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Cooperation Between Doctors and Pastoral Caregivers
Pastoral Medicine Course
GA 318

8 September 1924, Dornach

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Erster Vortrag

Lecture One

[ 1 ] Meine lieben Freunde! Wir haben in diesem Kurse zum erstenmal vereinigt die Mitglieder zweier geistiger Wirkungskreise, und diese Vereinigung bedeutet etwas ganz Besonderes. Daher wird schon heute notwendig sein, daß wir uns über den Sinn dieser Vereinigung zunächst aus dem, was in diesem Kurs den Inhalt bilden soll, verständigen müssen. Zunächst möchte ich nur darauf aufmerksam machen, daß dieser Kurs vielleicht wie kein anderer ein Beispiel dafür sein wird, wie durch die besondere Gestaltung des Geisteslebens in unserer Zeit alte Überlieferungen, altes Herkommen erneuert werden muß, denn dasjenige, was unter dem Namen Pastoralmedizin gepflegt worden ist, hat eigentlich im Grunde seinen Inhalt verloren. Wir werden das im Laufe der Betrachtungen sehen. Dagegen wird gerade aus den Untergründen unserer Zeit heraus sich ergeben eine ganz besonders bedeutungsvolle Aufgabe, die wiederum, indem sie zusammengefaßt wird, in einer Betrachtung den Namen Pastoralmedizin schon tragen darf. Wir haben strenge darauf gesehen, daß im wesentlichen in diesem Kurs vereinigt seien wirkliche Theologen und solche Persönlichkeiten, welche wirkliche Ärzte sind oder werden, Ärzte in dem Sinn, daß wir bei ihnen diesen Namen nach der Aufgabe der Medizinischen Sektion des Goetheanums verantworten können. Wie dieser Sinn zu gestalten ist, das alles wird gerade in diesem Kurs zur Besprechung kommen. Einzelne Ausnahmen haben wir allerdings zugelassen, aber eben nur wenige, und diese sind gut begründet innerhalb desjenigen, was Überzeugung der medizinischen Sektion des Goetheanums ist. Es wird sich vor allen Dingen darum handeln, daß Sie, liebe Freunde, sowohl von der theologischen wie von der medizinischen Seite her gerade über das in völlig klaren Begriffen leben, was im Sinne einer neuen Pastoralmedizin das Zusammenarbeiten der Theologen mit den Medizinern möglich macht. Es ist ja von einem solchen Zusammenarbeiten öfter gesprochen worden und es ist auch bemerklich gemacht worden, wie gerade die anthroposophische Bewegung auf eine Zusammenarbeit rechnen müsse. Aber dabei sind doch Dinge zutage getreten, die gerade ihre Rektifizierung innerhalb dieses Kurses werden erfahren müssen. Es darf das Zusammenarbeiten, auf das hingewiesen worden ist, durchaus nicht so aufgefaßt werden, meine lieben Freunde, als wenn damit gemeint wäre ein Hineindilettantieren von der einen Seite in die andere Seite. Es kann sich durchaus nicht darum handeln, daß die Theologen Heiler werden, oder daß die Heiler irgendwie Theologen werden. Natürlich beide, insofern sie Heiler oder Theologen sind. Um ein Zusammenarbeiten, um ein In-die-Hand-Arbeiten handelt es sich. Dagegen wird gerade dieser Kurs einen großen Wert darauf legen müssen, daß nun ja nicht etwa alles ins Chaotische dadurch verzerrt werde, daß, ich weiß schon nicht zu was, der Theologe versucht, in alles mögliche Medizinische hinein zu dilettantieren, das doch nicht auf seinem Wege liegen kann. Und umgekehrt soll sich der Arzt in unserem Sinne bewußt werden, welche Stellung er gegenüber den Theologen einzunehmen hat. Daß dies auf beiden Seiten, auf theologischer und medizinischer, völlig durchschaut wird, davon wird außerordentlich viel abhängen. Nun, es ist das zutage getreten, daß zum Beispiel auch gemeint worden ist: Ja, der Theologe muß sich doch medizinische Kenntnisse aneignen. — Kenntnisse auf irgendeinem Gebiet kann man sich immer aneignen, es wird sogar immer gut sein, Kenntnisse sich anzueignen. Aber dasjenige, um was es sich handelt, ist, daß wirklich klar und deutlich eingesehen wird: zum Arzt, zum Heiler gehört nach Denken, Fühlen und Wollen des Menschen die spezifische ärztliche Vorbildung, und es sollte niemand glauben, mit medizinischen Kenntnissen in die Welt eingreifen zu können, der nicht diese spezifische medizinische Vorbildung hat, auch wenn er Theologe ist. Und umgekehrt muß der Arzt einen ganz besonderen Begriff von seinem Beruf entwickeln und wird begreifen lernen müssen durch die Pastoralmedizin, daß ein Wesentliches damit gesagt ist, wenn gesagt wird: dem Priester gehört die Opferflamme, dem Arzt der Merkurstab. Und durch das Zusammenwirken von Opferflamme und Merkurstab ist allein ein gedeihliches Wirken möglich. Man soll nicht mit der Opferflamme heilen und mit dem Merkurstab Kultus zelebrieren wollen. Aber man soll einsehen, daß beides Gottesdienst ist. Und je mehr man einsieht, daß beides Gottesdienst ist, desto besser wird das Zusammenarbeiten, wenn der Arzt Arzt, der Priester Priester bleibt, in entsprechender Weise heilsam in die Welt eingreifen. Es darf unsere anthroposophische Bewegung nicht der Boden werden, auf dem alles chaotisch durcheinandergeworfen wird, denn dadurch würde der Ernst leiden, der Ernst, den wir gerade so stark innerhalb der anthroposophischen Bewegung pflegen sollten. Man kann durchaus allgemein wissen, wenn ich ein drastisches Beispiel gebrauche, was ungefähr geschieht, wenn eine Fußoperation vollzogen wird; aber man sollte nicht glauben, daß man gleich eine Fußoperation vollziehen kann. So aber sollte man es halten mit allem Medizinischen. Anthroposophie darf vor allen Dingen nicht werden in irgendeiner Weise eine Propaganda für Kurpfuscherei. Sie darf es auch nicht werden, indem etwa 'Theologen Kurpfuscher werden. Es muß schon eben dies ganz deutlich klargelegt werden; und so wird dasjenige, was von der Medizinischen Sektion des Goetheanums ausgehen wird, im allerstrengsten Ernste handhaben dasjenige, was den Menschen im anthroposophischen Sinne als Heiler vor die Welt hinstellen kann, aber das muß auch eine reale Einrichtung werden, und es wird notwendig sein, daß die Stellung desjenigen Arztes, der im Sinne der Medizinischen Sektion am Goetheanum wirken will, in eindeutiger Weise zu dieser Sektion bestimmt wird. Es wird auch nicht anders gehen, als daß diese Einrichtung eine ganz reale wird, so daß es schon dahin kommen kann, daß in einem gewissen Sinne künftig Arzt ein solcher sein kann, der eben Arzt in der Richtung der Medizinischen Sektion am Goetheanum ist. Nun, meine lieben Freunde, damit wird auch gerechtfertigt sein, daß wir vermieden haben, Heiler, die nicht Ärzte sind, zu diesem Kurs zuzulassen. So daß diejenigen, die heute als Ärzte hier sitzen, durchaus auch im Sinne der Welt die Ärzteschaft in Anspruch nehmen können - im wesentlichen, geringe Ausnahmen abgerechnet.

