Landwirtschaftlicher Kurs
Geisteswissenschaftliche Grundlagen
zum Gedeihen der Landwirtschaft
GA 327
10 Juni 1924, Koberwitz
Zweiter Vortrag
Meine lieben Freunde!
[ 1 ] Wir werden in den ersten Stunden das zusammentragen aus der Erkenntnis der Bedingungen zum Gedeihen der Landwirtschaft, was an solcher Erkenntnis notwendig ist, um daraus dann die wirklichen praktischen Schlüsse zu ziehen, die in der unmittelbaren Anwendung eben verwirklicht werden sollen und nur in dieser unmittelbaren Anwendung ihre Bedeutung haben. Sie werden also schon in den ersten Stunden sich damit befassen müssen, hinzuschauen, wie dasjenige, was landwirtschaftlich hervorgebracht wird, eigentlich entsteht und wie es im gesamten Gebiete der Welt drinnen lebt.
[ 2 ] Nun, eine Landwirtschaft erfüllt eigentlich ihr Wesen im besten Sinne des Wortes, wenn sie aufgefasst werden kann als eine Art Individualität für sich, eine wirklich in sich geschlossene Individualität. Und jede Landwirtschaft müsste eigentlich sich nähern — ganz kann das nicht erreicht werden, aber sie müsste sich nähern — diesem Zustand, eine in sich geschlossene Individualität zu sein. Das heißt, es sollte die Möglichkeit herbeigeführt werden, alles dasjenige, was man braucht zur Hervorbringung, innerhalb der Landwirtschaft selbst zu haben, wobei zur Landwirtschaft der entsprechende Viehstand selbstverständlich hinzugerechnet werden muss. Im Grunde genommen müsste eigentlich dasjenige, was in die Landwirtschaft hereingebracht wird an Düngemitteln und Ähnlichem von auswärts, das müsste in einer ideal gestalteten Landwirtschaft angesehen werden schon als ein Heilmittel für eine erkrankte Landwirtschaft.
[ 3 ] Eine gesunde Landwirtschaft müsste dasjenige, was sie selber braucht, in sich selber eben auch hervorbringen können. Wir werden sehen, warum dies ein Natürliches ist. Solange man die Dinge nicht ihrer Wesenheit und ihrer Wirklichkeit nach ansieht, sondern nur äußerlich stofflich, solange kann in ganz berechtigter Weise die Frage entstehen: Ist es nun nicht einerlei, ob man den Kuhmist von der Nachbarschaft, oder ob man ihn aus der eigenen Landwirtschaft entnimmt? — Wie gesagt, die Dinge können nicht in dieser Weise streng durchgeführt werden, aber man muss doch einen Begriff haben von dem notwendigen Geschlossensein einer Landwirtschaft, wenn man eigentlich die Dinge sachgemäß ordnen will.
[ 4 ] Dass diese eben aufgestellte Behauptung eine gewisse Berechtigung hat, wird Ihnen hervorgehen aus einer Betrachtung auf der einen Seite der Erde, aus der unsere Landwirtschaft aufsprießt, und auf der anderen Seite desjenigen, was von außerhalb unserer Erde auf diese Erde hereinwirkt. Da spricht man ja eigentlich heute zumeist in recht abstrakter Weise von den Dingen, die von außerhalb der Erde auf die Erde hereinwirken. Man ist sich ja dessen bewusst, dass Sonnenlicht und Sonnenwärme und alles das, was meteorologisch mit Sonnenwärme und Sonnenlicht in Verbindung steht, einen gewissen Bezug hat zu einer gewissen Gestaltung des mit Produkten bewachsenen Bodens. Aber wie die Dinge genauer liegen, darüber kann die heutige Anschauung einen wirklichen Aufschluss gar nicht geben, weil sie nicht in die Realitäten, in die Tatsachen eindringt.
[ 5 ] Gehen wir heute einmal — wir werden auch von anderen Gesichtspunkten die Dinge zu betrachten haben — von dem Gesichtspunkt aus, der zunächst den Blick wirft darauf, dass wir zur Grundlage der Landwirtschaft den Erdboden haben. Dieser Erdboden — ich will ihn hier schematisch durch diesen Strich anzeigen — wird gewöhnlich angesehen als etwas bloß Mineralisches, in den höchstens dadurch, dass sich Humus bildet, oder dadurch, dass Dünger in ihn versenkt wird, etwas Organisches hineinkommt, sodass der Erdboden als solcher nicht nur so ein gewisses Leben in sich hat[. DJass er schon von selbst etwas Pflanzenhaftes in sich birgt und dass sogar etwas astralisch Wirksames im Erdboden ist[, d]as ist ja etwas, was heute nicht einmal bedacht, viel weniger irgendwie zugegeben wird. Und wenn man gar dann weitergeht und darauf sieht, wie dieses innere Leben des Erdbodens in feiner, ich möchte sagen, Dosierung ganz verschieden ist im Sommer und im Winter, dann kommt man auf Gebiete, die zwar für die Praxis von einer ungeheuren Bedeutung sind, die aber heute eben gar nicht berücksichtigt werden. Man muss schon, wenn man von der Betrachtung des Erdbodens ausgeht, sein Augenmerk darauf lenken, dass der Erdboden eine Art Organ ist in dem Organismus, der sich im Naturwachstum überall zeigt, wo eben ein solches Naturwachstum ist.
