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Therapeutic Eurythmy
GA 315

14 April 1921, Dornach

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Therapeutic Eurythmy, tr. SOL
  1. Curative Eurythmy, tr. Krohn
  2. Heileurythmie

Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Wir werden nun, um entsprechend vorwärtszukommen, heute in Anknüpfung an Formen des Konsonantierens zunächst einiges, ich möchte sagen vorbereiten, das wir dann morgen physiologisch und psychologisch vertiefen wollen. Nun, dasjenige was ausgebildet ist als Form des Konsonantierens, bei dem ist wirklich durchaus Rücksicht genommen auf alles, was in Betracht kommt, wenn der Mensch versucht, sprachlich in die Außenwelt einzudringen. Wer die Sprache beobachten will, der wird ja sehen, wie das Sich- Auseinandersetzen des Menschen mit der Außenwelt darinnen bestehen muß, daß der Mensch in einem Falle gewissermaßen sehr stark sich hinauslebt in die Außenwelt, daß er sich sehr stark entselbstet und in die Außenwelt hinauslebt. Beim Vokalisieren verselbstet er sich, beim Vokalisieren geht er nach dem Inneren und entfaltet da seine Tätigkeit. Beim Konsonantieren wird er gewissermaßen eins mit der Außenwelt, aber in verschiedenen Graden. Und dieses in verschiedenen Graden Einswerden mit der Außenwelt, das drückt sich auch in gewissen Betätigungen innerhalb der Sprache durchaus aus. Und es muß natürlich bei der Ausbildung des eurythmischen Konsonantierens, gerade bei diesem sinnlich-übersinnlichen Schauen, von dem ich oftmals spreche in den Einleitungen zu eurythmischen Kunstvorstellungen, bei diesem sinnlich-übersinnlichen Schauen muß scharf berücksichtigt werden, ob der Mensch nun vollständig sich hinausobjektiviert, um gewissermaßen das Geistige, das draußen in den Dingen ist, in dem Laut zu erfassen, oder ob er mehr, trotz des Sich-Objektivierens, noch im Inneren bleibt und nicht eigentlich ganz hinausgeht, sondern im Inneren noch das Äußere nachbildet. Da ist ein großer Unterschied, und ich bitte aus diesem Grunde, vielleicht ist Frau Baumann so gut und macht uns zunächst, sagen wir, vor eine H-Bewegung. Und jetzt, bitte, wenden Sie den Blick ganz ab von dieser H-Bewegung und Frau Baumann wird nun eine F-Bewegung vormachen. Und jetzt behalten Sie gut im Auge dasjenige, was Sie bei diesen verschiedenen Bewegungen, bei diesen zwei voneinander verschiedenen Bewegungen da beobachten können. Sie können da beobachten dasjenige, was Sie aus dem menschlichen Instinkt heraus in dem Aussprechen, in dem Auszusprechenversuchen des betreffenden Lautes darinnen haben. Nehmen Sie das Aussprechen des H. Eigentlich sprechen Sie ja dieses H in Wirklichkeit Ha; eigentlich sprechen Sie ja einen Vokal nach. Sie können ja auch einen Konsonanten nicht erklingen lassen, ohne daß er durch einen Vokal tingiert wird. Sie sprechen ein A nach. Der reine Konsonant wird vervokalisiert. Und wenn Sie nun das F betrachten, dann werden Sie sehen, daß aus dem menschlichen Sprachinstinkte heraus ein E vorgesetzt wird: eF. Es wird das Entgegengesetzte gemacht, es wird ein E vorgesetzt.

[ 1 ] In order to make appropriate progress, we will now—building on the forms of consonant articulation—first lay the groundwork for some topics, so to speak, which we then intend to explore in greater depth from a physiological and psychological perspective tomorrow. Now, in what has been developed as a form of consonant articulation, full account is indeed taken of everything that comes into play when a person attempts to penetrate the external world through language. Anyone who wishes to observe language will see that a person’s engagement with the external world must consist in the fact that, in a certain sense, the person projects themselves very strongly outward into the external world, detaching themselves from their own being and living out into the external world. When vocalizing, they return to their own being; when vocalizing, they turn inward and unfold their activity there. When articulating consonants, they become, so to speak, one with the external world, but to varying degrees. And this becoming one with the external world to varying degrees is also clearly expressed in certain activities within speech. And, of course, in the training of eurythmic consonant articulation—especially in connection with this sensory-supersensory perception, of which I often speak in the introductions to eurythmic art performances—in this sensory -super-sensory vision—it must be carefully considered whether the person now completely objectifies themselves in order, so to speak, to grasp in the sound the spiritual that is outside in the things, or whether, despite this objectification, they remain more within and do not actually go out entirely, but rather still reproduce the external within themselves. There is a great difference here, and for this reason I would ask—perhaps Ms. Baumann would be so kind as to first demonstrate, let’s say, an “H” movement for us. And now, please, turn your gaze completely away from this “H” movement, and Ms. Baumann will now demonstrate an “F” movement. And now keep a close eye on what you can observe in these different movements—in these two distinct movements. You can observe there what you have within you, stemming from human instinct, in the act of pronouncing—or attempting to pronounce—the sound in question. Take the pronunciation of the H. In reality, you actually pronounce this H as “Ha”; in reality, you are pronouncing a vowel. After all, you cannot produce a consonant without it being tinged by a vowel. You are pronouncing an “A.” The pure consonant is vocalized. And if you now consider the “F,” you will see that, out of human speech instinct, an “E” is prefixed: “eF.” The opposite is done; an “E” is prefixed.

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[ 2 ] Daraus ersehen Sie, daß, indem der Mensch ein H spricht, er sich mehr bemüht, das Geistige durch die Sprache in dem äußeren Objekt draußen aufzusuchen; indem er ein F spricht, bemüht er sich mehr, das Geistige im Inneren nachzufühlen. Daher ist die Entstehung des Konsonantischen eine ganz verschiedene, je nachdem man versucht, die vokalische Tingierung von vorne oder von hinten zu machen, wenn ich mich so ausdrücken darf in bezug auf das Konsonantieren. Und das werden Sie sehen ausgedrückt in der Form, die Sie gesehen haben.

[ 2 ] From this you can see that when a person pronounces an “H,” they make a greater effort to seek out the spiritual through language in the external object outside; when they pronounce an “F,” they make a greater effort to sense the spiritual within. Therefore, the formation of consonants is quite different depending on whether one attempts to apply the vowel-like quality from the front or from the back—if I may put it that way in relation to consonant formation. And you will see this expressed in the form you have observed.

[ 3 ] Vielleicht macht Fräulein Wolfram das H noch einmal. Also H, da haben Sie das starke Aufgehen in die Außenwelt, man will nicht in sich bleiben, man will heraus, um im Äußeren zu leben. Das F: Sie sehen das starke Bestreben, nicht allzuscharf in die Außenwelt zu gehen, sondern im Inneren zu verbleiben.

[ 3 ] Perhaps Miss Wolfram will go over the letter H again. So, H—here you have a strong reaching out into the outside world; one does not want to remain within oneself, but wants to go out to live in the external world. The F: You see the strong desire not to venture too eagerly into the outside world, but to remain within.