[ 1 ] My dear friends, for this “Pastoral Medicine” course we are bringing together for the first time the members of two distinct circles of spiritual work. This is of quite special importance. We must inquire, therefore, first of all into the reason for the combination, from the intended content of the course itself. In the first place I would like to point out that perhaps this course will be an example of how ancient traditions must be renewed through a particular form of spiritual activity in our time. For what has so far developed under the name “pastoral medicine” has lost its original content. We will see that this is so in the course of our study. Yet out of the very foundation of this present age there arises a most significant task that as it takes shape may be allowed to bear the name of pastoral medicine. We have made the strict requirement that this course be mainly for real theologians and real physicians, including those who are training to be real physicians, in the sense in which that title can be given them from the standpoint of the Medical Section of the Goetheanum. How this standpoint is to be understood will become clear during the course. We have admitted a few individuals who are exceptions to the general requirement, and these for reasons based on the opinion of the Medical Section of the Goetheanum. First and foremost, dear friends, there must be an absolutely clear understanding in the part of the theologians and on the part of the physicians what is now going to be made possible by their working together: namely, a new pastoral medicine. Their working together has indeed often been discussed; it has even been pointed out that the anthroposophical movement should try to bring it about. But things have come to light that must be corrected during this course. A proper working together must certainly not be understood to mean any dilettantish interference by one side into the work of the other side. It certainly does not mean that the theologians are to become physicians, or that the physicians are to become in the slightest way theologians. It is purely a matter of the two professions working together hand-in-hand. The course will stress very strongly the importance of preventing any kind of confusion by, for instance, the theologians trying to get their hands into various medical measures that cannot possibly lie in their sphere of work. On the other hand, physicians must be clearly aware of the position they must always hold—in the sense just described—toward theologians. It is tremendously important that this should be thoroughly understood by both sides. A great deal will depend upon it. Apparently the thought has even been entertained that theologians should actually acquire medical knowledge. Well, of course, it is always good to acquire knowledge. But the important thing here is to realize absolutely clearly that physicians, in addition to the cultivation of their thinking, feeling, and willing, have had specific medical training. People should not play with the idea that they can push their way into the world with bits and pieces of medical knowledge without this specific medical training—even if they are theologians! On the other hand, physicians must develop a special conception of their profession; they must learn through pastoral medicine that something essential is expressed when it is said: The flame of offering belongs to the priest, the Mercury staff to the physician. And only through the working together of the flame of offering and the Mercury staff is a healthful cooperation possible. One must not want to heal with the flame of offering, or to celebrate ritual with the Mercury staff. But one must realize that both are divine service. The more fully this is realized, the better their cooperation will be, with physician remaining physician and priest remaining priest, and the more healing will be their work in the world. Our anthroposophical movement must not be allowed to become an area where everything is thrown together in chaotic fashion: the seriousness that we should be cultivating so strongly within our movement would suffer thereby. One can have knowledge of the general procedure for a foot operation, but one should certainly not think that therefore one can perform the operation. And this holds true for all medical matters. Above all, Anthroposophy must not become propaganda for quackery. Theologians must not be allowed to become quacks. The Medical Section at the Goetheanum will handle with extreme seriousness whatever is going to give an individual a position out in the world as an anthroposophical physician. But the following must also become an established procedure: that physicians who want to work with the same impulses as the Medical Section at the Goetheanum will have their status and their relation to the Section properly defined by the Section. There will be no progress unless this procedure becomes a complete reality—so complete, in fact, that in the future someone will be acknowledged as a physician if the requirements of the Medical Section at the Goetheanum are filled. From this point of view also, we are justified in not having admitted to this course healers who are not physicians. Those who are here today (with a very few exceptions) can lay full claim in the outside world to membership in the medical profession.

