Remedial Education Course
GA 317
7 July 1924, Dornach
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Remedial Education Course, tr. SOL
Zwölfter Vortrag
Twelfth Lecture
[ 1 ] Nun, wir werden damit beginnen, daß Sie noch Ihre verschiedenen Wünsche aussprechen, und dann werde ich den Kursus abzuschließen haben. Also ich bitte, mir jetzt noch zu sagen, was noch flammt in Ihren Herzen, um noch weiterzukommen.
[ 1 ] Well, we’ll begin by having you express your various wishes, and then I’ll have to wrap up the course. So please tell me now what still burns in your hearts so that we can move forward.
Albrecht Strohschein: Ich möchte sagen, daß wir keine weiteren Fragen mehr haben.
Albrecht Strohschein: I'd like to say that we have no further questions.
[ 2 ] Nun hat es sich ja gehandelt in diesen Besprechungen um die Vertiefung unserer Waldorfschul-Pädagogik bis zu denjenigen Erziehungsmethoden, welche an das sogenannte abnorme Kind heranführen. Und Sie haben ja aus den Auseinandersetzungen gesehen, daß das abnorme Kind eigentlich in eine andere Beurteilungsweise sofort eintreten muß, wenn es entsprechend behandelt werden soll, als das sogenannte normale Kind, daß es aber auch anders beurteilt werden muß vom Erziehenden und Unterrichtenden, als es in Laienkreisen heute beurteilt wird, wo man zumeist dabei stehenbleibt, auf die Abnormität hinzuweisen und nicht weiter zurückgeht auf dasjenige, was eigentlich zugrunde liegt. Man ist durchaus heute noch nicht so weit wie Goethe in einer gewissen elementarischen Art gewesen ist in seiner Betrachtung des Pflanzenwachstums, des Pflanzenwesens. Goethe sah mit einer besonderen Freude hin auf dasjenige, was bei Pflanzen an Mißbildungen entsteht. Und es gehören zu den interessantesten Artikeln, die man bei Goethe finden kann, diejenigen, die von diesen Mißbildungen handeln, wo irgendein Organ an der Pflanze, das man gewohnt ist, sonst in einer bestimmten, sogenannten normalen Form zu finden, entweder mit der Größe über die Norm hinauswächst, oder wie es sich abnorm gliedert, wie es zuweilen sogar Organe heraustreibt, die normalerweise an einer andern Stelle stehen und so weiter. Gerade darin, daß sich die Pflanze in solchen Mißbildungen äußern kann, sieht Goethe die besten Anhaltspunkte, um auf die eigentliche Idee der Urpflanze zu kommen. Denn er weiß, daß sich dasjenige, was hinter der Pflanze als Idee steckt, gerade in solchen Mißbildungen besonders zeigt; so daß, wenn wir in einer Reihe von Beobachtungen an Pflanzen sehen würden, wie die Wurzel in Mißbildung verfallen kann, wie das Blatt, der Stengel, die Blüte, wie auch die Früchte mißgebilder sein können - natürlich muß man das an einer Reihe von Pflanzen sehen -, so würden wir aus dem Zusammenschauen der Mißbildungen die Urpflanze gerade herausschauen können.
[ 2 ] These discussions have focused on deepening our Waldorf school pedagogy to include those educational methods that address the so-called “abnormal” child. And as you have seen from our discussions, the so-called “abnormal” child must in fact be assessed in a different way from the so-called “normal” child if it is to be treated appropriately; moreover, it must be assessed differently by educators and teachers than it is today in lay circles, where people usually stop short at pointing out the abnormality without delving further into what actually underlies it. We are certainly not yet as far along today as Goethe was, in a certain elementary way, in his observation of plant growth and the nature of plants. Goethe looked with particular delight upon the deformities that arise in plants. And among the most interesting writings one can find in Goethe’s works are those dealing with these deformities, where some organ of the plant—which one is accustomed to finding in a specific, so-called normal form—either grows larger than the norm, or is abnormally structured, or even sometimes sprouts organs that normally are located elsewhere, and so on. It is precisely in the fact that the plant can manifest itself in such deformities that Goethe sees the best clues for arriving at the true idea of the primordial plant. For he knows that what lies behind the plant as an idea reveals itself particularly clearly in such deformities; so that if, in a series of observations of plants, we were to see how the root can become deformed, how the leaf, the stem, the flower, and even the fruits can be malformed—of course, one must observe this in a series of plants—then, by viewing these deformities in their entirety, we would be able to discern the primordial plant.
[ 3 ] Und so ist es im Grunde genommen bei allem Lebenden, auch bei dem im Geiste Lebenden. Wir kommen immer mehr darauf, daß dasjenige, was auch hinter dem Menschengeschlecht lebt und sich in Abnormitäten äußert, daß das die eigentliche Geistigkeit im Menschengeschlecht nach außen offenbart. Und wenn wir die Dinge so ansehen, dann kommen wir auch darauf, wie in älteren Zeiten gedacht und angeschaut worden ist, als man in dem Erziehen etwas sah, was dem Heilen ungeheuer nahesteht. Man sah in dem Heilen ein Annähern von ahrimanisch und luziferisch Gebildetem an dasjenige, was die Mittellinie zwischen dem Luziferischen und Ahrimanischen in dem Sinne des Fortganges des guten Geistigen hält. Gleichgewicht zwischen dem Ahrimanischen und Luziferischen sah man in dem Heilen. Und als man in einem viel höheren Sinne sah, daß der Mensch erst während seines Lebens gebracht werden muß in das Gleichgewicht durch die Erziehung, sah man auch in einem gewissen Sinne durchaus in dem Kinde noch etwas Abnormes, was in einer gewissen Beziehung eigentlich krank ist und was geheilt werden muß, so daß die Urworte für Heilen und Erziehen genau dieselbe Bedeutung haben. Die Erziehung heilt den sogenannten normalen Menschen, und das Heilen ist nur ein Spezialisieren für den sogenannten abnormen Menschen.
