First Science Course
Light, Color, Sound, Mass, Electricity, Magnetism
GA 320
29 December 1919, Stuttgart
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First Science Course, tr. SOL
Sechster Vortrag
Sixth Lecture
[ 1 ] Meine lieben Freunde!
[ 1 ] My dear friends!
[ 2 ] Ich möchte Ihnen doch heute das vorgestern begonnene Prinzipielle weiter auseinandersetzen, weil wir, wenn wir von den am Licht gewonnenen Erfahrungen ausgehen, weiter die Erscheinungen werden beobachten und verstehen können, die sich uns an den anderen Naturerscheinungen, die wir noch betrachten wollen, ergeben können. Ich werde daher heute eine mehr prinzipielle Betrachtung einfügen und das Experimentelle bis morgen verschieben, weil wir eben noch genauer feststellen müssen die Art und Weise, wie wir methodisch unseren Weg verfolgen wollen. Es handelt sich wirklich darum, dass das genau durchgeführt werde, was als Faktisches in den Naturerscheinungen vorliegt. Und um das zu verfolgen, gibt tatsächlich das Licht die meisten Anhaltspunkte.
[ 2 ] Today I would like to continue exploring the fundamental principles we began discussing the day before yesterday, because, if we proceed from the insights gained from light, we will be able to further observe and understand the phenomena that may arise in the other natural phenomena we still intend to examine. I will therefore include a more fundamental discussion today and postpone the experimental part until tomorrow, because we still need to determine more precisely the manner in which we intend to proceed methodically. The point is really to ensure that we accurately capture what is factually present in natural phenomena. And to pursue this, light actually provides the most clues.
[ 3 ] Nun hat sich ja geschichtlich das ereignet, dass die Menschen angefangen haben, verhältnismäßig spät die Lichterscheinungen zu studieren. Überhaupt, die ganze Art und Weise zu denken physikalisch, wie sie heute in unseren Schulen gegeben ist, reicht kaum hinter das sechzehnte Jahrhundert zurück. Die Art und Weise zu denken über die physikalischen Erscheinungen war vor diesem sechzehnten Jahrhundert eben eine radikal andere. Heute aber wird so stark aufgenommen in der Schule diese Denkweise, dass es wiederum außerordentlich schwierig wird für denjenigen, der durch eine gewisse physikalische Schule gegangen ist, zurückzukehren zu dem rein Tatsächlichen. Man muss sich erst gewöhnen, das rein Tatsächliche — ich möchte sagen und ich bitte, den Ausdruck nicht bloß in seiner Trivialität aufzufassen — das rein Tatsächliche zu fühlen, zu empfinden. Daran muss man sich eigentlich erst gewöhnen. Daher möchte ich ausgehen davon, wie man vergleichen kann die gewohnte schulmäßige Denkweise an einem bestimmten Fall mit demjenigen, was man eigentlich durch ein sachgemäßes Verfolgen des Tatsächlichen gewinnen kann. Ich will von einem einzelnen Fall ausgehen.
[ 3 ] Historically speaking, it was only relatively late that people began to study light phenomena. In fact, the entire way of thinking about physics, as it is taught in our schools today, dates back barely beyond the sixteenth century. The way of thinking about physical phenomena was, in fact, radically different before the sixteenth century. Today, however, this way of thinking is so strongly instilled in schools that it becomes, in turn, extraordinarily difficult for anyone who has gone through a certain kind of physics education to return to what is purely factual. One must first get used to feeling and sensing the purely factual—I would like to say, and I ask that you not take this expression merely at face value—the purely factual. That is what one must actually get used to first. Therefore, I would like to begin by comparing the familiar academic way of thinking in a specific case with what one can actually gain through a proper pursuit of reality. I will start with a single case.


[ 4 ] Nehmen Sie einmal an, Sie hätten hier den Querschnitt irgendeiner Glasplatte. Durch diese Glasplatte würden Sie beobachten hier irgendein Leuchtendes. Ich will die Sache schematisch zeichnen, will statt dieses Leuchtenden einfach, sagen wir, hier einen leuchtenden Kreis hierher zeichnen. Nun werden Sie, wenn Sie sich wiederum zurückdenken auf die Schulbank, sich dabei erinnern, was Sie für die Beobachtung von diesem Punkte durch das Auge für diese Erscheinung eigentlich gelernt haben. Da ist Ihnen gesagt worden, von diesem Leuchtenden gingen Strahlen, sagen wir, aus. Wir wollen auf eine bestimmte Schrichtung des Auges reflektieren. Es gingen von diesem Leuchtenden Strahlen aus, das heißt in der Richtung dieses Strahls dringt das Licht, wie man sagt, aus einem dünneren Medium in ein dichteres Medium ein. Man kann wahrnehmen, wenn man einfach durchschaut und dann vergleicht dasjenige, was sich nach dem DurchSchauen durch die Platte ergibt, mit demjenigen, was da ist, zunächst, dass das Leuchtende verschoben ist, an einer anderen Stelle erscheint, als es erscheint, ohne dass man cs durch eine Platte sieht. Nun sagt man, das rühre davon her, dass das Licht gebrochen werde. Man sagt: Indem das Licht aus einem dünneren in ein dichteres Medium eintritt, müsse man, um die Richtung zu bekommen, in der das Licht gebrochen wird, müsse man ein sogenanntes Einfallslot zeichnen, und dann, wenn das Licht seinen Weg sonst, ohne dass es gehindert würde durch ein solches dichteres Mittel, fortsetzen würde, so würde es ja in dieser [gestrichelten] Richtung gehen; aber das Licht wird [beim Eintritt in das dichtere Medium] gebrochen, wie man sagt, und zwar in diesem Falle gebrochen zum Einfallslote, zu dieser Senkrechten, die man im Einfallspunkt errichtet. Und wenn es wiederum austritt, das Licht, wenn man also verfolgt, wie man den Lichtstrahl durch das dichtere Medium durch sieht, müsste man wiederum sagen: Hier ist wiederum ein Einfallslot zu errichten, hier würde der Strahl, wenn er seinen Weg fortsetzen würde, so gehen; er wird aber jetzt wiederum gebrochen, und zwar in diesem Falle vom Einfallslote und so stark, dass seine Richtung jetzt parallel ist zur früheren. Wenn das Auge nun so schaut, so verlängert es sich die letzte Richtung und versetzt das Leuchtende eine Strecke höher hinauf, sodass man also, wenn man so durchschaut, annehmen muss: Hier fällt das Licht ein, wird zweimal gebrochen, das cine Mal zum Einfallslot, das andere Mal vom Einfallslot, und es wird dadurch, dass das Auge die innere Fähigkeit hat — oder die Seele oder irgendein Dämon, wie man sagen will —, es wird hinausversetzt das Licht in den Raum, und zwar an eine andere Stelle des Raumes, als es erscheinen würde, wenn man es nicht durch ein brechendes Medium, wie man sagt, sehen würde.
[ 4 ] Suppose you had a cross-section of some glass plate here. Through this glass plate, you would observe something luminous here. I’ll draw a schematic diagram of this; instead of this light source, let’s just draw, say, a luminous circle here. Now, if you think back to your school days, you’ll recall what you actually learned about observing this point through the eye—about this phenomenon. You were told that rays, so to speak, emanated from this light source. Let’s consider a specific direction of the eye. Rays emanated from this light source; that is, in the direction of this ray, the light—as they say—passes from a less dense medium into a denser one. One can observe—by simply looking through the plate and then comparing what appears after looking through it with what is there initially—that the luminous object is shifted and appears in a different location than it does when viewed without the plate. Now it is said that this is due to the fact that the light is refracted. It is said: As the light enters from a less dense medium into a more dense one, in order to determine the direction in which the light is refracted, one must draw a so-called incident perpendicular; and then, if the light were to continue on its path otherwise, without being obstructed by such a more dense medium, it would indeed travel in this [dashed] direction; but the light is refracted [upon entering the denser medium], as they say, and in this case refracted relative to the incident perpendicular—that is, the vertical line drawn at the point of incidence. And when the light emerges again—that is, if one traces the path of the light ray as it passes through the denser medium—one would again have to say: Here, too, a line of incidence must be drawn; here, the ray would travel in this direction if it were to continue on its path; but now it is refracted again, in this case away from the line of incidence, and to such an extent that its direction is now parallel to the previous one. If the eye now looks in this way, it extends the last direction and shifts the luminous object a certain distance higher up, so that, when looking through it in this manner, one must assume: Here the light enters, is refracted twice—once toward the line of incidence, the other time away from it—and because the eye possesses the inner capacity—or the soul, or some demon, as one might say— the light is displaced out into space, and specifically to a different point in space than it would appear if one were not viewing it through a refracting medium, as they say.


