An Anthroposophical Understanding
of Humanity and Medicine
GA 319
2 September 1923, London
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An Anthroposophical Understanding of Humanity and Medicine, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Natürlich muß mein erstes Wort sein, meine sehr verehrten Anwesenden, daß ich Sie um Entschuldigung bitte, nicht in Ihrer Sprache sprechen zu können, sondern daß ich zu Ihnen deutsch sprechen werde, was übersetzt werden muß, und daher für die verehrten Zuhörer das Anhören etwas mühevoll wird sein müssen. Aber da ich die englische Sprache nicht in der Weise beherrsche, wie es nötig wäre zu einem Vortrage, so muß das eben so verlaufen. Ich bin einigen Freunden, vor allen Dingen Mrs. Larkins, sehr dankbar dafür, daß ich im Anschluß an die geisteswissenschaftlichen Vorträge, die ich in Sommerkursen in Ilkley und in Penmaenmawr habe halten dürfen, nun auch an diesen Abenden zu Ihnen über etwas sprechen darf, was in unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung aufgetreten ist als eine Art medizinische Bewegung, nicht etwa - das bitte ich wirklich durchaus zu berücksichtigen - in irgendeiner Opposition gegen die offizielle Wissenschaft, gegen die offizielle Medizin, sondern durchaus in der Absicht, dasjenige, was an großen Einsichten, an großen Fortschritten in der gegenwärtigen Wissenschaft vorhanden ist, durch geisteswissenschaftliche Anschauung weiterzuführen. Es ist auch innerhalb der geisteswissenschaftlichen Bewegung, die, bevor solche wissenschaftliche Strömungen in ihr zur Geltung gekommen sind, durchaus sich mehr mit den allgemein menschlichen, künstlerischen, religiösen, sittlichen, pädagogischen Fragen und dergleichen befaßt hat, nicht etwa so gewesen, daß die Absicht bestanden hat, einmal auch agitatorisch etwa auf dem medizinischen Gebiete aufzutreten, sondern es haben sich in diese geisteswissenschaftliche Bewegung auf dem Kontinente auch Ärzte gefunden, Ärzte, die trotz ihrer durchaus wissenschaftlichen Überzeugung ihre Seelenbedürfnisse zunächst glaubten innerhalb dieser geisteswissenschaftlichen Bewegung befriedigen zu können. Und dasjenige, was ihnen da als eine Art Erforschung der über die physisch-sinnliche Welt hinausliegenden geistigen Welt entgegentrat, das führte sie einfach dazu, nach und nach zu glauben, daß manche von den großen Zweifeln, manche von den großen Fragen, die innerhalb der medizinischen Wissenschaft der Gegenwart sich dem praktischen Arzt ergeben, gerade auf diesem Felde befriedigende, ich will nicht sagen, sogleich Lösungen, aber befriedigende Weiterführungen finden können.
[ 1 ] Of course, my first words must be, my esteemed audience, to ask for your forgiveness for not being able to speak in your language, but rather that I will speak to you in German, which will have to be translated, and therefore listening to me will inevitably be somewhat taxing for you, my esteemed listeners. But since I do not have the command of the English language that would be necessary for a lecture, this is simply how it must be. I am very grateful to some friends—above all Mrs. Larkins—that, following the lectures on Spiritual Science I was able to give during the summer courses in Ilkley and Penmaenmawr, I am now also able to speak to you on these evenings about something that has emerged within our Spiritual Science movement as a kind of medical movement—not at all —and I really ask you to bear this in mind—in any kind of opposition to official science or official medicine, but rather with the intention of building upon the great insights and advances found in contemporary science through Spiritual Science. Even within the Spiritual Science movement—which, before such scientific currents came to the fore within it, was concerned primarily with general human, artistic, religious, moral, educational issues, and the like—it was not the case that there was any intention to one day take an agitational stance in the medical field, for example; rather, there were also doctors within this Spiritual Science movement on the continent—doctors who, despite their thoroughly scientific convictions, initially believed they could satisfy their spiritual needs within this Spiritual Science movement. And what they encountered there—a kind of exploration of the spiritual world lying beyond the physical-sensory world—simply led them, little by little, to believe that some of the great doubts, some of the great questions that arise for the practicing physician within contemporary medical science, could find, in this very field, satisfactory, I won’t say immediate solutions, but satisfactory further developments.
[ 2 ] Und so ist denn eine ärztliche Bewegung auf dem Kontinente aus dieser unserer sogenannten anthroposophischen geisteswissenschaftlichen Bewegung herausgewachsen. Ich muß sagen, daß ich eigentlich nicht gerade mit Vorliebe über diesen Teil unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung spreche, denn Sie werden aus dem Verlaufe der Beschreibungen überall sehen, daß es mir vielmehr darauf ankommt, Heilmittel herzustellen, die in der Tat wirksam sind, als über die Dinge viel zu sprechen. Aber dasjenige, was sich hier geltend machen will, ruht ja vor allen Dingen auf Grundlagen, auf die man eben erst aufmerksam machen muß, gerade den wissenschaftlich gebildeten Menschen der Gegenwart erst durchaus aufmerksam machen muß.
[ 2 ] And so a medical movement on the continent has grown out of our so-called anthroposophical Spiritual Science movement. I must say that I do not particularly enjoy speaking about this aspect of our Spiritual Science movement, for you will see throughout the course of these descriptions that I am much more concerned with producing remedies that are truly effective than with talking at length about these matters. But what is seeking to establish itself here rests, above all, on foundations that must first be brought to people’s attention—especially to the scientifically educated people of today.
[ 3 ] Ich kann mir sehr gut denken - und ich kenne alle die Untergründe, aus denen so etwas hervorgeht --, daß sich in Ihnen wirklich Widerspruch über Widerspruch gegen dasjenige, was ich zu sagen haben werde, geltend macht. Ich verstehe diese Widersprüche vollständig. Und eigentlich kann es heute noch nicht anders sein, als daß aus der wissenschaftlichen Überzeugung, die der Arzt hat, eben solche Widersprüche kommen. Deshalb war es uns auch nicht zunächst darum zu tun, irgend etwas theoretisch zu vertreten, sondern sogleich mit der Praxis aufzutreten. Und so wurde denn dem Wunsche von Ärzten und auch anderen wissenschaftlichen Physikern, Chemikern, Biologen dadurch Rechnung getragen, daß wir wissenschaftliche Institute gründeten, wissenschaftliche Forschungsinstitute. Dasjenige, was vor allen Dingen in Betracht kommt, ist das chemisch-pharmazeutische Laboratorium in Arlesheim. Und damit stehen dann in Verbindung innerhalb unserer Bewegung ein biologisches, ein physikalisches Institut. Daß es uns wirklich um ernste Forschung zu tun ist, das wird Ihnen vielleicht daraus hervorgehen, daß zum Beispiel gerade in unserem biologischen Institute schon ganz wichtige Arbeiten gemacht worden sind, obwohl der Bestand dieser Institute ja eigentlich nur ein sehr kurzer ist.
[ 3 ] I can well imagine—and I am familiar with all the underlying factors that give rise to such things—that you are indeed experiencing one contradiction after another regarding what I am about to say. I fully understand these contradictions. And in fact, it cannot be otherwise today than that such contradictions arise precisely from the scientific convictions held by physicians. That is why our primary concern was not to advocate anything theoretically, but rather to proceed immediately with practical application. And so we responded to the wishes of physicians as well as other scientific physicists, chemists, and biologists by founding scientific institutes—scientific research institutes. The one that is of primary importance is the chemical-pharmaceutical laboratory in Arlesheim. And connected to this within our movement are a biological institute and a physical institute. That we are truly committed to serious research may become clear to you from the fact that, for example, very important work has already been carried out in our biological institute alone, even though these institutes have actually been in existence for only a very short time.
[ 4 ] Es ist uns nach meiner vollen Überzeugung gelungen, in dem biologischen Institut, das unter der Leitung von Herrn Dr. Kolisko und Frau Dr. Kolisko steht, wenigstens bis zu einer großen Wahrscheinlichkeit, die Funktionen der Milz aufzuklären, und zwar in der Richtung, daß wir in der Milzfunktion sehen müssen eine Regulierung derjenigen Unregelmäßigkeiten, die im rhythmischen Verdauungsprozeß entstehen dadurch, daß ja der Mensch nicht vollständig im Rhythmus essen kann. Und selbst, wenn er meinetwillen sich ganz pedantisch, exakt pedantisch die Zeiten für sein Essen einteilen würde, so würde es dennoch durch die verschiedene Wahl der Nahrungsmittel und dergleichen eine Unterbrechung des Verdauungsrhythmus geben.
[ 4 ] It is my firm conviction that we have succeeded, at the Biological Institute headed by Dr. Kolisko and Dr. Kolisko, to elucidate—at least with a high degree of probability—the functions of the spleen, namely that we must view the spleen’s function as a regulation of those irregularities that arise in the rhythmic digestive process because humans cannot eat entirely in rhythm. And even if, for my sake, one were to schedule one’s meals quite pedantically—exactly and meticulously—there would still be an interruption in the digestive rhythm due to the varied choice of foods and the like.
[ 5 ] Und da stellt sich denn das Merkwürdige heraus, daß die Milzfunktion gerade darinnen besteht, die rhythmischen Störungen des menschlichen Verdauungsprozesses, die gerade durch das Leben des Menschen eben hervorgebracht werden müssen, auszugleichen.
[ 5 ] And here we find the curious fact that the function of the spleen consists precisely in compensating for the rhythmic disturbances in the human digestive process that are inevitably caused by human life itself.
[ 6 ] Dann ist es uns gelungen in den allerletzten Zeiten — in einer Abhandlung wird das dargestellt, die eben jetzt erschienen ist —, im biologischen Institute wirklich den exakten Nachweis zu führen, daß kleinste Entitäten verschiedener Stoffe tatsächlich Wirkungen ausüben.
[ 6 ] Then, very recently—as described in a paper that has just been published—we at the Biological Institute have succeeded in providing precise evidence that the tiniest entities of various substances do indeed exert effects.