[ 3 ] And this is essentially true of all living things, including those who live in the spirit. We are increasingly coming to realize that what lives behind the human race and manifests itself in abnormalities is, in fact, the true spirituality of the human race revealed outwardly. And when we view things in this way, we also come to understand how people thought and viewed the world in earlier times, when they saw in education something that was incredibly close to healing. Healing was seen as a bringing together of what is formed by Ahriman and Lucifer with that which maintains the middle path between the Luciferic and the Ahrimanic, in the sense of the progression of the good spiritual. A balance between the Ahrimanic and the Luciferic was seen in healing. And when people came to see, in a much higher sense, that human beings must first be brought into balance through education during their lifetime, they also saw, in a certain sense, something still abnormal in the child—something that is, in a certain respect, actually sick and in need of healing—so that the original terms for “healing” and “education” have exactly the same meaning. Education heals the so-called normal human being, and healing is merely a specialized form of education for the so-called abnormal human being.
[ 4 ] Nun ist es ja ganz natürlich, daß, wenn man eine solche Grundlage als richtig ansieht, man dann auch weiter nach dieser Richtung gehen muß und Weiteres fragen muß. Eigentlich haben wir es bei jeder Krankheit, die aus dem Innern auftaucht, mit etwas Geistigem zu tun, aber schließlich auch bei jeder Krankheit, die auf einen äußeren Insult hin im Inneren auftaucht. Denn selbst bei einem Beinbruch ist dasjenige, was auftritt, eine Reaktion des Inneren auf das Äußere und die Chirurgie täte ganz gut, sich von einer solchen Anschauung befruchten zu lassen. Wenn man aber auf diese Dinge sieht, dann kommt man noch in einem viel höheren Grade zu der Frage: Wie hat man eigentlich das Kind zu behandeln in der ganzen Verhaltungsweise des Physischen und des Geistig-Seelischen? Beide sind gerade beim Kinde ganz innig miteinander verbunden, und man darf nicht glauben, wenn man dem Kinde irgendein stoffliches Arzneimittel beibringt, daß das beim Kinde -— wie man heute annimmt - nur physisch wirkt. Ein Stoff wirkt beim Kinde sogar wesentlich geistiger, als er beim späteren Erwachsenen wirkt. Und die Wirkung der Muttermilch besteht darin, daß in der Muttermilch durchaus dasjenige lebt, was in älteren Betrachtungsweisen genannt worden ist die gute Mumie im Gegensatz zur schlechten Mumie, die in andern Abscheidungsprodukten lebt. Die ganze Mutter lebt in der Muttermilch. Da haben wir durchaus etwas alsKraft lebend, was eigentlich seine Region nur geändert hat innerhalb der menschlichen Organisation. Bis zur Geburt des Kindes ist das im wesentlichen tätig in derjenigen Region, die hauptsächlich gehört zum StoffwechselGliedmaßensystem, nach der Geburt ist es hauptsächlich tätig in der Region des rhythmischen Systems. Es wandern also diese Kräfte in der Organisation um eine Etage höher. Indem sie um eine Etage höher wandern, verlieren sie ihren Ich-Inhalt, der im wesentlichen tätig war während der Embryonalzeit, behalten aber noch ihren astralischen Inhalt. Wenn dieselben Kräfte, die in der Muttermilch wirken, noch eine Etage höher steigen, bis zum Kopf, verlieren sie auch ihren astralischen Inhalt und würden nur in sich wirken haben physische und ätherische Organisation. Darauf beruht aber die schädliche Einwirkung auf die Mutter, wenn diese Kräfte in die höhere Etage steigen. Da sehen wir alle die abnormen Erscheinungen, die bei der Mutter auftreten.
[ 4 ] Now, it is only natural that, if one regards such a foundation as correct, one must then continue in this direction and ask further questions. In fact, with every illness that arises from within, we are dealing with something spiritual, but ultimately this is also true of every illness that arises internally in response to an external insult. For even in the case of a broken leg, what occurs is a reaction of the inner to the outer, and surgery would do well to draw inspiration from such a perspective. But when one considers these things, one is led to an even more profound question: How, in fact, should one treat the child in terms of the overall interplay of the physical and the spiritual-psychic? Both are intimately connected, especially in the child, and one must not believe that when a child is given any material medicine, it acts on the child—as is commonly assumed today—only physically. A substance acts on the child in a far more spiritual way than it does on an adult. And the effect of breast milk lies in the fact that what lives within it is precisely what, in older conceptions, was called the “good mummy” in contrast to the “bad mummy,” which lives in other excretory products. The entire mother lives in the breast milk. There we have a force that is truly alive, one that has merely changed its region within the human organism. Until the child’s birth, this force is essentially active in the region that primarily belongs to the metabolic-limb system; after birth, it is mainly active in the region of the rhythmic system. These forces thus migrate one level higher within the organism. As they migrate one level higher, they lose their “I” content—which was essentially active during the embryonic period—but still retain their astral content. If the same forces that act in breast milk rise yet one level higher, to the head, they also lose their astral content and would act solely within the physical and etheric organization. This, however, is the basis for the harmful effect on the mother when these forces rise to the higher level. This is where we see all the abnormal phenomena that occur in the mother.
