Erster Naturwissenschaftlicher Kurs
Licht, Farbe, Ton Masse, Elektrizität, Magnetismus
GA 320
30 Dezember 1919, Stuttgart
Siebenter Vortrag
[ 1 ] Meine Lieben Freunde!
[ 2 ] Wir wollen heute beginnen mit einem Versuch, der noch knüpfen soll an unsere Betrachtungen über die Farbenlehre. Es ist ja, wie gesagt, durchaus nur möglich, dass ich Ihnen Improvisiertes, gewissermaßen Aphoristisches in diesen Vorträgen vorbringe. Daher muss ich auch die gewöhnlichen Kategorien, die Sie in den Physikbüchern finden, vermeiden. Ich will nicht sagen, dass es deshalb besser wäre, wenn ich diese Kategorien einhalten könnte, allein ich möchte Sie ja zuletzt zu einer bestimmten naturwissenschaftlichen Einsicht führen, und alles dasjenige, was ich vorher vorbringe, betrachten Sie als eine Art Vorbereitung, die nicht so gemacht wird, dass man, wie es sonst üblich ist, in gerader Linie fortschreitet, sondern dass man die Erscheinungen zusammensucht, die man braucht, gewissermaßen einen Kreis schafft und dann nach dem Mittelpunkt vordringt.
[ 3 ] Sie haben gesehen, dass wir es zu tun haben, wenn Farben entstehen, mit einem Zusammenwirken von Licht und Finsternis. Nun handelt es sich darum, dass man möglichst viele wirkliche Erscheinungen beobachtet, bevor man sich eine Anschauung bildet über das, was in dieser Wechselwirkung von Licht und Finsternis eigentlich zugrunde liegt. Und da möchte ich Ihnen heute zunächst dieses Phänomen der sogenannten farbigen Schatten vorführen.
[ 4 ] Ich werde von zwei Lichtquellen aus, die diese Kerzchen hier darstellen, durch diesen Stab Ihnen Schatten auf dem Schirm erzeugen, der Ihnen gegenübersteht. Sie sehen zwei Schatten, welche eine deutliche Farbe nicht haben. Sie brauchen nur dasjenige, was hier ist, ordentlich anzuschauen, so werden Sie sich sagen müssen: Der Schatten, den Sie hier rechts sehen, ist natürlich der Schatten, der von dieser Lichtquelle [links] ausgeht und der dadurch entsteht, dass das Licht von dieser Quelle ausgeht und durch den Stab verdeckt wird. Und der Schatten [links] ist derjenige, der entsteht, indem das Licht unserer rechten Lichtquelle verdeckt wird. Wir haben es also hier im Grunde genommen nur zu tun mit der Erzeugung gewisser dunkler Räume. Das, was im Schatten liegt, ist eben dunkler Raum. Nun können Sie noch sehen: Wenn Sie die Fläche des Schirmes außerhalb der beiden Schattenbänder sich ansehen, so werden Sie sich sagen: Sie [wird] beleuchtet von den zwei Lichtquellen. Sodass wir es also da zu tun haben mit Licht.
[ 5 ] Ich will nun das eine [linke] der Lichter färben, das heißt, ich will es gehen lassen durch eine farbige Glasplatte, sodass das eine der Lichter gefärbt wird. Wir wissen, was da geschieht: Es wird das eine der Lichter abgedunkelt. So! Aber jetzt sehen Sie, dass durch dieses Abdunkeln der Schatten [rechts], welcher durch den Stab bewirkt wird von meiner linken Lichtquelle aus, deren Licht ich gerade abdunkle und rötlich mache, dass dieser [rechte] Schatten grün wird. Er wird so grün, wie grün wird — wenn Sie zum Beispiel scharf an eine kleine rote Fläche hinschauen, dann von dieser roten Fläche das Auge abwenden und dann einfach in gerader Richtung nach einer weißen Fläche lenken —, so sehen Sie [wie grün wird] dasjenige, was Sie früher rot gesehen haben, ohne dass etwas da ist, sondern gleichsam [tritt] die grüne Farbe [von] selber auf die Fläche hin. Wie Sie da [beim Nachbild] sehen die grüne Fläche als ein zeitliches Nachbild der roten Fläche, die Sie früher wirklich gesehen haben, indem Sie das Auge dem Rot exponiert haben, — so sehen Sie hier [beim farbigen Schatten], indem ich die [linke] Lichtquelle rot abdunkle, ihren [rechten] Schatten [grün]. Also, was früher [vor der Einfügung der farbigen Glasplatte] bloße Dunkelheit war, sehen Sie jetzt grün. Wenn ich dieselbe Lichtquelle grün abdunkeln werde, beobachten Sie dann, was dann entsteht! Sie sehen, der Schatten entsteht dann rot. Wenn ich dieselbe Lichtquelle blau abdunkle, so sehen Sie, der Schatten entsteht dann gelblich [-orange]; würde ich die Lichtquelle violett abdunkeln, so gäbe es Orange [-Gelb].
