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The Future of Society
GA 332a

25 October 1919, Zurich

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The Future of Society, tr. SOL
  1. The Social Future, tr. Collison
  2. Soziale Zukunft

2. Das Wirtschaften auf assoziativer Grundlage Die Umwandlung des Marktes Preisgestaltung – Geld- und Steuerwesen – Kredit

2. The Economy on an Associative Basis: The Transformation of the Market – Pricing – Monetary and Tax Systems – Credit

[ 1 ] Aus den Anschauungen, die erwachsen sind gegenüber den Tatsachen der sozialen Entwickelung der neueren Zeit, wie ich sie gestern versuchte auseinanderzusetzen, ist entstanden, was Sie verzeichnet finden in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage», ist entstanden die Idee von der Dreigliederung der sozialen Organisation. Diese Idee von der Dreigliederung des sozialen Organismus will eine durchaus praktische Lebensidee sein und nicht irgend etwas Utopistisches in sich enthalten. Daher war die Voraussetzung für die Abfassung meines Buches die, daß es hingenommen werde mit einem gewissen Instinkt für die wirklichen Tatsachen, daß es nicht beurteilt werde aus vorgefaßten Theorien, vorgefaßten Parteimeinungen heraus. Allerdings, wenn das richtig ist - und es ist zweifellos richtig, was ich gestern anführte —, daß allmählich die sozialen Tatsachen in den Lebensverhältnissen der Menschen so kompliziert geworden sind, daß sie sich außerordentlich schwer nur übersehen lassen, wird eine besondere Methode notwendig sein bei der Besprechung dessen, was heute zum Wollen führen soll.

[ 1 ] From the perspectives that have emerged in response to the facts of modern social development—as I attempted to explain yesterday—has arisen what you will find outlined in my book The Key Points of the Social Question: the idea of the threefold social order. This idea of the threefold social order is intended to be a thoroughly practical concept for life and contains nothing utopian. Therefore, the prerequisite for writing my book was that it be received with a certain instinct for the real facts, and that it not be judged on the basis of preconceived theories or preconceived party opinions. However, if it is true—and what I stated yesterday is undoubtedly true—that social realities in people’s living conditions have gradually become so complicated that it is extremely difficult to grasp them as a whole, then a special method will be necessary when discussing what should guide our will today.

[ 2 ] Es ist ja gegenüber dieser Kompliziertheit der Tatsachen nur zu selbstverständlich, daß der Mensch zunächst für dasjenige ein gewisses Verständnis hat, namentlich an wirtschaftlichen Erscheinungen, was in seinen Lebenskreisen liegt. Allein alles, was in ihnen liegt, ist abhängig von der ganzen übrigen Wirtschaft, und heute nicht nur von der Wirtschaft eines Landes, sondern von der ganzen Weltwirtschaft. Da wird der einzelne gar oft in die selbstverständliche und begreifliche Lage kommen, die Notwendigkeiten für die Weltwirtschaft nach den Erfahrungen seines allernächsten Lebenskreises beurteilen zu wollen. Er wird natürlich dabei fehlgehen. Wer bekannt ist mit den Anforderungen eines wirklichkeitsgemäßen Denkens, der weiß auch, welche Bedeutung es hat, mit einem gewissen Wirklichkeitsinstinkt an die Erscheinungen der Welt heranzugehen, um dadurch zu gewissen grundlegenden Erkenntnissen zu kommen, die dann im Leben eine ähnliche Rolle spielen können wie in gewissen Schulerkenntnissen grundlegende Wahrheiten.

[ 2 ] Given the complexity of the facts, it is only natural that people initially have a certain understanding—particularly of economic phenomena—only of those things that fall within their own sphere of life. Yet everything within those spheres depends on the rest of the economy—and today, not only on the economy of a single country, but on the global economy as a whole. Consequently, the individual will very often find himself in the natural and understandable position of wanting to judge the necessities of the global economy based on his experiences within his immediate sphere of life. Naturally, he will err in doing so. Anyone familiar with the requirements of realistic thinking also knows how important it is to approach the phenomena of the world with a certain instinct for reality, in order thereby to arrive at certain fundamental insights that can then play a role in life similar to that of fundamental truths in certain academic disciplines.

[ 3 ] Sehen Sie, wenn man darauf ausgehen wollte, das ganze Wirtschaftsleben mit allen seinen Einzelheiten zu erkennen und daraus erst Schlüsse zu ziehen für ein soziales Wollen, man würde ja nie fertig. Man würde aber ebensowenig fertig, wenn man alle die Einzelheiten, in denen, sagen wir, der pythagoräische Lehrsatz Anwendung findet im technischen Leben, erst durchnehmen müßte, um die Wahrheit des pythagoräischen Lehrsatzes zu erkennen. Man eignet sich die Wahrheit des pythagoräischen Lehrsatzes aus gewissen inneren Zusammenhängen an und weiß dann: überall, wo seine Anwendung in Frage kommt, muß er gelten. Man ringt sich auch im sozialen Erkennen dazu durch, daß gewisse Fundamentalerkenntnisse durch ihre innere Natur sich dem Bewußtsein als wahr ergeben können. Und wenn man dann nur Wirklichkeitssinn hat, dann wird man finden, daß sie überall, wo sie in Frage kommen, auch anwendbar sind. So möchte das Buch «Die Kernpunkte der sozialen Frage» verstanden werden aus seiner inneren Natur heraus, aus der inneren Natur der angeführten sozialen Verhältnisse heraus, und so möchte zunächst auch die Gesamtidee von der Dreigliederung des sozialen Organismus aufgefaßt werden. Aber ich werde in diesen Vorträgen durchaus versuchen, zu zeigen, wie einzelne Erscheinungen des sozialen Lebens Bekräftigungen liefern für das, was aus dieser Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus, die sich aus den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und der nächsten Zukunft der Menschheit ergibt, folgt.

[ 3 ] You see, if one were to set out to understand the entire economic system in all its details and only then draw conclusions from it for social policy, one would never finish. But one would be just as far from finishing if one first had to go through all the details in which, say, the Pythagorean theorem finds application in technical life in order to recognize the truth of the Pythagorean theorem. One grasps the truth of the Pythagorean theorem through certain inner connections and then knows: wherever its application is at issue, it must hold true. In social understanding, too, one comes to realize that certain fundamental insights, by their very nature, can reveal themselves to consciousness as true. And if one then possesses a sense of reality, one will find that wherever they are relevant, they are also applicable. Thus, the book The Core Points of the Social Question should be understood from its inner nature, from the inner nature of the social conditions described therein, and in the same way, the overall idea of the threefold structure of the social organism should initially be grasped. But in these lectures I will certainly attempt to show how individual phenomena of social life provide confirmation for what follows from this idea of the threefold social order, which arises from the vital necessities of the present and the near future of humanity.

[ 4 ] Vorerst aber werde ich genötigt sein, einleitungsweise, bevor ich zu meinem eigentlichen heutigen Thema übergehe, einfach referierend vor Sie hinzustellen, was die Grundidee von dieser Dreigliederung des sozialen Organismus ist. Wir haben gestern das Ergebnis fassen können, daß unser soziales Leben aus drei Grundwurzeln heraus seine Forderungen stellen muß, mit anderen Worten, daß die soziale Frage eine Geistesfrage, eine Staats- oder Rechtsfrage, eine politische Frage, und eine Wirtschaftsfrage sei. Wer das Leben der neueren Entwickelung der Menschheit durchforscht, der wird finden, daß diese drei Lebenselemente — Geistesleben, Rechts- und Staats- oder politisches Leben und Wirtschaftsleben - chaotisch allmählich bis in unsere Gegenwart herein in eine Gesamtheit, in eine Einheit zusammengeflossen sind, und daß aus diesem Zusammenfließen heraus unsere gegenwärtigen sozialen Schäden entstanden sind.

[ 4 ] For now, however, before I move on to my actual topic for today, I will be compelled to begin by simply outlining for you the basic idea behind this threefold structure of the social organism. Yesterday we were able to conclude that our social life must derive its demands from three fundamental roots; in other words, that the social question is a spiritual question, a question of the state or law, a political question, and an economic question. Anyone who examines the course of humanity’s recent development will find that these three elements of life—spiritual life, legal and political life, and economic life—have gradually and chaotically merged into a whole, into a unity, right up to the present day, and that our current social ills have arisen from this merging.

[ 5 ] Erkennt man dieses durchgreifend - und diese Vorträge sollen die Grundlage dafür abgeben, daß man das durchgreifend erkennen könne —, so wird man finden, daß die Zukunft sich so entwickeln müsse, daß das Leben, das öffentliche Leben, der soziale Organismus gegliedert werde in eine selbständige Geistesverwaltung namentlich des öffentlichen Geisteslebens in Erziehung und Unterrichtswesen, in eine selbständige Verwaltung der politischen, der Staats-, der Rechtsverhältnisse, und in eine völlig selbständige Verwaltung des Wirtschaftslebens.

[ 5 ] If one recognizes this thoroughly—and these lectures are intended to lay the foundation for such a thorough understanding— one will find that the future must unfold in such a way that life—public life, the social organism—is structured into an independent administration of intellectual affairs, specifically of public intellectual life in education and the school system; into an independent administration of political, governmental, and legal affairs; and into a completely independent administration of economic life.

[ 6 ] Gegenwärtig umfaßt eine einzige Verwaltung in unseren Staaten diese drei Elemente des Lebens, und wenn man von einer Dreigliederung spricht, wird man heute sogleich mißverstanden. Man wird so verstanden, daß gesagt wird: Nun ja, da will irgend jemand eine selbständige Verwaltung für das Geistesleben, eine selbständige Verwaltung für das Rechts- oder Staats- oder politische Leben, eine selbständige Verwaltung für das Wirtschaftsleben; also fordert er drei Parlamente, ein Kulturparlament, ein demokratisch-politisches Parlament und ein Wirtschaftsparlament. - Wenn man dies fordern würde, so würde man von der Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus eben gar nichts verstehen, denn diese Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus will eben einfach vollständig ernst nehmen die Forderungen, die sich geschichtlich im Laufe der neueren Entwickelung der Menschheit ergeben haben. Und diese drei Forderungen kann man aussprechen mit den drei Worten, die allerdings schon zu Schlagworten geworden sind; geht man aber aus den Schlagworten heraus, um die Wirklichkeit zu treffen, so findet man, daß berechtigte geschichtliche Impulse in diesen drei Worten enthalten sind. Diese drei Worte sind der Impuls nach der Freiheit des menschlichen Lebens, der Impuls nach Demokratie, und der Impuls nach einer sozialen Gestaltung des Gemeinschaftswesens. Aber wenn man diese drei Forderungen ernst nimmt, so kann man sie nicht zusammenknäueln in eine einzige Verwaltung, denn das eine muß dann immer das andere stören. Wer zum Beispiel den Ruf nach Demokratie ernst nimmt, der muß sich sagen: Diese Demokratie kann sich nur ausleben in einer Volksvertretung oder durch ein Referendum, wenn jeder einzelne mündig gewordene Mensch, indem er gleichgestellt ist jedem anderen mündig gewordenen Menschen gegenüber, entscheiden kann durch sein Urteil, was eben auf demokratischem Boden durch die Urteilsfähigkeit eines jeden mündig gewordenen Menschen entschieden werden kann.

[ 6 ] At present, a single administrative body in our countries encompasses these three elements of life, and when one speaks of a threefold social order, one is immediately misunderstood today. People interpret it to mean: Well, someone wants an independent administration for spiritual life, an independent administration for legal, state, or political life, and an independent administration for economic life; so they are calling for three parliaments—a cultural parliament, a democratic-political parliament, and an economic parliament. - If one were to demand this, one would understand absolutely nothing of the idea of the threefold social order, for this idea of the threefold social order simply seeks to take completely seriously the demands that have arisen historically in the course of humanity’s recent development. And these three demands can be expressed with the three words that have, admittedly, already become catchphrases; but if one moves beyond the catchphrases to grasp reality, one finds that legitimate historical impulses are contained within these three words. These three words are the impulse toward freedom in human life, the impulse toward democracy, and the impulse toward a social organization of community life. But if one takes these three demands seriously, one cannot lump them together into a single system of governance, for one will inevitably interfere with the other. For example, anyone who takes the call for democracy seriously must acknowledge: This democracy can only be realized through a representative assembly or a referendum if every single person who has attained legal capacity—being equal to every other person who has attained legal capacity—can decide, through their own judgment, what can indeed be decided on democratic grounds by the judgment of every person who has attained legal capacity.

[ 7 ] Nun gibt es - so sagt die Idee von der Dreigliederung des sozialen Organismus — ein ganzes Lebensgebiet, das ist eben das Gebiet des Rechtslebens, das Gebiet des Staatslebens, das Gebiet der politischen Verhältnisse, in dem jeder mündig gewordene Mensch berufen ist, aus seinem demokratischen Bewußtsein heraus mitzureden. Aber nimmermehr kann dann, wenn so mit der Demokratie ernst gemacht und das Staatsleben ganz demokratisiert werden soll, das geistige Gebiet auf der einen Seite einbezogen werden in diese Demokratie, und nimmermehr kann der Kreislauf des Wirtschaftslebens einbezogen werden in diese demokratische Verwaltung.

[ 7 ] Now, according to the idea of the threefold social order, there is an entire sphere of life—namely, the sphere of legal life, the sphere of state life, and the sphere of political relations—in which every person who has come of age is called upon to have a say based on their democratic consciousness. But if democracy is to be taken seriously and public life is to be fully democratized, the spiritual sphere, on the one hand, can never be incorporated into this democracy, nor can the cycle of economic life be incorporated into this democratic administration.

[ 8 ] In dieser demokratischen Verwaltung ist ein Parlament durchaus am Platze. Aber in einem solchen demokratischen Parlament kann niemals entschieden werden über das, was sich auf dem Boden des Geisteslebens, auch auf dem Boden des Erziehungs- und Unterrichtswesens, zu vollziehen habe. Was ich im vierten Vortrage viel genauer auszuführen haben werde, will ich heute einleitungsweise andeuten: die Dreigliederung des sozialen Organismus erstrebt ein selbständiges Geistesleben insbesondere in den öffentlichen Angelegenheiten, im Erziehungs- und Unterrichtswesen. Das heißt, es soll künftig nicht durch irgendwelche Staatsverordnungen bestimmt werden, was und wie zu lehren sei, sondern diejenigen, die wirklich drinnenstehen im praktischen Lehren, im praktischen Erziehen, die sollen auch die Verwalter des Erziehungswesens selber sein. Das heißt, von der untersten Volksschulstufe bis hinauf zu der höchsten Unterrichtsstufe soll dieLehrperson unabhängig sein von irgendeiner anderen, staatlichen oder wirtschaftlichen Macht in bezug auf dasjenige, was und wie sie zu unterrichten habe. Das soll aus dem folgen, was als angemessen empfunden wird für das Geistesleben innerhalb der selbständigen Geistkörperschaft selbst. Und nur so viel Zeit soll der einzelne für den Unterricht zu verwenden brauchen, daß ihm die Zeit noch übrigbleibt, um Mitverwalter zu sein des gesamten Unterrichts- und Erziehungswesens, aber auch des gesamten geistigen Lebens.

[ 8 ] In this democratic form of government, a parliament certainly has its place. But such a democratic parliament can never decide on matters pertaining to spiritual life, including those related to education and schooling. I would like to briefly touch upon today, by way of introduction, what I will discuss in much greater detail in the fourth lecture: the threefold social order strives for an independent spiritual life, particularly in public affairs and in the fields of education and schooling. This means that in the future, it should not be determined by any government regulations what and how to teach; rather, those who are truly immersed in the practical work of teaching and education should themselves be the administrators of the educational system. This means that from the lowest level of elementary school all the way up to the highest level of education, the teacher should be independent of any other power—whether governmental or economic—with regard to what and how they are to teach. This should follow from what is deemed appropriate for the spiritual life within the independent spiritual community itself. And the individual should need to devote only as much time to teaching as is necessary to leave him or her with enough time to serve as a co-administrator of the entire educational system, as well as of the entire intellectual life.

