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First Science Course
Light, Color, Sound, Mass, Electricity, Magnetism
GA 320

30 December 1919, Stuttgart

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Siebenter Vortrag

Seventh Lecture

[ 1 ] Meine Lieben Freunde!

[ 1 ] My dear friends!

[ 2 ] Wir wollen heute beginnen mit einem Versuch, der noch knüpfen soll an unsere Betrachtungen über die Farbenlehre. Es ist ja, wie gesagt, durchaus nur möglich, dass ich Ihnen Improvisiertes, gewissermaßen Aphoristisches in diesen Vorträgen vorbringe. Daher muss ich auch die gewöhnlichen Kategorien, die Sie in den Physikbüchern finden, vermeiden. Ich will nicht sagen, dass es deshalb besser wäre, wenn ich diese Kategorien einhalten könnte, allein ich möchte Sie ja zuletzt zu einer bestimmten naturwissenschaftlichen Einsicht führen, und alles dasjenige, was ich vorher vorbringe, betrachten Sie als eine Art Vorbereitung, die nicht so gemacht wird, dass man, wie es sonst üblich ist, in gerader Linie fortschreitet, sondern dass man die Erscheinungen zusammensucht, die man braucht, gewissermaßen einen Kreis schafft und dann nach dem Mittelpunkt vordringt.

[ 2 ] Today we’d like to begin with an experiment that is intended to build on our previous reflections on the theory of colors. As I said, it is entirely possible that I will present you with improvised, aphoristic remarks in these lectures. For this reason, I must also avoid the usual categories that you find in physics textbooks. I do not mean to say that it would be better if I could adhere to these categories; rather, I would like to ultimately guide you toward a specific scientific insight, and you should regard everything I present beforehand as a kind of preparation—not one that proceeds in a straight line, as is usually the case, but one in which we gather the phenomena we need, create a circle, so to speak, and then move toward the center.

[ 3 ] Sie haben gesehen, dass wir es zu tun haben, wenn Farben entstehen, mit einem Zusammenwirken von Licht und Finsternis. Nun handelt es sich darum, dass man möglichst viele wirkliche Erscheinungen beobachtet, bevor man sich eine Anschauung bildet über das, was in dieser Wechselwirkung von Licht und Finsternis eigentlich zugrunde liegt. Und da möchte ich Ihnen heute zunächst dieses Phänomen der sogenannten farbigen Schatten vorführen.

[ 3 ] You have seen that when colors arise, we are dealing with an interplay of light and darkness. The task now is to observe as many real phenomena as possible before forming a conception of what actually underlies this interplay of light and darkness. And so today I would like to begin by demonstrating to you this phenomenon of so-called colored shadows.

[ 4 ] Ich werde von zwei Lichtquellen aus, die diese Kerzchen hier darstellen, durch diesen Stab Ihnen Schatten auf dem Schirm erzeugen, der Ihnen gegenübersteht. Sie sehen zwei Schatten, welche eine deutliche Farbe nicht haben. Sie brauchen nur dasjenige, was hier ist, ordentlich anzuschauen, so werden Sie sich sagen müssen: Der Schatten, den Sie hier rechts sehen, ist natürlich der Schatten, der von dieser Lichtquelle [links] ausgeht und der dadurch entsteht, dass das Licht von dieser Quelle ausgeht und durch den Stab verdeckt wird. Und der Schatten [links] ist derjenige, der entsteht, indem das Licht unserer rechten Lichtquelle verdeckt wird. Wir haben es also hier im Grunde genommen nur zu tun mit der Erzeugung gewisser dunkler Räume. Das, was im Schatten liegt, ist eben dunkler Raum. Nun können Sie noch sehen: Wenn Sie die Fläche des Schirmes außerhalb der beiden Schattenbänder sich ansehen, so werden Sie sich sagen: Sie [wird] beleuchtet von den zwei Lichtquellen. Sodass wir es also da zu tun haben mit Licht.

[ 4 ] Using these two light sources—represented by these little candles here—I will cast shadows on the screen in front of you using this rod. You will see two shadows that do not have a distinct color. You need only look closely at what is here, and you will have to conclude: The shadow you see here on the right is, of course, the shadow cast by this light source [on the left], which is created when the light from this source is blocked by the rod. And the shadow [on the left] is the one created when the light from our right-hand light source is blocked. So, essentially, we are dealing here only with the creation of certain dark spaces. What lies in the shadow is simply dark space. Now you can also see: If you look at the surface of the screen outside the two shadow bands, you will say to yourself: It [is] illuminated by the two light sources. So we are dealing with light here.

[ 5 ] Ich will nun das eine [linke] der Lichter färben, das heißt, ich will es gehen lassen durch eine farbige Glasplatte, sodass das eine der Lichter gefärbt wird. Wir wissen, was da geschieht: Es wird das eine der Lichter abgedunkelt. So! Aber jetzt sehen Sie, dass durch dieses Abdunkeln der Schatten [rechts], welcher durch den Stab bewirkt wird von meiner linken Lichtquelle aus, deren Licht ich gerade abdunkle und rötlich mache, dass dieser [rechte] Schatten grün wird. Er wird so grün, wie grün wird — wenn Sie zum Beispiel scharf an eine kleine rote Fläche hinschauen, dann von dieser roten Fläche das Auge abwenden und dann einfach in gerader Richtung nach einer weißen Fläche lenken —, so sehen Sie [wie grün wird] dasjenige, was Sie früher rot gesehen haben, ohne dass etwas da ist, sondern gleichsam [tritt] die grüne Farbe [von] selber auf die Fläche hin. Wie Sie da [beim Nachbild] sehen die grüne Fläche als ein zeitliches Nachbild der roten Fläche, die Sie früher wirklich gesehen haben, indem Sie das Auge dem Rot exponiert haben, — so sehen Sie hier [beim farbigen Schatten], indem ich die [linke] Lichtquelle rot abdunkle, ihren [rechten] Schatten [grün]. Also, was früher [vor der Einfügung der farbigen Glasplatte] bloße Dunkelheit war, sehen Sie jetzt grün. Wenn ich dieselbe Lichtquelle grün abdunkeln werde, beobachten Sie dann, was dann entsteht! Sie sehen, der Schatten entsteht dann rot. Wenn ich dieselbe Lichtquelle blau abdunkle, so sehen Sie, der Schatten entsteht dann gelblich [-orange]; würde ich die Lichtquelle violett abdunkeln, so gäbe es Orange [-Gelb].