[ 6 ] Nun bitte ich Sie, Folgendes zu berücksichtigen — gerade dieses Phänomen ist von einer großen Bedeutung. Wenn Sie — ich erwähne das deshalb noch einmal — wenn Sie zum Beispiel irgendwo liegen haben, sagen wir, ein Kissen, ein Kissen, das einen weißen Überzug hat, der über einen roten Überzug gezogen ist und der so gehäkelt ist, dass er da [ausgelassen] so rote Rhomben hat, und Sie sehen nach diesen roten Rhomben zuerst hin und von da weg auf das Weiße [einer Fläche], so sehen Sie dieselbe Gitterung auf dem Weißen grün. Sie ist natürlich nicht dort, aber Ihr Auge übt eine Nachwirkung [aus], und diese erzeugt, indem Sie visieren nach dem Weiß, die grünen — wie man sagt — subjektiven Bilder.
[ 7 ] Nun, Goethe wusste diese letztere Ihnen erwähnte Erscheinung und er kannte auch dieses Phänomen der farbigen Schatten. Er sagte sich: Ich dunkle diese [eine] Lichtquelle [durch einen roten Farbfilter] ab, bekomme Grün, und nun beschreibt er das in der folgenden Weise. Er sagt: Wenn ich hier die Lichtquelle abdunkle, so wird der ganze weiße Schirm mit einem roten Schein bedeckt und ich sche dann eigentlich nicht den weißen Schirm, sondern einen roten Schein, ich sehe den Schirm rötlich. Dadurch erzeuge ich, wie bei dem Kissen, mit meinem Auge die Kontrastfarbe Grün, sodass also hier kein wirkliches Grün wäre, sondern es wird nur nebenbei gesehen, weil der Schirm rötlich gefärbt ist. Aber diese Goethe’sche Anschauung ist falsch. Sie können sich leicht überzeugen, dass sie falsch ist, denn wenn Sie eine kleine Röhre nehmen und durchblicken, sodass Sie bloß, nach der Abdunklung [durch einen roten Farbfilter], diesen grünen Streifen ansehen, so sehen Sie ihn auch grün. Sie sehen dann nicht dasjenige, was in der Umgebung ist, sondern Sie sehen nur das objektiv an dieser Stelle vorhandene Grün. Sie können sich dadurch überzeugen, dass das Grün objektiv ist, dass hier abgedunkelt wird und dass Sie dann das Grün ansehen. Es bleibt grün, kann also nicht eine Kontrasterscheinung sein, sondern ist eine objektive Erscheinung. Wir können das jetzt nicht so machen, dass es alle sehen einzeln: Aber durch zweier Zeugen Mund wird alle Wahrheit kund.*' Ich werde die Erscheinung hervorrufen und Sie müssen so durchsehen, dass Sie auf das grüne Band hinsehen. Das bleibt grün, nicht wahr? Und ebenso würde die andere Farbe, wenn ich durch Grün Rot erzeugen würde, die andere Farbe Rot bleiben. In diesem Falle hat Goethe in seine Farbenlehre den Irrtum, dem er sich hingegeben hart, aufgenommen, und der muss natürlich durchaus korrigiert werden.