[ 5 ] So haben wir bei der Muttermilch noch astral formende Kräfte, die durchaus geistig wirken, und wir müssen nur bedenken, welche Verantwortung sich auf uns legt, wenn wir nun das Kind übergehen lassen zur eigenen Ernährung, wo heute gar nicht mehr ein Bewußtsein vorhanden ist davon, wie in der äußeren Welt eigentlich überall das Geistige wirkt: wie aufsteigend von der Wurzel bis zur Blüte und Frucht die Pflanze immer geistiger und geistiger wird und wirkt. Wenn wir an der Pflanzenwurzel beginnen, so haben wir an ihr dasjenige, was zunächst am Ungeistigsten als Wurzel wirkt, Die Wurzel steht in einer verhältnismäßig stark physischen und ätherischen Relation zu der ganzen Umgebung, aber es beginnt in der Blüte der Pflanze ein Leben, das wie in Sehnsucht sich hinstreckt zu dem Astralischen. Es vergeistigt sich die Pflanze, indem sie nach oben wächst. Und so werden wir uns weiter fragen müssen: Wie verhält sich denn diese Wurzel der Pflanze im Weltzusammenhange? - Ihr Weltzusammenhang ist ihr Eingewachsensein in den Erdboden. Ja, meine lieben Freunde, diese Wurzel ist in den Erdboden so eingewachsen, wie wir mit unserem Kopf in die freie Luft und in das Licht eingewachsen sind, so daß wir sagen können: hier unten haben wir bei der Pflanze das Wahrnehmen, das Kopfmäßige, hier oben haben wir bei der Pflanze das Verdauliche, das Ernährende (siehe Tafel 15). Hier oben haben wir bei der Pflanze Tafel i5 dasjenige, was die von dem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem ersehnte Geistigkeit enthält und deshalb auch verwandt ist mit dem menschlichen Stoffwechsel-Gliedmaßensystem. Und wenn wir uns auf der einen Seite die Muttermilch anschauen und auf der andern Seite uns anschauen dasjenige, was da als von der Pflanze ersehntes Astralisches über der Pflanze darüberschwebt, dann ergibt sich für eine okkulte Anschauung eine ungeheuer nahe Verwandtschaft - nicht eine völlige Gleichheit — zwischen derjenigen Astralität, welche mit der Muttermilch aus der Mutter kommt und derjenigen Astralität, die aus dem Kosmos an die Pflanzenblüte heranschwebt.
[ 5 ] Thus, in mother’s milk we still have astral-forming forces that act in a thoroughly spiritual way, and we need only consider the responsibility that falls upon us when we transition the child to self-feeding—a time when there is no longer any awareness of how the spiritual actually acts everywhere in the outer world: how, rising from the root to the flower and fruit, the plant becomes and acts more and more spiritually. If we begin at the plant’s root, we find there that which initially acts as the least spiritual part—the root— The root stands in a relatively strong physical and etheric relationship to its entire surroundings, but a life begins in the plant’s flower that reaches out, as if in longing, toward the astral realm. The plant becomes more spiritual as it grows upward. And so we must ask ourselves further: How does this root of the plant relate to the world as a whole? - Its place in the world is its being rooted in the earth. Yes, my dear friends, this root is rooted in the earth just as we are rooted with our heads in the open air and in the light, so that we can say: down here, in the plant, we have perception, the head-like aspect; up here, in the plant, we have the digestive, the nourishing (see Plate 15). Up here in the plant (Plate 15), we have that which contains the spirituality longed for by the metabolic-limb system and is therefore also related to the human metabolic-limb system. And when we look, on the one hand, at mother’s milk and, on the other hand, at that which hovers above the plant as the astral substance longed for by the plant, then an occult perspective reveals an incredibly close kinship—not a complete identity — between the astral substance that comes from the mother with breast milk and the astral substance that floats from the cosmos toward the plant’s blossom.


[ 6 ] Alle diese Dinge werden ja nicht gesagt, damit man irgend etwas Theoretisches weiß, sondern damit man die richtigen Gefühle bekommt gegenüber demjenigen, was in der Umgebung des Menschen ist und in die Sphäre seines Tuns, seines Handelns eingeht. Und so werden wir uns zu bemühen haben, daß wir das Kind nach und nach so gewöhnen an die äußere Ernährung, daß wir es anregen durch das Fruchtende, durch das Blühende unterstützen sein Stoffwechselsystem, und dasjenige, was es vom Kopf zu besorgen hat, durch sanfte Beimischung des Wurzelhaften. Diese Dinge sollen eigentlich nur, ich möchte sagen, im Anlauf theoretisch erworben werden. In der Praxis sollen sie sich in die Handhabung, aber auf geistige Art in die Handhabung hineinergießen.
[ 6 ] All these things are not said so that one might learn something theoretical, but so that one might develop the right feelings toward what surrounds a person and enters into the sphere of their actions and deeds. And so we will have to strive to gradually accustom the child to external nourishment in such a way that we stimulate and support its metabolic system through the fruiting and flowering phases, and support the functions of the head through the gentle addition of root-based elements. These things should really only—I would say—be acquired theoretically as a starting point. In practice, they should flow into our handling of the child—but in a spiritual way.
[ 7 ] Sehen Sie, nun kommt dazu, daß es heute außerordentlich schwierig ist, aus dem, was man lernt, auf allen Gebieten lernt, in den Menschen überhaupt hineinzuschauen. Es wird der Blick immerfort abgelenkt gerade von dem, was das Wesenhafte ist. Man wird heute nicht geschult, auf das Wesenhafte hinzusehen. Es ist schon so, daß in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ganz der Blick für das Wesenhafte abgestorben ist. So war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch eine Vorstellung vorhanden, die heute nur noch in der Sprache fortlebt, in dem Sprachgenius. Die könnte man etwa in der folgenden Weise charakterisieren: Es gibt, wenn man so überschaut das Menschengeschlecht, die allerverschiedensten Krankheiten. Diese verschiedenen Krankheiten könnte man nun, wenn man ins Abstrakte geht, aufschreiben. Man könnte dann, wenn man sie in der Ebene aufschreibt, eine Art Landkarte herstellen: in der einen Ecke die verwandten Krankheiten, in der andern Ecke die todbringenden, könnte das hübsch anordnen; dann hätte man eine solche Landkarte der Krankheiten, würde namentlich darauf sehen können, wo ein Kind, das in irgendeiner Weise organisiert ist, hingehört. Und man könnte sich denken, wie dasjenige, was als Krankheitsneigung auftritt, in schematischer Weise auf Wachspapierblättern gezeichnet würde, und man den Namen eines Kindes dorthin schreibt, wo er hingehört. Nun denken Sie sich, man hätte so eine Vorstellung, man täte das.
