als Folge von den geschilderten inneren unregelmäßigen Wechselwirkungen auftritt. Aber es ist zu gleicher Zeit ein Kampf, den der Organismus eingeht gegen dasjenige, was da als tiefere Grundlage vorliegt. Sehen Sie, Husten — betrachten wir solche einfache Dinge zunächst, wir werden schon auch zu den komplizierteren kommen —, Husten immer unter allen Umständen zu bekämpfen, ist ganz gewiß nicht gut. Manchmal kann es sogar der Organismus nötig machen, vielleicht Husten künstlich hervorzurufen. Wenn die untere Organisation des Menschen irgendwie so ist, daß sie von der oberen Organisation nicht bezwungen werden kann, dann ist das, was als Hustenreiz auftritt, eine gesunde Reaktion des menschlichen Organismus, um gewisse Dinge, die sonst eindringen, nicht eindringen zu lassen. Und unter allen Umständen Husten einfach direkt zu unterbinden, kann unter Umständen von Unheil sein, denn dann nimmt der Körper Schädlichkeiten auf. Er hustet aus dem Grunde, weil er in dieser zeitweiligen Disposition diese Schädlichkeiten nicht vertragen kann und sie sich fortschaffen will. Der Hustenreiz ist gerade die Anzeige dafür, daß irgend etwas im Organismus los ist, so daß die Nötigung vorliegt, die entsprechenden Eindringlinge, die sonst ganz gut in den Organismus eindringen können, nicht eindringen zu lassen.
[ 15 ] Was ist das alles? Wenn wir diese Erscheinungen uns vor Augen führen, was sind sie eigentlich alle? Dies alles, was ich Ihnen jetzt vorgeführt habe, ist zunächst etwas, was als Folge von den geschilderten inneren unregelmäßigen Wechselwirkungen auftritt. Aber es ist zu gleicher Zeit ein Kampf, den der Organismus eingeht gegen dasjenige, was da als tiefere Grundlage vorliegt. Sehen Sie, Husten — betrachten wir solche einfache Dinge zunächst, wir werden schon auch zu den komplizierteren kommen —, Husten immer unter allen Umständen zu bekämpfen, ist ganz gewiß nicht gut. Manchmal kann es sogar der Organismus nötig machen, vielleicht Husten künstlich hervorzurufen. Wenn die untere Organisation des Menschen irgendwie so ist, daß sie von der oberen Organisation nicht bezwungen werden kann, dann ist das, was als Hustenreiz auftritt, eine gesunde Reaktion des menschlichen Organismus, um gewisse Dinge, die sonst eindringen, nicht eindringen zu lassen. Und unter allen Umständen Husten einfach direkt zu unterbinden, kann unter Umständen von Unheil sein, denn dann nimmt der Körper Schädlichkeiten auf. Er hustet aus dem Grunde, weil er in dieser zeitweiligen Disposition diese Schädlichkeiten nicht vertragen kann und sie sich fortschaffen will. Der Hustenreiz ist gerade die Anzeige dafür, daß irgend etwas im Organismus los ist, so daß die Nötigung vorliegt, die entsprechenden Eindringlinge, die sonst ganz gut in den Organismus eindringen können, nicht eindringen zu lassen.
[ 16 ] Aber auch die anderen Erscheinungen, die wir angeführt haben, sind ein Wehren, ein Kampf des Organismus gegen dasjenige, was heraufzieht in der Tuberkuloseanlage. Halsschmerzen, Gliederschmerzen zeigen einfach an, daß der Organismus diejenigen Prozesse nicht vor sich gehen läßt, die nicht bezwungen werden können als untere Prozesse von den oberen. Wiederum könnte es zum Beispiel, wenn rechtzeitig die Tuberkuloseanlage bemerkt wird, gut sein, den Organismus dadurch zu unterstützen, daß man Hustenreize in mäßiger Art hervorruft, daß man insbesondere — wir werden sehen, wie man das machen kann, in den folgenden Vorträgen — die Folgeerscheinungen hervorruft, ja auch durch eine gewisse Diät — man kann das, wie wir sehen werden — sogar die Müdigkeitserscheinungen hervorruft. Auch wenn zum Beispiel Abmagerung eintritt, so ist das auch nur ein Abwehrmittel. Denn der Prozeß, der dann vor sich geht, wenn man nicht abmagert, ist vielleicht gerade dasjenige im Unteren, was vom Oberen nicht bezwungen werden kann, so daß der Organismus sich dadurch wehrt, daß er abmagert, damit dasjenige, was nicht bezwungen werden kann, zeitweilig nicht da ist.