[ 4 ] Nun aber, wenn man das berücksichtigt, dann wird man natürlich von da ausgehend über manches, was auch schon ins Eurythmische einfließen muß, eine Vorstellung bekommen, die zunächst noch nicht nötig war, soweit wir die eurythmische Kunst betreiben, die aber nötig werden wird, je mehr die eurythmische Kunst ausgedehnt wird auf die verschiedenen Sprachen. In dem Augenblick nämlich, wo man nicht eF sagt, sondern Fi, in dem Augenblicke ist das anders, in dem Augenblicke versucht man auch, mit diesem Konsonanten das Äußere zu umfassen, und es weist das auf eine wichtige historische Tatsache hin. In Griechenland, im alten Griechenland versuchten ja die Menschen das Äußere zu erfassen selbst in solchen Dingen, wo der moderne Mensch schon innerlich geworden ist. Sie sehen, wie man bis in die äußersten Ranken des menschlichen Erlebens verfolgen kann dasjenige, was ich zum Beispiel in den «Rätseln der Philosophie» ausgedrückt habe, dieses Herausgehen des Menschen und das Erfassen in der Außenwelt desjenigen, was der heutige Mensch im Ich schon ganz innerlich erlebt. Der Grund, warum aus solchen Dingen heraus die Geisteswissenschaft nicht angenommen wird, ist lediglich der, daß die Menschen im allgemeinen in unserer Zivilisation zu faul sind. Sie müssen zu viele Dinge berücksichtigen, um auf die Wahrheit zu kommen, sie wollen sich das einfacher machen. Aber das geht eben nicht. Sie möchten sich das alles einfach machen; das geht eben nicht.

[ 4 ] Now, however, if one takes this into account, one will naturally begin to form a mental image—based on this—about certain elements that must already be incorporated into eurythmy; a mental image that was not yet necessary at first, as far as our practice of the art of eurythmy is concerned, but which will become necessary the more the art of eurythmy is extended to the various languages. For at the very moment when one says “Fi” instead of “eF,” at that very moment it is different; at that very moment one also attempts to encompass the outer world with this consonant, and this points to an important historical fact. In Greece—in ancient Greece—people sought to grasp the outer world even in such matters where modern man has already become inward-looking. You see how one can trace, all the way to the outermost reaches of human experience, what I have expressed, for example, in *The Riddles of Philosophy*—this reaching out of the human being and the grasping, in the external world, of that which modern people already experience entirely inwardly within the “I.” The reason why Spiritual Science is not accepted on the basis of such things is simply that people in our civilization are generally too lazy. They have to take too many things into account to arrive at the truth; they want to make it easier for themselves. But that simply isn’t possible. They would like to make it all easy for themselves; but that simply isn’t possible.

[ 5 ] Nun, das zunächst in bezug auf das eine, was hineingeflossen ist in die Konsonantierung. Dann ist etwas zu berücksichtigen, wenn man die Konsonantierung ins eurythmische Gebiet hineingehend fassen will, dann ist etwas zu berücksichtigen, was heute, glaube ich, im Unterricht schon weniger berücksichtigt wird, auch in der Physiologie, bei der Lautphysiologie weniger berücksichtigt wird als das dritte, wozu wir dann gleich kommen. Um das zu veranschaulichen, bitte ich Sie, wiederum zu vergleichen. Hier handelt es sich darum, daß man sich die Anschauung erwirbt. Man kann natürlich nicht bis ins Ende desjenigen, was man mit der Anschauung macht, in den Begriff hinein.

[ 5 ] Well, first of all, with regard to the one element that has been incorporated into the consonantization. Then there is something to consider if one wishes to grasp the consonantization as it relates to the field of eurythmy; there is something to consider that, I believe, is already given less attention in teaching today—and is also given less attention in physiology, particularly in the physiology of sound—than the third point, which we will come to shortly. To illustrate this, I ask you to make another comparison. The point here is to acquire a visual perception. Of course, one cannot go all the way to the end of what one does with that visual perception—into the concept itself.

[ 6 ] Vielleicht ist Frau Baumann so gut, uns ein H nochmals zu machen, und jetzt, nachdem Sie das abtönen lassen, macht uns Frau Baumann ein D. Sie werden da folgendes zu beachten haben: Indem Sie das H anschauen, hat es eine Bewegung, welche sehr abweicht von dem, was zunächst im Sprechen vor sich geht, denn in bezug auf die Eigenschaft, die ich jetzt meine, muß das Eurythmische polarisch sich verhalten zu dem, was der eigentliche Sprechvorgang ist. Der Sprechvorgang, Sie wissen, ich habe es vorgestern dargestellt, ist ein Zurückreflektieren vom Kehlkopf aus. Der eurythmische Vorgang muß das äußerlich ausdrücken. Er drückt es aus in der Bewegung. Da muß man für gewisse Fälle durchaus ins ganz Polarische übergehen. Nun, was ist das H für ein Laut? Das H ist im wesentlichen ein Blaselaut. Es ist eigentlich ein Blasen, wodurch man das H zustande bringt. Will man das eurythmisch ausdrücken - und das H ist in dieser Beziehung besonders charakteristisch, bei den andern Konsonanten muß es wieder abgetönt werden, aber bei H und D zum Beispiel ist es besonders charakteristisch -, da haben Sie da, wo man blasen muß [im Aussprechen], eine ausgesprochen stoßige Wirkung in der Eurythmie. Wenn Sie D aussprechen, haben Sie im Aussprechen eine stoßige Wirkung. Die müssen Sie [in der Eurythmie] polarisieren dadurch, daß Sie sie überführen in diese eigentümliche Bewegung, die beim D da war. Also es wird gerade das Stoßige des Sprechens in den Bewegungen des Lautes abgelähmt.

[ 6 ] Perhaps Ms. Baumann would be so kind as to demonstrate the letter “H” for us again, and now, after letting that fade out, Ms. Baumann will demonstrate the letter “D.” You will need to pay attention to the following: When you look at the H, it has a movement that differs greatly from what initially occurs in speech; for, with regard to the quality I am now referring to, the eurythmic movement must be polar opposites to the actual process of speech. The process of speech—as you know, I demonstrated it the day before yesterday—is a reflection back from the larynx. The eurythmic process must express this outwardly. It expresses it through movement. In certain cases, one must definitely shift to a completely polarized approach. Now, what kind of sound is the H? The H is essentially a blowing sound. It is actually a blowing motion that produces the H. If one wants to express this through eurythmy—and the H is particularly characteristic in this regard; with the other consonants it must be toned down again, but with H and D, for example, it is especially characteristic—then where one must blow [when pronouncing it], there is a distinctly jerky effect in eurythmy. When you pronounce D, there is a jolting effect in the pronunciation. You must polarize this [in eurythmy] by transforming it into that distinctive movement that was present with the D. Thus, the jolting quality of speech is precisely dampened in the movements of the sound.

[ 7 ] So also sehen Sie, daß, je nachdem man Blaselaute oder Stoßlaute hat, gerade diese Eigenschaft besonders berücksichtigt werden muß. Nun sind die Laute ja nicht bloß Blaselaute und Stoßlaute. Wodurch aber sind die Laute Blaselaute und Stoßlaute? Sehen Sie, wenn man einen ausgesprochenen Blaselaut hat, dann drückt man in dem Blasen aus die Tatsache, daß man so recht stark hinaus möchte aus sich; in dem Stoßen, daß es einem schwer wird, das Hinausgehen aus sich, daß man darinnenbleiben möchte. Aus diesem Grunde muß ja auch die eurythmische Umsetzung des Lautes in der Weise erfolgen, wie Sie gesehen haben.

[ 7 ] So you see that, depending on whether you have blowing sounds or bursting sounds, it is precisely this characteristic that must be taken into special consideration. Now, sounds are not merely blowing sounds and bursting sounds. But what is it that makes sounds blowing sounds and bursting sounds? You see, when you have a pronounced blowing sound, the blowing expresses the fact that you want to push something out of yourself quite strongly; in the bursting sound, it expresses that it becomes difficult to let something go out of yourself, that you want to keep it inside. For this reason, the eurythmic interpretation of the sound must take place in the manner you have seen.