[ 5 ] I will now color one [left] of the lights; that is, I will let it pass through a colored glass plate so that one of the lights is colored. We know what happens here: one of the lights is dimmed. There! But now you can see that, as a result of this dimming, the shadow [on the right]—which is cast by the rod from my left light source, whose light I am currently dimming and turning reddish—becomes green. It turns green just as—for example, if you look intently at a small red area, then turn your gaze away from that red area and simply direct it straight toward a white area—you’ll see [how green] what you previously saw as red becomes, without anything actually being there; rather, the green color [of] itself onto the surface. Just as you see there [in the afterimage] the green area as a temporary afterimage of the red area that you actually saw earlier by exposing your eye to the red—so here [with the colored shadow], by dimming the [left] light source to red, you see its [right] shadow [as green]. So, what was previously [before inserting the colored glass plate] mere darkness, you now see as green. If I dim the same light source with green, observe what happens then! You see, the shadow then appears red. If I dim the same light source with blue, you’ll see that the shadow then appears yellowish [-orange]; if I were to dim the light source with violet, the result would be orange [-yellow].

[ 6 ] Nun bitte ich Sie, Folgendes zu berücksichtigen — gerade dieses Phänomen ist von einer großen Bedeutung. Wenn Sie — ich erwähne das deshalb noch einmal — wenn Sie zum Beispiel irgendwo liegen haben, sagen wir, ein Kissen, ein Kissen, das einen weißen Überzug hat, der über einen roten Überzug gezogen ist und der so gehäkelt ist, dass er da [ausgelassen] so rote Rhomben hat, und Sie sehen nach diesen roten Rhomben zuerst hin und von da weg auf das Weiße [einer Fläche], so sehen Sie dieselbe Gitterung auf dem Weißen grün. Sie ist natürlich nicht dort, aber Ihr Auge übt eine Nachwirkung [aus], und diese erzeugt, indem Sie visieren nach dem Weiß, die grünen — wie man sagt — subjektiven Bilder.

[ 6 ] Now I ask you to consider the following—this phenomenon in particular is of great importance. If you—and I’m mentioning this again for that reason—if you have, for example, something lying around, let’s say a pillow, a pillow with a white cover pulled over a red cover, and it’s crocheted in such a way that it has [omitted] red rhombuses, and you look first at these red rhombuses and then from there at the white [surface], then you will see the same grid pattern on the white in green. Of course, it isn’t actually there, but your eye produces an aftereffect, and this, as you focus on the white, generates the green—as they say—subjective images.

[ 7 ] Nun, Goethe wusste diese letztere Ihnen erwähnte Erscheinung und er kannte auch dieses Phänomen der farbigen Schatten. Er sagte sich: Ich dunkle diese [eine] Lichtquelle [durch einen roten Farbfilter] ab, bekomme Grün, und nun beschreibt er das in der folgenden Weise. Er sagt: Wenn ich hier die Lichtquelle abdunkle, so wird der ganze weiße Schirm mit einem roten Schein bedeckt und ich sche dann eigentlich nicht den weißen Schirm, sondern einen roten Schein, ich sehe den Schirm rötlich. Dadurch erzeuge ich, wie bei dem Kissen, mit meinem Auge die Kontrastfarbe Grün, sodass also hier kein wirkliches Grün wäre, sondern es wird nur nebenbei gesehen, weil der Schirm rötlich gefärbt ist. Aber diese Goethe’sche Anschauung ist falsch. Sie können sich leicht überzeugen, dass sie falsch ist, denn wenn Sie eine kleine Röhre nehmen und durchblicken, sodass Sie bloß, nach der Abdunklung [durch einen roten Farbfilter], diesen grünen Streifen ansehen, so sehen Sie ihn auch grün. Sie sehen dann nicht dasjenige, was in der Umgebung ist, sondern Sie sehen nur das objektiv an dieser Stelle vorhandene Grün. Sie können sich dadurch überzeugen, dass das Grün objektiv ist, dass hier abgedunkelt wird und dass Sie dann das Grün ansehen. Es bleibt grün, kann also nicht eine Kontrasterscheinung sein, sondern ist eine objektive Erscheinung. Wir können das jetzt nicht so machen, dass es alle sehen einzeln: Aber durch zweier Zeugen Mund wird alle Wahrheit kund.*' Ich werde die Erscheinung hervorrufen und Sie müssen so durchsehen, dass Sie auf das grüne Band hinsehen. Das bleibt grün, nicht wahr? Und ebenso würde die andere Farbe, wenn ich durch Grün Rot erzeugen würde, die andere Farbe Rot bleiben. In diesem Falle hat Goethe in seine Farbenlehre den Irrtum, dem er sich hingegeben hart, aufgenommen, und der muss natürlich durchaus korrigiert werden.

[ 7 ] Well, Goethe was familiar with this latter phenomenon I mentioned to you, and he was also aware of this phenomenon of colored shadows. He thought to himself: If I dim this [single] light source [using a red color filter], I get green, and he then describes this in the following way. He says: “If I dim the light source here, the entire white screen is covered with a red glow, and I am not actually seeing the white screen, but rather a red glow; I see the screen as reddish.” In this way, as with the pillow, I produce the contrasting color green with my eye, so that there is no actual green here, but it is merely perceived incidentally because the screen is tinged with red. But this Goethean view is incorrect. You can easily convince yourself that it is incorrect, for if you take a small tube and look through it so that, after dimming the light [with a red color filter], you look only at this green stripe, you will see it as green. You will then not see what is in the surrounding area, but you will see only the green that is objectively present at that spot. You can thus convince yourself that the green is objective, that the area is darkened here, and that you are then looking at the green. It remains green; therefore, it cannot be a phenomenon of contrast, but is an objective phenomenon. We cannot do this now in such a way that everyone sees it individually: “But by the testimony of two witnesses, every truth is made known.”*' I will induce the phenomenon, and you must look through it in such a way that you focus on the green band. It remains green, doesn’t it? And similarly, if I were to produce red through green, the other color would remain red. In this case, Goethe has incorporated into his Theory of Colors the error to which he was so strongly attached, and this must, of course, be thoroughly corrected.