[ 16 ] Aber auch die anderen Erscheinungen, die wir angeführt haben, sind ein Wehren, ein Kampf des Organismus gegen dasjenige, was heraufzieht in der Tuberkuloseanlage. Halsschmerzen, Gliederschmerzen zeigen einfach an, daß der Organismus diejenigen Prozesse nicht vor sich gehen läßt, die nicht bezwungen werden können als untere Prozesse von den oberen. Wiederum könnte es zum Beispiel, wenn rechtzeitig die Tuberkuloseanlage bemerkt wird, gut sein, den Organismus dadurch zu unterstützen, daß man Hustenreize in mäßiger Art hervorruft, daß man insbesondere — wir werden sehen, wie man das machen kann, in den folgenden Vorträgen — die Folgeerscheinungen hervorruft, ja auch durch eine gewisse Diät — man kann das, wie wir sehen werden — sogar die Müdigkeitserscheinungen hervorruft. Auch wenn zum Beispiel Abmagerung eintritt, so ist das auch nur ein Abwehrmittel. Denn der Prozeß, der dann vor sich geht, wenn man nicht abmagert, ist vielleicht gerade dasjenige im Unteren, was vom Oberen nicht bezwungen werden kann, so daß der Organismus sich dadurch wehrt, daß er abmagert, damit dasjenige, was nicht bezwungen werden kann, zeitweilig nicht da ist.
[ 17 ] Es ist also außerordentlich wichtig, solche Dinge im einzelnen zu studieren, nicht etwa, wenn jemand einer Abmagerung unterliegt, ohne weiteres ihn einer Fettkur zu unterwerfen, denn diese Abmagerung kann ihren sehr guten Sinn haben in dem, was sich gerade zeitweilig im Organismus ausdrückt.
[ 17 ] Es ist also außerordentlich wichtig, solche Dinge im einzelnen zu studieren, nicht etwa, wenn jemand einer Abmagerung unterliegt, ohne weiteres ihn einer Fettkur zu unterwerfen, denn diese Abmagerung kann ihren sehr guten Sinn haben in dem, was sich gerade zeitweilig im Organismus ausdrückt.
[ 18 ] Und insbesondere sind sehr lehrreich, bei dem noch nicht Tuberkulosekranken, bei dem aber die Tuberkulose in Aussicht steht, die Nachtschweiße. Denn die Nachtschweiße sind nichts anderes als eine während des Schlafes vollzogene Tätigkeit des Organismus, die eigentlich im Wachen unter der vollen geistig-physischen Tätigkeit vor sich gehen sollte. Dasjenige, was eigentlich bei Tag bei vollem Wachen vor sich gehen sollte, das geht nicht vor sich und schafft sich seinen Ausdruck in der Nacht. Es ist eine Folgeerscheinung und zu gleicher Zeit ein Abwehrmittel. Während der Organismus entlastet ist von seiner geistigen Tätigkeit, schafft er sich die Tätigkeit, die in dem Nachtschweiße zum Ausdruck kommt.
[ 18 ] Und insbesondere sind sehr lehrreich, bei dem noch nicht Tuberkulosekranken, bei dem aber die Tuberkulose in Aussicht steht, die Nachtschweiße. Denn die Nachtschweiße sind nichts anderes als eine während des Schlafes vollzogene Tätigkeit des Organismus, die eigentlich im Wachen unter der vollen geistig-physischen Tätigkeit vor sich gehen sollte. Dasjenige, was eigentlich bei Tag bei vollem Wachen vor sich gehen sollte, das geht nicht vor sich und schafft sich seinen Ausdruck in der Nacht. Es ist eine Folgeerscheinung und zu gleicher Zeit ein Abwehrmittel. Während der Organismus entlastet ist von seiner geistigen Tätigkeit, schafft er sich die Tätigkeit, die in dem Nachtschweiße zum Ausdruck kommt.
[ 19 ] Man muß allerdings, um diese Tatsache voll würdigen zu können, ein wenig wissen darüber, daß alle Ausscheidungsvorgänge, auch die Schweißbildung, in innigem Zusammenhang stehen mit dem, was sonst seelische und geistige Tätigkeit in sich schließt. Die aufbauenden Prozesse, die eigentlichen vitalischen Aufbauungsprozesse, sind nämlich bloß die Grundlage des Unbewußten. Dasjenige, was entspricht den wachen, bewußten seelisch-organischen Tätigkeiten, das sind überall Ausscheidungsprozesse. Auch unserem Denken entsprechen nicht etwa Aufbauprozesse des Gehirns, sondern Ausscheidungsprozesse, Abbauprozesse des Gehirns. Und das Auftreten von Nachtschweißen ist eben ein Ausscheidungsprozeß, der eigentlich im normalen Leben parallel gehen müßte einer geistig-seelischen Tätigkeit. Weil aber das Obere mit dem Unteren nicht in dem richtigen Wechselverhältnis steht, so spart sich so etwas dann für die Nacht auf, wo der Organismus entlastet ist von der geistig-seelischen Tätigkeit.
