Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Liberation of Humanity as the
Basis for Social Transformation
GA 329

20 October 1919, Basel

Translate the original German text into any language:

7. Geisteswissenschaft (Anthroposophie) und die Bedingungen der Kultur in Gegenwart und Zukunft

7. Spiritual Science (Anthroposophy) and the Conditions of Culture in the Present and Future

[ 1 ] Wenn Sie hier in Basel am Aeschenplatz in die Straßenbahn einsteigen und nach Dornach hinausfahren, dann noch den kleinen Weg über Dornach machen, kommen Sie auf einen Hügel, auf dem sich der Goetheanumbau, der eine Hochschule für Geisteswissenschaft werden soll, erhebt. Obgleich sich nun, wie in erfreulicher Weise zu bemerken war und ist, in der letzten Zeit Tag für Tag eine außerordentlich große Besucherzahl einfindet, um diesen Bau zu besichtigen, so muß man doch feststellen, daß, wenn irgendwie in der Außenwelt, zum Beispiel auch im Rahmen von Zeitungsartikeln, Antworten auf die Fragen gegeben werden, was eigentlich innerhalb dieses Baues, wenn er einmal fertig ist, getrieben werden soll, diese heute noch im allgemeinen - Ausnahmen selbstverständlich abgerechnet - das Gegenteil einer Wahrheit darstellen. Alles mögliche wird ja von dem erzählt, was da getrieben werden soll einstmals oder schon jetzt getrieben wird in diesem Dornacher Bau. Jedenfalls sind die Antworten, die den Fragenden erteilt werden, sehr weit von dem entfernt, was die an der Geistesströmung, die diesem Dornacher Bau zugrunde liegt, Beteiligten eigentlich sich als ihr Ziel setzen. Denn dieses Ziel geht aus einer sorgfältigen Erwägung und Beobachtung desjenigen hervor, was ich nennen möchte die Kulturbedingungen für die Menschheit in der Gegenwart und Zukunft. Und aus allerlei Voraussetzungen heraus, über die ich gerade am heutigen Abend mir erlauben werde zu sprechen, liegt dieser geistigen Bewegung, die im Dornacher Bau ihren Ausdruck finden soll, die Überzeugung zugrunde, daß heute in den Sehnsuchten weiter Kreise das enthalten ist, daß eine völlige Gesundung, eine gesunde Weiterentwickelung unserer Menschheitskultur erfolgen müsse von dem Seelischen des Menschen aus, von demjenigen aus, was der Mensch in seiner Seele als seinen Zusammenhang mit der geistigen Welt erfassen kann. Es liegt ihr die Überzeugung zugrunde, daß auch dem gegenüber, was sich in unserem sozialen Leben an Forderungen und Bedrängnissen ausdrückt, vom Geiste und der Seele aus versucht werden muß, die Impulse zu finden, die den Sehnsüchten einer großen Anzahl von Menschen - und diese Anzahl wird immer größer und größer werden - entsprechen.

[ 1 ] If you board the streetcar here in Basel at Aeschenplatz and ride out to Dornach, then take the short path through Dornach, you will come to a hill on which stands the Goetheanum building, which is to become a School of Spiritual Science. Although, as has been and continues to be gratifyingly noted, an extraordinarily large number of visitors have been arriving day after day recently to view this building, one must nevertheless observe that whenever answers to the question of what is actually to be done inside this building—once it is completed—are provided in the outside world, for example in newspaper articles, these answers still generally —with exceptions, of course—represent the opposite of the truth. All sorts of things are said about what is supposed to take place there in the future or is already taking place in this Dornach building. In any case, the answers given to those asking questions are very far removed from what those involved in the spiritual movement underlying this Dornach building actually set as their goal. For this goal arises from a careful consideration and observation of what I would like to call the cultural conditions for humanity in the present and the future. And based on all sorts of premises—which I will take the liberty of discussing this very evening—this spiritual movement, which is to find its expression in the Dornach building, is founded on the conviction that the longings of broad circles today contain the idea that a complete healing, a healthy further development of our human culture, must take place from the soul of the human being—from that which the human being can grasp in his or her soul as his or her connection to the spiritual world. It is based on the conviction that, even in the face of the demands and pressures expressed in our social life, we must seek—from the spirit and the soul—the impulses that correspond to the longings of a large number of people—and this number will continue to grow ever larger.

[ 2 ] Nun kann man sagen, auch das zeigt sich - ich möchte es nur nebenbei erwähnen -, daß jetzt an Sonntagen und anderen Tagen ziemlich viele Menschen aus Basel und der Umgebung hinauskommen, um in dem provisorischen Saal unserer Schreinerei, in dem wir einstweilen diese Veranstaltungen abhalten müssen, bis wir das Goetheanum selbst werden eröffnen können, zu sehen dasjenige, was wir unsere Eurythmie-Aufführungen nennen, und es steht zu glauben, daß eine große Anzahl derjenigen, die zu diesen EurythmieAufführungen bereits nach Dornach hinausgepilgert sind, doch die Überzeugung gewonnen haben, daß auch in dieser Einzelheit auf einem umgrenzten Gebiete versucht wird, etwas zu durchgeistigen, etwas in die Sphäre des Geistes zu erheben, was unter dem Einflusse des Materialismus der letzten Jahrhunderte eben auch heute noch von unserer Kultur mehr oder weniger materialistisch, physiologisch und dergleichen betrieben wird.

[ 2 ] Now, one might say—and I’d just like to mention this in passing—that quite a few people from Basel and the surrounding area are coming out on Sundays and other days to see, in the makeshift hall of our carpentry shop—where we must hold these events for the time being until we can open the Goetheanum itself— to see what we call our eurythmy performances, and it seems reasonable to believe that a large number of those who have already made the pilgrimage to Dornach for these eurythmy performances have nevertheless become convinced that, even in this particular area, within a limited region, an effort is being made to spiritualize something, to elevate something into the sphere of the spirit—something that, under the influence of the materialism of the past centuries, is still today, to a greater or lesser extent, pursued by our culture in a materialistic, physiological, and similar manner.

[ 3 ] Liegt doch in dieser Eurythmie vor eine Bewegungskunst des menschlichen Organismus selbst, die hervorgeholt ist aus den Organisationsanlagen des ganzen Menschen, des ganzen Menschen, der da umfaßt Leib, Seele und Geist. Und abgesehen davon, daß angestrebt wird in dieser Eurythmie eine besondere neue Kunstform, die eigentlich nicht zu vergleichen ist mit dem, was man oftmals als Nachbarkünste empfindet, so kann auch gesagt werden, daß auch diesen Bestrebungen zum Geiste hin zugrunde liegt dasjenige, was ich nennen möchte Beseelung der Bewegungsmöglichkeiten des menschlichen Organismus, die zum Beispiel im Turnen bloß in äußerlich physiologischer Weise, in rein materieller Weise aufgefaßt werden. Bewegungen soll der Mensch ausführen, und deshalb wird diese Eurythmie auch einmal einen geistig-pädagogischen Wert erhalten. Neben den künstlerischen Bewegungen soll dadurch der Mensch Bewegungen ausführen, die nicht so wie beim Turnen bloß hergenommen sind aus der Anatomie und Physiologie des Menschen, sondern die hergenommen sind aus demjenigen, was in dem bewegten Menschen leben kann: Geist und Seele.

[ 3 ] For this eurythmy is, after all, an art of movement of the human organism itself, drawn from the organizational capacities of the whole human being—the whole human being, who encompasses body, soul, and spirit. And apart from the fact that eurythmy strives to be a special new art form—one that cannot really be compared to what is often regarded as related arts— it can also be said that underlying these aspirations toward the spirit is what I would like to call the animation of the human organism’s potential for movement—which, for example, in gymnastics is understood merely in an external, physiological way, in a purely material way. Human beings are to perform movements, and for this reason, eurythmy will one day also acquire a spiritual-pedagogical value. In addition to artistic movements, this will enable people to perform movements that are not, as in gymnastics, merely derived from human anatomy and physiology, but are drawn from that which can live within the moving human being: spirit and soul.

[ 4 ] Nun, es ist schwierig, wenn man mit einer durchgreifenden Geistes- oder Seelenströmung heute vor die Welt hintritt, nicht mißverstanden zu werden. Man möchte sagen, die Mißverständnisse pfeifen eigentlich aus allen Löchern. Und so kann es denn vorkommen, daß zum Beispiel an einzelnen Orten einige Mißverständnisse in bezug auf die Geisteswissenschaft selbst schon weggeräumt worden sind, daf3 man dieser Geisteswissenschaft sogar gestattet, in soziale Fragen hineinzusprechen. Wir haben aber wiederum die, wie wir glauben Richtigkeit, wie aber andere gemeint haben Ungeschicklichkeit begangen, an einzelnen Orten, wo ich über Geisteswissenschaft und soziale Fragen zu sprechen hatte, gleichzeitig Eurythmie-Aufführungen zu machen. Und siehe da, sofort machte sich das Urteil geltend: Wie kann eine geistige Bestrebung etwas wert sein, die gleichzeitig tänzerische Übungen aufführen läßt?

[ 4 ] Well, it is difficult not to be misunderstood when one presents a profound spiritual or psychological movement to the world today. One might say that misunderstandings are pouring in from all directions. And so it can happen, for example, that in certain places some misunderstandings regarding Spiritual Science itself have already been cleared up, to the extent that this Spiritual Science is even permitted to weigh in on social issues. However, we have again committed what we believe to be the right thing to do—though others have called it a blunder—by staging eurythmy performances at the same time as I spoke about Spiritual Science and social issues in certain places. And lo and behold, the judgment was immediately voiced: How can a spiritual endeavor be of any value if it simultaneously stages dance exercises?

[ 5 ] Nun, ich könnte Ihnen die Liste der Mißverständnisse, die wie gesagt aus allen Ecken kommen, leicht vermehren, denn die Welt urteilt doch noch vielfach heute so, als ob alles dasjenige, was im Dornacher Bau gemacht werden soll, irgend etwas Obskures sei, irgend etwas Dunkel-Mystisches. Man hört ja so vielfach heute, wenn von geistigen Bestrebungen die Rede ist, daß da oder dort, sogar an sehr vielen Orten, alles mögliche Mystische getrieben werde. Daß die Bewegung, die sich an den Dornacher Bau knüpfen soll, mit solchen obskuren mystischen Bewegungen nichts zu tun hat, das könnte diejenigen, die darauf ausgehen, in solchen Dingen klar und wahr zu sehen, schon die Tatsache lehren, daß derjenige, der vor Ihnen steht und zu Ihnen spricht als von seiner Sache, von der Sache dieses Dornacher Baues, dieses Goetheanums, daß der zurück weisen kann auf ein bereits im Jahre 1894 geschriebenes Buch, «Die Philosophie der Freiheit». Und wenn jemand diese «Philosophie der Freiheit» liest, ich denke, er wird nicht den Eindruck bekommen, daß durch diese «Philosophie der Freiheit» irgend etwas von obskurer Mystik, von Schwärmerei oder dergleichen in die Welt gebracht werden soll. Und ich darf sagen, schließlich durchdringt doch alles dasjenige, was den Hauptinhalt, den Hauptimpuls dieser geisteswissenschaftlichen Bewegung bilden soll, von der ich zu sprechen habe, jene Sehnsucht der gegenwärtigen Menschheit, die sich ausspricht in dem Drang nach einer solchen Lebensgestaltung, innerhalb welcher der einzelne individuelle Mensch auf der einen Seite wohl seine sozialen Pflichten erfüllen kann, aber dennoch andererseits als einzelner, individueller Mensch ein freies Wesen sein kann.

[ 5 ] Well, I could easily add to the list of misunderstandings—which, as I said, come from all directions—because even today the world still often judges as if everything that is to be done at the Dornach Building were something obscure, something dark and mystical. After all, one hears so often today, when spiritual endeavors are discussed, that here and there—even in many places—all sorts of mystical activities are taking place. The fact that the movement associated with the Dornach Building has nothing to do with such obscure, mystical movements as the very fact that the person standing before you and speaking to you about his cause—the cause of this Dornach Building, this Goetheanum—can point to a book written as early as 1894, The Philosophy of Freedom, should make clear to those who seek to see such matters clearly and truthfully. And if anyone reads this Philosophy of Freedom, I think they will not get the impression that this Philosophy of Freedom is intended to introduce anything of obscure mysticism, fanaticism, or the like into the world. And I may say, after all, that everything that is intended to form the main content, the main impulse of this movement of Spiritual Science of which I am speaking, is permeated by that longing of present-day humanity which finds expression in the urge toward a way of life in which the individual human being, on the one hand, can indeed fulfill his or her social duties, but on the other hand can still be a free being as an individual human being.

[ 6 ] Einleitungsweise nur möchte ich hinweisen auf eine Erscheinung, die mit etwas Ihnen sehr Bekanntem zusammenhängt. Und wenn ich den Ausgangspunkt nehme in meinen heutigen Betrachtungen von einem Politiker, so glauben Sie durchaus nicht, daß ich mir es heute auch nur im Entferntesten zur Aufgabe machen werde, über die politische Kultur der Gegenwart zu sprechen. Ich möchte über die Kulturbedingungen der Gegenwart und Zukunft in einem viel breiteren Sinne sprechen; aber ich möchte doch ein Charakteristisches erwähnen, das uns zeigen kann, wie aus den Kulturbestrebungen und Kulturidealen der Gegenwart gewissermaßen der Ruf nach Freiheit sich herausarbeitet, nur eben so herausarbeitet, daß er wahrhaftig nicht tief genug genommen wird. Und ihn tief genug zu nehmen, zu vertiefen dasjenige, was die Sehnsucht der Menschheit nach Freiheit ist, das hängt innig zusammen mit der Auffassung, welche Geisteswissenschaft von den Kulturbedingungen der Gegenwart und Zukunft hat.

[ 6 ] By way of introduction, I would simply like to point out a phenomenon related to something with which you are very familiar. And even though I am taking a politician as the starting point for my reflections today, please do not think for a moment that I intend to discuss contemporary political culture, even in the remotest sense. I would like to speak about the cultural conditions of the present and the future in a much broader sense; but I would still like to mention one characteristic feature that can show us how, out of the cultural aspirations and ideals of the present, a call for freedom emerges, so to speak—only it emerges in such a way that it is truly not taken deeply enough. And taking it seriously enough—deepening what constitutes humanity’s longing for freedom—is intimately connected with the view that the Spiritual Science holds regarding the cultural conditions of the present and the future.