[ 7 ] You see, on top of that, it is extremely difficult today—based on what we learn in all fields—to truly see into people. Our gaze is constantly diverted from precisely what is essential. People today are not trained to look for what is essential. It is true that in the first half of the 19th century, the sense for what is essential had completely died out. In the first half of the 19th century, there was still a mental image that survives today only in language, in the genius of language. One could characterize this, for example, in the following way: When one surveys the human race, there are the most diverse kinds of illnesses. These various illnesses could now be listed, if one were to move into the abstract. One could then, by mapping them out on a flat surface, create a kind of map: in one corner the related illnesses, in the other corner the fatal ones—one could arrange them neatly; then one would have such a map of illnesses and could see, by name, where a child, organized in whatever way, belongs. And one could imagine how what manifests as a predisposition to illness would be drawn schematically on sheets of wax paper, and one would write a child’s name where it belongs. Now imagine that one had such a mental image, that one would do that.
[ 8 ] Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte noch die Vorstellung, daß man dort, wo man die Krankheiten hinschreiben müßte, immer Tiernamen hinschreiben könnte. Sie hatte noch die Meinung, das Tierreich schreibt in die Natur hinein alle möglichen Krankheiten. Jedes Tier, richtig angesehen, bedeutet eine Krankheit. Für das Tier ist die Krankheit sozusagen gesund. Kommt dieses Tier in den Menschen hinein, statt seine eigene Organisation, artet der Mensch fach der Organisation des Tieres hin, so ist er krank. Solche Vorstellungen haben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht bloß die abergläubigen Menschen gehabt, sondern das war sogar die Vorstellung Hegels, und es war eine durchaus tragfähige Vorstellung. Bedenken Sie doch nur, wie hell Sie werden können über die Wesenheit irgendeines Menschen, wenn Sie sagen können, er artet nach dem Löwen, nach dem Adler, nach dem Rinde hin, oder auch er artet nach einem Hinausreißen des Menschen in das zu stark Geistige hin. Oder wenn Sie weitergehen, sich klar werden darüber, daß Sie, wenn, sagen wir, der Ätherleib zu weichlich wird, eine straffe Affinität des Ätherleibes zur physischen Substanz haben, und Sie dann die Organisation, die sonst nur im niederen Tierreich sein kann, angedeutet im Menschen finden. Das sind grundlegende Vorstellungen, die Sie sich aneignen müssen. Und was Sie wiederum als Erzieher zur Selbsterziehung leisten müssen, liegt etwa in dem Folgenden.
[ 8 ] In the first half of the 19th century, there was still a mental image that wherever one had to name a disease, one could always use the name of an animal. It was still believed that the animal kingdom imprints all manner of diseases into nature. Every animal, when viewed correctly, represents a disease. For the animal, the disease is, so to speak, healthy. If this animal enters into a human being—and instead of maintaining its own organization, the human being degenerates toward the animal’s organization—then the human is sick. Such mental images were not held only by superstitious people in the first half of the 19th century; they were even Hegel’s view, and it was a thoroughly plausible notion. Just consider how clearly you can understand the essence of any human being if you can say that he is degenerating into the lion, into the eagle, into the bark, or even that he is degenerating toward a tearing away of the human being into the overly spiritual. Or if you take it a step further and realize that, if—let’s say—the etheric body becomes too effeminate, there is a strong affinity between the etheric body and physical substance, and you then find in human beings a hint of the kind of organization that otherwise exists only in the lower animal kingdom. These are fundamental mental images that you must internalize. And what you, in turn, must accomplish as an educator in the realm of self-education lies roughly in the following:
[ 9 ] Sie können ja von ganz bestimmten Meditationen ausgehen. Eine ganz besonders starke Erziehermeditation ist eben diejenige, die ich Ihnen hier angegeben habe. Aber Sie werden dasjenige, was Sie so mit einer gewissen Orientierung in sich als Meditation üben, in seiner Fruchtbarkeit dadurch sehen, daß Sie wie in absentia corporis in Ihrem Fühlen, in Abwesenheit des Körpers, wie in einem astralen Wellenbade weitergetrieben werden, hineingetrieben werden in eine Welt, die sich eben leise wellend vor Sie hinstellt und Ihnen die Möglichkeit gibt, Dinge um sich herum zu sehen, die Ihnen dann Antwort geben auf Ihre Fragen. Sie müssen nur, um überhaupt zu solchen Möglichkeiten vorzudringen, tatsächlich nicht bloß theoretisch an demjenigen festhalten, was zum Beispiel als Vorbedingungen für eine meditative Entwickelung in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gerade gegeben ist.
