Spiritual Science and Medicine
GA 312
22 March 1920, Dornach
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Spiritual Science and Medicine, tr. Unknown
Zweiter Vortrag
Lecture Two
[ 1 ] Wir werden von solchen Ausgangspunkten wie den gestern gewählten weiterschreiten und allmählich auch in das Wesen des Menschen weiter vordringen, indem wir aufmerksam werden auf gewisse Polaritäten, die da herrschen. Sie werden schon gestern bemerkt haben, daß wir genötigt sind, die noch bei dem Tier lastenden Kräfte zu einem Parallelogramm zu verbinden mit gewissermaßen senkrecht gerichteten Kräften, und daß wir entsprechend ein Analogon dazu haben in der Muskelreaktion. Wenn diese beiden Gedanken beim Studium des menschlichen Knochensystems und des menschlichen Muskelsystems weiterverfolgt werden, wenn bei ihrer Verfolgung alles zu Hilfe genommen wird, was die Erfahrung heute schon geben kann, so wird man wahrscheinlich aus der Knochen- und Muskellehre etwas ja bald für die Medizin Bedeutsameres machen können, als man bisher gemacht hat. Ganz besonders schwierig wird aber die Verbindung der Menschenerkenntnis mit dem, was die Medizin braucht, wenn heute ausgegangen werden soll von der Herzlehre. Ich möchte sagen: Was sich bei der Knochen- und Muskellehre erst in der Anlage zeigt, ist bei der Anschauung, die sich herausgebildet hat über die Lehre vom Herzen, gründlich herausgekommen. Denn was hat man denn eigentlich so landläufig von dem menschlichen Herzen — wir wollen zunächst uns auf dieses beschränken — für eine Ansicht? Man hat die Ansicht, daß es eine Art von Pumpe sei, welche das Blut in die verschiedenen Organe hineinpumpt. Man hat auch allerlei interessante mechanische Konstruktionen ausgedacht, welche dieses Pumpwerk «Herz» erklären sollen. Nun widersprechen zwar diese mechanischen Konstruktionen durchaus der Embryologie, aber man ist nicht aufmerksam darauf geworden, diese mechanische Herztheorie wirklich einmal für fragwürdig zu halten, sie noch einmal zu kontrollieren, wenigstens nicht sie zu kontrollieren in der landläufigen Wissenschaft. Dasjenige — ich werde die Dinge zunächst skizzieren, und das, was wir in den nächsten Tagen uns vorführen werden, wird ja stückweise immer eine Bestätigung dessen sein, was ich genötigt bin, zuerst als Gesichtspunkt anzugeben —, dasjenige, was man vor allen Dingen berücksichtigen muß bei der Herzanschauung, ist, daß dieses Herz ganz und gar nicht ist, was man eine Art tätigen Organismus nennen kann. Denn die Herztätigkeit ist nicht eine Ursache, sondern sie ist eine Folge. Verstehen werden Sie diesen Satz nur dann, wenn Sie ins Auge fassen die Polarität, die besteht zwischen all denjenigen Tätigkeiten im menschlichen Organismus, die zusammenhängen mit der Nahrungsaufnahme, mit der weiteren Verarbeitung der Nahrung, mit ihrer Überleitung entweder direkt oder dutch Gefäße ins Blut, denn Sie verfolgen, ich möchte sagen, von unten nach oben gehend, im Organismus die Nahrungsverarbeitung bis zu der Wechselwirkung, welche zunächst besteht zwischen dem Blute, das die Nahrung aufgenommen hat, und der Atmung, durch die die Atemluft aufgenommen wird. Wenn Sie sich die Vorgänge, die dabei in Betracht kommen, ganz ordentlich ansehen — man braucht sie wirklich nur ordentlich anzusehen —, so werden Sie finden, daß ein gewisser Gegensatz besteht zwischen all dem, was im Atmungsprozesse liegt, und dem, was im weitesten Umfange im Verdauungsprozesse liegt. Es will da etwas sich ausgleichen. Es will da etwas, was, ich möchte sagen, zueinander hindurstet, sich aneinander sättigen. Man könnte selbstverständlich auch andere Ausdrücke wählen, allein, wir werden uns ja im Laufe der Zeit immer besser verstehen. Es findet eine Wechselwirkung statt, die zunächst besteht zwischen den flüssig gewordenen Nahrungsstoffen und zwischen dem, was luftförmig von dem Organismus durch die Atmung aufgenommen wird. Diese Wechselwirkung, sie ist genau zu studieren. Diese Wechselwirkung besteht in ineinanderspielenden Kräften. Und dasjenige, was da ineinanderspielt, das, möchte ich sagen, staut sich vor seinem gegenseitigen Ineinanderspiel im Herzen. Das entsteht als ein Stauorgan zwischen dem, was ich nun ferner nennen möchte die untere Betätigung des Organismus, Nahrungsaufnahme, Nahrungsverarbeitung, und den oberen Tätigkeiten des Organismus, zu deren unterster wiederum ich rechnen möchte die Atmung. Ein Stauorgan ist eingeschaltet, und das Wesentlichste dabei ist, daß die Herztätigkeit eine Folge der Wechselwirkung ist zwischen dem flüssig gewordenen Nahrungsstoft, also zwischen der Nahrungsflüssigkeit und der von außen aufgenommenen Luft. Alles dasjenige, was sich im Herzen ausdrückt, was man im Herzen beobachten kann, muß als eine Folge betrachtet werden, zunächst im mechanischen Sinne.
[ 1 ] Let us now continue our inquiry on the lines already laid down, and attempt to elucidate the nature of man by observing certain Polarities governing the human organism. Yesterday we found ourselves obliged to combine the weighing down forces found in the animal with certain vertical forces to form a parallelogram, and to consider an analogous phenomenon in the chemical reactions of the muscle. If these ideas are followed up in the study of the bone and muscular system and are supported by all the resources of practical experience, we might make Osteology and Muscular Pathology of greater value for medicine than has hitherto been the case. Special difficulties arise, however, if we try to connect the knowledge of man with the needs of medicine today, in our consideration of the heart. What in Osteology and Myology is only a slight defect becomes an evident defect in Cardiology. For, what is the common belief about the nature of the human heart? It is regarded as a kind of Pump, to send the blood into the various organs. There have been intricate mechanical analogies, in explanation of the heart's action—analogies totally at variance with embryology, be it noted!—but no one has begun to doubt the mechanical explanation, or to test it, at least in orthodox scientific circles. My outline of the subjects for consideration in the next few days will afford piecemeal proof of my general point of view. The most important fact about the heart is that its activity is not a cause but an effect. You will understand this if you consider the polarity between all the organic activities centering round nutrition, digestion, absorption into the blood, and so on: follow, passing upwards through the human frame, the process of digestion up to the interaction between the blood that has absorbed the food, and the breathing that receives air. An unbiased observation will show a certain contrast and opposition between the process of respiration and the process of digestion. Something is seeking for equipoise; it is as though there were an urge towards mutual saturation. Other words, of course, could be chosen for description, but we shall understand each other more and more. There is an interaction in the first place between the liquefied foodstuffs and the air absorbed into the organism by breathing. This process is intricate and worth attention. There is an interplay of forces, and each force before reaching the point of interplay accumulates in the heart. The heart originates as a “damming up” organ (Stauorgan) between the lower activities of the organism, the intake and working up of food, and the upper activities, the lowest of which is the respiratory. A damming up organ is inserted and its action is therefore a product of the interplay between the liquefied foodstuffs and the air absorbed from the outside. All that can be observed in the heart must be looked upon as an effect, not a cause, as a mechanical effect, to begin with.