[ 9 ] Ich werde im vierten Vortrage zu beweisen versuchen, wie durch diese Selbständigkeit des Geisteslebens die geistige Verfassung der Menschen überhaupt auf einen ganz anderen Boden gestellt und wie gerade dasjenige eintreten wird, wovon man nach dem heutigen Vorurteil am wenigsten glauben kann, daß es kommen werde: Durch diese Selbständigkeit wird das Geistesleben die Kraft bekommen, wirklich von sich aus fruchtbar einzugreifen in das Staats- und namentlich in das Wirtschaftsleben. Und innerlich wird gerade ein selbständiges Geistesleben nicht graue Theorie, nicht weltfremde wissenschaftliche Anschauungen liefern, sondern zu gleicher Zeit eindringen in das menschliche Leben, so daß sich der Mensch von einem solchen selbständigen Geistesleben aus durchdringen wird nicht mit bloß abstrakten Geistesanschauungen, sondern mit Erkenntnissen, durch die er im wirtschaftlichen Leben seinen Mann stellen kann. Gerade durch die Selbständigkeit wird das Geistesleben zugleich praktisch werden. So daß man sagen kann: Im Geistesleben wird zu herrschen haben Sachkenntnis und Anwendung der Sachkenntnis. Nicht wird zu herrschen haben, was aus dem Urteil eines jeden urteilsfähigen, mündig gewordenen Menschen kommen kann. Es muß also aus dem Parlamentarismus herausgenommen werden die Verwaltung des Geisteslebens. Wer glaubt, daß da ein demokratisches Parlament herrschen soll, der mißversteht gründlich gerade den Antrieb zur Dreigliederung des sozialen Organismus.

[ 9 ] In the fourth lecture, I will attempt to demonstrate how this independence of spiritual life will place people’s spiritual disposition on an entirely different foundation, and how precisely that which, according to today’s prejudices, one would least expect to happen will come to pass: Through this independence, spiritual life will gain the power to intervene fruitfully—truly of its own accord—in political life and, in particular, in economic life. And inwardly, an independent spiritual life will not provide mere abstract theory or unworldly scientific views, but will at the same time penetrate human life, so that, drawing from such an independent spiritual life, people will be imbued not with merely abstract spiritual views, but with insights through which they can hold their own in economic life. It is precisely through this independence that spiritual life will simultaneously become practical. So that one can say: In spiritual life, expertise and the application of that expertise must prevail. What may arise from the judgment of every discerning, mature individual must not prevail. The administration of spiritual life must therefore be removed from the parliamentary system. Anyone who believes that a democratic parliament should rule here thoroughly misunderstands the very impulse behind the threefold social order.

[ 10 ] Ähnlich ist es im Wirtschaftsleben. Aber das Wirtschaftsleben hat seine selbständigen Wurzeln. Es muß verwaltet werden aus seinen eigenen Bedingungen heraus. Es kann wiederum nicht über die Art und Weise, wie gewirtschaftet werden soll, demokratisch geurteilt werden von jedem mündig gewordenen Menschen, sondern nur von dem, der drinnensteht in irgendeinem Wirtschaftszweige, der tüchtig geworden ist für einen Wirtschaftszweig, der die Verkettungen kennt, wie dieser Wirtschaftszweig mit anderen Wirtschaftszweigen zusammenhängt. Fachkundigkeit und Fachtüchtigkeit, das sind die Bedingungen, durch die im Wirtschaftsleben allein etwas Fruchtbringendes zustande kommen kann. Dieses Wirtschaftsleben wird also losgegliedert werden müssen auf der einen Seite von dem Rechtsstaate, auf der anderen Seite vom Geistesleben. Es wird auf seine eigene Basis gestellt werden müssen.

[ 10 ] The situation is similar in economic life. But economic life has its own independent roots. It must be managed based on its own conditions. Nor can the manner in which the economy should be managed be judged democratically by every person who has come of age, but only by those who are actively involved in a particular branch of the economy, who have become competent in that branch, and who understand the interconnections between that branch and others. Expertise and professional competence—these are the conditions through which something fruitful can come about in economic life alone. This economic life will therefore have to be separated, on the one hand, from the constitutional state and, on the other hand, from intellectual life. It will have to be placed on its own foundation.

[ 11 ] Das wird auch von sozialistisch Denkenden heute am allermeisten verkannt. Diese sozialistisch Denkenden stellen sich irgendeine Gestalt vor, welche das Wirtschaftsleben annehmen soll, damit gewisse Schäden sozialer Natur in der Zukunft der Menschheit verschwinden. Man hat gesehen, und es ist ja leicht zu sehen, daß durch die privatkapitalistische Wirtschaftsordnung der letzten Jahrhunderte gewisse Schäden entstanden sind. Diese Schäden sind offenbar. Wie urteilt man? Man sagt sich: Die privatkapitalistische Wirtschaftsordnung ist heraufgekommen; sie hat die Schäden gebracht. Die Schäden werden verschwinden, wenn wir die privatkapitalistische Wirtschaftsordnung abschaffen, wenn wir an die Stelle der privatkapitalistischen Wirtschaftsordnung die Gemeinwirtschaft treten lassen. Was als Schäden heraufgezogen ist, ist dadurch gekommen, daß einzelne Besitzer persönlich die Produktionsmittel zum Eigentum haben. Wenn nun nicht mehr einzelne Besitzer die Produktionsmittel zu ihrem Eigentum haben werden, sondern die Gemeinschaft die Produktionsmittel verwalten wird, dann werden die Schäden verschwinden.

[ 11 ] This is also what socialist thinkers today fail to recognize most of all. These socialist thinkers imagine some form that economic life should take so that certain social ills will disappear in the future of humanity. It has been observed—and indeed it is easy to see—that the private-capitalist economic system of the past centuries has caused certain ills. These ills are evident. How should one judge this? One might say: The private-capitalist economic system has arisen; it has brought about these ills. These ills will disappear if we abolish the private capitalist economic system and replace it with the communal economy. What has arisen as ills has come about because individual owners personally own the means of production. If, then, individual owners no longer own the means of production, but the community manages them, these ills will disappear.

[ 12 ] Nun kann man sagen: Einzelerkenntnisse haben sich auch schon sozialistisch Denkende heute errungen, und es ist interessant, wie diese Einzelerkenntnisse durchaus schon in sozialistischen Kreisen wirksam sind. Man sagt heute schon: Ja, gemeinschaftlich verwaltet werden sollen die Produktionsmittel oder das Kapital, welches ja der Repräsentant der Produktionsmittel ist. Aber man hat gesehen, wozu geführt hat zum Beispiel die Verstaatlichung gewisser Produktionsmittel, die Verstaatlichung der Post und der Eisenbahnen und so weiter, und man kann durchaus nicht sagen, daß die Schäden dadurch beseitigt seien, daß der Staat nun zum Kapitalisten geworden ist. Also man kann nicht verstaatlichen. Man kann auch nicht kommunalisieren. Man kann auch nicht etwas Fruchtbringendes dadurch erreichen, daß man Konsumgenossenschaften gründet, in denen sich die Leute zusammentun, die für irgendwelche Artikel Konsum nötig haben. Diejenigen Leute, die diesen Konsum regeln und auch danach regeln wollen die Produktion der zu konsumierenden Güter, die werden, auch nach der Ansicht von sozialistisch Denkenden, als Konsumierende zu Tyrannen der Produktion. Und so ist die Erkenntnis schon durchgedrungen, daß sowohl die Verstaatlichung wie die Kommunalisierung, wie auch die Verwaltung durch Konsumgenossenschaften zur Tyrannis wird der Konsumierenden. Die Produzierenden würden ganz in tyrannische Abhängigkeit kommen von den Konsumierenden. So denken dann manche, daß gegründet werden können, als eine Art von gemeinschaftlicher Verwaltung, Arbeiter-Produktivassoziationen, Arbeiter-Produktivgenossenschaften; da würden sich die Arbeiter selbst zusammenschließen, würden nach ihren Meinungen, nach ihren Grundsätzen für sich selber produzieren.

[ 12 ] Now one might say: Even those who think along socialist lines have already arrived at certain individual insights today, and it is interesting to see how these individual insights are already having a definite impact in socialist circles. People are already saying today: Yes, the means of production—or capital, which is, after all, the representative of the means of production—should be collectively managed. But we have seen where, for example, the nationalization of certain means of production—the nationalization of the postal service and the railroads, and so on—has led, and one certainly cannot say that the problems have been eliminated simply because the state has now become a capitalist. So one cannot nationalize. Nor can one municipalize. Nor can one achieve anything fruitful by founding consumer cooperatives in which people who need certain goods for consumption join together. Those people who regulate this consumption and also seek to regulate the production of the goods to be consumed accordingly become—even in the view of socialist thinkers—tyrants of production in their capacity as consumers. And so the realization has already taken hold that both nationalization and communalization, as well as administration by consumer cooperatives, become a tyranny of the consumers. Producers would become entirely tyrannically dependent on consumers. Some therefore believe that workers’ productive associations or workers’ productive cooperatives could be established as a form of communal administration; in such arrangements, workers would organize themselves and produce for themselves according to their own opinions and principles.

[ 13 ] Wiederum haben sozialistisch Denkende eingesehen, daß man auch dadurch nichts anderes erreichen würde, als daß man an die Stelle eines einzelnen Kapitalisten eine Anzahl von kapitalistisch produzierenden Arbeitern treten lassen würde. Und diese kapitalistisch produzierenden Arbeiter wären auch nicht imstande, etwas anderes zu tun als der einzelne Privatkapitalist. Also auch die Arbeiter-Produktivgenossenschaften weist man zurück.

[ 13 ] Once again, socialist thinkers have recognized that this would achieve nothing more than replacing a single capitalist with a number of workers engaged in capitalist production. And these workers engaged in capitalist production would be no more capable of doing anything different than the individual private capitalist. Thus, workers’ production cooperatives are also rejected.

[ 14 ] Aber damit ist man noch nicht zufrieden, einzusehen, daß diese einzelnen Gemeinsamkeiten zu nichts Fruchtbringendem in der Zukunft führen können. Man denkt sich nun, die gesamte Gesellschaft irgendeines Staates, irgendeines geschlossenen Wirtschaftsgebietes könne gewissermaßen doch eine Großgenossenschaft werden, eine Großgenossenschaft, in der alle daran Beteiligten zu gleicher Zeit Produzenten und Konsumenten sind, so daß nicht der einzelne Mensch unmittelbar von sich aus die Initiative entwickelt, das oder jenes zu produzieren für die Gemeinschaft, sondern daß die Gemeinschaft selbst die Losungen ausgibt, wie produziert werden soll, wie das zu Produzierende verteilt werden soll und so weiter. Ja, solch eine Großgenossenschaft also, die Konsum und Produktion umfaßt, will man an die Stelle der privatwirtschaftlichen Verwaltung unseres modernen Wirtschaftslebens setzen.

[ 14 ] But people are not yet satisfied with the realization that these individual similarities cannot lead to anything fruitful in the future. They now imagine that the entire society of any given state, any closed economic region could, in a sense, become a large cooperative—a large cooperative in which all participants are simultaneously producers and consumers—so that it is not the individual who directly takes the initiative to produce this or that for the community, but rather the community itself that issues the directives on how production should take place, how the products should be distributed, and so on. Yes, it is precisely such a large-scale cooperative—encompassing both consumption and production—that we wish to establish in place of the private-sector management of our modern economic life.

[ 15 ] Wer nun genauer in die Wirklichkeit hineinsieht, der weiß, daß im Grunde genommen dieses Aufsteigen zu der Anschauung über diese Großgenossenschaft nur davon herrührt, daß bei ihr das Irrtümliche nicht so leicht zu überschauen ist wie im einzelnen bei der Verstaatlichung, bei der Kommunalisierung, bei den Arbeiter-Produktivgenossenschaften, bei den Konsumgenossenschaften. Bei den letzteren ist gewissermaßen der Umkreis dessen, was man zu überschauen hat, kleiner. Man sieht leichter die Fehler, die man dabei macht, wenn man solche Einrichtungen anstrebt, als bei der Großgenossenschaft, die ein ganzes Gesellschaftsgebiet umfaßt. Hier redet man hinein in das, was man machen will, und überschaut noch nicht, daß dieselben Irrtümer entstehen müssen, die man im kleinen ganz gut anerkennt, und die man im großen nur nicht anerkennt, weil man nicht fähig ist, die ganze Sache zu überblicken. Das ist es, worauf es ankommt. Und man muß einsehen, worauf der Grundfehler dieses ganzen Denkens eigentlich beruht, das in eine Großgenossenschaft hineinsegelt, welche sich darüber hermachen soll, den gesamten Konsum und die gesamte Produktion von sich aus zu verwalten.

[ 15 ] Anyone who takes a closer look at reality knows that, fundamentally, this shift toward the idea of a large-scale cooperative stems solely from the fact that the errors involved are not as easy to grasp as they are in the individual cases of nationalization, municipalization, workers’ production cooperatives, and consumer cooperatives. In the latter cases, the scope of what one must take into account is, so to speak, smaller. It is easier to see the mistakes one makes when striving to establish such institutions than in the case of a large cooperative, which encompasses an entire sector of society. Here, people talk their way into what they want to do without yet realizing that the same errors are bound to arise—errors that are readily recognized on a small scale but are not recognized on a large scale simply because one is unable to grasp the whole picture. That is what matters. And one must understand what the fundamental flaw of this entire line of thinking actually is—a thinking that sails headlong into a large cooperative, which is supposed to set about managing all consumption and all production on its own.

[ 16 ] Wie denkt man eigentlich, wenn man so etwas verwirklichen will? Nun, wie man dabei denkt, das zeigen zahlreiche Parteiprogramme, die gerade in unserer Gegenwart auftreten. Wie treten sie auf, diese Parteiprogramme? Man sagt sich: Nun ja, da sind gewisseProduktionszweige, die müssen nun gemeinschaftlich verwaltet werden. Dann wiederum müssen sie sich zusammenschließen zu größeren Zweigen, zu größeren Verwaltungsgebieten. Da muß wiederum so irgendeine Verwaltungszentrale sein, welche das Ganze verwaltet, und so hinauf bis zu der Zentralwirtschaftsstelle, die das Ganze des Konsums und der Produktion verwaltet. Welche Gedanken, welche Vorstellungen wendet man dabei an, wenn man so das Wirtschaftsleben gliedern will? Man wendet nämlich das an, was man sich anzueignen hat im politischen Leben, so wie es sich heraufentwickelt hat in der neueren Menschheitsgeschichte. Die Menschen, die heute von wirtschaftlichen Programmen sprechen, haben zum großen Teil ihre Schule durchgemacht im rein politischen Leben. Sie haben teilgenommen an alledem, was sich abspielt bei Wahlkämpfen, was sich abspielt, wenn man gewählt wird und dann in irgendeiner Volksvertretung diejenigen zu vertreten hat, von denen man gewählt ist. Sie haben durchgemacht, in welche Beziehungen man dann zu Amtsstellen, die politische Stellen sind, tritt und so weiter. Sie haben gewissermaßen die ganze Schablone der politischen Verwaltung kennengelernt, und sie wollen diese Schablone der politischen Verwaltung stülpen über den ganzen Kreislauf des Wirtschaftslebens. Das heißt, das Wirtschaftsleben soll nach solchen Programmen durch und durch verpolitisiert werden, denn man hat nur kennengelernt das Politische der Verwaltung.

[ 16 ] How does one actually think when one wants to bring something like this about? Well, the way people think about this is evident in numerous party platforms that are emerging right now. How do these party platforms present themselves? People say to themselves: Well, there are certain branches of production that must now be managed collectively. Then, in turn, they must be grouped into larger sectors, into larger administrative regions. This, in turn, requires some kind of administrative headquarters to manage the whole, and so on up to the central economic office that manages the entirety of consumption and production. What thoughts, what mental images does one apply when seeking to structure economic life in this way? One applies, in fact, what one has had to learn in political life, as it has developed in recent human history. The people who speak of economic programs today have, for the most part, been schooled in purely political life. They have participated in everything that takes place during election campaigns, in what happens when one is elected and then has to represent, in some form of representative body, those who elected them. They have experienced the relationships one then enters into with government offices—which are political offices—and so on. In a sense, they have become familiar with the entire framework of political administration, and they want to impose this framework of political administration on the entire cycle of economic life. This means that, according to such programs, economic life is to be thoroughly politicized, for they have only come to know the political aspect of administration.

[ 17 ] Was uns heute bitter not tut, ist: einzusehen, daß diese ganze Schablone, wenn man sie auf das Wirtschaftsleben draufstülpt, etwas dem Wirtschaftsleben total Fremdes ist. Aber die allermeisten Leute, die heute von irgendwelchen Reformen des Wirtschaftslebens oder gar von Revolution des Wirtschaftslebens reden, sind im Grunde genommen bloße Politiker, die von dem Aberglauben ausgehen, dasjenige, was sie auf politischem Felde gelernt haben, lasse sich in der Verwaltung des Wirtschaftslebens anwenden. Eine Gesundung aber unseres Wirtschaftskreislaufes wird nur eintreten, wenn dieses Wirtschaftsleben aus seinen eigenen Bedingungen heraus betrachtet und gestaltet wird.