[ 8 ] Nun aber hat man auch Laute, welche das Innere mit dem Äußeren sorgfältig verbinden, Laute, die eigentlich physiologisch so sind, daß man sagt, man bringt dasjenige, worinnen man sich eigentlich so betätigen möchte, daß das Innere gleich ein Äußeres wird, daß man gleich mit seinem ganzen Menschen in die Bewegung hineingeht, das bringt man zum Stillstand, das hält man auf. Und das ist in ausgesprochener Weise dann der Fall, eigentlich nur deutlich in unserer Sprache bei einem einzigen Laut, dem R, aber es ist deshalb auch das R der umfassendste Laut, weil man nämlich wiederum mit jedem Gliede, möchte ich sagen, dem Sprachorganismus nachlaufen möchte, wenn man das R ausspricht. Man hat eigentlich beim R das Bestreben, daß man das Nachlaufen zur Ruhe bringt. Die Lippen möchten nach, wenn sie das Lippen-R sprechen und bringen das Nachlaufen zur Ruhe, die Zunge möchte nach, wenn sie ein Zungen-R spricht, und endlich der Gaumen möchte nach, wenn das Gaumen-R ertönt. Diese drei R sind ja deutlich voneinander verschieden, aber sie sind doch wiederum eins, und in der Eurythmie drücken sie sich aus (Frau Baumann: R). Also es ist ausgedrückt das In-Schwung-Bringen desjenigen, was man sonst in Stillstand bringt. Gerade dieses Nachlaufen der Lautbewegung, das ist in diesem R zum Ausdruck gekommen. Und man wird, wenn man will das andere ausdrücken, das Lippen-R besonders dadurch ausdrücken, daß man die Bewegung weiter nach unten führt, das Zungen-R, indem man sie mehr in der Horizontalen macht, und das Gaumen-R, indem man sie mehr nach oben macht. Dadurch kann man modifizieren den R-Laut in der eurythmischen Bewegung. Aber Sie sehen, seine Form kommt zustande, indem man das Zitternde des R in den Hintergrund treten läßt und mehr das Nachlaufen in ihm zum Ausdrucke bringt.

[ 8 ] But now there are also sounds that carefully connect the inner with the outer—sounds that are, physiologically speaking, such that one might say they bring to a standstill and halt that very activity in which one would actually like to engage, so that the inner immediately becomes the outer, so that one enters into the movement with one’s whole being. And this is particularly evident—in fact, clearly so in our language—in only a single sound, the R; but this is also why the R is the most comprehensive sound, because when one pronounces the R, one wants to follow along with every part—I would say—of the speech apparatus. With the R, one actually strives to bring this following motion to a rest. The lips want to follow through when they pronounce the lip R and bring that following motion to a rest; the tongue wants to follow through when it pronounces a tongue R; and finally, the palate wants to follow through when the palatal R sounds. These three Rs are clearly distinct from one another, yet they are also one, and they find expression in eurythmy (Ms. Baumann: R). So what is expressed is the setting in motion of that which is otherwise brought to a standstill. It is precisely this trailing-off of the sound movement that is expressed in this “R.” And if one wishes to express something else, one can distinguish the lip R by extending the movement further downward, the tongue R by making it more horizontal, and the palate R by directing it more upward. In this way, one can modify the R sound in eurythmic movement. But as you can see, its form comes about by allowing the trembling quality of the R to recede into the background and bringing its lingering quality more to the fore.

[ 9 ] Ein ähnlicher Laut, aber so, daß man nicht ein Zittern hat in der Bewegung, sondern eine Art Welle, ist das L (Fräulein Wolfram: L). Also, Sie sehen jetzt, es ist etwas von derselben Bewegung drinnen wie im R, aber es ist ein sanfteres zur Ruhe Kommendes, ein sanfteres Erfassen des Nachlaufens, es ist eben eine Welle im Gegensatz zum Zittern, was da zum Ausdrucke kommt.

[ 9 ] A similar sound, but one in which the movement does not involve a tremor but rather a kind of wave, is the L (Miss Wolfram: L). So, as you can see, it contains something of the same movement as in the R, but it is a gentler coming to rest, a gentler grasping of the trailing sound; it is simply a wave, as opposed to a tremor, that is expressed here.

[ 10 ] Das wäre dasjenige, was sich bezöge innerlich, physiologisch, möchte ich sagen, auf das vokalisierende Tingieren des konsonantischen Lautes und auf das schon mehr ins Physische übergehende nun Tingieren mit dem Gefühle. Nun, die alleräußerste Einteilung gewissermaßen der Laute bekommt man dadurch zustande, daß man sich an die Organe hält, und da können wir etwa, indem wir wiederum vergleichen die entsprechenden Bewegungen, können wir für die Anschauung dasjenige entwickeln, was da an alleräußersten Einteilungsprinzipien, äußerlichsten Einteilungsprinzipien herauskommt. Nämlich nehmen wir einmal ein B (Frau Baumann: B). Das ist ein B, und jetzt schließen wir gleich an etwa ein T. Nun, Sie sehen aus dem, aus der ganzen Lage, die da als das dritte berücksichugt werden muß, die sich auch ganz anschaulich in der sinnlich-übersinnlichen Anschauung ergibt, Sie sehen aus der ganzen Lage, daß wir es in dem B mit einem Lippenlaut, in dem T mit einem Zahnlaut zu tun haben. (Fräulein Wolfram, machen Sie uns ein K) K: Da ist überhaupt von der Lage herausgegangen, und die Hauptsache liegt in der Bewegung. Da haben wir es mit einem Gaumenlaut zu tun, der in der Aussprache, in der Tonaussprache der ruhigste ist, der aber in die Bewegung übergehen muß, in seine polarische Gegenseite in der äußerlichen Eurythmisierung. Nun, es übergreifen sich die Konsonanten in bezug auf diese ihre Eigenschaften; die eine Einteilung greift eben in die andere hinein, und wir können etwa folgendes uns als eine Art Hilfe merken:

[ 10 ] That would be what relates internally—physiologically, I might say—to the vocalization of the consonantal sound and to the coloring—which is already shifting more toward the physical—that now involves emotion. Now, the most extreme classification of sounds, so to speak, is achieved by focusing on the organs, and there—by comparing the corresponding movements once again—we can develop, for the sake of illustration, what emerges as the most extreme classification principles, the most external classification principles. Namely, let’s take a B (Ms. Baumann: B) . That is a B, and now let’s immediately follow it with, say, a T. Well, you can see from the entire configuration—which must be taken into account as the third element and which also emerges quite clearly in sensory-supersensory perception—you can see from the entire configuration that in the B we are dealing with a labial sound, and in the T with a dental sound. (Miss Wolfram, please show us a K) K: It stems entirely from the position, and the main point lies in the movement. Here we are dealing with a palatal consonant, which is the calmest in pronunciation—in the articulation of the sound—but which must transition into movement, into its polar opposite in the external eurythmic expression. Now, the consonants overlap with regard to these characteristics; one classification extends into the other, and we can keep the following in mind as a kind of guide:

[ 11 ] Nehmen Sie die Lippenlaute, ich will nur die allerausgesprochensten aufschreiben, etwa W, B, P, F, M. Inwiefern die vokalische Tingierung mitspricht, können Sie ja dadurch ergründen, daß Sie einfach die Sache aussprechen. Also das brauche ich nicht anzugeben. Nehmen wir jetzt die Zahnlaute: D, T, S, Sch, L, wozu wir auch das englische Th und N [nehmen können]. Und nehmen wir jetzt die Gaumenlaute: G, K, Ch, dann dieses französische, etwa Ng.

[ 11 ] Take the labial consonants; I’ll just list the most distinct ones, such as W, B, P, F, M. You can figure out to what extent vowel influence plays a role simply by pronouncing them. So I don’t need to specify that. Let’s now consider the dental consonants: D, T, S, Sch, L, to which we can also add the English Th and N. And let’s now consider the palatal consonants: G, K, Ch, and then this French one, such as Ng.

[ 12 ] Und nun das R müßten wir eigentlich überall hinschreiben, denn es hat überall seine Nuance [es wird an die Tafel geschrieben].4An der Tafel wurden die Laute zwar in kleinen Buchstaben angeschrieben, wegen der besseren Lesbarkeit wurden im laufenden Text aber Großbuchstaben eingesetzt.