[ 9 ] You can, of course, start with very specific meditations. One particularly powerful educational meditation is precisely the one I have described here. But you will come to see the practice you engage in—with a certain sense of direction—as meditation, by the fact that, as if in absentia corporis—in the absence of the body—you are carried along, as in an astral wave bath, into a world that unfolds gently before you, giving you the opportunity to see things around you that then provide answers to your questions. In order to even begin to access such possibilities, you must—in practice, not merely in theory—hold fast to what is specifically set forth, for example, as prerequisites for meditative development in *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*
[ 10 ] Nicht wahr, da ist nun einmal dasjenige als ein Hindernis angegeben für eine solche Entwickelung, was menschliche Egoität in dem Sinne ist, daß der Mensch zu sehr sein Urteil auf das eigene Ich konzentriert. Denn bedenken Sie nur, was die Konzentration auf das eigene Ich eigentlich bedeutet. Wir haben unseren physischen Leib, der stammt von Saturnzeiten her, ist kunstvoll ausgebildet in vier majestätisch wirkenden Etappen. Wir haben den ätherischen Leib, der ist dreimal kunstvoll umgebildet, wir haben den astralischen Leib, der ist zweimal umgebildet. Die alle fallen nicht in den Bereich des Erdenbewußtseins, nur das Ich fällt in den Bereich des Erdenbewußtseins. Aber eigentlich ist das nur ein Schein des Ich, denn das wahre Ich kann man nur sehen durch den Rückblick in eine frühere Inkarnation. Das gegen wärtige ist erst das werdende und wird erst eine Realität in der folgenden Inkarnation. Das Ich ist erst das Baby. Und wer die Dinge durchschaut, hat, wenn jemand so richtig schwimmt in seinem Egoismus, die Imagination einer wollüstigen Kinderfrau, die Wollust empfindet in ihrem Herzen gegenüber dem kleinen Kinde; aber da ist die Wollust etwas Berechtigtes, denn da ist das Kind ein anderes. Aber nun hat man dem Egoismus gegenüber dieses Bild vor sich, daß der Mensch das Baby, dieses Kind recht zärtlich herzt. Und heute gehen die Menschen so herum - wenn man sie astraliter malen würde, müßte man sie so malen, daß sie in einem Arm ihr Kind herumtragen. — Die Ägypter konnten noch den bekannten Skarabäus formen, wo das eigene Ich wenigstens von der Kopforganisation getragen wurde. Der heutige Mensch trägt sein eigenes Ich auf dem Arm und herzt es zärtlich. Dieses Bild zu vergleichen mit dem, was man als tägliche Handlung tut, ist wiederum eine außerordentlich nützliche Meditation für den Erzieher. Und dann wird man in das hineingeführt, was ich bezeichnet habe als das: in einem Geisteswellenbade schwimmen. — Fragen beantwortet bekommen aus diesen Anschauungen heraus, dazu gehört natürlich die innere Ruhe, die man sich für solche Augenblicke zu bewahren zu suchen hat. Und man erkennt sogleich, ob jemand veranlagt ist, nach dieser Richtung hin irgendeine Entwickelung zu erfahren. Das erkennt man daran, ob er über Abhaltungen klagt oder nicht. Wer eine Entwickelung durchmacht, klagt nie darüber, daß er abgehalten werden könnte. Denn man wird in Wirklichkeit nicht von dem oder jenem abgehalten. Es wäre denkbar, daß jemand die wirksamste Meditation macht vor einer entscheidenden Handlung, die unmittelbar darauf folgt, oder wiederum nach einer entscheidenden Handlung, mit vollständigem Vergessen dessen, was er in der Handlung erlebt hat. Denn darauf kommt es an, daß man es in seiner Macht hat, sich herauszureißen aus der einen Welt und sich hineinzufinden in die andere Welt. Und das ist überhaupt der Anfang alles Aufrufens innerer Kräfte.
[ 10 ] Isn’t it true that what is cited as an obstacle to such development is human egotism—in the sense that people focus their judgment too much on their own ego? For just consider what this focus on one’s own ego actually means. We have our physical body, which dates back to the Saturnic era and is artfully formed in four majestic stages. We have the etheric body, which has been artfully transformed three times; we have the astral body, which has been transformed twice. None of these fall within the realm of earthly consciousness; only the “I” falls within the realm of earthly consciousness. But in reality, this is only an illusion of the “I,” for the true “I” can only be seen by looking back into a previous incarnation. The present “I” is merely the “I” in the making and only becomes a reality in the following incarnation. The “I” is still just a baby. And whoever sees through these things—when someone is truly swimming in their egoism—has the image of a sensual nanny who feels sensual delight in her heart toward the little child; but there, the sensual delight is justified, for the child is a separate being. But now, when faced with egoism, one has this image before one’s eyes: that the person is tenderly cradling the baby, this child. And today people walk around like this—if one were to depict them in astral terms, one would have to paint them carrying their child in one arm. —The Egyptians were still able to fashion the well-known scarab, where the ego was at least supported by the head’s structure. Modern humans carry their own ego in their arms and cradle it tenderly. Comparing this image with what one does as a daily activity is, in turn, an extraordinarily useful meditation for the educator. And then one is led into what I have described as “swimming in a bath of spiritual waves.” — Receiving answers to questions based on these insights naturally requires the inner peace that one must strive to preserve for such moments. And one immediately recognizes whether someone is predisposed to undergo any kind of development in this direction. This can be recognized by whether or not they complain about being held back. Those who are undergoing a process of development never complain that they might be held back. For in reality, one is not held back by this or that. It is conceivable that someone might engage in the most effective meditation before a decisive action that follows immediately afterward, or, conversely, after a decisive action, having completely forgotten what they experienced during the action. For what matters is that one has the power to tear oneself away from one world and find one’s way into another. And that is, in fact, the very beginning of summoning all inner forces.
[ 11 ] Sehen Sie, beobachten Sie einmal, welcher Unterschied es ist, wenn Sie an das Kind mehr oder weniger gleichgültig herantreten, oder wenn Sie an das Kind herantreten mit wirklicher Liebe. Es ist sofort, wenn man mit wirklicher Liebe an das Kind herangerreten ist, wenn der Glaube aufhört, daß man mit technischen Kunstgriffen mehr machen könne als mit wirklicher Liebe, sofort die Wirksamkeit der Erziehung, besonders bei abnormen Kindern, da.
[ 11 ] Look, just observe the difference between approaching a child with more or less indifference and approaching a child with genuine love. The moment you approach the child with genuine love—the moment you stop believing that technical tricks can achieve more than genuine love—the effectiveness of education becomes immediately apparent, especially with children who have behavioral challenges.
