Natural Science
and the Historical Development of Humanity
since Ancient Times
GA 325
24 May 1921, Dornach
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Natural Science, tr. SOL
6. Die Naturwissenschaft und die weltgeschichtliche Entwickelung der Menschheit seit dem Altertum IV
6. The Natural Sciences and the Development of Humanity IV
[ 1 ] Es dürfte wohl das 4. nachchristliche Jahrhundert aus unseren Betrachtungen als ein besonders bedeutsamer Einschnitt in die Menschheitsentwickelung sich ergeben haben, und ich möchte mit ein paar Worten noch einmal darauf zurückkommen, was eigentlich in diesem 4. Jahrhundert vorgelegen hat.
[ 1 ] It would seem that, based on our observations, the 4th century A.D. emerged as a particularly significant turning point in human development, and I would like to return briefly to what actually took place in that 4th century.
[ 2 ] Ein charakteristischer Geist dieses 4. Jahrhunderts ist ja Augustinus, und wenn wir Augustinus betrachten, so haben wir so recht einen Repräsentanten dieses Zeitabschnittes vor uns. Augustinus weist ja gewissermaßen mit einem Teil seines Wesens, den er vorzugsweise in der Jugend ausgelebt hat und in seinen frühen Lebensjahren, ganz deutlich zurück nach der alten Bildung. Und dann ist bei ihm ein ziemlich schroffer Übergang zu verzeichnen, der ihn zu einer absoluten Unterwerfung unter die römisch-katholische Kirche führte, so daß ja Augustinus derjenige geworden ist, der in gewisser Beziehung Wissen, Erkenntnis für sich abgesetzt hat und innerlich subjektiv praktisch mit den Glaubensbegriffen völligen Ernst gemacht hat, indem er sich zu der Meinung, zu der Anschauung bekannte, daß er zwar nicht einsehe, was eigentlich die Grundlage der Wahrheit sei, die er anerkennen solle, und daß er sich zu der Wahrheit, zu der er sich zuletzt entschlossen hatte, eben nur deshalb bekenne, weil die katholische Kirche sie zu glauben vorschreibt. Zu dieser Meinung ist Augustinus durch harte Lebenskämpfe gekommen. Er huldigte eine gewisse Zeit hindurch jener Lehre, welche man als Manichäismus bezeichnet, der orientalisierenden Lehre des Mani. Diese Lehre gehört zu denjenigen, die ich von einer gewissen Seite hier schon in diesen Abendbetrachtungen charakterisiert habe. Ich sagte: Immer wiederum tauchen aus den Zeiten, die wir als indischen, persischen, chaldäisch-ägyptischen Zeitraum ansehen gelernt haben, aus diesen uralten Zeiten tauchen Anschauungen auf als eine Art Reaktion gegen das, was sich aufbaut aus der Entwickelung der vorzugsweise intellektualistischen Fähigkeit der Menschheit. Die Manichäerlehre war eine solche. Es ist ja nun einmal so, da? dazumal schon in den Zeiten, in denen Augustinus in seiner afrikanischen Heimat bekanntgeworden ist mit der Manichäerlehre, solche Anschauungen eigentlich in einer etwas zweifelhaften Art auftraten. Augustinus war ja zunächst ganz gefangengenommen von der Manichäerlehre. Dann aber ist er in Berührung gekommen mit einem Bischof der Manichäer, Faustus, und die ganze Art und Weise, wie dieser Mann die Manichäerlehre vertreten hat, widerte dann Augustinus an. Man muß aber doch durch vieles, was ganz gewiß nicht nur als seichte Dialektik, sondern vielleicht als phrasenhafte Rederei dem Augustinus entgegengetreten ist, auf etwas Kernhaftes in dieser Manichäerlehre blicken, und dieses Kernhafte wird man innerlich auch nur verstehen, wenn man sich von den Gesichtspunkten, die hier in diesen Betrachtungen geltend gemacht worden sind, dieser Manichäerlehre nähert.
[ 2 ] Augustine is, after all, a defining figure of the 4th century, and when we consider Augustine, we truly have before us a representative of that era. Augustine, in a sense, points quite clearly back to classical education with a part of his being that he lived out primarily in his youth and early years. And then there is a rather abrupt transition in his life that led him to absolute submission to the Roman Catholic Church, so that Augustine became the one who, in a certain sense, set knowledge, insight for himself and, subjectively and practically, took the concepts of faith completely seriously, by professing the opinion, the view, that although he did not understand what the actual foundation of the truth he was to acknowledge was, he professed the truth he had ultimately decided upon solely because the Catholic Church prescribes belief in it. Augustine arrived at this view through arduous life struggles. For a certain time, he adhered to the doctrine known as Manichaeism, the Eastern-influenced teaching of Mani. This doctrine belongs to those that I have already characterized from a certain perspective here in these evening reflections. I said: Time and again, from the eras we have come to regard as the Indian, Persian, and Chaldean-Egyptian periods—from these ancient times—worldviews emerge as a kind of reaction against what arises from the development of humanity’s primarily intellectual capacity. The Manichaean doctrine was one such example. It is simply the case that—even back then, in the times when Augustine first became acquainted with the Manichaean doctrine in his African homeland—such views actually arose in a somewhat dubious manner. Augustine was, after all, initially completely captivated by the Manichaean doctrine. But then he came into contact with a Manichaean bishop, Faustus, and the very manner in which this man represented Manichaeism then repelled Augustine. Nevertheless, one must look beyond much of what Augustinus encountered—which was certainly not merely shallow dialectics but perhaps rather rhetorical posturing—to discern something essential in this Manichaean doctrine, and this essential core can only be truly understood if one approaches Manichaean doctrine from the perspectives that have been put forward here in these reflections.
[ 3 ] Es ist ja von den wahren Urkunden solcher Lehren der Menschheit der neueren Zeit im Grunde genommen nicht viel erhalten geblieben; es ist nur das erhalten geblieben, was zitiert haben die christlichen Lehrer der ersten Jahrhunderte und was sie dann bekämpft haben. Es ist also eigentlich Wichtigstes aus den alten Zeiten nur durch die Zitate der Gegner auf die spätere Nachwelt gekommen. Aber vielleicht wird derjenige, der sich hineinempfinden kann in solche Dinge, gerade aus dem besonderen Verhalten des Augustinus zur Manichäerlehre auch etwas verspüren von dem Wesen dieser Lehre selber. Augustinus wendet sich ab von der Manichäerlehre aus dem Grunde, weil er sagt, er habe die Wahrheit gesucht, die Wahrheit gesucht in der Sonne, in den Sternen, den Wolken, den Flüssen, den Quellen, den Bergen, in den pflanzlichen, in den tierischen Wesen, kurz in alledem, was ihm als Sichtbares entgegentreten konnte. Er habe sie da nicht gefunden, denn alles das hätte ihm doch nur äußerlich Materielles dargeboten, er aber suche nach dem Geistigen. Nun hat sich dann Augustinus gewandt von der Manichäerlehre zum Neuplatonismus, den ich Ihnen ja auch schon von einer gewissen Seite her charakterisiert habe. Der Neuplatonismus wandte sich ab von der sinnlichen Außenwelt. Er berücksichtigte sie wenig und wollte in seinem Inneren in einer Art mystischer Abstraktion sich mit dem All-Einen verbinden. Das ist es, was dann Augustinus in seinem späteren Lebensalter angezogen hat, und in dem, was er gegen die Manichäerlehre vorbringt, steckt schon, was er sich anerzogen hat durch sein Hineinleben in den Neuplatoniismus, in die ungegenständliche, unmaterielle, unsinnliche, abstrakte Welt. Der Welt gegenüber, in die er sich nun hineinversetzte, erschien ihm das, was ihm der Manichäismus bieten konnte, eben nur gewissermaßen wie ein Registrieren der äußeren, materiellen Dinge, die dann als das Göttliche ausgegeben werden.
[ 3 ] In fact, not much has survived of the authentic records of such teachings from modern times; all that remains is what the Christian teachers of the first centuries quoted and what they subsequently opposed. Thus, the most important aspects of those ancient times have actually been passed down to later generations only through the quotations of their opponents. But perhaps those who can empathize with such matters will, precisely through Augustine’s particular attitude toward Manichaean doctrine, also sense something of the essence of that doctrine itself. Augustine turned away from Manichaean doctrine because, as he says, he had sought the truth—sought it in the sun, in the stars, the clouds, the rivers, the springs, the mountains, in plants and animals—in short, in everything visible that presented itself to him. He did not find it there, for all of that would have offered him only external, material things, whereas he was seeking the spiritual. Augustine then turned from Manichaeism to Neoplatonism, which I have already characterized for you from a certain perspective. Neoplatonism turned away from the sensory external world. It paid little attention to it and sought, within itself, to unite with the One through a kind of mystical abstraction. This is what ultimately attracted Augustine in his later years, and what he puts forward against Manichaean doctrine already contains what he had cultivated through his immersion in Neoplatonism—in the non-concrete, immaterial, non-sensory, abstract world. In contrast to the world into which he now immersed himself, what Manichaeism had to offer him seemed, in a sense, merely like a cataloging of external, material things that were then passed off as the divine.
[ 4 ] Aber derjenige, der heute zur Geisteswissenschaft kommt, der wird erst lernen, diese Dinge in der richtigen Weise zu sehen. Betrachten wir einmal vom Standpunkt heutiger Geisteswissenschaft, was da eigentlich vorliegen mag. Ich habe Ihnen ja charakterisiert: Steigt man auf zum imaginativen, zum inspirierten Erkennen, dann lernt man allmählich die inneren Organe des Menschen kennen, konkret kennen, und es ergibt sich nicht jene mystische Nebelwelt, von der so viele falsche Mystiker träumen, sondern es ergibt sich ein sachliches Durchschauen der inneren Organik des Menschen. Gerade indem man diese innere Organik des Menschen als ein Ergebnis des Geistes auffaßt, indem man sie geistig durchschauen kann, lernt man sie als Materielles kennen. Ich will Ihnen ein Beispiel dafür anführen. Sagen wir, ein mehr abstrakt denkender Mensch lernt einen sogenannten Hypochonder kennen. Ein abstrakt denkender Mensch wird leicht von einem Hypochonder sagen: Dem fehlt ja eigentlich physisch nichts Besonderes, er ist nur seelisch krank. Er versetzt sich zu stark immerfort in sein eigenes Inneres, er lebt sich gewissermaßen ganz in eine Selbstbetrachtung hinein, beurteilt dadurch die Dinge der Außenwelt falsch, beurteilt sie oftmals so, wie wenn sie ihn verfolgten oder dergleichen. Jedenfalls aber kommt er dadurch in ein falsches Verhältnis zur Außenwelt. — Und so kommt der abstrakte Mensch leicht dazu, zu sagen: Dem Hypochonder fehlt ja physisch eigentlich nichts, er ist nur seelisch krank. — Eine solche Abstraktion kommt dadurch zustande, daß man eben noch nicht hineinsieht in das eigentliche innere Gefüge der menschlichen Organisation. Dieses innere Gefüge der menschlichen Organisation ist ja so, daß der Mensch ein dreigliedriges Wesen ist. Da haben wir die Kopforganisation, die dann allerdings, wie ich öfters ausgeführt habe, über den ganzen Organismus sich erstreckt, aber deren hauptsächlichster Sitz im Kopf ist und daher nach ihm bezeichnet wird; da haben wir die rhythmische Organisation der Brustorgane, welche die Atmung, die Blutzirkulation umschließt, und da haben wir alles das, was im Stoffwechselorganismus und dem damit im Zusammenhang stehenden Gliedmaßenorganismus besteht.
