The Agricultural Course
Spiritual Science Foundations
for the Prosperity of Agriculture
GA 327
11 June 1924, Koberwitz
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The Agricultural Course, tr. SOL
Gründung des landwirtschaftlichen Versuchsrings
Founding of the Agricultural Research Association
[ 1 ] Vorerst lassen Sie mich meine tiefste Befriedigung darüber ausdrücken, dass dieser Versuchsring, der von dem Grafen Keyserlingk angeregt wurde, zustande gekommen ist und sich nun auch erweitert hat um die Interessenten der Landwirtschaft, die das erste Mal bei einer solchen Versammlung anwesend waren. Es ging ja diese Begründung zeitlich hervor daraus, dass zunächst Herr Stegemann auf verschiedene Bitten hin sich bereit erklärte, einiges von dem mitzuteilen, was zwischen ihm und mir im Laufe der letzten Jahre über allerlei Richtlinien gegenüber der Landwirtschaft gesprochen worden ist, und was er durch seine so anerkennenswerten Bemühungen auf seiner Landwirtschaft nach der einen oder anderen Seite ausprobiert hat. Daraus ging dann die Diskussion hervor zwischen unserem hochverdienten Grafen Keyserlingk und Herrn Stegemann, die dazu führte, dass zunächst ein Gespräch stattgefunden hat, in dem die heute vorgelesene Resolution gefasst worden ist, und das dann dazu geführt hat, dass wir heute wiederum hier zusammengekommen sind.
[ 1 ] First of all, let me express my deepest satisfaction that this experimental group, which was initiated by Count Keyserlingk, has come into being and has now expanded to include those interested in agriculture who were attending such a gathering for the first time. The impetus for this initiative arose when Mr. Stegemann, in response to various requests, agreed to share some of what he and I had discussed over the past few years regarding various guidelines for agriculture, as well as what he had tried out on his farm in one way or another through his highly commendable efforts. This then gave rise to a discussion between our highly esteemed Count Keyserlingk and Mr. Stegemann, which led first to a meeting in which the resolution read aloud today was adopted, and which in turn led to our gathering here again today.
[ 2 ] Es ist ja durchaus eine tief befriedigende Tatsache, dass sich nun gewissermaßen als Träger der Versuche im Anschluss an — ja, zunächst können es nur Richtlinien sein — die Richtlinien, die hier in diesen Vorträgen gegeben werden, eine Anzahl von Personen gefunden haben, um Versuche zu machen, diese Richtlinien zu bestätigen und zu zeigen, wie sie sich praktisch ausnützen lassen. Allein, es ist notwendig, dass wir uns heute in einem Augenblicke, wo sich in einer so befriedigenden Weise so etwas bildet, bewusst sind, dass wir ja die Erfahrungen, die wir mit unseren Bestrebungen auf praktischen Gebieten innerhalb der anthroposophischen Bewegung gemacht haben, verwerten und namentlich, dass wir die Fehler vermeiden, die ja erst so recht sichtbar geworden sind im Laufe der Zeit, in der von anthroposophischer, ich möchte sagen, zentraler Betätigung heraus übergegriffen wurde auf peripherische Betätigung, auf die Einführung desjenigen, was Anthroposophie sein soll und sein kann, in die verschiedenen Gebiete des Lebens. Nun wird ja daher ganz besonders interessieren natürlich für die Arbeiten, die diese landwirtschaftliche Gemeinschaft zu leisten hat, dasjenige, was uns als Erfahrung geworden ist bei der Einführung, sagen wir, des Anthroposophischen in das allgemein Wissenschaftliche.
[ 2 ] It is indeed a deeply satisfying fact that a number of people have now, so to speak, stepped forward as the driving force behind the experiments—following—yes, at first they can only be guidelines—the guidelines provided here in these lectures—to conduct experiments aimed at confirming these guidelines and demonstrating how they can be put to practical use. However, at a time when something like this is taking shape in such a gratifying way, it is necessary for us to be aware that we must draw upon the experiences we have gained through our practical endeavors within the anthroposophical movement—and, in particular, that we must avoid the mistakes that have become all the more apparent over time, when anthroposophical, I would say, central activity was extended to peripheral activity—to the introduction of what anthroposophy is meant to be and can be into the various spheres of life. Now, of course, what we have learned through experience in introducing, let us say, anthroposophy into the realm of general science will be of particular interest for the work that this agricultural community has to carry out.