[ 19 ] Man muß allerdings, um diese Tatsache voll würdigen zu können, ein wenig wissen darüber, daß alle Ausscheidungsvorgänge, auch die Schweißbildung, in innigem Zusammenhang stehen mit dem, was sonst seelische und geistige Tätigkeit in sich schließt. Die aufbauenden Prozesse, die eigentlichen vitalischen Aufbauungsprozesse, sind nämlich bloß die Grundlage des Unbewußten. Dasjenige, was entspricht den wachen, bewußten seelisch-organischen Tätigkeiten, das sind überall Ausscheidungsprozesse. Auch unserem Denken entsprechen nicht etwa Aufbauprozesse des Gehirns, sondern Ausscheidungsprozesse, Abbauprozesse des Gehirns. Und das Auftreten von Nachtschweißen ist eben ein Ausscheidungsprozeß, der eigentlich im normalen Leben parallel gehen müßte einer geistig-seelischen Tätigkeit. Weil aber das Obere mit dem Unteren nicht in dem richtigen Wechselverhältnis steht, so spart sich so etwas dann für die Nacht auf, wo der Organismus entlastet ist von der geistig-seelischen Tätigkeit.
[ 20 ] So sehen Sie, wie ein sorgfältiges Studieren aller Vorgänge, die mit dem ganzen Wachsen und Werden des gesund-kranken menschlichen Organismus zusammenhängen, doch dazu führt, daß man sagen kann: es besteht auch eine Wechselwirkung zwischen Krankheitserscheinungen. Abmagern ist zunächst eine Krankheitserscheinung. Aber in seiner Beziehung zur Tuberkuloseanlage, also zur schon doch etwas wirkenden Tuberkulose, ist das Abmagern etwas, was dazugehört. Und es besteht, ich möchte sagen, eine Organisation, eine ideelle Organisation der Krankheitserscheinungen. Eine Krankheitserscheinung gehört in gewissem Sinne zur anderen Krankheitserscheinung dazu. Das bedingt dann, daß es ganz rationell ist, wenn durch andere Bedingungen des Organismus hervortritt so etwas wie eine Reaktion — bleiben wir bei der Tuberkuloseanlage —, der Organismus aber selbst nicht die Kraft hat, diese Reaktion hervorzurufen, daß man ihm zu Hilfe kommt und sie dann gerade hervorruft, daß man dann gerade der einen Krankheit die andere folgen läßt. Die alten Ärzte haben dieses ausgesprochen als eine, ich möchte sagen, bedeutungsvolle Erziehungsregel für den Arzt. Sie haben gesagt: Das ist das Gefährliche beim Arztsein, daß er nicht bloß in der Lage sein muß, Krankheiten zu vertreiben, sondern auch Krankheiten hervorzurufen. — Und in demselben Maße, als der Arzt Krankheiten heilen kann, kann er sie auch hervorrufen. So daß also die Alten, die noch etwas mehr gewußt haben über solche Zusammenhänge aus ihrem atavistischen Hellsehen heraus, in dem Arzt zu gleicher Zeit gesehen haben den, der, wenn er böswillig wird, die Menschen nicht nur gesund, sondern auch krank machen kann. Aber es hängt das zusammen mit der Notwendigkeit, gewisse Erkrankungszustände hervorzurufen, um sie in das rechte Verhältnis zu anderen Erkrankungszuständen zu bringen. Aber es sind doch eben Krankheitszustände. Und all das: Husten, Halsschmerz, Brustschmerz, Abmagerungserscheinungen, Ermüdungserscheinungen, Nachtschweiße, sind doch eben Krankheitserscheinungen. Man muß sie hervorrufen, aber sie sind doch eben Krankheitserscheinungen.