[ 2 ] Damit haben wir uns vielleicht über den einen Punkt, meine lieben Freunde, verständigt. Aber der Punkt wird, indem ich ihn zunächst andeutend, mehr verwaltungsmäßig besprochen habe, seiner Rechtfertigung nach, durchaus Gegenstand der Pastoralmedizin selber sein. Als vor einiger Zeit von theologischer Seite die Anregung ausgegangen ist, für die Theologen etwas Medizinisches zu bieten, da konnte ich nicht anders als diese Anregung beantworten damit, daß ich sagte: Nun, ich werde einen Kurs über pastorale Medizin halten, daran können ja die Theologen teilnehmen. Und so ist denn dieser Kurs über Pastoralmedizin von der Medizinischen Sektion des Goetheanums veranstaltet, und die Theologen nehmen daran teil. Wir müssen über die ganze Struktur dieser Einrichtung hier völlig im klaren sein.

[ 2 ] Perhaps we have made ourselves clear. I have been speaking more from the administrative angle. But the matter will be the concern of pastoral medicine itself. When the theologians recently raised the question of whether something of a medical nature could be given them, I could not do otherwise than say that I would give a course on pastoral medicine in which theologians could participate. And so the course has been organized by the Medical Section of the Goetheanum, and the theologians are taking part in it. It must be quite clear why we have structured it in this way.

[ 3 ] Nun, meine lieben Freunde, Pastoralmedizin war zuletzt eigentlich nicht ein Fach innerhalb der medizinischen Fakultät, sondern eigentlich innerhalb der theologischen Fakultät; und diese Pastoralmedizin, die auf den theologischen Fakultäten gepflegt worden ist, enthielt eigentlich nichts spezifisch Medizinisches. Oder ich möchte fragen: Hat einer der akademisch gebildeten Ärzte, die hier sind, innerhalb seines Fachstudiums auf der medizinischen Fakultät selbst Pastoralmedizin lernen können? Ich bitte, die Hand zu heben, wer es hat. Es kommt im Lektionskatalog der medizinischen Fakultät nicht vor, dagegen spielt es schon eine Rolle in katholisch-theologischen Fakultäten. Innerhalb evangelischer Fakultäten spielt es kaum mehr eine Rolle, aber innerhalb der katholisch-theologischen Fakultät spielt die Pastoralmedizin eine Rolle, und das aus gutem Grunde. Nur enthält sie nichts Medizinisches. Sie enthält im wesentlichen Folgendes: Erstens dasjenige, was der Seelsorger innerhalb der Seelsorge braucht, um seelsorgerisch wirken zu können, nicht nur bei denjenigen Menschen, die als Gesunde seiner Seelsorge anvertraut sind, sondern auch bei denjenigen, die als Kranke seiner Seelsorge anvertraut sind. Aber für die Seelsorge hat er zu wirken; und da ist schon eine Nuance verschieden, ob man für die Seelsorge eines Kranken, besonders eines Schwerkranken zu wirken hat, oder ob man für die Seelsorge eines Gesunden zu wirken hat. Da handelt es sich darum, wie man die Seelsorge zu gestalten hat bei Kranken, eventuell Schwerkranken, wie man sich da zu verhalten hat. Dagegen habe ich im Grunde genommen noch kein Buch über Pastoralmedizin kennengelernt, in dem nicht ausdrücklich und wiederholt gesagt wird, daß zu den ersten Pflichten des Seelsorgers dies gehört, daß er zunächst mit Rat und Tat beistehe, daß der richtige Arzt gefunden werde, daß er aber ja sich zu enthalten habe jedes ärztlichen Eingriffes. Ich berichte in diesem Falle.

[ 3 ] Up to now, pastoral medicine has not been a subject in the medical faculties, but in the theological faculties. And the pastoral medicine that has been taught in the theological faculties has really not contained anything specifically medical. Or perhaps I should ask, have any physicians here who have gone through the academic training had any pastoral medicine in their medical courses? It is not offered in any catalogue of a medical faculty. It hardly appears any more in Protestant theological faculties, but it does have a role in Catholic theological faculties—and for a good reason. Only it contains nothing of a medical nature. In the main it contains, first, the knowledge priests need in order to work as pastors, not only with healthy people who are given into their care, but also with those who are sick. There is a difference in whether one has the care of the soul of a sick person, particularly one who is seriously sick, or of a healthy person. With the sick, perhaps severely sick individuals, the question is how one shapes the soul care, how one relates to it. But I have never yet found a book on pastoral medicine that did not stress repeatedly that the first task of the pastor is to make certain by word and deed that a real doctor is found, and that the pastor should refrain from all medical measures.

[ 4 ] Ein zweites wesentliches Kapitel der Pastoralmedizin ist dieses, daß die Fragen beantwortet werden, welche zusammenhängen mit dem Hygienischen von religiös-kultusartigen Maßnahmen. Daß also zum Beispiel für den Laien das Gesundheitliche oder das Gesundheitsschädliche des zeremoniell vorgeschriebenen Fastens besprochen wurde, oder auch, daß dasjenige, was zu sagen war durch die ärztliche Wissenschaft, sagen wir über die Einrichtung der Beschneidung, oder ähnliches. Für den Priester selber - wir haben es eben hauptsächlich mit katholischen Fakultäten zu tun — ist auseinandergesetzt worden dasjenige, was in hygienisch-medizinischer Weise über die Askese zu sagen ist. Da ist gar mancherlei und viel zu sagen.