[ 8 ] Ich will zunächst, meine lieben Freunde, nichts anderes, als dass Sie sich unter den mancherlei Erscheinungen auch bewahren das rein Faktische, das wir jetzt vorgeführt haben, dass also ein Grau, das heißt ein Dunkles, das sonst als bloßer Schatten entsteht, dann, wenn wir den Schatten selbst mit Farbe gewissermaßen durchtränken, dass dann in anderer Weise Helligkeit und Dunkelheit zusammenwirken, als wenn ich den Schatten nicht durchtränkte mit einer Farbe. Und wir merken uns, dass hier durch die Abdunkelung des Lichtes mit dem Rot, dass dadurch die objektive Erscheinung des Grün hervorgerufen wird. Nun habe ich Sie hingewiesen auf dasjenige, was da [im Nachbild] subjektiv erscheint — wie man sagt, subjektiv. Wir haben [beim farbigen Schatten] eine, wie man sagt, objektive Erscheinung, das Grün, das auf dem Schirm gewissermaßen bleibt, wenn es auch nicht fixiert ist, so lange, als wir die Bedingungen dazu hergestellt haben, und hier [beim Nachbild] etwas, was gewissermaßen subjektiv, von unserem Auge allein abhängig ist. Goethe nennt die grüne Farbe, die dann erscheint, wenn ich eine Zeit lang das Auge der Farbe exponiert habe, die geforderte Farbe, das geforderte Nachbild, das durch die Gegenwirkung selbst hervorgerufen wird.
[ 9 ] Nun, hier ist eines streng festzuhalten. Die Unterscheidung des Subjektiven und des Objektiven, zwischen der hier [beim farbigen Schatten] vorübergehend fixierten Farbe und der durch das Auge scheinbar bloß als Nachbild geforderten Farbe, diese Unterscheidung hat in keinem objektiven Tatbestand irgendeine Rechtfertigung. Ich habe es [beim Nachbilde] zu tun, indem ich durch mein Auge hier das Rot sehe, einfach mit all den Ihnen beschriebenen physikalischen Apparaten, Glaskörper, Linse, die Flüssigkeit zwischen der Linse und der Hornhaut. Ich habe es mit einem sehr differenzierten physikalischen Apparat zu tun. Dieser physikalische Apparat, der in der mannigfaltigsten Weise Helligkeit und Dunkelheit durcheinandermischt, der steht zu dem objektiv vorhandenen Äther in gar keiner anderen Beziehung als die Apparate, die ich hier aufgestellt habe, der Schirm, die Stange und so weiter. Das eine Mal, [beim Nachbild,] ist bloß die ganze Vorrichtung, die ganze Maschinerie mein Auge, und ich sehe ein objektives Phänomen durch mein Auge, genau dasselbe objektive Phänomen, das ich hier [beim farbigen Schatten] sehe, nur dass hier das Phänomen bleibt. Wenn ich aber mein Auge mir herrichte durch das Sehen so, dass es nachher in der sogenannten geforderten Farbe wirkt, so stellt sich das Auge in seinen Bedingungen wieder her im neutralen Zustand. Aber dasjenige, wodurch ich Grün sehe, ist durchaus kein anderer Vorgang, wenn ich [beim Nachbild] sogenannt subjektiv durch das Auge sehe, als wenn ich hier [beim farbigen Schatten] objektiv die Farbe fixiere.
[ 10 ] Deshalb sagte ich: Sie leben nicht so mit Ihrer Subjektivität, dass der Äther draußen Schwingungen macht und die Wirkung derselben als Farbe zum Ausdruck kommt, sondern Sie schwimmen im Äther, sind eins mit ihm, und es ist nur ein anderer Vorgang, ob Sie eins werden mit dem Äther hier durch die Apparate oder durch etwas, was sich in Ihrem Auge selber vollzieht. Es ist [kein] wirklicher, wesenhafter Unterschied zwischen dem räumlich erzeugten grünen Bild durch die rote Verdunkelung und dem grünen Nachbild, das eben nur zeitlich erscheint; es ist ein — objektiv besehen — greifbarer Unterschied nicht, nur der, dass das eine Mal der Vorgang räumlich, das andere Mal der Vorgang zeitlich ist. Das ist der einzige wesenhafte Unterschied.
