Physiological Therapeutics
based on Spiritual Science
GA 314
26 October 1922, Dornach
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Physiological Therapeutics based on Spiritual Science, tr. SOL
Anthroposophische Grundlagen für die Arzneikunst I
Anthroposophical Foundations of Pharmacology I
[ 1 ] Sie werden heute ein wenig Nachsicht haben müssen mit mir, ich bin eben erst hier angekommen nach einer sehr ermüdenden Reise und kann eigentlich erst im Grunde genommen wahrscheinlich morgen ordentlich zu Ihnen sprechen.
[ 1 ] You'll have to bear with me a little today; I've just arrived here after a very tiring trip, and I probably won't be able to speak to you properly until tomorrow, really.
[ 2 ] Nun möchte ich heute aber eine Art Einleitung geben zu den Vorträgen, die ich hier vor Ihnen halten darf. Eigentlich war es nicht meine Absicht, innerhalb dieser ärztlichen Veranstaltung zu sprechen, da ich glaube, daß die Anregungen, die aus anthroposophischer Forschungsart für die Medizin und das naturwissenschaftliche Denken sich ergeben, aufgenommen werden sollten von denjenigen, die auf dem entsprechenden Gebiete Fachleute sind. Es kann sich ja wirklich bei alledem, was für Medizin und zum Beispiel auch für Physiologie von anthroposophischer Geistesforschung herkommt, nur um Anregungen handeln, die dann empirisch weiterbearbeitet werden müssen. Erst auf der Grundlage dieser empirischen Weiterarbeit kann sich über diejenigen Dinge, um die es sich handelt, ein gültiges, überzeugendes Urteil bilden, ein Urteil von der Art, wie man es auf therapeutischem Gebiete braucht.
[ 2 ] Today, however, I would like to offer a sort of introduction to the lectures I have the privilege of presenting to you here. Actually, it was not my intention to speak at this medical conference, since I believe that the insights derived from anthroposophical research for medicine and scientific thinking should be taken up by those who are experts in the relevant fields. After all, everything that comes from anthroposophical spiritual research—whether for medicine or, for example, physiology—can really only be regarded as suggestions that must then be further developed empirically. Only on the basis of this empirical follow-up work can a valid, convincing judgment be formed regarding the matters at hand—the kind of judgment needed in the therapeutic field.
[ 3 ] Wenn ich aber doch nun unter Ihnen diese wenigen Vorträge halten werde, so geschieht es auf den besonderen Wunsch unserer Ärzte hier, und ich werde mich bemühen, gerade diejenigen Seiten in diesen Tagen zu berühren, durch welche das eigentlich Anthroposophische hereinleuchten kann in das medizinische Gebiet. Ich werde den Versuch machen, zu zeigen, daß zunächst das Urteil, das man gewinnen kann über den Menschen, sowohl in seinem gesunden wie in seinem kranken Zustande bereichert und vertieft werden kann durch die anthroposophische Anschauung. Ich darf vielleicht einleitungsweise darauf aufmerksam machen, wie diese anthroposophische Anschauungsweise heute — das heißt in unserer historischen Gegenwart — eigentlich zu nehmen ist. Man verwechselt so leicht dasjenige, was hier Anthroposophie genannt wird, mit älteren traditionellen Menschheitsanschauungen, über deren Wert ich ja hier kein Wort verlieren will, die ich nicht kritisieren will, denen gegenüber aber doch gesagt werden muß, daß die Anschauungen, die von mir vertreten werden, auf ganz anderen Grundlagen beruhen als jene Anschauungen, die traditionell als mystische, theosophische, gnostische und so weiter in der menschlichen Geschichtsentwickelung heraufgekommen sind. Und ich brauche ja nur die Hauptsache hervorzuheben, um vielleicht gerade dadurch gleich radikal klarmachen zu können, worinnen der Unterschied besteht zwischen den hier vertretenen Anschauungen und jenen älteren. Jene älteren Anschauungen beruhen durchaus darauf, daß sie entstanden sind innerhalb des menschlichen Denkens zu einer Zeit, in der es noch keine Naturwissenschaft in unserem Sinne gegeben hat, und meine Anschauungen beruhen darauf, daß sie entstehen in einer Zeit, in welcher die Naturwissenschaft entwickelt ist, in welcher es die Naturwissenschaft auch schon zu einer gewissen, wenn auch nur vorläufigen Vollendung gebracht hat. Das ist dasjenige, was immer bedacht werden muß, wenn man den ganzen Sinn der Auseinandersetzungen verstehen will, der dasjenige durchdringt, was von anthroposophischer Seite her über die verschiedensten Zweige des menschlichen Wissens und Könnens gesagt und erforscht werden kann.
[ 3 ] However, since I am now going to give these few lectures among you, I am doing so at the special request of our doctors here, and I will endeavor to touch upon precisely those aspects during these days through which the truly anthroposophical perspective can shed light on the field of medicine. I will attempt to show that, first of all, the judgment one can form about the human being—both in a healthy and in a sick state—can be enriched and deepened through the anthroposophical perspective. Perhaps I may begin by drawing attention to how this anthroposophical perspective should actually be understood today—that is, in our historical present. It is all too easy to confuse what is called “anthroposophy” here with older, traditional views of humanity—views whose value I do not wish to discuss here, nor do I wish to criticize them; yet it must be said in their regard that the views I advocate are based on entirely different foundations than those views that have traditionally emerged in the course of human historical development as mystical, theosophical, Gnostic, and so on. And I need only emphasize the main point in order, perhaps precisely through this, to make it radically clear right away what the difference is between the views represented here and those older ones. Those older views are based entirely on the fact that they arose within human thought at a time when there was still no natural science in our sense, whereas my views are based on the fact that they arise in an age in which natural science is developed, and in which natural science has already reached a certain—albeit only provisional—level of perfection. This is what must always be borne in mind if one wishes to understand the full meaning of the debates that permeate what can be said and researched from an anthroposophical perspective regarding the most diverse branches of human knowledge and skill.
[ 4 ] Und Sie wissen ja alle — ich brauche Ihnen das nicht auseinanderzusetzen —, daß in jenen älteren Zeiten, in denen eine — in unserem Sinne natürlich — naturwissenschaftsfreie Anschauung über die übersinnliche Welt vorhanden war, auch die Medizin mit übersinnlichen Anschauungen durchsetzt war, mit Anschauungen über den Menschen, die sich nicht auf die Art ergaben, wie wir das heute eigentlich selbstverständlich finden innerhalb der empirischen Forschung. Man braucht nur etwa hinter Galen zurückzugehen, und man findet, wenn man unbefangen genug ist dazu, überall Anschauungen über den Menschen, auf denen dann auch die medizinischen Gedanken ruhen, Anschauungen über den Menschen, die, indem sie hinschauen auf die Form des Menschen, die Form seiner Organe, auf die Funktionen des Menschen, mit demjenigen, was wir heute hereinbekommen in unsere Empirie, in ihrer Art Gedanken über Übersinnliches verbinden, das sie — man glaubt das leicht — scheinbar hineinversetzen in die menschliche Natur, das aber für sie mit der menschlichen Natur so verbunden war wie für uns etwa mit den Dingen der äußeren Welt Farben, Formen und unorganische Kräfte verbunden sind. Nur derjenige, der befangen ist, wird heute von jenen vergangenen Zeiten der menschlichen medizinischen Entwickelung so sprechen, als wenn es sich dabei durchaus nur um kindliche Anschauungen gegenüber den jetzigen handeln könnte. Die historischen Darstellungen sind gerade auf diesem Gebiete im Grunde so ungenügend als möglich, und für den, der ein wenig sich einlebt in den geschichtlichen Gang der Menschheit und nicht gerade auf dem Standpunkte steht, von dem aus er urteilen kann, daß jetzt eine Vollendung erreicht ist und alles Frühere töricht war, wird es natürlich klar sein, daß wir auch mit dem, was wir jetzt haben, eine Vollendung nur relativer Art vor uns haben, und daß wir auf das Frühere — auch wenn wir auf die Erfolge blicken, zeigt sich das — durchaus nicht nur mit bloßer Überhebung blicken dürfen. Aber immerhin, es darf von niemandem, in welchem Sinne er sich auch an irgendeinen Wissenszweig der Gegenwart macht, übersehen werden, was Naturwissenschaft in der neueren Zeit für die Menschheit geleistet hat. Und wenn sich eine, um diesen Goetheschen Ausdruck zu gebrauchen, geistgemäße Betrachtungsweise über den Menschen, über seine Gesundheit und Krankheit heute irgendwie betätigen will, so darf sie nicht gegen die naturwissenschaftliche Forschung, sondern allein mit naturwissenschaftlicher Forschung sich betätigen.
[ 4 ] And as you all know — I don’t need to spell this out for you — that in those earlier times, when there was a view of the supersensible world that was free from the natural sciences—in our sense, of course—medicine, too, was interwoven with supersensible views, with views of the human being that did not arise in the way we today take for granted within empirical research. One need only go back a bit beyond Galen, and if one is open-minded enough, one finds everywhere views of the human being upon which medical thought is based—views of the human being that, by focusing on the form of the human being, the form of his organs, and the functions of the human being, connect in their own way thoughts about the supersensible with what we today incorporate into our empiricism—thoughts that, as one might easily believe, they seem to project into human nature, but which for them were as closely connected to human nature as colors, forms, and inorganic forces are connected for us to the things of the external world. Only someone who is biased would speak today of those bygone eras of human medical development as if they were merely childish conceptions compared to present-day ones. Historical accounts are, in this very field, as inadequate as they could possibly be; and for anyone who familiarizes themselves even a little with the historical course of humanity—and does not adopt the standpoint from which one might judge that perfection has now been attained and that everything that came before was foolish—it will naturally be clear that even with what we have now, we are faced with a perfection that is only relative, and that we must by no means view the past—as is evident even when we look at its achievements—with mere arrogance. Nevertheless, no one, regardless of their approach to any branch of contemporary knowledge, should overlook what the natural sciences have accomplished for humanity in recent times. And if, to use this expression of Goethe’s, a “spirit-oriented” approach to human beings, their health, and their illness is to be applied in any way today, it must not operate in opposition to scientific research, but solely in conjunction with scientific research.