[ 20 ] So sehen Sie, wie ein sorgfältiges Studieren aller Vorgänge, die mit dem ganzen Wachsen und Werden des gesund-kranken menschlichen Organismus zusammenhängen, doch dazu führt, daß man sagen kann: es besteht auch eine Wechselwirkung zwischen Krankheitserscheinungen. Abmagern ist zunächst eine Krankheitserscheinung. Aber in seiner Beziehung zur Tuberkuloseanlage, also zur schon doch etwas wirkenden Tuberkulose, ist das Abmagern etwas, was dazugehört. Und es besteht, ich möchte sagen, eine Organisation, eine ideelle Organisation der Krankheitserscheinungen. Eine Krankheitserscheinung gehört in gewissem Sinne zur anderen Krankheitserscheinung dazu. Das bedingt dann, daß es ganz rationell ist, wenn durch andere Bedingungen des Organismus hervortritt so etwas wie eine Reaktion — bleiben wir bei der Tuberkuloseanlage —, der Organismus aber selbst nicht die Kraft hat, diese Reaktion hervorzurufen, daß man ihm zu Hilfe kommt und sie dann gerade hervorruft, daß man dann gerade der einen Krankheit die andere folgen läßt. Die alten Ärzte haben dieses ausgesprochen als eine, ich möchte sagen, bedeutungsvolle Erziehungsregel für den Arzt. Sie haben gesagt: Das ist das Gefährliche beim Arztsein, daß er nicht bloß in der Lage sein muß, Krankheiten zu vertreiben, sondern auch Krankheiten hervorzurufen. — Und in demselben Maße, als der Arzt Krankheiten heilen kann, kann er sie auch hervorrufen. So daß also die Alten, die noch etwas mehr gewußt haben über solche Zusammenhänge aus ihrem atavistischen Hellsehen heraus, in dem Arzt zu gleicher Zeit gesehen haben den, der, wenn er böswillig wird, die Menschen nicht nur gesund, sondern auch krank machen kann. Aber es hängt das zusammen mit der Notwendigkeit, gewisse Erkrankungszustände hervorzurufen, um sie in das rechte Verhältnis zu anderen Erkrankungszuständen zu bringen. Aber es sind doch eben Krankheitszustände. Und all das: Husten, Halsschmerz, Brustschmerz, Abmagerungserscheinungen, Ermüdungserscheinungen, Nachtschweiße, sind doch eben Krankheitserscheinungen. Man muß sie hervorrufen, aber sie sind doch eben Krankheitserscheinungen.
[ 21 ] Das wird dazu führen, natürlich leicht einzusehen, daß man nun doch, wenn man dann halb geheilt hat, das heißt diese Krankheitserscheinungen hervorgerufen hat, den Kranken nicht seinem Schicksal überlassen kann, sondern daß dann die zweite Partie des Heilungsprozesses erst eintreten muß. Es muß dann wiederum dafür gesorgt werden, daß nicht bloß diese Reaktionen da sind, nicht bloß dasjenige, was man hervorgerufen hat, um die Krankheit abzuwehren, sondern es muß dann dasjenige erfolgen, was wiederum die Reaktion heilt und den ganzen Organismus wieder auf den richtigen Weg bringt. Also man müßte dafür sorgen, daß zum Beispiel dann, wenn als natürliche oder vielleicht auch künstlich hervorgerufene Abwehr gegen die Tuberkuloseanlage Hustenreize hervorgerufen worden sind, Halsschmerzen auftreten oder hervorgerufen worden sind, man dafür sorgt, daß der Verdauungsprozeß, der dann stets etwas von Verstopfungen, Obstipationen aufweisen wird, in Ordnung kommt. Man wird das schon in irgendeiner Weise bemerken, daß dieser Verdauungsprozeß in einen Abführprozeß, in eine Art Diarrhöe übergeführt werden muß. Es ist immer notwendig, daß man den Hustenerscheinungen, auch den Halsschmerzen und dergleichen, solche Diarrhöeprozesse folgen lasse. Das weist eben darauf hin, wie man dasjenige, was einfach im Oberen auftritt, nicht als etwas für sich betrachten darf, wie man sehr häufig auch die Heilung desjenigen, was im Oberen auftritt, durch Vorgänge im Unteren suchen muß, wenn auch keine materielle Vermittlung, sondern nur ein Entsprechen da ist. Das ist etwas, was vor allen Dingen berücksichtigt werden müßte.
[ 21 ] Das wird dazu führen, natürlich leicht einzusehen, daß man nun doch, wenn man dann halb geheilt hat, das heißt diese Krankheitserscheinungen hervorgerufen hat, den Kranken nicht seinem Schicksal überlassen kann, sondern daß dann die zweite Partie des Heilungsprozesses erst eintreten muß. Es muß dann wiederum dafür gesorgt werden, daß nicht bloß diese Reaktionen da sind, nicht bloß dasjenige, was man hervorgerufen hat, um die Krankheit abzuwehren, sondern es muß dann dasjenige erfolgen, was wiederum die Reaktion heilt und den ganzen Organismus wieder auf den richtigen Weg bringt. Also man müßte dafür sorgen, daß zum Beispiel dann, wenn als natürliche oder vielleicht auch künstlich hervorgerufene Abwehr gegen die Tuberkuloseanlage Hustenreize hervorgerufen worden sind, Halsschmerzen auftreten oder hervorgerufen worden sind, man dafür sorgt, daß der Verdauungsprozeß, der dann stets etwas von Verstopfungen, Obstipationen aufweisen wird, in Ordnung kommt. Man wird das schon in irgendeiner Weise bemerken, daß dieser Verdauungsprozeß in einen Abführprozeß, in eine Art Diarrhöe übergeführt werden muß. Es ist immer notwendig, daß man den Hustenerscheinungen, auch den Halsschmerzen und dergleichen, solche Diarrhöeprozesse folgen lasse. Das weist eben darauf hin, wie man dasjenige, was einfach im Oberen auftritt, nicht als etwas für sich betrachten darf, wie man sehr häufig auch die Heilung desjenigen, was im Oberen auftritt, durch Vorgänge im Unteren suchen muß, wenn auch keine materielle Vermittlung, sondern nur ein Entsprechen da ist. Das ist etwas, was vor allen Dingen berücksichtigt werden müßte.
