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Erster Naturwissenschaftlicher Kurs
Licht, Farbe, Ton Masse, Elektrizität, Magnetismus
GA 320

26 Dezember 1919, Stuttgart

Vierter Vortrag

[ 1 ] Meine lieben Freunde!

[ 2 ] Wir sind leider mit dem Zusammenstellen des Experimentier-Materials noch nicht weit genug gediehen. Daher werden wir manche Dinge, die wir heute machen wollten, erst morgen machen, und ich werde müssen den Vortrag heute mehr so einrichten, dass ich einiges, was uns nützlich sein wird in den nächsten Tagen, Ihnen noch zur Darstellung bringe, gewissermaßen mit einer kleinen Änderung meiner Absichten.

[ 3 ] Ich möchte zunächst einfach vor Sie hinstellen dasjenige, was man nennen könnte das Urphänomen der Farbenlehre. Es wird sich darum handeln, dass Sie nach und nach dieses Urphänomen der Farbenlehre bewahrheitet, bekräftigt finden an den Erscheinungen, die Sie im ganzen Umfang der sogenannten Optik oder Farbenlehre beobachten können. Natürlich komplizieren sich die Erscheinungen, und das einfache Phänomen tritt nicht überall gleich so bequem in die äußere Offenbarung. Aber wenn man sich die Mühe gibt, finder man es überall. Dieses einfache Phänomen, zunächst in Goethe’scher Art ausgesprochen, ist das: Sicht man ein Helleres durch Dunkelheit, dann wird das Helle durch die Dunkelheit in dem Sinn der hellen [Farbe erscheinen], in dem Sinn des Gelblichen oder Rötlichen, mit anderen Worten: Sehe ich zum Beispiel irgendein leuchtendes, sogenanntes weißlich scheinendes Licht durch eine genügend dicke Platte, die irgendwie abgetrübt ist, so erscheint mir dasjenige, was ich sonst, indem ich es direkt anschaue, weißlich sehe, das erscheint mir gelblich, gelb-rötlich. Hell durch Dunkelheit erscheint gelb oder gelblich-rötlich. Das ist der eine Pol: Hell durch Dunkel erscheint gelb oder gelb-rötlich.

[ 4 ] Umgekehrt, wenn Sie hier, ich will sagen, einfach eine schwarze Fläche haben, Sie schauen sie direkt an, dann sehen Sie eben die schwarze Fläche. Nehmen Sie aber an, ich habe hier einen Wassertrog, durch diesen Wassertrog jage ich Helligkeit durch, sodass er aufgehellt ist. Also, ich habe hier eine erhellte Flüssigkeit. Dann sehe ich das Dunkle dunkel durch Hell, durch Erhelltes. Da erscheint Blau oder Violett, das heißt Blaurot, das heißt der andere Pol der Farbe.

[ 5 ] Das ist das Urphänomen: Hell durch Dunkel — Gelb; Dunkel durch Hell — Blau. Sehen Sie, dieses einfache Phänomen kann eben überall gesehen werden, wenn man sich nur gewöhnt, real zu denken, nicht abstrakt zu denken, wie eben die heutige Wissenschaft denkt.

