The Liberation of Humanity as the
Basis for Social Transformation
GA 329
11 March 1919, Bern
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Die Befreiung des Menschenwesens als Grundlage für eine soziale Neugestaltung
1. Die wirklichen Grundlagen eines Völkerbundes in den Wirtschaftlichen, Rechtlichen und geistigen Kräften der Völker
1. Die wirklichen Grundlagen eines Völkerbundes in den Wirtschaftlichen, Rechtlichen und geistigen Kräften der Völker
[ 1 ] Im Laufe der letzten vier Jahre konnte man oftmals hören, daß Ereignisse, die für die Menschen so schrecklich gewesen sind wie die gerade zurückliegenden, in der ganzen Zeit, über die sich das geschichtliche Denken der Menschen erstreckt, nicht vorgekommen seien. Weniger häufig kann man dieser Empfindung gegenüber hören, daß nun dem Furchtbaren, das die Menschheit getroffen hat, auch wenigstens die Versuche einer Neugestaltung des sozialen Zusammenlebens entgegengestellt werden müßten, die sich in ihren gedanklichen Grundlagen in ebenso gründlicher Weise unterscheiden von dem, was man gewohnt ist zu denken, wie sich die schreckhaften Ereignisse der letzten Jahre unterscheiden von dem, was man erleben konnte im Lauf der Menschheitsentwickelung. Ja, wenn solch ein Versuch auftaucht, Gedanken zu entwickeln, die den eingewurzelten Denkgewohnheiten zuwiderlaufen, dann hört man heute zumeist einem solchen Versuch mit dem Vorwurf begegnen: Nun, auch wiederum eine Utopie! - Man hat aber mit der Gesinnung, welche auch heute wiederum einem solchen Vorwurf zugrunde liegt, im Laufe der neueren Zeit schon einige Erfahrungen machen können. Gerade diejenigen Menschen, die so denken wie jene, die in dem angedeuteten Falle von «Utopie» sprechen, die waren es ja, welche auch eine Schilderung - wenn sie hätte jemand machen können von den katastrophalen Ereignissen, die uns betroffen haben, noch im Frühling 1914 für eine Träumerei, für eine Phantastik gehalten haben würden. Sie nennen sich ja Praktiker, diese Leute. Wie haben sie dazumal, bevor die welterschütternde Katastrophe hereingebrochen ist, gesprochen? Schauen wir uns einige an. Wir brauchen nur den Blick auf einige der damals, im Frühling 1914, leitenden Staatsmänner Europas zu lenken. Man führt fast Wörtliches an, wenn man sagt: Solche Praktiker, solche Verächter dessen, was sie Utopien nennen, die sprachen dazumal ungefähr so: Die Beziehungen, in denen dank der Bemühungen der Kabinette die europäischen Großmächte zueinander stehen, geben eine gewisse Garantie dafür, daß für absehbare Zeiten der Weltfrieden nicht erschüttert werden kann. - Solche Rede ist keine Erfindung, man kann sie in den Parlamentsberichten nachlesen; sie ist da in den verschiedensten Variationen enthalten.
[ 1 ] Im Laufe der letzten vier Jahre konnte man oftmals hören, daß Ereignisse, die für die Menschen so schrecklich gewesen sind wie die gerade zurückliegenden, in der ganzen Zeit, über die sich das geschichtliche Denken der Menschen erstreckt, nicht vorgekommen seien. Weniger häufig kann man dieser Empfindung gegenüber hören, daß nun dem Furchtbaren, das die Menschheit getroffen hat, auch wenigstens die Versuche einer Neugestaltung des sozialen Zusammenlebens entgegengestellt werden müßten, die sich in ihren gedanklichen Grundlagen in ebenso gründlicher Weise unterscheiden von dem, was man gewohnt ist zu denken, wie sich die schreckhaften Ereignisse der letzten Jahre unterscheiden von dem, was man erleben konnte im Lauf der Menschheitsentwickelung. Ja, wenn solch ein Versuch auftaucht, Gedanken zu entwickeln, die den eingewurzelten Denkgewohnheiten zuwiderlaufen, dann hört man heute zumeist einem solchen Versuch mit dem Vorwurf begegnen: Nun, auch wiederum eine Utopie! - Man hat aber mit der Gesinnung, welche auch heute wiederum einem solchen Vorwurf zugrunde liegt, im Laufe der neueren Zeit schon einige Erfahrungen machen können. Gerade diejenigen Menschen, die so denken wie jene, die in dem angedeuteten Falle von «Utopie» sprechen, die waren es ja, welche auch eine Schilderung - wenn sie hätte jemand machen können von den katastrophalen Ereignissen, die uns betroffen haben, noch im Frühling 1914 für eine Träumerei, für eine Phantastik gehalten haben würden. Sie nennen sich ja Praktiker, diese Leute. Wie haben sie dazumal, bevor die welterschütternde Katastrophe hereingebrochen ist, gesprochen? Schauen wir uns einige an. Wir brauchen nur den Blick auf einige der damals, im Frühling 1914, leitenden Staatsmänner Europas zu lenken. Man führt fast Wörtliches an, wenn man sagt: Solche Praktiker, solche Verächter dessen, was sie Utopien nennen, die sprachen dazumal ungefähr so: Die Beziehungen, in denen dank der Bemühungen der Kabinette die europäischen Großmächte zueinander stehen, geben eine gewisse Garantie dafür, daß für absehbare Zeiten der Weltfrieden nicht erschüttert werden kann. - Solche Rede ist keine Erfindung, man kann sie in den Parlamentsberichten nachlesen; sie ist da in den verschiedensten Variationen enthalten.
[ 2 ] Wer sich aber damals nicht nach der Denkgesinnung solcher Leute in der inneren Verfassung seiner Seele richten konnte, sondern wer versuchte, sich den unbefangenen Blick für die Ereignisse zu wahren, der sprach vielleicht doch so, wie im April 1914 der sprechen mußte vor einer Versammlung in Wien, der auch heute zu Ihnen spricht. Mir war es dazumal durch mein intellektuelles Gewissen und meine Beobachtungsgabe auferlegt zu sagen: Wir stehen in bezug auf die Entwickelung unserer sozialen und Völkerverhältnisse in etwas darinnen, das sich nur bezeichnen läßt als ein Karzinom, als eine Krebskrankheit im Leben der Völker, die in kürzester Zeit in einer furchtbaren Art zum Ausbruch kommen muß. - Vielleicht wird die Gewalt der Ereignisse dann doch die Menschen zwingen, weniger diejenigen als Utopisten anzusehen, die aus dieser Seelenverfassung heraus sprechen, als die anderen, die mit dem, was sie sagen, so gut die Ereignisse treffen, wie ich es Ihnen eben angedeutet habe. Heute wiederum hört man die Praktiker, die sich über manches hermachen, was sie als Utopien bezeichnen, sagen: Wir können in der Gegenwart nicht gleich die höchsten Berggipfel einer Neuordnung in der menschlichen gesellschaftlichen Ordnung besteigen, wir müssen Schritt für Schritt vorwärtsgehen. Gewiß seien manche Gedanken - sagen solche Leute - ja schön, und man werde vielleicht auch zu solchen Dingen in Jahrhunderten einmal kommen; aber heute sei es uns auferlegt, eben die nächsten Schritte zu tun.
[ 2 ] Wer sich aber damals nicht nach der Denkgesinnung solcher Leute in der inneren Verfassung seiner Seele richten konnte, sondern wer versuchte, sich den unbefangenen Blick für die Ereignisse zu wahren, der sprach vielleicht doch so, wie im April 1914 der sprechen mußte vor einer Versammlung in Wien, der auch heute zu Ihnen spricht. Mir war es dazumal durch mein intellektuelles Gewissen und meine Beobachtungsgabe auferlegt zu sagen: Wir stehen in bezug auf die Entwickelung unserer sozialen und Völkerverhältnisse in etwas darinnen, das sich nur bezeichnen läßt als ein Karzinom, als eine Krebskrankheit im Leben der Völker, die in kürzester Zeit in einer furchtbaren Art zum Ausbruch kommen muß. - Vielleicht wird die Gewalt der Ereignisse dann doch die Menschen zwingen, weniger diejenigen als Utopisten anzusehen, die aus dieser Seelenverfassung heraus sprechen, als die anderen, die mit dem, was sie sagen, so gut die Ereignisse treffen, wie ich es Ihnen eben angedeutet habe. Heute wiederum hört man die Praktiker, die sich über manches hermachen, was sie als Utopien bezeichnen, sagen: Wir können in der Gegenwart nicht gleich die höchsten Berggipfel einer Neuordnung in der menschlichen gesellschaftlichen Ordnung besteigen, wir müssen Schritt für Schritt vorwärtsgehen. Gewiß seien manche Gedanken - sagen solche Leute - ja schön, und man werde vielleicht auch zu solchen Dingen in Jahrhunderten einmal kommen; aber heute sei es uns auferlegt, eben die nächsten Schritte zu tun.
[ 3 ] Nun ist es ganz gewiß einfach eine Selbstverständlichkeit, daß man zunächst die allernächsten Schritte tun muß, aber derjenige wird schlecht einen Berg heraufsteigen, der sich gar keine Vorstellung macht, wenn er schon den nächsten Schritt unternimmt, welches seine Wegrichtung sein soll; der sich gar keine Vorstellung davon macht, in welcher Richtung der Gipfel eigentlich liegt. Und wer nicht im Sinne dieser Utopieverächter denkt, sondern vielleicht gerade in einem realistischen Sinne denkt, der wird heute vielleicht noch von einem anderen Vergleich ausgehen müssen gegenüber dem, was im Keime verborgen liegt und auch in furchtbarer Weise zum Ausbruche kommen könnte. Er wird vielleicht nicht ausgehen müssen von jenem Karzinom, das ja in der Kriegskatastrophe der letzten Jahre zum Ausbruch gekommen ist. Er wird aber darauf hinweisen müssen, daß viele Menschen jetzt so denken, wie diejenigen, die ein Haus bewohnen, das Risse und Sprünge hat, die dem Haus mit Einsturz drohen, die aber sich nicht dazu entschließen können, etwas vorzunehmen zum Neubau des Hauses, sondern die in allerlei Beratungen darüber eintreten, wie man die einzelnen Zimmer, die man da bewohnt, miteinander durch Türen verbinden kann, damit man durch diese Türen leichter die Möglichkeit hat, sich gegenseitig zu helfen. - Es wird die Hilfe, die man durch diese Türen sich leisten kann, dann wenig helfen, wenn die Sprünge zu einer entsprechenden Stärke gediehen sein werden!
[ 3 ] Nun ist es ganz gewiß einfach eine Selbstverständlichkeit, daß man zunächst die allernächsten Schritte tun muß, aber derjenige wird schlecht einen Berg heraufsteigen, der sich gar keine Vorstellung macht, wenn er schon den nächsten Schritt unternimmt, welches seine Wegrichtung sein soll; der sich gar keine Vorstellung davon macht, in welcher Richtung der Gipfel eigentlich liegt. Und wer nicht im Sinne dieser Utopieverächter denkt, sondern vielleicht gerade in einem realistischen Sinne denkt, der wird heute vielleicht noch von einem anderen Vergleich ausgehen müssen gegenüber dem, was im Keime verborgen liegt und auch in furchtbarer Weise zum Ausbruche kommen könnte. Er wird vielleicht nicht ausgehen müssen von jenem Karzinom, das ja in der Kriegskatastrophe der letzten Jahre zum Ausbruch gekommen ist. Er wird aber darauf hinweisen müssen, daß viele Menschen jetzt so denken, wie diejenigen, die ein Haus bewohnen, das Risse und Sprünge hat, die dem Haus mit Einsturz drohen, die aber sich nicht dazu entschließen können, etwas vorzunehmen zum Neubau des Hauses, sondern die in allerlei Beratungen darüber eintreten, wie man die einzelnen Zimmer, die man da bewohnt, miteinander durch Türen verbinden kann, damit man durch diese Türen leichter die Möglichkeit hat, sich gegenseitig zu helfen. - Es wird die Hilfe, die man durch diese Türen sich leisten kann, dann wenig helfen, wenn die Sprünge zu einer entsprechenden Stärke gediehen sein werden!
[ 4 ] Solche Dinge zu denken, liegt, wie es scheint, wohl in der Entwickelung der Tatsachen, die heute eine lautere und deutlichere Sprache sprechen, als die Menschen oftmals geneigt sind heute zu hören.
[ 4 ] Solche Dinge zu denken, liegt, wie es scheint, wohl in der Entwickelung der Tatsachen, die heute eine lautere und deutlichere Sprache sprechen, als die Menschen oftmals geneigt sind heute zu hören.
[ 5 ] Nun hat diese Weltkriegskatastrophe aus den Schrecknissen heraus, die zu durchleben waren, eine Empfindung losgelöst, die sich in solchen Ansichten allmählich kristallisiert hat, wie sie auch jetzt wiederum zugrunde liegen der bedeutungsvollen Versammlung, die hier in Bern als eine Völkerbundskonferenz abgehalten wird. Der Ruf nach einem Völkerbund, er hat sich herausentwickelt aus den schreckhaften Ereignissen der letzten Jahre. Man wird aber sagen müssen, daß es vielleicht doch gerechtfertigt erscheinen könnte, mit anderen Empfindungen noch an das heranzugehen, was in diesem Ruf nach dem Völkerbund liegt, als dies manche heute tun. Denn vielleicht ist es doch wichtiger, nicht allein zu fragen: Was könnte man für diesen Völkerbund tun? Welche Maßregeln könnte man unternehmen, damit er in der besten Weise - wie man sich das vorstellt - zustande kommt? Sondern es könnte vielleicht gerade die Frage aufgeworfen werden: Welche Grundlagen bestehen im Leben der Völker für die Errichtung eines solchen Völkerbundes? Denn allein wenn man hinsieht auf die Kräfte, die im Völkerleben sind, kann man vielleicht aus diesen Kräften erkennen, inwieweit man in der Lage ist, mit einem solchen Völkerbund etwas Fruchtbares zu erreichen. Und scheint es nicht notwendig, ich möchte sagen, nach dieser Richtung hin die Frage etwas zu verschieben, da ja die wichtige, der Welt besonders einleuchtende Konzeption dieses Völkerbundes zusammen mit einem Gedanken entstanden ist, von dessen Verwirklichung heute gar nicht mehr die Rede sein kann? Im Jahre 1917 tauchte in einer Rede Wilsons vor dem amerikanischen Senat ein Gedanke auf, der in Verbindung mit einem anderen Gedanken etwa so lautete: Das, was man anstreben könne mit diesem Völkerbund, das habe eine gewisse Voraussetzung, die Voraussetzung nämlich, daß in den Kriegsereignissen sich weder von der einen noch von der anderen Seite dasjenige ergebe, was man im entschiedenen Sinne nennen müsse Sieg oder Niederlage. - Auf einen Ausgang blickte Wilson hin, der nicht der von Sieg oder Niederlage der einen Partei sei. Und aus der Gedankenrichtung nach einem solchen Ausgange leitete er die Empfindungen her, die ihn zu diesem Völkerbund drängten.
[ 5 ] Nun hat diese Weltkriegskatastrophe aus den Schrecknissen heraus, die zu durchleben waren, eine Empfindung losgelöst, die sich in solchen Ansichten allmählich kristallisiert hat, wie sie auch jetzt wiederum zugrunde liegen der bedeutungsvollen Versammlung, die hier in Bern als eine Völkerbundskonferenz abgehalten wird. Der Ruf nach einem Völkerbund, er hat sich herausentwickelt aus den schreckhaften Ereignissen der letzten Jahre. Man wird aber sagen müssen, daß es vielleicht doch gerechtfertigt erscheinen könnte, mit anderen Empfindungen noch an das heranzugehen, was in diesem Ruf nach dem Völkerbund liegt, als dies manche heute tun. Denn vielleicht ist es doch wichtiger, nicht allein zu fragen: Was könnte man für diesen Völkerbund tun? Welche Maßregeln könnte man unternehmen, damit er in der besten Weise - wie man sich das vorstellt - zustande kommt? Sondern es könnte vielleicht gerade die Frage aufgeworfen werden: Welche Grundlagen bestehen im Leben der Völker für die Errichtung eines solchen Völkerbundes? Denn allein wenn man hinsieht auf die Kräfte, die im Völkerleben sind, kann man vielleicht aus diesen Kräften erkennen, inwieweit man in der Lage ist, mit einem solchen Völkerbund etwas Fruchtbares zu erreichen. Und scheint es nicht notwendig, ich möchte sagen, nach dieser Richtung hin die Frage etwas zu verschieben, da ja die wichtige, der Welt besonders einleuchtende Konzeption dieses Völkerbundes zusammen mit einem Gedanken entstanden ist, von dessen Verwirklichung heute gar nicht mehr die Rede sein kann? Im Jahre 1917 tauchte in einer Rede Wilsons vor dem amerikanischen Senat ein Gedanke auf, der in Verbindung mit einem anderen Gedanken etwa so lautete: Das, was man anstreben könne mit diesem Völkerbund, das habe eine gewisse Voraussetzung, die Voraussetzung nämlich, daß in den Kriegsereignissen sich weder von der einen noch von der anderen Seite dasjenige ergebe, was man im entschiedenen Sinne nennen müsse Sieg oder Niederlage. - Auf einen Ausgang blickte Wilson hin, der nicht der von Sieg oder Niederlage der einen Partei sei. Und aus der Gedankenrichtung nach einem solchen Ausgange leitete er die Empfindungen her, die ihn zu diesem Völkerbund drängten.
[ 6 ] Gewiß, der Gedanke hatte in sich eine Realität; aber von derjenigen Realität, an die damals gedacht worden ist, von der kann heute nicht mehr die Rede sein; denn heute ist der entschiedene Sieg auf der einen Seite die entschiedene Niederlage auf der anderen Seite. Ja, vielleicht muß gerade aus diesem Grunde zum Beispiel die Frage nach dem Völkerbund in ganz anderer Weise gestellt werden.
[ 6 ] Gewiß, der Gedanke hatte in sich eine Realität; aber von derjenigen Realität, an die damals gedacht worden ist, von der kann heute nicht mehr die Rede sein; denn heute ist der entschiedene Sieg auf der einen Seite die entschiedene Niederlage auf der anderen Seite. Ja, vielleicht muß gerade aus diesem Grunde zum Beispiel die Frage nach dem Völkerbund in ganz anderer Weise gestellt werden.
[ 7 ] Mir liegt es ganz besonders nahe, wenn ich schon selbst die Frage nach dem Völkerbund stelle und mich getraue, sie vor Menschen heute zu besprechen, diese Frage in einer ganz besonderen Art zu stellen. Als Angehöriger desjenigen Volkes, auf dessen Seite die entschiedene Niederlage ist, ist es heute nicht möglich, die Frage so zu stellen, als ob ihre Beantwortung nur hervorgehen könne aus einer freien Übereinkunft derjenigen Völker, die sich vielleicht verbinden wollten in einem solchen Völkerbunde, und zu denen ja ihren innersten Empfindungen nach ganz gewiß auch die mitteleuropäischen Völker gehören. Die Pariser Ereignisse schließen für den Deutschen eine solche Fragestellung im Grunde genommen heute aus, und man soll sich darüber keinen Illusionen hingeben. Aber so will ich auch diese Frage nicht stellen. Mir geht es darum, eine Fragestellung zu finden und eine entsprechende Antwort zu formulieren, bei der auch der mitsprechen kann, der vielleicht für die nächsten Zeiten von der Teilnahme an diesem Völkerbund ausgeschlossen ist. Das heißt, die Frage wird so gestellt werden müssen: Was kann, gleichgültig welche augenblicklichen Vereinbarungen zustande kommen, jedes einzelne Volk aus seinen eigenen Kräften, ungeachtet dessen, ob es Sieg oder Niederlage erlitten hat, für einen wirklichen Völkerbund, der der Menschheit das bringen kann, was von ihr ersehnt wird, beitragen?
[ 7 ] Mir liegt es ganz besonders nahe, wenn ich schon selbst die Frage nach dem Völkerbund stelle und mich getraue, sie vor Menschen heute zu besprechen, diese Frage in einer ganz besonderen Art zu stellen. Als Angehöriger desjenigen Volkes, auf dessen Seite die entschiedene Niederlage ist, ist es heute nicht möglich, die Frage so zu stellen, als ob ihre Beantwortung nur hervorgehen könne aus einer freien Übereinkunft derjenigen Völker, die sich vielleicht verbinden wollten in einem solchen Völkerbunde, und zu denen ja ihren innersten Empfindungen nach ganz gewiß auch die mitteleuropäischen Völker gehören. Die Pariser Ereignisse schließen für den Deutschen eine solche Fragestellung im Grunde genommen heute aus, und man soll sich darüber keinen Illusionen hingeben. Aber so will ich auch diese Frage nicht stellen. Mir geht es darum, eine Fragestellung zu finden und eine entsprechende Antwort zu formulieren, bei der auch der mitsprechen kann, der vielleicht für die nächsten Zeiten von der Teilnahme an diesem Völkerbund ausgeschlossen ist. Das heißt, die Frage wird so gestellt werden müssen: Was kann, gleichgültig welche augenblicklichen Vereinbarungen zustande kommen, jedes einzelne Volk aus seinen eigenen Kräften, ungeachtet dessen, ob es Sieg oder Niederlage erlitten hat, für einen wirklichen Völkerbund, der der Menschheit das bringen kann, was von ihr ersehnt wird, beitragen?
[ 8 ] Da aber wird man, da ein Völkerbund es ganz zweifellos zu tun haben mufß mit internationalen Angelegenheiten, sich vor allen Dingen den allerwichtigsten internationalen Angelegenheiten zuzuwenden haben, die unter allen Umständen in der nächsten Zeit alle Völker angehen werden.
[ 8 ] Da aber wird man, da ein Völkerbund es ganz zweifellos zu tun haben mufß mit internationalen Angelegenheiten, sich vor allen Dingen den allerwichtigsten internationalen Angelegenheiten zuzuwenden haben, die unter allen Umständen in der nächsten Zeit alle Völker angehen werden.
[ 9 ] Wenn man heute solche Verhältnisse behandelt, dann richtet man, wie man es in der heutigen Zeit gewohnt ist, den Blick zunächst nach zwei Richtungen hin. Man richtet den Blick hin auf der einen Seite nach dem Staate, und auf der anderen Seite nach dem Wirtschaftsleben. Diejenigen Menschen, die heute irgend etwas in bezug auf das Zusammenleben der Menschen wollen, sie sehen mit Bezug auf die Richtlinien dieses Wollens zunächst auf den Staat hin, indem sie fragen: Was soll der Staat tun in dieser oder jener Angelegenheit, für die eine Änderung spruchreif geworden ist? - Oder aber, um zu einer Erklärung zu kommen, blicken die Leute heute, wie, ich möchte sagen, mit hypnotisierten Blicken hin nach dem Wirtschaftsleben; denn die wirtschaftlichen Verhältnisse scheinen die einzigen zu sein, welche die heutigen Konflikte, die größten Konflikte wenigstens der Gegenwart, hervorrufen.
[ 9 ] Wenn man heute solche Verhältnisse behandelt, dann richtet man, wie man es in der heutigen Zeit gewohnt ist, den Blick zunächst nach zwei Richtungen hin. Man richtet den Blick hin auf der einen Seite nach dem Staate, und auf der anderen Seite nach dem Wirtschaftsleben. Diejenigen Menschen, die heute irgend etwas in bezug auf das Zusammenleben der Menschen wollen, sie sehen mit Bezug auf die Richtlinien dieses Wollens zunächst auf den Staat hin, indem sie fragen: Was soll der Staat tun in dieser oder jener Angelegenheit, für die eine Änderung spruchreif geworden ist? - Oder aber, um zu einer Erklärung zu kommen, blicken die Leute heute, wie, ich möchte sagen, mit hypnotisierten Blicken hin nach dem Wirtschaftsleben; denn die wirtschaftlichen Verhältnisse scheinen die einzigen zu sein, welche die heutigen Konflikte, die größten Konflikte wenigstens der Gegenwart, hervorrufen.
[ 10 ] Bei diesen Betrachtungen, die von diesen zwei Blickrichtungen ausgehen, bleibt zunächst eines gewöhnlich unberücksichtigt. Wenn man auch versichert, man wolle Rechnung tragen den Verhältnissen der heutigen Zeit, und vor allen Dingen den Blick auf den Menschen richten, so tut man dies in Wirklichkeit selten. Hier möchte ich gerade versuchen, mich nicht zu scheuen, nachzugehen dem, was man findet, wenn man den Blick einerseits auf den Staat, andererseits auf das Wirtschaftsleben richtet. Aber vor allen Dingen möchte ich nicht außer acht lassen, in ganz energischer Weise eine Frage zu stellen, ausgehend vom Gesichtspunkt des Menschen als solchem: Was haben die Staaten zu tun, um sich zu einem Völkerbunde zu vereinigen? Das ist ja dasjenige, was zunächst vor allen Dingen gefragt wird. Und mancherlei - glauben Sie nicht, daß ich kritisieren oder verurteilen will -, mancherlei recht Gutes wird für die nächste Zeit zustande kommen, wenn man diese Frage so aufwirft, indem man versucht, aus der Konstruktion der Staaten, aus den einzelnen Gepflogenheiten der Staaten nun auch gewissermaßen etwas die Staaten Übergreifendes wie einen Weltenbund oder ein Weltenparlament zu finden. —- Allein, ich möchte heute gegenüberstellen der Frage: Was sollen die Staaten tun? - die andere Frage: Was sollen die Staaten zum Heile des Menschen unterlassen? - In vieler Beziehung haben wir ja durch die furchtbaren Ereignisse der letzten Jahre kennengelernt, was die Staaten zuwege gebracht haben mit ihrem Tun; sie haben eben die Menschheit in diese furchtbare Katastrophe hineingeführt. Wir können es nicht ableugnen, die Staaten sind es, welche die Menschheit in diese furchtbare Katastrophe hineingeführt haben!