[ 7 ] Diejenigen, die meine Vorträge in diesem Jahre und auch früher hier gehört haben, diese verehrten Besucher, die sich erinnern, wie ich gesprochen habe während derjenigen Zeit, in welcher man in Woodrow Wilson, man darf sagen, einen von aller Welt verehrten Mann sah, zu dem man hinaufsah, an den man zahlreiche Zukunftshoffnungen heftete, diese verehrten Zuhörer werden es mir nicht übelnehmen, wenn ich, der ich in den Zeiten, in denen dieser Mann viele Anhänger hatte, meine Gegnerschaft frei zum Ausdruck brachte von einem gewissen Gesichtspunkte aus, wenn ich heute von der besonderen Freiheitsauffassung, von dem besonderen Rufe nach Freiheit, der heraustönt aus der politischen Weltanschauung des Woodrow Wilson, meinen Ausgangspunkt nehme. Muß man doch glauben, daß der starke, sonst wie ich meine ganz unbegreifliche Eindruck, den Woodrow Wilson auf die Welt bis jetzt gemacht hat, wo die Sache aufhört, gerade darauf beruht, daß allen Programmpunkten, allem, was von diesem Manne in die Welt gegangen ist, schließlich in einer gewissen Weise zugrunde liegt der Impuls der menschlichen Freiheit. Sehen wir doch einmal zu, wie dieser Mann gewirkt hat, bevor er Präsident von Amerika geworden ist, sehen wir zu, was ihn groß} gemacht hat als Präsident von Amerika. Wir werden finden, daß es seine Auffassung ist von einer möglichen sozialen Gestaltung des menschlichen Zusammenlebens, in der der Mensch in demokratischer Art seine Freiheit haben kann. Woodrow Wilson sah, wie innerhalb des Lebens von Amerika gerade in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts und im Beginne des 20. Jahrhunderts sich herausgebildet haben jene großen AnsammJungen von Kapitalien in den Händen von wenigen Menschen. Er sah, wie sich gebildet haben die Trusts und so weiter. Und er sah, wie dadurch die Herrschaft über andere Menschen errungen haben einzelne wenige kapitalkräftige Menschen. Da setzte er mit seiner Betrachtung und Wirksamkeit ein. Da machte er zunächst den Impuls der Freiheit geltend. Er forderte gegenüber der Ansammlung der wirtschaftlich-politischen Macht in den Händen von wenigen eine vollständige Demokratisierung des menschlichen Staatslebens. Er wollte, daß jeder einzelne Mensch die Möglichkeit habe, seine Fähigkeiten im menschlichen Zusammenleben zur Wirksamkeit zu bringen. Er wollte nicht, daß diejenigen, die einmal sich festgesetzt hatten in irgendeinem Industrie- oder Handelszweige, Monopole haben können, gegen welche die berechtigten Fähigkeiten der Schwachen nicht aufkommen können. Er hat gewollt, daß gesucht werden die Anlässe zu dem, was im sozialen Leben geschehe, in jeder einzelnen, auch der einfachsten Menschenstätte. Und er hat das oftmals zum Ausdruck gebracht. Und es ist charakteristisch für ihn, daß er überall seinen politischen Bestrebungen eben das Freiheitsziel untergelegt hat.

[ 7 ] Those of you who have heard my lectures here this year and in the past—these esteemed guests who remember how I spoke during that time when Woodrow Wilson was, one might say, was regarded as a man revered by the whole world—a man who was looked up to and in whom numerous hopes for the future were placed—these esteemed listeners will not hold it against me if I, who, in the days when this man had many followers, freely expressed my opposition from a certain perspective, take as my starting point today the particular conception of freedom, the particular call for freedom that resounds from Woodrow Wilson’s political worldview. One must believe, after all, that the powerful—and, in my view, otherwise quite incomprehensible—impression that Woodrow Wilson has made on the world thus far is based precisely on the fact that all the points of his platform, everything this man has put forth to the world, is ultimately, in a certain sense, underpinned by the impulse of human freedom. Let us take a look at how this man made his mark before he became President of the United States; let us see what made him great as President of the United States. We will find that it is his vision of a possible social structure for human coexistence, in which people can enjoy their freedom in a democratic manner. Woodrow Wilson saw how, within American society—particularly in the final decades of the 19th century and at the beginning of the 20th century—those vast accumulations of capital in the hands of a few individuals had emerged. He saw how trusts and the like had formed. And he saw how, as a result, a select few wealthy individuals had gained dominion over others. That is where his analysis and activism began. There, he first asserted the principle of freedom. In the face of the concentration of economic and political power in the hands of a few, he called for a complete democratization of public life. He wanted every single person to have the opportunity to put their abilities to use in human coexistence. He did not want those who had once established themselves in any branch of industry or commerce to be able to hold monopolies against which the legitimate abilities of the weak could not compete. He wanted the causes of what happens in social life to be sought in every single, even the simplest, human setting. And he expressed this many times. And it is characteristic of him that he underlaid his political aspirations everywhere with precisely this goal of freedom.

[ 8 ] Wir brauchen nur seine außerordentlich bedeutsame Schrift ins Auge zu fassen «Die neue Freiheit». Man möchte sagen, auf jeder Seite findet man da, wie sich das bewahrheitet, was ich eben ausgesprochen habe. Ich will nur einen seiner bemerkenswertesten Aussprüche vor Ihnen zitieren. So sagte er: Es gibt nur ein Mittel, freies Leben zu schaffen, und es heißt: Sorge dafür, daß unter jedem Kleide ein freies und hoffnungsvolles Herz schlage. - Ich glaube wirklich, dasjenige, was so stark gewirkt hat, das ist dieser Ruf nach Freiheit.

[ 8 ] We need only consider his extraordinarily significant work, Die neue Freiheit (The New Freedom). One might say that on every page one finds confirmation of what I have just stated. I’d like to quote just one of his most remarkable sayings for you. He said: “There is only one way to create a free life, and it is this: Ensure that a free and hopeful heart beats beneath every garment.”—I truly believe that what has had such a powerful impact is this call for freedom.

[ 9 ] Nun, dieser Ruf nach Freiheit tönte immer hinein in die praktischpolitisch-soziale Wirksamkeit. Die Schrift «Die neue Freiheit» ist ja eigentlich nur eine Sammlung von Wahlreden. Da ist also nicht die Rede von einer Freiheit, die nur philosophisch erspekuliert wird, da ist nicht die Rede von irgendeiner abstrakten bloßen Bewußtseinsfreiheit, da ist die Rede von einer Freiheit, die sich im Leben verwirklichen und realisieren soll.

[ 9 ] Well, this call for freedom always resonated with practical political and social action. The work The New Freedom is, after all, really just a collection of campaign speeches. So it does not speak of a freedom that is merely speculated upon philosophically; it does not speak of some abstract, mere freedom of consciousness; rather, it speaks of a freedom that is to be actualized and realized in life.

[ 10 ] Nun, solch eine Freiheit, die sich im Leben verwirklichen und realisieren soll, ich suchte sie auch zu begreifen durch mein im Beginn der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts geschriebenes Buch «Die Philosophie der Freiheit». Aber ich darf es wohl jetzt, wo ich nach langem Zögern dieses Buch in einer neuen Auflage habe erscheinen lassen, ich darf es wohl jetzt unverhohlen aussprechen, daß ich glaube, daß auch ein wirklich praktisches Ausleben der Freiheit nur möglich ist, wenn man diese Freiheit nicht aufsucht bloß im äußeren sozialen und politischen Leben, sondern wenn man sie aufsucht in der Tiefe der menschlichen Seele selbst. Und in der Tiefe der menschlichen Seele selbst sollte die Freiheit durch meine «Philosophie der Freiheit» aufgesucht werden. Bleibt man an der Oberfläche des bloßen sozialen und politischen Lebens oder des äußeren gesellschaftlichen Lebens stehen, so wird man sehr bald sehen, daß die Verwirklichung der Freiheit gar nicht möglich ist, wenn man sie nur so faßst. Denn Freiheit ist etwas, was entspringen muß aus dem einzelnen Menschen, was nicht da sein kann, wenn die einzelnen Menschen nicht fähig sind, dies zu verwirklichen, wenn die einzelnen Menschen es nicht erst hineingießen in das soziale Leben, das sie zusammen führen. Will man aber die ganze Bedeutung des hier Angeregten würdigen, für die Kultur der Gegenwart durchschauen, dann muß man über manches, was die bloße Phraseologie bringt in der Gegenwart, hinwegsehen, und man muß einmal versuchen, über mancherlei Dinge ernst und ehrlich und wahr zu sprechen. Der Ruf nach Freiheit ist, ich möchte sagen, über die ganze gebildete Welt hin da. Er ist heute da für den, der ihn nur hören will, für die amerikanische, für die europäische, für die asiatische Welt. Und die Frage ist nur diese: wie kann aus dem Leben der Gegenwart heraus das Bewußtsein der Freiheit verwirklicht werden?

[ 10 ] Well, I also sought to understand this kind of freedom—which is meant to be realized and brought to life—through my book The Philosophy of Freedom, written in the early 1890s. But now that, after much hesitation, I have had this book published in a new edition, I feel I may say quite openly that I believe a truly practical living out of freedom is possible only if one seeks this freedom not merely in external social and political life, but in the depths of the human soul itself. And it is in the depths of the human soul itself that freedom should be sought through my Philosophy of Freedom. If one remains on the surface of mere social and political life—or of external social life—one will very soon see that the realization of freedom is not possible at all if one conceives of it only in this way. For freedom is something that must spring from the individual human being; it cannot exist if individual human beings are not capable of realizing it, if individual human beings do not first infuse it into the social life that brings them together. But if one wishes to appreciate the full significance of what has been suggested here and to understand it in the context of contemporary culture, then one must look beyond much of what mere rhetoric offers in the present, and one must try, for once, to speak seriously, honestly, and truthfully about various matters. The call for freedom, I would say, resounds throughout the entire educated world. It is there today for anyone who is willing to hear it—in the American, European, and Asian worlds. And the question is simply this: how can the consciousness of freedom be realized within the context of contemporary life?

[ 11 ] Da muß man sich einmal genauer anschauen, wie ein von dem Freiheitsimpuls begeisterter Mann wie Woodrow Wilson, über die Freiheit heute redet, und wie andere über die Freiheit heute reden. Sonderbar wird es Ihnen klingen, und ich muß gestehen, ich habe lange gezögert, ob ich in so schroffer Form, wie ich es tun werde, die Wahrheit, die ich hier zu sagen habe, aussprechen werde, weil solche Dinge heute noch viele Menschen schockieren, weil man solche Dinge noch viel zu sehr nach den gewohnten Phrasen nimmt, viel zu wenig eingeht auf dasjenige, was eigentlich hinter diesen Dingen steht. Lesen Sie das Buch «Die neue Freiheit» von Woodrow Wilson, nehmen Sie auf, wie er da spricht über die sozialen Verhältnisse von Amerika und schließlich über die sozialen Verhältnisse der gegenwärtigen Zivilisation überhaupt. Was finden Sie darinnen? Eigentlich nur Kritik, Kritik darüber, wie diese Freiheit innerhalb der heutigen Zivilisation nicht verwirklicht ist, wie man streben müsse, diese Freiheit innerhalb der heutigen Kultur und Zivilisation zu verwirklichen. Es sind scharfe Worte in dieser Richtung der Kritik in dem Buche von Woodrow Wilson «Die neue Freiheit». Und wenn man bei der Kritik stehen bleibt - und viel anderes als Kritik ist nicht in diesem Buche zu finden - und nun wirklich ernst und ehrlich sich frägt: Wie verhält sich diese Freiheitskritik oder auch soziale Kritik Woodrow Wilsons zu der Kritik, die von anderer Seite geltend gemacht wird? -, da kommt man zu einem merkwürdigen Resultate. Ich habe mich zum Beispiel bemüht, Lenins und Tyotzkis Kritik der Freiheit daraufhin einmal zu prüfen, wie sich diese Kritik der Freiheit und der sozialen Zustände zu der Kritik des Woodrow Wilson in der Neuen Freiheit verhält, und ich glaube, daß derjenige, der einen solchen Vergleich ehrlich und wahr anstellt, nichts anderes sagen kann als: Mit Bezug auf die Kritik der sozialen Verhältnisse und der Realisierung der Freiheit in denselben heute stimmt Woodrow Wilson mit Lenin und Trotzki überein, so verschieden auch die Konsequenzen sind, die sie ziehen.

[ 11 ] One must take a closer look at how a man like Woodrow Wilson—who was inspired by the impulse toward freedom—speaks about freedom today, and how others speak about freedom today. It will sound strange to you, and I must confess that I hesitated for a long time about whether to state the truth I have to say here in as blunt a manner as I am about to, because such things still shock many people today—because people still take such things far too literally, based on familiar clichés, and pay far too little attention to what actually lies behind them. Read Woodrow Wilson’s book The New Freedom; take note of how he speaks there about social conditions in America and, ultimately, about the social conditions of contemporary civilization as a whole. What do you find in it? Essentially only criticism—criticism of how this freedom has not been realized within today’s civilization, and of how we must strive to realize this freedom within today’s culture and civilization. There are sharp words of this kind of criticism in Woodrow Wilson’s book The New Freedom. And if one focuses on the criticism—and there is little else in this book besides criticism—and then asks oneself seriously and honestly: How does this criticism of freedom, or indeed this social criticism, by Woodrow Wilson compare to the criticism advanced from other quarters? —one arrives at a curious result. For example, I have endeavored to examine Lenin’s and Trotsky’s critique of freedom to see how this critique of freedom and social conditions relates to Woodrow Wilson’s critique in The New Freedom, and I believe that anyone who makes such a comparison honestly and truthfully can say nothing other than: With regard to the critique of social conditions and the realization of freedom within them today, Woodrow Wilson agrees with Lenin and Trotsky, however different the conclusions they draw may be.

[ 12 ] Solch eine Wahrheit muß man sich gestehen können, auch dann, wenn man es ganz begreiflich findet, daß trotz dieser Kritik Woodrow Wilson selbstverständlich zu den entgegengesetzten Konsequenzen kommt wie Lenin und Trotzki. Und wenn man auch gerade so wie derjenige, der vor Ihnen steht, überzeugt davon ist, daß Lenin und Trotzki die Totengräber, nicht die Neubegründer eines sozialen Lebens sind, daß kaum irgend etwas Schlimmeres über die Menschheit kommen könnte, als wenn die Ideen von Lenin und Trotzki ihre Verwirklichung finden würden - aber eine wichtige, eine bedeutsame Tatsache spricht sich in dem aus; was eben jetzt auseinandergesetzt sein muß, die Tatsache spricht sich aus, daß von den entgegengesetztesten Parteistandpunkten aus, von den entgegengesetztesten sozialen Leidenschaften aus die Menschen heute zu ähnlichen Kritiken der bestehenden Kulturverhältnisse kommen und schließlich auch zu dem abstrakten Rufe nach Freiheit. Nur fassen sie diese Freiheit in sehr, sehr verschiedenem Sinne auf.