[ 11 ] Die sinngemäße Verfolgung solcher Dinge führt Sie dahin, jenes Entgegenstellen des sogenannten Subjektiven und des Objektiven nicht in der falschen Richtung zu sehen, in der es fortwährend von der neueren Naturwissenschaft gesehen wird, sondern die Sache so zu sehen, wie sie ist, nämlich dass wir das eine Mal eine Vorrichtung haben, durch die wir Farben erzeugen, unser Auge neutral bleibt, das heißt sich neutral macht gegen das Farbenentstehen, also dasjenige, was da ist, mit sich vereinigen kann. Das andere Mal wirkt es selbst als physikalischer Apparat. Ob aber dieser physikalische Apparat hier (außen) ist oder in Ihrer Stirnhöhle drinnen ist, ist einerlei. Wir sind nicht außer den Dingen und projizieren erst die Erscheinungen in den Raum, wir sind durchaus mit unserer Wesenheit in den Dingen und sind umso mehr in den Dingen, als wir aufsteigen von gewissen physikalischen Erscheinungen zu anderen physikalischen Erscheinungen. Kein Unbefangener, der die Farbenerscheinungen durchforscht, kann anders, als sich sagen: Mit unserem gewöhnlichen körperlichen Wesen stecken wir nicht drinnen, sondern mit unserem ätherischen und dadurch mit unserem astralischen Wesen.
[ 12 ] Wenn wir vom Lichte heruntersteigen zur Wärme, die wir auch wahrnehmen als etwas, was ein Zustand unserer Umgebung ist, der für uns eine Bedeutung gewinnt, wenn wir ihm exponiert sind, so werden wir bald sehen: Es ist eine bedeutsame Modifikation zwischen dem Wahrnehmen des Lichtes und dem Wahrnehmen der Wärme. Für die Lichtwahrnehmung können Sie genau lokalisieren diese Wahrnehmung in dem physikalischen Apparat des Auges, dessen objektive Bedeutung ich eben charakterisiert habe. Für die Wärme, was müssen Sie sich denn da sagen? Wenn Sie wirklich sich fragen: Wie kann ich vergleichen die Beziehung, in der ich zum Lichte stehe, mit der Beziehung, in der ich zur Wärme stehe? Ja, so müssen Sie sich auf diese Frage antworten: Zum Lichte stehe ich so, dass mein Verhältnis lokalisiert ist gewissermaßen durch mein Auge an einen bestimmten Körperort. Das ist aber bei der Wärme nicht so. Für sie bin ich gewissermaßen ganz Sinnesorgan. Ich bin für sie ganz dasselbe, was für das Licht das Auge ist. Sodass wir also sagen können: Von der Wahrnehmung der Wärme können wir nicht im selben lokalisierten Sinne sprechen wie von der Wahrnehmung des Lichtes. Aber gerade, indem wir die Aufmerksamkeit auf so etwas richten, können wir noch auf etwas anderes kommen.
[ 13 ] Was nehmen wir denn eigentlich wahr, wenn wir in ein Verhältnis treten zu dem Wärmezustand unserer Umgebung? Ja, da nehmen wir eigentlich dieses Schwimmen in dem Wärmeelement unserer Umgebung sehr deutlich wahr. Nur: Was schwimmt denn? Bitte, beantworten Sie sich diese Frage, was da eigentlich schwimmt, wenn Sie in der Wärme Ihrer Umgebung schwimmen. Nehmen Sie folgendes Experiment. Sie versuchen, einen Trog zu füllen mit einer mäßig warmen Flüssigkeit, mit mäßig warmem Wasser, mit einem Wasser, das Sie als lauwarm empfinden, wenn Sie beide Hände hineinstecken — nicht lange hineinstecken, Sie probieren das nur. Dann machen Sie Folgendes: Sie stecken zuerst die linke Hand in möglichst warmes Wasser, wie Sie es gerade noch ertragen können, dann die rechte Hand in möglichst kaltes Wasser, wie Sie es auch gerade noch ertragen können, und dann stecken Sie rasch die linke und die rechte Hand in das lauwarme Wasser. Sie werden sehen, dass der rechten Hand das lauwarme Wasser sehr warm vorkommt und der linken sehr kalt. Die heiß gewordene Hand von links fühlt dasselbe als Kälte, was die kalt gewordene Hand von rechts als Wärme fühlt. Vorher fühlten Sie eine gleichmäßige Lauigkeit. Was ist denn das eigentlich? Ihre eigene Wärme, die schwimmt [in der Wärme der Umgebung], und ihre eigene Wärme verursacht, dass Sie die Differenz zwischen ihr und der Umgebung fühlen. Dasjenige, was von Ihnen schwimmt in dem Wärmeelement Ihrer Umgebung, was ist es denn? Es ist Ihr eigener Wärmezustand, der durch Ihren organischen Prozess herbeigeführt wird, der ist nicht etwas Unbewusstes, in dem lebt Ihr Bewusstsein. Sie leben innerhalb Ihrer Haut in der Wärme, und je nachdem [wie] diese ist, setzen Sie sich auseinander mit dem Wärmeelement Ihrer Umgebung. In diesem schwimmt Ihre eigene Körperwärme. Ihr Wärmeorganismus schwimmt in der Umgebung.