[ 17 ] What we desperately need today is to realize that this entire template, when imposed on economic life, is something entirely foreign to economic life. But the vast majority of people who today speak of reforms of economic life—or even of a revolution in economic life—are, at heart, mere politicians who operate on the superstition that what they have learned in the political arena can be applied to the management of economic life. However, a recovery of our economic cycle will only occur if economic life is viewed and shaped on the basis of its own conditions.

[ 18 ] Was fordern denn solche politisierenden Wirtschaftsreformer? Sie fordern nichts Geringeres, als daß durch diese Hierarchie der Zentralstelle in der Zukunft bestimmt werde: Erstens, was produziert werden solle und wie produziert werden solle. Zweitens fordert sie, daß die ganze Art des Produktionsprozesses von den Verwaltungsstellen aus bestimmt werden solle. Drittens fordert sie, daß diejenigen Menschen, die am Produktionsprozeß teilnehmen sollen, durch diese Zentralstellen ausgewählt und bestimmt und an ihre Plätze gesetzt werden. Viertens fordert sie, daß diese Zentralstellen die Verteilung der Rohmaterialien an die einzelnen Betriebe bewirken. Also die gesamte Produktion soll unterstellt werden einer Hierarchie von politischer Verwaltung. Das ist es doch, auf das die meisten wirtschaftsreformerischen Ideen der Gegenwart hinauslaufen. Nur sieht man nicht ein, daß man mit einer solchen Reform ganz auf dem Boden stehen bleiben würde, den man heute auch schon hat, und seine Schäden nicht beseitigen, sondern im Gegenteil ins Maßlose vergrößern würde. Man sieht ein, wie es nicht geht mit Verstaatlichung, Kommunalisierung, mit den Konsumgenossenschaften, mit Arbeiter-Produktionsgenossenschaften; man sieht aber nicht ein, wie man nur übertragen würde, was man so schwer tadelt an dem privatkapitalistischen System, auf die Gemeinverwaltung der Produktionsmittel.

[ 18 ] What, then, do such politicized economic reformers demand? They demand nothing less than that, in the future, this hierarchy of the central authority determine: First, what should be produced and how it should be produced. Second, they demand that the entire nature of the production process be determined by the administrative authorities. Third, they demand that the people who are to participate in the production process be selected and appointed by these central agencies and assigned to their posts. Fourth, they demand that these central agencies oversee the distribution of raw materials to the individual enterprises. In other words, the entire production process is to be subordinated to a hierarchy of political administration. This is, after all, what most of today’s economic reform ideas ultimately amount to. Yet people fail to realize that such a reform would leave us stuck exactly where we are today and would not eliminate its ills but, on the contrary, would magnify them to an extreme degree. People realize that nationalization, municipalization, consumer cooperatives, and workers’ production cooperatives do not work; yet they fail to see that such a system would merely transfer the very flaws they so strongly criticize in the private capitalist system to the communal administration of the means of production.

[ 19 ] Das ist es, was heute vor allen Dingen wirklich eingesehen werden muß: daß durch eine solche Maßnahme, durch solche Einrichtungen wirklich überall da, wo sie getroffen werden, das eintreten müßte, was heute schon sehr deutlich sich zeigt im Osten von Europa. In diesem Osten von Europa waren einzelne Leute imstande, solche wirtschaftsreformerische Ideen auszuführen, sie in Wirklichkeit umzusetzen. Die Menschen, die von Tatsachen lernen wollen, die könnten sehen an dem Schicksal, dem der Osten Europas entgegengeht, wie diese Maßnahmen sich selbst ad absurdum führen. Und wenn die Menschen nicht bei ihren Dogmen beharren würden, sondern von den Tatsachen wirklich lernen wollten, dann würde man heute nicht sagen, aus diesen oder jenen untergeordneten Gründen sei die Sozialisierung, die wirtschaftliche Sozialisierung in Ungarn mißglückt, sondern man würde studieren, warum sie mißglücken mußte, und man würde einsehen, daß jede solche Sozialisierung nur zerstören, nichts Fruchtbares für die Zukunft schaffen kann.

[ 19 ] This is what must be truly understood above all else today: that such a measure, such institutions, would inevitably lead—wherever they are implemented—to what is already very clearly evident today in Eastern Europe. In Eastern Europe, individual people were able to carry out such ideas for economic reform and put them into practice. People who are willing to learn from facts could see, from the fate that awaits Eastern Europe, how these measures lead to their own absurd conclusion. And if people did not cling to their dogmas but truly wanted to learn from the facts, then today one would not say that, for this or that secondary reason, economic socialization in Hungary had failed; rather, one would study why it was bound to fail, and one would realize that any such socialization can only destroy and create nothing fruitful for the future.

[ 20 ] Aber es wird weiten Kreisen heute noch schwer, in dieser Weise von den Tatsachen zu lernen. Das zeigt sich ja am besten an Dingen, die eigentlich von sozialistischen Denkern oftmals nur wie in Parenthese angeführt werden. Sie sagen: Ja, es ist richtig, das ganze moderne Wirtschaftsleben ist umgestaltet worden durch die moderne Technik. Wollten sie aber diesen Gedankengang fortsetzen, dann müßten sie den Zusammenhang erkennen zwischen moderner Technik und Sachkenntnis und Fachtüchtigkeit. Sie müßten sehen, wie überall in das Wirtschaften selber diese moderne Technik hineingreift. Aber das wollen sie nicht sehen. Und so sagen sie in Parenthese: sie wollen sich nichts zu schaffen machen mit der technischen Art der Produktionsprozesse. Die möge auf sich selbst beruhen. Sie wollen sich nur zu schaffen machen mit der Art und Weise, wie die Menschen, die an den Produktionsprozessen beteiligt sind, gesellschaftlich im Leben drinnenstehen, wie sich das gesell schaftliche Leben für die am Produktionsprozesse beteiligten Menschen gestalte.

[ 20 ] But even today, many people still find it difficult to learn from the facts in this way. This is best illustrated by points that socialist thinkers often mention only in passing. They say: Yes, it is true that modern technology has transformed the entire modern economic system. But if they were to follow this line of thought further, they would have to recognize the connection between modern technology and expertise and professional competence. They would have to see how this modern technology permeates economic activity itself in every area. But they do not want to see that. And so they say, as an aside: they do not want to concern themselves with the technical nature of production processes. Let that take care of itself. They want to concern themselves only with the way in which the people involved in the production processes are situated in social life, and with how social life is shaped for those involved in the production processes.

[ 21 ] Aber es ist doch handgreiflich - wenn man es nur sehen will, wenn man es nur greifen will -, wie Technik selbst hineingreift in das unmittelbare wirtschaftliche Leben. Nur ein Beispiel, das geradezu ein klassisches Beispiel ist, sei angeführt. Die moderne Technik hat es dahin gebracht - wenn ich mich summarisch ausdrücke -, durch zahlreiche Maschinen Produkte hervorzubringen, die dann dem Konsum dienen. Und diese Maschinen hängen einzig und allein davon ab, daß vierhundert bis fünfhundert Millionen Tonnen Kohlen gefördert worden sind in der Zeit, bevor diese Kriegskatastrophe hereingebrochen ist, für die wirtschaftliche Tätigkeit. Rechnet man um, was durch die Maschine, die auf menschlichen Gedanken beruht, die nur durch menschliche Gedanken verwendet werden kann, an wirtschaftlichen Energien, an wirtschaftlichen Kräften aufgebracht wird, so ergibt sich folgendes interessante Resultat: Rechnet man achtstündige Arbeitstage, so ergibt sich, daß durch die Maschinen, das heißt durch die in den Maschinen verkörperten menschlichen Gedanken, durch die Erfindungsgabe der Geister, so viel Arbeitsenergien, so viel Arbeitskraft aufgebracht wird, wie aufgebracht werden könnte durch siebenhundert bis achthundert Millionen Menschen.

[ 21 ] But it is, after all, plain to see—if one is only willing to see it, if one is only willing to grasp it—how technology itself intervenes in immediate economic life. Let me cite just one example—one that is nothing short of a classic example. Modern technology has made it possible—to put it simply—to use numerous machines to produce goods that are then consumed. And these machines depend solely on the fact that four hundred to five hundred million metric tons of coal were mined in the period before this war catastrophe struck, for the sake of economic activity. If we calculate the economic energy and economic power generated by machines—which are based on human thought and can only be operated through human thought—we arrive at the following interesting result: If we assume eight-hour workdays, it follows that the machines—that is, the human ideas embodied in the machines, the inventiveness of the human mind—generate as much labor energy and labor power as could be generated by seven hundred to eight hundred million people.

[ 22 ] Wenn Sie daher sich vorstellen, daß die Erde zu ihrer Bevölkerung ungefähr tausendfünfhundert Millionen Menschen hat, die ihre Arbeitskräfte anwenden, so hat sie durch die Erfindungsgabe der Menschen in der neueren Kulturentwickelung durch die technische Entwickelung siebenhundert bis achthundert Millionen mehr dazu bekommen. Also zweitausend Millionen Menschen arbeiten; das heißt, wirklich arbeiten diese siebenhundert bis achthundert Millionen Menschen nicht, aber es arbeiten für sie die Maschinen. Was arbeitet denn in den Maschinen? Da arbeitet der menschliche Geist.

[ 22 ] If you therefore have in your mental image that the Earth has a population of approximately one thousand five hundred million people who contribute their labor, then—thanks to human ingenuity in recent cultural development and technological progress—it has gained an additional seven hundred to eight hundred million. So two thousand million people are “working”; that is to say, these seven hundred to eight hundred million people are not actually working themselves, but the machines are working for them. What, then, is at work within the machines? It is the human spirit.

[ 23 ] Das ist außerordentlich bedeutsam, daß man solche Tatsachen, die sich leicht vermehren lassen, wirklich durchschaut. Denn aus solchen Tatsachen heraus wird man erkennen, daß die Technik nicht so in Parenthese beiseite gelassen werden kann, sondern daß die Technik als solche immerwährend im Wirtschaftsprozesse aktiv mitarbeitet, daß sie drinnensteckt. Das moderne Wirtschaftsleben ist ohne die Grundlage der modernen Technik, ohne Sach- und Fachkenntnis überhaupt nicht denkbar.

[ 23 ] It is extremely important to truly understand such facts, which can easily be multiplied. For it is from such facts that one will recognize that technology cannot simply be set aside as an afterthought, but that technology, as such, is constantly and actively involved in economic processes—that it is an integral part of them. Modern economic life is simply inconceivable without the foundation of modern technology and without technical and specialized knowledge.

[ 24 ] Nicht mit der Wirklichkeit rechnet man, sondern mit vorgefaßten, aus den menschlichen Leidenschaften hervorgehenden Ideen, wenn man solche Dinge übersicht. Die Idee von der Dreigliederung des sozialen Organismus meint es gewiß ehrlich mit der sozialen Frage. Deshalb aber kann sie nicht auf dem Boden stehen, auf dem diejenigen stehen, die so aus Schlagworten, aus Parteiprogrammen heraus reden. Sie muß aus dem Sachlichen heraus reden. Sie muß daher, indem sie auf dem Boden der Wirklichkeit steht, anerkennen, daß das Wirtschaften, insbesondere in unserem komplizierten Leben, ganz und gar gestellt ist in die Initiative des einzelnen. Stellt man an die Stelle der Initiative des einzelnen die abstrakte Gemeinsamkeit, so bedeutet das das Auslöschen, den Tod des Wirtschaftslebens. Der Osten Europas wird es beweisen können, wenn er noch lange unter derselben Herrschaft bleibt, unter der er eben ist. Die Auslöschung, den Tod des Wirtschaftslebens bedeutet es, wenn man von dem einzelnen abnimmt die Initiative, die von seinem Geiste ausgehen muß und hineinfließen muß in die Bewegung der Produktionsmittel, gerade zum Wohle der menschlichen Gemeinsamkeit.

[ 24 ] When one considers such matters, one does not take reality into account, but rather preconceived ideas arising from human passions. The idea of the threefold social order is certainly sincere in its approach to the social question. For this very reason, however, it cannot stand on the same ground as those who speak solely in terms of slogans and party platforms. It must speak from a factual basis. Therefore, by standing on the ground of reality, it must acknowledge that economic activity—especially in our complex lives—rests entirely on the initiative of the individual. If one replaces the initiative of the individual with abstract collectivity, this means the extinction, the death of economic life. Eastern Europe will be able to prove this if it remains for much longer under the same rule it is currently under. It means the extinction, the death of economic life, when one takes away from the individual the initiative that must spring from his spirit and flow into the movement of the means of production, precisely for the benefit of the human community.

[ 25 ] Wodurch ist nun aber das entstanden, was wir heute als Schäden sehen? Daß der moderne Produktionsprozeß durch seine technischen Vollkommenheiten die Initiative des einzelnen fordert, daher auch die Möglichkeit fordert, daß der einzelne über Kapital verfüge und den Produktionsprozeß aus seiner Initiative ausführen kann, das ist es, was die neuere Menschheitsentwickelung heraufgebracht hat. Und die Schäden, die mitgekommen sind — man erkennt ihren Ursprung aus ganz anderen Untergründen heraus. Will man diesen Ursprung erkennen, dann muß man sich vor allen Dingen statt auf den Boden des Genossenschaftsprinzipes, auch wenn man Großgenossenschaften meint, auf den Boden des Assoziationsprinzipes stellen.

[ 25 ] But what, then, has given rise to what we see today as harm? The fact that the modern production process, through its technical sophistication, demands the initiative of the individual—and thus also demands that the individual have access to capital and be able to carry out the production process on his own initiative—is what recent human development has brought about. And the ills that have accompanied this—their origin can be traced to entirely different underlying causes. If one wishes to recognize this origin, one must, above all, base one’s understanding not on the principle of cooperation—even when referring to large cooperatives—but on the principle of association.

[ 26 ] Was heißt das, sich statt auf den Boden des Genossenschaftsprinzips auf den Boden des Assoziationsprinzips stellen? Das heißt das folgende: Wer sich auf den Boden des Genossenschaftsprinzips stellt, der behauptet, die Menschen brauchen sich nur zusammenzutun, aus ihrer Gemeinsamkeit heraus Beschlüsse zu fassen, dann können sie die Produktionsprozesse verwalten. Also man beschließt zuerst die Assoziierung der Menschen, die Zusammenschließung der Menschen, und dann will man Produzieren von dem gemeinsamen Zusammenschluß, von der Gemeinschaft der Menschen aus. Die Idee vom dreigegliederten Organismus stellt sich auf den Boden der Wirklichkeit und sagt: Zuerst müssen da sein die Menschen, die produzieren können, die sachkundig und fachtüchtig sind. Von ihnen muß der Produktionsprozeß abhängen. Und diese sachkundigen und fachtüchtigen Menschen, die müssen sich nun zusammenschließen und das Wirtschaftsleben besorgen auf Grundlage jener Produktion, die aus der Initiative des einzelnen fließt. - Das ist das wirkliche Assoziationsprinzip. Da wird zuerst produziert und dann das Produzierte auf Grundlage des Zusammenschlusses der produzierenden Personen zum Konsum gebracht.

[ 26 ] What does it mean to base one’s approach on the principle of association rather than on the principle of cooperation? It means the following: Anyone who stands on the ground of the cooperative principle claims that people need only join together, make decisions based on their common ground, and then they can manage the production processes. So first one decides on the association of people, the uniting of people, and then one wants to produce from that common union, from the community of people. The idea of the threefold social order is grounded in reality and states: First, there must be people who are capable of producing, who are knowledgeable and skilled. The production process must depend on them. And these knowledgeable and skilled people must then come together and manage economic life on the basis of that production which flows from the initiative of the individual. - That is the true principle of association. First, production takes place, and then what has been produced is made available for consumption on the basis of the association of the producers.

[ 27 ] Daß man den Unterschied, den radikalen Unterschied zwischen diesen zwei Prinzipien heute nicht einsieht, das ist gewissermaßen das Unheil unserer Zeit. Denn auf diese Einsicht kommt im Grunde alles an. Man hat nicht den Instinkt dafür, einzusehen, daß jede abstrakte Gemeinschaft den Produktionsprozeß, wenn sie ihn verwalten will, untergraben muß. Die Gemeinschaft, die eine Assoziation sein soll, kann nur das aufnehmen, was aus der Initiative des einzelnen heraus produziert wird und kann es sozial zur Verteilung an die Konsumierenden bringen.

[ 27 ] The fact that people today fail to recognize the difference—the radical difference—between these two principles is, in a sense, the scourge of our time. For, fundamentally, everything hinges on this insight. People lack the instinct to realize that any abstract community, if it seeks to manage the production process, must inevitably undermine it. A community that is meant to be an association can only incorporate what is produced through the initiative of the individual and can then distribute it socially to consumers.