[ 22 ] Ermüdungserscheinungen — ich möchte sie eben nicht bloß subjektive Ermüdungserscheinungen nennen, sondern schon ganz organisch bedingte Ermüdungserscheinungen, die eigentlich immer auf Prädominieren des Stoffwechsels beruhen —, wie sie stark auftreten bei einem Stoffwechsel, der nicht von dem Oberen bezwungen wird, solche Ermüdungserscheinungen, weil sie nun wirklich bei Tuberkulose hervorgerufen werden müssen, müßten hinterher in dem nötigen Zeitpunkte dadurch bekämpft werden, daß man durch eine entsprechende Diät dafür sorgt — wir werden von dem Speziellen einer solchen Diät noch zu sprechen haben —, daß überwiegende Verdauung stattfindet, daß also besser als gewöhnlich von demselben Menschen verdaut wird, also ich möchte sagen, daß dasjenige, was leichter aufgearbeitet wird, durch den Verdauungsprozeß aufzuarbeiten ist. Abmagerung wird man später durch eine Diät zu bekämpfen haben, die eben wiederum zu einer gewissen Fettbildung führt, zu etwas, was Einlagerung ist in die Organe, in die Organgewebe. Die Nachtschweiße muß man später dadurch bekämpfen, nachdem man sie zuerst geradezu hervorgerufen hat, daß man versucht, dem Menschen anzuweisen eine Tätigkeit, in der er tatsächlich durch durchgeistigte Anstrengungen, also durch etwas, was durchdachte Anstrengungen sind, in Schweiß gerät, so daß er wiederum einläuft in eine gesunde Schweißbildung.
[ 22 ] Ermüdungserscheinungen — ich möchte sie eben nicht bloß subjektive Ermüdungserscheinungen nennen, sondern schon ganz organisch bedingte Ermüdungserscheinungen, die eigentlich immer auf Prädominieren des Stoffwechsels beruhen —, wie sie stark auftreten bei einem Stoffwechsel, der nicht von dem Oberen bezwungen wird, solche Ermüdungserscheinungen, weil sie nun wirklich bei Tuberkulose hervorgerufen werden müssen, müßten hinterher in dem nötigen Zeitpunkte dadurch bekämpft werden, daß man durch eine entsprechende Diät dafür sorgt — wir werden von dem Speziellen einer solchen Diät noch zu sprechen haben —, daß überwiegende Verdauung stattfindet, daß also besser als gewöhnlich von demselben Menschen verdaut wird, also ich möchte sagen, daß dasjenige, was leichter aufgearbeitet wird, durch den Verdauungsprozeß aufzuarbeiten ist. Abmagerung wird man später durch eine Diät zu bekämpfen haben, die eben wiederum zu einer gewissen Fettbildung führt, zu etwas, was Einlagerung ist in die Organe, in die Organgewebe. Die Nachtschweiße muß man später dadurch bekämpfen, nachdem man sie zuerst geradezu hervorgerufen hat, daß man versucht, dem Menschen anzuweisen eine Tätigkeit, in der er tatsächlich durch durchgeistigte Anstrengungen, also durch etwas, was durchdachte Anstrengungen sind, in Schweiß gerät, so daß er wiederum einläuft in eine gesunde Schweißbildung.
[ 23 ] Sie sehen, versteht man zuerst durch ein richtiges Auffassen der Herztätigkeit, wie Oberes und Unteres im Menschen korrespondiert, versteht man dann das erste Auftreten, ich möchte sagen, die Anflüge des Krankseins im Funktionellen, im Ätherischen, wie in der Neurasthenie und in der Hysterie, so kann man dazu übergehen, auch dasjenige, was dann im Organischen, im Physischen sich abdrückt, zu verstehen, und man wird durch das Studium der Physiognomie des zusammengehörigen Krankheitsbildes dazu kommen — auch dasjenige, was man selbst erst hervorruft —, zuerst, ich möchte sagen, einen Verlauf der Krankheit nach einer Richtung, nach einem vielleicht sogar stärker oder schwächer abgeleiteten Kranksein hervorzurufen, um dann, wenn die Zeit dazu da ist, den ganzen Prozeß wiederum zum Gesundwerden zurückzuführen.