[ 8 ] Ich will zunächst, meine lieben Freunde, nichts anderes, als dass Sie sich unter den mancherlei Erscheinungen auch bewahren das rein Faktische, das wir jetzt vorgeführt haben, dass also ein Grau, das heißt ein Dunkles, das sonst als bloßer Schatten entsteht, dann, wenn wir den Schatten selbst mit Farbe gewissermaßen durchtränken, dass dann in anderer Weise Helligkeit und Dunkelheit zusammenwirken, als wenn ich den Schatten nicht durchtränkte mit einer Farbe. Und wir merken uns, dass hier durch die Abdunkelung des Lichtes mit dem Rot, dass dadurch die objektive Erscheinung des Grün hervorgerufen wird. Nun habe ich Sie hingewiesen auf dasjenige, was da [im Nachbild] subjektiv erscheint — wie man sagt, subjektiv. Wir haben [beim farbigen Schatten] eine, wie man sagt, objektive Erscheinung, das Grün, das auf dem Schirm gewissermaßen bleibt, wenn es auch nicht fixiert ist, so lange, als wir die Bedingungen dazu hergestellt haben, und hier [beim Nachbild] etwas, was gewissermaßen subjektiv, von unserem Auge allein abhängig ist. Goethe nennt die grüne Farbe, die dann erscheint, wenn ich eine Zeit lang das Auge der Farbe exponiert habe, die geforderte Farbe, das geforderte Nachbild, das durch die Gegenwirkung selbst hervorgerufen wird.

[ 8 ] First of all, my dear friends, I ask nothing more than that, amid the various phenomena, you also retain the purely factual aspect that we have just demonstrated—namely, that a gray, that is, a dark tone—which otherwise arises as a mere shadow—appears when we, so to speak, saturate the shadow itself with color, so that light and darkness interact in a different way than if I did not saturate the shadow with color. And let us note that here, by darkening the light with red, the objective appearance of green is brought about. Now I have drawn your attention to what appears subjectively there [in the afterimage]—as one says, subjectively. With the colored shadow, we have what is called an objective phenomenon—the green that, so to speak, remains on the screen, even if it is not fixed, as long as we have created the conditions for it; and here [with the afterimage], we have something that is, so to speak, subjective, dependent solely on our eye. Goethe calls the green color that appears when I have exposed my eye to the color for a while the “required color,” the “required afterimage,” which is brought about by the counteraction itself.

[ 9 ] Nun, hier ist eines streng festzuhalten. Die Unterscheidung des Subjektiven und des Objektiven, zwischen der hier [beim farbigen Schatten] vorübergehend fixierten Farbe und der durch das Auge scheinbar bloß als Nachbild geforderten Farbe, diese Unterscheidung hat in keinem objektiven Tatbestand irgendeine Rechtfertigung. Ich habe es [beim Nachbilde] zu tun, indem ich durch mein Auge hier das Rot sehe, einfach mit all den Ihnen beschriebenen physikalischen Apparaten, Glaskörper, Linse, die Flüssigkeit zwischen der Linse und der Hornhaut. Ich habe es mit einem sehr differenzierten physikalischen Apparat zu tun. Dieser physikalische Apparat, der in der mannigfaltigsten Weise Helligkeit und Dunkelheit durcheinandermischt, der steht zu dem objektiv vorhandenen Äther in gar keiner anderen Beziehung als die Apparate, die ich hier aufgestellt habe, der Schirm, die Stange und so weiter. Das eine Mal, [beim Nachbild,] ist bloß die ganze Vorrichtung, die ganze Maschinerie mein Auge, und ich sehe ein objektives Phänomen durch mein Auge, genau dasselbe objektive Phänomen, das ich hier [beim farbigen Schatten] sehe, nur dass hier das Phänomen bleibt. Wenn ich aber mein Auge mir herrichte durch das Sehen so, dass es nachher in der sogenannten geforderten Farbe wirkt, so stellt sich das Auge in seinen Bedingungen wieder her im neutralen Zustand. Aber dasjenige, wodurch ich Grün sehe, ist durchaus kein anderer Vorgang, wenn ich [beim Nachbild] sogenannt subjektiv durch das Auge sehe, als wenn ich hier [beim farbigen Schatten] objektiv die Farbe fixiere.

[ 9 ] Now, there is one point that must be strictly noted. The distinction between the subjective and the objective—between the color temporarily fixed here [in the colored shadow] and the color that the eye seemingly perceives only as an afterimage—this distinction has no justification whatsoever in any objective reality. I am dealing with it [the afterimage] by seeing the red here through my eye, simply using all the physical apparatus I have described to you: the vitreous body, the lens, and the fluid between the lens and the cornea. I am dealing with a highly sophisticated physical apparatus. This physical apparatus, which mixes light and darkness in the most varied ways, stands in no different relationship to the objectively existing ether than the apparatus I have set up here—the screen, the rod, and so on. In one case—[with the afterimage]—the entire apparatus, the entire machinery, is simply my eye, and I see an objective phenomenon through my eye—exactly the same objective phenomenon that I see here [with the colored shadow]—except that here the phenomenon remains. But if I adjust my eye through seeing in such a way that it subsequently perceives the so-called required color, the eye restores itself to its neutral state. Yet the process by which I see green is by no means a different process when I see [in the afterimage] so-called subjectively through the eye than when I objectively fix the color here [in the colored shadow].

[ 10 ] Deshalb sagte ich: Sie leben nicht so mit Ihrer Subjektivität, dass der Äther draußen Schwingungen macht und die Wirkung derselben als Farbe zum Ausdruck kommt, sondern Sie schwimmen im Äther, sind eins mit ihm, und es ist nur ein anderer Vorgang, ob Sie eins werden mit dem Äther hier durch die Apparate oder durch etwas, was sich in Ihrem Auge selber vollzieht. Es ist [kein] wirklicher, wesenhafter Unterschied zwischen dem räumlich erzeugten grünen Bild durch die rote Verdunkelung und dem grünen Nachbild, das eben nur zeitlich erscheint; es ist ein — objektiv besehen — greifbarer Unterschied nicht, nur der, dass das eine Mal der Vorgang räumlich, das andere Mal der Vorgang zeitlich ist. Das ist der einzige wesenhafte Unterschied.

[ 10 ] That is why I said: You do not experience your subjectivity in such a way that the ether outside produces vibrations and the effect of these vibrations is expressed as color; rather, you are immersed in the ether, are one with it, and it is merely a different process whether you become one with the ether here through the apparatus or through something that takes place within your own eye. There is [no] real, essential difference between the spatially produced green image created by the red obscuration and the green afterimage, which appears only temporally; objectively speaking, there is no tangible difference—only that in one case the process is spatial, and in the other, temporal. That is the only essential difference.