[ 6 ] Nun erinnern Sie sich von diesem Gesichtspunkt aus an den Versuch, den wir schon gemacht haben, wo wir haben einen Lichtzylinder durchgehen lassen durch ein Prisma und haben bekommen, indem der Lichtzylinder durch das Prisma durchging, eine wirkliche Farbenskala, die wir aufgefangen haben, vom Violett bis zum Rot. Dieses Phänomen, ich habe es Ihnen ja schon aufgezeichnet. Wir konnten sagen: Wenn wir hier das Prisma haben, wir haben hier den Lichtzylinder, dann geht das Licht in irgendeiner Weise durch das Prisma hindurch, wird nach oben abgelenkt. Und wir haben gesagt: Hier findet nicht nur eine Ablenkung statt. Eine [bloße] Ablenkung würde stattfinden, wenn ein Gegenstand, ein durchsichtiger Gegenstand dem Lichte in den Weg gestellt würde, der parallele Flächen hat. Aber es wird [hier] das Prisma, das zusammengehende Flächen hat, dem Lichte in den Weg gestellt. Dadurch bekommen wir im Durchgang durch das Prisma eine Verdunkelung des Lichtes. Wir haben also in dem Augenblicke, wo wir das Licht durch das Prisma hindurchjagen, es zu tun mit zweierlei, erstens mit dem einfachen, fortströmenden hellen Licht, dann aber mit dem dem Licht in den Weg gestellten Trüben. Aber dieses Trübe, das sich dem Licht in den Weg stellt, das, haben wir gesagt, stellt sich so dem Lichte in den Weg, dass, während das Licht in der Hauptsache nach oben abgelenkt wird, wird dasjenige, was als Trübung entsteht, indem es nach oben strahlt, mit seinen Strahlen in der Richtung der Ablenkung sein. Das heißt, es strahlt Dunkelheit in das abgelenkte Licht hinein. Dunkelheit lebt gewissermaßen im abgelenkten Licht. Dadurch entsteht hier [oben] das Bläuliche, Violette. Aber die Dunkelheit strahlt auch nach unten. Da strahlt sie, während der Lichtzylinder so [nach oben] abgelenkt wird, nach unten, und sie wirkt entgegengesetzt dem abgelenkten Licht, kommt gegen dieses nicht auf und wir können sagen: Da übertönt das abgelenkte helle Licht die Dunkelheit, und wir bekommen [unten] die gelblichen oder gelblich-rötlichen Farben.

[ 7 ] Nehmen wir einen genügend dünnen Lichtzylinder, so können wir, wenn wir in der Richtung dieses Lichtzylinders [zum Prisma hin] schauen — mit unseren Augen können wir ja durch das Prisma hindurchsehen —, statt dass wir von außen auf einem Schirm anschauen das Bild, das entworfen wird, wir können unser Auge an die Stelle dieses Bildes stellen. Dann sehen wir, wenn wir durch das Prisma hindurchsehen, dasjenige, was hier ein Ausschnitt ist, durch den uns der Lichtzylinder entsteht, das sehen wir verschoben. Wir haben also hier wiederum, wenn wir innerhalb der Fakten stehen bleiben, das Phänomen vor uns: Wenn ich hier hinschaue, so sehe ich dasjenige, was mir sonst direkt [geradeaus] zukommen würde, sehe ich durch das Prisma nach unten verschoben. Aber ich sehe es außerdem farbig. Sie sehen es überall farbig.

[ 8 ] Was sehen Sie da eigentlich hier? Wenn Sie sich vergegenwärtigen, was Sie hier sehen, und rein aussprechen, was Sie sehen im Zusammenhang mit demjenigen, was wir eben festgestellt haben, dann ergibt sich Ihnen dasjenige, was Sie wirklich sehen, auch für die Einzelheit, unmittelbar. Sie müssen sich nur an das Gesehene halten. Nicht wahr, wenn Sie so hinschauen auf den Lichtzylinder — weil er Ihnen entgegenkommt, der helle Lichtzylinder —, also ein Helles sehen Sie, aber Sie sehen das Helle — no, nicht wahr, ein deutlicher Beweis, dass Sie hier oben ein Abgedunkeltes haben, ist, dass die blaue Farbe entsteht — also, Sie sehen durch das Abgedunkelte, durch die blaue Farbe, ein Helles, durch ein Dunkles ein Helles. Also müssen Sie hier Gelb oder Gelb-rötlich sehen, also Gelb und Rot. Und unten ist Ihnen die rote Farbe ebenso ein Beweis, dass Sie ein Aufgehelltes haben. — Ich habe Ihnen ja gesagt, das Hell übertönt die Dunkelheit. Also sehen Sie, indem Sie hinschauen: Wie hell auch sein mag der Lichtzylinder, Sie sehen ihn noch durch ein Aufgehelltes. Also, er ist dunkel gegenüber dem Aufgehellten. Sie sehen also ein Dunkles durch ein Erhelltes, und Sie müssen es unten blau sehen oder blaurot.

[ 9 ] Sie brauchen bloß das Phänomen auszusprechen, dann haben Sie auch dasjenige, was Sie sehen können. Das, was sich dem Auge darbietet, ist, was Sie sonst sehen, das ist das, das Blau, durch das Sie hindurchschauen. Also erscheint das Hell rötlich. Am unteren Rand haben Sie die Erhelltheit. Wie hell auch der Lichtzylinder sein mag, Sie sehen ihn durch ein Erhelltes. Also sehen Sie ein Dunkleres durch ein Erhelltes und Sie sehen es rot. Darauf kommt es an, es kommt auf das Polarische an.