[ 12 ] One must be able to admit such a truth, even if one finds it entirely understandable that, despite this criticism, Woodrow Wilson naturally arrives at conclusions opposite to those of Lenin and Trotsky. And even if, just like the person standing before you, one is convinced that Lenin and Trotsky are the gravediggers, not the founders, of social life—that hardly anything worse could befall humanity than if the ideas of Lenin and Trotsky were to be put into practice—there is one important, one significant fact that emerges; what must be clarified right now—this fact makes itself clear: that from the most diametrically opposed party positions, from the most diametrically opposed social passions, people today arrive at similar critiques of existing cultural conditions and ultimately also at the abstract call for freedom. Only they understand this freedom in very, very different ways.

[ 13 ] Durchdringt man die Tatsache, daß schließlich der wahre Impuls der Freiheit nur aus den Tiefen der menschlichen Seele selbst kommen kann, dann frägt man wohl auch: Worinnen liegt es denn, daß trotz allem Politisieren und Rufen nach Freiheit von Woodrow Wilson so viel in seinem Buche steht und auch in seinen übrigen Büchern, von dem man sagen muß, es sind abstrakte, unpraktische Wahrheiten, die niemals in die Wirklichkeit eindringen können? Ich glaube, daß dasjenige gerade, was sich Woodrow Wilson unter Freiheit denkt, daß das gerade ihn abhält, ein wirklich praktischer Mensch für das Seelenleben der Gegenwart zu sein. Sehr charakteristisch ist es, wie Woodrow Wilson die Freiheit erklärt. Er erklärt sie, man möchte sagen, wie wenn er die ganze Summe seiner Begriffe aufgenommen hätte von der Maschinenkunst her. Er sagt zum Beispiel: Ein Schiff bewegt sich frei, wenn es so eingerichtet ist, daß seine Apparate genau angepaßt sind den Windbewegungen, den Wellenbewegungen, wenn es keine Hindernisse und Hemmungen erfährt von der Windbewegung, von den Wellenbewegungen, wenn es gleichsam dahingetragen wird frei, ohne zu widerstreben dem, was es dahinträgt. - Und so wäre ein Mensch frei im Sinne von Woodrow Wilson, der so angepaßt wäre an die sozialen äußeren Verhältnisse, daß nichts in ihm Hindernisse und Hemmungen abgäbe, um dahingetragen zu werden, so daß er gleichsam nirgends fühlt, er sei abhängig, er sei eingezwängt, er sei gestört nach irgendeiner Richtung. Man braucht eigentlich nur einen einzigen Satz ernst zu nehmen, dann wird man finden, welche Bedeutung diese Anschauung des Woodrow Wilson über die Freiheit hat. Vergleichen wir ernst und ehrlich den Menschen, der frei sich aus dem innersten Antriebe seiner Seele betätigen soll in irgendeiner menschenwürdigen sozialen Ordnung, vergleichen wir ihn mit einem Schiffe, das möglichst wenig Hemmungen entgegensetzt den Windeskräften und den Wellenkräften, dann lassen wir ganz außer Auge, daß das Schiff von einer anderen Kraft still gehalten werden muß gegen Wind und Welle, sich selber nicht still halten kann, daß aber der Mensch, wenn er frei sein soll, ganz gewiß nicht von den sozialen Kräften bloß hingetragen werden soll, sondern daß er unter Umständen gerade anhalten können muß und sich auch den Kräften, die auf ihn einwirken, entgegenstellen können muß. Das Gegenteil von dem wäre hier herausgekommen für eine wirkliche Idee von Freiheit, was sich als eine Art Definition der Freiheit bei Woodrow Wilson findet. Und das werden wir finden, daß der unbestimmte Ruf nach Freiheit heute in vielen Menschenseelen sitzt, daß aber dasjenige, was sie bewußt mit dem Impuls der Freiheit verbinden, etwas anderes ist, als wonach sie unbewußt wirklich streben. Das stand mir schon vor dem Seelenauge, als ich in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aus dem menschlichen Geiste heraus meine «Philosophie der Freiheit» konzipierte. Mir stand vor Augen, wie die Frage: Kann der Mensch überhaupt innerlich frei oder unfrei sein? - wie diese Frage Philosophie und Weltanschauung und religiöse Überzeugungen durch die ganze zivilisierte Menschheitsentwickelung hindurch beschäftigte. Ist der Mensch ein Wesen, ein Naturwesen, das rein durch Naturursachen getrieben wird, dann ist er nicht frei. Oder lebt in dem Menschen eine Wesenheit, die dasjenige, was er als äußeres leibliches Wesen ist, nur wie einen Apparat besitzt und gebraucht aus den eigensten innersten Impulsen heraus? Wäre er das, dann könnte davon gesprochen werden, daß er, dieser Mensch, ein wirklich freies Wesen sei. Ist der Mensch frei oder ist er nicht frei? Ist er das eine oder das andere durch seine Wesens- und Naturanlage? Diese Fragen standen vor meiner Seele. Und wer innerhalb der heutigen Wissenschaftlichkeit sich an diese Fragen heranmachen will, der muß allerdings Rechenschaft abgeben, wie er es hält mit den verschiedenen Anschauungen, die sich da und dort in der ganzen zivilisierten Menschheitsentwickelung über die Freiheitsfrage geltend gemacht haben.

[ 13 ] If one truly grasps the fact that, ultimately, the true impulse toward freedom can come only from the depths of the human soul itself, then one might well ask: Why is it that, despite all his politicking and calls for freedom, so much of what Woodrow Wilson writes in this book—and in his other books as well—consists of what one must call abstract, impractical truths that can never take root in reality? I believe that it is precisely what Woodrow Wilson understands by freedom that prevents him from being a truly practical person when it comes to the spiritual life of the present. It is very characteristic how Woodrow Wilson explains freedom. He explains it, one might say, as if he had derived the entire sum of his concepts from the engineering arts. He says, for example: A ship moves freely when it is designed so that its machinery is precisely adapted to the movements of the wind and the waves, when it encounters no obstacles or hindrances from the movement of the wind or the waves, when it is, as it were, carried along freely, without resisting what carries it. - And so a human being would be free in Woodrow Wilson’s sense if he were so adapted to external social conditions that nothing within him would present obstacles or hindrances to being carried along, so that he feels, as it were, no dependence, no constraint, and no disturbance in any direction. One need only take a single sentence seriously to understand the significance of Woodrow Wilson’s view of freedom. Let us seriously and honestly compare the person who is to act freely from the innermost impulses of his soul within some humane social order to a ship that offers as little resistance as possible to the forces of the wind and the waves; then we completely overlook the fact that the ship must be held steady by another force against the wind and waves—it cannot hold itself steady—whereas a person, if he is to be free, certainly should not merely be carried along by social forces, but must, under certain circumstances, be able to stop and even resist the forces acting upon him. The opposite of this would have emerged here as a true idea of freedom—something found in Woodrow Wilson’s definition of freedom. And we will find that the vague call for freedom resides in many people’s souls today, but that what they consciously associate with the impulse toward freedom is something other than what they unconsciously truly strive for. This was already before my inner eye when, in the 1880s, I conceived my Philosophy of Freedom out of the human spirit. I could see how the question—Can a human being be inwardly free or unfree at all?—how this question had occupied philosophy, worldviews, and religious convictions throughout the entire history of civilized human development. If a human being is a creature, a natural being driven purely by natural causes, then he is not free. Or does a spiritual being dwell within the human being who possesses and uses what he is as an external, physical being merely as an instrument, acting out of his own innermost impulses? If that were the case, then one could say that this human being is a truly free being. Is the human being free, or is he not free? Is he one or the other by virtue of his essential nature and innate disposition? These questions stood before my soul. And anyone who wishes to address these questions within the framework of modern scientific thought must, of course, account for his position regarding the various views that have asserted themselves here and there throughout the entire history of civilized human development concerning the question of freedom.

[ 14 ] Nun erschien mir die Hauptsache darinnen zu liegen, daß die Frage gewöhnlich ganz falsch gestellt wird, die Frage: Ist der Mensch durch seine eigene Natur und Wesenheit ein freies Wesen oder ist er es nicht? Sie ist falsch gestellt. Und sie kann als falsch gestellte Frage niemals mit einem glatten Ja oder Nein beantwortet werden. Und so werden Sie finden, daß meine «Philosophie der Freiheit» darauf ausgeht, die ganze Fragestellung auf einen anderen Boden zu bringen. Allerdings, dasjenige, was ich nun ausführen werde, liegt mehr als die Grundlage unter dem, was in meiner «Philosophie der Freiheit» selber dargestellt ist. So wie der heutige Mensch ist, in dem eigentlich erst das rechte Bewußtsein von einer Freiheit erwacht ist, so hat sich dieser heutige Mensch herausentwickelt aus früheren Zuständen der menschlichen Wesenheit. Heute wird viel zu wenig darauf Rücksicht genommen, daß man ernst und ehrlich das Entwickelungsprinzip auch auf die Menschheit anwenden müßte. Zwar denkt man, in recht, recht ferner Vergangenheit, da war der Mensch einmal so eine Art affenartiges Wesen; dann sagt man: Es ist wissenschaftlich noch nicht an der Zeit, darüber zu sprechen, wie aus diesem Affenwesen, aus diesem tierischen Affenwesen, das da einmal auf Bäumen herumgeklettert ist, der heutige Mensch geworden ist. Man läßt eine lange, weite Wüste sein zwischen dem Affensein des Menschen und dem heutigen Menschen. Aber wenn man das auch nicht zugibt, im wesentlichen hat man doch die Vorstellung, daß, als der Mensch einmal Mensch geworden ist, sein Seelisch-Geistiges sich nicht mehr besonders radikal geändert habe. Ich weiß, daß das ein anfechtbarer Satz ist. Wer aber die Entwickelungsgeschichte der Menschheit, wie sie gewöhnlich angesehen wird, auf sich wirken läßt, der wird diesen Satz doch berechtigt finden. Und wer genauer eingeht auf diese Entwickelungsgeschichte der Menschheit, der wird finden, daß so, wie sich der Mensch entwickelt hat, in ihm zwar das Bewußtsein nach Freiheit erwacht ist, so daß aus den Tiefen der Menschenseelen heraufquillt der Ruf: Du mußt erstens aus deinen eigenen Leidenschaften, Emotionen, Empfindungen und Gefühlen heraus frei handeln können; du mußt in einem gesellschaftlichen Zustande leben, in dem du frei sein kannst. Aber auf der anderen Seite ist dieser Ruf eigentlich nur als ein solcher vorhanden. Es ist heute auch nicht das Menschheitsbewußtsein vorhanden, welches diesen Ruf im Menschen selber zu seiner vollen Bedeutung kommen läßt. Das heißt, der Mensch findet nicht genügend in sich von seiner eigenen Wesenheit, so daß er von diesem in sich sagen könne: ja, da ist etwas in mir, welches ein freies Wesen ist. Wir sind im Lauf der Menschheitsentwickelung aufgestiegen zu einer großartigen Entwickelung der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, und der letzte wird sein derjenige, der die hier gemeinte Geisteswissenschaft vertritt, der die großartigen naturwissenschaftlichen Fortschritte - ich habe das hier oftmals auseinandergesetzt - irgendwie ableugnen möchte oder gegen die berechtigten naturwissenschaftlichen Anschauungen etwas einwenden wollte. Aber so wie wir die Naturwissenschaft in der neueren Zeit ausgebildet haben, so bedeutet dieses, daß der Mensch der neueren Zeit, der letzten drei bis vier Jahrhunderte, sich eigentlich nur begreifen kann als ein leibliches Wesen. Aus den Tiefen des Menschenwesens, aus dem naturgemäß gegebenen Menschenbewußstsein steigt gar nicht so herauf: du bist ebenso eine reale Seele, du bist ebenso ein realer Geist -, wie heraufsteigt aus den Tiefen des Menschenwesens: da hast du deinen Arm, da hast du deine Hand, die sind aus Fleisch und Blut und Knochen.

[ 14 ] Now it seemed to me that the main point lay in the fact that the question is usually posed entirely incorrectly—the question: Is human beings, by their own nature and essence, a free being, or are they not? It is posed incorrectly. And as a question posed incorrectly, it can never be answered with a simple yes or no. And so you will find that my Philosophy of Freedom aims to place the entire question on a different foundation. Admittedly, what I am about to explain lies more than just at the foundation of what is presented in my Philosophy of Freedom itself. Just as modern human beings are—in whom, in fact, a true awareness of freedom has only just awakened—so have these modern human beings evolved from earlier states of human existence. Today, far too little consideration is given to the fact that the principle of evolution must also be seriously and honestly applied to humanity. It is true that people think that, in the very, very distant past, human beings were once a kind of ape-like creature; then they say: Scientifically speaking, the time has not yet come to discuss how modern humans emerged from this ape-like creature—this animalistic ape-like creature that once climbed around in trees. A long, vast desert is left between humanity’s ape-like state and modern humans. But even if one does not admit this, one essentially holds the mental image that, once human beings became human, their soul-spiritual nature did not undergo any particularly radical changes. I know that this is a debatable statement. But anyone who allows the history of human evolution—as it is commonly understood—to sink in will find this statement to be justified. And anyone who examines this history of human development more closely will find that, just as human beings have developed, a consciousness of freedom has indeed awakened within them, so that from the depths of the human soul springs the cry: First, you must be able to act freely out of your own passions, emotions, sensations, and feelings; you must live in a social condition in which you can be free. But on the other hand, this call actually exists only as such. Nor does the consciousness of humanity exist today that would allow this call to attain its full significance within the human being himself. That is to say, the human being does not find enough of his own essence within himself to be able to say of it: yes, there is something within me that is a free being. In the course of human development, we have advanced to a magnificent level of scientific knowledge, and the last person to do so will be the one who advocates the Spiritual Science referred to here—the one who, as I have often explained here, would somehow like to deny the magnificent advances in the natural sciences or raise objections to well-founded scientific views. But the way we have developed the natural sciences in modern times means that the human being of the modern era—of the last three to four centuries—can actually conceive of himself only as a physical being. From the depths of the human being, from the consciousness naturally given to human beings, the thought “you are just as much a real soul, you are just as much a real spirit” does not arise at all in the same way that the thought arises from the depths of the human being: “there is your arm, there is your hand; they are made of flesh, blood, and bone.”

