The Liberation of Humanity as the
Basis for Social Transformation
GA 329
6 November 1919, Bern
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The Liberation of Humanity as the Basis for Social Transformation, tr. SOL
8. Der Geist als Führer Durch die Sinnes- und in die übersinnliche Welt
8. The Spirit as a Guide: Through the Sensory World and Into the Supersensory World
[ 1 ] Wenn Sie von hier aus nach Basel fahren, dort am Aeschenplatz einsteigen in die elektrische Bahn, den Weg nach Dornach nehmen, so finden Sie dort auf dem benachbarten Hügel einen Bau der allerdings noch nicht vollendet ist, aber schon die Absichten auch in seinem Außenwerk zeigt, die mit ihm verbunden sind -, einen Bau, der sich nennt, der dienen soll als freie Hochschule für Geisteswissenschaft, der repräsentieren soll äußerlich dasjenige, was angestrebt wird durch jene geistige Bewegung, welche sich selber nennt: anthroposophisch orientierte, geisteswissenschaftliche Bewegung.
[ 1 ] If you drive from here to Basel, board the electric train at Aeschenplatz, and take the route to Dornach, you will find on the neighboring hill a building that, while not yet completed, but whose exterior already reveals the intentions associated with it—a building that is intended to serve as a Free University of Spiritual Science, and which is meant to represent outwardly what is being strived for by that spiritual movement which calls itself the anthroposophically oriented spiritual science movement.
[ 2 ] Man kann heute schon, seit der Bau ja auch äußerlich sichtbar gezeigt hat, daß es so etwas wie eine solche Bewegung gibt, mancherlei hören und mancherlei lesen über das, was dieser geistigen Kulturbewegung zugrunde liegt. Gewiß ist auch mancherlei, was als eine Ausnahme aber noch zu gelten hat, vorhanden, was Treffendes enthält über diese Bestrebungen. Im ganzen darf aber heute noch gesagt werden, daß das, was so in der Öffentlichkeit gesagt oder geschrieben wird über sie, ziemlich das Gegenteil von dem ist, was durch diese Bewegung wirklich angestrebt wird. Sie wird sehr häufig geschildert wie eine unwissenschaftliche, obskure, im schlimmen Sinne mystische Bewegung. Sie wird namentlich sehr häufig so geschildert, als ob sie im Gegensatz stehen wollte zu dem oder jenem, zu Gesellschaften, Bekenntnissen und dergleichen mehr. In Wahrheit will diese Bewegung und dieser Dornacher Bau, das Goetheanum, durch den sie repräsentiert wird, denjenigen Sehnsuchten, denjenigen Zielen dienen, die heute oftmals so unbewußt wohnen in den Menschenseelen, in den Menschenseelen breitester Massen, die in vieler Beziehung noch nicht die Form finden, sich auszusprechen, die aber zusammenhängen mit alledem, was die gegenwärtige und die zukünftige Menschheit herausführen soll aus dem Kulturchaos, das ja für jeden Unbefangenen wahrzunehmen ist, und aus dem sich jeder Unbefangene in der Gegenwart herauslösen muß.
[ 2 ] Now that the movement has become visible to the outside world, one can already hear and read all sorts of things about what underlies this spiritual cultural movement. Certainly, there are also various accounts—though these must still be regarded as exceptions—that contain accurate insights into these endeavors. On the whole, however, it can still be said today that what is said or written about it in public is quite the opposite of what this movement actually strives for. It is very often portrayed as an unscientific, obscure, and—in the worst sense—mystical movement. In particular, it is very often portrayed as if it were intended to stand in opposition to this or that—to societies, creeds, and the like. In truth, this movement and this building in Dornach, the Goetheanum, through which it is represented, seek to serve those longings and those goals that today often dwell so unconsciously in the human soul, in the souls of the broadest masses—longings that in many respects have not yet found a way to express themselves, but which are connected to everything that is meant to lead present and future humanity out of the cultural chaos that is evident to any unbiased observer, and from which every unbiased person must free themselves in the present.
[ 3 ] Soll man andeuten aus geschichtlichen Erscheinungen heraus, worinnen, ich möchte sagen, der Hauptnerv dieser Bewegung liegt, so darf man vielleicht hinweisen auf etwas, was dem heutigen Menschen scheinbar recht ferne liegt, was auch scheinbar recht abstrakten Regionen des Denkens und Vorstellens angehört, was aber nur ausgebildet zu werden braucht für die allgemeinsten und breitesten menschlichen Interessen, um uns mitten in dasjenige hineinzuführen, was gerade der heutigen Kultur zu ihrer Erneuerung, zu ihrer Wiedergeburt nötig ist. Hinweisen möchte ich auf dasjenige, was Goethe angestrebt hat aus der ganzen Breite und Tiefe seiner Weltanschauung heraus, die heute noch lange nicht genug gewürdigt ist, hinweisen auf das, was er angestrebt hat als eine Erkenntnis der lebendigen Welt im Gegensatze zu der toten, zur unlebendigen, zu der unorganischen Welt.
[ 3 ] If one is to infer from historical phenomena—in which, I might say, the main thrust of this movement lies, then one might perhaps point to something that seems quite distant to people today, something that also appears to belong to quite abstract realms of thought and mental images, but which need only be developed for the most general and broadest human interests in order to lead us right into the very heart of what today’s culture needs for its renewal, for its rebirth. I would like to point to what Goethe strove for out of the full breadth and depth of his worldview—a worldview that is still far from being sufficiently appreciated today—and to what he strove for as an understanding of the living world in contrast to the dead, the lifeless, and the inorganic world.
[ 4 ] Dasjenige, was Goethe als Erkenntnis angestrebt hat, hing eng zusammen mit seinem gesamten geistigen Streben, und er hat sich das Beste, was seine Weltanschauung zum Inhalte hat, hervorgeholt aus der Anschauung der Kunst, hat aber dasjenige, was er aus der Anschauung der Kunst gewonnen hat, ausgedehnt auf das wirklich wissenschaftliche Erkennen, wie er es anschauen mußte eben im Sinne der Weite und Breite seiner Weltanschauung. Goethe ließ auf sich wirken, allerdings mit Bezug auf die ihm so liebe Pflanzenwelt und ihre Betrachtung, alles dasjenige, was ihm zur Verfügung stehen konnte in bezug auf die Pflanzenwelt aus der damaligen Wissenschaft; aber man kann sagen, nichts genügte ihm zur Erklärung des Wesens der Geheimnisse dieser Pflanzenwelt von dem, was er auffinden konnte in der damaligen Wissenschaft. Und so wendete er denn seinen umfassenden Blick selber aus der Ursprünglichkeit seines Wesens heraus über die ganze Pflanzenwelt, soweit sie ihm zugänglich war, über alle ihre Formen, und suchte aus der Mannigfaltigkeit, aus der Verschiedenheit der Pflanzen heraus eine Einheit. Er suchte dasjenige aus der Mannigfaltigkeit der Pflanze heraus, was er seine Urpflanze nannte. Wenn man definieren hört, was er unter seiner Vorstellung versteht, so könnte es abstrakt scheinen, es ist aber nicht so. Goethe verstand unter seiner Urpflanze ein Einheitsbild, von dem jede Pflanze, welche äußere Form sie auch tragen mag, ein Abbild ist, ein einheitliches, ideelles, geistiges Gebilde, mit dem man die Pflanzenwelt durchlaufen kann, und das sich gewissermaßen in jeder einzelnen Pflanze offenbart.
[ 4 ] What Goethe sought as knowledge was closely connected to his entire intellectual endeavor, and he drew the very essence of his worldview from his contemplation of art, yet he extended what he gained from that contemplation to true scientific knowledge—as he was compelled to view it precisely in light of the breadth and scope of his worldview. Goethe allowed himself to be influenced—albeit in relation to the plant world so dear to him and his contemplation of it—by everything that was available to him regarding the plant world from the science of his time; but one can say that nothing he could find in the science of his time was sufficient to explain the essence of the mysteries of this plant world. And so he turned his comprehensive gaze—arising from the primal nature of his being—toward the entire plant world, insofar as it was accessible to him, toward all its forms, and sought a unity within the diversity and variety of plants. He sought, from within the diversity of plants, that which he called his “primordial plant.” When one hears a definition of what he meant by his mental image, it might seem abstract, but it is not. By his “primordial plant,” Goethe meant a unified image of which every plant—whatever its outward form may be—is a reflection: a unified, ideal, spiritual entity through which one can survey the plant world, and which, in a sense, reveals itself in every single plant.
[ 5 ] Eine solche Urpflanze - so schrieb Goethe aus Italien seinen Weimarischen Freunden -, eine solche Einheitspflanze, die nur im Geiste zu erschaffen ist, die nirgends in der äußeren Welt zu ersehen ist, die müsse es doch geben können - so sagte er scheinbar abstrakt -, wie könnte man sonst wissen, daß ein einzelnes Gebilde eine Pflanze ist?
[ 5 ] Such a primordial plant—as Goethe wrote to his friends in Weimar from Italy—such a unified plant, which can only be created in the mind, which cannot be seen anywhere in the external world—such a plant must surely exist, he said, seemingly in the abstract—for how else could one know that a single entity is a plant?
[ 6 ] Allein darauf kommt es weniger an, was er für eine abstrakte Meinung über diese Dinge hatte, es kommt vielmehr darauf an, daß er den Glauben hatte, den tiefgehenden und mit dem Wesen der Dinge zusammenhängenden Glauben hatte, der sich in den folgenden Worten ausspricht. Er sagte und schrieb über diese Urpflanze: Wenn man sie gefaßt hat im Geiste, dann muß es einem möglich sein, nicht nur mit ihr die Pflanzenformen, die da draußen in der Welt sind, zu vergleichen und zu erkennen, sondern es muß einem möglich sein, innerlich geistig selber Pflanzenformen zu ersinnen, die, wenn sie auch nicht existieren, doch existieren könnten.
[ 6 ] What matters, however, is not so much what abstract opinion he held about these things, but rather that he held a belief—a profound belief connected to the very essence of things—which is expressed in the following words. He said and wrote about this primordial plant: Once one has grasped it in the spirit, it must be possible not only to compare and recognize the plant forms that exist out there in the world, but also to conceive of plant forms inwardly and spiritually—forms that, even if they do not exist, could nevertheless exist.
[ 7 ] Es ist dieses ein gewichtiges, ein bedeutsames Wort. Denn was will ein Mensch, ein erkennender Mensch, der solch eine geistige Idee erfassen will? Er will nichts Geringeres als in seiner Seele einen Gedanken wachrufen, der ihn dazu führen kann, ich möchte sagen, um seinen eigenen Ausdruck zu gebrauchen: zu erfinden die äußere Wirklichkeit, die dann in die Erscheinung treten kann. Er möchte also innerlich so verwandt werden mit dem, was in der Pflanze, was in den lebenden Gebilden überhaupt heranwächst, daß er in seinem eigenen Geiste, in seinem Denken, in seinem Vorstellen das innerlich habe, was sich äußerlich im Wachstum als Kraft offenbart. Er möchte also innerlich untertauchen mit seinem ganzen Wesen in die äußere Welt. Es ist das Streben viel bedeutsamer als dasjenige, was Goethe im einzelnen damit erreicht hat. Wie gesagt, wenn man es nur so in bezug auf die Pflanzenwelt, die ja den einen interessieren mag, den anderen weniger, wenn man es nur so in bezug auf die Pflanzenwelt charakterisiert, was Goethe gewollt hat, so könnte es manchem abstrakt erscheinen. Aber in dieser Art geistiger Bestrebung liegt etwas, was man erweitern kann über den ganzen Umfang menschlicher Erkenntnis, menschlicher Weltanschauung.
[ 7 ] This is a weighty, a significant word. For what does a person—a discerning person—who wishes to grasp such a spiritual idea seek? They want nothing less than to awaken within their soul a thought that can lead them—to use my own expression—to invent the outer reality that can then come into being. He therefore wishes to become so inwardly attuned to what grows in the plant—and in living forms in general—that he may possess within his own spirit, in his thinking and mental images, that which reveals itself outwardly as a force in growth. He thus wishes to immerse his entire being inwardly into the outer world. This striving is far more significant than what Goethe actually achieved in specific terms. As I said, if one characterizes what Goethe intended solely in relation to the plant world—which may interest some people more than others—it might seem abstract to many. But in this kind of spiritual endeavor lies something that can be extended to the entire scope of human knowledge and the human worldview.
[ 8 ] Dann steigt man auf von der Betrachtung des einzelnen, unbedeutenden Lebewesens zu derjenigen des ganzen Menschen, des Menschen, der in sich nicht nur enthält dann, wenn man zu seiner Ganzheit aufsteigt, dasjenige, was heute die äußere Naturwissenschaft beobachtet, was vielfach der materialistische Sinn der Zeit als das einzige ansieht an dem Menschen, sondern der umfaßt Leib, Seele und Geist.
[ 8 ] Then one rises from the consideration of the individual, insignificant living being to that of the whole human being—the human being who, when one ascends to his or her wholeness, contains not only what modern natural science observes—which the materialistic mindset of our time often regards as the only aspect of the human being—but also encompasses body, soul, and spirit.