[ 11 ] Die sinngemäße Verfolgung solcher Dinge führt Sie dahin, jenes Entgegenstellen des sogenannten Subjektiven und des Objektiven nicht in der falschen Richtung zu sehen, in der es fortwährend von der neueren Naturwissenschaft gesehen wird, sondern die Sache so zu sehen, wie sie ist, nämlich dass wir das eine Mal eine Vorrichtung haben, durch die wir Farben erzeugen, unser Auge neutral bleibt, das heißt sich neutral macht gegen das Farbenentstehen, also dasjenige, was da ist, mit sich vereinigen kann. Das andere Mal wirkt es selbst als physikalischer Apparat. Ob aber dieser physikalische Apparat hier (außen) ist oder in Ihrer Stirnhöhle drinnen ist, ist einerlei. Wir sind nicht außer den Dingen und projizieren erst die Erscheinungen in den Raum, wir sind durchaus mit unserer Wesenheit in den Dingen und sind umso mehr in den Dingen, als wir aufsteigen von gewissen physikalischen Erscheinungen zu anderen physikalischen Erscheinungen. Kein Unbefangener, der die Farbenerscheinungen durchforscht, kann anders, als sich sagen: Mit unserem gewöhnlichen körperlichen Wesen stecken wir nicht drinnen, sondern mit unserem ätherischen und dadurch mit unserem astralischen Wesen.

[ 11 ] A logical examination of such matters leads you to view the opposition between the so-called subjective and the objective not in the mistaken way in which it is constantly viewed by modern natural science, but to see the matter as it is: namely, that in one instance we have a device through which we produce colors, while our eye remains neutral, that is, renders itself neutral with respect to the emergence of color, and can thus unite with what is actually there. At other times, it acts as a physical apparatus in its own right. But whether this physical apparatus is here (outside) or inside your frontal lobe makes no difference. We are not outside of things, projecting phenomena into space; rather, we are thoroughly present within things with our very being, and we are all the more within them as we ascend from certain physical phenomena to other physical phenomena. No impartial observer who investigates color phenomena can help but say to himself: We are not present within them with our ordinary physical being, but with our etheric being—and thereby with our astral being.

[ 12 ] Wenn wir vom Lichte heruntersteigen zur Wärme, die wir auch wahrnehmen als etwas, was ein Zustand unserer Umgebung ist, der für uns eine Bedeutung gewinnt, wenn wir ihm exponiert sind, so werden wir bald sehen: Es ist eine bedeutsame Modifikation zwischen dem Wahrnehmen des Lichtes und dem Wahrnehmen der Wärme. Für die Lichtwahrnehmung können Sie genau lokalisieren diese Wahrnehmung in dem physikalischen Apparat des Auges, dessen objektive Bedeutung ich eben charakterisiert habe. Für die Wärme, was müssen Sie sich denn da sagen? Wenn Sie wirklich sich fragen: Wie kann ich vergleichen die Beziehung, in der ich zum Lichte stehe, mit der Beziehung, in der ich zur Wärme stehe? Ja, so müssen Sie sich auf diese Frage antworten: Zum Lichte stehe ich so, dass mein Verhältnis lokalisiert ist gewissermaßen durch mein Auge an einen bestimmten Körperort. Das ist aber bei der Wärme nicht so. Für sie bin ich gewissermaßen ganz Sinnesorgan. Ich bin für sie ganz dasselbe, was für das Licht das Auge ist. Sodass wir also sagen können: Von der Wahrnehmung der Wärme können wir nicht im selben lokalisierten Sinne sprechen wie von der Wahrnehmung des Lichtes. Aber gerade, indem wir die Aufmerksamkeit auf so etwas richten, können wir noch auf etwas anderes kommen.

[ 12 ] If we move from light down to heat—which we also perceive as a state of our environment that takes on meaning for us when we are exposed to it—we will soon see that there is a significant difference between the perception of light and the perception of heat. As for the perception of light, you can pinpoint this perception precisely within the physical apparatus of the eye, whose objective significance I have just described. As for heat, what must you tell yourself? If you truly ask yourself: How can I compare the relationship I have to light with the relationship I have to heat? Well, you must answer this question as follows: My relationship to light is such that it is, so to speak, localized through my eye to a specific part of my body. But this is not the case with heat. For heat, I am, so to speak, the entire sensory organ. I am to it exactly what the eye is to light. So we can say: We cannot speak of the perception of warmth in the same localized sense as we do of the perception of light. But precisely by focusing our attention on something like this, we can arrive at something else.

[ 13 ] Was nehmen wir denn eigentlich wahr, wenn wir in ein Verhältnis treten zu dem Wärmezustand unserer Umgebung? Ja, da nehmen wir eigentlich dieses Schwimmen in dem Wärmeelement unserer Umgebung sehr deutlich wahr. Nur: Was schwimmt denn? Bitte, beantworten Sie sich diese Frage, was da eigentlich schwimmt, wenn Sie in der Wärme Ihrer Umgebung schwimmen. Nehmen Sie folgendes Experiment. Sie versuchen, einen Trog zu füllen mit einer mäßig warmen Flüssigkeit, mit mäßig warmem Wasser, mit einem Wasser, das Sie als lauwarm empfinden, wenn Sie beide Hände hineinstecken — nicht lange hineinstecken, Sie probieren das nur. Dann machen Sie Folgendes: Sie stecken zuerst die linke Hand in möglichst warmes Wasser, wie Sie es gerade noch ertragen können, dann die rechte Hand in möglichst kaltes Wasser, wie Sie es auch gerade noch ertragen können, und dann stecken Sie rasch die linke und die rechte Hand in das lauwarme Wasser. Sie werden sehen, dass der rechten Hand das lauwarme Wasser sehr warm vorkommt und der linken sehr kalt. Die heiß gewordene Hand von links fühlt dasselbe als Kälte, was die kalt gewordene Hand von rechts als Wärme fühlt. Vorher fühlten Sie eine gleichmäßige Lauigkeit. Was ist denn das eigentlich? Ihre eigene Wärme, die schwimmt [in der Wärme der Umgebung], und ihre eigene Wärme verursacht, dass Sie die Differenz zwischen ihr und der Umgebung fühlen. Dasjenige, was von Ihnen schwimmt in dem Wärmeelement Ihrer Umgebung, was ist es denn? Es ist Ihr eigener Wärmezustand, der durch Ihren organischen Prozess herbeigeführt wird, der ist nicht etwas Unbewusstes, in dem lebt Ihr Bewusstsein. Sie leben innerhalb Ihrer Haut in der Wärme, und je nachdem [wie] diese ist, setzen Sie sich auseinander mit dem Wärmeelement Ihrer Umgebung. In diesem schwimmt Ihre eigene Körperwärme. Ihr Wärmeorganismus schwimmt in der Umgebung.

