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The Rudolf Steiner Archive

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The Liberation of Humanity as the
Basis for Social Transformation
GA 329

10 November 1919, Basel

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9. Der Geist als Führer Durch die Sinnes- und in die übersinnliche Welt

9. The Spirit as a Guide: Through the Sensory World and Into the Supersensory World

[ 1 ] Es gilt wohl heute noch in weiten Kreisen als das Zeichen eines besonders aufgeklärten Geistes, wenn man die Möglichkeit ablehnt, durch menschliche Erkenntnis einzudringen in die geistige, in die übersinnliche Welt. Man kann zwar sagen, daß in einzelnen Kreisen gerade der naturwissenschaftlichen Denkungsart gegenwärtig schon gegen diese sogenannte Aufklärung Front gemacht wird. Allein so viel auch vielleicht von dieser Seite über Geist und übersinnliche Welt von diesem oder jenem Gesichtspunkte aus gesprochen wird, man kann nicht sagen, daß ein wirklich befriedigender Weg in die Welt des Geistes in weiteren Kreisen heute schon auch nur versucht oder angestrebt wird.

[ 1 ] Even today, it is still widely regarded as a sign of a particularly enlightened mind to reject the possibility of penetrating the spiritual, the supersensible world, through human knowledge. It is true that in certain circles—particularly those characterized by a scientific way of thinking—people are already taking a stand against this so-called “enlightenment.” However, no matter how much may be said from this perspective about the spiritual and the supersensible world from one viewpoint or another, it cannot be said that a truly satisfactory path into the world of the spirit is even being attempted or sought after in wider circles today.

[ 2 ] Daß es die Möglichkeit gibt, nicht bloß durch einen unbestimmten, schulmäßigen Glauben, sondern durch eine echte und wahre Fortsetzung derjenigen Vorstellungsart, welche gerade das naturwissenschaftliche Denken in der neueren Menschheit so groß gemacht hat, in die übersinnliche Welt einzudringen, das sucht die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, die - wie ich schon vor einigen Wochen hier sagte - ihre äußere Repräsentation finden soll durch das Goetheanum in Dornach, als einen durch das Erlebnis des Geistes zu ergründenden Beweis vor der Welt hinzustellen.

[ 2 ] Anthroposophically oriented Spiritual Science seeks to demonstrate that it is possible to penetrate the supersensible world—not merely through an indefinite, dogmatic belief, but through a genuine and true continuation of the very mode of thinking that has made scientific thought so great in modern humanity—and, as I said here a few weeks ago, —is to find its outward expression through the Goetheanum in Dornach—to present to the world as evidence to be fathomed through the experience of the spirit.

[ 3 ] Wenn ich wiederum von einem anderen Gesichtspunkte aus, als ich das in zahlreichen Vorträgen schon hier getan habe, begreiflich machen soll, wie gerade der Weg dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft ist, so möchte ich heute einleitungsweise über etwas scheinbar recht Abstraktes, für manchen vielleicht fernliegend Scheinendes sprechen.

[ 3 ] If, once again, I am to explain—from a different perspective than I have already done here in numerous lectures—what exactly the path of this anthroposophically oriented Spiritual Science is, I would like to begin today by speaking about something that seems quite abstract and may appear distant to some.

[ 4 ] Das Goetheanum hat ja nicht umsonst seinen Namen von Goethe genommen. In einer gewissen Beziehung bildet die ganze Weltanschauung, die ganze Vorstellungsart Goethes den Ausgangspunkt für ein neueres geisteswissenschaftliches Streben. Und wenn man auch sagen kann, daß dasjenige, was man bei Goethe findet, noch durchaus als ein Anfang sich darstellt, so kann man gerade das Prinzipielle am besten vielleicht veranschaulichen, wenn man von gewissen einfachen Gedanken oder Ideen Goethes ausgeht. In weiteren Kreisen wohl bekannt, aber leider heute noch allzuwenig gewürdigt, ist ja dasjenige, was Goethe seine Metamorphosenlehre genannt hat, in der wir auch seine Idee von der Urpflanze finden.

[ 4 ] It is no coincidence that the Goetheanum takes its name from Goethe. In a certain sense, Goethe’s entire worldview and mode of thought form the starting point for a more recent endeavor in the Spiritual Sciences. And while one might say that what we find in Goethe still appears to be merely a beginning, perhaps the fundamental principles can best be illustrated by taking certain simple thoughts or ideas of Goethe’s as a starting point. Well known in wider circles, but unfortunately still far too little appreciated today, is what Goethe called his “theory of metamorphosis,” in which we also find his idea of the “primordial plant.”

[ 5 ] Mit dieser Urpflanze meint Goethe nicht etwa ein sinnliches Pflanzengebilde einfacher Art, wie der richtige heutige Naturforscher sagen müßte, sondern Goethe meint mit seiner Urpflanze etwas, das nur im Geiste zu erfassen und zu erleben ist. Aber er meint zu gleicher Zeit mit dieser Urpflanze etwas, das nicht in irgendeiner einzelnen Pflanze zu finden ist, sondern das auffindbar ist in jeder einzelnen Pflanze des weiten Pflanzenreiches der Erde. Er setzt also voraus, daß - ich möchte sagen - innerhalb jeder sinnlichen Pflanze eine übersinnlich zu erfassende, im Geiste zu erlebende Urpflanze vorhanden ist.

[ 5 ] By this “primordial plant,” Goethe does not mean a simple, sensory plant form, as a modern naturalist would say, but rather something that can only be grasped and experienced in the spirit. But at the same time, by this “primordial plant,” he means something that cannot be found in any single plant, but rather something that can be discovered in every single plant of the Earth’s vast plant kingdom. He thus assumes that—I would say—within every sensory plant there exists a “primordial plant” that can be grasped supersensually and experienced in the spirit.

[ 6 ] Dasselbe stellt er sich auch vor, obwohl er es weniger deutlich ausgeführt hat, für die anderen, für die nichtpflanzlichen Organismen. Und wenn Goethe, zum Teil gerade aus seiner künstlerischen Gesinnung heraus, diese Idee von der Urpflanze entwickelt hat, so muß man doch sagen, daß sein hauptsächlichstes Streben darauf gerichtet war, durch so etwas wie die Urpflanze etwas im allerbesten Sinne Wissenschaftliches zu finden, etwas, das dem Menschen als Idee Führer sein kann, geistig Führer sein kann durch die ganze weite Pflanzenwelt.

[ 6 ] He has a mental image of the same thing—albeit less explicitly—for the others, for non-plant organisms. And while Goethe developed this idea of the “primordial plant”—in part precisely out of his artistic sensibility—it must nevertheless be said that his primary aim was to find, through something like the “primordial plant,” something scientific in the very best sense of the word—something that could serve as a guide for humanity, a spiritual guide through the entire vast world of plants.

[ 7 ] Als Goethe zur Klärung und Reifung seiner Weltanschauung durch Italien zog, da schrieb er einmal an seine Weimarer Freunde, die gut dasjenige kannten, was er eigentlich mit seiner Urpflanze wollte, daß ihm besonders in der reichen, strotzigen Pflanzenwelt Italiens wiederum das Bild der Urpflanze aufgegangen sei. Zunächst abstrakt - man braucht sich nicht, wie wir gleich sehen werden, an das Abstrakte zu halten -, zunächst abstrakt sagt er: Eine solche Urpflanze muß es doch geben, denn wie könnte man sonst in dem ganzen mannigfaltigen Pflanzenreiche finden, daß jedes einzelne Wesen wirklich eine ganze Pflanze sei? - Wie gesagt, das ist abstrakt ausgesprochen, aber Goethe drückt sich über diese Urpflanze noch viel bestimmter, wesentlich eindringlicher aus. So sagt er zum Beispiel: Wenn man im Geiste diese Urpflanze erfaßt hat, dann kann man aus dem lebendigen Bilde dieser Urpflanze heraus selber sich Bilder von einzelnen wirklichen Pflanzen machen, welche die Möglichkeit des Existierens haben.

[ 7 ] When Goethe traveled through Italy to clarify and refine his worldview, he once wrote to his friends in Weimar—who were well aware of what he actually intended with his “primordial plant”—that, especially in Italy’s rich, exuberant flora, the image of the primordial plant had once again dawned on him. At first in abstract terms—though, as we shall soon see, one need not confine oneself to the abstract—he says: Such a “primordial plant” must surely exist, for how else could one find, within the entire diverse plant kingdom, that every single being is truly a complete plant? —As I said, this is expressed in abstract terms, but Goethe speaks of this primordial plant in a much more specific and far more forceful way. For example, he says: Once one has grasped this primordial plant in the mind, one can, from the living image of this primordial plant, form one’s own images of individual real plants that have the potential to exist.

[ 8 ] Man muß nur im rechten Sinne auf das hinschauen, was mit einem solchen Worte eigentlich gesagt ist. Goethe will also im Geiste zu einer Idee von dem Pflanzenwesen kommen, und er will im Geiste die Möglichkeit haben, aus seiner Urpflanze heraus ein Gebilde geistig zu formen, das eine einzelne Pflanze ist, nicht aber gleich einer Pflanze, die er sinnlich sieht, sondern das gewissermaßen zu den sinnlichen Pflanzen eine solche hinzu erfindet, die nicht sinnlich existiert, die aber doch die Möglichkeit hätte, wenn die Bedingungen da wären, in der Sinnlichkeit zu existieren. Worauf ist da eigentlich hingewiesen? Da ist darauf hingewiesen, daß der Mensch durch seine Seele in die sinnliche Wirklichkeit so untertauchen kann und in diesem Untertauchen in die sinnliche Wirklichkeit das Geistige, das in der sinnlichen Wirklichkeit drinnen ist, so erleben kann, daß er ganz zusammenwächst mit diesem Geiste, der überall in der Natur schaffend webt und lebt.

[ 8 ] One need only look, in the right sense, at what is actually meant by such a word. Goethe thus seeks to arrive, in spirit, at an idea of the plant being, and he wants to have the spiritual capacity to form, out of his primordial plant, a spiritual entity that is a single plant—not, however, one identical to a plant he perceives through his senses, but rather one that, in a sense, adds to the sensory plants a plant that does not exist in the sensory realm but would nevertheless have the potential, given the right conditions, to exist there. What is actually being pointed to here? It points to the fact that human beings, through their soul, can immerse themselves so deeply in sensory reality and, in this immersion, experience the spiritual element inherent in sensory reality in such a way that they become completely one with this Spirit, which weaves and lives creatively throughout nature.

[ 9 ] Das ist gerade das Große der Goetheschen Weltanschauung, daß sie hinzielt auf dieses Untertauchen in die Wirklichkeit, und daß sie überzeugt davon ist, daß, sofern man in diese Wirklichkeit untertaucht, man auf das Geistige dieser Wirklichkeit kommt, so daß man den Geist der Wirklichkeit entdeckt, der einem dann Führer sein kann durch die ganze verwirrende Mannigfaltigkeit des Sinnlichen selbst.

[ 9 ] This is precisely what is so great about Goethe’s worldview: that it aims at this immersion in reality, and that it is convinced that, insofar as one immerses oneself in this reality, one arrives at the spiritual aspect of this reality, so that one discovers the spirit of reality, which can then serve as a guide through the entire bewildering diversity of the sensory world itself.

[ 10 ] Nun kann man dasjenige, was Goethe angestrebt hat, ausdehnen auf die gesamte, den Menschen umgebende Welt und auf den Menschen selbst. Diese Vorstellungsart im weitesten Kreise auf alles dasjenige auszudehnen, was dem Menschen von anderem und von sich selbst entgegentritt, das macht sich die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft zur Aufgabe. Sie ist damit das Gegenteil von allem unklaren Obskurantismus, das Gegenteil von allem unklaren Mystizismus. Sie strebt dasjenige an, was Goethe für seine Weltanschauung beansprucht: mit mathematischer Klarheit, mit mathematischer Durchsichtigkeit in die geistige Welt unterzutauchen.

[ 10 ] Now, what Goethe strove for can be extended to the entire world surrounding human beings and to human beings themselves. Anthroposophically oriented Spiritual Science has made it its task to extend this mode of thinking, in the broadest sense, to everything that confronts human beings—both from the outside and from within themselves. It is thus the opposite of all vague obscurantism, the opposite of all vague mysticism. It strives for what Goethe claimed for his worldview: to delve into the spiritual world with mathematical clarity and mathematical transparency.

[ 11 ] Nun fühlt sich diese Geisteswissenschaft darin durchaus im Einklange gerade mit der neueren Naturwissenschaft, obwohl sie weit über die Naturwissenschaft der neueren Zeit hinausgeht. Man muß nur durch diese Naturwissenschaft durchgegangen sein um einzusehen, wie aus dieser Naturwissenschaft selbst diese Geisteswissenschaft heraussprießen muß. Sehen wir einmal hin auf dasjenige, was gerade diese neuere Naturwissenschaft eigentlich anstrebt. Sie sieht ja ihr eigentliches Ziel darin, eine solche Erkenntnis der den Menschen umgebenden Dinge, der mineralischen, pflanzlichen und tierischen Welt, ja des Menschen selbst zu finden, bei welcher nichts mitspricht von irgendwelchen subjektiven Gefühlen oder Vorstellungen des Menschen selbst. Diese Naturwissenschaft sucht namentlich auf ihrem neueren Standpunkte, dem des Experimentes, auf den sie sich mit Recht gestellt hat als Naturwissenschaft, die Natur so zu erforschen, daß die einzelnen Erscheinungen und Vorgänge der Natur selbst ihr Wesen, ihre Gesetze enthüllen, daß der Mensch nichts hineinwebt in dasjenige, was er Naturerkenntnis nennt, von dem was er in sich selbst findet.