[ 10 ] Bei diesen Betrachtungen, die von diesen zwei Blickrichtungen ausgehen, bleibt zunächst eines gewöhnlich unberücksichtigt. Wenn man auch versichert, man wolle Rechnung tragen den Verhältnissen der heutigen Zeit, und vor allen Dingen den Blick auf den Menschen richten, so tut man dies in Wirklichkeit selten. Hier möchte ich gerade versuchen, mich nicht zu scheuen, nachzugehen dem, was man findet, wenn man den Blick einerseits auf den Staat, andererseits auf das Wirtschaftsleben richtet. Aber vor allen Dingen möchte ich nicht außer acht lassen, in ganz energischer Weise eine Frage zu stellen, ausgehend vom Gesichtspunkt des Menschen als solchem: Was haben die Staaten zu tun, um sich zu einem Völkerbunde zu vereinigen? Das ist ja dasjenige, was zunächst vor allen Dingen gefragt wird. Und mancherlei - glauben Sie nicht, daß ich kritisieren oder verurteilen will -, mancherlei recht Gutes wird für die nächste Zeit zustande kommen, wenn man diese Frage so aufwirft, indem man versucht, aus der Konstruktion der Staaten, aus den einzelnen Gepflogenheiten der Staaten nun auch gewissermaßen etwas die Staaten Übergreifendes wie einen Weltenbund oder ein Weltenparlament zu finden. —- Allein, ich möchte heute gegenüberstellen der Frage: Was sollen die Staaten tun? - die andere Frage: Was sollen die Staaten zum Heile des Menschen unterlassen? - In vieler Beziehung haben wir ja durch die furchtbaren Ereignisse der letzten Jahre kennengelernt, was die Staaten zuwege gebracht haben mit ihrem Tun; sie haben eben die Menschheit in diese furchtbare Katastrophe hineingeführt. Wir können es nicht ableugnen, die Staaten sind es, welche die Menschheit in diese furchtbare Katastrophe hineingeführt haben!
[ 11 ] Sollte es da nicht doch naheliegen, einmal zu überlegen, ob ein Mensch, wenn er gesehen hat, daß er mit seinen Taten allerlei Unheil anrichtet, er sich denn da just immer fragen muß: Wie mache ich die Sache nun anders? - Könnte es nicht einmal nützlicher sein zu sagen: vielleicht überlasse ich dasjenige, was ich schlecht zustande gebracht habe, besser einem anderen zu tun? - Da, sehen Sie, wird vielleicht die Frage auf ein ganz anderes Geleise abgeleitet.
[ 11 ] Sollte es da nicht doch naheliegen, einmal zu überlegen, ob ein Mensch, wenn er gesehen hat, daß er mit seinen Taten allerlei Unheil anrichtet, er sich denn da just immer fragen muß: Wie mache ich die Sache nun anders? - Könnte es nicht einmal nützlicher sein zu sagen: vielleicht überlasse ich dasjenige, was ich schlecht zustande gebracht habe, besser einem anderen zu tun? - Da, sehen Sie, wird vielleicht die Frage auf ein ganz anderes Geleise abgeleitet.
[ 12 ] Man muß vielleicht doch zu den wichtigsten internationalen Fragen greifen, wenn man fruchtbare Unterlagen zu demjenigen gewinnen will, wovon man sagen kann, daß es die Risse und Sprünge hineinbringt in das Haus, das, aus verschiedenen Staaten bestehend, die gegenwärtige Menschheit bewohnt. Man muß vielleicht fragen: Woher rühren diese Risse und Sprünge? Woher kommt es, daß die Staaten die Menschen in diese furchtbare Kriegskatastrophe hineingetrieben haben?
[ 12 ] Man muß vielleicht doch zu den wichtigsten internationalen Fragen greifen, wenn man fruchtbare Unterlagen zu demjenigen gewinnen will, wovon man sagen kann, daß es die Risse und Sprünge hineinbringt in das Haus, das, aus verschiedenen Staaten bestehend, die gegenwärtige Menschheit bewohnt. Man muß vielleicht fragen: Woher rühren diese Risse und Sprünge? Woher kommt es, daß die Staaten die Menschen in diese furchtbare Kriegskatastrophe hineingetrieben haben?
[ 13 ] Zwei Dinge sind im Laufe der neueren Zeit ganz gewiß international geworden; außer manchem anderen sind es: der Kapitalismus und die menschliche Arbeitskraft. Zweifellos, einen «Völkerbund» oder irgend etwas, was dem ähnlich sieht, hatten wir: den Bund, dem das internationale Kapital zugrunde lag. Und ein anderer «Völkerbund» war auch im Werden, und er macht sich heute sehr geltend: es ist derjenige, dem das Internationale der menschlichen Arbeitskraft zugrunde liegt. Und man wird auf diese beiden Dinge zurückgreifen müssen, wenn man zu den fruchtbaren Keimen eines solchen Völkerbundes kommen will, der nun wirklich auf die Angelegenheiten des Menschen als solchem gebaut sein kann.
[ 13 ] Zwei Dinge sind im Laufe der neueren Zeit ganz gewiß international geworden; außer manchem anderen sind es: der Kapitalismus und die menschliche Arbeitskraft. Zweifellos, einen «Völkerbund» oder irgend etwas, was dem ähnlich sieht, hatten wir: den Bund, dem das internationale Kapital zugrunde lag. Und ein anderer «Völkerbund» war auch im Werden, und er macht sich heute sehr geltend: es ist derjenige, dem das Internationale der menschlichen Arbeitskraft zugrunde liegt. Und man wird auf diese beiden Dinge zurückgreifen müssen, wenn man zu den fruchtbaren Keimen eines solchen Völkerbundes kommen will, der nun wirklich auf die Angelegenheiten des Menschen als solchem gebaut sein kann.
[ 14 ] Bezüglich des Kapitals erleben wir es ja, daß von einer großen Menge von Menschen die Art und Weise, wie es im Laufe der Zeit verwaltet wurde und was zum sogenannten Kapitalismus geführt hat, als dasjenige angesehen wird, was am meisten gerade gegen die Interessen eines großen Teiles der Menschheit ist, und was außerdem durch vieles, was in ihm liegt, dazu geführt hat, daß wir in so furchtbare Ereignisse hineingekommen sind. Und der Ruf wird von vielen Seiten erhoben - der sich ausdrückt in einer Gegnerschaft gegen diesen Kapitalismus -, der radikale Ruf, daß die gesamte auf den Kapitalismus aufgebaute gesellschaftliche Menschenordnung geändert werden müsse, daß die privatwirtschaftliche Verwaltung des Kapitalismus dem weichen müsse, was man heute gewohnt worden ist, die Sozialisierung zu nennen. Dieses, verbunden mit einer Empfindung über die menschliche Arbeitskraft, das gibt heute dem internationalen Leben seine Färbung. Man muß es immer wieder wiederholen: So wenig deutlich es auch zum Ausdruck kommt in den bewußt ausgesprochenen Gedanken der proletarischen Weltbevölkerung, unbewußt lebt es in den Untergründen einer nach Millionen zählenden Menschenmenge, daß im Laufe der kapitalistischen Entwickelung gerade die menschliche Arbeitskraft einen Charakter angenommen hat, den sie weiterhin nicht haben dürfe.
[ 14 ] Bezüglich des Kapitals erleben wir es ja, daß von einer großen Menge von Menschen die Art und Weise, wie es im Laufe der Zeit verwaltet wurde und was zum sogenannten Kapitalismus geführt hat, als dasjenige angesehen wird, was am meisten gerade gegen die Interessen eines großen Teiles der Menschheit ist, und was außerdem durch vieles, was in ihm liegt, dazu geführt hat, daß wir in so furchtbare Ereignisse hineingekommen sind. Und der Ruf wird von vielen Seiten erhoben - der sich ausdrückt in einer Gegnerschaft gegen diesen Kapitalismus -, der radikale Ruf, daß die gesamte auf den Kapitalismus aufgebaute gesellschaftliche Menschenordnung geändert werden müsse, daß die privatwirtschaftliche Verwaltung des Kapitalismus dem weichen müsse, was man heute gewohnt worden ist, die Sozialisierung zu nennen. Dieses, verbunden mit einer Empfindung über die menschliche Arbeitskraft, das gibt heute dem internationalen Leben seine Färbung. Man muß es immer wieder wiederholen: So wenig deutlich es auch zum Ausdruck kommt in den bewußt ausgesprochenen Gedanken der proletarischen Weltbevölkerung, unbewußt lebt es in den Untergründen einer nach Millionen zählenden Menschenmenge, daß im Laufe der kapitalistischen Entwickelung gerade die menschliche Arbeitskraft einen Charakter angenommen hat, den sie weiterhin nicht haben dürfe.
[ 15 ] Lassen Sie uns den Blick zunächst nach diesen beiden Richtungen hin lenken. Das Kapital, die kapitalistische Verwaltung des Wirtschaftslebens, muß man, will man sie ganz klar durchschauen, ganz entschieden trennen von dem, womit sie heute verbunden ist. Zwei Dinge sind heute mit dem verbunden, was man Kapitalismus nennt: das eine weist auf etwas hin, was von dem Kapitalismus gar nicht ablösbar ist; das andere ist etwas, das von ihm Abstand nehmen muß. Man mengt heute in eines zusammen wirtschaftliche Betriebe auf Grundlage des Kapitals, und privaten Besitz von Kapital. Die Frage muß aber gestellt werden: Sind diese beiden Dinge voneinander lösbar? Denn die private Verwaltung der wirtschaftlichen Betriebe, die aufgebaut ist auf die größere oder geringere Intensität individueller menschlicher Fähigkeiten, diese private Verwaltung, die zu ihrer Betätigung eines Hilfsmittels, des Kapitals, bedarf, die kann nicht aufgehoben werden. Wer irgendwie sich unbefangen bemüht zu fragen, unter welchen Verhältnissen der soziale Organismus lebensfähig ist, wird immer darauf kommen, sich sagen zu müssen: Dieser soziale Organismus ist nicht lebensfähig, wenn ihm seine wichtigste Quelle entzogen wird, nämlich dasjenige, was in ihn hineinfließt durch die individuellen Fähigkeiten, die sich in verschiedenen Maßstäben der eine oder der andere Mensch aneignen kann. Was in der Richtung des Kapitals arbeitet, das muß auch in der Richtung der individuellen menschlichen Fähigkeiten arbeiten. Das weist darauf hin, daß in keinerlei Art im Zukunftsstaat trennbar sein kann die notwendige Beigabe zum sozialen Leben, die von Seiten der individuellen menschlichen Fähigkeiten kommt, von seinem Mittel, dem Kapital.
[ 15 ] Lassen Sie uns den Blick zunächst nach diesen beiden Richtungen hin lenken. Das Kapital, die kapitalistische Verwaltung des Wirtschaftslebens, muß man, will man sie ganz klar durchschauen, ganz entschieden trennen von dem, womit sie heute verbunden ist. Zwei Dinge sind heute mit dem verbunden, was man Kapitalismus nennt: das eine weist auf etwas hin, was von dem Kapitalismus gar nicht ablösbar ist; das andere ist etwas, das von ihm Abstand nehmen muß. Man mengt heute in eines zusammen wirtschaftliche Betriebe auf Grundlage des Kapitals, und privaten Besitz von Kapital. Die Frage muß aber gestellt werden: Sind diese beiden Dinge voneinander lösbar? Denn die private Verwaltung der wirtschaftlichen Betriebe, die aufgebaut ist auf die größere oder geringere Intensität individueller menschlicher Fähigkeiten, diese private Verwaltung, die zu ihrer Betätigung eines Hilfsmittels, des Kapitals, bedarf, die kann nicht aufgehoben werden. Wer irgendwie sich unbefangen bemüht zu fragen, unter welchen Verhältnissen der soziale Organismus lebensfähig ist, wird immer darauf kommen, sich sagen zu müssen: Dieser soziale Organismus ist nicht lebensfähig, wenn ihm seine wichtigste Quelle entzogen wird, nämlich dasjenige, was in ihn hineinfließt durch die individuellen Fähigkeiten, die sich in verschiedenen Maßstäben der eine oder der andere Mensch aneignen kann. Was in der Richtung des Kapitals arbeitet, das muß auch in der Richtung der individuellen menschlichen Fähigkeiten arbeiten. Das weist darauf hin, daß in keinerlei Art im Zukunftsstaat trennbar sein kann die notwendige Beigabe zum sozialen Leben, die von Seiten der individuellen menschlichen Fähigkeiten kommt, von seinem Mittel, dem Kapital.
[ 16 ] Etwas anderes aber ist der private Besitz an Kapital, ist das Eigentum an Privatkapital. Dieses Eigentum an Privatkapital, das hat eine andere gesellschaftliche Funktion als die Verwaltung der Betriebe, zu denen Kapital notwendig ist, durch die individuellen menschlichen Fähigkeiten. Dadurch, daß jemand, wodurch auch immer, Privatkapital erwirbt oder erworben hat, dadurch kommt er zu einer gewissen Macht über andere Menschen. Diese Macht, die zumeist eine wirtschaftliche Macht sein wird, kann auf keine andere Weise geregelt werden als dadurch, daß sie in Zusammenhang gebracht wird mit den Rechtsverhältnissen des sozialen Organismus. Dasjenige, was dem sozialen Organismus wirklich fruchtbare Kräfte zuführt, das ist die Arbeit, die die individuellen Fähigkeiten durch das Kapital leisten. Dasjenige aber, was den sozialen Organismus schädigt, das ist, wenn Menschen, die selber durch ihre individuellen Fähigkeiten eine solche Arbeit nicht leisten können, dennoch durch irgendwelche Verhältnisse in dauerndem Besitze von Kapital sind. Denn solche haben wirtschaftliche Macht. Was heißt es denn: Kapital haben? - Kapital haben heißt: eine Anzahl von Menschen nach seinen Intentionen arbeiten zu lassen, Macht haben über die Arbeit einer Anzahl von Menschen.
[ 16 ] Etwas anderes aber ist der private Besitz an Kapital, ist das Eigentum an Privatkapital. Dieses Eigentum an Privatkapital, das hat eine andere gesellschaftliche Funktion als die Verwaltung der Betriebe, zu denen Kapital notwendig ist, durch die individuellen menschlichen Fähigkeiten. Dadurch, daß jemand, wodurch auch immer, Privatkapital erwirbt oder erworben hat, dadurch kommt er zu einer gewissen Macht über andere Menschen. Diese Macht, die zumeist eine wirtschaftliche Macht sein wird, kann auf keine andere Weise geregelt werden als dadurch, daß sie in Zusammenhang gebracht wird mit den Rechtsverhältnissen des sozialen Organismus. Dasjenige, was dem sozialen Organismus wirklich fruchtbare Kräfte zuführt, das ist die Arbeit, die die individuellen Fähigkeiten durch das Kapital leisten. Dasjenige aber, was den sozialen Organismus schädigt, das ist, wenn Menschen, die selber durch ihre individuellen Fähigkeiten eine solche Arbeit nicht leisten können, dennoch durch irgendwelche Verhältnisse in dauerndem Besitze von Kapital sind. Denn solche haben wirtschaftliche Macht. Was heißt es denn: Kapital haben? - Kapital haben heißt: eine Anzahl von Menschen nach seinen Intentionen arbeiten zu lassen, Macht haben über die Arbeit einer Anzahl von Menschen.
[ 17 ] Die Gesundung kann nur dadurch herbeigeführt werden, daß alles, was mit dem Mittel des Kapitals erarbeitet werden muß im sozialen Organismus, nicht abgetrennt wird von der menschlichen Persönlichkeit mit ihren individuellen Fähigkeiten, die dahinter stehen. Gerade aber durch den Besitz des Kapitals auf seiten solcher Personen, welche nicht ihre individuellen Fähigkeiten in die Verwendung des Kapitals hineinlegen, gerade dadurch wird immer wieder und wiederum im sozialen Organismus losgelöst das Fruchtbare der Kapitalwirkung von demjenigen, was Kapital im allgemeinen ist, und was auch sehr, sehr schädliche Folgen für das soziale Zusammenleben der Menschen haben kann. Das heißt, wir stehen im gegenwärtigen, geschichtlichen Augenblicke der Menschheit vor der Notwendigkeit, daß abgetrennt werden muß der Besitz des Kapitals von der Verwaltung des Kapitals. Das ist die eine Frage. Lassen wir sie zunächst so stehen. Wir werden gleich nachher sehen, welcher mögliche Lösungsversuch sich für diese Frage ergeben kann.
[ 17 ] Die Gesundung kann nur dadurch herbeigeführt werden, daß alles, was mit dem Mittel des Kapitals erarbeitet werden muß im sozialen Organismus, nicht abgetrennt wird von der menschlichen Persönlichkeit mit ihren individuellen Fähigkeiten, die dahinter stehen. Gerade aber durch den Besitz des Kapitals auf seiten solcher Personen, welche nicht ihre individuellen Fähigkeiten in die Verwendung des Kapitals hineinlegen, gerade dadurch wird immer wieder und wiederum im sozialen Organismus losgelöst das Fruchtbare der Kapitalwirkung von demjenigen, was Kapital im allgemeinen ist, und was auch sehr, sehr schädliche Folgen für das soziale Zusammenleben der Menschen haben kann. Das heißt, wir stehen im gegenwärtigen, geschichtlichen Augenblicke der Menschheit vor der Notwendigkeit, daß abgetrennt werden muß der Besitz des Kapitals von der Verwaltung des Kapitals. Das ist die eine Frage. Lassen wir sie zunächst so stehen. Wir werden gleich nachher sehen, welcher mögliche Lösungsversuch sich für diese Frage ergeben kann.
[ 18 ] Das zweite ist die Frage nach der sozialen Bedeutung der menschlichen Arbeitskraft. Diese soziale Bedeutung der menschlichen Arbeitskraft sieht man ein, wenn man verfolgen kann, was im letzten Jahrzehnte durch die Seelen der proletarischen Bevölkerung gezogen ist, wenn man gesehen hat, wie einschlagend in diese Seelen dasjenige war, was ein Karl Marx und diejenigen, die in seiner Richtung gearbeitet haben, über diese menschliche Arbeitskraft gesagt haben. Was Karl Marx in seiner Theorie von dem Mehrwert gesagt hat, es schlug zündend ein in die Proletarierseelen! Warum? Weil Empfindungen in ihnen waren, die diese Frage nach der menschlichen Arbeitskraft zuammenbrachten mit den tiefsten Fragen nach der Menschenwürde und nach einem menschenwerten Dasein überhaupt. In solche Worte mußte Marx kleiden, was er über die soziale Bedeutung der menschlichen Arbeitskraft zu sagen hatte, welche besagten, daß die menschliche Arbeitskraft durch die moderne kapitalistische Wirtschaftsordnung bisher noch nicht befreit wurde von dem Charakter, eine Ware zu sein. Im Wirtschaftsprozeß zirkulieren Waren; aber im modernen Wirtschaftsprozeß zirkulieren nicht nur Waren; da folgen nicht nur Waren den Geboten des Angebotes und der Nachfrage, da kommen auf den Warenmarkt, der in diesem Falle Arbeitsmarkt heißen muß, auch die menschlichen Arbeitskräfte zum Angebot, und sie werden bezahlt, so wie sonst Waren bezahlt . werden. Derjenige, der seine menschliche Arbeitskraft zum Markte zu tragen hat, der empfindet, trotz des Vorhandenseins des modernen Arbeitsvertrages, das Entwürdigende für seinen Menschenwert, wenn er also die Arbeitskraft zur Ware gemacht sieht. Denn dieser moderne Arbeitsvertrag, er wird unter der Voraussetzung geschlossen, daß der Arbeitsleiter - in diesem Falle der Unternehmer - dem Arbeiter seine Arbeitskraft abnimmt gegen eine Entschädigung, die sich eben auf dem Wirtschaftsmarkte als notwendig erweist. Kurz: die Arbeitskraft wird zur Ware gemacht.
[ 18 ] Das zweite ist die Frage nach der sozialen Bedeutung der menschlichen Arbeitskraft. Diese soziale Bedeutung der menschlichen Arbeitskraft sieht man ein, wenn man verfolgen kann, was im letzten Jahrzehnte durch die Seelen der proletarischen Bevölkerung gezogen ist, wenn man gesehen hat, wie einschlagend in diese Seelen dasjenige war, was ein Karl Marx und diejenigen, die in seiner Richtung gearbeitet haben, über diese menschliche Arbeitskraft gesagt haben. Was Karl Marx in seiner Theorie von dem Mehrwert gesagt hat, es schlug zündend ein in die Proletarierseelen! Warum? Weil Empfindungen in ihnen waren, die diese Frage nach der menschlichen Arbeitskraft zuammenbrachten mit den tiefsten Fragen nach der Menschenwürde und nach einem menschenwerten Dasein überhaupt. In solche Worte mußte Marx kleiden, was er über die soziale Bedeutung der menschlichen Arbeitskraft zu sagen hatte, welche besagten, daß die menschliche Arbeitskraft durch die moderne kapitalistische Wirtschaftsordnung bisher noch nicht befreit wurde von dem Charakter, eine Ware zu sein. Im Wirtschaftsprozeß zirkulieren Waren; aber im modernen Wirtschaftsprozeß zirkulieren nicht nur Waren; da folgen nicht nur Waren den Geboten des Angebotes und der Nachfrage, da kommen auf den Warenmarkt, der in diesem Falle Arbeitsmarkt heißen muß, auch die menschlichen Arbeitskräfte zum Angebot, und sie werden bezahlt, so wie sonst Waren bezahlt . werden. Derjenige, der seine menschliche Arbeitskraft zum Markte zu tragen hat, der empfindet, trotz des Vorhandenseins des modernen Arbeitsvertrages, das Entwürdigende für seinen Menschenwert, wenn er also die Arbeitskraft zur Ware gemacht sieht. Denn dieser moderne Arbeitsvertrag, er wird unter der Voraussetzung geschlossen, daß der Arbeitsleiter - in diesem Falle der Unternehmer - dem Arbeiter seine Arbeitskraft abnimmt gegen eine Entschädigung, die sich eben auf dem Wirtschaftsmarkte als notwendig erweist. Kurz: die Arbeitskraft wird zur Ware gemacht.
[ 19 ] Erst dadurch wird aber diese Frage gelöst werden können, daß man nicht stehenbleibt bei demjenigen, was Karl Marx ausgesprochen hat. Es wird heute eine Lebensfrage sein für das, was zu erreichen ist - sei es auf seiten der proletarischen Bevölkerung, sei es auf seiten der bürgerlichen leitenden, führenden Kreise -, gerade in diesem Punkte die Befreiung dadurch herbeizuführen, daß man in der richtigen Weise hinausgehen lernt über dasjenige, was Karl Marx der proletarischen Bevölkerung auf diesem Gebiete hat beibringen können. Wo auch heute Leute sind, die da glauben, mit ihrem sozialen Wollen ganz in der Richtung des Proletariats zu denken, immer und immer liegt ihnen doch die Empfindung zugrunde: derjenige, der sonst besitzlos ist, der nur seine Arbeitskraft hat, er muß eben auf Lohn ausgehen; das heißt, er muß seine Arbeitskraft zur Ware machen. Wie kann man am besten die Arbeitskraft zur Ware machen? so etwa wird die Frage formuliert, wie kann man sie am erträgnisreichsten machen? - Man wird niemals diese Frage in einer solchen Weise lösen, daß aus ihr nicht neue soziale Erschütterungen hervorgehen können, wenn man nicht die entgegengesetzte Forderung aufstellt: Wie kann menschliche Arbeitskraft überhaupt des Charakters der Ware entkleidet werden? Wie ist eine soziale Organisation möglich, in welcher die menschliche Arbeitskraft fortan keine Ware mehr ist? - Der Tatbestand des Arbeitens ergibt ja im eigentlichen Sinne doch das folgende. Durch die gemeinsame - nennen wir es jetzt Arbeit -, durch die gemeinsame Arbeit des handwerklich Arbeitenden und des geistig Leitenden entsteht ein Produkt. Die Frage ist diese: Wodurch kann diese gemeinsame Erzeugung eines Produktes für den Warenmarkt in ein befriedigendes Verhältnis gebracht werden zu dem, was man heute den Arbeitnehmer, und zu dem, was man heute den Arbeitgeber nennt?