[ 6 ] Der Erdboden ist ein wirkliches Organ, er ist ein Organ, das wir etwa vergleichen können, wenn wir wollen, mit dem menschlichen Zwerchfell. Und wir bekommen eine richtige Vorstellung von demjenigen, was da eigentlich vorliegt — es ist nicht ganz genau gesprochen, sondern es soll nur verdeutlichen und genügt dazu —, wir gelangen zu einer Vorstellung, wenn wir uns sagen: Über dem Zwerchfell sind beim Menschen gewisse Organe, vor allem der Kopf und dasjenige, was ihn aus Atmung und Zirkulation heraus versorgt, und unter dem Zwerchfell sind andere Organe. Wenn wir nun von diesem Gesichtspunkte aus vergleichen sozusagen den Erdboden mit dem menschlichen Zwerchfell, so müssen wir sagen: Der Kopf ist dann unter dem Erdboden für diejenige Individualität, die da in Betracht kommt, und wir mit allen Tieren zusammenleben im Bauch dieser Individualität. Das, was über der Erde ist, ist eigentlich durchaus dasjenige, was zum Eingeweide der — um ein Wort zu haben — landwirtschaftlichen Individualität gehört. Auf einer Landwirtschaft gehen wir eigentlich im Bauche der Landwirtschaft herum, und die Pflanzen wachsen in den Bauch der Landwirtschaft herauf. Also wir haben es durchaus mit einer Individualität zu tun, die auf dem Kopfe steht und die wir auch nur richtig anschauen, wenn wir sie als auf dem Kopfe stehend betrachten, auch auf dem Kopfe stehend in Bezug auf den Menschen. In Bezug auf das Tier werden wir im Laufe der Vorträge sehen, ist das etwas [anders]. Nun, warum sage ich das, dass die landwirtschaftliche Individualität auf dem Kopfe steht?
[ 7 ] Ich sage es aus dem Grunde, weil alles dasjenige, was in unmittelbarer Nähe der Erde ist, an Luft, an Wasserdünsten, auch an Wärme, wo wir drinnen sind, wo wir selber drinnen atmen, wo das herkommt, wovon die Pflanzen mit uns diese Außenwärme, Außenluft, auch ihr Außenwasser bekommen, in der Tat entspricht demjenigen, was im Menschen Unterleibsorgan ist. Dagegen alles dasjenige, was im Innern der Erde, unter der Oberfläche der Erde geschieht, wirkt auf das gesamte Pflanzenwachstum so, wie unser Kopf auf unseren Organismus namentlich in der Kindheit, aber auch während des ganzen Lebens wirkt. Wir haben eine fortwährende, eine ganz lebendige Wechselwirkung von Über-der-Erde und Unter-der-Erde, und das über der Erde befindliche Wirken ist abhängig zugleich — betrachten Sie es zunächst als Lokalisierung des Wirkens — unmittelbar von Mond, Merkur, Venus, welche die Sonne in ihrer Wirkung unterstützen und modifizieren, sodass also die sogenannten erdennahen Planeten ihre Wirksamkeit entfalten mit Bezug auf alles dasjenige, was über der Erde ist, dagegen die fernen Planeten, die außerhalb des Umkreises der Sonne herumgehen, auf alles dasjenige wirken, was unterhalb der Erde ist, und die Sonne unterstützen in denjenigen Wirkungen, die sie von unterhalb der Erde ausübt. Sodass wir sozusagen mit Bezug auf unser Pflanzenwachstum den fernen Himmel in seiner Wirksamkeit unter der Erde, die nähere Erdumgebung über der Erde zu suchen haben.
[ 8 ] Alles dasjenige also, was gerade aus den Weiten des Kosmos in das Pflanzenwachstum hereinwirkt, das wirkt nicht direkt, wirkt nicht durch unmittelbare Bestrahlung, sondern wirkt dadurch, dass es zunächst von der Erde aufgenommen wird und von der Erde zurückgestrahlt wird nach oben. Was also von dem Erdboden an für das Pflanzenwachstum wohltätigen oder schädlichen Wirkungen von unten herankommt, das ist eigentlich das zurückgestrahlte Kosmische. Was direkt wirkt unmittelbar in Luft und Wasser, die über der Erde sind, die direkte Bestrahlung, wird da gelagert und wirkt von da aus. Damit hängt dann zusammen, wie der Erdboden in seiner inneren Beschaffenheit, sagen wir, zunächst auf das Pflanzenwachstum wirkt. Wir müssen es dann auch auf die Tiere ausdehnen.
[ 9 ] Wenn wir den Erdboden nehmen, so haben wir in ihm zunächst alles das noch als Wirkung, was von den äußersten Fernen des Kosmos, die für die Erdenwirkung in Betracht kommen, abhängt. Das ist das, was man gewöhnlich Sand und Gestein nennt. Sand und Gestein, das Wasserundurchlässige, dasjenige, was, wie man im gewöhnlichen Leben sagt, keinerlei Nährstoffe enthält, was aber nicht weniger als das andere, was noch in Betracht kommt, außerordentlich wichtig ist für die Entfaltung des Wachstums, das hängt ab durchaus von den Wirkungen fernster kosmischer Kräfte. Und auf dem Umwege — so sehen wir — des kieselhaltigen Sandes kommt ja vorzugsweise — so unwahrscheinlich es zunächst erscheint — in den Erdboden hinein, um dann bei der Rückstrahlung zu wirken, dasjenige, was wir ansprechen können als das Lebensätherische des Erdbodens und das chemisch wirksame des Erdbodens. Wie der Erdboden selber innerlich lebendig wird, wie der Erdboden einen eigenen Chemismus ausübt, das hängt durchaus ab davon, wie der sandige Teil dieses Erdbodens beschaffen ist. Und dasjenige, was die Wurzeln der Pflanzen erleben im Erdboden, ist zum gar nicht geringen Teil eben davon abhängig, inwiefern das kosmische Leben und der kosmische Chemismus auf dem Umwege durch das Gestein — was daher auch durchaus in gewissen Tiefen der Erde sein kann — aufgefangen werden. Man müsste sich also bei jeder Gelegenheit, die in Betracht kommt, um Pflanzenwachstum zu studieren, ganz klar sein über die geologische Grundlage, über der sich das Pflanzenwachstum aufrichtet, und man sollte unter keinen Verhältnissen außer Acht lassen, dass man für Pflanzen, bei denen man auf das [Wurzelwachstum] sieht, im Grunde einen kieseligen Boden, wenn auch nur in Tiefen, nicht entbehren kann.