[ 11 ] Now, the Spiritual Science feels itself to be entirely in harmony with modern natural science, even though it goes far beyond the natural science of recent times. One need only have studied this natural science to see how the Spiritual Science must spring forth from it. Let us consider what this modern natural science actually strives for. It sees its true goal in attaining a knowledge of the things surrounding human beings—the mineral, plant, and animal worlds, and indeed human beings themselves—in which no subjective feelings or mental images of human beings themselves play a role. This natural science seeks, particularly from its newer standpoint—that of the experiment, which it has rightly adopted as a natural science—to investigate nature in such a way that the individual phenomena and processes of nature itself reveal their essence and their laws, so that human beings do not weave into what they call knowledge of nature anything that they find within themselves.

[ 12 ] Dadurch unterscheidet sich dasjenige, was seit drei bis vier Jahrhunderten, insbesondere aber im 19. Jahrhundert als Naturwissenschaft aufgetreten ist, von dem Naturerkennen früherer Zeiten. Wer dieses Naturerkennen früherer Zeiten verfolgt, der weiß, daß die Menschen dasjenige, was sie sich in ihren Vorstellungen ausbildeten, in die Naturerscheinungen hineintrugen und gewissermaßen selbst das wiederum aus den Naturerscheinungen herausholten, was sie erst hineingetragen hatten. Daß das gerade nicht geschehe, daß der Mensch ganz unbefangen die Natur zu sich sprechen lasse, das ist das Bestreben der neueren Naturwissenschaft.

[ 12 ] This is what distinguishes what has emerged as the natural sciences over the past three to four centuries—and especially in the 19th century—from the understanding of nature in earlier times. Anyone who traces this understanding of nature from earlier times knows that people projected into natural phenomena what they had formed in their mental images and, in a sense, extracted from those phenomena what they themselves had first projected into them. The aim of modern natural science is precisely to ensure that this does not happen—that human beings allow nature to speak to them entirely without preconceptions.

[ 13 ] Aber man kann doch nicht anders, wenn man über die Natur forscht, als den Geist forschen lassen. Man kann nicht anders, als dasjenige, was man als Gedanken-, als Ideenleben in sich hat, und was geistiger Natur ist, auf den Zusammenhang der Naturerschei nungen anwenden. Nun kann man einen zweifachen Weg einschla“gen. Den einen Weg hat die gewöhnliche naturwissenschaftliche Weltanschauung der neueren Zeit eingeschlagen; den anderen aber möchte die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft einschlagen.

[ 13 ] But when one studies nature, one cannot help but let the mind do the exploring. One cannot help but apply what one possesses within oneself as a life of thought and ideas—and which is of a spiritual nature—to the context of natural phenomena. Now, one can take one of two paths. The conventional scientific worldview of recent times has taken one path; the other, however, is the one that anthroposophical Spiritual Science would like to take.

[ 14 ] Wenn die Naturwissenschaft ihre Ideen ausbildet, diese Ideen, die so rein, wie ich es dargestellt habe, an der Natur gewonnen sein sollen, dann kann sie mit diesen Ideen, ich möchte sagen, sich selbst betrachten; dann kann sie sich fragen: Welches Wesen, welchen Wert haben denn die Ideen, die wir auf die äußere Natur anwenden’? - Das tut die neuere Naturwissenschaft nicht. Die neuere Naturwissenschaft beschränkt sich darauf, alles dasjenige über die Natur zu erkennen, was nicht eine Antwort gibt auf die Frage: Was ist denn der Mensch eigentlich selbst? - Das ist ja das Charakteristische, von allen, man darf sagen, einsichtigen Naturforschern, das Hervorgehobene, daß man sagt: Ja, wir können vieles erforschen über die physische Welt außer uns und in uns - die Frage wird dadurch nicht beantwortet: Was ist der Mensch selbst? - Und immer wieder und wiederum muß man betonen: Indem die Naturwissenschaft die Natur zu erkennen bestrebt ist, stellt sie ein Weltbild hin, in dem der Mensch nicht drinnen ist als Seele und Geist. Auf die Frage nach Seele und Geist hat die ehrlich auf dem heutigen Standpunkte stehende Naturwissenschaft keine Antwort.

[ 14 ] When the natural sciences develop their ideas—ideas that are supposed to be derived from nature as purely as I have described—then they can, I would say, use these ideas to reflect on themselves; then they can ask themselves: “What is the nature and value of the ideas we apply to external nature?” - Modern natural science does not do this. Modern natural science limits itself to discovering everything about nature that does not provide an answer to the question: “What, then, is human beings themselves?” - This is, in fact, the defining characteristic—and, one might say, the defining feature—of all discerning natural scientists: that they say: Yes, we can investigate many things about the physical world outside and within us—but this does not answer the question: What is man himself? - And time and again, one must emphasize: In its endeavor to understand nature, natural science presents a worldview in which man is not included as soul and spirit. Science, honestly standing on today’s vantage point, has no answer to the question of soul and spirit.

[ 15 ] Man muß die Frage, warum dies so ist, historisch beantworten. Die Naturforschung weiß selbst nicht, warum sie nicht vordringt zu der Erkenntnis von Seele und Geist, warum sie haltmacht trotz ihrer bewunderungswürdigen Resultate über die äußere Natur vor Seele und Geist, warum immer wieder und wieder Naturforscher auftreten, die sagen: Ja, wenn die Naturwissenschaft sprechen würde von Seele und Geist, würde sie ihre Grenzen überschreiten. - Man glaubt unbefangen über die Natur zu reden. Man redet nicht unbefangen, denn als eine Last, als ein Druck befindet sich über der Naturwissenschaft, eigentlich über der Denkweise der neueren Naturforschung dasjenige, was sich seit Jahrhunderten als eine gewisse Vorstellungsart festgesetzt hat. Und dieser Druck besteht darinnen, daß von gewissen Bekenntnisströmungen aus ein Monopol beansprucht wurde über die Wahrheiten von Seele und Geist.

[ 15 ] The question of why this is so must be answered historically. Natural science itself does not know why it fails to advance toward an understanding of the soul and the spirit, why it comes to a standstill—despite its admirable findings about external nature—when it comes to the soul and the spirit, why, time and again, natural scientists emerge who say: “Yes, if natural science were to speak of the soul and the spirit, it would be overstepping its bounds.”—One believes one is speaking impartially about nature. But they do not speak impartially, for hanging over natural science—and indeed over the mindset of modern natural science—is a burden, a pressure: that which has become established over the centuries as a certain way of thinking. And this pressure consists in the fact that certain religious movements have claimed a monopoly on the truths of the soul and the spirit.

[ 16 ] Gehen wir einige Jahrhunderte zurück, so finden wir gerade in derjenigen Zeit, in der die neuere Naturwissenschaft ihr Frührot hatte, wie die religiösen Bekenntnisse ihr Monopol beanspruchen, die Wahrheiten zu diktieren über Seele und Geist. Vor diesem Monopolanspruch wich die Naturwissenschaft der neueren Zeit zurück. Die Naturwissenschaft der neueren Zeit ist mit Großartigkeit eingedrungen in die äußere Natur; aber nicht, weil man durch dieses Eindringen in die äußere Natur erkannt hätte, daß man nicht aufsteigen könnte zu Seele und Geist, hat man dieses Aufsteigen unterlassen, sondern weil es so festgewurzelt war in den unbewußten menschlichen Anschauungen, daß Rechnung getragen werden muß dem Monopolanspruch der Bekenntnisreligionen. Deshalb verwandelte sich dieser Glaube in einen scheinbaren Beweis, man könne nicht in Seele und Geist eindringen.

[ 16 ] If we go back a few centuries, we find that precisely during the period when modern science was in its infancy, religious creeds claimed a monopoly on dictating the truths about the soul and the spirit. Modern science retreated in the face of this claim to a monopoly. Modern science has made magnificent inroads into the external natural world; but it was not because this exploration of the external natural world had led to the realization that one could not ascend to the soul and spirit that this ascent was abandoned, but rather because it was so deeply ingrained in unconscious human perceptions that the claim to a monopoly by the confessional religions had to be taken into account. Consequently, this belief transformed into an apparent proof that one could not penetrate the soul and the spirit.

[ 17 ] Wer sich ernst befaßt hat mit den naturwissenschaftlichen Forschungsmethoden der neueren Zeit, und der dann gerade dasjenige innerlich seelisch verarbeitet hat, was sich als Ideen über die äußere Natur mit Ausnahme des eigentlichen Wesens des Menschen ergibt, der weiß, daß der andere Weg, den die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft einschlägt, weiter in die Menschheitszukunft hinein gegangen werden muß. Würde die Naturforschung sich selbst verstehen, würde sie nicht unter dem angedeuteten Drucke leben, dann würde sie gerade, weil sie eine Naturwissenschaft anstrebt, die vom Subjektiven des Menschen absieht, zu dem Goetheschen Prinzipe kommen, zusammenwachsen mit dem Geiste, der in den Erscheinungen und Tatsachen und Wesen der Natur ausgebreitet ist. Und die neuere Naturwissenschaft würde, wenn sie sich selbst verstünde, von sich aus gerade dasjenige erwählen, was nun die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft als Fortsetzung der naturwissenschaftlichen Richtung für sich in Anspruch nehmen muß.

[ 17 ] Anyone who has seriously engaged with the scientific research methods of recent times, and who has then inwardly and spiritually processed precisely those ideas about external nature—with the exception of the actual essence of the human being—knows that the other path taken by anthroposophically oriented Spiritual Science must be pursued further into the future of humanity. If natural science understood itself—if it were not living under the pressure alluded to—then, precisely because it strives to be a natural science that disregards the subjective aspect of the human being, it would arrive at Goethe’s principle: to grow together with the spirit that is spread throughout the phenomena, facts, and beings of nature. And modern natural science, if it understood itself, would of its own accord choose precisely that which anthroposophically oriented Spiritual Science must now claim for itself as a continuation of the natural scientific direction.

[ 18 ] Allerdings, wesentlich unterstützt werden muß dasjenige, was sich an innerlicher Vorstellungskraft, an Denkkraft, gerade durch die Naturwissenschaft heranerziehen läßt, durch sorgfältige innere geistige Methoden. Und auf der Ausbildung solcher innerer geistiger Methoden beruht alles dasjenige, wodurch die hier gemeinte Geisteswissenschaft den Weg in die übersinnliche, in die geistige Welt hinein überhaupt finden will.

[ 18 ] However, what can be cultivated through the natural sciences—namely, inner imagination and the power of thought—must be substantially supported by careful inner spiritual methods. And the development of such inner spiritual methods forms the basis for everything through which the Spiritual Science referred to here seeks to find its way into the supersensible, spiritual world at all.

[ 19 ] Man stellt sich heute vielleicht dasjenige viel zu leicht vor, was hier mit diesem Weg in die übersinnliche Welt gemeint ist. Man denkt, da sei so etwas gemeint wie ein inneres Spintisieren, ein SichHingeben an allerlei Vorstellungen, durch die man allerlei auswebt von dem, was das Wesen der Dinge sein soll. Man stellt sich vielleicht vor, das sei leicht gegenüber der Schwierigkeit der Experimentiermethode oder gegenüber den Methoden, die an Sternwarten und in Kliniken angewendet werden. Allein wenn Sie so etwas durchlesen, wie ich versucht habe darzustellen in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» oder in meiner «Geheimwissenschaft», so werden Sie sehen, daß es sich nicht um irgendein beliebiges Herumspinnen in inneren Vorstellungen handelt, sondern um ein streng gesetzmäßiges, inneres seelisches Arbeiten des Geistes in den Geist hinauf. Denn wirkliche Geisteswissenschaft kann nimmermehr der Anschauung sein, daß man in den Geist eindringen könne durch äußere Experimentiermethoden, sondern wahre Geisteswissenschaft muß die Anschauung vertreten, daß nur der Geist im Menschen den Geist der Welt finden kann.

[ 19 ] Today, people perhaps have a mental image of what is meant here by this path into the supersensible world. People think it refers to something like inner daydreaming, a surrender to all sorts of mental images through which one weaves all manner of ideas about what the nature of things is supposed to be. One might imagine this to be easy compared to the difficulty of the experimental method or the methods used in observatories and clinics. But if you read through something like what I have attempted to describe in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds? or in my Secret Science, you will see that it is not a matter of just any random daydreaming in inner mental images, but rather a strictly law-governed, inner psychological work of the spirit ascending into the spirit. For true Spiritual Science can never hold the view that one can penetrate the spirit through external experimental methods; rather, true Spiritual Science must uphold the view that only the spirit within the human being can find the spirit of the world.

[ 20 ] Was da der Mensch in seinem Inneren durchzuführen hat, habe ich hier in diesen Vorträgen, habe ich in meinen Büchern als Meditation, als Konzentration des öfteren bezeichnet. Ich möchte heute nur darauf hinweisen, daß diese Konzentrations-, diese Meditationsarbeit eine rein innere Seelenarbeit ist. Aber wohin strebt diese innere Seelenarbeit? Wohin strebt dieses Arbeiten nur mit inneren Seelenkräften, diese Hingabe an das reine Walten des Seelisch-Geistigen in dem Menscheninneren?

[ 20 ] What a person must accomplish within themselves, I have often referred to in these lectures and in my books as meditation or concentration. Today I would simply like to point out that this work of concentration and meditation is a purely inner work of the soul. But toward what does this inner work of the soul strive? Toward what does this work—carried out solely with inner soul forces—this devotion to the pure unfolding of the soul-spiritual within the human being—strive?

[ 21 ] Sie wissen, indem wir in der Welt leben, nehmen wir durch unsere Sinne die Welt wahr, und dann verarbeiten wir diese Welt. So macht es ja auch die Naturwissenschaft. Dann verarbeiten wir diese Welt, indem wir über sie nachdenken, indem wir ihre Gesetze enthüllen, indem wir uns Vorstellungen über sie machen. Sie wissen aber auch, daß dieses Vorstellungmachen zu etwas anderem noch führt, zu etwas, das innig zusammenhängt mit der Gesundheit unseres persönlichen Menschenwesens. Dieses Vorstellungmachen über die Welt hängt zusammen damit, daß wir die Eindrücke der Welt, wie wir sagen, durch unser Gedächtnis, durch unsere Erinnerungskraft behalten können. Über diese Erinnerungskraft, dieses Gedächtnis des Menschen geht der Mensch so leicht hinweg, weil sie ihm etwas so Alltägliches sind. Aber das ist gerade das Eigentümliche des wirklichen Erkenntnisstrebens, daß dasjenige, was vielfach Alltägliches ist, für den Menschen gerade als dasjenige aufgefaßt werden muß, dem gegenüber die wichtigsten, die bedeutungsvollsten Fragen aufgeworfen werden müssen.