[ 9 ] Goethe ist von der Naturwissenschaft ausgegangen. Was sich anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft nennt, geht auf der einen Seite von Goethe aus, indem es ausbilden möchte die Weltanschauungsgesinnung, die im Geiste solches verarbeitet, solches sich offenbaren läßt, das mit der Wirklichkeit so wirklich innig verwandt ist, wie Goethes Idee von der Urpflanze mit der einzelnen Pflanze; andererseits weiß sich diese geistige Bewegung in völligem Einklange ihrerseits mit der wahrhaftigen naturwissenschaftlichen Gesinnung in unserer Zeit, nicht mit irgendeiner obskuren Mystik. Und sie weiß sich auf der anderen Seite in vollem Einklange mit einem wirklichen ehrlichen und zeitbedingten religiösen Bestreben des Menschengeistes in der modernen Zeit. Ich habe auch an diesem Orte in den verflossenen Jahren öfters gesprochen davon, daß die Anthroposophie, die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft diese Naturwissenschaft durchaus nicht in ihrer Bedeutung, in ihrem gewaltigen Einflusse auf die moderne Kultur verkennt, ja, daß sie diese Naturwissenschaft viel besser würdigt, als mancher derjenigen, die auf dem Boden dieser Naturwissenschaft stehen wollen. Wer nicht nur die landläufigen Vorurteile über die Naturwissenschaft sich aneignet und damit glaubt, ein echter Naturwissenschafter zu sein, sondern wer mit vollem Bewußtsein sich in dasjenige vertieft, was die Naturwissenschaft für die ganze Erziehung der Menschenseele und des Menschengeistes leisten könnte, der muß sagen: würde diese Naturwissenschaft, wie sie sich seit drei bis vier Jahrhunderten, insbesondere aber im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, entwickelt hat, würde diese Naturwissenschaft sich in ihrem eigenen Wesen voll selbst ergreifen, würden diejenigen, die sie betreiben, ihre eigene Art voll verstehen, dann würde diese Naturwissenschaft heute bereits von sich aus dasjenige verkünden, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft verkünden will. Es würde diese Naturwissenschaft von sich aus sprechen von Menschenseele und Menschengeist, von dem, was Ewigkeitswert in der menschlichen Wesenheit ist.
[ 9 ] Goethe took the natural sciences as his starting point. What is called the anthroposophically oriented Spiritual Science draws, on the one hand, from Goethe in that it seeks to cultivate a worldview that processes in the spirit and allows to reveal itself that which is as truly and intimately related to reality as Goethe’s idea of the primordial plant is to the individual plant; on the other hand, this spiritual movement knows itself to be in complete harmony with the genuine scientific attitude of our time, not with some obscure mysticism. And it knows itself, on the other hand, to be in full harmony with a genuine, honest, and contemporary religious striving of the human spirit in the modern age. I have also spoken here on several occasions in past years about the fact that anthroposophy—the anthroposophically oriented Spiritual Science—by no means underestimates the significance of natural science or its immense influence on modern culture; indeed, it appreciates natural science far more than many of those who claim to stand on the ground of natural science. Anyone who does not merely adopt the common prejudices about the natural sciences and thereby believe themselves to be a true scientist, but who, with full awareness, delves into what the natural sciences could contribute to the overall education of the human soul and spirit, must say: if this natural science—as it has developed over the past three to four centuries, but especially during the second half of the 19th century—were to fully grasp its own essence, and if those who practice it were to fully understand its true nature, then this natural science would already be proclaiming of its own accord what anthroposophically oriented Spiritual Science seeks to proclaim. This natural science would speak of its own accord of the human soul and the human spirit, of that which is of eternal value in the human being.
[ 10 ] Warum tut das die Naturwissenschaft nicht, trotzdem sie so gewissenhaft, mit so eindringlichen Methoden in die äußere sinnliche Wirklichkeit der Natur eindringt? Warum erhebt sich diese Naturwissenschaft auf der anderen Seite nicht in derselben Art, wie Goethe für die Pflanzenwelt, zu solcher innerer Verarbeitung der Naturidee, daß man in seinem Inneren eins wird mit der schaffenden Natur selber?
[ 10 ] Why does natural science not do this, even though it penetrates the external, sensory reality of nature so conscientiously and with such rigorous methods? Why, on the other hand, does this natural science not rise—in the same way that Goethe did for the plant world—to such an inner processing of the idea of nature that one becomes one within oneself with creative nature itself?
[ 11 ] Um diese Frage zu beantworten, muß man ein wenig zurückblicken auf die geschichtliche Entwickelung der Menschheit in der neueren Zeit. In der Naturwissenschaft selber wurden große, gewaltige Fortschritte gemacht. Man braucht nur zurückzugehen auf dasjenige, was von Kopernikus, von Galilei ausgegangen ist, was sich entwickelt hat bis herauf in die neueste Zeit, bis in die Gegenwart an Natureinsichten. Aber man muß zu gleicher Zeit in Erwägung ziehen, wie wenig eigentlich dieser Betrieb der Naturwissenschaft völlig frei in bezug auf sein ganzes Walten, in bezug auf seine ganze Arbeit innerhalb des Geisteslebens der modernen Zivilisation war. Er war es nicht, denn nicht eine einheitliche Weltanschauung gestaltete sich aus im Laufe der neueren Menschheitsentwickelung, die neben der freien, unabhängigen Naturwissenschaft auch einzudringen versuchte in das Wesen der äußeren Sinneswelt. In der äußeren Sinneswelt gab es Monopole, Monopole für die Erkenntnis der Seele und des Geistes. Die religiösen Weltanschauungen behielten weiterhin gewisse Ideen über Seele und Geist. Und sie brachten es dahin, daß in der Öffentlichkeit man ihnen, mehr oder weniger gezwungen oder frei, zugestand, daß nur sie irgend etwas zu sagen haben über des Menschen Seele, über des Menschen Geist.
[ 11 ] To answer this question, one must look back a little at the historical development of humanity in modern times. In the natural sciences themselves, great and tremendous progress has been made. One need only look back at what began with Copernicus and Galileo, and how our understanding of nature has developed right up to the present day. But at the same time, one must consider how little this scientific enterprise was actually completely free—in terms of its entire course and its entire work—within the spiritual life of modern civilization. It was not, for no unified worldview emerged in the course of recent human development that, alongside free, independent natural science, also sought to penetrate the essence of the external sensory world. In the external sensory world, there were monopolies—monopolies on the knowledge of the soul and the spirit. Religious worldviews continued to hold certain ideas about the soul and the spirit. And they succeeded in ensuring that the public—whether more or less compelled or of their own free will—acknowledged that only they had anything to say about the human soul and the human spirit.
[ 12 ] Die Naturforscher standen ebenso wie andere Menschen unter dem Einfluß desjenigen, was sich so, ich möchte sagen, als eine Monopolerkenntnis über Seele und Geist geltend machte. Und sie beschränkten sich, weil sie sich nicht getrauten aufzusteigen von der Erkenntnis der Welt zu der Erkenntnis der Seelenwelt, zu der Welt des Geistes, sie beschränkten sich darauf, zu sagen: Ja, die Naurwissenschaft hat eben ihre Grenzen; sie müsse sich auf die Sinneswelt allein beschränken.
[ 12 ] Natural scientists, just like other people, were under the influence of what I would call a “monopolistic understanding” of the soul and the spirit. And because they did not dare to ascend from knowledge of the world to knowledge of the world of the soul, to the world of the spirit, they limited themselves to saying: Yes, natural science does indeed have its limits; it must confine itself to the sensory world alone.
[ 13 ] Solch ein Geist wie Goethe, der gewiß durchdrungen gewesen ist sein ganzes Leben von einem verehrungsvollen religiösen Aufschwung im Empfinden eines Göttlichen in der ganzen Natur und in der ganzen Welt, er hat immer auch die Notwendigkeit empfunden, einheitlich zu gestalten seine Anschauung über das Leibliche, über das Seelische und über das Geistige.
[ 13 ] A mind such as Goethe’s—which was certainly imbued throughout his entire life with a reverent, religious fervor in his sense of the divine in all of nature and in the entire world—always felt the need to form a unified view of the physical, the psychological, and the spiritual.
[ 14 ] Nur muß man hinsehen auf das, worin sich in gewisser Beziehung die Naturwissenschaft durch den Druck der eben genannten Erkenntnismonopole befand, hinsehen auf das, was die Naturwissenschaft durch ihre eigene Kraft dem Menschen geben kann. Dann wird man ein solches einheitliches Erkenntnis- und Geistesstreben, wie es bei Goethe vorhanden war, verstehen. Wer sich nicht bedrükken läßt, ich möchte sagen, durch das Gebot, du sollst nicht Seele und Geist erkennen, der wird gerade durch die Art und Weise, wie der moderne Geist einzudringen versucht in die Geheimnisse der Naturwissenschaft, er wird eine Erziehung seines Geistes durchmachen. Und diese Erziehung gibt dann die Anregung, fortzusetzen die Entwickelung des Menschengeistes zu höheren Entwickelungsstufen als diejenigen sind, die man einfach hat, indem man als Mensch geboren wird.
[ 14 ] One must simply look at the situation in which the natural sciences found themselves, in a certain sense, under pressure from the aforementioned monopolies on knowledge; one must look at what the natural sciences can offer humanity through their own power. Then one will understand such a unified pursuit of knowledge and spiritual development as existed in Goethe. Anyone who does not allow themselves to be oppressed—I would say—by the commandment, “You shall not know the soul and the spirit,” will, precisely through the way in which the modern spirit attempts to penetrate the mysteries of natural science, undergo an education of the spirit. And this education then provides the impetus to continue the development of the human spirit to higher stages of development than those one simply possesses by being born a human being.
[ 15 ] Um aber solche Entwickelungsstufen zu verstehen, dazu bedarf man einer gewissen intellektuellen Bescheidenheit. Diese intellektuelle Bescheidenheit, sie ist sehr notwendig dem gegenwärtigen Menschen. Diese intellektuelle Bescheidenheit muß den gegenwärtigen Menschen dazu führen, sich zu sagen: Du bist nicht nur ein Wesen, das sich vielleicht im Werden der Weltenordnung aus niederen Organismen heraufentwickelt hat zu der gegenwärtigen Vollkommenheit, sondern du bist ein Wesen, das sich selber weiterentwikkeln kann, weiterentwickelt hat in diesem Leben; so daß die Kräfte, die du bei der Geburt empfangen hast, eine höhere und immer höhere Ausbildung erfahren können.
[ 15 ] But in order to understand such stages of development, one needs a certain intellectual humility. This intellectual humility is very necessary for people today. This intellectual humility must lead people today to say to themselves: You are not merely a being who may have evolved from lower organisms to your present state of perfection as the world order developed, but you are a being who can continue to develop—and who has continued to develop—in this very life; so that the powers you received at birth can undergo a higher and ever-higher refinement.
[ 16 ] Sehen Sie, man muß sich folgendes sagen können. Man muß unbefangen auf das fünfjährige Kind hinsehen können, das etwa einen Band lyrischer Gedichte von Goethe in der Hand hat. Dieses fünfjährige Kind wird mit dem lyrischen Gedichtband Goethes wahrhaftig nicht viel anfangen können, jedenfalls nicht das, was der erwachsene Mensch mit dem lyrischen Band von Goethe anzufangen weiß. Es wird vielleicht den Band zerreißen oder irgend etwas anderes mit ihm machen. Es muß erst heranwachsen, dann wird es den Band lyrischer Gedichte von Goethe in der rechten Weise behandeln. Es muß seine Entwickelung in die Hand genommen werden. Denn als fünfjähriges Kind ist zwar auch alles dasjenige, was in dem Bande lyrischer Gedichte drinnen ist, vor den Augen dieses Menschen, aber es ist noch nicht die Möglichkeit vorhanden, daß dieser Mensch aus diesem Band lyrischer Gedichte alles dasjenige herauszieht, was für ihn darinnen sein kann. So muß der Mensch der Gegenwart sich fühlen lernen gegenüber der ganzen Weite des Natur- und Weltendaseins. Er muß sich sagen können in intellektueller Bescheidenheit: Du stehst gegenüber der Natur so, daß sie dir vermöge deiner gegenwärtigen Entwickelung nicht dasjenige geben kann, was sie wahrhaftig in sich enthält; man muß die Möglichkeit voraussetzen können, seine Entwickelung in die Hand zu nehmen, damit man dann, indem man eine höhere Entwickelungsstufe erlangt als diejenige, die einem einfach durch die Geburt zukommt, indem man dann dasjenige, was man immer vor sich hat, was man zu erkennen glaubt - wie das fünfjährige Kind, das noch nichts damit anzufangen weiß -, daß man das in derjenigen Weise zu behandeln vermag, daß es einem alles dasjenige offenbart, was es in sich an Geheimnissen verschließt. Gerade die Anstrengung, die man vollführt, wenn man heute die naturwissenschaftliche Methode anwendet, intensiv anwendet, die Tiefe, in die man eindringt, die kann einen dazu veranlassen, aus der Anstrengung des Geistes heraus eine Kraft wie erweckt zu fühlen, durch die man eine solche Entwickelung durchmacht. Es liegt wahrhaftig nicht an der modernen Naturwissenschaft, daß die Menschen so ungerne zugeben, daß der Mensch eine Entwickelung durchmachen kann! Nein, es liegt an dem Druck, den ich eben vorhin charakterisiert habe, und den man nur vorurteilslos anschauen muß, um sich frei hingeben zu können dem, was in der naturwissenschaftlichen Behandlung der Welt selber liegt. Dann wird man fühlen, daß die Seele innerlich erweckt wird, gerade indem sie die Natur im modernen Sinne betrachtet, daß in ihr Kräfte erwachsen, die vorher nicht da sind. Zur Erweckung dieser Kräfte bringen sich in der Regel gerade die Naturwissenschafter der Gegenwart nicht. Aber wenn sie sich dazu brächten, so kämen sie eben dazu, daß gerade sie verkündigen könnten dasjenige, was man sucht in dem Problem der Unsterblichkeit der Seele, der Ewigkeit des Menschengeistes. Naturwissenschaftliches Denken, naturwissenschaftliche Gesinnung, sie können zu einer inneren Erweckung des Menschengeistes führen. Und die kann dann fortgesetzt werden, kann systematisch ausgebildet werden.