[ 2 ] Der einzige hoffnungsvolle Anfang, der gemacht worden ist, wenigstens diese mechanische Grundlage der Herztätigkeit — mehr allerdings nicht — einmal ins Auge zu fassen, der ist gemacht worden von einem österreichischen Arzte Dr. Karl Schmid, der Arzt in der nördlichen Steiermark war und der darüber eine Veröffentlichung hat erscheinen lassen in der «Wiener Medizinischen Wochenschrift» 1892, Nr. 15-17, «Über Herzstoß und Pulskurven». Es ist nicht sehr viel noch in dieser Abhandlung enthalten, aber man muß sich sagen, daß wenigstens da einmal jemand aus seiner medizinischen Praxis heraus bemerkt hat, daß man es nicht zu tun hat mit dem Herzen als mit einer gewöhnlichen Pumpe, sondern mit dem Herzen als einem Stauapparat. Schmid denkt sich den ganzen Vorgang der Herzbewegung und des Herzstoßes wie die Tätigkeit des hydraulischen Widders, der durch die Strömungen in Bewegung gesetzt wird. Darinnen liegt das Wahre, was den Ausführungen des Dr. Karl Schmid innewohnt. Aber man ist erst bei dem Mechanischen, wenn man alles, was Herztätigkeit ist, auffaßt als die Folge dieser ineinandergehenden — ich kann sie jetzt symbolisch Strömungen nennen —, der flüssigen Strömung und der luftförmigen Strömung. Denn letzten Endes, was ist das Herz? Letzten Endes ist das Herz nämlich ein Sinnesorgan. Und wenn wir auch dasjenige, was die Sinnestätigkeit des Herzens ist, nicht unmittelbar im Bewußtsein haben, wenn es auch zu den unterbewußten Sinnestätigkeiten gehört, was im Herzen vorgeht, so ist deshalb doch das Herz dazu da, daß gewissermaßen die oberen Tätigkeiten wahrnehmen, empfinden können die unteren Tätigkeiten des Menschen. So, wie Sie mit Ihren Augen wahrnehmen die äußeren Farbenvorgänge, so nehmen Sie, aber allerdings im dumpfen Unterbewußtsein, durch das Herz wahr dasjenige, was in Ihrem Unterleibe sich vollzieht. Ein Sinnesorgan zum inneren Wahrnehmen ist zuletzt das Herz. Als solches ist es anzusprechen.
[ 2 ] The only hopeful investigations on these lines, so far, have been those of Dr. Karl Schmidt, an Austrian medical man, practising in North Styria, who published a contribution to the Wiener Medizinische Wochenschrift (1892, No. 15), “The Heart Action and Curve of the Pulse.” The content of this article is comparatively small, but it proves that his medical practice had enlightened the author on the fact that the heart in no way resembled the ordinary pump but rather must be considered a dam-like organ. Schmidt compares cardiac action to that of the hydraulic ram, set in motion by the currents. This is the kernel of truth in his work. But we need not stop short at the mechanical aspect if we consider the heart action as a result of these symbolic inter-penetrating currents, the watery and the airy. For what is the heart after all? It is a sense organ, and even if its sensory function is not directly present in the consciousness, if its processes are subconscious, nevertheless it serves to enable the “upper” activities to feel and perceive the “lower.” As you perceive external colours through your eyes, so do you perceive, dimly and subconsciously through your heart, what goes on in the lower abdomen. The heart is an organ for inner perception.
[ 3 ] Nur dann versteht man die Polarität im Menschen selbst, wenn man weiß, daß es sich handelt darum, daß der Mensch eigentlich ein solches dualgebautes Wesen ist, das von seiten seines Oberen wahrnimmt sein Unteres. Nun muß ich allerdings das Folgende hinzufügen: Die unteren Tätigkeiten, also den einen Pol des ganzen Menschenwesens, haben wir allerdings gegeben, wenn wir Nahrungsaufnahme, Nahrungsverarbeitung im weiteren Sinne studieren bis zum Ausgleich mit der Atmung. Der Ausgleich mit der Atmung erfolgt dann mit einer rhythmischen Tätigkeit. Wir werden von der Bedeutung unserer rhythmischen Tätigkeit noch zu sprechen haben. Aber verschlungen mit der Atmungstätigkeit, dazugehörig zu der Atmungstätigkeit, müssen wir die Sinnes-Nerven-Tätigkeit ansehen, alles dasjenige, was sich bezieht auf die äußere Wahrnehmung und auf die Fortsetzung dieser äußeren Wahrnehmung, auf ihre Verarbeitung durch die Nerventätigkeit. Wenn Sie also auf der einen Seite sich vorstellen alles dasjenige, was zusammenhängend ist: Atmungstätigkeit, Sinnes-Nerven-Tätigkeit, so haben Sie gewissermaßen den einen Pol der menschlichen Organisation. Wenn Sie zusammennehmen alles dasjenige, was auf der anderen Seite Nahrungsaufnahme, Nahrungsverarbeitung, Stoffwechsel im gewöhnlichen Sinne des Wortes ist, so haben Sie den anderen Pol der Prozesse in der menschlichen Organisation. Das Herz ist im wesentlichen dasjenige Organ, welches in seinen beobachtbaren Bewegungen der Ausdruck ist des Ausgleiches zwischen diesem Oberen und Unteren, welches psychisch oder vielleicht besser gesagt, unterpsychisch das Wahrnehmungsorgan ist, das vermittelt zwischen diesen beiden Polen der menschlichen Organisation. Sie können alles dasjenige, was Ihnen Anatomie, Physiologie, Biologie bieten, studieren auf dieses Prinzip hin, und Sie werden sehen, daß dadurch erst Licht kommt in die menschliche Organisation. Solange Sie nicht unterscheiden zwischen diesem Oberen und Unteren, das durch das Herz vermittelt ist, werden Sie den Menschen nicht verstehen können, denn es ist ein Grundunterschied zwischen alledem, was in der unteren Organisationstätigkeit des Menschen vorgeht, und dem, was in der oberen Organisationstätigkeit vorgeht.
[ 3 ] The polarity in man is only comprehensible if we know that his structure is a dual one and that the upper portion perceives the lower. The following too must be considered: the lower functions—one pole of the whole human being—are considered through the study of nutrition and digestion in the widest sense, up to their interaction with respiration The interaction goes on in a rhythmic activity; we shall have to consider the significance of our rhythmic system later. But linked up with and belonging to the respiratory activity there is the sensory and nervous activity, which includes all that appertains to external perception and its continuation and its being worked up in the nervous activity. Thus, respiration and sensory and nervous activity form one pole of the human organism. Nutrition, digestion, and metabolism in its usual sense, form the other pole of our organisation. The heart is primarily that organ whose perceptible motion expresses the equilibrium between the upper and lower processes; in relation to the soul (or perhaps more accurately in the sub-conscious) it is the perceptive organ that mediates between these two poles of the total human organisation. Anatomy, physiology, biology can all be studied in the light of this principle; and thus light is thrown, and only thus, upon the human organisation. As long as you do not differentiate between these two poles, superior and inferior, and their mediator the heart, you will not be able to understand man, for there is a fundamental difference between the two groups of functional activity in man, according to whether they pertain to the upper or the lower polarity.
[ 4 ] Will man in einer einfachen Weise diesen Unterschied ausdrücken, so könnte man etwa sagen: alles dasjenige, was im Unteren vorgeht, hat sein Negativ, sein negatives Gegenbild im Oberen. Es ist immer so, daß man zu allem, was mit dem Oberen zusammenhängt, ein Gegenbild finden kann im Unteren. Nun ist aber das Bedeutsame dieses, daß eigentlich eine materielle Vermittlung zwischen diesem Oberen und Unteren nicht stattfindet, sondern ein Entsprechen. Man muß immer das eine im Unteren auf das andere im Oberen richtig zu beziehen verstehen, nicht darauf ausgehen, eine materielle Vermittlung zu wollen. Nehmen wir ein ganz einfaches Beispiel, nehmen wir den Hustenreiz und den wirklichen Husten, wie er zusammenhängt mit dem Oberen, also insofern er dem Oberen angehört, so werden wir dafür das entsprechende Gegenbild im Unteren in der Diarrhöe haben. Wir finden immer ein entsprechendes Gegenbild für ein Oberes in dem Unteren. Und nur dadurch kommt man recht auf ein Begreifen des Menschen, daß man diese Entsprechungen — es werden uns viele solche im Laufe der Betrachtungen vor Augen treten — richtig ins Auge fassen kann.
[ 4 ] The difference amounts to this: all the processes of the lower sphere have their “negative” so to speak, their negative counter-image in the upper. The important point, however, is that there is no material connection between these upper and lower spheres, but a correspondence. The correspondence must be correctly apprehended. without search for or insistence on direct material connection. Let us take a very simple example: the tickling irritation which causes coughing, and the actual cough itself. In so far as they belong to the upper sphere their complementary counterpart in the lower sphere is diarrhea. There is always a counterpart to every such activity. And the key to the understanding of man consists in the correct apprehension of these correspondences with several of which we shall deal in the course of our study.