[ 4 ] A second important subject of pastoral medicine has to do with the hygienic aspects of certain ritual measures. For instance, the healthfulness or unhealthfulness of fasting required for ceremonial reasons is explained for the lay person; also what medical science has to say, for instance, about circumcision and similar matters. For priests themselves—this, of course, has just to do with Catholic faculties—it sets forth clearly what is to be said from a hygienic standpoint about asceticism. This is spoken about very fully.

[ 5 ] Ein weiteres Kapitel sind gewisse Maßnahmen, welche innerhalb, sagen wir, einer Gemeinde, in der Priester und Arzt sind, zu ergreifen sind im Zusammenhang des Heilens und des Sakramentalismus. Wenn eine religiöse Gemeinschaft von der Realität der Sakramentwirkung ausgeht — wir werden gleich weiter darüber zu sprechen haben -, so bedeutet das in der Tat etwas, was sich mit den Eingriffen, die durch die Heilmittel geschehen, begegnet, und wir haben in solchen Einrichtungen, wie es zum Beispiel die heilige Ölung ist, etwas, was der Priester zu bestreiten hat, neben dem Arzt am Krankenbett. Wir haben auf diesem Gebiete die Frage zu beantworten, respektive die bisherige Pastoralmedizin beantwortet sie, welche Bedeutung der Empfang des Sakramentes des Abendmahles hat nach überstandener Krankheit und dergleichen. Wenn Spirituelles in Betracht kommt, dann kommt durchaus das Zusammenwirken des Sakramentes mit dem Heilungsvorgang beim Menschen in Betracht.

[ 5 ] A further subject has to do with what measures should be taken, for instance, in a parish where there is a doctor, what connection there should be between the medical care and the sacraments. When a religious community bases its activity on the reality of the sacraments, the priest must be prepared to meet the medical treatment that is being given. There is, for instance, the anointing that the priest must perform at the sickbed by the side of the doctor. We have also to consider what significance the earlier pastoral medicine attributed to a person's receiving communion while recovering from a severe illness. Looking at the spiritual aspect, one has to ponder on the working of the sacrament in relation to the processes of healing in a human being.

[ 6 ] Ein weiteres Kapitel ist dasjenige — und das ist ein sehr ausführliches Kapitel innerhalb der Pastoralmedizin —, welches sich damit beschäftigt, wie sich der Seelsorger zu verhalten hat im Einklang mit dem Arzt beim Psychopathen, bei seelisch minderwertigen oder bei seelisch abnormen Persönlichkeiten. Die Seelsorge wird modifiziert für solche psychopathische Menschen. Das war im wesentlichen die Aufgabe, welche sich die bisherige Pastoralmedizin gestellt hat, und welche in ziemlich ausführlicher Weise unter fortwährender Berufung auf die kirchenväterlichen Stellen darüber durch die Jahrhunderte hindurch abgehandelt wurden.

[ 6 ] A further subject examines how the pastor has to relate to the physician in psychopathic cases, cases of mentally handicapped or psychically abnormal individuals. The pastoral work is varied for such cases. This was the principal task confronting pastoral medicine in its earlier days, and it was taken care of through the centuries rather extensively by calling on the authority of the Church Fathers' writings.

[ 7 ] Das ist ein Gebiet, das ja uns, die wir innerhalb einer Erneuerung des Geisteslebens stehen, nicht in demselben Lichte erscheinen kann. Dafür ergeben sich gerade aus den anthroposophischen Grundanschauungen heraus wichtige, sehr wichtige Aufgaben für eine neue Pastoralmedizin. Und inwiefern sich solche Aufgaben ergeben, wir können es, meine lieben Freunde, studieren, wenn wir die Sache von zwei Seiten her betrachten. Betrachten wir sie zunächst von der medizinischen Seite aus.

[ 7 ] That is a field of work that cannot appear in the same light to us who are involved in a renewal of spiritual life. Indeed, from fundamental anthroposophical views we are aware of very important tasks in that field for a new pastoral medicine. And we can discover the extent of such tasks if we consider the subject from two sides.

[ 8 ] Womit haben wir es bei der Therapie zu tun? Wir haben, wenn wir das Heilmittel oder den Heilprozeß auf den kranken Menschen einwirken lassen, es immer damit zu tun, daß wir in der zu erzeugenden Wirkung einer Substanz oder eines Prozesses, eines physischen oder geistigen oder seelischen, da überall über dasjenige hinausgehen, was der sogenannte normale Wechselverkehr des Menschen mit der Umwelt ist. Gleichgültig, welche Therapie wir anwenden, überall gehen wir hinaus über dasjenige, was der Mensch im alltäglichen Leben, sei es bei der Nahrungsaufnahme, sei es beim Exponieren gegenüber Licht und Luft oder beim Exponieren seelischen Einflüssen gegenüber tut, überall gehen wir über das hinaus in der Therapie. Selbst schon einen kleinen Schritt gehen wir hinaus, wenn wir die Diät feststellen, über das, was der Mensch in dem alltäglichen Wechselverkehr mit der Umwelt einhält. Wir lassen die Heilmittel einwirken auf den Menschen. Ist das Heilmittel eine physische Substanz, so geht in der Folge der Einwirkung des Heilmittels ein anderer Vorgang vor sich als bei der bloßen Nahrungsaufnahme. So ist es aber auch bei den anderen therapeutischen Einwirkungen. Stets aber greifen wir mit einer therapeutischen Maßnahme in anderer Art auf den Menschen ein, als im Leben zunächst auf ihn eingegriffen wird. Denn wie wird im Leben auf den Menschen eingegriffen oder wie greift er selber ein? Meine lieben Freunde, wir haben mit Bezug auf dasjenige, was im Menschen Prozesse eingeht im Leben, oder eingehen kann, dreierlei zu unterscheiden: Erstens dasjenige, was im Menschen so wirkt, wie in der äußeren Natur das Physikalisch-Chemische; zweitens dasjenige, was wirkt im Menschen nicht auf physikalisch-chemische, sondern auf vitalistische Art. Wir haben zu sehen auf dasjenige, was im Leben wirkt, aber wir haben drittens zu sehen auf dasjenige, was unmittelbar eingreift in die Region des Bewußitseins.