[ 10 ] Nun ist ja, man möchte sagen, Gott sei Dank, Kiesel in Form von Kieselsäure und anderen Kieselverbindungen eben zu siebenundvierzig bis achtundvierzig Prozent auf der Erde verbreitet, und man kann für die Mengen, die man braucht, fast überall auf die Wirkung des Kiesels rechnen. Nun handelt es sich aber auch darum, dass dasjenige, was auf diese Art durch den Kiesel mit dem Wurzelhaften zusammenhängt, dass das auch durch die Pflanze nach oben geleitet werden kann. Es muss ja nach oben strömen, es muss eine fortwährende Wechselwirkung da sein dessen, was aus dem Kosmos durch den Kiesel hereingeholt wird, mit dem, was sich oben — verzeihen Sie — im «Bauche» abspielt und mit dem unten der «Kopf» versorgt werden muss. [Denn: Der Kopf muss zwar versorgt werden aus dem Kosmos, das aber muss in wirklicher Wechselwirkung stehen mit demjenigen, was sich oben über dem Erdboden, im Bauche, abspielt.] Es muss immer dasjenige, was aus dem Kosmos herein von unten aufgefangen wird, nach aufwärts strömen können. Und dazu, dass das nach aufwärts strömen kann, dazu ist da im Boden das Tonige. Alles Tonige ist eigentlich das Förderungsmittel der kosmischen Entitätswirkungen im Erdboden von unten nach aufwärts.
[ 11 ] Das schon wird uns dann, wenn wir zu den praktischen Dingen übergehen, eine Handhabe dafür geben, wie wir uns zu einem tonigen, zu einem kieseligen Boden zu verhalten haben, je nachdem wir mit der einen oder mit der anderen Pflanzenform den tonigen oder kieseligen Boden zu bebauen haben. Aber zuerst muss man wissen, was da eigentlich geschieht. Wie man auch sonst den Ton beschreibt, wie man ihn sonst bearbeiten muss, damit er überhaupt tragfähig wird, das alles kommt gewiss in zweiter Linie außerordentlich stark in Betracht. Aber was man erst wissen muss, ist, dass er der Förderer der kosmischen Aufwärtsströmung ist,
[ 12 ] Nun muss aber nicht nur vorhanden sein dieses Nach-aufwärtsStrömen des Kosmischen, sondern es muss auch — und ich will das andere das Terrestrische, das Irdische nennen —, es muss auch dasjenige, was noch im Bauche gewissermaßen einer Art äußerer Verdauung unterliegt — auch alles dasjenige, was durch Sommer und Winter in der Luft vor sich geht über dem Erdboden, ist eben für das Pflanzenwachstum durchaus eine Art Verdauung —, alles, was in dieser Weise durch eine Art von Verdauung vor sich geht, das muss wiederum hineingezogen werden in den Erdboden, sodass tatsächlich eine Wechselwirkung entsteht. Dasjenige, was durch Wasser, Luft, die über der Erde sich befinden, an Kräften erzeugt wird, auch an feinen homöopathisch ausgebildeten Substanzen erzeugt wird, das wird nun hereingezogen in den Boden durch den größeren oder geringeren Kalkgehalt des Bodens. Der Kalkgehalt des Bodens und die Zerstreuung der Kalksubstanzen in homöopathischer Dosis unmittelbar über dem Boden, das alles ist dazu da, um wiederum das unmittelbare Terrestrische dem Erdboden zuzuführen.
[ 13 ] Sehen Sie, diese Dinge werden einmal, wenn man über sie eine wirkliche Wissenschaft haben wird, nicht bloß das wissenschaftliche Gefasel von heute, sich eben ganz anders ausnehmen. Man wird exakte Angaben darüber machen können. Man wird dann auch zum Beispiel wissen, dass ein großer, gewaltiger Unterschied ist zwischen der Wärme, die über dem Erdboden ist, also der Wärme, die im Bereiche von Sonne, Venus, Merkur und Mond steht, und derjenigen Wärme, die innerhalb des Erdbodens sich geltend macht, die also unter dem Einfluss von Jupiter, Saturn und Mars steht. Diese zwei Wärmen, wovon wir die eine auch bezeichnen können als die Blüten- und Blattwärme für die Pflanzen, die andere als die Wurzelwärme für die Pflanzen, diese zwei Wärmen sind durchaus voneinander verschieden, und zwar so voneinander verschieden, dass wir ganz gut die Wärme über der Erde tot, die Wärme unter der Erde lebendig nennen können. Die Wärme unter der Erde hat durchaus etwas an sich, und zwar im Winter am allermeisten, von demjenigen, was ein innerliches Lebensprinzip, etwas Lebendiges ist. Würde dieselbe Wärme, die in der Erde wirkt, von uns Menschen erlebt werden müssen, dann würden wir alle riesig dumm werden, weil wir, um gescheit zu sein, tote Wärme an unsere Körper herangeführt haben müssen. Aber in dem Augenblick, wo durch den Kalkgehalt des Erdbodens die Wärme in die Erde hineingezogen wird, wo durch die anderen Substanzialitäten der Erde diese Wärme hereingezogen wird, wo überhaupt übergeht äußere Wärme in innere Wärme, geht die Wärme in einen gewissen Zustand leiser Lebendigkeit über. Man weiß heute, dass ein Unterschied ist zwischen der Luft, die über der Erde ist, und der Luft, die unter der Erde ist. Aber man berücksichtigt nicht, dass schon ein Unterschied ist zwischen der Wärme über der Erde und der Wärme unter der Erde. Man weiß, dass die Luft unter der Erde mehr Kohlensäure, die Luft über der Erde mehr Sauerstoff enthält. Aber man weiß wiederum nicht, was der Grund dafür ist. Der Grund dafür ist derjenige, dass die Luft wiederum mit einem leisen Zug von Lebendigkeit durchzogen ist, wenn sie in die Erde hinein absorbiert und aufgesogen wird. So ist es mit Wärme und Luft. Sie bekommen einen leisen Zug von Lebendigkeit, wenn sie in die Erde hinein aufgenommen werden.
[ 14 ] Anders ist es mit dem Wasser und mit dem Erdigen, Festen selber. Die werden in der Erde toter noch, als sie außen sind, mehr tot. Die verlieren etwas von ihrem äußeren Leben, aber gerade nun dadurch werden sie fähig, ausgesezt zu werden den kosmischen fernsten Kräften. Und die mineralischen Substanzen müssen sich emanzipieren von demjenigen, was unmittelbar über dem Erdboden ist, wenn sie den fernsten kosmischen Kräften ausgesetzt sein wollen. Sie können sich am leichtesten emanzipieren von der Erdnähe und in den Einfluss des fernsten Kosmischen in der Erde drinnen kommen, in unserem heutigen Weltalter, man könnte sagen, in der Zeit zwischen dem 15. Januar und 15. Februar, also in dieser Winterzeit. Das sind eben Dinge, die man einmal als exakte Angaben anerkennen wird. Und das ist die Zeit, wo in der Erde die größte Kristallisationskraft, die größte Formkraft entwickelt werden kann für die mineralischen Substanzen. Die ist mitten im Winter. Da ist es dem Innern der Erde eigentümlich, von sich selbst am wenigsten abhängig zu sein in ihren Mineralmassen, und unter den Einfluss der kristallbildenden Kräfte, die in den Weiten des Kosmos sind, zu kommen.