[ 12 ] And now we really ought to write the letter R everywhere, because it has its own nuance in every context [it is written on the blackboard]. 4Although the sounds were written on the board in lowercase letters, uppercase letters were used in the running text for better readability.

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[ 13 ] Wenn Sie nun den andern Gesichtspunkt der Einteilung nehmen, werde ich Ihnen weiße Striche darunter machen überall, wo wir es zu tun haben mit einem ausgesprochenen Blaselaut: W, F, S, Sch und etwa noch Ch. Das wären ausgesprochene Blaselaute. Ich werde Ihnen rote Striche darunter machen, wo wir es mit ausgesprochenen Stoßlauten zu tun haben: B,P,M,D,T, N, und das R ist ja ein Zitterlaut, dann wären noch etwa G und K. Der Zitterlaut ist dann das R; und mit einem ausgesprochenen Wellenlaut, der also in einem gewissen Sinne wegen des weichen Übergehens in die Bewegung innerlich sein muß, mit einem ausgesprochenen Wellenlaut haben wir es im Grunde genommen nur in demL zu tun (gelb).

[ 13 ] Now, if you consider the other aspect of this classification, I will draw white lines underneath wherever we are dealing with a pronounced fricative: W, F, S, Sch, and perhaps also Ch. These would be pronounced fricatives. I’ll draw red lines underneath the ones where we’re dealing with pronounced plosive sounds: B, P, M, D, T, N—and since R is a vibrating sound, we could also include G and K. The vibrating sound is R; and as for a distinct wavy sound—which, in a certain sense, must be internal due to its smooth transition into movement—we are essentially dealing with only the L (yellow).

[ 14 ] Diese drei Einteilungsprinzipien, die vokalisierende Tingierung, das Blasen, Stoßen, Zittern, Wellen und alles dasjenige, was dann wiederum zusammenhängt mit dieser äußeren Einteilung [in Zahn-, Lippen- und Gaumenlaute], das kommt in den Formen, die da sind für das Eurythmisieren, kommt in diesen Formen zum Ausdrucke. Nur müssen Sie natürlich sich klar sein darüber, wie stark diese Einteilungsprinzipien wiederum einander alterieren. Wenn wir es also zum Beispiel mit dem L zu tun haben, haben wir es mit einem ausgesprochenen Zahnlaut zu tun, der also alle Eigenschaften des Zahnlautes haben muß, und dann haben wir es mit einem Gleitlaut zu tun, mit einem Wellenlaut, der die Eigenschaften des Wellens haben muß. Er ist aber außerdem sehr stark in das Innere gebunden. Wir haben es also mit einem, wenigstens in unserer Sprache, mit einem Tingieren von innen heraus zu tun. Wir sagen nicht: Le, sondern wir sagen: eL, und haben auch da den Übergang von älteren Formen, wo man überhaupt, ich möchte sagen, sehnsüchtig entwickelte ein äußeres Eingreifen und es daher sehr stark zustande kam, wo man also geradezu ein Wort 2ein Wort: lambda, der elfte Buchstabe des griechischen Alphabets. brauchte, um so etwas auszudrücken, um dieses Hinübergehen in das Äußere so recht zum Ausdrucke zu bringen. Wir haben es also bei den einzelnen Buchstaben durchaus zu tun mit einem Abbilden desjenigen, was innerlich vorgeht.

[ 14 ] These three principles of classification—vocalizing tinging, blowing, thrusting, trembling, undulating, and everything else that is in turn connected with this external classification [into dental, labial, and palatal sounds]—find expression in the forms used in eurythmy. Of course, you must be clear about how strongly these principles of classification, in turn, influence one another. So when we deal with the letter L, for example, we are dealing with a distinct dental sound, which must therefore possess all the characteristics of a dental sound; and then we are dealing with a gliding sound, a wavy sound, which must possess the characteristics of a wavy sound. But it is also very strongly connected to the inner self. So we are dealing—at least in our language—with a coloring from within. We do not say “Le,” but rather “eL,” and here, too, we see a transition from older forms, where—I would say—an external intervention was developed with great longing and thus came about very strongly, where one actually needed a word 2a word: lambda, the eleventh letter of the Greek alphabet. to express something like this, to truly convey this transition to the external realm. So, with the individual letters, we are indeed dealing with a representation of what is happening internally.

[ 15 ] Nun sehen Sie, bevor wir jetzt die einzelnen Konsonanten durchnehmen, wollen wir uns noch das Folgende vor die Seele führen: Wir haben gestern bei dem A anführen können - und wir haben ja auch schon seine Metamorphose studiert -, wir haben anführen können, daß es zusammenhängt mit all denjenigen Kräften im Menschen, die ihn gierig machen, die ihn nach dem Animalischen hin organisieren. Das A liegt ja tatsächlich dem Animalischen im Menschen am nächsten, und man kann schon in einer gewissen Weise sagen, das A tönt aus dem Tierischen des Menschen, wenn es ausgesprochen wird, heraus. Und ganz gewiß ist das A, was ja auch durch die geistige Forschung bestätigt wird, ein Laut, welcher am allerfrühesten beim Menschen auftrat, sowohl in der phylogenetischen wie in der ontogenetischen Entwickelung. In der letzteren - Sie wissen ja, es gibt auch ein falsches Entwickeln -, in der ontogenetischen Entwickelung ist es natürlich etwas kaschiert; aber dasjenige, was zuerst aufgetreten ist in der menschheitlichen Entwickelung, das ist der noch ganz aus dem Tierischen herausklingende A-Laut. Und wenn wir bei Konsonanten nach dem A hintendieren, so appellieren wir auch noch an dasjenige, was in dem Menschen die tierischen Kräfte sind. Darauf ist ja der ganze Laut, wie Sie gestern haben sehen können, nun eigentlich geformt. Verwenden wir ihn nun therapeutisch, den Laut, so wie er gestern vor unsere Seele getreten ist, so bekämpfen wir also dasjenige, was namentlich Kinder, aber auch Erwachsene zu kleineren oder größeren Tierchen macht. Und wir können durch solche Übungen in der Enttierung des Menschen schon, ich möchte sagen, ganz Anständiges leisten.

[ 15 ] Now, before we go through the individual consonants, let’s keep the following in mind: Yesterday, in connection with the letter A—and we have, after all, already studied its metamorphosis—we were able to point out that it is connected to all those forces within the human being that make him greedy, that orient him toward the animalistic. The “A” is, in fact, closest to the animal nature within the human being, and one can even say, in a certain sense, that when the “A” is pronounced, it resounds from the animal nature of the human being. And most certainly, the “A”—as confirmed by spiritual research—is a sound that appeared earliest in human beings, both in phylogenetic and ontogenetic development. In the latter—as you know, there is also such a thing as distorted development—in ontogenetic development, it is naturally somewhat concealed; but what first appeared in human evolution is the “A” sound, which still resonates entirely from the animal nature. And when we move from the “A” sound toward the consonants, we are still appealing to what constitutes the animal forces within human beings. As you saw yesterday, the entire sound is actually shaped around this. If we now use this sound therapeutically, just as it appeared before our souls yesterday, we are thereby combating that which turns children in particular—but also adults—into little animals, to a greater or lesser extent. And through such exercises aimed at liberating humanity from its animal nature, we can already, I would say, achieve quite a respectable result.