[ 16 ] You see, one must be able to tell oneself the following. One must be able to look impartially at a five-year-old child who, for example, is holding a volume of Goethe’s lyric poems. This five-year-old child will truly not know what to make of Goethe’s volume of lyric poems—at least not in the same way that an adult knows how to engage with it. The child might tear the book apart or do something else with it. It must first grow up; only then will it treat Goethe’s volume of lyric poetry in the proper way. Its development must be guided. For although, as a five-year-old child, everything contained in that volume of lyric poetry is already before this person’s eyes, the capacity for this person to draw from that volume everything that might be there for them has not yet developed. Thus, the person of the present must learn to relate to the entire expanse of existence in nature and the world. He must be able to say to himself with intellectual humility: You stand before nature in such a way that, given your present stage of development, it cannot give you what it truly contains within itself; one must be able to assume the possibility of taking one’s own development into one’s own hands, so that one may then—by attaining a higher stage of development than that which one simply receives by birth—be able to treat what one always has before one, what one believes one recognizes—like the five-year-old child who does not yet know what to make of it—in such a way that it reveals to one all the mysteries it holds within. It is precisely the effort one exerts when applying the scientific method today—applying it intensively—and the depth to which one penetrates, that can lead one to feel, through the exertion of the spirit, as if a power were awakened, through which one undergoes such a development. It is truly not the fault of modern natural science that people are so reluctant to admit that human beings can undergo such a development! No, it is due to the pressure I just described, which one need only view without prejudice in order to be able to freely surrender to what lies inherent in the scientific treatment of the world itself. Then one will feel that the soul is awakened from within precisely by contemplating nature in the modern sense, that powers grow within it that were not there before. As a rule, it is precisely today’s natural scientists who do not bring themselves to awaken these powers. But if they were to do so, they would find that they, of all people, could proclaim precisely what is sought in the problem of the immortality of the soul, the eternity of the human spirit. Scientific thinking and a scientific mindset can lead to an inner awakening of the human spirit. And this can then be continued and systematically developed.
[ 17 ] Wie das möglich ist, habe ich öfter skizzenhaft von diesem Orte aus und ausführlich geschildert in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», und im zweiten Teile meiner «Geheimwissenschaft» dargestellt. Man kann dasjenige, wovon man bemerkt, daß es sich durch die moderne naturwissenschaftliche Erkenntnis entwickelt, in voller Selbsterziehung fortsetzen. Man kann dasjenige anwenden auf den Geist, was man Meditation, Konzentration des Gedankenlebens, des Fühlens, des Willens nennt. Man kann jene innere Vorstellungswelt so weit treiben, oder wenigstens die Vorstellungen, die man anwendet, indem man Sterne beobachtet, indem man im chemisch-physikalischen Laboratorium arbeitet, indem man äußerlich Pflanzen oder Menschen oder Tiere betrachtet, man kann dasjenige, was man da anwendet an innerer Geisteskraft, weiter ausbilden, indem man sich Gedanken so hingibt, daß man nur in diesen Gedanken so leben will, bis wenigstens der Gedanke die Seele dahin bringt, innere Zusammenhänge zu erfassen. Die kann man nicht erfassen, wenn man nicht der Seele eine solche innere Selbstkultur angedeihen läßt. Eine Erweckung einer inneren Seelenkultur ist möglich. Man kann in der Tat eine solche Erweckung erreichen, so daß einem das gewöhnliche Leben, das man auslebt auch in der gewöhnlichen Wissenschaft, wie ein Schlafen vorkommt, aus dem man erwacht. Und aus diesem Erwachen kann man neu das, was einen als Welt umgibt, beobachten.
[ 17 ] I have outlined how this is possible on several occasions from this place and described it in detail in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?, as well as in the second part of my The Secret Science. One can continue, through complete self-education, the process that one observes developing through modern scientific knowledge. One can apply to the spirit what is called meditation, the concentration of thought, feeling, and will. One can push that inner world of mental images to its limits—or at least the mental images one employs—by observing the stars, by working in a chemical-physical laboratory, by externally observing plants, people, or animals; one can further develop the inner mental power one employs there by devoting oneself to thoughts in such a way that one wishes to live solely within these thoughts until, at the very least, the thought leads the soul to grasp inner connections. These cannot be grasped unless one bestows such inner self-cultivation upon the soul. An awakening of inner soul culture is possible. One can indeed achieve such an awakening, so that one’s ordinary life—which one lives out even within ordinary science—seems like a sleep from which one awakens. And from this awakening, one can observe anew the world that surrounds one.
[ 18 ] Das ist das eine, was der moderne Mensch durchmachen kann. Wird er die Naturwissenschaft in der richtigen, ich möchte sagen, in der goetheschen Weise anwenden, so wird er zu einer religiösen Erkenntnis, zu einer wirklichen Geist-Erkenntnis kommen.
[ 18 ] This is the one thing that modern man can go through. If he applies the natural sciences in the right way—I would say, in the Goethean way—he will arrive at a religious understanding, at a true spiritual understanding.
[ 19 ] Aber auch aus dem Leben des modernen Menschen selber geht dasjenige hervor, was auf einen solchen Weg und, ich möchte sagen, zu einem entsprechenden Zukunftsziele hin führt.
[ 19 ] But the very life of modern man himself also reveals what leads along such a path and, I would say, toward a corresponding goal for the future.
[ 20 ] Wer die Geschichte äußerlich betrachtet, so wie sie gewöhnlich heute äußerlich dargestellt wird, der hat nicht die wirkliche Geschichte vor sich. Man muß das geschichtliche Leben der Menschen mehr innerlich betrachten. Man muß vergleichen können, wie zum Beispiel noch ein Mensch des 9., 10. nachchristlichen Jahrhunderts in seiner ganzen Seelenverfassung war, und wie ein Mensch der Gegenwart, selbst wenn er ein einfachst primitiv lebender Mensch draußen ist, wie ein Mensch der Gegenwart ist; denn auch der einfachste Mensch unterscheidet sich heute ganz wesentlich von dem Menschen des 9., 10. nachchristlichen Jahrhunderts. Ich will gar nicht weiter zurückgehen. Die Menschen sind durchaus in Entwikkelung begriffen. Man muß heute das Wort Entwickelung nicht bloß in jenem eingeschränkten Sinne nehmen, in dem es die Naturwissenschaft gewöhnlich nimmt. Man muß es in einem viel weiteren Sinne nehmen können, wenn man in das Wesen der Menschheitsentwickelung eindringen will.
[ 20 ] Anyone who views history from the outside, as it is usually presented today, does not see the true history. One must look more deeply into the inner lives of people throughout history. One must be able to compare, for example, the entire spiritual constitution of a person from the 9th or 10th century A.D. with that of a person of the present day—even if that person leads the simplest, most primitive life on the outside—because even the simplest person today differs quite significantly from a person of the 9th or 10th century A.D. I do not wish to go back any further. Human beings are certainly in the process of development. Today, one must not take the word “development” merely in that limited sense in which the natural sciences usually use it. One must be able to take it in a much broader sense if one wishes to penetrate the essence of human development.
[ 21 ] Man muß sich sagen können, daß vor einer Reihe von Jahrhunderten, also in den Jahrhunderten, die ich eben angedeutet habe, die Menschen sich viel näher standen innerhalb gewisser Verbände. Ein Mensch war mit seinem Nächsten vor dieser verhältnismäßig kurzen Zeit dadurch verbunden, daß er ihm blutsverwandt war, daß er ihm stammesverwandt war. Diese Nähe, dieses Nahe, das die Menschen zusammenführte in Verbände vor verhältnismäßig kurzer Zeit, ist in der modernen Zeit nicht mehr vorhanden. Wenn man unbefangen ist, kann man das überall sehen. Der moderne Mensch ist vielmehr in sich abgeschlossen; der moderne Mensch ist viel mehr, ich möchte sagen, ein Einsamer seiner Seele geworden. Die Menschen der älteren Zeit gingen nicht so aneinander vorbei wie die Menschen der neueren Zeit. Die Menschen der neueren Zeit sind sich fremder geworden, sind sich ferner geworden. Aber es entspringt dafür, möchte ich sagen, aus einem geistigen Gewissen heraus etwas anderes, als noch vor Jahrhunderten für den Menschen entsprungen ist. Es entspringt - wiederum kann man es sehen, wenn man unbefangen in die eigene Seele hineinblickt und einen Sinn für solche Sachen hat, wiederum kann man wahrnehmen etwas wie eine innere Stimme -, es entspringt etwas wie eine innere Verpflichtung: Du sollst nun, da du nicht mehr durch Blutsverwandtschaft, Stammesverwandtschaft den dir unmittelbar Nächststehenden dich nahe genug fühlst, durch deine Seelenentwickelung ihm nahe kommen können. Du sollst seinen Willen in einer wirklichen Menschenliebe in dir aufnehmen. Du sollst, damit du sozial mit ihm leben kannst, nicht an ihm vorbeigehen, sondern du sollst seinen Willen in deinen aufnehmen können, seine Gedanken zu deinen Gedanken machen können. Du sollst mit seiner inneren Seelenverfassung in deiner inneren Seelenverfassung denken, fühlen und wollen können. Du sollst dich ihm geistig-seelisch nähern können.
[ 21 ] One must be able to acknowledge that several centuries ago—that is, during the centuries I just referred to—people were much closer to one another within certain communities. Until relatively recently, people were connected to their neighbors through blood ties and tribal kinship. This closeness—this sense of proximity that brought people together in communities until relatively recently—no longer exists in modern times. If one looks at things objectively, one can see this everywhere. Modern people are, rather, withdrawn into themselves; modern human beings have, I would say, become much more solitary in their souls. People of earlier times did not pass each other by as people of more recent times do. People of more recent times have become more alienated from one another, have grown more distant from one another. But in place of this, I would say, something else arises from a spiritual conscience—something different from what arose for human beings centuries ago. It arises—again, one can see it if one looks impartially into one’s own soul and has a sense for such things; again, one can perceive something like an inner voice—it arises as something like an inner obligation: Now that you no longer feel close enough to those immediately nearest to you through blood ties or tribal kinship, you should be able to draw near to them through the development of your soul. You should take his will into yourself through genuine love for humanity. In order to live together with him in society, you should not pass him by, but rather be able to take his will into your own, to make his thoughts your own. You should be able to think, feel, and will in harmony with his inner state of soul. You should be able to draw closer to him spiritually and emotionally.
[ 22 ] Gerade so, wie das Beschäftigen mit der Naturwissenschaft eine Art Erweckung für das seelische Leben darstellt, eine Art Aufwachen im gewöhnlichen Bewußtsein, das man sonst im Alltag und in der gewöhnlichen Wissenschaft hat, wenn man nur die gewöhnliche Wissenschaft richtig betrachtet, so gibt diese gewöhnliche Wissenschaft, ich möchte sagen, innere soziale Pflichten, die immer mehr und mehr im Menschen erwachen. Sie stellt etwas dar, was man im Gegensatze zu dieser Erweckung bezeichnen kann - ich werde es jetzt etwas paradox ausdrücken müssen, allein manche von den Wahrheiten, die in der Gegenwart sich dem Kulturleben einverleiben müssen, müssen heute noch paradox klingen -, was man bezeichnen kann als ein Gefühl, das uns überkommt, wenn wir so recht innerlich fühlen: geistig-seelisch nahe müssen wir dem Nächsten treten, wir müssen uns in seinen Willen, seine Gedanken einleben; es ist das etwas, was sich wie ein Verlieren in den Menschen ausnimmt. Dieses Verlieren in den Nächsten mit seinem GeistigSeelischen, diese Hingabe an den Nächsten, das liegt eigentlich zugrunde dem so vielfach karikierten Vorgang von sozialer Empfindung in der Gegenwart.
[ 22 ] Just as engaging with the natural sciences represents a kind of awakening for the spiritual life—a kind of awakening from the ordinary consciousness one otherwise experiences in everyday life and in conventional science, if one only views conventional science correctly—so this conventional science, I would say, gives rise to inner social duties that are increasingly awakening within the human being. It represents something that can be described in contrast to this awakening—I will have to express this somewhat paradoxically now, though some of the truths that must be incorporated into cultural life today still sound paradoxical—something that can be described as a feeling that comes over us when we truly feel within ourselves: we must draw close to our neighbor in spirit and soul, we must immerse ourselves in their will and their thoughts; it is something that feels like losing oneself in the other person. This losing of oneself in the other person with their spiritual and soul aspects, this devotion to the other person, actually underlies the process of social feeling in the present, which is so often caricatured.
[ 23 ] Und wenn man sagt: Die Naturwissenschaft kann uns aufwekken -, dieses Gefühl, es bringt, ich möchte sagen, die entgegengesetzte Seelenverfassungüber uns, einemerkwürdige Seelenverfassung, wenn man sie nur verstehen kann. Aber geradesowenig wie man das Erwachen aus der naturwissenschaftlichen Methode heraus gewahr wird, ebensowenig wird man dieses Sich-in-den-Nächsten-Hineinfühlen gewahr. Aber es wird immer mehr und mehr den modernen Menschen ergreifen. Dann werden sie dieses, im Gegensatze zu der Erweckung durch die Wissenschaft, empfinden wie ein Einschlafen, wie ein Ruhen in der Umgebung, wie ein Übergehen der eigenen Seele in die Seele des anderen. Und wie aus dem natürlichen Schlafe heraus erwacht, lebensvoll erwacht das geheimnisvolle Leben des Traumes, so kann erwachen aus dieser Hingabe an das MenschlichSeelenvolle, das immer mehr und mehr wie eine Gewissenspflicht die moderne Menschheit überkommen wird, es kann heraus erwachen aus dieser Hingabe, die, ich möchte sagen, in einem höheren Sinne die eines Schlafens ist, Liebe, die sich ausdrückt in einer solchen Hingabe. Es ist eine Art Schlaf in der menschlichen Umgebung; aus der heraus aber hebt sich etwas wie ein Traum aus dem natürlichen Schlaf. Und dieser Traum aus dem natürlichen Schlaf läßt sich vergleichen mit dem, was auftauchen wird immer mehr und mehr aus der wirklichen, nicht aus der karikierten sozialen Empfindung.