[ 5 ] Nun besteht aber nicht bloß ein solches abstraktes Entsprechen, sondern es besteht zu gleicher Zeit im gesunden Organismus ein inniges Zusammengehören des Oberen und des Unteren. Es besteht ein solches Zusammengehören im gesunden Organismus, daß das Obere, irgendeine obere Tätigkeit, sei es eine Tätigkeit, die zusammenhängt mit dem Atmen, sei es eine Tätigkeit, die zusammenhängt mit dem Nerven-Sinnes-Apparat, irgendwie ein Unteres bezwingen muß, mit einem Unteren in vollem Einklang sich abspielen muß. Und es besteht sofort — und das wird uns später führen auf ein wirkliches Begreifen des Krankheitsprozesses — eine Unregelmäßigkeit im Organismus, wenn irgendwie die Vorherrschaft gewinnt, die Oberherrschaft gewinnt ein Unteres, so daß es zu stark ist für die entsprechende Tätigkeit im Oberen, oder ein Oberes, so daß es zu stark ist für eine entsprechende Tätigkeit im Unteren. Es müssen sich immer die Tätigkeiten des Oberen zu den Tätigkeiten des Unteren so verhalten, daß sie in einer gewissen Weise einander entsprechen, daß sie einander bezwingen, daß sie so zueinander verlaufen, wie sie, ich möchte sagen, zueinander orientiert sind. Da gibt es eine ganz bestimmte Orientierung. Sie ist individuell für die verschiedenen Menschen, aber es gibt eine ganz bestimmte Orientierung des ganzen oberen Verlaufes der Prozesse zu dem ganzen unteren Verlauf der Prozesse.
[ 5 ] Furthermore, there is not only a theoretical correspondence, but, in the healthy organism, an actual close contact between upper and lower spheres. In a healthy organism this contact is so close, that any upper function, whether it be associated with respiration or with the nerves and senses, must somehow govern a function of the lower sphere and proceed in harmony with it. This will provide us later on with the key to the process of disease: there immediately arises an organic irregularity, whenever there is a predominance of either the upper or the lower function, which destroys its complementary equilibrium. There must always be a certain proportion and correspondence between these two sets of activities, so that they complete one another, master one another, proceed harmoniously as they are mutually orientated. For there is this definite orientation. It is individually different in individual human beings, but nevertheless it governs and relates the whole of the upper processes to the whole of the lower.
[ 6 ] Nun handelt es sich darum, daß man den Übergang finden könne von diesem gesund wirkenden Organismus, in dem das Obere dem Unteren entspricht, zu dem kranken Organismus. Wenn man, ich möchte sagen, ausgeht von den Andeutungen des Kranken in dem, was der Paracelsus Archaeus genannt hat, was wir Ätherleib nennen, oder wenn Sie es so frisieren wollen, daß es Ihnen von außen, von den Leuten, die nichts wissen wollen von diesen Dingen, nicht übelgenommen wird, so können Sie ja auch sagen, Sie wollen reden zunächst von den Andeutungen des Krankseins im Funktionellen oder Dynamischen, also von den Anflügen, die gewissermaßen erst da sind zum Kranksein — wenn wir von diesen ausgehen, wenn wir davon reden, was sich zuerst im Ätherleib oder im bloßen Funktionellen ankündet, so kann man auch von einer Polarität reden, aber einer Polarität, die schon das Nicht-Entsprechende, die Unregelmäßigkeit in sich trägt. Und das entsteht auf die folgende Weise.
[ 6 ] Now we must be able to find the bridge leading from the healthily functioning organism, (in which the upper spheres correspond harmoniously with the lower) to the diseased organism. In describing a disease one may start from the indications in what Paracelsus called the “Archaeus” and we call the “Etheric body”—or, if to avoid offending people who do not like these terms, you can also say you will speak in the first place of indications of disease in the functional or dynamic, i.e. of the first signs of a morbid condition. And if we speak of what is first indicated in the etheric body or in the purely functional, one can also speak of a polarity, but a polarity which bears within it a non-correspondence, an irregularity, arising in the following manner.
[ 7 ] Nehmen wir an, daß im Unteren, also im Nahrungsaufnehmen und im Verdauungsapparat im weiteren Sinne, präponderiert dasjenige, was die inneren chemischen oder auch organischen Kräfte der aufgenommenen Nahrung sind. Im gesunden Organismus muß es so sein, daß alle diejenigen Kräfte, welche in den Nahrungsmitteln selber wirken, welche den Nahrungsmitteln immanent sind, die wir also außen im Laboratorium an den Nahrungsmitteln untersuchen, durch das Obere überwunden sind, daß sie für die Wirksamkeit des Inneren im Organismus gar nicht in Betracht kommen, daß da gar nichts von äußerer Chemie, von äußerer Dynamik und dergleichen geschieht, sondern alles das ganz überwunden ist. Aber es kann so kommen, daß das Obere nicht stark genug ist in seinem Entsprechen, um das Untere wirklich ganz zu durchfassen, um es gewissermaßen ganz zu durchkochen, ich könnte auch sagen, zu durchätherisieren, das würde etwas genauer gesprochen sein, dann ist im menschlichen Organismus ein eigentlich nicht zu ihm gehöriger präponderierender Vorgang, der ein Vorgang ist, wie er sich sonst in der Außenwelt abspielt, wie er sich nicht abspielen sollte im menschlichen Organismus. Es zeigt sich ein solcher Vorgang, weil nicht gleich der physische Leib voll ergriffen wird von solchen Unregelmäßigkeiten, zunächst in dem, was man eben das Funktionelle nennen könnte, in dem Ätherleib, dem Archäus. Wenn wir einen gebräuchlichen Ausdruck wählen wollen, der nur genommen ist, ich möchte sagen, von bestimmten Formen dieser Unregelmäßigkeit, so müssen wir den Ausdruck Hysterie wählen. Hysterie wollen wir wählen als Ausdruck — wir werden später noch sehen, daß der Ausdruck nicht schlecht gewählt ist —, als Terminus für das zu große Selbständigwerden der Stoffwechselprozesse. Die eigentlich hysterischen Erscheinungen im engeren Sinne sind ja nichts anderes als ein Bis-zur-Kulmination-Treiben dieses unregelmäßigen Stoffwechsels. In Wirklichkeit haben wir auch in dem bis zu den sexuellen Symptomen hinreichenden hysterischen Prozesse im wesentlichen nichts anderes vorliegen als solche Unregelmäßigkeiten des Stoffwechsels, die eigentlich Außenprozesse sind ihrem Wesen nach, die nicht im menschlichen Organismus sein sollten, Prozesse also, denen gegenüber sich das Obere zu schwach erweist, um sie zu bewältigen. Das ist der eine Pol.
[ 7 ] Let us assume that within the lower sphere, that is to say, the apparatus of nutrition and digestion in the widest sense, there is a preponderance of the inner chemical or organic forces of the food which has been eaten. In the healthy organism it is essential that all the forces active and immanent in the foodstuffs themselves, which we examine and test in our laboratory work on these foodstuffs, should be overcome by the upper sphere, so that they do not in any way interfere with the efficiency of the inner sphere of the organism and that all activity from external chemistry and dynamics has been entirely overcome. But the upper sphere may be inadequate to the task of penetrating the lower, of thoroughly brewing, or I might say, etherising it—which is more exact—all through. The result is the transference into the human organism of a preponderant process which is foreign to the organism, a process such as normally takes place outside the human body and should not operate within that body. As the physical body does not at once bear the brunt of these irregularities, the first symptoms appear on the functional side, in the etheric body (Archaeus). If we wish to find a current term to designate certain aspects of this irregular function, we must call it Hysteria. We shall use the term Hysteria for the too great autonomy of the processes of Metabolism; and we shall learn later on that the name is not inappropriate. Specific manifestations of hysteria in its narrower sense are nothing but this irregular metabolism raised to its culmination. In essence, the hysterical process, even in it's sexual symptoms, consists of metabolic irregularities, which are external processes having no rightful place in the human body. That is, they are processes which the upper sphere has been too weak to master and control. This is one pole of disease.