[ 7 ] Es soll damit nicht etwa für irgendeine Parteirichtung in der Medizin eingetreten werden. Gerade wenn man exakt vorgeht auf diesem Gebiete, so findet man dieses, daß das eine Gebiet in der entsprechenden Weise mit entsprechend größeren Quanten, aber das andere Gebiet des menschlichen Organismus eben doch mit kleinsten Quanten behandelt werden muß. Es gab bisher auf diesem Gebiete im Grunde genommen nur den homöopathischen Glauben, keine exakte Forschung.
[ 7 ] This is not intended to advocate for any particular school of thought in medicine. Precisely when one proceeds with precision in this field, one finds that one area must be treated in the appropriate manner with correspondingly larger doses, while another area of the human organism must, in fact, be treated with the smallest possible doses. Until now, this field has essentially been based solely on homeopathic belief, not on precise research.
[ 8 ] Es scheint nun tatsächlich gelungen zu sein, auf ganz exaktem Wege nachweisen zu können, daß gewisse Substanzen zum Beispiel Antimonverbindungen — das geht in sehr starker Verdünnung -, in anderer Weise auf das Wachstum des Weizenkorns einwirken, als wenn man mit der Verdünnung noch weitergeht; geht man dann noch weiter, so kommt man immer in einen rhythmischen Gang über Maxima und Minima. Wir haben alles getan, um mit voller Verantwortung auf diesem Gebiete den Nachweis zu führen, daß Verdünnungen selbst in dem Verhältnis von eins zu einer Trillion durchaus vitale Wirkungen haben. Wir haben Weizenkörner, die wir sehr genau ausgewählt haben nach ihren Keimungsintensitäten, zum Keimen gebracht in Flüssigkeiten, in denen wir die entsprechend verdünnten Substanzen hatten, so daß durch die sehr gewissenhafte Art, die, wie ich glaube, bei Frau Kolisko vorliegt, tatsächlich dasjenige, was bisher, ich möchte sagen, nur als ein laienhafter Glaube hat auftreten können, auf eine wissenschaftliche Basis gestellt worden ist.
[ 8 ] It now appears that we have indeed succeeded in demonstrating, through very precise methods, that certain substances—for example, antimony compounds (which work even in very strong dilutions)—affect the growth of the wheat grain differently than when the dilution is taken even further; if one dilutes them even further, one always arrives at a rhythmic pattern of maxima and minima. We have done everything in our power to provide conclusive evidence in this field—with full responsibility—that dilutions, even at a ratio of one to one trillion, have definite vital effects. We have caused wheat grains—which we selected very carefully based on their germination rates—to germinate in liquids containing the appropriately diluted substances, so that through the very meticulous approach—which, I believe, Mrs. Kolisko embodies—what until now could only be described, I would say, as a layman’s belief has in fact been placed on a scientific foundation.
[ 9 ] Ich führe dieses nur einleitungsweise aus dem Grunde an, damit gezeigt werden kann, wie wir durchaus nicht etwa so, wie das in laienhafter Weise geschieht, in unwissenschaftlicher Art vorgehen wollen. Die geisteswissenschaftlichen Einsichten werden in der Tat durch ein geistiges Schauen gewonnen, über das ich Ihnen nicht näher zu sprechen haben werde; das geschieht bei den Auseinandersetzungen, die ich eben an anderen Orten gebe. Die großen Richtlinien werden in der Tat durch geistiges Schauen gewonnen, und durch dieses geistige Schauen glaube ich, daß es mir gelungen ist, die Möglichkeit herbeizuführen, auch wirklich exakt den Zusammenhang der inneren Menschenorganisation mit der Konstitution nicht nur der Natursubstanzen, sondern vor allen Dingen der Naturprozesse in exakter Weise formulieren zu können, so daß die tiefe Kluft, die ja heute — das müssen wir uns doch offen gestehen - wirklich besteht zwischen Pathologie und Therapie, durch diese Methode überbrückt werden kann. So daß man tatsächlich in der Zukunft eine Pathologie wird haben können, die von selber in die Therapie übergeht, weil durch das Anschauen sowohl des gesunden Organismus wie namentlich des kranken ÖOrganismus, man genau wird entdecken können, wie - ich werde heute in einigen Beispielen das erläutern — nicht nur von außer dem menschlichen Organismus entstandenen Substanzen, sondern von außer dem menschlichen Organismus vollzogenen Prozessen, sei es von der Natur, sei es im Laboratorium vollzogenen Prozessen, innerhalb des menschlichen Organismus heilend gewirkt werden kann. Und auf das Therapeutische kommt es uns ja dabei vor allen Dingen an. Wir wissen sehr gut, daß die Pathologie heute eigentlich weiter fortgeschritten ist, als sie selber weiß. Pathologie ist heute etwas, was man in jedem ihrer Punkte aufgreifen und um ein Stück weiterführen kann. Während in der Tat eine tiefe Kluft besteht zwischen der Einsicht, die in bezug auf die Struktur, auf die Histologie von Organen besteht, und demjenigen, wie nun das eigentliche Heilmittel in dem menschlichen Organismus weiterwirkt. Man durchschaut heute nicht einmal den gewöhnlichen Ernährungsprozeß vollständig, der, wie ich glaube, viel weiser aus Instinkt eingerichtet ist, als man ihn je einrichten könnte durch eine wissenschaftliche Theorie, geschweige denn, daß man durchschaute in exakter Weise die Beziehungen, die bestehen zwischen den Substanzen sowohl wie zwischen dem Funktionieren dieser Substanzen innerhalb des menschlichen Organismus, und draußen sowohl in der Natur wie eben auch in denjenigen Prozessen, die im Laboratorium vollzogen werden können.
[ 9 ] I mention this only by way of introduction, so that it may be shown how we by no means intend to proceed in an unscientific manner, as is often done by laypeople. Insights into the Spiritual Sciences are, in fact, gained through spiritual vision, which I need not discuss in detail here; that is the subject of the lectures I have given elsewhere. The major guiding principles are indeed gained through spiritual insight, and through this spiritual insight I believe I have succeeded in making it possible to formulate with precision the connection between the inner human organization and the constitution not only of natural substances but, above all, of natural processes, so that the deep chasm that—as we must frankly admit— —truly exists today between pathology and therapy, can be bridged by this method. So that in the future we will indeed be able to have a pathology that transitions of its own accord into therapy, because by observing both the healthy organism and, in particular, the diseased organism, we will be able to discover precisely how—as I will illustrate today with a few examples—not only substances originating outside the human organism, but also processes carried out outside the human organism, whether by nature or in the laboratory, can exert a healing effect within the human organism. And it is the therapeutic aspect that matters most to us in this regard. We know very well that pathology today is actually more advanced than it realizes. Pathology today is something that can be taken up at every point and taken a step further. Yet in fact, there is a deep chasm between our understanding of the structure and histology of organs and how the actual remedy continues to act within the human organism. Today, we do not even fully understand the ordinary process of nutrition, which, I believe, is arranged much more wisely by instinct than it could ever be arranged by a scientific theory—let alone that we have an exact understanding of the relationships that exist between substances as well as between the functioning of these substances within the human organism, and outside it—both in nature and in the processes that can be carried out in the laboratory.
[ 10 ] Auf den Weg bin ich dadurch gebracht worden, daß ich glaube, daß ich in einer jetzt wirklich mehr als dreißigjährigen Forschung feststellen konnte, daß das allerwichtigste ist, um den Menschen zu durchschauen in seiner ganzen Konstitution, die fundamentale Differenz zwischen drei verschiedenen Arten des Funktionierens im menschlichen Organismus festzustellen. So habe ich denn unterscheiden gelernt im Menschen eigentlich ein dreifaches Funktionieren des Organismus.
[ 10 ] I was led down this path by my belief that, in more than thirty years of research, I have been able to establish that the most important thing for understanding human beings in their entirety is to identify the fundamental difference between three distinct modes of functioning within the human organism. Thus, I have learned to distinguish what is essentially a threefold functioning of the human organism.
[ 11 ] Ich habe gegliedert dieses dreifache Funktionieren — ich möchte sagen, die Dinge sind ja natürlich alle im Werden — zunächst im weitesten Sinne in den Nerven-Sinnesprozeß. Alles dasjenige fasse ich unter diesen ersten Teil, was zusammenhängt mit dem Funktionieren der Sinne im weitesten Sinne und der mit ihnen in irgendeiner Verbindung stehenden Nerven. Ich unterscheide nun davon alles dasjenige, was rhythmische Prozesse im menschlichen Organismus sind. Und wiederum, als drittes, unterscheide ich von diesen beiden Prozessen dasjenige, was Stoffwechsel- und Bewegungsprozesse sind. Die Stoffwechsel- und Bewegungsprozesse hängen ja miteinander innig zusammen; jede innere und äußere Bewegung des menschlichen Organismus ist im innigen Kontakt mit einem Vorgang des Stoffwechsels und kann eigentlich nur mit diesem als Funktion in Zusammenhang betrachtet werden.
[ 11 ] I have divided this threefold functioning—I would say, of course, that all these things are in the process of becoming—first, in the broadest sense, into the nerve-sensory process. I include in this first part everything related to the functioning of the senses in the broadest sense and the nerves connected to them in any way. I now distinguish from this everything that constitutes rhythmic processes in the human organism. And thirdly, I distinguish from these two processes everything that constitutes metabolic and motor processes. Metabolic and motor processes are, of course, intimately connected; every internal and external movement of the human organism is in close contact with a metabolic process and can, in fact, only be considered in relation to it as a function.
[ 12 ] Diese drei Funktionsarten im menschlichen Organismus sind fundamental voneinander verschieden, und zwar so stark, daß dasjenige, was ich als die Prozesse des Nerven-Sinneslebens auffasse, sogar polarisch entgegengesetzt ist den Prozessen, die zusammengefaßt werden können als motorische und Stoffwechselprozesse. So daß, wenn wir zum Beispiel irgendeinen Prozeß in dem Stoffwechsel haben, dieser Prozeß - und zwar jeder Prozeß im Stoffwechsel — einen polarisch entgegengesetzten Prozeß im Nerven-Sinnesapparat hervorruft. Die rhythmischen Vorgänge sind dann der Ausgleich zwischen beiden. Nun handelt es sich darum, die realen Unterschiede zwischen diesen Prozessen zu finden.