[ 8 ] First, let us consider it from the medical point of view. What are we doing when we apply a therapy? When we give a medicine or apply some healing measure to a sick person, there is always the fact that in the healing process we want to set in motion, whether physical or spiritual or pertaining to the soul, we are going beyond the so-called normal relation of that person to the surrounding world. No matter what therapy we use, in every instance we are going beyond what the person has normally in everyday life, whether it is taking of nourishment, or exposure to light and air, or exposure to soul influences. In every circumstance we are going beyond all of that in our therapy. Even if we simply prescribe a small change of diet, we have gone a small step beyond what the person had permitted in his or her own everyday relation to the surrounding world. Say we prescribe a medicine. If it's a physical substance, its effect will be that a different process takes place than would take place if the patient were merely eating food. And it is the same with other therapeutic measures. In using any therapeutic measure we are intervening in the life of the patient in a way that is different from the way life usually works upon that person. For what is the normal intervention in human life? How does a person take hold of his or her own life? We can distinguish three kinds of processes that intervene, or can intervene, in human life. First, the process that is active in the person in the same way that physical-chemical forces are active in outer nature. Second, the process that is active in the realm of a person's life forces, in life itself. Third, the process that takes immediate hold of the person in the sphere of consciousness:

1. Physikalisch-Chemisches
2. Leben
3. Bewußtsein

  1. Physical-chemical
  2. Life
  3. Consciousness
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[ 9 ] Hier müssen wir einen wichtigen Begriff feststellen. Im gewöhnlichen Leben haben wir die drei Bewußtseinszustände des Wachens, Träumens und Schlafens. In dem Augenblick, wo wir mit einer wirklich therapeutischen Maßnahme herankommen, greifen wir ein in das Bewußtsein. Wir greifen mehr oder weniger ein, je nachdem die therapeutische Maßnahme ist. Aber dieses Eingreifen geschieht niemals in einer so unmittelbaren Weise im sogenannten normalen Verlaufe des Lebens. Ißt der Mensch bloß, gibt er sich bloß der gewöhnlichen Nahrungsmittelaufnahme hin, dann laufen fort, wenn es sich eben um eine gewöhnliche Nahrungsmittelaufnahme handelt, sein Wachen, Träumen, Schlafen in normaler Weise, höchstens daß man irgendwie mit der Diät eingreift — da ist aber schon die Grenze verschiebbar — auf den Organismus, um einen gesünderen Schlaf herbeizuführen, als er vorhanden ist. Aber es beginnt da schon das Therapeutische.

[ 9 ] Here we must grasp an important concept. In ordinary life there are three states of consciousness: waking, dreaming, and sleeping. The moment we apply an active therapeutic measure, we are intervening in the sphere of consciousness to a greater or lesser degree depending on what the measure is. Such intervention never occurs in such a direct way in the so-called normal course of life. A person who is eating, for instance, is surrendering to the usual process of taking nourishment; then, if this has proceeded normally, waking, dreaming, and sleeping follow in normal fashion. At the most, we might vary a diet for the purpose of bringing about better sleep, but there the boundary is already shifted. Therapy has already begun.