[ 5 ] Sie werden danach von mir nicht voraussetzen, daß ich in irgendeine Polemik gegenüber den naturwissenschaftlichen Anschauungen verfallen will. Im Gegenteil, ich möchte gleich von vornherein betonen, daß das sogar aus einem ganz bestimmten Grunde nicht der Fall sein kann, aus einem prinzipiellen Grunde nicht der Fall sein kann. Sehen Sie, wenn man gerade auf jene eben erwähnten älteren medizinischen Ansichten zurückblickt, so findet man, daß ihnen — trotzdem sie nicht etwa so töricht waren, wie heute mancher glaubt — doch aber dasjenige fehlte, was wir heute durch die Naturwissenschaft gewonnen haben. Das fehlte diesen alten Anschauungen, und es fehlte ihnen aus dem Grunde, weil einfach das menschliche Erkenntnisvermögen in jenen älteren Zeiten gar nicht daraufhin veranlagt war, die Dinge so zu sehen, wie wir sie heute mit unserer sinnenfälligen und durch Werkzeuge verstärkten Empirie sehen. Das, was wir heute durch unsere Empirie erkennen, das war etwas, von dem man etwa sagen kann: Ja, der alte Arzt — verzeihen Sie, daß ich diesen Ausdruck gebrauche, ich könnte ebensogut sagen: der alte Physiologe oder Biologe —, der alte Arzt sah etwas ganz anderes, als der heutige Mensch sieht. Man könnte geradezu von einer anderen Orientierung des ärztlichen Bewußtseins sprechen für jene älteren Zeiten, die eigentlich radikal ihr Ende gefunden haben mit Galen. Aber das, was er sah, sagen wir, in seinen vier Elementen des menschlichen Organismus, in der schwarzen, der gelben Galle, in dem Schleim, dem Blut, das sah er durchaus nicht so, wie heute der Mensch es sieht, sondern was er anders sah, sah er so, daß, wenn er es beschreibt und wenn man die Worte versteht — man versteht sie gewöhnlich nicht, wie sie aus alten Zeiten überliefert sind —, es einem heute wie Nebel erscheint; er sah diesen Nebel wie eine Realität, er sah nicht etwa dasjenige, was wir Schleim nennen in seinem Schleim, er sah in seinem Schleim etwas, was nicht nur durchlebte Flüssigkeit war, sondern sogar durchseelte Flüssigkeit war. Das sah er. Es war für ihn etwas so klar Gesehenes, wie wenn wir sagen, irgend etwas ist rot oder blau. Dafür aber, daß er da etwas sah, wofür heute das wissenschaftliche Bewußtsein nicht mehr organisiert ist, dafür sah er das nicht, was wir heute eigentlich innerhalb des wissenschaftlichen Bewußtseins haben. Man möchte sagen, nehmen wir an, irgend jemand, der ein gar nicht so abnormes Auge hat, schaut durch irgendeine Brille, und dadurch werden ihm die Umrisse schärfer, als sie für sein sonstiges Bewußtsein sind. So ist auch durch die moderne Empirie das, was früher verschwommen, aber geistig-seelisch gesehen worden ist, verschwunden, dafür ist das scharf Konturierte unserer heutigen Empirie gekommen. Das hatte man in älteren Zeiten nicht. Daher kurierte man auch aus einer Art Instinkt heraus, der übrigens verbunden war mit einer starken Entwickelung des menschlichen Mitgefühles. Es war immer beim alten Arzte eine Art sogar zuweilen aufreibenden Miterlebens mit der Krankheit des Patienten. Aus diesem Miterleben heraus wurde kuriert. Und die scharfen Umrisse, die wir heute durch unsere sinnenfällige Empirie haben, die sah man eben nicht. Nun können wir, weil einfach das Fortschreiten zu dieser sinnenfälligen Empirie in der Entwickelung der Menschheit begründet liegt, nicht etwa diese heutige Empirie beseitigen und wiederum zum alten zurückkehren. Wir werden auch nur, wenn wir irgendwelche atavistische Fähigkeiten uns aneignen, so etwas von Natur aus haben, wie die Alten es auf allen Gebieten, also auch auf ärztlichem Gebiete, hatten. Wenn man heute hereinwächst einfach schon durch unsere besonders geartete Volksschulbildung — ich will gar nicht von der höheren Bildung sprechen —, wenn man heute hereinwächst in unsere Zivilisation, so ist es unmöglich, daß man etwas so sieht, wie es die Alten gesehen haben. Das kann man nicht. Man würde heute, wenn man so sehen würde, wie die Alten gesehen haben, zwar nicht sehr stark, aber doch wenigstens als psychopathisch, als nicht ganz in Ordnung betrachtet werden. Und das nicht ganz mit Unrecht. Denn in der Tat, etwas Psychopathisches ist bei allem, ich möchte sagen, elementarnaturhaften — nun, nennen wir es «Hellsehen» — der Gegenwart vorhanden. Darüber müssen wir uns ganz klar sein. Aber was wir können, das ist, durch Entwickelung von inneren Fähigkeiten, die sonst in der Seele latent sind, uns hinaufarbeiten zu einem Sehen des Geistigen im Seelischen, so, wie sich eben das Auge heraufarbeitete im Laufe der Stammesgeschichte von einem unbestimmten Sehen zu einem scharf konturierten Sehen. Also es können heute Fähigkeiten des geistigen Schauens entwickelt werden. Nun sehen Sie, wenn solche Fähigkeiten des geistigen Schauens entwickelt werden — ich habe die Entwickelung dargestellt in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in anderen meiner Schriften —, wenn solche Fähigkeiten entwickelt werden beim Menschen, dann sieht er zunächst eine Welt, die er früher nicht gesehen hat, aber eine Welt, welche umschließt zunächst eine Art von geistigem Kosmos außer dem Kosmos, den uns unser heutiger Sinnesanblick gibt, unter Hinzuziehung desjenigen, was die Astronomie findet und berechnet. Zu diesem sinnenfälligen, von Naturgesetzen durchsetzten Kosmos kommt ein anderer hinzu, ein geistiger Kosmos. Wenn wir dann verfolgen dasjenige, was wir in dem geistigen Kosmos finden können, finden wir darinnen auch den Menschen. Wir begreifen ein geistiges Universum, ein durchseeltes Universum, und wir begreifen als ein Glied dieses durchgeistigten, durchseelten Universums den Menschen. Wenn wir gewöhnliche Naturwissenschaft treiben, dann beginnen wir entweder mit den einfachsten Lebewesen oder mit der einfachsten Lebensform, mit der Zelle, verfolgen dann das Einfachere zum Komplizierten herauf, steigen also von demjenigen, was der einfachen, bloß physikalisch gegliederten Materie am ähnlichsten ist, zu dem hochkomplizierten menschlichen Organismus herauf. Wenn wir Geisteswissenschaft in ernstem Sinne treiben, beginnen wir gewissermaßen am anderen Ende. Wir steigen herunter von dem Erfassen des Geistigen im Universum und schauen dieses Geistige im Universum als das Komplizierte an, die Zelle sehen wir als das Einfachste im Organismus an. Das Universum, geisteswissenschaftlich angeschaut, ist das Komplizierteste, und wir gelangen allmählich dazu geradeso, wie wir komplizieren unsere eigenen Erkenntniselemente, um, sagen wir, von der Zelle zum Menschen zu kommen, so vereinfachen wir dasjenige, was uns der Kosmos gibt, immer mehr und mehr und kommen dann zum Menschen. Wir gehen einen entgegengesetzten Weg, das heißt, wir beginnen am polarisch entgegengesetzt gelegenen Ausgangspunkt, aber wir kommen, wenn wir in dieser Weise heute zunächst Geisteswissenschaft treiben, dadurch im Grunde genommen nicht bis in diejenigen Gebiete, die etwa von unserer heutigen sinnfälligen Empirie umschlossen werden. Ich muß großen Wert darauf legen, daß gerade in diesen prinzipiellen Dingen keine Mißverständnisse entstehen. Deshalb muß ich Sie schon heute bitten, mir einige pedantisch geformte Begriffe zu verzeihen. Wenn jemand etwa glauben wollte: Nun, es ist unsinnig, sinnenfällige Empirie in der Physiologie, in der Biologie zu treiben, wozu braucht man die spezielle Fachwissenschaft, man entwickelt sich geistige Fähigkeiten, schaut in die geistige Welt hinein, kommt dann zu einer Anschauung über den Menschen, über den gesunden, über den kranken Menschen, und kann gewissermaßen eine geistige Medizin begründen, — so wäre das ein großer Irrtum. Es tun ja das manche auch, aber es kommt nichts dabei heraus. Höchstens das, daß sie wacker schimpfen auf die empirische Medizin, aber sie schimpfen eben dann über etwas, was sie nicht kennen. Also darum kann es sich nicht handeln, daß wir etwa einen Strich machen gegenüber der gewöhnlichen sinnenfälligen empirischen Wissenschaft und aus geistigen Wolkenkuckucksheimen herunter eine Geisteswissenschaft begründen. So ist es gar nicht gegenüber den empirischen Wissenschaften, das heißt demjenigen, was man heute empirische Wissenschaften nennt, was ich hier sinnenfällig-empirische Wissenschaft nennen möchte. So ist es gar nicht. Sie können zum Beispiel, wenn Sie geisteswissenschaftlich forschen, nicht etwa auf dasselbe kommen, was Sie mit dem Mikroskop erforschen. Sie können ruhig jemanden, der Ihnen den Glauben beibringen will, daß er aus der Geisteswissenschaft heraus dasselbe finden kann, was man unter dem Mikroskop findet, als einen Scharlatan auffassen. Das ist nicht so. Dasjenige, was empirische Forschung in heutigem Sinne gibt, besteht. Und um die Wissenschaft auch im Sinne geisteswissenschaftlicher Anthroposophie vollständig zu machen auf irgendeinem Gebiete, dazu ist nicht etwa ein Hinwegräumen des sinnenfällig Empirischen statthaft, sondern es ist durchaus ein Rechnen mit dieser sinnenfälligen Empirie notwendig. Nirgends wird derjenige, der, wenn ich mich dieses Ausdruckes bedienen darf, in anthroposophischer Geisteswissenschaft Fachmann ist, etwas anderes finden, als daß man dadurch, daß man Geisteswissenschaft treibt, erst recht sich im Sinne des sinnenfällig Empirischen mit den Erscheinungen der Welt befassen muß.
[ 5 ] You will not, I hope, assume from this that I intend to engage in any kind of polemic against scientific views. On the contrary, I would like to emphasize right from the start that this cannot be the case for a very specific reason—it cannot be the case for a matter of principle. You see, when one looks back at those older medical views I just mentioned, one finds that—even though they were not as foolish as some people today believe—they nevertheless lacked what we have gained today through the natural sciences. That was missing from these old views, and it was missing for the simple reason that human cognitive capacity in those earlier times was not at all predisposed to seeing things the way we see them today with our sensory experience, augmented by instruments. What we recognize today through our empirical experience was something about which one might say: Yes, the ancient physician—forgive me for using this term; I might just as well say: the ancient physiologist or biologist—the ancient physician saw something entirely different from what people see today. One could even speak of a different orientation of medical consciousness in those earlier times, which actually came to a radical end with Galen. But what he saw—let’s say, in his four elements of the human organism, in black bile, yellow bile, phlegm, and blood—he did not see it at all as people today see it; rather, what he saw differently, he saw in such a way that, when he describes it and when one understands the words—one usually does not understand them as they have been handed down from ancient times— it appears to us today as if shrouded in mist; he saw this mist as a reality; he did not see, for example, what we call phlegm in his phlegm—he saw in his phlegm something that was not merely a fluid imbued with life, but even a fluid imbued with a soul. That is what he saw. For him, it was something seen as clearly as when we say that something is red or blue. But because he saw something there for which scientific consciousness today is no longer equipped, he did not see what we actually have within scientific consciousness today. One might say: suppose someone with a perfectly normal eye looks through a pair of glasses, and as a result, the outlines appear sharper to them than they do to their ordinary consciousness. In the same way, through modern empiricism, what was once seen—though blurred—from a spiritual-psychic perspective has disappeared, and in its place has come the sharply defined contours of our present-day empiricism. This was not the case in earlier times. Consequently, healing was carried out out of a kind of instinct, which, incidentally, was linked to a strong development of human compassion. For the doctors of old, there was always a kind of—at times even exhausting—shared experience of the patient’s illness. It was from this shared experience that healing took place. And the sharp contours that we have today through our sensory-based empirical knowledge were simply not visible then. Now, because the progression toward this sensory empiricism is simply rooted in the development of humanity, we cannot simply do away with today’s empiricism and return to the old ways. We will only possess such qualities by nature—as the ancients did in all fields, including medicine—if we acquire certain atavistic abilities. If one grows up today—simply through our distinctive elementary school education alone; I won’t even mention higher education—if one grows up today in our civilization, it is impossible to see things the way the ancients did. One simply cannot. If one were to see today as the ancients did, one would be regarded—not as severely, but at least—as psychopathic, as not quite right. And not entirely without reason. For in fact, there is something psychopathic present in everything—I would say, in everything of an elemental, natural nature—well, let’s call it “clairvoyance”—in the present day. We must be very clear about this. But what we can do is, through the development of inner abilities that are otherwise latent in the soul, work our way up to a perception of the spiritual within the soul, just as the eye worked its way up in the course of evolutionary history from indistinct vision to sharply defined vision. So abilities of spiritual perception can be developed today. Now, you see, when such abilities of spiritual perception are developed—I have described this development in my book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds?* and in other writings of mine—if such abilities are developed in a human being, then at first they see a world they had not seen before, but a world that initially encompasses a kind of spiritual cosmos beyond the cosmos revealed to us by our present-day sensory perception, taking into account what astronomy discovers and calculates. To this sensory cosmos, governed by the laws of nature, another is added: a spiritual cosmos. When we then explore what we can find within the spiritual cosmos, we find human beings there as well. We come to understand a spiritual universe, a universe imbued with spirit, and we understand human beings as a part of this spirit-filled, soul-filled universe. When we engage in conventional natural science, we begin either with the simplest living beings or with the simplest form of life—the cell—and then trace the path from the simple to the complex; that is, we ascend from that which most closely resembles simple, purely physically structured matter to the highly complex human organism. When we engage in Spiritual Science in a serious sense, we begin, so to speak, at the other end. We descend from the comprehension of the spiritual in the universe and regard this spiritual aspect of the universe as the complex one; we regard the cell as the simplest element in the organism. The universe, viewed from the perspective of Spiritual Science, is the most complex, and we arrive at this gradually: just as we complicate our own elements of knowledge in order to, say, move from the cell to the human being, so do we simplify what the cosmos presents to us more and more, and then arrive at the human being. We take the opposite path; that is, we begin at a starting point that is polar opposites, but when we pursue Spiritual Science in this way today, we do not, in essence, reach the realms that are encompassed by our current, obvious empiricism. I must place great emphasis on ensuring that no misunderstandings arise, especially regarding these fundamental matters. That is why I must ask you already today to forgive me for using some pedantically formulated terms. If, for example, someone were to believe: Well, it is nonsensical to engage in sensory empiricism in physiology or biology; why do we need specialized scientific disciplines? Instead, we develop spiritual faculties, look into the spiritual world, and thereby arrive at an understanding of the human being—of the healthy and the sick—and can, in a sense, establish a spiritual medicine—that would be a grave error. Some people do just that, but nothing comes of it. At best, they valiantly rail against empirical medicine, but they are railing against something they do not understand. So this cannot be the case—that we, for example, draw a line against ordinary, sensory-based empirical science and establish Spiritual Science from down in spiritual cloud cuckoo lands. That is not at all how it stands in relation to the empirical sciences—that is, what is called empirical science today, which I would like to call here sensory-based empirical science. That is not the case at all. For example, when you conduct research in the Spiritual Science, you cannot possibly arrive at the same conclusions as you would through microscopic observation. You can safely regard anyone who tries to convince you that they can discover the same things through the Spiritual Science as can be found under a microscope as a charlatan. That is not the case. What constitutes empirical research in the modern sense does exist. And in order to make science—even in the sense of anthroposophical Spiritual Science—complete in any field, it is not permissible to simply set aside the sensory-empirical; rather, it is absolutely necessary to take this sensory empiricism into account. Nowhere will anyone who is—if I may use this expression—an expert in anthroposophical Spiritual Science find anything other than that, precisely because one engages in Spiritual Science, one must all the more concern oneself with the phenomena of the world in the sense of what is empirically perceptible.