[ 15 ] Das ist nicht bloß, ich möchte sagen, eine Nachlässigkeit der Weltanschauung. Man verkennt vollständig, was da eigentlich zugrunde liegt, wenn man dies bloß kritisiert, was ich jetzt ausgesprochen habe, und darinnen bloß eine Nachlässigkeit der Weltanschauung sieht, wenn man bloß sagt: Die Menschen der Gegenwart sind so bequem, daß sie eben glauben, der Mensch sei nur ein materielles Wesen, und es spreche sich in ihm nichts Seelisches und Geistiges aus. Nein, meine sehr verehrten Anwesenden, mit einer solchen Kritik kommt man nicht weiter, man muß vielmehr einsehen, so wie sich der Mensch entwickelt hat, so ist er zunächst - wenn er nichts anderes in seine Seele herein aufnimmt als dasjenige, was eine heute äußere Naturanschauung und äußere Naturwissenschaft und das Zeitbewußtsein bieten können - dazu gezwungen, sich nur als ein materielles Wesen zu fühlen. Mit anderen Worten, wenn wir dasjenige, was von der Gegenwartskultur die Zeit besonders liebt, was von der Gegenwartskultur die Zeit besonders als Wissenschaft, als Kunst, als religiöse Überzeugung hervorbringt und auch in die Schulen hineinwirken läßt, wenn wir das auf den heutigen Menschen so wirken lassen, daß er sich davon durchdringt, so wird er, wenn er ehrlich ist, gerade zum Materialisten werden müssen. Das ist ein hartes Wort. Aber es ist, wie ich glaube, ein richtiges Wort. Man kann heute in einer gewissen Beziehung unehrlich sein, kann aus irgendwelchen Vorurteilen heraus sagen: Ich glaube doch an Geist und Seele. - Dann meint man es mit dem, was eigentlich das Zeitbewußtsein und die naturwissenschaftlichen Überzeugungen hervorgebracht haben, nicht ernst. Und nimmt man es ernst mit diesen Überzeugungen, so bleibt nichts anderes übrig, als daß der Mensch sich als ein materielles Wesen fühlt. Er hat einmal sich so entwickelt, daß wenn er sich heute bloß seinen selbstgegebenen Lebensbedingungen überläßt, er nur zu dem Glauben kommt, er sei ein leibliches Wesen. Ein leibliches Wesen kann ebensowenig wie irgendein anderes Naturwesen ein freies Wesen sein. Daher kann man sagen: Wenn das Gegenwartsbewußtsein ernst genommen wird, so entspringt aus diesem Gegenwartsbewußtsein nirgends so etwas wie der Impuls der Freiheit. Man kann den Ruf nach Freiheit ertönen lassen aus unterbewußten Instinkten heraus, wie Woodrow Wilson das tut. Aber man wird zu verkehrten Begriffen von Freiheit gelangen, zu einer Definition der Freiheit, die nichts über Freiheit und ein freies Wesen sagt, wie es wiederum Woodrow Wilson tut, wenn man in dem Zeitbewußtsein der Gegenwart aufgeht. Man muß den Mut haben, aus diesem Zeitbewußtsein, das die weitesten Kreise ergriffen hat, das populär geworden ist, herauszugehen. Und man kann sagen, gerade in der Zeit, als ich meine «Philosophie der Freiheit» geschrieben habe, da konnte man sich mit solchen Ideen, gleichgültig, wo man auf der Erde lebte, recht einsam fühlen innerhalb der Gegenwartskultur. Man kann es verstehen, wenn aus dem - weltgeschichtlich gesprochen - jungen Leben Amerikas heraus die besonderen Anschauungen des Woodrow Wilson erwachsen sind. Und wenn ich meine «Philosophie der Freiheit» heute anschaue - ich darf auch darüber ein offenes Wort sprechen -, weiß ich, wie berechtigt jene Vorwürfe sind, die dem heutigen Leser dieser «Philosophie der Freiheit» aufstoßen können. Ich weiß sehr gut, wenn sich heute jemand in die ersten dreißig, vierzig Seiten dieses Buches hineinliest, so wird er sagen: Nun, das trägt deutlich die Eierschalen der deutschen Philosophie an sich, Professorenbegriffe, Universitätsbegriffe, Schulbegriffe.

[ 15 ] This is not merely, I would say, a lapse in worldview. One completely fails to recognize what actually underlies this if one merely criticizes what I have just said and sees in it nothing more than a neglect of one’s worldview, if one simply says: People today are so complacent that they believe human beings are merely material beings, and that nothing soulful or spiritual is expressed within them. No, my esteemed audience, such criticism gets us nowhere; rather, we must recognize that, given the way human beings have developed, they are initially—if they take into their souls nothing other than what today’s external view of nature, external natural science, and the consciousness of time can offer—compelled to feel themselves to be merely material beings. In other words, if we allow that which contemporary culture—and our time in particular—cherishes, that which contemporary culture—and our time in particular—produces as science, art, and religious conviction, and which also permeates the schools—if we allow this to influence modern human beings to the point where they become imbued with it, then, if they are honest, they will inevitably become materialists. That is a harsh statement. But it is, I believe, a true statement. Today, one can be dishonest in a certain sense; one can say, out of some prejudice or other: “I do believe in the spirit and the soul.” —But then one is not taking seriously what contemporary consciousness and scientific convictions have actually brought about. And if one takes these convictions seriously, there is no alternative but for a person to feel that they are a material being. They have developed to such an extent that, if they simply surrender to the conditions of life they have imposed upon themselves today, they can only come to believe that they are a physical being. A physical being, no more than any other natural being, can be a free being. Therefore, one can say: If present-moment consciousness is taken seriously, then nowhere does anything like the impulse toward freedom arise from this present-moment consciousness. One can let the call for freedom resound from subconscious instincts, as Woodrow Wilson does. But one will arrive at distorted concepts of freedom—at a definition of freedom that says nothing about freedom or a free being, as Woodrow Wilson again does—if one becomes absorbed in the present-day consciousness of time. One must have the courage to step outside this sense of the present—which has taken hold of the widest circles and has become popular. And one can say that, precisely at the time when I was writing my Philosophy of Freedom, one could feel quite isolated within contemporary culture with such ideas, no matter where on earth one lived. One can understand why Woodrow Wilson’s particular views arose from the—in terms of world history—young life of America. And when I look at my Philosophy of Freedom today—I may speak frankly about this as well—I know how justified those criticisms are that may grate on today’s reader of this Philosophy of Freedom. I know very well that if someone today reads the first thirty or forty pages of this book, they will say: Well, this clearly bears the hallmarks of German philosophy—academic terminology, university terminology, and scholastic terminology.

[ 16 ] Ich muß aber dennoch an der Form dieses Buches festhalten und appellieren an die Gegenwart so, daß ich sage: Wie man nicht nehmen sollte das Wesen des Menschen nach seinem Anzuge, so sollte man auch meine Philosophie nicht nach ihrer Einhüllung in die Begriffe nehmen, die ihr nun einmal als solche Einhüllung dienen mußten aus der Zeit heraus und aus der Bildung heraus, aus dem Geistesleben heraus, innerhalb dessen diese Philosophie entstanden ist. Mir erscheint vielmehr etwas anderes wichtig, das mir, ich möchte sagen, wie symbolisch während dieser Ausarbeitung meiner «Philosophie der Freiheit» entgegengetreten ist. Ich arbeitete dazumal zugleich, indem ich an dieser Philosophie arbeitete, am Goetheund Schiller-Archiv in Weimar. Da arbeitete einige Zeit mit mir zusammen ein amerikanischer Gelehrter. Er arbeitete eine literarhistorische Abhandlung aus über Goethes «Faust». Es war sehr interessant, mit dem Manne zu sprechen, und wer in Symptomen sehen kann die Wirklichkeit, der hatte gewissermaßen amerikanisches Geistesleben mitten im mitteleuropäischen Geistesleben um sich in dem ausgezeichneten amerikanischen Literarhistoriker Calvin Thomas. Aber sehen Sie, da arbeiteten, ich möchte sagen, wie in einem exakten mitteleuropäischen Büro im weimarischen Goethe- und Schiller-Archiv alle möglichen Gelehrten, also auch amerikanische Gelehrte. Ich konnte, wenn die Amtsstunden vorüber waren, nur meine Mußezeit dazu verwenden, an meiner «Philosophie der Freiheit» zu schreiben. Aber da mußte ich mir doch oftmals sagen: Wie nahe steht denn eigentlich dasjenige, was in Calvin Thomas’ Kopf amerikanisches Wissen, amerikanische Erkenntnis ist, demjenigen, was auch die europäischen Gelehrten in derselben Sache schrieben, und wie einsam ist man gegenüber dieser Kulturbildung, der ganzen Welt gegenüber mit dem, was aus einem unabhängigen Geistesleben als eine wirkliche Idee der Freiheit konzipiert werden kann. Man fühlte sich gewissermaßen auch demjenigen gegenüber einsam, was aus dem - weltgeschichtlich gesprochen - jungen Freiheitsgefühl Amerikas heraus an einer Idee über den Impuls der Freiheit herkommen kann. Und mir war es dazumal ein Anliegen, die ganze Fragestellung der Freiheit, wie ich schon sagte, auf einen anderen Boden zu bringen. Ich mußte mir sagen: So wie der Mensch ist, wenn er sich nur selbst demjenigen überläßt, wenn er nur dasjenige nimmt, was zunächst seine Seele aus dem Zeitbewußtsein heraus erfüllen kann, dann kann er sich gar nicht als ein freies Wesen wissen. Deshalb stellte ich die Frage anders. Und diese andere Fragestellung durchdringt dasjenige, was ich anerkenne als die Idee der Freiheit. Ich kann nicht fragen: Ist der Mensch frei oder ist er nicht frei? sondern: Kann der Mensch im Inneren seiner Seele, nachdem er durchgemacht hat dasjenige, was sich ihm gleichsam von der Natur und von seiner Wesenheit heraus selbst ergibt, weiter seine Seele entwickeln, indem er seine Seelenentwickelung selbst in die Hand nimmt, und kann er dann etwas in ihm Schlafendes so aufwecken, daß dieses eigentlich tiefere Wesen in ihm dann zur Geltung kommt, so daß er durch diese Erweckung eines zweiten Menschen in ihm erst ein freies Wesen wird? Kann der Mensch sich erziehen zur Freiheit, oder kann er es nicht? Kann der Mensch ein freies Wesen werden oder nicht? Wie wird er ein freies Wesen? - Das war die neue Fragestellung, die aufgeworfen werden mußte.

[ 16 ] Nevertheless, I must adhere to the form of this book and appeal to the present by saying: Just as one should not judge the essence of a human being by his appearance, so too should one not judge my philosophy by its conceptual framework—a framework that, out of necessity, had to serve as such a covering, arising from the era, the education, and the intellectual life within which this philosophy came into being. Rather, something else seems important to me—something that, I might say, appeared to me as if symbolically during the drafting of my Philosophy of Freedom. At that time, while working on this philosophy, I was also working at the Goethe and Schiller Archive in Weimar. An American scholar worked alongside me there for some time. He was drafting a literary-historical treatise on Goethe’s Faust. It was very interesting to speak with this man, and anyone who can perceive reality in symptoms found, in a sense, American intellectual life right in the midst of Central European intellectual life in the person of the outstanding American literary historian Calvin Thomas. But you see, all sorts of scholars—including American scholars—were working there, I might say, as if in a meticulous Central European office at the Goethe and Schiller Archive in Weimar. Once office hours were over, I could only use my free time to write my Philosophy of Freedom. But I often had to ask myself: How close is what Calvin Thomas considers American knowledge and American insight actually to what European scholars wrote on the same subject, and how isolated one is, in the face of this cultural development and the entire world, with what can be conceived as a true idea of freedom arising from an independent intellectual life? In a sense, one also felt isolated in relation to what might emerge—from America’s sense of freedom, which is young in terms of world history—as an idea concerning the impulse of freedom. And it was a matter of concern to me at that time, as I have already said, to place the entire question of freedom on a different foundation. I had to tell myself: Just as a person is when they surrender themselves entirely to that which—when they take only what can initially fill their soul from a sense of time—they cannot know themselves as a free being at all. That is why I posed the question differently. And this different way of framing the question permeates what I recognize as the idea of freedom. I cannot ask: “Is a human being free or is he not free?” but rather: “Can a human being, within the depths of his soul, after having gone through what arises, as it were, of its own accord from nature and from his own essence, continue to develop his soul by taking his soul’s development into his own hands, and can he then awaken something dormant within him in such a way that this actually deeper essence within him comes to the fore, so that only through this awakening of a second human being within him does he become a free being? Can a person educate themselves toward freedom, or can they not? Can a person become a free being, or not? How does one become a free being?—That was the new question that had to be raised.