[ 13 ] What do we actually perceive when we enter into a relationship with the thermal state of our surroundings? Yes, we actually perceive this sensation of floating within the thermal element of our surroundings very clearly. But: What is it that’s floating? Please answer this question for yourself: What is it that’s actually floating when you’re floating in the warmth of your surroundings? Try the following experiment. Try filling a trough with a moderately warm liquid—moderately warm water—water that you perceive as lukewarm when you put both hands in it—don’t keep them in there long; just give it a try. Then do the following: First, put your left hand in water that’s as warm as you can just barely tolerate, then your right hand in water that’s as cold as you can just barely tolerate, and then quickly put both your left and right hands into the lukewarm water. You’ll see that the lukewarm water feels very warm to your right hand and very cold to your left. The left hand, which has become warm, perceives as cold what the right hand—which has become cold—perceives as warmth. Before that, you felt a uniform lukewarmness. What is that, actually? Your own body heat, which floats [in the warmth of your surroundings], and your own body heat is what causes you to feel the difference between it and your surroundings. That part of you that floats in the warmth of your surroundings—what is it? It is your own state of warmth, brought about by your organic processes; it is not something unconscious—your consciousness lives within it. You live within your skin in warmth, and depending on [what] that warmth is like, you interact with the warmth of your surroundings. Your own body heat floats within it. Your warmth organism floats in the environment.

[ 14 ] Denken Sie sich solche Dinge durch, dann geraten Sie ganz anders in die Nähe der wirklichen Naturvorgänge als durch dasjenige, was Ihnen die heute ganz verabstrahierte und aus aller Realität herausgezogene Physik bieten kann.

[ 14 ] If you think these things through, you will come much closer to understanding real natural processes than you can through what modern physics—which has become entirely abstract and detached from all reality—has to offer.

[ 15 ] Nun gehen wir aber noch weiter hinunter. Wir haben gesehen, wenn wir erleben unseren eigenen Wärmezustand, dann können wir sagen, dass wir ihn dadurch erleben, dass wir mit ihm schwimmen in unserer Wärmeumgebung, also entweder, dass wir wärmer sind als unsere Umgebung und es empfinden als uns aussaugend — wenn die Umgebung kalt ist —, oder wenn wir kälter sind, es empfinden, als ob uns die Umgebung etwas gibt. [Da] wird es nun ganz anders, wenn wir in einem anderen Element leben.

[ 15 ] But now let’s go even further down. We have seen that when we experience our own state of warmth, we can say that we experience it by “floating” with it in our thermal environment—that is, either we are warmer than our surroundings and feel as if they are draining us—when the surroundings are cold—or, if we are colder, we feel as if the surroundings are giving us something. [But] things are quite different when we live in a different element.

[ 16 ] Sehen Sie, wir können also in dem leben, was dem Licht zugrunde liegt. Wir schwimmen im Lichtelement. Wir haben jetzt durchgeführt, wie wir im Wärmeelement schwimmen. Wir können aber auch im Luftelement schwimmen, das wir eigentlich fortwährend in uns haben. Wir sind ja in sehr geringem Maße ein fester Körper, wir sind eigentlich nur zu ein paar Prozent ein fester Körper als Mensch, wir sind eigentlich über neunzig Prozent eine Wassersäule, und Wasser ist eigentlich, insbesondere in uns, nur ein Mittelzustand zwischen dem luftförmigen und dem festen Zustande. Wir können uns durchaus in dem luftartigen Element selber erleben, so wie wir uns im wärmcartigen Element erleben, das heißt, unser Bewusstsein steigt effektiv hinunter in das luftartige Element. Wie es in das Lichtelement steigt und in das Wärmeelement, so steigt es in das Luftelement. Indem es aber in das Luftelement steigt, kann es sich wiederum auseinandersetzen mit demjenigen, was in der Luftumgebung geschieht, und diese Auseinandersetzung ist dasjenige, was in der Erscheinung des Schalls, des Tones zum Vorschein kommt.

[ 16 ] You see, we can therefore live within what underlies the light. We swim in the element of light. We have now demonstrated how we swim in the element of heat. But we can also swim in the element of air, which we actually possess within us at all times. After all, we are only a solid body to a very small degree; as human beings, we are actually only a few percent solid—we are actually more than ninety percent a column of water, and water is, especially within us, merely an intermediate state between the gaseous and solid states. We can certainly experience ourselves within the airy element, just as we experience ourselves within the warm element—that is, our consciousness effectively descends into the airy element. Just as it ascends into the light element and the warmth element, so does it ascend into the air element. But by ascending into the air element, it can in turn engage with what is happening in the airy environment, and this engagement is what manifests itself in the phenomenon of sound.

[ 17 ] Sie sehen, wir müssen gewisse Schichten unseres Bewusstseins unterscheiden. Wir leben mit einer ganz anderen Schichte unseres Bewusstseins mit dem Lichtelement, indem wir selber teilnehmen an ihm, wir leben mit einer anderen Schichte unseres Bewusstseins im Wärmeelement, indem wir selber teilnehmen an ihm, und wir leben in einer anderen Schichte unseres Bewusstseins im Luftelement, indem wir selber teilnehmen an ihm. Wir leben, indem unser Bewusstsein imstande ist, hinunterzutauchen in das gasige, luftförmige Element, wir leben in dem luftförmigen Element unserer Umgebung und können uns dadurch fähig machen, Schallerscheinungen wahrzunehmen, Töne wahrzunehmen. Gerade so, wie wir selbst mit unserem Bewusstsein teilnehmen müssen an den Lichterscheinungen, damit wir in den Lichterscheinungen unserer Umgebung schwimmen können, wie wir teilnehmen müssen am Wärmeelement, damit wir in ihm schwimmen können, so müssen wir auch teilnehmen an dem Luftigen, wir müssen selber in uns differenziert etwas Luftiges haben, damit wir das äußere, meinetwegen durch eine Pfeife, eine Trommel, eine Violine differenzierte Luftige wahrnehmen können.

[ 17 ] As you can see, we must distinguish between certain layers of our consciousness. We live in a completely different layer of our consciousness within the element of light by participating in it ourselves; we live in another layer of our consciousness within the element of warmth by participating in it ourselves; and we live in yet another layer of our consciousness within the element of air by participating in it ourselves. We live because our consciousness is capable of diving down into the gaseous, air-like element; we live within the air-like element of our surroundings and can thereby enable ourselves to perceive sound phenomena and tones. Just as we ourselves must participate with our consciousness in the phenomena of light so that we can “swim” in the light phenomena of our surroundings, and just as we must participate in the element of heat so that we can “swim” in it, so too must we participate in the airy element; we must ourselves possess something airy within us in a differentiated form so that we can perceive the external airy element—differentiated, for example, through a flute, a drum, or a violin.