[ 12 ] These three types of functions in the human organism are fundamentally different from one another—so much so that what I understand as the processes of the nervous-sensory life are even polar opposites of the processes that can be summarized as motor and metabolic processes. Thus, when we have, for example, any metabolic process, this process—and indeed every metabolic process—triggers a polar opposite process in the nervous-sensory system. The rhythmic processes then serve as the balance between the two. The task now is to identify the real differences between these processes.
[ 13 ] Da möchte ich zunächst darauf hinweisen, daß eine genauere Einsicht in den menschlichen Organismus zeigt — ich kann diese Dinge natürlich nur skizzieren in der Kürze der Zeit -, daß, wenn wir es mit der Nerven-Sinnesorganisation zu tun haben, wir es im wesentlichen zu tun haben mit der Wirkung des Substantiellen, der verschiedenen Stoffe im menschlichen Organismus. Also kommt irgend etwas in Betracht, was bloß innerhalb der Sinnesorganisation oder der Nervenorganisation ist, so ist für die Betrachtung das Wesentliche, daß wir die Relation kennen zwischen irgendeiner Substanz, die wir in der Weltumgebung des Menschen haben, und demjenigen, was wiederum substantiell in dem Verlauf des Nerven-Sinnesprozesses sich finder.
[ 13 ] First, I would like to point out that a closer examination of the human organism reveals—though I can, of course, only sketch these things briefly given the limited time available—that when we are dealing with the nervous-sensory system, we are essentially dealing with the effects of the substantial, that is, the various substances in the human organism. So whenever something comes into consideration that is purely within the sensory or nervous system, the essential point for our consideration is that we understand the relationship between any substance found in the human environment and that which, in turn, is substantively present in the course of the nervous-sensory process.
[ 14 ] Haben wir es mit einem Stoffwechselprozeß zu tun, der zusammenhängt mit einem Bewegungsprozefß, so kommt vor allen Dingen in Betracht, nun nicht das Substantielle dessen, was wir in der menschlichen Umgebung finden, sondern die Vorgänge an dem Substantiellen, die Prozesse an dem Substantiellen. Ich möchte das von der anderen Seite beleuchten. Handelt es sich darum, daß man konstatieren kann, daß ein Krankheitsherd im Nerven-Sinnesapparat ist, so werde ich zu erforschen haben, welche Substanzen da als Heilfaktoren — wir werden über das Genauere dann weitersprechen - in Betracht kommen können. Handelt es sich aber darum, einen Krankheitsprozeß zur Abheilung zu bringen im Bewegungs- und Verdauungssystem, so kommt es darauf an, nachzuforschen, welcher Prozeß entweder als Naturprozeß oder als Laboratoriumsprozeß vorliegen muß in der Verarbeitung von Substanzen, um die betreffenden Substanzen zu Heilmitteln umzuformen.
[ 14 ] When we are dealing with a metabolic process related to a movement process, what comes into consideration first and foremost is not the substance itself of what we find in the human environment, but rather the processes occurring within that substance—the processes taking place within the substance itself. I would like to examine this from the other side. If it is a matter of being able to establish that a focus of disease is located in the nervous-sensory system, then I will have to investigate which substances—we will discuss the details later—might be considered as healing factors. If, however, the goal is to bring about healing in a disease process within the musculoskeletal and digestive systems, it is essential to investigate which process—whether a natural process or a laboratory process—must be present in the transformation of substances in order to convert the substances in question into remedies.
[ 15 ] Im Speziellen gesprochen - es ist ein Fall, den ich dann weiter erörtern werde -, nehmen wir an, wir versuchen die Heilkraft des Antimons. Wir werden die Heilkraft des Antimons zu unterscheiden haben in bezug auf alles dasjenige, was seinen Herd im Nerven-Sinnesapparat des Menschen hat. Da würde es sich uns handeln um das Substantielle des Antimons. Handelt es sich darum, die Heilwirkung des Antimons für das motorische und das im Zusammenhang damit stehende Stoffwechselsystem zu betrachten, dann wird es sich darum handeln, das Antimon solchen Prozessen zu unterwerfen, Verbrennungsprozessen, Oxydationsprozessen, wo das Antimon als Rauch aufgeht, und der Rauch sich als Spiegel* absetzt, und wir werden von dem richtigen Ausführen dieser Prozesse den Erfolg dieses Heilmittels zu erwarten haben. So daß wir eigentlich immer sagen können, ganz fundamental: wir sollen die Substanzen, die Heilfaktoren in der Umgebung des Menschen suchen für das Nerven-Sinnessystem. Wir sollen die Prozesse, die wir entweder selbst herbeiführen oder die die Natur herbeiführt, ansehen als das Heilende für die Stoffwechsel- und Bewegungsprozesse im menschlichen Organismus. Da diese beiden Prozesse polarisch einander entgegengesetzt sind, wirkt das Rhythmische, alles Rhythmische, vor allen Dingen der Atmungsrhythmus, der Zirkulationsrhythmus, die Verdauungsrhythmen, die anderen Rhythmen im Menschen, Schlafens- und Wachensrhythmus im Menschen, die wirken nun vermittelnd, ausgleichend, so daß nun bei denjenigen Prozessen, die sich auf die Organe der rhythmischen Organisation des Menschen beziehen, nun auch wieder bei der Herstellung der Heilmittel gesehen wird, auf die Wechselwirkung, die sich ergeben wird aus der Zubereitung des wirksamen Substantiellen und der wirksamen Prozesse, die man die Natur herbeiführen läßt oder selber herbeiführt.
[ 15 ] To be more specific—this is a case I will discuss further later—let us suppose we are trying out the healing power of antimony. We will have to distinguish the healing power of antimony in relation to everything that has its source in the human nervous and sensory system. There, we would be dealing with the essential nature of antimony. If the aim is to examine antimony’s therapeutic effect on the motor system and the associated metabolic system, then the task will be to subject antimony to certain processes—combustion processes, oxidation processes—in which the antimony rises as smoke, and the smoke settles as a mirror, and we will have to expect the success of this remedy to depend on the proper execution of these processes. So that we can actually always say, quite fundamentally: we should seek the substances—the healing factors—in the human environment for the nervous and sensory systems. We should regard the processes—whether we bring them about ourselves or nature brings them about—as the healing agents for the metabolic and motor processes in the human organism. Since these two processes are polar opposites, the rhythmic—everything rhythmic—above all the respiratory rhythm, the circulatory rhythm, the digestive rhythms, and the other rhythms in the human being, such as the sleep-wake rhythm—these now act as mediators, and balancing, so that in those processes relating to the organs of the human body’s rhythmic organization—and likewise in the preparation of remedies—one observes the interaction that arises from the preparation of the active substance and the active processes that one allows nature to bring about or brings about oneself.
[ 16 ] Damit ist zunächst nur einiges Fundamentales erörtert. Ich möchte dann auf das Gesprochene eingehen, werde mir dann erlauben, nachdem ich heute das Fundamentale erörtern werde, morgen auf einige unserer Heilmittel einzugehen, die in dem Pharmazeutischen Laboratorium in Arlesheim hergestellt werden und die in der damit verbundenen Klinik, die unter der ausgezeichneten Leitung von Frau Dr. Wegman steht, die ja auch anwesend ist, ausprobiert werden, Ich werde auf das eigentliche Therapeutische noch eingehen. Vom Anfang an warich durchaus dafür, daß das Geisteswissenschaftliche nur die Richtlinien abzugeben hat, aber keine Heilmittel herstellt anders, als daß wir unsere Laboratorien in Verbindung mit der Klinik haben, so daß tatsächlich dann am Krankenbett in der Klinik verifiziert wird.
[ 16 ] This covers only a few fundamental points for now. I would then like to address what has been discussed; after covering the fundamentals today, I will take the liberty of discussing tomorrow some of our remedies, which are produced in the pharmaceutical laboratory in Arlesheim and are being tested in the affiliated clinic, which is under the excellent direction of Dr. Wegman, who is also present here. I will also address the actual therapeutic aspects. From the very beginning, I was firmly of the opinion that Spiritual Science should only provide guidelines but should not produce remedies—except that we have our laboratories in connection with the clinic, so that verification actually takes place at the patient’s bedside in the clinic.
[ 17 ] Faßt man diese Differenzierung des Menschen in die Prozesse des Nerven-Sinnessystems, des rhythmischen Systems und des Stoffwechsel-Bewegungssystems ins Auge, so muß man dann finden, wie der Mensch so konstituiert ist, daß diese drei Systeme zwar in bezug auf ihr Funktionieren durchaus voneinander verschieden sind, daß sie aber an jeder Stelle der menschlichen Organisation sich durchdringen. Es ist dies eine unbequemere Betrachtungsweise des Menschen als die gewöhnliche. In der gewöhnlichen Betrachtungsweise nimmt man irgendein Organ oder einen Teil eines Organs, betrachtet es nun eben histologisch oder der Zellenanatomie nach und so weiter.
[ 17 ] If one considers this differentiation of the human being into the processes of the nervous-sensory system, the rhythmic system, and the metabolic-locomotor system, one must then recognize that the human being is constituted in such a way that, while these three systems are indeed quite distinct from one another in terms of their functioning, they nevertheless interpenetrate one another at every point within the human organism. This is a more challenging way of viewing the human being than the usual one. In the usual approach, one takes a particular organ or part of an organ and examines it from a histological perspective or in terms of cellular anatomy, and so on.