[ 15 ] Nun denken Sie, das liegt also vor: Wenn der Januar zu Ende geht, haben die mineralischen Substanzen der Erde die größte Sehnsucht, kristallisiert zu werden, und je tiefer man kommt, desto mehr haben sie diese Sehnsucht, kristallisch rein zu werden im Haushalte der Natur. Für das Pflanzenwachstum ist das am meisten neutral, was da mit den Mineralien geschieht. Da sind die Pflanzen am meisten sich selbst hingegeben in der Erde, am wenigsten den mineralischen Substanzen ausgesetzt; dagegen eine Zeit lang vorher und nachher, wenn sozusagen die Mineralien sich eben anschicken — namentlich vorher — in das Gestaltete, Kristallinische überzugehen, da sind sie von einer ganz besonderen Wichtigkeit für das Pflanzenwachstum. Da strahlen sie die Kräfte aus, die für das Pflanzenwachstum ganz besonders wichtig sind. Sodass wir sagen können: Etwa im Monat November bis Dezember gibt es einen Zeitpunkt, wo das unter der Erdoberfläche ganz besonders wirksam wird für das Pflanzenwachstum. Da ergibt sich dann die Forderung: Wie können wir das für das Pflanzenwachstum wirklich ausnützen? Denn man wird einmal s hen, wie die Ausnützung von solchen Dingen ganz besonders wichtig ist, um das Pflanzenwachstum dirigieren zu können.
[ 16 ] Ich will gleich hier bemerken, wenn wir es zu tun haben mit einem Boden, der nicht durch sich selbst das leicht nach oben trägt, was in dieser Winterszeit eben nach oben wirken soll, so ist es gut, diesem Boden in einer entsprechenden Dosierung, die ich später noch angeben werde, etwas Ton beizubringen. Damit macht man den Boden dann bereit, dasjenige, was schon gesehen werden kann an kristallischer Kraft, wenn man einfach hinsieht auf den sich kristallisierenden Schnee — aber diese Kristallisationskraft wird intensiver, stärker, je weiter man ins Innere der Erde kommt —, das, was noch nicht an seinem Ende angekommen ist — das wird erst im Januar, Februar sein —, dieses, was zunächst im Erdboden ist, nun hinaufzutragen über die Erde, sodass es innerhalb des Pflanzenwachstums Verwendung finden kann.
[ 17 ] Sehen Sie, auf diese Art ergeben sich gerade aus den scheinbar abgelegensten Erkenntnissen die allerpositivsten Winke, die einem radikal helfen, währenddem es sonst eben durchaus bei einem bloRen Probieren bleibt. Wir müssen uns überhaupt darüber klar sein, dass das landwirtschaftliche Gebiet mit dem zusammen, was unterhalb des Erdbodens liegt, durchaus eine auch in der Zeit fortlebende Individualität darstellt und dass das Leben der Erde ein besonders starkes gerade zur Winterzeit ist, während es zur Sommerzeit in einer gewissen Weise erstirbt.
[ 18 ] Nun handelt es sich darum, gerade für die Bebauung des Bodens ein Allerwichtigstes zu durchschauen. Sehen Sie, dieses Allerwichtigste — ich habe es ja unter Anthroposophen oftmals erwähnt besteht darinnen, dass man weiß, unter welchen Bedingungen der Weltenraum mit seinen Kräften auf das Irdische wirken kann. Gehen wir, um das einzusehen, einmal aus von der Samenbildung. Den Samen, aus dem sich das Embryonale entwickelt, sieht man gewöhnlich an als ein außerordentlich kompliziertes molekulares Gebilde. Und man legt den größten Wert darauf, diese Samenbildung aufzufassen in ihrer komplizierten Molekularstruktur. Man sagt sich: Moleküle haben eine gewisse Struktur, bei den einfachen Molekülen eine einfache; dann wird es immer komplizierter, bis man heraufkommt in die ungeheuer komplizierte Struktur des Eiweißmoleküles. Man steht nun bewundernd und staunend vor demjenigen, was man sich da denkt als die komplizierte Struktur des Eiweißes im Samen, weil man sich ja Folgendes denkt:
[ 19 ] Man denkt sich, wenn da das Eiweißmolekül ist, so muss das ungeheuer kompliziert sein. Denn aus dieser Kompliziertheit heraus wächst ja der nächste Organismus. Und dieser nächste Organismus ist ungeheuer kompliziert, war schon veranlagt in der embryonalen Samenanlage, also muss diese mikroskopische oder hypermikroskopische Substanz auch ungeheuer kompliziert aufgebaut sein. Das ist in gewissem Grade zunächst der Fall. Indem sich das irdische Eiweiß aufbaut, wird auch die Molekularstruktur bis zur höchsten Kompliziertheit getrieben. Aber aus dieser höchsten Kompliziertheit würde niemals ein neuer Organismus hervorgehen, niemals.