[ 14 ] Denken Sie sich solche Dinge durch, dann geraten Sie ganz anders in die Nähe der wirklichen Naturvorgänge als durch dasjenige, was Ihnen die heute ganz verabstrahierte und aus aller Realität herausgezogene Physik bieten kann.
[ 15 ] Nun gehen wir aber noch weiter hinunter. Wir haben gesehen, wenn wir erleben unseren eigenen Wärmezustand, dann können wir sagen, dass wir ihn dadurch erleben, dass wir mit ihm schwimmen in unserer Wärmeumgebung, also entweder, dass wir wärmer sind als unsere Umgebung und es empfinden als uns aussaugend — wenn die Umgebung kalt ist —, oder wenn wir kälter sind, es empfinden, als ob uns die Umgebung etwas gibt. [Da] wird es nun ganz anders, wenn wir in einem anderen Element leben.
[ 16 ] Sehen Sie, wir können also in dem leben, was dem Licht zugrunde liegt. Wir schwimmen im Lichtelement. Wir haben jetzt durchgeführt, wie wir im Wärmeelement schwimmen. Wir können aber auch im Luftelement schwimmen, das wir eigentlich fortwährend in uns haben. Wir sind ja in sehr geringem Maße ein fester Körper, wir sind eigentlich nur zu ein paar Prozent ein fester Körper als Mensch, wir sind eigentlich über neunzig Prozent eine Wassersäule, und Wasser ist eigentlich, insbesondere in uns, nur ein Mittelzustand zwischen dem luftförmigen und dem festen Zustande. Wir können uns durchaus in dem luftartigen Element selber erleben, so wie wir uns im wärmcartigen Element erleben, das heißt, unser Bewusstsein steigt effektiv hinunter in das luftartige Element. Wie es in das Lichtelement steigt und in das Wärmeelement, so steigt es in das Luftelement. Indem es aber in das Luftelement steigt, kann es sich wiederum auseinandersetzen mit demjenigen, was in der Luftumgebung geschieht, und diese Auseinandersetzung ist dasjenige, was in der Erscheinung des Schalls, des Tones zum Vorschein kommt.
[ 17 ] Sie sehen, wir müssen gewisse Schichten unseres Bewusstseins unterscheiden. Wir leben mit einer ganz anderen Schichte unseres Bewusstseins mit dem Lichtelement, indem wir selber teilnehmen an ihm, wir leben mit einer anderen Schichte unseres Bewusstseins im Wärmeelement, indem wir selber teilnehmen an ihm, und wir leben in einer anderen Schichte unseres Bewusstseins im Luftelement, indem wir selber teilnehmen an ihm. Wir leben, indem unser Bewusstsein imstande ist, hinunterzutauchen in das gasige, luftförmige Element, wir leben in dem luftförmigen Element unserer Umgebung und können uns dadurch fähig machen, Schallerscheinungen wahrzunehmen, Töne wahrzunehmen. Gerade so, wie wir selbst mit unserem Bewusstsein teilnehmen müssen an den Lichterscheinungen, damit wir in den Lichterscheinungen unserer Umgebung schwimmen können, wie wir teilnehmen müssen am Wärmeelement, damit wir in ihm schwimmen können, so müssen wir auch teilnehmen an dem Luftigen, wir müssen selber in uns differenziert etwas Luftiges haben, damit wir das äußere, meinetwegen durch eine Pfeife, eine Trommel, eine Violine differenzierte Luftige wahrnehmen können.