[ 4 ] But anyone who turns to spiritual science today will first have to learn to see these things in the right way. Let us consider, from the standpoint of modern spiritual science, what might actually be involved here. As I have already described to you: When one ascends to imaginative, inspired cognition, one gradually comes to know the inner organs of the human being—to know them concretely—and what emerges is not that mystical world of mist of which so many false mystics dream, but rather a clear, objective understanding of the inner organic structure of the human being. Precisely by understanding this inner organic structure of the human being as a product of the spirit—by being able to perceive it spiritually—one comes to know it as something material. Let me give you an example of this. Suppose a person who thinks more abstractly encounters a so-called hypochondriac. A person who thinks abstractly will easily say of a hypochondriac: “There’s actually nothing physically wrong with him; he’s just mentally ill.” He constantly immerses himself too deeply in his own inner world; he lives, as it were, entirely in self-contemplation, and as a result misjudges the things of the external world, often perceiving them as if they were persecuting him or something of the sort. In any case, this leads them to develop a distorted relationship with the outside world. — And so the abstract thinker is quick to say: “The hypochondriac isn’t actually physically ill; they’re just mentally ill.” — Such an abstraction arises precisely because one has not yet gained insight into the actual inner structure of the human organism. This inner structure of the human organism is such that the human being is a threefold being. There is the head organization, which, as I have often explained, extends throughout the entire organism, but whose primary seat is in the head and is therefore named after it; then there is the rhythmic organization of the chest organs, which encompasses respiration and blood circulation; and finally, there is everything that constitutes the metabolic organism and the associated limb organism.
[ 5 ] Nun ist die Sache so, daß in der Kopforganisation die einzelnen Organe der Außenwelt zugewendet sind und dadurch äußere Sinnesorgane sind. Aber auch in den übrigen Gliedern des menschlichen Organismus finden wir, daß die Organe neben dem, daß sie Verdauungsorgane sind, zugleich in einer gewissen Beziehung Sinnesorgane sind, und wir finden eine Art Korrespondenz, eine Art Polarität zwischen den Kopforganen und den Organen des Stoffwechsels. Die Organe des Stoffwechsels sind auch Sinnesorgane, nur sind sie Sinnesorgane, welche nicht nach außen gerichtet sind, sondern nach den Vorgängen innerhalb der menschlichen Haut. Und so finden wir zum Beispiel, daß der Mensch in seiner Kopforganisation, nach außen gerichtet, das Geruchsorgan hat; mit dem riecht er, was in seiner Umgebung außen ist. Diesem Geruchsorgan korrespondiert unter den Verdauungsorganen die Leber. Die Leber riecht gewissermaßen, was im Inneren des Menschen, in ihrer Umgebung ist. Nicht wahr, über diese Dinge muß ganz objektiv gesprochen werden, wenn man überhaupt zur Erkenntnis aufsteigen will.
[ 5 ] The fact is that, in the head organization, the individual organs are oriented toward the external world and are therefore external sense organs. But even in the other parts of the human organism, we find that the organs—in addition to being digestive organs—are also, in a certain sense, sensory organs, and we find a kind of correspondence, a kind of polarity, between the organs of the head and the organs of metabolism. The organs of metabolism are also sense organs; they are simply sense organs that are not directed outward, but toward the processes taking place within the human body. And so we find, for example, that in the human head, which is directed outward, there is the organ of smell; with it, a person smells what is in their external surroundings. Among the digestive organs, the liver corresponds to this organ of smell. The liver, so to speak, “smells” what is inside the human being, in its internal environment. Is it not true that we must speak quite objectively about these things if we are to rise to true understanding at all?
[ 6 ] Nun, sehen Sie, Sie müssen also dahin das Augenmerk lenken, daß, was gewissermaßen Verhältnis des Geruchsorganes zur Außenwelt ist, dem Verhältnis der Leber zu den inneren menschlichen Vorgängen entspricht. Nun ist bei einem Hypochonder immer die Leber nicht in Ordnung, ganz einfach als, wenn Sie wollen, physisches Organ nicht in Ordnung. Das ist es gerade, was bei der Geisteswissenschaft auftritt, daß sie nicht nur etwa in ein nebuloses Geisterreich hinaufführt, sondern daß sie durch die Anwendung ihrer Methoden gerade auch das Materielle in seiner Wesenheit erkennt, daß sie also hineinschauen kann in die Funktionen des Materiellen. Und dadurch, daß gewöhnlich Leberleiden mit sehr geringen oder gar keinen Schmerzen verbunden sind, tritt das nicht als physisch wahrnehmbare Krankheit auf, sondern es tritt eben als seelisches Erlebnis auf, wenn die Leber nicht in Ordnung ist und daher falsch nach innen riecht. Der Hypochonder ist für den, der die Dinge wirklich durchschaut, kein anderer als derjenige, dessen Leber nicht in Ordnung ist und der daher innerlich das, was sie ja sehr leicht als nicht gerade sympathisch Riechendes empfindet, nicht in normaler Weise, sondern in zu sensitiver Weise mit seiner kranken Leber beriecht. Er beriecht sich fortwährend in seinem Inneren, und dieses Beriechen, das ist es, was eigentlich zugrunde liegt der hypochondrischen Seelenanlage. Sie sehen, als nebulose Mystik kann man Geisteswissenschaft nicht charakterisieren, denn sie führt zu einer wirklich objektiven Erkenntnis auch des Materiellen. Gerade der Materialismus kommt nicht auf diese Dinge, weil er sie immerfort nur in abstrakten Formen betrachtet. Die imaginative und inspirierte Erkenntnis erklärt die sogenannten Geisteskrankheiten eigentlich immer aus ihren physischen Grundlagen heraus. Viel mehr hat man noch Veranlassung vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus, die sogenannten physischen Krankheiten vom geistigen Standpunkte aus zu erklären, als die sogenannten Geisteskrankheiten. Die Geisteskrankheiten sind in der Regel die allerphysischsten, das heißt, die allerphysischsten Ursachen liegen ihnen in der Regel zugrunde. Und so muß man sich klar sein darüber, daß derjenige, der das Geistige der Welt durchschaut, auch zu einer Anerkennung des Wirkens des Geistigen im Materiellen kommt. Er sieht nicht die Leber bloß als dasjenige an, als was sie sich darstellt gegenüber dem Anatomen, der die Leichen seziert, sondern er sieht die Leber als ein innerlich gebildetes Organ an, welches in seiner äußeren Form abweicht von dem Geruchsorgan, dennoch aber eine Metamorphose dieses Geruchsorganes darstellt. Und so wird sich vielfach dasjenige, was der Geistesforscher zu sagen hat über die materielle Welt, weil er diese, ich möchte sagen, auf ihre geistigen Ursachen zurückführt, so ausnehmen, daß er gerade auf die Offenbarungen des Materiellen hinweist, weil man viel mehr durch die Offenbarung des Materiellen das Geistige erkennt als durch alle möglichen mystischen Schwärmereien und mystisch-nebulosen sogenannten Versenkungen in das Innere. Sie entspringen ja alle im Grunde genommen nur einer gewissen Abneigung, sich mit wirklicher Erkenntnis zu befassen und dafür ins Innere hineinzubrüten, was ja auch von nichts anderem herrührt als von einer gewissen Anlage physischer Organe. Mystik in nebulosem Sinne zu betreiben ist selber eine Art von Geisteskrankheit auf physischer Grundlage.
[ 6 ] Well, you see, you must therefore direct your attention to the fact that what is, so to speak, the relationship of the olfactory organ to the outside world corresponds to the relationship of the liver to the internal human processes. Now, in a hypochondriac, the liver is always out of order—quite simply, if you will, the physical organ is out of order. This is precisely what occurs in spiritual science: it does not merely lead one up into some nebulous spiritual realm, but through the application of its methods, it also recognizes the material in its very essence—that is, it can look into the functions of the material. And because liver ailments are usually associated with very little or no pain at all, this does not manifest as a physically perceptible illness, but rather as a psychological experience when the liver is not functioning properly and therefore emits an unpleasant odor inwardly. To those who truly see through things, the hypochondriac is none other than someone whose liver is not functioning properly and who therefore perceives internally—not in the normal way, but in an overly sensitive manner—what he very easily senses as a rather unpleasant odor emanating from his diseased liver. He constantly “smells” within himself, and this “smelling” is what actually underlies the hypochondriacal disposition. You see, spiritual science cannot be characterized as nebulous mysticism, for it leads to a truly objective understanding of the material realm as well. Materialism, in particular, fails to grasp these things because it constantly views them only in abstract forms. Imaginative and inspired insight actually always explains so-called mental illnesses from their physical foundations. From the standpoint of spiritual science, there is even more reason to explain so-called physical illnesses from a spiritual perspective than there is for so-called mental illnesses. Mental illnesses are, as a rule, the most physical of all; that is to say, they are generally rooted in the most physical of causes. And so one must be clear that whoever penetrates the spiritual nature of the world also comes to recognize the workings of the spiritual in the material. He does not view the liver merely as what it appears to be to the anatomist who dissects corpses, but rather as an organ formed from within, which, while differing in its external form from the olfactory organ, nevertheless represents a metamorphosis of that olfactory organ. And so, in many cases, what the spiritual researcher has to say about the material world—because he I might say, traces back to its spiritual causes—be taken to mean that he is pointing specifically to the manifestations of the material world, because one recognizes the spiritual far more through the manifestation of the material than through all manner of mystical ramblings and so-called mystical, nebulous “immersions into the inner self.” After all, they all stem, when it comes down to it, merely from a certain aversion to engaging with true knowledge and, instead, brooding inwardly—which, of course, arises from nothing other than a certain predisposition of the physical organs. Practicing mysticism in a nebulous sense is itself a kind of mental illness with a physical basis.
[ 7 ] Sehen Sie, so etwas wie das Schauen des Geistigen im Materiellen, das trat dem Augustinus im Manichäismus entgegen. Er war aber schon zu sehr hineingeboren — er hatte ja bekanntlich die griechische Mutter Monika — in die Sehnsucht, aus dem Physischen herauszukommen, als daß er dabei hätte bleiben können. Daher wandte er sich an den Neuplatonismus, und auf diesem Umwege über den Neuplatonismus wandte er sich dem römischen Katholizismus zu.
[ 7 ] You see, something like perceiving the spiritual within the material—that is what Augustine encountered in Manichaeism. But he had already been born too deeply—he had, as is well known, a Greek mother, Monica—into a longing to escape the physical world to be able to remain there. Therefore, he turned to Neoplatonism, and through this detour via Neoplatonism, he turned to Roman Catholicism.
[ 8 ] Wir sehen also, wie in diesem 4. Jahrhundert, in das ja gerade die Vorbildungszeit des Augustinus fällt, die Menschen tatsächlich sich abwandten von der geistigen Betrachtung der äußeren Welt und auch der inneren Welt des Menschen. Diese Abwendung mußte geschehen. Diese Abwendung mußte aus dem Grunde geschehen, weil ja der Mensch niemals hätte frei werden können, ein freies Wesen werden können, wenn er sich nur als ein Glied der Außenwelt gefühlt hätte, so wie ich das an den vergangenen Abenden charakterisiert habe. Der Mensch mußte gewissermaßen heraus aus diesem Verquicktsein mit der Außenwelt. Er mußte sich einmal abwenden von der Außenwelt. Und der Höhepunkt dieses Abwendens von der Außenwelt, ich möchte sagen, derjenige Punkt, wo der Mensch verließ das Bewußtsein: Du bist ein Glied der Außenwelt, wie der Finger ein Glied von deinem Organismus ist —, der Höhepunkt liegt in diesem 4. nachchristlichen Jahrhundert. Was der Zeit vor diesem 4. nachchristlichen Jahrhundert das Gepräge gab, war eine Entwickelung der Menschheit, die im Grunde genommen ganz aus dem menschlichen Organismus, ich möchte sagen, aus dem Blute heraus kam. In den südlichen europäischen Gegenden, in den nordafrikanischen, in den vorderasiatischen Gegenden waren die Menschen aber schon dazu gekommen, gewissermaßen von ihrer eigenen menschlichen Wesenheit verlassen zu sein, insofern sie eine physische, eine ätherische ist, und aufzusteigen zu einem Unbestimmten. Denn zu einem Unbestimmten, man möchte sagen, zu einem Leeren, wo nichts mehr abhängig ist vom Blute, wo nicht mehr sich herausbildet das, was Lebensansicht ist, aus dem Rassenhaften des Menschen, zu einem solchen Leeren mußten sich die Menschen hinentwickeln, um in die Intellektualität hineinzukommen. Was alle die einzelnen Völkerschaften vor diesem 4. nachchristlichen Jahrhundert — natürlich ist das approximativ, wenn man einen solchen Zeitpunkt angibt — an Lebensansichten, an Erkenntnis und so weiter entwickelt haben, das war ihnen aufgestiegen aus ihrem Blute, wie wir uns noch entwickeln zum Zahnwechsel, den wir auch nicht aus unserer Intelligenz heraus bilden, sondern aus unseren organischen Stoffen, oder wie wir uns bilden zur Geschlechtsreife, schließlich auch aus dem Organismus heraus, und zugleich zur Urteilsreife. So entwickelte sich alles, was diese Völkerschaften in ihren alten, instinktiven Imaginationen, Inspirationen hervorgebracht hatten, aus dem Blute heraus. Das hatte überall einen Rassenursprung. Und wenn irgendwo zwei Rassen, zwei Völkerschaften verschiedenen Blutes sich durcheinandermischten, dann blieb das eine Volk unten, sie wurden zu Sklaven, die andere Bevölkerung hob sich gewissermaßen nach oben, bildete die oberen Zehntausend. Sowohl diese sozialen Unterschiede wie auch dasjenige, was in der Erkenntnis, in den Seelen der Menschen lebte, das war durchaus ein Ergebnis der Rasse, des Blutes. Jetzt aber arbeiteten sich diese südlichen Völker, diese um das Mittelmeer herumsitzenden Völker aus dem Blute heraus. Jetzt arbeiteten sie sich durch zu einem, wenn ich sagen darf, rein Geistigen. Denn in der Sphäre des rein Geistigen mußte die Intelligenz entwickelt werden.