[ 6 ] Dasjenige, was man zunächst bekommt aus der Geisteswissenschaft heraus, das sind Richtlinien für die empirische Forschung, das sind gewisse Regulative, die uns zeigen, daß wir dasjenige, was in dem Organismus an einem bestimmten Orte ist, auch in Gemäßheit dieses Ortes zum Beispiel betrachten müssen. Eine Zelle, wird mancher sagen, ist eine Zelle. Und dasjenige, was diese Zelle unterscheidet von der anderen, ob sie nun eine Leberzelle oder eine Gehirnzelle ist, das muß sich ergeben auch wiederum aus empirischer Betrachtung heraus. Das ist eben gerade nicht der Fall. Sehen Sie, wenn ich zum Beispiel morgens um neun Uhr bei meinem Spaziergang bei einer Bank vorbeikomme, sitzen da zwei Menschen nebeneinander. Ich sehe mir sie an, bilde mir ein Urteil über verschiedene Dinge an diesen Menschen. Mein Weg führt mich nachmittags um drei Uhr wiederum vorbei; sitzen wiederum da die beiden Menschen. Ja, der empirische Tatbestand ist in beiden Fällen zunächst ganz genau derselbe für dasjenige, was sich darbietet, mit Ausnahme feiner Unterscheidungen. Aber es kann der eine Mensch sitzengeblieben sein die sechs Stunden, der andere, gleich nachdem ich vorbeigegangen bin, weggegangen und erst jetzt wieder gekommen sein und einen weiten Weg gemacht haben. Das verändert das Bild ganz wesentlich und hat gar nichts zu tun mit dem Tatbestand, der sich mir zunächst sinnenfällig darbietet. Sinnenfällig bietet sich mir dar derselbe Tatbestand um neun Uhr morgens und um drei Uhr nachmittags. Aber der sinnenfällige Tatbestand muß beurteilt werden aus seinem Zusammenhang, aus seinen Bestandteilen heraus. Und da handelt es sich gar sehr darum, sich zum Beispiel klar zu werden, inwiefern eine Leberzelle ganz anders beurteilt werden muß als, sagen wir, eine Gehirnzelle oder eine Blutzelle. Denn nur dann, wenn das zum Beispiel richtig ist, daß eine ursprüngliche Keimzelle zugrunde liegt, die befruchtet worden ist, und durch einfache Spaltung, Teilung, der ganze Organismus aus dieser Keimzelle heraus zu erklären ist, nur wenn das gilt, würde man so vorgehen können, daß man von vornherein die Leberzelle gleich mit der Gehirnzelle behandelt und nur sich nach dem rein sinnenfällig empirischen Tatbestand richtet. Ja aber, wenn das zum Beispiel gar nicht der Fall wäre, wenn zum Beispiel dadurch, daß eine Zelle in der Leber einfach durch ihre Lage in einer anderen Beziehung stünde zu außermenschlichen Kräften, zu Kräften, die außerhalb der menschlichen Haut liegen, als eine Gehirnzelle, dann dürfen wir nicht bloß auf dasjenige schauen, was vor sich geht als die Fortsetzung des Teilungsvorganges und die Lagerung, die sich dann ergibt, sondern dann müssen wir in einer ganz anderen Weise die Gehirnzelle zum Universum in Beziehung bringen als die Leberzelle.
[ 6 ] What one first gains from the Spiritual Science are guidelines for empirical research—certain regulative principles that show us that we must also consider what is present in a specific location within an organism in accordance with that location, for example. “A cell,” some might say, “is just a cell.” And what distinguishes one cell from another—whether it is a liver cell or a brain cell—must, in turn, be determined through empirical observation. That is precisely not the case. You see, for example, if I pass by a bench at nine o’clock in the morning on my walk, there are two people sitting there side by side. I look at them and form an opinion about various things regarding these people. My path takes me past the same spot again at three in the afternoon; the two people are sitting there once more. Yes, the empirical facts are, at first glance, exactly the same in both cases—as far as what presents itself is concerned—with the exception of subtle distinctions. But one person may have remained seated for the entire six hours, while the other may have left immediately after I passed by, only to return now after having traveled a long distance. This changes the picture quite significantly and has nothing to do with the facts that initially present themselves to me through my senses. The same facts present themselves to me through my senses at nine in the morning and at three in the afternoon. But the facts perceived through the senses must be judged in their context, based on their constituent parts. And this is very much a matter of, for example, clarifying to what extent a liver cell must be assessed quite differently from, say, a brain cell or a blood cell. For only if it is true, for example, that an original germ cell—which has been fertilized—lies at the foundation, and that through simple division, division, the entire organism can be explained as arising from this germ cell—only if that is the case could one proceed in such a way as to treat the liver cell the same as the brain cell from the outset and base one’s judgment solely on the purely sensory, empirical facts. But if, for example, that were not the case at all—if, for instance, simply by virtue of its location, a cell in the liver were in a different relationship to non-human forces, to forces lying outside the human skin, than a brain cell is— then we must not merely look at what is happening as the continuation of the process of division and the resulting arrangement; rather, we must relate the brain cell to the universe in an entirely different way than we do the liver cell.
[ 7 ] Wenn jemand eine Magnetnadel ansieht und findet, sie weist von Süden nach Norden, von Norden nach Süden, und jetzt behauptet, die Kräfte, warum sie in die Nord-Süd-Richtung sich stellt, liegen in der Magnetnadel, so würde man ihn heute ganz bestimmt nicht für einen Physiker ansehen, sondern man bringt als Physiker die Magnetnadel in Beziehung zu etwas, was man Erdmagnetismus nennt. Es mögen sich die Leute was immer für Theorien machen, aber jedenfalls kann man nicht aus Kräften, die innerhalb der Magnetnadel liegen, ihre Richtung herleiten, sondern man muß die Magnetnadel zu dem Universum in Beziehung bringen.
[ 7 ] If someone looks at a magnetic needle and finds that it points from south to north, from north to south, and then claims that the forces causing it to align in the north-south direction lie within the magnetic needle itself, one would certainly not consider that person a physicist today; rather, as a physicist, one relates the magnetic needle to what is called geomagnetism. People may come up with whatever theories they like, but in any case, one cannot deduce the compass needle’s direction from forces within the needle itself; rather, one must relate the compass needle to the universe.
[ 8 ] Wenn jemand das Organische betrachtet, so sind ihm in der Regel die Beziehungen zum Universum außerordentlich sekundär. Aber wenn es so wäre, daß zum Beispiel einfach durch die andere Lagerung die Leber in einem ganz anderen Verhältnisse zu außermenschlichen universellen Kräften stünde als das Gehirn, dann könnten wir nicht auf dem Wege, den wir heute mit der tatsächlichen Empirie verfolgen, zu irgendeiner Erklärung des Menschen kommen. Denn in diesem Falle könnten wir nur dann zu einer Erklärung des Menschen kommen, wenn wir in der Lage wären zu sagen, welchen Anteil, sagen wir an der Gestaltung des Gehirnes und der Gestaltung der Leber das ganze Universum hat, so wie an der Richtung der Magnetnadel die Erde ihren Anteil hat.
[ 8 ] When someone considers the organic, the relationships to the universe are, as a rule, of extremely secondary importance to them. But if it were the case, for example, that simply because of its different location, the liver stood in a completely different relationship to non-human, universal forces than the brain does, then we could not arrive at any explanation of the human being by following the path we currently pursue through empirical observation. For in that case, we could only arrive at an explanation of human beings if we were able to say what part—let us say—the entire universe plays in the structure of the brain and the structure of the liver, just as the Earth plays a part in the direction of the magnetic needle.
[ 9 ] Wir verfolgen heute, sagen wir, dasjenige, was in der Vererbungsströmung liegt. Wir gehen hinauf zu den Vorfahren oder bis zur Gegenwart, gehen bis zu den Nachkommen, machen es so in der Tierreihe, machen es so in der Menschenreihe, berücksichtigen dasjenige, was sich uns da ergibt — was wir natürlich kennen müssen —, aber wir berücksichtigen für dasjenige, was sich uns da ergibt, lediglich das, was uns die unmittelbaren Vorgänge sagen, die wir sozusagen innermenschlich betrachten. Wir fragen nichts danach, ob unter Umständen im menschlichen Organismus für den befruchteten Keim bloß die Gelegenheit gegeben ist, daß universelle Kräfte in der mannigfaltigsten Weise auf diesen Keim wirken. Und wir fragen gar nicht danach: Können wir vielleicht überhaupt gar nicht die Gestaltung der befruchteten Keimzelle irgendwie dadurch erklären, daß wir innerhalb des Menschen stehen bleiben, müssen wir sie nicht auf das ganze Universum beziehen? Uns sind heute für die offizielle Wissenschaft die Kräfte, die da vom Universum hereinwirken, etwas Sekundäres. Gewiß, sie werden berücksichtigt, aber sie sind etwas Sekundäres. Sie werden sagen: Ja, aber die Wissenschaft führt uns heute zu einem Punkte, auf dem wir solche Fragen gar nicht aufwerfen; das ist etwas Veraltetes, die menschlichen Organe zum Universum in Beziehung zu bringen!