[ 18 ] In dieser Beziehung, meine lieben Freunde, ist unser Organismus etwas außerordentlich interessant sich Darbietendes. Wir atmen die Luft aus — unser Atmungsprozess besteht ja darinnen, dass wir Luft ausatmen und Luft wieder einatmen. Indem wir Luft ausatmen, treiben wir unser Zwerchfell in die Höhe. Das ist aber mit einer Entlastung unseres ganzen organischen Systems unter dem Zwerchfell in einer Verbindung. Dadurch wird gewissermaßen, weil wir das Zwerchfell nach oben bringen beim Ausatmen und unser organisches System unter dem Zwerchfell entlastet wird, dadurch wird das Gehirnwasser, in dem das Gehirn schwimmt, nach abwärts getrieben, dieses Gehirnwasser, das aber nichts anderes ist als eine etwas verdichtete Modifikation, möchte ich sagen, der Luft; denn in Wahrheit ist es die ausgeatmete Luft, die das bewirkt. Wenn ich wieder einatme, wird das Gehirnwasser nach aufwärts getrieben [in der] Höhle des Rückenmarkes — es ist ein Sack — wird wiederum hinaufgetrieben, und ich lebe fortwährend, indem ich atme, in diesem von oben nach unten und von unten nach oben sich vollziehenden [Schwingen] des Gehirnwassers, das ein deutliches Abbild meines ganzen Atmungsprozesses ist. Lebe ich mit meinem Bewusstsein dadurch, dass teilnimmt mein Organismus an diesen Oszillationen des Atmungsprozesses, dann ist das eine innerliche Differenzierung im Erleben eines Luftwahrnehmens, und ich stehe eigentlich fortwährend durch diesen Vorgang, den ich nur etwas grob geschildert habe, fortwährend in einem Lebensrhythmus darinnen, der in seiner Entstehung und in seinem Verlauf in Differenzierung der Luft besteht.

[ 18 ] In this regard, my dear friends, our body presents something extraordinarily interesting. We exhale air—after all, our breathing process consists of exhaling air and inhaling it again. As we exhale, we push our diaphragm upward. This, however, is connected to a release of pressure in our entire organic system below the diaphragm. In a sense, because we raise the diaphragm as we exhale and relieve the pressure on our organic system below the diaphragm, the cerebrospinal fluid in which the brain floats is driven downward—this cerebrospinal fluid, which is nothing other than a somewhat condensed form, I would say, of air; for in truth, it is the exhaled air that causes this. When I inhale again, the cerebrospinal fluid is driven upward into the cavity of the spinal cord—which is a sac—and is driven back up once more; and I live continuously, through my breathing, within this oscillation of the cerebrospinal fluid that moves from top to bottom and from bottom to top, which is a clear reflection of my entire breathing process. If I live with my consciousness through my organism’s participation in these oscillations of the respiratory process, then this constitutes an inner differentiation in the experience of perceiving air, and through this process—which I have described only in broad terms—I am in fact continuously immersed in a rhythm of life that, in its origin and course, consists of the differentiation of air.

[ 19 ] Dasjenige, meine lieben Freunde, was da innerlich entsteht, indem Sie natürlich nicht so grob, sondern in mannigfaltiger Weise differenziert, sodass dieses Auf- und Abschwingen der rhythmischen Kräfte, die ich gekennzeichnet habe, selber etwas ist wie ein komplizierter, fortwährend entstehender und vergehender Schwingungsorganismus —, diesen innerlichen Schwingungsorganismus [erleben]: Den bringen wir in unserem Ohre zum Zusammenstoßen mit demjenigen, was von außen zum Beispiel, sagen wir, wenn eine Saite angeschlagen wird, an uns tönt. Und gerade so, wie Sie den Wärmezustand Ihrer eigenen Hand, wenn Sie sie ins lauwarme Wasser hineinheben, wahrnehmen durch die Differenz zwischen der Wärme Ihrer Hand und der Wärme des Wassers, so nehmen Sie wahr den entsprechenden Ton oder Schall durch das Gegeneinanderwirken Ihres inneren, so wunderbar gebauten Musikinstrumentes mit demjenigen, was äußerlich in der Luft als Töne, als Schall, zum Vorschein kommt. Das Ohr ist gewissermaßen nur die Brücke, durch die Ihre innere Leier des Apollo sich ausgleicht in einem Verhältnis mit demjenigen, was von außen an differenzierter Luftbewegung an Sie herantritt.

[ 19 ] That which arises within you, my dear friends—not, of course, in such a crude way, but in a manifold and differentiated manner, so that this rising and falling of the rhythmic forces I have described is itself something like a complex, constantly emerging and passing vibrating organism—this inner vibrating organism [we experience]: We bring this into our ears to clash with what sounds to us from the outside—for example, let’s say when a string is plucked. And just as you perceive the temperature of your own hand when you dip it into lukewarm water through the difference between the warmth of your hand and the warmth of the water, so you perceive the corresponding tone or sound through the interaction of your inner, so wonderfully constructed musical instrument with that which appears externally in the air as tones, as sound. The ear is, in a sense, merely the bridge through which your inner lyre of Apollo finds balance in relation to the differentiated air movements that approach you from the outside.

[ 20 ] Sie sehen, der wirkliche Vorgang — wenn ich ihn real schildere —, der wirkliche Vorgang beim Hören, nämlich beim Hören des differenzierten Schalles, des Tones, der ist von jener Abstraktion weit verschieden, von der man sagt: Draußen, da wirkt etwas, das affiziert mein Ohr. Die Affektion des Ohres wird als eine Wirkung auf mein subjektives Wesen wahrgenommen, das man wiederum — ja, mit welcher [Terminologie] auch — beschreibt oder eigentlich nicht beschreibt. Ja, man kommt nicht weiter, wenn man klar ausdenken will, was da eigentlich immer als Idee zugrunde gelegt wird. Man kann gewisse Dinge, die gewöhnlich angeschlagen werden, nicht zu Ende denken, weil diese Physik weit entfernt ist, einfach auf die Tatsachen einzugehen.

[ 20 ] You see, the actual process—if I describe it as it really is—the actual process of hearing, namely the hearing of the differentiated sound, the tone, is far removed from that abstraction of which one says: Out there, something is at work that affects my ear. The effect on the ear is perceived as an impact on my subjective being, which in turn—well, whatever [terminology] one uses—is described, or rather, not described. Yes, one gets nowhere if one tries to think through clearly what is actually always taken as the underlying idea here. One cannot think certain things—which are usually brought up—through to their conclusion, because this physics is far removed from simply addressing the facts.