[ 21 ] You know, as we live in the world, we perceive it through our senses, and then we process this world. That is, after all, how the natural sciences operate as well. We process this world by reflecting on it, by uncovering its laws, and by forming mental images about it. But you also know that this process of forming concepts leads to something else—something that is intimately connected with the health of our personal human being. This process of forming concepts about the world is connected to our ability to retain the impressions of the world, as we say, through our memory, through our power of recollection. People so easily overlook this power of recollection, this human memory, because it is something so commonplace to them. But this is precisely what is distinctive about the genuine pursuit of knowledge: that which is often commonplace must be understood by human beings as precisely that which raises the most important, the most significant questions.

[ 22 ] Wenn wir die Sinneswelt wahrnehmen, uns Vorstellungen von ihr bilden, nach einiger Zeit scheinbar diese wiederum aus unserem Inneren hervorbringen, so daß wir uns an erlebte Ereignisse erinnern, so lebt in diesen Erinnerungen, in diesem Gedächtnis-Walten viel Unbewußtes. Denken Sie nur, wie wenig Sie eigentlich mit Ihrem Willen Herr sind Ihres Gedächtnisses, wie wenig Sie befehlen können sozusagen Ihrer Erinnerungskraft. Bedenken Sie vor allen Dingen, wie wenig Sie in der Lage sind, während Sie äußerlich wahrnehmen, auch an diese Erinnerung zu denken. Oder ist es etwa so, daf3 der Mensch, indem er mit seinem Auge hinaus in die Welt sieht, indem er mit seinem Ohre die Töne hört, daß er da zu gleicher Zeit dafür sorgt, daß Vorstellungen da sind, die eine Wiedererinnerung möglich machen? Nein, da müßte der Mensch neben den Wahrnehmungen, neben den inneren Sinneswirkungen noch eine andere Kraft bewußt ausüben. Das tut er in Wirklichkeit im gewöhnlichen Leben nicht. Ich möchte sagen, das Gedächtnis mit seiner Kraft läuft so nebenher neben dem äußeren Leben. Es ist aber dasjenige, was da unterbewußt wirkt, was gewissermaßen alles Leben in der äußeren Sinneswelt mitbestimmt, so daß wir dieses Leben mittragen durch unsere Erinnerung durch das Leben. Es ist dieses aus dem Unterbewußten als eine Kraft heraufzuholen. Mit anderen Worten: Wir können dasjenige, was wir so nebenherlaufend unbewußt in Erinnerungskraft ausüben, nicht heraufholen aus den Tiefen unserer Seele, indem wir uns bloß an unsere Erlebnisse erinnern, sondern indem wir versuchen, die Kraft, die wir sonst gar nicht kennen, die eben nebenher läuft, wie ich es gesagt habe, zu einer solchen bewußten Klarheit zu bringen, wie sonst nur das äußere sinnliche Wahrnehmen ist, indem wir diese Kraft heraufholen aus den unterbewußten Tiefen und weben und leben in dem, was sonst im Unterbewußten des Gedächtnisses ist. Wenn wir die Erinnerungskraft nicht zum Gedächtnis, nicht zur Erinnerung verwenden, sondern dazu, Ideen und Vorstellungen, die sonst eben nur durch die Erinnerungskraft wachgehalten werden, bewußt in unserem Geiste anwesend sein zu lassen, so stärken wir etwas in unserem Geiste, wodurch wir, wenn der nötige Zeitpunkt eingetreten ist, kennenlernen ein ganz anderes Erwachen als dasjenige ist, das wir jeden Morgen erleben. Wenn man immer wieder und wiederum bewußt so arbeitet, wie sonst nur das Gedächtnis, die Erinnerungskraft arbeitet, dann erlebt man etwas von einem neuen Erwachen in der Seele. Man erlebt etwas von einem Auftreten eines ganz anderen Menschen in der Seele, als derjenige Mensch ist, der sonst durch die Sinneswelt geht. Den Geist kann man nicht durch Theoretisieren erreichen. Jede philosophische Auseinandersetzung, die den Geist durch bloße Schlußfolgerung erreichen will, hat eigentlich nichts anderes im Auge als das Wort oder die Worte vom Geiste. Der Geist will erlebt sein. Und er kann dadurch allein erlebt sein, daß wir dasjenige, was sonst unterbewußte Erinnerungstätigkeit ist, was in tieferen Schichten unseres Menschenseelenwesens lebt, heraufheben, so daß es in uns lebt mit einer solchen lichten Klarheit, wie sonst dasjenige in uns lebt, was wir durch unsere Augen sehen, was wir durch unsere Ohren hören, und daß in diesem Heraufgeholten der bewußte Wille so lebt, wie der bewußte Wille lebt, wenn ich das Auge von dieser Wand richte nach jener Wand hinüber, um den Blick von dem abzuwenden, was ich hier sehe, und hinzuschauen auf dasjenige, was ich dort sehen kann. Indem ich mich meiner Sinne bediene, lebt in diesem Sich-Bedienen der Sinne der bewußte Wille. Dieser Wille muß voll durchdringen

[ 22 ] When we perceive the sensory world, form mental images about it, and after some time seem to bring these mental images forth from within ourselves—so that we remember events we have experienced—there is much that is unconscious in these memories, in this workings of memory. Just consider how little control you actually have over your memory through your will, how little you can, so to speak, command your power of recollection. Above all, consider how little you are able, while you are perceiving the external world, to think about this memory at the same time. Or is it perhaps the case that, as a person looks out into the world with their eyes and hears sounds with their ears, they simultaneously ensure that mental images are present to make recollection possible? No, for that would require a person to consciously exercise yet another faculty alongside their perceptions and inner sensory experiences. In reality, they do not do this in ordinary life. I would say that memory, with its power, runs alongside external life. But it is that which works subconsciously, which, in a sense, helps determine all life in the external sensory world, so that we carry this life forward through our memory throughout life. It is this that must be brought up from the subconscious as a force. In other words: We cannot bring up from the depths of our soul that which we unconsciously exercise as a power of memory as it runs alongside our lives simply by recalling our experiences, but rather by attempting to bring the power—which we otherwise do not even know, which simply runs alongside us, as I have said—to a level of conscious clarity comparable to that of external sensory perception, by drawing this power up from the depths of the subconscious and weaving and living within what is otherwise in the subconscious realm of memory. If we do not use the power of recollection for memory or for mere remembrance, but rather to allow ideas and mental images—which are otherwise kept alive only by the power of recollection—to be consciously present in our minds, then we strengthen something within our spirit through which, when the necessary moment arrives, we come to experience a completely different kind of awakening than the one we experience every morning. If one repeatedly and consistently works consciously in the way that otherwise only memory—the power of recollection—works, then one experiences something of a new awakening in the soul. One experiences something of the emergence in the soul of a person entirely different from the one who otherwise moves through the sensory world. The spirit cannot be reached through theorizing. Any philosophical inquiry that seeks to reach the spirit through mere deduction actually has nothing else in mind but the word or words “spirit.” The spirit must be experienced. And it can be experienced only by bringing to the surface that which is otherwise subconscious memory activity—that which lives in the deeper layers of our human soul—so that it lives within us with the same luminous clarity as that which we otherwise perceive through our eyes and hear through our ears, and so that in what has been brought to the surface, the conscious will lives just as the conscious will lives when I turn my gaze from this wall toward that wall, in order to turn my eyes away from what I see here and look at what I can see there. As I make use of my senses, the conscious will lives in this act of making use of the senses. This will must fully permeate

[ 23 ] diese innere Seelenarbeit, dann kommt man zu etwas, was eine Fortsetzung der gewöhnlichen Seelentätigkeit des Menschen ist, was sich ebenso verhält zu der gewöhnlichen Seelentätigkeit des Menschen, wie sich das wache Tagesleben zu dem Schlafesleben, aus dem höchstens der Traum heraufspricht, verhält.

[ 23 ] Through this inner work of the soul, one arrives at something that is a continuation of the ordinary activity of the human soul—something that relates to that ordinary activity in the same way that waking life relates to the life of sleep, from which, at most, dreams emerge.

[ 24 ] Daß es so etwas in der Menschennatur gibt, was heraufgeholt werden kann und was ein neues Erkenntnisorgan wird, was zu dem wird, was Goethe nennt Seelenauge, Geistesauge, das ist dasjenige, was durch allmähliches Einleben in solche innere Seelenarbeit anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft erweisen will. Sie wird dadurch dasjenige sagen, was Naturwissenschaft nicht zu sagen vermag, weil sie unter dem angedeuteten Druck lebt. Dieser Druck aber muß, weil die Menschheit danach Sehnsucht hat - man kann diese Sehnsucht bemerken, wenn man nur unbefangen genug dazu ist -, dieser Druck muß hinwegfallen von der Menschheitserkenntnis.

[ 24 ] That there exists within human nature something that can be brought to the surface and that becomes a new organ of perception—something that becomes what Goethe calls the “eye of the soul” or the “eye of the spirit”—this is precisely what anthroposophically oriented Spiritual Science seeks to demonstrate through gradual immersion in such inner soul work. Through this, it will express what natural science is unable to express, because it operates under the pressure I have alluded to. But this pressure must—because humanity longs for it—be removed from humanity’s understanding; one can perceive this longing if one is only open-minded enough to do so.

[ 25 ] So sehen Sie, daß anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft nicht irgendeine verkehrte Mystik, nicht irgend etwas Obskures, sondern eine wirklich echte Fortsetzung desjenigen sein will, was gerade in der Naturwissenschaft gewußt wird. Und gerade derjenige, der eine naturwissenschaftliche Erziehung genossen hat, wird es leichter haben mit dem Konzentrieren und Meditieren der Gedanken; denn er ist gewöhnt an Methoden, an Forschungsweisen, die von dem Subjektiven des Menschen absehen, die ins Objektive ganz hineingehen. Wendet man nun dasjenige, was man so sich heranerzogen hat an der Naturwissenschaft, gerade auf das Meditieren an, dann schaltet man alle menschliche Willkür aus, dann bringt man etwas in das Meditieren, in die innere Seelenarbeit herein, was eine solche objektive Gesetzmäßigkeit ist, wie diejenige der Natur selber. Gerade indem man die Denk- und Vorstellungsweise der Naturwissenschaft herein nimmt in den Menschen, wird die chaotische, die unklare Selbsterkenntnis, die mit mancher vertrackten und verkehrten Mystik angestrebt wird, wo man nur immer hineinbrüten will in sein eigenes Inneres, überwunden. Gegen dieses ungeschulte Hineinbrüten in sein eigenes Inneres steht dasjenige Arbeiten in dem eigenen Inneren, das bei jedem Schritte dieses Arbeitens so verfährt, wie nur der gewissenhafteste Naturforscher verfährt, indem er seine Urteilskraft ausdehnt über dasjenige, was sich vor seinem Auge oder vor seinen Instrumenten ausbreitet.

[ 25 ] As you can see, anthroposophically oriented Spiritual Science does not aim to be some kind of misguided mysticism or something obscure, but rather a truly genuine continuation of what is currently known in the natural sciences. And it is precisely those who have received a scientific education who will find it easier to concentrate and meditate on their thoughts; for they are accustomed to methods and modes of inquiry that set aside the subjective aspects of the human being and delve fully into the objective. If one now applies what one has thus cultivated through the natural sciences specifically to meditation, then one eliminates all human arbitrariness; one brings into meditation—into the inner work of the soul—something that is as objective a law as that of nature itself. Precisely by incorporating the mode of thinking and imagination characteristic of the natural sciences into the human being, one overcomes the chaotic, unclear self-knowledge that is sought through certain convoluted and misguided forms of mysticism, where one merely seeks to brood endlessly over one’s own inner self. In contrast to this untrained brooding over one’s own inner self stands the kind of inner work that, at every step, proceeds just as the most conscientious natural scientist does—by extending one’s power of judgment over what unfolds before one’s eyes or before one’s instruments.

[ 26 ] Das ist die eine Seite. Ich möchte sagen, es ist die Seite, die hinweist auf die Erweckung besonderer Erkenntniskräfte. Die gewöhnliche Erinnerungskraft wird allerdings in solchen Augenblicken nicht da sein, in denen man das Geistige unmittelbar erforschen will, denn diese Erinnerungskraft hat selbst eine Metamorphose durchgemacht. Sie ist zu einem Geistauge geworden, das den Geist wahrnehmen kann. Mit den gewöhnlichen Schlußfolgerungen, die die heutige landläufige Logik hat, kann man nicht zum wirklichen Geiste vordringen. Wer sprechen will von einem wirklichen Vordringen zum Geiste, der muß hinweisen auf die real vorhandenen Kräfte, die zu diesem Geiste führen. Und eine solche real vorhandene Kraft ist die Erinnerungskraft. Nur muß diese Erinnerungskraft umgewandelt werden, muß zu etwas ganz anderem werden. Jedes andere Eindringen in den Geist führt zu gleicher Zeit ins Dunkle, weil der menschliche Wille dabei ausgeschaltet wird, und damit das wichtigste Stück des menschlichen Wesens selbst. So wie wir dasjenige, was aus, ich möchte sagen, organischen Untergründen unseres Geistes aufsteigt als phantastisch, so wie wir das, was wir nicht in der Gewalt haben, nicht als richtige Erinnerung bezeichnen, so wird der wahre Geistesforscher keinen Seeleninhalt annehmen für seine Geistesforschung, den er nicht mit dem Lichte seines Willens vollständig durchdringt.