[ 23 ] Sie sehen, versteht man zuerst durch ein richtiges Auffassen der Herztätigkeit, wie Oberes und Unteres im Menschen korrespondiert, versteht man dann das erste Auftreten, ich möchte sagen, die Anflüge des Krankseins im Funktionellen, im Ätherischen, wie in der Neurasthenie und in der Hysterie, so kann man dazu übergehen, auch dasjenige, was dann im Organischen, im Physischen sich abdrückt, zu verstehen, und man wird durch das Studium der Physiognomie des zusammengehörigen Krankheitsbildes dazu kommen — auch dasjenige, was man selbst erst hervorruft —, zuerst, ich möchte sagen, einen Verlauf der Krankheit nach einer Richtung, nach einem vielleicht sogar stärker oder schwächer abgeleiteten Kranksein hervorzurufen, um dann, wenn die Zeit dazu da ist, den ganzen Prozeß wiederum zum Gesundwerden zurückzuführen.
[ 24 ] Natürlich, die größten Hindernisse für eine schon damit ein wenig charakterisierte Behandlung sind ja erstens die Verhältnisse, die sozialen Verhältnisse. Daher ist Medizin durchaus auch eine soziale Frage. Auf der anderen Seite sind es die Kranken selbst, die die stärksten Hindernisse bilden, denn die Kranken verlangen natürlich zunächst, daß man irgend etwas, wie sie sagen, wegbringt. Aber, wenn man so direkt etwas, was sie haben, wegbringt, so kann es sehr leicht geschehen, daß man sie viel kränker macht, als sie schon sind. Das muß man auch berücksichtigen, daß man sie viel kränker macht, als sie sind, aber sie müssen dann abwarten, bis man wiederum in der Lage ist, sie gesund zu machen. Aber dann sind sie einem wohl oftmals zumeist, wie viele von Ihnen mir Recht geben werden, davongelaufen!
[ 24 ] Natürlich, die größten Hindernisse für eine schon damit ein wenig charakterisierte Behandlung sind ja erstens die Verhältnisse, die sozialen Verhältnisse. Daher ist Medizin durchaus auch eine soziale Frage. Auf der anderen Seite sind es die Kranken selbst, die die stärksten Hindernisse bilden, denn die Kranken verlangen natürlich zunächst, daß man irgend etwas, wie sie sagen, wegbringt. Aber, wenn man so direkt etwas, was sie haben, wegbringt, so kann es sehr leicht geschehen, daß man sie viel kränker macht, als sie schon sind. Das muß man auch berücksichtigen, daß man sie viel kränker macht, als sie sind, aber sie müssen dann abwarten, bis man wiederum in der Lage ist, sie gesund zu machen. Aber dann sind sie einem wohl oftmals zumeist, wie viele von Ihnen mir Recht geben werden, davongelaufen!
[ 25 ] Das ist dasjenige, worauf gerade ein richtiges Betrachten des gesunden und kranken Menschen führt, daß der Arzt auch die Nachkur durchaus in der Hand haben muß, wenn die ganze Kur überhaupt einen richtigen Wert haben soll. Auf solche Dinge muß eben einfach öffentlich hingewirkt werden. In unserer Zeit des Autoritätsglaubens dürfte es nicht schwer sein, wenn solche Bewegungen nur eingeleitet würden, auf solche Notwendigkeiten hinzuweisen. Aber natürlich sind es — verzeihen Sie, daß ich in Ihrer Gegenwart das sage — nicht immer bloß die Patienten, bloß die Verhältnisse, manchmal auch die Herren Ärzte, die es nicht opportun finden, die Krankheit wirklich bis zu ihren letzten Ausläufern zu verfolgen, sondern mehr oder weniger damit zufrieden sind, wenn sie irgend etwas einfach weggebracht haben.
[ 25 ] Das ist dasjenige, worauf gerade ein richtiges Betrachten des gesunden und kranken Menschen führt, daß der Arzt auch die Nachkur durchaus in der Hand haben muß, wenn die ganze Kur überhaupt einen richtigen Wert haben soll. Auf solche Dinge muß eben einfach öffentlich hingewirkt werden. In unserer Zeit des Autoritätsglaubens dürfte es nicht schwer sein, wenn solche Bewegungen nur eingeleitet würden, auf solche Notwendigkeiten hinzuweisen. Aber natürlich sind es — verzeihen Sie, daß ich in Ihrer Gegenwart das sage — nicht immer bloß die Patienten, bloß die Verhältnisse, manchmal auch die Herren Ärzte, die es nicht opportun finden, die Krankheit wirklich bis zu ihren letzten Ausläufern zu verfolgen, sondern mehr oder weniger damit zufrieden sind, wenn sie irgend etwas einfach weggebracht haben.