[ 5 ] Nun handelt es sich aber darum, Folgendes festzuhalten. sehen Sie, wenn man das Folgende versucht, wenn man versucht, ein wenig Unterschied zu machen zwischen einer etwas, ich will sagen, helleren Stelle und einer etwas dunkleren Stelle‘ und dieses anschaut durch dasselbe dichtere Mittel, so wird man nicht etwa bloß dieses Hellere nach oben verschoben finden, sondern man wird auch das etwas Dunklere nach oben verschoben finden. Man wird den ganzen Komplex, den man sieht hier, verschoben finden. Ich bitte Sie, das wohl zu beachten. Wir sehen hier verschoben ein Dunkleres, das von einem Helleren begrenzt wird, wir sehen das Dunklere nach oben geschoben, und weil es ein helleres Ende hat, so sehen wir das auch mit nach oben geschoben. sehen Sie, wenn man solch einen Komplex hinstellt, ein Dunkleres und ein Helleres, dann muss man sagen: Es wird eigentlich das Hellere nur als die obere Grenze verschoben. Wenn man abstrahiert einen hellen Fleck, dann spricht man aber oftmals so, als ob nur dieser helle Fleck verschoben würde. Das aber ist ein Unding. Aber auch, wenn ich hier auf diesen hellen Fleck hinschaue, so ist es nicht wahr, dass bloß er verschoben wird, sondern in Wirklichkeit wird dasjenige, was ich da unten das Nichts nenne, auch hinaufverschoben.
[ 5 ] Now, however, the point is to note the following. You see, if one tries the following—if one tries to make a slight distinction between a somewhat, shall we say, lighter area and a somewhat darker area—and views this through the same denser medium, one will not merely find the lighter area shifted upward, but one will also find the somewhat darker area shifted upward. You will find that the entire complex you see here has been shifted. Please take careful note of this. Here we see a darker area—bounded by a lighter one—that has been shifted; we see the darker area shifted upward, and because it has a lighter end, we see that end shifted upward as well. You see, when you present such a complex—a darker area and a lighter one—you must say: In reality, only the lighter area is shifted as the upper boundary. However, when one abstracts a bright spot, one often speaks as if only this bright spot were being shifted. But that is nonsense. Moreover, even when I look at this bright spot here, it is not true that only it is being shifted; in reality, what I call “nothingness” down below is also being shifted upward.
[ 6 ] Dasjenige, was verschoben wird, ist niemals irgendetwas, was ich so abstrakt abgrenzen kann. Wenn ich also das Experiment mache, das Newton gemacht hat, wenn ich einlasse einen Lichtkegel, dieser abgelenkt wird durch das Prisma, so ist es nicht wahr, dass bloß der Lichtkegel verschoben wird, sondern es wird auch dasjenige, von dem von oben her und nach unten hin der Lichtkegel die Grenze ist, das wird mitverschoben. Ich sollte niemals sprechen von irgendwelchen Lichtstrahlen oder dergleichen, sondern von verschobenen Lichtbildern oder Lichträumen. Und will ich irgendwo von einem isolierten Licht sprechen, so kann ich davon gar nicht so sprechen, dass ich irgendetwas in der Theorie auf dieses isolierte Licht beziehe, sondern ich muss so sprechen, dass ich mein Gesprochenes zugleich auf das, was angrenzt, beziehe.
[ 6 ] What is displaced is never anything that I can define in such abstract terms. So when I conduct the experiment that Newton did—when I allow a beam of light to pass through a prism and it is deflected—it is not true that only the beam of light is displaced; rather, that which is bounded by the beam of light from top to bottom is also displaced along with it. I should never speak of any light rays or the like, but rather of displaced light images or light spaces. And if I want to speak of an isolated light somewhere, I cannot speak of it in such a way that I relate anything in theory to this isolated light; rather, I must speak in such a way that I simultaneously relate what I say to what adjoins it.
[ 7 ] Nur wenn man so denkt, kann man wirklich fühlen, was da eigentlich vorgeht, wenn man der Entstehung der Farbenerscheinungen gegenübersteht. Man bekommt sonst eben einfach durch seine Denkweise den Eindruck, als ob aus dem Lichte heraus irgendwie die Farben entstünden. Man hat sich vorher den Gedanken zurechtgelegt, dass man es nur mit dem Licht zu tun habe. In Wirklichkeit hat man es nicht mit dem Licht zu tun, sondern mit irgendetwas Hellem, an das an der einen oder andern Seite Dunkelheit angrenzt. Und ebenso wie dieses Helle als Raumlicht verschoben wird, ebenso wird das Dunkle verschoben. Aber was ist denn dieses Dunkle, was ist es eigentlich? sehen Sie, dieses Dunkle muss eben auch durchaus real erfasst werden. Und alles das, was da seit etwa dem sechzehnten Jahrhundert in die neuere Physik eingezogen ist, das konnte nur deshalb einziehen, weil man niemals die Dinge zugleich geistig beobachtet hat, weil man immer die Dinge nur nach dem äußeren Sinnenschein beobachtet hat und dann hinzuerfunden hat zur Erklärung dieses Sinnenscheins allerlei Theorien.
[ 7 ] Only by thinking this way can one truly sense what is actually happening when faced with the emergence of color phenomena. Otherwise, one’s way of thinking simply gives the impression that colors somehow arise from the light. One has already convinced oneself that one is dealing only with light. In reality, one is not dealing with light, but with something bright that is bordered on one side or the other by darkness. And just as this brightness is displaced as spatial light, so too is the darkness displaced. But what is this darkness, what is it actually? You see, this darkness must also be grasped as something entirely real. And everything that has found its way into modern physics since about the sixteenth century could only do so because people never observed things spiritually at the same time; because they always observed things solely according to their outward sensory appearance and then devised all sorts of theories to explain this sensory appearance.