[ 26 ] That is one aspect. I would say it is the aspect that points to the awakening of special powers of cognition. Ordinary memory, however, will not be present in those moments when one seeks to explore the spiritual directly, for this power of memory has itself undergone a metamorphosis. It has become a spiritual eye capable of perceiving the spirit. One cannot penetrate to the true spirit using the ordinary deductions of today’s conventional logic. Anyone who wishes to speak of a true penetration into the spirit must point to the actually existing powers that lead to this spirit. And one such truly existing force is the power of memory. But this power of memory must be transformed; it must become something entirely different. Any other attempt to penetrate the spirit simultaneously leads into darkness, because the human will is thereby bypassed—and with it, the most essential part of the human being itself. Just as we regard that which arises from—I might say—the organic depths of our spirit as fantastical, just as we do not describe that which we do not have under our control as true memory, so too will the true spiritual researcher not accept any content of the soul for his spiritual research that he does not completely penetrate with the light of his will.

[ 27 ] Soviel über die eine Seite, das Vorstellungsleben, wie es die Geistesforschung verwendet. Aber noch etwas anderes im Menschen ist verwendbar und muß verwendet werden, wenn man den Weg in das Übersinnliche, in die geistige Welt hinein wirklich finden will. Und geradeso wie aus dem Geiste der Naturwissenschaft durch die Vorstellungsweise der neueren Zeit die Geisteswissenschaft herausgefordert ist, so ist auf der anderen Seite durch das menschliche Leben in der neueren Zeit die Geisteswissenschaft herausgefordert. Wer unbefangen, nicht mit dem Vorurteil des heutigen Historikers, sondern eben unbefangen die Entwickelung der Menschenseele durch die letzten Jahrhunderte verfolgt, der kann sich sagen, daß gerade um die Mitte des 15. Jahrhunderts ein gewaltiger Umschwung eingetreten ist in der Verfassung der Menschenseelen, allerdings nur innerhalb der zivilisierten Welt, aber eben innerhalb dieser zivilisierten Welt. Es ist nur ein Vorurteil, wenn man hinblickend bloß auf die äußeren historischen Tatsachen glaubt, eine Menschenseele der zivilisierten Welt im 8., 9. nachchristlichen Jahrhundert habe dieselbe innere Verfassung gehabt wie die heutigen Menschenseelen. Gewiß, es gibt auch heute zurückgebliebene Menschenseelen, die mehr oder weniger noch auf dem Standpunkte des 8., 9. Jahrhunderts stehen; aber die sind gerade lehrreich, weil sie uns auch äußerlich zurückführen in jene Zeit. Aber im ganzen können wir sagen: Man braucht ja nur der Erfahrung gemäß wirklich hinzublicken auf das menschliche Leben. Es ist ein gewaltiger Umschwung eingetreten, der seit der Mitte des 15. Jahrhunderts immer stärker und stärker in seinen Wirkungen sich zeigte. Will man ihn näher bezeichnen, so muß man sagen: Wenn man hinter diesen Zeitpunkt zurückgeht, so findet man, daf) der Mensch dem Menschen ganz anders gegenüberstand, als das heute eigentlich der Fall ist, und als es von unbewußten menschlichen Kräften in die Zukunft hinein von der Menschheit eigentlich erstrebt wird. Was man auch aus gewissen Vorurteilen dagegen sagen mag, es wird etwas in bezug auf das Verhältnis von Mensch zu Mensch erstrebt, das in dem bezeichneten Zeitpunkte seinen Anfang genommen hat. In der früheren Zeit stand der Mensch dem Menschen nahe durch Blutsverwandtschaft, durch Stammesverwandtschaft, durch alles dasjenige, was aus seinem Organiismus heraus ihn verwandt machte mit dem anderen Menschen, oder was ihn verwandt machte mit dem anderen Menschen auch aus dem organischen Zusammenhange heraus, der sich zum Beispiel in der Geschlechtsliebe äußert. Sehen wir denn nicht, wenn wir nur sehen wollen, daß an die Stelle des alten Blutszusammenhanges, an die Stelle des alten Sippenzusammenhanges, des alten Familienzusammenhanges, des alten Stammeszusammenhanges, immer mehr und mehr dasjenige tritt, was von Mensch zu Mensch so wirkt, daß es von der Seele, von der wollenden Seele des einen Menschen übergeht auf die wollende Seele des anderen Menschen? Sehen wir nicht, daß die Entwickelung der Neuzeit immer mehr und mehr notwendig macht, daß der Mensch durch etwas ganz anderes als durch seinen bloßen leiblichen Organismus dem anderen Menschen nahetritt? Wir sehen ja, daß das Bewußtsein der Persönlichkeit seit dem angegebenen Zeitpunkte wächst, daß der Mensch immer innerlicher und innerlicher und damit auch immer einsamer und einsamer geworden ist. Der Mensch lebt mit seinem Seelenleben seit diesem Zeitpunkt, ich möchte sagen, in sich immer mehr und mehr isoliert. Das Seelenleben schließt sich gegenüber der Außenwelt ab. Das Blut spricht nicht mehr, wenn wir den Nächsten gegenüberstehen. Wir müssen unser Inneres regsam machen. Wir müssen uns hinüberleben in den anderen. Wir müssen seelisch in dem anderen aufgehen. Man mißversteht sehr, vielfach besonders in denjenigen Kreisen, die sich heute die sozialistischen mit Recht zu nennen glauben, dasjenige, was man das soziale Prinzip, den sozialen Impuls der neueren Zeit nennen kann. Man sieht ihn aufgehen, diesen sozialen Impuls; man weiß aber heute noch in den wenigsten Kreisen, worin er eigentlich besteht.

[ 27 ] So much for one aspect—the life of the imagination—as it is used in spiritual research. But there is something else in human beings that can be utilized—and must be utilized—if one truly wishes to find the path into the supersensible, into the spiritual world. And just as Spiritual Science is challenged by the spirit of natural science through the mode of thinking characteristic of modern times, so too is it challenged, on the other hand, by human life in modern times. Anyone who traces the development of the human soul over the past few centuries with an open mind—not with the prejudice of today’s historians, but precisely with an open mind—can conclude that a tremendous shift occurred in the constitution of human souls around the middle of the 15th century; admittedly, this shift took place only within the civilized world, but precisely within that civilized world. It is merely a prejudice to believe, based solely on external historical facts, that a human soul in the civilized world of the 8th and 9th centuries A.D. possessed the same inner constitution as human souls today. Certainly, there are also today human souls that have lagged behind, who still stand more or less at the level of the 8th and 9th centuries; but these are precisely instructive because they also take us back, outwardly, to that time. But on the whole, we can say: One need only look at human life in accordance with experience. A tremendous upheaval has taken place, the effects of which have become increasingly evident since the middle of the 15th century. If one wishes to describe it more precisely, one must say: If one goes back beyond this point in time, one finds that people related to one another quite differently than is actually the case today, and than what humanity is actually striving for in the future through unconscious human forces. Whatever one may say against this based on certain prejudices, there is a striving for a certain kind of relationship between people that began at the point in time described. In earlier times, people were closely connected to one another through blood ties, through tribal kinship, through everything that, arising from their organism, made them related to other people, or that made them related to other people through the organic connection expressed, for example, in sexual love. Do we not see—if we are only willing to see—that in place of the old bonds of blood, in place of the old clan ties, the old family ties, and the old tribal ties, there is increasingly taking their place that which acts from one human being to another in such a way that it passes from the soul—from the willing soul of one human being—to the willing soul of another? Do we not see that the development of the modern era makes it increasingly necessary for human beings to draw near to one another through something entirely different from their mere physical organism? We do indeed see that since the time mentioned, the consciousness of personality has been growing, and that human beings have become ever more inward-looking—and thus also ever more lonely. Since that time, human beings have lived with their inner lives—I would say—in ever-increasing isolation within themselves. The inner life closes itself off from the outside world. The blood no longer speaks when we stand face to face with our neighbor. We must stir our inner selves into action. We must reach out into the other. We must merge spiritually with the other. There is a great deal of misunderstanding—often particularly in those circles that today rightly consider themselves socialist—regarding what might be called the social principle, the social impulse of modern times. One sees this social impulse emerging; yet even today, very few circles understand what it actually consists of.

[ 28 ] Er besteht darin, daß immer mehr und mehr in dem einsam gewordenen Menschen der Impuls erwacht, seelisch-geistig durch seinen Willen sich hinüberzuleben in die anderen Menschen, so daß der Nächste derjenige wird, der es durch unser Bewußtsein, nicht durch unser Blut, nicht durch unseren organischen Zusammenhang wird. Da stehen wir den Menschen gegenüber und haben die Notwendigkeit, uns in sie einzuleben. Was wir heute Wohlwollen, was wir heute Liebe nennen, ist etwas anderes, als was man vor Zeiten so genannt hat. Aber indem wir uns so in die anderen Menschen einleben, ist es, wie wenn alles dasjenige, was in uns selber pulsiert, was in uns als Wille lebt, aufnehmen würde den Willen des anderen. Wir treten ganz hinüber mit unserer Seele in den anderen. Wir gehen gleichsam aus unserem Leibe heraus und gehen in den Leib des anderen hinein. Wenn dieses Gefühl immer mehr und mehr überhand nimmt, wenn dieses Gefühl liebedurchdrungen, ich möchte sagen, als moderne Nächstenliebe über die Menschen sich ausbreitet, dann tritt aus diesem Miterleben des Willens, des ganzen Seelenlebens des anderen Menschen etwas auf, was eine wirkliche Lebenserfahrung ist. Heute könnten viele Menschen schon diese Lebenserfahrung haben, wenn sie sich nicht durch Vorurteile sie trüben lassen würden. Wo sie auftritt, da schlägt man sie zurück mit wahrhaftig nicht guten Gründen. Man braucht sich nur zu erinnern an einen Menschen wie Lessing. Er hat am Ende seines Lebens, als alles dasjenige durch seine Seele gezogen war, was er an menschlich Großem hervorbringen konnte, noch seine «Erziehung des Menschengeschlechts» geschrieben, die gipfelt in der Anerkenntnis der Tatsache der wiederholten Erdenleben des Menschen. Es gibt höhere Philister, wie es höhere Töchter gibt, und die haben ihr Urteil fertig über so etwas. Die sagen: Ja, der Lessing war eben sein ganzes Leben gescheit; aber dann ist er altersschwach geworden und ist zu solchen vertrackten Ideen gekommen, wie die der wiederholten Erdenleben.

[ 28 ] It consists in the fact that, within the human being who has become lonely, the impulse is awakening more and more to reach out to other people through one’s will on a soul-spiritual level, so that one’s neighbor becomes the one who is connected to us through our consciousness—not through our blood, not through our organic connection. There we stand face to face with others and feel the need to live our way into them. What we call goodwill today, what we call love today, is something different from what was called by those names in times past. But as we live our way into others in this way, it is as if everything that pulsates within us—everything that lives in us as will—were to take in the will of the other. We step completely over into the other with our soul. We step out of our own body, as it were, and enter into the body of the other. When this feeling takes hold more and more, when this feeling—imbued with love, I might say, as a modern form of charity—spreads among people, then something emerges from this shared experience of the other person’s will, of their entire soul life, that is a true experience of life. Many people today could already have this experience of life if they did not allow prejudices to cloud it. Wherever it arises, people reject it for reasons that are truly not valid. One need only recall a figure like Lessing. At the end of his life, after everything he was capable of producing in terms of human greatness had passed through his soul, he still wrote his Education of the Human Race, which culminates in the acknowledgment of the fact of humanity’s repeated earthly lives. There are higher-class philistines, just as there are higher-class young ladies, and they have already formed their judgment on such matters. They say: Yes, Lessing was indeed sensible his whole life; but then he grew feeble with age and came up with such convoluted ideas as that of repeated earthly lives.

[ 29 ] Aber diese wiederholten Erdenleben sind keine erfundene Idee; sie sind dasjenige, was wir erleben, wenn wir nun nicht durch bloße Blutsverwandtschaft oder durch bloßes organisches Zusammengehören dem anderen Menschen gegenüberstehen, sondern wenn wir wirklich uns hinüberleben können in dasjenige, was in seiner Seele lebt. Da geht uns auf dasjenige, was uns entgegendringt, da tritt der Geist des einen Menschen dem Geist des anderen Menschen gegenüber, da entspringt ihm erfahrungsgemäß das, wovon er sagen kann: das, was hier ein Band für deine Seele, für deinen Geist mit dem anderen Menschen knüpft, das ist nicht durch dieses Leben entstanden. Durch dieses Leben ist entstanden dasjenige, was im Blute liegt. Was aber im Geiste als Notwendigkeit auftritt, das ist entstanden durch etwas, was diesem Leben vorangegangen ist. Wer wirklich diese Entwickelung des neueren Menschheitslebens seit der Mitte des 15. Jahrhunderts verfolgt - es ist nur ein Nebel noch darüber gebreitet für die weitesten Kreise der Menschheit -, der wird aus dem Zusammenleben mit den Menschen zu der Idee der wiederholten Erdenleben kommen. Und was da zur Erscheinung kommt, das tritt auf, ich möchte sagen, wie ein Traum. Ich sage «wie ein Traum» aus folgendem Grunde: Indem wir einschlafen, schlafen wir in ein Unbewußtes hinein. Dann tritt aus diesem Unbewußten das oder jenes als Traum heraus. Man kann dieses Einschlafen ins Unbewußte hinein vergleichen mit dem Untertauchen in die Seelen unserer Mitmenschen, so wie ich es eben charakterisiert habe. Dann taucht aus diesem Untertauchen, ich möchte sagen, nicht eigentlich bildlich, sondern sehr eigentlich, aus diesem Hineinschlafen in unsere Mitmenschen auch zunächst etwas auf wie der Traum der wiederholten Erdenleben und macht uns aufmerksam darauf, daß so etwas gesucht werden muß, um das Leben zu begreifen, um den Weg durch die Sinneswelt zu finden. Und dasjenige, was wie ein Traum aus dem sozialen Leben herausleuchtet, das wird zu einer vollständigen Gewißheit, wenn wir nun ebenso, wie ich es vorhin dargestellt habe für das Gedächtnis, den menschlichen Willen ausbilden. Aber so wie das Gedächtnis zu einer vollbewußten Kraft werden muß, so muß der Wille andererseits etwas ablegen, was ihn im gewöhnlichen Leben ganz und gar dirigiert.