[ 18 ] In dieser Beziehung, meine lieben Freunde, ist unser Organismus etwas außerordentlich interessant sich Darbietendes. Wir atmen die Luft aus — unser Atmungsprozess besteht ja darinnen, dass wir Luft ausatmen und Luft wieder einatmen. Indem wir Luft ausatmen, treiben wir unser Zwerchfell in die Höhe. Das ist aber mit einer Entlastung unseres ganzen organischen Systems unter dem Zwerchfell in einer Verbindung. Dadurch wird gewissermaßen, weil wir das Zwerchfell nach oben bringen beim Ausatmen und unser organisches System unter dem Zwerchfell entlastet wird, dadurch wird das Gehirnwasser, in dem das Gehirn schwimmt, nach abwärts getrieben, dieses Gehirnwasser, das aber nichts anderes ist als eine etwas verdichtete Modifikation, möchte ich sagen, der Luft; denn in Wahrheit ist es die ausgeatmete Luft, die das bewirkt. Wenn ich wieder einatme, wird das Gehirnwasser nach aufwärts getrieben [in der] Höhle des Rückenmarkes — es ist ein Sack — wird wiederum hinaufgetrieben, und ich lebe fortwährend, indem ich atme, in diesem von oben nach unten und von unten nach oben sich vollziehenden [Schwingen] des Gehirnwassers, das ein deutliches Abbild meines ganzen Atmungsprozesses ist. Lebe ich mit meinem Bewusstsein dadurch, dass teilnimmt mein Organismus an diesen Oszillationen des Atmungsprozesses, dann ist das eine innerliche Differenzierung im Erleben eines Luftwahrnehmens, und ich stehe eigentlich fortwährend durch diesen Vorgang, den ich nur etwas grob geschildert habe, fortwährend in einem Lebensrhythmus darinnen, der in seiner Entstehung und in seinem Verlauf in Differenzierung der Luft besteht.
[ 19 ] Dasjenige, meine lieben Freunde, was da innerlich entsteht, indem Sie natürlich nicht so grob, sondern in mannigfaltiger Weise differenziert, sodass dieses Auf- und Abschwingen der rhythmischen Kräfte, die ich gekennzeichnet habe, selber etwas ist wie ein komplizierter, fortwährend entstehender und vergehender Schwingungsorganismus —, diesen innerlichen Schwingungsorganismus [erleben]: Den bringen wir in unserem Ohre zum Zusammenstoßen mit demjenigen, was von außen zum Beispiel, sagen wir, wenn eine Saite angeschlagen wird, an uns tönt. Und gerade so, wie Sie den Wärmezustand Ihrer eigenen Hand, wenn Sie sie ins lauwarme Wasser hineinheben, wahrnehmen durch die Differenz zwischen der Wärme Ihrer Hand und der Wärme des Wassers, so nehmen Sie wahr den entsprechenden Ton oder Schall durch das Gegeneinanderwirken Ihres inneren, so wunderbar gebauten Musikinstrumentes mit demjenigen, was äußerlich in der Luft als Töne, als Schall, zum Vorschein kommt. Das Ohr ist gewissermaßen nur die Brücke, durch die Ihre innere Leier des Apollo sich ausgleicht in einem Verhältnis mit demjenigen, was von außen an differenzierter Luftbewegung an Sie herantritt.
[ 20 ] Sie sehen, der wirkliche Vorgang — wenn ich ihn real schildere —, der wirkliche Vorgang beim Hören, nämlich beim Hören des differenzierten Schalles, des Tones, der ist von jener Abstraktion weit verschieden, von der man sagt: Draußen, da wirkt etwas, das affiziert mein Ohr. Die Affektion des Ohres wird als eine Wirkung auf mein subjektives Wesen wahrgenommen, das man wiederum — ja, mit welcher [Terminologie] auch — beschreibt oder eigentlich nicht beschreibt. Ja, man kommt nicht weiter, wenn man klar ausdenken will, was da eigentlich immer als Idee zugrunde gelegt wird. Man kann gewisse Dinge, die gewöhnlich angeschlagen werden, nicht zu Ende denken, weil diese Physik weit entfernt ist, einfach auf die Tatsachen einzugehen.