[ 10 ] Ganz etwas anderes ist es, wenn der Mensch zum Beispiel im Fieber ist, durch irgendwelche Umstände, und Sie therapeutisch eingreifen. Würden Sie mit demselben Mittel, mit welchem Sie im Fieber therapeutisch eingreifen, beim gesunden Menschen eingreifen, so würden Sie seinen Bewußtseinszustand ändern. Sie müssen also arbeiten als Arzt mit demjenigen, was im Grunde genommen zu tun hat mit den Bewußtseinszuständen. Während man sonst beim gewöhnlichen Wechselverkehr des Menschen mit der Umwelt es zu tun hat mit dem Leben, hat man es zu tun in der Medizin mit dem Eingreifen in die Bewußtseinszustände. Sie können das überall bei jeder therapeutischen Maßnahme finden, und es ist das Spezifische einer therapeutischen Maßnahme, daß sie in dasjenige eingreift, was irgendwie mit der Variabilität der Bewußtseinszustände zu tun hat. Es gibt auch kein anderes wirksames Heilmittel als dasjenige, das so tief in die menschliche Wesenheit eingreift, daß es die menschliche Wesenheit ergreift bis in diejenigen Quellen hinein, aus denen die Bewußtseinszustände resultieren. Damit aber stellen Sie sich als Arzt, als Therapeut unmittelbar hinein in die geistige Weltordnung. Denn Veränderung der Bewußtseinszustände bedeutet, daß Sie sich hineinstellen in die geistige Weltordnung. Und Sie ziehen immer, wenn Sie eine real wirksame Heilung haben, Sie ziehen immer gerade durch dieses Herandringen an die Bewußtseinszustände, wenn auch im Unterbewußtsein, das Seelische im therapeutischen Prozeß heran. Sie bleiben nicht im Physischen. Die gewöhnliche Nahrungsmittelaufnahme, das gewöhnliche Atmen, die sonstigen Vorgänge bleiben im Physischen, und mittelbar wirken durch das Physische die höheren Glieder des Menschen. Sie wirken auch und sie wirken durch das Physische; dagegen ziehen Sie das Seelische unmittelbar herein, wenn Sie ärztlich wirken, wenn Sie therapeutisch wirken. So können wir sagen: der Arzt tritt heran, wenn er seinen Beruf richtig versteht, unmittelbar ans Spirituelle. Es ist nur scheinbar, daß uns die therapeutischen Maßnahmen als bloß physische oder biologische Prozesse erscheinen. Sind sie wirklich therapeutische Maßnahmen - sonst sind sie das niemals -, so ziehen sie immer das Seelische heran, wenn das auch zunächst für das gewöhnliche Bewußtsein unbewußt bleibt. Aber man sollte nur einmal, meine lieben Freunde, verfolgen, wenn wirklich durch einen therapeutischen Prozeß, sagen wir, unmittelbar das Fieber herabgesetzt ist, was da im Menschen vorgeht in Wirklichkeit. Da wird bis in das Innerste seines Wesens hineingewirkt, wie umgekehrt der Krankheitsprozeß bis ins Innerste des Wesens hineinwirkt, die Prozesse im Menschen über das bloß Physische und Biologische hinausbringt. Das ist von der einen Seite. Wir sehen, wie ganz im wesentlichen das Arztsein, das Heilen aus dem Physischen ins Spirituelle durch seine eigene Wesenheit hineinführt.

[ 10 ] It is quite another matter if you intervene with some therapy when, for instance, a patient has a fever. If you were to apply the same therapy to a healthy person you would alter the person's condition of consciousness. Thus a physician has to work fundamentally with the various states of consciousness. A human being's ordinary relation to the outer world has to do with life forces, but in medical work one is intervening in the states of consciousness. You will find this is so in every single therapeutic measure. And it is the specific characteristic of a therapeutic measure that it does enter into what has to do in some way or other with the variability of consciousness. In fact the only effective therapy is one that takes such deep hold of our human constitution that it penetrates to the source from which our various states of consciousness come. But thereby you are intervening as physician, as therapist, directly in the ordering of the spiritual world. Your alteration of someone's condition of consciousness means that you are intervening directly in the ordering of the spiritual world. And when you have a really active cure, through this penetration into the state of consciousness, even though it may be into subconsciousness, you are always drawing the soul of the person into the therapeutic process. You do not remain in the physical sphere. Ordinary consumption of food, ordinary breathing, and other ordinary processes remain in the physical sphere, and the higher members work indirectly through the physical sphere. Higher forces are active through the physical organism. In contrast, when you are working as a physician or therapist you draw the patient's soul directly into his or her physical body. Indeed we can say if physicians understand their profession properly, they realize that they enter directly into the realm of the spiritual. It only seems that therapy is merely a physical or biological process. True therapeutic measures always involve the patient's soul, even though at first this may remain unknown to the ordinary consciousness. You should observe what actually takes place in a patient when, let us say, a fever is suddenly lowered by some therapeutic means. In this event processes are introduced into the innermost depth of the patient's being—just as the illness itself had worked into this depth—beyond the merely physical and biological realm. So we have looked at the picture from the medical point of view. We have seen how doctoring, healing, by its very nature leads from the physical realm into the spiritual.

[ 11 ] Nehmen wir ebenso ernst den Priesterberuf. Wenn der Priesterberuf nicht bloß ein Lehrberuf ist, sondern wenn er lebt im priesterlichen Wirken, dann ist er verbunden mit dem Kultus, und der Kultus schließt in sich den Sakramentalismus. Aber der Sakramentalismus ist kein Symbolismus. Der Sakramentalismus— was ist er? Er besteht darin, daß äußere Vorgänge geschehen. Diese äußeren Vorgänge, die da geschehen, tragen etwas in sich, was nicht aufgeht in dem Chemischen oder Biologischen, was da geschieht, sondern was in sich schließt Orientierungen, Richtungen, die dem Physischen, Biologischen einverleibt werden, und die im Spirituellen, im Geistigen ihren Urstand haben. Man vollzieht sinnliche Prozesse, in die Spirituelles hineinströmt im SichVollziehen. Das geistig Wesenhafte geschieht im Kultus auf sinnenfällige Art. Und dasjenige, was sich da vor den Gläubigen vollzieht, vollzieht sich ja zunächst vor dem Bewußtsein und es darf sich nichts anderes vollziehen als dasjenige, was vor dem Bewußtsein sich vollzieht. Sonst ist es kein Kultus, kein Sakrament, sondern Suggestion. Der Sakramentalismus, der Kultus im rechten Sinne darf niemals etwas von Suggestion an sich haben, aber er hat um so mehr das Spirituelle. Er spielt sich vor dem Bewußtsein ab, wirkt aber hinein in das Leben.

[ 11 ] Now let us examine the priest's profession just as carefully. Priests whose calling is not one of teaching, if they are truly active priests, then they are connected with the ritual, and the ritual includes the sacraments. But the sacraments are not symbols. What are they? They consist of the fact that external events take place, which are not exhausted, in chemical or biological processes. They contain orientations which are embodied in the physical-biological sphere, but which have their origin in the spiritual world. Sense-perceptible actions are performed, and spirit streams into the actions. Spiritual reality is present in the ritual on the level of sense perception. And what takes place there in front of the congregation takes place first of all before their conscious observation. Nothing is permitted to take place except what does take place in that way. Otherwise it would not be ritual, not sacrament, but suggestion. The sacraments—if they are done right—are never allowed to contain any element of suggestion. All the more, therefore, they are able to contain what is spiritual. They take place before the waking consciousness of the participants, but they work into the sphere of the life forces.