[ 9 ] Today, let’s say, we are tracing what lies within the stream of heredity. We trace back to the ancestors or up to the present, trace forward to the descendants; we do this in the animal kingdom, we do this in the human race, taking into account what emerges there—which we must, of course, know—but in considering what emerges there, we take into account only what the immediate processes tell us, which we observe, so to speak, within the human being. We do not ask whether, under certain circumstances, the human organism merely provides the fertilized germ with the opportunity for universal forces to act upon it in the most diverse ways. And we do not ask at all: Can we perhaps not explain the formation of the fertilized germ cell at all by remaining within the human being; must we not relate it to the entire universe? For official science today, the forces acting upon us from the universe are something secondary. Certainly, they are taken into account, but they are secondary. You will say: Yes, but science today leads us to a point where we do not even raise such questions; it is outdated to relate the human organs to the universe!
[ 10 ] In der Weise, wie es oft gemacht wird, ist es auch etwas Veraltetes. Aber daß wir überhaupt heute in weitestem Umkreise gar nicht dazu geführt werden, solche Fragen aufzuwerfen, das rührt ja lediglich von unserer wissenschaftlichen Erziehung her. Wir werden wissenschaftlich so erzogen, daß wir sozusagen erhalten werden auf dieser bloß sinnenfällig-empirischen Forschung, daß wir gar nicht darauf kommen, Fragen aufzuwerfen, so wie diejenigen sind, die ich zunächst nur einleitend hypothetisch aufgeworfen habe. Aber vom Aufwerfen der Fragen hängt es eigentlich ab, wie weit man in der Erkenntnis kommt, und wie weit man im menschlichen Handeln auf allen Gebieten kommt. Wo Fragen erst gar nicht aufgeworfen werden, da lebt man eigentlich in einer Art wissenschaftlichen Nebels. Man verdunkelt sich den freien Ausblick in die Wirklichkeit selber. Und dann kommt es, daß man eigentlich nur dann, wenn die Dinge sich in die Gedanken nicht mehr fügen wollen, sieht, wie eingeschränkt die Anschauungen sind.
[ 10 ] The way it is often done is also somewhat outdated. But the fact that, in the broadest sense, we are not even led to raise such questions today stems solely from our scientific education. We are educated scientifically in such a way that we are, so to speak, confined to this purely sensory-empirical research, so that it does not even occur to us to raise questions such as those I have just raised hypothetically by way of introduction. But the extent to which one advances in knowledge—and the extent to which one advances in human action in all areas—actually depends on raising these questions. Where questions are not raised in the first place, one actually lives in a kind of scientific fog. One obscures one’s own clear view of reality. And then it happens that one realizes just how limited one’s views are only when things no longer fit into one’s thoughts.
[ 11 ] Ich glaube allerdings, daß dieses Gefühl, das ich damit andeute, eigentlich am meisten gerade in der gegenwärtigen Medizin vorhanden sein kann, ein gewisses Gefühl, daß die Tatsachen doch eigentlich anders verlaufen im Menschen, als sie nach den manchmal recht geradlinigen Theorien — nach denen wir übrigens auch kurieren — verlaufen müßten. Dann bekommt man ein Gefühl, daß es doch noch von irgendeiner anderen Seite möglich sein müßte, der Sache sich zu nähern. Und eigentlich meine ich, daß dasjenige, was hier zu sagen ist, kaum für jemand anderen eine Bedeutung haben kann, wenn er Fachwissenschafter ist, als eben gerade für den, der aus dem praktischen Verfolgen der Vorgänge im gesunden und im kranken Menschen gesehen hat, wie überall eigentlich die Anschauungen, die man hat, zu leicht geschürzt sind, wie sie überall nicht herankommen an das Komplizierte der Tatsachen.
[ 11 ] I do believe, however, that this feeling I am alluding to is actually most present in contemporary medicine—a certain sense that things actually unfold differently within the human being than they ought to according to the sometimes rather simplistic theories—based on which, incidentally, we also treat patients. Then one gets the feeling that there must be some other way to approach the matter. And actually, I mean that what needs to be said here can hardly have any significance for anyone else—if they are a specialist—other than for the very person who, through the practical observation of processes in healthy and sick people, has seen how, everywhere, the views one holds are actually too simplistic, how they fall short of the complexity of the facts.
[ 12 ] Seien wir doch in dieser Beziehung einmal ehrlich! Schauen wir hin, wie das ganze 19. Jahrhundert fast auf allen Gebieten wissenschaftlichen und praktischen Denkens immer eines heraufgebracht hat wie ein Axiom. Man könnte geradezu verzweifeln, wie einem dieses axiomartige Ding immer entgegengeschleudert wird! Die Leute sagten immer: Erklärungen müssen so einfach wie möglich sein. — Dann haben auch die Leute die Erklärungen so einfach wie möglich gemacht. Ja, aber wenn die Dinge kompliziert sind und die Vorgänge, dann ist es eben ein Vorurteil, daß Erklärungen so einfach wie möglich sein müssen, dann muß man sich bequemen, sich eben auf das Komplizierte einzulassen! In dieser Beziehung ist ungeheuerlicher Schaden angerichtet worden — ich möchte sagen: in der ganzen menschlichen Natur, insofern Wissenschaft und Kunst in Betracht kommen — dadurch, daß man immer wiederum und wiederum das deklamiert hat: Erklärungen müssen so einfach wie möglich sein. — Die Natur ist überall, in ihrem Kleinsten und im Größten, nicht einfach, sondern ungeheuer kompliziert. Und man kann eigentlich der Natur selber nur beikommen, wenn man von vornherein weiß: Auch die scheinbar vollkommensten Anschauungen verhalten sich zu der Wirklichkeit so wie die Photographien, sagen wir eines Baumes, von einer gewissen Seite aus. Ich kann den Baum von den verschiedensten Seiten photographieren. Photographien schauen unter Umständen ganz verschieden voneinander aus. Je mehr Photographien ich habe, desto eher werde ich der Wirklichkeit des Baumes nahekommen mit meiner Vorstellung.
[ 12 ] Let’s be honest about this for once! Let’s take a look at how, throughout the entire 19th century, in almost every field of scientific and practical thought, one thing was constantly put forward as an axiom. It’s enough to drive one to despair, the way this axiomatic notion is constantly thrown in one’s face! People always said: Explanations must be as simple as possible. — So people made the explanations as simple as possible. Yes, but when things and processes are complicated, it is simply a prejudice to insist that explanations must be as simple as possible; in that case, one must be willing to engage with the complexity! In this regard, tremendous damage has been done—I would say: to human nature as a whole, insofar as science and art are concerned—by the fact that people have repeatedly and incessantly proclaimed: Explanations must be as simple as possible. — Nature, everywhere—in its smallest and largest forms—is not simple, but immensely complex. And one can truly come to grips with nature itself only if one knows from the outset: Even the most seemingly perfect perceptions relate to reality in the same way as photographs—say, of a tree—taken from a certain angle. I can photograph the tree from a wide variety of angles. Under certain circumstances, the photographs may look quite different from one another. The more photographs I have, the closer my mental image will come to the reality of the tree.
[ 13 ] In bezug auf Theorien, Anschauungen, meint man heute: irgendeine Theorie gilt. Die andere ist dann falsch, die man nicht gerade hat. Das ist aber ganz genau so, wie wenn jemand von einer gewissen Seite einen Baum photographiert; die hat er nun. Ein anderer photographiert den Baum von einer ganz anderen Seite, der zeigt ihm die Photographie, und nun sagt er: Das ist falsch, total falsch, richtig ist nur das — seine Ansicht ist die richtige. So ungefähr hat man überhaupt gestritten über Materialismus, Idealismus, Realismus und alles mögliche. Die Streitigkeiten, die auf diesem Gebiete gepflogen worden sind, nehmen sich nicht viel anders aus als dasjenige, was ich Ihnen in einer scheinbar ganz trivialen Weise jetzt als einen Vergleich angeführt habe. Daher bitte ich Sie von vornherein, dasjenige, was ich hier vorzubringen habe, nicht so aufzufassen, als ob es materialistisch, idealistisch oder spiritualistisch sein sollte, sondern lediglich so, als ob es auf die Wirklichkeit in Gemäßheit des menschlichen Anschauungsvermögens losgehen soll. Wir können zuweilen mit materialistischen Vorstellungen sehr viel erreichen, wenn wir das Wirkliche beherrschen wollen, wenn wir nur dann auch den entgegengesetzten Aspekt ins Feld führen können. Und wenn wir nicht in der Lage sind, die Aspekte auseinanderzuhalten, nun, dann bekommen wir eben menschliche Anschauungen, die sich ungefähr so ausnehmen, wie wenn man auf eine Platte alle möglichen verschiedenen Photographien aufnehmen würde. So nehmen sich auch sehr viele Dinge aus, die heute tradiert werden, wie wenn man von den verschiedensten Seiten immer auf eine Platte photographiert hätte.
[ 13 ] When it comes to theories and views, people today tend to think: any given theory is valid. The one you don’t happen to hold is therefore wrong. But this is exactly like when someone takes a photograph of a tree from a certain angle; that’s the one they have. Someone else photographs the tree from a completely different angle, shows him the photograph, and now he says: “That’s wrong, totally wrong; only this is right”—his view is the correct one. This is roughly how people have generally argued about materialism, idealism, realism, and all sorts of other things. The disputes that have taken place in this field do not look much different from the comparison I have just given you in a seemingly quite trivial way. Therefore, I ask you from the outset not to interpret what I have to present here as if it were meant to be materialistic, idealistic, or spiritualistic, but simply as an approach to reality in accordance with human cognitive capacity. We can sometimes achieve a great deal with materialistic mental images when we seek to master reality—provided we are also able to bring the opposing aspect into play. And if we are unable to distinguish between these aspects, well, then we end up with human perceptions that look something like a single plate on which all sorts of different photographs have been taken. In the same way, many things that are handed down today appear as if they had been photographed from a wide variety of angles onto a single plate.
[ 14 ] Nun, sehen Sie, wenn man diejenigen Kräfte, von denen ich gesagt habe, daß sie latent in der Seele sind, aktuell macht durch jene Mittel, die ich besprochen habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», dann kommt man in der Tat über den gewöhnlichen Erkenntnisstandpunkt, der ja ganz besonders sorgfältig in der neuesten Phase der Biologie verfolgt wird, hinauf zu dem, was ich beschrieben habe als sogenanntes imaginatives Erkennen. Ein weiterer Standpunkt ist das inspirierte Erkennen, und der zunächst höchste Standpunkt, wenn ich mich dieses Ausdruckes bedienen darf, ist das intuitive, das wirklich intuitive Erkennen. Im imaginativen Erkennen bekomme ich Bilder von der Wirklichkeit, von denen ich ganz gut weiß, daß sie Bilder sind, aber ich weiß auch, daß sie nicht Traumbilder sind, sondern Bilder der Wirklichkeit. Ich habe noch nicht die Wirklichkeit im imaginativen Erkennen, aber ich habe Bilder einer Wirklichkeit. Im inspirierten Erkennen bekommen diese Bilder gewissermaßen Konsistenz, es lebt etwas in diesen Bildern; ich weiß durch die Bilder mehr, als was mir das Bild geben kann. Ich weiß durch die Bilder, daß sie sich auf eine geistige Realität beziehen. Und im intuitiven Erkennen stehe ich innerhalb dieser geistigen Realität selber. So ist der Aufstieg. Dasjenige, was über diese drei Erkenntnisarten zu sagen ist, finden Sie eben in dem öfters schon genannten Buche.