[ 8 ] Dann, wenn solche Erscheinungen mit dem hysterischen Charakter auftreten, dann haben wir es zu tun mit einem Zu-stark-Werden der außermenschlichen Tätigkeit in den unteren Teilen der menschlichen Organisation. Aber es kann dieselbe Unregelmäßigkeit der Wechselwirkung auch eintreten dadurch, daß der obere Prozeß nicht richtig verläuft, daß er so in sich verläuft, daß er die obere Organisation zu stark in Anspruch nimmt. Er ist der entgegengesetzte, gewissermaßen das Negativ der unteren Prozesse, er nimmt die oberen Prozesse zu stark in Anspruch. Er hört gleichsam auf, bevor er sich durch das Herz vermittelt mit der unteren Organisation. Er ist also zu stark geistig, zu stark — wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf — organisch intellektuell. Dann tritt der andere Pol dieser Unregelmäßigkeiten auf, die Neurasthenie. Diese beiden, ich möchte sagen, noch im Funktionellen steckenden Unregelmäßigkeiten der menschlichen Organisation müssen vor allen Dingen ins Auge gefaßt werden. Denn sie sind gewissermaßen die Defekte, die sich ausdrücken im Oberen, ausdrücken im Unteren. Und man wird allmählich verstehen müssen, wie die Polarität in der menschlichen Organisation dem einen oder dem anderen Mangel unterliegt. Man hat also in der Neurasthenie ein Funktionieren des Oberen, das zu stark die Organe des Oberen in Anspruch nimmt, so daß dasjenige, was eigentlich, vermittelt durch das Herz von oben aus, im Unteren geschehen soll, schon im Oberen geschieht, schon da abgemacht wird, so daß die Tätigkeit nicht hinunterdringt, vermittelt durch die Stauung im Herzen, in die untere Strömung. Sie sehen auch, daß es wichtiger, viel wichtiger ist, ich möchte sagen, die äußere Physiognomie des Krankheitsbildes zu beobachten als durch die Autopsie die defekt gewordenen Organe. Denn was die Autopsie in den defekt gewordenen Organen zeigt, sind doch nur Folgeerscheinungen. Das Wesentliche ist, das ganze Bild, die Physiognomie der Krankheit ins Auge zu fassen. Diese Physiognomie wird Ihnen immer geben in einer gewissen Weise ein nach der einen oder der anderen Richtung zunächst inklinierendes Bild nach dem Neurasthenischen oder nach dem Hysterischen. Aber natürlich, man muß diese Ausdrücke erweitern gegenüber dem gewöhnlichen Wortgebrauch.
[ 8 ] If such morbid manifestations as are hysterical in character appear, we have to deal with an excess of an activity that belongs to the external world, but is operating in the lower sphere of the human organism. But the same irregularity of reciprocal action can also arise if the upper process does not take place in the proper way and occurs in such a way as to overstrain the upper organisation. This is the opposite, and in some sense, the negative of the lower processes. It is not that the upper processes are over-stimulated; they cease, as it were, before the mediating action of the heart transmits them to the lower sphere. This type of irregularity is too strong spiritually, too organically-intellectual, if I may use such a term, and shows itself as Neurasthenia. This is the other pole. We must keep these two irregularities of the human organism clearly before us—they remain still in the realm of mere functions, they are two defects, expressed respectively in the upper and the lower sphere. And we shall gradually have to learn that the human polarity tends towards either the one or the other deficiency. Neurasthenia is a functional excess of the upper sphere. The organs of that sphere are too much occupied, so that processes which should be transferred and conducted downwards through the heart, take place in the upper sphere and do not pass into the lower organic currents (harmoniously mediated by the damming up in the heart). You will observe that it is much more important to become aware, so to speak, of the specific physiognomy of the disease than to study by post-mortems the organs which have become defective. For post-mortems reveal only the results and symptoms. The essential thing is to form a comprehensive picture of the whole morbid condition; to visualise its physiognomy. This physiognomy will always reveal a tendency in one or the other direction towards the Neurasthenic or the Hysterical Type. But of course, we must use these terms in a wider sense than that usually accepted.
[ 9 ] Nun, hat man sich ein genügendes Bild gemacht von diesem Zusammenwirken des Oberen und des Unteren, dann wird man von da ausgehend allmählich erkennen, wie das, was zunächst nur funktionell vorliegt, also — wie wir sagen würden — im Ätherischen sich abspielt, ergreift das Organisch-Physische, indem es gewissermaßen in seinen Kräften dichter wird, und wie man davon sprechen kann, daß dasjenige, was zuerst nur als hysterische Andeutung vorhanden ist, in verschiedenen Unterleibserkrankungen gewissermaßen physische Gestalt annehmen kann, wie nach der anderen Seite in Halskrankheiten, Kopfkrankheiten die Neurasthenie organische Gestalt annehmen kann. Dieses, ich möchte sagen, Abdrücken dieser zunächst funktionellen physischen Erscheinungen im Neurasthenischen und Hysterischen zu studieren, das wird außerordentlich wichtig sein für die zukünftige Medizin. Es wird die Folge der, ich möchte sagen, organisch gewordenen Hysterie sein: Unregelmäßigkeiten in dem ganzen Verdauungsvorgang, überhaupt in allen Vorgängen des Unterleibes. Aber dasjenige, was so in einem Organismus vorgeht, das wirkt doch wiederum auf den ganzen Organismus zurück. Das darf nicht außer acht gelassen werden, daß dasjenige, was als Unregelmäßigkeiten vor sich geht, wiederum auf den ganzen Organismus zurückwirkt.
[ 9 ] If one has acquired an adequate picture of the interaction of the upper and lower spheres, one will gradually learn that irregularity manifesting functionally only in its initial stages—and therefore, as we should say in the etheric sphere—becomes denser in its forces and takes hold of the physical organism. Thus, what was at first merely a tendency to hysteria, may take physical form in various abdominal diseases. And conversely, neurasthenia may develop into diseases of the throat or head. The study of this imprint of what were originally only functional irregularities of neurasthenia and hysteria, will be of the utmost significance for the medicine of the future. If hysteria has become organic, there will be disturbances of the whole digestive process and all the other processes of the abdominal sphere. Such processes have their repercussions on the whole organism; we must be careful to bear these repercussions and reactions in mind.
[ 10 ] Nun denken Sie sich einmal, so etwas, was, wenn man es zunächst im Funktionellen beobachten könnte, einfach eine hysterische Erscheinung wäre, kommt funktionell überhaupt nicht zum Ausdruck. Es kann das durchaus sein. Es kommt funktionell nicht zum Ausdruck. Der Ätherleib drückt es sogleich in den physischen Leib hinein. Es erscheint auch nicht als eine ausgesprochene Erkrankung irgendwie in den Unterleibsorganen, aber es ist drinnen. Es ist also in den Unterleibsorganen, sagen wir, etwas, was wie ein Stempelabdruck der Hysterie ist. Dadurch, daß es sich in das Physische hinein abgedrückt hat, kommt es nicht psychisch als hysterische Erscheinung zum Vorschein, aber es ist auch noch nicht stark genug, um eine belästigende Krankheit, physische Krankheit zu sein. Aber es ist dann stark genug, um doch im ganzen Organismus zu wirken. Dann haben wir die eigentümliche Erscheinung, daß so etwas, was, ich möchte sagen, schwebt zwischen Krankheit und Gesundheit, daß das vom Unteren aufs Obere hinaufwirkt, aufs Obere zurückwirkt, das Obere gewissermaßen ansteckt und in seinem Negativ erscheint. Diese Erscheinung, wo gewissermaßen der erste physische Folgezustand des Hysterischen in seiner Wirkung auf die Gebiete erscheint, die sonst, wenn sie einseitig, unregelmäßig werden, der Neurasthenie unterliegen, diese Erscheinung, die gibt die Anlage zur Tuberkulose.
[ 10 ] Now let us suppose that a manifestation which would be undoubtedly hysterical, if it were manifested functionally, does not come to expression at all as a disturbance of function. It does not appear in the functional sphere, the etheric body imprints it immediately into the physical body. It is there, but it is not evident in any definite disease of the lower organs. We may say indeed that the organs bear the signature of hysteria. It has been driven into the physical organism, and therefore does not manifest by hysterical symptoms on the psychological plane; and it is not yet sufficiently pronounced to become an appreciable physical affliction. But it is strong enough to work within the whole organism. Thus we have this peculiar condition: something on the borderland, so to speak, between sickness and health influences the upper organic sphere from the lower. It reacts on the upper sphere and in some sense infects it, appearing in its own negative. This phenomenon, in which so to speak, the first physical effects of hysteria affect those regions which are subject to neurasthenia in their own typical irregularities, gives a tendency to Tuberculosis.
[ 11 ] Das ist ein interessanter Zusammenhang. Die Anlage zu Tuberkulose ist eine Rückwirkung der Ihnen eben geschilderten Tätigkeit im Unteren auf das Obere. Diese ganz merkwürdige Wechselwirkung, die da entsteht dadurch, daß ein nicht ganz auslaufender Prozeß, wie ich ihn geschildert habe, zurückwirkt auf das Obere, gibt die Anlage zu Tuberkulose. Man wird nicht finden irgend etwas, was rationell der Tuberkulose beikommt, wenn man nicht auf diese, ich möchte sagen, Ur-Anlage des menschlichen Organismus zurückgeht. Denn daß die Parasiten Platz greifen im menschlichen Organismus, das ist nur eine Folgeerscheinung jener Ut-Anlagen, von denen ich Ihnen jetzt eben gesprochen habe. Das widerspricht nicht der Tatsache, daß, wenn die nötigen Voraussetzungen dazu da sind, so etwas wie die Tuberkulose ansteckend ist. Natürlich müssen die nötigen Voraussetzungen dazu dasein. Aber es ist schon so, daß bei einem furchtbar großen Teile der heutigen Menschheit dieses Prädominierende der unteren organischen Tätigkeit leider vorliegt, so daß die Disposition zur Tuberkulose in einer erschrekkenden Weise heute eigentlich ausgebreitet ist.