[ 23 ] And when people say, “Science can awaken us”—this feeling it evokes, I would say, brings about the opposite state of mind within us, a remarkable state of mind, if only one can understand it. But just as one is not aware of the awakening that arises from the scientific method, one is equally unaware of this empathy for one’s neighbor. But it will increasingly take hold of modern people. Then, in contrast to the awakening brought about by science, they will experience this as a falling asleep, as a resting in their surroundings, as a passing over of their own soul into the soul of another. And just as the mysterious life of the dream awakens, full of vitality, from natural sleep, so too can love—which expresses itself in such devotion—awaken from this devotion to the human soul, a devotion that will increasingly take hold of modern humanity as a moral imperative; it can awaken from this devotion, which, I would say, is, in a higher sense, a form of sleep. It is a kind of sleep within the human environment; yet from it something rises, like a dream arising from natural sleep. And this dream arising from natural sleep can be compared to what will emerge more and more from genuine—not caricatured—social sentiment.
[ 24 ] Dieser Traum, er wird erstehen lassen dasjenige, was dem Menschen sagt: Siehe, indem du dich einlebst in den Willen, der da neben deinem Willen sich entwickelt, indem du verwachsen wirst mit dem Gedanken, der neben deinen Gedanken sich entwickelt, weißt du, wie du mit diesem Menschen innerlich zusammenhängst.
[ 24 ] This dream will bring to life that which tells a person: Behold, as you attune yourself to the will that is developing alongside your own will, as you become one with the thought that is developing alongside your own thoughts, you will know how you are inwardly connected to this person.
[ 25 ] Wie Goethe fühlte etwas, das ihm gegeben wurde durch seine Idee der Urpflanze, was er bezeichnen mußte als ein Einleben in die ganze Kraft der Pflanzenwelt selber, so lebt man sich hinein wie in die Umgebung, in die lebendige Umgebung der Menschenwelt, gerade durch das modernste Empfinden. Und wiederum erwacht einem aus diesem Einleben in die Menschenwelt heraus etwas, was nun wie eine neue Erkenntnis gerade aus dem sozialen Leben aufgeht. Man fühlt, mit dem Wesen des anderen Menschen bist du verbunden. Man fühlt, aus dem Wesen des anderen Menschen spricht wie traumhaft in dir etwas, was dir bezeugt: du warst mit diesem Menschen in Vorzeiten schon verbunden.
[ 25 ] Just as Goethe sensed something—given to him through his idea of the primordial plant—that he had to describe as a “living into” the entire power of the plant world itself, so too do we “live into” our surroundings—the living environment of the human world—precisely through the most modern sensibility. And again, out of this immersion in the human world, something awakens within one that now emerges like a new insight directly from social life. One feels connected to the essence of another human being. One feels that something speaks within you, as if in a dream, from the essence of another human being, testifying to you: you were already connected to this person in times past.
[ 26 ] Aus diesem wirklichen Erleben, aus diesem echt modernen Erleben wird der neueren Menschheit als eine Erfahrung, als ein richtiges Erlebnis erwachsen dasjenige, was einzelnen bevorzugten Geistern schon erwachsen ist, wie zum Beispiel Lessing. Man kann, wenn man durchaus pedantisch sein will, wenn auch im höheren Sinne pedantisch, man kann sagen: Lessing, solch ein Mensch war gewiß groß, aber er hat in seinem Alter, als er schon halb schwachsinnig war, seine «Erziehung des Menschengeschlechts» geschrieben und ist da auf die verrückte Idee gekommen, daß die Menschheit in wiederholten Erdenleben lebe. Es ist aber für denjenigen, der nicht ein Pedant ist, sondern der wirklich hineinblicken kann in die Entwickelung eines solchen Menschen wie Lessing, der doch immer weiter und weiter aufgestiegen ist, ganz anschaulich, daß ein solcher Mensch nur der Vorgänger war für alle diejenigen, die kennenlernen diese Eigentümlichkeit, diese gewaltige Erfahrung, die aus dem richtig verstandenen sozialen Fühlen hervorgehen wird, aus ihm auftauchen wird, lebensvoll, wie ein Traum; aber es wird ein lebensvoller Traum sein, nicht bloß wie träumend, das Verbunden-gewesen-Sein mit Menschen, die man wieder antrifft im Erdenleben, das Verbunden-gewesen-Sein in früheren Erdenleben, mit dem Hinsehen darauf, daß man in späteren Erdenleben wieder mit ihnen zusammensein wird. Dasjenige, was die Erfahrung der wiederholten Erdenleben ist, es wird gerade sich entwickeln aus dem richtigen sozialen Leben und Empfinden des modernen Menschen heraus.
[ 26 ] From this genuine experience, from this truly modern experience, what has already come to fruition for certain exceptional minds—such as Lessing—will emerge for modern humanity as an experience, as a genuine realization. If one wishes to be thoroughly pedantic—albeit in a higher sense—one might say: Lessing, such a man was certainly great, but in his old age, when he was already half-insane, he wrote his Education of the Human Race and came up with the crazy idea that humanity lives through repeated earthly lives. But for those who are not pedants, but who can truly look into the development of a man like Lessing—who, after all, rose higher and higher— it is quite clear that such a man was merely the forerunner for all those who will come to know this peculiarity, this powerful experience that will arise from a properly understood sense of social feeling, emerging from it, full of life, like a dream; but it will be a vivid dream, not merely a dreamlike state—the having been connected to people whom one meets again in earthly life, the having been connected in earlier earthly lives, with the awareness that one will be with them again in later earthly lives. The experience of repeated earthly lives will develop precisely out of the proper social life and sensibility of modern human beings.
[ 27 ] Die gewöhnliche Naturwissenschaft, sie ist ja heute auch schon durch ihre Forschungen dazu gekommen, nicht mehr rein materialistisch sein zu wollen, mindestens bei einzelnen Geistern. Aber wenn dann der gewöhnliche Naturforscher nachweisen will, daß in dem Menschen etwas lebt, was geistig-seelischer Natur ist, was nicht bloß ein Ausdruck ist des Leibes, dann wendet er sich nicht an solche Erscheinungen, die er nachweisen kann, hinstellen kann, wie man Erscheinungen des Laboratoriums, der Klinik und dergleichen hinstellt, sondern er wendet sich gerade an die abnormen Erscheinungen des menschlichen Lebens. Und ich möchte sagen, in die Mode gekommen ist gerade da, wo man versucht, darauf hinzuweisen, wie der Mensch auch ein Geistiges und ein Seelisches in sich hat, die Traumwelt zu untersuchen, die so geheimnisvoll aufwacht aus dem natürlichen Schlafe. Aber das heißt, alles dasjenige zu untersuchen, was sich ergibt aus den Erscheinungen der Suggestion, der Hypnose, des Somnambulismus und der Mediumschaft und so weiter. Auch da liegt es nahe, während die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft aus einer gesunden Naturerkenntnis und aus einem gesunden Miterleben der Menschenwelt heraus schöpfen will, sie zu verwechseln mit demjenigen, was sich anlehnen möchte für eine wirkliche Erkundung des menschlichen geistig-seelischen Wesens an solche Erscheinungen wie Hypnotismus, Somnambulismus und dergleichen.
[ 27 ] Conventional natural science has, through its research, already come to the point where it no longer wishes to be purely materialistic—at least among certain thinkers. But when the conventional natural scientist seeks to demonstrate that something of a spiritual-soul nature lives within the human being—something that is not merely an expression of the body—he does not turn to phenomena that he can prove and present, as one presents phenomena from the laboratory, the clinic, and the like; rather, he turns specifically to the abnormal phenomena of human life. And I would like to say that it has become fashionable, precisely where one attempts to point out that human beings also possess a spiritual and a soul aspect within themselves, to investigate the world of dreams, which awakens so mysteriously from natural sleep. But that means investigating everything that arises from the phenomena of suggestion, hypnosis, somnambulism, mediumship, and so on. Here, too, it is all too easy—while anthroposophically oriented Spiritual Science seeks to draw upon a sound understanding of nature and a healthy experience of the human world—to confuse it with those who, in their quest for a genuine exploration of the human spiritual and soul nature, rely on phenomena such as hypnotism, somnambulism, and the like.
[ 28 ] Man kann, um diesen Erscheinungen etwas näherzukommen, geradezu von der Traumeswelt ausgehen, man kann darauf aufmerksam machen, wie diese Traumeswelt in Sinnbildern etwas vor die Menschen, die menschliche Seele hinzaubert in der Zeit zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, da der Mensch nicht voll gebunden ist mit seinem geistig-seelischen Leben an den ruhenden Leib. Aber derjenige, der diese Traumeswelt sachgemäß studieren kann, wird er sich jemals etwa auf die Frage: Was ist diese Traumeswelt? die Antwort geben: Diese Traumeswelt ist etwas, was den Menschen über sein gewöhnliches äußeres Tagesleben hinausführt. - Dann müßten nicht in diese Traumeswelt - für den Unbefangenen ist es ganz klar - sich einmischen allerlei Dinge, die bloß von den niederen, tierähnlichen Trieben der Menschennatur kommen.
[ 28 ] To gain a deeper understanding of these phenomena, one can start with the world of dreams; one can point out how this world of dreams conjures up symbols before human beings—before the human soul—in the time between falling asleep and waking up, when the human being is not yet fully bound by their spiritual and soul life to their resting body. But anyone who is able to study this dream world properly—if ever asked the question, “What is this dream world?”—will answer: This dream world is something that leads the human being beyond his ordinary, external daily life. - Then—as is quite clear to the impartial observer—all sorts of things that stem merely from the lower, animal-like instincts of human nature would not have to intrude into this dream world.
[ 29 ] Bedenken Sie nur, was der Mensch alles im Traume in der Lage ist zu tun, wie er hinneigt zum niederen Triebleben, wie er hinneigt selbst oftmals zum Verbrecherleben in dem, was er im Traume sich vorgaukelt. Der Mensch muß sich sagen: nicht in irgendein höheres Geistiges ist er versetzt, wenn er träumt, sondern im Gegenteil, in das Untermenschliche ist er hinuntergewandert. Wahrhaftig, es ist selber ein Traum, wenn die Menschen heute behaupten wollen ganz gutwillig behaupten wollen -, im Traume würden sie in eine höhere Welt entrückt. Nein, in eine niedrigere Welt als diejenige ist, in die wir blicken durch unsere Sinne, werden wir durch den Traum gebracht. Und erst recht dann, wenn auf den Menschen ein solcher Einfluß ausgeübt wird, von seiten irgendeines geeigneten Mitmenschen, daß er in den schlafähnlichen Zustand der Hypnose versetzt wird, kann man es dazu bringen, daß, ich möchte sagen, sogar unverantwortliche Einflüsse auf den Menschen ausgeübt werden, indem man hereinwirkt in eine Art schlafähnlichen Zustand. Dann sieht er eine Kartoffel für eine Birne an und ißt sie für eine Birne, deshalb, rein deshalb, weil ihm suggeriert wird, eingegeben wird diese Idee: diese Kartoffel ist eine Birne. Und noch ganz andere Dinge können ihm eingegeben werden! Es ist ja nur der extreme Zustand, der auch sonst als, ich möchte sagen, nicht ein ganz erlaubter Zustand existiert, wo man rechnet auf die Herabdämpfung des Bewußtseins durch den anderen Menschen, und ihm im, ich möchte sagen, Vergewaltigen Ideen einreden will. Für denjenigen, der im Sinne wahrer Geisteswissenschaft arbeitet, für den entsteht die Frage: Was ist es für eine Seelenverfassung, in der der Mensch im Traume ist? Was ist es für eine Seelenverfassung, in der der Mensch ist, wenn er in einem solchen hypnotischen oder medialen der ist ja auch einem hypnotischen Zustand ähnlich -, wenn er in einem solchen hypnotischen Zustand solche Einflüsse erfahren kann von irgendeinem Mitmenschen oder auch von anderer Umgebung?
[ 29 ] Just consider all the things a person is capable of doing in a dream, how he tends toward a life governed by base instincts, how he often even tends toward a life of crime in the fantasies he conjures up in his dreams. People must tell themselves: when they dream, they are not transported into some higher spiritual realm; on the contrary, they have descended into the subhuman realm. Truly, it is a dream in itself when people today—even if they mean well—claim that in their dreams they are carried away into a higher world. No, through dreaming we are transported into a world lower than the one we perceive through our senses. And this is all the more true when such an influence is exerted on a person—by some suitable fellow human being—that they are placed into the sleep-like state of hypnosis; one can then bring about, I would say, even irresponsible influences on the person by inducing a kind of sleep-like state. Then they mistake a potato for a pear and eat it as if it were a pear, simply because this idea is suggested to them, implanted in them: this potato is a pear. And all sorts of other things can be implanted in them as well! It is, after all, merely the extreme form of a state that otherwise exists—I would say—as a state that is not entirely permissible, in which one relies on the dimming of consciousness by another person and seeks to, I would say, forcibly impose ideas upon them. For those who work in the spirit of true Spiritual Science, the question arises: What kind of soul state is a person in when they are dreaming? What kind of soul state is a person in when they are in such a hypnotic or mediumistic state—which is, after all, similar to a hypnotic state—when, in such a hypnotic state, they can be influenced by another person or by their surroundings?
[ 30 ] In hypnotischem Zustand ist es in der Tat möglich, daß Gedankenübertragungen über weite Entfernungen sich darstellen können, sie können experimentell dargeboten, bewiesen werden. Aber es frägt sich nur, in welche Regionen man einen Menschen bringt, mit seinem ganzen menschlich-leiblich-seelisch-geistigen Wesen, wenn man in diese Regionen hinuntersteigt. Man bringt ihn dann in eine Region, die ein Untermenschliches ist, die das Tierische in dem Menschen darstellt.