[ 14 ] Well, you see, when one activates those forces that I have said lie latent in the soul through the means I discussed in my book *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?*, then one does indeed rise above the ordinary level of cognition—which is, after all, pursued with particular care in the latest phase of biology—to what I have described as so-called imaginative cognition. A further level is inspired cognition, and the highest level for the time being—if I may use this expression—is intuitive, truly intuitive cognition. In imaginative cognition, I receive images of reality, which I know full well are images, but I also know that they are not dream images, but rather images of reality. I do not yet have reality itself in imaginative cognition, but I have images of a reality. In inspired cognition, these images take on a certain consistency, as it were; there is life in these images; through the images, I know more than what the image itself can convey to me. Through the images, I know that they refer to a spiritual reality. And in intuitive cognition, I stand within this spiritual reality itself. Such is the ascent. What there is to say about these three types of cognition can be found in the book I have mentioned several times already.
[ 15 ] Nun, zunächst geben einem diese drei Erkenntnisarten, die jenseits der gewöhnlichen gegenständlichen, also der sinnenfälligen Tatsachenerkenntnis liegen, Erkenntnisse über geistige Welten: ein geistiges Universum und den geistigen Menschen, den geistig-seelischen Menschen; noch nicht zunächst Erkenntnisse über das, was wir heute als empirische Forschungsergebnisse, sagen wir, in der Biologie haben. Aber ein anderes ist die Anwendung der besonderen Seelenverfassung, in die man da kommt, wenn man imaginativ erkennt, oder wenn man inspiriert erkennt, oder wenn man intuitiv erkennt, auf die Erkenntnis des Menschen.
[ 15 ] Well, to begin with, these three kinds of knowledge—which lie beyond ordinary, concrete, that is, sensory knowledge of facts—provide insights into spiritual worlds: a spiritual universe and the spiritual human being, the spiritual-soul human being; not yet, at least initially, knowledge of what we today consider empirical research findings—say, in biology. But another matter is the application of the special state of soul one enters into when one perceives imaginatively, or when one perceives through inspiration, or when one perceives intuitively—to the understanding of the human being.
[ 16 ] Sehen Sie, da kommt man zum Beispiel, sagen wir, an den menschlichen Gehirnbau heran. Dieser menschliche Gehirnbau ist ja gewissermaßen, für Physiologen und Mediziner nicht so sehr, aber für die sogenannten Psychologen, etwas Merkwürdiges. Die Psychologen sind ja ein besonderes Völkchen innerhalb unserer Zivilisation, weil sie es fertig gebracht haben, nicht wahr, eine Wissenschaft zu haben ohne Gegenstand: Psychologie ohne Seele, Seelenkunde ohne Seele. Für die Psychologen ist schon dieser Gehirnbau etwas sehr Merkwürdiges. Nehmen Sie zum Beispiel einen Psychologen, der sogar aus der ganz empirischen Wissenschaft hervorgegangen ist. Man wußte sich ja in der neuesten Zeit mit der Philosophie nicht zu helfen, weil man nicht unterscheiden konnte, ob ein Philosoph etwas weiß oder nicht. Da man sich aber darüber klar war, daß Naturwissenschafter immer etwas wissen, nahm man auch bei der Besetzung von philosophischen Lehrstühlen in der neueren Zeit Naturwissenschafter, die sich mit Philosophie befaßten. Bei den Naturwissenschaftern ist es selbstverständlich, daß sie etwas wissen, denn man kann zwar in der Philosophie herumreden, aber man kann nicht in der Naturwissenschaft einen blauen Dunst erzählen, den man unter dem Mikroskop oder im Teleskop gesehen haben will oder mit der Röntgenröhre; wenn man das nachprüft, so wird man darauf kommen. In der Philosophie ist es heute nicht so leicht nachzuprüfen, ob einer einen blauen Dunst erzählt. Nun, sehen Sie sich bei Theodor Ziehen an, wie er über den Gehirnbau spricht. Dabei ist mir etwas ganz Interessantes passiert. Vielleicht kann ich Ihnen das durch eine Erzählung besser anschaulich machen. Ich war einmal in einer Versammlung — es ist schon viele Jahre her —, da sprach zuerst ein Arzt über den Gehirnbau, setzte den Gehirnbau auseinander im Zusammenhang mit dem Seelenleben des Menschen, nach einer Anschauung, die man ganz mit Recht materialistisch nennen kann. Es war ein ganz waschechter Materialist, der da den Gehirnbau ganz gut auseinandersetzte, soweit er heute durchforscht ist, und der also das Seelenleben im Zusammenhang mit diesem Gehirnbau erklärte. Der Vorsitzende dieser Versammlung war ein Herbartianer, und der konstruierte sich nun nicht den Gehirnbau, aber dasjenige, was das Vorstellungsleben ist, so wie es der Philosoph Herbart einmal gemacht hat. Der sagte dann: Ja, es ist doch merkwürdig, der Physiologe, der Arzt, der zeichnet das Gehirn auf und macht da Figuren; wenn ich als Herbartianer, sagte er, die komplizierten Vorstellungsassoziationen aufzeichne, wobei ich bloß ein Bild meine von dem, was sich als Vorstellungen vergesellschaftet, nicht etwa Nervenfäden, die eine Nervenzelle mit der anderen verbinden, wenn ich als richtiger Herbartianer, der sich nicht um das Gehirn kümmert, dasjenige, was ich mir vorstelle über die Art, wie sich Vorstellungen verketten und so weiter, nur ganz symbolisch zeichne, so sieht das ganz ähnlich aus wie die Zeichnungen des Physiologen über den physischen Gehirnbau.
[ 16 ] You see, this brings us, for example, to the structure of the human brain. This structure of the human brain is, in a sense—not so much for physiologists and physicians, but for so-called psychologists—something rather peculiar. Psychologists are, after all, a peculiar bunch within our civilization, because they’ve managed—haven’t they?—to have a science without an object: psychology without a soul, the study of the soul without a soul. For psychologists, even this structure of the brain is something very peculiar. Take, for example, a psychologist who has even emerged from the realm of purely empirical science. In recent times, people didn’t know what to do with philosophy because they couldn’t tell whether a philosopher actually knew anything or not. But since it was clear that natural scientists always know something, in more recent times they began appointing natural scientists who dabbled in philosophy to fill philosophy chairs. With natural scientists, it goes without saying that they know something, for while one can ramble on in philosophy, one cannot spout nonsense in the natural sciences—claiming to have seen something under a microscope, through a telescope, or with an X-ray tube; if one verifies this, one will discover the truth. In philosophy today, it is not so easy to verify whether someone is spouting nonsense. Well, take a look at Theodor Ziehen and how he speaks about the structure of the brain. Something quite interesting happened to me in that regard. Perhaps I can illustrate this better for you with a story. I was once at a gathering—it was many years ago—where a doctor spoke first about the structure of the brain, analyzing it in connection with the human soul life, according to a view that can quite rightly be called materialistic. He was a true materialist who explained the structure of the brain quite well, based on current research, and who thus explained the life of the soul in connection with this brain structure. The chair of this gathering was a Herbartian, and he did not conceive of the structure of the brain, but rather of what the life of the imagination is, just as the philosopher Herbart once did. He then said: “Yes, it is indeed curious—the physiologist, the doctor, maps out the brain and draws diagrams; when I, as a Herbartian,” he said, “record the complex associations of mental images—whereby I merely mean a picture of what comes together as mental images, not nerve fibers connecting one nerve cell to another—when I, as a true Herbartian who pays no attention to the brain, draw what I imagine regarding the way mental images are linked together and so on, I depict only in a purely symbolic way—then it looks very much like the physiologist’s drawings of the physical structure of the brain.
[ 17 ] Das ist nicht ohne Grund, daß das ähnlich ausschaut. Indem wir immer mehr und mehr auf den Bau des Gehirnes naturwissenschaftlich gekommen sind, hat sich nämlich immer mehr und mehr gezeigt, daß eigentlich der äußere Bau des Gehirnes in einer ganz wunderbaren Weise dem Bau unseres Vorstellungslebens entspricht. Man kann alle, was man im Vorstellungsleben findet, im Gehirnbau wiederfinden. Es ist einfach — bitte nehmen Sie das cum grano salis —, wie wenn die Natur selber im Gehirn ein plastisches Abbild unseres Vorstellungslebens hätte schaffen wollen. So etwas fällt einem ganz besonders auf, wenn man, sagen wir, solche Darstellungen wie die von Meynert liest. Jetzt sind sie schon etwas veraltet. Meynert ist Materialist gewesen, aber ausgezeichneter Gehirnphysiologe, Psychiater, und man möchte sagen: Ja, der ist Materialist, aber dasjenige, was er einem als Materialist gibt, das ist eine wunderbare Abschlagszahlung für dasjenige, was man auch herauskriegt, auch wenn man sich gar nicht kümmert um das menschliche Gehirn, sondern bloß darum, wie sich Vorstellungen verknüpfen und trennen und so weiter und bloß diese Symbole hinzeichnen will. — Kurz, es ist so, daß man, wenn man durch irgend etwas Materialist werden könnte, man es durch den Bau des menschlichen Gehirnes ganz besonders werden könnte, Jedenfalls muß man sagen, wenn es ein Geistig-Seelisches gibt, so hat dieses Geistig-Seelische im menschlichen Gehirn einen so adäquaten Ausdruck gefunden, daß man nun gar nicht weit von der Behauptung ist: Ja, was braucht man noch ein Geistig-Seelisches für das Vorstellungsleben? Wenn man noch eine Seele verlangen würde, die noch denken kann! Da das Gehirn eine so genaue Abbildung ist des Geistig-Seelischen, warum soll das Gehirn nicht denken können?
[ 17 ] It is not without reason that this looks similar. As we have come to understand the structure of the brain more and more through the natural sciences, it has become increasingly clear that the external structure of the brain actually corresponds in a truly marvelous way to the structure of our imaginative life. Everything found in our imaginative life can be found in the structure of the brain. It is simply—please take this with a grain of salt—as if nature itself had wanted to create a plastic image of our imaginative life within the brain. This becomes particularly striking when one reads, say, descriptions such as those by Meynert. They are somewhat outdated now. Meynert was a materialist, but an excellent brain physiologist and psychiatrist, and one might say: Yes, he is a materialist, but what he offers one as a materialist is a wonderful down payment on what one can also discover—even if one is not at all concerned with the human brain, but merely with how mental images connect and separate and so on, and simply wants to sketch out these symbols. — In short, the fact is that if anything could make one a materialist, it would be the structure of the human brain in particular. In any case, one must say that if there is such a thing as the spiritual-psychic, then this spiritual-psychic has found such an adequate expression in the human brain that one is now not far from asserting: “Yes, what need is there for a spiritual-psychic realm in the life of the imagination? If one were to demand a soul that can still think! Since the brain is such an accurate representation of the spiritual-psychic realm, why shouldn’t the brain be able to think?”
[ 18 ] Alle diese Dinge müssen Sie natürlich mit dem bekannten Gran Salz verstehen. Ich will nur auf den Sinn der ganzen Auseinandersetzung heute hinweisen. Das menschliche Gehirn kann einen schon, besonders wenn man in die Detailforschung eingeht, zum Materialisten machen. Und was da so eigentlich für ein Geheimnis obwaltet, was da eigentlich zugrunde liegt, das wird einem doch erst klar, wenn man zur imaginativen Erkenntnis kommt. In der imaginativen Erkenntnis nämlich zeigen sich einem Bilder, Bilder für nur wirklich Geistiges, Bilder, die man früher nicht gesehen hat. Aber man möchte sagen, diese Bilder erinnern einen an die durch die Nervenzellen und Nervenfäden geformten Bilder im menschlichen Gehirn. Und ich möchte sagen, wenn ich Ihnen eine Erklärung geben sollte für die Frage: Was ist eigentlich dieses imaginative Erkennen, das natürlich ganz im Übersinnlichen verläuft, was ist es? Wenn ich Ihnen gleichsam versinnbildlichen sollte die imaginative Erkenntnis, wie der Mathematiker es mit seinen Figuren macht, indem er mathematische Probleme aufzeichnet, dann könnte ich auch sagen: Man stelle sich vor, daß man in der Welt mehr erkennt, als was die Sinneserkenntnis gibt, dadurch, daß man aufsteigen kann zu Bildern, die eine Realität so geben, wie das menschliche Gehirn die menschliche Seelenrealität gibt. Die Natur selber stellt das hin als eine reale, als eine sinnlichreale Imagination im Gehirn, was man eigentlich in der imaginativen Erkenntnis auf einem höheren Gebiete erlangt.