[ 17 ] Damit aber war hingewiesen darauf, daß der Gegenwartsmensch, wenn er überhaupt zum Bewußtsein des vollen Menschen kommen will, nicht stehenbleiben darf bei dem, was sich von selbst dem Menschen ergibt in seiner Entwickelung, sondern daß er seine Entwickelung in die Hand nehmen muß. Allerdings ist das ein Gesichtspunkt, der heute recht, recht vielen Menschen höchst unbequem ist. Denn um ihn plausibel zu machen, muß man ja das Folgende zu den Menschen sagen: Seht einmal ein fünfjähriges Kind an. Denken wir uns, dieses fünfjährige Kind stehe vor einem Band lyrischer Gedichte von Goethe. Dieses fünfjährige Kind, das vor dem Band lyrischer Gedichte von Goethe steht, wird mit diesem Band Iyrischer Gedichte etwas machen; es wird ihn zerreißen, vielleicht zerbeißen, oder anderes, aber man kann nicht voraussetzen, daß dieses fünfjährige Kind das Richtige mit dem lyrischen Band von Goethe machen werde. Aber das Kind kann sich entwickeln, das Kind kann herangezogen werden, so daß es später das Richtige machen lernt mit diesem Band lyrischer Gedichte von Goethe. Nun, wie wäre es, wenn man zu den gegenwärtigen Menschen sagen würde: Überlasse du dich nur demjenigen, was dir das Zeitbewußtsein von selbst gibt, dann verhältst du dich zu den eigentlichen Geheimnissen der Natur, zu den eigentlichen Geheimnissen der Welt um dich wie das fünfjährige Kind zu dem Iyrischen Band Goethe. Es hat den ganzen Iyrischen Band Goethes vor sich wie ein ganz verständiger Mensch, aber es dringt natürlich nicht ein in dasjenige, in das man eindringen kann als ganz verständiger Mensch. Es muß erst erzogen werden. Nun setzt der Ruf nach Freiheit in Wirklichkeit voraus, daß der Mensch wirklich die große intellektuelle Bescheidenheit habe, sich zu sagen: Vielleicht stehe ich vor der Natur, vor der Wesenheit der Welt, wie das fünfjährige Kind vor dem Band Iyrischer Gedichte von Goethe steht. Ich muß erst selbst die Entwickelung meiner Seele in die Hand nehmen, dann wird so, wie für das fünfjährige Kind nach fünf oder sieben Jahren der Iyrische Band Goethes etwas ganz anderes wird, dann wird für mich die Welt etwas ganz anderes. Während ich vorher, wenn ich mich nur dem überlasse, was von selber kommt, ein unfreies Wesen bin, erwacht in mir ein anderer Mensch, wenn ich meine Entwickelung selber in die Hand nehme. Und indem dieser andere Mensch mich durchglüht, mich durchwärmt, mich durchdringt, werde ich ein freies Wesen.

[ 17 ] This, however, pointed out that modern man—if he wishes at all to attain awareness of his full humanity—must not stop at what arises naturally in the course of human development, but must take his own development into his own hands. Admittedly, this is a point of view that is extremely uncomfortable for quite, quite a lot of people today. For in order to make it plausible, one must say the following to people: Take a look at a five-year-old child. Let us imagine that this five-year-old child is standing in front of a volume of Goethe’s lyric poems. This five-year-old child, standing in front of the volume of Goethe’s lyric poems, will do something with this volume of lyric poems; it will tear it up, perhaps chew it up, or do something else, but one cannot assume that this five-year-old child will do the right thing with Goethe’s volume of lyric poetry. But the child can develop; the child can be raised in such a way that it later learns to do the right thing with this volume of Goethe’s lyric poetry. Now, what if one were to say to people today: Just entrust yourself to what your sense of time gives you of its own accord, and then you will relate to the true mysteries of nature, to the true mysteries of the world around you, just as the five-year-old child relates to Goethe’s volume of lyric poetry. The child has Goethe’s entire volume of lyric poetry before them, just like a fully intelligent person, but of course it does not penetrate into what one can penetrate as a fully intelligent person. It must first be educated. Now, the call for freedom actually presupposes that a person truly possesses the great intellectual humility to say to themselves: Perhaps I stand before nature, before the essence of the world, just as a five-year-old child stands before Goethe’s Iyrischer Band. I must first take the development of my soul into my own hands; then, just as Goethe’s Iyrischer Band becomes something entirely different for the five-year-old child after five or seven years, so too will the world become something entirely different for me. Whereas before, when I simply surrendered myself to whatever came of its own accord, I was an unfree being, a different person awakens within me when I take my own development into my own hands. And as this different person burns through me, warms me, and permeates me, I become a free being.

[ 18 ] Ja, das war als das Fundament einer menschlichen Freiheitsauffassung in meiner «Philosophie der Freiheit» ausgesprochen, und es war nicht etwa bloß als eine philosophische Wahrheit gedacht, sondern es sollte gezeigt werden, daß durch das, was da der Mensch in sich erweckt, indem er sich weiterbringt - als wenn er dasjenige nur erreicht, was ihm von selbst gegeben wird -, indem der Mensch sich so entwickelt, entwickelt er ja ein gleichsam vorher schlafendes, verborgenes Tatsächliches in sich. Er schafft etwas in sich, das ihn erst zur Freiheit bringt. Solange man theoretisiert, solange man abstrakte Ideen ausdenkt, werden diese Kopfsache des Menschen sein. Sie werden nicht sonderlich den ganzen Menschen ergreifen. Es könnte ja eigentlich jeder, der sich mit solchen Dingen befaßt hat, wissen, wie schattenhaft die schönsten, die idealsten abstrakten Ideen in den Menschen leben. Anders ist es, wenn nicht abstrakte Ideen, sondern Leben selbst in dem Menschen erweckt werden soll, wenn der Mensch lebendig etwas durchmachen soll, wodurch etwas in ihm erwacht, was vorher nicht da war. Das ist ein Lebendiges, das den ganzen Menschen in Anspruch nimmt, das nicht nur eine Kopfsache ist, das eine Sache von Seele und Geist des ganzen Menschen ist. Da nimmt man zusammen alle Empfindungen, alle Impulse, da nimmt man zusammen das ganze menschliche Willensleben, da wird Freiheit zu einer realen Kraft im Menschen, da wird Freiheit zu etwas Erlebtem. Dann aber, wenn sie zu etwas Erlebtem wird, dann will sie der Mensch auch in dem äußerlichen Zusammenleben ausgestalten, dann kommt er von seinem Erleben der Freiheit, indem er mit anderen Menschen lebt, auch zu einer Idee von einer solchen sozialen Struktur des menschlichen Zusammenlebens, in dem nur die Freiheit verwirklicht sein kann.

[ 18 ] Yes, that was expressed in my Philosophy of Freedom as the foundation of a human conception of freedom, and it was not intended merely as a philosophical truth, but rather to show that through what a person awakens within themselves by advancing—as opposed to merely attaining what is given to them of their own accord—by developing in this way, a person develops, as it were, a reality within themselves that was previously dormant and hidden. They create something within themselves that is what ultimately leads them to freedom. As long as one theorizes, as long as one devises abstract ideas, these will remain a matter of the human mind. They will not particularly capture the whole person. In fact, anyone who has dealt with such matters should know how fleetingly the most beautiful, the most ideal abstract ideas exist within people. It is different when it is not abstract ideas but life itself that is to be awakened in a person, when a person is to experience something vividly that awakens within them something that was not there before. This is a living force that engages the whole person—it is not merely a matter of the intellect, but a matter of the soul and spirit of the whole person. Here, all feelings and impulses are brought together; here, the entire life of the human will is brought together; here, freedom becomes a real force within the person; here, freedom becomes something experienced. But then, once it becomes a lived experience, the human being also wants to shape it in external social life; then, through living with other people, he or she moves from this experience of freedom to an idea of a social structure of human coexistence in which freedom alone can be realized.

[ 19 ] Daher versuchte ich im zweiten Teil meiner Philosophie eine Sittenlehre der Menschen zu begründen, eine soziale Anschauung zu begründen, die, ich möchte sagen, dann wie selbstverständlich aus dem erwachten Freiheitsgefühl und Freiheitssinn hervorgehen müsse. Nimmt man so den Impuls der Freiheit als etwas, das man im tiefsten Wesen des Menschen lebendig erfaßt, dann ist die Freiheit keine abstrakte Idee, dann ist die Freiheits-Philosophie keine bloße Philosophie, dann ist dasjenige, was durch eine solche Anschauung von der Freiheit ausgesprochen wird, etwas, was in alles Handeln des Menschen, in alle Zielsetzungen des Menschen übergeht. Dann ist darinnen etwas enthalten, wonach die anderen rufen, wenn sie von Freiheit sprechen, das aber derjenige findet, der nicht stehenbleibt bei den Weltanschauungen der Gegenwart, wenn er die Freiheit verstehen will, sondern der aufsteigt zu dem, was im Menschen schlummernd liegt und was erweckt werden kann. Dasjenige, was so, ich möchte sagen, als eine Freiheitssprache zu der Menschheit geredet werden kann als innig zusammenhängend mit den Kulturbedingungen der menschlichen Gegenwart und Zukunft, das bedurfte nun allerdings in seiner weiteren Entwickelung noch eines anderen.

[ 19 ] Therefore, in the second part of my philosophy, I attempted to establish a moral doctrine for humanity, to establish a social perspective that—I would say—must then naturally arise from the awakened sense of freedom and spirit of liberty. If one thus regards the impulse of freedom as something that is vividly grasped in the deepest essence of the human being, then freedom is not an abstract idea; then the philosophy of freedom is not mere philosophy; then what is expressed through such a conception of freedom is something that permeates all human action and all human goals. Then it contains something that others are calling for when they speak of freedom—but which is found by those who, in seeking to understand freedom, do not stop at the worldviews of the present, but rise to that which lies dormant within the human being and can be awakened. That which can thus—I would say—be addressed to humanity as a “language of freedom,” intimately connected with the cultural conditions of the human present and future, did, however, require something else for its further development.

[ 20 ] Und hier ist der Grund, warum übergegangen werden mußte von der Grundlegung einer Freiheitsphilosophie zur anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft. Nehmen Sie eines der Hauptbücher dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, mein Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Da finden Sie im einzelnen die Wege charakterisiert, die der Mensch innerlich seelisch und geistig einschlagen muß, damit in ihm dieses Bewußtsein des anderen Menschen, des wirklich freien Menschen erwachen kann. Da finden Sie, wie es möglich ist, daßß der Mensch wirklich zu einer solchen Erfassung seiner eigenen Wesenheit kommt, daß ihm die wahre Gestalt des Denkens und auch des Wollens vor die Seele tritt. Und ich darf dabei auf etwas hinweisen, auf das ich in einem der letzten der hier gehaltenen Vorträge schon hingewiesen habe: Denken und Wollen wird für den etwas anderes, als es für das gewöhnliche Bewußtsein ist, der so, wie es beschreibt mein Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», in das Menschenwesen eindringt. Man lernt erkennen an dem Denken, wie das Wesen, das man dann erfaßt als das höhere Menschenwesen, schon da war, bevor der Mensch durch Geburt oder Empfängnis in das physische Dasein getreten ist. Man lernt erkennen an der wahren Gestalt des menschlichen Willens, wie der Mensch sein Wesen durch die Todespforte hinein in die geistige Welt trägt. Man lernt erkennen, indem man sich wirklich erhebt, sich entwickelt zu der wahreren Wesenheit des Menschen, das Ewige im Menschen.

[ 20 ] And here is the reason why it was necessary to move from laying the foundations of a philosophy of freedom to an anthroposophically oriented Spiritual Science. Take one of the major works of this anthroposophically oriented Spiritual Science, my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?. There you will find a detailed description of the paths that a person must take inwardly, in soul and spirit, so that this awareness of the other human being—the truly free human being—can awaken within them. There you will find how it is possible for a person to truly arrive at such an understanding of their own being that the true form of thinking and also of willing appears before their soul. And I would like to point out something here that I have already mentioned in one of the most recent lectures given here: Thinking and willing become something different for the person than they are for ordinary consciousness—the consciousness that, as described in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?, penetrates the human being. Through thinking, one learns to recognize how the being—which one then grasps as the higher human being—was already there before the human being entered physical existence through birth or conception. Through the true form of human will, one learns to recognize how the human being carries his or her essence through the gate of death into the spiritual world. One learns to recognize this by truly rising above oneself, by developing into the truer essence of the human being—the eternal within the human being.

[ 21 ] Damit aber sind erst die Wege richtig im einzelnen gezeichnet, welche den Menschen dazu bringen, ich möchte sagen, die «Philosophie der Freiheit» wie etwas Selbstverständliches anzusehen; die Wege dazu sind gezeichnet, zu finden das wirklich freie Menschenwesen. Damit aber ist zugleich gedient den tieferen Kulturbedingungen der Gegenwart und Zukunft, die sich aussprechen gerade in solchen Rufen nach Freiheit, wie ich sie in der Einleitung meines heutigen Vortrages charakterisiert habe.

[ 21 ] But this merely outlines in detail the paths that lead people—I might say—to regard the “Philosophy of Freedom” as something self-evident; it outlines the paths toward discovering the truly free human being. At the same time, this serves the deeper cultural conditions of the present and the future, which find expression precisely in such calls for freedom as I characterized in the introduction to my lecture today.

[ 22 ] Was braucht denn der Mensch, wenn er all dasjenige, was er intensiv fühlt über ein menschenwürdiges Dasein, was braucht der Mensch an Inhalt für sein innerstes Menschenbewußtsein ? Dasjenige, was ich da sagen will, das wird sich vielleicht am besten veranschaulichen lassen, wenn ich Sie zurück verweise auf den Ausgangspunkt der geistigen Menschheitskultur der letzten drei bis vier Jahrhunderte. Denn es war ein Großes, als in der Morgenröte der neueren Menschheitsentwickelung aufgetreten sind Geister wie Kopernikus, Galilei, Giordano Bruno und so weiter. Was taten sie im Grunde? Sie brachen mit den Erkenntnis- und Weltanschauungsüberlieferungen der alten Zeit und wiesen den menschlichen Blick hin auf die unbefangene Beobachtung der Außenwelt. Vorurteile wollten sie zerstreuen. Dasjenige wollten sie klar hinstellen, was der Mensch durch die Beobachtung der Außenwelt gewinnen kann. Nach und nach ist aber damit etwas anderes eingetreten, ist dasjenige eingetreten, das ich zum Teil schon charakterisiert habe. Das ist eingetreten, daß ein altes Bewußtsein von dem, was der Mensch in seinem Innersten ist, zerstört worden ist durch die neuere Beobachtung. Sieht man heute ganz gemäß unserer neueren Naturwissenschaft den weiten Sternenhimmel an, was ist dieser Sternenhimmel? Etwas, das wir durch Mathematik und Mechanik begreifen wollen, etwas, mit dem wir nur verwandt fühlen dieses abstrakte Produkt unseres Kopfes, die Mathematik und die Mechanik. Und vergleichen wir das mit dem Bewußtsein, das in älteren Zeiten der Mensch hatte, wenn er zum Sternenhimmel aufblickte. Er hatte nicht das abstrakte naturwissenschaftliche Bewußtsein: Da droben kreisen die Sterne nach mathematisch-mechanischen Gesetzen, du aber, Erdenwurm, stehst hier auf dieser Erde, entstehst mit der Geburt und vergehst mit dem Tode, und dasjenige, was du bist, das hat nichts zu tun mit dem Sternenlauf. Wenn wir zurückgehen in ältere Stufen des Menschheitsbewußtseins, so finden wir, daß in diesem älteren Menschheitsbewußtsein die Anschauung lag: Du Mensch, wie du hier stehst auf dieser Erde, du bist nicht bloß an diese Erde geheftet; dasjenige, was in dir an Kräften wirkt und lebt, das hängt zusammen mit dem, was da oben in den Sternen kreist, und vervollkommnest du deine Erkenntnis, wirst du deiner selbst als eines vollständigen Menschenwesens bewußt, so weißt du dich verwandt wie mit den Tieren und Pflanzen und Steinen der Erde, so mit dem ganzen Weltenraum der Sterne. Wir haben erkauft dasjenige, was wir mathematisch-mechanisch über die Sterne gelernt haben, mit dem Abgeschnürtwerden des Menschen von dem Kosmos, von der Welt. Wenn man nun in der Weise, wie ich es geschildert habe, durch den Weg zu den höheren Erkenntnissen geht, und in sich dahin gelangt, jenes Menschenwesen zu erkennen, das nicht mit der Geburt oder Empfängnis seinen Anfang genommen hat, sondern das in geistigen Welten vor Geburt und Empfängnis da war, und das auch jetzt in uns lebt, und das durch die Pforte des Todes in die geistige Welt dringt, dann lernt man allerdings mit diesem Menschenwesen, nur in einer neuen Form, nicht in einer alten, abgenutzten Form, wiederum seine Verwandtschaft mit dem ganzen Kosmos kennen; dann wird der Mensch wiederum durchdrungen von Weltbewußitsein. Sein bloßes irdisches Bewußtsein verwandelt sich in Weltbewußtsein. Dann hat aber der Mensch etwas, was er gerade als eine Kulturbedingung des Geistes in der Gegenwart und für die Zukunft braucht. Den Zeitpunkt könnte die Menschheit nimmermehr ohne die tiefste Schädigung ihres Wesens erleben, wo hingewiesen würde auf neue äußere Beobachtungen, und das alte Geistesleben nach und nach auslöschte. Der Mensch bedarf des Glaubens, des Hinweises auf die Erkenntnis eines Bleibenden, das standhalten kann, wie auch die äußere Weltenbeobachtung sich erweitert.