[ 19 ] Erst dadurch wird aber diese Frage gelöst werden können, daß man nicht stehenbleibt bei demjenigen, was Karl Marx ausgesprochen hat. Es wird heute eine Lebensfrage sein für das, was zu erreichen ist - sei es auf seiten der proletarischen Bevölkerung, sei es auf seiten der bürgerlichen leitenden, führenden Kreise -, gerade in diesem Punkte die Befreiung dadurch herbeizuführen, daß man in der richtigen Weise hinausgehen lernt über dasjenige, was Karl Marx der proletarischen Bevölkerung auf diesem Gebiete hat beibringen können. Wo auch heute Leute sind, die da glauben, mit ihrem sozialen Wollen ganz in der Richtung des Proletariats zu denken, immer und immer liegt ihnen doch die Empfindung zugrunde: derjenige, der sonst besitzlos ist, der nur seine Arbeitskraft hat, er muß eben auf Lohn ausgehen; das heißt, er muß seine Arbeitskraft zur Ware machen. Wie kann man am besten die Arbeitskraft zur Ware machen? so etwa wird die Frage formuliert, wie kann man sie am erträgnisreichsten machen? - Man wird niemals diese Frage in einer solchen Weise lösen, daß aus ihr nicht neue soziale Erschütterungen hervorgehen können, wenn man nicht die entgegengesetzte Forderung aufstellt: Wie kann menschliche Arbeitskraft überhaupt des Charakters der Ware entkleidet werden? Wie ist eine soziale Organisation möglich, in welcher die menschliche Arbeitskraft fortan keine Ware mehr ist? - Der Tatbestand des Arbeitens ergibt ja im eigentlichen Sinne doch das folgende. Durch die gemeinsame - nennen wir es jetzt Arbeit -, durch die gemeinsame Arbeit des handwerklich Arbeitenden und des geistig Leitenden entsteht ein Produkt. Die Frage ist diese: Wodurch kann diese gemeinsame Erzeugung eines Produktes für den Warenmarkt in ein befriedigendes Verhältnis gebracht werden zu dem, was man heute den Arbeitnehmer, und zu dem, was man heute den Arbeitgeber nennt?
[ 20 ] Dies sind doch die zwei bedeutungsvollsten Fragen, die heute über das ganze internationale Völkerleben hin aufgeworfen werden können und müssen: Was steckt in der Verwendung des Kapitals im menschlichen sozialen Leben? Was steckt auf der anderen Seite in dem Hineinfließen der menschlichen Arbeitskraft in dieses soziale menschliche Leben?
[ 20 ] Dies sind doch die zwei bedeutungsvollsten Fragen, die heute über das ganze internationale Völkerleben hin aufgeworfen werden können und müssen: Was steckt in der Verwendung des Kapitals im menschlichen sozialen Leben? Was steckt auf der anderen Seite in dem Hineinfließen der menschlichen Arbeitskraft in dieses soziale menschliche Leben?
[ 21 ] Der Arbeiter heute - betrachten wir seine Lage -, er kann, wenn er das eben auch nicht ausspricht, wenn auch Marx nicht gelernt hat, in dieser Richtung zu Ende zu denken, der Arbeiter kann empfinden: Mit dem Unternehmer gemeinsam verfertige ich mein Produkt. Dasjenige, was an der Arbeitsstätte erzeugt wird, das geht von uns beiden aus. Darum kann es sich nur handeln: welche Teilung tritt ein zwischen dem, was man heute den Unternehmer nennt, und demjenigen, der heute der handwerklich Arbeitende ist? Und eine solche Teilung muß eintreten, welche nach beiden Seiten hin befriedigend sein kann im unmittelbaren konkreten Falle.
[ 21 ] Der Arbeiter heute - betrachten wir seine Lage -, er kann, wenn er das eben auch nicht ausspricht, wenn auch Marx nicht gelernt hat, in dieser Richtung zu Ende zu denken, der Arbeiter kann empfinden: Mit dem Unternehmer gemeinsam verfertige ich mein Produkt. Dasjenige, was an der Arbeitsstätte erzeugt wird, das geht von uns beiden aus. Darum kann es sich nur handeln: welche Teilung tritt ein zwischen dem, was man heute den Unternehmer nennt, und demjenigen, der heute der handwerklich Arbeitende ist? Und eine solche Teilung muß eintreten, welche nach beiden Seiten hin befriedigend sein kann im unmittelbaren konkreten Falle.
[ 22 ] Was ist denn eigentlich heute das Verhältnis, das sich abspielt zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer? Ich will nicht in agitatorische Phrasen hinein verfallen. Nüchtern aber wollen wir dieses ganze Verhältnis betrachten, nüchtern, wie es - allerdings nicht einmal in klaren Begriffen - von dem heutigen Proletarier formuliert wird, wie es aber in den unterbewußten Empfindungen dieser Proletarier ganz tief und intensiv sitzt. Da der Arbeiter durch die wirtschaftliche Macht des Unternehmers nicht in der Lage ist, über dasjenige, was sie gemeinsam als Ware erzeugen, oder was das gemeinsame Erträgnis dieser Ware ist, darüber, wieviel dem einen und dem anderen zufällt, einen Vertrag abzuschließen, da er nur in der Lage ist, einen Arbeitsvertrag abzuschließen, so gerät der Arbeiter in eine Seelenverfassung hinein, die ihm die Empfindung gibt, daß im Grunde genommen niemals irgendwelche Arbeitskraft verglichen werden kann mit irgendeiner Ware. Und doch spricht man heute davon, daß man im Wirtschaftsprozeß Ware gegen Ware beziehungsweise ihren Repräsentanten, das Geld, austauscht. Und man spricht auch davon, daß man Ware beziehungsweise ihren Repräsentanten, das Geld, gegen menschliche Arbeitskraft austauscht. So bekommt der Arbeiter heute die Empfindung, er arbeite zwar gemeinsam mit dem Unternehmer an der Erzeugung der Waren, werde aber eigentlich übervorteilt, indem ihm der ihm zustehende Teil eben nicht zukommt.
[ 22 ] Was ist denn eigentlich heute das Verhältnis, das sich abspielt zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer? Ich will nicht in agitatorische Phrasen hinein verfallen. Nüchtern aber wollen wir dieses ganze Verhältnis betrachten, nüchtern, wie es - allerdings nicht einmal in klaren Begriffen - von dem heutigen Proletarier formuliert wird, wie es aber in den unterbewußten Empfindungen dieser Proletarier ganz tief und intensiv sitzt. Da der Arbeiter durch die wirtschaftliche Macht des Unternehmers nicht in der Lage ist, über dasjenige, was sie gemeinsam als Ware erzeugen, oder was das gemeinsame Erträgnis dieser Ware ist, darüber, wieviel dem einen und dem anderen zufällt, einen Vertrag abzuschließen, da er nur in der Lage ist, einen Arbeitsvertrag abzuschließen, so gerät der Arbeiter in eine Seelenverfassung hinein, die ihm die Empfindung gibt, daß im Grunde genommen niemals irgendwelche Arbeitskraft verglichen werden kann mit irgendeiner Ware. Und doch spricht man heute davon, daß man im Wirtschaftsprozeß Ware gegen Ware beziehungsweise ihren Repräsentanten, das Geld, austauscht. Und man spricht auch davon, daß man Ware beziehungsweise ihren Repräsentanten, das Geld, gegen menschliche Arbeitskraft austauscht. So bekommt der Arbeiter heute die Empfindung, er arbeite zwar gemeinsam mit dem Unternehmer an der Erzeugung der Waren, werde aber eigentlich übervorteilt, indem ihm der ihm zustehende Teil eben nicht zukommt.
[ 23 ] Dadurch wird man schon hingewiesen darauf, daß die individuellen menschlichen Fähigkeiten, die sich des Kapitals bedienen müssen, eigentlich auf einer schiefen Ebene laufen. Denn was diese individuellen menschlichen Fähigkeiten zuwege bringen, indem sie aus der menschlichen Geistes- oder Körperkraft heraus das Kapital verwalten, das empfindet ein großer Teil der Menschheit als Übervorteilung, als eine Art Betrug. Ob das nun berechtigt ist oder nicht, darüber wollen wir augenblicklich nicht nachforschen; aber empfunden wird es so. Und in der Empfindung bildet es die Grundlage für die lautsprechenden Tatsachen der Gegenwart.
[ 23 ] Dadurch wird man schon hingewiesen darauf, daß die individuellen menschlichen Fähigkeiten, die sich des Kapitals bedienen müssen, eigentlich auf einer schiefen Ebene laufen. Denn was diese individuellen menschlichen Fähigkeiten zuwege bringen, indem sie aus der menschlichen Geistes- oder Körperkraft heraus das Kapital verwalten, das empfindet ein großer Teil der Menschheit als Übervorteilung, als eine Art Betrug. Ob das nun berechtigt ist oder nicht, darüber wollen wir augenblicklich nicht nachforschen; aber empfunden wird es so. Und in der Empfindung bildet es die Grundlage für die lautsprechenden Tatsachen der Gegenwart.
[ 24 ] Damit aber wird man darauf gewiesen, daß die individuellen Fähigkeiten der Menschen in etwas wurzeln müssen, das in einer schiefen Art sich heute in den sozialen Organismus hineinstellt, oder wenigstens hineinstellen kann. Diese Verwertung der individuellen Fähigkeiten des Menschen, sie ist verbunden heute im modernen kapitalistischen Wirtschaftsbetrieb mit dem Aneignen des Besitzes der Produktionsmittel; sie ist dadurch verbunden mit dem Aneignen einer bestimmten wirtschaftlichen Gewalt, einer wirtschaftlichen Übermacht. Dasjenige aber, was sich in einer Gewalt ausdrücken kann, was sich in dieser Übermacht eines Menschen über den anderen ausdrücken kann, das ist nichts anderes, als was im menschlichen Leben ein Rechtsverhältnis ausmacht.
[ 24 ] Damit aber wird man darauf gewiesen, daß die individuellen Fähigkeiten der Menschen in etwas wurzeln müssen, das in einer schiefen Art sich heute in den sozialen Organismus hineinstellt, oder wenigstens hineinstellen kann. Diese Verwertung der individuellen Fähigkeiten des Menschen, sie ist verbunden heute im modernen kapitalistischen Wirtschaftsbetrieb mit dem Aneignen des Besitzes der Produktionsmittel; sie ist dadurch verbunden mit dem Aneignen einer bestimmten wirtschaftlichen Gewalt, einer wirtschaftlichen Übermacht. Dasjenige aber, was sich in einer Gewalt ausdrücken kann, was sich in dieser Übermacht eines Menschen über den anderen ausdrücken kann, das ist nichts anderes, als was im menschlichen Leben ein Rechtsverhältnis ausmacht.
[ 25 ] Wer nun einmal den Blick darauf lenkt, wie sich in merkwürdiger Weise ein Rechtsverhältnis verquickt mit der Anwendung individueller menschlicher Fähigkeiten, der wird vielleicht, wie es dem gegangen ist, der hier zu Ihnen spricht, seinen Blick richten müssen auf etwas, was tiefer in der ganzen Natur des sozialen Organismus begründet ist als die Dinge, die man heute sehr häufig sucht. Es liegt ja nahe, von solchen Voraussetzungen aus zu fragen: Wie ist Recht und wie ist Aufwendung individueller menschlicher Fähigkeiten, die immerzu aufs neue produktiv sein müssen, die aus ihrem Urquell im Menschen immer wieder aufs neue hervorkommen müssen, wie ist Verwertung individueller Fähigkeiten im sozialen Organismus begründet?
[ 25 ] Wer nun einmal den Blick darauf lenkt, wie sich in merkwürdiger Weise ein Rechtsverhältnis verquickt mit der Anwendung individueller menschlicher Fähigkeiten, der wird vielleicht, wie es dem gegangen ist, der hier zu Ihnen spricht, seinen Blick richten müssen auf etwas, was tiefer in der ganzen Natur des sozialen Organismus begründet ist als die Dinge, die man heute sehr häufig sucht. Es liegt ja nahe, von solchen Voraussetzungen aus zu fragen: Wie ist Recht und wie ist Aufwendung individueller menschlicher Fähigkeiten, die immerzu aufs neue produktiv sein müssen, die aus ihrem Urquell im Menschen immer wieder aufs neue hervorkommen müssen, wie ist Verwertung individueller Fähigkeiten im sozialen Organismus begründet?
[ 26 ] Wer sich einen unbefangenen Blick auf das menschliche Leben bewahrt hat, der wird allmählich dann zur Einsicht kommen, daß in einem sozialen Organismus drei ganz verschiedene, ursprüngliche Quellen des menschlichen Lebens zu unterscheiden sind. Diese drei ursprünglichen Quellen des menschlichen Lebens, sie fließen ganz natürlich im sozialen Organismus zusammen, sie wirken zusammen. Aber die Art und Weise, wie sie zusammen wirken, wird man nur ergründen können, wenn man vermag, auf die Wirklichkeit des Menschen als solchen hinzuschauen, der eine Einheit, ein einheitliches Wesen innerhalb der sozialen Dreiheit sein muß.
[ 26 ] Wer sich einen unbefangenen Blick auf das menschliche Leben bewahrt hat, der wird allmählich dann zur Einsicht kommen, daß in einem sozialen Organismus drei ganz verschiedene, ursprüngliche Quellen des menschlichen Lebens zu unterscheiden sind. Diese drei ursprünglichen Quellen des menschlichen Lebens, sie fließen ganz natürlich im sozialen Organismus zusammen, sie wirken zusammen. Aber die Art und Weise, wie sie zusammen wirken, wird man nur ergründen können, wenn man vermag, auf die Wirklichkeit des Menschen als solchen hinzuschauen, der eine Einheit, ein einheitliches Wesen innerhalb der sozialen Dreiheit sein muß.
[ 27 ] Im sozialen Organismus sind zunächst einmal diese individuellen menschlichen Fähigkeiten vorhanden. Und wir können ihr Gebiet verfolgen von den höchsten geistigen Leistungen des Menschen in der Kunst, in der Wissenschaft, im religiösen Leben bis herab zu jener Form der Anwendung individueller menschlicher Fähigkeiten, wie sie mehr oder weniger im Seelischen oder im Körperlichen begründet sind, bis zu jener Anwendung individuell-menschlicher Fähigkeiten, die im gewöhnlichsten, im materialistischen Prozesse verwendet werden müssen, der auf kapitalistischer Grundlage beruht, bis in den Wirtschaftsprozeß hinein, den man gewöhnlich mit einem absprechenden Worte den materiellen Bereich nennt. Bis da hinein läßt sich eine einheitliche Strömung von den sonstigen Geistesleistungen herunter verfolgen. Innerhalb dieses Gebietes beruht dann alles auf der entsprechenden, auf der fruchtbaren Anwendung dessen, was immer von neuem aus den Urquellen der menschlichen Natur herausgehoben werden muß, wenn es in der richtigen Weise hineinfließen soll in den gesunden sozialen Organismus.
[ 27 ] Im sozialen Organismus sind zunächst einmal diese individuellen menschlichen Fähigkeiten vorhanden. Und wir können ihr Gebiet verfolgen von den höchsten geistigen Leistungen des Menschen in der Kunst, in der Wissenschaft, im religiösen Leben bis herab zu jener Form der Anwendung individueller menschlicher Fähigkeiten, wie sie mehr oder weniger im Seelischen oder im Körperlichen begründet sind, bis zu jener Anwendung individuell-menschlicher Fähigkeiten, die im gewöhnlichsten, im materialistischen Prozesse verwendet werden müssen, der auf kapitalistischer Grundlage beruht, bis in den Wirtschaftsprozeß hinein, den man gewöhnlich mit einem absprechenden Worte den materiellen Bereich nennt. Bis da hinein läßt sich eine einheitliche Strömung von den sonstigen Geistesleistungen herunter verfolgen. Innerhalb dieses Gebietes beruht dann alles auf der entsprechenden, auf der fruchtbaren Anwendung dessen, was immer von neuem aus den Urquellen der menschlichen Natur herausgehoben werden muß, wenn es in der richtigen Weise hineinfließen soll in den gesunden sozialen Organismus.
[ 28 ] Ganz anders lebt im gesunden sozialen Organismus alles das, was sich auf das Recht begründet. Denn dieses Recht ist etwas, was sich abspielt zwischen Mensch und Mensch einfach dadurch, daß der Mensch eben im allgemeinen Mensch ist. Wir müssen die Möglichkeit haben, im sozialen Leben unsere individuellen Fähigkeiten auszugestalten. Je besser wir sie ausgestalten, desto besser für die Allgemeinheit des sozialen Organismus. Je mehr wir Freiheit haben im Herausholen und im Verwerten unserer individuellen Fähigkeiten, desto besser für den sozialen Organismus. Schroff steht dem gegenüber im wirklichen Leben für jeden, der nicht von Theorien, von Dogmen ausgeht, der das wahre Leben zu beobachten in der Lage ist, alles das, was als Recht spielen muß zwischen Menschen. Da kommt nichts anderes in Betracht als das, worin alle Menschen sich einander gleich gegenüberstehen.
[ 28 ] Ganz anders lebt im gesunden sozialen Organismus alles das, was sich auf das Recht begründet. Denn dieses Recht ist etwas, was sich abspielt zwischen Mensch und Mensch einfach dadurch, daß der Mensch eben im allgemeinen Mensch ist. Wir müssen die Möglichkeit haben, im sozialen Leben unsere individuellen Fähigkeiten auszugestalten. Je besser wir sie ausgestalten, desto besser für die Allgemeinheit des sozialen Organismus. Je mehr wir Freiheit haben im Herausholen und im Verwerten unserer individuellen Fähigkeiten, desto besser für den sozialen Organismus. Schroff steht dem gegenüber im wirklichen Leben für jeden, der nicht von Theorien, von Dogmen ausgeht, der das wahre Leben zu beobachten in der Lage ist, alles das, was als Recht spielen muß zwischen Menschen. Da kommt nichts anderes in Betracht als das, worin alle Menschen sich einander gleich gegenüberstehen.
[ 29 ] Und ein Drittes, was im menschlichen sozialen Zusammenleben spielt, was wiederum total verschieden ist von den beiden anderen den individuellen menschlichen Fähigkeiten, die aus den Ungleichheiten der menschlichen Natur kommen, dem Recht, das aus dem Rechtsbewußtsein kommt -, das ist das menschliche Bedürfnis, das aus den Naturgrundlagen des körperlichen und seelischen Lebens kommt, und das im Kreislauf des Wirtschaftslebens durch Produktion, durch Zirkulation und Konsumtion seine Befriedigung finden muß.
[ 29 ] Und ein Drittes, was im menschlichen sozialen Zusammenleben spielt, was wiederum total verschieden ist von den beiden anderen den individuellen menschlichen Fähigkeiten, die aus den Ungleichheiten der menschlichen Natur kommen, dem Recht, das aus dem Rechtsbewußtsein kommt -, das ist das menschliche Bedürfnis, das aus den Naturgrundlagen des körperlichen und seelischen Lebens kommt, und das im Kreislauf des Wirtschaftslebens durch Produktion, durch Zirkulation und Konsumtion seine Befriedigung finden muß.
[ 30 ] Diese Dreigliederung des sozialen Organismus hat nicht irgendein abstraktes Denken zustande gebracht, diese Dreigliederung ist da. Und die Frage kann nur sein: Wie kann diese Dreigliederung in der entsprechenden Weise reguliert werden, so daß nicht ein kranker, sondern ein gesunder sozialer Organismus herauskommt? Da führt denn - und ich kann in diesen Andeutungen selbstverständlich nur Ergebnisse anführen -, da führt denn ein unbefangenes Betrachten des sozialen Organismus dazu, sich zu sagen: Gerade die Verkennung dieser radikalen Verschiedenheit der drei Quellen des sozialen Lebens im Verlaufe der neueren geschichtlichen Entwickelung hat zu der Erörterung geführt, in der wir heute schon drinnenstehen, und in der wir immer mehr und mehr drinnenstehen werden. In einer unrechtmäßigen Weise sind im Laufe der neueren Zeit diese drei Strömungen des menschlichen Zusammenwirkens vermengt worden.
[ 30 ] Diese Dreigliederung des sozialen Organismus hat nicht irgendein abstraktes Denken zustande gebracht, diese Dreigliederung ist da. Und die Frage kann nur sein: Wie kann diese Dreigliederung in der entsprechenden Weise reguliert werden, so daß nicht ein kranker, sondern ein gesunder sozialer Organismus herauskommt? Da führt denn - und ich kann in diesen Andeutungen selbstverständlich nur Ergebnisse anführen -, da führt denn ein unbefangenes Betrachten des sozialen Organismus dazu, sich zu sagen: Gerade die Verkennung dieser radikalen Verschiedenheit der drei Quellen des sozialen Lebens im Verlaufe der neueren geschichtlichen Entwickelung hat zu der Erörterung geführt, in der wir heute schon drinnenstehen, und in der wir immer mehr und mehr drinnenstehen werden. In einer unrechtmäßigen Weise sind im Laufe der neueren Zeit diese drei Strömungen des menschlichen Zusammenwirkens vermengt worden.
[ 31 ] Wodurch hat es begonnen? Als in der neueren Zeit das wirtschaftliche Leben, ich möchte sagen, den Blick wie hypnotisiert in Anspruch nahm, da hat man es im Fortschritt der Menschheit begründet gefunden, mit dem rein politischen Staate - der es ja zu tun hat mit dem, worin alle Menschen gleich sind, mit dem eigentlichen Rechte - zu verschmelzen zunächst gewisse Wirtschaftszweige, besonders das Telegraphenwesen, Eisenbahnwesen und so weiter, also diejenigen Wirtschaftszweige, welche als die geeignetsten erschienen, mit dem Staate verquickt zu werden, auf den ja auch, wie auf das Wirtschaftsleben, der menschliche Blick wie hypnotisiert hingerichtet war. Und was tut im Grunde genommen der sozialistisch Denkende von heute? Er tritt nur das Erbe des bürgerlichen Denkens in dieser Beziehung an. Fr will, daß nun nicht bloß gewisse einzelne geeignet erscheinende Wirtschaftszweige verstaatlicht oder vergesellschaftet werden. Er will entweder den gesamten Besitz oder den gesamten Berrieb sozialisieren, vergesellschaften. Er will nur die letzte Konsequenz desjenigen ziehen, was da getan worden ist.
[ 31 ] Wodurch hat es begonnen? Als in der neueren Zeit das wirtschaftliche Leben, ich möchte sagen, den Blick wie hypnotisiert in Anspruch nahm, da hat man es im Fortschritt der Menschheit begründet gefunden, mit dem rein politischen Staate - der es ja zu tun hat mit dem, worin alle Menschen gleich sind, mit dem eigentlichen Rechte - zu verschmelzen zunächst gewisse Wirtschaftszweige, besonders das Telegraphenwesen, Eisenbahnwesen und so weiter, also diejenigen Wirtschaftszweige, welche als die geeignetsten erschienen, mit dem Staate verquickt zu werden, auf den ja auch, wie auf das Wirtschaftsleben, der menschliche Blick wie hypnotisiert hingerichtet war. Und was tut im Grunde genommen der sozialistisch Denkende von heute? Er tritt nur das Erbe des bürgerlichen Denkens in dieser Beziehung an. Fr will, daß nun nicht bloß gewisse einzelne geeignet erscheinende Wirtschaftszweige verstaatlicht oder vergesellschaftet werden. Er will entweder den gesamten Besitz oder den gesamten Berrieb sozialisieren, vergesellschaften. Er will nur die letzte Konsequenz desjenigen ziehen, was da getan worden ist.
[ 32 ] Nun könnte man vieles anführen. Man braucht nur auf äußerem politischem Gebiet anzuführen, welche Rolle unter den verhängnisvollen Kriegsursachen, wie sie sich seit Jahren vorbereitet haben, dasjenige spielt, was ich zu bezeichnen brauche mit dem einzigen Wort «Bagdadbahn». Solche Dinge ließen sich zu Hunderten und Hunderten anführen. Was bedeuten solche Dinge? Solche Dinge bedeuten ein Zusammenwachsen wirtschaftlicher Interessen mit dem reinen Staatsinteresse. So daß zuletzt das herauskommt, daß die Verwalter des Staatslebens sich dazu hergeben müssen, die Dienste, die ihnen vermöge ihrer Macht möglich sind, wirtschaftlichen Interessen folgend, zu leisten. Und in die Konflikte der wirtschaftlichen Interessen werden die politischen Interessen der Staaten auf diese Weise hineingezogen. Die ganze Konfiguration der Staaten hat in der neueren Zeit diese Vermengung des Wirtschaftslebens mit dem politischen Leben gezeigt.
[ 32 ] Nun könnte man vieles anführen. Man braucht nur auf äußerem politischem Gebiet anzuführen, welche Rolle unter den verhängnisvollen Kriegsursachen, wie sie sich seit Jahren vorbereitet haben, dasjenige spielt, was ich zu bezeichnen brauche mit dem einzigen Wort «Bagdadbahn». Solche Dinge ließen sich zu Hunderten und Hunderten anführen. Was bedeuten solche Dinge? Solche Dinge bedeuten ein Zusammenwachsen wirtschaftlicher Interessen mit dem reinen Staatsinteresse. So daß zuletzt das herauskommt, daß die Verwalter des Staatslebens sich dazu hergeben müssen, die Dienste, die ihnen vermöge ihrer Macht möglich sind, wirtschaftlichen Interessen folgend, zu leisten. Und in die Konflikte der wirtschaftlichen Interessen werden die politischen Interessen der Staaten auf diese Weise hineingezogen. Die ganze Konfiguration der Staaten hat in der neueren Zeit diese Vermengung des Wirtschaftslebens mit dem politischen Leben gezeigt.