[ 12 ] Der Mensch ißt nicht bloß beim Abendmahl die Substanz, die ihm gereicht wird; dann hätte man es nicht mit einem Sakrament zu tun. Es handelt sich auch nicht um ein Symbol, sondern es handelt sich um etwas, was in sein Leben eingreift, weil das Sakrament aus der Orientierung der geistigen Welt heraus vollzogen wird, zelebriert wird, so daß man sagen kann: Therapie führt das Leben hinein ins Bewußtsein. Der Kultus mit dem Sakramentalismus führt das Bewußtsein hinein in das Leben.

[ 12 ] In communion a person is not just eating the material substance; in that case it would not be a sacrament. Nor is it a matter of symbols. Rather it has to do with reaching into a person's life, because a sacrament is enacted, is celebrated, through an orientation toward the spiritual world. Therefore one can say therapy leads from life to consciousness; the ritual with its sacraments leads from consciousness to life.

Therapie: Leben —— Bewußtsein
Kultus (Sakrament): Bewußtsein — Leben

Therapy: life to consciousness
Ritual (sacraments): consciousness to life

[ 13 ] Damit haben Sie die beiden polarischen Tätigkeiten: das therapeutische Wirken und das Zelebrieren; beide verhalten sich in der Tat polarisch. Im therapeutischen Wirken wird aus dem Leben heraus in das Bewußtsein hineingearbeitet und das Bewußtsein wird zum Mithelfer, allerdings zu einem im gewöhnlichen Bewußtsein unbewußten Mithelfer beim therapeutischen Prozeß. Beim Zelebrieren wird das Leben zum Mithelfer gemacht desjenigen, was vor dem Bewußtsein sich vollzieht. Beides, meine lieben Freunde, nicht bloß so schematisch, wie es jetzt vor Sie hingestellt ist, sondern tief innerlich geistig erfaßt, bedarf in der Regel des ganzen Menschen, wenn es Beruf wird. Und nur, weil wir innerhalb unserer Zivilisation in der Therapie hinausgekommen sind aus dem Geistigen und in der Theologie hinausgekommen sind aus dem Konkreten, weil wir innerhalb unserer Zivilisation uns in der Therapie verirrt haben in den Materialismus und in der Theologie in die Abstraktion, ist heute das wahre Verhältnis ganz und gar zugedeckt. Aber dieses wahre Verhältnis muß wieder ergründet werden, muß wieder zur Wirksamkeit kommen. Es muß wiederum ersichtlich werden, wie der Arzt schon für die Diagnose braucht den geschulten Blick, der ihm einen biologischen oder sogar physischen Vorgang im menschlichen Organismus im Lichte spiritueller Prozesse — denn alle Prozesse im menschlichen Organismus sind spirituell - erscheinen läßt, so daß der Arzt den geschulten Blick schon bei der Diagnose braucht und noch mehr bei der Therapie für das Aufleuchten des Geistigen im Physischen.

[ 13 ] There you have the two activities in polarity: therapeutic activity and the celebration of the sacraments. In therapeutic measures, the course leads from life to consciousness, and consciousness becomes a helper, at least (in ordinary consciousness) an unconscious helper, in the healing process. In the celebration of the sacraments life is made a helper for what is enacted before the consciousness. Both of these activities have to be grasped spiritually in deep inwardness—not merely diagrammatically as it is now being presented to you. They require the involvement of the total human being if that individual wants to make one or the other a vocation. In our present civilization therapy has left behind the spiritual element, and theology has left behind the concrete world. In our present civilization therapy has taken a false path into materialism and theology a false path into abstraction. For these reasons their true relationship has become completely veiled. This true relationship must be reestablished. It must become active again. Again it must become clear that for diagnosis physicians need a trained observation that enables them to see a biological or physical process in the human organism as a spiritual process. For all processes in the human organism are spiritual. For diagnosing, and still more for treatment, physicians need an observation that is trained to see the lighting up of the spirit within the physical.

[ 14 ] Der Priester braucht den geschulten Blick für das Aufleuchten des physischen Bildes für einen geistigen Vorgang. Wiederum das Polarische. Aber Polaritäten müssen immer in der Welt zusammenwirken; auch diese beiden Polaritäten müssen zusammenwirken. Und wie sie zusammenwirken müssen, das wird gerade die Aufgabe sein, die innerhalb der Anthroposophie zu ergründen ist, die aber auch innerhalb der Anthroposophie zur wirklichen Ausführung kommt; so daß denkbar ist, meine lieben Freunde, daß aus diesem Zusammensein innerhalb des Kursus über Pastoralmedizin tatsächlich für die Zukunft geschaffen werden kann der anthroposophische Arzt, der aus seinem Verhältnis zur geistigen Welt in das rechte Verhältnis zum Priester treten kann, der wiederum aus der Bewegung für christliche Erneuerung herauswächst. Es wird sich etwas ganz Spezielles ergeben für den Arzt und für den Priester, und daraus kann dann das rechte Zusammenarbeiten entstehen.