[ 8 ] Sie werden keineswegs in Abrede stellen können, dass, wenn Sie auf Licht schauen, das eine Mal das Licht stärker, das andere Mal schwächer ist. Stärkeres und schwächeres Licht gibt es. Nun handelt es sich darum, zu verstehen, wie dieses Licht, das stärker und schwächer sein kann, sich nun eigentlich zu der Dunkelheit verhält. Der gewöhnliche Physiker denkt heute, es gibt stärkeres und schwächeres Licht, alle möglichen Lichtgrade der Stärke nach, aber eine einzige Dunkelheit, die eben einfach dann da ist, wenn das Licht nicht da ist. Also ist Schwarz auf einerlei Weise. So wenig es nur einerlei Helligkeit gibt, ebenso wenig gibt cs nur einerlei Dunkelheit, und davon zu reden, dass es nur einerlei Dunkelheit gibt, ist so einseitig, wie wenn man sagen würde: Ich kenne vier Menschen. Der eine davon hat ein Vermögen von fünfhundert Mark, der andere ein Vermögen von tausend Mark. Der eine hat also ein größeres Vermögen als der andere. Der dritte aber hat fünfhundert Mark Schulden und der vierte tausend Mark Schulden. Aber was soll ich mich da weiter bekümmern um diesen Unterschied? Das ist schließlich dasselbe. Beide haben eben Schulden. Ich will unterscheiden zwischen den Graden des Vermögens, aber ich will nicht erst unterscheiden zwischen den Graden der Schulden, sondern Schulden sind Schulden. In diesem Falle fällt einem ja die Sache auf, weil ja die Wirkung von fünfhundert Mark Schulden eine geringere ist als die Wirkung von tausend Mark Schulden. Bei der Dunkelheit verhält man sich aber so: Licht hat verschiedene Helligkeitsgrade, Dunkelheit ist Dunkelheit. Das ist es, dass man nicht vorrückt zu einem qualitativen Denken, was uns so sehr hindert, die Brücke zwischen dem Seelisch-Geistigen [auf der einen Seite] und dem Körperlichen auf der anderen Seite zu finden. Wenn ein Raum von Licht erfüllt ist, so ist er eben mit Licht von einer bestimmten Stärke erfüllt, wenn ein Raum mit Dunkelheit erfüllt ist, so ist er mit Dunkelheit von einer bestimmten Stärke erfüllt, und man muss fortschreiten von dem bloß abstrakten Raum zu demjenigen Raum, der nicht abstrakt ist, sondern in irgendeiner Weise positiv erfüllt ist durch Licht, negativ erfüllt ist durch Dunkelheit. Man kann also gegenüberstehen dem lichterfüllten Raum und kann ihn nennen: Er ist qualitativ positiv. Man kann gegenüberstehen dem dunkelheiterfüllten Raum und kann ihn qualitativ negativ mit Bezug auf die Lichtverhältnisse finden. Beides aber kann mit einem bestimmten Intensitätsgrade, mit einer bestimmten Stärke angesprochen werden.
[ 8 ] You certainly cannot deny that when you look at light, sometimes it is brighter and sometimes it is dimmer. There is such a thing as brighter and dimmer light. The question now is to understand how this light—which can be brighter or dimmer—actually relates to darkness. The average physicist today thinks that there is stronger and weaker light—all possible degrees of light intensity—but only one kind of darkness, which simply exists when the light is not there. So black is all the same. Just as there is not just one kind of brightness, there is not just one kind of darkness either, and to speak of there being only one kind of darkness is as one-sided as saying: I know four people. One of them has a fortune of five hundred marks, the other a fortune of one thousand marks. So one has a larger fortune than the other. The third, however, has five hundred marks in debt, and the fourth has a thousand marks in debt. But why should I worry any further about this difference? After all, it amounts to the same thing. Both are simply in debt. I want to distinguish between degrees of wealth, but I don’t want to distinguish between degrees of debt—debt is simply debt. In this case, the difference is obvious because the impact of five hundred marks in debt is less than that of a thousand marks in debt. When it comes to darkness, however, people think this way: light has different degrees of brightness, but darkness is simply darkness. It is precisely this failure to advance to qualitative thinking that so greatly hinders us from finding the bridge between the soul-spiritual [on the one hand] and the physical on the other. If a room is filled with light, it is filled with light of a certain intensity; if a room is filled with darkness, it is filled with darkness of a certain intensity; and we must move from the merely abstract room to the room that is not abstract, but is positively filled in some way by light or negatively filled by darkness. One can thus stand before a space filled with light and describe it as qualitatively positive. One can stand before a space filled with dark serenity and find it to be qualitatively negative with respect to the lighting conditions. Both, however, can be described in terms of a specific degree of intensity, a specific strength.
[ 9 ] Aber jetzt, wenn man sich fragt: Ja, wie unterscheidet sich denn für unser Wahrnehmungsvermögen dieses positive Erfülltsein des Raumes von dem negativen Erfülltsein des Raumes? — Dieses positive Erfülltsein des Raumes, wir brauchen uns nur zu erinnern, wie es ist, wenn wir aufwachen, von Licht umgeben sind, unser subjektives Erleben vereinigen mit demjenigen, was uns als Licht umflutet, wir brauchen diese Empfindung nur zu vergleichen mit demjenigen, was wir empfinden, wenn wir von Dunkelheit umgeben sind, und wir werden finden — ich bitte jetzt, das sehr genau ins Auge beziehungsweise in den Verstand zu fassen —, wir werden uns klar werden müssen, dass rein für die Empfindung ein Unterschied besteht in dem Hingegebensein an den lichterfüllten Raum und in dem Hingegebensein an den dunkelheiterfüllten Raum. Nun kann man sich diesen Dingen überhaupt nur durch Vergleiche nähern.
[ 9 ] But now, if one asks: Yes, how does this positive filling of space differ, as far as our perception is concerned, from the negative filling of space? — This positive filling of space—we need only recall what it is like when we wake up, surrounded by light, uniting our subjective experience with that which floods us as light— we need only compare this sensation with what we feel when we are surrounded by darkness, and we will find—I ask you now to take this very carefully into account, both visually and intellectually— we will have to realize that, purely in terms of sensation, there is a difference between surrendering to a space filled with light and surrendering to a space filled with dark serenity. Now, one can only approach these things through comparisons.
[ 10 ] Sehen Sie, man kann vergleichen jene Empfindung, die man hat, wenn man sich mit dem lichterfüllten Raum zusammenfindet, man kann das vergleichen mit einer Art Einsaugen des Lichtes durch unser seelisches Wesen. Wir empfinden ja eine Bereicherung, wenn wir im lichterfüllten Raum sind. Es ist ein Einsaugen des Lichtes. Wie ist es denn mit der Dunkelheit? Da ist genau die entgegengesetzte Empfindung. Die Dunkelheit saugt an uns, die saugt uns aus, der müssen wir uns hingeben, an die müssen wir etwas abgeben. Sodass wir sagen können: Die Wirkung des Lichtes auf uns ist eine mitteilende, die Wirkung der Dunkelheit auf uns ist eigentlich eine saugende. Und so müssen wir auch unterscheiden zwischen den hellen und dunklen Farben. Die helleren Farben haben etwas auf uns Losgehendes, das sich uns mitteilt; die dunkleren Farben haben etwas, das an uns saugt, dem wir uns hingeben müssen. Damit aber kommen wir dazu, uns zu sagen: Irgendetwas aus der Außenwelt teilt sich uns mit, indem Licht auf uns wirkt; irgendetwas wird uns weggenommen, wir werden ausgesaugt, indem Dunkelheit auf uns wirkt.
[ 10 ] You see, one can compare that sensation one has when one finds oneself in a room filled with light; one can compare it to a kind of absorption of the light by our spiritual being. We do, after all, feel enriched when we are in a room filled with light. It is a kind of absorption of light. But what about darkness? There, the sensation is exactly the opposite. Darkness draws us in; it drains us; we must surrender to it; we must give something of ourselves to it. So that we can say: The effect of light on us is one of communication; the effect of darkness on us is actually one of absorption. And so we must also distinguish between light and dark colors. The lighter colors have something that radiates toward us, that communicates with us; the darker colors have something that draws us in, to which we must surrender. This leads us to say: Something from the outside world communicates with us through the effect of light; something is taken from us—we are drained—through the effect of darkness.