[ 20 ] Denn der Organismus geht eben nicht auf die Art aus den Samen hervor, dass sich dasjenige, was sich als Samen gebildet hat, aus der Mutterpflanze oder dem Muttertier nur fortsetzt in demjenigen, was als Kinderpflanze oder Kindertier entsteht. Das ist eben gar nicht wahr. Wahr ist vielmehr, dass, wenn nun dieses Komplizierte des Aufbaues aufs Höchste getrieben ist, so zerfällt dies, und man hat zuletzt in demjenigen, was erst im Bereiche des Irdischen zu größter Kompliziertheit getrieben worden ist, ein kleines Chaos. Es zerfällt, man könnte sagen, in den Weltenstaub, und wenn dasjenige, was da in den Weltenstaub zerfällt, wenn der Same bis zur höchsten Kompliziertheit gebracht, in den Weltenstaub zerfallen ist und das kleine Chaos da ist, dann beginnt das ganze umliegende Weltenall auf den Samen zu wirken und drückt sich in ihm ab und baut aus dem kleinen Chaos das auf, was von allen Seiten durch die Wirkungen aus dem Weltenall in ihm aufgebaut werden kann. Und wir bekommen in dem Samen ein Abbild des Weltenalls. Jedes Mal wird der irdische Organisationsprozess in der Samenbildung zu Ende geführt bis zum Chaos. Jedes Mal baut sich in dem Samenchaos aus dem ganzen Weltenall heraus der neue Organismus auf. Der alte Organismus hat nur die Tendenz, den Samen in diejenige Weltenlage hineinzubringen, durch seine Affinität zu dieser Weltenlage, dass aus den richtigen Richtungen her die Kräfte wirken, und dass aus einem Löwenzahn nicht eine Berberitze, sondern wieder ein Löwenzahn wird.
[ 21 ] Aber, was in der einzelnen Pflanze abgebildet wird, ist immer das Abbild irgendeiner kosmischen Konstellation, wird aus dem Kosmos heraus aufgebaut. Wenn wir überhaupt den Kosmos zur Wirkung bringen wollen in seinen Kräften innerhalb unseres Irdischen, dann ist dazu notwendig, dass wir das Irdische möglichst stark ins Chaos hineintreiben. Überall, wo wir den Kosmos zur Wirkung bringen, müssen wir das Irdische möglichst stark ins Chaos hineintreiben. Für das Pflanzenwachstum besorgt das in einer gewissen Beziehung schon die Natur selber. Aber es ist allerdings notwendig, dass wir, weil ja jeder neue Organismus aus dem Kosmos heraus aufgebaut wird, im Organismus dieses Kosmische solange erhalten, bis wiederum die Samenbildung da ist.
[ 22 ] Sagen wir, wir pflanzen einen Samen irgendeiner Pflanze in die Erde herein, so haben wir in diesem Samen den Abdruck, die Ausprägung des ganzen Kosmos von irgendeiner Weltrichtung her. Darin kommt die Konstellation zur Wirkung, dadurch bekommt er seine bestimmte Form. Und in dem Augenblicke, wo er in das Erdgebiet verpflanzt wird, wirkt das Äußere der Erde sehr stark auf ihn ein, und er ist in jenem Augenblick von der Sehnsucht durchdrungen, das Kosmische zu verleugnen, zu wuchern, nach allen möglichen Richtungen auszuwachsen, denn dasjenige, was über der Erde wirkt, will diese Form eigentlich nicht festhalten. Es ist die Notwendigkeit da gegenüber dem Ins-Chaos-Treiben — den Samen müssen wir bis zum Chaos treiben —, wenn nun aus dem Samen schon die erste Pflanzenanlage sich entwickelt und die weiteren Sprossen, das Irdische, gegenüber dem Kosmischen, das als Form der Pflanze im Samen lebt, in die Pflanze hineinzubringen. Wir müssen die Pflanze der Erde annähern in ihrem Wachstum. Das aber kann nur dadurch geschehen, dass wir wirklich das schon auf der Erde vorhandene Leben, das also noch nicht in das völlige Chaos hineingekommen ist, das nicht bis zur Samenbildung vorgedrungen ist, sondern in der Organisation der Pflanze vorher aufgehört [hat], bevor es zur Samenbildung gekommen ist, dass wir das auf der Erde befindliche Leben doch in das Pflanzenleben hineinbringen. Und da kommt ja wiederum in den Gegenden, die vom Glücke besonders begünstigt sind, die reiche Humusbildung im Haushalte der Natur dem Menschen sehr zugute. Denn der Mensch kann im Grunde genommen dasjenige, was die Erde an Fruchtbarkeit leisten kann durch eine natürliche Humusbildung, künstlich doch nur mangelhaft erseizen.
[ 23 ] Aber worauf beruht diese Humusbildung? Sie beruht darauf, dass dasjenige, was aus dem Pflanzenleben kommt, aufgenommen wird von dem Naturprozess. Das noch nicht bis zum Chaos Gekommene, das weist zurück in einer gewissen Weise das Kosmische. Wird das mitverwendet im Pflanzenwachstum, dann halten wir das eigentlich Irdische in der Pflanze drinnen fest, und es wirkt das Kosmische nur in dem Strom, der dann wiederum hinaufgeht bis zur Samenbildung. Dagegen wirkt das Irdische in der Blatt- und Blütenentfaltung und so weiter. In das alles strahlt nur das Kosmische seine Wirkungen herein. Das kann man eigentlich recht genau verfolgen.
[ 24 ] Nehmen Sie an, Sie haben eine Pflanze, die aus der Wurzel heraufwächst. Am Ende des Stängels bildet sich das Samenkörnchen. Es breiten sich aus die Blätter, die Blüten. Nun sehen Sie: Im Blatt und in der Blüte ist dasjenige irdisch, was Gestaltung, was auch eine Ausfüllung mit irdischer Materie ist, sodass der Grund, warum ein Blatt oder ein Korn sich dick entwickelt, die inneren Substanzialitäten aufnimmt und so weiter, in demjenigen liegt, was wir als Irdisches der Pflanze beibringen, was noch nicht bis zum Chaos gekommen ist. Dagegen der Same, der seine ganze Kraft durch den Stängel, aber in vertikaler Richtung, nicht im Umkreis entwickelt, der durchstrahlt Pflanzenblatt und Pflanzenblüte mit der Kraft des Kosmos. Das kann man unmittelbar sehen.