[ 28 ] Man durchschaut heute das Wichtige nicht, was diesen Dingen zugrunde liegt, aus einem Grunde, den ich gestern schon angeführt habe: daß ungefähr zu der Zeit, in welcher in der neueren Menschheitsgeschichte die Renaissance, die Reformation sich ereigneten, herübergewandert sind aus Mittel- und Südamerika die Edelmetalle, welche aus der bis dahin fast einzig noch maßgebenden Naturalwirtschaft zur Geldwirtschaft geführt haben. Damit hat sich eine bedeutsame wirtschaftliche Revolution in Europa vollzogen. Verhältnisse haben sich herausgebildet, unter deren Einflusse wir heute durchaus noch stehen. Aber diese Verhältnisse haben zu gleicher Zeit, ich möchte sagen, Vorhänge gebildet, durch die man nicht hindurchsehen kann auf die wahren Wirklichkeiten.

[ 28 ] Today, people fail to grasp the significance underlying these events, for a reason I already mentioned yesterday: that around the time the Renaissance and the Reformation took place in recent human history, precious metals were brought over from Central and South America, which led from the natural economy—which had been almost the sole dominant system until then—to a monetary economy. This brought about a significant economic revolution in Europe. Conditions emerged that continue to influence us to this very day. But at the same time, I would say, these conditions have formed veils through which one cannot see the true realities.

[ 29 ] Sehen wir uns doch diese Verhältnisse einmal genauer an. Gehen wir aus, obwohl sie heute ja nicht mehr in ihrer Ausdehnung da ist, von der alten Naturalwirtschaft. Man hat es da im Wirtschaftsprozesse nur zu tun mit dem, was der einzelne hervorbringt. Das kann er austauschen gegen das, was der andere hervorbringt. Und man möchte sagen: Innerhalb dieser Naturalwirtschaft, wo nur Produkt gegen Produkt ausgetauscht werden kann, muß eine gewisse Gediegenheit herrschen. Denn will man ein Produkt, das man braucht, eintauschen, so muß man eins haben, das man dafür austauschen kann, und man muß ein solches Produkt haben, das der andere als gleichwertig annimmt. Das heißt, die Menschen sind gezwungen, wenn sie etwas haben wollen, auch etwas zu erzeugen. Sie sind gezwungen, auszutauschen, was einen realen, einen offenbarliegenden realen Wert hat.

[ 29 ] Let’s take a closer look at these conditions. Let’s take as our starting point—even though it no longer exists on that scale today—the old subsistence economy. In the economic processes of that system, one deals only with what the individual produces. He can exchange this for what another person produces. And one might say: Within this subsistence economy, where only product can be exchanged for product, a certain solidity must prevail. For if one wishes to exchange a product one needs, one must have something to offer in exchange, and one must have a product that the other person accepts as of equal value. This means that people are compelled, if they want something, to produce something as well. They are compelled to exchange what has a real, an obvious real value.

[ 30 ] An die Stelle dieses Austausches von Gütern, die für das menschliche Leben einen realen Wert haben, ist die Geldwirtschaft getreten. Und das Geld ist etwas geworden, mit dem man wirtschaftet, mit dem man ebenso wirtschaftet, wie man in der Naturalwirtschaft wirtschaftet mit realen Objekten. Dadurch aber, daß das Geld ein wirkliches Wirtschaftsobjekt geworden ist, spiegelt es wirklich etwas Imaginäres den Menschen vor, und indem es so wirkt, tyrannisiert es zu gleicher Zeit die Menschen.

[ 30 ] The monetary economy has replaced this exchange of goods that have real value for human life. And money has become something with which one conducts economic activity—just as one does with real objects in a natural economy. But because money has become a real economic object, it presents people with something imaginary, and in doing so, it simultaneously tyrannizes them.

[ 31 ] Nehmen wir einen extremen Fall: daß gerade die Kreditwirtschaft, auf die ich gestern am Schlusse hingedeutet habe, hineinfließt in die Geldwirtschaft. Das hat sie ja in der letzten Zeit vielfach getan. Da stellt sich dann zum Beispiel das folgende heraus: Man will irgendeine Anlage machen, als Staat oder als einzelner, eine Telegraphenanlage oder dergleichen. Man kann Kredit beanspruchen, Kredit von einer ganz bedeutenden Höhe. Man wird diese Telegraphenanlage zustande bringen können. Gewisse Verhältnisse werden gewisse Geldmengen in Anspruch nehmen. Aber diese Geldmengen müssen verzinst werden. Für diese Verzinsung muß man aufkommen. Und in zahlreichen Fällen, was stellt sich innerhalb unserer sozialen Struktur heraus - am meisten in der Verstaatlichung, wenn der Staat selber wirtschaftet -, was stellt sich heraus? Daß dasjenige, was man dazumal hergestellt hat und wozu man das betreffende Geld verwendet hat, längst verbraucht ist, daß es nicht mehr da ist, und daß die Leute noch immer das abzahlen müssen, was damals als Kredit gefordert worden ist! Das heißt: Was kreditgemäß geschuldet wird, das ist schon fort, aber an dem Geld wirtschaftet man noch immer herum.

[ 31 ] Let’s consider an extreme case: that the credit economy—which I alluded to at the end of yesterday’s talk—flows into the monetary economy. This has, in fact, happened frequently in recent times. This then leads, for example, to the following situation: One wants to make some kind of investment—whether as a government or as an individual—such as a telegraph system or something similar. One can take out a loan—a loan of a very substantial amount. One will be able to bring this telegraph system to fruition. Certain circumstances will require certain amounts of money. But interest must be paid on these amounts. One must cover the cost of this interest. And in numerous cases—what becomes apparent within our social structure, most notably in nationalization, when the state itself manages the economy—what becomes apparent? That what was produced at the time—and for which the money in question was used—has long since been consumed, that it is no longer there, and that people still have to pay off what was borrowed as credit back then! In other words: What is owed under the terms of the loan is already gone, but people are still managing the money.

[ 32 ] Solche Dinge haben auch weltwirtschaftliche Bedeutung. Napoleon III., der ganz eingefädelt war von den modernen Ideen, bekam die Idee, Paris zu verschönern, und er hat sehr vieles bauen lassen. Die Minister, die seine gefügigen Werkzeuge waren, haben gebaut. Die Einkünfte des Staates — sie kamen darauf - kann man verwenden, um einfach die Zinsen zu bezahlen. Nun ist Paris viel schöner geworden, aber die Leute bezahlen heute noch die Schulden, die damals gemacht worden sind! Das heißt: Nachdem die Dinge längst dasjenige nicht mehr sind, was Reales zugrunde liegt, wirtschaftet man noch immer an dem Gelde herum, das selber ein Wirtschaftsobjekt geworden ist.

[ 32 ] Such things also have global economic significance. Napoleon III, who was thoroughly imbued with modern ideas, came up with the idea of beautifying Paris, and he had a great many things built. The ministers, who were his compliant tools, carried out the construction. The state’s revenues—which were allocated to this purpose—can be used simply to pay the interest. Now Paris has become much more beautiful, but people are still paying off the debts incurred back then! In other words: even though these things have long since ceased to be based on anything real, people are still juggling the money, which has itself become an economic object.

[ 33 ] Das hat auch seine Lichtseite. In der alten Naturalwirtschaft, da war es nötig, wenn man wirtschaftete, Güter hervorzubringen. Die unterlagen selbstverständlich dem Verderben, die konnten zugrunde gehen, und man war darauf angewiesen, immer weiter zu arbeiten, immer neue Güter zu erarbeiten, wenn solche da sein sollten. Beim Gelde ist das nicht nötig. Man gibt es hin, leiht es jemandem, stellt sich sicher. Das heißt, man wirtschaftet mit dem Gelde ganz frei von denjenigen, die die Güter erzeugen. Das Geld emanzipiert gewissermaßen den Menschen von dem unmittelbaren. Wirtschaftsprozeß, gerade indem es selber zum Wirtschaftsprozeß wird. Dies ist außerordentlich bedeutsam. Denn in der alten Naturalwirtschaft war ja der einzelne auf den einzelnen angewiesen, Mensch auf Mensch angewiesen. Die Menschen mußten zusammenwirken, sie mußten sich vertragen. Sie mußten übereinkommen über gewisse Einrichtungen, sonst ging das Wirtschaftsleben nicht weiter. Unter der Geldwirtschaft ist natürlich derjenige, der Kapitalist wird, auch abhängig von denen, die arbeiten, aber denen, die arbeiten, steht er ganz fremd gegenüber. Wie nahe stand auch der Konsument dem Produzenten in der alten Naturalwirtschaft, wo man es mit wirklichen Gütern zu tun hatte! Wie fern steht derjenige, der mit dem Gelde wirtschaftet, denjenigen, die dafür arbeiten, daß dieses Geld seine Zinsen abwerfen kann! Es werden Klüfte aufgerissen zwischen den Menschen. Die Menschen stehen sich nicht mehr nahe unter der Geldwirtschaft. Das muß vor allen Dingen in Erwägung gezogen werden, wenn man einsehen will, wie die arbeitenden Menschenmassen, gleichgültig ob sie geistige, ob sie physische Arbeiter sind, wie diejenigen, die wirklich produzieren, wiederum nahegebracht werden müssen denen, die auch mit Kapitalanlagen das Wirtschaften möglich machen. Das aber kann nur geschehen durch das Assoziationsprinzip, dadurch, daß sich die Menschen wiederum als Menschen zusammenschließen. Das Assoziationsprinzip ist eine Forderung des sozialen Lebens, aber eine solche Forderung, wie ich es charakterisiert habe, nicht eine solche, wie sie vielfach in sozialistischen Programmen fungiert.

[ 33 ] There is also a bright side to this. In the old subsistence economy, it was necessary, when managing one’s affairs, to produce goods. These were, of course, subject to decay; they could be lost, and one was dependent on working ever more, constantly producing new goods if such were to be available. With money, that is not necessary. You give it away, lend it to someone, secure it. That is to say, you manage your money entirely independently of those who produce the goods. Money, in a sense, emancipates people from the immediate economic process, precisely by becoming an economic process in its own right. This is extraordinarily significant. For in the old subsistence economy, the individual was, after all, dependent on other individuals—one person was dependent on another. People had to cooperate; they had to get along. They had to agree on certain institutions; otherwise, economic life could not continue. Under the monetary economy, of course, the one who becomes a capitalist is also dependent on those who work, but he stands completely alien to those who work. How close the consumer was to the producer in the old natural economy, where one dealt with real goods! How distant is the one who manages money from those who work so that this money can yield interest! Gaps are being torn open between people. People are no longer close to one another under the monetary economy. This must be taken into consideration above all else if one is to understand how the working masses—whether they are intellectual or physical laborers—that is, those who actually produce, must once again be brought closer to those who, through capital investments, make economic activity possible. But this can only happen through the principle of association—by people coming together again as human beings. The principle of association is a requirement of social life, but one such as I have characterized it, not one as it often appears in socialist programs.

[ 34 ] Und was ist noch anderes eingetreten gerade unter der immer mehr und mehr überhandnehmenden Geldwirtschaft der neueren Zeit? Dadurch ist auch dasjenige, was man menschliche Arbeit nennt, abhängig geworden vom Gelde. Um die Hineinordnung der menschlichen Arbeit in die soziale Struktur streiten ja Sozialisten und andere. Und man kann für und gegen das, was von beiden Seiten vorgebracht wird, recht gute Gründe anführen. Man versteht es vollkommen, insbesondere wenn man gelernt hat, nicht über das Proletariat zu denken und zu empfinden, sondern mit dem Proletariat zu denken und zu empfinden, man versteht es völlig, wenn der Proletarier sagt, es dürfe in Zukunft nicht mehr seine Arbeitskraft Ware sein, es dürfe nicht das Verhältnis weiter bestehen, daß man äuf der einen Seite auf dem Warenmarkte Güter bezahlt, und auf der anderen Seite auf dem Arbeitsmarkte in der Form des Lohnes die menschliche Arbeit bezahlt. Das ist gut zu begreifen. Und es ist gut zu begreifen, daß Karl Marx viele Anhänger gefunden hatte, als er ausrechnete, daß derjenige, der arbeitet, einen Mehrwert erzeugt, daß er nicht das volle Erträgnis seiner Arbeitskraft bekommt, sondern einen Mehrwert erzeugt, daß dieser Mehrwert abgeliefert wird an den Unternehmer, und daß dann der Arbeiter unter dem Einflusse einer solchen Theorie um diesen Mehrwert kämpft. Aber es ist auf der anderen Seite ebenso leicht zu beweisen, daß der Arbeitslohn aus dem Kapital bezahlt wird, daß das moderne Wirtschaftsleben ganz geregelt wird durch die Kapitalwirtschaft, daß gewisse Produkte kapitalistisch etwas abwerfen, und daß man nach dem, was sie abwerfen, den Arbeitslohn bezahlt, die Arbeit kauft; das heißt, es wird der Arbeitslohn aus dem Kapital erzeugt. - Man kann das eine ebensogut wie das andere beweisen. Man kann beweisen, daß das Kapital der Parasit der Arbeit ist, man kann beweisen, daß das Kapital der Schöpfer überhaupt des Arbeitslohnes ist, kurz, man kann Parteimeinungen mit der gleichen Geltung vertreten von der einen und von der anderen Seite.

[ 34 ] And what else has come to pass, particularly under the increasingly dominant monetary economy of recent times? As a result, even what is called human labor has become dependent on money. Socialists and others are, after all, debating the place of human labor within the social structure. And one can cite quite good reasons both for and against the arguments put forward by both sides. One understands this perfectly, especially when one has learned not to think and feel about the proletariat, but to think and feel with the proletariat, one understands it completely when the proletarian says that in the future his labor power must no longer be a commodity, that the relationship must not continue in which, on the one hand, goods are paid for on the commodity market, and on the other hand, human labor is paid for on the labor market in the form of wages. This is easy to grasp. And it is important to understand that Karl Marx had gained many followers when he calculated that the worker produces surplus value, that he does not receive the full product of his labor power but instead produces surplus value, that this surplus value is handed over to the entrepreneur, and that, under the influence of such a theory, the worker then fights for this surplus value. But on the other hand, it is just as easy to prove that wages are paid out of capital, that modern economic life is entirely governed by the capitalist economy, that certain products yield a capitalist return, and that wages are paid—labor is purchased—based on what they yield; that is to say, wages are generated from capital. - One can prove one view just as well as the other. One can prove that capital is the parasite of labor; one can prove that capital is the very creator of wages; in short, one can advocate partisan views with equal validity from one side or the other.

[ 35 ] Das sollte man einmal durchgreifend einsehen. Dann würde man einsehen, wie es kommt, daß in der Gegenwart vorzugsweise nur durch Kampf etwas zu erreichen gesucht wird und nicht durch das sachliche Fortschreiten und Klären der Verhältnisse. Die Arbeit ist etwas, was so durchaus verschieden ist von den Waren, daß es ganz und gar ohne wirtschaftliche Schäden unmöglich ist, in der gleichen Weise Geld zu zahlen für die Ware und für die Arbeit. Nur sehen die Menschen nicht ein, wie die Zusammenhänge sind. Sie durchschauen heute noch nicht die wirtschaftliche Struktur gerade auf diesem Gebiete.

[ 35 ] One should really come to fully understand this. Then one would realize why, in the present day, people tend to seek to achieve things primarily through struggle rather than through objective progress and the clarification of circumstances. Labor is something so fundamentally different from commodities that it is entirely impossible, without causing economic harm, to pay for both commodities and labor in the same way. But people do not understand how these things are connected. Even today, they do not grasp the economic structure in this particular area.

[ 36 ] Es sind heute zahlreiche Nationalökonomen, die sagen sich: Wenn die Geldmittel, die Umlaufsmittel, also Metallgeld oder Papiergeld, in beliebiger Weise vermehrt werden, so wird das Geld billig, und insbesondere die notwendigsten Lebensgüter werden dann teuer. - Man bemerkt das, und man sieht ein das Unsinnige der einfachen Geldvermehrung. Denn diese einfache Geldvermehrung — so kann man es mit Händen greifen — bewirkt nichts anderes, als daß die Lebensmittel auch teuer werden. Die bekannte Schraube ohne Ende geht immer, bewegt sich immer. Aber man sieht etwas anderes nicht ein: daß in dem Augenblicke, wo man Arbeit ebenso bezahlt, wie man Ware, wie man Erzeugnisse bezahlt, die Arbeit selbstverständlich danach streben muß, durch Kämpfe immer bessere und bessere Bezahlung, immer bessere und bessere Entlohnung zu bekommen. Aber was die Arbeit an Geld als Entlohnung bekommt, das hat dieselbe Funktion für die Preisbildung wie die bloße Vermehrung der Geldumlaufsmittel. Das ist es, was man einsehen müßte.