[ 10 ] Das Erstere kann man, wenn man gelehrt sein will, die objektiven Farben nennen, das am Schirm. Das andere, was man sieht, wenn man durch das Prisma schaut, kann man nennen das subjektive Spektrum. Das subjektive Spektrum erscheint in Umkehrung des objektiven Spektrums. Wenn wir so sprechen, dann haben wir ganz gelehrt gesprochen.

[ 11 ] Nun, über diese Erscheinungen, meine lieben Freunde, ist ja sehr viel, namentlich im Laufe der neueren Zeit, gegrübelt worden. Nicht nur, dass man hat so, wie wir es jetzt versucht haben, die Erscheinungen angesehen und sie reinlich ausgesprochen, sondern man hat über die Dinge gegrübelt, und das äußerste Grübeln ist ja schon angegangen, als der berühmte Newton über das Licht deshalb nachgedacht hat, weil ihm zuerst dieses Farbenspektrum sich dargeboten hat. Newton hat sich allerdings [mit seinen objektiven Versuchen mit dem schmalen Spalt] die sogenannte Erklärung — eine solche ist es immer nur — verhältnismäßig leicht gemacht. Er hat gesagt: Nun, wenn wir eben das Prisma haben, so lassen wir weißes Licht hinein. Da drinnen sind schon die Farben enthalten, das Prisma lockt sie hervor, und dann marschieren sie der Reihe nach auf. Ich habe einfach das weiße Licht zerlegt. Nun hat sich Newton vorgestellt: Jeder Farbenart entspricht ein bestimmter Stoff, sodass also in dem Gesamten stofflich sieben Farben enthalten sind. Gewissermaßen ist für ihn dieses Durchlassen des Lichtes durch das Prisma eine Art chemischer Zerlegung des Lichtes in sieben einzelne Stoffe. Er hat sich sogar Vorstellungen gemacht, welche Stoffe größere Korpuskeln, Kügelchen, aussenden und welche Stoffe kleinere. Nun also liegt in diesem Sinne die Sache so, dass die Sonne uns Licht sendet; wir lassen das Licht ein durch den kreisförmigen Spalt, da [beim Prisma] fällt es auf als ein Lichtzylinder. Aber dieses Licht besteht in lauter kleinen Korpuskeln, kleinen Körperchen, die hier aufstoßen, dann werden sie von ihrer Richtung abgelenkt, und dann bombardieren sie den Schirm und da fallen die kleinen Kanonenkügelchen auf. Die kleinen fliegen nach oben, die großen nach unten, die kleinen sind die violetten, die großen sind die roten, nicht wahr? Und so sondern sich die großen von den kleinen ab.

[ 12 ] Diese Anschauung, dass da ein Stoff oder verschiedene Stoffe durch die Welt fliegen, die wurde sehr bald erschüttert von anderen Physikern, Huygens und Young und anderen, und es ist endlich dazu gekommen, dass man sich gesagt hat: So geht es doch nicht, dass da diese kleinen Kügelchen von irgendwo ausgehen und einfach durch das Medium getrieben werden oder auch nicht durch ein Medium getrieben werden und entweder auf einem Schirm ankommen, ein Bild erzeugen, oder in das Auge gelangen, um bei uns die Erscheinung des Rot und so weiter hervorzurufen. Damit geht es doch nicht. Und ich möchte sagen: Zuletzt wurden die Menschen dazu getrieben, sich zu beweisen, dass cs so nicht gehe, durch einen Versuch, der ja allerdings auch schon vorbereitet war, sogar bei dem Jesuiten Grimaldi, auch durch andere. Es wurde diese ganze Anschauung wesentlich erschüttert durch dasjenige, was durch Fresnel*? als Versuch angestellt worden ist.