[ 18 ] Hier hat man nötig, bei jedem Organ zu unterscheiden, inwiefern an dem Funktionieren dieses Organs beteiligt ist der Nerven-Sinnesprozeß, der rhythmische Prozeß, der Stoffwechsel-Bewegungsprozeß. Denn alle drei Formen sind nun an jedem Organ des Menschen beteiligt. Nur wenn wir mehr nach den eigentlichen Sinneswerkzeugen des Menschen gehen, dann präponderiert der Nerven-Sinnesprozeß, und es tritt in den Hintergrund der rhythmische Prozeß und der Stoffwechsel-Bewegungsprozeß. Haben wir es aber zu tun wiederum mit dem Stoffwechsel-Bewegungsprozeß, so präponderiert eben eigentlich in ihm nur dieser Stoffwechselprozeß. Aber nichts gibt es im Trakt des Stoffwechsel- und Bewegungssystems, das nicht wieder durchzogen ist von den Prozessen des Nerven-Sinnessystems, die hier untergeordnet sind. Und ebenso ist es im rhythmischen System.
[ 18 ] Here it is necessary to distinguish, for each organ, to what extent the nervous-sensory process, the rhythmic process, and the metabolic-movement process are involved in the functioning of that organ. For all three forms are involved in every human organ. Only when we focus more on the actual sensory organs of the human being does the nervous-sensory process predominate, while the rhythmic process and the metabolic-locomotor process recede into the background. But when we are dealing with the metabolic-locomotor process, it is actually only this metabolic process that predominates within it. Yet there is nothing in the metabolic and locomotor system that is not permeated by the processes of the nervous-sensory system, which are subordinate here. And the same is true of the rhythmic system.
[ 19 ] Nun durchschaut man die ganze menschliche Organisation, wenn man vor sich haben kann für eine wirklich innere Beobachtung das entsprechende Funktionieren im Organ. Sagen wir zum Beispiel, wir haben es mit irgendeinem Teil des Gehirns zu tun. Man muß nun hinschauen können, ob in richtigem Verhältnis die beiden entgegengesetzten Organtätigkeiten vorhanden sind, Nerven-Sinnestätigkeit, Stoffwechsel-Bewegungstätigkeit, und ob das rhythmische System in entsprechender Weise zwischen beiden ausgleichend funktioniert. Das macht sich — grob gesprochen — bei den Kopforganen des Menschen ganz anders als zum Beispiel bei den Verdauurgsorganen selber. Aber man sieht auf der anderen Seite, wie man gerade dadurch zu einer genaueren Kenntnis des Menschen, sowohl in substantieller wie in funktioneller Hinsicht im Verhältnis zu seiner Weltumgebung kommt, und dadurch zu einem Zusammenhang zwischen der Pathologie und der Therapie.
[ 19 ] One can gain a thorough understanding of the entire human organism when, for the purpose of genuine inner observation, one can examine the corresponding functioning of the organ in question. Let us say, for example, that we are dealing with some part of the brain. One must now be able to observe whether the two opposing organ activities—nervous-sensory activity and metabolic-motor activity—are present in the correct balance, and whether the rhythmic system functions in a way that balances them appropriately. Roughly speaking, this manifests quite differently in the human head organs than, for example, in the digestive organs themselves. On the other hand, however, one can see how this very approach leads to a more precise understanding of the human being—both in substantive and functional terms in relation to their environment—and thereby to a connection between pathology and therapy.
[ 20 ] Betrachten wir das einmal an einem einzelnen Beispiel. Eine ja vielleicht unter den schweren Krankheitsfällen weniger geschätzte Krankheit, die aber recht lästig werden kann manchen Menschen, vielen Menschen auch wirklich lästig wird — ich möchte sie herausheben als ein Beispiel -, ist ja Catarrhus aestivus, der sehr viele Menschen gerade in einer bestimmten Jahreszeit befällt. Und um ein Verständnis herbeizuführen dieses Prozesses, der da zugrunde liegt, ist eigentlich folgendes notwendig.
[ 20 ] Let’s look at this using a single example. A condition that is perhaps not considered one of the more serious illnesses, but which can be quite bothersome for some people—and is indeed very bothersome for many—is Catarrhus aestivus, which affects a great many people, especially during a certain season. And to gain an understanding of the underlying process, the following is actually necessary.
[ 21 ] Zunächst muß man sich darüber klar sein, daß in der Kindheit des Menschen, namentlich in der ersten Kindheit des Menschen, die ganze Gliederung in die drei eben genannten Systeme eine andere ist als im späteren Lebensalter. Bei der Kindheit haben wir es zu tun mit einer Menschenorganisation, bei der die Nerven-Sinnesorgane in viel intensiverer Weise in die beiden anderen Systeme hineingreifen als im späteren Lebensalter beim Menschen. Das Kind ist schon in gewissem Sinne ganz Sinnesorgan. Alle Prozesse spielen sich so ab, daß durch den ganzen Organismus hindurch Vorgänge, wenn auch in intimer, feiner Weise geschehen, wie sie sich sonst an der Peripherie des Menschen in den Sinnesorganen vollziehen. Das Kind ist durchaus eigentlich Sinnesorgan in intimerer, feinerer Weise. Dadurch ist der ganze Organismus des Kindes in ähnlicher Weise, wie eben Sinnesorgane sind, mehr der Außenwelt ausgesetzt als der Organismus des Menschen im späteren Lebensalter. Denn es ist ja so, daß alles das, was mit der Nerven-Sinnesorganisation zusammenhängt, unmittelbar der Außenwelt exponiert ist, dem Einfluß der Außenwelt unmittelbar unterliegt. Die ganze Organisation des Kindes unterliegt daher dem Einflusse der Außenwelt — im weitesten Umfange natürlich gedacht viel mehr als im späteren Lebensalter, wo man ganz auf die inneren Prozesse der Organe angewiesen ist, auch der Stoffwechselprozesse im Zusammenhange mit dem Bewegungsprozeß. Die Bewegungen spielen sich zwar in der äußeren Welt ab, aber dasjenige, was die ihnen zugrunde liegende Organisation ist, tendiert ebenso nach dem Inneren des Menschen, wie die Nerven-Sinnesorganisation nach außen tendiert. Wir finden daher, daß unter dem Einfluß der präponderierenden Nerven-Sinnesorganisation beim Kinde auftreten können jene Prozesse, die man zusammenfassen kann dann etwa unter dem Namen der exsudativen Diathese, Lockerungen der Gewebe, die beim Kinde eigentlich ganz generell, allgemein im Organismus auftreten können.
[ 21 ] First of all, one must be clear that during a person’s childhood—particularly in early childhood—the overall structure of the three systems just mentioned is different from that in later life. In childhood, we are dealing with a human organism in which the nervous and sensory organs interact with the other two systems in a much more intense way than in later life. In a certain sense, the child is already entirely a sensory organ. All processes unfold in such a way that, throughout the entire organism—albeit in a more intimate and subtle manner—events take place just as they otherwise do at the periphery of the human being in the sensory organs. The child is, in a very real sense, a sensory organ in a more intimate, subtle way. As a result, the child’s entire organism is, in a manner similar to that of sensory organs, more exposed to the external world than the organism of a person in later life. For it is indeed the case that everything connected with the nervous-sensory system is directly exposed to the external world and is directly subject to its influence. The child’s entire organism is therefore subject to the influence of the external world—to a far greater extent, of course, than in later life, when one is entirely dependent on the internal processes of the organs, including metabolic processes in connection with the process of movement. Although movements take place in the external world, the underlying organization tends just as much toward the child’s inner world as the nervous-sensory system tends outward. We therefore find that, under the influence of the predominant nervous-sensory system in children, certain processes may occur that can be summarized under the term “exudative diathesis”—a loosening of the tissues that can actually occur quite generally throughout the child’s organism.
[ 22 ] Später, wenn diesem Präponderieren des Nerven-Sinnesprozesses im ganzen Organismus polarisch im richtigen Verhältnis entgegenwirkt für das spätere Lebensalter der Stoffwechsel-Bewegungsprozeß, dann tritt, wenn man das Kind vorsichtig aufgezogen hat, die Neigung zu solcher exsudativen Diathese im allgemeinen zurück und kann sich später spezialisieren, so daß eben der lästige Catarrhus aestivus auftreten kann.
[ 22 ] Later, when the metabolic-motor process counteracts this predominance of the nervous-sensory process throughout the organism in the correct polar balance—as is typical for later life—then, provided the child has been raised with care, the tendency toward such exudative diathesis generally recedes and may later become specialized, so that the troublesome catarrhus aestivus can occur.
[ 23 ] Man hat diesen Catarrhus aestivus zurückgeführt — das brauche ich ja hier nur zu erwähnen — auf gewisse Substanzen, die enthalten sein sollen im Pollenstaub der Gramineen. Das entspricht nur der Neigung unserer Zeit, die Pathologie zurückzuführen eben auf unmittelbar substantiell Äußeres. Wenn man sowohl den menschlichen Organismus geisteswissenschaftlich durchschaut, wie die Vorgänge, die sich abspielen in der Umgebung des Menschen beim Blühen der Gramineen, dann können wir durchaus sagen: der ganze Naturprozeß in der Jahreszeit, wo die Gramineen eben blühen, der spielt sich natürlich nicht bloß um die Gramineen ab, der spielt sich auch um den Menschen ab, der namentlich ausgesetzt ist denselben atmosphärischen Einflüssen, unter denen die Gramineen blühen.
[ 23 ] This Catarrhus aestivus* has been attributed—and I need only mention this here—to certain substances said to be contained in the pollen of the grasses. This merely reflects the tendency of our time to attribute pathology to immediate, external, material factors. If we examine both the human organism from a perspective of Spiritual Science and the processes taking place in the human environment during the flowering of the grasses, then we can certainly say: the entire natural process during the season when the grasses are in bloom does not, of course, take place solely around the grasses; it also takes place around human beings, who are specifically exposed to the same atmospheric influences under which the grasses bloom.
[ 24 ] Nun kann beim Menschen, indem er sich, ich möchte sagen, in der Organisation spezialisiert hat gerade nach der Nase, den Augen hin, was dann zum Catarrhus aestivus führt, wenn sich dasjenige, was unter dem Präponderieren des Nerven-Sinnesprozesses eben zur exsudativen Diathese geführt hat in der Kindheit, spezialisiert auf den Anfang der Atmungsorgane nach innen, dann eben dieser lästige Katarrh auftreten. Er entsteht dann dadurch, daß der Mensch denjenigen Naturprozessen, denen die Gramineen beim Blühen ausgesetzt sein müssen, nun auch ausgesetzt ist und für diese Naturprozesse besonders empfindlich ist.