[ 36 ] Today, there are numerous economists who say to themselves: If the money supply—that is, circulating currency, whether metal or paper money—is increased in any way, money becomes cheap, and the most essential goods of daily life, in particular, become expensive. - One notices this and sees the absurdity of simply increasing the money supply. For this simple increase in the money supply—as is plain to see—does nothing but cause food prices to rise as well. The well-known endless screw keeps turning, keeps moving. But people fail to realize something else: that the moment labor is paid in the same way that goods and products are paid for, labor will naturally strive, through struggle, to obtain ever better and better pay, ever better and better wages. But whatever money labor receives as remuneration has the same effect on price formation as the mere increase in the money supply. That is what one must realize.

[ 37 ] Sie können, wie es manche Finanzminister getan haben, statt die Produktion zu erhöhen, statt dafür zu sorgen, daß die Produktion fruchtbarer wird, einfach Noten bringen, die Umlaufsmittel vermehren. Dann werden die Menschen mehr Umlaufsmittel haben, aber alle Produkte, insbesondere die notwendigen Lebensprodukte werden auch teurer. Das schen die Menschen schon ein. Daher sehen sie ein, wie unsinnig es ist, einfach abstrakt die Geldumlaufsmittel zu vermehren. Aber man sieht nicht ein, daß all das Geld, das man nur unter dem Gesichtspunkt ausgibt, Arbeit zu bezahlen, geradeso wirkt auf die Verteuerung der Güter. Denn gesunde Preise können sich nur im selbständigen Wirtschaftsleben selber drinnen bilden. Gesunde Preise können sich nur bilden, wenn sie heranentwickelt werden an der Bewertung der menschlichen Leistung. Deshalb sucht die Idee von der Dreigliederung des sozialen Organismus — und das im genaueren auszuführen wird die Aufgabe sein besonders morgen — die Arbeit vollständig herauszugliedern aus dem Wirtschaftsprozesse.

[ 37 ] Instead of increasing production or ensuring that production becomes more productive—as some finance ministers have done—they can simply print money and increase the money supply. Then people will have more money, but all products, especially the necessities of life, will also become more expensive. People already realize this. That is why they see how nonsensical it is to simply increase the money supply in an abstract way. But they do not realize that all the money spent solely for the purpose of paying for labor has exactly the same effect of driving up the prices of goods. For healthy prices can only develop within an independent economic life itself. Sound prices can only develop if they are based on the valuation of human labor. That is why the idea of the threefold social order—and elaborating on this in more detail will be a particular task for tomorrow—seeks to completely separate labor from the economic process.

[ 38 ] Die Arbeit als solche ist gar nicht etwas, was in den Wirtschaftsprozeß hineingehört. Denken Sie doch einmal das folgende. Es sieht sonderbar, paradox aus, wenn man es sagt, aber viele Dinge nehmen sich heute paradox aus, die eben durchaus eingesehen werden müssen. Die Menschen sind sehr weit abgekommen von geradem Denken; deshalb finden sie manches ganz absurd, was gerade aus den Grundlagen der Wirklichkeit heraus gesagt werden muß. Nehmen Sie an, heute treibt einer Sport vom Morgen bis zum Abend. Er treibt eine Art Sport. Er wendet genau ebenso die Arbeitskraft auf wie einer, der Holz hackt; ganz genau ebenso wendet er die Arbeitskraft auf. Nur kommt es darauf an, daß einer Arbeitskraft aufwendet für die menschliche Gemeinschaft. Der, der Sport treibt, tut das dadurch nicht für die menschliche Gemeinschaft, höchstens dadurch, daß er sich stark macht; nur wendet er es in der Regel nicht an. Aber für die Gemeinschaft hat das in der Regel gar keine Bedeutung, wenn einer seine Arbeit wegen des Sportes betreibt, wodurch er sich ebenso ermüdet wie durch das Holzhacken. Das Holzhacken, das hat Bedeutung.

[ 38 ] Work as such is not something that belongs in the economic process at all. Just consider the following. It sounds strange, even paradoxical, when you say it, but many things seem paradoxical today that must nevertheless be fully understood. People have strayed very far from clear thinking; which is why they find some things completely absurd—things that must be stated precisely on the basis of reality. Suppose someone today engages in sports from morning till night. He engages in a certain kind of sport. He expends just as much labor as someone who chops wood; he expends exactly the same amount of labor. The only difference is that one expends labor for the benefit of the human community. The person who plays sports does not thereby contribute to the human community—at most, by building up his strength—but as a rule, he does not apply it in that way. Yet for the community, it generally has no significance at all when someone engages in his work for the sake of sports, which tires him just as much as chopping wood. Chopping wood—that is what matters.

[ 39 ] Das heißt, Arbeitskraft aufzuwenden, das ist etwas, was gar nicht sozial in Frage kommt; aber dasjenige, was durch das Aufwenden der Arbeitskraft entsteht, das ist es, was im sozialen Leben in Frage kommt. Auf das, was durch die Arbeitskraft entsteht, muß man sehen. Das hat für die Gemeinschaft Wert. Daher kann auch innerhalb des Wirtschaftslebens nur in Frage kommen das Produkt, das durch die Arbeitskraft hervorgebracht wird. Und es kann sich die Wirtschaftsverwaltung nur damit befassen, den gegenseitigen Wert der Produkte zu regeln. Aus dem Wirtschaftskreislauf muß die Arbeit ganz draußen liegen.

[ 39 ] In other words, expending labor power is something that is not at all relevant in social terms; but what is produced through the expenditure of labor power—that is what is relevant in social life. One must focus on what is produced by labor. That is what has value for the community. Therefore, even within economic life, only the product produced by labor can be of any significance. And economic administration can only concern itself with regulating the relative value of products. Labor must lie entirely outside the economic cycle.

[ 40 ] Sie muß liegen auf dem Rechtsboden, auf dem Boden, den wir morgen besprechen werden, wo jeder mündig gewordene Mensch als ein Gleicher zu urteilen hat jedem mündig gewordenen Menschen gegenüber. Art und Zeit, Charakter der Arbeit wird bestimmt durch die Rechtsverhältnisse der Menschen untereinander. Arbeit muß herausgehoben werden aus dem Wirtschaftsprozeß. Dann wird für den Wirtschaftsprozeß nur zurückbleiben, was man nennen kann die Regelung der gegenseitigen Bewertung der Waren, die Regelung, wieviel man zu kriegen hat von den Leistungen eines anderen für seine eigene Leistung. Dafür werden aufzukommen haben die Menschen, die sich herausgliedern aus den Assoziationen, die geschlossen werden zwischen Produzierenden und anderen Produzierenden, Produzierenden und Konsumierenden und so weiter. Mit der Preisbildung wird man es zu tun haben.

[ 40 ] It must be based on the legal foundation—the foundation we will discuss tomorrow—where every person who has attained legal capacity must judge every other person who has attained legal capacity as an equal. The nature, timing, and character of work are determined by the legal relationships among people. Work must be separated from the economic process. Then all that will remain for the economic process is what might be called the regulation of the mutual valuation of goods—the regulation of how much one is to receive from another’s output in exchange for one’s own output. This will be the responsibility of those who separate themselves from the associations formed between producers and other producers, producers and consumers, and so on. This will involve dealing with price formation.

[ 41 ] Die Arbeit wird überhaupt kein Gebiet sein, das man zu regeln hat innerhalb des Wirtschaftslebens; die wird hinausgewiesen aus dem Wirtschaftsleben. Wenn die Arbeit im Wirtschaftsleben drinnensteht, so hat man die Arbeit aus dem Kapital heraus zu bezahlen. Dadurch wird gerade das bewirkt, was im neueren Wirtschaftsleben das Streben genannt werden kann nach bloßem Profit, nach bloßem Gewinn. Denn dadurch steht derjenige, der wirtschaftliche Produkte liefern will, ganz drinnen in einem Prozeß, der zuletzt seinen Abschluß findet im Markte.

[ 41 ] Labor will not be an area that needs to be regulated within economic life at all; it will be excluded from economic life. If labor is part of economic life, then it must be paid for out of capital. This brings about precisely what, in modern economic life, can be called the pursuit of pure profit, of mere gain. For as a result, anyone who wishes to supply economic products finds themselves fully immersed in a process that ultimately culminates in the market.

[ 42 ] Und hier müßte eigentlich von dem, der wirklich einsichtig werden will, eine Idee, ein Begriff zurechtgestellt werden, der heute sehr, sehr irrtümlich gestaltet ist. Man sagt: Der kapitalistisch Produzierende bringt seine Produkte auf den Markt; er will profitieren. Und nachdem lange Zeit mit einem gewissen Rechte die sozialistisch Denkenden gesagt haben: Die ganze Sittenlehre hat gar nichts zu tun mit diesem Produzieren, allein das wirtschaftliche Denken -, will man heute gar sehr von ethischen, von sittlichen Gesichtspunkten aus den Profit, den Gewinn mit der Sittenlehre vermischen. Hier soll nicht gesprochen werden vom einseitig sittlichen, nicht vom einseitig wirtschaftlichen, sondern vom gesamtgesellschaftlichen Standpunkte aus. Und da muß man sagen: Was sich im Gewinn, im Profit zeigt, was ist es denn? Etwas, wovon man eigentlich im wirklichen volkswirtschaftlichen Zusammenhange nur so sprechen kann, wie man davon sprechen kann, wenn die Thermometersäule, die Quecksilbersäule im Zimmer steigt, daß es wärmer geworden ist. Wenn jemand sagt: Diese Quecksilbersäule zeigt mir, daß es wärmer geworden ist -, dann wird er wissen, daß nicht diese Quecksilbersäule das Zimmer wärmer gemacht hat, daß diese Quecksilbersäule nur anzeigt, daß es im Zimmer durch andere Faktoren wärmer geworden ist. Der Gewinn auf dem Markte, der sich ergibt unter unseren heutigen Produktionsverhältnissen, ist auch zunächst nichts anderes als der Anzeiger dafür, daß man die Produkte produzieren darf, die einen Gewinn abwerfen. Denn ich möchte wissen, woher in aller Welt man heute irgendeinen Anhaltspunkt dafür gewinnen sollte, daß ein Produkt zu produzieren sei, wenn es sich nicht herausstellt, daß es, wenn man es produziert und zu Markte bringt, einen Gewinn abwirft! Dies ist das einzige Kennzeichen dafür, daß man die wirtschaftliche Struktur so gestalten darf, daß dieses Produkt hervorkommt. Daß ein Produkt nicht produziert werden darf, zeigt sich nur dadurch, daß man, wenn man es zu Markte bringt, merkt: Es ist kein Absatz da. Die Menschen verlangen es nicht. Man erzielt keinen Gewinn. — Das ist der wirkliche Sachverhalt, nicht all das Gefabel und Gefasel, welches von Angebot und Nachfrage gesprochen worden ist in vielen Nationalökonomien. Das Urphänomen, die Urerscheinung auf diesem Gebiete ist, daß heute einzig und allein das Gewinnabwerfen den Menschen in den Stand setzt, sich zu sagen: Du kannst ein gewisses Produkt produzieren, denn es wird einen gewissen Wert haben innerhalb der menschlichen Gemeinschaft.

[ 42 ] And here, anyone who truly wishes to gain insight must correct a notion—a concept—that is currently shaped in a very, very erroneous way. It is said: The capitalist producer brings his products to market; he seeks to make a profit. And whereas for a long time socialist thinkers have said, with some justification, that the entire moral code has nothing to do with this production—only economic thinking—today there is a strong tendency to mix profit with the moral code from an ethical and moral standpoint. Here we should not speak from a one-sided moral standpoint, nor from a one-sided economic one, but from the standpoint of society as a whole. And here one must ask: What is it that profit actually represents? It is something that, in the real context of the national economy, can only be described in the same way one might describe a rising mercury column on a thermometer in a room—namely, that it has become warmer. If someone says, “This mercury column shows me that it has gotten warmer,” then they will know that it is not this mercury column that has made the room warmer, but that this mercury column merely indicates that the room has become warmer due to other factors. The profit on the market, which arises under our current conditions of production, is also, at first glance, nothing other than an indicator that one is permitted to produce the products that yield a profit. For I would like to know where on earth one could possibly find any basis today for concluding that a product should be produced if it does not turn out that, when produced and brought to market, it yields a profit! This is the only indicator that the economic structure may be organized in such a way that this product comes into being. The only way to know that a product should not be produced is when, upon bringing it to market, one realizes: There is no market for it. People do not demand it. No profit is made. — That is the real state of affairs, not all the nonsense and drivel that has been spouted about supply and demand in many schools of economics. The fundamental phenomenon, the fundamental reality in this area, is that today, and only today, the generation of profit enables people to say to themselves: You can produce a certain product because it will have a certain value within human society.

[ 43 ] Die Umgestaltung des Marktes, der heute diese Bedeutung hat, wird sich ergeben, wenn ein wirkliches Assoziationsprinzip in unserem sozialen Leben drinnen sein wird. Dann wird nicht die unpersönliche, vom Menschen abgesonderte Nachfrage und das Angebot auf dem Markte entscheiden, ob ein Produkt produziert werden soll oder nicht, dann werden aus diesen Assoziationen durch das soziale Wollen der darin beschäftigten Menschen andere Persönlichkeiten hervorgehen, welche sich damit beschäftigen werden, das Verhältnis zu untersuchen zwischen dem Wert eines erzeugten Gutes und seinem Preise.

[ 43 ] The transformation of the market, which holds such significance today, will come about when a genuine principle of association is embedded in our social life. Then it will no longer be impersonal supply and demand—separated from human beings—that determines whether a product should be produced or not; rather, from these associations, through the social will of the people employed within them, other personalities will emerge who will be concerned with examining the relationship between the value of a produced good and its price.

[ 44 ] Der Wert eines erzeugten Gutes kommt heute in einer gewissen Beziehung gar nicht in Frage. Er bildet allerdings den Antrieb zur Nachfrage. Aber diese Nachfrage ist ja deshalb in unserem heutigen sozialen Leben eine recht problematische, weil ihr immer die Frage gegenübersteht, ob auch zur Nachfrage die entsprechenden Mittel, die entsprechenden Besitzverhältnisse vorhanden sind. Man kann gut Bedürfnisse haben: wenn man nicht die nötigen Mittel besitzt, sie zu befriedigen, so wird man sie gar nicht nachfragen können. Aber es handelt sich darum, daß ein Verbindungsglied geschaffen werden muß zwischen den menschlichen Bedürfnissen, die den Gütern, den Erzeugnissen ihren Wert geben, und den Preisen. Denn was man bedarf, hat je nach diesem Bedürfnis seinen menschlichen Wert. Es werden sich Einrichtungen herausgliedern müssen aus der sozialen Ordnung, die die Brücke schaffen von diesem Wert, der den Erzeugnissen aufgedrückt wird durch die menschlichen Bedürfnisse, und den Preisen, die sie haben müssen.

[ 44 ] The value of a produced good is, in a certain sense, not even an issue today. It does, however, serve as the driving force behind demand. But this demand is, in fact, quite problematic in our current social life precisely because it is always countered by the question of whether the corresponding means and the corresponding ownership structures are available to meet that demand. One may well have needs: if one does not possess the necessary means to satisfy them, one will not be able to demand them at all. But the point is that a link must be created between human needs—which give goods and products their value—and prices. For what one needs has its human value depending on that need. Institutions will have to emerge from the social order that build a bridge between this value—which is imposed on products by human needs—and the prices they must have.

[ 45 ] Heute wird der Preis bestimmt durch den Markt, danach, ob Leute da sind, die diese Güter kaufen können, die das nötige Geld haben. Eine wirkliche soziale Ordnung muß dahin orientiert sein, daß die Menschen, die aus ihren berechtigten Bedürfnissen heraus Güter haben müssen, sie auch bekommen können, das heißt, daß der Preis dem Werte der Güter wirklich angeähnelt wird, daß er ihm entspricht. An die Stelle des heutigen chaotischen Marktes muß eine Einrichtung treten, durch welche nicht etwa die Bedürfnisse der Menschen, der Konsum der Menschen tyrannisiert wird, wie durch Arbeiter-Produktivgenossenschaften oder durch die sozialistische Großgenossenschaft, sondern durch welche der Konsum der Menschen erforscht und danach bestimmt wird, wie diesem Konsum entsprochen werden soll.