[ 21 ] Sie haben tatsächlich drei Stufen vor sich der Beziehungen des Menschen zur Außenwelt, ich möchte sagen: die Lichtstufe, die Wärmestufe, die Ton- oder Schallstufe. Aber sehen Sie, da liegt etwas sehr Eigentümliches noch vor. Wenn Sie unbefangen Ihr Verhältnis, das heißt Ihr Schwimmen im Lichtelement betrachten, dann müssen Sie sich sagen: Sie können selbst nur als Ätherorganismus in demjenigen, was da draußen in der Welt vor sich geht, leben. Indem Sie im Wärmeelement leben, leben Sie mit Ihrem ganzen Organismus im Wärmeelement Ihrer Umgebung darinnen. Jetzt lenken Sie den Blick von diesem Drinnenleben herunter bis zum Drinnenleben im Ton- und Schallelement, dann leben Sie eigentlich, indem Sie selbst werden zum Luftorganismus, leben Sie in der differenziert gestalteten äußeren Luft darinnen. Das heißt, nicht mehr im Äther, sondern eigentlich schon in der äußeren physikalischen Materie, in der Luft leben Sie da drinnen.
[ 22 ] Daher ist das Leben im Wärmeelement eine ganz bedeutsame Grenze. Gewissermaßen bedeutet das Wärmeelement, das Leben in ihm, für Ihr Bewusstsein ein Niveau. Dieses Niveau können Sie auch sehr deutlich dadurch wahrnehmen, dass Sie ja schließlich äußere und innere Wärme in der reinen Empfindung kaum unterscheiden können. Aber das Leben im Lichtelement liegt über diesem Niveau. Sie steigen gewissermaßen in eine höhere ätherische Sphäre hinauf, um mit Ihrem Bewusstsein drinnen zu leben. Und Sie dringen unter jenes Niveau, wo Sie mit der Außenwelt in verhältnismäßig einfacher Weise sich ausgleichen, hinunter, indem Sie als Luftmensch sich mit der Luft auseinandersetzen in den Ton- oder Schallwahrnehmungen.
[ 23 ] Das Auge kann man nicht anders als eine Art von physikalischem Apparat auffassen. Wenn Sie alles das zusammenhalten, was ich jetzt gezeigt habe, mit demjenigen, was ich über die Anatomie und Physiologie gesagt habe, so können Sie nicht anders, als das Auge als physikalischen Apparat auffassen. Je weiter nach außen Sie gehen, desto physischer finden Sie das Auge, je mehr nach innen, desto mehr von Vitalität durchzogen. Wir haben also ein in uns lokalisiertes Organ, um uns über ein gewisses Niveau zu erheben. Wir leben dann auf einem gewissen Niveau auf gleich und gleich mit der Umgebung, indem wir mit unserer Wärme ihr entgegentreten und die Differenz irgendwo wahrnehmen. Da haben wir kein so spezialisiertes Organ als das Auge, da werden wir selbst ganz in gewisser Weise zum Sinnesorgan. Jetzt tauchen wir unter dieses Niveau hinunter. Wo wir Luftmensch werden, wo wir uns auseinandersetzen mit der differenzierten äußeren Luft, da lokalisiert sich wiederum diese Auseinandersetzung — das lokalisiert sich zwischen dem, was in uns vorgeht, dieser Leier des Apollo, dieser Rhythmisierung unseres Organismus, die nur nachgebildet ist in der Rhythmisierung des Rückenmarkwassers, [und der differenziert gestalteten äußeren Luft]. Was da vorgeht, ist durch eine Brücke verbunden. Da ist also wiederum solch eine Lokalisation, aber jetzt unter dem Niveau, wie wir im Auge eine solche Lokalisation über dem Niveau haben.