[ 24 ] Now, in humans—who, I might say, have specialized their organism specifically in the areas of the nose and eyes—this leads to catarrhus aestivus when that which, under the predominance of the nervous-sensory process, led to exudative diathesis in childhood, specializes inward toward the beginning of the respiratory organs; it is precisely then that this troublesome catarrh occurs. It arises because the person is now also exposed to the same natural processes to which grasses must be subjected during flowering and is particularly sensitive to these natural processes.
[ 25 ] Dadurch, daß der Sinnesprozeß nicht in genügender Weise durch den Stoffwechselprozeß paralysiert ist, daß der Sinnesprozeß in der Peripherie präponderierend bleibt, haben wir den Menschen ausgesetzt denselben atmosphärischen Einflüssen, den Einflüssen seiner Umgebung, die gerade günstig sind beim Blühen der Gramineen.
[ 25 ] Because the sensory process is not sufficiently paralyzed by the metabolic process—because the sensory process remains predominant in the periphery—we have exposed human beings to the very same atmospheric influences, the influences of their environment, that are particularly favorable for the flowering of grasses.
[ 26 ] Wenn man diesen Prozeß außen durchschaut, wenn man wirklich eingeht auf die Art und Weise dessen, was da geschieht als Naturprozeß beim Blühen der Gräser, der Gramineen, dann sagt man sich, wie kommst du dieser Empfindlichkeit, die beim Catarrhus aestivus auftritt, bei? Und nun sucht man durch diese Einsicht, die man da gewonnen hat, danach, diesen Prozeß, den man bei den Gramineen so hat, daß er sich ganz nach außen auch abspielt, ganz peripherisch, ich möchte sagen, in die Luft hinein sich abspielt, zu paralysieren — denn er ist dann auch im Menschen vorhanden, wenn der Mensch eben den Catarrhus aestivus hat — dadurch, daß man den Fruktifikationsprozeß, das Eilen zum Fruktifikationsprozeß, der bei den Gramineen in vollständiger Nacktheit, möchte ich sagen, nach der Atmosphäre hinausschaut, da aufsucht, wo er auftritt, nicht peripherisch nach außen gerichtet, sondern zentral nach innen geschoben. Als solchen findet man ihn, wenn man Früchte nimmt, die von lederartigen Schalen umgeben sind und bei denen sich in irgendwelchen Stoffen der Fruktifikationsprozeß nun zentral nach innen abspielt, zentripetal sich abspielt.
[ 26 ] If one looks at this process from the outside, if one truly delves into the nature of what is happening there as a natural process during the flowering of grasses, the Gramineae, then one asks oneself: How does one account for this sensitivity that occurs in Catarrhus aestivus? And now, through this insight that one has gained, one seeks to paralyze this process—which, in the case of the grasses, unfolds entirely outward, entirely peripherally, I might say, into the air— — for it is also present in humans when they have Catarrhus aestivus — by shifting the process of fruiting, the rush toward fruiting, which in the grasses looks out into the atmosphere in complete nakedness, so to speak, seeking out where it occurs, not directed peripherally outward but pushed centrally inward. One finds it as such when one takes fruits that are surrounded by leathery husks and in which, within certain substances, the process of fruiting now takes place centrally inward, in a centripetal manner.
[ 27 ] Und formt man so im Laboratorium den entgegengesetzten Prozeß vom Fruktifikationsprozeß bei den Gramineen, formt man ihn zum Heilmittel und versucht man namentlich dieses Heilmittel dadurch zur Wirksamkeit zu bringen, daß man es durch Impfung, Vakzination anwendet, also unmittelbar in den Organismus einführt durch Impfung, dann kann man tatsächlich dieser Überempfindlichkeit gegen dieselben atmosphärischen Einflüsse, die bei den Gramineen günstig sind, beim Menschen aber einen Krankheitsprozeß erregen, entgegenwirken. Wir haben tatsächlich bei diesem Heilmittel, das bei uns als «Gencydo» gemacht wird und in der weitaus größten Zahl der Fälle sich als außerordentlich wirksam erwiesen hat beim Catarrhus aestivus, gerade sehen können, wie es möglich ist, durch entsprechende Formungen von Prozessen, die uns ja eigentlich die Natur vormacht, zu Heilmitteln zu kommen. Wir müssen nur wissen, in welchem Falle wir dem Naturprozeß entgegenarbeiten müssen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn gerade die Sinnes-Nerventätigkeit präponderiert, und wir werden später sehen, wann wir mit dem Naturprozeß gehen müssen. Man muß nur wissen, wie man in jedem Fall vorgehen muß. So daß wir also nicht nur dasjenige benutzen, was laboratoriumsmäßig chemisch entweder im Sinne der Naturprozesse oder entgegen der Naturprozesse geschehen muß, was wir als Heilfaktoren und eben nicht nur als Substanzen haben, sondern vor allen Dingen auf die Zubereitungsweise achten, indem wir auf dasjenige schauen, was wiederum in der äußeren Natur den Prozeß als solchen herbeiführt, das Dynamische am Prozeß ausmacht. Dieses Dynamische versuchen wir zu imitieren in technischer Weise, um dadurch gerade die Heilfaktoren aus der Natur herauszuziehen.
[ 27 ] And if one creates in the laboratory the process opposite to the process of fructification in grasses, develops it into a remedy, and attempts to make this remedy effective specifically by administering it through vaccination, —that is, by introducing it directly into the organism—then one can indeed counteract this hypersensitivity to the very same atmospheric influences that are beneficial to grasses but trigger a disease process in humans. With this remedy—which we produce as “Gencydo” and which has proven extraordinarily effective in the vast majority of cases of Catarrhus aestivus—we have indeed been able to see precisely how it is possible to develop remedies by appropriately shaping processes that nature itself demonstrates to us. We simply need to know in which cases we must counteract the natural process. This is the case, for example, when sensory-nervous activity predominates, and we will see later when we must go along with the natural process. One simply needs to know how to proceed in each case. So that we do not merely use what must occur chemically in the laboratory—whether in accordance with or contrary to natural processes—which we regard as healing factors and not merely as substances, but above all pay attention to the method of preparation by focusing on what, in external nature, brings about the process as such and constitutes the dynamic aspect of the process. We attempt to imitate this dynamic in a technical manner in order to thereby extract precisely the healing factors from nature.
[ 28 ] Nach solchen Prinzipien sind ja jetzt reichlich schon Heilmittel in dem Klinisch-Therapeutischen Institut in Arlesheim hergestellt worden. Sie werden alle nach diesem Prinzip hergestellt, aber alle durchaus spezialisiert.
[ 28 ] In fact, numerous remedies have already been produced according to these principles at the Clinical-Therapeutic Institute in Arlesheim. They are all manufactured according to this principle, but each is highly specialized.
[ 29 ] Ich will zum Beispiel noch folgendes als Heilmittel erwähnen. Gewiß, ich muß sagen, ich verstehe jeden Widerspruch, jede Opposition, da ich ja weiß, daß die Dinge aus einer Denkweise entspringen, die durchaus nicht gang und gäbe und auch nicht geläufig ist. Ich möchte nur dies für uns anführen, daß in dieser Weise die Richtlinien gegeben werden und dann in unseren Kliniken durchaus verifiziert werden, und daß dies in derselben Weise unter voller Verantwortung gemacht wird, wie sonst in klinischen Betrieben es üblich ist. Deshalb darf ich vielleicht auch, ich möchte sagen, etwas gewagtere Darstellungen geben, indem ich durchaus voraussetze, daß ich, wie gesagt, jede Opposition verstehe und es mir durchaus begreiflich ist, daß sich sogar eine Art von Unbehagen gegenüber diesen Dingen, die einem sogar phantastisch erscheinen könnten, geltend machen könnte.
[ 29 ] For example, I would like to mention the following as a remedy. Of course, I must say that I understand any objections or opposition, since I know that these ideas stem from a way of thinking that is by no means commonplace or widely accepted. I would just like to point out for our sake that guidelines are established in this way and are then thoroughly verified in our clinics, and that this is done with the same level of responsibility as is customary in clinical settings. That is why I may perhaps—I would say—offer somewhat bolder explanations, while fully acknowledging that, as I said, I understand any opposition and find it entirely understandable that a certain unease might arise regarding these matters, which might even seem fantastical to some.
[ 30 ] Es ist außerordentlich interessant, gerade jenen merkwürdigen Prozeß zu betrachten, der sich in der Pflanze selber vollzieht. Wir haben ja in der Pflanze neben dem, was die Pflanze also vorzugsweise zusammensetzt, alle möglichen Substanzen enthalten: Salze, Metallisches und so weiter. Nun, es ist weniger wichtig für eine Therapie, die direkt rationell wirken soll, auf die Zusammensetzung der Pflanze zu sehen, als zu sehen auf die Art und Weise, wie zum Beispiel, sagen wir, irgendeine Metallverbindung oder ein Salz durch den ganzen Prozeß des Wachsens und Fruktifizierens der Pflanze geht.
[ 30 ] It is extraordinarily interesting to observe precisely that remarkable process that takes place within the plant itself. After all, in addition to the substances that primarily make up the plant, we find all kinds of other substances contained within it: salts, metals, and so on. Now, for a therapy intended to have a direct, rational effect, it is less important to focus on the plant’s composition than to observe the way in which, for example, let’s say, a certain metal compound or salt passes through the entire process of the plant’s growth and fruiting.
[ 31 ] Nehmen wir irgendeine Pflanze, zum Beispiel Cichorium intybus. Wer wirklich geisteswissenschaftlich Cichorium intybus studieren will, der wird studieren zunächst, in welch eigentümlicher Weise namentlich dasjenige, was in Cichorium intybus vor allen Dingen in Betracht kommt, enthalten ist: Kieselsäure und alkalische Salze.