[ 3 ] Sehen Sie, wenn es sich um so etwas handelt, da sind diejenigen, die gewissermaßen bisher verwaltet haben das Zentralanthroposophische in ihrer Art mit innerer Treue, mit innerer Hingabe, und diejenigen, die dann in der Peripherie stehen und für das einzelne Lebensgebiet das bearbeiten wollen, in der Regel nicht mit einem vollen Verständnis einander gegenübergestanden. Wir haben das insbesondere bei der Zusammenarbeit mit unseren wissenschaftlichen Instituten genügend erfahren. Da sind auf der einen Seite die Anthroposophen als solche, die Anthroposophen, welche sich ausleben in diesem Zentralen der Anthroposophie als Weltanschauung, als Lebensinhalt, den man vielleicht jede Minute mit starker Innerlichkeit durch die Welt trägt. Da sind eben die Anthroposophen, die Anthroposophie tun, lieben, und zu ihrem eigenen Lebensinhalt machen, die haben in der Regel — nicht immer — die Vorstellung, es ist etwas Bedeutsames getan, wenn man da oder dort einen wiederum oder viele wiederum für die Anthroposophie gewonnen hat. Die wollen eigentlich nur, wenn sie nach außen wirken, Leute gewinnen für die Anthroposophie, und sie haben so die Vorstellung, dass die Leute sich auch — verzeihen Sie den Ausdruck — mit Haut und Haar gewinnen lassen müssen, zum Beispiel, wenn einer Universitätsprofessor so irgendeines naturwissenschaftlichen Zweiges ist, so, wie er hineingestellt ist in den naturwissenschaftlichen Betrieb, in dem er darinnen steht. Solche Anthroposophen in ihrer Gutherzigkeit und Liebe meinen dann auch selbswverständlich, man könne den Landwirt mit Haut und Haar, mit dem Boden, mit alledem, was daran hängt, mit dem, was die Landwirtschaft an sonstigen Produkten wiederum in die Welt übergehen lässt, so einfach von heute auf morgen in den anthroposophischen Betrieb hineinbekommen. Das meinen die «zentralen» Anthroposophen. Sie irren natürlich. Und wenn auch sehr viele von ihnen sagen, sie seien treue Anhänger von mir, ja, da geht es oftmals so, dass sie schon in ihrem Gemüt treue Anhänger sind, aber sie hören vorbei, was ich in entscheidenden Augenblicken sagen muss. Sie hören dann nicht, dass ich zum Beispiel sage: Es ist eine Naivität, zu glauben, dass man einen Professor oder einen sonstigen Wissenschafter von heute auf einmal für die Anthroposophie gewinnen kann. Das geht nicht. Der Mensch hat mit einer zwanzig- bis dreißigjährigen Vergangenheit zu brechen, dazu häute er hinter sich einen Abgrund aufzurichten; die Dinge müssen nach dem Leben genommen werden.