[ 21 ] Sie haben tatsächlich drei Stufen vor sich der Beziehungen des Menschen zur Außenwelt, ich möchte sagen: die Lichtstufe, die Wärmestufe, die Ton- oder Schallstufe. Aber sehen Sie, da liegt etwas sehr Eigentümliches noch vor. Wenn Sie unbefangen Ihr Verhältnis, das heißt Ihr Schwimmen im Lichtelement betrachten, dann müssen Sie sich sagen: Sie können selbst nur als Ätherorganismus in demjenigen, was da draußen in der Welt vor sich geht, leben. Indem Sie im Wärmeelement leben, leben Sie mit Ihrem ganzen Organismus im Wärmeelement Ihrer Umgebung darinnen. Jetzt lenken Sie den Blick von diesem Drinnenleben herunter bis zum Drinnenleben im Ton- und Schallelement, dann leben Sie eigentlich, indem Sie selbst werden zum Luftorganismus, leben Sie in der differenziert gestalteten äußeren Luft darinnen. Das heißt, nicht mehr im Äther, sondern eigentlich schon in der äußeren physikalischen Materie, in der Luft leben Sie da drinnen.

[ 21 ] There are, in fact, three stages in human relationships with the outside world: I would say, the stage of light, the stage of heat, and the stage of sound. But you see, there is something very peculiar that lies ahead. If you observe your relationship—that is, your swimming in the element of light—with an open mind, then you must tell yourself: You yourself can only live as an etheric organism within what is happening out there in the world. By living in the element of warmth, you live with your entire organism within the warmth of your surroundings. Now, if you direct your gaze from this inner life down to the inner life within the tone and sound elements, then you are actually living—by becoming an air organism yourself—within the differentiated outer air. That is to say, you are no longer living in the ether, but are in fact already living within the outer physical matter, within the air.

[ 22 ] Daher ist das Leben im Wärmeelement eine ganz bedeutsame Grenze. Gewissermaßen bedeutet das Wärmeelement, das Leben in ihm, für Ihr Bewusstsein ein Niveau. Dieses Niveau können Sie auch sehr deutlich dadurch wahrnehmen, dass Sie ja schließlich äußere und innere Wärme in der reinen Empfindung kaum unterscheiden können. Aber das Leben im Lichtelement liegt über diesem Niveau. Sie steigen gewissermaßen in eine höhere ätherische Sphäre hinauf, um mit Ihrem Bewusstsein drinnen zu leben. Und Sie dringen unter jenes Niveau, wo Sie mit der Außenwelt in verhältnismäßig einfacher Weise sich ausgleichen, hinunter, indem Sie als Luftmensch sich mit der Luft auseinandersetzen in den Ton- oder Schallwahrnehmungen.

[ 22 ] Therefore, life in the element of warmth is a very significant threshold. In a sense, the element of warmth—and the life within it—represents a level for your consciousness. You can also perceive this level very clearly because, after all, you can hardly distinguish between external and internal warmth in pure sensation. But life in the element of light lies above this level. In a sense, you ascend into a higher ethereal sphere to live within it with your consciousness. And you descend below that level—where you come into balance with the external world in a relatively simple way—by engaging with the air as an “air being” through your perceptions of sound.

[ 23 ] Das Auge kann man nicht anders als eine Art von physikalischem Apparat auffassen. Wenn Sie alles das zusammenhalten, was ich jetzt gezeigt habe, mit demjenigen, was ich über die Anatomie und Physiologie gesagt habe, so können Sie nicht anders, als das Auge als physikalischen Apparat auffassen. Je weiter nach außen Sie gehen, desto physischer finden Sie das Auge, je mehr nach innen, desto mehr von Vitalität durchzogen. Wir haben also ein in uns lokalisiertes Organ, um uns über ein gewisses Niveau zu erheben. Wir leben dann auf einem gewissen Niveau auf gleich und gleich mit der Umgebung, indem wir mit unserer Wärme ihr entgegentreten und die Differenz irgendwo wahrnehmen. Da haben wir kein so spezialisiertes Organ als das Auge, da werden wir selbst ganz in gewisser Weise zum Sinnesorgan. Jetzt tauchen wir unter dieses Niveau hinunter. Wo wir Luftmensch werden, wo wir uns auseinandersetzen mit der differenzierten äußeren Luft, da lokalisiert sich wiederum diese Auseinandersetzung — das lokalisiert sich zwischen dem, was in uns vorgeht, dieser Leier des Apollo, dieser Rhythmisierung unseres Organismus, die nur nachgebildet ist in der Rhythmisierung des Rückenmarkwassers, [und der differenziert gestalteten äußeren Luft]. Was da vorgeht, ist durch eine Brücke verbunden. Da ist also wiederum solch eine Lokalisation, aber jetzt unter dem Niveau, wie wir im Auge eine solche Lokalisation über dem Niveau haben.

[ 23 ] The eye cannot be understood as anything other than a kind of physical apparatus. If you consider everything I have just shown, together with what I have said about anatomy and physiology, you cannot help but view the eye as a physical apparatus. The further outward you go, the more physical the eye appears; the further inward, the more it is permeated by vitality. We therefore have an organ located within us that allows us to rise above a certain level. We then live on a certain level, on equal footing with our surroundings, by countering them with our warmth and perceiving the difference somewhere. There, we do not have an organ as specialized as the eye; there, we ourselves become, in a certain sense, a sensory organ. Now let us descend below this level. Where we become “air beings,” where we engage with the differentiated outer air, this engagement is again localized—it is localized between what is happening within us, this lyre of Apollo, this rhythmic structuring of our organism, which is merely reflected in the rhythmic structuring of the cerebrospinal fluid, [and the differentiated outer air]. What is happening there is connected by a bridge. So there is, once again, such a localization, but now below the level, just as we have such a localization above the level in the eye.

[ 24 ] Sehen Sie, unsere Psychologie, die ist eigentlich in einer noch schlimmeren Lage als unsere Physiologie und unsere Physik, und man kann es eigentlich den Physikern nicht sehr krummnehmen, dass sie sich so unrealistisch ausdrücken über das, was in der Außenwelt ist, weil sie gar nicht unterstützt werden von den Psychologen. Die Psychologen sind dressiert worden von den Kirchen, die in Anspruch genommen haben alles Wissen über Seele und Geist. Daher hat diese Dressur, die die Psychologen angenommen haben, sie dazu geführt, eigentlich nur den äußeren Apparat als den Menschen zu betrachten und die Seele und den Geist nur noch in Wortklängen, in Phrasen, zu haben. Unsere Psychologie ist eigentlich nur eine Sammlung von Worten. Denn was sich die Menschen eigentlich vorstellen sollen bei Seele und Geist, darüber gibt es eigentlich nichts, und so kommt es, dass es den Physikern vorkommt, wenn draußen Licht wirkt, so affiziert es das Auge, das Auge übt eine Gegenwirkung aus oder aber es empfängt einen Eindruck, und das ist ein inneres, subjektives Erleben. Da beginnen dann ganze Knäuel von Unklarheiten. Und in ganz ähnlicher Weise, sagen es die Physiker nach, ist es bei den anderen Sinnesorganen. Wenn Sie heute eine Psychologie durchlesen, so finden Sie darinnen eine Sinneslehre. Vom Sinn wird gesprochen, vom allgemeinen Sinn, als ob es so etwas gäbe. Man versuche nur zu studieren das Auge. Es ist etwas ganz anderes als das Ohr. Ich habe Ihnen das gekennzeichnet, das Liegen unter und über dem Niveau. Auge und Ohr sind ganz verschiedenartig innerlich gebildete Organe, und das ist cs, worauf in bedeutsamer Weise Rücksicht genommen werden muss.