[ 13 ] Diese Fresnel’schen Versuche sind außerordentlich interessant. Aber man muss sich einmal klar werden, was da eigentlich geschieht in der Anordnung, die Fresnel seinen Versuchen gegeben hat. Aber ich bitte Sie, jetzt wirklich auf die Tatsachen recht sehr achtzugeben, denn es handelt sich darum, dass wir wirklich ganz genau ein Phänomen studieren. — Sehen Sie, nehmen Sie an, ich hätte zwei Spiegel und habe hier eine Lichtquelle, das heißt, mit einer Flamme leuchte ich von da aus, sodass ich, wenn ich hier einen Schirm aufstelle, Bilder bekomme durch diesen [ersten] Spiegel und Bilder bekomme von dem anderen [zweiten] Spiegel. Nehmen Sie also an — ich werde das zeichnen im Durchschnitt — zwei sehr wenig gegeneinander geneigte Spiegel. Hier habe ich eine Lichtquelle-ich will sie \(L\) nennen — [und] einen Schirm, so spiegelt sich mir das Licht, indem es hier [auf den ersten Spiegel] auffällt, sodass ich in der Lage sein kann, hier durch das reflektierte Licht den Schirm zu beleuchten. Ich werde — wenn ich das Licht hier [auf den ersten Spiegel] auffallen lasse, so kann ich durch den Spiegel den Schirm hier beleuchten, sodass er hier in der Mitte heller ist als in der Umgebung. Nun habe ich aber hier einen zweiten Spiegel, durch den wird das Licht etwas anders reflektiert, und es wird gewissermaßen noch ein Teil desjenigen, was von hier unten [gespiegelt wird], von meinem Lichtkegel, nach dem [unteren oder zweiten] Spiegel [zum Schirm] hin dirigiert wird — das fällt noch hinein in das Obere [des durch den ersten Spiegel Gespiegelte], sodass durch die Neigung wird gewissermaßen, was der obere Spiegel spiegelt, wird als Helligkeit auf den Schirm geworfen; was vom unteren Spiegel gespiegelt wird, wird auch als Helligkeit darauf geworfen. Man kann sagen, dass cs für diesen Schirm so ist, wie wenn er von zwei Orten aus erhellt würde.

[ 14 ] Nehmen Sie nun an, es habe einen Physiker gegeben, der das sieht. Dieser Physiker, der das sieht, dächte newtonisch. Dann wird er sich sagen: Da ist die Lichtquelle, die bombardiert zuerst den ersten Spiegel, der schmeißt ihre Kügelchen hierher. Diese prallen [vom ersten Spiegel] ab, kommen auf den Schirm und erhellen ihn. Aber auch von dem unteren Spiegel prallen die Kügelchen ab. Da kommen viele Kügelchen an. Es muss viel heller sein, wenn die zwei Spiegel da sind, als wenn nur der eine Spiegel da ist. Richte ich die Sache so ein, dass ich den zweiten Spiegel wegmache, so müsste [der Schirm] durch das hergeworfene Licht weniger erhellt sein, als wenn ich die zwei Spiegel habe.

[ 15 ] Allerdings, ein Gedanke, sehen Sie, könnte diesem Physiker kommen, der richtig fatal wäre. Denn diese Korpuskeln, diese Körperchen, die müssen diesen Weg [vom zweiten Spiegel nach oben] machen, da kommen die anderen [vom ersten Spiegel] herunter. Warum just nun diejenigen, die da herunterkommen, gar nicht auf diese [von unten, vom zweiten Spiegel kommenden Körperchen] stoßen und sie wegschleudern, das ist außerordentlich schwer einzusehen. — Überhaupt, Sie können in unseren Physikbüchern sehr schöne Erzählungen über die Wellentheorie finden. Aber während die Dinge sehr schön berechnet werden, muss man immer den Gedanken haben, dass man niemals berechnet, wenn so eine Welle durch die andere durchsaust — das geht immer so ganz unbemerkt ab. Wollen wir einmal in Wirklichkeit auffassen, was hier eben eigentlich geschieht.