[ 16 ] Und nun gehen wir über zum Beispiel jetztzum U-Laut. Dahaben wir ja gestern gesagt, eristderjenige Laut, den wirtherapeutisch verwenden, wenn der Mensch nicht stehen kann. Sie haben das gestern gesehen; es ist derjenige Laut, welcher in einer gewissen Beziehung dadurch schon in seiner Formung ausdrückt diese seine physiologisch-pathologische Beziehung, welcher schon in seiner Formung als Sprachlaut ausdrückt,1Laut Stenogramm wörtlich: ... welcher schon in seiner Formung ausdrückt das, auch erst als Sprachlaut in seiner Formung ausdrückt das, daß ... daß das U ja gesprochen wird beim höchsten Grad des Zusammenschlusses des Mundes, der Zahnspalten, etwas vorgestreckten Lippen, so aber, daß die Mundspalte verengert wird und diese Lippen vibrieren dann. Sie sehen daraus, daß es eine beim Sprechen wesentlich äußere Bewegung ist, die man sucht im U. Es ist am stärksten versucht, das Bewegliche im Aussprechen des U heraus zu charakterisieren. Daher tritt beim eurythmischen U physiologisch das Gegenteil ein, das Hervorrufen der Standfestigkeit, was ja dann auch beim U 3Laut Stenogramm: beim Kunst-U in der Eurythmie. in der Kunst-Eurythmie wenigstens angedeutet vorhanden ist.

[ 16 ] And now let’s move on to the “u” sound, for example. As we said yesterday, this is the sound we use therapeutically when a person cannot stand. You saw this yesterday; it is the sound that, in a certain sense, already expresses this physiological-pathological relationship in its very formation—a relationship that is already expressed in its formation as a speech sound,1Literal transcription: ... which, already in its formation, expresses—and indeed, only as a speech sound in its formation—that ... that the “U” is indeed pronounced at the highest degree of closure of the mouth and the dental gaps, with the lips slightly protruding, but in such a way that the oral cavity is narrowed and the lips then vibrate. You can see from this that what is sought in the “U” is essentially an external movement during speech. The greatest effort is made to characterize the mobility involved in pronouncing the “U.” Therefore, in the eurythmic “U,” the physiological opposite occurs: the evocation of stability, which is then also present—at least to some extent—in the “U” 3According to the stenogram: in the artistic “U” in eurythmy. in artistic eurythmy.

[ 17 ] Wenn Sie dann die andern Vokale ins Auge fassen, so werden Sie sehen, daß wir eine fortschreitende Verinnerlichung des Vokales haben. Wenn Sie also das OÖ ins Auge fassen, ein Zusammenschieben, möchte ich sagen, der Lippen nach vorne, ein Verkleinern der Mundöffnung, und wenigstens die Bemühung der Verkleinerung der Mundöffnung; dieses wird ins Gegenteil hinüber polarisiert durch das Umfassende, was in der O-Bewegung beim Eurythmisieren liegt. Gerade bei solchen Dingen sieht man den natürlichen Zusammenhang der Sache. In dem sprachlichen Handhaben des O liegen schon durchaus gewisse Kräfte. Und in Sprachen, in denen das O besonders stark vorhanden ist, in solchen Sprachen wird die meiste Anlage bei den Menschen vorhanden sein zum Dicklichwerden. Sie können das durchaus als eine Richtlinie betrachten für das Studium der sprachphysiologischen Vorgänge.4Unklar im Stenogramm. Von Helene Finckh übertragen als «Forderungen», dann gestrichen mit Fragezeichen. Andere Lesart wäre «Vortragsstudien». Wenn man eine Sprache ausbilden würde, die im wesentlichen nur aus Modifikationen des O bestehen würde, wo also die Menschen die eigentümliche Lippen- und Mundformierung, die sie beim O vornehmen, immerfort ausführen müßten, so würden das alles Dickbäuche werden. Wenn man nun auf der einen Seite hat dieses, ich möchte sagen Tendieren zum Dickbäuchigen beim O, so wird man leicht verstehen können, warum das O umgekehrt wiederum die Bekämpfung des Dickbäuchigen darstellt, wenn es eurythmisch ausgeführt wird und in der entsprechenden Weise metamorphosiert wird, wie wir das gestern getan haben.

[ 17 ] If you then consider the other vowels, you will see that we have a progressive internalization of the vowel. So when you consider the “O,” a pushing together—I would say—of the lips toward the front, a narrowing of the mouth opening, or at least an effort to narrow the mouth opening; this is counterbalanced by the encompassing quality inherent in the “O” movement during eurythmy. It is precisely in such things that one sees the natural connection of the matter. There are certainly certain forces at work in the linguistic use of the “O.” And in languages where the “O” is particularly prominent, people in those languages will have the greatest predisposition toward becoming stout. You can certainly regard this as a guideline for the study of linguistic-physiological processes.4Unclear in the stenographic transcript. Transcribed by Helene Finckh as “demands,” then crossed out with a question mark. Another possible reading would be “lecture studies.” If one were to develop a language consisting essentially only of modifications of the “O”—in which people would have to constantly perform the peculiar lip and mouth movements they make when pronouncing the “O”—then they would all become potbellied. If, on the one hand, we have this—I would say—tendency toward a potbelly when pronouncing the “O,” then it is easy to understand why the “O,” conversely, represents the counteraction of the potbelly when it is performed eurythmically and metamorphosed in the appropriate manner, as we did yesterday.

[ 18 ] Anders ist die Sache zum Beispiel beim E. Eine Sprache, welche besonders E-reich ist, die wird eben Dünnlinge erzeugen, schwächliche Menschen erzeugen. Und damit hängt wiederum zusammen dasjenige, was ich gestern über die Behandlung von Dünnlingen, also von schwächlichen Menschen gesagt habe in bezug auf die Behandlung des E. Sie werden sich erinnern, daß ich also gerade gesagt habe: bei Schwächlingen ist die E-Bewegung mit ihrer Modifikation ganz besonders anzuwenden.

[ 18 ] The situation is different, for example, with E. A language that is particularly rich in E will produce frail people, weak individuals. And this, in turn, is connected to what I said yesterday about the treatment of frail individuals—that is, of weak people—in relation to the treatment of E. You will recall that I specifically said: in the case of frail individuals, the E movement, with its modification, must be applied in a very special way.

[ 19 ] Nur bei allen diesen Dingen ist etwas zu berücksichtigen, nämlich das: Wenn man die Formen äußerlich betrachtet, dann kommt man nicht auf das Richtige, man muß sie in ihrem Werden innerlich erfassen. Man muß also weniger ins Auge fassen dasjenige, was sich äußerlich ausdrückt, sondern die Tendenz dazu. Die Tendenz zum Dickwerden, die ist es, die durch das O bekämpft wird, und die Tendenz, dünn zu bleiben, ist es, die durch das E bekämpft wird. Und darauf muß man schon deshalb aufmerksam machen, weil, wenn man die Eurythmie zu Heilzwecken anwendet, dann muß man mehr sehen auf die Kräfte, die vorhanden sind im oberen Menschen und die nach einer Weitung gehen, und die Kräfte, die im unteren Menschen vorhanden sind, die mehr nach dem Linienhaften hintendieren. So muß ich sagen, indem der Mensch das O ausspricht, weitet 5Stenogramm nicht eindeutig: «weitet» kann auch als «bildet» gelesen werden, ebenso «das Lebendige» als «das Folgende». er eigentlich das Lebendige.

[ 19 ] There is, however, one thing to keep in mind regarding all these matters, namely this: If one looks at the forms from the outside, one will not arrive at the truth; one must grasp them internally in their process of becoming. One must therefore focus less on what is expressed outwardly and more on the tendency toward it. The tendency to become thick is what is counteracted by the “O,” and the tendency to remain thin is what is counteracted by the “E.” And one must draw attention to this precisely because, when eurythmy is used for healing purposes, one must focus more on the forces present in the upper human being that tend toward expansion, and on the forces present in the lower human being that tend more toward the linear. So I must say that when a person pronounces the “O,” they actually expand 5Stenogram is ambiguous: “expands” can also be read as “forms,” just as “the living” can be read as “the following.” the living.