[ 18 ] Of course, you must understand all these things in light of the well-known “coarse salt.” I simply want to point out the meaning of today’s entire discussion. The human brain can indeed turn one into a materialist, especially when one delves into detailed research. And the mystery that actually prevails there—what actually underlies it all—only becomes clear to one when one arrives at imaginative insight. For in imaginative insight, images reveal themselves to one—images of what is truly spiritual, images that one did not see before. But one might say that these images remind one of the images formed by nerve cells and nerve fibers in the human brain. And I would like to say that if I were to give you an explanation for the question: What exactly is this imaginative cognition, which of course takes place entirely in the supersensible realm—what is it? If I were to symbolize imaginative cognition, as it were, the way a mathematician does with his figures when he sketches out mathematical problems, then I could also say: Imagine that one perceives more in the world than what sensory perception provides, by being able to ascend to images that present reality in the same way that the human brain presents the reality of the human soul. Nature itself presents this as a real, sensually real imagination in the brain—what one actually attains in imaginative cognition on a higher plane.
[ 19 ] Aber dadurch kommt man tiefer jetzt hinein in die menschliche Konstitution. Wir werden das in den nächsten Tagen sehen: Man kommt immer zu einer Möglichkeit, diesen Wunderbau des menschlichen Gehirns nicht isoliert für sich zu sehen, sondern ich möchte sagen: Während man eine Welt, eine übersinnliche Welt oben durch Imagination sieht, ist es so, wie wenn ein Teil dieser Welt sich herunterrealisiert hätte und im menschlichen Gehirn eine realisierte imaginative Welt vor uns dastehen würde. Und in der Tat, ich glaube nicht, daß irgend jemand adäquat über das menschliche Gehirn sprechen kann, der nicht in dem menschlichen Gehirnbau eine imaginative Darstellung des Seelenlebens sieht. Das ist auch dasjenige, was uns immer wiederum in eine Zwickmühle führt, wenn wir von der bloßen Gehirnphysiologie ausgehen und zum Seelenleben hinüberkommen wollen. Nämlich, wenn man beim Gehirn stehenbleiben will, braucht man gar nicht das Seelenleben. Nur derjenige hat ein Recht, gegenüber dem Bau des menschlichen Gehirnes noch von einem Seelenleben zu sprechen, der dieses Seelenleben außerdem noch anders kennt, als man es kennt auf dem gewöhnlichen Wege dieser Welt. Denn wenn man in der geistigen Welt dieses Seelenleben kennenlernt: im Bau des menschlichen Gehirnes hat es sein adäquates Abbild, und alles das, was das übersinnliche Seelenorgan vorstellungsgemäß kann, kann das Gehirn auch. Denn bis in die Funktionen hinein ist das Gehirn ein Abbild; so daß niemand Materialismus belegen oder widerlegen kann von der Gehirnphysiologie aus. Das gibt es einfach nicht. Wenn der Mensch bloß Gehirnwesen wäre, so würde man gar nicht daraufzukommen brauchen, daß er noch eine Seele hat.
[ 19 ] But this allows us to delve deeper into the human constitution. We will see this in the coming days: One always arrives at the possibility of viewing this marvelous structure of the human brain not in isolation, but—as I would like to say—while one perceives a world, a supersensible world above through imagination, it is as if a part of this world had manifested itself downward, and a realized imaginative world stood before us within the human brain. And in fact, I do not believe that anyone can speak adequately about the human brain who does not see in the structure of the human brain an imaginative representation of the life of the soul. This is also what repeatedly leads us into a dilemma when we start from mere brain physiology and want to move on to the life of the soul. Namely, if one wants to stop at the brain, one has no need for the life of the soul at all. Only those who, in addition to the structure of the human brain, know this inner life in a way different from how it is known through the ordinary means of this world have the right to speak of an inner life in relation to the structure of the human brain. For when one comes to know this inner life in the spiritual world, it has its adequate reflection in the structure of the human brain, and everything that the supersensible organ of the soul can do in the realm of imagination, the brain can do as well. For the brain is a reflection right down to its functions; thus, no one can prove or disprove materialism on the basis of brain physiology. It simply does not exist. If human beings were merely cerebral beings, there would be no need to even consider the possibility that they still have a soul.
[ 20 ] Dagegen wenden wir uns nun zu einer anderen Funktion des Menschen hin, als das Vorstellen ist. Ich werde jetzt nur einleitungsweise etwas darzustellen haben, was ich in den nächsten Tagen immer weiter und weiter auszuführen haben werde; wenden wir uns zu dem, was im Atmungsprozeß liegt. Ich nehme jetzt den Atmungsprozeß als Funktion. Vergegenwärtigen Sie sich die Atmungsvorgänge und dasjenige, was im menschlichen Bewußtsein von den Atmungsvorgängen sitzt: da kommen Sie nicht zu so etwas wie gegenüber dem Vorstellungsleben. Wenn Sie sich sagen: Ich habe eine Vorstellung, die erinnert mich an eine andere Vorstellung, die ich vor drei Jahren gehabt habe, ich verbinde die eine mit der anderen —, da bekommen Sie in der Tat Zeichnungen, namentlich wenn Sie sie über mehrere Vorstellungen ausdehnen, die zum Beispiel den Meynertschen Zeichnungen über den Gehirnbau sehr ähnlich sind. Das können Sie nicht, wenn Sie zum Beispiel dasjenige, was in dem Atmungsvorgange liegt, auf den menschlichen Organismus beziehen. Sie können nicht in derselben Weise adäquat einen Ausdruck finden in der Organstruktur, in der Organgliederung, in der Organformierung für den Atmungsprozeß, wie Sie es können für den Vorstellungsprozeß im Gehirn. Das können Sie nicht. Wir haben im Atmungsvorgange etwas, was eben nicht in der gleichen Weise einen adäquaten Ausdruck findet im menschlichen Organismus, wie das Vorstellungsleben, das Wahrnehmungsleben auch in dem Gehirnbau einen adäquaten Abdruck findet. Aber erhebt man sich zur inspirierten Erkenntnis, das heißt, lernt man erkennen, wie man in der imaginativen Erkenntnis zunächst Bilder hat, wie dann durch die inspirierte Erkenntnis in diese Bilder, ich möchte sagen, von hinten herein sie durchstrahlend, Realität hineinkommt, lernt man das erkennen, lernt man also hineinschauen in die übersinnliche Welt so, daß sich einem sättigen die Imaginationen mit spiritueller Realität, dann steht man plötzlich in etwas Übersinnlichem drinnen, was seine volle Ähnlichkeit hat mit der Beziehung zwischen dem Atmungsvorgange, dem Lungenbau, dem Bau des Arachnoidealkanals, des Rückenmarkskanals, dem Eindringen des Atemstoßes in das Gehirn. Kurz, schreiten Sie zur inspirierten Erkenntnis fort, dann haben Sie dasjenige, was Sie ebenso hinführt zu der ganzen Bedeutung des Atmungsprozesses, wie Sie schon die imaginative Erkenntnis zur Bedeutung des Gehirnbaus hinführt. Und dann können Sie sagen: So wie das Gehirn gewissermaßen eine realisierte Imagination ist, so ist alles, was mit dem Atmen zusammenhängt, eine realisierte, eine in die Sinnenwelt herunterversetzte Inspiration. Derjenige, der nach inspirierter Erkenntnis sucht, der tut nämlich gar nichts anderes, als sich in eine Welt hineinversetzen, die dann geistig-seelisch ist, die aber hier in der Sinnenwelt vor einem steht, wenn man in seiner Totalität den Atmungsvorgang verfolgt in seiner Bedeutung für den menschlichen Organismus.
[ 20 ] In contrast, we will now turn to a human function other than a mental image. I will begin by briefly outlining something that I will need to elaborate on further and further over the next few days; let us turn to what lies at the heart of the breathing process. I will now take the process of breathing as a function. Consider the processes of breathing and what these processes represent in human consciousness: here you do not encounter anything like what you find in the life of imagination. When you say to yourself: “I have a mental image that reminds me of another mental image I had three years ago; I connect one with the other”—then you do indeed get diagrams, especially if you extend them across several mental images, which are, for example, very similar to Meynert’s diagrams of brain structure. You cannot do this, for example, if you relate what lies in the respiratory process to the human organism. You cannot find an adequate expression in the same way in the organ structure, the organ organization, or the organ formation for the respiratory process as you can for the process of imagination in the brain. You cannot do that. In the process of respiration, we have something that simply does not find an adequate expression in the human organism in the same way that the life of imagination and the life of perception find an adequate imprint in the structure of the brain. But if one rises to inspired insight—that is, if one learns to recognize how, in imaginative insight, one initially has images, and how then, through inspired insight, reality enters these images—I would say, radiating into them from behind—if one learns to recognize this, if one thus learns to look into the supersensible world in such a way that one’s imaginations are saturated with spiritual reality, then one suddenly finds oneself within something supersensible that bears a full resemblance to the relationship between the breathing process, the structure of the lungs, the structure of the arachnoid canal, the spinal canal, and the penetration of the breath into the brain. In short, proceed toward inspired insight, and you will have that which leads you just as much to the full significance of the respiratory process as imaginative insight already leads you to the significance of the brain’s structure. And then you can say: Just as the brain is, in a sense, a realized imagination, so everything connected with breathing is a realized inspiration, one brought down into the sensory world. For the one who seeks inspired insight is doing nothing other than immersing themselves in a world that is spiritual and soulful, yet stands before one here in the sensory world when one traces the breathing process in its entirety and its significance for the human organism.
[ 21 ] So hat man die Imagination eigentlich nötig, um den Gehirnbau zu verstehen, man hat die Inspiration nötig, um den Atmungsrhythmus und alles, was mit ihm zusammenhängt, zu verstehen. Und so ist alles, was mit dem Atmungsrhythmus zusammenhängt, eigentlich etwas ganz anderes gegenüber dem Universum als der Gehirnbau. Der Gehirnbau, möchte ich sagen, ist in seiner äußeren Plastik am meisten ein Abbild des Geistigen. Daher braucht man auch nicht weit in die übersinnliche Welt hereinzugehen, nur bis zur Imagination, die ganz angrenzt an die gewöhnliche Erkenntnis, aber man kommt schon zu einem Verständnis des Gehirnbaues. Den Atmungsprozeß können Sie nicht finden mit Imagination, da müssen Sie inspirierte Erkenntnis haben, da müssen Sie weiter hinaufgehen in die übersinnliche Welt.
[ 21 ] Thus, one actually needs the imagination to understand the structure of the brain, and one needs inspiration to understand the respiratory rhythm and everything connected with it. And so, everything connected with the respiratory rhythm is, in relation to the universe, actually something quite different from the structure of the brain. The structure of the brain, I would say, is in its external form most of all a reflection of the spiritual. Therefore, one need not venture far into the supersensible world—only as far as imagination, which is right next to ordinary cognition—yet one already arrives at an understanding of the structure of the brain. You cannot discover the respiratory process through imagination; for that, you must have inspired insight, and you must ascend further into the supersensible world.