[ 12 ] Und so ist es schon einmal, daß eigentlich aus jeder Grundlegung für ein spezielles Tun innerhalb der anthroposophischen Bewegung gesehen werden müßte das Herausblühen einer bestimmten Gesinnung. Die Dinge, die angegeben werden, sollten eigentlich nur wie die Wurzeln angesehen werden, aus denen die Gesinnungspflanze aufsprießt. Und da ist es wirklich notwendig, daß vor allen Dingen empfunden werde das Substantiell-Anthroposophische als eine Realität. Und Sie werden nichts erreichen, das kann im voraus gesagt werden, wenn Sie dasjenige, was Sie hier aufgenommen haben, nur wie etwas hinnehmen, was Sie eben erfahren haben und was nicht gesinnungsbildend gewesen ist. Das war schon einmal die, ich möchte sagen, damals selbstverständliche, aber immer noch selbstverständlicher werdende Voraussetzung, die dem zugrunde liegt, was nun als Anthroposophische Gesellschaft seit der Weihnachtstagung existieren soll. Da muß als ganz real angesehen werden, was vom Goetheanum in seinen Einrichtungen ausgeht, und so kann es in der Zukunft gar nicht anders sein, als daß durch die verschiedenen Sektionen dasjenige geht, was in der Zukunft anthroposophisch wirken soll. Denn es muß eben nach alldem, was Sie verspüren aus solchen Auseinandersetzungen, ein Organismus werden diese Anthroposophische Gesellschaft, in dem wie Lebensblut die Verantwortlichkeiten wirken. Und die Dinge wirken schon zusammen in der richtigen Weise, wenn sie richtig empfunden werden. Wie für gewisse Organisationsfunktionen im menschlichen Organismus Herz und Nieren zusammenwirken müssen, damit ein Einheitliches entstehe, so müssen zusammenwirken für dasjenige, was Sie gerade anstreben, müssen zusammenwirken die Sektionen, die in sich gerade diejenige Substanz pflegen, für die sie im besonderen verantwortlich sind. Aber derjenige, der dann etwas unternimmt in der Welt, der muß zusammenwirken lassen in seinem Tun dasjenige, was dann von den Sektionen ausgeht, und man muß real nehmen das anthroposophische Wirken.
[ 12 ] And so it is, in fact, that the blossoming of a certain attitude should be seen as emerging from every foundation laid for a specific activity within the anthroposophical movement. The things that are presented should really be regarded only as the roots from which the plant of attitude sprouts. And it is truly necessary, above all else, to experience the essential nature of anthroposophy as a reality. And you will achieve nothing—this can be said in advance—if you accept what you have taken in here merely as something you have just experienced and which has not served to shape your attitude. That was, I might say, the prerequisite that was taken for granted at the time—and is becoming even more so—which underlies what is now to exist as the Anthroposophical Society since the Christmas Conference. What emanates from the Goetheanum through its institutions must be regarded as entirely real, and so in the future it cannot be otherwise than that what is to have an anthroposophical effect in the future will flow through the various sections. For, according to everything you have sensed from such discussions, this Anthroposophical Society must become an organism in which responsibilities function like lifeblood. And things already work together in the right way when they are properly perceived. Just as, for certain organizational functions in the human organism, the heart and kidneys must work together so that a unified whole may emerge, so too—for what you are currently striving for—must the sections work together; they must nurture within themselves precisely that substance for which they are specifically responsible. But whoever then undertakes something in the world must allow what emanates from the sections to work together in their actions, and one must take the anthroposophical work seriously.
[ 13 ] Denken Sie also, Sie haben die Intention, für minderwertige Kinder zu wirken. Da haben Sie zuerst zu beachten, was in der anthroposophischen Bewegung lebt als pädagogische Strömung. Die pädagogische Strömung muß Ihnen etwas sein, was so, wie sie da ist, einfließen muß in Ihre eigene Tätigkeit. Es muß Ihnen klar sein, daß Sie in dem, was die eigentliche pädagogische Strömung in sich enthält, dasjenige vor sich haben, was den typischen Menschen heilt, so daß er sich in die Welt hineinstellen kann. Sie müssen dann sich klar sein darüber, daß die medizinische Sektion Ihnen dasjenige allein geben kann, was nun die Pädagogik vertiefen kann nach der Abnormität des Menschen hin. Und wenn Sie da in der richtigen Weise sich hineinvertiefen, so werden Sie selbst bald finden, daß das nicht in der Weise gegeben werden kann, daß man hört: das ist für das gut, das ist für das gut -, sondern nur dadurch, daß ein fortwährender lebendiger Zusammenhang entsteht. Dieses Auseinanderreißen des lebendigen Zusammenhanges ist etwas, was nicht da sein sollte. Da darf nicht beginnen ein gewisser Egoismus im Spezialwirken, sondern nur die Sehnsucht, sich hineinzustellen in das Ganze. Indem die Heileurythmie herantritt an die Heilpädagogik, tritt wiederum die ganze Eurythmie heran an die Heilpädagogik. Daraus sollten Sie wiederum sehen, daß auch nach dieser Richtung hin ein lebendiger Zusammenhang gesucht werden muß, was sich auch darin äußern sollte, daß bis zu einem gewissen Grade derjenige, der Heileurythmie treibt, die Grundlagen der Eurythmie haben sollte. Die Heileurythmie sollte aus einer, wenn auch nicht bis zur künstlerischen Vollendung gebrachten, doch allgemeinen Kenntnis der Laut- und Toneurythmie herauswachsen. Dann aber vor allen Dingen muß ja das den Menschen durchdringen, daß er sich an den Menschen anschließen muß, und so kann nicht anders als da, wo Heileurythmie ausgeübt wird, die Anlehnung an den Arzt gesucht werden. Und es ist eine Bedingung gestellt worden, als die Heileurythmie gegeben worden ist, daß sie nicht ausgeübt werde ohne den Zusammenhang mit dem Arzt. Das alles weist schon darauf hin, wie verschlungen, lebendig verschlungen die Dinge werden müssen, die in der Anthroposophie sich ausleben.