[ 29 ] But these repeated earthly lives are not a figment of the imagination; they are what we experience when we face another human being not merely through blood ties or mere organic connection, but when we can truly reach across into what lives within their soul. There, we are drawn to what comes toward us; there, the spirit of one human being meets the spirit of another; and there, based on experience, arises what one can say: that which here forges a bond between your soul and spirit and that of another human being did not arise through this life. What has arisen through this life is what lies in the blood. But what arises in the spirit as a necessity has come into being through something that preceded this life. Anyone who truly traces the development of modern human life since the middle of the 15th century—though a veil still shrouds it for the vast majority of humanity—will, through living among people, arrive at the idea of repeated earthly lives. And what emerges there appears, I would say, like a dream. I say “like a dream” for the following reason: When we fall asleep, we sleep our way into the unconscious. Then this or that emerges from this unconscious as a dream. One can compare this falling asleep into the unconscious to immersing oneself in the souls of our fellow human beings, just as I have just described. Then, from this immersion—I would say, not merely figuratively, but quite literally—from this sinking into our fellow human beings, something emerges at first that is like the dream of repeated earthly lives, and it draws our attention to the fact that such a thing must be sought in order to understand life, to find the path through the sensory world. And that which shines forth like a dream from social life becomes a complete certainty when we now develop the human will in the same way that I described earlier with regard to memory. But just as memory must become a fully conscious power, so too must the will, on the other hand, shed something that completely directs it in ordinary life.

[ 30 ] Was dirigiert denn im gewöhnlichen Leben unseren Willen, unsere Begehrungen, unsere Begierden? Würden unsere Begierden nicht entspringen aus unserem organischen Leibesleben heraus, der Wille hätte gewissermaßen nichts zu tun. Wer den Willen erfahrungsgemäß durchschaut, der weiß, daß dieser Wille sich stützt auf die Begierde. Aber wir können auch dasjenige, was als die eigentliche Kraft des Willens wirkt, von unseren Begierden loslösen. Bis zu einem gewissen Grade lösen wir es eben los im sozialen Leben. Aber das macht uns erst aufmerksam auf das, worauf es eigentlich ankommt. Wir lösen es los im sozialen Leben dadurch, daß wir, indem wir unseren Nächsten lieben, indem wir in dem Nächsten untergehen, ihn Ja nicht begehren wie ein Stück Fleisch. Nicht aus unseren Begierden heraus lieben wir den Nächsten, sondern es ist daein Anwenden eines begierdelosen Willens. Aber auch dieser begierdelose Wille kann durch eine besondere Schulung herangezogen werden. Das geschieht dann, wenn wir nicht bloß das wollen, was in der Außenwelt zu erreichen ist, das, wonach das eine oder das andere Begehren geht, sondern wenn wir den Willen auf unseren Menschen und seine Entwickelung selber anwenden. Das können wir. Wir überlassen uns nur zu häufig dem Leben, wie es uns trägt. Aber man kann auch dann, wenn man der Schule entwachsen ist, das heißt, wenn die anderen nicht mehr die Erziehung besorgen, eine fortwährende Selbsterziehung, eine fortwährende Selbstzucht ausüben. Man kann sein eigenes seelisches Wesen in die Hand nehmen, man kann sich vornehmen, dies und jenes zu erreichen. Man kann sich vornehmen, wenn einen das Leben bis zu einem gewissen Zeitpunkte dahin geführt hat, in diesem oder jenem Gebiete des Lebens sich auszukennen, auf ein anderes Gebiet des Lebens seine Urteilskraft zu übertragen, kurz, man kann den Willen umkehren. Während sonst der Wille immer von innen nach außen wirkt, wie die Begierde das Äußere beherrscht, so kann der Wille umgekehrt werden, nach innen gekehrt werden. Indem wir durch unseren Willen Selbstzucht üben, indem wir versuchen, uns immer besser und besser nach der einen oder anderen Richtung zu machen, wenden wir die eigentliche begierdelose Willenskraft an. Und dasjenige, was Sie in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft» finden, das zielt neben dem anderen, was ich schon charakterisiert habe, darauf hin, daß der Mensch eine solche Willenskultur auf sich selber anwende, so daß er immer mehr und mehr, ich möchte sagen, mit seinem Willen in sich selber hineindringt. Dann aber, wenn diese zwei Kräfte zusammenwirken, die aus dem Unbewußten herausgeholte Erinnerungskraft, die dann erfaßt den menschlichen Willen, dann weiß sich der Mensch innerlich als Geist, dann weiß er, daß er auf rein geistige Weise innerlich den Geist ergriffen hat, dann weiß er, daß er das nicht durch die Organe des Leibes ausführt. Dann weiß er, wie geistiges Handeln im Geiste ist, dann weiß er, was es heißt: Seele und Geist sind unabhängig vom Leibe.

[ 30 ] What, then, directs our will, our desires, and our cravings in everyday life? If our cravings did not arise from our organic bodily life, the will would, so to speak, have nothing to do. Anyone who has come to understand the will through experience knows that this will is based on craving. But we can also detach that which acts as the actual power of the will from our desires. To a certain extent, we do detach it in social life. But this is what first draws our attention to what really matters. We detach it in social life by loving our neighbor—by losing ourselves in the neighbor—and certainly not by desiring him or her as a piece of meat. We do not love our neighbor out of our desires; rather, it is an exercise of a desireless will. But even this desireless will can be cultivated through special training. This happens when we do not merely will what can be attained in the external world—that which one desire or another seeks—but when we apply our will to our fellow human beings and their development itself. We are capable of this. All too often, we simply let life carry us along as it will. But even after one has outgrown school—that is, when others are no longer responsible for one’s education—one can still engage in continuous self-education and continuous self-discipline. One can take one’s own spiritual nature into one’s own hands; one can resolve to achieve this or that. One can resolve—once life has led one to a certain point—to become knowledgeable in this or that area of life, to transfer one’s power of judgment to another area of life; in short, one can reverse the will. Whereas the will otherwise always acts from the inside out—just as desire dominates the external world—the will can be reversed and turned inward. By practicing self-discipline through our will, by striving to improve ourselves more and more in one direction or another, we apply the true, desire-free power of the will. And what you will find in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds? and in the second part of my Secret Science aims—alongside the other aspects I have already described—to enable human beings to apply such a cultivation of the will to themselves, so that they penetrate ever more deeply, I might say, into their own inner being with their will. But then, when these two forces interact—the power of memory drawn from the unconscious, which then grasps the human will—then the human being knows inwardly that he is spirit; then he knows that he has grasped the spirit inwardly in a purely spiritual way; then he knows that he is not carrying this out through the organs of the body. Then he knows what spiritual action in the spirit is like; then he knows what it means that the soul and the spirit are independent of the body.

[ 31 ] Man kann nicht beweisen, daß die Seele und der Geist unabhängig vom Leibe sind, denn sie sind es im gewöhnlichen Leben nicht. Im gewöhnlichen Leben ist Geist und Seele vom Leibe durchaus abhängig. Aber in uns lebt ein anderer Mensch, der ist unabhängig, den können wir aus seinen Tiefen heraufholen. Dann zeigt sich uns erst dasjenige, was im Menschen als das Ewige waltet.

[ 31 ] It cannot be proven that the soul and the spirit are independent of the body, for they are not so in ordinary life. In ordinary life, the mind and soul are entirely dependent on the body. But within us lives another person who is independent; we can draw this person up from the depths of our being. Only then does that which reigns within us as the eternal reveal itself to us.

[ 32 ] Sie sehen, es ist durchaus nicht eine verkehrte, vertrackte Mystik in dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft. Es ist in ihr durchaus dasjenige, was sich in vollständig klarer Weise ausdrükken läßt, wozu man aber nur kommt, wenn man es sich wirklich innerlich erklärt und nicht nur sagt: Du sollst dein Inneres ausbilden, du sollst in dich hineinschauen, du sollst den Gott in deiner eigenen Natur finden. - In der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft wird auf ganz bestimmte Kräfte, die in einer ganz bestimmten Weise in Zucht genommen werden sollen, hingewiesen. Das ist es, worauf es hier ankommt. Damit ist allerdings diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft in einer anderen Art die Fortsetzung des modernen naturwissenschaftlichen und sozialen Strebens. Man kann ja auf dem Gebiete der Naturwissenschaft nicht mehr ganz und gar vom Geiste absehen. Und so ist es gekommen, daß, weil man den Druck nicht beseitigen wollte, den ich eingangs charakterisiert habe, man mit denselben Methoden, mit denen man, ich möchte sagen, sich duckt unter den gekennzeichneten Druck, auch den Nachweis führen will heute, daß es im Menschen so etwas gibt wie einen Geist, wie eine Seele. Und das ist dasjenige, was aufgetreten ist bei denen, die die ganze Sachlage in der Kulturentwickelung der Gegenwart nicht durchschauen.

[ 32 ] As you can see, there is by no means any kind of distorted, convoluted mysticism in this anthroposophically oriented Spiritual Science. It certainly contains that which can be expressed in a completely clear way—but one can only arrive at this if one truly explains it to oneself inwardly, rather than merely saying: ‘You should develop your inner self, you should look within yourself, you should find the divine in your own nature.’ - In this anthroposophically oriented Spiritual Science, reference is made to very specific forces that are to be disciplined in a very specific way. That is what matters here. In this sense, however, this anthroposophically oriented Spiritual Science is, in a different way, a continuation of modern scientific and social endeavors. After all, in the field of natural science, one can no longer completely disregard the spirit. And so it has come to pass that, because people did not want to eliminate the pressure I characterized at the outset, they now seek to prove—using the very same methods with which, I might say, they cower under that pressure—that there is such a thing as a spirit, as a soul, within the human being. And this is precisely what has happened among those who fail to grasp the full picture of cultural development in the present day.

[ 33 ] Diesem Streben nach dem Geiste, das aber in einer verkehrten Richtung sich bewegt, verdanken wir alle die Hoffnungen, die sich auf gewisse berechtigte Untergründe aufbauen, die Hoffnungen, die gerade manche Naturforscher haben in bezug auf Hypnotismus, in bezug auf die Möglichkeit, daß der eine Mensch dem anderen bei herabgedämpftem Bewußtsein irgendeine Idee einsuggeriert. Wir verdanken diesem Streben die Hoffnungen, die manche setzen auf die Untersuchung des Traumlebens und dergleichen mehr, und wir verdanken diesem Streben, doch zum Geiste zu kommen - weil der Mensch nicht anders kann, als den Geist doch zu suchen -, den ganzen Irrtum des Spiritismus.

[ 33 ] It is to this pursuit of the spirit—which, however, is moving in the wrong direction—that we all owe the hopes built upon certain legitimate foundations: the hopes that some natural scientists in particular harbor regarding hypnotism, regarding the possibility that one person might suggest an idea to another while the latter’s consciousness is subdued. We owe to this quest the hopes that some place in the study of dream life and the like, and we owe to this quest—to reach the spirit, after all, because human beings cannot help but seek the spirit—the entire error of spiritualism.

[ 34 ] Was wird eigentlich auf diesem Gebiete gesucht? Nun, nehmen Sie so etwas, wie es der Fall ist beim Hypnotisieren oder beim Mediumismus, was geschieht denn da eigentlich? Da wird dasjenige, was das normale menschliche Bewußtsein ist, durch das der Mensch fest drinnensteht im gewöhnlichen Leben, herabgedämpft. Indem der Mensch hypnotisiert wird, wird dasjenige, was seine bewußte Fähigkeit ist im gewöhnlichen Leben, herabgedämpft. Gewissermaßen auf den unbewußten oder halbbewußten oder viertelsbewußt gewordenen Menschen wirken dann andere Kräfte ein, die vielleicht vom Nebenmenschen oder von anderen ausgehen. Da kommt, das ist zweifellos, allerlei Interessantes zutage. Gewiß, es kommt auch durch den Mediumismus allerlei Interessantes zutage; aber dasjenige, was zutage tritt, das ist erreicht auf der Grundlage einer Herabdämpfung, einer Einschläferung des gewöhnlichen Bewußtseins. Das wird niemals angestrebt bei den Forschungsmethoden der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft. Die Forschungsmethode der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft sagt: Der Mensch ist vorgedrungen in seiner Entwickelung zu dem Bewußtsein, das er im gewöhnlichen Leben durch seine Sinne im wachen Zustande hat; will man etwas über den Menschen ersprießliches Neues erkennen, so soll man ihm nicht dieses Bewußtsein lähmen, es nicht herabdämpfen, sondern im Gegenteil weiterführen, wie ich das angedeutet habe. Man soll die Klarheit erhöhen, die Sinneswahrnehmungen hinführen in die Erinnerungskraft, indem man den Willen, der sonst nur aus der dumpfen Begierde entspringt, anwendet auf die Selbstzucht. Weil man diesen Weg nicht geht, nicht den Mut und die Ausdauer hat zu diesem Weg, dämpft man den Willen herab und glaubt, daß man dadurch zu einer Erkenntnis des Seelischen, des Geistigen im Menschen komme.

[ 34 ] What, exactly, are we looking for in this field? Well, take something like hypnosis or mediumship—what actually happens there? In these cases, what constitutes normal human consciousness—the state in which a person is firmly rooted in everyday life—is suppressed. When a person is hypnotized, their conscious faculties—which are active in ordinary life—are subdued. In a sense, other forces then begin to influence the person, who has become unconscious, semi-conscious, or a quarter-conscious, forces that may emanate from those around them or from other sources. There, undoubtedly, all sorts of interesting things come to light. Certainly, all sorts of interesting things also come to light through mediumship; but what comes to light is achieved on the basis of a dampening, a lulling of ordinary consciousness. This is never the aim of the research methods of anthroposophically oriented Spiritual Science. The research method of anthroposophically oriented Spiritual Science states: Human beings have advanced in their development to the level of consciousness they possess in ordinary life through their senses while awake; if one wishes to gain fruitful new insights into human beings, one should not paralyze this consciousness or dampen it, but rather, on the contrary, develop it further, as I have indicated. One should heighten clarity and channel sensory perceptions into the power of memory by applying the will—which otherwise arises only from dull desire—to self-discipline. Because people do not follow this path, and lack the courage and perseverance to do so, they suppress the will and believe that this will lead them to an understanding of the soul and the spirit within the human being.