[ 3 ] You see, when it comes to something like this, there are those who, in a sense, have until now managed the central aspects of anthroposophy in their own way—with inner loyalty and inner devotion—and those who stand on the periphery and wish to work on specific areas of life; as a rule, they have not faced one another with a full understanding. We have experienced this sufficiently, particularly in our collaboration with our scientific institutes. On the one hand, there are the anthroposophists as such—those who live out this central aspect of anthroposophy as a worldview, as the very essence of life, which one perhaps carries through the world every minute with deep inner feeling. There are, in fact, those anthroposophists who practice, love, and make anthroposophy the very purpose of their lives; they generally—though not always—hold the view that something significant has been accomplished when they have won over one or many people here or there to anthroposophy. When they engage with the outside world, their sole aim is to win people over to anthroposophy, and they hold the view that people must—if you’ll pardon the expression—be won over body and soul; for example, if a university professor specializes in some branch of the natural sciences, just as he is embedded in the scientific establishment in which he operates. Such anthroposophists, in their good-heartedness and love, then naturally assume that one can simply bring the farmer—body and soul, along with the soil, everything connected to it, and all the other products that agriculture brings into the world—into the anthroposophical enterprise overnight. That is what the “central” anthroposophists believe. They are, of course, mistaken. And even though many of them claim to be my loyal followers—indeed, it is often the case that they are loyal followers in their hearts—they fail to hear what I must say at crucial moments. They then fail to hear, for example, when I say: It is naive to believe that one can win over a professor or any other scientist of today to anthroposophy overnight. That is not possible. A person must break with a past spanning twenty to thirty years; to do so, they would have to create an abyss behind them; things must be taken as they are in life.
[ 4 ] Anthroposophen glauben oftmals, das Leben bestehe im Denken. Es besteht nicht bloß im Denken. Diese Dinge müssen gesagt werden, damit sie auch auf den richtigen Boden fallen können. Diejenigen, die irgendein Lebensgebiet aus gutem, treuem Herzen mit der Anthroposophie vereinigen wollen, ja, auch wissenschaftliche Gebiete, haben sich dieses eben gar nicht klargemacht, als sie innerhalb der Anthroposophie Arbeitende geworden sind, und sie gehen immer wieder von der irrigen Meinung aus, man müsse es ebenso machen, wie man es bisher in der Wissenschaft gemacht hat, müsse genau so vorgehen, wie man bisher in der Wissenschaft vorgegangen ist. Zum Beispiel gibt es eine Anzahl von auf medizinischem Gebiete bei uns arbeitenden, recht lieben, guten Anthroposophen, die fanden, dass nun Mediziner auf ihre bisherige medizinische Art anwenden sollten, was aus der anthroposophischen Medizin kommt. In dieser Beziehung macht Frau Doktor Wegman eine volle Ausnahme; die sah nur eben rein die Notwendigkeit [, die für die anthroposophische Medizin besteht] innerhalb unserer Gesellschaft.
[ 4 ] Anthroposophists often believe that life consists of thinking. It does not consist solely of thinking. These things must be said so that they may fall on fertile ground. Those who, out of a good and sincere heart, wish to integrate any area of life—yes, even scientific fields—with anthroposophy have not made this clear to themselves at all when they became practitioners of anthroposophy, and they repeatedly proceed from the mistaken belief that that one must do things exactly as they have been done in science up to now, and proceed exactly as science has proceeded up to now. For example, there are a number of quite dear, good anthroposophists working in the medical field among us who felt that physicians should now apply what comes from anthroposophical medicine in their traditional medical manner. In this regard, Dr. Wegman is a complete exception; she simply recognized the necessity [that exists for anthroposophical medicine] within our society.
[ 5 ] Ja, was erlebt man da? Da handelt es sich nun nicht so sehr um die Ausbreitung des Zentralanthroposophischen [innerhalb der Gesellschaft], sondern da handelt es sich um die Ausbreitung des Anthroposophischen heraus in die Welt. Da erlebt man, dass die Leute sagen: Ja, das haben wir bisher auch gemacht, darinnen sind wir die Fachleute, das können wir mit unseren Methoden beherrschen, darüber können wir ja ohne Zweifel urteilen. Aber was [die] da bringen, widerspricht dem, was wir mit unseren Methoden gefunden haben. Sie sagen dann, dass es falsch sei, und wir haben es erlebt, wenn man es rein den Wissenschaftern nachmachen will, dass sie sagen, das könnten sie besser. Es ist in diesen Fällen gar nicht zu leugnen, dass die es besser anwenden können, schon aus dem Grunde, weil in der Wissenschaft in den letzten Jahren eigentlich die Methoden die Wissenschaft gefressen haben. Die Wissenschaften haben nur noch Methoden. Sie gehen nicht mehr auf das Sachliche los, sie sind ja aufgezehrt worden von ihren Methoden, sodass man heute die Forschungen haben kann, aber es ist nichts mehr [Substanzielles] drinnen. So haben wir es erlebt, dass diese Wissenschafter, die ihre Methoden vorzüglich exakt hatten, wütend wurden, wenn die Anthroposophen kamen und nichts anderes taten, als dieselben Methoden handhaben. Was kann man hier damit beweisen? Nichts anderes hat sich herausgestellt bei den schönen Dingen, die wir so machen können, bei den ausgezeichneten Untersuchungen, die in dem Biologischen Institut [am Goetheanum] gemacht werden, als dass die Leute wütend waren, wenn unsere Wissenschafter in ihren Vorträgen über dieselben Methoden sprachen. Sie waren wütend, denn sie hörten die Dinge, die sie gewohnt waren, in gewissen Gedankenbahnen zu haben, die hörten sie wiederum.