[ 11 ] Wir werden — ich habe Sie schon in den Vorträgen auf das aufmerksam gemacht — wir werden in einer gewissen Beziehung auch sonst mit Bezug auf unser Bewusstsein ausgesaugt, wenn wir einschlafen. Da hört unser Bewusstsein auf. Es ist eine ganz ähnliche Erscheinung des Aufhörens unseres Bewusstseins, wenn wir uns von den immer helleren Farben nach den dunkleren Farben, nach dem Blau und Violett, nähern. Und wenn Sie sich erinnern an das, was ich Ihnen gesagt habe in diesen Tagen über die Beziehung unseres Seelischen zur Masse, wenn Sie sich erinnern an dieses Hineinschlafen in die Masse, an dieses Aufgesogenwerden des Bewusstseins durch die Masse, dann werden Sie ein Ähnliches empfinden durch das Aufgesogensein des Bewusstseins durch die Dunkelheit, und Sie werden die innere Verwandtschaft herausfinden zwischen dem Dunkelsein des Raumes und jener anderen Erfülltheit des Raumes, die man Materie nennt und die sich als Masse äußert, das heißt, wir werden den Weg zu suchen haben von den Lichterscheinungen hinüber einfach zu den Erscheinungen des materiellen Daseins, und wir haben uns schon den Weg dadurch gebahnt, dass wir zuerst gleichsam die flüchtigen Lichterscheinungen der Phosphoreszenz und Fluoreszenz aufgesucht haben und dann feste Lichterscheinungen. In den festen Lichterscheinungen haben wir bleibende Farben. Wir können diese Dinge nicht einzeln betrachten, wir wollen zunächst einmal den ganzen Komplex der Dinge vor uns hinstellen.
[ 11 ] As I have already pointed out to you in the lectures, in a certain sense we are also, in other ways, drained of our consciousness when we fall asleep. That is where our consciousness ceases. It is a very similar phenomenon of the cessation of our consciousness when we move from the ever-brighter colors toward the darker colors, toward blue and violet. And if you recall what I have told you in recent days about the relationship between our soul and matter, if you recall this sinking into matter, this absorption of consciousness by matter, then you will experience something similar through the absorption of consciousness by darkness, and you will discover the inner kinship between the darkness of space and that other fullness of space which is called matter and which manifests as mass—that is to say, we will have to seek the path from the light phenomena directly to the phenomena of material existence, and we have already paved the way by first seeking out, as it were, the fleeting light phenomena of phosphorescence and fluorescence, and then the stable light phenomena. In the stable light phenomena, we find enduring colors. We cannot consider these things individually; let us first set the entire complex of things before us.
[ 12 ] Nun handelt es sich darum, noch Folgendes einzusehen. Sehen Sie, wenn man im lichterfüllten Raum ist, so vereinigt man sich in gewisser Weise mit diesem lichterfüllten Raum. Man kann sagen: Etwas in uns schwimmt hinaus in diesen lichterfüllten Raum und vereinigt sich mit ihm. Aber man braucht nur ein klein wenig auf das [wirklich] Tatbeständliche zu reflektieren, dann wird man einen großen Unterschied finden zwischen diesem Vereinigtsein mit der unmittelbaren lichtflutenden Umgebung und jenem Vereintsein, das man als Mensch auch hat, nämlich mit dem Verereintsein mit dem Wärmezustand der Umgebung. Wir nehmen an diesem Wärmezustand der Umgebung teil, wir nehmen an ihm teil, indem wir auch etwas wie eine Polarität dieses Wärmezustandes empfinden, das Warme und das Kalte. Aber wir können doch nicht anders, als einen Unterschied wahrnehmen zwischen dem Sichfühlen in dem Wärmezustand der Umgebung und dem Sichfühlen in dem Lichtzustand der Umgebung. Dieser Unterschied ist nicht nur der neueren Physik seit dem sechzehnten Jahrhundert vollständig verloren gegangen, man kann sagen, nicht nur die Unbefangenheit im Unterscheiden des Lichtmiterlebens und des Wärmemiterlebens ist verloren gegangen, sondern man hat darauf hingearbeitet, solche Unterschiede in irgendeiner Art zu verwischen. Wer diesen Unterschied wirklich ins Auge fasst, der im Tatsächlichen ganz einfach gegeben ist, zwischen dem Miterleben des Wärmezustandes und dem Miterleben des Lichtzustandes der Umgebung, der kann zuletzt gar nicht anders als unterscheiden, dass wir an dem Wärmezustand mit unserem physischen Leibe beteiligt sind und an dem Lichtzustand eben mit unserem Ätherleibe beteiligt sind.
[ 12 ] Now we must consider the following. You see, when one is in a room filled with light, one becomes, in a certain sense, one with that light-filled room. One could say: Something within us floats out into this light-filled space and unites with it. But one need only reflect a little on what is [truly] substantial, and one will find a great difference between this unity with the immediate, light-flooded surroundings and the other kind of unity that we as human beings also experience—namely, our unity with the thermal state of our surroundings. We participate in this thermal state of our surroundings; we participate in it by also perceiving something like a polarity within this thermal state—the warm and the cold. Yet we cannot help but perceive a difference between how we feel within the thermal state of our surroundings and how we feel within the luminous state of our surroundings. Not only has this distinction been completely lost in modern physics since the sixteenth century—one might say that not only has the impartiality in distinguishing between the experience of light and the experience of heat been lost—but efforts have been made to blur such distinctions in one way or another. Anyone who truly takes this difference into account—which is, in fact, quite simply given—between the experience of the thermal state and the experience of the light state of the environment, will ultimately have no choice but to distinguish that we participate in the thermal state with our physical body and in the light state precisely with our etheric body.
[ 13 ] Das Durcheinanderwerfen desjenigen, was wir gewahr werden durch unseren Ätherleib, und desjenigen, was wir gewahr werden durch unseren physischen Leib, das ist zu einem ganz besonderen Übel geworden für die neuere physikalische Betrachtung seit dem sechzehnten Jahrhundert, und dadurch hat sich nach und nach alles verwischt. Denn sehen Sie, man hat verlernt, namentlich seit die Physik allmählich gekommen ist unter den Newton’schen Einfluss, der eigentlich heute noch immer wirksam ist, man hat verlernt, Tatbestände unmittelbar auszusprechen. Einzelne Menschen haben ja wiederum versucht, auf das Unmittelbare der Tatbestände hinzuweisen, Goethe im Großen, und Menschen, wie zum Beispiel Kirchhoff, in einer mehr theoretischen Weise. Aber im Ganzen hat man eigentlich verlernt, die Aufmerksamkeit rein auf die Tatbestände zu richten. Und so hat man zum Beispiel im Sinne von Newton den Tatbestand aufgefasst, dass materielle Körper, die sich in der Nähe von anderen materiellen Körpern befinden, auf diese anderen materiellen Körper hinfallen unter entsprechenden Voraussetzungen. Man hat dieses zugeschrieben einer Kraft, die von dem einen Körper ausgeht und auf den anderen ausgeübt wird, der Schwerkraft. Sie können sich aber überlegen, so viel Sie wollen, und Sie werden niemals dasjenige, was man unter dem Worte Schwerkraft versteht, unter die Tatbestände rechnen können. Wenn ein Stein zur Erde fällt, so ist der Tatbestand lediglich der, dass er sich der Erde nähert. Sie sehen ihn an einem Orte, sehen ihn an einem zweiten Orte, an einem dritten Orte und so weiter. Wenn Sie sagen: Die Erde zieht den Stein an, so denken Sie zum Tatbestand etwas hinzu, Sie sprechen die Erscheinung, das Phänomen nicht mehr rein aus. Dies hat man sich immer mehr und mehr abgewöhnt, die Erscheinung rein auszusprechen; aber es kommt darauf an, die Erscheinung rein auszusprechen. Denn, sehen Sie, spricht man die Erscheinungen nicht rein aus, sondern geht man über zu erdachten Erklärungen, dann kann man die verschiedensten erdachten Erklärungen finden, die oftmals das Gleiche erklären.