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[ 20 ] Sehen Sie, der Kopf des Menschen, der ist ja, wenn ich es grob zeichne, in einer gewissen Weise eine Kugel, und er ist auch geisteswissenschaftlich die richtige Nachbildung der Erdkugel. Er ist ein Abbild aller derjenigen Kräfte, die in der Erdkugel zentralisiert sind, und eigentlich aufgebaut wird er in seinem Werden durch dasjenige, was in den Mondenkräften liegt. Aber das baut ihn eben so auf, daß er eine Art Erdkugel wird. Das hängt ja mit der Kosmologie, mit der Kosmogonie eigentlich zusammen. Wie aus der Mondenphase die Erdphase hervorgegangen ist, so geht aus den mondbildenden Kräften, die so sehr stark an dem Aufbauen des menschlichen Kopfes betätigt sind, dann der Kopf des Menschen hervor, der ja eben von sich aus einfach eine Kugel zu werden trachtet, in seiner kugeligen Form nur modifiziert ist dadurch, daß Brust und der andere Leib daran hängen, die die Kugelform modifizieren. Wenn er sich selbst überlassen wäre, der Kopf, würde er eine richtige Kugel werden. Aber daß das nicht ist, das rührt davon her, daß die andern beiden Glieder der menschlichen Natur mit dem Kopf zu tun haben und seine Gestalt beeinflussen.

[ 20 ] You see, the human head—if I were to sketch it roughly—is, in a certain sense, a sphere, and from a perspective of Spiritual Science, it is also the true replica of the globe. It is a reflection of all the forces that are centralized in the globe, and in its development it is actually shaped by what lies in the lunar forces. But this shapes it in such a way that it becomes a kind of globe. This is, in fact, connected to cosmology and cosmogony. Just as the Earth phase emerged from the lunar phase, so too does the human head emerge from the moon-forming forces, which are so strongly active in the formation of the human head; the human head, which of course naturally strives to become a sphere, is modified in its spherical form only by the fact that the chest and the rest of the body are attached to it, thereby altering the spherical shape. If left to itself, the head would become a perfect sphere. But the fact that this is not the case stems from the fact that the other two members of human nature are connected to the head and influence its form.

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[ 21 ] Wenn man nun O ausspricht, da versucht man dasjenige, was sich in der Kugelform des Kopfes zum Ausdrucke bringt, im ganzen Ätherkopfe zum Ausdruck zu bringen. Und da hat man das Bestreben, sich einen zweiten Kopf zu formen. Derjenige, der O ausspricht, der hat das Bestreben, richtig sich einen zweiten Kopf zu formen [äußere Kreislinie] (lila), und man kann schon sagen, im O-Aussprechen, da bläht sich der Mensch seinem Kopfe nach auf, er bläht sich auf, er bläst sich aus, und er erweckt gerade dadurch die Kräfte, die ihn an dem andern Pol zum Dicklichwerden veranlassen. Die Dinge sind schon auch bildlich anzuschauen. Er wird zum Dicklichwerden veranlaßt, indem er sich seinen Kopf selber aufbläst. Wenn man nun dieser Tendenz, wenn ich so sagen möchte: ätherisch zum Dickkopf zu werden - also das ist jetzt nicht ein dicker Kopf, sondern ätherisch ein Dickkopf zu werden, das heißt, ein großer Kopf zu werden -, wenn man dem entgegenarbeiten will, so muß man versuchen, ihn zu runden, auf der andern Seite wieder hereinnehmen. Und das ist der Protest des Dickkopfes. Es ist daher ein O polar ausgebildet. Die einzelnen Laute haben nämlich alle eine Empfindungsnuance, die wiederum im Organismus tief begründet ist, denn sie liegt ja im Unbewufßten, und daher das Bedeutsame des innerlichen Wesens der Laute. Sehen Sie, der Frosch, der sich gerne zum Ochsen aufblasen möchte, der ist wirklich für denjenigen, der die Sache sich so recht übersinnlich beschaut, der ist derjenige, von dem fortwährend müßte ausgehen, wenn er sich verwirklichen könnte, ein kanonenhaftes O-Tönen. Das ist das Eigentümliche, daß man eben muß auf solche Dinge, ich möchte sagen zum Verdeutlichen eingehen, wenn man diese Dinge innerlich verstehen will.

[ 21 ] When one pronounces “O,” one attempts to express throughout the entire etheric head that which finds expression in the spherical form of the head. And there one has the aspiration to form a second head. The person who pronounces “O” has the aspiration to actually form a second head [outer circle] (purple), and one can indeed say that in pronouncing “O,” the person swells up in the manner of a head; they swell up, they inflate themselves, and through this very act they awaken the forces that cause them to become plump at the other pole. These things should also be viewed figuratively. He is led to become thick-headed by inflating his own head. If one now wishes to counteract this tendency—if I may put it this way—to become, so to speak, an “ethereal thickhead”—that is, not a physically thick head, but to become an “ethereal thickhead,” meaning to become a “big head”—if one wishes to counteract this, one must try to round it out, to draw it back in on the other side. And that is the protest of the thickhead. It is therefore formed in an O-polar way. For the individual sounds all have a nuance of feeling that is, in turn, deeply rooted in the organism, since it lies in the unconscious, and hence the significance of the inner essence of the sounds. You see, the frog that would like to puff itself up into an ox—for those who view the matter in a truly supersensible way—is the one from whom, if it could realize itself, a cannon-like O-sound would constantly emanate. That is the peculiar thing: one simply must address such matters—I would say, to make them clear—if one wishes to understand these things inwardly.

[ 22 ] Beim E, da ist es deutlich umgekehrt. Sehen Sie, beim E, da ist eigentlich das vorhanden, daß der Mensch sich innerlich fassen will, sich innerlich zusammenziehen will. Daher ja auch in der Eurythmie das Berühren seiner selbst, dieses Gewahrwerden seiner selbst: Sie nehmen sich einfach wahr, wenn Sie den rechten Arm über den linken legen. Geradeso, wie wenn Sie einen Gegenstand draußen empfinden, wenn Sie ihn angreifen, so nehmen Sie sich selbst wahr. Noch deutlicher wäre das also ausgedrückt, wenn Sie einfach mit der linken Hand den rechten Arm umfassen würden - in der Kunst müssen die Dinge alle angedeutet sein -, aber wenn Sie hier das einfach fassen würden, so betasten Ste sich selber. Das Sichselber-Betasten, das ist in dem eurythmischen E besonders zum Ausdruck gekommen. Und dieses Sich-Betasten, dieses Sich-selber-Betasten, das ist ja durch den ganzen menschlichen Organismus durchgeführt. Und Sie können es studieren, dieses Sich-selber-Betasten, wenn Sie einfach das Verhältnis studieren, indem am Rücken des Menschen sich äußern diejenigen Nervenverläufe, die in der gewöhnlichen Physiologie irrtümlich die motorischen, und diejenigen, die die sensitiven genannt werden. Da, wo dieses Motorische, das aber im Grunde genommen auch ein Sensitives ist, da, wo dieses Motorische mit dem Sensitiven zusammenkommt, entsteht eine solche Art des Umfassens. Es ist so, daß tatsächlich die Nervenstränge fortwährend am menschlichen Rücken ein E bilden, und daß in diesem E-Bilden wirklich auch das Zustandekommen des Sich-innerlich-Fühlens des Menschen liegt, was dann nur im Gehirn differenziert zur Tatsache wird. Dieses E-Bilden, das also eigentlich in der Ebene verläuft, wir haben es gestern versucht nachzubilden. Und Sie werden sehen, daß das, was wir gestern versucht haben nachzubilden, direkt in der äußeren Bewegung und in der Bewegungslage andeutet, wie das innerliche E-Machen des Menschen sich eigentlich summiert zu der Vertikalen. Wie sich der Kopf aufplustert, wie der Kopf ein Blaseengel werden will, so summiert sich dieses E-Werden, dieses Sich-im-Punkte-Zusammenfassen, das summiert sich in der Vertikalen, in der Höhenlinie.