[ 31 ] Let’s take any plant, for example, Cichorium intybus. Anyone who truly wishes to study Cichorium intybus from a Spiritual Science perspective will first examine the peculiar way in which, specifically, the elements that are of primary importance in Cichorium intybus are contained within it: silicic acid and alkaline salts.
[ 32 ] Kieselsäure und alkalische Salze sind nun aber wiederum im Cichorium intybus in ganz verschiedener Verarbeitung, unter ganz verschiedenen Prozeßzusammenhängen in der Wurzel, in den Blättern und in den Blüten enthalten.
[ 32 ] However, silicic acid and its alkaline salts are found in Cichorium intybus in very different forms, resulting from very different metabolic processes in the root, the leaves, and the flowers.
[ 33 ] Wer diesen Prozeß im Cichorium intybus studiert und sieht, wie da in eigentümlicher Weise ineinandergewoben und verwoben werden die Prozesse, die auf der einen Seite an der Kieselsäure hängen, an den alkalischen Salzen auf der anderen Seite, wer dieses verfolgt, der wird dann auf geisteswissenschaftliche Weise wiederum zurückgeführt zum Menschen herüber.
[ 33 ] Anyone who studies this process in Cichorium intybus and observes how the processes—which are linked, on the one hand, to silicic acid and, on the other, to alkaline salts—are interwoven and interlinked in a unique way; anyone who follows this process will then be led back to the human being through the approach of Spiritual Science.
[ 34 ] Nun sagte ich schon, in unserem Leibe, in jedem Organsystem, leben drei Systeme, aber es präponderiert immer eines, jedes ist wiederum für den ganzen Menschen tätig; betrachten wir zum Beispiel am menschlichen Organismus die Gallenfunktion im Zusammenhang mit allen anderen Verdauungsorganen, so finden wir vor allen Dingen, daß es neben allem übrigen Wirken der Galle außerordentlich wichtig ist, daß die Galle funktioniert, richtig funktioniert gerade für die Gesundheit des Nerven-Sinnessystems. Denn wir können dann, wenn wir Verdauungsstörungen auf Störungen der Gallenfunktion zurückführen, immer auch auftreten sehen außerordentlich große Störungen irgendwie in den Organen des Nerven-Sinnessystems.
[ 34 ] Now, as I have already said, there are three systems at work within our body, in every organ system, but one always predominates, and each, in turn, acts on behalf of the whole person; if we consider, for example, the function of the gallbladder in the human organism in connection with all the other digestive organs, we find above all that, in addition to all its other functions, it is extraordinarily important that the gallbladder functions—functions properly—precisely for the health of the nervous and sensory system. For when we attribute digestive disorders to disturbances in bile function, we can always observe, to some extent, extremely severe disturbances in the organs of the nervous and sensory system.
[ 35 ] Wenn wir den Gallenabsonderungsprozeß verfolgen, so wird er eigentlich erst interessant, wenn wir ihn im ganzen Zusammenhang mit der menschlichen Konstitution als denjenigen Prozeß betrachten können, der, vom Verdauungssystem ausgehend, das Nerven-Sinnessystem versorgt.
[ 35 ] If we examine the process of bile secretion, it only becomes truly interesting when we can view it within the broader context of the human constitution as the process that, originating in the digestive system, supplies the nervous and sensory systems.
[ 36 ] Dieser Prozeß ist auf der einen Seite in den Gallenfunktionen des Menschen vorhanden, ganz abgesehen von den Substanzen, die dabei spielen. Auf der anderen Seite wirkt er außer dem Menschen in fast getreuer Imitation von der Wurzel von Cichorium intybus gegen den Stengel und gegen die Blüte hinauf, in der Radix von Cichorium intybus. Wenn wir da sehen, wie verarbeitet werden gerade die Kieselsäure und die alkalischen Salze, so finden wir darinnen eine genaue Imitation desjenigen, was im menschlichen Organismus der Gallenabsonderungsprozeß in seiner Wirkung gerade auf das Nerven-Sinnessystem ist.
[ 36 ] On the one hand, this process is present in human biliary functions, quite apart from the substances involved. On the other hand, outside the human body, it acts—in an almost exact imitation—from the root of Cichorium intybus upward toward the stem and the flower, in the Radix of Cichorium intybus. When we observe how silicic acid and the alkaline salts are processed there, we find in this a precise imitation of what the process of bile secretion in the human organism is, specifically in its effect on the nervous-sensory system.
[ 37 ] Ahmen wir nun den Prozeß nach, der sich in Cichorium intybus vollzieht. Es gibt Laienärzte, die verwenden Cichorium intybus nun direkt, wenn Verdauungsstörungen vorliegen. Aber trotzdem durchaus Erfolge erzielt werden können, die nicht in Abrede gestellt werden sollen, werden sie sehr selten dauernde sein, da ja der Prozeß, der sich in Cichorium intybus vollzieht, gebunden ist an die Labilität der Pflanze selber und, indem er in den menschlichen Organismus hereingeführt wird, einer solchen Veränderung unterliegt, daß er nicht mehr derselbe bleibt. Aber er ist so verwandt dem menschlichen Prozeß, daß, wenn wir ihn laboratoriumsmäßig verarbeiten, namentlich Kieselsäure verarbeiten, wir also ein Präparat machen, das Kieselsäure enthält, alkalische Salze enthält, und zwar so, daß dann in einer gewissen Weise, nicht eigentlich chemisch, sondern nur durch Pulverisierung aneinander gebunden und mit harzigen Bindemitteln ausgestattet, eine lose Verbindung da ist zwischen Kieselsäure und alkalischen Salzen, mehr ein feines, natürliches, möchte ich sagen, Aneinanderkleben vorhanden ist. Und wenn wir dann das durch den Verdauungskanal einführen, führen wir nun so tatsächlich nicht dieselben Substanzen, aber denselben Prozeß in den menschlichen Organismus ein, der sich beim Galleabsondern vollzieht, insofern das Galleabsondern mit dem Nerven-Sinnessystem in seinem Funktionieren seine Verwandtschaft hat. Es handelt sich also darum, in dem, was man im Laboratorium macht, dasjenige wirksam, ich möchte sagen, dauernd nachzuahmen, was die Pflanze selber ausführt, bei der man zum Beispiel in ihrem Pflanzenbildungsprozeß erkennen kann: dieser Prozeß ist in irgendeiner Weise polarisch oder gleichlaufend verwandt mit irgendeinem Prozeß im menschlichen Organismus, so daß sich auf diese Weise eben ergibt ein wirkliches Ineinanderarbeiten von Pathologie und Therapie. Man sieht es dem Organ an, was unregelmäßig ist im Zusammenwirken der drei Prozesse.
[ 37 ] Let us now examine the process that takes place in Cichorium intybus. There are lay practitioners who use Cichorium intybus directly to treat digestive disorders. However, although success can certainly be achieved—and this should not be denied—it will very rarely be lasting, since the process that takes place in Cichorium intybus is tied to the plant’s own instability and, when introduced into the human organism, undergoes such a transformation that it is no longer the same. But it is so closely related to the human process that, when we process it in a laboratory setting—specifically, when we process silicic acid— we thus produce a preparation containing silicic acid and alkaline salts—in such a way that, in a certain sense, not strictly chemically but merely through pulverization and the addition of resinous binders, there is a loose bond between the silicic acid and the alkaline salts; rather, there is a fine, natural—I would say—adhesion between them. And when we then introduce this through the digestive tract, we are in fact introducing—not the same substances, but the same process—into the human organism that takes place during bile secretion, insofar as bile secretion is related in its functioning to the nervous-sensory system. The point, then, is to effectively—I would say, continuously—mimic in laboratory work what the plant itself accomplishes; for example, in its process of plant formation, one can observe that: this process is in some way polar or parallel to a certain process in the human organism, so that in this way a genuine interplay between pathology and therapy arises. One can see from the organ itself what is irregular in the interaction of the three processes.
[ 38 ] Und indem man gerade der Natur ablauscht, wie man dem Organismus gewissermaßen das, was er nicht ausführen kann, für einige Zeit abnimmt, indem man das zu erforschen versucht, führt man geradezu — ich möchte sagen: Cichorium intybus erweist sich als die wachsende Galle — die Gallenfunktion in den Menschen für eine Zeit ein, weil der Organismus sie selbst nicht ausführen kann, bis der Organismus an der fremden Galle, an dem, was man nach dem Muster von Cichorium intybus fabriziert hat, sich wieder gewöhnt hat, das Gallenfunktionieren auszuüben. Dann läuft er sozusagen wiederum durchaus richtig.
[ 38 ] And by listening closely to nature—by, in a sense, relieving the organism for a time of what it cannot do on its own, and by attempting to investigate this—one is, in effect, —I would say: Cichorium intybus proves to be the “growing bile”—one effectively takes over the bile function in humans for a time, because the organism cannot perform it on its own, until the organism has once again become accustomed to the foreign bile—that which has been manufactured according to the model of Cichorium intybus—and is able to carry out the bile function. Then, so to speak, it functions perfectly correctly again.
[ 39 ] Es handelt sich nur darum, daß man durch die bloße Pflanzenheilmethode, weil ja die Natur viel vollkommener wirkt, das Richtige nicht erreichen kann, weil ja der Pflanzenprozeß wiederum vernichtet wird, wenn er in irgendeiner Weise in den Organismus eingeführt wird.
[ 39 ] The point is simply that one cannot achieve the desired result through herbal therapy alone—since nature acts much more perfectly—because the plant process is, in turn, destroyed when it is introduced into the organism in any way.
[ 40 ] Da die Zeit schon etwas vorgeschritten ist und ich Ihre Aufmerksamkeit für dieses eine Mal nicht zu stark in Anspruch nehmen möchte, werde ich nur noch einiges erwähnen über ein Mittel, das sich als besonders erfolgreich erwiesen hat und das unsere Ärzte das «Biodoron» genannt haben.
[ 40 ] Since it is already getting late and I do not want to take up too much of your time this one time, I will just mention a few things about a remedy that has proven to be particularly effective and that our doctors have named “Biodoron.”