[ 8 ] We can thus see how, in this 4th century—which coincides precisely with Augustine’s formative years—people did indeed turn away from the spiritual contemplation of both the external world and the inner world of the human being. This turning away was inevitable. This turning away had to happen for the simple reason that human beings could never have become free—could never have become free beings—if they had felt themselves to be merely a part of the external world, as I have described on previous evenings. Human beings had to, so to speak, break free from this fusion with the external world. They had to turn away from the external world at some point. And the culmination of this turning away from the external world—I would say, the very point at which humanity left behind the consciousness: ‘You are a part of the external world, just as a finger is a part of your organism’—that culmination lies in the 4th century A.D. What characterized the period before the 4th century A.D. was a development of humanity that, fundamentally speaking, arose entirely from the human organism—I would say, from the blood itself. In the southern European regions, in North Africa, and in the Near East, however, people had already come to be, so to speak, abandoned by their own human nature—insofar as it is physical and etheric—and to rise to something indeterminate. For it was toward an indeterminate state—one might say, toward a void—where nothing is any longer dependent on the blood, where a view of life no longer emerges from the racial characteristics of human beings; it was toward such a void that human beings had to evolve in order to enter into intellectual life. Whatever all the individual peoples had developed in terms of worldviews, knowledge, and so on before the 4th century A.D.—of course, this is approximate when specifying such a date—had arisen in them from their blood, just as we still develop through the process of losing our baby teeth, which we do not form through our intelligence but from our organic substances, or just as we develop toward sexual maturity, ultimately also from within the organism, and at the same time toward the maturity of judgment. Thus, everything these peoples had produced in their ancient, instinctive imaginations and inspirations developed from within the blood. This had a racial origin everywhere. And whenever two races, two peoples of different bloodlines, intermingled, one people remained at the bottom—they became slaves—while the other population, so to speak, rose to the top, forming the upper class. Both these social differences and what lived in the knowledge and in the souls of human beings were entirely a result of race, of blood. But now these southern peoples, these peoples settled around the Mediterranean, were working their way out of the realm of blood. Now they were working their way toward, if I may say so, the purely spiritual. For in the sphere of the purely spiritual, intelligence had to be developed.
[ 9 ] Sehen Sie, so wäre der Mensch, wenn er sich weiter entwickelt hätte nur aus diesen Mittelmeervölkern heraus nach dem 4. nachchristlichen Jahrhundert, gewissermaßen ohne Grundlage gewesen. Das Blut gab nichts mehr her. Aus den Rassengrundlagen entwickelte sich nichts mehr an seelischen Fähigkeiten. Der Mensch war gewissermaßen darauf angewiesen, insofern er von diesen Gegenden ausging, sich in einen — bildlich gesprochen — luftleeren Raum hineinzuentwickeln.
[ 9 ] You see, if humanity had continued to develop after the 4th century A.D. solely from these Mediterranean peoples, it would, in a sense, have lacked a foundation. The bloodline had nothing more to offer. No further spiritual capacities developed from the racial foundations. In a sense, humanity—insofar as it originated from these regions—was compelled to develop into a space that was, figuratively speaking, a vacuum.
[ 10 ] Diesen luftleeren Raum, das heißt dieses von dem Rassenhaften freie Entwickelungsgebiet, das betraten jetzt die Menschen dieser Mittelmeergegend. Sie mußten etwas anderes haben, woran sie sich anlehnen konnten. Sie mußten gewissermaßen dasjenige, was ihnen früher aus dem Blute kam, von außen empfangen. Und sie empfingen es dadurch, daß berechnende Menschen, die damals durchaus noch aus den alten Weisheitslehren heraus wußten, wie die Dinge eigentlich sind, die alten Staatsanschauungen des Römerreichs auf das Religionsregiment übertragen und die äußere katholische Kirche begründet haben. Diese äußere katholische Kirche, sie konservierte, was früher aus den verschiedenen Rassen an Geistesleben hervorgegangen ist, sie konservierte, was die alten Zeiten aufbewahrt haben, und sie verdichtete es zu Dogmen. Diese Dogmen sollten fortgepflanzt werden. Nichts mehr wurde aus dem Menschen hervorgebracht, aber was da war, wurde zu Dogmen verdichtet. Und damit kam ein unlebendiges Element hinein, aus dem der Mensch wirklich von außen empfangen konnte, was er früher von innen empfangen hatte. Es wurde nämlich die lateinische Sprache als eine tote Sprache fortgepflanzt, und das Erkenntnisleben verlief in der lateinischen Sprache.
[ 10 ] The people of this Mediterranean region were now entering this vacuum—that is, this sphere of development free from racial influences. They needed something else to rely on. In a sense, they had to receive from the outside what had previously come to them through their blood. And they received it through the fact that calculating people—who at that time still knew, based on the ancient teachings of wisdom, how things actually are—transferred the old political views of the Roman Empire to the realm of religion and established the external Catholic Church. This external Catholic Church preserved what had previously emerged from the spiritual life of the various races; it preserved what the ancient times had preserved, and it condensed it into dogmas. These dogmas were to be perpetuated. Nothing more was brought forth from within humanity, but what was there was condensed into dogmas. And with this, a lifeless element entered, through which human beings could truly receive from the outside what they had previously received from within. For the Latin language was perpetuated as a dead language, and intellectual life unfolded in the Latin language.
[ 11 ] Und so hatte man die eine Geistesströmung, die darin bestand, daß gewissermaßen das, was die alte Lebensansicht gebracht hatte, auslief in einem toten Element. Wäre nichts anderes gekommen, so hätte dieses tote Element allmählich ersterben müssen. Die ganze sogenannte Kultur hätte ersterben müssen. Man hätte zwar ein Höchstes gehabt, denn es war ein Höchstes, das dazumal sich heraufgelebt hatte. Die katholische Kirche hat selber viele gnostische, manichäische Elemente übernommen, nur hat sie die Terminologie abgestreift. Sie hat die alten Weltanschauungen fortgepflanzt. Sie hat auch die alten Kultformen aufgenommen, aufbewahrt und fortgepflanzt in einer toten Sprache. Was so weiterlebte, war zur Entstehung von irgend etwas, was nun die Zivilisation hätte weiterbringen können, ebenso unfähig, wie zum Beispiel eine Frau allein unfähig ist, ein Kind hervorzubringen.
[ 11 ] And so there was a certain spiritual current that consisted, in a sense, of what the old worldview had brought about coming to an end in a dead element. If nothing else had emerged, this dead element would have had to gradually die out. The entire so-called culture would have had to die out. One would certainly have had a highest reality, for it was a highest reality that had developed at that time. The Catholic Church itself adopted many Gnostic and Manichaean elements; it merely shed the terminology. It carried on the old worldviews. It also took up, preserved, and passed on the old forms of worship in a dead language. What thus survived was just as incapable of giving rise to anything that could have advanced civilization as, for example, a woman alone is incapable of giving birth to a child.
[ 12 ] Das war nur die eine Seite des Wesens, die jetzt notwendig war, um weiterzukommen. Die andere Seite des Wesens bestand in dem frischen Blute, das die vom Osten Europas herüberwandernden germanischen und sonstigen Völkerschaften in sich hatten. Da war wiederum Blut. Und das Eigentümliche war dieses, daß diese Völkerschaften in ihrer Entwickelung, wenn wir Jetzt das Wort nicht wertend nehmen, sondern rein objektiv terminologisch, zurückgeblieben waren gegenüber den südlichen Völkerschaften. Die südlichen Völkerschaften waren gewissermaßen im Galoppschritt zu der höchsten Bildung vorgeschritten, aus der dann der Intellekt heraufkam. Dieser stand auf seiner höchsten Entwickelungsstufe im 4. nachchristlichen Jahrhundert und sollte sich jetzt einleben, sollte als toter Intellekt weiterleben. So haben wir also das Weiterleben dieses toten Intellekts und das Heraufkommen, das ihm Entgegenkommen des germanischen Blutes der anderen Völker, die da auftauchten.
[ 12 ] That was only one aspect of the situation that was now necessary in order to move forward. The other aspect lay in the fresh blood carried by the Germanic and other peoples migrating from Eastern Europe. There was blood again. And what was peculiar was this: in their development—if we take the word not in a judgmental sense but purely objectively and terminologically—these peoples had lagged behind the southern peoples. The southern peoples had, so to speak, advanced at a gallop toward the highest level of civilization, from which the intellect then emerged. At its highest stage of development, the intellect reached its peak in the 4th century A.D. and was now to take root, to live on as a “dead intellect.” Thus we have the continued existence of this “dead intellect” and the emergence—the meeting of minds—with the Germanic blood of the other peoples who were appearing there.
[ 13 ] Wenn wir nun die äußeren historischen Vorgänge studieren, so kommen wir zu etwas außerordentlich Interessantem. Wir kommen nämlich dazu, uns zu sagen, daf3 in einem gewissen Zeitraum eine völlige Umwandlung, eine Metamorphose des abendländischen Lebens stattfindet. Wir sehen nämlich, wie ja in der Tat in einem großen, weiten Gebiete von Europa durch die sogenannte Völkerwanderung die alte Kultur abstirbt und eine Art Bauernkultur aufkommt. Was die oberen Zehntausend früher im alten Römerreich als ihre Kultur gehabt haben, das stirbt ab. Es bleibt, was die breite, ansässige Bevölkerung hatte, und so etwas Ähnliches, allerdings anders geartet, brachten dem auch die germanischen Stämme entgegen. Innerhalb dieses bäuerlichen Wesens, wo die Menschen eigentlich in kleinen Dorfgemeinden lebten und sich in diesen kleinen Dorfgemeinden ganz andere Dinge erzählten als das, was ihnen die katholischen Priester predigten, innerhalb dieser Gebiete, in denen die Dorfgemeinden waren, wurde nun durch äußere Macht die katholische Religion verbreitet.
[ 13 ] When we study external historical events, we come across something extraordinarily interesting. Namely, we find ourselves concluding that, over a certain period of time, a complete transformation—a metamorphosis—of Western life took place. We see, in fact, how across a vast, expansive region of Europe, as a result of the so-called Migration Period, the old culture died out and a kind of peasant culture emerged. What the upper classes had previously regarded as their culture in the old Roman Empire died out. What remains is what the broad, settled population had, and the Germanic tribes, in turn, brought something similar—albeit of a different nature—to this. Within this peasant way of life—where people actually lived in small village communities and told one another stories in these small village communities that were quite different from what the Catholic priests preached—within these areas where the village communities were located, the Catholic religion was now spread by external force.