[ 33 ] Wer gerade das mitteleuropäische Leben von diesem Gesichtspunkte aus betrachten konnte - wie derjenige, der heute zu Ihnen spricht, es auf österreichischem Gebiete betrachten konnte -, der weiß, daß viel zu dem, was heute den österreichischen Staat ausgelöscht hat aus dem Kreise des Bestehenden, dasjenige beigetragen hat, woran die Leute am wenigsten denken. Als man in den sechziger Jahren in Österreich daran dachte, ein Verfassungsleben einzurichten, wurde dieses Verfassungsleben darauf begründet, daß man eigentlich für die Staatskonfiguration das bloße Wirtschaftsleben herangezogen hat. Für den österreichischen Reichsrat war das Wählen so eingerichtet, daß vier Wahlkurien wählten: die der Großgrundbesitzer, die der Handelskammern, die der Städte, Märkte und Industrialorte sowie die der Landgemeinden, lauter wirtschaftliche Gemeinschaften. Was aus diesen wirtschaftlichen Gemeinschaften heraus gewählt wurde, das machte in Österreich das Recht. Was da als Recht aus den rein wirtschaftlichen Interessen heraus entstand, das konnte selbstverständlich nicht zurechtkommen mit etwas, was aus geistig-individuellen Unterlagen der Menschheit heraus kommt: mit den Völkerinteressen des sogenannten österreichischen Staates. Und so verquickten sich die Dinge in der Weise, daß? zum Recht gemacht wurde, was die von den vier Wirtschaftskurien Gewählten in einem Scheinstaate aus ihren wirtschaftlichen Interessen heraus zum Recht machen wollten. Das wiederum konfundierte sich mit dem, was man aus den Empfindungen der neueren Zeit heraus besonders gern konfundiert, das konfundierte sich mit den geistigen Interessen und Aspirationen der Menschheit, mit all dem, was man nennen kann den ganzen Umfang des geistigen Lebens.
[ 33 ] Wer gerade das mitteleuropäische Leben von diesem Gesichtspunkte aus betrachten konnte - wie derjenige, der heute zu Ihnen spricht, es auf österreichischem Gebiete betrachten konnte -, der weiß, daß viel zu dem, was heute den österreichischen Staat ausgelöscht hat aus dem Kreise des Bestehenden, dasjenige beigetragen hat, woran die Leute am wenigsten denken. Als man in den sechziger Jahren in Österreich daran dachte, ein Verfassungsleben einzurichten, wurde dieses Verfassungsleben darauf begründet, daß man eigentlich für die Staatskonfiguration das bloße Wirtschaftsleben herangezogen hat. Für den österreichischen Reichsrat war das Wählen so eingerichtet, daß vier Wahlkurien wählten: die der Großgrundbesitzer, die der Handelskammern, die der Städte, Märkte und Industrialorte sowie die der Landgemeinden, lauter wirtschaftliche Gemeinschaften. Was aus diesen wirtschaftlichen Gemeinschaften heraus gewählt wurde, das machte in Österreich das Recht. Was da als Recht aus den rein wirtschaftlichen Interessen heraus entstand, das konnte selbstverständlich nicht zurechtkommen mit etwas, was aus geistig-individuellen Unterlagen der Menschheit heraus kommt: mit den Völkerinteressen des sogenannten österreichischen Staates. Und so verquickten sich die Dinge in der Weise, daß? zum Recht gemacht wurde, was die von den vier Wirtschaftskurien Gewählten in einem Scheinstaate aus ihren wirtschaftlichen Interessen heraus zum Recht machen wollten. Das wiederum konfundierte sich mit dem, was man aus den Empfindungen der neueren Zeit heraus besonders gern konfundiert, das konfundierte sich mit den geistigen Interessen und Aspirationen der Menschheit, mit all dem, was man nennen kann den ganzen Umfang des geistigen Lebens.
[ 34 ] Wenn auf der einen Seite das Wirtschaftsleben einbezogen ist in das moderne Staatsleben, so ist auf der anderen Seite einbezogen worden in dieses Staatsleben das gesamte geistige Leben. Man hat ja auch darin dasjenige gesehen, was gerade im Sinne des modernen Menschheitsfortschrittes liegt. Alles geistige Leben nach und nach zu einem Gliede des politischen Staatslebens zu machen, das wurde das Ideal. Wieviel ist heute noch frei geblieben? Einzelne Zweige der Kunst und einzelne Zweige der Wissenschaft, die von denjenigen besorgt werden, die nicht von einem Staate angestellt werden mögen, und ähnliches. Man hat heute noch keinen Sinn dafür, daß geistiges Leben seine Wirklichkeit nur dann dem sozialen Organismus in der richtigen Weise eingliedern kann, wenn dieses geistige Leben völlig emanzipiert von allem übrigen Leben auf sich selbst gestellt ist, wenn es sich selbst seine Verwaltung, seine Struktur geben kann. Während man in der neueren Zeit immer mehr und mehr danach strebte, das ganze Schulwesen zu verstaatlichen, liegt es in den Entwickelungskräften gerade des modernen Menschen, auf diesem Gebiete eine völlige Umkehr zu bewirken. Man stelle sich nur einmal vor: Wenn der unterste Lehrer nicht der Diener des Staates ist, sondern wenn der unterste Lehrer sich hineinzustellen weiß in ein frei organisiertes Geistesleben, sich hineinzustellen weiß in einen geistigen Organismus, wie anders er dasjenige, was er zu leisten vermag, dann gerade der Einheit des menschlichen sozialen Organismus eingliedern kann, wie anders, als wenn der Staat von ihm fordert, was er zu tun oder zu lassen hat, was er dem werdenden Menschen beizubringen hat!
[ 34 ] Wenn auf der einen Seite das Wirtschaftsleben einbezogen ist in das moderne Staatsleben, so ist auf der anderen Seite einbezogen worden in dieses Staatsleben das gesamte geistige Leben. Man hat ja auch darin dasjenige gesehen, was gerade im Sinne des modernen Menschheitsfortschrittes liegt. Alles geistige Leben nach und nach zu einem Gliede des politischen Staatslebens zu machen, das wurde das Ideal. Wieviel ist heute noch frei geblieben? Einzelne Zweige der Kunst und einzelne Zweige der Wissenschaft, die von denjenigen besorgt werden, die nicht von einem Staate angestellt werden mögen, und ähnliches. Man hat heute noch keinen Sinn dafür, daß geistiges Leben seine Wirklichkeit nur dann dem sozialen Organismus in der richtigen Weise eingliedern kann, wenn dieses geistige Leben völlig emanzipiert von allem übrigen Leben auf sich selbst gestellt ist, wenn es sich selbst seine Verwaltung, seine Struktur geben kann. Während man in der neueren Zeit immer mehr und mehr danach strebte, das ganze Schulwesen zu verstaatlichen, liegt es in den Entwickelungskräften gerade des modernen Menschen, auf diesem Gebiete eine völlige Umkehr zu bewirken. Man stelle sich nur einmal vor: Wenn der unterste Lehrer nicht der Diener des Staates ist, sondern wenn der unterste Lehrer sich hineinzustellen weiß in ein frei organisiertes Geistesleben, sich hineinzustellen weiß in einen geistigen Organismus, wie anders er dasjenige, was er zu leisten vermag, dann gerade der Einheit des menschlichen sozialen Organismus eingliedern kann, wie anders, als wenn der Staat von ihm fordert, was er zu tun oder zu lassen hat, was er dem werdenden Menschen beizubringen hat!
[ 35 ] Diejenigen, welche über diese Dinge urteilen, die glauben vielleicht aus mancherlei üblen Erfahrungen, die gemacht worden sind, daß die Leute, die zum Beispiel die Wissenschaft zu besorgen haben, von der wieder so viel abhängt, nach gewissen Rücksichten angestellt werden. Aber die Wissenschaft selbst und ihre Lehre sind frei. Solche Gesetze findet man ja in den verschiedensten Staaten. Und daß dies so sei, behaupten ja auch viele Leute. Wer die Dinge wirklich kennt, der weiß, daß nicht nur in bezug auf die Anstellung, nicht nur in bezug auf die Verwaltung der geistigen Ämter diese Überschreitungen eintreten, sondern auch in der Arbeit selbst. Freies Geistesleben, das kraftvoll mit seiner eigenen Wirklichkeit sich hineinstellen kann in den gesunden sozialen Organismus, das muß sich auch frei und abgesondert vom staatlichen und Wirtschaftsleben als auf sich selbst gestellt entwickeln können.
[ 35 ] Diejenigen, welche über diese Dinge urteilen, die glauben vielleicht aus mancherlei üblen Erfahrungen, die gemacht worden sind, daß die Leute, die zum Beispiel die Wissenschaft zu besorgen haben, von der wieder so viel abhängt, nach gewissen Rücksichten angestellt werden. Aber die Wissenschaft selbst und ihre Lehre sind frei. Solche Gesetze findet man ja in den verschiedensten Staaten. Und daß dies so sei, behaupten ja auch viele Leute. Wer die Dinge wirklich kennt, der weiß, daß nicht nur in bezug auf die Anstellung, nicht nur in bezug auf die Verwaltung der geistigen Ämter diese Überschreitungen eintreten, sondern auch in der Arbeit selbst. Freies Geistesleben, das kraftvoll mit seiner eigenen Wirklichkeit sich hineinstellen kann in den gesunden sozialen Organismus, das muß sich auch frei und abgesondert vom staatlichen und Wirtschaftsleben als auf sich selbst gestellt entwickeln können.
[ 36 ] Ich kenne die billigen Einwände, die gemacht werden können: «Wenn wiederum die Schule befreit sein wird von dem Staatszwange, wenn jeder seine Kinder in die Schule schicken kann aus dem Eifer, den er für die geistige Bildung hat, dann kehren wir wieder in den Analphabetismus zurück.» Menschen, die so sprechen, rechnen mit alten Empfindungen in modernen Verhältnissen. Wir werden gleich sehen, wie diese modernen Verhältnisse ganz anderes bewirken, als diese Menschen mit den alten Empfindungen vermuten. Dasjenige aber ergibt sich - es muß vorausgeschickt werden -, daß die wirkliche Wahrheit nur leben kann im sozialen Organismus, wenn die notwendige Gliederung auch vorhanden ist und das folgende umfaßt: den geistigen Organismus, der auf die individuellen körperlichen und seelischen Fähigkeiten der Menschen gebaut ist was wir auch das geistige Leben in seinem vollen Umfange nennen könnten; den Rechtsorganismus, der das Gebiet des eigentlichen politischen Staates umfaßt; und den Kreislauf der Wirtschaftsprozesse, in dem bloß Warenproduktion, -zirkulation und -konsumtion besorgt werden.
[ 36 ] Ich kenne die billigen Einwände, die gemacht werden können: «Wenn wiederum die Schule befreit sein wird von dem Staatszwange, wenn jeder seine Kinder in die Schule schicken kann aus dem Eifer, den er für die geistige Bildung hat, dann kehren wir wieder in den Analphabetismus zurück.» Menschen, die so sprechen, rechnen mit alten Empfindungen in modernen Verhältnissen. Wir werden gleich sehen, wie diese modernen Verhältnisse ganz anderes bewirken, als diese Menschen mit den alten Empfindungen vermuten. Dasjenige aber ergibt sich - es muß vorausgeschickt werden -, daß die wirkliche Wahrheit nur leben kann im sozialen Organismus, wenn die notwendige Gliederung auch vorhanden ist und das folgende umfaßt: den geistigen Organismus, der auf die individuellen körperlichen und seelischen Fähigkeiten der Menschen gebaut ist was wir auch das geistige Leben in seinem vollen Umfange nennen könnten; den Rechtsorganismus, der das Gebiet des eigentlichen politischen Staates umfaßt; und den Kreislauf der Wirtschaftsprozesse, in dem bloß Warenproduktion, -zirkulation und -konsumtion besorgt werden.
[ 37 ] Man glaube nicht, daß dadurch die Einheit des Lebens zerstört wird. Im Gegenteil, ein jedes dieser Glieder des gesunden sozialen Organismus wird gerade dadurch wieder gesund werden, daß es seine Kräfte aus sich selbst bekommt und jedes Glied dem anderen die entsprechende Beisteuer geben kann. Und so muß von demjenigen, der auf die Gesundung unserer sozialen Verhältnisse hinsteuert, gefordert werden die Verselbständigung dieser drei Glieder, die ein wirres Denken und ein wirres Handeln in dem letzten Jahrhunderte zusammengeschmolzen hat, also die Verselbständigung dieser drei Glieder: des geistigen Lebens, des Rechtslebens und des Lebens, das den Kreislauf des Wirtschaftsprozesses umfaßt.
[ 37 ] Man glaube nicht, daß dadurch die Einheit des Lebens zerstört wird. Im Gegenteil, ein jedes dieser Glieder des gesunden sozialen Organismus wird gerade dadurch wieder gesund werden, daß es seine Kräfte aus sich selbst bekommt und jedes Glied dem anderen die entsprechende Beisteuer geben kann. Und so muß von demjenigen, der auf die Gesundung unserer sozialen Verhältnisse hinsteuert, gefordert werden die Verselbständigung dieser drei Glieder, die ein wirres Denken und ein wirres Handeln in dem letzten Jahrhunderte zusammengeschmolzen hat, also die Verselbständigung dieser drei Glieder: des geistigen Lebens, des Rechtslebens und des Lebens, das den Kreislauf des Wirtschaftsprozesses umfaßt.
[ 38 ] Der Staat kann nicht Wirtschafter sein. Das wirtschaftliche Leben muß notwendig nach seinen eigenen Verhältnissen auf seine eigene Grundlage gestellt werden. Im wirtschaftlichen Leben hat sich dies auch bis zu einem gewissen Grade herausgebildet im genossenschaftlichen, im gewerkschaftlichen Leben. Aber dieses genossenschaftliche, gewerkschaftliche Leben ist immer wieder in ungehöriger Weise verquickt worden mit Rechtsverhältnissen. Dasjenige, was notwendig ist im wirtschaftlichen Leben, ist das Assoziationenwesen, also die Zusammenschließung gewisser Menschenkreise nach den Bedürfnissen des Konsums und der dazu notwendigen Produktion, die Zusammenschließung von Menschen nach Berufsinteressen und die Verwaltung desjenigen, was innerhalb dieser Kreise zirkuliert nach entsprechenden menschlichen Bedürfnissen, wie es sich nur aus einem sachverständigen Urteil des Wirtschaftslebens selbst ergeben kann.
[ 38 ] Der Staat kann nicht Wirtschafter sein. Das wirtschaftliche Leben muß notwendig nach seinen eigenen Verhältnissen auf seine eigene Grundlage gestellt werden. Im wirtschaftlichen Leben hat sich dies auch bis zu einem gewissen Grade herausgebildet im genossenschaftlichen, im gewerkschaftlichen Leben. Aber dieses genossenschaftliche, gewerkschaftliche Leben ist immer wieder in ungehöriger Weise verquickt worden mit Rechtsverhältnissen. Dasjenige, was notwendig ist im wirtschaftlichen Leben, ist das Assoziationenwesen, also die Zusammenschließung gewisser Menschenkreise nach den Bedürfnissen des Konsums und der dazu notwendigen Produktion, die Zusammenschließung von Menschen nach Berufsinteressen und die Verwaltung desjenigen, was innerhalb dieser Kreise zirkuliert nach entsprechenden menschlichen Bedürfnissen, wie es sich nur aus einem sachverständigen Urteil des Wirtschaftslebens selbst ergeben kann.
[ 39 ] In dieses Leben spielen nun die Wirkungen der menschlichen Arbeitskraft hinein, spielen hinein die Wirkungen des Kapitals. Ich kann nur in einigen Linien andeuten, wie diese Wirkungen sich bilden. Die Verwendung der menschlichen Arbeitskraft im sozialen Organismus besteht in dem Verhältnisse desjenigen, der handwerklich arbeitet, zu irgendeinem geistigen Leiter, der sich des Kapitals bedienen muß, indem er irgendeinen wirtschaftlichen Betrieb oder überhaupt irgend etwas dem sozialen Organismus Nutzbringendes verwaltet. Dieses Verhältnis kann nur ein Rechtsverhältnis sein. Das Verhältnis, das der Arbeiter zu dem Unternehmer einnimmt, muß sich auf ein Recht begründen. Das muß auf einem anderen Boden begründet werden, als auf dem Boden des Wirtschaftslebens selbst. Dadurch wird ein radikal anderes herbeigeführt, als wir es heute haben. Aber man muß heute gegenüber den radikalen Tatsachen auch zu radikalen Urteilen kommen. Das Wirtschaftsleben ist heute auf der einen Seite abhängig von der Naturgrundlage. Dieser muß der Mensch mit sachverständigem Urteil gegenüberstehen. Er kann in einer gewissen Weise das eine oder andere Bodenstück durch seinen Fleiß und die Technik fruchtbar machen, aber nur innerhalb gewisser Grenzen. Er ist in weitem Maße abhängig von seiner Naturgrundlage. Ebenso wie das Wirtschaftsleben auf der einen Seite von der Naturgrundlage abhängig ist, ebenso muß es abhängig werden von dem, was festgestellt werden muß auf der Grundlage des Rechtsstaates, in dem Zusammenwirken aller Menschen, gleichgültig welche Art von Arbeit sie betreiben. Ob sie geistige oder Handarbeiter sind, sie gehen auf dem Boden des Rechtsstaates ein Verhältnis ein in dem die Gleichheit der Menschen untereinander in Betracht kommt. Und es wird festgestellt, jetzt nicht in assoziativer Weise, wie es im Wirtschaftsleben sein muß, sondern in rein demokratischer Weise, in einer Weise, die die Wirkungen auf dem politischen Gebiete des Staates für alle Menschen gleich macht vor dem Gesetze. Da wird das festgelegt, was sich auf die Verwertung der menschlichen Arbeitskraft bezieht, festgelegt, was sich auf das Verhältnis vom Arbeiter zum Leiter bezieht. Da kann nur festgesetzt werden ein Maximal- oder Minimalarbeitstag und die Art der Arbeit, die ein Mensch leisten kann. Dasjenige, was festgesetzt wird - das muß beachtet werden -, wird zurückwirken auf den Volkswohlstand. Wenn irgendein Produktionszweig nicht gedeihen sollte, aus dem Grunde, weil für ihn zu viel rechtlich unmögliche Arbeit gefordert wird, so soll sie nicht geleistet werden; dann soll auf andere Weise Abhilfe geschaffen werden. Das Wirtschaftsleben soll auf beiden Seiten an die Grenzen kommen: auf der einen Seite an die Grenze seiner naturwissenschaftlichen Grundlage, auf der anderen Seite an die Grenze des Rechtes. Kurz, wir kommen von dem einen Glied des sozialen Organismus zu dem anderen Glied, dem politischen Staate, in dem im weitesten Umfange alles Rechtliche und alles dem Rechte Verwandte reguliert wird.
[ 39 ] In dieses Leben spielen nun die Wirkungen der menschlichen Arbeitskraft hinein, spielen hinein die Wirkungen des Kapitals. Ich kann nur in einigen Linien andeuten, wie diese Wirkungen sich bilden. Die Verwendung der menschlichen Arbeitskraft im sozialen Organismus besteht in dem Verhältnisse desjenigen, der handwerklich arbeitet, zu irgendeinem geistigen Leiter, der sich des Kapitals bedienen muß, indem er irgendeinen wirtschaftlichen Betrieb oder überhaupt irgend etwas dem sozialen Organismus Nutzbringendes verwaltet. Dieses Verhältnis kann nur ein Rechtsverhältnis sein. Das Verhältnis, das der Arbeiter zu dem Unternehmer einnimmt, muß sich auf ein Recht begründen. Das muß auf einem anderen Boden begründet werden, als auf dem Boden des Wirtschaftslebens selbst. Dadurch wird ein radikal anderes herbeigeführt, als wir es heute haben. Aber man muß heute gegenüber den radikalen Tatsachen auch zu radikalen Urteilen kommen. Das Wirtschaftsleben ist heute auf der einen Seite abhängig von der Naturgrundlage. Dieser muß der Mensch mit sachverständigem Urteil gegenüberstehen. Er kann in einer gewissen Weise das eine oder andere Bodenstück durch seinen Fleiß und die Technik fruchtbar machen, aber nur innerhalb gewisser Grenzen. Er ist in weitem Maße abhängig von seiner Naturgrundlage. Ebenso wie das Wirtschaftsleben auf der einen Seite von der Naturgrundlage abhängig ist, ebenso muß es abhängig werden von dem, was festgestellt werden muß auf der Grundlage des Rechtsstaates, in dem Zusammenwirken aller Menschen, gleichgültig welche Art von Arbeit sie betreiben. Ob sie geistige oder Handarbeiter sind, sie gehen auf dem Boden des Rechtsstaates ein Verhältnis ein in dem die Gleichheit der Menschen untereinander in Betracht kommt. Und es wird festgestellt, jetzt nicht in assoziativer Weise, wie es im Wirtschaftsleben sein muß, sondern in rein demokratischer Weise, in einer Weise, die die Wirkungen auf dem politischen Gebiete des Staates für alle Menschen gleich macht vor dem Gesetze. Da wird das festgelegt, was sich auf die Verwertung der menschlichen Arbeitskraft bezieht, festgelegt, was sich auf das Verhältnis vom Arbeiter zum Leiter bezieht. Da kann nur festgesetzt werden ein Maximal- oder Minimalarbeitstag und die Art der Arbeit, die ein Mensch leisten kann. Dasjenige, was festgesetzt wird - das muß beachtet werden -, wird zurückwirken auf den Volkswohlstand. Wenn irgendein Produktionszweig nicht gedeihen sollte, aus dem Grunde, weil für ihn zu viel rechtlich unmögliche Arbeit gefordert wird, so soll sie nicht geleistet werden; dann soll auf andere Weise Abhilfe geschaffen werden. Das Wirtschaftsleben soll auf beiden Seiten an die Grenzen kommen: auf der einen Seite an die Grenze seiner naturwissenschaftlichen Grundlage, auf der anderen Seite an die Grenze des Rechtes. Kurz, wir kommen von dem einen Glied des sozialen Organismus zu dem anderen Glied, dem politischen Staate, in dem im weitesten Umfange alles Rechtliche und alles dem Rechte Verwandte reguliert wird.
[ 40 ] Und wir kommen dann zum dritten Gliede, das sich wiederum aus seinen eigenen Verhältnissen und Bedürfnissen regulieren und Gesetze geben muß: das ist die Organisation des Geistigen. Das Geistige muß darauf beruhen, daß auf der einen Seite die freie Initiative des Menschen steht, so daß der Mensch in der Lage ist, im freien Geistesleben seine Kräfte individuell der Menschheit anzubieten. Auf der anderen Seite muß das freie Verständnis und das freie Entgegennehmen dieser Geisteskräfte liegen. Wie kann das sein? Das kann nur dadurch sein, daß bis in jene Verwendung des Geisteslebens, die sich ausdrückt in der Verwertung des Kapitals, das geistige Leben, das frei ist im Schulleben, in allen geistigen Zweigen, daß bis in die Verwendung des Kapitals hinein das geistige Leben einzig und allein verwaltet wird von der geistigen Organisation. Wie ist das möglich? Das ist nur dadurch möglich, daß nun wirklich jene Sozialisierung eintritt, die nicht dadurch eintreten kann, daß man die menschliche Gesellschaft zu einer einheitlichen Genossenschaft macht, bei der vielleicht nur wirtschaftliche Interessen sich geltend machen, und alles aus wirtschaftlichen Interessen organisiert werden soll. Gliedert sich ab in gesunder Weise der geistige Organismus, frei von den beiden anderen Zweigen, dem Staats- und dem Wirtschaftsorganismus, die angeführt worden sind, und ist man in der Lage, von jenem geistigen Organismus aus auch jene Verwaltung zu besorgen, die sich bezieht auf die Verwendung des Kapitals und das ganze Wirtschaftsleben, das heißt: werden ausgefüllt alle Stellen, die im Wirtschaftsleben notwendig sind, durch die Verwaltung der geistigen Organisation, wird der Mensch mit seinen individuellen Fähigkeiten in das Wirtschaftsleben hineingestellt von der geistigen Organisation aus, dann kommt man allein zu einer gesunden, fruchtbaren Sozialisierung. Denn nur damit ist man in der Lage, das, was der Besitz des privaten Kapitals ist, von der Verwaltung dieses Kapitals zugunsten des gesunden sozialen Organismus abzutrennen.