[ 22 ] With E, it’s clearly the opposite. You see, with E, what’s actually at work is the human being’s desire to gather themselves inwardly, to draw themselves together inwardly. That’s why, in eurythmy, there’s this touching of oneself, this becoming aware of oneself: you simply perceive yourself when you place your right arm over your left. Just as when you perceive an object in the outside world—when you touch it—so you perceive yourself. This would be expressed even more clearly if you were to simply wrap your left hand around your right arm—in art, everything must be implied—but if you were to simply grasp it here, you would be touching yourself. This “touching oneself”—that is, the act of feeling oneself—is particularly expressed in the eurythmic letter E. And this “touching oneself,” this act of feeling oneself, is, after all, carried out throughout the entire human organism. And you can study this self-touching by simply examining the relationship where, on the human back, the nerve pathways manifest—those that are erroneously called “motor” in conventional physiology, and those called “sensory.” Where these motor pathways—which are, in essence, also sensory—meet the sensory pathways, a kind of embracing arises. The fact is that the nerve tracts actually form a continuous “E” along the human back, and that this formation of the “E” truly also constitutes the emergence of a person’s inner self-perception, which then becomes a reality only in the brain through differentiation. This formation of the “E,” which thus actually occurs on this plane—we attempted to recreate it yesterday. And you will see that what we tried to reenact yesterday directly suggests, in the external movement and in the posture, how the human being’s inner formation of the “E” actually culminates in the vertical. Just as the head puffs itself up, just as the head seeks to become a bubble-like angel, so this “E-becoming”—this gathering of the self into a point—summarizes itself in the vertical, in the line of height.

[ 23 ] Es ist aber [ein] fortwährendes, aufeinanderfolgendes Sich-Zusammenfassen übereinanderstehender E’s; und das drückt ja wirklich aus, was nun deutlich hervorgeht, wenn man beobachtet Schwächlinge. Sie haben die Tendenz, ihren Ätherleib fortwährend zu strecken. Sie wollen ihn strekken, sie ziehen ihn nicht in einem Punkt zusammen, was der eigentliche Gegensatz wäre zu der Tätigkeit des Hauptes. Das ist nicht der Fall, sondern sie versuchen ihn zu strecken, eben dadurch ausführend die Wiederholung des Punktes. Und dieses Strecken, das sich zum Ausdrucke bringt eben gerade bei schwächlich werdenden Menschen, also nicht das Strecken im physischen, sondern das Strecken im Ätherleib, dieses Strecken ist es, dem entgegengearbeitet wird mit der Ausformung desjenigen E, von dem wir gestern gesprochen haben.

[ 23 ] But it is [a] continuous, successive contraction of superimposed E’s; and that truly expresses what becomes clearly evident when one observes weak individuals. They have a tendency to continually stretch their etheric body. They want to stretch it; they do not contract it into a single point, which would be the actual opposite of the activity of the head. That is not the case; rather, they try to stretch it, thereby carrying out the repetition of the point. And this stretching, which manifests itself precisely in people who are becoming weak—that is, not physical stretching, but stretching in the etheric body—it is this stretching that is counteracted by the formation of the E we spoke of yesterday.

[ 24 ] So, denke ich, können Sie schon sehen, wie zwischen dem, was eurythmisch vorliegt, und den menschlichen Bildungstendenzen ein innerer Zusammenhang ist, wie wirklich aus dem Menschen herausgeholt ist dasjenige, was in ihm als Bildungstendenzen vorhanden ist. Und es ist ja so, daß diese Bildungstendenzen, die sich zunächst äußern im Wachstum, in der Formung des Menschen, in der Ausgestaltung also, daß diese Tendenzen sich spezialisieren und lokalisieren wiederum in der Ausbildung des Sprachorganismus, dieses speziellen Organismus. Da sind sie gewissermaßen zusammengehäuft, die Bildungstendenzen, die sonst über den ganzen Menschen verbreitet sind. In der Ausbildung der Eurythmie gehen wir jetzt wiederum zurück. Wir gehen von den lokalisierten Tendenzen zu dem ganzen Menschen über und setzen so entgegen dem Spezialisierten der menschlichen Organisation im Sprachorganismus eine andere Spezialisierung, die Spezialisierung im Willensorganismus. Denn der ganze Mensch, insofern der ganze Mensch Stoffwechselorganismus ist und auch Gliedmaßenorganismus ist -, man bewegt ja auch am Kopfe so manches, also der Kopf ist auch in einem gewissen Sinne Gliedmaßenorganismus, und es kann ja sogar das anschaulich werden bei den Menschen, die dann etwas mehr können in dieser Beziehung; nicht wahr, Menschen, die die Ohren bewegen können und so weiter, die zeigen ja ganz deutlich, daß das Bewegungsprinzip, das Gliedmaßen-Bewegungsprinzip in die Hauptesorganisation hineingehen kann — der ganze Mensch ist in dieser Beziehung Ausdruck des Willensmäßigen. Das Willensmäßige, das drücken wir wiederum aus, wenn wir zur Eurythmie übergehen. Nun möchte ich zum Schlusse etwas erwähnen, bevor wir morgen dann weitergehen in der speziellen Ausarbeitung und Ausgestaltung der Laute, im weiteren zu den Kombinationen der Laute, ich möchte noch etwas Geschichtliches erwähnen.

[ 24 ] So, I think you can already see how there is an inner connection between what is present in eurythmy and human developmental tendencies, and how what is present within a person as developmental tendencies is truly drawn out of them. And it is indeed the case that these formative tendencies—which initially manifest in growth, in the shaping of the human being, in its physical development—specialize and localize themselves, in turn, in the development of the speech organism, this specific organism. There, in a sense, the formative tendencies—which are otherwise spread throughout the entire human being—are concentrated. In the training of eurythmy, we now move back again. We transition from the localized tendencies to the whole human being and thus, in contrast to the specialization of the human organization in the speech organism, introduce another specialization: the specialization in the will organism. For the whole human being—insofar as the whole human being is a metabolic organism and also a limb organism—one does, after all, move various parts of the head as well; thus, the head is also, in a certain sense, a limb organism. And this can even become evident in people who are somewhat more capable in this regard; isn’t that right? People who can move their ears and so on clearly demonstrate that the principle of movement—the principle of limb movement—can penetrate into the organization of the head—the whole human being, in this respect, is an expression of the volitional. We express this volitional aspect again when we move on to eurythmy. Now, before we continue tomorrow with the specific elaboration and development of the sounds, and subsequently with the combinations of sounds, I would like to mention one final historical point.