[ 14 ] Das war die eine Strömung, die eben in lateinischer Sprache ging. Was wußten denn die Menschen, die da sahen, wie ihre Kirchen gebaut wurden, wie in lateinischer Sprache die Weisheit fortgepflanzt wurde, was wußten denn diese Menschen, auf die es gerade dazumal ankam in den Dörfern, von all dem, was da vorging? Wovon sie wußten, das waren die Geschichten, die sie sich nach getaner Arbeit am Abend erzählten, Erzählungen, die zum großen Teil aus Träumereien bestanden, wie wir sie bei den alten Ägyptern und dergleichen noch kennengelernt haben.
[ 14 ] That was one movement that used the Latin language. What did the people who witnessed their churches being built and saw wisdom being passed down in Latin actually know? What did these people—who were the ones who really mattered in the villages at that time—know about everything that was going on? What they did know were the stories they told each other in the evening after a day’s work—stories that consisted largely of daydreams, as we have seen among the ancient Egyptians and the like.
[ 15 ] Es war durchaus eine Weltanschauung hier, durch die Zeit vom 4. bis zum 8., 9., 10. Jahrhundert durch die Dorfgemeinden gehend, die in den südlichen Gegenden längst abgetan war, wenigstens bei den oberen Zehntausend. Längst hatte sich aus diesen Untergründen eine feine Kultur bei den oberen Zehntausend herausgebildet. Und jetzt, im 9., 10., 11., 12. Jahrhunderte, sehen wir — genauer habe ich es in Dornach jüngst ausgeführt, ich will es hier nur kurz anführen —, wie aus den bloßen Dorfgemeinden sich allmählich die Städte kristallisierten. Die Städtekultur beginnt, und es ist, wie wenn der Mensch losgerissen wird aus der äußeren Natur, wenn er in den Städten zusammen konzentriert wird. Da kommt diese Städtekultur, die wir verfolgen können von der Bretagne an bis tief hinein ins russische Reich, bis nach Nowgorod, von oben herunter bis nach Spanien, Italien hinein, überall dieser merkwürdige Zug nach dem Städtetum.
[ 15 ] There was indeed a worldview here—one that persisted from the 4th through the 8th, 9th, and 10th centuries throughout the village communities—that had long since been discarded in the southern regions, at least among the upper classes. A refined culture had long since emerged from these underlying strata among the upper classes. And now, in the 9th, 10th, 11th, and 12th centuries, we see—as I explained in more detail recently in Dornach, though I will only mention it briefly here—how cities gradually crystallized out of the simple village communities. Urban culture begins, and it is as if human beings are torn away from external nature when they become concentrated together in the cities. Here comes this urban culture, which we can trace from Brittany deep into the Russian Empire, as far as Novgorod; from the north down to Spain and into Italy—everywhere this remarkable trend toward urban life.
[ 16 ] Und wenn wir nachschauen, was da eigentlich lebt in diesem Übergang zum Städtetum, dann hat das für den, der innerlich die Geschichte studieren kann, eine große Ähnlichkeit, eine Wesensähnlichkeit mit demjenigen, was geschehen war, als nach dem trojanischen Kriege sich in Griechenland die Städte herausentwickelt haben mehr aus einer Bauernkultur. Was dazumal in Griechenland geschah im Jahre 1200 der vorchristlichen Zeit, das wiederholte sich da heroben jetzt, etwa um das Jahr 950 oder so etwas — es sind alle diese Zahlen approximativ —, und um so viel, als 1200 und 950 Jahre ausmachen, um so viel waren eigentlich diese Menschen, die da als germanische Menschen von Osten herüberkamen, zurück hinter denjenigen, in deren Gebiet sie jetzt eindrangen. Addieren Sie diese Zahlen, die vorchristlichen zu den nachchristlichen, so bekommen Sie 2150 oder 2160 Jahre, und das ist ungefähr das an Jahren, was da liegt zwischen zwei solchen aufeinanderfolgenden Kulturen. Man kann das an der Geschichte ablesen, wenn man nur wirklich die Geschichte studieren will. Wenn man sich fragt: Um wieviel waren diese germanischen Völkerschaften zurück? — so ist es die Länge einer Kulturepoche. Gerade so lange hat eine Kulturepoche gedauert, und so kann man an dem Reifegrad zurückgebliebener Völker das Zeitmaß ihres Zurückgebliebenseins berechnen.
[ 16 ] And if we look at what is actually taking shape in this transition to urban life, then—for those who can study history from within—it bears a great resemblance, a fundamental similarity, to what happened when, after the Trojan War, cities in Greece developed primarily out of an agricultural culture. What happened back then in Greece in the year 1200 B.C. was now repeating itself up here, around the year 950 or thereabouts—all these dates are approximate— and to the extent that 1200 and 950 years differ, to that extent were these people—who came from the east as Germanic peoples—actually behind those into whose territory they were now encroaching. If you add these figures—the pre-Christian ones to the post-Christian ones—you get 2,150 or 2,160 years, and that is roughly the number of years that lie between two such successive cultures. One can see this in history, if one is truly willing to study it. If one asks: By how much were these Germanic peoples behind? — the answer is the length of a cultural epoch. A cultural epoch lasted exactly that long, and thus one can calculate the duration of their backwardness based on the level of development of these lagging peoples.
[ 17 ] Jetzt können wir auch einen gewissen Anhaltspunkt dafür gewinnen, warum die vierte Kulturepoche, die die eigentliche Entwickelung des Intellekts gebracht hat, etwa 747 vor Christus beginnt und, sagen wir, 1413 schließt. Da bekommen Sie 2160 Jahre. Das ist die Länge einer solchen Kulturepoche. Allerdings, wenn wir weiter zurückgehen, werden diese Zahlen etwas verschwimmen. Das ist aber natürlich, denn die geschichtliche Entwickelung ist natürlich nicht mit mathematisch exakten Zahlen zu charakterisieren. Es brachten diese Völkerschaften in ihrem Blute etwas der anderen, der südländischen Bevölkerung entgegen, was im Grunde genommen früher war. Das war die andere Strömung.
[ 17 ] Now we can also gain some insight into why the fourth cultural epoch—which brought about the actual development of the intellect—begins around 747 B.C. and ends, let’s say, in 1413. That gives you 2,160 years. That is the duration of such a cultural epoch. However, if we go further back, these figures become somewhat blurred. But that is only natural, for historical development cannot, of course, be characterized by mathematically exact figures. These peoples carried in their blood something of the other, the southern, population—which, in essence, was an earlier influence. That was the other current.
[ 18 ] Und jetzt wurde die weltgeschichtliche Ehe geschlossen zwischen dem, was da in lateinischer Sprache hinüberschwamm, und demjenigen, was in den Volkssprachen, in sehr zurückgebliebenen Volkssprachen, an die Oberfläche sich hinaufarbeitete, Aus diesen zwei Elementen mußte das hervorgehen, was nun weiter sich entwickeln konnte. Das führte dann im 15. Jahrhundert zur Entwickelung der sogenannten Bewußtseinsseele, wie ich das schon öfters ausgesprochen habe.
[ 18 ] And now the marriage of world-historical significance was concluded between what was flowing over in the Latin language and that which was working its way to the surface in the vernacular languages—in very backward vernacular languages. From these two elements, what could now develop further was bound to emerge. This then led, in the 15th century, to the development of what is called the “consciousness soul,” as I have often stated.
[ 19 ] Die alte Kultur hätte ganz verschwinden müssen, wenn nicht dieses Neue sich hineinversetzt hätte, das seinerseits nun umfangen war von diesem Südlichen. Zurückgebliebenes und Weitvorgeschrittenes glichen sich miteinander aus, und an die Stelle der bloß intellektualistischen Kultur trat die Bewußtseinskultur.
[ 19 ] The old culture would have had to disappear entirely had this new element not been integrated into it—an element that was, in turn, now encompassed by this Southern influence. What remained behind and what had advanced far balanced each other out, and the culture of consciousness replaced the merely intellectualistic culture.
[ 20 ] In dieser wurde der Verstand zum bloßen Schatten. Man lebte in ihm nicht einmal mehr als in einem Toten weiter, sondern er wurde zu einem Schattenprodukt, zu etwas, was nur in innerer Aktivität lebt. Und damit war gewissermaßen der Mensch befreit davon, innerlich vom Verstande besessen zu sein. Er konnte den Verstand anwenden in innerer Aktivität und konnte nun übergehen zur äußeren Naturbetrachtung, wie Galilei, Kopernikus, Kepler zur. äußeren Naturbetrachtung übergegangen sind. Dazu mußte erst der Verstand frei werden. Sehen Sie sich alles das an, was nun heraufgekommen ist an europäischer Zivilisation seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts, so werden Sie überall sehen, wie das zurückzuführen ist auf das Eindringen dieses germanischen Elements in das alte lateinisch-romanische. Bis auf die einzelnen Persönlichkeiten hin können Sie das durchaus wahrnehmen.
[ 20 ] In this state, the intellect became a mere shadow. One no longer even continued to live within it as one would within a dead body; rather, it became a shadow-like product, something that lives only in inner activity. And with that, human beings were, in a sense, freed from being inwardly possessed by the intellect. They could apply the intellect in inner activity and could now turn to the observation of external nature, just as Galileo, Copernicus, and Kepler turned to the observation of external nature. For this to happen, the intellect first had to be set free. If you look at everything that has emerged in European civilization since the beginning of the 15th century, you will see everywhere how this can be traced back to the penetration of this Germanic element into the old Latin-Roman tradition. You can perceive this quite clearly, right down to individual personalities.
[ 21 ] Der Mensch war also gewissermaßen ins Leere hineingestiegen, indem er sich vom Süden her entwickelte. Aber bei den führenden Geistern bestand ein starkes Bewußtsein davon, daß man mit der Entwickelung des Intellekts in etwas Leeres hineingeht. Einem Neuen zusteuern wollten gewisse Persönlichkeiten nicht. Wenn ich jetzt etwas hypothetisch der Geschichtsentwickelung unterlege, so kann man das, was man sich in der Zeit sagen konnte, die auf das 4. nachchristliche Jahrhundert folgte, etwa so ausdrücken. Man konnte sagen: Wir lassen entweder den Intellekt frei, wir lassen ihn sich entwickeln, dann geschieht das Folgende. Während früher aus dem Menschen heraufgestiegen ist, was ihn innerlich mit GeistigSeelischem durchdrungen hat, ist er jetzt an einem höchsten Punkt angekommen, wo seine Entwickelung frei wurde, so daß er ins Leere sich hineinentwickeln kann. Was jetzt nicht mehr an seinem Leibe haftet, muß, weiterentwickelt, dazu führen, daß der Mensch in eine geistige Welt von außen eindringt. — Das war das eine, das man sich hätte sagen können. Oder aber man konnte sich auch sagen: Wir bewahren die alten Weistümer fort, wir konservieren sie. Dann können wir den Menschen sagen: Indem du dich heraufentwickelt hast bis ins 4. Jahrhundert mit deinem Intellekt, bist du jetzt am Ende. Da darfst du nicht weitergehen. Du bist ins Leere gekommen. Schau jetzt zurück, hinter dich, nicht vor dich; schreite nicht im Leeren weiter, so daß du etwa im Weiterschreiten eine neue Geistigkeit findest. — Mit diesem Instinkte durchdrungen, das Alte zu bewahren, den Intellekt zu halten, daß er sich nicht weiterentwickelt, war das achte allgemeine ökumenische Konzil von Konstantinopel 869 einberufen worden, das zum katholischen Dogma machte, was dann mit den Worten ausgedrückt ist: Der Mensch hat «unam animam rationalem et intellectualem», er hat eine Seele, die denkend und geistig ist. Aber über diese Seele hinaus hat er nichts, nichts Geistiges weiter, denn würde man ihm etwas Geistiges zuschreiben, so würde die Bahn frei gewesen sein, sich zu einer neuen Geistigkeit zu entwickeln. — Daher wurde dem dreigliedrigen Menschen nach Leib, Seele und Geist der Geist abgesprochen und seiner Seele nur einzelne geistige Eigenschaften beigelegt. Er habe nicht Leib, Seele und Geist, sondern Leib und Seele, und die Seele habe denkende und geistige Eigenschaften, wäre rationell und intellektuell. Weiter darf es nicht gehen. — Das war nun Dogma geworden. Das war nichts anderes als die Konstatierung dessen, was eigentlich in der Sache gegeben war mit dem Bewahren des Alten, mit dem rationellen Verarbeiten des Alten, womit man zugleich verhindern wollte, daß man auf der Bahn der geistigen Entwickelung weiterschreite. Ausgelöscht sollte werden, was das Kind werden sollte der beiden ineinanderfließenden Strömungen.