[ 16 ] Sehen Sie, gewiss, das Licht fällt hier herunter, wird hierher [zum Schirm] herübergeworfen, fällt auch auf den zweiten Spiegel, wird hierher geworfen. Das Licht ist also auf dem Weg zum Spiegel, wird hier herübergeworfen — das ist immer der Weg des Lichts. Was geschieht nun aber eigentlich? Nun, nehmen wir an, wir hätten hier so einen Lichtgang. Jetzt wird er hier herübergeworfen. Jetzt kommt aber hier der andere Lichtgang, der trifft auf. Das ist ein Phänomen, das nicht zu leugnen ist. Wir haben hier den Lichtgang; aber da kommt der andere, der trifft da auf. Die beiden stören sich gegenseitig. Der will da durchsausen, der andere stellt sich in den Weg. Die Folge davon ist: Wenn er da durchsausen will, dass er das von da kommende Licht zunächst auslöscht; er löscht es aus. Indem er durchsaust, löscht er das Licht aus. Dadurch aber bekommen wir überhaupt hier [beim Schirm] nicht eine Helligkeit, sondern es spiegelt sich hier in Wahrheit die Dunkelheit herüber, sodass wir also hier [beim Schirm] eine Dunkelheit kriegen. Nun ist aber die ganze Geschichte nicht in Ruhe, sondern das ist in fortwährender Bewegung. Dieses, was hier gestört worden ist, das geht weiter. Da ist also gleichsam ein Loch im Licht entstanden. Nicht wahr, es ist ja das Licht durchgesaust, es ist ein Loch entstanden. Dieses erscheint dunkel. Aber dadurch wird der nächste Lichtkörper umso leichter durchgehen und Sie werden neben der Dunkelheit einen umso helleren Fleck haben. Das Nächste wiederum, was geschieht, ist das, dass, indem das hier weiterschreitet, wiederum ein solcher kleiner Lichtzylinder von oben aufstößt auf eine Helligkeit, sie wiederum auslöscht, wiederum eine Dunkelheit hervorruft. Dadurch, dass diese weiterschreitet, kann das Licht wiederum leichter durch. Wir haben es zu tun mit einem solchen fortschreitenden Gitter, wo das Licht, das von oben kommt, immer durch kann und, indem es auslöscht, wiederum Dunkelheit bringt, die aber fortschreitet. Wir müssen also hier abwechselnd Helligkeit und Dunkelheit bekommen dadurch, dass das obere Licht durch das untere durchgeht und so ein Gitter macht.

[ 17 ] Das ist, was ich Sie gebeten habe, genau zu denken. Denn Sie müssen verfolgen, wie ein Gitter entsteht. Sie haben Helligkeiten und Dunkelheiten dadurch abwechselnd, dass Licht ins Licht hineinsaust. Wenn Licht in Licht hineinsaust, so wird das Licht eben aufgehoben, wird das Licht in Dunkelheit verwandelt. Die Entstehung eines solchen Lichtgitters müssen wir also dadurch erklären, dass wir die Anordnung getroffen haben durch diese Spiegel. Sie werden das Phänomen immer so bekommen, wenn Sie hier eine Lichtquelle haben, deren Lichtgeschwindigkeit gar nicht in Betracht kommt. Im Hinblick auf die Geschwindigkeit des Lichtes, überhaupt dasjenige, was an Verschiedenheiten der Lichtgeschwindigkeit hier auftritt, hat keine große Bedeutung. Was ich zeigen möchte, ist hier dasjenige: Was innerhalb des Lichtes selbst auftritt mithilfe des Apparates, ist hier [dasjenige], dass sich das Gitter abspiegelt: hell, dunkel, hell, dunkel.