[ 11 ] This is an interesting connection. The tuberculous tendency is a repercussion of the abnormal action of the lower body sphere on the upper, as has just been outlined. The whole of this remarkable interaction is set in motion by an uncompleted process which reacts on the upper sphere, and produces a tendency to tuberculosis. And it is necessary to recognise this primary tendency of the human organism before any rational antidote to tuberculosis can be discovered. For the invasion of the human body by pathogenic bacteria is only a result of primary tendencies such as I have described. This does not contradict the fact that tuberculosis is infectious under certain conditions. Of course these conditions are a necessary prerequisite. But unfortunately this predominance of the activity of the lower organic sphere is alarmingly prevalent in present-day humanity, and this implies a disastrously frequent predisposition to tuberculosis.
[ 12 ] Nun, Ansteckung ist deshalb doch ein gültiger Begriff auf diesem Gebiete, denn derjenige, der in einem höheren Grade tuberkulosekrank ist, wirkt schon auf seine Mitmenschen. Und wenn man dem ausgesetzt ist, in dem der Tuberkulosekranke drinnen lebt, so tritt eben das ein, daß, was sonst bloß Wirkung ist, wiederum zur Ursache werden kann. Ich versuche immer mit einem Vergleich, mit einer Analogie diese Beziehung zwischen dem primären Entstehen einer Krankheit und der Ansteckung klarzumachen, indem ich etwa sage: Nehmen wir an, ich treffe auf der Straße einen Freund, dessen menschliche Beziehungen mir sonst nicht naheliegen. Er kommt traurig, er hat einen Grund, traurig zu sein, denn es ist ihm ein Freund gestorben. Ich habe keine direkten Beziehungen zu dem Freunde, der ihm gestorben ist. Indem ich ihm aber begegne und er mir seine Traurigkeit meldet, werde ich mit ihm traurig. Er wird traurig durch die direkte Ursache, ich durch eine Ansteckung. Aber dabei bleibt es doch richtig, daß nur die gegenseitige Beziehung zwischen mir und ihm die Voraussetzung zu dieser Ansteckung ist.
[ 12 ] The concept of infection, however, is none the less valid here. For any highly tuberculous individual affects his fellow beings: and if any person is exposed to the sphere in which the tuberculous patient lives, then it may happen that the effect turns again into a cause. I have often tried to illustrate the relationship between primary causes of a disease and infection in the following analogy. Suppose that I meet a friend of mine, whose relations with other people do not in general touch me. He is sad and has reason to be so, for he has lost one of his friends by death. I have no direct relationship with this friend who has died, but I become sad with him at his sad news. His sadness is, so to speak, first hand and direct; mine arises indirectly, communicated through him. Nevertheless, the fact remains that the mutual relationship between me and my friend provides the pre-condition for this “infection.”
[ 13 ] Also die beiden Begriffe: primäres Entstehen und Ansteckung, haben durchaus ihre Berechtigung, und sie haben insbesondere bei der Tuberkulose eine starke Berechtigung. Nur sollte man sie im rationellen Sinne wirklich verwenden. Die 'Tuberkuloseanstalten sind ja manchmal gerade Brutanstalten für die Tuberkulose. Wenn man die Tuberkulösen schon zusammenpfercht in Tuberkuloseanstalten, so sollte man diese Tuberkuloseanstalten, soviel man kann, immer wiederum abbrechen und durch andere ersetzen. Nach einer bestimmten Zeit sollten Tuberkuloseanstalten eigentlich immer entfernt werden. Denn das ist das Eigentümliche, daß die Tuberkulösen selber die allergrößte Anlage haben, angesteckt zu werden, das heißt, daß ihre vielleicht sonst ausbesserbare Krankheit vielleicht schlimmer wird, wenn sie in der Nähe von schwereren Tuberkulosekranken sind. Aber ich wollte ja vorläufig zunächst nur auf das Wesen der Tuberkulose hinweisen. Wir sehen gerade bei der Tuberkulose als an einem Beispiel, wie gewissermaßen ineinandergreifen müssen die verschiedenen Prozesse am menschlichen Organismus, die ja, wie Sie sich denken können, immer unter dem Einflusse dieser Tatsache stehen müssen, daß wir es eben mit der oberen und mit der unteren Organisation zu tun haben, die einander so entsprechen, wie positives Bild und negatives Bild einander entgegengesetzt sind. Man kann an den, ich möchte sagen, ganz auffälligsten Erscheinungen, welche die Tuberkulose zunächst vorbereiten, indem eine solche Konstitution des Organismus vorhanden ist, wie ich sie dargelegt habe, in ihrem Verlaufe dann weiter studieren, wie überhaupt das Krankheitswesen anzuschauen ist.
[ 13 ] Thus both concepts—of primary origin and of infection—are justified, and are so especially in the case of tuberculosis. But they should be applied in a rational manner. Institutions for the treatment of tuberculous persons are often breeding grounds for tuberculosis. If tuberculous persons are to be collected and crowded together in special institutions, then these institutions should be dissolved and replaced by others as often as possible. There should, in fact, be a time limit for their dispersion and removal. For this disease has the peculiarity that its victims are extremely liable to secondary infections. A case which may be by no means hopeless, becomes serious if it is surrounded by severe cases of tuberculosis. For the present, however, I am referring to the specific nature of tuberculosis. And it offers a striking example of the interaction of various processes in the human organism. As you will observe, such processes are dominated by the polarity of the upper and lower spheres, which correspond to one another as positive and negative images. The particularly striking phenomena which lead to tuberculosis following the special organic constitution which I have indicated, may be followed up; and they reveal in their future development a general concept of the true nature of disease.
[ 14 ] Nehmen wir die gebräuchlichste Erscheinung eines Menschen, der etwa ein angehender Tuberkulosekranker ist, bei dem also die Tuberkulose eigentlich erst in der Zukunft liegt, sich vorbereitet. Da werden wir vielleicht wahrnehmen, daß er hustet. Wir werden wahrnehmen, daß er Hals-Brust-Schmerzen, vielleicht auch Gliedschmerzen hat. Wir werden wahrnehmen gewisse Ermüdungszustände bei ihm, wir werden namentlich wahrnehmen Nachtschweiße.
[ 14 ] Let us take the most frequent symptoms of an individual who is an incipient tuberculous case. Tuberculosis is in his future, and his present state prepares for it. We find perhaps that he coughs, feels pain in the throat and chest, and perhaps also in his limbs; there will be certain states of exhaustion and fatigue; and there will be profuse sweating at night.
[ 15 ] Was ist das alles? Wenn wir diese Erscheinungen uns vor Augen führen, was sind sie eigentlich alle? Dies alles, was ich Ihnen jetzt vorgeführt habe, ist zunächst etwas, was als Folge von den geschilderten inneren unregelmäßigen Wechselwirkungen auftritt. Aber es ist zu gleicher Zeit ein Kampf, den der Organismus eingeht gegen dasjenige, was da als tiefere Grundlage vorliegt. Sehen Sie, Husten — betrachten wir solche einfache Dinge zunächst, wir werden schon auch zu den komplizierteren kommen —, Husten immer unter allen Umständen zu bekämpfen, ist ganz gewiß nicht gut. Manchmal kann es sogar der Organismus nötig machen, vielleicht Husten künstlich hervorzurufen. Wenn die untere Organisation des Menschen irgendwie so ist, daß sie von der oberen Organisation nicht bezwungen werden kann, dann ist das, was als Hustenreiz auftritt, eine gesunde Reaktion des menschlichen Organismus, um gewisse Dinge, die sonst eindringen, nicht eindringen zu lassen. Und unter allen Umständen Husten einfach direkt zu unterbinden, kann unter Umständen von Unheil sein, denn dann nimmt der Körper Schädlichkeiten auf. Er hustet aus dem Grunde, weil er in dieser zeitweiligen Disposition diese Schädlichkeiten nicht vertragen kann und sie sich fortschaffen will. Der Hustenreiz ist gerade die Anzeige dafür, daß irgend etwas im Organismus los ist, so daß die Nötigung vorliegt, die entsprechenden Eindringlinge, die sonst ganz gut in den Organismus eindringen können, nicht eindringen zu lassen.