[ 24 ] Sehen Sie, unsere Psychologie, die ist eigentlich in einer noch schlimmeren Lage als unsere Physiologie und unsere Physik, und man kann es eigentlich den Physikern nicht sehr krummnehmen, dass sie sich so unrealistisch ausdrücken über das, was in der Außenwelt ist, weil sie gar nicht unterstützt werden von den Psychologen. Die Psychologen sind dressiert worden von den Kirchen, die in Anspruch genommen haben alles Wissen über Seele und Geist. Daher hat diese Dressur, die die Psychologen angenommen haben, sie dazu geführt, eigentlich nur den äußeren Apparat als den Menschen zu betrachten und die Seele und den Geist nur noch in Wortklängen, in Phrasen, zu haben. Unsere Psychologie ist eigentlich nur eine Sammlung von Worten. Denn was sich die Menschen eigentlich vorstellen sollen bei Seele und Geist, darüber gibt es eigentlich nichts, und so kommt es, dass es den Physikern vorkommt, wenn draußen Licht wirkt, so affiziert es das Auge, das Auge übt eine Gegenwirkung aus oder aber es empfängt einen Eindruck, und das ist ein inneres, subjektives Erleben. Da beginnen dann ganze Knäuel von Unklarheiten. Und in ganz ähnlicher Weise, sagen es die Physiker nach, ist es bei den anderen Sinnesorganen. Wenn Sie heute eine Psychologie durchlesen, so finden Sie darinnen eine Sinneslehre. Vom Sinn wird gesprochen, vom allgemeinen Sinn, als ob es so etwas gäbe. Man versuche nur zu studieren das Auge. Es ist etwas ganz anderes als das Ohr. Ich habe Ihnen das gekennzeichnet, das Liegen unter und über dem Niveau. Auge und Ohr sind ganz verschiedenartig innerlich gebildete Organe, und das ist cs, worauf in bedeutsamer Weise Rücksicht genommen werden muss.
[ 25 ] Bleiben wir hier einmal stehen, überlegen Sie sich das, und morgen wollen wir von diesem Punkte aus über die Schallehre, die Tonlehre sprechen, damit Sie von dort aus wiederum die anderen physikalischen Gebiete erobern können.
[ 26 ] Ich möchte Ihnen heute nur noch eines vorführen. Das ist das, was man in gewisser Beziehung das Glanzstück der modernen Physik nennen kann, was in gewisser Beziehung auch ein Glanzstück ist. Sehen Sie, wenn Sie einfach mit dem Finger über eine Fläche streichen, also einen Druck ausüben durch Ihre eigene Anstrengung, so wird die Fläche warm. Sie erzeugen dadurch, dass Sie einen Druck ausgeübt haben, Wärme. Man kann nun umgekehrt — nicht umgekehrt, sondern in derselben Linie — dadurch, dass man objektive mechanische Vorgänge hervorruft, die ausgesprochen mechanische Vorgänge sind, wiederum Wärme erzeugen, und wir haben als eine weitere Grundlage für dasjenige, was wir dann morgen weiter betrachten wollen, diesen Apparat improvisiert. Wenn Sie jetzt sehen würden, wie hoch das Thermometer steht in diesem Apparat, so bekommen Sie heraus am Thermometerstand 16 Grad und etwas. Nun werden wir in diesem Gefäße — darinnen, da haben wir Wasser und in diesem Wasserkörper darinnen haben wir ein Schwungrad, eine Trommel, die wir in rasche Drehung versetzen, sodass diese eine mechanische Arbeit leistet, im Wasser die Teile ordentlich durcheinanderwirft, das Wasser aufschaufelt, — und wir werden nach einiger Zeit das Thermometer wieder anschauen. So können Sie nach einiger Zeit das Thermometer anschauen und sie werden sehen, dass es gestiegen ist, dass also durch bloß mechanische Arbeit das Wasser an Wärme zugenommen hat, das heißt, es wird durch mechanische Arbeit Wärme produziert. Das hat man dann verarbeitet, zuerst in rechnungsmäßiger Weise, nachdem besonders Julius Mayer darauf aufmerksam gemacht hatte. Julius Mayer hat cs selbst verarbeitet zu dem sogenannten mechanischen Wärme-Äquivalent. Hätte man es in seinem Sinne ausgebaut, so hätte man damit nichts anderes gesagt, als dass eine bestimmte Zahl der Ausdruck ist für das, was man an der Wärme messen kann durch mechanische Arbeit und umgekehrt. Das aber ist dann in einer übersinnlichen, metaphysischen Weise ausgewertet worden, indem man gesagt hat: Also, wenn ein konstantes Verhältnis besteht zwischen der geleisteten Arbeit und der Wärme, so ist dies einfach umgewandelte Arbeit — umgewandelte! —, während man [es eigentlich] mit nichts anderem zunächst zu tun hatte als mit dem zahlenmäßigen Ausdruck des Zusammenhangs zwischen der mechanischen Arbeit und der Wärme.