[ 22 ] What does a person need—given all that he or she feels so intensely about a dignified existence—what does a person need as the substance of his or her innermost human consciousness? What I wish to say here can perhaps best be illustrated if I refer you back to the starting point of humanity’s spiritual culture over the last three to four centuries. For it was a momentous event when, at the dawn of modern human development, figures such as Copernicus, Galileo, Giordano Bruno, and others emerged. What did they essentially do? They broke with the traditions of knowledge and worldviews of antiquity and directed human attention toward the unbiased observation of the external world. They sought to dispel prejudices. They wanted to clearly demonstrate what human beings can gain through the observation of the external world. Gradually, however, something else has come about—namely, what I have already described in part. What has happened is that an ancient awareness of what a human being is at their very core has been destroyed by modern observation. When we look today at the vast starry sky in accordance with our modern natural science, what is this starry sky? Something we seek to understand through mathematics and mechanics—something with which we feel a connection only through these abstract products of our minds: mathematics and mechanics. And let us compare this with the consciousness that people had in earlier times when they looked up at the starry sky. They did not possess the abstract scientific consciousness: “Up there, the stars revolve according to mathematical and mechanical laws, but you, earthworm, stand here on this earth, come into being at birth and pass away at death, and what you are has nothing to do with the course of the stars.” If we go back to earlier stages of human consciousness, we find that this older human consciousness held the view: You, human being, as you stand here on this Earth, are not merely bound to this Earth; the forces that act and live within you are connected to what circles up there among the stars; and as you perfect your knowledge and become aware of yourself as a complete human being, you know that you are related not only to the animals, plants, and stones of the Earth, but also to the entire cosmic space of the stars. We have paid for what we have learned about the stars through mathematics and mechanics by cutting humanity off from the cosmos, from the world. If one now follows the path to higher knowledge in the way I have described, and comes to recognize within oneself that human being who did not begin with birth or conception, but who existed in spiritual worlds before birth and conception, and which also lives within us now, and which passes through the gate of death into the spiritual world, then one does indeed come to know, together with this human being—but in a new form, not in an old, worn-out form—one’s kinship with the entire cosmos once more; then the human being is once again permeated by world-consciousness. One’s mere earthly consciousness is transformed into world-consciousness. Then, however, human beings possess something they need precisely as a cultural prerequisite for the spirit in the present and for the future. Humanity could never endure the moment—without causing the deepest harm to its very being—when attention were directed toward new external observations, gradually extinguishing the old spiritual life. Humanity needs faith, a reference to the knowledge of something enduring that can stand firm even as the observation of the external world expands.

[ 23 ] So ist es anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, welche auf ihren Wegen den Menschen sich selbst so zeigt, daß er wiederum anknüpfen kann mit seinem Weltbewußtsein an den ganzen Kosmos, daß er sich wiederum weiß mit seinem Geiste im Zusammenhange mit dem Weltengeiste. Das ist nicht bloß eine theoretische Idee, das ist wiederum etwas, was sich einlebt in den ganzen Menschen, und was ihn, diesen Menschen, zu einem anderen Wesen macht. Man wird in der Gegenwart und in der Zukunft viel, viel spekulieren können, was man für soziale Einrichtungen zu treffen hat, damit die Menschen darinnen ein menschenwürdiges Dasein finden. Man gibt sich in der neueren Zeit sogar der Täuschung hin, daß man solche Einrichtungen erfinden werden könne. Man wird nur dann zu Einrichtungen kommen, die dem Menschen ein menschenwürdiges Dasein geben, wenn der Mensch aus seinem tiefsten Geistig-Seelischen heraus solche Einrichtungen zu schaffen imstande ist. Dazu aber bedarf es nicht des Träumens von einer Umgestaltung der äußeren sozialen Verhältnisse; dazu bedarf es des ernstlichen Inangriffnehmens einer neuen Geisteskultur, einer Auferweckung desjenigen, was schlummert und schläft in der Menschenseele, und was erst auferweckt werden muß, damit der Mensch von sich selber wissen könne, er sei ein freies Wesen. Man übersieht heute vollständig, welch tiefer Riß in unserer Geisteskultur ist. Durch viele Jahrhunderte haben gewisse soziale Mächte darüber gewacht, daß die äußere Wissenschaft nur ja nicht spreche von dem Geistigen und Seelischen. Das sollte Sache des Dogmatismus sein. Das sollte man durch einen bloßen Glauben erfahren, sich von bloßen Autoritäten diktieren lassen, was man zu denken habe über Geist und Seele; weil ein Monopol beanspruchten gewisse soziale Mächte für das Diktieren des Anzuerkennenden über Geist und Seele, deshalb wurde die Wissenschaft abgedrängt auf das bloße Materielle. Es wirkt sehr eigentümlich auf den tiefer in die Menschheitsentwickelung Hineinblickenden, wenn er heute hört, wie die offizielle Wissenschaft glaubt, daß sie vorurteilslos den Wahrheiten nachgehe und durch dieses vorurteilslose den Wahrheiten Nachgehen herausfände etwas, was man heute einzig und allein Wissenschaft nennt, und was sich im Grunde genommen nur mit sinnlichen Tatsachen befassen will. In Wahrheit ist das Entwickelungsvorgang geworden, in Wahrheit ist das menschliches Forschen, welches kapituliert hat vor dem Monopol gewisser sozialer Kreise, die sich allein befassen wollten mit dem, was die Menschen über Geist und Seele zu denken haben. Eine Wissenschaft, wie ich sie charakterisiert habe, wie sie zur Freiheit führt, sie führt zu gleicher Zeit dahin, daß der Mensch nicht nur nachforschen kann über das Physische, über sein Leibliches, es führt dahin, daß der Mensch nachforschen lernt auch über das Geistige und über das Seelische. Und lernt er nachforschen über das Geistige und über das Seelische, so nimmt er stärkere, wirklichkeitsgemäßere Begriffe auf, als diejenigen sind, die er aufnimmt, wenn er sich auf das bloße äußere Materielle beschränken muß. Und so hat man versucht, in das soziale Denken nur hineinfließen zu lassen dasjenige, was aus dem heutigen Zeitbewußtsein herauskommt. Und man glaubt von diesem Gesichtspunkte aus, daß eigentlich menschliche Ideen gar nicht hineingreifen können in die sozialen Verhältnisse, oder man macht sich höchst verkehrte soziale Ideen zurecht. In meinem Buche «Von Seelenrätseln» - eines der letzten, das ich geschrieben habe, und das ebenso wie die anderen nur die gerade Fortsetzung ist desjenigen, was Sie in meinem Buch «Die Philosophie der Freiheit» finden -, in diesem Buche «Von Seelenrätseln» habe ich gezeigt, wie die wahrhaftig anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft nicht nur in der Lage ist, abstrakt über allerlei GeistigSeelisches zu sprechen, sondern wie sie dadurch, daß sie das wirklich Geistige erfaßt, zu gleicher Zeit in die Lage kommt, das Menschenwesen, das Leib, Seele und Geist ist, in seiner Ganzheit aufzufassen. Und so durfte ich in diesen «Seelenrätseln» zum Beispiel darauf hinweisen, wie es ein großer Irrtum ist in der gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Physiologie, wenn man davon spricht, daß der Mensch sensitive Nerven habe, die vom Sinnesorgan zum Zentralorgan gehen, während von dem Zentralorgan wiederum zu den Muskeln die motorischen Nerven gehen. Eine abstrakte Wissenschaft, die von Geist und Seele nur abstrakt spricht, die wird sich niemals getrauen, die wird auch gar nicht die Methode finden, über das Sinnliche etwas zu sagen, was nicht bloß sinnlich nachzuweisen ist. Nachweisen kann man, wenn man ausspricht, daß es nur eine Gattung von Nerven gibt, daß kein Unterschied ist zwischen sensitiven und motorischen Nerven, daß solche Erscheinungen, wie die Tabes, die man anführt zur Bekräftigung der Meinung, daß es motorische Nerven gebe, gerade das Umgekehrte beweisen von dem, wovon man glaubt, daß es durch sie bewiesen werde.

[ 23 ] Thus, it is anthroposophically oriented Spiritual Science that, in its own way, reveals the human being to himself in such a way that he can once again connect his consciousness of the world to the entire cosmos, so that he knows himself to be, in his spirit, in communion with the World Spirit. This is not merely a theoretical idea; it is something that takes root in the whole person and transforms that person into a different being. In the present and in the future, there will be much, much speculation about what social institutions need to be established so that people may find a dignified existence within them. In recent times, people have even succumbed to the delusion that such institutions can be invented. We will only arrive at institutions that provide human beings with a dignified existence if human beings are capable of creating such institutions from the depths of their spiritual and soul life. But this does not require dreaming of a transformation of external social conditions; it requires seriously embarking on a new spiritual culture, a reawakening of that which slumbers and sleeps within the human soul—and which must first be awakened—so that human beings may know within themselves that they are free beings. Today, people completely overlook the deep rift in our spiritual culture. For many centuries, certain social forces have ensured that external science would under no circumstances speak of the spiritual and the soul. That was to be the domain of dogmatism. One was to experience this through mere faith, allowing mere authorities to dictate what one was to think about the spirit and the soul; because certain social forces claimed a monopoly on dictating what was to be acknowledged regarding the spirit and the soul, science was thus confined to the purely material. It strikes those who look more deeply into human evolution as very peculiar when they hear today how official science believes that it pursues truths without prejudice and, through this unbiased pursuit of truths, discovers something that is today called science and nothing else—and which, in essence, wishes to deal only with sensory facts. In truth, this has become a process of development; in truth, this is human inquiry that has capitulated to the monopoly of certain social circles who wished to concern themselves exclusively with what people have to say about the spirit and the soul. A science, as I have characterized it—one that leads to freedom—leads at the same time to the point where human beings can not only investigate the physical, their bodily nature, but also learn to investigate the spiritual and the soul. And when a person learns to investigate the spiritual and the soul, they take in concepts that are stronger and more in keeping with reality than those they take in when they must limit themselves to the mere external material. And so attempts have been made to allow only that which arises from the consciousness of the present age to flow into social thought. And from this perspective, one believes that truly human ideas cannot actually influence social conditions at all, or one ends up formulating highly misguided social ideas. In my book On the Mysteries of the Soul—one of the last I wrote, and which, like the others, is merely a direct continuation of what you will find in my book The Philosophy of Freedom—in this book On the Riddles of the Soul, I have shown how a truly anthroposophically oriented Spiritual Science is not only capable of speaking abstractly about all manner of spiritual and soul-related matters, but how, by grasping what is truly spiritual, it simultaneously becomes capable of comprehending the human being—who is body, soul, and spirit—in their entirety. And so, in these Mysteries of the Soul, for example, I was able to point out what a great error it is in contemporary scientific physiology to speak of humans as having sensory nerves that run from the sense organs to the central nervous system, while motor nerves run from the central nervous system back to the muscles. An abstract science that speaks of spirit and soul only in abstract terms will never dare—nor will it even find the method—to say anything about the sensory realm that cannot be proven purely through the senses. One can “prove” something by asserting that there is only one type of nerve, that there is no difference between sensory and motor nerves, and that phenomena such as tabes—which are cited to support the view that motor nerves exist—actually prove the exact opposite of what one believes they are meant to demonstrate.

[ 24 ] So wird in dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft etwas geschaffen, das in die ganze Natur wiederum eindringt, das Stoßkraft genug hat, um in die ganze Natur einzudringen. Dadurch aber darf diese Geisteswissenschaft auch in dasjenige eindringen, was insbesondere die Kultur der Gegenwart interessieren muß. Es darf diese Geisteswissenschaft eindringen in die Struktur des sozialen Lebens. Und aus denjenigen Erfahrungen heraus, die der Mensch mit dem höheren Menschen macht, sind erst die wirklich sozialen Begriffe zu gewinnen. Daher leben wir heute in einer so verworrenen Zeit, leben heute in solcher Wirrnis und solchem Chaos darinnen, weil die Menschen, die sich mit den Lösungen der verschiedenen Fragen sozialer Natur beschäftigen, nicht in der Lage sind, tief genug zu schürfen in der Menschenwesenheit selbst, um zu finden diejenigen Ideen, die das soziale Leben wirklich beherrschen können. Und so ist man ratlos gegenüber den drängendsten und brennendsten Fragen der Gegenwart, und man steht gerade vor diesen sengendsten und brennendsten Fragen so, daß aus dem Inneren der Menschennatur im Grunde genommen keine Antwort als Widerklang kommt.