[ 30 ] In a hypnotic state, it is indeed possible for thoughts to be transmitted over long distances; this can be demonstrated experimentally and proven. But the question is simply: into what realms does one bring a human being—with his entire human, physical, psychological, and spiritual being—when one descends into these realms? One then brings him into a realm that is subhuman, one that represents the animal nature within the human being.
[ 31 ] In der Tat wird der Mensch heruntergeschraubt, herunterhypnotisiert, herunterprofaniert in dasjenige, was als Tierisches in ihm spielt. Und gerade dadurch lernt man das Tierische im Menschen kennen, das doch noch etwas ganz anderes als das Tierische der Tierreihe ist; aber man gelangt in die Region des Untermenschlichen hinein.
[ 31 ] In fact, human beings are reduced, hypnotized, and trivialized down to that which is animalistic within them. And it is precisely through this process that one comes to know the animalistic aspect of human beings—which is, after all, something quite different from the animalistic nature of the animal kingdom—but one enters the realm of the subhuman.
[ 32 ] Im Gegensatz zu alledem, was da sich darbietet, möchte die hier gemeinte anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft dahin führen, das Seelisch-Geistige im Menschen dadurch zu erreichen, daß man nicht das, was schon im Menschen ist, herunterdämpft, um scheinbar etwas Geistig-Seelisches zu empfinden, sondern daß man hinaufentwickelt dasjenige, was schon in der Sinneswelt da ist, zu einer höheren Anschauung dadurch, daß man den Gedanken, den Willen, die Empfindung durch Meditation, Konzentration so erzieht, wie es in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» dargestellt ist. - Den Menschen über sich hinausführen, in gesunder Weise über sich hinausführen über das, was in der Sinnesanschauung und gewöhnlichen Wissenschaft schon da ist, das will anthroposophische Geisteswissenschaft.
[ 32 ] In contrast to everything that is presented here, the anthroposophically oriented Spiritual Science referred to here aims to lead us to the soul-spiritual aspect of the human being not by suppressing what is already within the human being, in order to seemingly experience something spiritual and soulful, but rather by developing upward that which is already present in the sensory world into a higher form of perception—by training thought, will, and feeling through meditation and concentration, as described in my book How to Attain Knowledge of the Higher Worlds. - To lead people beyond themselves—in a healthy way, beyond what is already present in sensory perception and ordinary science—that is the aim of anthroposophical Spiritual Science.
[ 33 ] Dadurch gelangt sie in eine Region hinein, die durchaus etwas Neues ist gegenüber der äußeren Sinneswelt. Das ist sehr wichtig, daf man einsieht, daß der Mensch abhängig wird, indem er in Hypnose, in somnambulen, in medialen Zustand versetzt wird, oder auch, indem er sich gewöhnlich der Traumphantasie bloß hingibt, daß er abhängig wird von seiner äußeren sinnlichen Umgebung in einer solchen Weise, wie er nicht mehr abhängig ist, wenn er sich dem normalen Sinnesleben hingibt; wenn wir uns in wachem Zustande dem Sinnesleben hingeben, dann kann unser Wille die Augen abwenden von etwas, auf das hin er sie nicht wenden will, kann sogar geringe Aufmerksamkeit auf das, was er hört, wenden. Kurz, wir sind unserer Menschlichkeit mächtiger durch den Willen, wenn wir durch die Sinne mit der Umgebung in Beziehung stehen. Das, was da in die Freiheit unseres Wollens gestellt ist, was uns in ein freies Verhältnis bringt, wenn wir im wachen Zustande sinnlich wahrnehmen, wird ein Zwangsverhältnis, wie es in der Tierheit ist, wenn wir heruntergedämpft werden im Wachzustand durch Hypnose. Da entdecken wir nicht das eigentlich Seelische im Menschen, da entdekken wir dasjenige von der Tierheit in uns, was sonst verhüllt wird durch unsere freie Geistigkeit; was sonst verhüllt wird, das wirkt herauf, wird beherrschend den Menschen. Der Mensch wird hinunterorganisiert zum Tiere. Nur erkennt man nicht - da der Mensch sich nicht benimmt wie das Tier, sondern sich schon geistiger zum Ausdruck bringt -, daß es sich doch um ein Hinunterorganisieren zu der Tierheit handelt. Das, was anthroposophische Geisteswissenschaft will, das will im Gegensatz dazu den Menschen hinauferheben zu einer höheren Bewußtseinsstufe, und dadurch erkennt man erst dasjenige, was sich auf einer niedrigeren Bewußtseinsstufe darstellt. Denn dann, wenn der Mensch so sein Geistiges, wie ich es dargestellt habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», entwickelt, dann tritt auch eine andere Beziehung zur Welt auf. Aber nicht diejenige Welt stellt sich dar, die sich darstellt, wenn wir hypnotisiert sind oder wenn wir in medialem Zustande sind, oder wenn wir somnambul werden, nicht die Welt der gewöhnlichen sinnlichen Umgebung stellt sich dar, sondern eine neue Welt, eine geistige Welt, eine Welt, die der Mensch früher nicht gekannt hat, aber die sich ihm darstellt als eine wirkliche, so wie sich die äußere Sinneswelt für die Sinne als eine wirkliche Welt ankündigt.
[ 33 ] This leads her into a realm that is indeed something new compared to the external sensory world. This is very important for understanding that when a person is placed in a hypnotic, somnambulistic, or mediumistic state—or even when they simply surrender to dream imagery—they become dependent on their external sensory environment in a way that they are not when they are engaged in normal sensory life; when we engage in sensory life while awake, our will can turn our eyes away from something we do not wish to look at, and can even direct only minimal attention to what we hear. In short, we are more in control of our humanity through the will when we relate to our surroundings through the senses. What is placed within the freedom of our will—what brings us into a free relationship when we perceive sensually in the waking state—becomes a relationship of compulsion, as in the animal realm, when we are subdued in the waking state through hypnosis. There we do not discover what is truly spiritual in human beings; there we uncover that aspect of animality within us which is otherwise veiled by our free spirituality; what is otherwise veiled then rises to the surface and comes to dominate the human being. Human beings are reduced to the level of animals. Yet one does not recognize this—since human beings do not behave like animals but express themselves in a more spiritual way—that what is actually taking place is a reduction to the animal state. What anthroposophical Spiritual Science aims to do, by contrast, is to elevate human beings to a higher level of consciousness, and only through this can one recognize what manifests itself at a lower level of consciousness. For when human beings have developed their spiritual nature as I have described it in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?, then a different relationship to the world also emerges. But it is not the world that presents itself when we are hypnotized, or when we are in a mediumistic state, or when we become somnambulists; it is not the world of the ordinary sensory environment that presents itself, but a new world, a spiritual world—a world that human beings did not know before, but which presents itself to him as a real world, just as the external sensory world presents itself to the senses as a real world.
[ 34 ] Sehen Sie, diese Entwickelung kann der Mensch durchmachen, indem er hinaufsteigt von dem Menschlichen in ein Übermenschliches, so wie er von der Hypnose, vom Somnambulismus aus hinuntersteigt in ein Untermenschliches. Diese Entwickelung kann durchgemacht werden, und der Mensch kann dadurch hinaufkommen zu einem unmittelbaren Wahrnehmen, unmittelbaren Erleben des Geistigen. Der Geist kann dadurch hereintreten in das menschliche Bewußtsein.
[ 34 ] You see, a person can undergo this development by ascending from the human to the superhuman, just as he descends from hypnosis and somnambulism into the subhuman. This development can be undergone, and through it, a person can ascend to a direct perception and direct experience of the spiritual. Through this, the spirit can enter human consciousness.
[ 35 ] Nun kann man ja sagen: Gewiß, in einem solchen Buche, wie in dieser Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten ?» ist dargestellt, welche Entwickelung man durchmachen muß, um zu begreifen, daß das wirklich eine wahre Welt ist, die man auf diese Weise kennenlernt, wie ich es geschildert habe. Aber es kann nicht jeder Mensch selbst ein Geistesforscher werden, es kann nicht jeder Mensch selber eintreten in diese geistige Welt, so daß er Mitteilungen aus dieser geistigen Welt machen kann. Derjenige allerdings, der bis zu jener Entwickelung kommt, die man immer, da wo man wufste von dem Vorhandensein einer geistigen, einer übersinnlichen Welt, genannt hat die Welt jenseits der Schwelle des gewöhnlichen Bewußtseins, wer eintritt in diese Welt, in der er das Geistige so um sich herum hat, wie man für das gewöhnliche Bewußtsein das Sinnliche um sich hat, der macht seine Entdeckungen im Geistigen. Der weiß zum Beispiel mit diesen Entdeckungen unmittelbar, daß durch dasjenige, was heute vom Menschen erscheint, indem man ihn in hypnotischem, somnambulem Zustand hat, indem man medial wird, sein gewöhnliches Bewußtsein herabgedämpft wird. Was da im Menschen erscheint als das Untermenschliche, das stellt in Wahrheit eine frühere Entwickelungsstufe des Menschen dar, und dasjenige, was sich heute als seine Sinneswahrnehmung, seine Verstandeswahrnehmung entwickelt, das stellt eine spätere Entwickelungsstufe dar. Und sogar das kann man erkennen - Sie können es nachlesen in der «Geheimwissenschaft» -, daß der Mensch heute, wenn man ihn in Hypnose versetzt, so wird auf eine abnorme Weise, wie er war in seiner Umgebung in einer Entwickelung der Erdenwelt, die weit zurückliegt hinter dem, was uns die geologische äußere Wissenschaft als Erdenentwickelung darstellt. Man kann geradezu etwas erfahren über einen viel geistig-seelischeren Zustand des Erdenplaneten, in dem der Mensch aber auch schon vorhanden war und so seine Umgebung wahrnahm, wie er heute seine Umgebung wahrnimmt, wenn sein Bewußtsein herabgedämpft ist. Wir erkennen etwas von der Vergangenheit der Erde, die nicht so war, wie es die Kant-Laplacesche Theorie darstellt, sondern so war, wie ein geistig-seelisches Wesen selbst, in das der Mensch als Sinneswesen eingebettet war. Und andrerseits erkennt man den Menschen der irdischen Zukunft, wo die Erde wieder geistiger sein wird, wo der Mensch durch seine natürliche Beschaffenheit so erkennen wird, wie man heute erkennt, wenn man die Seele weiterentwickelt, wie ich es geschildert habe.
[ 35 ] Now one might say: Certainly, a book such as this treatise, How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?, describes the process of development one must undergo in order to understand that this is truly a real world—one that is come to know in the manner I have described. But not everyone can become a spiritual researcher themselves; not everyone can enter this spiritual world on their own so as to be able to convey messages from it. However, those who reach the stage of development—which has always been referred to, where one has long been aware of the existence of a spiritual, a supersensible world—the world beyond the threshold of ordinary consciousness—whoever enters this world, in which the spiritual surrounds them just as the physical surrounds ordinary consciousness, makes discoveries in the spiritual realm. Through these discoveries, for example, one knows directly that what appears today in human beings—when they are in a hypnotic or somnambulistic state, or when they become mediums—is the result of their ordinary consciousness being subdued. What appears in the human being as the “subhuman” actually represents an earlier stage of human development, and what develops today as sensory perception and intellectual perception represents a later stage of development. And one can even recognize—as you can read in The Secret Science—that when a person today is placed under hypnosis, they become, in an abnormal way, as they were in their environment during a phase of the Earth’s development that lies far beyond what external geological science presents to us as the Earth’s evolution. One can actually gain insight into a much more spiritual and soulful state of the Earth, in which human beings already existed and perceived their surroundings just as they do today when their consciousness is subdued. We gain insight into the Earth’s past, which was not as depicted by the Kant-Laplace theory, but rather as a spiritual-soul being in and of itself, within which human beings were embedded as sensory beings. And on the other hand, one recognizes the human being of the Earth’s future, when the Earth will once again be more spiritual, and when human beings, by their very nature, will perceive things as we do today when we further develop the soul, as I have described.
[ 36 ] Allein diese Erkenntnisse, sie werden zunächst, obwohl sie ein Bedürfnis sind des neueren, des modernen Menschen, sie werden zunächst selbstverständlich, möchte ich sagen, nur von einzelnen Menschen erreicht werden, einzelne Menschen werden hineinkommen in diejenige Region des Lebens, die da liegt jenseits der Schwelle des gewöhnlichen Bewußtseins. So vieles ist notwendig, wenn man wirklich zu diesen höheren Erkenntnissen kommen will. Sehen Sie, ich will Ihnen eine einfache höhere Erkenntnis anführen. In dieser einfachen höheren Erkenntnis aber sieht derjenige, der zu ihr kommt, zum Beispiel, worauf das Erlangen höherer Erkenntnisse, die Entdeckung höherer Erkenntnisse eigentlich beruht. In der gewöhnlichen Geschichte weiß man heute nicht, daß im Grunde genommen die Entwickelung der ganzen Menschheit ebenso innerlich bedingt ist wie die Entwickelung des einzelnen Menschen. Wer würde es heute nicht lächerlich finden, wenn man sagen würde: der Mensch, der sieben, vierzehn, zwanzig Jahre und so weiter alt wird, der ist immer das Ergebnis desjenigen, was er ißt und trinkt; dasjenige was er ißt, das bewirkt, daß das Kind von Kindheit auf sich immer weiter entwickelt, das macht es zum erwachsenen Menschen. Jeder Mensch weiß, daß das nicht der Fall ist, daß der Mensch gewisse Stufen seiner Entwickelung durchmacht, die ihn sogar über gewisse Sprünge in der natürlichen Entwickelung führen. Einen solchen deutlichen Sprung haben wir zum Beispiel um das siebente Jahr herum, wenn der Zahnwechsel eintritt. Derjenige, der einen Sinn hat für solche Dinge, der weiß, welch gewaltige Revolutionen sich im menschlichen Organismus abspielen zum Beispiel dann, wenn die Geschlechtsreife eintritt; später sind die Umschwünge nicht mehr so deutlich und klar wahrzunehmen, sind aber dennoch vorhanden. Da entwickelt sich im Menschen etwas, was aus der Tiefe seines Wesens herausspringt. So aber auch bei der ganzen Menschheit. Und so war es etwa um die Mitte des 15. Jahrhunderts unserer nachchristlichen Zeit, wo die Menschheit einen Sprung in ihrer Entwickelung durchmachte. Die Seelenverfassung der Menschen ist eine ganz andere geworden. Eben dasjenige ist aufgetreten, was ich heute charakterisiert habe als das, daß der Mensch sich einsam fühlt gegenüber dem anderen Menschen, daß er in sich abgeschlossen ist, daß er nicht mehr durch die bloße Blutsverwandtschaft sich dem Menschen so nahe fühlt wie früher. Dieses Selbständigerwerden, dieses Persönlicherwerden hat sich so entwickelt, wie das aufgetreten ist, daß der Zahnwechsel, die Geschlechtsreife eintritt bei der einzelnen menschlichen Individualität, bei der einzelnen menschlichen Organisation. So, aus der ganzen Menschheitsentwickelung heraus, ist da etwas gekommen in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Solch ein Erkenntnisinhalt kann nur aus der geistigen Welt kommen. Und erst wenn man einen solchen Erkenntnisinhalt gewinnt, wie eine innere Erfahrungstatsache, kann man ein Urteil auch haben über die Wirklichkeiten der wiederholten Erdenleben, über den Gang des Geistes in der menschlichen Entwickelung, über das Leben des Geistes in dem natürlichen Dasein und so weiter.