[ 25 ] Denn schauen Sie sich die grünen Pflanzenblätter an. Die grünen Pflanzenblätter tragen in ihrer Form, in ihrer Dicke, in ihrer grünen Farbe Irdisches. Sie würden aber nicht grün sein, wenn nicht in ihnen auch die kosmische Kraft der Sonne lebte. Kommen Sie zur gefärbten Blüte, dann lebt nicht nur die kosmische Kraft der Sonne, sondern jene Unterstützung, die die kosmischen Kräfte der Sonne durch die fernen Planeten Mars, Jupiter, Saturn erhalten. Nur wenn man in dieser Beziehung das Pflanzenwachstum sieht, dann schaut man sich die Rose an, und in ihrer roten Farbe schaut man die Marskraft. Man schaut sich die gelbe Sonnenblume an: Sie wird nicht ganz mit Recht Sonnenblume genannt, sie wird nur wegen ihrer Form so genannt, wegen ihrer Gelbheit müsste sie eigentlich genannt werden Jupiterblume, denn die Kraft des Jupiter, die die kosmische Sonnenkraft unterstützt, bringt in den Blüten die weiße und die gelbe Farbe hervor. 'Treten wir an eine Wegwarte, die Zichorie mit ihrer bläulichen Farbe heran, so müssen wir in dieser bläulichen Farbe die Saturnwirkung [sehen], die die Sonnenwirkung unterstützt. Wir haben also die Möglichkeit, durchaus in der roten Blüte den Mars zu sehen. Wir haben die Möglichkeit, in der weißen, in der gelben Blüte den Jupiter zu sehen, und wir sehen in der blauen Blüte den Saturn, und in dem grünen Blatt sehen wir die eigentliche Sonne.
[ 26 ] Das aber, was da in der Färbung der Blüte erscheint, das wirkt als Kraft nun ganz besonders stark in der Wurzel. Denn da wirkt dieses in den fernen Planeten Lebende, Kraftende, eben wiederum in dem Erdboden darinnen. Es ist durchaus so, dass wir uns sagen müssen: Reißen wir eine Pflanze aus der Erde, haben unten die Wurzel, so ist in der Wurzel das Kosmische, in der Blüte ist am meisten das Irdische, nur in der feinsten Nuancierung mit der Farbe wäre das Kosmische.
[ 27 ] Dagegen, wenn das Irdische in der Wurzel leben soll, wenn stark in der Wurzel leben soll das Irdische, dann schießt es in die Form. Denn die [Wurzel] hat ihre Form von demjenigen, was im irdischen Bereiche entstehen kann. Das, was die Form ausbreitet, ist irdisch. Wenn [also] die Wurzel zerteilt, verzweigt wird als Wurzel, sich ausbildet, so wirkt, wie in der Farbe das Kosmische nach oben wirkt, das Irdische nach unten. Sodass wir gerade kosmische Wurzeln haben in denjenigen Wurzeln, die einheitlich gestaltet sind. Dagegen in den verzweigten Wurzeln haben wir ein Hereinwirken des Irdischen in den Erdboden, so wie wir in dem Farbigen ein Heraufwirken des Kosmischen in die Blüten haben, und das Sonnenhafte steht mitten drinnen. Das Sonnenhafte wirkt vorzugsweise in dem grünen Blatte, und es wirkt in der Wechselbeziehung zwischen Blüte und Wurzel mit allem, was dazwischen ist. Das Sonnenhafte also ist eigentlich das, was als dieses Zwerchfell dem Erdboden selber zugeordnet ist, während das Kosmische dem Innern der Erde zugeordnet ist und heraufwirkt in das Obere der Pflanze. Das Irdische aber über dem Erdboden wirkt auch herunter und wird in die Pflanze mithilfe des Kalkigen heruntergezogen. Schauen Sie sich daher die Pflanzen an, bei denen das Irdische durch das Kalkige stark bis in die Wurzel gezogen wird: Es sind Pflanzen, welche ihre Wurzel zweigförmig nach allen Seiten schießen lassen wie etwa die guten Futterkräuter nicht die Rüben —, wie etwa die Esparsette; sodass wir sagen können, man muss es der Form der Pflanze ansehen, wenn man die Pflanzen verstehen will, der Form und der Blütenfarbe der Pflanze ansehen, wie weit in ihnen das Kosmische und das Irdische wirken.
[ 28 ] Nun nehmen Sie an, wir erreichen durch irgendetwas, dass in der Pflanze das Kosmische aufgehalten wird, stark zurückgehalten wird; dann wird es nicht sehr sich offenbaren, in Blüte schießen, sondern sich in etwas Stängeligem ausleben. Ja, worinnen lebt denn nach den gemachten Angaben das Kosmische in der Pflanze? Es lebt im Kieseligen. Nun schauen Sie sich einmal die Equisetum-Pflanze an: Die hat die Eigentümlichkeit, dass sie gerade das Kosmische heranzieht an sich, sich mit dem Kieseligen durchsetzt. Sie hat ja neunzig Prozent Kieselsäure in sich drin. In dieser Equisetum-Pflanze ist sozusagen das Kosmische in einem ungeheuren Übermaße vorhanden, aber so vorhanden, dass es nicht in die Blüte hinein sich offenbart, dass es gerade im unteren Wachstum zum Vorschein kommt.
[ 29 ] Nehmen wir etwas anderes. Nehmen wir an, dass wir dasjenige, was hinauf will, in das Blatt durch den Stängel hinauf will, zurückhalten wollen im Wurzelhaften bei einer Pflanze. Nicht wahr, für unsere heutige Erdenzeit kommt ja das nicht mehr so stark in Betracht, weil wir schon so festgelegt haben durch die verschiedenen Verhältnisse die Gattungen der Pflanzen. In früheren Zeiten, in Urzeiten war das anders, wo man noch leicht eine Pflanze in die andere hat verwandeln können. Damals kam das sehr stark in Betracht. Heute kommt es auch noch in Betracht, weil man die Bedingungen aufsuchen muss, die günstig sind einer bestimmten Pflanze.
[ 30 ] Worauf haben wir denn heute zu sehen, wie müssen wir hinschauen auf eine Pflanze, bei der wir wollen, dass nicht die kosmische Kraft ganz hinaufschießt in das Blütenhafte und in das Fruchtende, sondern unten bleibt, dass gewissermaßen Stamm- und Blattbildung in der Wurzelbildung aufgehalten werden, was müssen wir dann tun? Wir müssen eine solche Pflanze in einen sandigen Boden geben. Denn im kieseligen Boden wird das Kosmische zurückgehalten, geradezu aufgefangen. Man wird daher die Kartoffel, bei der wir ja das erreichen müssen, dass wir unten in der Kartoffel selber aufhalten die Blütenbildung, dass wir sie zurückhalten — denn die Kartoffel ist ein Wurzelstock, da wird die blau- und stängelbildende Kraft in der Kartoffel selber festgehalten, die Kartoffel ist nicht die Wurzel, sondern [eine zurückgehaltene Blattbildung] —, man wird die Kartoffel in einen sandigen Boden hineinbringen müssen, sonst erreichen wir das nicht, dass die kosmische Kraft in ihr zurückgehalten wird.