[ 41 ] Dieses Biodoron ist dadurch zustande gekommen, daß zunächst vor eine zusammenfassende, eben geisteswissenschaftliche Anschauung der ganze Symptomkomplex der sogenannten Migräne gestellt worden ist. Diese Migräne ist ja ebenfalls für viele Menschen eine so außerordentlich lästige Krankheit, die in den allerverschiedensten Formen auftritt. Die Migräne beruht nun auf einem unregelmäßigen Präponderieren des Stoffwechselprozesses da, wo er nicht hingehört, innerhalb jener Region der menschlichen Organisation, wo eigentlich präponderierend vorzugsweise wirken sollte der Nerven-Sinnesprozeß im Verein mit dem rhythmischen Prozeß.
[ 41 ] This Biodoron came about because the entire complex of symptoms known as “migraine” was first approached from a comprehensive, specifically Spiritual Science perspective. For many people, migraine is, after all, an extraordinarily troublesome condition that manifests in a wide variety of forms. Migraine is based on an irregular predominance of the metabolic process where it does not belong—within that region of the human organism where the nervous-sensory process, in conjunction with the rhythmic process, should actually be the predominant force.
[ 42 ] Nun handelte es sich mir wiederum darum, diesen ganzen Prozeß in seiner Zusammenfassung, wie er sich ausdrückt in der Zusammenschau des Symptomkomplexes der Migräne, als Prozeß} draußen in der Natur zu finden.
[ 42 ] Now, once again, my aim was to find this entire process—as summarized in the overall picture of the migraine symptom complex—as a process} out in nature.
[ 43 ] Er drückt sich nun in ganz wunderbarer Weise aus, und zwar so, daß man den Symptomenkomplex auf der einen Seite hat und einen entgegengesetzt verlaufenden Prozeß in der Art und Weise, wie im Prozeß von Equisetum arvense die Kieselsäure eben in Tätigkeit gebracht wird von den schwefelsauren Salzen. Equisetum arvense enthält ja ungefähr neunzig Prozent Kieselsäure. Wir werden morgen noch von der ganz bedeutsamen Funktion der Kieselsäure für das Nerven-Sinnessystem und alles, was damit zusammenhängt, zu sprechen haben. Die Kieselsäure ist aber in einer gewissen Art und Weise in Equisetum arvense zum Prozeß verarbeitet, also daß nur in einer solchen Verbindung, wie sie eben da hergestellt ist mit einem harzigen Bindemittel, innerhalb des Pflanzenwachstums der Bildeprozeß geschehen kann durch das Zusammenwirken der Kieselsäure mit den schwefelsauren Salzen.
[ 43 ] He now expresses this in a truly wonderful way—namely, by presenting, on the one hand, the complex of symptoms and, on the other, a counteracting process, similar to the way in which, in the process of Equisetum arvense, the silicic acid is activated by the sulfuric acid salts. Equisetum arvense contains about ninety percent silicic acid. Tomorrow we will discuss the very significant function of silicic acid for the nervous and sensory systems and everything related to them. However, the silicic acid is incorporated into the process in Equisetum arvense in a specific way, such that the formation process within the plant can only occur—through the interaction of silicic acid with the sulfuric acid salts—in the form of a compound like the one found there, bound by a resinous binder.
[ 44 ] Wenn man einfach das Bild von Equisetum arvense vor sich hat und nun sieht, wie da in einer steifen Art, mit überall Präponderierenlassen des Kieselsäurebildungsprozesses sich diese Pflanze bildet und zurückhält ihr ganzes Wachstum vom Blütenwesen, was wiederum gefunden werden kann im Zusammenhange mit den normalen Stoffwechselvorgängen, dann bildet sich einem unmittelbar in einer wirklichen intimen Anschauung der beiden Prozesse, des Prozesses, der sich im Symptomenkomplex der Migräne ausdrückt, und des ganzen Prozesses, der sich in einer so wunderbaren Weise abspielt zwischen Kieselsäure und schwefelsauren Salzen im Equisetum arvense, die Vorstellung aus: da sind zwei einander entgegengesetzte Prozesse.
[ 44 ] If one simply holds the image of Equisetum arvense in mind and observes how this plant forms in a rigid manner, with the process of silicic acid formation predominating throughout, and how it restrains its entire growth from flowering—which, in turn, can be seen in connection with normal metabolic processes— then one immediately gains, through a truly intimate observation of the two processes—the process expressed in the symptom complex of migraine and the entire process that unfolds in such a wondrous way between silicic acid and sulfuric acid salts in Equisetum arvense—the mental image that there are two opposing processes.
[ 45 ] Aber deshalb hilft doch noch nicht irgendwie Equisetum arvense, in irgendeiner Weise direkt verwendet, gegen Migräne. Denn da tritt nun das Eigentümliche auf, das einem recht klar wird, daß zwar gewisse vegetative Prozesse im menschlichen Organismus ähnlich den Pflanzenprozessen sind, aber doch von innen wiederum radikal verschieden sind. Es handelt sich also darum, nicht bloß den Prozeß, der sich in Equisetum arvense abspielt, direkt aufzunehmen und etwa ihn nun in den menschlichen Organismus einzuführen, sondern ihn erst, ich möchte sagen, zu animalisieren.
[ 45 ] But that does not mean, however, that Equisetum arvense, used directly in any way, helps against migraines. For here the peculiarity becomes apparent: it becomes quite clear that, although certain vegetative processes in the human organism are similar to those in plants, they are, when viewed from within, radically different. The point, then, is not merely to take the process that takes place in Equisetum arvense directly and, say, introduce it into the human organism, but rather—I would say—to “animalize” it first.
[ 46 ] Solche Dinge gelingen, wenn man nun in entsprechender Weise im Laboratorium den Prozeß eben imitiert, aber innerlich lebendig, so daß man verwendet Kieselsäure auf der einen Seite, auf der anderen Seite Schwefel. Man kann direkt den Schwefel verwenden, denn der ist das eigentlich Wirksame im Equisetum arvense. Nun aber führt man die Bindung herbei neben anderen Bindemitteln, die eine untergeordnete Bedeutung haben, dadurch, daß man in den Prozeß den Eisenprozef3 einfügt. Jetzt hat man den ganzen Prozeß von Equisetum arvense animalisiert, und man bekommt ein Präparat, bei dem es wesentlich darauf ankommt, wie man es herstellt. Denn durch das, wie man den Prozeß durchführt, durch den man zuletzt das Präparat bekommt, sehen Sie gewissermaßen, daß es darstellt das Ergebnis eines Prozesses, der sich abspielt zwischen Kieselsäure, Eisen und Schwefel. Und das, was man da als Präparat bekommen hat, was nun nur, ich möchte sagen, zunächst in dem Präparat in Ruhe gebracht ist, das wird wiederum zum Prozeß aufgerufen, in Bewegung gebracht, wenn es eingeführt wird in den menschlichen Verdauungsprozeß und angewendet wird — wie gesagt, unsere Ärzte haben es «Biodoron» genannt — gerade gegen die lästige Migräne.
[ 46 ] Such things can be achieved by imitating the process in the laboratory in an appropriate manner—but in a way that is internally dynamic—so that one uses silicic acid on one side and sulfur on the other. One can use sulfur directly, since it is the actual active ingredient in Equisetum arvense. However, the binding is now brought about—alongside other binding agents that are of secondary importance—by introducing iron into the process. Now the entire process of Equisetum arvense has been vitalized, and one obtains a preparation for which the method of preparation is of essential importance. For through the way the process is carried out—the process by which the preparation is ultimately obtained—you can see, as it were, that it represents the result of a process taking place between silicic acid, iron, and sulfur. And what one has obtained as a preparation—which, I would say, is initially brought to a state of rest within the preparation—is in turn reactivated, set in motion, when it is introduced into the human digestive process and applied—as I said, our doctors have called it “Biodoron”—specifically to combat troublesome migraines.
[ 47 ] Dieses Migräneheilmittel hat sich tatsächlich, ich möchte sagen, fast ausnahmslos in einer außerordentlich erfolgreichen Weise gezeigt.
[ 47 ] This migraine remedy has, in fact, proven to be extraordinarily effective—I would say, almost without exception.
[ 48 ] So versuchen wir eben, die Heilfaktoren mehr auf dynamische Weise durch die Herstellung der entsprechenden Prozesse zu erreichen für die Heilmittel also, die Sie von dem Klinisch-Pharmazeutischen Institutin Arlesheim bekommen. Es handelt sich darum, was für Prozesse sie in sich bergen, was für Prozesse sie im menschlichen Organismus hervorrufen.
[ 48 ] So we are simply trying to achieve the healing factors in a more dynamic way by establishing the corresponding processes—that is, for the remedies you receive from the Clinical-Pharmaceutical Institute in Arlesheim. The key is what processes they contain and what processes they trigger in the human organism.
[ 49 ] Auf diese Weise ist es uns gelungen, immerhin — die Dinge wurden verifiziert in zahlreichen Fällen - für die verschiedenen Formen, für die verschiedenen Verzweigungen der Tuberkulose, für die mannigfaltigsten Erkrankungen des Verdauungssystemes und so weiter, wie gesagt, ungefähr hundert Heilmittel zu finden; und wir sind daran, sozusagen die letzte Hand anzulegen an denjenigen Prozeß, den wir hervorrufen wollen mit einem gewissen Pflanzennaturprodukt zur inneren Heilung der Karzinome. Doch werde ich über diese Heilmittel mir erlauben, morgen im einzelnen zu sprechen, über Tuberkuloseheilmittel, Karzinomheilmittel, Heilung auch von typhösen Krankheiten und so weiter.
[ 49 ] In this way, we have succeeded—at least, as has been verified in numerous cases—in finding approximately one hundred remedies for the various forms and branches of tuberculosis, for the most diverse diseases of the digestive system, and so on; and we are, so to speak, putting the finishing touches on the process we intend to induce with a certain natural plant-based product for the internal treatment of carcinomas. However, I will take the liberty of speaking in detail tomorrow about these remedies—remedies for tuberculosis, carcinomas, and the treatment of typhoid diseases, among others.