[ 13 ] The confusion between what we perceive through our etheric body and what we perceive through our physical body has become a particularly serious problem for modern physics since the sixteenth century, and as a result, everything has gradually become blurred. For you see, people have forgotten—especially since physics gradually came under Newton’s influence, which is actually still effective today—how to state facts directly. Individual people have, of course, tried once again to point to the immediacy of the facts: Goethe on a grand scale, and people such as Kirchhoff, for example, in a more theoretical way. But on the whole, we have actually forgotten how to focus our attention purely on the facts themselves. And so, for example, in the spirit of Newton, we have interpreted the fact that material bodies located near other material bodies fall toward those other material bodies under certain conditions. This was attributed to a force emanating from one body and acting upon the other—gravity. But no matter how much you think about it, you will never be able to classify what is understood by the term “gravity” as a factual occurrence. When a stone falls toward the Earth, the fact is simply that it is approaching the Earth. You see it in one place, then in a second place, in a third place, and so on. When you say, “The Earth attracts the stone,” you are adding something to the fact; you are no longer describing the phenomenon purely. People have increasingly lost the habit of describing the phenomenon purely; but it is essential to describe the phenomenon purely. For, you see, if one does not describe the phenomena purely but instead resorts to imagined explanations, then one can find a wide variety of imagined explanations that often explain the same thing.


[ 14 ] Nehmen Sie also an, Sie haben zwei — meinetwillen — Weltenkörper, so können Sie sagen: Diese beiden Weltenkörper ziehen sich gegenseitig an; sie senden da so etwas Unbekanntes wie eine Kraft in den Raum hinaus und ziehen sich gegenseitig an. Sie brauchen aber nicht zu sagen: Diese Körper ziehen sich gegenseitig an, sondern Sie müssen sich sagen: Hier ist der eine Körper, hier ist der andere Körper, hier sind viele andere kleine Körperchen, meinetwillen sogar Ätherteilchen, hierzwischen auch; diese Ätherteilchen sind in Bewegung, bombardieren die beiden Weltenkörper, das bombardiert so hin, das so her, und was dazwischen ist, fliegt hin und her und bombardiert auch.
[ 14 ] So suppose you have two—for the sake of argument—celestial bodies; you can say: These two celestial bodies attract each other; they emit something unknown, like a force, into space and attract each other. But you don’t need to say: “These bodies attract each other,” but rather you must tell yourself: “Here is one body, here is the other body, here are many other tiny bodies—let’s say even ether particles—in between as well; these ether particles are in motion, bombarding the two celestial bodies—some flying this way, some that way—and whatever is in between flies back and forth and bombards them as well.”


[ 15 ] Nun ist die Angriffsfläche hier [da draußen] eine größere als die da [zwischen] drinnen. Daher wird da drinnen weniger bombardiert, außen wird mehr bombardiert. Die Folge davon ist, dass sich die Weltenkörper einander nähern, sie werden gegeneinandergestoßen durch den Unterschied, der besteht zwischen der Anzahl der Stöße, die zwischen drinnen ausgeführt werden, und der Anzahl der Stöße, die außen ausgeführt werden.
[ 15 ] Now, the target area here [out there] is larger than the one there [in between] inside. Therefore, there is less bombing inside and more bombing outside. The result of this is that the celestial bodies are drawing closer to one another; they are being pushed against each other by the difference between the number of impacts occurring inside and the number of impacts occurring outside.
[ 16 ] Es hat Menschen gegeben, die die Schwerkraft so erklärt haben, dass sic gesagt haben: Da ist eine Fernkraft, die die Körper anzieht —, und es hat Menschen gegeben, die gesagt haben: Das ist ein Unsinn. Es ist das ganz undenkbar, die Wirkung der Kraft in die Ferne anzunehmen. Also, nehmen wir an den Raum durch den Äther erfüllt, und nehmen wir dieses Bombardieren dazu, dann werden die Massen gegeneinandergesprudelt. Neben diesen Erklärungen gibt es noch alle möglichen Erklärungen. Es ist das nur ein Musterbeispiel, wie nicht gesehen wird heute auf das wirkliche Phänomen, sondern wie hinzugedacht werden allerlei Erklärungen. Was liegt aber dem eigentlich zugrunde? Ja, sehen Sie, dieses Hinzudenken von allerlei unbekannten Agenzien, illusorischen Energien, die allerlei tun, das erspart einem etwas. Selbstverständlich ist es ebenso hinzugedacht, was man hier als Stöße hinzutheoretisiert, wie dasjenige, was man als Fernkräfte hinzutheoretisiert. Aber es überhebt einem dieses Hinzudenken einer Annahme, die heute den Menschen furchtbar unangenehm ist. Denn sehen Sie, es ist immer so, dass man fragen muss, wenn da zwei unabhängige Weltenkörper voneinander sind, die sich nähern — die zeigen, dass es zu ihrer Wesenheit gehört, sich zu nähern — ja, dann muss etwas zugrunde liegen, was das Nähern bewirkt. Es muss irgendeine Begründung für das Nähern da sein.
[ 16 ] There have been people who explained gravity by saying: “There is a force acting at a distance that attracts bodies”—and there have been people who said: “That’s nonsense. It is completely unthinkable to assume that a force can act at a distance.” So, let’s assume that space is filled with ether, and let’s add this bombardment to the picture—then the masses are jostled against one another. In addition to these explanations, there are all sorts of other explanations. This is just a prime example of how, today, people do not look at the actual phenomenon, but instead conjure up all kinds of explanations. But what actually underlies this? Well, you see, this act of imagining all sorts of unknown agents—illusory energies that do all sorts of things—saves one some trouble. Of course, what is theorized here as “impulses” is just as much a figment of the imagination as what is theorized as “remote forces.” But this act of imagining spares one from having to accept an assumption that is terribly uncomfortable for people today. For you see, it is always the case that one must ask: if there are two independent celestial bodies approaching one another—which demonstrate that approaching one another is part of their very nature—then there must be something underlying that causes the approach. There must be some reason for the approach.
[ 17 ] Nun ist das Einfachere, man denkt Kräfte hinzu, als dass man sich sagt, es gibt noch einen anderen Weg, nämlich den Weg, die Weltenkörper nicht unabhängig voneinander zu denken. Wenn ich zum Beispiel die Hand an meine Stirne lege, so wird es mir nicht einfallen zu sagen: Meine Stirne zieht die Hand an, sondern ich werde sagen: Das ist ein innerer Akt, der ausgeübt wird durch dasjenige, was seelisch-geistig zugrunde liegt. Es ist eben meine Hand von meiner Stirne nicht unabhängig, das sind nicht eigentlich zwei Dinge, die Hand und die Stirne. Ich komme nur dazu, die Sache richtig zu betrachten, wenn ich mich als Ganzes betrachte. Ich betrachte nicht eigentlich eine Realität, wenn ich gehen würde und sagen würde: Da ist ein Kopf, da sind zwei Arme mit den Händen daran, da ist ein Rumpf, da sind zwei Beine. Nein, das ist keine vollständige Betrachtung, sondern eine vollständige Betrachtung ist es, wenn ich dem Dr. Steiner seinen einheitlichen Organismus schildere, wenn ich die Dinge so schildere, dass sie zusammengchören, das heißt, ich habe die Aufgabe, nicht bloß dasjenige, was ich sehe, zu schildern, sondern ich habe die Aufgabe, nachzudenken über die Realität desjenigen, was ich sehe. Dadurch, dass ich etwas sehe, ist es eben noch kein Reales.
[ 17 ] It is simpler to assume the existence of forces than to tell oneself that there is another way—namely, the way of not conceiving the celestial bodies as independent of one another. For example, when I place my hand on my forehead, it would not occur to me to say, “My forehead attracts my hand,” but rather I would say, “This is an inner act carried out by what underlies it psychologically and spiritually.” My hand is simply not independent of my forehead; the hand and the forehead are not actually two separate things. I can only come to view the matter correctly when I consider myself as a whole. I am not really observing reality if I were to go around saying: “There is a head, there are two arms with hands attached to them, there is a torso, there are two legs.” No, that is not a complete view; rather, a complete view is when I describe to Dr. Steiner his unified organism, when I describe things in such a way that they fit together—that is to say, my task is not merely to describe what I see, but to reflect on the reality of what I see. The mere fact that I see something does not make it real.