[ 15 ] If we take all these symptoms together what do they mean? They are, first of all, the effect of those internal irregular interactions to which I have referred. And at the same time, they represent the resistance offered by the organism, its struggles against the deeper foundation of the disease. Let us take the simpler manifestations first. It is certainly not always and under all circumstances beneficial to attempt to stop a cough. It may even sometimes be necessary to stimulate coughing by artificial means. If the lower organic sphere cannot be controlled by the upper, the healthy reaction manifests as the irritation leading to coughing, in order to prevent the invasion of certain things which are undesirable. To suppress coughing as an invariable rule, may be deleterious, for the body will then absorb injurious substances. Coughing is the attempt to get rid of such substances, which cannot be tolerated under the prevailing conditions. Thus the tickling irritation which provokes coughing is a danger signal of something which is wrong in the organism, so that the need arises to repel the invaders, which could otherwise easily effect an entry.
[ 16 ] Aber auch die anderen Erscheinungen, die wir angeführt haben, sind ein Wehren, ein Kampf des Organismus gegen dasjenige, was heraufzieht in der Tuberkuloseanlage. Halsschmerzen, Gliederschmerzen zeigen einfach an, daß der Organismus diejenigen Prozesse nicht vor sich gehen läßt, die nicht bezwungen werden können als untere Prozesse von den oberen. Wiederum könnte es zum Beispiel, wenn rechtzeitig die Tuberkuloseanlage bemerkt wird, gut sein, den Organismus dadurch zu unterstützen, daß man Hustenreize in mäßiger Art hervorruft, daß man insbesondere — wir werden sehen, wie man das machen kann, in den folgenden Vorträgen — die Folgeerscheinungen hervorruft, ja auch durch eine gewisse Diät — man kann das, wie wir sehen werden — sogar die Müdigkeitserscheinungen hervorruft. Auch wenn zum Beispiel Abmagerung eintritt, so ist das auch nur ein Abwehrmittel. Denn der Prozeß, der dann vor sich geht, wenn man nicht abmagert, ist vielleicht gerade dasjenige im Unteren, was vom Oberen nicht bezwungen werden kann, so daß der Organismus sich dadurch wehrt, daß er abmagert, damit dasjenige, was nicht bezwungen werden kann, zeitweilig nicht da ist.
[ 16 ] What of the other symptoms, enumerated above? They too are forms of organic defence, ways of doing battle with the dangers which approach as the tubercular tendency. The pains in the throat and limbs simply proclaim the obstruction of those processes in the lower sphere, which are not adequately controlled by the upper. If the tubercular tendency is perceived in good time, it may be beneficial to support the resistant organism by moderate stimulation of the coughing, by stimulating the resultant phenomena—as will be indicated in the subsequent lectures—by appropriate diet, and even by stimulating the typical fatigue. Again, if there is marked emaciation, this too is only a form of organic defence. For if this emaciation does not take place, the process which develops is perhaps that activity of the lower sphere which the upper cannot control. The organism dwindles and loses weight, in order to defend itself by getting rid of those elements which cannot be controlled by the upper sphere.
[ 17 ] Es ist also außerordentlich wichtig, solche Dinge im einzelnen zu studieren, nicht etwa, wenn jemand einer Abmagerung unterliegt, ohne weiteres ihn einer Fettkur zu unterwerfen, denn diese Abmagerung kann ihren sehr guten Sinn haben in dem, was sich gerade zeitweilig im Organismus ausdrückt.
[ 17 ] Thus it becomes exceedingly important to study symptoms and cases in detail, but not in order immediately to prescribe a corpulency treatment for any one suffering from emaciation. For this emaciation may be highly beneficial, in relation to the actual organic conditions at the time.
[ 18 ] Und insbesondere sind sehr lehrreich, bei dem noch nicht Tuberkulosekranken, bei dem aber die Tuberkulose in Aussicht steht, die Nachtschweiße. Denn die Nachtschweiße sind nichts anderes als eine während des Schlafes vollzogene Tätigkeit des Organismus, die eigentlich im Wachen unter der vollen geistig-physischen Tätigkeit vor sich gehen sollte. Dasjenige, was eigentlich bei Tag bei vollem Wachen vor sich gehen sollte, das geht nicht vor sich und schafft sich seinen Ausdruck in der Nacht. Es ist eine Folgeerscheinung und zu gleicher Zeit ein Abwehrmittel. Während der Organismus entlastet ist von seiner geistigen Tätigkeit, schafft er sich die Tätigkeit, die in dem Nachtschweiße zum Ausdruck kommt.
[ 18 ] An especially instructive characteristic of the incipient tuberculous subject, is the heavy loss of perspiration at night. This is a form of organic activity taking place during sleep, which should really take place during working hours, during full physico-spiritual awakeness. But it does not do so, and is obliged to find expression during sleep. This is both a symptom and a method of defence. When the organism is relieved from spiritual occupation, it has recourse to the form of activity manifest in “night sweats.”
[ 19 ] Man muß allerdings, um diese Tatsache voll würdigen zu können, ein wenig wissen darüber, daß alle Ausscheidungsvorgänge, auch die Schweißbildung, in innigem Zusammenhang stehen mit dem, was sonst seelische und geistige Tätigkeit in sich schließt. Die aufbauenden Prozesse, die eigentlichen vitalischen Aufbauungsprozesse, sind nämlich bloß die Grundlage des Unbewußten. Dasjenige, was entspricht den wachen, bewußten seelisch-organischen Tätigkeiten, das sind überall Ausscheidungsprozesse. Auch unserem Denken entsprechen nicht etwa Aufbauprozesse des Gehirns, sondern Ausscheidungsprozesse, Abbauprozesse des Gehirns. Und das Auftreten von Nachtschweißen ist eben ein Ausscheidungsprozeß, der eigentlich im normalen Leben parallel gehen müßte einer geistig-seelischen Tätigkeit. Weil aber das Obere mit dem Unteren nicht in dem richtigen Wechselverhältnis steht, so spart sich so etwas dann für die Nacht auf, wo der Organismus entlastet ist von der geistig-seelischen Tätigkeit.
[ 19 ] To evaluate this fact properly, we must know something of the close connection between all the excretory processes and those activities which include soul and spirit. The constructive processes, the vital processes proper, are the foundation of the mere unconscious. Corresponding to the conscious soul and organic functions of our waking hours, are always processes of excretion. Even our thinking does not correspond to constructive cerebral processes, but to processes of excretion, i.e. destruction. And night sweats are an excretory phenomenon which should be concurrent with a spirit and soul activity in normal life. But as the upper and lower spheres are not in correct interaction with one another, the excretory process accumulates and then takes place at night, when the organism is relieved from spirit and soul activity.
[ 20 ] So sehen Sie, wie ein sorgfältiges Studieren aller Vorgänge, die mit dem ganzen Wachsen und Werden des gesund-kranken menschlichen Organismus zusammenhängen, doch dazu führt, daß man sagen kann: es besteht auch eine Wechselwirkung zwischen Krankheitserscheinungen. Abmagern ist zunächst eine Krankheitserscheinung. Aber in seiner Beziehung zur Tuberkuloseanlage, also zur schon doch etwas wirkenden Tuberkulose, ist das Abmagern etwas, was dazugehört. Und es besteht, ich möchte sagen, eine Organisation, eine ideelle Organisation der Krankheitserscheinungen. Eine Krankheitserscheinung gehört in gewissem Sinne zur anderen Krankheitserscheinung dazu. Das bedingt dann, daß es ganz rationell ist, wenn durch andere Bedingungen des Organismus hervortritt so etwas wie eine Reaktion — bleiben wir bei der Tuberkuloseanlage —, der Organismus aber selbst nicht die Kraft hat, diese Reaktion hervorzurufen, daß man ihm zu Hilfe kommt und sie dann gerade hervorruft, daß man dann gerade der einen Krankheit die andere folgen läßt. Die alten Ärzte haben dieses ausgesprochen als eine, ich möchte sagen, bedeutungsvolle Erziehungsregel für den Arzt. Sie haben gesagt: Das ist das Gefährliche beim Arztsein, daß er nicht bloß in der Lage sein muß, Krankheiten zu vertreiben, sondern auch Krankheiten hervorzurufen. — Und in demselben Maße, als der Arzt Krankheiten heilen kann, kann er sie auch hervorrufen. So daß also die Alten, die noch etwas mehr gewußt haben über solche Zusammenhänge aus ihrem atavistischen Hellsehen heraus, in dem Arzt zu gleicher Zeit gesehen haben den, der, wenn er böswillig wird, die Menschen nicht nur gesund, sondern auch krank machen kann. Aber es hängt das zusammen mit der Notwendigkeit, gewisse Erkrankungszustände hervorzurufen, um sie in das rechte Verhältnis zu anderen Erkrankungszuständen zu bringen. Aber es sind doch eben Krankheitszustände. Und all das: Husten, Halsschmerz, Brustschmerz, Abmagerungserscheinungen, Ermüdungserscheinungen, Nachtschweiße, sind doch eben Krankheitserscheinungen. Man muß sie hervorrufen, aber sie sind doch eben Krankheitserscheinungen.