[ 21 ] Humanity had thus, in a sense, stepped into a void as it developed from the south. But among the leading minds there was a strong awareness that, with the development of the intellect, one was entering into something empty. Certain individuals did not want to head toward something new. If I were to offer a hypothetical interpretation of historical development, one could express what people might have said in the period following the 4th century A.D. something like this: One could say: Either we set the intellect free and allow it to develop, in which case the following will happen. Whereas in the past what had risen up from within the human being had permeated him inwardly with spiritual and soul elements, he has now reached a highest point where his development has become free, so that he can evolve into the void. What no longer clings to his body must, as it develops further, lead to the human being penetrating a spiritual world from the outside. — That was one thing one could have said to oneself. Or one could also have said: We will preserve the ancient wisdom; we will conserve it. Then we can say to human beings: By developing upward with your intellect all the way to the 4th century, you have now reached the end. You must not go any further. You have reached a void. Now look back, behind you, not ahead; do not stride further into the void, as if you might find a new spirituality by continuing onward. — Imbued with this instinct to preserve the old, to keep the intellect from developing further, the Eighth Ecumenical Council of Constantinople was convened in 869, which established as Catholic dogma what is then expressed in the following words: Man has “unam animam rationalem et intellectualem”; he has a soul that is rational and spiritual. But beyond this soul he has nothing, nothing further that is spiritual; for if something spiritual were attributed to him, the path would have been open for him to develop toward a new spirituality. — Therefore, the spirit was denied to the threefold human being—composed of body, soul, and spirit—and only individual spiritual qualities were ascribed to the soul. Man was said not to have body, soul, and spirit, but body and soul, and the soul was said to possess thinking and spiritual qualities, to be rational and intellectual. It must not go any further. — This had now become dogma. It was nothing other than the assertion of what was actually the case—preserving the old, rationally processing the old—while at the same time seeking to prevent any further progress along the path of spiritual development. What was to become the offspring of the two intertwining currents was to be eradicated.
[ 22 ] Und das ist es, was dann weiter hinübergewirkt hat über das 15. Jahrhundert weg bis in unsere Zeit. Auf der einen Seite ist der Mensch instinktiv reif geworden, den Verstand, dessen er bereits ganz Herr war, allmählich in innerer Aktivität zu betätigen. Andrerseits vermochte er nicht, diesen aktivierten, aber schattenhaften Verstand in seinem geistig leeren Inneren zu halten, wo er an nichts hätte aktiv werden können als an der eigenen Schattenhaftigkeit. Obwohl man meinen sollte, daß man nicht versuchen würde, einen Schatten innerlich zu verarbeiten, wurde gerade das zum Gegenstande aller Philosophie jener Zeit, die daher etwas nur Schattenhaftes hat. So kommt zuletzt der Kantianismus herauf, der nur noch Formen und Kategorien hat, und der wie die anderen Philosophien der Zeit nur in diesem Schattenhaften herumplätschert.
[ 22 ] And that is what has continued to exert an influence beyond the 15th century and into our own time. On the one hand, human beings have instinctively matured to the point of gradually engaging the intellect—over which they were already fully in control—in inner activity. On the other hand, they were unable to keep this activated but shadowy intellect within their spiritually empty inner being, where it could have acted upon nothing but its own shadowy nature. Although one might think that no one would attempt to process a shadow internally, this very thing became the subject of all philosophy of that time, which therefore has something only shadowy about it. Thus, Kantianism ultimately emerges, possessing nothing but forms and categories, and, like the other philosophies of the time, merely splashes about in this shadowy realm.
[ 23 ] Es zeigte sich also, daß man mit einem schattenhaften Intellekt allein nichts anfangen konnte; man mußte ihn, und das ist nun die andere Seite, mit etwas anderem erfüllen, und das konnte nur die Außenwelt, das konnte nur die äußere Natur sein. Nicht etwa aus irgendwelchen Gründen, etwa weil der Mensch früher kindlich war und jetzt allmählich zu der Erkenntnis der Natur vordrang, geschah dieses, sondern weil der Mensch es zu seiner Entwickelung brauchte. Er brauchte eine Erfüllung. In den letzten vier bis fünf Jahrhunderten haben wir diese Erfüllung erlebt. Der schattenhafte Verstand hat sich der Natur bemächtigt. Das führte zu einem Höhepunkt. Gerade in der Mitte des 19. Jahrhunderts war der Verstand am allerschattenhaftesten geworden.
[ 23 ] It thus became apparent that a shadowy intellect alone was of no use; one had to fill it—and this is the other side of the matter—with something else, and that could only be the external world, that could only be external nature. This did not happen for any particular reason—such as because human beings were once childlike and are now gradually advancing toward an understanding of nature—but because human beings needed it for their development. They needed fulfillment. Over the last four to five centuries, we have experienced this fulfillment. The shadowy intellect has taken possession of nature. This led to a climax. It was precisely in the middle of the 19th century that reason had become most shadowy.
[ 24 ] Während der Verstand an sich das Geistigste ist, hatte man ihn überhaupt nicht mehr berücksichtigt, denn er war zum Schatten geworden. Aber man hatte eine ausgebildete, ausgebreitete Naturwissenschaft. Der Verstand hatte sich erfüllt mit dem, was die Natur von außen darbot, aber immer mehr und mehr schwand dahin die Möglichkeit, das Seelische zu sehen. Dieses Seelische, das konnte man immer weniger und weniger sehen, denn man hatte ja eigentlich, wenn man sich an die Außenwelt wandte, nur den schattenhaften Verstand. Daher wurde die Psychologie, die Seelenlehre des 19. Jahrhunderts, immer mehr, ich möchte sagen, nominalistisch, reine Wortplänkelei. Es ist geradezu trostlos, in den Psychologien des 19. Jahrhunderts zu lesen, wie da die Leute immer wieder von Fühlen, Wollen, Denken reden und eigentlich nur die Worte haben, bis endlich Fritz Mauthner kommt und die große Entdeckung macht, daß alles Wissen in Worten bestehe und die Leute sich nur immer getäuscht haben, die hinter den Worten etwas gesucht hatten.
[ 24 ] While the intellect is, in and of itself, the most spiritual thing, it had been completely disregarded, for it had become a mere shadow. Yet there was a well-developed, widespread natural science. The intellect had become filled with what nature offered from the outside, but the ability to perceive the spiritual was fading away more and more. This spiritual aspect could be seen less and less, for when one turned to the external world, one actually had only the shadow-like intellect. Consequently, 19th-century psychology—the study of the soul—became increasingly, I would say, nominalistic, mere verbal squabbling. It is downright disheartening to read in the psychological works of the 19th century how people talk again and again about feeling, willing, and thinking, yet actually have nothing but the words themselves—until finally Fritz Mauthner comes along and makes the great discovery that all knowledge consists of words, and that people who had been searching for something behind the words had simply been deceiving themselves all along.
[ 25 ] Es ist das charakteristisch für das 19. Jahrhundert, nicht für die Menschheit, aber für das 19. Jahrhundert. Da ist die Entdeckung Mauthners im Grunde genommen gar nicht so schlecht. Das 19. Jahrhundert webte, insbesondere wenn es von dem Seelischen sprach, nur in Worten, bis den Leuten endlich dieses Weben in Worten, dieses fortwährende Herumjonglieren mit Denken, Fühlen und Wollen, Apperzeption und Perzeption und allem möglichen, das, was dann in der englischen Psychologie heraufgekommen ist seit Hume, insbesondere im 19. Jahrhundert seit John Stuart Mill dieses Jonglieren mit bloßen Worten, bis das den Leuten zu dumm geworden ist. Und sie haben gesagt: Nun haben wir in der Naturwissenschaft durch Experimentieren so etwas Schönes herausgekriegt, also experimentieren wir auch mit der Seele. — Apparate hatte man entwickelt, die Signale abgeben konnten, wenn der Mensch eine Wahrnehmung machte. Man konnte dann wissen, wann diese Wahrnehmung bewußt wird, wenn der Mensch seine Hand bewegt, infolge dieser Wahrnehmung; man konnte hübsch experimentieren. Bis in unsere Zeit herein hat sich das so gemacht, daß man die Fähigkeit der Kinder beurteilen will nicht durch ein Sich-Hineinversetzen in das kindliche Gemüt, durch eine gewisse Hingabe an dieses kindliche Gemüt, sondern man will mit Apparaten prüfen das Gedächtnis, das Denken, alles mögliche, wie es einem erzählt wird zum Beispiel von russischen Schulen, wo es nicht mehr auf Prüfungen ankommt im alten Stil, sondern wo von außen mit Hilfe einer Apparatur die Fähigkeiten festgestellt werden. Allerdings, diese bolschewistische Anschauung ist auch schon in unsere Gegenden eingedrungen. Gewisse Gegner der Anthroposophie möchten auch auf eine solche äußerliche Weise feststellen, ob diese Anthroposophie auf einer Wahrheit beruht, aber das entspricht nur einem bolschewistischen Vorurteil. Das alles ist schließlich herausgeboren aus demjenigen, was die Menschen allmählich durch das Unberücksichtigtlassen des Geistes dazu gebracht hat, den schattenhaften Verstand auf die Natur anzuwenden und dadurch zwar eine großartige Naturwissenschaft hervorzubringen, auf der anderen Seite aber das Seelische unberücksichtigt zu lassen. Nun macht sich aber dieses Seelische doch wiederum geltend, aus den Tiefen des Menschenwesens heraus, und will erforscht sein. Dazu ist notwendig, daß der Weg wiederum zurück gemacht werde, daß wir gewissermaßen uns seiner erinnern.
[ 25 ] This is characteristic of the 19th century—not of humanity, but of the 19th century. In that sense, Mauthner’s discovery isn’t really so bad after all. The 19th century, especially when it spoke of the psyche, merely wove with words, until people finally became aware of this weaving with words, this constant juggling of thought, feeling, and volition, apperception and perception and all sorts of things—that which had emerged in English psychology since Hume, particularly in the 19th century since John Stuart Mill—this juggling with mere words—became too tedious for people. And they said: Now that we’ve discovered something wonderful in the natural sciences through experimentation, let’s also experiment with the soul. — Devices had been developed that could emit signals when a person had a perception. One could then determine when this perception became conscious—when the person moved their hand as a result of that perception—and conduct interesting experiments. Right up to the present day, the approach has been to assess children’s abilities not by putting oneself in the child’s mind—by a certain devotion to that childlike mind—but rather by using devices to test memory, thinking, all sorts of things—as is reported, for example, from Russian schools, where the old-style exams are no longer relied upon, but where abilities are determined from the outside with the help of machinery. Admittedly, this Bolshevik view has already made its way into our regions as well. Certain opponents of anthroposophy would also like to determine in such an external way whether this anthroposophy is based on truth, but this merely reflects a Bolshevik prejudice. All of this ultimately stems from what has gradually led people—through their disregard for the spirit—to apply their shadowy intellect to nature, thereby producing, on the one hand, a magnificent natural science, but, on the other hand, neglecting the soul. Now, however, this spiritual aspect is asserting itself once again, emerging from the depths of the human being, and demands to be explored. For this, it is necessary that we retrace our steps, that we, so to speak, remember it.