[ 5 ] Yes, what does one experience there? It’s not so much a matter of the spread of central anthroposophy [within society], but rather the spread of anthroposophy out into the world. There, one experiences people saying: “Yes, we’ve been doing that all along; we’re the experts in that field; we can master it with our methods; we can certainly judge it without a doubt. But what they’re presenting contradicts what we’ve found using our methods.” They then say it’s wrong, and we’ve seen that when people try to follow the scientists’ lead, the scientists claim they could do it better. In these cases, there’s no denying that they can apply it better, if only because, in recent years, methods have actually consumed science. The sciences have nothing left but methods. They no longer engage with the substance of the matter; they have been consumed by their methods, so that today we may have the research, but there is nothing [substantial] left in it. We have seen how these scientists, who had their methods down to a fine point, became furious when the anthroposophists came along and did nothing other than apply those same methods. What can one prove with this? As for the wonderful things we are able to do, and the excellent research conducted at the Biological Institute [at the Goetheanum], nothing else has come to light other than that people became furious when our scientists spoke about these very same methods in their lectures. They were furious because they heard things they were accustomed to thinking about in certain ways—they heard them again.
[ 6 ] Aber wir haben etwas anderes erlebt, was wichtig ist. Das ist dieses: Es haben sich nun einige unserer Wissenschafter mal bequemt, von ihrer Methode, es den anderen nachzumachen, abzugehen, haben es nur halb und halb gemacht, nur so, dass sie im ersten Teil ganz wissenschaftlich waren, richtig die Methoden der Wissenschaft angewendet haben in den Auseinandersetzungen. Dann wurden die Zuhörer wütend. Was pfuscht man uns in unsere Sache hinein, was heißt das? Das sind ja Frechlinge, sind freche Dachse, die ja dileutantisch in unsere Wissenschaft hineinpfuschen! Dann waren die Redner im zweiten Teile übergegangen zu dem eigentlichen Leben, was nun nicht herausgearbeitet ist in der alten Art, sondern als Anthroposophisches vom Überirdischen her genommen ist. Da wurden die, die vorher wütend waren, furchtbar aufmerksam, waren begierig, das zu hören, und fingen an, Feuer zu fangen. Anthroposophie mochten die Leute schon, aber sie können nicht leiden — und sogar, wie ich zugestanden habe, mit Recht —, was man als ein unklares Mixtum compositum von Anthroposophie und Wissenschaft zusammenleimt. Mit dem kann man nicht vorwärtskommen.
[ 6 ] But we’ve experienced something else that’s important. It’s this: Some of our scientists have now deigned to depart from their habit of imitating others—though they’ve only done so halfway, in such a way that in the first part they were entirely scientific, correctly applying scientific methods in their arguments. Then the audience got angry. “Why are they meddling in our business? What does that mean? They’re insolent rascals, cheeky little devils who are meddling in our science like dilettantes!” Then, in the second part, the speakers moved on to real life—not as it was traditionally conceptualized, but as an anthroposophical perspective drawn from the supernatural. Then those who had been angry before became terribly attentive, were eager to hear this, and began to catch fire. People already liked anthroposophy, but they can’t stand—and, as I have admitted, quite rightly—what is cobbled together as an unclear “mixtum compositum” of anthroposophy and science. You can’t make any progress with that.