[ 36 ] These insights alone—even though they represent a need of the newer, modern human being—will, at first, I would say, naturally be attained only by individual people; individual people will enter that realm of life that lies beyond the threshold of ordinary consciousness. So much is necessary if one truly wishes to attain these higher insights. You see, I want to give you an example of a simple higher insight. But in this simple higher insight, the person who arrives at it sees, for example, what the attainment of higher insights—the discovery of higher insights—actually rests upon. In conventional thinking today, people do not realize that, fundamentally, the development of all humanity is just as intrinsically determined as the development of the individual human being. Who today would not find it ridiculous if someone were to say: a person who lives to be seven, fourteen, twenty years old, and so on, is always the result of what they eat and drink; what they eat causes the child to develop further and further from childhood onward, and that is what makes them an adult. Everyone knows that this is not the case, that human beings go through certain stages of development that even lead them to make certain leaps in their natural development. We experience one such distinct leap, for example, around the age of seven, when the teeth begin to fall out and be replaced. Anyone with a sense for such things knows what tremendous upheavals take place in the human organism, for example, when sexual maturity sets in; later on, these upheavals are no longer so clearly perceptible, yet they are still present. Something develops within the human being that springs forth from the depths of their being. The same is true for humanity as a whole. And so it was, for example, around the middle of the 15th century of our Christian era, when humanity underwent a leap in its development. People’s state of mind has become entirely different. Precisely what I have described today has come to pass: that people feel lonely in relation to one another, that they are closed off within themselves, that they no longer feel as close to others through mere blood kinship as they did in the past. This growing independence, this increasing individuality, has developed in the same way that the change of teeth and the onset of sexual maturity occur in the individual human being, in the individual human organism. Thus, arising from the entire course of human development, something emerged in the middle of the 15th century. Such a body of knowledge can come only from the spiritual world. And only when one gains such knowledge—as an inner fact of experience—can one also form a judgment about the realities of repeated earthly lives, about the course of the spirit in human development, about the life of the spirit within natural existence, and so on.
[ 37 ] Aber alles dasjenige, was man tun kann, um zu solchen Erkenntnissen zu kommen, das ist: man kann sich dazu vorbereiten, durch Meditation, Konzentration, durch Hingebung der Gedanken, Empfindungen, Willensimpulse, wie es geschildert ist in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Man kann sich entwikkeln, kann sich dann sagen: Du bist jetzt bereit, höhere Erkenntnis aufzunehmen; aber dann hat der Mensch zu warten. Die Art der Geisteswissenschaft bezieht sich nicht darauf, daß man losgehen kann und Erkenntnisse sammeln; sondern man kann nur die eigene Seele bereit machen; dann muß sie warten. Dann muß man, ich möchte sagen, auf den Moment warten, den man empfindet wie eine Gnadenwirkung aus der geistigen Welt heraus; man muß warten, bis die Erleuchtung kommt. Daß Erleuchtungen aus der geistigen Welt auftreten, tritt bei dem einen Menschen auf, bei dem anderen Menschen nicht. Daher sind die Wahrheiten so, daß sie in einigen Menschen auftreten, die sie ihren Mitmenschen mitteilen müssen. Selbst wenn solche einfachen Erkenntnisse, wie die von dem Umschwunge der ganzen Entwickelung der Menschheit im 15. Jahrhundert, auftreten, man muß sie heute kennengelernt haben im reinen Seelenleben. Man muß verzichten gelernt haben auf das gewaltsame Erobern der geistigen Welt, man muß gearbeitet haben nur an der Entwickelung der Seele, um sich bereit zu machen zum Empfangen der Wahrheiten. Dann kommen sie, kommen im geeigneten Moment. Man muß sich darauf beschränken, sie als solche einzelnen Wahrheiten hinzunehmen. Man muß sich nur klar sein darüber: wenn man Konsequenzen daraus ziehen will, so wie einzelne Menschen es machen, dann bringt man nur Karikaturen der geistigen Welt. Nehmen wir an, irgendein Mensch hat mancherlei innere Entdeckungen gemacht; er kommt zu einer Idee; dann baut er gleich ein ganzes System daraus, ein Natursystem, ein Geschichtssystem, ein ökonomisches oder ein soziales System, oder irgend etwas. Die Menschen sind nicht zufrieden, solche einzelnen geistigen Erfahrungen zu machen, sondern ziehen weiterhin ihre Konsequenzen, bauen Systeme darüber auf. Derjenige, der erfahren ist in der geistigen Welt, der arbeitet nur an seiner geistigen Entwickelung, daß er bereit ist, zu empfangen, was sich ihm offenbart. Dann nimmt er wiederum eine solche einzelne Erfahrung hin, wartet wiederum, bis sich ihm eine andere ergibt. Wie in der äußeren sinnenfälligen Wirklichkeit auch die neue Erfahrung herankommt, so muß man warten, so muß man immer innerlich von Resignation erfüllt sein, durch die man warten kann, bis sich die einzelnen inneren Erkenntnisse ergeben. Sonst bringt man oftmals Gebilde der Phantasie zustande. Und weil die meisten Menschen nur solche verschwommenen Phantasievorstellungen haben, deshalb meint man, die Gesetze, die in Betracht kommen, kämen nur aus Phantasiegebilden heraus. In Wahrheit kommen aber keine Phantasiegebilde heraus, wenn der Mensch sich anstrengt, vorwärtszukommen. Nur wenn er sich nicht anstrengt, über das Unsichtbare Ideen zu gewinnen, kommt er zu Phantasiegebilden. Sondern nur, wenn er anstrebt, alle Gedanken und Entwickelung, alles Arbeiten im Geiste lediglich darauf abzielen zu lassen, daß der Geist in seinem Erkenntnisvermögen immer vollkommener und vollkommener wird, dann kann er genügend weit kommen; wenn er warten gelernt hat, dann ergeben sich ihm die Entdeckungen in der geistigen Welt durch dasjenige, was mitzuteilen ist in der geistigen Welt. - Es kann allerdings der Mensch, wenn ihm sein Schicksal, ich möchte sagen, nach dieser Richtung hin günstig ist, und er warten lernt, selber zu Entdeckungen kommen. Aber er kann vor allen Dingen dahin kommen, daß er dasjenige, was geistige Entdecker ihm sagen, als Wahrheit anerkennen kann, und daß er sich die Urteile aneignet durch eine solche innerliche Entwickelung, um auch dasjenige, was ihm der andere gibt, in seiner Wahrheit einzusehen.
[ 37 ] But everything one can do to arrive at such insights is this: one can prepare oneself through meditation, concentration, and the devotion of one’s thoughts, feelings, and impulses of the will, as described in “How Does One Attain Insights into the Higher Worlds?” One can develop oneself and then say to oneself: You are now ready to receive higher knowledge; but then one must wait. Spiritual Science does not involve simply setting out to gather insights; rather, one can only prepare one’s own soul—and then it must wait. Then one must, I would say, wait for the moment that one perceives as an act of grace from the spiritual world; one must wait until enlightenment comes. The fact that enlightenments arise from the spiritual world occurs in some people but not in others. Therefore, these truths manifest in certain individuals, who must share them with their fellow human beings. Even when such simple insights arise—such as that concerning the turning point in the entire course of human development in the 15th century—one must have come to know them today within the pure life of the soul. One must have learned to refrain from forcibly conquering the spiritual world; one must have worked solely on the development of the soul in order to prepare oneself to receive these truths. Then they come—they come at the right moment. One must limit oneself to accepting them as such—as individual truths. One must simply be clear about this: if one wishes to draw conclusions from them, as some individuals do, then one produces nothing but caricatures of the spiritual world. Let us suppose that a person has made various inner discoveries; he arrives at an idea; then he immediately builds an entire system out of it—a system of nature, a system of history, an economic or social system, or something of the sort. People are not content merely to have such individual spiritual experiences; instead, they continue to draw conclusions from them and build systems upon them. The one who is experienced in the spiritual world works solely on his spiritual development so that he is ready to receive whatever is revealed to him. Then he accepts such an individual experience once more, and waits again until another one presents itself. Just as in the outer, sensory reality a new experience comes about, so one must wait; one must always be filled inwardly with resignation, through which one can wait until the individual inner insights arise. Otherwise, one often ends up creating figments of the imagination. And because most people have only such vague imaginative notions, they assume that the laws in question arise solely from figments of the imagination. In truth, however, no figments of the imagination arise when a person strives to make progress. Only when one makes no effort to gain insights into the invisible does one arrive at figments of the imagination. Rather, only when a person strives to direct all thoughts and development—all mental work—solely toward the goal of making the mind ever more perfect in its capacity for knowledge can they progress far enough; once they have learned to wait, discoveries in the spiritual world will reveal themselves to them through what is meant to be communicated in that world. - It is true, however, that if a person’s destiny—I might say—favors him in this direction, and he learns to wait, he can arrive at discoveries on his own. But above all, they can reach a point where they can recognize as truth what spiritual explorers tell them, and where, through such inner development, they acquire the ability to discern the truth in what others convey to them.
[ 38 ] Das ist gerade das Geheimnis des Lebens, das die Menschen führen werden , wenn der Geist ihr Führer in der Sinneswelt und in die übersinnliche Welt werden wird. Gerade das wird die Eigentümlichkeit sein, daß das menschliche Zusammenleben intimer werden wird. Heute sehen wir einen iillusionären, einen falsch verstandenen Sozialismus, sehen, wie die Menschen sozial wirken wollen, aber immer mehr und mehr sozial sich eigentlich voneinander entfernen. Dann aber, wenn man einsehen wird: Du kannst dich dazu entwikkeln, daß du dasjenige, wozu der andere durch die Intimitäten seines Innenlebens kommt, wodurch er geistige Entdeckungen macht, wirst anerkennen können, dann wirst du dich selber im Zusammenleben mit ihm geistig bereichern können. Dann wird man einsehen, daß gerade wenn der Geist Führer sein wird in dem Sinnesreich des Menschen, durch diesen Geist auch das soziale Leben erst seinen rechten Sinn wird erhalten können.
[ 38 ] That is precisely the secret of the life that people will lead when the spirit becomes their guide in the sensory world and in the supersensory world. That, precisely, will be the distinctive feature: that human coexistence will become more intimate. Today we see an illusory, misunderstood form of socialism; we see how people want to act socially, yet in reality they are drifting further and further apart from one another. But then, when one comes to realize: You can develop to the point where you will be able to acknowledge what the other person arrives at through the intimacies of their inner life—through which they make spiritual discoveries—then you will be able to enrich yourself spiritually through your life together with them. Then one will realize that it is precisely when the spirit becomes the guide in the realm of human senses that social life, through this spirit, will be able to attain its true meaning.
[ 39 ] Das Hineindringen in geistige Welten setzt ja voraus, wenn man wirklich bewußt jenseits der Schwelle kommen will, daß man in einem gewissen Sinne furchtlos werde gegenüber den Erlebnissen der geistigen Welt. Die gewöhnliche Sinneswelt, sie läßt uns, ich möchte sagen, in einer gewissen Weise in Sicherheit eingewiegt sein. Derjenige, der von dieser Sinneswelt über die Schwelle der geistigen Welt hinübergelangt in die wirklichen geistigen Welten, die zugrunde liegen unserer Sinneswelt, der macht die Erfahrung, daß gewissermaßeen der bequeme, feste Erdboden nicht mehr unter ihm ist. Die geistige Welt hat nicht dieselben Kräfte der Schwere und dergleichen, die diese Sinneswelt hat. Innerhalb der geistigen Welt fühlt sich der Mensch wie auf einem wogenden Meere, und diejenige Sicherheit, die man sonst durch einen festen Standpunkt in der äußeren Sinneswelt hat durch das gewöhnliche Leben, diese Festigkeit, die muß gegeben werden durch innere Kraft, durch die man durchsteuert die geistige Welt.
[ 39 ] To truly and consciously cross the threshold into the spiritual worlds requires, in a certain sense, that one become fearless in the face of the experiences of the spiritual world. The ordinary sensory world, I would say, lulls us into a certain sense of security. Those who cross the threshold from this sensory world into the true spiritual worlds—which underlie our sensory world—experience, as it were, that the comfortable, solid ground is no longer beneath them. The spiritual world does not possess the same forces of gravity and the like that this sensory world has. Within the spiritual world, a person feels as if on a surging sea, and the sense of security one otherwise has through a firm footing in the external sensory world—through ordinary life—that stability must be provided by inner strength, through which one navigates the spiritual world.