[ 13 ] So suppose you intend to work with children with special needs. In that case, you must first take into account the educational current that is alive within the anthroposophical movement. This educational current must be something that, just as it is, flows into your own work. It must be clear to you that what the actual educational current contains is precisely what heals the typical human being, enabling them to take their place in the world. You must then be clear that the Medical Section alone can provide you with what can deepen pedagogy in relation to human abnormalities. And if you immerse yourselves in this in the right way, you will soon discover for yourselves that this cannot be conveyed by simply hearing, “This is good for that, that is good for this”—but only through the emergence of a continuous, living connection. This tearing apart of the living connection is something that should not exist. A certain selfishness must not take root in specialized work; rather, there must be only the longing to place oneself within the whole. As therapeutic eurythmy approaches curative education, so too does eurythmy as a whole approach curative education. From this you should see once again that a living connection must be sought in this direction as well, which should also be reflected in the fact that, to a certain extent, those who practice therapeutic eurythmy should have a foundation in eurythmy. Therapeutic eurythmy should grow out of a general knowledge of speech and tone eurythmy—even if this knowledge has not yet reached artistic perfection. Above all, however, it must be deeply understood that one must connect with the human being, and thus, wherever therapeutic eurythmy is practiced, collaboration with the physician must be sought. And a condition was set when therapeutic eurythmy was introduced that it should not be practiced without collaboration with a physician. All of this already points to how intricately, how vividly intertwined, the things that unfold in anthroposophy must become.
[ 14 ] Aber dazu kommt noch das: es wird in der Zukunft die Entscheidung an die Anthroposophische Gesellschaft herantreten, die in ganz intensiver Weise dahin geht: Sind die Verantwortlichkeiten aufrechtzuerhalten, oder sind sie nicht aufrechtzuerhalten? — Sie brauchen es nicht zu glauben, könnten es aber aus allem, was geschieht, sehen: dazumal, als die Weihnachtstagung ins Werk gesetzt werden sollte, sind diese Verantwortlichkeiten scharf ins Auge gefaßt worden mit einer manche vielleicht grausam berührenden Ausschließlichkeit in bezug auf die Qualität der menschlichen Persönlichkeiten, die eben da sind. Indem aus solchen Unterlagen heraus der Vorstand am Goetheanum gebildet worden ist, ist es nicht anders möglich, als daß dieser Vorstand angesehen werde innerhalb dessen, was in der Anthroposophischen Gesellschaft geschieht, als die volle autoritative Stelle. Für die einzelnen Dinge, die in Betracht kommen, muß einfach dieser Vorstand als die volle autoritative Stelle angesehen werden. Wird das in Zukunft verstanden werden oder nicht, innerhalb der anthroposophischen Bewegung?
[ 14 ] But there is more to it than that: in the future, the Anthroposophical Society will face a decision that boils down to this: Should these responsibilities be maintained, or should they not? — You need not believe it, but you could see it from everything that is happening: back when the Christmas Conference was to be organized, these responsibilities were sharply focused upon with an exclusivity—which some might find painfully stark—regarding the quality of the human personalities who are present there. Since the Executive Council at the Goetheanum was formed on the basis of such considerations, it is inevitable that this Executive Council be regarded as the sole authority within the Anthroposophical Society. For the individual matters at hand, this Executive Council must simply be regarded as the sole authority. Will this be understood in the future, or not, within the Anthroposophical movement?
[ 15 ] Und das ist dasjenige, was insbesondere bei einer solchen Gründung, wie die Ihrige, ich möchte sagen, als eine Art von Grundsteinlegung gesagt werden muß. Wenn nicht dasjenige, was Kritik ist an irgendeiner Stelle im menschlichen Zusammenhang aufhört — denn Kritik bezieht sich ja niemals auf den Inhalt des Gelehrten, sondern auf den Inhalt dessen, was gewirkt wird -—, wenn diese Kritik nicht aufhört, wenn nicht tatsächlich namentlich in bezug auf die Dinge, wo Okkultes hineinwirkt, ein Prinzip des Autoritativen — nicht im Lehren, sondern im Wirken - tatsächlich da sein wird, dann wird unmöglich das aus der anthroposophischen Bewegung heraus werden können, was aus ihr unbedingt werden muß, wenn sie bleiben soll. Das verhohlene SichAufstemmen gegen diejenigen, welche die Verantwortlichkeiten haben, das ist dasjenige, was in der Zukunft nicht bleiben kann; und da wird dann schon die Mitgliedschaft zur Schule das nötige Korrektiv schaffen müssen, indem, wenn nicht das nötige Verständnis auftritt, die Mitgliedschaft zur Schule aufhören muß. Man könnte sagen: vor der Weihnachtstagung war es so, daß, weil ja ein Vorstand mit der Absicht, esoterisch zu wirken, nicht da war, daß das Denken und Fühlen mir überlassen worden ist. Und in ausgiebigstem Maße hat in Anspruch genommen jeder aus der Gesellschaft heraus, wie es ihm genehm war, das Wollen. Das ist das Urphänomen bis zur Weihnachtstagung gewesen. Wenn es sich handelte darum, sich an das Denken oder auch an das Fühlen zu wenden in anthroposophischen Sachen, dann kam man zu mir ungefähr so, wie man zum Schuster kommt, wenn man sich von ihm Stiefel machen läßt. Das ist um so intensiver gewesen, als man es ja nicht gemerkt hat, sondern das Gegenteil davon glaubte. Aber kuriert werden kann das Ganze nur, wenn tatsächlich das Bewußtsein eintritt, daß auch ein gesellschaftliches Wollen ausgehend von dem Vorstand am Goetheanum vorhanden ist. Und man wird sich schon verständnisvoll, wahrhaftig nicht unter Zwang, in dieses finden können.