[ 25 ] Sehen Sie, Willensbewegung des Menschen und Intellektbewegung des Menschen, das sind zwei Kräfteentwickelungen des Menschen, die mit verschiedener Geschwindigkeit vor sich gehen. Der Intellekt des Menschen entwickelt sich in unserem Zeitraum schnell, der Wille langsam. So daß wir jetzt schon als Angehörige der ganzen Menschheitsentwickelung mit unserem Intellekt den Willen überholt haben. Das ist die allgemeine Zivilisauionserscheinung, daß wir mit unserer Intellektentwickelung die Willensentwickelung überholt haben. Die Menschen sind heute sehr stark intellektuell, was eben nicht beweist, daß sie mit ihrem Intellekt auch viel anzufangen wissen. Sie sind eben sehr stark intellektuell, aber sie wissen nicht viel damit anzufangen; daher wissen sie intellektuell so wenig. Aber dasjenige, was sie intellektuell wissen, das fassen sie so auf, als ob sie in ihm mit einer gewissen Sicherheit wirken. Der Wille entwickelt sich langsam. Und Eurythmisieren ist zunächst auch, abgesehen von allem übrigen, ein Versuch, den Willen wiederum hereinzubringen in die ganze Menschheitsentwickelung. Und tritt dann die Eurythmie therapeutisch auf, so müssen wir doch auf das Folgende eben hinweisen. Wir müssen sagen: Die Überentwickelung des Intellekts, sie drückt sich auch aus besonders in den organischen Begleiterscheinungen der Sprachentwickelung. Unsere Sprachentwickelung, die ist eigentlich heute schon in unserer modernen Zivilisation etwas, was durch seine Übermenschlichkeit unmenschlich wird, indem wir heute Sprachen lernen so, daß wir so wenig noch ein Gefühl haben davon, ein lebendiges Gefühl haben davon, was in den Worten drinnen liegt. Es sind ja die Worte eigentlich nur Zeichen. Was haben die Menschen noch für ein Gefühl, was in dem Worte drinnen liegt? Ich möchte wissen, wie viele Menschen gehen durch die Welt und werden aufmerksam darauf, daß zum Beispiel speziell beim Erlernen der deutschen Sprache die Form der Rundung, des Rundens, was ich ja gerade aufgezeichnet habe, ist in dem Worte «Kopf», was mit Kohl zusammenhängt, daher man auch Kohlkopf sagt, was eigentlich nur eine Retuschierung ist; man metamorphosiert im Zusammenhange dieses Runden. Das ist da ausgedrückt. In romanischen Sprachen - testa, testieren -, da drückt sich das aus mehr von innen heraus, das seelische Wirken durch den Kopf. Dieser Unterschied dessen, was in der Sprache drinnenliegt, die Leute haben kein Gefühl mehr davon, die Sprache ist abstrakt geworden. Wenn Sie gehen, gehen Sie mit den Füßen. Warum sagen wir «Füße»? Ja, sehen Sie, das ist eine Metamorphose des Wortes «Furche», und ist entstanden dadurch, daß man angeschaut hat, daß man also eine Furche andeutet, indem man geht. Es ist durchaus verloren worden das Bildhafte, das in der Sprache liegt; und wenn man will dieses Bildhafte wieder hineinbringen in die Sprache, dann muß man eben zur Eurythmie greifen.

[ 25 ] You see, the development of human will and the development of human intellect are two aspects of human evolution that proceed at different speeds. In our time, the human intellect is developing rapidly, while the will is developing slowly. As a result, as participants in the overall development of humanity, we have already surpassed the will with our intellect. This is a general phenomenon of civilization: that with the development of our intellect, we have surpassed the development of the will. People today are very intellectually developed, which does not, however, prove that they know how to make good use of their intellect. They are indeed very intellectually developed, but they do not know how to make good use of it; that is why they know so little intellectually. Yet what they do know intellectually, they regard as if they were acting upon it with a certain degree of certainty. The will develops slowly. And eurythmy is, first and foremost—aside from everything else—an attempt to reintroduce the will into the entire development of humanity. And when eurythmy is applied therapeutically, we must point out the following. We must say: The overdevelopment of the intellect is also expressed particularly in the organic side effects of speech development. Our development of language is, in fact, already something in our modern civilization that becomes inhuman through its superhuman nature, in that we learn languages today in such a way that we have so little—or rather, no longer have—a feeling for, a living sense of, what lies within the words. Words are, after all, really just symbols. What sense do people still have of what lies within a word? I would like to know how many people go through the world and notice that, for example, specifically when learning the German language, the form of rounding—which I have just described—is present in the word “Kopf” (head), which is related to “Kohl” (cabbage), hence the term “Kohlkopf” (cabbage head), which is actually just a retouching; one undergoes a metamorphosis in connection with this rounding. That is expressed there. In Romance languages—“testa,” “testieren”—this is expressed more from within: the soul’s activity through the head. People no longer have a sense of this difference in what lies within the language; language has become abstract. When you walk, you walk on your feet. Why do we say “feet”? Well, you see, this is a metamorphosis of the word “furrow,” and it arose from the observation that walking implies the making of a furrow. The imagery inherent in language has been completely lost; and if one wishes to reintroduce this imagery into language, then one must turn to eurythmy.

[ 26 ] Nun ist jedes Wort eigentlich - ich spreche jetzt eine Tatsache, die sich im feineren menschlichen Organismus zum Ausdrucke bringt, die spreche ich mit groben Worten aus, aber wir haben ja nur grobe Worte -, jedes Wort, das ohne Bildlichkeit erlebt wird, ist eigentlich eine innerliche Krankheitsursache. Und man kann sagen: Die Zivilisationsmenschheit von heute leidet chronisch an demjenigen, was das abstrakte Sprechenlernen, das nicht mehr bildliche Empfinden der Worte in ihr bewirkt. — Das geht sehr weit, das geht vor allen Dingen so weit, daß diese organische Begleiterscheinung sich ausdrückt in einer sehr starken Neigung zum Unrhythmischwerden des rhythmischen Systems und zu einem Verweigern der Kräfte des Stoffwechsels von seiten des Menschen, der seine Sprache abstrakt gemacht hat. Und es ist so, daß man tatsächlich beikommen kann dem, was ruiniert wird an dem Menschen heute durch die Sprache, durch die Sprache, die ja im zarten Kindesalter erworben wird, die, wenn sie unbildlich erworben wird, wirklich Zustände hervorruft, die später sich auswachsen, auswachsen in allen möglichen Krankheitsformen, die eben aber auch wieder bekämpft werden können durch dasjenige, was therapeutische Eurythmie ist. So daß man also ganz organisch die Heileurythmie einfügen kann in die Heilbehandlung überhaupt.

[ 26 ] Now, every word is actually—I am now stating a fact that finds expression in the more subtle human organism; I am expressing it in crude terms, but we have only crude words at our disposal—every word that is experienced without imagery is actually an internal cause of illness. And one can say: Today’s civilized humanity suffers chronically from what the learning of abstract speech—the loss of a pictorial sense of words—brings about within it. — This goes very far; above all, it goes so far that this accompanying organic symptom manifests itself in a very strong tendency toward the loss of rhythm in the rhythmic system and a refusal of the forces of metabolism on the part of the person who has made their language abstract. And the fact is that one can indeed counteract what is being ruined in people today by language—by language, which is, after all, acquired in early childhood and which, when acquired in a non-imaginative way, truly gives rise to conditions that later manifest themselves in all manner of disease forms, conditions that can, however, be combated through therapeutic eurythmy. Thus, therapeutic eurythmy can be integrated quite organically into the therapeutic treatment as a whole.

[ 27 ] Es ist durchaus so, daß, wer versteht, daß Geistig-sich-Entwickeln eigentlich immer etwas ist von Krankwerden — wir müssen schon einmal das mitnehmen, das Krankwerden in der geistigen Entwickelung -, der muß auch darauf bedacht sein, daß nun nicht bloß mit äußeren physischen Studien gekämpft wird gegen dieses Krankwerden durch die Zivilisation, sondern auch mit äußeren Mitteln. Wir legen in die Bewegungen des Eurythmisierens eben Seele und Geist hinein und können dadurch bekämpfen dasjenige, was auf der andern Seite Seele und Geist von sich aus tun, aber eben im zarten Kindesalter oftmals so tun, daß die Wirkung ihres Tuns, wenn es sich auswächst im späteren Alter, eben als Krankheitsursache empfunden wird. Das ist das, was ich heute sagen wollte.

[ 27 ] It is certainly true that anyone who understands that spiritual development is, in fact, always accompanied by a certain degree of “illness”—we must accept this fact: that illness is part of spiritual development—must also be mindful that this “illness” caused by civilization is not combated solely through external, physical studies, but also through external means. We infuse the movements of eurythmy with soul and spirit, and in this way we can counteract what, on the other hand, the soul and spirit do of their own accord—but often, in tender childhood, in such a way that the effect of their actions, when it persists into later life, is perceived as a cause of illness. That is what I wanted to say today.