[ 26 ] Wenn die neuere Wissenschaft auch glaubt, unabhängig zu sein, sie steht doch noch unter dem Einflusse des kirchlichen Diktates, daß der Mensch nur aus Leib und Seele bestehe und keinen Geist habe. Wir müssen wiederum zum Geiste kommen. Und im Grunde genommen ist Geisteswissenschaft ja nur dieses Streben, wiederum zum Geiste zu kommen und so wiederum das Seelische des Menschen zu erforschen, das heißt, den Menschen selber zu erforschen. Man wird da durchgehen durch ein Element, das allerdings vielen unangenehm ist, durch die Organisation des Menschen; aber gerade dadurch wird man das wahrhaft Geistige im Menschen finden. Das heißt aber, es muß der Geist wiederum eingeführt werden in die Anschauung der Menschheit. Dazu gibt es aber heute ein beträchtliches Hindernis, ein furchtbares Hindernis. Man möchte sagen, man scheut sich fast, von diesem Hindernis zu sprechen, weil man dadurch auf sehr dünnes Eis tritt, aber es muß eben durchaus die ganze Signatur der Zeit einmal untersucht werden. Die Menschen müssen aufmerksam werden auf das, was eigentlich als Impuls in unserer Zeit steckt. Sehen Sie, da muß man eben das Folgende ins Auge fassen.
[ 26 ] Even though modern science believes itself to be independent, it is still under the influence of the Church’s dictum that human beings consist only of body and soul and have no spirit. We must return to the spirit. And, after all, spiritual science is nothing other than this striving to return to the spirit and thus to explore the soul of the human being—that is, to explore the human being itself. In doing so, one will have to pass through an element that is, admittedly, unpleasant to many—the human organism—but it is precisely through this that one will find the truly spiritual in the human being. This means, however, that the spirit must once again be introduced into humanity’s worldview. Yet today there is a considerable obstacle to this—a terrible obstacle. One might say that one is almost reluctant to speak of this obstacle, because doing so means stepping onto very thin ice; yet the entire character of our time must indeed be examined. People must become aware of what actually lies at the heart of our time as an impulse. You see, one must simply take the following into account.
[ 27 ] Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, da der Mensch im schattenhaften Verstande lebt und eigentlich auch sein ganzes Seelendasein als ein Schattenhaftes erlebt, seit dieser Zeit war der Mensch ganz angewiesen auf die äußere Natur. Und so kam er allmählich dazu, die äußeren Erscheinungen der Natur experimentell nicht nur so zu untersuchen, wie sie Goethe, der noch zugleich von antikem Geiste durchseelt war, untersuchte, sondern hinter den Phänomenen etwas zu suchen, was im Grunde genommen auch nur eine Art Phänomen ist, was aber da nicht hineinversetzt werden darf. Der Mensch kam zum Atomismus. Der Mensch kam dazu, hinter der Sinneswelt noch eine andere, unsichtbare Sinneswelt, kleinere Wesen, dämonische Wesen, die Atome zu denken. Statt zu einer geistigen Welt überzugehen, ging er zu einem Duplikat der sinnlichen Welt, wiederum zu einer sinnlichen, aber fiktiven Welt über, und dadurch erstarrte sein Erkenntnisvermögen für die äußere Sinneswelt. Und dieses brachte im Laufe des 19. Jahrhunderts immer mehr etwas hervor, was schon immer gespukt hat, was aber eben aus diesem völligen Erstarren des Erkenntnisvermögens für die äußere Sinneswelt im 19. Jahrhundert erst mit vollem Radikalismus hervortrat, und das war die Ausspintisierung des Gesetzes von der Erhaltung der Energie, von der Erhaltung der Kraft. Man sagte: Im Weltenall entstehen nicht neue Kräfte, sondern die alten wandeln sich bloß um; die Summe der Kräfte bleibt konstant. Wenn wir irgendeinen Augenblick ins Auge fassen, gewissermaßen herausschneiden aus dem Weltgeschehen, dann war bis zu diesem Augenblick eine gewisse Summe von Energien da; im nächsten Augenblick haben sich diese Energien etwas anders gruppiert, sie sind anders durcheinandergefahren, aber die Energien sind dieselben; sie haben sich nur gewandelt. Die Summe der Energien des Kosmos bleibt dieselbe. — Man konnte zwei Dinge nicht mehr unterscheiden. Man hat ein völliges Recht gehabt, zu sprechen davon, daß Maß, Zahl und Gewicht in den Energien dieselben bleiben. Aber das verwechselt man mit den Energien selber.
[ 27 ] Since the middle of the 15th century—when human beings lived in a shadowy state of mind and, in fact, experienced their entire spiritual existence as something shadowy—human beings have been entirely dependent on the external natural world. And so he gradually came to investigate the external phenomena of nature experimentally—not merely as Goethe, who was still imbued with the spirit of antiquity, had investigated them—but to seek behind the phenomena something that is, in essence, merely a kind of phenomenon itself, yet which must not be projected into them. Humanity arrived at atomism. Humanity came to conceive, behind the sensory world, yet another, invisible sensory world—smaller beings, demonic beings—the atoms. Instead of moving on to a spiritual world, humanity turned to a duplicate of the sensory world—once again to a sensory, yet fictional world—and as a result, its capacity for knowledge of the external sensory world became rigid. And over the course of the 19th century, this increasingly gave rise to something that had always been lurking in the background, but which—precisely because of this complete stagnation of the capacity for knowledge regarding the external sensory world—only emerged with full radicalism in the 19th century, and that was the extreme extrapolation of the law of conservation of energy, of the conservation of force. It was said: In the universe, no new forces arise; rather, the old ones merely transform; the sum of the forces remains constant. If we consider any given moment—as it were, isolating it from the flow of world events—then up to that moment a certain sum of energies was present; in the next moment, these energies have regrouped somewhat differently; they have intermingled differently, but the energies are the same; they have merely transformed. The total energy of the cosmos remains the same. — It was no longer possible to distinguish between two things. One was fully justified in saying that the measure, number, and weight of the energies remain the same. But this is confused with the energies themselves.
[ 28 ] Nun, wenn diese Energienlehre, dieses Gesetz von der Konstanz der Energie, das heute die ganze Naturwissenschaft beherrscht, richtig wäre, dann gäbe es keine Freiheit, dann wäre jede Idee von Freiheit eine bloße Illusion. Daher wurde auch für die Anhänger des Gesetzes von der Konstanz der Energie die Freiheit immer mehr eine Illusion. Stellen Sie sich nur einmal vor, wie solche Leute, wie zum Beispiel Wundt, die Freiheit, die man denn doch fühlt, erklären. Wenn ich, sagen wir, der Esel des berühmten Buridan bin zwischen zwei Bündeln Heu, links und rechts, die gleich groß und gleich schmackhaft sind, so müßte ich, wenn ich frei wäre, also wenn ich nicht nach der einen oder anderen Seite gedrängt würde, verhungern, da ich mich nicht entschließen könnte. Wenn ich nicht bloß zwischen zwei solchen Dingen zu entscheiden habe, sondern zwischen vielen, so werde ich, meinen solche Psychologen, dennoch getrieben, aber weil so viele Begriffe da sind, die ineinanderschießen, was da im Inneren mich besessen macht und was da durcheinanderarbeitet, so entscheide ich mich zuletzt und bekomme, weil ich nicht überschauen kann, was mich eigentlich dazu nötigt, das Gefühl der Freiheit. Ja, es ist nicht lächerlich, es ist wirklich aus dem Grunde nicht lächerlich, weil das, was ich Ihnen jetzt gesagt habe — ich habe gar nicht erwartet, daß man zu lachen beginnt —, in zahlreichen sehr gelehrten Werken steht als eine große Errungenschaft des modernen Denkens, das aus der Naturwissenschaft heraus geboren ist; also es ist eigentlich der Wissenschaft gegenüber unanständig, über so etwas zu lachen. Nun, sehen Sie, die Freiheit wäre eben unmöglich, wenn das Gesetz von der Erhaltung der Kraft wahr wäre. Denn dann wäre ich in irgendeinem Augenblick durch alles Vorhergehende bestimmt, die Energien wandelten sich bloß um, die Freiheit müßte eine bloße Illusion sein. Das ist nämlich eingetreten aus der Entwickelung der Menschheit heraus im 19. Jahrhundert, durch die Aufstellung des Gesetzes von der Konstanz der Energie, daß wir eine Naturanschauung haben, die die Freiheit als eine Idee ausschließt, unmöglich macht, die den Menschen unbedingt zu einem Produkt der notwendigen Naturordnung macht. Die Dinge waren schon vorbereitet, ich möchte sagen, man hat schon seit Jahrhunderten so empfunden. Wie soll es denn da werden mit den Dingen, wie sittliche Verantwortlichkeit, Ethik, religiöse Überzeugung, die ja doch eigentlich gar nicht da sein können, wenn es eine bloße Naturordnung gibt? Die Materialisten des 19. Jahrhunderts, sie waren in einer gewissen Weise ehrlich, sie haben daher abgeleugnet diese ethischen Illusionen der alten Zeit und haben den Menschen wirklich nur für ein Produkt der natürlichen Nötigung erklärt. Aber das konnten andere nicht mitmachen, teilweise deswegen nicht, weil sie nicht die Courage hatten, wie David Friedrich Strauß oder Vogt, oder teilweise auch deshalb nicht, weil sie Pfründen hatten, innerhalb welcher sie verpflichtet waren, von Freiheit, Ethik, Religion zu reden. Da kann man nicht eingehen auf solche Dinge. Die Sache war schon seit langer Zeit mißlich geworden, und daher kam es so, daß man sich sagte: Ja, mit Wissenschaft, mit der ist nur etwas gegenüber der Notwendigkeit zu machen. Diese Wissenschaft beweist, daß die Welt aus einem Urnebel herausgekommen ist und immerfort jeder folgende Zustand notwendig sich aus dem früheren entwickelt hat, daß dabei die Kräftesumme konstant geblieben ist und so weiter, mit dieser Wissenschaft, da ist nichts anzufangen gegenüber Ethik, Religion und so fort. Also los von dieser Wissenschaft! Nichts mit Wissenschaft, nur Glaube! Man muß eine doppelte Buchführung haben, auf der einen Seite für die Außenwelt, für die natürliche Welt: die Wissenschaft; auf der anderen Seite den Glauben, der nun die Ethik feststellt, sogar den Gott beweist. Also retten wir uns auf ein ganz anderes Gebiet als das der Wissenschaft.
[ 28 ] Well, if this theory of energy—this law of the conservation of energy, which today dominates all of natural science—were correct, then there would be no freedom; every idea of freedom would be a mere illusion. That is why, for the adherents of the law of the conservation of energy, freedom became more and more of an illusion. Just imagine for a moment how such people—Wundt, for example—explain the freedom that one nevertheless feels. If I were, say, Buridan’s famous donkey standing between two bales of hay—one on the left and one on the right—that are equally large and equally tasty, then if I were free—that is, if I were not being pushed toward one side or the other—I would starve to death because I could not make up my mind. If I have to choose not just between two such things, but between many, then—according to such psychologists—I am still driven, but because there are so many concepts that clash with one another, which torment me from within and work in confusion, I finally make a decision and, because I cannot fathom what actually compels me to do so, I experience the feeling of freedom. Yes, it’s not ridiculous; it really isn’t ridiculous for this reason: because what I’ve just told you—I didn’t expect anyone to start laughing at all—is presented in numerous highly scholarly works as a great achievement of modern thought, born out of the natural sciences; so it’s actually disrespectful to science to laugh at something like this. Well, you see, freedom would simply be impossible if the law of conservation of energy were true. For then I would be determined at any given moment by everything that came before; energies would merely be transformed, and freedom would have to be a mere illusion. In fact, as a result of the development of humanity in the 19th century—through the formulation of the law of the conservation of energy—we have come to hold a view of nature that excludes freedom as an idea, renders it impossible, and makes human beings unconditionally a product of the necessary order of nature. The groundwork had already been laid; I would say that people have felt this way for centuries. What, then, is to become of such things as moral responsibility, ethics, and religious conviction—which, after all, cannot actually exist if there is merely a natural order? The materialists of the 19th century were, in a certain sense, honest; they therefore rejected these ethical illusions of the past and truly declared human beings to be nothing more than a product of natural compulsion. But others could not go along with this—partly because they lacked the courage, like David Friedrich Strauss or Vogt, and partly because they held ecclesiastical offices within which they were obligated to speak of freedom, ethics, and religion. One cannot address such matters in that context. The situation had long since become problematic, and so it came to pass that people said to themselves: “Well, as for science—it’s of no use whatsoever when it comes to necessity. This science proves that the world emerged from a primordial nebula and that every subsequent state has necessarily developed from the previous one, that the sum of forces has remained constant, and so on. With this science, there’s nothing to be done when it comes to ethics, religion, and so forth.” So away with this science! No more science, only faith! We must maintain a double standard: on the one hand, for the external world, for the natural world—science; on the other hand, faith, which now establishes ethics and even proves the existence of God. So let us take refuge in a realm entirely different from that of science.