[ 26 ] Aber Sie werden sehen, wie uns nach und nach diese richtige Verfolgung der Stellung des Herzens im menschlichen Organismus in das Krankheitswesen hineinführe. Nur werden Sie eben den radikalen Unterschied beachten müssen, der besteht zwischen den unteren organischen Tätigkeiten, die in einer gewissen Beziehung zwar dasjenige überwunden haben, was nur äußerliche chemische Tätigkeit ist, aber die eben doch noch in einer gewissen Weise auch ähnlich sind der oberen Tätigkeit, die ganz entgegengesetzt ist. Es ist außerordentlich schwierig, diesen Dualismus im menschlichen Organismus genügend zu definieren, weil unsere Sprache fast keine Mittel hat, um dasjenige, was den physischen und den organischen Prozessen entgegengesetzt ist, anzudeuten. Aber vielleicht werden Sie mich gut verstehen — und ich scheue nicht davor zurück, vielleicht bei einigen von Ihnen auch auf das oder jenes Vorurteil zu stoßen —, wenn ich durch folgende Analogie zunächst — wir werden ja über diese Dinge mehr zu sprechen haben — klarmachen möchte, wie eigentlich dieser Dualismus zwischen den unteren und den oberen Prozessen ist. Wenn Sie sich die Eigenschaften irgendeines Stoffes denken, so wie diese Eigenschaften des Stoffes sind, die zur Wirksamkeit führen, wenn er uns in irgendeiner Weise vorliegt, so haben Sie zunächst dasjenige, was, wenn es vom Organismus überwunden wird, wie es bei der Verdauung geschieht, also aufgenommen wird in die untere menschliche Tätigkeit. Nun kann man aber auch, wenn ich so sagen darf, homöopathisieren. Man kann das Aggregieren, die Kohärenz des Stoffes aufheben. Das geschieht, wenn man den Stoff in irgendeiner Weise verdünnt, wenn man, wie gesagt, homöopathische Dosen macht. Sehen Sie, da tritt etwas zutage, was überhaupt in unserer gegenwärtigen Naturwissenschaft nicht ordentlich betrachtet wird, und die Menschen sind so geneigt, alles abstrakt zu betrachten. Daher sagen sie, wenn wir hier eine Lichtquelle haben, dann breitet sich Licht nach allen Seiten aus, und sie stellen sich vor — sie stellen sich das auch vor von der Sonne —, daß sich das nach allen Seiten ausbreite und dann verschwinde in der Unendlichkeit. Das ist aber nicht wahr. Nirgends verschwindet eine solche Tätigkeit in der Unendlichkeit, sondern sie geht nur bis zu einer begrenzten Sphäre, und dann schlägt sie wie elastisch zurück, wenn auch die Qualität, das Quale, oftmals verschieden ist von dem, was das Quale vom Hingange ist (siehe Zeichnung Seite 53). Es gibt in der Natur nur rhythmische Verläufe, es gibt nicht in die Unendlichkeit verlaufende Verläufe, es gibt nur dasjenige, was rhythmisch wiederum in sich selbst zurückschlägt.