[ 7 ] Deshalb begrüße ich es mit einer großen Freude, dass auf Anregung des Grafen Keyserlingk das hervorgegangen ist, dass nun die landwirtschaftliche Berufsgemeinschaft sich zusammenschließen will auf demjenigen, was von Dornach aus als Naturwissenschaftliche Sektion begründet worden ist. Diese Naturwissenschaftliche Sektion ist ja, wie das andere, das jetzt vor uns hintritt, aus der Weihnachtstagung hervorgegangen.
[ 7 ] It is therefore with great joy that I welcome the fact that, at the suggestion of Count Keyserlingk, the agricultural professional community now intends to unite around what was established in Dornach as the Natural Science Section. This Natural Science Section, like the other initiative now before us, emerged from the Christmas Conference.
[ 8 ] Also von Dornach wird schon ausgehen, was ausgehen soll. Da werden wir schon aus der Anthroposophie selber heraus die allerexaktesten Wissenschaftsmethoden und Richtlinien finden. Nur natürlich kann ich nicht einverstanden sein mit demjenigen, was Graf Keyserlingk gesagt hat, dass die angeführte Berufsgemeinschaft bloß Ausführungsorgan sein soll. Sie werden sich schon überzeugen, dass von Dornach aus eine Art von Richtlinien, Angaben ausgeht, die von jedem Menschen auf seinem Platze verlangt, wenn er mitarbeiten will, dass er ein ganzer Mitarbeiter ist. Wir werden sogar — und das wird sich am Ende meiner Vorträge herausstellen, ich werde ja die ersten Richtlinien am Ende des Vortrags zu geben haben — die Grundlage zu der allerersten Arbeit, die wir in Dornach zu leisten haben, erst von Ihnen zu bekommen haben. Wir werden die Richtlinien so anzugeben haben, dass erst aus den Antworten heraus, die wir bekommen, wir irgendetwas machen können. Also wir werden von Anfang an aktive, aktivste Mitarbeiter brauchen, nicht bloß Ausführungsorgane. Denn sehen Sie, wenn ich nur eines anführe — mehrfach wurde es in diesen Tagen vom Grafen Keyserlingk und mir besprochen —, ein Gut ist ja immer in dem Sinne eine Individualität, dass es wirklich niemals das gleiche ist wie ein anderes Gut. Klima, Bodenverhältnisse geben die allerunterste Grundlage zur Individualität eines Gutes. Ein Gut in Schlesien ist nicht so wie in Thüringen oder Süddeutschland. Das sind wirklich Individualitäten. Nun haben gerade nach anthroposophischer Anschauung Allgemeinheiten, Abstraktionen überhaupt gar keinen Wert, und sie haben am allerwenigsten Wert, wenn man in die Praxis eingreifen will. Was hat es für einen Wert, nur im Allgemeinen von dieser praktischen Frage von Gütern zu sprechen!
[ 8 ] So what is meant to come out of Dornach will indeed come out of it. There, we will find the most precise scientific methods and guidelines right within anthroposophy itself. Of course, I cannot agree with what Count Keyserlingk said—that the professional community in question is to be merely an executive body. You will see for yourselves that a set of guidelines and instructions emanates from Dornach that requires every person, in their own position, to be a fully committed collaborator if they wish to participate. We will even—and this will become clear at the end of my lectures; after all, I will have to provide the first guidelines at the end of the lecture—have to receive from you the foundation for the very first work we have to carry out in Dornach. We will have to formulate the guidelines in such a way that only from the answers we receive will we be able to do anything at all. So from the very beginning, we will need active—the most active—collaborators, not merely executors. For you see, to cite just one example—it has been discussed repeatedly in recent days by Count Keyserlingk and me—an estate is always an individual entity in the sense that it is truly never exactly the same as any other estate. Climate and soil conditions provide the very foundation for an estate’s individuality. An estate in Silesia is not the same as one in Thuringia or southern Germany. These are truly unique entities. Now, according to the anthroposophical view, generalities and abstractions have no value whatsoever, and they have the least value of all when one wishes to intervene in practical matters. What value is there in speaking only in general terms about this practical question of estates!