[ 29 ] Die Nachwirkung dieses eigentümlichen Zustandes sehen Sie ja überall seit dem Auftreten der neueren Geisteswissenschaft. Es heißen diejenigen, die diesen Glauben retten wollen, Zaun, Niebergall und Gogarten, und ich könnte Ihnen eine ganze Reihe von Leuten herzählen, Bruhn, Leese, die da meinen, das Gebiet des Glaubens muß gerettet werden; wenn die Wissenschaft da einbricht, dann wird die Sache schlimm. Also Wissenschaft, man läßt ihr alles gelten, alles mag ihr hingehen, nur das, was wir wollen, das nennen wir dafür anders: Glaube. — Nun, wie gesagt, es war das Gesetz der Erhaltung der Kraft, das aber nur ein dogmatisches, jetzt ein naturwissenschaftlich-dogmatisches Vorurteil ist. Denn zum Schluß, was bedeutet es denn eigentlich? Sehen Sie, es kann jemand das Experiment machen, kann sagen: Ja, ich stelle mich vor ein Bankgebäude hin und beobachte, wieviel Geld da hineingetragen wird, und bilde mir daraus eine Statistik. Und dann beobachte ich, wieviel Geld herausgetragen wird, und mache mir auch darüber eine Statistik, und ich sehe doch, dieselbe Menge Geld wird herausgetragen, die hineingetragen wurde. Jetzt soll ich noch zu der Vorstellung mich aufschwingen, daß da drinnen Menschen arbeiten! Was herauskommt, ist ja nur das umgewandelte Geld. Es ist ja rein das Gesetz der Konstanz der Geldgröße. — Man hat sehr schöne Experimente gemacht, die ja, wie es scheint, auf Studenten ausgedehnt wurden. Man hat berechnet die Wärmeenergien der Nahrung und hat berechnet, was diese Leute getan haben, und hat richtig sich errechnet, was hineingegessen und hinausgearbeitet wurde: Gesetz der Erhaltung der Kraft! — Auf nichts anderem beruht dieses Gesetz der Erhaltung der Kraft als auf einer ganzen Summe von solchen Vorurteilen. Und wenn man sich über dieses Gesetz der Erhaltung der Kraft nicht erheben wird, so wird man mit diesem Gesetz der Erhaltung der Kraft das Geistige weiter auslöschen. Denn dieses Gesetz der Erhaltung der Kraft ist die Einnistung des Intellekts in der äußeren Natur und das Absehen vom Seelischen.
[ 29 ] You can see the aftermath of this peculiar state of affairs everywhere since the emergence of modern humanities. Those who wish to preserve this faith are called Zaun, Niebergall, and Gogarten, and I could name a whole host of others—Bruhn, Leese—who believe that the realm of faith must be preserved; if science encroaches there, things will turn out badly. So science—we let it have its way, it can do as it pleases—but what we want, we call something else: faith. — Well, as I said, it was the law of conservation of energy, which is, however, merely a dogmatic—and now a scientific-dogmatic—prejudice. For in the end, what does it actually mean? You see, someone could conduct the experiment, say: “Yes, I’ll stand in front of a bank building and observe how much money is carried in, and compile statistics from that.” And then I’ll observe how much money is carried out and compile statistics on that as well, and I’ll see that the same amount of money is carried out as was carried in. Now I’m supposed to stretch my imagination to the point of believing that people are actually working in there! What comes out is, after all, merely the transformed money. It is, after all, purely the law of the constancy of the amount of money. — Very interesting experiments have been conducted, which, it seems, have been extended to include students. The thermal energy of food was calculated, and the physical activity of these people was measured, and it was correctly determined what was consumed and what was expended through work: the law of conservation of energy! — This law of the conservation of energy is based on nothing other than a whole host of such prejudices. And if we do not rise above this law of the conservation of energy, we will continue to extinguish the spiritual through this very law. For this law of the conservation of energy is the entrenchment of the intellect in external nature and the disregard for the soul.
[ 30 ] Vom Seelischen dringen wir nur weiter, wenn wir wiederum in das Geistige eindringen, und in dieses Geistige eindringen, heißt eben nichts anderes, als nun wirklich verstehen, was da eigentlich im Beginne der christlichen Zeitrechnung in die Weltenentwickelung eingetreten ist als ein völlig neuer Impuls, der Christus-Impuls. Ich habe es schon erwähnt, er wurde so verstanden, wie er eben von der einen oder anderen Geistesströmung verstanden werden konnte. Aber wir sind heute in die Notwendigkeit versetzt, ihn neu zu verstehen. Er wurde eine Zeitlang so verstanden, daß man zunächst nicht zugeben wollte, daß der ins Leere gehende Intellekt wiederum zu einem neuen Geistigen komme. Ich sagte Ihnen schon, der Neuplatonismus nahm den Christus ins menschliche Innere herein. Das ist schließlich bis jetzt Usus geblieben. Wir müssen, indem wir nach außen dringen, den Christus auch mit der Außenwelt verbunden denken, das heißt, wir müssen ihn hineinbringen in die Evolution der Außenwelt. Das ist aber gerade das, was an Anthroposophie besonders bekämpft wird, daß man von dem Christus nicht nur in leeren Phrasen herumredet, sondern daß man ihn wiederum im Zusammenhange mit der ganzen Weltentwickelung sieht. Und wenn davon gesprochen wird, daß es wirklich ein kosmisches Ereignis ist, daß da wirklich ein kosmisches Wesen erschienen ist in einem Menschenleibe, in dem Christus, daß so, wie schließlich das Sonnenlicht auf dem irdischen Gebiet jeden Tag sich mit der Erde vereinigt, als etwas Kosmisches die Erde durchdringt, daß so auch auf dem geistigen Gebiete solche Dinge sich vollziehen, so verstehen das insbesondere die Gelehrten der heutigen Zeit noch nicht. Aber das ist notwendig, daß dasjenige, was zunächst auf dem Gebiete der Naturwissenschaft gewonnen worden ist mit dem Intellekt, der zum Schatten geworden ist, aber gerade dadurch als eine freie menschliche Fähigkeit anwendbar geworden ist auf die Außenwelt, daß dieser Intellekt auch anwendbar werde auf die Innenwelt. Daher das Aufsteigen zur Imagination, zur Inspiration, daher das Aufsteigen zu einer wirklichen geistigen Erkenntnis kommen muß.
[ 30 ] We can only proceed further from the soul realm if we in turn penetrate into the spiritual realm; and to penetrate into this spiritual realm means nothing other than to truly understand what actually entered into the evolution of the worlds at the beginning of the Christian era as a completely new impulse—the Christ impulse. As I have already mentioned, he was understood in whatever way he could be understood by one spiritual current or another. But today we are compelled to understand him anew. For a time, he was understood in such a way that people were initially unwilling to admit that the intellect, which had been heading into a void, could once again arrive at a new spiritual reality. As I have already told you, Neoplatonism brought Christ into the innermost being of the human being. This has, after all, remained the norm until now. As we turn our attention outward, we must also conceive of Christ as connected to the outer world; that is, we must bring him into the evolution of the outer world. But this is precisely what is particularly opposed in anthroposophy—that one does not merely speak of Christ in empty phrases, but rather sees him in connection with the entire development of the world. And when it is said that this is truly a cosmic event—that a cosmic being has indeed appeared in a human body, namely Christ—and that just as, ultimately, sunlight on the earthly plane unites with the Earth every day, permeating the Earth as something cosmic, so too do such things take place on the spiritual plane—this is something that the scholars of our time, in particular, still do not understand. But it is necessary that what has initially been gained in the realm of natural science through the intellect—which has become a shadow, yet precisely through this has become applicable to the external world as a free human faculty—that this intellect also become applicable to the inner world. Hence the ascent to imagination, to inspiration; hence the ascent to true spiritual knowledge must take place.
[ 31 ] Aus der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit ergibt sich die Notwendigkeit der Naturwissenschaft, und aus dem Vorhandensein der Naturwissenschaft ergibt sich die Notwendigkeit des Aufsteigens in die Geisteswissenschaft. Es ist keine Schrulle, sich zur Geisteswissenschaft im anthroposophischen Sinne hinzuwenden, sondern das ist selber eine historische Entwickelungstatsache. Nur muß man, wie gesagt, auf dünnes Eis treten, um darauf aufmerksam zu machen, wo die Hindernisse sind. Die Hindernisse sind auf der einen Seite in so etwas wie in dem Gesetz der Erhaltung der Kraft. Zwei Gesetze waren es, welche im 19. Jahrhundert in zweifacher Weise den menschlichen Intellekt beschränken wollten auf bloß dasjenige, was im Irdisch-Sinnlichen lebt, was im Materiellen lebt. Das eine Gesetz ist gegeben von einem naturwissenschaftlichen Konzil als das Gesetz von der Erhaltung der Kraft. Wenn dieses Gesetz richtig ist, dann kann die menschliche Erkenntnis nicht zur Anerkenntnis des Geistigen und der Freiheit weiter vorrücken, sondern dann muß bei einer bloßen automatischen Notwendigkeit stehengeblieben werden, dann muß bei einem bloß Seelischen, das allmählich zum Schattenhaften wird, stehengeblieben werden. Dann kann man aber auch nicht hinaus über das, was bereits das achte ökumenische Konzil von Konstantinopel 869 festgesetzt hat.
[ 31 ] The historical development of humanity gives rise to the necessity of the natural sciences, and the existence of the natural sciences gives rise to the necessity of advancing toward the spiritual sciences. Turning to the spiritual sciences in the anthroposophical sense is not a whim, but rather a historical fact of development in and of itself. However, as I said, one must tread on thin ice to draw attention to where the obstacles lie. On the one hand, the obstacles lie in something like the law of conservation of energy. There were two laws in the 19th century that sought, in two different ways, to limit the human intellect to merely that which exists in the earthly-sensory realm, that which exists in the material world. One of these laws was established by a scientific council as the law of the conservation of energy. If this law is correct, then human knowledge cannot advance any further toward the recognition of the spiritual and of freedom; rather, it must remain stuck at the level of mere automatic necessity, and it must remain confined to the purely psychological, which gradually becomes shadowy. But then one cannot go beyond what was already established by the Eighth Ecumenical Council of Constantinople in 869.
[ 32 ] Das sind die beiden Konzilien: Eines, das von naturwissenschaftlicher Seite ausgegangen ist. Das andere Konzil steht wie im polarischen Gegensatz dazu. Es ist dasjenige, das 1870 die Infallibilität des päpstlichen Stuhles, wenn er ex cathedra spricht, erklärt hat. Da wird, um zur Erkenntnis zu kommen, nicht mehr appelliert an ein Geistiges, da wird appelliert an den römischen Papst, da ist der Papst derjenige, der ex cathedra entscheidet über das, was als katholisches Lehrgut wahr oder falsch sein soll. Da ist heruntergeholt aus geistigen Höhen auf die Erde, ins Materielle, die Entscheidung über Wahrheit und Irrtum. So wie ins Materielle unsere Erkenntnis untergetaucht ist durch das Gesetz von der Konstanz der Kraft, so ist ins Materielle untergetaucht die lebendige Entwickelung des Menschen im Geistigen durch das Infallibilitätsdogma. Beide gehören zusammen, beide verhalten sich wie Nord- und Südpol.