[ 40 ] Und wir kommen dann zum dritten Gliede, das sich wiederum aus seinen eigenen Verhältnissen und Bedürfnissen regulieren und Gesetze geben muß: das ist die Organisation des Geistigen. Das Geistige muß darauf beruhen, daß auf der einen Seite die freie Initiative des Menschen steht, so daß der Mensch in der Lage ist, im freien Geistesleben seine Kräfte individuell der Menschheit anzubieten. Auf der anderen Seite muß das freie Verständnis und das freie Entgegennehmen dieser Geisteskräfte liegen. Wie kann das sein? Das kann nur dadurch sein, daß bis in jene Verwendung des Geisteslebens, die sich ausdrückt in der Verwertung des Kapitals, das geistige Leben, das frei ist im Schulleben, in allen geistigen Zweigen, daß bis in die Verwendung des Kapitals hinein das geistige Leben einzig und allein verwaltet wird von der geistigen Organisation. Wie ist das möglich? Das ist nur dadurch möglich, daß nun wirklich jene Sozialisierung eintritt, die nicht dadurch eintreten kann, daß man die menschliche Gesellschaft zu einer einheitlichen Genossenschaft macht, bei der vielleicht nur wirtschaftliche Interessen sich geltend machen, und alles aus wirtschaftlichen Interessen organisiert werden soll. Gliedert sich ab in gesunder Weise der geistige Organismus, frei von den beiden anderen Zweigen, dem Staats- und dem Wirtschaftsorganismus, die angeführt worden sind, und ist man in der Lage, von jenem geistigen Organismus aus auch jene Verwaltung zu besorgen, die sich bezieht auf die Verwendung des Kapitals und das ganze Wirtschaftsleben, das heißt: werden ausgefüllt alle Stellen, die im Wirtschaftsleben notwendig sind, durch die Verwaltung der geistigen Organisation, wird der Mensch mit seinen individuellen Fähigkeiten in das Wirtschaftsleben hineingestellt von der geistigen Organisation aus, dann kommt man allein zu einer gesunden, fruchtbaren Sozialisierung. Denn nur damit ist man in der Lage, das, was der Besitz des privaten Kapitals ist, von der Verwaltung dieses Kapitals zugunsten des gesunden sozialen Organismus abzutrennen.
[ 41 ] Was wird da eintreten? Nun, es wird mancherlei eintreten. Ich will nur beispielhaft einiges anführen. Es ist ganz selbstverständlich, daß der Mensch im Wirtschaftsprozesse privates Kapital, Eigentum erwirbt. Aber so wenig man die Verwertung dieses privaten Kapitals von der Verwertung der individuellen Fähigkeiten wird trennen dürfen unmittelbar, solange diese individuellen Fähigkeiten des Menschen tätig sein können, so sehr wird notwendig sein dann, wenn deren Tätigkeit aufhört, die Trennung des privaten Eigentums von dem Individuum vorzunehmen. Denn alles private Eigentum wird doch erworben durch das, was in den sozialen Kräften spielt, und es muß wiederum zurückströmen in den sozialen Organismus, aus dem es entnommen ist. Das heißt, es wird etwa eintreten müssen, daß ein Gesetz besteht aus dem Rechtsorganismus heraus - denn Besitz ist ein Recht, das Recht, irgendeinen Gegenstand oder irgend etwas ausschließlich zu benützen -, es wird ein Gesetz existieren müssen, daß dasjenige, was man erworben hat als privaten Besitz aus dem Wirtschaftsleben heraus, daß das - durch freie Verfügung allerdings desjenigen, der es erworben hat - nach einer gewissen Zeit wiederum zurückfallen muß an den geistigen Organismus, der dafür wiederum eine andere Individualität zu suchen hat, die es in entsprechender Weise verwerten kann.
[ 41 ] Was wird da eintreten? Nun, es wird mancherlei eintreten. Ich will nur beispielhaft einiges anführen. Es ist ganz selbstverständlich, daß der Mensch im Wirtschaftsprozesse privates Kapital, Eigentum erwirbt. Aber so wenig man die Verwertung dieses privaten Kapitals von der Verwertung der individuellen Fähigkeiten wird trennen dürfen unmittelbar, solange diese individuellen Fähigkeiten des Menschen tätig sein können, so sehr wird notwendig sein dann, wenn deren Tätigkeit aufhört, die Trennung des privaten Eigentums von dem Individuum vorzunehmen. Denn alles private Eigentum wird doch erworben durch das, was in den sozialen Kräften spielt, und es muß wiederum zurückströmen in den sozialen Organismus, aus dem es entnommen ist. Das heißt, es wird etwa eintreten müssen, daß ein Gesetz besteht aus dem Rechtsorganismus heraus - denn Besitz ist ein Recht, das Recht, irgendeinen Gegenstand oder irgend etwas ausschließlich zu benützen -, es wird ein Gesetz existieren müssen, daß dasjenige, was man erworben hat als privaten Besitz aus dem Wirtschaftsleben heraus, daß das - durch freie Verfügung allerdings desjenigen, der es erworben hat - nach einer gewissen Zeit wiederum zurückfallen muß an den geistigen Organismus, der dafür wiederum eine andere Individualität zu suchen hat, die es in entsprechender Weise verwerten kann.
[ 42 ] Etwas Ähnliches wird eintreten für allen Besitz, der heute vorhanden ist, wie für den Besitz gewisser geistiger Dinge, die man produziert, die ja dreißig Jahre nach dem Tode der allgemeinen Menschheit gehören. Man kann gar nicht sagen, daß man mehr Anrecht hat auf irgendeinen anderen Besitz als auf diesen geistigen Besitz. Wie lange es auch dauern darf, daß man das Erworbene behalten darf, der Zeitpunkt wird eintreten müssen, sei es für Erbschaftsbesitz oder anders erworbenen Besitz, wo durch freie Verfügung des Privatbesitzers dasjenige an den geistigen Organismus zurückkommt, was durch individuelle Arbeit in seinen Besitz übergegangen ist. Daneben wird sich das andere entwickeln, daß diejenigen, die aus dem Wirtschaftsprozeß sich Privatbesitz erwerben, sich auf freie Art, aus freiem Verständnisse denjenigen aussuchen können, den sie für individuell befähigt halten, irgend etwas zu betreiben. Das aber wird durch die Kraft des Rechtsstaates, des eigentlichen politischen Staates unmöglich gemacht werden, daß ein beträchtlicher Teil des Privateigentums auf den reinen Zins verfällt, durch den jemand in der Lage ist, ohne daß er individuelle Fähigkeiten aufwendet, die in den Wirtschaftsprozeß des Gesamtlebens hineingehen, private Arbeit und anderer Menschen Arbeit für sich zu verwenden. Möglich ist es, und möglich wird es durch diese drei Glieder gemacht, daß die menschliche Produktivität immer verbunden bleibt mit den individuellen Fähigkeiten des Menschen, mit denen sie sachgemäß verbunden sein muß.
[ 42 ] Etwas Ähnliches wird eintreten für allen Besitz, der heute vorhanden ist, wie für den Besitz gewisser geistiger Dinge, die man produziert, die ja dreißig Jahre nach dem Tode der allgemeinen Menschheit gehören. Man kann gar nicht sagen, daß man mehr Anrecht hat auf irgendeinen anderen Besitz als auf diesen geistigen Besitz. Wie lange es auch dauern darf, daß man das Erworbene behalten darf, der Zeitpunkt wird eintreten müssen, sei es für Erbschaftsbesitz oder anders erworbenen Besitz, wo durch freie Verfügung des Privatbesitzers dasjenige an den geistigen Organismus zurückkommt, was durch individuelle Arbeit in seinen Besitz übergegangen ist. Daneben wird sich das andere entwickeln, daß diejenigen, die aus dem Wirtschaftsprozeß sich Privatbesitz erwerben, sich auf freie Art, aus freiem Verständnisse denjenigen aussuchen können, den sie für individuell befähigt halten, irgend etwas zu betreiben. Das aber wird durch die Kraft des Rechtsstaates, des eigentlichen politischen Staates unmöglich gemacht werden, daß ein beträchtlicher Teil des Privateigentums auf den reinen Zins verfällt, durch den jemand in der Lage ist, ohne daß er individuelle Fähigkeiten aufwendet, die in den Wirtschaftsprozeß des Gesamtlebens hineingehen, private Arbeit und anderer Menschen Arbeit für sich zu verwenden. Möglich ist es, und möglich wird es durch diese drei Glieder gemacht, daß die menschliche Produktivität immer verbunden bleibt mit den individuellen Fähigkeiten des Menschen, mit denen sie sachgemäß verbunden sein muß.
[ 43 ] Diese Dreigliederung des sozialen Organismus erscheint heute noch als ein radikaler Gedanke. Und doch, wer sich nicht bequemen wird zu diesem Gedanken, wer nicht den ersten Schritt zu dem Gipfel, den wir erklimmen müssen in der Gesellschaftsordnung, in dieser Richtung wird machen wollen, wer nicht einsieht, daß die unmittelbarsten, alleralltäglichsten, allernächsten Handhabungen mit dem Wissen von dieser Richtung entwickelt werden müssen, der wird nicht im Sinn der Menschheitsentwickelung, sondern der wird gegen diesen Sinn der Menschheitsentwickelung handeln. Wir stehen heute vor Tatsachen, die Urempfindungen der Menschen auf den Plan gefordert haben. Denen müssen wir die Urgedanken der menschlichen sozialen Ordnung entgegensetzen. Und ein solcher Urgedanke ist diese Dreigliederung.
[ 43 ] Diese Dreigliederung des sozialen Organismus erscheint heute noch als ein radikaler Gedanke. Und doch, wer sich nicht bequemen wird zu diesem Gedanken, wer nicht den ersten Schritt zu dem Gipfel, den wir erklimmen müssen in der Gesellschaftsordnung, in dieser Richtung wird machen wollen, wer nicht einsieht, daß die unmittelbarsten, alleralltäglichsten, allernächsten Handhabungen mit dem Wissen von dieser Richtung entwickelt werden müssen, der wird nicht im Sinn der Menschheitsentwickelung, sondern der wird gegen diesen Sinn der Menschheitsentwickelung handeln. Wir stehen heute vor Tatsachen, die Urempfindungen der Menschen auf den Plan gefordert haben. Denen müssen wir die Urgedanken der menschlichen sozialen Ordnung entgegensetzen. Und ein solcher Urgedanke ist diese Dreigliederung.
[ 44 ] Dieser Gedanke wird nun zunächst selbst von denjenigen, die ihn nicht für eine reine Utopie halten, sondern die sich vielleicht durchringen können dazu, ihn für etwas ganz Praktisches zu halten, er wird selbst von denen nur für etwas gehalten werden können, was sich auf das Innere der Staaten bezieht.
[ 44 ] Dieser Gedanke wird nun zunächst selbst von denjenigen, die ihn nicht für eine reine Utopie halten, sondern die sich vielleicht durchringen können dazu, ihn für etwas ganz Praktisches zu halten, er wird selbst von denen nur für etwas gehalten werden können, was sich auf das Innere der Staaten bezieht.
[ 45 ] Und jetzt wird man fragen: Was hat denn das mit dem Völkerbund zu tun? - Das ist dasjenige, was zugleich die allerrealste auswärtige Politik sein kann! Denn wenn hingearbeitet wird auf die Beantwortung der Frage: Was soll der Staat unterlassen ? - so bekommt man aus dieser Betrachtung heraus die Antwort: Er soll unterlassen, sich in die Funktionen des geistigen und in die Funktionen des wirtschaftlichen Lebens einzumischen. Er soll sich auf das Gebiet, das das rein politische, das das rein rechtliche Gebiet ist, beschränken. Dadurch aber wird auch im außerpolitischen Leben die notwendige Konsequenz eintreten, daß über die ganze Erde hin die wirtschaftlichen Interessen des einen Gebietes unmittelbar zur Verhandlung, zum Austausch, zum Verkehr kommen mit den wirtschaftlichen Interessen des anderen Gebietes, und ebenso die Rechtsverhältnisse und die geistigen Verhältnisse. Sind die geistigen Verhältnisse auf einem Gebiete befreit, dann wird niemals aus diesem geistigen Gebiete heraus irgendein Anlaß entstehen können, der sich in irgendeinem kriegerischen Ereignisse entladen könnte. Man kann das im kleinsten beobachten. Die geistigen Interessen können mit den kriegerischen Konflikten nur in eine Beziehung kommen dadurch, daß das staatliche Leben dazwischen tritt.
[ 45 ] Und jetzt wird man fragen: Was hat denn das mit dem Völkerbund zu tun? - Das ist dasjenige, was zugleich die allerrealste auswärtige Politik sein kann! Denn wenn hingearbeitet wird auf die Beantwortung der Frage: Was soll der Staat unterlassen ? - so bekommt man aus dieser Betrachtung heraus die Antwort: Er soll unterlassen, sich in die Funktionen des geistigen und in die Funktionen des wirtschaftlichen Lebens einzumischen. Er soll sich auf das Gebiet, das das rein politische, das das rein rechtliche Gebiet ist, beschränken. Dadurch aber wird auch im außerpolitischen Leben die notwendige Konsequenz eintreten, daß über die ganze Erde hin die wirtschaftlichen Interessen des einen Gebietes unmittelbar zur Verhandlung, zum Austausch, zum Verkehr kommen mit den wirtschaftlichen Interessen des anderen Gebietes, und ebenso die Rechtsverhältnisse und die geistigen Verhältnisse. Sind die geistigen Verhältnisse auf einem Gebiete befreit, dann wird niemals aus diesem geistigen Gebiete heraus irgendein Anlaß entstehen können, der sich in irgendeinem kriegerischen Ereignisse entladen könnte. Man kann das im kleinsten beobachten. Die geistigen Interessen können mit den kriegerischen Konflikten nur in eine Beziehung kommen dadurch, daß das staatliche Leben dazwischen tritt.
[ 46 ] Auch da kann man eigentlich nur aus der Erfahrung heraus urteilen; aber schon kleine Erfahrungen können beredt sein. Man konnte beobachten, wenn man für solche Dinge einen Blick hat, wie in Ungarn zum Beispiel in den Zeiten, in denen das staatliche Leben in Ungarn sich noch nicht in den deutschsprachigen Teilen in alles hineingemischt hatte, in den zahlreichen deutschen Gegenden die Leute, die eben deutsche Kinder hatten, sie in deutschsprachige Schulen schickten, die in deutschen Gegenden wohnenden Magyaren sie in die magyarischen Schulen schickten, und umgekehrt: Die Deutschen, die in Gegenden wohnten mit magyarischen Schulen, schickten ihre Kinder in solche Gegenden, wo deutsche Schulen waren. Dieser Kinderaustausch wurde gepflegt in freier Weise.
[ 46 ] Auch da kann man eigentlich nur aus der Erfahrung heraus urteilen; aber schon kleine Erfahrungen können beredt sein. Man konnte beobachten, wenn man für solche Dinge einen Blick hat, wie in Ungarn zum Beispiel in den Zeiten, in denen das staatliche Leben in Ungarn sich noch nicht in den deutschsprachigen Teilen in alles hineingemischt hatte, in den zahlreichen deutschen Gegenden die Leute, die eben deutsche Kinder hatten, sie in deutschsprachige Schulen schickten, die in deutschen Gegenden wohnenden Magyaren sie in die magyarischen Schulen schickten, und umgekehrt: Die Deutschen, die in Gegenden wohnten mit magyarischen Schulen, schickten ihre Kinder in solche Gegenden, wo deutsche Schulen waren. Dieser Kinderaustausch wurde gepflegt in freier Weise.
[ 47 ] Es war ein freier Austausch des geistigen Gutes der Sprachen, so wie man andere geistige Güter in freiem Austausch pflegen kann, von Land zu Land, von Stadt zu Stadt. Dieser freie Austausch des geistigen Gutes der Sprachen bedeutete für das Land Ungarn einen tiefen Frieden in allen Gebieten, in denen er gepflegt worden ist. In diesen freien Austausch wurde der innerliche Volkstrieb hineingeprägt. Als der Staat sich hineinmischte, da wurde die Sache anders. Dasjenige, was da im inneren politischen Leben geschah, das geschah im Verlauf der neueren Zeit immerzu im äußeren politischen Leben. Derjenige, der für solche Dinge einen Blick hat, der konnte sehen, wie eigentlich tief friedlich im Grunde genommen die deutschen Intellektuellen waren. Aus der Stimmung dieser deutschen Intellektuellen wäre nie die Kriegsstimmung erwacht! Aber aus dem Verhältnisse, in dem sie standen zu dem Staat, ist dasjenige geworden, was jenen Eindruck in bezug auf den Staat hat entstehen lassen. Das soll weder ein Einwand noch etwas anderes sein, sondern nur ein Begreifen der Tatsachen.
[ 47 ] Es war ein freier Austausch des geistigen Gutes der Sprachen, so wie man andere geistige Güter in freiem Austausch pflegen kann, von Land zu Land, von Stadt zu Stadt. Dieser freie Austausch des geistigen Gutes der Sprachen bedeutete für das Land Ungarn einen tiefen Frieden in allen Gebieten, in denen er gepflegt worden ist. In diesen freien Austausch wurde der innerliche Volkstrieb hineingeprägt. Als der Staat sich hineinmischte, da wurde die Sache anders. Dasjenige, was da im inneren politischen Leben geschah, das geschah im Verlauf der neueren Zeit immerzu im äußeren politischen Leben. Derjenige, der für solche Dinge einen Blick hat, der konnte sehen, wie eigentlich tief friedlich im Grunde genommen die deutschen Intellektuellen waren. Aus der Stimmung dieser deutschen Intellektuellen wäre nie die Kriegsstimmung erwacht! Aber aus dem Verhältnisse, in dem sie standen zu dem Staat, ist dasjenige geworden, was jenen Eindruck in bezug auf den Staat hat entstehen lassen. Das soll weder ein Einwand noch etwas anderes sein, sondern nur ein Begreifen der Tatsachen.
[ 48 ] Das Wirtschaftsleben eines dreigliedrigen sozialen Organismus wird gerade dadurch sich auch innerhalb des internationalen Wirtschaftslebens ausleben können, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht von Staatsverhältnissen gemacht werden, sondern von Menschen, welche aus solchen Territorien herauswachsen, in denen nicht ein Parlament ist, sondern drei Parlamente, ein geistiges, ein wirtschaftliches und ein Staatsparlament sind, in welchen nicht eine Verwaltung ist, sondern drei Verwaltungen sind, die zusammenwirken. Erst aus solchen Territorien werden die Menschen herauswachsen können, die dann in einer zwischenstaatlichen Organisation die rechte Rolle spielen können. Und nicht auf den Staat und die Wirtschaft, sondern auf den Menschen, auf den ganzen, vollen Menschen kommt es an.
[ 48 ] Das Wirtschaftsleben eines dreigliedrigen sozialen Organismus wird gerade dadurch sich auch innerhalb des internationalen Wirtschaftslebens ausleben können, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht von Staatsverhältnissen gemacht werden, sondern von Menschen, welche aus solchen Territorien herauswachsen, in denen nicht ein Parlament ist, sondern drei Parlamente, ein geistiges, ein wirtschaftliches und ein Staatsparlament sind, in welchen nicht eine Verwaltung ist, sondern drei Verwaltungen sind, die zusammenwirken. Erst aus solchen Territorien werden die Menschen herauswachsen können, die dann in einer zwischenstaatlichen Organisation die rechte Rolle spielen können. Und nicht auf den Staat und die Wirtschaft, sondern auf den Menschen, auf den ganzen, vollen Menschen kommt es an.
[ 49 ] Die Rolle der geistigen Führer wird eine andere sein, wenn sie aus der emanzipierten geistigen Organisation heraus sich gestaltet, eine andere als jene Theaterspielerei, die sich zum Beispiel zwischen den Mittelstaaten und Amerika im Professorenaustausch abspielt, die ja eben nur aus demjenigen heraus, was sich mit dem Staate in geistig ungehöriger Weise verband, sich entwickeln konnte. Alle diese Verhältnisse werden auch auf internationalem Gebiete auf eine gesunde Grundlage gestellt, wenn die gesunde Grundlage erst im einzelnen sozialen Territorium eingetreten sein wird. Aus diesen einzelnen sozialen Territorien wird dann der Mensch hervorgehen, der in der rechten Weise auch zum internationalen Leben das seinige beitragen kann.
[ 49 ] Die Rolle der geistigen Führer wird eine andere sein, wenn sie aus der emanzipierten geistigen Organisation heraus sich gestaltet, eine andere als jene Theaterspielerei, die sich zum Beispiel zwischen den Mittelstaaten und Amerika im Professorenaustausch abspielt, die ja eben nur aus demjenigen heraus, was sich mit dem Staate in geistig ungehöriger Weise verband, sich entwickeln konnte. Alle diese Verhältnisse werden auch auf internationalem Gebiete auf eine gesunde Grundlage gestellt, wenn die gesunde Grundlage erst im einzelnen sozialen Territorium eingetreten sein wird. Aus diesen einzelnen sozialen Territorien wird dann der Mensch hervorgehen, der in der rechten Weise auch zum internationalen Leben das seinige beitragen kann.
[ 50 ] Das scheint mir die Antwort zu sein, die so gegeben werden kann, daß sie nicht nur das Zusammenstimmen der verschiedenen Völker in Betracht zieht, sondern daß der Beitrag jedes Volkes für die wirklichen Zukunftsideale des menschlichen Völkerbundes in Betracht kommen kann. So kann auch ein Deutscher sprechen; denn seien auch die mitteleuropäischen Länder oder Deutschland ausgeschlossen von dem nächsten Völkerbund, sie können so arbeiten, daß sie durch die Gesundung des eigenen Territoriums für den gesunden Völkerbund der Zukunft vorausarbeiten; sie können das ihrige dazu beitragen.
[ 50 ] Das scheint mir die Antwort zu sein, die so gegeben werden kann, daß sie nicht nur das Zusammenstimmen der verschiedenen Völker in Betracht zieht, sondern daß der Beitrag jedes Volkes für die wirklichen Zukunftsideale des menschlichen Völkerbundes in Betracht kommen kann. So kann auch ein Deutscher sprechen; denn seien auch die mitteleuropäischen Länder oder Deutschland ausgeschlossen von dem nächsten Völkerbund, sie können so arbeiten, daß sie durch die Gesundung des eigenen Territoriums für den gesunden Völkerbund der Zukunft vorausarbeiten; sie können das ihrige dazu beitragen.
[ 51 ] Das ist eine Antwort, die jeder für sich selber geben kann. Das ist eine Antwort, die auch jeder Staat als eigene Politik nach auswärts hin entwickeln kann. Denn wie auch die Staaten, die in irgendeine Friedensverhandlung zum Beispiel mit dem deutschen Reiche eintreten, selber ihre Friedensdelegierten wählen, dasjenige, was sich dann aus dem chaotischen ehemaligen deutschen Reiche heraus ergibt, das wird nicht verhindert werden können: aus den drei Gliedern - aus dem Wirtschafts-, aus dem Staats-, aus dem geistigen Organismus - seine Delegierten besonders zu wählen, die in entsprechender Weise dann den gesunden sozialen Organismus auch nach außen hin vertreten können. Das ist wirkliche, mögliche, das ist wahre reale Politik.
[ 51 ] Das ist eine Antwort, die jeder für sich selber geben kann. Das ist eine Antwort, die auch jeder Staat als eigene Politik nach auswärts hin entwickeln kann. Denn wie auch die Staaten, die in irgendeine Friedensverhandlung zum Beispiel mit dem deutschen Reiche eintreten, selber ihre Friedensdelegierten wählen, dasjenige, was sich dann aus dem chaotischen ehemaligen deutschen Reiche heraus ergibt, das wird nicht verhindert werden können: aus den drei Gliedern - aus dem Wirtschafts-, aus dem Staats-, aus dem geistigen Organismus - seine Delegierten besonders zu wählen, die in entsprechender Weise dann den gesunden sozialen Organismus auch nach außen hin vertreten können. Das ist wirkliche, mögliche, das ist wahre reale Politik.
[ 52 ] Ich habe in den letzten Jahren vielfach diese Ideen vor Menschen vorgetragen; ich habe sie auch, wie vielleicht manche von Ihnen gesehen haben, in einem Aufruf zusammengefaßt, der jetzt durch die Zeitungen erscheint, unterschrieben von einer mich sehr befriedigenden Anzahl von Menschen, unter denen solche sind, bei denen ausgeschlossen ist, daran zu zweifeln, daß sie ein Recht haben, über diese Dinge mitzuurteilen, und ich habe oftmals hören müssen: durch eine solche Gliederung wird ja das Alte wieder hervorgerufen, was gerade widerstrebt dem, was in den Empfindungen eines großen Teils der modernen Menschheit liegt, die Menschheit werde wieder gegliedert in die alten drei Stände: Nährstand, Wehrstand und Lehrstand. Das Gegenteil ist der Fall! Nichts unterscheidet sich so sehr von diesen alten Ständen Nährstand, Wehrstand und Lehrstand wie dasjenige, was hier gewollt wird; denn nicht die Menschen werden gegliedert in Klassen, in Stände, wie frühere Zeiten gliederten, sondern das, was vom Menschen abgesondert ist, worin der Mensch lebt: der soziale Organismus wird gegliedert. Und der Mensch ist gerade dasjenige, was als ganzes, volles, in sich abgeschlossenes Wesen innerhalb dieser von ihm abgeschlossenen Gliederung sich erst recht als Mensch wird entwickeln können. Dieser befreite Mensch, er allein wird es sein können, der auch zugrunde legen kann die Gedanken, die Empfindungen, die Willenshandlungen, die im modernen Völkerbund spielen müssen.