[ 18 ] Aber jener Physiker— es war Fresnel selber —, der sagte sich: Wenn das Licht die Ausströmung von Körperchen ist, so ist es selbstverständlich, dass, wenn mehr Körperchen hingeschleudert werden, dann muss es heller werden, sonst müsste ein Körperchen das andere aufzehren. Also nach der bloßen Ausstrahlungstheorie kann nicht erklärt werden, dass Helligkeit und Dunkelheit miteinander abwechseln. Wie es zu erklären ist, wir haben es eben gesehen. Aber nun sehen Sie, das Phänomen so zu nehmen, wie es eigentlich sein muss, das fiel nun gerade wiederum den Physikern nicht ein, sondern im Zusammenhang mit gewissen anderen Erscheinungen versuchten sie eine Erklärung im Sinne des Materialismus. Mit den hinbombardierenden Stoffkügelchen ging es nicht mehr. Deshalb sagte man: Nehmen wir an, das Licht ist nicht ein Hinströmen von feinen Stoffen, sondern nur eine Bewegung in einem feinen Stoff, in dem Äther, Bewegung im Äther. Und zuerst stellte man sich vor — zum Beispiel tat das Euler —, das Licht pflanze sich in diesem Äther etwa so fort wie der Schall in der Luft. Wenn ich einen Schall errege, so pflanzt sich der ja durch die Luft fort, aber so, dass zunächst, wenn hier der Schall erregt wird, die Luft in der Umgebung zusammengedrückt wird. Dadurch entsteht verdichtete Luft. Die verdichtete Luft, die hier entsteht, die drückt wiederum auf die Umgebung. Sie dehnt sich aus. Dadurch aber ruft sie sporadisch gerade in der Nähe eine verdünnte Luftschicht hervor. Durch solche Verdickungen und Verdünnungen, die man Wellen nennt, stellt man sich vor, dass der Schall sich ausbreitet. Und so nahm man an, dass solche Wellen auch im Äther erregt werden. Aber mit gewissen Erscheinungen stimmte die Sache nicht, und so sagte man sich: Eine Wellenbewegung ist das Licht wohl, aber es schwingt nicht so, wie es beim Schall ist. Beim Schall ist es so, dass hier eine Verdichtung ist, dann kommt eine Verdünnung, und das schreitet so fort. Das sind Längswellen. Also, es folgt die Verdünnung auf die Verdichtung, und ein Körper, der bewegt sich darinnen in der Richtung der Fortpflanzung so hin und zurück. Das konnte man sich beim Lichte nicht so vorstellen. Da ist es so, dass, wenn sich das Licht so fortpflanzt, dann bewegen sich die Ätherteilchen senkrecht zur Richtung der Fortpflanzung; sodass wir also, wenn dasjenige, was man einen Lichtstrahl nennt, da durch die Luft saust — es saust ja so ein Lichtstrahl mit 300000 Kilometer Geschwindigkeit —, wenn man da die Richtung hat, in der das Licht dahinsaust, dann schwingen da die kleinen Teilchen immer senkrecht darauf. Wenn dann dieses Schwingen in unser Auge kommt, dann nehmen wir das wahr.

[ 19 ] Wenn man das auf den Fresnel’schen Versuch anwendet, sehen Sie hier, dann, wenn sich das Licht so fortpflanzt, dann schwingt es jetzt da weiter, so, schwingt es so weiter, sodass eigentlich die Bewegung des Lichtes ein senkrechtes Schwingen ist auf die Richtung, in der sich das Licht fortpflanzt. Ja, dieser Strahl hier, der auf den unteren Spiegel geht, würde also so schwingen, setzt sich so fort, stößt hier auf. Nun, wie gesagt, dieses Durcheinandergehen der Wellenzüge, über das sieht man da hinweg. Die stören sich da nicht im Sinne dieser so denkenden Physiker. Aber hier [beim Schirm] stören sie sich sogleich, oder aber sie unterstützen sich. Denn was soll nun hier geschehen? Ja, nicht wahr, hier [beim Schirm] kann es nun so sein, dass, wenn dieser Wellenzug hier ankommt, das [eine] kleinste Teilchen hier, das senkrecht schwingt, just hinunterschwingt, wenn das [andere] da just hinaufschwingt. Dann heben sie sich auf, dann müsste Dunkelheit entstehen. Wenn aber hier [beim Schirm] das [eine Teilchen gerade] aufschwingt, und das andere hier so [ebenfalls auf-] schwingt, und [wenn] das [eine] Teilchen hier gerade hinunterschwingt, wenn das andere hinunterschwingt, oder hinaufschwingt, wenn das andere hinaufschwingt, dann müsste die Helligkeit entstehen, sodass man also hier aus den Schwingungen der kleinsten Teilchen dasselbe erklärt, was wir aus dem Lichte selber erklärt haben. Ich habe gesagt, dass man hier abwechselnd helle und dunkle Stellen hat, aber die moderne sogenannte Undulations-Theorie erklärt sie dadurch, dass das Licht eine Schwingung des Äthers ist, dass hier, wenn die kleinsten Teilchen so schwingen, dass sie einander unterstützen, dann entsteht ein hellerer Fleck, wenn sie im entgegengesetzten Sinne schwingen, dann entsteht ein dunklerer Fleck.