[ 45 ] Today, price is determined by the market, based on whether there are people who can buy these goods—people who have the necessary money. A true social order must be oriented toward ensuring that people who, based on their legitimate needs, must have certain goods, are also able to obtain them—that is, that the price truly reflects the value of the goods and corresponds to it. The chaotic market of today must be replaced by an institution through which people’s needs and consumption are not tyrannized—as they are by workers’ production cooperatives or by the large socialist cooperative—but through which people’s consumption is studied and the means of meeting that consumption are determined accordingly.

[ 46 ] Dazu ist notwendig, daß unter dem Einfluß des Assoziationsprinzipes wirklich die Möglichkeit herbeigeführt werde, Ware so zu erzeugen, daß sie den beobachteten Bedürfnissen entspreche, das heißt, Einrichtungen müssen da sein mit Personen, die die Bedürfnisse studieren. Die Statistik kann nur einen Augenblick aufnehmen; sie ist niemals für die Zukunft maßgebend. Die Bedürfnisse, die jeweils vorhanden sind, müssen studiert werden, danach müssen die Einrichtungen für das Produzieren getroffen werden. Wenn ein Artikel irgendwie die Tendenz entwickelt, zu teuer zu werden, dann ist das ein Zeichen dafür, daß zu wenige Menschen für diesen Artikel arbeiten. Es müssen Verhandlungen gepflogen werden, durch die aus anderen Produktionszweigen zu diesem Produktionszweig arbeitende Menschen übergeführt werden, so daß mehr von diesem Artikel erzeugt wird. Hat ein Artikel die Tendenz, zu billig zu werden, verdient sein Erzeuger zu wenig, dann müssen Verhandlungen eingeleitet werden, durch die weniger Menschen gerade an diesem Artikel arbeiten. Das heißt: Von der Art und Weise, wie die Menschen an ihre Plätze gestellt werden, muß in der Zukunft abhängig werden, wie die Bedürfnisse befriedigt werden. Der Preis des Produkts bedingt sich durch die Zahl der Menschen, die daran arbeiten. Aber er wird durch solche Einrichtungen dem Werte ähnlich sein, gleich sein im wesentlichen dem Werte, den das menschliche Bedürfnis dem betreffenden erzeugten Gut beizulegen hat.

[ 46 ] For this to happen, it is necessary that, under the influence of the principle of association, the possibility be genuinely created to produce goods in such a way that they correspond to observed needs; that is to say, there must be institutions staffed by people who study those needs. Statistics can only capture a moment in time; they are never decisive for the future. The needs that exist at any given time must be studied, and production arrangements must be made accordingly. If an item shows any tendency to become too expensive, this is a sign that too few people are working on that item. Negotiations must be conducted to transfer workers from other branches of production to this one, so that more of this item is produced. If an item tends to become too cheap—meaning its producer earns too little—then negotiations must be initiated to reduce the number of people working specifically on that item. This means that, in the future, the way people are assigned to their jobs must determine how needs are met. The price of a product is determined by the number of people working on it. But through such mechanisms, it will be similar to, and essentially equal to, the value that human need assigns to the good in question.

[ 47 ] Da sehen wir, wie an der Stelle des Zufallsmarktes die Vernunft der Menschen wirken wird, wie der Preis zum Ausdruck bringen wird, was die Menschen verhandelt haben, in welche Verträge die Menschen eingegangen sind durch die Einrichtungen, welche bestehen. So sehen wir die Umwandelung des Marktes gegeben dadurch, daß Vernunft tritt an die Stelle des Marktzufalles, der heute herrscht.

[ 47 ] There we see how human reason will take the place of the random market, how the price will reflect what people have negotiated, and what contracts people have entered into through the existing institutions. Thus, we see the transformation of the market brought about by reason taking the place of the randomness of the market that prevails today.

[ 48 ] Wir sehen überhaupt: Sobald wir das Wirtschaftsleben abgliedern von den beiden anderen Gebieten, die wir in den nächsten Tagen besprechen werden — auch die Beziehung zum Wirtschaftsleben werden wir besprechen und manches, was heute unklar bleiben muß, wird dann klar werden -, sobald wir das Wirtschaftsleben abgliedern von den beiden anderen, dem Rechts- oder Staatsgebiet und dem Geistesleben, so wird das Wirtschaftsleben auf eine gesunde, vernünftige Basis gestellt. Denn es wird dann darin nur gesehen auf die Art und Weise, wie man wirtschaftet. Man braucht dadurch nicht mehr die Preise der Waren beeinträchtigen zu lassen, daß die Warenpreise nun auch feststellen sollen, wie lang gearbeitet werden soll, oder wieviel gearbeitet werden soll, oder wieviel Lohn bezahlt werden soll und dergleichen, sondern man hat es im Wirtschaftsleben nur zu tun mit dem vergleichsweisen Wert der Waren Damit steht man im Wirtschaftsleben auch auf einem gesunden Boden.

[ 48 ] We can see, in general: As soon as we separate economic life from the other two spheres—which we will discuss in the coming days—we will also discuss the relationship to economic life, and many things that must remain unclear today will then become clear—as soon as we separate economic life from the other two spheres, the legal or political sphere and spiritual life, economic life is placed on a healthy, rational foundation. For then it will be viewed solely in terms of how economic activity is conducted. Consequently, there is no longer any need to allow commodity prices to be influenced by the fact that they are also supposed to determine how long one should work, or how much one should work, or how much wages should be paid, and the like; rather, in economic life one deals solely with the comparative value of commodities. Thus, one stands on sound ground in economic life as well.

[ 49 ] Dieser gesunde Boden muß für das gesamte Wirtschaftsleben erhalten werden. Daher wird in einem solchen Wirtschaftsleben wiederum dasjenige, was heute durch die bloße Geldwirtschaft, wo das Geld selbst Wirtschaftsobjekt ist, nur Scheingebilde sein kann, zurückgeführt auf seine natürliche gediegene Grundlage. Man wird es in der Zukunft nicht mehr zu tun haben können mit dem Wirtschaften durch das Geld und für das Geld, denn die Einrichtungen werden es zu tun haben mit dem gegenseitigen Werte der Waren. Das heißt, man wird wiederum auf das Gediegene der Güter zurückgehen, und damit auch zurückgehen auf die Leistungsfähigkeit, auf die Tüchtigkeit der Menschen. Und nicht mehr wird man die Kreditverhältnisse abhängig machen können davon, ob Geld vorhanden ist oder nicht, oder ob Geld so und so riskiert wird, sondern dieKreditverhältnisse werden abhängig davon sein, ob Menschen vorhanden sind, die tüchtig dazu sind, das eine oder das andere wirklich in Szene zu setzen, das eine oder das andere hervorzubringen. Kredit wird haben die menschliche Tüchtigkeit.

[ 49 ] This healthy foundation must be preserved for the entire economic life. Therefore, in such an economic life, that which today—in a purely monetary economy, where money itself is the object of economic activity—can only be an illusion will be restored to its natural, solid foundation. In the future, it will no longer be possible to conduct economic activity through money and for the sake of money, for the institutions will have to deal with the mutual value of goods. This means that we will return to the intrinsic value of goods, and thus also return to the productive capacity and competence of human beings. And credit relationships will no longer be dependent on whether money is available or not, or on whether money is risked in one way or another; rather, credit relationships will depend on whether there are people capable of actually bringing one thing or another to fruition, of producing one thing or another. Credit will be based on human capability.

[ 50 ] Und indem die menschliche Tüchtigkeit die Grenze abgibt, wie weit man Kredit gewährt, wird dieser Kredit nicht gewährt werden können über diese menschliche Tüchtigkeit hinaus. Wenn Sie bloß Geld hingeben und Geld wirtschaften lassen, dann kann dasjenige, was dadurch geschaffen wird, längst verbraucht sein - an dem Gelde muß man noch immer herumwirtschaften. Wenn Sie Geld nur hingeben für menschliche Tüchtigkeit, dann hört selbstverständlich mit dieser menschlichen Tüchtigkeit auch auf, was man mit dem Gelde wirtschaften kann. Davon wollen wir dann in den nächsten Tagen sprechen.

[ 50 ] And since human competence sets the limit on how much credit can be granted, this credit cannot be granted beyond the bounds of that human competence. If you simply hand over money and let it be managed, then what is created by it may have long since been consumed—you still have to keep managing that money. If you hand over money solely for human competence, then, of course, what can be achieved with that money also ceases with that human competence. We will discuss this in the coming days.

[ 51 ] Nur dann, wenn dem Wirtschaftsleben die beiden anderen Gebiete zur Seite stehen, das Rechtsgebiet, das selbständig ist, und das selbständige Geistesgebiet, kann das Wirtschaftsleben sich in gesunder Weise auf seine eigenen Füße stellen. Dann aber muß auch alles innerhalb des Wirtschaftslebens aus wirtschaftlichen Voraussetzungen selbst folgen.

[ 51 ] Only when economic life is supported by the other two spheres—the independent legal sphere and the independent intellectual sphere—can it stand on its own two feet in a healthy way. But then everything within economic life must also follow naturally from economic premises.

[ 52 ] Aus den wirtschaftlichen Voraussetzungen werden die materiellen Güter produziert. Man braucht nur an etwas, was im sozialen Leben wie, ich möchte sagen, ein Abfall vom Wirtschaftsleben dasteht, zu denken, und man wird schen, wie ein wirkliches wirtschaftliches Denken manches von dem hinwegschaffen muß, was heute noch wie eine Selbstverständlichkeit in der sozialen Ordnung gilt, ja wofür man als für einen Fortschritt kämpft.

[ 52 ] Material goods are produced from economic conditions. One need only think of something that, in social life, appears—I would say—as a byproduct of economic life, and one will see how genuine economic thinking must do away with much of what is still taken for granted in the social order today—indeed, what people are fighting for as progress.

[ 53 ] Es denkt heute noch keiner von denen, die da glauben, von dem wirklichen Leben etwas zu verstehen, daran, daß es nicht einen großen Fortschritt bedeute, wenn man von allen möglichen indirekten Steuern oder sonstigen Einnahmen des Staates übergehe zu der sogenannten Einkommenssteuer, insbesondere zu der steigenden Einkommenssteuer. Es denkt heute jeder, es sei selbstverständlich das Gerechte, das Einkommen zu besteuern. Und doch, so paradox es für den heutigen Menschen klingt, dieser Gedanke, daß man die gerechte Besteuerung durch die Besteuerung des Einkommens erreichen könne, rührt nur von der Täuschung her, die die Geldwirtschaft gebracht hat.

[ 53 ] Even today, none of those who believe they understand anything about real life consider that it does not represent a great step forward to shift from all kinds of indirect taxes or other sources of government revenue to the so-called income tax—in particular, the progressive income tax. Today, everyone takes it for granted that taxing income is the just thing to do. And yet, as paradoxical as it may sound to people today, this idea—that fair taxation can be achieved by taxing income—stems solely from the delusion brought about by the monetary economy.

[ 54 ] Geld nimmt man ein. Mit Geld wirtschaftet man. Durch das Geld befreit man sich von der Gediegenheit des produktiven Prozesses selbst. Man abstrahiert gewissermaßen das Geld im Wirtschaftsprozesse, wie man im Gedankenprozeß die Gedanken abstrahiert. Aber geradesowenig wie man aus abstrakten Gedanken irgendwelche wirklichen Vorstellungen und Empfindungen hervorzaubern kann, so kann man aus dem Gelde etwas Wirkliches hervorzaubern, wenn man übersieht, daß das Geld bloß ein Zeichen ist für Güter, die produziert werden, daß das Geld gewissermaßen bloß eine Art Buchhaltung ist, eine fließende Buchhaltung, daß jedes Geldzeichen stehen muß für irgendein Gut.

[ 54 ] Money is received. Money is used to manage economic affairs. Through money, one frees oneself from the substance of the productive process itself. In a sense, one abstracts money from the economic process, just as one abstracts thoughts from the thought process. But just as one cannot conjure up any real mental images or sensations from abstract thoughts, so one cannot conjure up anything real from money if one overlooks the fact that money is merely a sign for goods that are produced, that money is, in a sense, merely a kind of accounting—a fluid accounting—and that every monetary sign must stand for some good.

[ 55 ] Auch darüber soll noch im genaueren in den folgenden Tagen gesprochen werden. Heute aber muß gesagt werden, daß eine Zeit, die nur sieht, wie das Geld zum selbständigen Wirtschaftsobjekt wird, daß eine solche Zeit in den Geldeinnahmen dasjenige sehen muß, was man vor allen Dingen besteuern soll. Aber damit macht man sich ja als der Besteuernde mitschuldig an der abstrakten Geldwirtschaft! Man besteuert, was eigentlich kein wirkliches Gut ist, sondern nur Zeichen für ein Gut. Man arbeitet mit etwas Wirtschaftlich-Abstraktem. Geld wird erst zu einem Wirklichen, wenn es ausgegeben wird. Da tritt es über in den Wirtschaftsprozeß, gleichgültig ob ich es für mein Vergnügen oder für meine leiblichen und geistigen Bedürfnisse ausgebe, oder ob ich es in einer Bank anlege, so daß es da für den wirtschaftlichen Prozeß verwendet wird. Wenn ich es in einer Bank anlege, so ist es eine Art von Ausgabe, die ich mache — das ist natürlich festzuhalten. Aber Geld wird in dem Augenblicke zu etwas Realem im Wirtschaftsprozesse, wo es sich von meinem Besitze ablöst, in den Wirtschaftsprozeß übergeht. Die Menschen brauchten ja auch nur eines zu bedenken: Es nützt dem Menschen gar nichts, wenn er viel einnimmt. Wenn er die große Einnahme in den Strohsack legt, so mag er sie haben; das nützt ihm gar nichts im Wirtschaftsprozeß. Den Menschen nützt nur die Möglichkeit, viel ausgeben zu können.

[ 55 ] This, too, will be discussed in greater detail in the coming days. Today, however, it must be said that an era that sees only how money becomes an independent economic entity—such an era must view monetary income as the primary target for taxation. But in doing so, the taxing authority makes itself complicit in the abstract monetary economy! One taxes what is not actually a real good, but merely a symbol of a good. One is dealing with something economically abstract. Money only becomes real when it is spent. That is when it enters the economic process, regardless of whether I spend it for my pleasure or for my physical and mental needs, or whether I deposit it in a bank so that it is used there for the economic process. When I deposit it in a bank, it is a kind of expenditure on my part—that, of course, must be noted. But money becomes a real entity in the economic process at the very moment it is separated from my possession and enters the economic process. People really only need to consider one thing: It does a person no good at all to earn a lot. If he puts his large earnings in a straw sack, he may have them, but they are of no use to him in the economic process. What benefits people is only the ability to spend a lot.

[ 56 ] Und für das öffentliche Leben, für das wirkliche produktive Leben ist das Zeichen für viele Einnahmen eben, daß man viel ausgeben kann. Daher muß man, wenn man im Steuersystem nicht etwas schaffen will, was parasitär am Wirtschaftsprozesse ist, sondern wenn man etwas schaffen will, was eine wirkliche Hingabe des Wirtschaftsprozesses an die Allgemeinheit ist, das Kapital in dem Augenblicke versteuern, in dem es in den Wirtschaftsprozeß übergeführt wird. Und das Sonderbare stellt sich heraus, daß die Einnahmesteuer verwandelt werden muß in eine Ausgabensteuer — die ich bitte, nicht zu verwechseln mit indirekter Steuer. Indirekte Steuern treten in der Gegenwart oftmals als Wünsche gewisser Regierender nur aus dem Grunde hervor, weil man an den direkten Steuern, an den Einnahmesteuern gewöhnlich nicht genug hat. Nicht um indirekte Steuern und nicht um direkte Steuern handelt es sich, indem hier von Ausgabensteuer gesprochen wird, sondern darum handelt es sich, daß dasjenige, was ich erworben habe, in dem Momente, wo es übergeht in den Wirtschaftsprozeß, wo es produktiv wird, auch besteuert wird.

[ 56 ] And in public life—in real, productive life—the sign of having a lot of income is precisely that one can spend a lot. Therefore, if one does not wish to create something within the tax system that is parasitic on the economic process, but rather something that represents a genuine dedication of the economic process to the public good, one must tax capital at the very moment it is transferred into the economic process. And the curious thing is that the income tax must be transformed into an expenditure tax—which I ask you not to confuse with an indirect tax. Indirect taxes often emerge today as the preference of certain rulers simply because direct taxes—income taxes—are usually insufficient. When we speak of an expenditure tax here, the issue is neither indirect taxes nor direct taxes, but rather that what I have acquired is taxed at the very moment it enters the economic process, when it becomes productive.