[ 52 ] Ich habe in den letzten Jahren vielfach diese Ideen vor Menschen vorgetragen; ich habe sie auch, wie vielleicht manche von Ihnen gesehen haben, in einem Aufruf zusammengefaßt, der jetzt durch die Zeitungen erscheint, unterschrieben von einer mich sehr befriedigenden Anzahl von Menschen, unter denen solche sind, bei denen ausgeschlossen ist, daran zu zweifeln, daß sie ein Recht haben, über diese Dinge mitzuurteilen, und ich habe oftmals hören müssen: durch eine solche Gliederung wird ja das Alte wieder hervorgerufen, was gerade widerstrebt dem, was in den Empfindungen eines großen Teils der modernen Menschheit liegt, die Menschheit werde wieder gegliedert in die alten drei Stände: Nährstand, Wehrstand und Lehrstand. Das Gegenteil ist der Fall! Nichts unterscheidet sich so sehr von diesen alten Ständen Nährstand, Wehrstand und Lehrstand wie dasjenige, was hier gewollt wird; denn nicht die Menschen werden gegliedert in Klassen, in Stände, wie frühere Zeiten gliederten, sondern das, was vom Menschen abgesondert ist, worin der Mensch lebt: der soziale Organismus wird gegliedert. Und der Mensch ist gerade dasjenige, was als ganzes, volles, in sich abgeschlossenes Wesen innerhalb dieser von ihm abgeschlossenen Gliederung sich erst recht als Mensch wird entwickeln können. Dieser befreite Mensch, er allein wird es sein können, der auch zugrunde legen kann die Gedanken, die Empfindungen, die Willenshandlungen, die im modernen Völkerbund spielen müssen.
[ 53 ] Man möchte ja, indem man über diese Dinge nachdenkt, nicht einseitig werden. Und das wird man leicht, wenn man nur seine eigenen Empfindungen zugrunde legt. Daher möchte ich mich auf einen anderen jetzt zum Schluß berufen, nachdem ich dasjenige, was ich ausgeführt habe als notwendig zur Gesundung des sozialen Organismus, so radikal hingestellt habe und es unterschieden wissen will von dem, was sich bisher entwickelt hat, und was zu dieser furchtbaren Katastrophe geführt hat. Ich möchte mich auf einen anderen berufen, auf einen Mann, auf den ich mich oftmals berufe, wenn ich hinschaue nach einem hochstehenden geistigen Betrachter derjenigen Dinge, die sich innerhalb der menschheitlichen Entwickelung bis in die Gegenwart herauf ergeben haben: Herman Grimm. Er sagt einmal an einer Stelle, die aus seinen Gedanken über die neuzeitliche soziale Entwickelung der Menschheit hervorgegangen ist, er sagt einmal: Wenn man das heutige Europa ansieht, so sieht man auf der einen Seite, wie die Menschen miteinander in Verbindungen gekommen sind, von denen sich ehemalige Zeiten nichts träumen ließen; aber man sieht zu gleicher Zeit hereinragen in dieses, was man moderne Zivilisation nennt, dasjenige, was sich ausdrückt in unserem kriegerischen Rüsten - so sagt er als Deutscher -, in unserem eigenen Militarismus und in dem Rüsten der anderen Staaten, das ja doch nur darauf hinauslaufen kann, sich eines schönen Tages zu überfallen. Und wenn man sieht, was daraus werden könnte - die Worte klingen wahrhaftig prophetisch, sie sind in den neunziger Jahren geschrieben, Herman Grimm ist bereits 1901 gestorben -, wenn man darauf hinsieht, meint Herman Grimm, dann ist es einem, als ob sich eine Zukunft aus lauter menschlichen Konflikten bestehend entwickeln könnte, so daß man am liebsten einen Tag zum allgemeinen Selbstmord der Menschheit ansetzen möchte, damit sie nicht erleben muß das Schreckliche, das aus diesen Verhältnissen folgt.
[ 53 ] Man möchte ja, indem man über diese Dinge nachdenkt, nicht einseitig werden. Und das wird man leicht, wenn man nur seine eigenen Empfindungen zugrunde legt. Daher möchte ich mich auf einen anderen jetzt zum Schluß berufen, nachdem ich dasjenige, was ich ausgeführt habe als notwendig zur Gesundung des sozialen Organismus, so radikal hingestellt habe und es unterschieden wissen will von dem, was sich bisher entwickelt hat, und was zu dieser furchtbaren Katastrophe geführt hat. Ich möchte mich auf einen anderen berufen, auf einen Mann, auf den ich mich oftmals berufe, wenn ich hinschaue nach einem hochstehenden geistigen Betrachter derjenigen Dinge, die sich innerhalb der menschheitlichen Entwickelung bis in die Gegenwart herauf ergeben haben: Herman Grimm. Er sagt einmal an einer Stelle, die aus seinen Gedanken über die neuzeitliche soziale Entwickelung der Menschheit hervorgegangen ist, er sagt einmal: Wenn man das heutige Europa ansieht, so sieht man auf der einen Seite, wie die Menschen miteinander in Verbindungen gekommen sind, von denen sich ehemalige Zeiten nichts träumen ließen; aber man sieht zu gleicher Zeit hereinragen in dieses, was man moderne Zivilisation nennt, dasjenige, was sich ausdrückt in unserem kriegerischen Rüsten - so sagt er als Deutscher -, in unserem eigenen Militarismus und in dem Rüsten der anderen Staaten, das ja doch nur darauf hinauslaufen kann, sich eines schönen Tages zu überfallen. Und wenn man sieht, was daraus werden könnte - die Worte klingen wahrhaftig prophetisch, sie sind in den neunziger Jahren geschrieben, Herman Grimm ist bereits 1901 gestorben -, wenn man darauf hinsieht, meint Herman Grimm, dann ist es einem, als ob sich eine Zukunft aus lauter menschlichen Konflikten bestehend entwickeln könnte, so daß man am liebsten einen Tag zum allgemeinen Selbstmord der Menschheit ansetzen möchte, damit sie nicht erleben muß das Schreckliche, das aus diesen Verhältnissen folgt.
[ 54 ] Seither haben die Menschen manches gesehen, was aus diesen Verhältnissen folgt. Was sie gesehen haben, könnte wohl hinleiten zu Gedanken, die dann nicht mehr für eine Utopie angesehen werden, zumal wenn man gesehen hat, wie manches, was wirklich entstanden ist, sich gerade für den Blick der Praktiker wie eine Utopie ausnehmen müßte gegenüber dem, woran sie vor kurzem noch als an etwas Unmögliches geglaubt haben.
[ 54 ] Seither haben die Menschen manches gesehen, was aus diesen Verhältnissen folgt. Was sie gesehen haben, könnte wohl hinleiten zu Gedanken, die dann nicht mehr für eine Utopie angesehen werden, zumal wenn man gesehen hat, wie manches, was wirklich entstanden ist, sich gerade für den Blick der Praktiker wie eine Utopie ausnehmen müßte gegenüber dem, woran sie vor kurzem noch als an etwas Unmögliches geglaubt haben.
[ 55 ] Das ist es, was die Leute heute nicht nur zur Veränderung ihres Handelns, sondern zur Veränderung ihrer Gedanken, zum Umdenken bringen sollte. Wir brauchen zukünftig nicht allein andere Einrichtungen, wir brauchen letztlich neue Gedanken, neue Menschen, die nur aus einer neuen Gliederung des sozialen Organismus herauswachsen können. Internationale Bündnisse, wir haben sie ja auch im Grunde genommen doch erlebt! Ob das, was angestrebt wird, festeren Grund und Boden hat, festeren Halt bietet, als die alten Verhältnisse, das ist nur dann zu entscheiden, wenn man wirklich zurückgeht auf die Grundbedingungen des menschlichen sozialen Zusammenlebens. Haben wir nicht auch in der Art, wie man früher unter den Angehörigen der verschiedensten Fürstenhäuser zu heiraten pflegte, so etwas wie ein internationales Leben sich entwickeln gesehen? Dagegen wäre ja nichts einzuwenden, wenn sich die Fürstenhäuser in einer verheißungsvollen Art entwickelt hätten! Es hätte sich dann auch im Sinne dieses «internationalen Bündnisses» etwas ergeben können, was selbst unter dem monarchischen Prinzip sehr nützlich gewesen wäre! - Wir haben andere internationale Bündnisse, so zum Beispiel das sehr reale internationale Bündnis des Kapitals erlebt. Wir haben erlebt die internationale Sozialdemokratie. Wir haben verschiedenes Internationales erlebt. Dasjenige, was auf das Internationale der familiären Instinkte baute, es ist zerfallen. Was auf die wirtschaftliche Gewalt des ungeistigen Kapitalismus baut, dem unbefangenen Blick zeigt es sich: es wird zerfallen. Aber auch das, worauf der internationale Sozialismus hinzielt, ist im Grunde genommen die Sehnsucht nach Macht. Diese Macht wird in Zukunft dem Rechte weichen müssen, denn was der Mensch durch sein Machtstreben im sozialen Leben an sich reißen kann, kann nur zum Heil der Menschheit ausschlagen, wenn es dem Rechtsleben eingegliedert, vom Rechtsleben durchleuchtet wird.
[ 55 ] Das ist es, was die Leute heute nicht nur zur Veränderung ihres Handelns, sondern zur Veränderung ihrer Gedanken, zum Umdenken bringen sollte. Wir brauchen zukünftig nicht allein andere Einrichtungen, wir brauchen letztlich neue Gedanken, neue Menschen, die nur aus einer neuen Gliederung des sozialen Organismus herauswachsen können. Internationale Bündnisse, wir haben sie ja auch im Grunde genommen doch erlebt! Ob das, was angestrebt wird, festeren Grund und Boden hat, festeren Halt bietet, als die alten Verhältnisse, das ist nur dann zu entscheiden, wenn man wirklich zurückgeht auf die Grundbedingungen des menschlichen sozialen Zusammenlebens. Haben wir nicht auch in der Art, wie man früher unter den Angehörigen der verschiedensten Fürstenhäuser zu heiraten pflegte, so etwas wie ein internationales Leben sich entwickeln gesehen? Dagegen wäre ja nichts einzuwenden, wenn sich die Fürstenhäuser in einer verheißungsvollen Art entwickelt hätten! Es hätte sich dann auch im Sinne dieses «internationalen Bündnisses» etwas ergeben können, was selbst unter dem monarchischen Prinzip sehr nützlich gewesen wäre! - Wir haben andere internationale Bündnisse, so zum Beispiel das sehr reale internationale Bündnis des Kapitals erlebt. Wir haben erlebt die internationale Sozialdemokratie. Wir haben verschiedenes Internationales erlebt. Dasjenige, was auf das Internationale der familiären Instinkte baute, es ist zerfallen. Was auf die wirtschaftliche Gewalt des ungeistigen Kapitalismus baut, dem unbefangenen Blick zeigt es sich: es wird zerfallen. Aber auch das, worauf der internationale Sozialismus hinzielt, ist im Grunde genommen die Sehnsucht nach Macht. Diese Macht wird in Zukunft dem Rechte weichen müssen, denn was der Mensch durch sein Machtstreben im sozialen Leben an sich reißen kann, kann nur zum Heil der Menschheit ausschlagen, wenn es dem Rechtsleben eingegliedert, vom Rechtsleben durchleuchtet wird.
[ 56 ] Und so darf vielleicht doch in dem gegenwärtigen Menschen gegenüber mancherlei Internationalem die Empfindung entstehen, daß ein wirklich fruchtbar wirkender Völkerbund der Menschheit gegründet sein muß auf etwas anderes, als auf diese alten Verhältnisse. Er muß gegründet sein auf ganz neuen Menschengedanken, ganz neuen Menschenimpulsen und nicht auf fürstlichem Geblüt, nicht auf der Macht des Kapitals oder der Arbeit. Er muß gegründet sein auf das Recht, auf den wirklich befreiten ganzen Menschen. Denn nur dieser wirklich befreite, ganze, für internationale Empfindung wache Mensch wird auch in der rechten Weise Verständnis haben für das, was ihm dann leuchten kann als das Licht des internationalen Rechts.
[ 56 ] Und so darf vielleicht doch in dem gegenwärtigen Menschen gegenüber mancherlei Internationalem die Empfindung entstehen, daß ein wirklich fruchtbar wirkender Völkerbund der Menschheit gegründet sein muß auf etwas anderes, als auf diese alten Verhältnisse. Er muß gegründet sein auf ganz neuen Menschengedanken, ganz neuen Menschenimpulsen und nicht auf fürstlichem Geblüt, nicht auf der Macht des Kapitals oder der Arbeit. Er muß gegründet sein auf das Recht, auf den wirklich befreiten ganzen Menschen. Denn nur dieser wirklich befreite, ganze, für internationale Empfindung wache Mensch wird auch in der rechten Weise Verständnis haben für das, was ihm dann leuchten kann als das Licht des internationalen Rechts.
[ 57 ] Diskussion
[ 57 ] Diskussion
[ 58 ] 1. Redner: Erklärte, die von Herrn Dr. Steiner vorgeschlagene Lösung sei ihm nicht klar geworden. Auch sei es nicht möglich, den Sozialismus als große geistige Konzeption in der Weise, wie cs Herr Dr. Steiner getan habe, abzufertigen, denn schließlich entstehe ein neues Recht nicht dadurch, daß man den gesunden Kern des Sozialismus wegwische. Die Idee der Dreigliederung scheine wohl eine Lösung zu sein, sie sei aber eine willkürliche Lösung. Die Bodenreform ist nach der Ansicht dieses Redners etwas, was im Wesen der Zeit liegt. Zum Schluß wurde auf die fortschreitende Ausbreitung des Sozialismus hingewiesen, als ein Zeugnis dafür, daß dieser nicht ein ausgedachtes System ist, sondern einer Realität entspricht.
[ 58 ] 1. Redner: Erklärte, die von Herrn Dr. Steiner vorgeschlagene Lösung sei ihm nicht klar geworden. Auch sei es nicht möglich, den Sozialismus als große geistige Konzeption in der Weise, wie cs Herr Dr. Steiner getan habe, abzufertigen, denn schließlich entstehe ein neues Recht nicht dadurch, daß man den gesunden Kern des Sozialismus wegwische. Die Idee der Dreigliederung scheine wohl eine Lösung zu sein, sie sei aber eine willkürliche Lösung. Die Bodenreform ist nach der Ansicht dieses Redners etwas, was im Wesen der Zeit liegt. Zum Schluß wurde auf die fortschreitende Ausbreitung des Sozialismus hingewiesen, als ein Zeugnis dafür, daß dieser nicht ein ausgedachtes System ist, sondern einer Realität entspricht.
[ 59 ] Rudolf Steiner: Es ist natürlich schwer zu diskutieren darüber, ob das, was in einem immerhin nicht ganz kurzen Vortrag angedeutet werden konnte, im absoluten Sinne jedem einzelnen einleuchten muß oder nicht; das ist schließlich eine individuelle Sache, und darüber wird ja jeder Zuhörer selbstverständlich seine eigene Meinung haben. Ich will daher diese Frage nicht besonders berühren. Ich möchte nur über die anderen Gedanken, die der verehrte Herr Vorredner geäußert hat, einige ganz kurze Bemerkungen machen, vor allen Dingen über das Prinzipielle. Wer heute meinen vielleicht radikalen und deshalb als unbeweisbar erscheinenden Gedankengängen doch einigermaßen gefolgt ist, hat vielleicht sehen können, aus der Art, wie die Sache gefaßt war, daß das, was ich aussprach, durchaus nicht aus einem Einfalle nur eines schönen Morgens gekommen ist, oder anderen Einfällen entsprungen ist, sondern daß sie gerade gebaut sind auf dem, was meinetwillen von anderer Seite bewiesen ist. Es ist ja nicht notwendig, Ihnen wiederum alles das zu beweisen, was der Sozialismus zum Beispiel bewiesen hat! Ich habe einen Gedanken geäußert, den Gedanken: daß besonders einleuchtend den Proletarierseelen die Gedankentheorie vom Mehrwert und seiner Beziehung zu der menschlichen Arbeitskraft ist. Ich habe dann den Gedanken geäußert, daß man aber diese Anschauung noch um einen Schritt weiter führen muß. Damit glaube ich aber auch gezeigt zu haben, daß ich durchaus nicht wegwischen will das, worauf gerade der verehrte Herr Vorredner gedeutet hat: den modernen Sozialismus. Wer mir genauer zugehört hat, wird sich vielleicht auch sagen können, daß ich gerade mit Bezug auf die Bedeutung des modernen Sozialismus in meinem Vortrag genügend Andeutungen gemacht habe.
[ 59 ] Rudolf Steiner: Es ist natürlich schwer zu diskutieren darüber, ob das, was in einem immerhin nicht ganz kurzen Vortrag angedeutet werden konnte, im absoluten Sinne jedem einzelnen einleuchten muß oder nicht; das ist schließlich eine individuelle Sache, und darüber wird ja jeder Zuhörer selbstverständlich seine eigene Meinung haben. Ich will daher diese Frage nicht besonders berühren. Ich möchte nur über die anderen Gedanken, die der verehrte Herr Vorredner geäußert hat, einige ganz kurze Bemerkungen machen, vor allen Dingen über das Prinzipielle. Wer heute meinen vielleicht radikalen und deshalb als unbeweisbar erscheinenden Gedankengängen doch einigermaßen gefolgt ist, hat vielleicht sehen können, aus der Art, wie die Sache gefaßt war, daß das, was ich aussprach, durchaus nicht aus einem Einfalle nur eines schönen Morgens gekommen ist, oder anderen Einfällen entsprungen ist, sondern daß sie gerade gebaut sind auf dem, was meinetwillen von anderer Seite bewiesen ist. Es ist ja nicht notwendig, Ihnen wiederum alles das zu beweisen, was der Sozialismus zum Beispiel bewiesen hat! Ich habe einen Gedanken geäußert, den Gedanken: daß besonders einleuchtend den Proletarierseelen die Gedankentheorie vom Mehrwert und seiner Beziehung zu der menschlichen Arbeitskraft ist. Ich habe dann den Gedanken geäußert, daß man aber diese Anschauung noch um einen Schritt weiter führen muß. Damit glaube ich aber auch gezeigt zu haben, daß ich durchaus nicht wegwischen will das, worauf gerade der verehrte Herr Vorredner gedeutet hat: den modernen Sozialismus. Wer mir genauer zugehört hat, wird sich vielleicht auch sagen können, daß ich gerade mit Bezug auf die Bedeutung des modernen Sozialismus in meinem Vortrag genügend Andeutungen gemacht habe.
[ 60 ] Was ich ausgesprochen habe, konnte ich nicht anders verstehen, als im Sinne des erwähnten Beispieles. Ich meinte, wenn man sich nicht einlasse auf den modernen Sozialismus, dann lebe man so wie die Bewohner eines Hauses, dem der Einsturz droht, und die sich nicht entschließen, einen Neubau zu errichten, sondern beraten, wie man alle Zimmer gegenseitig verbinden müsse, damit man sich durch diese Türen gegenseitig helfen könne.
[ 60 ] Was ich ausgesprochen habe, konnte ich nicht anders verstehen, als im Sinne des erwähnten Beispieles. Ich meinte, wenn man sich nicht einlasse auf den modernen Sozialismus, dann lebe man so wie die Bewohner eines Hauses, dem der Einsturz droht, und die sich nicht entschließen, einen Neubau zu errichten, sondern beraten, wie man alle Zimmer gegenseitig verbinden müsse, damit man sich durch diese Türen gegenseitig helfen könne.
[ 61 ] Dadurch konnte man bei einigem guten Willen sehen, welches Gewicht ich eigentlich dem modernen Sozialismus beilege. Und es war im Grunde dann nicht so schwer, daraus den Gedanken abzuleiten, der ja natürlich in vierzig, fünfzig Vorträgen weiter ausgeführt werden könnte, daß man doch nicht auskommt mit dem, was im modernen Sozialismus schon liegt. Ich will dabei noch auf eines hinweisen. Natürlich werde ich auch jetzt wiederum nur so kurz sein können, daf unter Umständen derjenige, der will, sagen kann, daß ich den verehrten Zuhörern nichts mit nach Hause gebe. Ich möchte nur sagen: Ich habe den allergrößten Respekt vor demjenigen, was namentlich im modernen proletarischen Denken der Marxismus und auch alles dasjenige, was sich auf dem Marxismus aufgebaut hat, hervorgebracht hat. Ich war selbst jahrelang Lehrer an einer von Wilhelm Liebknecht gegründeten Arbeiterbildungsschule, und ich habe sozusagen mitgearbeitet an dem Einleben gerade der sozialistischen Gedanken innerhalb der Arbeiterschaft. Und ich darf vielleicht darauf hinweisen, daß es nicht gerade unrichtig sein würde, wenn ich sage: Ich glaube, daß immerhin eine Anzahl entsprechender älterer Redaktoren an deutschen sozialistischen Zeitungen, sogar Redner, die heute in Deutschland immerhin ein nicht ungewichtiges Wort reden, meine Schüler vielleicht sind. Also ich kenne nicht nur den modernen Sozialismus als solchen - aus der Art, wie ich meine Gesichtspunkte vorgebracht habe, hätte man das schon sehen können -, sondern ich kenne auch das Gewicht, das im Leben des modernen Proletariats dieser Sozialismus hat. Wenn man das so jahrelang, ich darf sagen, jahrzehntelang mitgemacht hat, dann hat man es nicht gerade nötig, auf einen schönen, besonderen Einfall zu warten, um auch ein System auszubilden, weil man eben auch eines haben will, sondern dann baut man eben an demjenigen weiter, was da ist. Und wer eingeht auf die Dinge, sieht aus dem Weitergebauten, daß man das Vorhandene gerade achtet.
[ 61 ] Dadurch konnte man bei einigem guten Willen sehen, welches Gewicht ich eigentlich dem modernen Sozialismus beilege. Und es war im Grunde dann nicht so schwer, daraus den Gedanken abzuleiten, der ja natürlich in vierzig, fünfzig Vorträgen weiter ausgeführt werden könnte, daß man doch nicht auskommt mit dem, was im modernen Sozialismus schon liegt. Ich will dabei noch auf eines hinweisen. Natürlich werde ich auch jetzt wiederum nur so kurz sein können, daf unter Umständen derjenige, der will, sagen kann, daß ich den verehrten Zuhörern nichts mit nach Hause gebe. Ich möchte nur sagen: Ich habe den allergrößten Respekt vor demjenigen, was namentlich im modernen proletarischen Denken der Marxismus und auch alles dasjenige, was sich auf dem Marxismus aufgebaut hat, hervorgebracht hat. Ich war selbst jahrelang Lehrer an einer von Wilhelm Liebknecht gegründeten Arbeiterbildungsschule, und ich habe sozusagen mitgearbeitet an dem Einleben gerade der sozialistischen Gedanken innerhalb der Arbeiterschaft. Und ich darf vielleicht darauf hinweisen, daß es nicht gerade unrichtig sein würde, wenn ich sage: Ich glaube, daß immerhin eine Anzahl entsprechender älterer Redaktoren an deutschen sozialistischen Zeitungen, sogar Redner, die heute in Deutschland immerhin ein nicht ungewichtiges Wort reden, meine Schüler vielleicht sind. Also ich kenne nicht nur den modernen Sozialismus als solchen - aus der Art, wie ich meine Gesichtspunkte vorgebracht habe, hätte man das schon sehen können -, sondern ich kenne auch das Gewicht, das im Leben des modernen Proletariats dieser Sozialismus hat. Wenn man das so jahrelang, ich darf sagen, jahrzehntelang mitgemacht hat, dann hat man es nicht gerade nötig, auf einen schönen, besonderen Einfall zu warten, um auch ein System auszubilden, weil man eben auch eines haben will, sondern dann baut man eben an demjenigen weiter, was da ist. Und wer eingeht auf die Dinge, sieht aus dem Weitergebauten, daß man das Vorhandene gerade achtet.
[ 62 ] Aber nun darf man eines nicht aus dem Auge verlieren. Gewiß, Gedanken sind eigentlich als solche, wenn sie innerhalb des T'heoretischen gehalten werden, im Grunde nichts weiter als Symptome für das, was im wirklichen Leben sich bewegt. Daher glauben Sie nicht, daß ich Ihnen nun Vorschläge machen will, wie die moderne Arbeiterbewegung oder irgend etwas eigentlich nur von der Triebkraft der Gedanken getragen wird, sondern ich will im Gegenteil zum Ausdruck bringen, daß die zum Vorschein kommenden Gedanken ich denke dabei allerdings nicht bloß an Wirtschaftskräfte - tiefer gelegene innere Kräfte eben symptomatisch zum Ausdruck bringen. Ich glaube überhaupt, daß wir in der Zukunft einer symptomatologischen, nicht einer so kausalen Geschichtsbetrachtung, wie sie heute beliebt ist, entgegengehen.
[ 62 ] Aber nun darf man eines nicht aus dem Auge verlieren. Gewiß, Gedanken sind eigentlich als solche, wenn sie innerhalb des T'heoretischen gehalten werden, im Grunde nichts weiter als Symptome für das, was im wirklichen Leben sich bewegt. Daher glauben Sie nicht, daß ich Ihnen nun Vorschläge machen will, wie die moderne Arbeiterbewegung oder irgend etwas eigentlich nur von der Triebkraft der Gedanken getragen wird, sondern ich will im Gegenteil zum Ausdruck bringen, daß die zum Vorschein kommenden Gedanken ich denke dabei allerdings nicht bloß an Wirtschaftskräfte - tiefer gelegene innere Kräfte eben symptomatisch zum Ausdruck bringen. Ich glaube überhaupt, daß wir in der Zukunft einer symptomatologischen, nicht einer so kausalen Geschichtsbetrachtung, wie sie heute beliebt ist, entgegengehen.