[ 26 ] Aber Sie werden sehen, wie uns nach und nach diese richtige Verfolgung der Stellung des Herzens im menschlichen Organismus in das Krankheitswesen hineinführe. Nur werden Sie eben den radikalen Unterschied beachten müssen, der besteht zwischen den unteren organischen Tätigkeiten, die in einer gewissen Beziehung zwar dasjenige überwunden haben, was nur äußerliche chemische Tätigkeit ist, aber die eben doch noch in einer gewissen Weise auch ähnlich sind der oberen Tätigkeit, die ganz entgegengesetzt ist. Es ist außerordentlich schwierig, diesen Dualismus im menschlichen Organismus genügend zu definieren, weil unsere Sprache fast keine Mittel hat, um dasjenige, was den physischen und den organischen Prozessen entgegengesetzt ist, anzudeuten. Aber vielleicht werden Sie mich gut verstehen — und ich scheue nicht davor zurück, vielleicht bei einigen von Ihnen auch auf das oder jenes Vorurteil zu stoßen —, wenn ich durch folgende Analogie zunächst — wir werden ja über diese Dinge mehr zu sprechen haben — klarmachen möchte, wie eigentlich dieser Dualismus zwischen den unteren und den oberen Prozessen ist. Wenn Sie sich die Eigenschaften irgendeines Stoffes denken, so wie diese Eigenschaften des Stoffes sind, die zur Wirksamkeit führen, wenn er uns in irgendeiner Weise vorliegt, so haben Sie zunächst dasjenige, was, wenn es vom Organismus überwunden wird, wie es bei der Verdauung geschieht, also aufgenommen wird in die untere menschliche Tätigkeit. Nun kann man aber auch, wenn ich so sagen darf, homöopathisieren. Man kann das Aggregieren, die Kohärenz des Stoffes aufheben. Das geschieht, wenn man den Stoff in irgendeiner Weise verdünnt, wenn man, wie gesagt, homöopathische Dosen macht. Sehen Sie, da tritt etwas zutage, was überhaupt in unserer gegenwärtigen Naturwissenschaft nicht ordentlich betrachtet wird, und die Menschen sind so geneigt, alles abstrakt zu betrachten. Daher sagen sie, wenn wir hier eine Lichtquelle haben, dann breitet sich Licht nach allen Seiten aus, und sie stellen sich vor — sie stellen sich das auch vor von der Sonne —, daß sich das nach allen Seiten ausbreite und dann verschwinde in der Unendlichkeit. Das ist aber nicht wahr. Nirgends verschwindet eine solche Tätigkeit in der Unendlichkeit, sondern sie geht nur bis zu einer begrenzten Sphäre, und dann schlägt sie wie elastisch zurück, wenn auch die Qualität, das Quale, oftmals verschieden ist von dem, was das Quale vom Hingange ist (siehe Zeichnung Seite 53). Es gibt in der Natur nur rhythmische Verläufe, es gibt nicht in die Unendlichkeit verlaufende Verläufe, es gibt nur dasjenige, was rhythmisch wiederum in sich selbst zurückschlägt.


[ 27 ] Und das ist nicht nur bei den quantitativen Ausbreitungen der Fall, sondern das ist auch bei den qualitativen Ausbreitungen der Fall. Wenn Sie anfangen, einen Stoff zu teilen, so hat er zunächst beim Ausgangspunkt Eigenschaften. Diese Eigenschaften nehmen nicht ins Unendliche ab, sondern, wenn man bei einem bestimmten Punkte angekommen ist, schlagen sie zurück und werden die entgegengesetzten Eigenschaften. Und auf diesem inneren Rhythmus beruht auch dasjenige, was der Gegensatz ist zwischen unterer Organisation und oberer Organisation. Unsere obere Organisation ist etwas Homöopathisierendes. Sie ist etwas, was in einer gewissen Weise dem gewöhnlichen Verdauungsprozesse schnurstracks entgegengesetzt ist, das Gegenteil, das Negativ davon bildet. Und so könnte man sagen, daß, indem der homöopathische Apotheker die Verdünnungen herstellt, er eigentlich in Wirklichkeit die Eigenschaften, die sich sonst auf die untere menschliche Organisation beziehen, zu ihr eine Beziehung haben, überleitet in Eigenschaften, die dann zu der oberen menschlichen Organisation eine Beziehung haben. Das ist ein sehr interessanter innerer Zusammenhang, und wir werden dann in den nächsten Tagen von diesem Zusammenhang weiter sprechen.
[ 27 ] Und das ist nicht nur bei den quantitativen Ausbreitungen der Fall, sondern das ist auch bei den qualitativen Ausbreitungen der Fall. Wenn Sie anfangen, einen Stoff zu teilen, so hat er zunächst beim Ausgangspunkt Eigenschaften. Diese Eigenschaften nehmen nicht ins Unendliche ab, sondern, wenn man bei einem bestimmten Punkte angekommen ist, schlagen sie zurück und werden die entgegengesetzten Eigenschaften. Und auf diesem inneren Rhythmus beruht auch dasjenige, was der Gegensatz ist zwischen unterer Organisation und oberer Organisation. Unsere obere Organisation ist etwas Homöopathisierendes. Sie ist etwas, was in einer gewissen Weise dem gewöhnlichen Verdauungsprozesse schnurstracks entgegengesetzt ist, das Gegenteil, das Negativ davon bildet. Und so könnte man sagen, daß, indem der homöopathische Apotheker die Verdünnungen herstellt, er eigentlich in Wirklichkeit die Eigenschaften, die sich sonst auf die untere menschliche Organisation beziehen, zu ihr eine Beziehung haben, überleitet in Eigenschaften, die dann zu der oberen menschlichen Organisation eine Beziehung haben. Das ist ein sehr interessanter innerer Zusammenhang, und wir werden dann in den nächsten Tagen von diesem Zusammenhang weiter sprechen.