[ 9 ] Im Allgemeinen soll man achten auf das, was konkret ist, da kommt man auf das, was dann angewendet werden muss. Man muss natürlich, so wie aus den zweiunddreißig Buchstaben das Verschiedenste zusammengesetzt ist, auch mit dem verfahren, was in diesen Vorträgen vorgebracht wird, weil sich daraus erst zusammensetzen wird, was man erwartet. Wenn man über die praktischen Fragen sprechen will auf Grundlage der sechzig Mitarbeiter, da handelt es sich ja doch wirklich darum, die praktischen Winke und die praktischen Unterlagen für diese sechzig konkreten Landwirtschafter zu finden. Und nun wird es sich zuerst darum handeln, dasjenige aufzusuchen, was wir nach dieser Richtung hin wissen. Dann wird sich erst die allererste Versuchsreihe ergeben, dann wird es sich darum handeln, wirklich praktisch zu arbeiten. Dazu brauchen wir aktivste Mitglieder. Und was wir brauchen, das sind überhaupt in der Anthroposophischen Gesellschaft wirkliche Praktiker, die nicht abgehen von dem Prinzip, dass die Praxis eben doch etwas fordert, was nicht gleich von heute auf morgen verwirklicht werden kann. Wenn die, die ich zentrale Anthroposophen genannt habe, glauben, dass ein Professor oder ein Landwirt oder ein Arzt, nachdem sie jahrzehntelang in einem bestimmten Milieu gestanden sind, von heute auf morgen eine anthroposophische Überzeugung annehmen können, so ist das eben ein Irrtum. Bei der Landwirtschaft wird es ja deutlich hervortreten. Der landwirtschaftliche Anthroposoph könnte ja, wenn er idealistisch genug dazu ist, von dem neunundzwanzigsten ins dreißigste Jahr ganz ins anthroposophische Fahrwasser auch in Bezug auf seine Landwirtschaft übergehen; aber machen die Äcker, Betriebseinrichtungen, das mit, die zwischen ihm und den Konsumenten vermitteln und so weiter? Die kann man doch nicht vom neunundzwanzigsten aufs dreißigste Jahr gleich zu Anthroposophen machen. Und wenn man dann einsieht, dass das nicht geht, verliert man sehr häufig gleich den Mut.
[ 9 ] In general, one should pay attention to what is concrete, because that leads to what must then be applied. Of course, just as the thirty-two letters are combined to form a wide variety of words, one must also proceed in the same way with what is presented in these lectures, because it is only from these elements that what one expects will come together. If we want to discuss practical questions based on the sixty collaborators, the real task is to find the practical guidance and practical materials for these sixty specific farmers. And now the first task will be to seek out what we know in this regard. Only then will the very first series of experiments emerge, and then the focus will be on actually working in a practical way. For this, we need the most active members. And what we need, above all, within the Anthroposophical Society, are true practitioners who do not stray from the principle that practice does, after all, demand something that cannot be realized overnight. If those I have called “core anthroposophists” believe that a professor, a farmer, or a doctor—after having been in a particular milieu for decades—can adopt an anthroposophical conviction overnight, then that is simply a mistake. This becomes particularly clear in the case of agriculture. An agricultural anthroposophist, if he is idealistic enough, might indeed transition fully into the anthroposophical way of thinking—including with regard to his farming—between his twenty-ninth and thirtieth years; but will the fields, the farm facilities, and everything that mediates between him and the consumers, and so on, go along with this? You can’t just turn them into anthroposophists overnight, from the twenty-ninth to the thirtieth year. And once you realize that this isn’t possible, you very often lose heart right away.