[ 15 ] And that is precisely what, especially in the case of an institution such as yours, I would say must be stated as a kind of cornerstone. Unless criticism ceases at some point within the human context—for criticism never refers to the scholar’s content, but rather to the content of what is brought about— —if this criticism does not cease, if a principle of authority—not in teaching, but in action—is not actually established, particularly with regard to matters where the occult is at work, then it will be impossible for the anthroposophical movement to become what it absolutely must become if it is to endure. This veiled defiance against those who bear the responsibilities—that is what cannot continue in the future; and there, the membership of the school will have to provide the necessary corrective by ensuring that, if the necessary understanding does not emerge, membership in the school must cease. One could say: before the Christmas Conference, the situation was such that—since there was no executive board with the intention of acting in an esoteric manner—thinking and feeling had been left to me. And to the greatest extent, everyone in the Society exercised their will as they saw fit. That was the fundamental phenomenon up until the Christmas Conference. When it came to turning to thinking or even feeling in matters of anthroposophy, people would come to me much as one goes to a cobbler to have boots made. This was all the more intense because people did not realize it; rather, they believed the opposite to be true. But the whole situation can only be remedied if there is a genuine realization that there is also a social will emanating from the Executive Council at the Goetheanum. And people will be able to find their way into this willingly, truly without coercion.
[ 16 ] Aber die Denk weise ist eine ganz merkwürdige. Sie haftet so sehr an Worten. Grotesk trat mir das gestern entgegen, wie allüberall an Worten gehaftet wird, aus Worten dann aufgebauscht und an Worten erhitzt die Sehnsüchte zu Handlungen entstehen. So soll ich in Breslau gesagt haben von dem Vorstand der Freien Anthroposophischen Gesellschaft, die andern seien nun heraus und es sei der Rumpfvorstand zurückgeblieben. Daraus wurde sofort geurteilt: das ist ein Rumpfvorstand, jetzt muß er einen Kopf bekommen. — Nun, sehen Sie, die Tatsache, die hier zugrunde liegt, ist doch diese, man klammert sich an ein Wort: Weil hier einmal der Kopf Rumpf genannt worden ist aus dem Sprachgebrauch heraus, klammert man sich an dieses Wort, während man die Tatsache gar nicht sieht, daß sich zunächst der Vorstand am Goetheanum ja vollständig im Einklang mit diesem sogenannten Rumpfvorstand befindet. Sonst hätte er dazu mau oder sonst etwas gesagt. Da er aber nicht mau gesagt hat, ist die Tatsache da, daß er vorläufig einverstanden ist. Und so handelt es sich darum, daß nach den Tatsachen geurteilt wird.
[ 16 ] But this way of thinking is quite peculiar. It clings so strongly to words. It struck me as grotesque yesterday how people everywhere cling to words, how longings are then inflated from words and, inflamed by words, give rise to actions. For example, I am said to have remarked in Breslau, regarding the executive board of the Free Anthroposophical Society, that the others had now left and only the “trunk” of the board remained. From this, it was immediately concluded: this is a “trunk” board; now it must be given a “head.” — Well, you see, the underlying fact here is this: people are clinging to a word. Because the “head” was once called the “trunk” in common parlance, they cling to this word, while completely overlooking the fact that, for the time being, the Executive Board at the Goetheanum is in complete harmony with this so-called “trunk executive board.” Otherwise, it would have said “mau” or something else about it. But since it didn’t say “mau,” the fact remains that it is provisionally in agreement. And so the point is that we must judge based on the facts.
[ 17 ] Das ist von einer ganz eminenten Wichtigkeit, wenn man mit der anthroposophischen Bewegung zurecht kommen soll. Deshalb ist es notwendig, daß Sie Ihre Begründung in Lauenstein, die ja die größten Hoffnungen machen kann, so auffassen, daß sie in vollem Einklange mit der ganzen anthroposophischen Bewegung wirkt; daß Sie auf der einen Seite von dem Bewußtsein durchdrungen sind, daß die anthroposophische Bewegung dasjenige, zu dem sie auf eine solche Weise ihr «ja» sagt, auch hegen und pflegen wird, aber nur so hegen und pflegen kann, wie es ihren Einrichtungen heute nach der Weihnachtstagung gemäß ist. Aber auf der andern Seite muß auch das vorliegen, daß ein solches Glied dann auch wiederum dasjenige, was es tut, zur Erhöhung der Kraft der anthroposophischen Bewegung tut.
[ 17 ] This is of the utmost importance if one is to come to terms with the anthroposophical movement. Therefore, it is necessary that you view your new home in Lauenstein—which, after all, offers the greatest hope—in such a way that it operates in full harmony with the entire anthroposophical movement; that, on the one hand, you are imbued with the awareness that the anthroposophical movement will cherish and nurture that to which it says “yes” in this way, but can do so only in accordance with its current structures as established following the Christmas Conference. But on the other hand, it must also be the case that such a member, in turn, does what they do to strengthen the power of the anthroposophical movement.
[ 18 ] Das möchte ich Ihnen, meine lieben Freunde, allen ans Herz legen, und betrachten Sie ein solches aus dem Herzen kommende Wort als das, was ich Ihnen mitgeben möchte als den Impuls, der schon weiter wirken wird.
[ 18 ] I would like to urge all of you, my dear friends, to take this to heart, and please consider these heartfelt words as what I wish to leave with you—as an inspiration that will continue to have an impact.
[ 19 ] Denken Sie in einer geistigen Bewegung daran, diese geistige Bewegung für das praktische Leben fruchtbar zu machen, dann muß man diese geistige Bewegung als eine lebendige ansehen.
[ 19 ] If, in the course of an intellectual process, you consider how to make that process fruitful for practical life, then you must regard that intellectual process as a living one.
[ 20 ] Das zur Kraft, zur Steuer und zum guten Wirken Ihres Willens, meine lieben Freunde!
[ 20 ] May this be a source of strength, guidance, and good works for your will, my dear friends!