[ 40 ] Außerdem müssen Sie bedenken, daß, wenn man hineingelangt in diese geistige Welt, man zunächst an diese geistige Welt nicht angepaßt ist. Man ist angepaßt einer Welt als Mensch zwischen Geburt und Tod; man ist nicht angepaßt an dasjenige, was als Ewiges sich enthüllt der Menschennatur, wenn man gerade in die Geisteswelt eindringt. Man ist angepaßt an die diesseitige Welt, an die Welt hier. Tritt man nun ein in die geistige Welt, nachdem man sich entwickelt hat, um hineinzugelangen, so fühlt man sich eigentlich zunächst, solange man noch im Leibe ist, noch nicht durch die Pforte des Todes gegangen ist, noch nicht für die ganze Entwickelung angepaßt. Man fühlt das oftmals als brennenden Schmerz, möchte ich sagen. Davor schrecken viele zurück. Nur wenn man sich gut vorbereitet, um das eine wie das andere zu erfahren, kann man über sich selbst hinauswachsen, kann sich hinauswagen auf das offene Meer der geistigen Erkenntnisse, auf dem man den Führer, den geistigen Führer in sich selber haben muß.
[ 40 ] You must also bear in mind that when one enters this spiritual world, one is not initially adapted to it. As a human being, one is adapted to the world between birth and death; one is not adapted to that which reveals itself as the eternal aspect of human nature when one first enters the spiritual world. One is adapted to the earthly world, to the world here. When one enters the spiritual world after having developed oneself to gain access to it, one actually feels at first—as long as one is still in the body, has not yet passed through the gate of death—that one is not yet adapted to the entire process of development. One often feels this as a burning pain, I would say. Many shrink back from this. Only when one is well prepared to experience both can one transcend oneself, can one venture out onto the open sea of spiritual knowledge, where one must have the guide—the spiritual guide—within oneself.
[ 41 ] Aber für jeden Menschen ist es heute schon möglich, wenn er beobachtet solche Dinge, wie ich sie dargestellt habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten ?», einzusehen aus seiner eigenen Überzeugung heraus, nicht durch Überlegungen, einzusehen, daß dasjenige auf Wahrheit beruht, der Wirklichkeit entnommen ist, was die Geist-Entdecker, die modernen Seher wirklich der Welt enthüllen können.
[ 41 ] But it is already possible today for anyone who observes the things I have described in How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds? to realize—out of their own conviction, not through mere reasoning—that what the spiritual explorers and modern seers can truly reveal to the world is based on truth and drawn from reality.
[ 42 ] Ein menschliches Zusammenleben wird sich dadurch ergeben, daß wir wiederum einsehen lernen können, wenn der andere in sich die Fähigkeiten entwickelt, das Entdeckte voll anzuerkennen. Ein Zusammenleben im Geistigen wird sich ergeben, das die Grundkraft abgeben wird für ein Leben, wie es die Menschheit in der Zukunft brauchen wird, gerade wenn manche Strukturen im sozialen Organismus überwunden werden sollen, die aus alten Kräften hervorgegangen sind und die nur überwunden werden durch neue Kräfte des Geistes, die sich von Seele zu Seele entwickeln.
[ 42 ] Human coexistence will arise from our ability to once again recognize when others develop within themselves the capacity to fully acknowledge what has been discovered. A spiritual coexistence will emerge that will provide the fundamental force for the kind of life humanity will need in the future—precisely when certain structures in the social organism, which have arisen from old forces and can only be overcome by new spiritual forces developing from soul to soul, are to be overcome.
[ 43 ] Gerade dadurch, daß das Geistige für die Menschen eine Wirklichkeit werden wird, gerade dadurch werden die Menschen einander näher kommen. Man muß nur bedenken, ob der eine Mensch dies oder jenes in der geistigen Welt entdeckt; das hängt ab von der Art und Weise, wie sein Leben ist. Nicht wahr, von der äußeren Sinneswelt weiß der Mensch anderes, je nachdem er, ich will sagen, in Europa oder in Amerika oder in Asien geboren ist. So weiß jeder Mensch auch, wenn er ein geistiger Entdecker, ein Seher ist, von der geistigen Welt etwas anderes. Das andere, das er weiß, das ist wiederum dem anderen Menschen, der wiederum etwas anderes weiß, eine Ergänzung zu seinem eigenen Wissen. Die Menschen werden einzelnes, vom Geiste her verschiedenes wissen. Aber sie werden einander ergänzen können.
[ 43 ] Precisely because the spiritual will become a reality for human beings, precisely because of this, people will grow closer to one another. One need only consider that whether one person discovers this or that in the spiritual world depends on the nature of their life. After all, people know different things about the external sensory world depending on whether they were born, so to speak, in Europe, America, or Asia. In the same way, every person—if they are a spiritual explorer or a seer—knows something different about the spiritual world. What one person knows, in turn, serves as a complement to the knowledge of another person, who in turn knows something else. People will know different things, differing in their spiritual understanding. But they will be able to complement one another.
[ 44 ] Vor einer wirklichen Geist-Erkenntnis, die so gemeint ist, wie sie heute hier vorgetragen worden ist, ist es wahrhaftig keine Schande oder irgend etwas Herabwürdigendes, wenn der eine Mensch in einem wirklich sozialen Dasein einfach dasjenige aus der geistigen Welt heraus ihm Übermittelte aufnimmt, was der andere zu entdekken befähigt ist. Denn das ist nicht zu fürchten, daß irgendein Mensch, der ein geistiger Entdecker wird, durch Unbescheidenheit glänzen würde innerhalb seiner Mitmenschengenossenschaft. Man muß, gerade wenn man in die geistige Welt eindringen will, sich zuerst dasjenige gar sehr in der entsprechenden hohen Kraft aneignen, was ich intellektuelle Bescheidenheit genannt habe, und man weiß sehr gut, gerade dann, wenn man beginnt, etwas von der geistigen Welt zu wissen, wie wenig man eigentlich weiß. Das ist nicht zu fürchten, daß die geistigen Erkenner besonders hochmütig werden. Diejenigen, die von der geistigen Welt in Phrasen reden, die von dem Geiste reden, ohne daß sie etwas von ihm wissen, die von ihm reden durch bloße philosophische Schlüsse, die mögen hochmütig werden. Aber diejenigen, die in die geistigen Welten eindringen, die wissen außerdem, wie klein sie sind als Menschen gegenüber dieser geistigen Welt, die sich durch sie verwirklichen will, und sie wissen wahrhaftig, daß sie weder hochmütig noch rechthaberisch werden sollen.
[ 44 ] In the context of true spiritual knowledge—as it has been presented here today—there is truly no shame or anything demeaning about one person, living a truly social existence, simply receiving from the spiritual world that which enables another to make a discovery. For there is no reason to fear that any person who becomes a spiritual discoverer would stand out for immodesty within their community of fellow human beings. Precisely when one wishes to penetrate the spiritual world, one must first acquire—with the appropriate degree of strength—what I have called intellectual humility; and one knows very well, precisely when one begins to know something of the spiritual world, how little one actually knows. There is no reason to fear that those who have spiritual insight will become particularly arrogant. Those who speak of the spiritual world in clichés, who speak of the Spirit without knowing anything about it, who speak of it through mere philosophical conclusions—they may well become arrogant. But those who penetrate the spiritual worlds also know how small they are as human beings in comparison to this spiritual world, which seeks to realize itself through them, and they truly know that they must become neither arrogant nor dogmatic.
[ 45 ] Nun möchte ich noch etwas anderes erwähnen. Wenn man auf der einen Seite sagen muß: zum Heile der Zukunft der Menschheit ist es heute notwendig, daß hingehorcht werde von seiten derjenigen, die noch nicht gewisse Wahrheiten entdeckt haben, auf diejenigen, die sie entdeckt haben, und das durchaus nicht etwas Beschämendes, die Freiheit Herabwürdigendes ist, so kann zu gleicher Zeit auch darauf hingewiesen werden, daß ja auch derjenige, der vielleicht in einem hohen Grade schon erkennen kann, der ein Seher ist, an seinem Mitmenschen Ungeheures lernt. Das ist das Merkwürdige, daf$ man in dieser Richtung ein ganz neues Verhältnis gerade durch das Sehertum, gerade durch die Entwickelung des Seelisch-Geistigen, zu seinem Mitmenschen gewinnt. Man muß sich sagen, daß auch in einer einfachen, elementaren Lebensart Dinge sich offenbaren können. Wir erfahren sie, wir haben den Sinn, einzudringen in dasjenige, was als geheimnisvolle seelisch-geistige Tiefen sich zum Beispiel auch durch ein Kind offenbart. Das gibt Veranlassung, wenn wir nur nicht es symbolisch deuten, wenn wir nur nicht nachgrübeln, sondern uns ihm in Liebe hingeben, gerade es geistig zu erkennen, daß nachher, wenn der Seher eine solche Liebe ausgeübt hat für das Einfache, für ihn der begnadete Moment eintritt, etwas Großes zu erkennen. Und jeder große, wirkliche Geist-Erkenner wird Ihnen erzählen können von denjenigen Momenten, wo nicht durch Ausle‚gung desjenigen, was er eben gesehen hat, sondern wie wirklich gerade dann, wenn in ihm diese Kraft ausgelöst worden ist, er hinterher an irgendeinem Menschen etwas anderes erfahren hat, indem er den Geist zu seinem Führer erkor. Man lernt einen Menschen kennen. Dasjenige, was er einem mitteilt aus seinen Erlebnissen, aus seinen Erfahrungen heraus, vielleicht als einfachster, primitivster Mensch, führt einen in seelische Tiefen hinein, wenn man richtig zu erkennen vermag, den richtigen Zusammenhang zu finden vermag. Man macht die Entdeckung, daß, was die Menschen erleben, was die Menschen erfahren, daß das bei jedem Menschen zu einer Offenbarung führen kann.
[ 45 ] Now I would like to mention something else. While, on the one hand, it must be said that for the sake of humanity’s future, it is necessary today for those who have not yet discovered certain truths to listen to those who have, and this is by no means something shameful or demeaning to freedom—at the same time, it can also be pointed out that even those who may already be able to perceive to a high degree—those who are seers—learn an immense amount from their fellow human beings. This is what is remarkable: that in this regard, one gains a completely new relationship to one’s fellow human beings precisely through clairvoyance, precisely through the development of the soul-spiritual. One must realize that things can reveal themselves even in a simple, elementary way of life. We experience them; we have the capacity to penetrate into what reveals itself—for example, through a child—as mysterious soul-spiritual depths. This gives us reason—provided we do not interpret it symbolically, provided we do not overanalyze it, but instead surrender to it in love—to recognize it spiritually, so that afterward, when the seer has exercised such love for the simple, the moment of grace arrives for him to recognize something great. And every great, true knower of the spirit will be able to tell you of those moments when—not through an interpretation of what he has just seen, but rather, as if truly at that very moment when this power was awakened within him—he subsequently experienced something different in some person by choosing the spirit as his guide. One comes to know a person. What they share with you from their experiences—perhaps as the simplest, most primitive of people—leads you into the depths of the soul, if you are able to perceive correctly and find the right connection. You discover that what people experience, what people go through, can lead to a revelation in every human being.
[ 46 ] Ja, über die ganzen weiten Umkreise der Menschen hin kann von jedem Menschen, dem wir gegenübertreten, wenn wir den Geist zum Führer der Sinneswelt und zum Führer in die übersinnliche Welt wählen, es kann von jedem Menschen uns, wenn er uns seine Erfahrungen und Erlebnisse mitteilt, dasjenige, was er aus der Welt mehr gewonnen hat, etwas geben, es kann in uns zur Offenbarung kommen etwas, was man zu seiner weiteren Entwickelung durchaus nötig hat. Wir merken nur oftmals, daß die Menschen selber mit ihren mangelhaften Kräften nicht auf ihr Leben anwenden, was sie in ihrem Bewußtsein, in ihrem bewußten Seelenleben zu haben glauben; sie meinen, das ist etwas höchst Unwichtiges, weil die Menschen unzulänglich sind, durch ihre eigene Urteilskraft zu erreichen, Übersinnliches zu schauen. Sieht man hinein in die Tiefen der Menschenseele, wenn man sich den Sinn auf diese Weise angeeignet hat, wie ich es heute geschildert habe, so kann man auch gerade als Geistesforscher so viel gewinnen in der neueren Naturwissenschaft, durch die Art, wie die Naturwissenschaft in den Kliniken, auf den Sternwarten, in chemischen und physikalischen Laboratorien arbeitet. Wenn wir dasjenige, was die Forscher mit ihrer Urteilskraft oftmals aus sich selber sehr unzulänglich auffassen, wenn sie beschreiben ihr Tun und ihre Ergebnisse, was sie selbst mit dem, was sie darüber sagen, durchaus nicht recht erreichen, nicht in seinen Tiefen enthüllen können, wenn wir dasjenige hinnehmen, was uns erzählt wird von der Arbeit in den naturwissenschaftlichen Werkstätten, dann enthüllen sich uns tiefe Naturgeheimnisse. Und gerade durch dasjenige, was Geisteswissenschaft auf diesem Gebiete macht, wird sich vergeistigen dasjenige, was die Medizin heute so vielfach anstrebt, was sie mit eigenen Mitteln nicht erreichen kann, was in Verbindung steht mit dem, was ich geschildert habe, daß die Medizin, die Naturwissenschaft gerade durch Geisteswissenschaft befruchtet werden können.