[ 24 ] Thus, in this anthroposophically oriented Spiritual Science, something is created that in turn permeates all of nature—something with sufficient momentum to penetrate all of nature. Through this, however, this Spiritual Science may also penetrate into that which must be of particular interest to contemporary culture. This Spiritual Science must penetrate the structure of social life. And it is only from the experiences that human beings have with the higher human being that truly social concepts can be derived. That is why we live today in such a confused age, in such confusion and chaos, because the people who are concerned with solving the various social issues are not able to delve deeply enough into the human being itself to find the ideas that can truly govern social life. And so we are at a loss when faced with the most pressing and burning questions of the present, and we stand before these most searing and burning questions in such a way that, fundamentally, no answer—no echo—comes from the depths of human nature.

[ 25 ] Man hat gesehen, indem man die weltgeschichtliche Entwickelung des Menschen verfolgt, wie große Umwandlungen sich vollzogen haben. Oder war nicht eine der größten Umwandlungen, die sich vollzogen haben im Verlaufe der Menschheitsentwickelung, diejenige, durch die das Christentum heraufgekommen ist? Das Christentum, das der Erdenentwickelung erst den rechten Sinn gegeben hat, es ist heraufgekommen durch eine mächtige Umwandlung. Es hat mancherlei zurückgelassen. Nicht alle Menschen erkannten die Wahrheiten des Christentums; aber im ganzen war das Christentum dasjenige, was in dem alten Kulturelemente umwandelnd gewirkt hat, im Grunde die ganze europäische Zivilisation mit ihrem amerikanischen Zivilisationsanhang hervorgebracht hat. Man erlebte später so etwas, wie zum Beispiel die Französische Revolution. Während das Christentum eine rein geistige Umwandlung war und im größten Umfange ihr Ziel erreicht hat, kann man sagen von der Französischen Revolution, die eine politische war, daß sie zwar etwas erreicht hat von ihren politischen Zielen, daß aber Wichtiges und Wesentliches zurückgeblieben ist, was nicht erreicht worden ist von den Zielen, die gestellt worden sind. Und nun erleben wir in unserer Zeit die Sehnsucht vieler Menschen nach einer neuen Umwandlung, nach neuen Revolutionen. Und wir sehen bereits diese Revolutionen vielfach am Werke. Traurige Erfahrungen hat die Menschheit gemacht. Wenn sie nur unbefangen genug sein will, so müßte sie auch in proletarischen Kreisen das einsehen. Traurige Erfahrungen hat die Menschheit gemacht mit den extremen sozialen Revolutionen im Osten von Europa, in Ungarn, und eine große Lehre der Weltgeschichte müßte das Scheitern dieser sozialen Revolutionen sein. Und eine noch größere Lehre könnte sein, wenn die Menschen überhaupt etwas lernen können von den weltgeschichtlichen Vorgängen, das traurige Schicksal der deutschen Revolution vom 9. November 1918, eine versandende Revolution. Und wenn man alles dasjenige sachgemäß überblickt, was sich aus solchen Tatsachen ergibt, aus den gescheiterten Revolutionen Ungarns und Osteuropas, aus der traurig versandenden deutschen Revolution, dann ersieht man: Geistige Umwandlungen, wie die durch das Christentum gegebenen, sie können sich vollziehen im Laufe der Menschheitsentwickelung; politische, wie die Französische Revolution, nur zum Teil; wirtschaftliche Revolutionen, wie sie jetzt versucht werden, sind zum Scheitern verurteilt, können nichts anderes als zerstören, können nichts Neues heraufbringen, wenn sie sich nicht in geistige Fortschrittsimpulse verwandeln. Eine der wichtigsten und wesentlichsten Kulturbedingungen der Gegenwart ist diese, daß aus dem richtig ergriffenen Freiheitsimpulse heraus die Menschen darauf kommen, daß alle die Fragen, die man heute erfaßt, man im Zusammenhange mit der ganzen geistigen Entwickelung der Menschheit betrachten muß, mit einer Erneuerung des menschlichen Geisteslebens. Und das müßte die Menschheit sich klar zum Bewußtsein bringen, bevor die traurige, fürchterliche Notlehre eintreten könnte, die eintreten würde, wenn dasjenige, was zum Untergange der Menschheitskultur im Osten von Europa sich vollzieht, was unter so traurigen Symptomen in Ungarn sich vollzogen hat, was versandet in Deutschland, wenn das in der Art, wie es von denen erfaßt wird, die keinen Begriff haben von dem wirklichen Impuls des Geistes, seinen heute von vielen als zeitgemäß angesehenen Fortgang nähme.

[ 25 ] By tracing the development of humanity throughout world history, we have seen how great transformations have taken place. Or was not one of the greatest transformations that has occurred in the course of human development the one through which Christianity emerged? Christianity, which first gave true meaning to the Earth’s development, emerged through a powerful transformation. It left many things behind. Not all people recognized the truths of Christianity; but on the whole, Christianity was the force that worked to transform the old cultural elements and, in essence, brought forth the entire European civilization along with its American offshoot. Later, events such as the French Revolution took place. While Christianity was a purely spiritual transformation and achieved its goal to the greatest extent, one can say of the French Revolution—which was a political one—that although it achieved some of its political goals, important and essential aspects remained unfulfilled among the goals that had been set. And now, in our own time, we are witnessing the longing of many people for a new transformation, for new revolutions. And we are already seeing these revolutions at work in many places. Humanity has had sad experiences. If it is only willing to be open-minded enough, it should recognize this even in proletarian circles. Humanity has had sad experiences with the extreme social revolutions in Eastern Europe and in Hungary, and the failure of these social revolutions should be a major lesson of world history. And an even greater lesson—if people are capable of learning anything at all from the events of world history—could be the sad fate of the German Revolution of November 9, 1918, a revolution that petered out. And when one properly surveys all that emerges from such facts—from the failed revolutions in Hungary and Eastern Europe, from the sadly fizzling-out German Revolution—then one sees: spiritual transformations, such as those brought about by Christianity, can take place in the course of human development; political revolutions, such as the French Revolution, only to a limited extent; economic revolutions, such as those currently being attempted, are doomed to failure; they can do nothing but destroy and cannot bring about anything new unless they are transformed into spiritual impulses of progress. One of the most important and essential cultural conditions of the present is this: that, drawing upon a correctly grasped impulse toward freedom, people come to realize that all the issues we face today must be viewed in the context of humanity’s entire spiritual development—along with a renewal of human spiritual life. And humanity must bring this clearly into its consciousness before the sad, terrible doctrine of necessity could take hold—a doctrine that would take hold if what is unfolding in Eastern Europe toward the downfall of human culture, what has unfolded in Hungary amid such sad symptoms, and what is petering out in Germany, if, as understood by those who have no concept of the true impulse of the spirit, it were to continue in the manner now regarded by many as appropriate to the times.

[ 26 ] Auch was wirtschaftlich getan wird, das wird richtig nur aus dem Menschengeiste heraus getan, und wir leben in einem Zeitalter, wo die alten Begriffe nicht mehr genügen, wo wir neue Begriffe finden müssen, die auch eine neue wirtschaftliche Kultur für die Gegenwart und für die Zukunft erst schaffen können. Richtig sagt Woodrow Wilson: Wir haben neue Wirtschaftszustände, die Menschen konnten sich nicht verschließen den neuen wirtschaftlichen Einrichtungen; aber wir denken mit den alten Rechtsbegriffen, mit den alten überkommenen Geistesideen über dieses Wirtschaftsleben. - Aber dann, dann sprießt aus demjenigen, was in seiner Seele wurzelt, nichts hervor, was nun das neue Wirtschaftsleben meistern könnte.

[ 26 ] Even what is done in the economic sphere can only be done correctly when it springs from the human spirit, and we live in an age where the old concepts are no longer sufficient, where we must find new concepts that can create a new economic culture for the present and for the future. Woodrow Wilson is right when he says: We face new economic conditions; people could not shut themselves off from the new economic institutions; yet we continue to think about this economic life using the old legal concepts and the old, outdated ideas of the spirit. — But then, nothing springs forth from what is rooted in the soul that could now master this new economic life.

[ 27 ] Dasjenige, was als anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft hier gesucht wird in dem, was hier mitgeteilt ist, das wird auf der einen Seite hinaufreichen zu den höchsten Höhen des menschlichen Geistes- und Seelenlebens, auf der anderen Seite aber auch stark genug sein, um hinunterzureichen dahin, wo erfaßt werden müssen die alltäglichsten Einrichtungen des Lebens. Wie ist es denn heute? Das Geistesleben hat allmählich einen ganz abstrakten Charakter angenommen. Denken Sie einmal nach, wie sich die religiöse, die ästhetische, die künstlerische, die Weltanschauungsüberzeugung sagen wir eines Kaufmannes oder eines Industriellen oder eines Staatsbeamten gestaltet. Das ist eine Sache für sich, die er in seiner Seele erlebt. Die reicht in das Kontobuch, oder in dasjenige, was er in seinem Büro tut, nicht hinein. Da werden auf dem Gebiete, wo er seine geistigen Ideen erzeugt, nicht zugleich die Ideen und Impulse geschaffen, die dann in seinem Kontobuch zum Ausdruck kommen. Darauf steht höchstens «Mit Gott»; aber das ist auch alles, wodurch die Tätigkeit, die da drinnen zum Ausdrucke kommt, zusammenhängt mit dem, was er als ein abstraktes Geist- und Seelenleben durch die Welt trägt. Daher aber ist es gekommen, daß, als auftraten in der neueren Zeit Menschen mit guter sozialer Meinung, wie Saint-Simon, Blanc, Fourier, gesagt wurde: Das sind gute moralische Ideen, aber mit guten Meinungen wandelt man die sozialen Zustände nicht um. Das kann man heute überall hören, wo vom sozialistischen Standpunkte aus gesprochen wird. Und man hat Recht. Mit solchen sozialen Ideen, wie sie Saint-Simon, Blanc, Fourier und so weiter hatten, mit denen wandelt man das soziale Leben nicht um, weil sie entsprungen sind aus dem Bewußtsein der Menschen heraus, daß, wenn man über das Geistige denkt und sinnt, dieses Geistige eine Sache für sich ist, das nicht zu gleicher Zeit die Welt erfassen soll. Abstrakt ist zuletzt alles Geistesleben geworden. Auf der einen Seite nimmt der Mensch den Aufschwung religiös oder künstlerisch oder weltanschauungsgemäß in geistige Höhen, wenn er ihn überhaupt nimmt. Auf der anderen Seite überläßt er sich, ich möchte sagen, dem Zufall des Lebens; in der Naturwissenschaft, indem er in Laboratorien, auf der Sternwarte und dergleichen arbeitet, und dasjenige, was er da herausbringt, sei es auf sozialem, sei es auf wissenschaftlichem Gebiete, keinen Zusammenhang mit dem abstrakten Geistesleben hat. Eine Einheit des geistigen und materiellen Lebens will ausgießen anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft über die gesamte menschliche Zivilisation. Und folgen soll aus demjenigen, was ausgebildet wird in dem Menschen dadurch, daß er den höheren Menschen in sich erblickt, zu dem Ewigen aufsteigt, die Möglichkeit, das Ewige, das jenseits von Geburt und Tod für den Menschen liegt, zu ergreifen, aber die Ideen zugleich so stark zu machen, daß sie ins alltägliche Leben eingreifen können. Denn nicht der meint es ernst und wahr mit dem Geiste, der vom Geist redet, sondern der meint es ernst und wahr mit dem Geiste, der den Geist verfolgt bis in sein letztes Hineinziehen in das materielle Dasein, für den gar nichts mehr von geistloser Materie auch in der praktischen Lebensauffassung übrig bleibt. Das ist dasjenige, was man bezeichnen könnte als Kulturbedingungen der Gegenwart und der Zukunft, daß solch geistig-seelisches Bewußtsein die Menschen hätten.

[ 27 ] What is sought here as an anthroposophically oriented Spiritual Science—as conveyed in this text—will, on the one hand, reach up to the highest heights of human mental and soul life, but on the other hand will also be strong enough to reach down to where the most everyday aspects of life must be grasped. How is it today? Spiritual life has gradually taken on a completely abstract character. Just think about how the religious, aesthetic, artistic, and worldview convictions of, say, a merchant, an industrialist, or a government official take shape. That is a matter in itself, experienced within his soul. It does not extend into his ledger, or into what he does in his office. In the realm where he generates his spiritual ideas, the ideas and impulses that are then expressed in his ledger are not created at the same time. At most, it might say “With God”; but that is all that connects the activity expressed there with what he carries through the world as an abstract spiritual and soul life. This is why, when people with sound social views—such as Saint-Simon, Blanc, and Fourier—emerged in more recent times, it was said: “These are good moral ideas, but one does not transform social conditions with good intentions.” One can hear this today wherever people speak from a socialist standpoint. And they are right. Social life cannot be transformed with the kind of social ideas held by Saint-Simon, Blanc, Fourier, and others, because these ideas sprang from people’s awareness that, when one thinks and reflects on the spiritual, this spiritual realm is a separate entity that is not meant to encompass the world at the same time. Ultimately, all intellectual life has become abstract. On the one hand, people soar to spiritual heights—whether religiously, artistically, or ideologically—if they soar at all. On the other hand, they surrender themselves, I might say, to the vagaries of life; in the natural sciences, by working in laboratories, observatories, and the like, and whatever he produces there—whether in the social or scientific realm—has no connection to abstract spiritual life. Anthroposophically oriented Spiritual Science seeks to infuse the entire human civilization with a unity of spiritual and material life. And what is developed within the human being—through the act of beholding the higher human being within oneself and ascending to the Eternal—should give rise to the possibility of grasping the Eternal, which lies beyond birth and death for the human being, while at the same time making these ideas so powerful that they can take hold in everyday life. For it is not the one who speaks of the spirit who is serious and sincere about the spirit, but rather the one who pursues the spirit right down to its final immersion in material existence—for whom nothing of spiritless matter remains, even in their practical outlook on life. This is what one might describe as the cultural conditions of the present and the future—that people possess such spiritual and soulful consciousness.