[ 63 ] Aber nun muß man doch sehen, wie gewisse Gedanken, die alle als Symptome für gewisse dahinterliegende Tatsachen anzusehen sind, wie diese Gedankensymptome sich darleben. Sie kennen heute sehr radikale Ausgestaltungen des Sozialismus. Glauben Sie nicht, wie das etwa im Unterbewußtsein bei manchem aufsteigen könnte, der dies - was vielleicht auch der Herr Vorredner gar nicht so gemeint hat - mißdeutet, glauben Sie nicht, daß ich so schreckhaft empfinde dasjenige, was in der Gegenwart hervortritt - obwohl ich es gerade mit dem Gewicht belastet betrachten muß, wie ich es im Vortrag angegeben habe - wie manche Menschen der leitenden Kreise. Ich kann schon mit einer gewissen Objektivität auf die Konsequenzen der sozialen Denkweise und der sozialen Entwickelung hinsehen, die sich heute zum Beispiel ergeben. Ich will da auf etwas hinweisen, was Ihnen vielleicht bedeutsam erscheinen könnte. Sehen Sie, Lenin und Trotzki sind doch auch Sozialisten. Und wer nicht, möchte ich sagen, sich einschüchtern läßt von dem, was jetzt vom Osten Europas erzählt wird, und das alles den «verruchten Bolschewisten» zuschreibt, sondern wer da weiß, daß alles das, was man heute geneigt ist, den russischen Sozialisten zuzuschreiben, zum großen Teil noch auf das Konto des Zarismus und desjenigen zu schreiben ist, was vorangegangen ist, wird vielleicht doch einigermaßen objektiver hinschauen auf das, was geschieht! Und wer objektiv schaut, wird dann vor allen Dingen sich sagen müssen: Nach einer gewissen Richtung hin ist gerade Lenin eine Art letzter Konsequenz von Marx, auch wie er sich selber ansieht. Und Lenin macht gerade aufmerksam auf zwei Dinge bei Marx. Er macht zunächst darauf aufmerksam, daß die moderne soziale Bewegung dahin streben muß, durch die Diktatur des Proletariats den Staat selbst zu proletarisieren. Der Staat wird aber nur - ich muß das kurz andeuten - von der Diktatur des Proletariats in Anspruch genommen, weil er dadurch seine letzten Konsequenzen zieht. Was im Staate keimhaft veranlagt ist, davon werden die letzten Konsequenzen durch den Sozialdemokratismus gezogen: nämlich, der Staat ertötet sich selbst, er löst sich auf.
[ 63 ] Aber nun muß man doch sehen, wie gewisse Gedanken, die alle als Symptome für gewisse dahinterliegende Tatsachen anzusehen sind, wie diese Gedankensymptome sich darleben. Sie kennen heute sehr radikale Ausgestaltungen des Sozialismus. Glauben Sie nicht, wie das etwa im Unterbewußtsein bei manchem aufsteigen könnte, der dies - was vielleicht auch der Herr Vorredner gar nicht so gemeint hat - mißdeutet, glauben Sie nicht, daß ich so schreckhaft empfinde dasjenige, was in der Gegenwart hervortritt - obwohl ich es gerade mit dem Gewicht belastet betrachten muß, wie ich es im Vortrag angegeben habe - wie manche Menschen der leitenden Kreise. Ich kann schon mit einer gewissen Objektivität auf die Konsequenzen der sozialen Denkweise und der sozialen Entwickelung hinsehen, die sich heute zum Beispiel ergeben. Ich will da auf etwas hinweisen, was Ihnen vielleicht bedeutsam erscheinen könnte. Sehen Sie, Lenin und Trotzki sind doch auch Sozialisten. Und wer nicht, möchte ich sagen, sich einschüchtern läßt von dem, was jetzt vom Osten Europas erzählt wird, und das alles den «verruchten Bolschewisten» zuschreibt, sondern wer da weiß, daß alles das, was man heute geneigt ist, den russischen Sozialisten zuzuschreiben, zum großen Teil noch auf das Konto des Zarismus und desjenigen zu schreiben ist, was vorangegangen ist, wird vielleicht doch einigermaßen objektiver hinschauen auf das, was geschieht! Und wer objektiv schaut, wird dann vor allen Dingen sich sagen müssen: Nach einer gewissen Richtung hin ist gerade Lenin eine Art letzter Konsequenz von Marx, auch wie er sich selber ansieht. Und Lenin macht gerade aufmerksam auf zwei Dinge bei Marx. Er macht zunächst darauf aufmerksam, daß die moderne soziale Bewegung dahin streben muß, durch die Diktatur des Proletariats den Staat selbst zu proletarisieren. Der Staat wird aber nur - ich muß das kurz andeuten - von der Diktatur des Proletariats in Anspruch genommen, weil er dadurch seine letzten Konsequenzen zieht. Was im Staate keimhaft veranlagt ist, davon werden die letzten Konsequenzen durch den Sozialdemokratismus gezogen: nämlich, der Staat ertötet sich selbst, er löst sich auf.
[ 64 ] Nun, die verschiedenen Schattenseiten dieses sozialistischen Staates, die müssen hervortreten. Darüber gibt sich zum Beispiel Lenin keiner Täuschung hin. Das ist auch besser, als wenn man sich, wie so viele Leute, eben Illusionen hingibt. Aber er arbeitet darauf hin, einen solchen Staat zu gestalten, der Todeskeime in sich trägt, der sich auflöst. Dann kommt erst das wirklich neue Stadium, wo nicht die Arbeit gleich bezahlt wird, sondern wo die Devise gilt: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. - Und in diesem Augenblicke, wo das auftritt: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen - was nicht nur ein sozialistisches, sondern ein ganz allgemeines Ideal sein muß -, in dem Augenblick, da macht Lenin, ähnlich wie schon Marx, eine sonderbare Bemerkung, die viel tiefer blicken läßt, als man gewöhnlich blickt. Er macht die Bemerkung: Diese soziale Ordnung, welche nur eintreten kann so, daß jeder nach seinen Bedürfnissen und seinen Fähigkeiten in die gesellschaftliche Ordnung hineingestellt wird, die kann natürlich nicht mit heutigen Menschen erreicht werden; dazu ist ein ganz neuer Menschenschlag notwendig, der erst entstehen muß.
[ 64 ] Nun, die verschiedenen Schattenseiten dieses sozialistischen Staates, die müssen hervortreten. Darüber gibt sich zum Beispiel Lenin keiner Täuschung hin. Das ist auch besser, als wenn man sich, wie so viele Leute, eben Illusionen hingibt. Aber er arbeitet darauf hin, einen solchen Staat zu gestalten, der Todeskeime in sich trägt, der sich auflöst. Dann kommt erst das wirklich neue Stadium, wo nicht die Arbeit gleich bezahlt wird, sondern wo die Devise gilt: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. - Und in diesem Augenblicke, wo das auftritt: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen - was nicht nur ein sozialistisches, sondern ein ganz allgemeines Ideal sein muß -, in dem Augenblick, da macht Lenin, ähnlich wie schon Marx, eine sonderbare Bemerkung, die viel tiefer blicken läßt, als man gewöhnlich blickt. Er macht die Bemerkung: Diese soziale Ordnung, welche nur eintreten kann so, daß jeder nach seinen Bedürfnissen und seinen Fähigkeiten in die gesellschaftliche Ordnung hineingestellt wird, die kann natürlich nicht mit heutigen Menschen erreicht werden; dazu ist ein ganz neuer Menschenschlag notwendig, der erst entstehen muß.
[ 65 ] Ja, sehen Sie, wer nicht warten will und warten kann auf einen «neuen Menschenschlag», weil unter Umständen sonst die Zeit eintreten könnte, wo es besser wäre, den allgemeinen Selbstmord, von dem ich gesprochen habe, festzusetzen, der wird seine Gedanken dem gegenwärtigen Leben zuwenden, und wird versuchen, aus diesem gegenwärtigen Leben eine Anschauung darüber zu gewinnen, was die Fehler waren. Und in dieser Beziehung glaube ich doch, daß schon aus meinen, allerdings kurzen und skizzenhaften Gedankengängen ersichtlich sein könnte, indem ich auf die Frage hingewiesen habe: Was soll der Staat machen, und was soll er nicht tun? Wie durch die Verquickung des Wirtschaftslebens mit dem Staate, durch die Verquickung des geistigen Lebens mit dem Staate gerade die Schäden der sozialen Ordnung entstanden sind - ich versuchte es anzudeuten; es könnte hundertfach vermehrt werden, was ich an Beispielen angeführt habe.
[ 65 ] Ja, sehen Sie, wer nicht warten will und warten kann auf einen «neuen Menschenschlag», weil unter Umständen sonst die Zeit eintreten könnte, wo es besser wäre, den allgemeinen Selbstmord, von dem ich gesprochen habe, festzusetzen, der wird seine Gedanken dem gegenwärtigen Leben zuwenden, und wird versuchen, aus diesem gegenwärtigen Leben eine Anschauung darüber zu gewinnen, was die Fehler waren. Und in dieser Beziehung glaube ich doch, daß schon aus meinen, allerdings kurzen und skizzenhaften Gedankengängen ersichtlich sein könnte, indem ich auf die Frage hingewiesen habe: Was soll der Staat machen, und was soll er nicht tun? Wie durch die Verquickung des Wirtschaftslebens mit dem Staate, durch die Verquickung des geistigen Lebens mit dem Staate gerade die Schäden der sozialen Ordnung entstanden sind - ich versuchte es anzudeuten; es könnte hundertfach vermehrt werden, was ich an Beispielen angeführt habe.
[ 66 ] Liegt es da nicht ganz nahe, daß man darüber nachdenken muß, wie diesen Schäden abgeholfen werden kann? Dadurch kann abgeholfen werden, daß man nicht weiter verschmilzt, sondern rückgängig macht das, was gerade eingetreten ist.
[ 66 ] Liegt es da nicht ganz nahe, daß man darüber nachdenken muß, wie diesen Schäden abgeholfen werden kann? Dadurch kann abgeholfen werden, daß man nicht weiter verschmilzt, sondern rückgängig macht das, was gerade eingetreten ist.
[ 67 ] Sie könnten es natürlich naiv nennen, aber ich glaube doch, aus meinem heutigen Vortrag war zu entnehmen, wie tief eigentlich gerade in die Untergründe des modernen Lebens das, was ich ausgeführt habe, eingreifend ist. Wie weit dies der Fall ist, muß allerdings der Beurteilung jedes einzelnen überlassen werden. Die Gedanken, die gegenwärtig verwirklicht und anerkannt sind, sind in der Tat nicht neue Gedanken; und mit diesen Ideen wird sich nichts Neues aufbauen lassen.
[ 67 ] Sie könnten es natürlich naiv nennen, aber ich glaube doch, aus meinem heutigen Vortrag war zu entnehmen, wie tief eigentlich gerade in die Untergründe des modernen Lebens das, was ich ausgeführt habe, eingreifend ist. Wie weit dies der Fall ist, muß allerdings der Beurteilung jedes einzelnen überlassen werden. Die Gedanken, die gegenwärtig verwirklicht und anerkannt sind, sind in der Tat nicht neue Gedanken; und mit diesen Ideen wird sich nichts Neues aufbauen lassen.
[ 68 ] Die Idee der Dreigliederung habe ich namentlich in der schweren Kriegszeit manchem Menschen vorgetragen, der in der Lage gewesen wäre, sie zu realisieren. Ich habe auch schon in einigen Kreisen Verständnis gefunden. Allein es führte heute noch keine Brücke von dem Verständnis durch den Kopf zu dem mutigen Willen, zu dem Willen, irgend etwas zu tun. Diese Brücke ist nicht geschlagen worden.
[ 68 ] Die Idee der Dreigliederung habe ich namentlich in der schweren Kriegszeit manchem Menschen vorgetragen, der in der Lage gewesen wäre, sie zu realisieren. Ich habe auch schon in einigen Kreisen Verständnis gefunden. Allein es führte heute noch keine Brücke von dem Verständnis durch den Kopf zu dem mutigen Willen, zu dem Willen, irgend etwas zu tun. Diese Brücke ist nicht geschlagen worden.
[ 69 ] Ich habe gerade in diesen Tagen eine merkwürdige Erfahrung gemacht, die Sie vielleicht darauf hinweisen könnte, wie das, was ich gesagt habe, doch ganz tief im wirklichen Leben drinnen steht, und nicht etwa ein Wegwischen ist, sondern gerade ein Aufnehmen oder vielmehr ein Weiterführen des sozialistischen Denkens ist: Ich habe gesprochen - was heute nicht gerade leicht ist - vor einer Arbeiterversammlung, die einfach von der Straße eingeladen worden ist. Da wandten sich - wie ich das jaauch während meiner Tätigkeit in Berlin vielfach erfahren habe - gerade die sozialistischen Führer mannigfaltig gegen meine Ausführungen. Und es trat, nachdem viel dawider eingewendet worden war, eine Russin auf, die - ich erzähle nur! - unter mancherlei anderem sagte: Man habe heute vielleicht so manches gehört, wogegen man dieses oder jenes einwenden könne, aber es wäre heute unmöglich, bloß bei den alten Gedanken oder auch bei den alten sozialistischen Gedanken stehenzubleiben, sondern es sei nötig, zu neuen Gedanken vorzuschreiten.
[ 69 ] Ich habe gerade in diesen Tagen eine merkwürdige Erfahrung gemacht, die Sie vielleicht darauf hinweisen könnte, wie das, was ich gesagt habe, doch ganz tief im wirklichen Leben drinnen steht, und nicht etwa ein Wegwischen ist, sondern gerade ein Aufnehmen oder vielmehr ein Weiterführen des sozialistischen Denkens ist: Ich habe gesprochen - was heute nicht gerade leicht ist - vor einer Arbeiterversammlung, die einfach von der Straße eingeladen worden ist. Da wandten sich - wie ich das jaauch während meiner Tätigkeit in Berlin vielfach erfahren habe - gerade die sozialistischen Führer mannigfaltig gegen meine Ausführungen. Und es trat, nachdem viel dawider eingewendet worden war, eine Russin auf, die - ich erzähle nur! - unter mancherlei anderem sagte: Man habe heute vielleicht so manches gehört, wogegen man dieses oder jenes einwenden könne, aber es wäre heute unmöglich, bloß bei den alten Gedanken oder auch bei den alten sozialistischen Gedanken stehenzubleiben, sondern es sei nötig, zu neuen Gedanken vorzuschreiten.
[ 70 ] Wir werden zu keinem wirklichen, gründlichen Neuaufbau des Hauses, sondern nur zu neuen Türen und so weiter kommen, die doch nichts helfen können, wenn das Ganze einstürzt, wenn wir uns nicht wirklich auf neue Gedanken einlassen. Und deshalb habe ich zu manchem in der schweren Zeit gesagt, daß manches Unglück, das im Laufe der letzten Jahre geschehen ist, hätte vermieden werden können, wenn viele Menschen so gedacht hätten, wie die Russin, von der ich gesprochen habe. Ich bin überzeugt davon, daß man es verstanden hätte, wenn seinerzeit die mitteleuropäischen Unterhändler die von mir hier vertretenen Gedanken - einem davon wenigsten waren sie sehr gut bekannt - zum Inhalt der auswärtigen Politik, zum Inhalt des Friedens von Brest-Litowsk gemacht hätten. Wenn diese Gedanken nach außen hin entfaltet worden wären, hätte man sie verstanden.
[ 70 ] Wir werden zu keinem wirklichen, gründlichen Neuaufbau des Hauses, sondern nur zu neuen Türen und so weiter kommen, die doch nichts helfen können, wenn das Ganze einstürzt, wenn wir uns nicht wirklich auf neue Gedanken einlassen. Und deshalb habe ich zu manchem in der schweren Zeit gesagt, daß manches Unglück, das im Laufe der letzten Jahre geschehen ist, hätte vermieden werden können, wenn viele Menschen so gedacht hätten, wie die Russin, von der ich gesprochen habe. Ich bin überzeugt davon, daß man es verstanden hätte, wenn seinerzeit die mitteleuropäischen Unterhändler die von mir hier vertretenen Gedanken - einem davon wenigsten waren sie sehr gut bekannt - zum Inhalt der auswärtigen Politik, zum Inhalt des Friedens von Brest-Litowsk gemacht hätten. Wenn diese Gedanken nach außen hin entfaltet worden wären, hätte man sie verstanden.
[ 71 ] Solche Dinge kann man selbstverständlich nicht in einem Vortrage in allen Einzelheiten begreiflich machen; aber man hat so das Gefühl, daß in der Gegenwart leben müßte in der menschlichen Seele wirkliches Leben, wie es einfach in der Wirklichkeit wurzelte. Ich halte mich durchaus nicht für so gescheit, daß ich besser als andere weiß, was in den Einzelheiten zu geschehen hat!
[ 71 ] Solche Dinge kann man selbstverständlich nicht in einem Vortrage in allen Einzelheiten begreiflich machen; aber man hat so das Gefühl, daß in der Gegenwart leben müßte in der menschlichen Seele wirkliches Leben, wie es einfach in der Wirklichkeit wurzelte. Ich halte mich durchaus nicht für so gescheit, daß ich besser als andere weiß, was in den Einzelheiten zu geschehen hat!
[ 72 ] Deshalb, weil ich kein Programm-Mensch bin, weil ich keine Programme und Utopien gebe, sondern weil ich einer bin, der haben will, daß die Wirklichkeit als Wirklichkeit erfaßt wird, deshalb liegt mir gar nichts daran, daß alle meine Anregungen bis in die Einzelheiten ausgeführt werden. Wenn man an irgendeinem Punkte anfangen wird, so zu arbeiten, wie es im Sinne dessen liegt, was ich heute gesagt habe, dann möge von dem Inhalt, den ich vermittelt habe, kein Stein auf dem anderen bleiben; etwas ganz anderes wird sich vielleicht ergeben, aber es wird dann doch etwas sein, was dem wirklichen Leben gegenüber gerechtfertigt ist.
[ 72 ] Deshalb, weil ich kein Programm-Mensch bin, weil ich keine Programme und Utopien gebe, sondern weil ich einer bin, der haben will, daß die Wirklichkeit als Wirklichkeit erfaßt wird, deshalb liegt mir gar nichts daran, daß alle meine Anregungen bis in die Einzelheiten ausgeführt werden. Wenn man an irgendeinem Punkte anfangen wird, so zu arbeiten, wie es im Sinne dessen liegt, was ich heute gesagt habe, dann möge von dem Inhalt, den ich vermittelt habe, kein Stein auf dem anderen bleiben; etwas ganz anderes wird sich vielleicht ergeben, aber es wird dann doch etwas sein, was dem wirklichen Leben gegenüber gerechtfertigt ist.
[ 73 ] Bei Programmen, ob sozialistischen oder anderen Programmen, will man immer darauf sehen, daß das einzelne, was ausgedacht wurde, programmäßig verwirklicht wird; hier handelt es sich darum, die Wirklichkeit an einem Punkte anzufassen. Dann mag dasjenige, was daraus kommt, etwas ganz anderes werden! Und so steht das, was ich gesagt habe, nur scheinbar so unverständlich da, weil die Sache gar nicht so aufzufassen ist wie andere Programme. Man kann sagen: es ist heute leicht, ein Programm mit ein paar Gedanken nicht nur einzuführen, sondern sogar zu beweisen. Schwer ist es aber, an die menschlichen Seelen zu appellieren, und so zu appellieren, wie ich es habe tun wollen, nämlich diese Seelen auf sich selbst zurück zuweisen, ihnen Anregungen zu geben. Dann werden sie vielleicht etwas ganz anderes denken. Aber es ist im Grunde genommen heute das Allernotwendigste, daß der Mensch weiß: Man muß von einer Wirklichkeit ausgehen, dann wird sich das andere schon ergeben.
[ 73 ] Bei Programmen, ob sozialistischen oder anderen Programmen, will man immer darauf sehen, daß das einzelne, was ausgedacht wurde, programmäßig verwirklicht wird; hier handelt es sich darum, die Wirklichkeit an einem Punkte anzufassen. Dann mag dasjenige, was daraus kommt, etwas ganz anderes werden! Und so steht das, was ich gesagt habe, nur scheinbar so unverständlich da, weil die Sache gar nicht so aufzufassen ist wie andere Programme. Man kann sagen: es ist heute leicht, ein Programm mit ein paar Gedanken nicht nur einzuführen, sondern sogar zu beweisen. Schwer ist es aber, an die menschlichen Seelen zu appellieren, und so zu appellieren, wie ich es habe tun wollen, nämlich diese Seelen auf sich selbst zurück zuweisen, ihnen Anregungen zu geben. Dann werden sie vielleicht etwas ganz anderes denken. Aber es ist im Grunde genommen heute das Allernotwendigste, daß der Mensch weiß: Man muß von einer Wirklichkeit ausgehen, dann wird sich das andere schon ergeben.
[ 74 ] Deshalb braucht durchaus nicht etwas verachtet zu werden, wie die Bodenreformer es anstreben. In einer Unterredung, die ich vor langen Jahren in Berlin einmal mit Damaschke hatte, machte ich ihn darauf aufmerksam, daß seine Gedanken ganz gewiß sehr viel Tragkraft haben, daß sie aber deshalb nicht ins wirkliche Leben voll eingreifen können und es durchgreifend verstehen können, weil der Boden nicht elastisch ist. Das ist er ja nicht; und deshalb, sagte ich ihm, ist es nicht möglich, sie unmittelbar in Wirklichkeit umzusetzen.
[ 74 ] Deshalb braucht durchaus nicht etwas verachtet zu werden, wie die Bodenreformer es anstreben. In einer Unterredung, die ich vor langen Jahren in Berlin einmal mit Damaschke hatte, machte ich ihn darauf aufmerksam, daß seine Gedanken ganz gewiß sehr viel Tragkraft haben, daß sie aber deshalb nicht ins wirkliche Leben voll eingreifen können und es durchgreifend verstehen können, weil der Boden nicht elastisch ist. Das ist er ja nicht; und deshalb, sagte ich ihm, ist es nicht möglich, sie unmittelbar in Wirklichkeit umzusetzen.
[ 75 ] Nun, man kommt auf keine andere Weise zurecht, als wenn man gerade die Tendenz der Zeit ins Auge faßt, die sich dadurch ergibt, daf3 die Menschen in eine Sackgasse gekommen sind durch die Konfundierung von Rechtsleben, Wirtschaftsleben und geistigem Leben. Dann ergibt sich etwas, was durchaus nicht so schwer zu beweisen ist, nämlich, daß man sie nun nicht weiterhin konfundieren soll, sondern den Rückweg antreten soll!
[ 75 ] Nun, man kommt auf keine andere Weise zurecht, als wenn man gerade die Tendenz der Zeit ins Auge faßt, die sich dadurch ergibt, daf3 die Menschen in eine Sackgasse gekommen sind durch die Konfundierung von Rechtsleben, Wirtschaftsleben und geistigem Leben. Dann ergibt sich etwas, was durchaus nicht so schwer zu beweisen ist, nämlich, daß man sie nun nicht weiterhin konfundieren soll, sondern den Rückweg antreten soll!
[ 76 ] Das, was ich sagte, will Gedanken darüber weiterführen, wie eigentlich sozialisiert werden soll, wie man in die Lage kommt, daß in berechtigter Weise nicht menschliche Arbeit verwendet werden darf im Sinne der Gewalt eines anderen. Und wie gesagt: So unvollkommen das bleiben muß, weil man es in einem Vortrage nicht erschöpfend behandeln kann, so meine ich doch, daß es heute nötig ist, mit ein wenig gutem Willen an die Dinge heranzugehen; denn die Tatsachen sprechen zu laut! Und selbst gegenüber dem, was auf sozialistischem Gebiet durchaus anders erscheinen könnte als vor vier Jahren, sprechen die Tatsachen heute zu stark. Ich werde dies alles demnächst in einer Broschüre umfassend und zugleich in allen Einzelheiten ausführen, weil ich das für die Gegenwart für außerordentlich notwendig halte, die dann das, was jetzt wahrhaftig nur andeutungsweise erschienen ist, in den Einzelheiten beweisen wird.
[ 76 ] Das, was ich sagte, will Gedanken darüber weiterführen, wie eigentlich sozialisiert werden soll, wie man in die Lage kommt, daß in berechtigter Weise nicht menschliche Arbeit verwendet werden darf im Sinne der Gewalt eines anderen. Und wie gesagt: So unvollkommen das bleiben muß, weil man es in einem Vortrage nicht erschöpfend behandeln kann, so meine ich doch, daß es heute nötig ist, mit ein wenig gutem Willen an die Dinge heranzugehen; denn die Tatsachen sprechen zu laut! Und selbst gegenüber dem, was auf sozialistischem Gebiet durchaus anders erscheinen könnte als vor vier Jahren, sprechen die Tatsachen heute zu stark. Ich werde dies alles demnächst in einer Broschüre umfassend und zugleich in allen Einzelheiten ausführen, weil ich das für die Gegenwart für außerordentlich notwendig halte, die dann das, was jetzt wahrhaftig nur andeutungsweise erschienen ist, in den Einzelheiten beweisen wird.