[ 24 ] You see, our psychology is actually in an even worse state than our physiology and our physics, and one really can’t hold it against physicists that they express themselves so unrealistically about what exists in the external world, because they aren’t supported at all by psychologists. Psychologists have been conditioned by the churches, which have claimed all knowledge of the soul and the spirit. Consequently, this conditioning that psychologists have accepted has led them to view the human being as nothing more than the external body, while the soul and the spirit exist for them only in the sound of words, in phrases. Our psychology is really just a collection of words. For there is actually nothing to go on regarding what people are supposed to imagine when they think of the soul and the spirit, and so it happens that it seems to physicists that when light acts from the outside, it affects the eye; the eye either exerts a counteraction or receives an impression, and that is an inner, subjective experience. This is where a whole tangle of ambiguities begins. And in much the same way, according to physicists, this is the case with the other sense organs. If you read a psychology textbook today, you will find a theory of the senses within it. People speak of “sense,” of “general sense,” as if such a thing existed. Just try to study the eye. It is something entirely different from the ear. I have pointed this out to you—the difference between what lies below and above the level. The eye and the ear are entirely different kinds of internally formed organs, and this is something that must be taken into account in a significant way.

[ 25 ] Bleiben wir hier einmal stehen, überlegen Sie sich das, und morgen wollen wir von diesem Punkte aus über die Schallehre, die Tonlehre sprechen, damit Sie von dort aus wiederum die anderen physikalischen Gebiete erobern können.

[ 25 ] Let’s pause here for a moment; think about this, and tomorrow we’ll use this as a starting point to discuss the theory of sound and the theory of tone, so that you can then go on to explore the other areas of physics.

[ 26 ] Ich möchte Ihnen heute nur noch eines vorführen. Das ist das, was man in gewisser Beziehung das Glanzstück der modernen Physik nennen kann, was in gewisser Beziehung auch ein Glanzstück ist. Sehen Sie, wenn Sie einfach mit dem Finger über eine Fläche streichen, also einen Druck ausüben durch Ihre eigene Anstrengung, so wird die Fläche warm. Sie erzeugen dadurch, dass Sie einen Druck ausgeübt haben, Wärme. Man kann nun umgekehrt — nicht umgekehrt, sondern in derselben Linie — dadurch, dass man objektive mechanische Vorgänge hervorruft, die ausgesprochen mechanische Vorgänge sind, wiederum Wärme erzeugen, und wir haben als eine weitere Grundlage für dasjenige, was wir dann morgen weiter betrachten wollen, diesen Apparat improvisiert. Wenn Sie jetzt sehen würden, wie hoch das Thermometer steht in diesem Apparat, so bekommen Sie heraus am Thermometerstand 16 Grad und etwas. Nun werden wir in diesem Gefäße — darinnen, da haben wir Wasser und in diesem Wasserkörper darinnen haben wir ein Schwungrad, eine Trommel, die wir in rasche Drehung versetzen, sodass diese eine mechanische Arbeit leistet, im Wasser die Teile ordentlich durcheinanderwirft, das Wasser aufschaufelt, — und wir werden nach einiger Zeit das Thermometer wieder anschauen. So können Sie nach einiger Zeit das Thermometer anschauen und sie werden sehen, dass es gestiegen ist, dass also durch bloß mechanische Arbeit das Wasser an Wärme zugenommen hat, das heißt, es wird durch mechanische Arbeit Wärme produziert. Das hat man dann verarbeitet, zuerst in rechnungsmäßiger Weise, nachdem besonders Julius Mayer darauf aufmerksam gemacht hatte. Julius Mayer hat cs selbst verarbeitet zu dem sogenannten mechanischen Wärme-Äquivalent. Hätte man es in seinem Sinne ausgebaut, so hätte man damit nichts anderes gesagt, als dass eine bestimmte Zahl der Ausdruck ist für das, was man an der Wärme messen kann durch mechanische Arbeit und umgekehrt. Das aber ist dann in einer übersinnlichen, metaphysischen Weise ausgewertet worden, indem man gesagt hat: Also, wenn ein konstantes Verhältnis besteht zwischen der geleisteten Arbeit und der Wärme, so ist dies einfach umgewandelte Arbeit — umgewandelte! —, während man [es eigentlich] mit nichts anderem zunächst zu tun hatte als mit dem zahlenmäßigen Ausdruck des Zusammenhangs zwischen der mechanischen Arbeit und der Wärme.

[ 26 ] There is just one more thing I would like to demonstrate to you today. This is what, in a certain sense, can be called the crowning achievement of modern physics—and in a certain sense, it truly is a crowning achievement. You see, if you simply run your finger across a surface—that is, apply pressure through your own effort—the surface becomes warm. By applying pressure, you generate heat. Conversely—or rather, along the same lines—by inducing objective mechanical processes—which are distinctly mechanical processes—one can in turn generate heat, and we have improvised this apparatus as a further basis for what we intend to examine further tomorrow. If you were to check the thermometer reading in this apparatus now, you would find it at 16 degrees and a little more. Now, in this vessel—inside it, we have water, and within this body of water we have a flywheel, a drum, which we set in rapid rotation so that it performs mechanical work, thoroughly stirs up the water, and churns it up—and after some time, we will look at the thermometer again. So after some time, you can look at the thermometer and you’ll see that the reading has risen—meaning that through mechanical work alone, the water has gained heat; in other words, heat is produced by mechanical work. This was then analyzed, initially mathematically, after Julius Mayer in particular had drawn attention to it. Julius Mayer himself developed this into what is known as the mechanical heat equivalent. Had this been developed further in his spirit, it would have meant nothing more than that a certain number expresses what can be measured in heat through mechanical work—and vice versa. However, this was then interpreted in a supernatural, metaphysical way, with the claim that: “If there is a constant ratio between the work performed and heat, then this is simply converted work—converted!”—while [in reality] one was initially dealing with nothing more than the numerical expression of the relationship between mechanical work and heat.