[ 57 ] Gerade an dem Steuerbeispiel sieht man, wie ein Umlernen und Umdenken notwendig ist. Der Glaube, daß es auf eine Einnahmesteuer vorzugsweise ankomme, ist eine Begleiterscheinung jenes Geldsystems, das in der modernen Zivilisation seit der Renaissance und Reformation heraufgekommen ist. Wenn man das Wirtschaftsleben auf seine eigene Basis stellt, dann wird es sich nur darum handeln können, daß das, was wirklich wirtschaftet, was darinnensteckt im Produktionsprozeß, die Mittel zur Arbeit desjenigen hergibt, was der Gemeinschaft notwendig ist. Dann wird es sich handeln um eine Ausgabensteuer, niemals um eine Einkommenssteuer.

[ 57 ] This example of taxation in particular illustrates how necessary it is to relearn and rethink. The belief that an income tax is the preferred option is a byproduct of the monetary system that has emerged in modern civilization since the Renaissance and the Reformation. If economic life is placed on its own foundation, then the only issue will be that what truly drives the economy—what is inherent in the production process—provides the means for the work that produces what the community needs. Then the focus will be on an expenditure tax, never on an income tax.

[ 58 ] Sehen Sie, man muß, wie ich schon gestern sagte, umlernen und umdenken. Ich konnte Ihnen bisher in diesen beiden Vorträgen nur skizzenhaft einiges andeuten. In den vier folgenden soll vieles davon ausgeführt werden. Wer heute solche Dinge ausspricht, der weiß ganz gut, daß er Anstoß erregen muß nach links und nach rechts, daß ihm zunächst kaum irgend jemand Recht geben wird, denn alle diese Angelegenheiten sind untergetaucht in die Sphäre der Parteimeinung. Aber nicht früher ist ein Heil zu erhoffen, bevor diese Angelegenheiten nicht wieder aufsteigen aus dem Gebiete, wo die Leidenschaften der Parteien wüten, in das Gebiet des sachlichen, des wirklich dem Leben entnommenen Denkens.

[ 58 ] You see, as I said yesterday, we must relearn and rethink. So far, in these two lectures, I have only been able to sketch out a few points. In the next four, much of this will be elaborated upon. Anyone who speaks out on such matters today knows full well that they are bound to cause offense on both the left and the right, that at first hardly anyone will agree with them, for all these issues have been submerged in the realm of partisan opinion. But there is no hope of a remedy until these matters rise again from the realm where partisan passions rage into the realm of objective thinking, of thought truly drawn from life.

[ 59 ] Und das möchte man so gern: daß die Menschen, indem sie der Dreigliederung des sozialen Organismus entgegentreten, nicht urteilen nach Parteischablonen, nach Parteiprinzipien, sondern daß sie zu Hilfe nehmen zu ihren Urteilen den Wirklichkeitsinstinkt. Parteimeinungen und Parteiprinzipien haben die Menschen vielfach abgebracht von diesem Wirklichkeitsinstinkt. Daher erlebt man es immer wieder und wiederum, daß gerade diejenigen, die heute mehr oder weniger auf den bloßen Konsum angewiesen sind, im Grunde genommen recht leicht aus ihren Instinkten heraus verstehen, was eine solche Wirklichkeitsidee wie die von der Dreigliederung des sozialen Organismus eigentlich will. Dann aber kommen die Führer, insbesondere der sozialistischen Massen. Und da darf es heute nicht verhehlt werden, daß diese Führer der sozialistischen Massen durchaus nicht geneigt sind, auf das Gebiet der Wirklichkeit einzugehen.

[ 59 ] And this is what we so dearly wish for: that people, in opposing the threefold social order, do not judge according to party stereotypes or party principles, but rather that they draw upon their instinct for reality in forming their judgments. Party opinions and party principles have often led people away from this instinct for reality. That is why we see time and again that it is precisely those who today are more or less dependent on mere consumption who, deep down, understand quite easily—based on their instincts—what an idea of reality such as the threefold social order actually aims to achieve. But then come the leaders, especially those of the socialist masses. And it must not be concealed today that these leaders of the socialist masses are by no means inclined to engage with the realm of reality.

[ 60 ] Und eines ist heute leider zu bemerken, und das gehört auch, insbesondere auf dem Wirtschaftsgebiete, zu den drängenden Dingen der sozialen Frage: Wir haben es erlebt, indem wir gearbeitet haben für die Dreigliederung, wie zu den Massen gesprochen worden ist, und wie die Massen aus ihrem Wirklichkeitsinstinkt heraus gut verstanden haben, was gesprochen worden ist. Dann sind die Führer gekommen und haben erklärt: Das ist utopistisch! - In Wahrheit stimmte es nur nicht mit dem, was sie seit Jahrzehnten gewohnt sind, in ihren Köpfen zu tragen und herumzuwirbeln, und dann sagen sie ihren getreuen Anhängern, das sei utopistisch, das sei keine Wirklichkeit. Und leider hat sich in der Gegenwart zu stark ein blinder Glaube herausgebildet, eine blinde Anhängerschaft, ein furchtbares Autoritätsgefühl auf diesem Gebiete. Und man muß sagen: Was einmal aufgebracht worden ist an Autoritätsgefühl, sagen wir, gegenüber den Bischöfen und Erzbischöfen der katholischen Kirche, das ist ein Kleines gegenüber dem starken Autoritätsgefühl der modernen Arbeitermassen gegenüber ihren Führern. Daher haben es diese Führer verhältnismäßig leicht, mit dem, was sie wollen, durchzudringen.

[ 60 ] And unfortunately, one thing must be noted today, and this is also—especially in the economic sphere—one of the most pressing aspects of the social question: We have experienced, through our work toward the threefold social order, how the masses have been addressed, and how the masses, drawing on their instinct for reality, have clearly understood what has been said. Then the leaders came along and declared: “That’s utopian!”—In truth, it simply didn’t fit with what they’ve been accustomed to carrying around in their heads and spinning for decades, and so they tell their loyal followers that it’s utopian, that it’s not reality. And unfortunately, a blind faith has developed too strongly in the present day—a blind following, a terrible sense of authority in this area. And one must say: Whatever sense of authority has been aroused—let’s say, toward the bishops and archbishops of the Catholic Church—is small compared to the strong sense of authority that the modern working masses feel toward their leaders. That is why these leaders find it relatively easy to get their way.

[ 61 ] Was aber gefordert wird, ist, darauf hinzuweisen vor allen Dingen, was ehrlich ist auf diesem Gebiete, nicht was für die Parteischablone spricht. Wenn es mir gelingen sollte, gerade in diesen Vorträgen zu zeigen, daß dasjenige, was durch die Dreigliederung angestrebt wird, wirklich ehrlich gemeint ist für das Gesamtwohl der ganzen Menschheit, ohne Unterschied von Klasse, Stand und so weiter, dann wird im wesentlichen erreicht sein, was durch solche Vorträge nur angestrebt werden kann.

[ 61 ] What is required, however, is to point out, above all else, what is honest in this area—not what serves the party line. If I succeed, particularly in these lectures, in showing that what the threefold social order strives for is truly intended for the common good of all humanity, without distinction of class, social status, and so on, then the essential goal that such lectures can only strive to achieve will have been attained.

Fragenbeantwortung nach dem zweiten Vortrag

Q&A following the second presentation

[ 62 ] Ein Maschinentechniker bringt einen im heutigen System oft anzutreffenden Mißstand zur Sprache: daß mehrere Fabriken Kapital in gleichartigen Maschinen investieren, die überall nur teilweise ausgenutzt werden. Er fragt, ob nicht in einer assoziativ geführten Wirtschaft diese Kapitalverschwendung beseitigt werden könnte.

[ 62 ] A mechanical engineer points out a problem commonly found in today’s system: that several factories invest capital in similar machinery, which is only partially utilized everywhere. He asks whether this waste of capital could be eliminated in an associatively managed economy.

[ 63 ] Dr. Steiner: Ich darf vielleicht gleich darauf sagen: Was der Herr eben gesagt hat, bestätigt durchaus das Assoziationsprinzip. Wenn gearbeitet wird in vollständig rein individueller Weise, ohne daß sich die Produzenten assoziieren, also zusammenarbeiten, so wird natürlich eintreten, was Sie vorausgesetzt haben: daß eine Maschine nur teilweise ausgenützt wird. Die vollständige Ausnützung aber, die kann nur bewirkt werden dadurch, daß sich wirklich die Betreffenden assoziieren. Also es liegt durchaus in der Linie desjenigen, was mit dem AssoziationsPrinzip gemeint ist, was Sie sagen.

[ 63 ] Dr. Steiner: Perhaps I may say right away: What the gentleman just said certainly confirms the principle of association. If work is carried out in a completely individual manner, without the producers associating—that is, working together—then what you assumed will naturally occur: that a machine is only partially utilized. Full utilization, however, can only be achieved if the people involved actually form an association. So what you are saying is entirely in line with what is meant by the principle of association.

[ 64 ] Es wird gefragt, wie es im Osten Europas unter den damaligen Umständen anders hätte angefaßt werden können, und ob nicht gegenüber dem Zarismus die Verhältnisse verheißungsvoller geworden seien.

[ 64 ] The question is raised as to how things could have been handled differently in Eastern Europe under the circumstances at the time, and whether conditions might not have become more promising in contrast to tsarism.

[ 65 ] Dr. Steiner: Nicht wahr, es gibt heute in wirklich gar nicht so engen Kreisen - das muß gesagt werden, ohne daß man weder mit Furcht noch mit Hoffnung bei den Meinungen dieser Kreise steht - die Meinung, was im Osten geschieht, sei etwas Furchtbares. Es gibt auch wiederum Kreise, welche darinnen etwas Zukunftsverheißendes sehen. Gewöhnlich wird von denjenigen, die mit mehr oder weniger Recht die Verhältnisse im Osten verurteilen, dann das eine oder das andere Furchtbare, was geschieht, vorgebracht; es werden die Zustände geschildert, und von manchem, was da geschildert wird, kann es ja schon den Menschen recht gruselig werden; das ist klar. Diejenigen, die dann solche Dinge zurechtrücken wollen, die mehr Anhänger dessen sind, was da gemacht wird, ja, die wollen dann die furchtbaren Verhältnisse etwas beschönigen oder hinwegleugnen und dergleichen.

[ 65 ] Dr. Steiner: Isn’t it true that today, even in circles that are really not all that narrow—and this must be said without approaching the opinions of these circles with either fear or hope—there is a view that what is happening in the East is something terrible. On the other hand, there are also circles that see something promising for the future in it. Usually, those who—with more or less justification—condemn the conditions in the East will then point to one or another terrible thing that is happening; they describe the circumstances, and some of what is described can indeed send a chill down one’s spine; that much is clear. Those who then seek to put such things into perspective—those who are more supportive of what is being done there—well, they then seek to gloss over or deny the terrible conditions and the like.

[ 66 ] Ja, aber sehen Sie, damit kommt man wirklich nicht weiter. Aus einzelnen Symptomen lassen sich diese Dinge tatsächlich nicht beurteilen. Es mögen noch so viele Journalisten nach dem Osten reisen und die Dinge, die sie da bemerken, beschreiben, aus solchen Beschreibungen wird niemand ein Urteil sich bilden dürfen, aus dem einfachen Grunde, weil ja heute auch noch kein Mensch beurteilen kann, was zum Beispiel von den Schrecknissen des europäischen Ostens, die ja wahrhaftig nicht kleine sind, zu schreiben ist auf das Konto der gegenwärtigen Herrscher und was zu schreiben ist auf das Konto der Nachwirkungen des furchtbaren Krieges. Diese Dinge gehen durcheinander: die Nachwirkungen des Krieges und dasjenige, was aus den gegenwärtigen Verhältnissen sich herausentwickelt. Was man so unmittelbar sieht und was so unmittelbar geschieht, das mag Gegenstand sein recht netter feuilletonistischer Unterhaltungen, aber zur Beurteilung der Lage gibt es keinen Anhalt. Da muß man schon fähig sein, einzugehen auf die Intentionen, aus denen heraus das geschieht, was eben im Osten zur Einleitung einer sozialen Menschenzukunft getan wird.

[ 66 ] Yes, but you see, that really doesn’t get us anywhere. It’s simply not possible to assess these matters based on individual symptoms. No matter how many journalists travel to the East and describe the things they observe there, , no one should be allowed to form a judgment based on such descriptions, for the simple reason that even today no one can assess what, for example, of the horrors of Eastern Europe—which are truly no small matter—should be attributed to the current rulers and what should be attributed to the aftermath of the terrible war. These things are getting mixed up: the aftermath of the war and what is developing out of the current circumstances. What one sees so directly and what is happening so immediately may be the subject of quite pleasant feature-page musings, but there is no basis for assessing the situation. One must be capable of delving into the intentions behind what is currently being done in the East to usher in a social future for humanity.

[ 67 ] Nun frägt der Herr, ob ich glaube, daß etwas anderes hätte getan werden können, oder ob die gegenwärtigen Verhältnisse nicht doch verheißungsvoller seien als die vorhergehenden.

[ 67 ] Now the Lord asks whether I believe that something else could have been done, or whether the current circumstances are not, after all, more promising than the previous ones.

[ 68 ] Nun weiß ich sehr gut, wie wenig verheißungsvoll die vorhergehenden zaristischen Verhältnisse waren. Daß sie sehr vielen Leuten gefallen, das rührt ja nur davon her, daß sich diese Leute nicht wirklich einen Untergrund für ein wahres Urteil zustande gebracht haben und gar nicht den Willen dazu hatten, ihn zustande zu bringen. Wer alles, was der Zarismus verbrochen hat, namentlich was er in der allerneuesten Zeit verbrochen hat, wirklich ins Auge faßt, der kann unter Umständen schon zu der Frage kommen: Was ist besser, das Damalige oder das Heutige? — Aber darum kann es sich auch wiederum nicht handeln, sondern es kann sich nur darum handeln: Ist dasjenige, was da heute eingetreten ist, im Prinzip, im Wesen etwas, was die alten Zustände wirklich verbessert hat? - Da muß man in der Lage sein, einzugehen auf die Intentionen, und man muß sich auf einem solchen Gebiete ein unbefangenes Urteil wahren.

[ 68 ] Now I know very well how unpromising the previous tsarist conditions were. The fact that so many people liked them stems solely from the fact that these people never really established a basis for a true judgment and had no desire whatsoever to do so. Anyone who truly takes stock of all that tsarism has committed—namely, what it has committed in the very recent past—may, under certain circumstances, come to ask: Which is better, the past or the present? — But that, too, is not the issue; the only question that matters is: Has what has come to pass today, in principle and in essence, truly improved upon the old conditions? — One must be able to consider the intentions, and one must maintain an unbiased judgment in such matters.

[ 69 ] Solch ein unbefangenes Urteil können Sie zum Beispiel gewinnen, wenn Sie eingehen auf Intentionen wie die des Lenin. Lesen Sie so etwas wie «Staat und Revolution» von Lenin. Da finden Sie aus Vorkriegszeiten heraus — das Buch ist ja schon vorher geschrieben gewesen - die Intentionen Lenins. Man darf sagen: Lenin hat in einem gewissen Sinne sogar Recht, wenn er abkanzelt alle die halben oder Viertels- oder Dreiviertelsmarxisten und sich schließlich für den einzig wirklichen, wirklich konsequenten Marxisten hält: Es müßten die Menschen in der Zukunft in der sozialen Ordnung so gestellt sein, daß jeder darinnen leben kann «nach seinen Fähigkeiten und seinen Bedürfnissen». Das müßte erst ein weiterer Zustand werden, der sich aus dem ungerechten, unmöglichen Zustand ergeben könnte. Nun findet sich bei Lenin eine höchst interessante Auseinandersetzung, die darauf hinausläuft, daß er sagt: Aber das kann man mit den heutigen Menschen nicht machen, daß sie nach ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen in der sozialen Ordnung leben, sondern das kann man erst machen, wenn andere Menschen da sein werden, eine ganz andere Menschenrasse. Diese ganz andere Menschenrasse muß erst geschaffen werden.

[ 69 ] You can arrive at such an unbiased judgment, for example, by examining ideas such as those of Lenin. Read something like Lenin’s State and Revolution. There you will find—from the pre-war period, since the book was written earlier—Lenin’s ideas. One might say: In a certain sense, Lenin is even right when he rebukes all the half-, quarter-, or three-quarter-Marxists and ultimately considers himself the only true, truly consistent Marxist: In the future, people must be placed within the social order in such a way that everyone can live “according to their abilities and needs.” That would have to be a subsequent state of affairs that could emerge from the unjust, impossible conditions of the present. Now, there is a highly interesting discussion in Lenin’s work that boils down to his saying: But you cannot do that with today’s people—have them live in the social order “according to their abilities and needs”—but this can only be achieved when other people exist, an entirely different human race. This entirely different human race must first be created.