[ 31 ] Nun, aus alledem geht hervor, dass für die Beurteilung des ganzen Pflanzenwachstums sozusagen das Abc dieses ist, dass man immer [sieht]: Was ist an einer Pflanze kosmisch, was ist an einer Pflanze terrestrisch, irdisch? Wie kann man den Erdboden durch seine besondere Beschaffenheit geneigt machen, das Kosmische, ich möchte sagen, dichter zu machen und es dadurch mehr [in] der Wurzel und [im] Blatte zu erhalten? Wie kann man es dünner machen, sodass es in seiner Dünnheit hinaufgesogen wird bis in die Blüten und diese färbt oder bis in die Fruchtbildung und diese mit einem feinen Geschmack durchzieht? Denn wenn Sie Aprikosen oder Pflaumen mit feinem Geschmack haben, so ist dieser feine Geschmack, ebenso wie die Farbe der Blüten, das bis in die Frucht heraufgekommene Kosmische. Im Apfel essen Sie tatsächlich den Jupiter, in der Pflaume essen Sie tatsächlich den Saturn.
[ 32 ] Und wenn die Menschheit mit ihrer heutigen Kenntnis vor die Notwendigkeit versetzt wäre, aus mancherlei, aber wenigen Pflanzen der irdischen Urzeit die Mannigfaltigkeit unserer Obstsorten zu erzeugen, sie würde nicht weit kommen, wenn die Formen unserer Obstsorten nicht schon vererbt wären und erzeugt worden wären in einer Zeit, wo man aus einer instinktiven Urweisheit in der Menschheit noch etwas gewusst hat über die Erzeugung der Obstsorten aus primitiven Sorten, die da waren. Wenn man nicht die Obstsorten schon hätte und sie immer wieder durch Vererbung fortpflanzte, heute würde man, wenn man mit der heutigen Gescheitheit in dieselbe Lage käme [, in der die Menschheit einmal war,] und das noch einmal nachmachen sollte, in Bezug auf die Erzeugung der Obstsorten nicht viel ausrichten können. Denn man macht ja alles durch Probieren, man dringt nicht rationell in den Prozess ein. Das ist aber nun die Grundbedingung, die sich wiederum ergeben muss, wenn wir auf der Erde überhaupt fortwirtschaften wollen.
[ 33 ] Es war ganz außerordentlich treffend, was unser Freund Stegemann gesagt hat, dass zu konstatieren ist ein Minderwertigwerden der Produkte. Dieses Minderwertigwerden hängt nämlich — nehmen Sie mir meinetwegen die Bemerkung übel oder nicht — ebenso wie die Umwandlung der menschlichen Seelenbildung mit dem Ablauf des Kali Yuga im Weltenall zusammen in den letzten Jahrzehnten und in den Jahrzehnten, die kommen werden. Wir stehen auch vor einer großen Umwandlung des Innern der Natur. Das, was aus alten Zeiten zu uns herübergekommen ist, was wir auch immer fortgepflanzt haben, sowohl an Naturanlagen, an naturvererbten Kenntnissen und dergleichen, wie auch dasjenige, was wir von Heilmitteln herüberbekommen haben, verliert seine Bedeutung. Wir müssen wiederum neue Kenntnisse erwerben, um in den ganzen Naturzusammenhang solcher Dinge hineinzukommen. Die Menschheit hat keine andere Wahl, als entweder auf den verschiedensten Gebieten aus dem ganzen Naturzusammenhang, aus dem Weltenzusammenhang heraus wieder etwas zu lernen, oder die Natur ebenso wie das Menschenleben absterben, degenerieren zu lassen. Wie in alten Zeiten es notwendig war, dass man Kenntnisse hatte, die wirklich hineingingen in das Gefüge der Natur, so brauchen auch wir heute wieder Kenntnisse, die wirklich hineingehen in das Gefüge der Natur.
[ 34 ] Der Mensch weiß heute notdürfig, wie sich die Luft — ich habe ja davon gesprochen — im Innern der Erde benimmt, aber er weiß fast gar nichts davon, wie sich das Licht im Innern der Erde benimmt. Er weiß nicht, dass das, was gerade das kosmische Gestein, das Kieselige ist, das Licht aufnimmt in die Erde und da das Licht zur Wirksamkeit bringt, dagegen dasjenige, was dem Irdisch-Lebendigen nahesteht, die Humusbildung, das Licht nicht aufnimmt, nicht zur Wirkung bringt in der Erde und daher lichtloses Wirken erzeugt. Aber das sind Dinge, die gewusst werden, durchschaut werden müssen.
[ 35 ] Nun aber dasjenige, was auf der Erde als Pflanzenwachstum ist, ist noch nicht alles, sondern zu einem bestimmten Erdgebiete gehört ebenso ein bestimmtes Tierisches. Vom Menschen können wir aus Gründen, die auch noch zutage treten werden, absehen. Aber vom Tierischen können wir nicht absehen; denn es besteht das Eigentümliche, dass die beste, wenn ich so sagen soll, [kosmisch-quantitative] Analyse sich selber vollzieht im Zusammenleben eines gewissen mit Pflanzen bewachsenen Gebietes mit dem, was an Tieren in diesem Gebiete lebt. Es besteht das Eigentümliche — und ich wäre froh, wenn die Dinge eben nachgeprüft würden, weil die Nachprüfung ja sicher die Bestätigung ergeben würde —, es besteht die Beziehung, dass, wenn man das richtige Maß von Kühen, Pferden und anderen Tieren auf irgendeiner Landwirtschaft hat, diese Tiere alle miteinander gerade so viel Mist geben, als man braucht für die Landwirtschaft, als man braucht, um dem Chaosgewordenen noch etwas dazuzusetzen. Und zwar, wenn man die rechte Anzahl Pferde, Kühe, Schweine hat, so ist auch das Mischungsverhältnis im Mist das Richtige. Das hängt zusammen damit, dass die Tiere das richtige Maß dessen, was ihnen da kommt vom Pflanzenwachstum, verzehren, fressen, weil die Tiere das richtige Maß dessen, was die Erde hergeben kann an Pflanzen, fressen. Aus dem Grunde entwickeln sie auch im Verlaufe ihres organischen Prozesses so viel Mist, als notwendig ist, um wieder der Erde zurückgegeben zu werden. Eigentlich gilt da das — man kann es nicht ganz durchführen, aber in idealem Sinne ist das richtig —, dass man, wenn man genötigt ist, irgendwelchen Mist von außen zu beziehen, diesen nur zu benutzen, zu behandeln hat als ein Heilmittel für eine schon erkrankte Landwirtschaft. Gesund ist sie nur insofern, als sie sich den Mist durch ihren Tierbestand selber gibt. Das erfordert natürlich, dass man eine richtige Wissenschaft davon entwickelt, wie viel Tiere man von einer gewissen Sorte in einer bestimmten Landwirtschaft braucht.