[ 18 ] Ich habe, weil ich solche Dinge oftmals auch in anderen Vorträgen andeutete, das Folgende wiederholt gesagt: Nehmen Sie einen Steinsalzwürfel. Dieser ist in gewisser Beziehung ein Ganzes — alles ist in gewisser Beziehung ein Ganzes. Er kann durch den Komplex desjenigen, was er ist innerhalb seiner sechs Flächen, kann er bestehen. Wenn Sie aber eine Rose anschauen, die Sie abgeschnitten haben, so ist diese Rose kein Ganzes; denn die kann nicht in derselben Weise durch den Komplex dessen, was in ihr ist, bestehen wie der Steinsalzwürfel, sondern die Rose kann nur bestehen dadurch, dass sie am Rosenstock ist. Daher ist die abgeschnittene Rose, obzwar Sie sie ebenso gut wahrnehmen wie den Steinsalzwürfel, eine reale Abstraktion, sie ist etwas, das für sich gar nicht als Realität angesprochen werden darf. Daraus folgt etwas außerordentlich Erhebliches, meine lieben Freunde; daraus folgt, dass wir jeder Erscheinung gegenüber nachforschen müssen, inwiefern sie eine Realität ist oder inwiefern sie nur etwas Herausgeschnittenes ist aus einem Ganzen. Wenn Sie die Sonne und den Mond oder die Sonne und die Erde für sich betrachten, so können Sie natürlich ebenso gut eine Schwerkraft hinzuerfinden, eine Gravitation, wie Sie eine Gravitation erfinden, dass meine Stirne die rechte Hand anzieht. Aber Sie betrachten Dinge, die kein Ganzes sind, sondern die Glieder des ganzen planetarischen Systems sind, wenn Sie die Sonne und die Erde und den Mond betrachten.
[ 18 ] Since I have often alluded to such things in other lectures as well, I have repeatedly said the following: Take a cube of rock salt. In a certain sense, it is a whole—everything is, in a certain sense, a whole. It can exist through the complex of what it is within its six faces. But when you look at a rose that you have cut off, that rose is not a whole; for it cannot exist in the same way through the totality of what is within it as the rock salt cube does, but the rose can only exist by being on the rosebush. Therefore, the cut rose—even though you perceive it just as clearly as the rock salt cube—is a real abstraction; it is something that cannot be regarded as reality in and of itself. From this follows something extraordinarily significant, my dear friends; it follows that we must examine every phenomenon to determine to what extent it is a reality or to what extent it is merely something cut out from a whole. If you consider the sun and the moon, or the sun and the earth, in isolation, you can of course just as easily invent a gravitational force as you can invent a gravitational force that causes my forehead to attract my right hand. But when you consider the sun, the earth, and the moon, you are considering things that are not a whole in themselves, but rather the components of the entire planetary system.
[ 19 ] Das, sehen Sie, ist das Wichtigste, dass man beobachtet, inwiefern etwas ein Ganzes ist oder aus einem Ganzen herausgeschnitten ist. Unzähliges, was eigentlich ganz irrtümlich ist, entsteht dadurch, dass man dasjenige, was nur eine Teilerscheinung ist in einem andern, als ein Ganzes betrachtet. Aber sehen Sie, man hat sich durch dieses Betrachten der Teilerscheinungen und durch das Hinzuerfinden der Energien erspart, das Leben des Planetensystems zu betrachten. Das heißt, man hat darnach gestrebt, dasjenige in der Natur, was Teil ist, wie ein Ganzes zu betrachten und dann alles dasjenige, was als Wirkungen entsteht, einfach durch Theorien entstehen zu lassen.
[ 19 ] You see, the most important thing is to observe to what extent something is a whole or has been cut out of a whole. Countless errors—which are actually entirely mistaken—arise from regarding what is merely a partial manifestation within another as a whole. But you see, by focusing on these partial manifestations and by inventing energies, people have spared themselves the task of observing the life of the planetary system. In other words, they have sought to regard that which is a part of nature as a whole, and then to allow all the resulting effects to arise simply through theories.
[ 20 ] Ich will dasjenige, was hier eigentlich vorliegt, Ihnen zusammenfassen mit dem Folgenden. sehen Sie, es kommt darauf an, dass wir uns bei allem, was uns in der Natur entgegentritt, fragen: Zu welchem Ganzen gehört es, oder ist es selbst ein Ganzes? — Und wir werden zuletzt nur in einer gewissen Beziehung Ganzheiten finden, denn auch ein Steinsalzwürfel ist nur in einer gewissen Beziehung eine Ganzheit, auch er kann nicht bestehen, ohne dass ein bestimmter Temperaturgrad da ist oder andere Verhältnisse da sind. Bei einem anderen Temperaturgrad würde er nicht bestehen können. Wir haben eigentlich überall die Notwendigkeit, nicht so zerstückelt die Natur zu betrachten, wie das gemeiniglich geschieht.
[ 20 ] I would like to summarize for you what is actually at issue here with the following. You see, it is essential that, with regard to everything we encounter in nature, we ask ourselves: To what whole does it belong, or is it itself a whole? — And ultimately, we will find wholes only in a certain sense, for even a cube of rock salt is a whole only in a certain sense; it, too, cannot exist without a certain temperature or other conditions being present. At a different temperature, it could not exist. In fact, we are constantly faced with the need not to view nature in such a fragmented way as is commonly done.
[ 21 ] Nun, sehen Sie, nur dadurch, dass man die Natur so zerstückelt betrachtet, ist man in die Lage gekommen seit dem sechzehnten Jahrhundert, jenes sonderbare Gebilde hinzustellen, das man universelle, unorganische, leblose Natur nennt. Diese unorganische, leblose Natur gibt es nämlich gar nicht, so wenig es Ihr Knochensystem ohne Ihr, sagen wir, Blutsystem gibt. Wie das Knochensystem sich nur herauskristallisiert aus Ihrem übrigen Organismus, so gibt es nicht die sogenannte unorganische Natur ohne die zugrunde liegende ganze Natur, ohne die seelische und geistige Natur. Diese leblose Natur ist das herausgegliederte Knochensystem der ganzen Natur, und es ist unmöglich, die unorganische Natur für sich selbst zu betrachten, wie man begonnen hat seit dem sechzehnten Jahrhundert, sie für sich selbst zu betrachten in der Newton’schen Physik. Aber diese Newton’sche Physik, sie ist darauf ausgegangen, so rein herauszuschälen diese sogenannte unorganische Natur. Diese ist nur vorhanden als unorganische Natur, wenn wir selbst Maschinen machen, wenn wir selbst aus den Teilen der Natur etwas zusammensetzen. Aber das ist radikal verschieden von dem, wie das sogenannte Unorganische in der Natur selbst drinnen steht. Es gibt ein einziges wirklich Unorganisches, das sind unsere Maschinen, und zwar nur insofern wir sie durch Kombination der Naturkräfte zusammenstellen. Eigentlich nur das Zusammengestellte daran ist das Unorganische. Ein anderes Unorganisches gibt es nur als Abstraktion. Aber aus dieser Abstraktion ist die moderne Physik entstanden. Sie ist nichts weiter als Abstraktion, die dasjenige, was sie abstrahiert hat, für eine Realität hält, und die dann alles, was sich ihr darbietet, nach ihrer theoretischen Annahme erklären will.
[ 21 ] Well, you see, it is precisely by viewing nature in such a fragmented way that, since the sixteenth century, we have come to construct that strange concept known as universal, inorganic, lifeless nature. This inorganic, lifeless nature does not actually exist any more than your skeletal system exists without your—let’s say—circulatory system. Just as the skeletal system emerges only from the rest of your organism, so there is no such thing as so-called inorganic nature without the underlying whole of nature, without the soul and spirit. This lifeless nature is the isolated skeletal system of the whole of nature, and it is impossible to consider inorganic nature in and of itself, as one has begun to do since the sixteenth century in Newtonian physics. But this Newtonian physics set out to isolate this so-called inorganic nature in such a pure form. This exists as inorganic nature only when we ourselves build machines, when we ourselves assemble something from the parts of nature. But this is radically different from how the so-called inorganic exists within nature itself. There is only one truly inorganic thing: our machines—and that is only insofar as we assemble them by combining the forces of nature. In fact, only the assembled part of it is inorganic. Any other form of the inorganic exists only as an abstraction. Yet modern physics arose from this abstraction. It is nothing more than an abstraction that regards what it has abstracted as reality, and that then seeks to explain everything that presents itself to it in accordance with its theoretical assumptions.