[ 22 ] Und am weitesten, sehen Sie, muß man in die übersinnliche Welt hinaufgehen, wenn man den Stoffwechselprozeß verstehen will. Dieser Stoffwechselprozeß ist eigentlich im Grunde genommen das Geheimnisvollste im Menschen. Denn es wird sich uns in den nächsten Tagen zeigen, wie man über diesen Stoffwechsel doch ganz anders zu denken hat, als man heute in der sinnlich-empirischen Physiologie denkt. Die Veränderungen, die dasjenige durchmacht, was ich materiell auf die Zunge bekomme, bis zu dem Punkte, sagen wir, wo es etwas bewirkt in meiner Gehirnzelle, diese Veränderungen sind schlechterdings niemals zu verfolgen mit bloßer empirischer Forschung, sondern die sind nicht anders zu verfolgen als mit intuitiver Erkenntnis. Durch diese intuitive Erkenntnis dringen wir vom bloßen Anschauen des Objektes in das Objekt selber hinein. Und tatsächlich, der Stoffwechsel beim Menschen ist ein solcher, daß, während das Geistig-Seelische sich im Gehirn ein bloßes Abbild schafft und im übrigen draußen bleibt, es den Atmungsrhythmus beeinflußt, also sich hineinversetzt, den Atmungsrhythmus durchdringt als Geistig-Seelisches, aber eben sich immer wiederum zurückzieht, so taucht das menschliche Geistig-Seelische in den Stoffwechsel vollständig unter, so daß es sogar als Geistig-Seelisches verschwindet. Man findet es nicht wieder. Man findet es auch empirisch nicht wieder.
[ 22 ] And, you see, one must go all the way up into the supersensible world if one wants to understand the metabolic process. This metabolic process is, in fact, the most mysterious aspect of the human being. For it will become clear to us in the coming days that we must think about this metabolism in a completely different way than is currently the case in sensory-empirical physiology. The changes that the substance I physically place on my tongue undergoes—up to the point, let’s say, where it has an effect on my brain cells—these changes can simply never be traced through mere empirical research; rather, they can only be traced through intuitive insight. Through this intuitive insight, we move from merely observing the object to penetrating into the object itself. And in fact, human metabolism is such that, while the spiritual-soul aspect creates a mere image of itself in the brain and otherwise remains outside, it influences the respiratory rhythm—that is, it enters into it, permeates the respiratory rhythm as a spiritual-psychic force—but then always withdraws again; thus, the human spiritual-psychic aspect is completely submerged in the metabolism, so that it even disappears as a spiritual-psychic force. It cannot be found again. It cannot be found again even empirically.
[ 23 ] Sehen Sie sich an bei diesem Theodor Ziehen, wie fein er beschreibt, wie das menschliche Gehirn im Bau ist. Man kann in der Tat das Gedächtnis auch symbolisch so konstruieren, daß man da auch noch physiologische, anatomische Gegenbilder im Gehirn nachweisen kann. Schon wenn er zu Gefühlsvorgängen kommt, da hapert die Geschichte, daher redet er nicht von Gefühlen als etwas Selbständigem, sondern nur von gefühlsbetonten Vorstellungen. Aber von Willen reden die heutigen Psychologen gar nicht mehr. Warum? Sehr natürlich reden sie nichts! Nun, wenn ich den Arm heben will, also einen Willensakt vollziehen will, so habe ich zunächst die Vorstellung; dann taucht etwas in das Gebiet hinunter, das vollständig, wie man heute sagt, «unbewußt» ist. In dieses Reservoir tut man alles dasjenige hinein, was man in der Seele nicht beobachten kann und von dem man glaubt, daß es doch da ist. Dann taucht das Ganze in das Unbewußte hinunter. Dann schaue ich mir an, wie ich meine Hand bewege. Aber zwischen der Intention und der geschehenen Tatsache geht der Wille, der sich abspielt, ganz in das Materielle des physischen Organismus hinunter. Das kann man genau durch die Intuition verfolgen; der geht hinunter in das innerste Wesen des Organismus. Der Willensakt geht bis zum Stoffwechsel. Und es gibt keinen Willensakt beim physischen Erdenmenschen, der sich nicht für die intuitive Erkenntnis in einem entsprechenden Stoffwechselvorgange verfolgen ließe. Aber es gibt auch keinen Willensvorgang, der nicht in einer, nenne man es Zersetzung oder Auflösung, wie man will, innerhalb der Stoffwechselvorgänge seinen Ausdruck fände. Der Wille schafft erst weg dasjenige, was irgendwo im Organismus ist, damit er sich entfalten kann. Es ist geradeso, wie wenn ich in meinem Arm, wenn ich ihn zum Ausdruck meines Willens brauche, da erst etwas verbrennen müßte. Da muß erst etwas weg — es wird sich schon in den nächsten Tagen zeigen, ich weiß, daß es heute eine furchtbare naturwissenschaftliche Ketzerei ist, aber es wird sich uns als eine Wahrheit enthüllen —, es muß erst etwas Stoffliches vernichtet werden, damit der Wille sich hinsetzen kann. Da, wo Stoff ist, da muß das Geistig-Seelische sich festsetzen. Das ist das Wesen der intuitiven Erkenntnis. Sie kommen nicht zu der Erklärung der Stoffwechselvorgänge im Menschen, wenn Sie sie nicht suchen mit intuitiver Erkenntnis.
[ 23 ] Take a look at this work by Theodor Ziehen to see how elegantly he describes the structure of the human brain. In fact, one can construct memory symbolically in such a way that one can also identify corresponding physiological and anatomical structures in the brain. But as soon as he gets to emotional processes, the theory falls apart; that is why he does not speak of emotions as something independent, but only of emotionally charged mental images. And today’s psychologists no longer speak of the will at all. Why? Quite naturally, they say nothing about it! Now, when I want to raise my arm—that is, when I want to perform an act of will—I first have a mental image; then something sinks down into the realm that is, as we say today, completely “unconscious.” Into this reservoir we place everything that we cannot observe in the soul but which we believe is still there. Then the whole thing sinks down into the unconscious. Then I watch as I move my hand. But between the intention and the actual event, the will—as it unfolds—descends entirely into the material realm of the physical organism. One can trace this precisely through intuition; it descends into the innermost essence of the organism. The act of will extends all the way to metabolism. And there is no act of will in the physical human being on Earth that cannot be traced, through intuitive insight, to a corresponding metabolic process. But there is also no volitional process that does not find its expression in what one might call decomposition or dissolution—whatever one wishes to call it—within the metabolic processes. The will first removes whatever is present somewhere in the organism so that it can unfold. It is just as if, in my arm—when I need it to express my will—I first had to burn something away. Something must first be removed—it will become clear in the coming days; I know that today this is considered a terrible scientific heresy, but it will reveal itself to us as a truth—something material must first be destroyed so that the will can take hold. Where there is matter, the spiritual-soul aspect must take root. That is the essence of intuitive knowledge. You will not arrive at an explanation of the metabolic processes in human beings unless you seek them through intuitive knowledge.
[ 24 ] Aber aus diesen dreien: aus dem Nerven-Sinnesprozeß, aus den rhythmischen Prozessen — dem Atmungsprozeß und dem Blutzirkulationsprozeß — und den Stoffwechselvorgängen besteht eigentlich im Grunde genommen alles, was im Menschen an Funktionen vorhanden ist. Und so ist der Mensch eigentlich realisierte, gegenständliche Erkenntnis — dasjenige, was er zunächst vor uns ist, ob wir ihn von außen anschauen, ob wir ihn sezieren. Jetzt spezialisieren wir uns auf sein Haupt. Was da eigentlich los ist im Haupte, das wird einem klar, wenn man weiß, daß es imaginative Erkenntnis gibt. Sieht man auf den rhythmischen Menschen: was da eigentlich los ist im rhythmischen Menschen, es wird einem klar, wenn man weiß, daß es inspirierte Erkenntnis gibt. Sieht man auf die Stoffwechselvorgänge: was da los ist in den Stoffwechselvorgängen, es wird einem klar, wenn man weiß, was eine intuitive Erkenntnis ist. Und so stecken gewissermaßen die Realitätsprinzipien im Menschen ineinander. Schauen Sie sich also zum Beispiel diejenigen Organe an, die bloß Willensorgane sind, dann haben Sie erst in der intuitiven Erkenntnis die Möglichkeit, diese Willensorgane zu begreifen.
[ 24 ] But these three—the nervous-sensory process, the rhythmic processes (the respiratory process and the blood circulation process), and the metabolic processes—actually constitute, at the very core, all the functions present in the human being. And so the human being is, in fact, realized, concrete knowledge—that which he is before us in the first place, whether we observe him from the outside or dissect him. Now let us focus on his head. What is actually going on in the head becomes clear when one knows that imaginative knowledge exists. If one looks at the rhythmic human being: what is actually happening within the rhythmic human being becomes clear when one knows that inspired knowledge exists. If one looks at the metabolic processes: what is happening within the metabolic processes becomes clear when one knows what intuitive knowledge is. And so, in a sense, the principles of reality are interwoven within the human being. So, for example, if you look at those organs that are purely organs of the will, it is only through intuitive insight that you have the possibility of understanding these organs of the will.
[ 25 ] Nun, solange man, ich möchte sagen, die einförmige gegenständliche Erkenntnis auf den Menschen anwendet, kommt man eben nicht darauf, daß nun in der Tat dieser Mensch doch eigentlich etwas anderes ist, als was man so gewöhnlich empfindet. Nicht wahr, es weiß ja natürlich die heutige Physiologie, daß der Mensch zum großen Teile eigentlich eine Wassersäule ist. Das ist selbstverständlich etwas, was ich Ihnen nicht zu sagen brauche. Aber wenn Sie jetzt sich ganz ehrlich darüber hermachen, ob denn in der Physiologie auch berücksichtigt wird, daß der Mensch eine Wassersäule ist, oder ob nicht doch dann gedacht wird über den Menschen so, als ob man es mit lauter scharf konturierten festen Formen zu tun hätte, so werden Sie, wenn Sie sich das einmal fragen, sagen: Darauf wird nicht viel Rücksicht genommen, daß der Mensch doch eigentlich im wesentlichen Flüssigkeitswesen ist, und daß das Feste nur eingegliedert ist. Der Mensch ist aber auch Gaswesen, luftförmiges Wesen, und der Mensch ist schließlich auch hauptsächlich Wärmewesen.
[ 25 ] Well, as long as one applies—I would say—monotonous, objective knowledge to human beings, one simply does not come to the realization that this human being is, in fact, something other than what one usually perceives. Isn’t that right? Modern physiology, of course, knows that human beings are, for the most part, actually a column of water. That, of course, is something I don’t need to tell you. But if you now honestly consider whether physiology actually takes into account that a human being is a column of water, or whether it instead conceives of the human being as if one were dealing with nothing but sharply defined, solid forms, then, once you ask yourself this question, you will say: Not much consideration is given to the fact that human beings are, in essence, essentially fluid beings, and that the solid components are merely integrated into them. But human beings are also gaseous beings, air-like beings, and, ultimately, they are primarily thermal beings.
[ 26 ] Dasjenige wiederum, was im Menschen fest ist, das kann ich mit der gewöhnlichen gegenständlichen Erkenntnis sehr gut begreifen. So wie ich im Laboratorium mich bekanntmache mit dem Wesen des Schwefelquecksilbers, so kann ich mich bekanntmachen mit demjenigen, was fest ist, durch chemisch-physikalische Untersuchungen des menschlichen Organismus.
[ 26 ] That which is fixed in human beings, on the other hand, I can understand very well through ordinary, objective knowledge. Just as I familiarize myself with the nature of mercuric sulfide in the laboratory, so I can familiarize myself with that which is fixed through chemical and physical investigations of the human organism.