[ 10 ] Aber gerade darum handelt es sich, dass man nicht immer den Mut verliert, sondern weiß, es kommt nicht auf den Augenblickserfolg an, sondern auf das unbedingte Arbeiten. Man macht so viel, als eben gleich geht. Der eine kann mehr, der andere kann weniger. Schließlich wird man sogar, so paradox das klingt, umso mehr machen können, je beschränkter man es gestaltet in dem Umfange des Landes, das man in unserer Weise zunächst bewirtschaftet. Nicht wahr, bei einer kleinen Landfläche, einem kleinen Landumfange, ruiniert man nicht so viel als bei dem großen. Und da kann auch das, was durch die anthroposophischen Richtlinien an Verbesserungen sich ergibt, sich sehr schnell herausstellen, weil man nicht so viel abändern muss. Und so wird sich auch der Nutzeffekt leichter herausstellen wie auf einem großen Gute. Aber die Dinge müssten wirklich zustimmend werden gerade bei einem so praktischen Gebiete wie der Landwirtschaft, wenn diese Gemeinschaft wirklich einen Erfolg haben soll. Und es ist ja sehr merkwürdig, man hat viel, aber in aller Gutartigkeit und ohne Ironie, weil man sich gefreut hat darüber, über die Differenz bei der ersten Versammlung zwischen dem Grafen Keyserlingk und Herrn Stegemann gesprochen. Und so etwas nuanciert sich dann, sodass ich fast glaubte, man müsse nachdenken, ob an jenem Abend nicht der anthroposophische Vorstand oder irgendjemand ersucht werden müsse, um dabei zu sein, um die streitenden Geister zu verbinden. Aber nach und nach habe ich mich von etwas ganz anderem überzeugt, davon, dass das, was da sich geltend macht, eigentlich die Grundlage zu einer intimen Toleranz ist unter den Landwirten, zu einem intimen Sichgeltenlassen unter Kollegen — man hat nur eine gewisse raue Außenseite.
[ 10 ] But that is precisely the point: not to lose heart, but to know that what matters is not immediate success, but unwavering effort. You do as much as you can manage. Some can do more, others less. Ultimately—as paradoxical as it may sound—the more limited you keep your scope within the area of land that you initially cultivate in our way, the more you will be able to accomplish. Isn’t it true that with a small area of land, one doesn’t cause as much damage as with a large one? And the improvements resulting from the anthroposophical guidelines can become apparent very quickly, because there isn’t as much that needs to be changed. And so the benefits will also become apparent more easily than on a large estate. But things really would have to be approved, especially in such a practical field as agriculture, if this community is truly to succeed. And it is indeed very curious—we spoke at length, in all good faith and without irony, because we were pleased about it, about the difference of opinion at the first meeting between Count Keyserlingk and Mr. Stegemann. And such matters take on nuances, so that I almost believed one might have to consider whether, on that evening, the Anthroposophical Executive Committee or someone else should have been asked to be present to reconcile the conflicting views. But little by little I became convinced of something quite different: that what is asserting itself there is actually the foundation for an intimate tolerance among the farmers, for an intimate acceptance of one another among colleagues—it just has a somewhat rough exterior.
[ 11 ] Es handelt sich tatsächlich darum, dass der Landwirt mehr als mancher andere nötig hat, sich seiner Haut zu wehren, und dass ihm sehr leicht in die Dinge hineingesprochen wird, die er nur allein verstehen kann. Es ist das durchaus so, dass man eigentlich eine gewisse Toleranz da auf dem Grunde dann entdeckt. Alles das muss eigentlich wirklich richtig empfunden werden in dieser Gemeinschaft, und ich mache diese Bemerkung hier nur, weil ich wirklich meine, dass es notwendig ist, dass wir von vornherein richtig anfangen.
[ 11 ] The fact is that farmers, more than many others, need to stand up for themselves, and that people very easily try to tell them what to do about matters that only they can truly understand. It’s certainly true that, when you get down to it, you discover a certain tolerance there. All of this really needs to be properly understood within this community, and I’m only making this comment here because I truly believe it’s necessary for us to start off on the right foot from the very beginning.