[ 22 ] Nun sehen Sie, in Wirklichkeit kann man aber eigentlich nicht anders, als sich seine Begriffe, seine Ideen bilden an demjenigen, was man äußerlich an der Sinneswelt gegeben hat. Nun hat man für ein Erscheinungsgebiet, ich möchte sagen, eine äußerst bequeme Tatsache gegeben: Wenn man eine Glocke anschlägt und etwa irgendeine leichte, bewegliche Vorrichtung in die Nähe der Glocke bringt, so kann man daran anschaulich machen, dass diese Glocke, welche tönt, auch in ihren Teilen schwingt. Wenn man einen Glockenton oder ein Pfeifenrohr nimmt, so kann man anschaulich machen, dass die Luft im Rohre schwingt, und man wird aus der Bewegung der Luft- oder Glockenteilchen einen Zusammenhang konstatieren können für die Tonerscheinungen, die Schallerscheinungen, zwischen den Schwingungen, die ein Körper macht oder die Luft, und den Wahrnehmungen des Tones. Für dieses Erscheinungsfeld liegt gewissermaßen offen zutage, dass wir es zu tun haben in der Umgebung mit Schwingungen, wenn wir Töne hören. Wir können uns sagen: Ohne dass die Luft in unserer Umgebung schwingt, werden wir nicht Töne hören. Es besteht also ein Zusammenhang — über ihn werden wir morgen noch sprechen — zwischen den Luftschwingungen und den Tönen.
[ 22 ] Now, you see, in reality, one really has no choice but to form one’s concepts and ideas based on what is given externally in the sensory world. Now, for one area of phenomena—I would say—there is an extremely convenient fact: If you ring a bell and bring some light, movable device near the bell, you can use it to demonstrate that this bell, which is ringing, also vibrates in its parts. If one takes the sound of a bell or a whistle tube, one can demonstrate that the air within the tube vibrates, and from the movement of the air or bell particles, one can establish a connection—for the phenomena of sound—between the vibrations produced by a body or by the air and the perception of the sound. In this field of phenomena, it is, so to speak, self-evident that we are dealing with vibrations in our surroundings when we hear sounds. We can say to ourselves: Without the air in our surroundings vibrating, we would not hear any sounds. There is therefore a connection—which we will discuss further tomorrow—between the vibrations of the air and the sounds.
[ 23 ] Nun sehen Sie, wenn man nun so ganz abstrakt vorgeht, so kann man sagen: Man nimmt den Ton durch die Gehörorgane wahr. An das Gehörorgan stoßen die Luftschwingungen auf. Wenn sie aufstoßen, so nimmt man den Ton wahr. Und nun kann man, da das Auge doch auch ein Sinnesorgan ist, durch das Auge die Farben wahrnehmen und sagen: Da muss etwas Ähnliches vorliegen, also muss da auch irgendetwas von einer Schwingung anschlagen an das Auge. Aber die Luft kann es nicht sein, das stellt sich sehr bald heraus. So ist es der Äther. Also, man bildet, ich möchte sagen, durch ein reines Analogiespiel die Vorstellung aus: Wenn die Luft an unser Ohr anschlägt und wir einen Ton empfinden, so besteht ein Zusammenhang zwischen der schwingenden Luft und der Tonempfindung. Wenn der hypothetische Äther mit seinen Schwingungen an unser Auge anstößt, so vermittelt sich in ähnlicher Weise eine Lichtempfindung durch diesen schwingenden Äther. Wie er schwingt, dieser Äther, darauf sucht man zu kommen durch Erscheinungen, wie wir sie experimentell in diesen Vorträgen kennengelernt haben. Das heißt, man denkt sich eine Ätherwelt und rechnet aus, wie es in diesem Äthermeer zugehen soll. Man rechnet etwas aus, was sich auf irgendeine Entität bezieht, die man selbstverständlich nicht wahrnehmen kann, die man nur theoretisch annehmen kann.
[ 23 ] Now, if we take a completely abstract approach, we can say: We perceive sound through the organs of hearing. Air vibrations strike the organs of hearing. When they strike, we perceive the sound. And now, since the eye is also a sensory organ, we can perceive colors through the eye and say: There must be something similar at work here, so something vibrating must also be striking the eye. But it cannot be the air; that becomes clear very quickly. So it must be the ether. So, one forms—I would say—the concept through a pure exercise in analogy: When the air strikes our ear and we perceive a sound, there is a connection between the vibrating air and the perception of sound. When the hypothetical ether strikes our eye with its vibrations, a perception of light is conveyed in a similar way through this vibrating ether. How this ether vibrates is what we seek to determine through phenomena such as those we have come to know experimentally in these lectures. That is to say, we conceive of an etheric world and calculate how things should proceed within this sea of ether. We calculate something that relates to some entity which, of course, we cannot perceive, but can only assume theoretically.
[ 24 ] Nun ist, wie Sie schon aus den Kleinigkeiten gesehen haben, die wir experimentell durchgemacht haben, nun ist dasjenige, was innerhalb der Lichtwelt vorgeht, etwas außerordentlich Kompliziertes, und bis in gewisse Zeiten der neueren physikalischen Entwicklung hat man angenommen, hinter all dem, oder eigentlich in all dem, müsste man sagen, was sich da als Lichtwelt, als Farbenwelt auslebt, ist ein schwingender Äther, ein feiner elastischer Stoff. Da man die Gesetze, wonach elastische Körper aufeinander aufprallen und sich abstoßen, leicht kennen kann, so kann man berechnen, was da diese kleinen schwingenden Kobolde im Äther tun, indem man sie einfach als elastische kleine Körper betrachtete, indem man den Äther gewissermaßen als etwas in sich Elastisches sich vorstellte. Man kann da kommen bis zu Erklärungen jener Erscheinungen, die wir uns vorgeführt haben, wo wir ein Spektrum bilden. Es werden einfach verschiedene Arten von Ätherschwingungen auseinandergelöst, die dann in den verschiedenen Farben uns erscheinen. Man kann auch durch ein gewisses Rechnen dahin kommen, jenes Auslöschen, das wir uns vorgestern vorgeführt haben, zum Beispiel der Natriumlinie, sich aus der Elastizität des Äthers heraus begreiflich zu machen. Nun aber sind in der neueren Zeit zu diesen Erscheinungen andere hinzugetreten. Man kann ein Lichtspektrum entwerfen, die Natriumlinie darinnen auslöschen oder erzeugen — wie Sie wollen —, die schwarze Linie erzeugen, und man kann dann außerdem, dass man dann diesen ganzen Komplex erzeugt hat, man kann auch noch in den Lichtzylinder in einer bestimmten Weise den Elektromagneten hineinwirken lassen, und siehe da, es geschieht eine Wirkung von dem Elektromagneten auf die Lichterscheinung. Die Natriumlinie wird an ihrer Stelle ausgelöscht und zwei andere zum Beispiel entstehen, rein durch die Wirkung der Elektrizität, die immer etwas mit magnetischen Wirkungen verknüpft ist. Also, es entsteht eine Wirkung desjenigen, was wir als elektrische Kräfte beschrieben bekommen, auf jene Vorgänge, die man als Lichterscheinungen sieht und hinter denen man sich den bloßen [mechanisch aufgefassten] elastischen Äther denkt. Dass man da die Wirkung der Elektrizität auf diese Lichterscheinung wahrgenommen hart, das führte nun dazu, eine Verwandtschaft anzunehmen zwischen den Licht- und den magnetisch-elektrischen Erscheinungen. So ist in der neueren Zeit ein wenig Erschütterung gekommen. Früher konnte man sich aufs Faulbett legen, weil man diese Wechselwirkung noch nicht wahrgenommen hatte. Jetzt aber musste man sich sagen: Es muss das eine mit dem anderen etwas zu tun haben. — Das hat dazu geführt, dass eine große Anzahl von Physikern gegenwärtig in diesem, was sich da als Licht ausbreitet, auch eine elektromagnetische Wirkung sehen, dass es eigentlich elektromagnetische Strahlen sind, was da durch den Raum geht.