[ 20 ] Thus you will see that a careful study of all the processes connected with growth and development in the healthy and the diseased human organism leads to the conclusion that there is an interaction between the phenomena of disease. Emaciation is one phenomenon. But in its relation to the tubercular tendency, it is part of the disease. Indeed I would say that the phenomena of disease are organically linked up. They constitute an ideal organisation. One such phenomenon belongs in a sense to another. Therefore it is entirely reasonable to come to the help of an organism—keeping to the example of incipient tuberculosis—which has not the strength to react adequately and to provoke from outside the necessary reaction, viz. that one form of disease is made to follow on another. The doctors of old enunciated this truth as a significant educational rule of medicine. They said: The danger of being a physician is that he must not only be able to cure sicknesses but must also provoke them. And in the same measure in which the physician is able to heal diseases he can also provoke them. The ancient world was more aware of these subtle inter-relationships (through the atavistic power of clairvoyance) and they beheld in the physician a double power, who could smite with sickness, if he were of evil will, as well as cure. This aspect of medicine is associated with the need to provoke certain states of disease, in order to put them into a certain relation to others. Such conditions as coughing, pains in the throat and chest, emaciation, persistent fatigue, profuse nocturnal perspiration, all are symptoms of disease, yet they must sometimes be provoked, even though they are diseased.
[ 21 ] Das wird dazu führen, natürlich leicht einzusehen, daß man nun doch, wenn man dann halb geheilt hat, das heißt diese Krankheitserscheinungen hervorgerufen hat, den Kranken nicht seinem Schicksal überlassen kann, sondern daß dann die zweite Partie des Heilungsprozesses erst eintreten muß. Es muß dann wiederum dafür gesorgt werden, daß nicht bloß diese Reaktionen da sind, nicht bloß dasjenige, was man hervorgerufen hat, um die Krankheit abzuwehren, sondern es muß dann dasjenige erfolgen, was wiederum die Reaktion heilt und den ganzen Organismus wieder auf den richtigen Weg bringt. Also man müßte dafür sorgen, daß zum Beispiel dann, wenn als natürliche oder vielleicht auch künstlich hervorgerufene Abwehr gegen die Tuberkuloseanlage Hustenreize hervorgerufen worden sind, Halsschmerzen auftreten oder hervorgerufen worden sind, man dafür sorgt, daß der Verdauungsprozeß, der dann stets etwas von Verstopfungen, Obstipationen aufweisen wird, in Ordnung kommt. Man wird das schon in irgendeiner Weise bemerken, daß dieser Verdauungsprozeß in einen Abführprozeß, in eine Art Diarrhöe übergeführt werden muß. Es ist immer notwendig, daß man den Hustenerscheinungen, auch den Halsschmerzen und dergleichen, solche Diarrhöeprozesse folgen lasse. Das weist eben darauf hin, wie man dasjenige, was einfach im Oberen auftritt, nicht als etwas für sich betrachten darf, wie man sehr häufig auch die Heilung desjenigen, was im Oberen auftritt, durch Vorgänge im Unteren suchen muß, wenn auch keine materielle Vermittlung, sondern nur ein Entsprechen da ist. Das ist etwas, was vor allen Dingen berücksichtigt werden müßte.
[ 21 ] This will naturally lead to the duty not to abandon the sick person when only half-healed, i.e. when the necessary phenomena have been provoked for then the second stage of the healing process begins. We must not only see to it that the appropriate counter-reactions have taken place, but that these reactions are now cured and the whole organism restored to its proper way of functioning. Thus in tubercular cases, having stimulated coughing and pains in the throat, for example, we must then pay heed to the processes of elimination; for there will then be always a tendency to constipation and stasis. It will be necessary to quicken the digestive function into a function of evacuation, even to the extent of stimulating diarrhea. It is always necessary to stimulate diarrhea, following the provoked coughing, pains in the throat and similar symptoms. For we must not consider or treat manifestations of the upper sphere, as though confined to that sphere alone. We must often seek a cure through the processes of the lower sphere, even where there is no direct material connection but merely a correspondence.
[ 22 ] Ermüdungserscheinungen — ich möchte sie eben nicht bloß subjektive Ermüdungserscheinungen nennen, sondern schon ganz organisch bedingte Ermüdungserscheinungen, die eigentlich immer auf Prädominieren des Stoffwechsels beruhen —, wie sie stark auftreten bei einem Stoffwechsel, der nicht von dem Oberen bezwungen wird, solche Ermüdungserscheinungen, weil sie nun wirklich bei Tuberkulose hervorgerufen werden müssen, müßten hinterher in dem nötigen Zeitpunkte dadurch bekämpft werden, daß man durch eine entsprechende Diät dafür sorgt — wir werden von dem Speziellen einer solchen Diät noch zu sprechen haben —, daß überwiegende Verdauung stattfindet, daß also besser als gewöhnlich von demselben Menschen verdaut wird, also ich möchte sagen, daß dasjenige, was leichter aufgearbeitet wird, durch den Verdauungsprozeß aufzuarbeiten ist. Abmagerung wird man später durch eine Diät zu bekämpfen haben, die eben wiederum zu einer gewissen Fettbildung führt, zu etwas, was Einlagerung ist in die Organe, in die Organgewebe. Die Nachtschweiße muß man später dadurch bekämpfen, nachdem man sie zuerst geradezu hervorgerufen hat, daß man versucht, dem Menschen anzuweisen eine Tätigkeit, in der er tatsächlich durch durchgeistigte Anstrengungen, also durch etwas, was durchdachte Anstrengungen sind, in Schweiß gerät, so daß er wiederum einläuft in eine gesunde Schweißbildung.
[ 22 ] These correspondences deserve the most careful consideration. Let us take as an example the typical fatigue and exhaustion. I should prefer not to regard this fatigue as purely subjective, but as organically determined, as emerging always when the metabolic processes are not fully controlled by the upper sphere. Now if these conditions of fatigue have to be stimulated in the treatment of tuberculosis, they must be subsequently countered, at the appropriate moment, by means of a diet which activates the digestion. (We shall deal later with the special requisites of such a diet). Thus the person in question will digest his food better and more easily than usual. Emaciation, similarly, should receive a dietary treatment, leading to a degree of fat formation which cushions the organs and their tissues. And the subsequent treatment of night sweating, after powerful stimulation, must be through the suggestion of activities in which there are spiritual efforts to be made; the patient makes efforts bound up with thoughts, which make him sweat until a normal perspiration is gradually regained.
[ 23 ] Sie sehen, versteht man zuerst durch ein richtiges Auffassen der Herztätigkeit, wie Oberes und Unteres im Menschen korrespondiert, versteht man dann das erste Auftreten, ich möchte sagen, die Anflüge des Krankseins im Funktionellen, im Ätherischen, wie in der Neurasthenie und in der Hysterie, so kann man dazu übergehen, auch dasjenige, was dann im Organischen, im Physischen sich abdrückt, zu verstehen, und man wird durch das Studium der Physiognomie des zusammengehörigen Krankheitsbildes dazu kommen — auch dasjenige, was man selbst erst hervorruft —, zuerst, ich möchte sagen, einen Verlauf der Krankheit nach einer Richtung, nach einem vielleicht sogar stärker oder schwächer abgeleiteten Kranksein hervorzurufen, um dann, wenn die Zeit dazu da ist, den ganzen Prozeß wiederum zum Gesundwerden zurückzuführen.
[ 23 ] It is obvious that if we first realise the correspondence between the upper and lower sphere in man, by a correct understanding of the cardiac function, then we can understand the first fore-shadowing of the disease on the functional plane in the etheric body, as we have done in the case of Neurasthenia and Hysteria. Then we can pass on to an understanding of its imprints on the organic and physical structure, and finally to the physiognomy of the disease as a whole. This comprehensive image will enable us to stimulate the course of sickness in the direction of a more or less secondary disease, in order, when the time has come, to lead the whole process back to health.
[ 24 ] Natürlich, die größten Hindernisse für eine schon damit ein wenig charakterisierte Behandlung sind ja erstens die Verhältnisse, die sozialen Verhältnisse. Daher ist Medizin durchaus auch eine soziale Frage. Auf der anderen Seite sind es die Kranken selbst, die die stärksten Hindernisse bilden, denn die Kranken verlangen natürlich zunächst, daß man irgend etwas, wie sie sagen, wegbringt. Aber, wenn man so direkt etwas, was sie haben, wegbringt, so kann es sehr leicht geschehen, daß man sie viel kränker macht, als sie schon sind. Das muß man auch berücksichtigen, daß man sie viel kränker macht, als sie sind, aber sie müssen dann abwarten, bis man wiederum in der Lage ist, sie gesund zu machen. Aber dann sind sie einem wohl oftmals zumeist, wie viele von Ihnen mir Recht geben werden, davongelaufen!