[ 77 ] Ich glaube, man muß heute eines nicht aus dem Auge verlieren. Ich hatte da gestern ein besonderes Erlebnis. Als ich ein kleiner Bub war, da lernte ich immer in meinen Religionsbüchern das Folgende: Da lernte ich, daß man doch einsehen müsse, daß Christus entweder ein Narr oder ein Heuchler sein müsse, oder aber das sein müsse, als was er sich selber ausgegeben hat. Und da steht in diesen Religionsbüchern drinnen: Und da man ihn weder für einen Narren noch für einen Heuchler halten kann, muß er der Sohn des lebendigen Gottes sein. - Das habe ich gestern auch als die Lösung der sozialen Fragen antworten gehört hier in Bern! Ich habe es vor mehr als fünfzig Jahren schon in meinen Schulbüchern gelesen, ich höre es heute wiederum wiederholen - als die richtige Lösung der sozialen Frage. Zwischen dem Zeitpunkt, da ich es in meinen Religionsbüchern in der Schule gelesen habe, und dieser fast wortwörtlichen Wiederholung, die man in der schweren Zeit immer wieder und wiederum hören konnte, ich möchte sagen: wortwörtlich genau, zwischen den zwei Zeitpunkten liegt aber die Erfahrung, die die Menschheit durch die große Katastrophe, die wir durchlebt haben, gemacht haben sollte. Von dieser großen Katastrophe sollte man etwas lernen! Man sollte vor allen Dingen, glaube ich, williger geworden sein mit Bezug auf das Einsehen von Gedanken, die vielleicht etwas skizzenhaft sich ausnahmen heute, die aber doch vielleicht durch die Art und Weise, wie sie auf die Dinge hinweisen, zeigen, daß sie wenigstens den Versuch machen, in die Untergründe der Dinge unterzutauchen.
[ 77 ] Ich glaube, man muß heute eines nicht aus dem Auge verlieren. Ich hatte da gestern ein besonderes Erlebnis. Als ich ein kleiner Bub war, da lernte ich immer in meinen Religionsbüchern das Folgende: Da lernte ich, daß man doch einsehen müsse, daß Christus entweder ein Narr oder ein Heuchler sein müsse, oder aber das sein müsse, als was er sich selber ausgegeben hat. Und da steht in diesen Religionsbüchern drinnen: Und da man ihn weder für einen Narren noch für einen Heuchler halten kann, muß er der Sohn des lebendigen Gottes sein. - Das habe ich gestern auch als die Lösung der sozialen Fragen antworten gehört hier in Bern! Ich habe es vor mehr als fünfzig Jahren schon in meinen Schulbüchern gelesen, ich höre es heute wiederum wiederholen - als die richtige Lösung der sozialen Frage. Zwischen dem Zeitpunkt, da ich es in meinen Religionsbüchern in der Schule gelesen habe, und dieser fast wortwörtlichen Wiederholung, die man in der schweren Zeit immer wieder und wiederum hören konnte, ich möchte sagen: wortwörtlich genau, zwischen den zwei Zeitpunkten liegt aber die Erfahrung, die die Menschheit durch die große Katastrophe, die wir durchlebt haben, gemacht haben sollte. Von dieser großen Katastrophe sollte man etwas lernen! Man sollte vor allen Dingen, glaube ich, williger geworden sein mit Bezug auf das Einsehen von Gedanken, die vielleicht etwas skizzenhaft sich ausnahmen heute, die aber doch vielleicht durch die Art und Weise, wie sie auf die Dinge hinweisen, zeigen, daß sie wenigstens den Versuch machen, in die Untergründe der Dinge unterzutauchen.
[ 78 ] 2. Redner (Baron von Wrangell): Sieht in der von Herrn Dr. Steiner vorgeschlagenen Dreigliederung des sozialen Organismus die richtige Lösung. Wie der Gedanke verwirklicht werden kann, scheint ihm eine andere Frage zu sein. Der Grundfehler des Sozialismus liege darin, daß er zu einer Überbewertung des Staates führe.
[ 78 ] 2. Redner (Baron von Wrangell): Sieht in der von Herrn Dr. Steiner vorgeschlagenen Dreigliederung des sozialen Organismus die richtige Lösung. Wie der Gedanke verwirklicht werden kann, scheint ihm eine andere Frage zu sein. Der Grundfehler des Sozialismus liege darin, daß er zu einer Überbewertung des Staates führe.
[ 79 ] 3. und 4. Redner: Wandten im wesentlichen ein, daß eine Verwirklichung der Idee der Dreigliederung die Verhältnisse unnötig verkomplizieren würde, was gegen diese Lösung spreche. Die Dreigliederung würde zu einer Zersplitterung führen, während das Leben des Menschen eine Einheit bilden solle.
[ 79 ] 3. und 4. Redner: Wandten im wesentlichen ein, daß eine Verwirklichung der Idee der Dreigliederung die Verhältnisse unnötig verkomplizieren würde, was gegen diese Lösung spreche. Die Dreigliederung würde zu einer Zersplitterung führen, während das Leben des Menschen eine Einheit bilden solle.
[ 80 ] Rudolf Steiner: Nun, ich glaube, vielleicht doch ganz kurz noch etwas sagen zu müssen. Ich kann ganz gut verstehen, was der verehrte Herr Vorredner will; aber ich habe das Gefühl, daß er sich selber nicht ganz gut versteht! Ich meine, er sollte die ganze Lage, in der wir sind, beurteilen aus etwas größeren Gesichtspunkten heraus. Wir Menschen haben wirklich nicht bloß die Aufgabe, uns das Leben bequem einzurichten. Es gibt noch manches andere im Leben, als es sich bequem einzurichten! Und ich glaube, ein großer Teil der Schäden, unter denen wir heute leiden, kommt eben gerade davon her, daß ein großer Teil der Menschheit nur danach strebt, das Leben bequem einzurichten, eben in ihrer Art. Aber dasjenige, worauf es ankommt, scheint mir etwas anderes zu sein.
[ 80 ] Rudolf Steiner: Nun, ich glaube, vielleicht doch ganz kurz noch etwas sagen zu müssen. Ich kann ganz gut verstehen, was der verehrte Herr Vorredner will; aber ich habe das Gefühl, daß er sich selber nicht ganz gut versteht! Ich meine, er sollte die ganze Lage, in der wir sind, beurteilen aus etwas größeren Gesichtspunkten heraus. Wir Menschen haben wirklich nicht bloß die Aufgabe, uns das Leben bequem einzurichten. Es gibt noch manches andere im Leben, als es sich bequem einzurichten! Und ich glaube, ein großer Teil der Schäden, unter denen wir heute leiden, kommt eben gerade davon her, daß ein großer Teil der Menschheit nur danach strebt, das Leben bequem einzurichten, eben in ihrer Art. Aber dasjenige, worauf es ankommt, scheint mir etwas anderes zu sein.
[ 81 ] Sehen Sie, ich würde Sie nicht behelligen mit irgendeinem Einfall über eine Dreiteilung, wenn diese drei Teile nicht veranlagt wären in der Wirklichkeit des sozialen Organismus. Daß diese Dreigliederung geschehen will, das ist etwas, was nicht von uns abhängt, das können wir nicht ändern, das macht sich selber. Ich hatte wirklich, ich muß noch einmal darauf zurückkommen, in dieser schweren Zeit Gelegenheit, mit manchem Menschen zu sprechen, von dem ich glaubte, er solle irgend etwas von den Stellen aus tun, die heute so sehr die autoritativen sind - es war vor zweieinhalb Jahren schon, es wäre noch die Möglichkeit gewesen, etwas zu tun -, und sagte manchem: Sehen Sie, das, was hier ausgesprochen wird, ist nicht eine einfache Sache. Es ist entstanden durch eine durch Jahrzehnte hindurch gehende Beobachtung dessen, was sich über Europa hin im Laufe der nächsten zehn, zwanzig, dreißig Jahre verwirklichen will. Wer nämlich den Gang der Ereignisse betrachtet - und anders kann man gar nicht zum Verständnis der sozialen Dreigliederung kommen, als aus dem ganzen Gegenwärtigen auch die Entwickelungsmöglichkeiten für die Zukunft zu erkennen -, der sieht, daß, ob wir wollen oder nicht, diese Dreigliederung sich vollzieht. Sie hat sich in früheren Zeiten instinktiv ergeben; immer mehr und mehr hat sich in der neueren Zeit eine Konfundierung, eine Zusammenschmelzung der drei Teile ergeben. Jetzt wollen diese drei Teile wieder in der ihnen entsprechenden Weise auseinandergehen, zu ihrer Selbständigkeit kommen. - Und ich sagte das manchem mit dem drastischen Wort: Sehen Sie, derjenige, der jetzt am Ruder ist, könnte manches nach dieser Richtung noch mit Vernunft tun; die Menschen haben die Wahl - auch schon Goethe hat mit Bezug auf die Revolution gesagt: Entweder Evolution oder Revolution -, sie haben die Wahl, entweder jetzt durch Vernunft das zu tun, oder sie werden Revolutionen und Kataklysmen erleben. Nicht nur diejenigen, die bisher am Ruder waren, werden die Kataklysmen erleben, sondern auch diejenigen, die an den Dogmen des Sozialismus bloß festhalten wollen, werden die Kataklysmen erleben. Es handelt sich darum, daß diese Dreigliederung des sozialen Organismus sich selber vollzieht. Und Sie können ja auch sehen: Dasjenige, was natürlich ist, das tritt immer unter gewissen außerordentlichen Verhältnissen in gewissen Einseitigkeiten der Entwickelung auf; diese drei Glieder wollen sich immer mehr verselbständigen. Und sie verselbständigen sich in einer unnatürlichen Weise, wenn man ihnen nicht ihre natürliche Selbständigkeit gibt, wenn man sie konfundiert, wenn man sie zusammenwirft; sie entwickeln sich in einer die Menschheit aufhaltenden Weise. Die geistige Macht, die geistige Organisation entwickelt sich, sei es als Kirchenstaat oder Staatskirche oder was immer, verselbständigt sich, und wenn sie auch nicht das Ganze des Geisteslebens umfassen kann, so sucht sie doch so viel zu erhaschen, als sie erhaschen kann. Das andere, das Rechtsleben nimmt der Staat in Anspruch, macht wiederum dem Staate dienstbar das, was sich zu verselbständigen suchen wird. Was im politischen Leben in unnatürlicher Weise sich verwirklichen will, das ist alles das, was heute der viel verpönte Militarismus ist. Denn sehen Sie, über diesen Militarismus und sein einseitiges Verhältnis zum Staatsleben hat sich gerade während des Krieges manche Meinung in gesunder Weise geäußert. Aber wenn man diesen Meinungen mit gesundem Menschenverstand auf den Grund geht, dann merkt man auch, daß der Militarismus nichts anderes ist, als die einseitige Verwirklichung dessen, dem man seine natürliche Selbständigkeit nicht geben will, des politischen Lebens wiederum. Und Clausewitz sagte: Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln; bei Clausewitz steht es in einem gewissen Zusammenhang; da kann man noch auf diese Dinge eingehen, nicht wie in den letzten Jahren, in denen man viele solche Einseitigkeiten sagen hörte. Man kann auch sagen: Der Ehestreit und die Scheidung sind die Fortsetzung der Ehe mit anderen Mitteln! Solche Einseitigkeiten wurden einem in den letzten Jahren sehr viele gesagt; da wirft man eben alles durcheinander. Das aber, worauf alles beruht, wenn man fruchtbar im Leben Ansichten entwickeln will, die auch dann in wirkliche Einrichtungen übergehen, das ist, daß man diese Verhältnisse gesund ansieht. Und so wollen sich diese Dinge wirklich verselbständigen, selbständig entwickeln. Der Wirtschaftsorganismus hat in der neueren Zeit eine so große Überflutung des ganzen öffentlichen Lebens bewirkt, daß heute schon viele überhaupt gar nichts mehr sehen als einen Wirtschaftsorganismus. Und dann sehen sie in dem, was sonst da sein kann, nur eine Verwaltung des Wirtschaftsorganismus.
[ 81 ] Sehen Sie, ich würde Sie nicht behelligen mit irgendeinem Einfall über eine Dreiteilung, wenn diese drei Teile nicht veranlagt wären in der Wirklichkeit des sozialen Organismus. Daß diese Dreigliederung geschehen will, das ist etwas, was nicht von uns abhängt, das können wir nicht ändern, das macht sich selber. Ich hatte wirklich, ich muß noch einmal darauf zurückkommen, in dieser schweren Zeit Gelegenheit, mit manchem Menschen zu sprechen, von dem ich glaubte, er solle irgend etwas von den Stellen aus tun, die heute so sehr die autoritativen sind - es war vor zweieinhalb Jahren schon, es wäre noch die Möglichkeit gewesen, etwas zu tun -, und sagte manchem: Sehen Sie, das, was hier ausgesprochen wird, ist nicht eine einfache Sache. Es ist entstanden durch eine durch Jahrzehnte hindurch gehende Beobachtung dessen, was sich über Europa hin im Laufe der nächsten zehn, zwanzig, dreißig Jahre verwirklichen will. Wer nämlich den Gang der Ereignisse betrachtet - und anders kann man gar nicht zum Verständnis der sozialen Dreigliederung kommen, als aus dem ganzen Gegenwärtigen auch die Entwickelungsmöglichkeiten für die Zukunft zu erkennen -, der sieht, daß, ob wir wollen oder nicht, diese Dreigliederung sich vollzieht. Sie hat sich in früheren Zeiten instinktiv ergeben; immer mehr und mehr hat sich in der neueren Zeit eine Konfundierung, eine Zusammenschmelzung der drei Teile ergeben. Jetzt wollen diese drei Teile wieder in der ihnen entsprechenden Weise auseinandergehen, zu ihrer Selbständigkeit kommen. - Und ich sagte das manchem mit dem drastischen Wort: Sehen Sie, derjenige, der jetzt am Ruder ist, könnte manches nach dieser Richtung noch mit Vernunft tun; die Menschen haben die Wahl - auch schon Goethe hat mit Bezug auf die Revolution gesagt: Entweder Evolution oder Revolution -, sie haben die Wahl, entweder jetzt durch Vernunft das zu tun, oder sie werden Revolutionen und Kataklysmen erleben. Nicht nur diejenigen, die bisher am Ruder waren, werden die Kataklysmen erleben, sondern auch diejenigen, die an den Dogmen des Sozialismus bloß festhalten wollen, werden die Kataklysmen erleben. Es handelt sich darum, daß diese Dreigliederung des sozialen Organismus sich selber vollzieht. Und Sie können ja auch sehen: Dasjenige, was natürlich ist, das tritt immer unter gewissen außerordentlichen Verhältnissen in gewissen Einseitigkeiten der Entwickelung auf; diese drei Glieder wollen sich immer mehr verselbständigen. Und sie verselbständigen sich in einer unnatürlichen Weise, wenn man ihnen nicht ihre natürliche Selbständigkeit gibt, wenn man sie konfundiert, wenn man sie zusammenwirft; sie entwickeln sich in einer die Menschheit aufhaltenden Weise. Die geistige Macht, die geistige Organisation entwickelt sich, sei es als Kirchenstaat oder Staatskirche oder was immer, verselbständigt sich, und wenn sie auch nicht das Ganze des Geisteslebens umfassen kann, so sucht sie doch so viel zu erhaschen, als sie erhaschen kann. Das andere, das Rechtsleben nimmt der Staat in Anspruch, macht wiederum dem Staate dienstbar das, was sich zu verselbständigen suchen wird. Was im politischen Leben in unnatürlicher Weise sich verwirklichen will, das ist alles das, was heute der viel verpönte Militarismus ist. Denn sehen Sie, über diesen Militarismus und sein einseitiges Verhältnis zum Staatsleben hat sich gerade während des Krieges manche Meinung in gesunder Weise geäußert. Aber wenn man diesen Meinungen mit gesundem Menschenverstand auf den Grund geht, dann merkt man auch, daß der Militarismus nichts anderes ist, als die einseitige Verwirklichung dessen, dem man seine natürliche Selbständigkeit nicht geben will, des politischen Lebens wiederum. Und Clausewitz sagte: Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln; bei Clausewitz steht es in einem gewissen Zusammenhang; da kann man noch auf diese Dinge eingehen, nicht wie in den letzten Jahren, in denen man viele solche Einseitigkeiten sagen hörte. Man kann auch sagen: Der Ehestreit und die Scheidung sind die Fortsetzung der Ehe mit anderen Mitteln! Solche Einseitigkeiten wurden einem in den letzten Jahren sehr viele gesagt; da wirft man eben alles durcheinander. Das aber, worauf alles beruht, wenn man fruchtbar im Leben Ansichten entwickeln will, die auch dann in wirkliche Einrichtungen übergehen, das ist, daß man diese Verhältnisse gesund ansieht. Und so wollen sich diese Dinge wirklich verselbständigen, selbständig entwickeln. Der Wirtschaftsorganismus hat in der neueren Zeit eine so große Überflutung des ganzen öffentlichen Lebens bewirkt, daß heute schon viele überhaupt gar nichts mehr sehen als einen Wirtschaftsorganismus. Und dann sehen sie in dem, was sonst da sein kann, nur eine Verwaltung des Wirtschaftsorganismus.
[ 82 ] Das ist, was Sie zum Beweise führen kann. Aber vor allen Dingen, wenn ich nichts anderes erreicht habe, als daß es manchen anregt, so ist mir das schon vollständig genügend. Mehr will ich gar nicht! Denn ich glaube gar nicht, daß man ein Richtiges sagen kann über das, was sozial geschehen soll. Ich möchte folgendes doch noch beifügen: Sie wissen, in der Gegenwart gibt es zwei Bolschewisten: der eine ist Lenin, der andere Trotzki. Ich kenne einen dritten, der allerdings nicht in der Gegenwart lebt, an den denken die wenigsten Menschen, wenn sie über die Bolschewisten sprechen, das ist Johann Gottlieb Fichte! Lesen Sie seinen «Geschlossenen Handelsstaat», und Sie haben, theoretisch betrachtet, ganz genau dasjenige, was Sie bei Lenin und Trotzki lesen können! Warum? Weil Fichte ein Staatssystem aus der eigenen Seele heraus spinnt! Aus den Kräften, mit denen Sie in der Philosophie zu den höchsten Höhen kommen können, entwickelt er ein Staatssystem, ein politisches, respektive ein soziales System. Warum geschah das so? Weil überhaupt aus dem einzelnen Menschen heraus gar nicht eine Ansicht zu gewinnen ist über dasjenige, was sozial fruchtbar ist! Das kann nur von Mensch zu Mensch gefunden werden. Wie die Sprache nicht entwickelt werden kann, wenn ein Mensch einsam auf einer Insel lebt, sondern wie die Sprache nur als soziale Erscheinung, nur im richtigen Zusammenleben der Menschen sich entwickeln kann, so ist dasjenige, was überhaupt sozial ist, nicht durch Herausspinnen aus einem einzelnen Menschen zu gewinnen! Man kann nicht aus sich heraus ein Programm aufstellen. Man kann aber darüber nachdenken, in welche soziale Ordnung die Menschen gestellt sein müssen, damit sie so natürlich zueinander stehen, daß sie von sich aus finden, was die richtige soziale Ordnung ist.
[ 82 ] Das ist, was Sie zum Beweise führen kann. Aber vor allen Dingen, wenn ich nichts anderes erreicht habe, als daß es manchen anregt, so ist mir das schon vollständig genügend. Mehr will ich gar nicht! Denn ich glaube gar nicht, daß man ein Richtiges sagen kann über das, was sozial geschehen soll. Ich möchte folgendes doch noch beifügen: Sie wissen, in der Gegenwart gibt es zwei Bolschewisten: der eine ist Lenin, der andere Trotzki. Ich kenne einen dritten, der allerdings nicht in der Gegenwart lebt, an den denken die wenigsten Menschen, wenn sie über die Bolschewisten sprechen, das ist Johann Gottlieb Fichte! Lesen Sie seinen «Geschlossenen Handelsstaat», und Sie haben, theoretisch betrachtet, ganz genau dasjenige, was Sie bei Lenin und Trotzki lesen können! Warum? Weil Fichte ein Staatssystem aus der eigenen Seele heraus spinnt! Aus den Kräften, mit denen Sie in der Philosophie zu den höchsten Höhen kommen können, entwickelt er ein Staatssystem, ein politisches, respektive ein soziales System. Warum geschah das so? Weil überhaupt aus dem einzelnen Menschen heraus gar nicht eine Ansicht zu gewinnen ist über dasjenige, was sozial fruchtbar ist! Das kann nur von Mensch zu Mensch gefunden werden. Wie die Sprache nicht entwickelt werden kann, wenn ein Mensch einsam auf einer Insel lebt, sondern wie die Sprache nur als soziale Erscheinung, nur im richtigen Zusammenleben der Menschen sich entwickeln kann, so ist dasjenige, was überhaupt sozial ist, nicht durch Herausspinnen aus einem einzelnen Menschen zu gewinnen! Man kann nicht aus sich heraus ein Programm aufstellen. Man kann aber darüber nachdenken, in welche soziale Ordnung die Menschen gestellt sein müssen, damit sie so natürlich zueinander stehen, daß sie von sich aus finden, was die richtige soziale Ordnung ist.
[ 83 ] Die soziale Frage wird nicht von der Tagesordnung verschwinden! Die ist da und muß weiterhin immer mehr gelöst werden. Aber das, was als Aufgabe vorliegt, ist, die Frage zu beantworten: Wie sollen die Menschen zueinander stehen im dreigliedrigen sozialen Organismus? Dann werden Sie immer mehr oder weniger die Lösung finden. Die Menschen müssen im sozialen Organismus so zueinander in Verbindung treten, daß aus ihrem Zusammenleben die Lösungen entstehen. Diese Vorarbeit zu leisten, das ist ja das, was die Aufgabe eines wirklich sozialen Denkens ist, jene Vorarbeit, die zeigt, wodurch die Menschen im wirklichen sozialen Leben die sozialen Fragen lösen können.
[ 83 ] Die soziale Frage wird nicht von der Tagesordnung verschwinden! Die ist da und muß weiterhin immer mehr gelöst werden. Aber das, was als Aufgabe vorliegt, ist, die Frage zu beantworten: Wie sollen die Menschen zueinander stehen im dreigliedrigen sozialen Organismus? Dann werden Sie immer mehr oder weniger die Lösung finden. Die Menschen müssen im sozialen Organismus so zueinander in Verbindung treten, daß aus ihrem Zusammenleben die Lösungen entstehen. Diese Vorarbeit zu leisten, das ist ja das, was die Aufgabe eines wirklich sozialen Denkens ist, jene Vorarbeit, die zeigt, wodurch die Menschen im wirklichen sozialen Leben die sozialen Fragen lösen können.
[ 84 ] Ich sagte schon, ich glaube nicht, daß ich so gescheit sein könnte, ein soziales Programm aufzustellen. Aber ich machte darauf aufmerksam, daß, wenn die Menschen in dieser naturgemäßen Dreiteilung leben, und wenn sie das, was in dieser naturgemäßen Dreigliederung als Einrichtungen ihren Impulsen entspricht, wirklich in der Welt entstehen lassen, daß dann durch die Menschen, in diesem dem gesunden sozialen Organismus angemessenen Zusammenwirken der Menschen, die soziale Ordnung erst entsteht! Da kann man mitarbeiten! Man kann es nicht so machen, wie die modernen Marxisten sagen: Wir machen zuerst einen großen Kladderadatsch, dann kommt die Diktatur des Proletariats, dann wird sich das Richtige schon ergeben. - Nein, zum mindesten das ist notwendig, daß diese Vorarbeit geleistet wird, daß man sich frägt: Wie müssen die Menschen dastehen im sozialen Organismus, so daß durch ihr Zusammenwirken das geschieht, was eben heute die wahrhaftig laut sprechenden Tatsachen von uns fordern?
[ 84 ] Ich sagte schon, ich glaube nicht, daß ich so gescheit sein könnte, ein soziales Programm aufzustellen. Aber ich machte darauf aufmerksam, daß, wenn die Menschen in dieser naturgemäßen Dreiteilung leben, und wenn sie das, was in dieser naturgemäßen Dreigliederung als Einrichtungen ihren Impulsen entspricht, wirklich in der Welt entstehen lassen, daß dann durch die Menschen, in diesem dem gesunden sozialen Organismus angemessenen Zusammenwirken der Menschen, die soziale Ordnung erst entsteht! Da kann man mitarbeiten! Man kann es nicht so machen, wie die modernen Marxisten sagen: Wir machen zuerst einen großen Kladderadatsch, dann kommt die Diktatur des Proletariats, dann wird sich das Richtige schon ergeben. - Nein, zum mindesten das ist notwendig, daß diese Vorarbeit geleistet wird, daß man sich frägt: Wie müssen die Menschen dastehen im sozialen Organismus, so daß durch ihr Zusammenwirken das geschieht, was eben heute die wahrhaftig laut sprechenden Tatsachen von uns fordern?