[ 46 ] Yes, across the vast expanse of humanity, every person we encounter—if we choose the spirit as our guide through the sensory world and into the supersensory world— every person can give us—when they share their experiences and insights with us—that which they have gained most from the world; something may be revealed within us that is absolutely necessary for our further development. We often notice, however, that people themselves, with their limited faculties, do not apply to their own lives what they believe they possess in their consciousness, in their conscious soul life; they think this is something utterly unimportant, because human beings are incapable of perceiving the supersensible through their own power of judgment. If one looks into the depths of the human soul, having acquired the proper understanding in the way I have described today, then one can—precisely as a researcher of the spiritual realm—gain so much from modern natural science through the way natural science operates in clinics, observatories, and chemical and physical laboratories. If we accept what researchers—who, relying on their own powers of judgment, often grasp only very inadequately what they are doing when they describe their work and results—cannot fully reveal in its depths through what they themselves say about it; if we accept what is told to us about the work in scientific laboratories, then profound secrets of nature are revealed to us. And it is precisely through what Spiritual Science accomplishes in this field that what medicine so often strives for today—what it cannot achieve by its own means, and what is connected to what I have described—will be spiritualized: namely, that medicine and the natural sciences can be enriched precisely through Spiritual Science.
[ 47 ] Aber auch das Soziale wird befruchtet werden können, wenn der Geist wird Führer werden können durch die sinnliche und in die übersinnliche Welt hinein. Und man wird nicht zu glauben brauchen, daß dasjenige, was als religiöses Element eine der Grundkräfte jedes Menschenwesens sein sollte, durch die Erkenntnis des geistigen Lebens, dadurch, daß das geistige Leben unter uns Platz greift und der Geist zum Führer des Menschen in der Menschenwelt wird, daß das etwa darunter leiden würde! Nein, das Gegenteil ist gerade der Fall. Gerade dasjenige, was die religiösen Bekenntnisse selber gesucht haben, zu dem konnten sie wegen der Bedürfnisse, die aus dem gesunden naturwissenschaftlichen Leben hervorgegangen sind, nicht gelangen, indem sie alte Traditionen bewahrt haben. Dadurch konnten sie dasjenige, was sie über Seele und Geist als Glaube des Menschen erzeugen wollten, nur durch dogmatische Gebote erreichen, während in Wahrheit, indem die Menschen dazu kommen werden, daß sie den Geist zu ihrem Führer in der Sinneswelt machen, die Menschen im Geistigen drinnenstehen werden mit ihrem Seelenleben. Menschen aber, die den Geist erkennen, Menschen, die mit ihren Vorstellungen, mit ihren Empfindungen im Geiste leben, sie werden auch den Geist verehren können, sie werden den Weg zur wahrhaft religiösen Verehrung finden können. Diejenigen Menschen, die nichts wissen vom Geiste, werden auch nicht, wenn sie einer «Wortreligion» sich zuzählen, in Wirklichkeit religiöse Menschen sein. Diejenigen, die den Geist zum Führer haben, die fürchten nicht, daß das Christentum Schaden nehmen könnte dadurch, daß durch moderne Geisteswissenschaft der Geist durchdrungen werde. O nein, diejenigen zeigen sich klein, die da sagen: es soll keine Geist-Erkenntnis kommen, denn die wird das religiöse Gefühl, die wird das Christentum untergraben. Wer wirklich den Geist erkennt, kann nicht so gering denken von der Kraft des ChristusImpulses, der seit dem Mysterium von Golgatha in der Welt wirklich wirkt. Er muß viel höher denken. Er muß so denken, daß er sich sagt: was auch für Erkenntnisse kommen mögen, je mehr man in den Geist eindringen wird, desto besser wird man gerade auch verehren lernen dasjenige, was nur erhöht werden kann in seiner Bedeutung für die Menschen dadurch, daß es immer besser und besser erkannt werde.
[ 47 ] But the social realm, too, will be enriched when the spirit is able to lead the way through the sensory world and into the supersensory world. And there is no need to believe that what, as a religious element, should be one of the fundamental forces of every human being would suffer as a result of the recognition of spiritual life—as spiritual life takes root among us and the spirit becomes humanity’s guide in the human world! No, quite the opposite is true. Precisely what the religious denominations themselves have sought—they were unable to attain it by preserving old traditions, due to the needs that have arisen from a healthy scientific life. Consequently, they could achieve what they sought to instill in people as belief in the soul and spirit only through dogmatic precepts, whereas in truth, as people come to make the spirit their guide in the sensory world, they will stand within the spiritual realm with their soul life. But people who recognize the spirit—people who live in the spirit with their mental images and feelings—will also be able to revere the spirit; they will be able to find the path to truly religious reverence. Those who know nothing of the spirit will not, even if they count themselves among the adherents of a “religion of the word,” be truly religious people. Those who have the Spirit as their guide do not fear that Christianity might be harmed by the Spirit permeating it through modern Spiritual Science. Oh no, those who say, “There should be no knowledge of the Spirit, for it will undermine religious feeling and Christianity,” are showing themselves to be small-minded. Anyone who truly recognizes the Spirit cannot think so little of the power of the Christ impulse, which has been truly at work in the world since the Mystery of Golgotha. They must think on a much higher plane. They must think in such a way that they say to themselves: whatever insights may come, the more one penetrates into the spirit, the better one will learn to revere precisely that which can only be elevated in its significance for humanity by being understood ever more deeply.
[ 48 ] Nicht Geisteswissenschaft wird die wirkliche religiöse Entwickelung der Menschheit hindern, sondern das Stehenbleiben-Wollen jenseits der wirklichen Erkenntnis und des geistigen Fortschritts wird hemmend wirken auf die religiöse Entwickelung. Und es könnte sein, daß in einer gar nicht zu fernen Zeit zahlreiche Menschen einsehen werden, woher eigentlich die Hemmnisse der religiösen Entwickelung kommen. Sie kommen davon, daß die Konfessionen nicht mehr leben wollen mit demjenigen, was im innerlichsten Menschen als Bedürfnis vorhanden ist.
[ 48 ] It is not Spiritual Science that will hinder humanity’s true religious development; rather, the desire to remain stagnant beyond true knowledge and spiritual progress will act as a hindrance to religious development. And it may be that, in the not-too-distant future, many people will come to realize where the obstacles to religious development actually stem from. They stem from the fact that the denominations are no longer willing to live in harmony with what exists as a need within the innermost being of the human person.
[ 49 ] Sehen Sie, ich wollte damit nur - ich kann das allerdings skizzenhaft nur tun in einem solchen Vortrage, wie ich ihn hier halten durfte -, ich wollte damit nur kennzeichnen, wie der Geist der Führer des Menschen werden kann durch die Sinneswelt hindurch und in die übersinnliche Welt hinein.
[ 49 ] You see, I only wanted to—though I can only do so in a very general way in a lecture such as the one I was allowed to give here—I only wanted to illustrate how the spirit can become the guide of the human being, passing through the sensory world and into the supersensory world.
[ 50 ] Der Mensch lernt dasjenige in ihm, was ewig und unsterblich ist, was durch Geburt und Todespforte geht, gerade dadurch kennen, daß er den Geist in sich entwickelt, dem er angehörig ist. Er lernt erkennen, daß er durch seine Seele und seinen Geist ein Angehöriger der geistigen Welt ist, so wie er durch seinen Leib ein Angehöriger dieser Welt ist.
[ 50 ] Human beings come to know that which is eternal and immortal within them—that which passes through the gates of birth and death—precisely by developing the spirit within themselves, to which they belong. He comes to recognize that, through his soul and spirit, he is a member of the spiritual world, just as he is a member of this world through his body.
[ 51 ] Heute ist es ja allerdings so, daß dasjenige, was ich charakterisiert habe, zwar in den tiefen Untergründen des Unterbewußten voll lebt. Derjenige, der heute durchschaut die Dinge, der weiß es, wie zahlreiche Menschen da sind, welche die Sehnsucht haben nach einer solchen Gefolgschaft des Geistes; aber in dem Bewußtsein der Menschen ist das oftmals nicht so. In weitesten Kreisen ist noch, möchte ich sagen, eine Abneigung, eine Antipathie gegen solche geistige Führerschaft. Derjenige aber, der drinnensteht in einer solchen geistigen Bewegung, der sieht auf die Art und Weise, wie geistigen Bewegungen oder auch äußeren Kulturbewegungen begegnet worden ist im Laufe der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit! Und wenn man heute mit Herz und Sinn hängt daran, daß so etwas wie der Dornacher Bau, die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft, das Goetheanum, als äußerer Repräsentant - er ist Ja noch nicht fertig, ist ja erst im Bau begriffen, aber er wird in nicht allzulanger Zeit hoffentlich fertig werden -, daß so etwas dastehen soll als das sichtbare Zeichen für die geistige Bewegung, die ich Ihnen heute im Vortrage charakterisiert habe, so hat man schon nötig, gegenüber mancherlei absprechenden Urteilen, sich an Geschichtliches zu erinnern.
[ 51 ] Today, however, the reality is that what I have described is indeed fully alive in the deepest recesses of the subconscious. Anyone who sees through things today knows just how many people there are who long for such spiritual guidance; but in people’s consciousness, this is often not the case. In the broadest circles, I would say, there is still an aversion, an antipathy toward such spiritual leadership. But the one who is at the very heart of such a spiritual movement sees the way in which spiritual movements—or even external cultural movements—have been met in the course of humanity’s historical development! And if one is deeply committed today to the idea that something like the Dornach building, the School of Spiritual Science, the Goetheanum—as its outward representative —it is not yet finished, of course; it is still under construction, but hopefully it will be completed before too long—that such a thing should stand as the visible symbol of the spiritual movement I have characterized for you today in this lecture, then one really needs to recall historical facts in the face of various disparaging judgments.
[ 52 ] Denken Sie, wie die heutige Welt aussehen würde, wenn damals, als Kolumbus ein paar Schiffe ausrüsten wollte, um nach Westen hin zu steuern in Gegenden, von denen er wahrhaftig nichts wußte, und die anderen auch nichts wußten, wenn die Meinung gesiegt hätte Sie können es in der Geschichte nachlesen, daß sie sehr vorhanden war, diese Meinung -, die diese Absicht des Kolumbus für eine Narrheit, für einen Wahnsinn angesehen hat! Aber schließlich, er hat gesiegt. Denken Sie, was geworden ist in der modernen Zeit dadurch, daß nicht die Gescheitheit derjenigen, die dem Kolumbus die Schiffe verweigert haben, gesiegt hatte, sondern daß gesiegt hat der «Wahnsinn» des Kolumbus. Dieser Wahnsinn des Kolumbus ist für viele Menschen dasjenige, was anthroposophische Geisteswissenschaft will. Heute noch ist es vielen ein Wahnsinn. Dieser Wahnsinn aber schließt nicht bloß ein dasjenige, was nur eine Geist-Erkenntnis ist, nein, dieser Wahnsinn schließt ein eine solche Entwickelung des Geistes, durch die man auch ein wirklich praktischer Mensch wird, durch die man zu einem solchen Menschen wird, daß man praktisch wird angreifen können eine Entdeckungsfahrt in das wirkliche Leben. Eine wirkliche Entdeckungsfahrt in das Leben soll inauguriert werden durch dasjenige, für das dieser Dornacher Bau der äußere Repräsentant sein soll.
[ 52 ] Imagine what the world would look like today if, back when Columbus wanted to equip a few ships to sail westward into regions about which he truly knew nothing, and others knew nothing about them either, if the prevailing opinion—which you can read about in history, where it was very much present—had prevailed, regarding Columbus’s intention as folly, as madness! But in the end, he prevailed. Consider what has come of it in modern times: not the “wisdom” of those who refused to provide Columbus with ships prevailed, but rather Columbus’s “madness.” For many people, this madness of Columbus is precisely what anthroposophical Spiritual Science seeks. Even today, many still regard it as madness. But this madness does not merely encompass what is merely spiritual knowledge; no, this madness encompasses such a development of the spirit through which one also becomes a truly practical person—through which one becomes the kind of person who can practically embark on a voyage of discovery into real life. A true voyage of discovery into life is to be inaugurated by that which this building in Dornach is intended to represent outwardly.
[ 53 ] Mögen daher viele Menschen in dem, was damit unternommen werden soll, einen Wahnsinn sehen. Wer aus innerer Erkenntnis heraus Herz und Sinn verbunden hat mit dem, was als Wahrzeichen dafür stehen soll, daß beginnen soll der Geist Führer in der Menschheitsentwickelung zu werden durch die sinnliche Welt und in die übersinnliche Welt hinein, der weiß, daß sich entwickeln muß aus diesem «Wahnsinn» heraus dasjenige, was viele Menschen, und zuletzt alle Menschen der zivilisierten Welt suchen müssen, damit herausgekommen werde aus manchem von dem, was von dem Unbefangenen heute als Chaotisches, als Kulturwirrwarr empfunden wird, um hinzugelangen zu demjenigen, was zahlreiche Menschen und zahlreiche Seelen doch ersehnen, mehr ersehnen, als einstmals die Zeitgenossenschaft des Kolumbus Indien ersehnt hat, ersehnen als dasjenige Licht, das der Menschheit aufgehen soll, damit sie wirklich höheren Kulturzielen in der Menschheit entgegengehen könne.
[ 53 ] Many people may therefore see madness in what is to be undertaken here. But whoever, out of inner insight, has united heart and mind with that which is to stand as a symbol of the fact that the Spirit is to begin to become the guide in human evolution—through the sensory world and into the supersensory world—knows that out of this “madness” must emerge that which many people, and ultimately all people of the civilized world, must seek, so that we may emerge from much of what which the uninitiated today perceive as chaotic, as a cultural jumble—in order to arrive at that which numerous people and numerous souls do indeed yearn for, yearning for it more than Columbus’s contemporaries once yearned for India, yearning for it as the light that is to dawn upon humanity so that it may truly advance toward higher cultural goals.