[ 24 ] Of course the worst obstacles to these therapeutic methods are external and social conditions; therefore medicine is to a large extent a social problem. On the other hand, the patients themselves offer grave difficulties, for they expect their doctors to “get rid of something”, as they often express themselves. But if we simply “get rid of” some existent condition, it may well be that we make their state worse than before. This must be taken into account; often one does make them worse than before, but they must then wait till the opportunity arises to restore them to health once more. Before that can happen, however, as many of you can testify, they have only too often fled and ceased treatment!
[ 25 ] Das ist dasjenige, worauf gerade ein richtiges Betrachten des gesunden und kranken Menschen führt, daß der Arzt auch die Nachkur durchaus in der Hand haben muß, wenn die ganze Kur überhaupt einen richtigen Wert haben soll. Auf solche Dinge muß eben einfach öffentlich hingewirkt werden. In unserer Zeit des Autoritätsglaubens dürfte es nicht schwer sein, wenn solche Bewegungen nur eingeleitet würden, auf solche Notwendigkeiten hinzuweisen. Aber natürlich sind es — verzeihen Sie, daß ich in Ihrer Gegenwart das sage — nicht immer bloß die Patienten, bloß die Verhältnisse, manchmal auch die Herren Ärzte, die es nicht opportun finden, die Krankheit wirklich bis zu ihren letzten Ausläufern zu verfolgen, sondern mehr oder weniger damit zufrieden sind, wenn sie irgend etwas einfach weggebracht haben.
[ 25 ] So the proper study of both the sick and the sound human being convinces us that the physician must have a hand in the after-treatment if the whole treatment is to be of real value. And you must direct your efforts publicly to this goal. We live in a time of belief in authority and it should not be difficult to initiate such public efforts and emphasise their necessity. I must, however, beg your permission to observe that neither the individual patients nor the medical profession find it inopportune to follow up all the ultimate ramifications of disease, and are more or less satisfied if they have “got rid of” something.
[ 26 ] Aber Sie werden sehen, wie uns nach und nach diese richtige Verfolgung der Stellung des Herzens im menschlichen Organismus in das Krankheitswesen hineinführe. Nur werden Sie eben den radikalen Unterschied beachten müssen, der besteht zwischen den unteren organischen Tätigkeiten, die in einer gewissen Beziehung zwar dasjenige überwunden haben, was nur äußerliche chemische Tätigkeit ist, aber die eben doch noch in einer gewissen Weise auch ähnlich sind der oberen Tätigkeit, die ganz entgegengesetzt ist. Es ist außerordentlich schwierig, diesen Dualismus im menschlichen Organismus genügend zu definieren, weil unsere Sprache fast keine Mittel hat, um dasjenige, was den physischen und den organischen Prozessen entgegengesetzt ist, anzudeuten. Aber vielleicht werden Sie mich gut verstehen — und ich scheue nicht davor zurück, vielleicht bei einigen von Ihnen auch auf das oder jenes Vorurteil zu stoßen —, wenn ich durch folgende Analogie zunächst — wir werden ja über diese Dinge mehr zu sprechen haben — klarmachen möchte, wie eigentlich dieser Dualismus zwischen den unteren und den oberen Prozessen ist. Wenn Sie sich die Eigenschaften irgendeines Stoffes denken, so wie diese Eigenschaften des Stoffes sind, die zur Wirksamkeit führen, wenn er uns in irgendeiner Weise vorliegt, so haben Sie zunächst dasjenige, was, wenn es vom Organismus überwunden wird, wie es bei der Verdauung geschieht, also aufgenommen wird in die untere menschliche Tätigkeit. Nun kann man aber auch, wenn ich so sagen darf, homöopathisieren. Man kann das Aggregieren, die Kohärenz des Stoffes aufheben. Das geschieht, wenn man den Stoff in irgendeiner Weise verdünnt, wenn man, wie gesagt, homöopathische Dosen macht. Sehen Sie, da tritt etwas zutage, was überhaupt in unserer gegenwärtigen Naturwissenschaft nicht ordentlich betrachtet wird, und die Menschen sind so geneigt, alles abstrakt zu betrachten. Daher sagen sie, wenn wir hier eine Lichtquelle haben, dann breitet sich Licht nach allen Seiten aus, und sie stellen sich vor — sie stellen sich das auch vor von der Sonne —, daß sich das nach allen Seiten ausbreite und dann verschwinde in der Unendlichkeit. Das ist aber nicht wahr. Nirgends verschwindet eine solche Tätigkeit in der Unendlichkeit, sondern sie geht nur bis zu einer begrenzten Sphäre, und dann schlägt sie wie elastisch zurück, wenn auch die Qualität, das Quale, oftmals verschieden ist von dem, was das Quale vom Hingange ist (siehe Zeichnung Seite 53). Es gibt in der Natur nur rhythmische Verläufe, es gibt nicht in die Unendlichkeit verlaufende Verläufe, es gibt nur dasjenige, was rhythmisch wiederum in sich selbst zurückschlägt.
[ 26 ] You will observe that this correct perception of the role of the heart in the human organism is able to lead us gradually into the essence of the state of disease. It is, however, vital to note the radical difference between the activities of the lower organic sphere, which have to some degree overcome external chemical processes (but are yet at the same time somewhat like the upper activities)—and the upper activities which are opposed and polar to them. It is extraordinarily difficulty to define this organic dualism adequately, for our language has hardly any terms to indicate processes contrary to the physical and the organic. But perhaps you will understand clearly—and I shall not hesitate to come up against possible prejudices amongst you—if I try to elucidate this dualism with the following analogy. We shall deal in detail with the subject later on. Let us think of the qualities proper to any sort of material substance, that is, the qualities essential to its working when absorbed into the lower sphere of the organism, e.g. through the digestion. But if I may use the expression—we can homeopathise, we can dilute the aggregate states of the substances in question. This is what happens if one dilutes in the way of homeopathic doses. Here something occurs which does not receive due attention in the Natural Science of today, for mankind has a strong tendency to abstractions. They say, for example, that from a source of light—for example, the sun—the light radiates in all directions, and finally disappears into infinity. But this is not true. No such form of activity vanishes into infinite space, but it extends within a certain limited orb and then rebounds elastically, returning to its source, although the quality of this return is often different from its centrifugal quality. (See Diagram 5). In Nature there are only rhythmical processes, there are none which continue into infinity. They revert rhythmically upon themselves.


[ 27 ] Und das ist nicht nur bei den quantitativen Ausbreitungen der Fall, sondern das ist auch bei den qualitativen Ausbreitungen der Fall. Wenn Sie anfangen, einen Stoff zu teilen, so hat er zunächst beim Ausgangspunkt Eigenschaften. Diese Eigenschaften nehmen nicht ins Unendliche ab, sondern, wenn man bei einem bestimmten Punkte angekommen ist, schlagen sie zurück und werden die entgegengesetzten Eigenschaften. Und auf diesem inneren Rhythmus beruht auch dasjenige, was der Gegensatz ist zwischen unterer Organisation und oberer Organisation. Unsere obere Organisation ist etwas Homöopathisierendes. Sie ist etwas, was in einer gewissen Weise dem gewöhnlichen Verdauungsprozesse schnurstracks entgegengesetzt ist, das Gegenteil, das Negativ davon bildet. Und so könnte man sagen, daß, indem der homöopathische Apotheker die Verdünnungen herstellt, er eigentlich in Wirklichkeit die Eigenschaften, die sich sonst auf die untere menschliche Organisation beziehen, zu ihr eine Beziehung haben, überleitet in Eigenschaften, die dann zu der oberen menschlichen Organisation eine Beziehung haben. Das ist ein sehr interessanter innerer Zusammenhang, und wir werden dann in den nächsten Tagen von diesem Zusammenhang weiter sprechen.
[ 27 ] That is not only the case in quantitative dispersion, but also in qualitative. If you subdivide any substance, it has at first certain distinctive qualities. These qualities do not decrease and diminish ad infinitum; at a certain point, they are reversed and become their opposites. And this intrinsic rhythm is also the foundation of the contrast between the upper and lower organisation. Our upper organisation works in a homeopathic way. In a certain sense it is diametrically opposed to the process of ordinary digestion, its opposite and negative. Therefore we might say that when the homeopathic chemist manufactures his minute dilutions, he thereby transfers the qualities which are otherwise linked with the lower organic sphere, into those which belong to the upper sphere. This is a most significant inner relationship and we shall discuss it in the ensuing lectures.