[ 24 ] Now, as you have already seen from the minor details we have gone through experimentally, what takes place within the world of light is something extraordinarily complex, and up until certain periods in the recent development of physics, it was assumed that behind all of this—or rather, within all of this, one might say—what manifests itself as the world of light, as the world of colors, there is a vibrating ether, a fine, elastic substance. Since the laws governing how elastic bodies collide with and repel one another are easily understood, one can calculate what these tiny vibrating sprites are doing in the ether by simply regarding them as small elastic bodies, by conceiving of the ether, so to speak, as something inherently elastic. This approach can lead to explanations of the phenomena we demonstrated when we produced a spectrum. It is simply a matter of separating out different types of ether vibrations, which then appear to us as different colors. Through certain calculations, one can also come to understand—for example—the extinction of the sodium line that we demonstrated the day before yesterday as arising from the elasticity of the ether. Recently, however, other phenomena have been added to these. One can construct a light spectrum, extinguish or produce the sodium line within it—as you wish—produce the black line, and then, having created this entire complex, one can also allow the electromagnet to act upon the light cylinder in a certain way, and lo and behold, the electromagnet exerts an effect on the light phenomenon. The sodium line is extinguished in its place, and two others, for example, arise—purely through the action of electricity, which is always linked to magnetic effects. Thus, there is an effect of what we have been taught to describe as electrical forces on those processes that are observed as light phenomena and behind which one conceives of the mere [mechanically conceived] elastic ether. The fact that the effect of electricity on these light phenomena had been observed led to the assumption of a relationship between light phenomena and magneto-electric phenomena. This has caused a bit of a stir in recent times. In the past, one could rest easy because this interaction had not yet been observed. But now one had to admit: The one must have something to do with the other. — This has led to a large number of physicists currently seeing an electromagnetic effect in what propagates as light—that what actually travels through space are electromagnetic rays.
[ 25 ] Nun denken Sie sich, was da passiert ist. Da ist Folgendes passiert: Man hat früher angenommen, man weiß, was hinter den Licht- und Farbenerscheinungen ist: Schwingungen, Undulationen im [mechanisch aufgefassten] elastischen Äther. Jetzt ist es [dahin] gekommen dadurch, dass man die Wechselwirkungen zwischen Licht und Elektrizität kennengelernt hat, dass man das, was da eigentlich schwingt, als Elektrizität ansehen muss, als fortstrahlende Elektrizität — bitte fassen Sie die Sache ganz genau!
[ 25 ] Now imagine what happened there. Here’s what happened: It used to be assumed that we knew what lay behind the phenomena of light and color: vibrations, undulations in the [mechanically conceived] elastic ether. Now, as a result of our understanding of the interactions between light and electricity, we have come to the conclusion that what is actually oscillating must be regarded as electricity—as radiating electricity. Please understand this point very clearly!
[ 26 ] Das Licht, die Farben will man erklären. Diese führt man zurück auf schwingenden Äther. Da geht etwas durch den Raum. Jetzt glaubte man, man hätte gewusst, was das Licht eigentlich ist — Schwingungen des elastischen Äthers. Jetzt kam man in die Notwendigkeit zu sagen: Was aber die Schwingungen des elastischen Äthers sind, sind elektrisch-magnetische Strömungen. Nun weiß man sogar genauer als früher, was das Licht ist. Es sind elektrisch-magnetische Strömungen; nur weiß man nicht, was diese elektrisch-magnetischen Strömungen sind. Man hat also den schönen Weg gemacht, eine Hypothese anzunehmen, das Sinnliche durch das unbekannte Übersinnliche des undulierenden Äthers zu erklären. Man ist nach und nach gezwungen worden, dieses Übersinnliche wiederum auf ein Sinnliches zurückzuführen, aber sich zu gleicher Zeit zu gestehen, dass man nicht weiß, was das nun ist. Es ist in der Tat ein höchst interessanter Weg, der da beschritten worden ist von einem hypothetischen Suchen eines Unbekannten zu dem Erklären dieses Unbekannten durch ein anderes Unbekanntes. Der Physiker Kirchhoff hat sich eigentlich entsetzt gesagt: Wenn diese neueren Erscheinungen notwendig machen, dass man an den Äther mit seinen Schwingungen nicht mehr glauben kann, dann ist das kein Vorteil für die Physik, und Helmholtz zum Beispiel, als er diese Erscheinungen kennenlernte, der sagte: Gut, man kommt natürlich nicht darüber hinweg, das Licht als eine Art elektrisch-magnetischer Strahlung zu betrachten und dann muss man halt diese wieder zurückführen auf die Schwingungen des elastischen Äthers. Zuletzt wird es doch so kommen. — Das Wesentliche ist, dass man eine ehrliche Undulationserscheinung, das Schwingen der Luft, wenn wir Töne wahrnehmen, rein analogisch übertragen hat in ein Gebiet hinein, in dem die ganze Annahme eben durchaus eine hypothetische ist.
[ 26 ] People wanted to explain light and colors. These were attributed to oscillations in the ether. Something was moving through space. At that time, people believed they knew what light actually was—oscillations of the elastic ether. Now it became necessary to say: But what these vibrations of the elastic ether are, are electromagnetism. Now we know even more precisely than before what light is. It consists of electromagnetism; only we do not know what this electromagnetism is. So we have taken the elegant path of adopting a hypothesis to explain the sensible world through the unknown supersensible realm of the undulating ether. Little by little, one has been forced to trace this “super-sensible” back to something “sensible,” while at the same time admitting that one does not know what that actually is. It is indeed a highly interesting path that has been taken—from a hypothetical search for the unknown to the explanation of this unknown through another unknown. The physicist Kirchhoff actually exclaimed in horror: If these recent phenomena make it impossible to continue believing in the ether and its vibrations, then that is no benefit to physics; and Helmholtz, for example, when he became acquainted with these phenomena, said: “Well, of course one cannot avoid regarding light as a kind of electromagnetic radiation, and then one must simply trace this back to the vibrations of the elastic ether.” Ultimately, that is how it will turn out. — The essential point is that a genuine undulatory phenomenon—the oscillation of the air when we perceive sounds—has been transferred, purely by analogy, into a realm where the entire assumption is, in fact, entirely hypothetical.
[ 27 ] Ich musste Ihnen diese prinzipielle Auseinandersetzung geben, damit wir nun rasch hintereinander durchlaufen können das Wichtigste, was uns die Erscheinungen darbieten, die wir dann betrachten wollen. Ich habe vor, in den Stunden, die noch bleiben, nachdem wir uns diese Untergrundlage jetzt gebildet haben, mit Ihnen zu besprechen die Schallerscheinungen, die Wärmeerscheinungen und die elektromagnetischen Erscheinungen und dasjenige, was diese [Erscheinungen an] Erklärungen wiederum zurückwerfen auf die optischen Erscheinungen.
[ 27 ] I had to present this discussion of principles to you so that we can now quickly go through the most important aspects of the phenomena we intend to examine. In the remaining sessions, now that we have established this foundation, I plan to discuss with you the phenomena of sound, heat, and electromagnetism, as well as how these phenomena, in turn, point back to the optical phenomena.