[ 35 ] Wozu aber kommt man dadurch, daß man dem Menschen seine sonstige Fähigkeit nimmt? Dadurch, daß man den Menschen einschläfert, kommt man zu einer äußeren Betrachtungsweise des Menschen, die ihn nicht zeigt als Geistig-Seelisches, die ihn zeigt gerade in seinem Untermenschlichen, in demjenigen, was ihn dem Tiere ähnlicher macht, als er im gewöhnlichen Leben ist. Das muß streng betont werden, daß durch alle diese manchmal gut gemeinten Forschungsmethoden der Mensch in das Untermenschliche hinuntergeführt wird. Wenn ich jemanden hypnotisiere und ihm eine Kartoffel gebe, aber durch die suggestive Kraft ihm klarmache, das ist eine Birne, und er in die Kartoffel hineinbeißt mit dem Bewußtsein, in eine Birne hineinzubeißen, dann umdüstere ich sein höheres Bewußtsein so, wirke auf ihn so, wie gewirkt wird auf den Instinkt des Tieres. Nur daß der Mensch auch in seinem Untermenschlichen nicht ganz ein Tier ist, sondern daß sich seine Tiernatur in einer anderen Weise äußert. Das ist das Wesentliche. Und wenn man sucht nach irgendwelcher Gedankenübertragung im eingeschläferten Zustande oder bei herabgesetztem Bewußtsein überhaupt, so hat man es wiederum zu tun mit einer ins Menschliche übersetzten instinktiven Tätigkeit, das heißt mit einem Untermenschlichen. Wer zusammenwirft dasjenige, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft sein will, mit diesen Dingen, der verleumdet anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Denn hier handelt es sich nicht darum, den Menschen herunterzuführen von seinem gewöhnlichen Bewußtseinszustand in ein Untermenschliches, sondern ihn über sich hinauszuführen, so daß das gewöhnliche Bewußtsein fortwirkt und ein höheres Bewußtsein zu diesem gewöhnlichen Bewußtsein hinzukommt.

[ 35 ] But what is the result of depriving a person of their other faculties? By lulling people to sleep, one arrives at an external view of the human being that does not show him as a spiritual-soul being, but rather reveals him precisely in his subhuman aspects—in that which makes him more like an animal than he is in ordinary life. It must be strongly emphasized that through all these research methods—sometimes well-intentioned—the human being is led down into the subhuman realm. If I hypnotize someone and give them a potato, but through the power of suggestion make them believe it is a pear, and they bite into the potato with the awareness that they are biting into a pear, then I cloud their higher consciousness; I act upon them in the same way that one acts upon the instinct of an animal. Except that even in his subhuman aspect, a human being is not entirely an animal; rather, his animal nature expresses itself in a different way. That is the essential point. And if one seeks any kind of thought transmission in a state of sleep or with diminished consciousness in general, one is again dealing with an instinctive activity translated into the human realm—that is, with something subhuman. Anyone who conflates what aims to be anthroposophically oriented Spiritual Science with these things is slandering anthroposophically oriented Spiritual Science. For the aim here is not to lead the human being down from his ordinary state of consciousness into something subhuman, but to lead him beyond himself, so that ordinary consciousness continues to function and a higher consciousness is added to this ordinary consciousness.

[ 36 ] Gerade das ist es, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft durch ihre Forschungsmethode zeigt, daß dem Menschen, den wir hier haben in der Sinneswelt, zugrunde liegt ein tierischer, ein untermenschlicher Instinkt; und den kann man, indem man das gewöhnliche Bewußtsein einschläfert, hervorrufen, aufzeigen. Wenn er sich anders äußert als im gewöhnlichen Bewußtsein, so kann gerade die hier gemeinte Geisteswissenschaft diese andere Äußerung verfolgen. Sie charakterisiert diese andere Äußerung, die immer in der Hypnose, im mediumistischen Zustande stattfindet, als ein Untermenschliches, als ein Herabsteigen in die Tierheit. Aber es zeigt sich zu gleicher Zeit, daß dasjenige, was als Tierisches im Menschen lebt, nicht so ist wie beim gewöhnlichen Tier. Die Forschungsmethode, von der ich hier gesprochen habe als von der der hier gemeinten Geisteswissenschaft, die weiß, daß dasjenige, was zum Vorschein kommt durch solche Experimente wie beim Hypnotismus, wie beim Mediumismus, etwas ist, was im Menschen heute noch lebt aus früheren menschlichen Zuständen. Gerade dadurch, daß diese Geisteswissenschaft nicht zu einer subjektiv gefärbten, sondern zu einer objektiven Selbsterkenntnis kommt, kann sie ein Urteil darüber gewinnen, was das eigentlich ist, was durch Hypnose, was durch Mediumismus auftritt. Das ist etwas, was dieser irdischen Welt gar nicht angehört.

[ 36 ] This is precisely what anthroposophically oriented Spiritual Science demonstrates through its research method: that the human being we encounter here in the sensory world is fundamentally driven by an animalistic, subhuman instinct; and this instinct can be evoked and revealed by lulling ordinary consciousness to sleep. When this instinct manifests itself differently than it does in ordinary consciousness, it is precisely the Spiritual Science referred to here that can trace this different manifestation. It characterizes this different manifestation—which always takes place under hypnosis or in a mediumistic state—as subhuman, as a descent into animality. But it becomes apparent at the same time that what lives as animal nature within the human being is not the same as in ordinary animals. The research method I have spoken of here—that of the Spiritual Science referred to here—knows that what comes to light through experiments such as hypnosis and mediumship is something that still lives within human beings today, stemming from earlier human states. Precisely because this Spiritual Science arrives not at a subjectively colored but at an objective self-knowledge, it can form a judgment about what it actually is that appears through hypnosis and through mediumship. This is something that does not belong to this earthly world at all.

[ 37 ] Verfolgt man mit den Mitteln der Geisteswissenschaft dasjenige, was in der irdischen Welt sich ausbreitet im tierischen, im pflanzlichen, im mineralischen Reich, verfolgt man es in seiner Beziehung zum Menschen, dann findet man, daß der Mensch, wie er jetzt ist, der Erde gerade dadurch angepaßt ist, daß er sein heutiges Bewußtsein hat. Die Bewußtseinszustände, die bei eingeschläfertem, nicht gewöhnlichem Bewußtsein, die in der Hypnose, im Mediumismus auftreten, sind nicht Bewußtseinszustände, sind nicht menschliche Kräfte, die davon herrühren könnten, daß der Mensch der Erde angepaßt ist; das rührt her von einer solchen Anpassung, die dem Menschen eigen war, bevor die Erde Erde geworden ist. Und zurückgewiesen wird gerade durch solche Zustände durch die Forschung auf Zustände der Erde selbst, die aber dem heutigen Erdenzustand vorangegangen sind.

[ 37 ] If one uses the methods of Spiritual Science to examine what unfolds in the earthly world—in the animal, plant, and mineral kingdoms—and traces it in relation to the human being, one finds that the human being, as he is today, is adapted to the Earth precisely because he possesses his present state of consciousness. The states of consciousness that occur during sleep, in states of altered consciousness, in hypnosis, and in mediumship are not states of consciousness; they are not human powers that could stem from humanity’s adaptation to the Earth; rather, they stem from a form of adaptation that was inherent to humanity before the Earth became the Earth. And it is precisely through such states that research is directed toward states of the Earth itself—states that preceded the Earth’s present condition.

[ 38 ] Erforscht man nun weiter, wie der heutige Erdenzustand zusammenhängt mit der Tier- und Pflanzenwelt, so sieht man, daß der Mensch etwas in sich trägt, was ihn nicht als angepaßt erscheinen läßt an das heutige Erdendasein, daß die Tier- und Pflanzenwelt aber an das heutige Erdendasein angepaßt ist. Damit gewinnt man dann den Ausblick darauf, daß der Mensch allerdings in primitiven Zuständen, die, wenn heute hervorgerufen, nichts als sein Bewußtsein herabdämpfend sind, vorhanden war, bevor die heutigen Tiere in ihrer jetzigen Gestalt vorhanden waren. So daß wir zu sagen haben: Nicht aus der tierischen Welt ist der Mensch aufgestiegen, sondern der Mensch war, allerdings mit solchen Seelenzuständen und Geisteszuständen, wie wir sie heraufholen, wie sie tierähnlich auftreten in den charakterisierten Zuständen, vorhanden, bevor die Erde zu diesem jetzigen planetarischen Zustande kam.

[ 38 ] If we now investigate further how the current state of the Earth relates to the animal and plant worlds, we see that human beings possess something within themselves that makes them appear ill-suited to present-day life on Earth, whereas the animal and plant worlds are well-adapted to it. This then gives us the insight that human beings did indeed exist in primitive states—states which, if evoked today, would do nothing but dull their consciousness—before today’s animals existed in their present forms. Thus we must say: Human beings did not evolve from the animal world, but rather existed—albeit with such states of soul and spirit as we recall, which manifest in an animal-like manner in the described states—before the Earth reached its present planetary condition.

[ 39 ] Ich kann Ihnen heute nicht die Einzelheiten, die Sie in meinen Büchern nachlesen können, auseinandersetzen. Ich wollte aber wenigstens andeuten, daß gerade, indem verfolgt wird manches, worauf heute Hoffnungen gesetzt werden für die Erkenntnis des heutigen Wesens des Menschen, damit ein Weg gezeigt wird, um den Ausblick in vorirdische Zeiten und in das Wesen des Menschen in solchen Vorzeiten zu gewinnen. Ebenso aber werden wir dadurch, daß wir Bewußtseinszustände hervorrufen können, welche über dem heutigen, der Erde angepaßten Bewußtseinszustand liegen, darauf hingewiesen, wie wir leben werden in diesen höheren Bewußtseinszuständen dann, wenn die Erde nicht mehr unser Wohnplatz sein wird.

[ 39 ] I cannot go into the details today—details you can read about in my books. However, I wanted at least to suggest that it is precisely by pursuing certain things on which hopes are currently pinned for understanding the present nature of the human being that a path is shown toward gaining insight into pre-earthly times and into the nature of the human being in such ancient times. Likewise, by being able to evoke states of consciousness that transcend our present state—which is adapted to life on Earth—we are shown how we will live in these higher states of consciousness when the Earth is no longer our home.

[ 40 ] Diese Dinge eröffnen sich dem inneren Schauen. Man kann nicht sagen: Diese Dinge kann man nicht beweisen, geradesowenig wie Sie beweisen können, daß es Kamele gibt. Sie müssen sie gesehen haben, oder irgend jemand muß sie gesehen haben, dann weiß man, daß es Kamele gibt. So kann man nicht mit der gewöhnlichen Urteilskraft, die nur für die gewöhnliche Welt gilt, das Übersinnliche beweisen. Man muß zeigen, wie man zum Schauen des Übersinnlichen kommt. Aus diesem Schauen des Übersinnlichen ergibt sich dasjenige, was zwar in die Sinneswelt hereinwirkt, was aber in der Sinneswelt selber niemals gesehen werden kann.

[ 40 ] These things reveal themselves to inner vision. One cannot say: “These things cannot be proven,” any more than you can prove that camels exist. You must have seen them, or someone else must have seen them; only then do you know that camels exist. Thus, one cannot prove the supersensible using ordinary reasoning, which applies only to the ordinary world. One must show how one comes to perceive the supersensible. From this perception of the supersensible arises that which, although it influences the sensory world, can never be seen within the sensory world itself.

[ 41 ] So könnte natürlich nun gesagt werden: Ja, du zeigst uns, wie es einzelnen Menschen gelingt, durch ein übersinnliches Schauen den Geist zum Führer zu machen durch die Sinneswelt und in die übersinnliche Welt hinein. Aber können denn alle Menschen so zum Schauen in die übersinnliche Welt hinein kommen? - Mit dieser Sache verhält es sich so: Wenn Sie dasjenige auf sich wirken lassen, was in den schon angeführten Büchern von mir beschrieben ist als eine innere Zucht, als eine innere Entwickelung, die Sie selbst in die Hand nehmen für Ihre Seele, so gelangen Sie unbedingt dazu, aus Ihrer eigenen Urteilskraft, aus Ihrem eigenen gesunden Menschenverstand, der dann eben entwickelt ist, dasjenige einzusehen, was der Geistesforscher in der geistigen Welt entdecken kann. Aber geradeso, wie es für die physische Forschung einzelne Forscher gibt, die das eine oder das andere aufsuchen, und man dann entgegennehmen muß, was sie aufgefunden haben, so wird es in der Zukunft der Menschheitsentwickelung einzelne Geistesforscher geben, die dies oder jenes in der geistigen Welt erforschen. Für sie hängt, ob sie etwas erforschen können, davon ab, ob ihnen in gewissen Augenblicken des Lebens, auf die sie gewartet haben, ohne ihr Zutun denn man kann nur durch Seelenentwickelung sich zum Wartenden machen -, dasjenige, was als geistige Tatsache auftritt, erkennbar wird. Das muß, so könnte man, einen religiösen Ausdruck gebrauchend, sagen, wie durch eine Gnade kommen. Diese Gnade wird für den Menschen als Geistesforscher ebenso eintreten, wie, sagen wir, für den einen Menschen und für den anderen diese oder jene Erfahrung in der sinnlichen Welt eintritt. So wird es sein, daf) gewisse Tatsachen immer einzelne Menschen aus der geistigen Welt hervorholen werden.