[ 20 ] Sie müssen jetzt nur ins Auge fassen, welcher Unterschied besteht zwischen der reinen Auffassung des Phänomens, dem Stehenbleiben innerhalb der Phänomene, dem Verfolgen der Phänomene und dem Hinstellen der Phänomene und [dem] Hinzuerfinden zu den Phänomenen [von] etwas, was man eben nur hinzuerfunden hat. Denn diese ganze Bewegung des Äthers ist ja nur hinzuerfunden. Man kann natürlich so etwas, was man erfunden hat, berechnen. Aber das, dass man darüber rechnen kann, ist ja kein Beweis dafür, dass die Sache auch da ist. Denn das bloß Phoronomische ist eben ein bloß Gedachtes, und das Rechnerische ist auch bloß ein Gedachtes. Sie sehen daraus, dass wir darauf angewiesen sind, nach unserer Grunddenkweise die Phänomene so zu erklären, dass sie sich uns selber als Erklärung ergeben, dass sie die Erklärung in sich selber enthalten darauf bitte ich den größten Wert zu legen —, dass hinausgeworfen werden muss, was bloße Spintisiererei ist. Alles kann man erklären, wenn man hinzufügt etwas, wovon kein Mensch etwas weiß. Diese Wellen zum Beispiel könnten natürlich da sein, und es könnte sein, wenn eine herunterschwingt und die andere hinaufschwingt, dass sie sich dann aufheben — aber man hat sie erfunden. Aber was unbedingt da ist, ist dieses Gitter hier, und dieses Gitter sehen wir sich hier treulich spiegeln. Man muss schon auf das Licht schauen, wenn man zu dem kommen will, was unverfälschte Erklärung ist.

[ 21 ] Weipglühender Körper Nun habe ich Ihnen gesagt: Wenn das eine Licht durch das andere durchgeht, mit ihm überhaupt in irgendeine Beziehung tritt, dann wirkt unter Umständen das eine Licht trübend auf das andere Licht, auslöschend auf das andere Licht, wie das Prisma selber trübend wirkt. Das stellt sich ganz besonders dadurch heraus, dass man — wir werden den Versuch wirklich machen —, dass man den folgenden Versuch macht. Sehen Sie, ich will das, um was es sich dabei handelt, aufzeichnen: Nehmen wir an, wir haben dasjenige, was ich Ihnen gestern zeigte, wir haben wirklich ein solches Spektrum, und zwar direkt durch die Sonne erzeugt; wir haben ein solches Spektrum bekommen vom Violett bis zum Rot. Wir könnten ein solches Spektrum auch erzeugen, indem wir nicht die Sonne durch einen solchen [kreisförmigen] Spalt durchscheinen ließen, sondern dadurch, dass wir an diese Stelle hier einen festen Körper herbrächten, den wir glühend machten. Dann würden wir auch allmählich, wenn er bis zur Weißglut kommt, die Möglichkeit haben, ein solches Spektrum zu haben. Es ist gleichgültig, ob ein Sonnenspektrum [vorliegt] oder ob das Spektrum von einem weiß glühenden Körper kommt.

[ 22 ] Nun können wir aber auch noch auf eine etwas modifizierte Art ein Spektrum erzeugen. Nehmen wir an, wir haben hier ein Prisma und wir haben hier eine Natriumflamme, das heißt ein sich verflüchtigendes Metall: Natrium. Gas wird Natrium da. Das Gas brennt, verflüchtigt sich, und wir erzeugen ein Spektrum von diesem sich verflüchtigenden Natrium. So tritt etwas sehr Eigentümliches auf. Wenn wir das Spektrum erzeugen nicht von der Sonne oder nicht von einem festen glühenden Körper, sondern von einem glühenden Gas, dann ist eine einzige Stelle im Spektrum sehr stark ausgebildet, und zwar bekommt Natriumlicht besonders das Gelb. Wir haben hier, nicht wahr, Rot, Orange, Gelb. Der gelbe Teil, der ist beim Natrium besonders stark ausgebildet. Das übrige Spektrum ist beim Natriummetall verkümmert, fast gar nicht vorhanden. Also, alles vom Violett bis zum Gelb herein und vom Gelben bis zum Rot ist verkümmert. Wir bekommen daher scheinbar einen ganz schmalen gelben Streifen, man sagt eine gelbe Linie. Die entsteht dadurch, dass sie der Teil eines ganzen Spektrums ist. Das andere des Spektrums ist nur verkümmert. So kann man von den verschiedensten Körpern solche Spektren finden, die eigentlich keine Spektren sind, sondern nur leuchtende Linien. Daraus ersehen Sie, dass man umgekehrt, wenn man nicht weiß, was da eigentlich in einer Flamme drinnen ist, und man ein solches Spektrum erzeugt, dass dann, wenn man ein gelbes Spektrum kriegt, in der Flamme Natrium sein muss. Man kann erkennen, mit welchem Metall man es zu tun hat.