[ 32 ] These are the two councils: one that originated from the natural sciences. The other council stands in polar opposition to it. It is the one that, in 1870, declared the infallibility of the papal see when it speaks ex cathedra. There, in order to arrive at knowledge, one no longer appeals to the spiritual realm; instead, one appeals to the Roman Pope, and it is the Pope who decides ex cathedra what is to be considered true or false within Catholic doctrine. Here, the decision regarding truth and error has been brought down from spiritual heights to the earth, into the material realm. Just as our knowledge has been submerged into the material realm by the law of the constancy of force, so too has the living development of the human being in the spiritual realm been submerged into the material realm by the dogma of infallibility. The two belong together; they relate to one another like the North and South Poles.
[ 33 ] Was wir brauchen in der Menschheitsentwickelung, ist aber eine freie Geistigkeit. Der Herrscher muß das Geistige selber sein, und der Mensch muß seinen Weg in den Geist hinein finden. Daher brauchen wir den Aufstieg in das Geistige. Wir brauchen diesen Aufstieg, um uns zu erheben auf der einen Seite von jener Niederlage, die der Geist erlitten hat dadurch, daß das Gesetz von der Erhaltung der Kraft aufgestellt wurde, und jener anderen Niederlage, die er erlitten hat dadurch, daß alles Religiöse vermaterialisiert wurde, indem nach der Erde heruntergeholt worden ist von Rom die Entscheidung über Wahr und Falsch. Daß ein Durchbruch auf der Bahn des Geistes selbstverständlich heute nicht leicht ist, das ist begreiflich, denn die Welt ist durch und durch voller Oberflächlichkeit und bildet sich auf ihre Oberflächlichkeit furchtbar viel ein. Sie läßt durch Autoritäten entscheiden, die Autoritäten aber entscheiden manchmal ganz sonderbar. Da las ich neulich einen Artikel, den ein hier lehrender, in einer benachbarten Stadt wohnender Professor geschrieben hat, weil ihn ein Blatt aus der hiesigen Gegend ersucht hat, ein autoritatives Urteil abzugeben über diese Anthroposophie. Dieser Professor schrieb allerlei in diesem Artikel. Dann stößt man mittendrin auf einen merkwürdigen Satz. Da steht drinnen, daß ich behaupte, indem ich die geistige Welt schildere, daß man sehen könnte in dieser geistigen Welt, wie sich geistige Wesenheiten frei so bewegten wie Tische und Stühle in dem physischen Raum. Nun, das ist Traubsche Logik! Tische und Stühle im physischen Raum sich bewegen sehen — ich möchte den Geisteszustand des Autors in dem Augenblick, wo er einen solchen Satz geschrieben hat, nicht weiter untersuchen! Aber an Menschen solchen geistigen Kalibers wenden sich heute die Journale, wenn autoritativ entschieden werden soll über Geisteswissenschaft. Merkwürdig sind ja die Menschen manchmal. Zum Beispiel heißt da einer Zaun. Weil ich doch morgen einen Vortrag zu halten habe, habe ich nun auch gestern dieses Büchlein von Laun gelesen. Ich habe mich immer gefragt: Ja, warum redet der Laun gar solchen Unsinn? Ich fand mich eigentlich aus dem Grunde nicht zurecht, weil ich gar keinen Menschen sprechen hörte; es war so etwas ganz Hohles. Allerdings, einmal stieß ich da auf einen ganz merkwürdigen Satz, der ungefähr lautet — ich habe das Schriftchen nicht da —: Es sei allerdings richtig, daß ein katholischer Christ, wenn er über Anthroposophie urteilen sollte, sich eigentlich ausnehme wie ein Mensch, der von der Anthroposophie nichts wissen könne. — Das steht wörtlich drinnen. Man kann es sogar dem Domkapitular Laun wirklich glauben, denn dann sagt er ganz richtig: Ja, es wäre ja selbstverständlich, daß ein katholischer Christ nichts wissen kann, denn es ist ja seit dem 18. Juli 1919 den Christen verboten, die Bücher zu lesen. Es ist ihnen nicht verboten, Gegenschriften zu schreiben, aber es ist ihnen verboten, die Bücher zu lesen! — Man darf ja gar nichts wissen. Es gibt eben wirklich sonderbare Leute.
[ 33 ] What we need in the development of humanity, however, is a free spirituality. The ruler must be the spiritual itself, and human beings must find their way into the spiritual. That is why we need to ascend into the spiritual. We need this ascent in order to rise, on the one hand, above the defeat that the spirit has suffered as a result of the establishment of the law of conservation of energy, and, on the other hand, above the defeat it has suffered as a result of the materialization of all that is religious—namely, the decision regarding truth and falsehood having been brought down to earth by Rome. It is understandable that a breakthrough on the path of the spirit is, of course, not easy today, for the world is thoroughly steeped in superficiality and takes tremendous pride in its superficiality. It allows authorities to make decisions, but those authorities sometimes make very strange decisions. I recently read an article written by a professor who teaches here and lives in a neighboring town, because a local newspaper had asked him to offer an authoritative judgment on this anthroposophy. This professor wrote all sorts of things in that article. Then, right in the middle of it, one comes across a strange sentence. It states that I claim—in describing the spiritual world—that one could see in this spiritual world how spiritual beings move about as freely as tables and chairs do in physical space. Well, that’s Traub-style logic! Seeing tables and chairs move in physical space—I’d rather not delve further into the author’s state of mind at the very moment he wrote such a sentence! But it is to people of such spiritual caliber that the journals turn today when an authoritative judgment is to be made about spiritual science. People are indeed strange sometimes. For example, there’s one named Zaun. Since I have a lecture to give tomorrow, I read this little book by Laun yesterday as well. I’ve always asked myself: Why on earth does Laun talk such nonsense? I actually couldn’t make sense of it because I didn’t hear a single person speaking; it was something completely hollow. However, I once came across a very peculiar sentence there that goes something like this—I don’t have the booklet here—: “It is indeed true that a Catholic Christian, when called upon to judge anthroposophy, actually comes across as someone who can know nothing about anthroposophy.”—That’s the exact wording in there. One can actually believe Canon Laun on this point, for he then says quite correctly: Yes, it would go without saying that a Catholic Christian can know nothing, since, after all, Christians have been forbidden to read the books since July 18, 1919. They are not forbidden to write counter-texts, but they are forbidden to read the books! — One isn’t allowed to know anything at all. There really are some strange people out there.
[ 34 ] Und das ist eben der andere Pol, dieses Angekommensein bei einem völlig passiven Sich-Hingeben, nun nicht an ein Geistiges, sondern an etwas sehr Weltliches, an etwas durchaus in der materiellen Welt Existierendes. Und so könnte man ja sehr vieles aufzählen. Wenn man ein wenig kulturhistorisch die Moralität unserer Zeit schildern wollte, so findet man gar manche niedliche Dokumentchen. Aber ich will Ihnen nur noch ein Beispiel sagen. Hier wird eine gefährliche Irrlehre - Sie können sich denken, welche das ist - in einem Feuilleton aus Göttingen abgehandelt. Aber man rechnet offenbar darauf, daß die Leser, die das lesen, gar nichts gelesen haben, eigentlich auch gar nichts Richtiges gehört haben von demjenigen, worüber da geurteilt wird. Daher macht man eine Anmerkung von vierzehn Zeilen, und in diesen vierzehn Zeilen ist abgehandelt: Anthroposophie und Dreigliederung. Mit der Abhandlung über Anthroposophie will ich Sie verschonen, ich will Ihnen nur den letzten Satz vorlesen, was über die Dreigliederung gesagt wird: «Die Bewegung erstrebt eine möglichst hohe Entwickelung des Menschentums. Sie hat auch ihre Anschauungen in bezug auf den Staat festgelegt. Sie wünscht eine Zerlegung in Wirtschafts-, Finanz- und Kulturstaat!» Da haben Sie die Dreigliederung: in Wirtschafts-, Finanz- und Kulturstaat! Also Sie sehen, so sucht man diejenigen zu unterrichten, zu denen man in solchen Kritiken dann redet, und man kann sie in solcher Weise unterrichten. Man schreibt solche Artikel, indem man Anmerkungen dazu macht, in denen man sich so gut unterrichtet zeigt! Also es ist schon schwierig, dasjenige, was auf der einen Seite aus der weltgeschichtlichen Entwickelung sich ergibt als ein sachgemäßer Impuls, was auf der anderen Seite sich ergibt aus der naturwissenschaftlichen Denkweise selber, die nur, möchte man sagen, in ihr Gegenteil sich verkehrt hat mit dem Einmünden in das Gesetz von der Konstanz der Energie oder Kraft, es ist schon notwendig, sich wirklich durchzuringen zu einer Erkenntnis der geistigen Welt. Vieles wird aufstehen gegen diese Arbeit, die in dem erkennenden Ergreifen der geistigen Welt besteht. Aber diese Arbeit muß erfolgen, und selbst, wenn die Gegner für eine Zeit die Macht hätten, sie zu zertreten, sie muß wieder erstehen, denn sollen wir aus der Geschichte lernen, so müssen wir aus dieser Geschichte nicht nur reden lernen, sondern wir müssen lernen, aus dieser Geschichte unseren Willen befeuern, unsere Herzen erwärmen! Wenn wir so die Geschichte auf uns wirken lassen, dann wird sie uns das zeigen, was unsere Taten erfüllen muß, was eindringen muß in das Geistige, in das Rechtlich-Staatliche, in das Wirtschaftliche als Geistigkeit.
[ 34 ] And that is precisely the other extreme: this state of having arrived at a completely passive surrender—not to something spiritual, but to something very worldly, to something that exists entirely within the material world. And one could certainly list many such examples. If one were to describe the morality of our time from a cultural-historical perspective, one would find quite a few amusing little documents. But I’ll give you just one more example. Here, a dangerous heresy—you can imagine which one it is—is discussed in a cultural supplement from Göttingen. But they are evidently counting on the fact that the readers who read this have read nothing at all—and, in fact, have heard nothing accurate—about the very subject being judged here. That is why they include a fourteen-line note, and in these fourteen lines, the following is discussed: anthroposophy and the threefold social order. I’ll spare you the discussion of anthroposophy; I’ll just read you the last sentence regarding the threefold social order: “The movement strives for the highest possible development of humanity. It has also defined its views regarding the state. It advocates a division into an economic, financial, and cultural state!” There you have the threefold social order: the economic, financial, and cultural state! So you see, this is how one seeks to educate those to whom one is addressing such critiques, and one can educate them in this way. One writes such articles by making comments on them that demonstrate how well-informed one is! So it is indeed difficult—on the one hand, what emerges from the development of world history as an appropriate impulse, and on the other hand, what arises from the scientific way of thinking itself, which, one might say, has turned into its opposite with its convergence into the law of the conservation of energy or force—it is indeed necessary to truly bring oneself to a recognition of the spiritual world. Much will rise up against this work, which consists in the discerning grasp of the spiritual world. But this work must be done, and even if opponents were to have the power to crush it for a time, it must rise again; for if we are to learn from history, we must not only learn to speak of this history, but we must learn to use this history to kindle our will and warm our hearts! If we allow history to take effect upon us in this way, then it will show us what our actions must accomplish, what must penetrate into the spiritual realm, into the legal and political sphere, and into the economic sphere as spirituality.
[ 35 ] Das ist es, was ich zum Schlusse noch sagen wollte. Ich wollte Ihnen zunächst eine objektive Darstellung geben, wie Naturwissenschaft herauswächst aus dem Entwickelungsgang der Menschheit, um gerade dadurch jetzt am Schlusse dieses vielleicht nur als ein Anhängsel zu geben, die Erkenntnis, daß es eine Lehre der wirklichen Geschichte, nicht einer agnostischen Geschichte, die wir im 19. Jahrhundert durchlebt haben, sondern daß es eine Lehre der wirklichen Geschichte ist: Wir Menschen, wir müssen zur Geist-Erkenntnis durch!
[ 35 ] That is what I wanted to say in closing. I wanted first to give you an objective account of how the natural sciences have emerged from the course of human development, so that, precisely through this, I might now, at the end—and perhaps this is merely an addendum—offer the insight that it is a lesson from real history—not from an agnostic history, such as we experienced in the 19th century—but that it is a lesson from real history: We humans must strive toward spiritual knowledge!