[ 27 ] Das kann ich nicht mehr mit Bezug auf dasjenige, was flüssig ist im Menschen. Dasjenige, was da im Menschen als einem Flüssigkeitswesen in fortwährender Organisierung und Entorganisierung lebt, das läßt sich nicht so anschauen wie der Magen, den ich aufzeichne, oder das Herz. Wenn ich diese Organe aufzeichne, wie wenn sie fest wären, läßt sich natürlich gut darüber reden. Aber so ist das nicht, wenn man wirklich ernst nimmt dieses Flüssigkeitswesen des Menschen. Da drinnen im Flüssigen entsteht fortwährend etwas und vergeht fortwährend etwas. Es ist so, wie wenn das Herz immer fortwährend entstehen und immer fortwährend vergehen würde, wenn das auch nicht so rasch geschieht. Wenn man an den Flüssigkeitsmenschen herankommt, da muß man herangehen mit Imagination,
[ 27 ] I can no longer do that with regard to what is fluid in the human being. That which lives within the human being—as a fluid being in a state of constant organization and disorganization—cannot be viewed in the same way as the stomach, which I depict, or the heart. When I depict these organs as if they were solid, it is, of course, easy to talk about them. But that is not the case if one truly takes this fluid nature of the human being seriously. In there, within the fluid, something is constantly coming into being and constantly passing away. It is as if the heart were constantly coming into being and constantly passing away, even if this does not happen so rapidly. When approaching the fluid human being, one must do so with imagination,
[ 28 ] Und das, was gasig, was luftförmig ist an uns: man weiß natürlich, wie die Funktionen, die sich im Luftförmigen abspielen, ihre große Bedeutung haben im Organismus, man weiß, wie überallhin von überallher im menschlichen Organismus die luftförmigen Stoffe bezogen werden, wie alles in Zirkulation ist in bezug auf das Luftförmige; aber indem das eine Gebiet des Luftförmigen in das andere hineinwirkt, wirkt es genau nach dem Muster der Inspiration hinein. Dasjenige, was luftförmig ist im Menschen: wir können es nur überschauen mit Inspiration.
[ 28 ] And that which is gaseous, that which is air-like within us: Of course, we know how the functions that take place in the gaseous realm are of great significance in the organism; we know how gaseous substances are drawn from everywhere and distributed everywhere in the human organism, how everything is in circulation with regard to the gaseous realm; but as one area of the gaseous realm influences another, it does so precisely according to the pattern of inhalation. That which is air-like in human beings: we can only grasp it through inhalation.
[ 29 ] Und dasjenige, was nun Wärmegebiet ist im Menschen: Versuchen Sie sich einen Moment klarzumachen, wie der Mensch noch etwas ganz Besonderes ist dadurch, daß er eine Wärmestruktur ist, daß an den verschiedensten Stellen in verschiedenster Weise Wärme und Kälte in Struktur ist. Da muß man selber drinnen sein, wie der Mensch in seiner Eigenwärme selber drinnen lebt mit seinem Ich. Da muß man mit intuitiver Erkenntnis herein.
[ 29 ] And that which constitutes the human being’s thermal field: Try for a moment to grasp how the human being is something quite special precisely because he is a thermal structure—because heat and cold are structurally present in a wide variety of ways at various points throughout his being. One must be present within it oneself—just as a human being lives within their own warmth with their “I.” One must enter into it with intuitive insight.
[ 30 ] Und so können Sie sagen, wenn Sie den Menschen total betrachten — nicht so, wie wenn er ein Zusammenhang von festen, scharf konturierten Organen wäre, sondern wenn Sie den Menschen in seiner Totalität betrachten —: Man muß von verschiedenen Aspekten herein. Geradeso, wie wenn man vom Gehirn zu den anderen Organstrukturen kommt, man getrieben wird, imaginativ, inspirativ, intuitiv zu erkennen, so auch, wenn man den Menschen in bezug auf seine verschiedenen Aggregatsstrukturen betrachtet. Und sehen Sie, wenn man das Feste, was am Menschen ist, betrachtet, dasjenige, was im Menschen als wirklich fester Körper vorhanden ist, so unterscheidet sich das im menschlichen Organismus fast gar nicht von dem, wie es außerhalb des menschlichen Organismus vorhanden ist. Aber wesentlich unterscheidet sich dasjenige, was flüssig vorhanden ist, dasjenige, was gasförmig vorhanden ist, und gar die Wärme. Davon werden wir dann in den nächsten Tagen zu sprechen haben. Aber erst dann, wenn man in einer solchen Weise die Betrachtung über den Menschen erweitert, bekommen die Organe ihre richtige Bedeutung innerhalb der menschlichen Natur für die Erkenntnis.
[ 30 ] And so, when you consider the human being as a whole—not as if he were a collection of fixed, sharply defined organs, but when you consider the human being in his totality—you must approach him from various angles. Just as when one moves from the brain to the other organ structures, one is driven to recognize things imaginatively, inspiringly, and intuitively, so too is it when one considers the human being in relation to his various aggregate structures. And you see, when one considers the solid aspects of the human being—that which exists within the human being as a truly solid body—this differs almost not at all in the human organism from how it exists outside the human organism. But what exists in a liquid state, what exists in a gaseous state, and even heat differ significantly. We will discuss these in the coming days. But only when one broadens one’s view of the human being in this way do the organs acquire their true significance within human nature for the sake of knowledge.
[ 31 ] Mit der rein sinnenfällig-empirischen Physiologie können Sie ja kaum die Funktionen des menschlichen Organismus weiterverfolgen als bis zu dem Übergang des Speisebreies von den Darmzotten in die Lymphgefäße. So weit kommt man in der heutigen sinnenfälligen Empirie noch. Was man weiter anstellt, das phantasiert man eigentlich. Alle Vorstellungen über die Vorgänge, die vor sich gehen, damit dasjenige entsteht, was in den Stoffen, die wir von außen aufnehmen, dann geschieht — die Vorgänge zum Beispiel innerhalb des Blutkreislaufes —, das ist im Grunde genommen innerhalb der heutigen Physiologie Phantasterei. Und gar so etwas, wie zum Beispiel der Anteil der Nieren an der menschlichen Organisation ist, kann man erst begreifen, wenn man neben den aufsteigenden Prozessen, die heute fast einzig und allein als von Bedeutung angesehen werden für die menschliche Konstitution, die absteigenden Prozesse betrachtet. Vor langer Zeit schon sagte ich einem Freunde: Ebenso wichtig wie die Betrachtung der Entfaltung des menschlichen Keimes von der Befruchtung bis zur Geburt, ebenso wichtig ist für jedes Studium des Embryonallebens die Betrachtung der um den Keim herum gelagerten Organe, die später herausgeworfen werden. Und erst dann hat man ein vollständiges Bild, wenn man die Teilung der Zelle, die Gestaltung durch die Teilung der Zelle betrachtet, wenn man neben diesem aufsteigenden Prozeß auch den absteigenden Prozeß verfolgt. Denn nicht nur haben wir während der Embryonalzeit diesen absteigenden Prozeß gewissermaßen neben uns, sondern wir tragen ihn auch im späteren Leben fortwährend in uns, und wir müssen für jedes Organ wissen: inwiefern sind in ihm aufsteigende, inwiefern absteigende Prozesse. Absteigende Prozesse sind in der Regel mit einer Steigerung des Bewußtseins sogar verbunden. Klares Bewußtsein: dazu sind sogar absteigende Prozesse, Zersetzung, Zerstörung, Wegräumung des Materiellen notwendig.
[ 31 ] With purely sensory-empirical physiology, you can hardly trace the functions of the human organism any further than the transition of the chyme from the intestinal villi into the lymphatic vessels. That is as far as one can go in today’s sensory empiricism. Whatever comes after that is essentially a matter of speculation. All mental images about the processes that take place to bring about what subsequently happens to the substances we take in from the outside—the processes, for example, within the bloodstream—are, in essence, mere speculation within modern physiology. And something like the role of the kidneys in the human organism, for example, can only be understood if, alongside the ascending processes—which today are regarded almost exclusively as significant for the human constitution—one also considers the descending processes. A long time ago, I told a friend: Just as important as observing the development of the human embryo from fertilization to birth is, for any study of embryonic life, the observation of the organs surrounding the embryo that are later expelled. And only then does one have a complete picture—when one observes cell division and the formation resulting from it, and when, alongside this ascending process, one also traces the descending process. For not only do we have this descending process, so to speak, alongside us during the embryonic period, but we also carry it within us continuously throughout our later life, and we must know for every organ: to what extent it involves ascending processes, and to what extent descending processes. Descending processes are, as a rule, even associated with an increase in consciousness. Clear consciousness: even descending processes—decomposition, destruction, and the removal of the material—are necessary for this.
[ 32 ] Ebenso ist es mit den Abscheideprozessen. Die Nieren sind Abscheidungsorgane. Aber die Frage entsteht: Wenn sie zunächst für die sinnenfällige Empirie Abscheidungsorgane sind, haben sie keine Bedeutung für die Konstitution des Menschen außerdem noch? Sind sie nicht vielleicht für den Aufbau des Menschen wichtiger durch etwas anderes als durch ihre Funktion des Abscheidens? Und wenn wir die Funktionen weiter verfolgen und, sagen wir, von der Niere zur Leber herübergehen, so haben wir diese interessante Erscheinung: Die Niere scheidet zuletzt nach außen ab, die Leber scheidet nach innen ab. Und die Frage entsteht: Was bedeutet das für das Verhältnis des Leberprozesses zum Nierenprozeß, daß die Niere relativ nach außen sich ergießt mit ihren Abscheidungsprodukten, die Leber sich nach innen ergießt? Also daß einmal der Mensch mit der Außenwelt kommuniziert, das andere Mal mit sich selbst kommuniziert? — Da werden wir geführt zu einem allmählichen Durchschauen der menschlichen Organisation. Aber man muß zu diesem Durchschauen eben zu Hilfe nehmen dasjenige, was auf solchen Wegen gesucht wird, wie ich sie heute nur einleitungsweise andeuten konnte. Ich will den nächsten Vortrag darauf bauen und zeigen, inwiefern sie zu einem wirklichen pathologischen und therapeutischen Begreifen führen und inwiefern man Richtungsprinzipien hat für dasjenige, was heute anerkannte empirische Forschung ist, die durchaus nicht in irgendeiner Weise angetastet werden soll, sondern der gegenüber nur gezeigt werden soll, wie sie eigentlich erst ihren richtigen Wert erhält dadurch, daß man solche Richtlinien aufstellen kann.
[ 32 ] The same applies to excretory processes. The kidneys are excretory organs. But the question arises: If they are, first and foremost, excretory organs in the sense of sensory experience, do they not also have significance for the constitution of the human being? Are they not perhaps more important for the structure of the human being through something other than their excretory function? And if we continue to examine these functions and, say, move from the kidney to the liver, we encounter this interesting phenomenon: The kidney ultimately excretes outward, while the liver excretes inward. And the question arises: What does this mean for the relationship between the liver process and the kidney process—that the kidney, relatively speaking, discharges its waste products outward, while the liver discharges inward? In other words, that in one instance the human being communicates with the outside world, and in the other, communicates with itself? — This leads us to a gradual understanding of the human organism. But to achieve this understanding, we must draw upon precisely what is sought through the approaches I could only briefly hint at today. I intend to build on this in my next lecture and show to what extent these insights lead to a genuine pathological and therapeutic understanding, and to what extent they provide guiding principles for what is today recognized as empirical research—research that should by no means be called into question, but rather shown how it actually attains its true value precisely through the establishment of such guidelines.
[ 33 ] Ich bin nämlich nicht etwa darauf aus, der naturwissenschaftlichen Forschung von heute oder der naturwissenschaftlichen Medizin etwas anzutun, sondern ich möchte gerade zeigen, daß in dieser naturwissenschaftlichen Medizin noch ungeheure Fundgruben liegen zu einer besseren Erkenntnis, als man mit den heutigen Methoden und vor allen Dingen aus der heutigen Anschauungsweise heraus gewinnt. Nicht abgekanzelt soll die naturwissenschaftliche Anschauung werden, sondern im Gegenteil, erst recht begründet soll sie werden. Durch Begründung aus dem Geiste heraus gewinnt sie erst ihre volle Bedeutung. Davon darf ich dann morgen weitersprechen.
[ 33 ] For I am by no means intent on undermining today’s scientific research or scientific medicine; rather, I wish to show that this scientific medicine still holds immense reserves of knowledge that can lead to a deeper understanding than can be gained through today’s methods and, above all, from today’s perspective. The scientific worldview should not be dismissed; on the contrary, it should be all the more firmly grounded. It is only through justification rooted in the spirit that it attains its full significance. I will speak further on this tomorrow.