[ 41 ] Of course, one might now say: Yes, you show us how individual people succeed, through supersensible perception, in making the spirit their guide through the sensory world and into the supersensible world. But can all people attain such insight into the supersensible world? — The situation is as follows: If you allow what I have described in the books I have already mentioned—as inner discipline, as inner development that you yourself undertake for your soul—to take effect within you, you will inevitably come to understand, through your own power of judgment and your own sound common sense—which will by then have been developed—what the spiritual researcher can discover in the spiritual world. But just as there are individual researchers in physical science who investigate one thing or another—and we must then accept what they have discovered—so too, in the future of human development, there will be individual spiritual researchers who investigate this or that in the spiritual world. For them, whether they can investigate something depends on whether, at certain moments in life—moments they have been waiting for, through no effort of their own (for one can only prepare oneself to wait through the development of the soul)—that which appears as a spiritual fact becomes recognizable to them. To use religious terminology, one might say that this must come about as if through a grace. This grace will come to the individual as a spiritual researcher just as, let us say, this or that experience occurs in the sensory world for one person or another. This is how it will be, for certain facts will always be brought forth from the spiritual world by individual human beings.

[ 42 ] Um diese Tatsachen hervorzuholen, ist verschiedenes nötig; da ist nicht bloß nötig, daß man dasjenige durchgemacht hat, was in den genannten Büchern steht, daß man restlos verstehen kann, was der Geistesforscher ausspricht, sondern da ist nötig etwas, was als Eigenschaft des Menschen bezeichnet werden kann mit «furchtlos» in einem sehr hohen Grade gegenüber der geistigen Welt. Die Menschen dringen ja so ungern in die geistige Welt ein aus dem Grunde, weil sie eigentlich Furcht haben vor dem Unbekannten, wie der Mensch immer Furcht hat vor dem Unbekannten. Furchtlos muß der Geistesforscher werden. Und auf der anderen Seite muß er sich die Eigenschaft der Leidfähigkeit, der Schmerzfähigkeit aneignen; denn eine wirkliche Entdeckung aus der geistigen Welt heraus, sie kann nicht erreicht werden ohne einen gewissen Schmerz, ohne ein gewisses Leid. Sie werden begreifen, daß das so sein muß, wenn Sie sich einfach vorstellen, daß ja der Zustand des geistigen Schauens nicht angepaßt ist an die gewöhnlichen Erdenverhältnisse, ebensowenig angepaßt ist im Grunde genommen, wie angepaßt ist unsere Seele unserem krank gewordenen Organismus, der schmerzt. Versetzt man sich wirklich mit der entwickelten Seele in die Tatsachen der geistigen Welt, so ist man in einer Welt, für die man zunächst nicht organisiert ist. Man dringt ein in eine Welt, die da schneidet, die da brennt. Das muß durchgemacht werden. Und man dringt zu den Tatsachen nur, wenn man wirklich mit der Gesinnung sich ihnen nähert, die darinnen besteht, daß man alles anwendet, was die Seele entwickeln kann, daß man dann aber wartet, bis in gewissen, ich möchte noch einmal sagen, gnadevollen Augenblicken die geistigen Tatsachen an die Menschen herantreten.

[ 42 ] To bring these facts to light, various things are necessary; it is not merely necessary to have gone through what is described in the aforementioned books so that one can fully understand what the spiritual researcher is saying, but rather something that can be described as a human quality—namely, being “fearless” to a very high degree in relation to the spiritual world. People are so reluctant to enter the spiritual world precisely because they are actually afraid of the unknown, just as human beings are always afraid of the unknown. The spiritual researcher must become fearless. And on the other hand, he must acquire the capacity to endure suffering and pain; for a true discovery from the spiritual world cannot be attained without a certain amount of pain, without a certain amount of suffering. You will understand that this must be so if you simply create a mental image of the state of spiritual vision as not being adapted to ordinary earthly conditions—any more than, fundamentally speaking, our soul is adapted to our ailing organism, which is in pain. If one truly immerses oneself with a developed soul in the realities of the spiritual world, one finds oneself in a world for which one is not initially equipped. One enters a world that cuts and burns. This must be endured. And one penetrates to the realities only when one truly approaches them with the attitude that consists in applying everything the soul can develop, but then waiting until, in certain—I would like to say once again—gracious moments, the spiritual realities approach human beings.

[ 43 ] Das soll man sich durchaus nicht vorstellen als irgend etwas, das an einen so herantritt wie eine Phantasie-Idee, sondern das soll man sich vorstellen als ein Erlebnis von einer durchgreifenden Intensität in bezug auf das innere Dasein des Menschen. Ich will nur diese einfache Tatsache nehmen, die ich schon angeführt habe, die eigentlich nur durch Geistesforschung heute vor der Menschenseele auftreten kann, die Tatsache, daß in der Mitte des 15. Jahrhunderts das ganze Menschengeschlecht der zivilisierten Welt einen Umschwung erlebt hat - eine einfache Tatsache. Daß man sie aussprechen darf wie eine naturwissenschaftliche Tatsache, das darf nur davon herrühren, daß man an seiner Seele gearbeitet hat, emsig gearbeitet hat, daß man nicht durch Willkür den Geist hat erobern wollen, sondern daß man sich durch dieses Arbeiten versetzt hat in einen erwartungsvollen Zustand, bis da gekommen ist dasjenige, was sich als eine solche scheinbar einfache Wahrheit enthüllt.

[ 43 ] One should by no means form a mental image of this as something that approaches one like a figment of the imagination, but rather as an experience of profound intensity in relation to the inner being of the human being. I will take just this simple fact, which I have already mentioned—a fact that can actually only be revealed to the human soul today through spiritual research—namely, that in the middle of the 15th century, the entire human race in the civilized world underwent a radical transformation—a simple fact. The fact that one may state it as a scientific fact can only stem from having worked on one’s soul—having worked diligently—not seeking to conquer the spirit through arbitrariness, but rather having placed oneself, through this work, in a state of anticipation until that which reveals itself as such a seemingly simple truth has come to light.

[ 44 ] Dann ist noch etwas notwendig. Es gibt Menschen, ich erinnere nur zum Beispiel an den Philosophen Schelling oder an andere, die bekamen durch besondere Gnadenaugenblicke den einen oder anderen Eindruck aus der geistigen Welt. Was taten sie? Sie konnten nicht schnell genug, wenn sie einen Eindruck aus der geistigen Welt empfingen, eine Weltanschauung aufbauen. Sie ziehen Konsequenzen aus irgendeiner Impression, die sie aus der geistigen Welt bekommen. Einen Eindruck haben sie bekommen, dann machen sie ein ganzes System daraus, eine ganze Weltanschauung. Das ist es, was sich der wirkliche Geistesforscher ganz und gar abgewöhnen muß. Der wirkliche Geistesforscher muß stehenbleiben bei dieser einzelnen Tatsache, die sich ihm enthüllt, und er muß weiter warten, bis sich ihm eine andere Tatsache enthüllt. Man darf nicht, wenn man zum Beispiel die Tatsache, die ich heute erwähnt habe, kennengelernt hat, daß der Erde vorirdische Zustände vorangegangen sind, in denen der Mensch schon gelebt hat, daraus ein ganzes wissenschaftliches System ableiten über die Evolution der Erde, sondern muß solch eine Tatsache hinnehmen als eine isolierte, einzelne Tatsache und andere ebenso isolierte, einzelne Tatsachen herankommen lassen, so daß sich Tatsache nach Tatsache hinstellt, reichhaltig oder weniger reichhaltig. Aber man muß auf jede einzelne Tatsache warten; darauf kommt es an. Wenn auch geistige Erleuchtungen durchaus dasjenige sind, was zugrunde liegt der Geistesforschung, so treten diese geistigen Erleuchtungen nur ein, wenn das Schicksal den Menschen dazu prädestiniert. Geradeso wie man nicht schließen darf aus der nördlichen Halbkugel der Erde auf dasjenige, was auf der südlichen Halbkugel der Erde ist, sondern gesondert erforschen muß, was auf der südlichen Halbkugel der Erde ist, so darf man nicht von einem Winkel der geistigen Welt aus auf das andere der geistigen Welt schließen, sondern muß in der geistigen Welt lernen herumzuwandern, die Einzelheiten in ihrer Isolierung aufzufassen. Daraus schon ersehen Sie, daß verteilt sein wird über die Menschen dasjenige, was sie erforschen können aus der geistigen Welt; sie können ja manches lernen.

[ 44 ] There is one more thing that is necessary. There are people—I need only mention, for example, the philosopher Schelling or others—who, through special moments of grace, received one impression or another from the spiritual world. What did they do? Whenever they received an impression from the spiritual world, they could not wait to construct a worldview. They draw conclusions from whatever impression they receive from the spiritual world. They receive a single impression, and then they turn it into an entire system, an entire worldview. This is precisely what the true spiritual researcher must completely refrain from doing. The true spiritual researcher must stop at this single fact that reveals itself to him, and he must wait until another fact reveals itself to him. For example, once one has become acquainted with the fact I mentioned today—that the Earth was preceded by pre-earthly states in which human beings already lived—one must not derive an entire scientific system concerning the evolution of the Earth from it, but must accept such a fact as an isolated, individual fact and allow other equally isolated, individual facts to emerge, so that fact after fact emerges, whether rich or less rich in content. But one must wait for each individual fact; that is what matters. Even though spiritual insights are indeed the very foundation of spiritual research, these spiritual insights arise only when destiny predestines a person for them. Just as one must not draw conclusions about the southern hemisphere of the Earth based on the northern hemisphere, but must instead investigate separately what exists in the southern hemisphere, so too must one not draw conclusions about one corner of the spiritual world based on another; rather, one must learn to wander through the spiritual world, grasping the details in their isolation. From this alone you can see that what people are able to explore in the spiritual world will be distributed among them; after all, they can learn many things.

[ 45 ] Nun könnten Sie sagen: Ja, aber liegt denn da nicht die Gefahr vor, daß diejenigen, denen sich solche geistigen Tatsachen enthüllen, nun hochmütig unter den Menschen werden, daß sie sich als besondere Geschöpfe betrachten, die hervorragen über die übrigen Menschen? - Dafür ist schon gesorgt. Dasjenige, was als erstes vorangehen muß der wirklichen Geistesforschung, das ist absolute Bescheidenheit, gerade intellektuelle Bescheidenheit. Ohne daß diese Bescheidenheit entwickelt wird gegenüber der ganzen übrigen Menschheit, kann man nicht weiterkommen auf geistesforscherischem Gebiete. Der Geistesforscher weiß zwar seinen Mitmenschen einzelne Tatsachen aus der geistigen Welt mitzuteilen, aber die Tatsache, daß er die Gnade hat, mitzuteilen etwas, was ihm geoffenbart wird, verdankt er zu gleicher Zeit der Art, wie er seinen Mitmenschen entgegentritt. Der Geistesforscher ist ein solcher, der mit wahrer Ehrfurcht selbst dem kleinsten Kinde gegenübertritt, wenn es ihm etwas vorlallt aus dem in dem Menscheninnern verborgenen Geist und der in ihm verborgenen Seele, auch wenn sie nur aus Kindeskehle schreiend sich geltend macht. Der Geistesforscher ist froh, wenn er dies oder jenes aus der Erfahrung des einzelnen Menschen hört. Die Erlebnisse, die ihm die Menschen mitteilen, sind seine Schule. Der ordnet er sich vollständig unter. Er weiß nur eines, er weiß, daß dasjenige, was die Menschen erleben, und wenn sie auch auf noch so primitiven Bildungsstufen stehen, ein unendlich Wertvolles ist, daß nur dasjenige dabei nicht nachkommt, was gewöhnlich des Menschen Urteilskraft ist. Wenn die Menschen das, was sie erlebt haben, richtig beurteilen würden, würden sie Seelen- und Geistesschätze aus ihrem Innern und aus dem Untergrund ihres Wesens hervorholen. Auf die blickt der Geistesforscher hin. Jeder Mensch ist für ihn ein gleiches Wesen mit heiligen Rätseln in der Seele, nur daß das Oberbewußtsein, das Urteilsvermögen manchmal nicht nachkommt dem, was in den Tiefen der Seele ist. So wird gerade der Geistesforscher ein bescheidener Mensch, weil er in dieser Beziehung die geistige Gleichheit der Menschen immerfort vor seinem Auge hat, und weil er weiß, daß er dasjenige, was er in der geistigen Welt erforscht, nur dadurch hat, daß er ein Mensch unter Menschen ist. Dadurch ist er aber prädestiniert, zu arbeiten im Geiste für die anderen Menschen, die nun ihrerseits durch Meditation, Konzentration ihre Seelen so weit bringen können, daß sie dasjenige entgegennehmen, was der Geistesforscher sagt.

[ 45 ] Now you might say: Yes, but isn’t there a danger that those to whom such spiritual truths are revealed will become arrogant among people, that they will regard themselves as special beings who stand above the rest of humanity? — That has already been taken care of. The very first thing that must precede genuine spiritual research is absolute humility—specifically, intellectual humility. Without cultivating this humility toward the rest of humanity, one cannot make progress in the field of spiritual research. The spiritual researcher may indeed be able to communicate individual facts from the spiritual world to his fellow human beings, but the fact that he has the privilege of sharing something that is revealed to him is at the same time due to the way in which he approaches his fellow human beings. The spiritual researcher is one who approaches even the smallest child with true reverence when the child babbles something about the spirit hidden within the human being and the soul hidden within it—even if it makes itself heard only through a child’s shrill cry. The spiritual researcher is glad when he hears this or that from the experience of the individual human being. The experiences that people share with him are his school. He submits himself completely to them. He knows only one thing: he knows that what people experience—even if they are at the most primitive stages of development—is infinitely valuable, and that the only thing lacking in this process is what is usually called human judgment. If people were to correctly assess what they have experienced, they would draw forth treasures of the soul and spirit from within themselves and from the depths of their being. It is these that the spiritual researcher looks toward. To him, every human being is an equal being with sacred mysteries in the soul; it is only that the conscious mind and the power of judgment sometimes fail to keep pace with what lies in the depths of the soul. Thus, the spiritual researcher becomes a humble person, precisely because he constantly keeps the spiritual equality of human beings before his eyes in this regard, and because he knows that he possesses what he explores in the spiritual world only by virtue of being a human being among human beings. Consequently, he is predestined to work in spirit for other people, who, in turn, through meditation and concentration, can develop their souls to the point where they are able to receive what the spiritual researcher says.