[ 36 ] Aber das wird sich, sobald nur wieder überhaupt Kenntnisse da sind von den inneren Kräften, die da wirken, das wird sich schon ergeben. Denn natürlich gehört zu dem, was wir angeführt haben über das Bauchsein über dem Erdboden, das Kopfsein unter dem Erdboden, gehört wiederum auch das Verstehen des tierischen Organismus. Der tierische Organismus lebt ja im ganzen Zusammenhang des Naturhaushalts drinnen. Sodass er mit Bezug auf seine Form- und Farbengestalt, auch mit Bezug auf die Struktur und Konsistenz seiner Substanz von vorne nach hinten zu, also von der Schnauze gegen das Herz zu, die Saturn-, Jupiter-, Marswirkungen hat, in dem Herz die Sonnenwirkung und hinter dem Herzen, gegen den Schwanz zu, die Venus-, Merkur-, Mondenwirkungen. In dieser Beziehung sollten eigentlich diejenigen, die interessiert sind an diesen Dingen, in Zukunft nun wirklich die Erkenntnisse nach dem Anschauen der Form hin ausbilden.
[ 37 ] Denn diese Ausbildung der Erkenntnisse nach der Form, nach dem Anschauen der Form, ist von einer ungeheuren Bedeutung. Gehen Sie einmal in ein Museum und schauen Sie sich das Skelett von irgendeinem Säugetier an, und gehen Sie mit dem Bewusstsein hin: In der Kopfbildung ist vorzugsweise wirkend in der Gestaltung die Sonnenbestrahlung, wie sie so ins Maul hineinströmt, die direkt strahlende Sonnenwirkung; und je nachdem aus anderen Untergründen heraus, wie wir auch hier besprechen werden — das Tier sich so oder so der Sonne exponiert — ein Löwe exponiert sich anders als ein Pferd —, je nachdem ist der Kopf gestaltet und dasjenige, was sich unmittelbar an den Kopf anschließt. So haben wir es beim Vorne des Tieres mit der direkten Sonnenbestrahlung zu tun, und damit der Ausbildung des Kopfes.
[ 38 ] Nun denken Sie, das Sonnenlicht kommt noch auf einem anderen Wege in den Umkreis der Erde hinein, indem es vom Monde zurückgeworfen wird. Und wir haben es nicht nur mit dem Sonnenlicht zu tun, sondern wir haben es mit dem vom Mond zurückgeworfenen Sonnenlicht zu tun. Dieses vom Mond zurückgeworfene Sonnenlicht ist ganz unwirksam, wenn es auf den Kopf eines Tieres scheint. Da entfaltet es keine Wirkung. Diese Dinge gelten namentlich für das Embryonalleben. Aber das vom Monde zurückgestrahlte Licht entwickelt seine höchste Wirkung, wenn es auf den hinteren Teil des Tieres fällt. Und sehen Sie sich die Skelettbildung im hinteren Teil an, in ihrer eigentümlichen Beziehung zu der Kopfbildung. Entwickeln Sie ein Formgefühl für diesen Gegensatz, für die Art und Weise, wie da die Schenkel sich ansetzen, wie der Verdauungsauslauf da gestaltet ist im Gegensatz zu dem, was ganz als Gegenpol vom Kopf herein gestaltet wird. Dann haben Sie beim Vorderen und Hinteren des Tieres den Gegensatz von Sonne und Mond. Und wenn Sie weitergehen, so finden Sie, dass die Sonnenwirkung bis zum Herzen geht, vor dem Herzen zurückbleibt, dass für die Kopf- und Blutbildung Mars, Jupiter, Saturn wirken, dass dann vom Herz weiter zurück unterstützt wird die Mondenwirkung durch die Merkur- und Venuswirkung, sodass, wenn Sie das Tier so aufstellen, drehen und derart aufrichten, dass es den Kopf in die Erde steckt und das Hintere nach oben streckt, Sie dann die Einstellung haben, die unsichtbar die landwirtschaftliche Individualität hat.
[ 39 ] Damit haben Sie die Möglichkeit, jetzt aus dieser Formgestalt des Tieres heraus eine Beziehung zu finden zwischen demjenigen, was das Tier an Mist zum Beispiel liefert im Verhältnis zu demjenigen, was die Erde braucht, deren Pflanzen das Tier frisst. Denn Sie müssen ja wissen, dass zum Beispiel die kosmischen Wirkungen, die in einer Pflanze zur Geltung kommen, die vom Innern der Erde herauskommen, hinaufgeleitet werden. Ist also eine Pflanze besonders reich an solchen kosmischen Wirkungen und frisst diese ein Tier, das nun seinerseits gleichzeitig Mist liefert aus seiner Organisation heraus auf Grundlage eines solchen Futters, so liefert dieses Tier den besonders geeigneten Mist für diesen Boden, wo die Pflanze wächst.
[ 40 ] Sie sehen also, durchschaut man formhaft die Dinge, dann kommt man auf alles, was gebraucht wird in dieser in sich geschlossenen Individualität, die eine Landwirtschaft ist. Nur muss man den Tierstand dazurechnen.