[ 12 ] So meine ich, dass ich noch einmal meine tiefste Befriedigung aussprechen darf über das, was durch Sie hier geschehen ist, dass ich glaube, wir haben die Erfahrungen der Anthroposophischen Gesellschaft richtig berücksichtigt, dass, was eingeleitet wurde, von großem Segen sein wird und dass es an Dornach nicht fehlen wird, mit denjenigen, die mit uns zusammen aktive Mitarbeiter an der Sache sein wollen, tatkräftig zusammenzuarbeiten. Wir haben uns ja nur zu freuen darüber, dass dasjenige, was hier in Koberwitz geschieht, eingeleitet wurde. Und wenn so oft Graf Keyserlingk sagt, dass ich mir etwas auferlegt hätte, wenn ich hierhergekommen bin, so möchte ich darauf doch erwidern, nicht um jetzt so eine Differenzdiskussion hervorzurufen: Was ist es denn viel, was ich an Mühen hatte? Ich musste hierherfahren und bin nun in den allerschönsten und besten Bedingungen hier, alles Unangenehme machen andere, und ich habe nur jeden Tag zu reden, allerdings Reden, vor denen ich etwas Respekt hatte, weil sie ein neues Gebiet sind. Meine Mühe ist nicht so groß. Wenn ich aber sehe alle die Mühe, die Graf Keyserlingk und dieses ganze Haus haben, was da alles hineingeschneit gekommen ist, dann muss ich sagen, da erscheint mir dasjenige, was an Einzelnem hat geschehen müssen durch die, welche dabei geholfen haben, dass wir hier zusammen sein können, ja turmhoch viel höher schließlich als das, dass ich mich in das Fertige gesetzt habe. Und gerade an diesem Punkte kann ich mit dem Herrn Grafen nicht einverstanden sein. Darum möchte ich Sie durchaus bitten, alles das, was Sie als Anerkennenswertes finden in Bezug auf das Zustandekommen dieses landwirtschaftlichen Kursus, ihm zu danken und vor allen Dingen darauf bedacht zu sein, wenn er nicht mit solcher eisernen Kraft eben nachgedacht und seinen Vertreter nach Dornach geschickt und gar nicht nachgelassen hätte, so würde vielleicht bei dem außerordentlich vielen, das von Dornach aus zustande zu kommen hat, dennoch dieser in diese äußerste Ostecke verlegte Kursus vielleicht nicht zustande gekommen sein. Ich bin gar nicht einverstanden, dass die Dankgefühle auf mich abgeladen werden, sondern sie gehören wirklich im allereminentesten Maße dem Grafen Keyserlingk und seinem ganzen Hause. Das ist das, was ich in die Diskussion noch hineinwerfen möchte.
[ 12 ] So I feel I must once again express my deepest satisfaction with what has been accomplished here through your efforts; I believe we have taken the experiences of the Anthroposophical Society into proper consideration; that what has been initiated will be a great blessing; and that Dornach will not fail to work actively together with those who wish to be active collaborators with us in this endeavor. We can only rejoice that what is happening here in Koberwitz has been set in motion. And while Count Keyserlingk so often says that I took on a burden when I came here, I would like to respond—not to provoke a debate—by asking: What, after all, has been so great a burden for me? I had to travel here, and now I find myself in the most beautiful and ideal circumstances; others handle all the unpleasant tasks, and my only duty each day is to speak—though I must admit I felt some trepidation about these speeches, as they are in a new field for me. My effort isn’t that great. But when I see all the effort that Count Keyserlingk and this entire household have put in—everything that has come their way—then I must say that what each individual had to do, thanks to those who helped make it possible for us to be here together, ultimately seems to me to be a towering amount—far greater than the fact that I simply took my seat at the finished event. And it is precisely on this point that I cannot agree with the Count. That is why I would like to ask you most earnestly to thank him for everything you find worthy of recognition regarding the realization of this agricultural course, and above all to bear in mind that if he had not reflected with such iron determination and sent his representative to Dornach—and had not persisted at all—then, given the extraordinary amount that has to be accomplished from Dornach, this course, relocated to this far eastern corner, might not have come to fruition. I do not at all agree that expressions of gratitude should be directed at me; rather, they truly belong, in the most eminent degree, to Count Keyserlingk and his entire household. That is what I would like to add to the discussion.