[ 23 ] Das Eigentümliche aber, was entsteht, wenn man nun diese zwei Versuche kombiniert, sodass man erzeugt diesen Lichtzylinder hier, und das Spektrum erzeugt hier, zu gleicher Zeit die Natriumflamme hineintut, sodass das glühende Natrium sich vereinigt mit dem Lichtzylinder — was da geschieht, ist etwas ganz Ähnliches, als was ich Ihnen vorhin beim Fresnel’schen Versuch gezeigt habe. Man könnte erwarten, dass hier besonders stark das Gelb auftreten würde, weil das Gelb schon drinnen ist; dann kommt noch das Gelb vom Natrium dazu. Aber das ist nicht der Fall, sondern das Gelbe vom Natrium löscht das andere Gelb aus, und es entsteht hier eine dunkle Stelle. Also, wo man erwarten würde, dass Helleres entsteht, [entsteht] eine dunkle Stelle! Warum denn? Das hängt lediglich ab von der Kraft, die entwickelt wird. Nehmen Sie an, es wäre das Natriumlicht, das da entsteht, so selbstlos, dass es das verwandte gelbe Licht einfach durch sich hindurchließe, dann müsste es sich ganz auslöschen. Das tut es aber nicht, sondern stellt sich in den Weg gerade an der Stelle, wo das Gelb herüberkommen sollte, stellt sich in den Weg. Es ist da, und trotzdem es gelb ist, wirkt es nicht etwa verstärkend, sondern wirkt auslöschend, trotzdem es gelb ist, weil es sich einfach als eine Kraft in den Weg stellt, gleichgültig, ob das, was sich da in den Weg stellt, etwas anderes ist oder nicht. Das ist einerlei. Der gelbe Teil des Spektrums wird ausgelöscht. Es entsteht dort eine schwarze Stelle.

[ 24 ] Sie sehen daraus, dass man bloß wiederum das zu bedenken braucht, was da ist. Da stellt sich einem aus dem flutenden Licht selbst heraus die Erklärung dar. Das sind eben die Dinge, auf die ich Sie hinweisen möchte. sehen Sie, der Physiker, der im Sinne Newtons erklärt, der müsste natürlich sagen: Wenn ich hier ein Weißes habe, also einen leuchtenden Streifen, und ich gucke mit dem Prisma durch nach diesem leuchtenden Streifen, so erscheint er mir so, dass ich ein Spektrum bekomme: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Dunkelblau, Violett.

[ 25 ] Nun, sehen Sie, Goethe sagte: Ja, zur Not geht’s ja noch. Wenn die Natur wirklich so ist, dass sie das Licht zusammengesetzt gemacht hat, so könnte man ja annehmen, dass dieses Licht durch das Prisma wirklich in seine Teile zerlegt wird. Schön, aber dabei behaupten ja dieselben Menschen, die das sagen, dass das Licht aus diesen sieben Farben als seinen Teilen besteht, zu gleicher Zeit, dass die Dunkelheit gar nichts ist, nur die Abwesenheit des Lichtes ist. Ja, aber wenn ich hier einen schwarzen Streifen lasse zwischen Weiß — ganz weißes Papier habe und hier einen schwarzen Streifen —, und ich gucke durch das Prisma durch, so bekomme ich auch einen Regenbogen, nur sind seine Farben anders angeordnet. Da ist er in der Mitte Violett [-Purpur] und geht nach der einen Seite ins [Bläuliche und nach der anderen Seite ins Gelblich-] Grünliche. Da bekomme ich ein anders angeordnetes Band. Aber ich müsste sagen, im Sinne der Zerlegungstheorie: Das Schwarze ist auch zerlegbar. Also, ich müsste zugeben, dass die Dunkelheit nicht bloß die [Abwesenheit] des Lichtes ist. Die Dunkelheit müsste auch zerlegbar sein. Sie müsste aber auch aus sieben Farben bestehen. Das ist es, was Goethe irre gemacht hat, dass er auch den schwarzen Streifen siebenfarbig sah, nur in anderer Anordnung. Das ist also dasjenige, was wiederum nötigt, einfach die Phänomene so zu nehmen, wie sie sind.

[ 26 ] Nun, wir werden sehen, dass wir morgen wiederum um halb zwölf Uhr in der Lage sind, Ihnen das, was ich Ihnen heute leider nur theoretisch auseinandersetzen konnte, vorzuführen.