[ 28 ] Dann werden die Menschen, die von solchem Bewußtsein durchdrungen werden, sich auch soziale und politische Zustände schaffen, wie sie ersehnt werden von solchen Menschen, wie zum Beispiel Woodrow Wilson. Heute aber steht die Sache so, daß man eigentlich nur Kritik übt, daß produktive Ideen noch nicht da sind, weil man nicht zum Geiste hinabsteigen will, oder hinaufsteigen will. Heute sehen wir, wie von Amerika aus - wir haben das Beispiel von Woodrow Wilson selber angeführt, gewiß einer maßgebenden Persönlichkeit -, wie von Amerika aus kritisiert wird das soziale Leben der Gegenwart, und der Ruf nach Freiheit ertönt. Allein man will sich nicht entschließen, zum wirklichen Impuls der Freiheit sachgemäß aufzusteigen. Und erlebt haben wir es, wie in Europa wahrhaft schöne, geistreiche Ideen über Freiheit und soziale Zustände entstanden sind. Aber in der europäischen Zivilisation ist es uns eigen, daß wir nicht imstande sind, aus den Abstraktionen, aus den philosophischen Höhen herunterzuholen, was wir so schön erdenken und erfühlen und es einzuführen ins unmittelbare Leben. Und wir verstehen es noch nicht, wenn gesprochen wird von einem solchen Einführen wirklicher, nicht bloß erdachter Ideen in das politische Leben. Und wenn wir nach Asien hinüberblicken, haben wir es mit einer anderen Zivilisation zu tun, die eine ebenso treffende Kritik an dem sozialen und Freiheitsleben der Gegenwart übt, wie Amerika und Europa. Man braucht nur die wunderschönen Auseinandersetzungen des Rabindranath Tagore zu lesen und man wird finden, wie derjenige, der an der Spitze der asiatischen Kultur steht, in der Kritik es auch so weit bringt. Er bringt es in dem Produktiven nicht so weit, weil er nicht in der Lage ist, sich zu sagen: Nach Neuem muß gestrebt werden, wenn wiederum vom Geistesleben die Rede sein soll. Er will ein altes Geistesleben bleiben lassen, allein wirksam sein lassen.

[ 28 ] Then the people who are imbued with such consciousness will also create the social and political conditions desired by people such as Woodrow Wilson. Today, however, the situation is such that people are really only offering criticism; productive ideas are not yet forthcoming because they do not want to descend into the spirit—or ascend to it. Today we see how, from America—we have cited the example of Woodrow Wilson himself, certainly a leading figure—how, from America, contemporary social life is being criticized, and the call for freedom is being heard. Yet people are unwilling to make the decision to rise appropriately to the true impulse of freedom. And we have witnessed how truly beautiful, spirited ideas about freedom and social conditions have emerged in Europe. But it is characteristic of European civilization that we are unable to bring down from the realm of abstractions, from the philosophical heights, what we so beautifully conceive and feel, and to introduce it into everyday life. And we still do not understand when there is talk of such an introduction of real—not merely imagined—ideas into political life. And when we look toward Asia, we are dealing with a different civilization that offers a critique of contemporary social and political life just as incisive as that of America and Europe. One need only read the wonderful essays of Rabindranath Tagore to see how the leading figure of Asian culture takes his critique just as far. He does not go as far in the realm of productive activity, however, because he is unable to tell himself: We must strive for something new if we are to speak of intellectual life once again. He wants to preserve an old intellectual life and allow it to remain the sole force at work.

[ 29 ] Nun, wir haben es ja leider in Europa erlebt, daß die Menschen schließlich so sehr verloren haben den unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem, wonach sie im Geiste streben, und dem, was ihnen der Alltag bringt, daß wir jetzt zahlreiche Gesellschaften damit beschäftigt sehen, Europa zu gestalten nach rein äußerlichen wirtschaftlichen Gesichtspunkten und ihr Seelenbedürfnis, da einem die christliche Religion in Europa nicht mehr genügt, aus Asien her durch allerlei Theorien und so weiter zu befriedigen suchen. Solche Beziehungen sind nicht geeignet, einen Neuaufbau des Geisteslebens herbeizuführen; die sind die letzten dekadenten Schatten eines Alten.

[ 29 ] Well, unfortunately we have seen in Europe that people have ultimately lost the direct connection between what they strive for in spirit and what everyday life brings them to such an extent that we now see numerous societies engaged in shaping Europe according to purely external economic considerations and seeking to satisfy their spiritual needs—since the Christian religion is no longer sufficient for them in Europe—by drawing on all sorts of theories and the like from Asia. Such connections are not suited to bringing about a renewal of spiritual life; they are the final, decadent shadows of the past.

[ 30 ] Mit alle dem rechnet dasjenige, was hier gemeint ist als anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Sie ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was man von ihr sagt. Und der Dornacher Bau, dem man so oftmals zuschreibt, daß er symbolisch sei, der hat kein einziges Symbol, sondern er soll nur gebaut sein, ich möchte sagen, rein naturgemäß so, daß in Aussicht genommen ist, das und das wird einmal darinnen getrieben, wie man etwa die Nuß erkennen lernt in ihrer Schale, und wenn man die Schale anschaut, die um die Nuß herum ist, so findet man, daß sie naturgemäß so gestaltet ist, daß sie der Nuß angemessen ist. So wollten wir für ein neues Geistesleben eine neue Schale auch architektonisch, künstlerisch, malerisch schaffen. Naturgemäß wurde der Bau aufgeführt nicht aus abstrakten Ideen heraus, nicht aus einer vertrackten ästhetischen Anschauung heraus. Oftmals habe ich einen recht trivialen Vergleich gebraucht, um nur einigermaßen zu sagen, was ich eigentlich meine mit diesem Dornacher Bau. Ich glaube, viele von Ihnen wissen, daß in Deutschland, in Österreich oder auch hier gewisse Kuchen Gugelhupf genannt werden, und dann nennt man die Form, in der der Gugelhupf gebacken wird, Gugelhupftopf. Nun sagte ich, man stelle sich vor dasjenige, was in diesem Bau getrieben werden soll, als Gugelhupf, als Kuchen, dann muß, wenn der Kuchen richtig sein soll, der Gugelhupftopf der richtige sein. So muß das Geistesleben, das da getrieben werden soll, die richtige Umhüllung haben, wie die Nuß in der Nußschale die richtige Umhüllung har. Bis auf dieses Grundprinzip des Baues wird alles im Grunde genommen heute in weiten Kreisen noch mißverstanden.

[ 30 ] All of this is taken into account by what is meant here as anthroposophically oriented Spiritual Science. It is pretty much the opposite of what people say about it. And the Dornach building, which is so often described as symbolic, does not contain a single symbol; rather, it is simply meant to be built, I would say, in a purely natural way—so that it is envisioned that this and that will one day take place within it, just as one learns to recognize a nut in its shell; and when one looks at the shell surrounding the nut, one finds that it is naturally shaped in such a way that it is appropriate for the nut. So we wanted to create a new shell—architecturally, artistically, and pictorially—for a new spiritual life. The building was constructed in a natural way, not based on abstract ideas, nor on a convoluted aesthetic conception. I have often used a rather trivial comparison just to convey, to some extent, what I actually mean by this building in Dornach. I believe many of you know that in Germany, Austria, and even here, certain cakes are called “Gugelhupf,” and the mold in which the Gugelhupf is baked is called a “Gugelhupftopf.” Now, I said, imagine what is to be cultivated in this building as a Gugelhupf, as a cake; then, if the cake is to be right, the Gugelhupftopf must be the right one. In the same way, the spiritual life that is to be cultivated there must have the right outer shell, just as the nut has the right shell. Apart from this fundamental principle of the building, everything is, in essence, still widely misunderstood today.

[ 31 ] Nun, ich wollte heute, wie in anderen zahlreichen Vorträgen, die ich hier an demselben Orte schon gehalten habe, wiederum einmal darauf hinweisen, wie sich die Sachen, die in dem Dornacher Bau und dem, was in ihm getrieben werden soll, wirklich zu der zivilisierten Entwickelung der Menschheit verhalten, im Gegensatze zu den zahlreichen Mißverständnissen, die sich ergeben, die sich sehr naturgemäß ergeben müssen. Man sieht vielleicht aus den paar Andeutungen, die ich habe geben können, die aber innig zusammenhängen mit den wichtigsten menschlichen Sehnsüchten nach Erneuerung der Kultur in der Gegenwart und für die Zukunft dasjenige, was gerade mit diesem Bau und seiner Sache gemeint und gewollt ist. Wenn von Amerika herüber ertönt der Ruf, wie ich es bei Woodrow Wilson charakterisiert habe, der Ruf nach Freiheit: es soll gefunden werden diejenige Menschlichkeit, das menschenwürdige Dasein aus einer Fassung des Geistigen und des Seelischen heraus, das diesem Ruf entgegenkommen kann als seine Verwirklichung, als die richtige Antwort auf die Frage, die gestellt wird. Die umgehen manche Menschen heute noch leicht. Aus dunklen, unbestimmten Gefühlen heraus erhebt man Zeitforderungen. Aus einer klaren Geist-Erkenntnis heraus müssen die Antworten gegeben werden. Ich muß denken, wie recht in einer gewissen Beziehung Woodrow Wilson hat, wenn er hinweist darauf, wie nicht in geheimen Konsortien entschieden werden soll über dasjenige, was die Angelegenheiten des Volkes, der Menschheit sind. Woodrow Wilson will, daß entschieden werde in jedem einzelnen Familienhause, sei es auf dem Lande, sei es in der Stadt, aber daß insbesondere zusammengekommen werden solle in dem Schulhaus. Das ist eine schöne Idee, daß die Pflegestätte des Geistes die Ursprungsstätte sein soll für das Ausbilden der Zeitideen. Und ein schöner Ausspruch Woodrow Wilsons ist es, wo er sagt: Unser Ziel ist die Wirklichkeit der Freiheit. Wir wollen darauf hinarbeiten, private Kapitalanhäufung gesetzlich zu verhindern, und das System, durch das die private Kapitalanhäufung geschaffen wurde, gesetzlich unmöglich zu machen. Und ein weiterer sehr schöner Ausspruch ist: Drinnen im Lande, auf den Bauernhöfen, in den Läden, in den Dörfern, in den Wohnungen der Großstadt, in den Schulhäusern, überall, wo Menschen zusammentreffen und gegenseitig wahr sind, dort ist es, wo die Bäche und Flüsse ihrem Urquell entspringen, um erst die mächtige Kraft jenes Stromes zu bilden, der alle menschlichen Unternehmungen auf seinem Zuge zu dem großen gemeinsamen Meere der Menschheit trägt und treibt. - Eine schöne Idee, die Menschen so zusammenzurufen, daß aus allen einzelnen Quellen heraus der Strom sich bilden kann zu der Befreiung der Menschheit, und eine schöne Idee, gerade aus den Pflegestätten des Geistes, aus den Schulhäusern, die Ziele setzen zu lassen, welche die Menschheit weitertragen sollen.

[ 31 ] Well, today, as in numerous other lectures I have already given here in this very place, I would like once again to point out how the matters concerning the Dornach building and what is to be carried out within it truly relate to the civilized development of humanity—in contrast to the numerous misunderstandings that arise, which, quite naturally, are bound to arise. Perhaps from the few hints I have been able to offer—which, however, are intimately connected with the most important human longings for the renewal of culture in the present and for the future—one can see what is precisely meant and intended by this building and its purpose. When the call for freedom resounds from America—as I characterized it in reference to Woodrow Wilson—it is a call to find that humanity, that dignified existence rooted in a conception of the spiritual and the soul, which can respond to this call as its realization, as the correct answer to the question that is being posed. Some people still tend to sidestep these issues today. Demands of the times are raised out of dark, vague feelings. The answers must be given out of a clear spiritual insight. I cannot help but think how right Woodrow Wilson is, in a certain sense, when he points out that decisions regarding the affairs of the people and of humanity should not be made in secret consortia. Woodrow Wilson wants decisions to be made in every single household, whether in the countryside or in the city, but he believes that people should come together especially in the schoolhouse. It is a beautiful idea that the nurturing place of the spirit should be the source for the development of ideas about time. And it is a beautiful statement by Woodrow Wilson when he says: “Our goal is the reality of freedom.” We want to work toward legally preventing the accumulation of private capital and making the system through which the accumulation of private capital was created legally impossible. And here is another very beautiful saying: “In the countryside, on the farms, in the shops, in the villages, in the apartments of the big city, in the schoolhouses—everywhere where people come together and are true to one another— that is where the streams and rivers spring from their source to form the mighty force of that current which carries and propels all human endeavors on its journey toward the great common sea of humanity. - It is a beautiful idea to bring people together in such a way that, from all these individual sources, the current can form to bring about the liberation of humanity, and it is a beautiful idea to have goals set—precisely from the nurturing grounds of the spirit, from the schoolhouses—that are meant to carry humanity forward.

[ 32 ] Aber wenn Sie das nehmen, was ich versuchte heute auszuführen, dann wird vielleicht dieser Ruf nach den Schulhäusern, wie ihn Woodrow Wilson erhebt, dennoch anders ausfallen müssen. Denn ich glaube, erst dann, wenn in diesen Schulhäusern gepflegt wird ein Kulturleben, das durchdrungen ist von einer wirklichkeitsgemäßen Erfassung, von menschenwürdiger Erfassung des freien Menschengeistes und der Menschenseele, erst dann wird aus dem Schulhaus herauskommen der rechte Menschenfreiheitsstrom. Solange wir in die menschliche Seele nicht hineinpflanzen können das richtige Verständnis der Freiheit, mögen wir sie in den Schulhäusern versammeln, sie werden auch dort kaum wirklichkeitsgemäße Ziele finden. Erst dann werden diese gefunden werden, wenn wir den Mut haben, eine geistgemäße, wirklichkeitsgemäße Weltanschauung, Kunstanschauung, religiöses Bekenntnis in die Schulen hineinzutragen. Denn wichtiger als das, was die Gegenwartsmenschen im allgemeinen aus den Schulen heraus beschließen, wird dasjenige für die Menschenzukunft sein, was herauskommen wird aus den Schulen, wenn wir den richtigen Geist in diese Schulen hineintragen.

[ 32 ] But if you take what I was trying to explain today, then perhaps this call for schools, as articulated by Woodrow Wilson, will have to take a different form after all. For I believe that only when a cultural life is cultivated in these schools—one imbued with a realistic understanding, a humane understanding of the free human spirit and the human soul—only then will the true current of human freedom flow from the school. As long as we cannot instill in the human soul the true understanding of freedom—no matter how we gather students in the schoolhouses—they will scarcely find goals grounded in reality even there. Such goals will be found only when we have the courage to bring into the schools a worldview, an aesthetic vision, and a religious commitment that are in harmony with the spirit and grounded in reality. For what will emerge from the schools—if we instill the right spirit within them—will be more important for the future of humanity than what people today generally take away from schools.