[ 50 ] Es wird ersichtlich geworden sein, daß das Wesentliche bei uns nicht darinnen liegt, was nun in dem Präparat drinnen ist, sondern darin, wie das Präparat laboratoriumsmäßig entstanden ist. Dadurch birgt das Präparat einen bestimmten Prozeß, der wiederum innerhalb des Organismus in der gleichen oder in einer anderen Form sich auslöst und in dem Verlauf eines organischen Prozesses liegt oder den polarischen Gegensatz bildet.
[ 50 ] It will have become clear that what is essential for us is not what is actually contained in the preparation, but rather how the preparation was produced in the laboratory. As a result, the preparation embodies a specific process that, in turn, is triggered within the organism in the same or a different form and either forms part of an organic process or constitutes its polar opposite.
[ 51 ] Und auf diese Weise ist man imstande, durch Zusammenschauen der Naturprozesse und der Prozesse, die sich in der Pathologie erkennen lassen, die gegenseitige Relation von Naturvorgängen und Vorgängen im menschlichen Organismus herbeizuführen, die Aufeinanderwirkung eben, die da sein muß, wenn die betreffenden Naturprozesse in den menschlichen Organismus als Heilprozesse eingeführt werden sollen. Auf die Herbeiführung von Heilprozessen durch die Funktionen, die wir ausführen in unseren Laboratorien, darauf kommt es an. Daher ist es dann auch von ganz besonderer Wichtigkeit, wie nun diese Heilmittel gerade verwendet werden, wiederum in Gemäßheit dieser Differenzierung des menschlichen Organismus. Die Wirkung ist von fundamentalem Unterschied, ob irgendein Heilmittel durch den Verdauungsprozeß eingeführt wird, durch Impfung direkt in den Zirkulationsprozeß, oder ob es, wie ich morgen zeigen werde, näher verwandt zum Sinnesprozeß, zum Nerven-Sinnesprozeß angewendet wird, wie in dem Versetzen von Bädern oder Waschungen und dergleichen mit unseren Heilmitteln.
[ 51 ] And in this way, by observing both natural processes and the processes that can be recognized in pathology, one is able to establish the mutual relationship between natural phenomena and processes in the human organism—that is, the interaction that must exist if the relevant natural processes are to be introduced into the human organism as healing processes. What matters is the induction of healing processes through the procedures we carry out in our laboratories. Therefore, it is of particular importance how these remedies are specifically administered, again in accordance with this differentiation of the human organism. The effect differs fundamentally depending on whether a remedy is introduced through the digestive process, directly into the circulatory process via vaccination, or—as I will demonstrate tomorrow—is applied in a manner more closely related to the sensory process, to the nervous-sensory process, such as in the addition of our remedies to baths, washes, and the like.
[ 52 ] Also ob man äußerlich oder halb innerlich, möchte ich sagen, wie bei der Impfung, oder ganz innerlich das Heilmittel anwendet, davon hängt es wiederum ab, wie man auf den menschlichen Organismus wirkt. Denn ich möchte sagen, das besonders Bedeutsame bei diesen Heilmitteln ist dieses, daß wir heilen möchten nicht durch Substanzen, sondern wir möchten heilen durch Prozesse. Und wir geben Heilmittel ab in der Hoffnung - das heißt, die Dinge sind ja verifiziert —, daß die Prozesse, die wir aus dem Zusammenschauen von Natur und Mensch ausführen können, sich gewissermaßen in dem Präparat konservieren und wiederum ausgelöst werden im menschlichen Organismus als Heilprozesse. Das ist das wesentlich Neue an den Dingen, um die es sich bei uns handelt. Wir wollen durch Vorgänge, Prozesse, durch das Wie der Herstellung heilen.
[ 52 ] So whether one applies the remedy externally, or—as I would say—semi-internally, as with vaccination, or entirely internally, this in turn determines how it affects the human organism. For I would like to say that what is particularly significant about these remedies is this: we do not wish to heal through substances, but rather through processes. And we administer remedies in the hope—that is to say, these things have been verified—that the processes we can carry out by observing nature and the human being together are, so to speak, preserved in the preparation and are in turn triggered in the human organism as healing processes. That is the fundamentally new aspect of the matters we are dealing with. We want to heal through procedures, processes, and the very method of preparation.
[ 53 ] Daher ist es bei uns nicht von so großer Wichtigkeit, zu sagen, was just in dem Präparat drinnen ist, sondern es kommt überall darauf an, wie die Dinge im Intimen sich abspielen.
[ 53 ] Therefore, for us, it is not so important to specify exactly what is in the preparation; rather, what matters in every case is how things play out internally.
[ 54 ] Auf das Therapeutische dann, und namentlich auf einzelne Heilmittel und Verrichtungen im Äußeren werde ich mir erlauben, morgen einzugehen.
[ 54 ] Tomorrow, I will take the liberty of discussing therapeutic matters, and specifically individual remedies and external procedures.
Frage: Wie lange Zeit ist es her, daß die Mittel für Migräne und Heufieber ausprobiert sind?
Question: How long has it been since you tried the remedies for migraines and hay fever?
[ 55 ] Dr. Steiner: Nun, es ist doch schon eine Anzahl von Jahren, daß die Fälle ausprobiert worden sind, vor allen Dingen doch in einer großen Anzahl von Fällen. Es tritt ja dadurch, daß unsere Methoden Verifikationsmethoden sind, diese Eigentümlichkeit auf, daß auf der einen Seite, so wie bei einem mathematischen Problem, der Erfolg gewissermaßen vorausgesehen wird und dann verifiziert wird. Auf diese Weise hat man es nicht mit einer bloßen empirischen Methode zu tun, sondern sozusagen dadurch, daß — wie man es sonst ja auch beim experimentellen Laboratoriumsversuch hat — man dasjenige, was vorausgesetzt werden kann, verifiziert findet, wird natürlich der Wert der Verifikation doch ein höherer als beim bloßen empirischen Ausprobieren. Die Methoden sind natürlich noch jung, und dasjenige, um was es sich handelt, wird sein, daß wir natürlich froh wären, wenn sie im weitesten Umfang ausprobiert würden.
[ 55 ] Dr. Steiner: Well, it has been a number of years now since these cases have been tested, and above all in a large number of cases. Because our methods are verification methods, this peculiarity arises: on the one hand, just as with a mathematical problem, the outcome is, so to speak, anticipated and then verified. In this way, we are not dealing with a mere empirical method; rather, because—as is also the case with experimental laboratory tests—we find that what can be assumed is verified, the value of the verification is naturally greater than that of mere empirical trial and error. These methods are, of course, still in their infancy, and the point is that we would naturally be pleased if they were tested to the fullest extent possible.
[ 56 ] Für Biodoron liegen seit etwa drei bis vier Jahren schon Verifizierungen vor, in einer großen Anzahl von Fällen gerade Verifizierungen, die außerordentlich wichtig sind, zum Beispiel in solchen Fällen, wo die Migräne ein ganz alt gewordener chronischer Zustand war, der durch Jahrzehnte da war, und wobei dieses Mittel gewirkt hat.
[ 56 ] Verification data for Biodoron has been available for about three to four years now; in a large number of cases, this data is particularly important—for example, in cases where the migraine was a long-standing chronic condition that had persisted for decades, and where this remedy was effective.
[ 57 ] Nur natürlich, das möchte ich doch ausdrücklich erwähnen, gerade bei diesem Mittel ist es außerordentlich wichtig, daß richtig diagnostiziert wird. Daher kann das Mittel eigentlich nur dann, wenn man in der richtigen Weise diagnostiziert hat, zu einer Verifizierung dienen. Es ist ja natürlich nicht wünschenswert, daß bei jedem beliebigen Kopfschmerz dieses Biodoron angewendet wird, denn dann können negative Fälle sehr zahlreich auftreten.
[ 57 ] Of course—and I would like to emphasize this—it is extremely important, especially with this remedy, that the diagnosis be correct. Therefore, the remedy can only serve as verification if the diagnosis has been made correctly. Of course, it is not desirable to use Biodoron for just any headache, because that could lead to a large number of negative cases.
[ 58 ] Es muß also erst richtig diagnostiziert werden; aber dann geben wir sehr viel darauf. Es ist der Prozentsatz ja in den drei bis vier Jahren ein außerordentlich großer, dadurch daß wir es klinisch machen. In einzelnen Fällen wurde es aber auch schon früher durch private Ärzte ausprobiert.
[ 58 ] So it must first be properly diagnosed; but once it is, we place a great deal of value on it. The success rate over the past three to four years has been extraordinarily high, precisely because we approach it clinically. In some individual cases, however, it had already been tried earlier by private physicians.
[ 59 ] Ich möchte noch erwähnen, daß es Berichte gibt, sowohl zunächst Auseinandersetzungen über die Methoden wie auch Berichte über die Behandlung und über die Erfolge gerade für das Biodoron. Sie sind herausgegeben von dem Klinisch-Therapeutischen Institut in Stuttgart: «Die Migräne», zusammengestellt von Dr. Knauer, ein Bericht, der eine Anzahl von Fällen enthält - man kann natürlich nicht alle anführen -, aber eine Anzahl von charakteristischen Fällen enthält, und auch eine entsprechende Kasuistik. Ich glaube, diese Berichte und Beschreibungen sind ja vom Klinisch-Therapeutischen Institut auch zu beziehen, leider bis jetzt nur in deutscher Sprache, sie können aber jederzeit, wenn sie verlangt werden, auch in andere Sprachen übersetzt werden.
[ 59 ] I would also like to mention that there are reports—including initial debates about the methods as well as reports on the treatment and its success, particularly regarding Biodoron. They have been published by the Clinical-Therapeutic Institute in Stuttgart: “Migraine,” compiled by Dr. Knauer, a report that contains a number of cases—of course, it is not possible to cite them all—but includes a number of characteristic cases, as well as a corresponding casuistry. I believe these reports and descriptions are also available from the Clinical-Therapeutic Institute; unfortunately, they are currently only available in German, but they can be translated into other languages at any time upon request.