[ 14 ] Priests need an observation that is trained to see the lighting up of the physical reflection of a spiritual event. There is a polarity again. But there must always be polarities working together in this world, and these are no exception. To see how they are to work together will be a task within the sphere of Anthroposophy and based on Anthroposophy, a task also to be fulfilled within anthroposophical spheres of activity. So one can think that out of this gathering for a pastoral medicine course there may actually be created future anthroposophical physicians—physicians who will hold the right relation to priests because of their own relation to the spiritual world. The priests themselves will have come out of the Movement for Religious Renewal. Something quite special will develop out of this course for the physician and the priest so that they will work together in a true way.

[ 15 ] Denn was kann in diesem Falle nur Zusammenarbeiten heißen, meine lieben Freunde? Zusammenarbeiten kann nicht heißen, daß der Priester arztet dilettantisch und der Arzt priestert dilettantisch. Das kann es nicht heißen. Denn wenn das Zusammenarbeiten darin bestünde, daß der Priester ein bißchen etwas von Medizin weiß, der Arzt etwas mitmacht vom Kultus der Priesterschaft, dann möchte ich wissen, warum sie zusammenarbeiten sollen. Denn wozu sollte sich denn der Arzt interessieren, der geschult ist, für den priesterlich-ärztlichen Dilettantismus? Es ist gar keine Veranlassung dazu. Und warum sollte denn für irgend etwas Priesterliches in der Ärzteschaft sich der Priester anders interessieren, als wenn der Arzt einen Seelsorger braucht? Dagegen ist der Arzt ein tüchtiger Arzt, steht er drinnen im Medizinischen, ist der Priester der richtige Priester, dann können sie zusammenarbeiten. Zusammenarbeiten heißt doch, daß man sich gegenseitig das gibt, in dem man tüchtig ist, nicht daß der eine in die Sphäre des anderen eingreift.

[ 15 ] For what in this case can it mean that they work together? Surely not that the priest does dilettantish doctoring and that the doctor is a dilettante priest! If their working together were to consist of priests knowing a few medical facts and physicians vesting themselves as priests, then I'd like to know why they should work together. Why should an experienced physician be interested in half priest-half doctor dilettantism? It makes no sense. And why should a priest want to interfere in medical matters except when the physician asks for a pastor? On the other hand, if the physician is a good physician standing squarely within the medical profession, and if the priest is a real priest, they can work together. It means that one offers help to the other out of professional abilities, not that one pushes into the other's professional domain.

[ 16 ] Gerade dadurch aber, daß ein solches Zusammenarbeiten stattfindet, gerade dadurch wird sich für die Kultur ein Allerwichtigstes ergeben, das ergeben, daß durch diesen herbeigeführten wechselseitigen Verkehr erst das wahre Verständnis des Arztes für den Priester, des Priesters für den Arzt entsteht, so daß der Priester so viel weiß vom Arzten, als ihm nötig ist, der Arzt so viel weiß vom Beruf und der Mission des Priesters, als ihm wieder nötig ist. Es wird sich dann später ergeben, inwieweit wiederum beide, Arzt und Priester, im Zusammenwirken mit dem Pädagogen etwas Heilsames für die Menschheit wirken können. Aber das wird wieder eine besondere Aufgabe sein. Auch da wird es ein Zusammenwirken geben, gerade da in der mannigfaltigsten Weise, weil ja in der Tat Pädagogik wieder etwas ist, was von einem anderen Gesichtspunkte aus zu betrachten ist. Der Priester kann nicht Arzt, der Arzt nicht Priester werden, insoferne sie Arzt oder Priester sind. Beide aber können in einem gewissen Sinne Pädagogen sein, aber man muß alle Arten dieses Zusammenwirkens in ganz konkreter Weise auffassen. Deshalb möchte ich Sie unter den Wahrheiten, die die Pastoralmedizin überliefern soll, zunächst für heute bitten, auch diese zu zählen, die in der Warnung vor dem chaotischen Ineinanderwerfen liegt, in dem Daraufbestehen, daß alles aus wirklichen sachlichen und fachlichen Grundlagen herausgearbeitet werde. Der Priester wird dem wirklichen Arzt dann ein wirklicher Helfer sein, wenn er dahin wirkt, daß der ärztliche Dilettantismus zurückgewiesen werde. Das wird mit zu seinen Aufgaben gehören. Und der Arzt wird manches tun können, gerade am Krankenbett, um die Priesterwirkung da zur rechten Geltung zu bringen, wo sie oftmals in der allerrealsten Weise in das Leben einzugreifen hat: am Krankenbert.

[ 16 ] Such an association will bring about a profoundly important result for our culture. The physician will truly understand the priest, and the priest the physician. The priest will know as much about being a doctor as is needed to know and the physician as much about the vocation of the priest as is needed to know. And then in time we will see to what extent physician and priest can work with the teacher to accomplish something beneficial to humanity. In that area, too, people will have to work together—and in the most manifold ways, because education is also something that must be looked at from a fresh point of view. The priest cannot be a physician, nor the physician a priest, but they can both in a certain sense be teachers. But all the details of these new associations will have to be thought out quite concretely. Therefore I would like to ask you from the very beginning to count this earnest request as part of all that this pastoral medicine course is going to present: that everything be worked out on a professional and expert basis. Priests will truly help actual physicians if they reject all thought of medical dilettantism. That will be one of their responsibilities. And physicians will be able to do very much at the sickbed to bring the mission of the priests to proper fulfillment—precisely at the sickbed, where often a priest has to intervene in life in a really essential way.

[ 17 ] Wir werden morgen diese Betrachtungen fortsetzen.

[ 17 ] Not translated