[ 46 ] Sie können erwidern, das sei aber doch nicht sehr gut eingerichtet, daß die Menschen so nebeneinander leben sollen, daß man von einzelnen Menschen erfahren soll, was man zwar begreifen kann, was man aber nicht selbst erforschen kann. Darauf kann ich Ihnen ein Zweifaches erwidern. Das eine ist, daß dies eben eine Tatsache ist, die man hinnehmen muß wie eine andere Tatsache des Lebens, mag es für manchen auch anders wünschenswert sein. Das ist das eine, was ich erwidern kann. Das andere aber ist, daß derjenige, der eine solche Menschenzukunft voraussieht, eine Menschenzukunft, in der es unter den Menschen solche gibt, die hineinschauen in die geistige Welt, und aus dieser geistigen Welt den Menschen intime Angelegenheiten enthüllen, so daß auf diese Weise die anderen Menschen aus ihrem Verständnisse heraus miterleben, was sie auf die angedeutete Weise gewinnen können, der weiß auch, daß sich dann intimste Verhältnisse von Mensch zu Mensch entwickeln. Und er weiß auch, daß gerade dadurch die sozialen Impulse von Seele zu Seele hinübergehen und dadurch das wirkliche soziale Leben im Geiste hervorgerufen wird, wovon man heute glaubt, es nur mit äußeren Mitteln erringen zu sollen. Denken Sie nur, wie die Menschen zusammengebracht werden, wie sie in ihrem Zusammenleben eine soziale Struktur darstellen werden, wenn die Menschen so einander gegenüberstehen werden, daß der eine Mensch annimmt das, was der andere als eine für ihn wichtigste, intime Angelegenheit erforscht. Gerade dadurch werden die Menschen in der Zukunft einander in der wünschenswerten Weise nahekommen, daß so Geist in die Seele des nächsten Menschen hinüberwirkt, wie das angedeutet worden ist. Diejenigen, die den Geist erforschen können, werden für die anderen Menschen wie eine Notwendigkeit empfunden werden. Auf der anderen Seite wird die ganze Menschheit auch von dem Geistesforscher empfunden als das, in dem er wurzelt, ohne das er nicht leben kann, ohne das er selbst mit seiner Geistesforschung nicht den allergeringsten Sinn hätte.

[ 46 ] You might object that it is not a very good arrangement for people to live side by side in such a way that one must learn from others what one can indeed understand but cannot discover for oneself. To that I can offer two responses. The first is that this is simply a fact that one must accept, just like any other fact of life, even if some might wish it were otherwise. That is the first point I can make. The second, however, is that anyone who foresees such a future for humanity—a future in which there are those among us who look into the spiritual world, and who reveal intimate matters to people from this spiritual world—so that in this way others can experience, through their own understanding, what they can gain in the manner described—such a person also knows that the most intimate relationships between human beings will then develop. And they also know that it is precisely through this that social impulses pass from soul to soul, thereby giving rise to true social life in the spirit—something that people today believe can be achieved only through external means. Just consider how people will be brought together, how they will form a social structure in their coexistence, when people relate to one another in such a way that one person accepts what the other is exploring as a matter of the utmost personal and intimate importance. It is precisely through this that people in the future will draw close to one another in the desirable way, so that the spirit will influence the soul of the next person, as has been indicated. Those who are able to explore the spirit will be perceived by others as indispensable. On the other hand, the spiritual researcher will also perceive all of humanity as that in which he is rooted—without which he cannot live, and without which his own spiritual research would have not the slightest meaning.

[ 47 ] Hat man heute auch die soziale Frage zu etwas gemacht, was bloß äußerlich materialistisch aufgefaßt wird, so zeigt - gerade innerlich angesehen - dasjenige, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft ist, daß, wenn der Geist der Führer wird durch die Sinneswelt und aus der Sinneswelt heraus in die übersinnliche Welt, dadurch auch im sozialen Zusammenleben der Menschen diejenige Struktur herbeigeführt wird, durch die der Mensch in der Zukunft für den Menschen das werden kann, was er eigentlich werden soll.

[ 47 ] Even if today the social question has been reduced to something that is understood merely in an outwardly materialistic sense, what is known as anthroposophically oriented Spiritual Science shows—precisely when viewed from within—that when the spirit becomes the guide through the sensory world and out of the sensory world into the supersensory world, this also brings about, in human social life, the very structure through which human beings can, in the future, become for one another what they are actually meant to be.

[ 48 ] Damit versuchte ich Ihnen heute wiederum von einem anderen Gesichtspunkte aus, als ich es in den zahlreichen früheren Vorträgen gemacht habe, zu charakterisieren, wie durch Anthroposophie versucht wird, in den Geist einzudringen, und wie dieses Eindringen auf der Grundlage ruht, die Eigenkräfte der menschlichen Seele zu entwickeln. Das versuche ich - es sind bald zwei Jahrzehnte - in dem zu vertreten, was ich anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft nenne. Noch immer wird in zahlreichen Kreisen gesagt, daß diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft darstelle irgend etwas von einem Streben nach Buddhistischem oder dergleichen. Ich habe schon im letzten Vortrage hier angedeutet, wie gerade diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, die aus der Wesenheit des Menschen, aus der gegenwärtigen Wesenheit des Menschen selbst heraus arbeitet, perhorresziert jene Schwäche der Menschen, die nicht aus dem, was da ist, nicht aus dem, was wir uns in der neueren Naturwissenschaft angeeignet haben, streben will, sondern die meinetwillen nach dem Orient, nach Indien hinübergehen und da dasjenige nehmen will, was für ein ganz anderes Zeitalter angepaßt war und in unsere Gegenwart nicht mehr hereinpaßt. Wir erleben es immer wieder und wieder. Vor ein paar Tagen konnte es hier wiederum erlebt werden, daß Leute sagen: Anthroposophismus, wie sie sich ausdrücken, stelle auch irgendeine Flucht nach Indien dar. Wenn das insbesondere gesagt wird von Leuten, die sich «christlich» nennen, dann möchte ich diesen Christen einmal ins Gedächtnis rufen etwas, was sie vielleicht kennen werden: «Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten.» Denn es ist nichts anderes als ein falsch Zeugnis ablegen wider seinen Nächsten, wenn man von dem, was hier gemeint ist als anthroposophische Geisteswissenschaft, so spricht, als ob das irgend etwas Obskures, als ob das irgend etwas von einem Suchen sei für die rein passiv gewordene Menschheit und dergleichen. Weil die Menschheit passiv geworden ist, weil die Menschheit nicht mehr zur Tätigkeit kommen kann durch dasjenige, was ihr durch die Jahrhunderte traditionell vermittelt wird, muß gesucht werden ein neuer Geist als Führer durch die Sinneswelt und in die übersinnliche Welt hinein.

[ 48 ] Today I have once again attempted to characterize for you—from a different perspective than in my numerous earlier lectures—how anthroposophy seeks to penetrate the spirit, and how this penetration is based on the development of the human soul’s own powers. For nearly two decades now, I have sought to articulate this in what I call “anthroposophically oriented Spiritual Science.” Even today, it is still said in many circles that this anthroposophically oriented Spiritual Science represents some kind of striving toward Buddhism or the like. I already hinted at this in my last lecture here: it is precisely this anthroposophically oriented Spiritual Science—which works from the very essence of the human being, from the present essence of the human being itself— abhors that weakness in people who do not wish to strive from what is already here—from what we have acquired through modern natural science—but who, for my sake, want to turn toward the East, toward India, and take from there what was suited to an entirely different age and no longer fits into our present. We experience this again and again. Just a few days ago, we witnessed it here once more: people saying that “anthroposophy,” as they put it, represents some kind of escape to India. When this is said in particular by people who call themselves “Christian,” then I would like to remind these Christians of something they may be familiar with: “You shall not bear false witness against your neighbor.” For it is nothing other than bearing false witness against one’s neighbor to speak of what is meant here as anthroposophical Spiritual Science as if it were something obscure, as if it were some kind of quest for a humanity that has become purely passive, and the like. Because humanity has become passive, because humanity can no longer find a path to activity through what has been traditionally imparted to it over the centuries, a new spirit must be sought to guide it through the sensory world and into the supersensory world.

[ 49 ] Denjenigen, die immer nur von der Aufwärmung des alten Geistes sprechen und perhorreszieren, wie man die Naturwissenschaft zu Galileis Zeit perhorresziert hat, dasjenige, was als Geisteswissenschaft auftritt, denen sollte vor allen Dingen gesagt werden, namentlich wenn sie vom christlichen Geiste aus sprechen wollen: Derjenige, der es mit dem Christentum ernst nimmt, der braucht keine Furcht davor zu haben, daß durch irgendeine, sei es auch geistige Entdeckung, dem Christus-Impuls in seiner wahren Bedeutung, dem religiösen Verehren der Menschen überhaupt Abbruch getan werde. Im Gegenteil, höherer Glanz wird dem religiösen Leben dadurch verliehen, daß die Menschen wiederum wissen werden, was Geist und was Seele ist, daß sie sich nicht diktieren lassen werden, was Geist und was Seele ist, daß sie suchen werden im Innern der Seele den Weg zum Erleben des Geistes und der Seele. Das aber ist es, was angestrebt wird in derjenigen Bewegung, die draußen in Dornach im Goetheanum ihre äußere Repräsentation hat.

[ 49 ] To those who speak only of a revival of the old spirit and abhor—just as natural science was abhorred in Galileo’s time—that which presents itself as Spiritual Science, it should be said above all else, especially if they wish to speak from the perspective of the Christian spirit: Anyone who takes Christianity seriously need not fear that any discovery—be it even a spiritual one—will detract from the true meaning of the Christ impulse or from people’s religious reverence in general. On the contrary, religious life will be imbued with greater splendor as people come to know once again what the spirit and the soul are, as they refuse to have it dictated to them what the spirit and the soul are, and as they seek within the soul the path to experiencing the spirit and the soul. And this is precisely what is being strived for in the movement that finds its outward expression at the Goetheanum in Dornach.

[ 50 ] Durch diese Bewegung wird das angestrebt, was in zahlreichen Seelen, ohne daß sie es wissen, unbewußt als Sehnsucht lebt. Man wird es aus diesen Seelen nicht durch ein bloßes Dekret oder Diktat herausholen können, sondern es wird in den Seelen als ein Streben leben, auch wenn man es dahin bringen würde, die eigentliche Vertretung dieses Strebens niederzutreten. Denn geradeso wie der Mensch absterben würde, wenn er in seinem fünfunddreißigsten Lebensjahr aufhören würde, neue Lebenskräfte in sich aufzunehmen, wie er von diesem Zeitpunkt an nicht weiterleben könnte, wenn er sich nicht neue materielle Lebenskräfte zuführen würde, so kann die Menschheit nicht weiterleben, wenn sie nur das Alte, Traditionelle verarbeiten will, wenn nicht in gehörigem Zeitmomente ein neuer Geist auftritt, der sich in die Menschheitsentwickelung hineinwebt.

[ 50 ] This movement seeks to fulfill what lives unconsciously as a longing in countless souls, without their even knowing it. It will not be possible to extract this from these souls by mere decree or dictate; rather, it will live on in their souls as a striving, even if one were to succeed in suppressing the actual expression of this striving. For just as a person would die if, at the age of thirty-five, he were to cease absorbing new life forces into himself—just as he could not continue to live from that point on unless he supplied himself with new material life forces— so humanity cannot continue to live if it seeks only to process the old and traditional, unless a new spirit emerges at the appropriate moment and weaves itself into the development of humanity.

[ 51 ] Denn das möchte diese Geisteswissenschaft hinstellen, klar und deutlich hinstellen, nicht Obskurantismus, nicht vertrackte Mystik. Das möchte sie klar und deutlich hinstellen, daß der Geist das Lebendige ist, der rechte Führer ist durch die Sinneswelt und in die übersinnliche Welt. In der Sinneswelt werden wir richtungslos ohne den Geist. Entwickeln wir aber den Geist als einen Führer durch die Sinneswelt, dann erweist er sich nicht als ein abstrakter Ideengeist allein, dann erweist er sich als der lebendige Geist in uns. Und dann müßten wir ihm geradezu die Schwingen beschneiden, durch die er in sein eigentliches Heimatland, in das Heimatland des Geistes hineinstreben will, wenn wir nicht, nachdem wir ihn zum Führer durch die Sinneswelt gewählt haben, aufsteigen wollten durch ihn, durch seine Führerschaft in die übersinnliche Welt. Denn der Geist ist lebendig. Und wenn der Glaube sich verbreiten kann, daß der Geist gegenüber der Materie nichts selbständig Lebendiges ist, was ist Schuld daran? Schuld daran ist nur dieses, daß der Mensch den Geist in sich durch seinen Willen ertötet, und so der tote Geist den lebendigen Geist nicht erfassen kann. Wird aber der Geist im Menschen belebt, dann ergreift lebendiger Geist im Menschen den lebendigen Geist in der Welt.

[ 51 ] For this is what the Spiritual Science wishes to establish—to establish clearly and unambiguously—not obscurantism, not convoluted mysticism. It wishes to establish clearly and unambiguously that the spirit is the living force, the true guide through the sensory world and into the supersensory world. In the sensory world, we are adrift without the spirit. But if we develop the spirit as a guide through the sensory world, then it proves itself to be not merely an abstract spirit of ideas, but the living spirit within us. And then we would have to virtually clip the wings with which it seeks to soar into its true homeland—the homeland of the spirit—if, having chosen it as our guide through the sensory world, we did not wish to ascend through it, through its guidance, into the supersensory world. For the spirit is alive. And if the belief can take hold that, in contrast to matter, the spirit is not something living in its own right, what is to blame for this? The blame lies solely in the fact that human beings kill the spirit within themselves through their will, and thus the dead spirit cannot grasp the living spirit. But if the spirit within human beings is enlivened, then the living spirit within human beings seizes the living spirit in the world.