[ 70 ] Ja, sehen Sie, da haben Sie das Hineinsegeln in die alleräußerste Unwirklichkeit und das Rechnen mit etwas, das ja gar nicht zu erhoffen ist. Denn durch die Zustände, die von Lenin herbeigeführt werden, wird ganz gewiß diese neue Menschensorte nicht gezüchtet, die dann die gerechten sozialen Zustände herbeiführt. Auf so brüchigem Grunde stehen die Intentionen zu dem, was vorgeht. Und da mag man über die Einzelheiten sich entsetzen oder sie notwendig finden, sie loben oder tadeln — darauf kommt es nicht an. Sondern darauf kommt es an, daß man einsieht: da wird mit unwirklichen Gedanken gerechnet. Und deshalb ist dasjenige, was so verwirklicht wird, nichts anderes als Raubbau an der Vergangenheit.

[ 70 ] Yes, you see, there you have it: sailing into the very depths of unreality and counting on something that is simply beyond hope. For the conditions brought about by Lenin certainly do not foster the emergence of this new kind of person who will then bring about just social conditions. The intentions behind what is happening rest on such shaky ground. And whether one is horrified by the details or finds them necessary, whether one praises or criticizes them—that is not the point. What matters is that one recognizes: calculations are being made based on unrealistic ideas. And that is why what is being brought about in this way is nothing other than the exploitation of the past.

[ 71 ] Mir trat das, wie einem an Symptomen manchmal die wichtigsten Dinge entgegentreten, vor einigen Monaten besonders schön in Basel entgegen, wo ich vor einer Versammlung auch über den Gegenstand, über den ich jetzt zu Ihnen spreche, gesprochen habe. Da stand ein Herr auf, der sagte: Ja, das ist ja alles ganz schön und wäre auch sogar schön, wenn es verwirklicht würde; aber das kann nicht früher verwirklicht werden, als bis Lenin Weltherrscher wird. — Ich mußte dazumal antworten: Wenn irgend etwas sozialisiert werden soll, so handelt es sich doch darum, daß vor allen Dingen die Herrschaftsverhältnisse sozialisiert werden. Aber dieser Sozialist, der ein Anhänger des Lenin war, der will Lenin zum Weltherrscher machen, zum Weltkaiser oder zum Weltpapst wirtschaftlicher Sorte. Da werden die Herrschaftsverhältnisse nicht sozialisiert, auch nicht demokratisiert, sondern da werden sie monarchisiert, tyrannisiert, da wird eine Autokratie geschaffen. Wer so etwas behauptet, versteht noch nicht einmal, wie man anfangen muß damit, vor allem die Herrschaftsverhältnisse zu sozialisieren.

[ 71 ] A few months ago in Basel, I experienced a particularly striking example of how the most important things sometimes present themselves through symptoms, when I spoke to an audience about the very subject I am discussing with you now. A gentleman stood up and said: “Yes, that’s all well and good, and it would even be wonderful if it were realized; but it cannot be realized until Lenin becomes the ruler of the world.”—I had to reply at the time: “If anything is to be socialized, then what is at stake is, above all, the socialization of the relations of power.” But this socialist, who was a follower of Lenin, wants to make Lenin the ruler of the world—a world emperor or a world pope of the economic sort. In that scenario, the relations of power are neither socialized nor democratized; rather, they are monarchized and tyrannized, and an autocracy is created. Anyone who claims such a thing does not even understand how to begin the process of socializing, above all, the relations of power.

[ 72 ] So stellt sich für den, der genauer zusieht, für die Wirklichkeitsstruktur des heutigen Ostens etwas sehr Merkwürdiges heraus: Es glauben diejenigen, die-Bekenner der Intentionen des heutigen Ostens sind, daß damit etwas erzielt werde. Nein, was da gewollt wird, das ist in seinem Wesen nicht in Opposition gegen den Zarismus, das ist nur das ganze Wesen des Zarismus für eine andere Klasse weiter ausgebaut, in schlimmerer Weise der Zarismus fortgesetzt als er war, wie überhaupt diejenigen, die auf dem linkesten Flügel der radikalen Parteien stehen, heute schon gar nicht mehr damit zurückhalten, daß sie nicht Fortschrittsmenschen sind, sondern noch viel ärgere Reaktionäre als diejenigen waren, die früher Reaktionen getragen haben. Indem gefordert wird die Diktatur einer Klasse, würde ja aus dieser Klasse nichts anderes herauskommen als die Tyrannis einzelner - ich will nicht einmal sagen: Erwählter -; es würden ganz gewiß nicht die Erwählten sein, sondern diejenigen, die den anderen Sand in die Augen streuen. Es würde die Tyrannis derjenigen aus den einzelnen Klassen herauskommen, die den anderen Sand in die Augen streuen. Es würde nur eine Umkugelung der Menschheit stattfinden. Aber die Verhältnisse, sie würden sich ganz gewiß nicht verbessern, sondern im wesentlichen eher verschlechtern.

[ 72 ] Thus, for those who look more closely, something very strange emerges regarding the structure of reality in today’s East: those who profess to support the intentions of today’s East believe that something will be achieved through them. No, what is being sought there is not, in its essence, opposed to tsarism; it is merely the very essence of tsarism expanded to encompass another class—a continuation of tsarism in a worse form than it was before. Indeed, those on the far-left wing of the radical parties no longer even bother to hide the fact that they are not progressives, but are far worse reactionaries than those who previously championed reactionary causes. By demanding the dictatorship of a single class, nothing else would emerge from that class but the tyranny of individuals—I won’t even say “the chosen ones”—; it would certainly not be the “chosen ones,” but rather those who pull the wool over the eyes of others. It would be the tyranny of those within the individual classes who pull the wool over the eyes of others. It would merely be a reversal of the human order. But conditions would certainly not improve; rather, they would essentially worsen.

[ 73 ] Also es handelt sich da darum, daß man wirklich auf das Prinzip sieht, daß man aus der Wirklichkeit heraus denkt, nicht aus vorgefaßten grauen Theorien heraus denkt. Sehen Sie, manchmal haben diejenigen, die gesund aus der Wirklichkeit heraus denken, von einzelnen Erscheinungen her schon ein sehr gesundes Urteil. Ich habe Ihnen heute ausgeführt, daß die Geldherrschaft eigentlich verwirrend wirkt über die wirklichen sozialen Zustände. Das muß man nur durchschauen. Sie wirkt tatsächlich so, daß das Geld Machtverhältnisse, tyrannisierte Verhältnisse bewirkt, daß an die Stelle alter Eroberermächte und dergleichen einfach Geldmacht tritt. In Europa durchschaut man solche Dinge noch wenig. Ein amerikanisches Sprichwort gibt es, das sagt ungefähr: Reich geworden durch bloße Kapitalwirtschaft bedeutet, nach drei Generationen wiederum in Hemdsärmeln herumgehen! - Da wird das Imaginäre der Kapitalwirtschaft ganz deutlich hingestellt, dieses Sich-Auflösen, dieses Imaginäre. Man kann Milliardär werden, und nach drei Generationen gehen die Nachkommen selbstverständlich in Hemdsärmeln herum, weil das Geld der Herrscher wird über den Menschen.

[ 73 ] So the point here is to truly focus on the principle of thinking based on reality, not on preconceived, dreary theories. You see, sometimes those who think soundly based on reality already have a very sound judgment based on individual phenomena. I have explained to you today that the rule of money actually has a confusing effect on real social conditions. One simply has to see through this. It actually works in such a way that money creates power structures and tyrannical conditions, so that the power of money simply takes the place of old conquering powers and the like. In Europe, people still have little insight into such things. There is an American proverb that goes something like this: “To become rich through the mere economy of capital means that after three generations, you’ll be walking around in your shirt sleeves again!”—This very clearly highlights the imaginary nature of the capitalist economy, this dissolution, this imaginary aspect. One can become a billionaire, and after three generations, the descendants will naturally be walking around in their shirt sleeves, because money becomes the ruler over human beings.

[ 74 ] Und nun handelt es sich für diejenigen, die nach den Intentionen des Lenin arbeiten, durchaus nicht darum, neue Prinzipien zu finden, wirklich zu erforschen aus den Lebensbedingungen der Menschheit heraus, wie die soziale Struktur sein soll, sondern es handelt sich für sie darum, was sie über den Kapitalismus gelernt haben, auf einen Großkapitalisten, den sie rekrutieren aus dem ihnen zur Verfügung stehenden Gebiete, zu übertragen. Was in der kapitalistischen Herrschaft gewirkt hat, das wird dann durch Spionenwirtschaft, durch Protektionswirtschaft und alles mögliche andere weiter wirken. Früher hat man gesagt: Thron und Altar. Da im Osten sagt man: Kontor und Maschine. Aber der Aberglaube ist ein gleich großer. Es handelt sich eben heute darum, nicht mit den alten Begriffen, nur durch eine andere Menschenklasse, neue Zustände herbeiführen zu wollen, sondern es handelt sich heute darum, sich zu scharen um wirklich neue Prinzipien, um eine wirklich neue Einsicht.

[ 74 ] And now, for those who work according to Lenin’s intentions, it is by no means a matter of finding new principles—of truly exploring, based on the living conditions of humanity, what the social structure should be—but rather a matter of applying what they have learned about capitalism to a major capitalist whom they recruit from the sphere available to them. Whatever has been effective under capitalist rule will then continue to be effective through a system of espionage, a system of patronage, and all sorts of other means. In the past, people spoke of “throne and altar.” In the East, they speak of “office and machine.” But the superstition is just as great. Today, the issue is not about trying to bring about new conditions using the old concepts—merely through a different class of people—but rather about rallying around truly new principles, around a truly new understanding.

[ 75 ] Schließlich geht das hervor auch aus der Wirklichkeit der Entwickelung. Nehmen Sie wiederum Amerika. Da haben Sie heute eine Republikanische und eine Demokratische Partei. Wenn man diese Parteien heute studieren und gar nichts wissen würde von der Geschichte, so würde man nicht einsehen, warum sich diese Parteien so nennen; denn die Republikanische Partei ist nicht republikanisch und die Demokratische Partei ist nicht demokratisch, sondern es sind Vertretungen von Cliquen, die jede ihr besonderes Cliqueninteresse vertritt. Die Parteibenennungen sind geblieben als Reste aus früheren Zeiten. Was mit diesen Parteibenennungen gemeint ist, hat längst seine Bedeutung verloren. Die Wirklichkeit ist eine ganz andere. Heute handelt es sich durchaus nicht darum, sich durch irgendwelche Parteischablonen blenden zu lassen, sondern in die Wirklichkeit praktisch hineinzuschauen. Das ist es.

[ 75 ] After all, this is also evident from the reality of historical development. Take America, for example. Today, you have a Republican Party and a Democratic Party. If one were to study these parties today without knowing anything about their history, one would not understand why they are called by those names; for the Republican Party is not republican, and the Democratic Party is not democratic—rather, they are representatives of cliques, each of which represents its own particular clique interests. The party names have remained as remnants from earlier times. What these party names were originally meant to signify has long since lost its meaning. The reality is quite different. Today, it is by no means a matter of allowing oneself to be blinded by any party stereotypes, but rather of taking a practical look at reality. That is it.

[ 76 ] Und wer in die Wirklichkeit des Ostens praktisch hineinschaut, der sagt sich dann das Folgende. Ich darf vielleicht dabei eine kleine Geschichte erzählen. Es ist ja wichtig, daß solche Dinge zur Symptomatologie der Zeit nicht ganz verschwiegen werden. Als ich im Januar 1918 aus der Schweiz wiederum nach Berlin kam, da sprach ich mit einem Manne, der in den Ereignissen sehr tief drinnen stand, sehr in sie verstrickt war, und der längst meine Ideen kannte: daß nun in Mittel- und Osteuropa die Idee von der Dreigliederung des sozialen Organismus gefaßt werden müsse. Ich habe sie dazumal ausgearbeitet gehabt und nach der damaligen Zeitlage den Menschen, die hätten daran arbeiten können, vorgelegt. Der Mann hat das auch gewußt. Es schien ihm sehr plausibel, daß es sich darum hätte handeln können, auf geistigem Wege aus der Misere herauszukommen. Darüber war dazumal gesprochen gewesen bereits seit längerer Zeit. Ich kam, wie gesagt - erinnern Sie sich an das, was dazumal im Januar 1918 war —, nach Berlin. Der Mann, er war Militär, ein höherer Militär, sagte, als ich ihm sprach von der unglückseligen, der unmöglichen Idee, noch einmal diese schreckliche Frühjahrsoffensive vom Jahre 1918 zu beginnen, anstatt einer geistigen Aktion - er sagte: Was wollen Sie denn, hat nicht der Kühlmann die Dreigliederung in der Tasche gehabt? - Er hatte sie in der Tasche; und dennoch hat er Brest-Litowsk gemacht!

[ 76 ] And anyone who takes a practical look at the reality of the East will then come to the following conclusion. Perhaps I may tell a little story in this regard. It is, after all, important that such matters—which are symptomatic of the times—not be entirely concealed. When I returned to Berlin from Switzerland in January 1918, I spoke with a man who was deeply involved in the events of the time, very much entangled in them, and who had long been familiar with my ideas: namely, that the concept of the threefold social order must now be embraced in Central and Eastern Europe. I had worked it out at that time and, given the circumstances of the day, presented it to the people who could have worked on it. The man knew that, too. It seemed very plausible to him that this could have been a way to find a spiritual path out of the misery. This had already been discussed for quite some time. As I said—do you remember what happened back in January 1918?—I came to Berlin. The man, who was a military officer—a high-ranking one—said, when I spoke to him about the unfortunate, the impossible idea of launching that terrible spring offensive of 1918 once again, instead of undertaking a spiritual initiative—he said: “What do you want? Didn’t Kühlmann have the threefold social order in his pocket?” He had it in his pocket; and yet he signed the Treaty of Brest-Litovsk!

[ 77 ] Es mag Ihnen heute ausschauen wie die Mitteilungen irgendeines Phantasten; ich weiß aber, daß diese «Phantasterei» tief in der Wirklichkeit wurzelt. Ich weiß, daß im russischen Volk gerade die Elemente drinnenliegen, um zuallererst, wenn man sie in der richtigen Weise mitteilt, die Idee von der Dreigliederung zu fassen. Das hätte treten müssen als eine geistige Aktion an die Stelle der unmöglichen Aktion von Brest-Litowsk. Da hätte es eine Kommunion geben können zwischen Mitteleuropa und dem Osten Europas, die eine geistige Aktion gewesen wäre, ein Zusichkommen. Das wäre etwas ganz anderes gewesen.

[ 77 ] It may seem to you today like the ramblings of some fantasist; but I know that this “fantasy” is deeply rooted in reality. I know that the Russian people possess precisely the elements necessary to grasp, first and foremost—if communicated in the right way—the idea of the threefold social order. This should have taken the place of the impossible action at Brest-Litovsk as a spiritual act. There could have been a communion between Central Europe and Eastern Europe that would have been a spiritual act, a coming together. That would have been something entirely different.

[ 78 ] Was war es aber, das den Leninismus nach Rußland gebracht hat? Ich erinnere nur daran, daß Lenin im plombierten Wagen durch Deutschland nach Rußland geführt worden ist. Der Leninismus ist ein Import. Will man vom «deutschen Militarismus» sprechen, so muß man davon sprechen, daß der Leninismus ein Import gewesen ist.

[ 78 ] But what was it that brought Leninism to Russia? I would simply point out that Lenin was transported through Germany to Russia in a sealed train car. Leninism is an import. If one wishes to speak of “German militarism,” one must also acknowledge that Leninism was an import.

[ 79 ] Wohl aber kann man die Meinung haben, daß eine geistige Aktion etwas ganz anderes hätte bewirken können als die Tatsache, daß diese geistige Aktion ausgeblieben ist und an ihre Stelle, anstelle dessen, was aus dem russischen Volk heraus spielt, eine abstrakte, allgemeine, marxzistische Phrase über Verwirklichung von sozialen Zuständen gesetzt wurde, die, wenn sie überhaupt verwirklicht werden könnte, ebensogut wie man sie auf Rußland hinaufstülpt, auf Brasilien, Argentinien, irgendwo anders, ganz ohne Kenntnis der Volkszusammenhänge, meinetwillen auch auf den Mond hinaufgestülpt werden könnte. Dieser Aberglaube, daß alles auf jedes draufgestülpt werden kann, das ist das große Unglück des Ostens, das ist es, was dort die Tyrannis einer Idee begründet, die furchtbar in ihren Ergebnissen sein wird, weil sie mit dem Vergangenen Raubbau treibt. Wenn sie noch so sehr ein Schlechtes ablöst: worinnen sie produktiv ist, das sind nur die Überreste, die Überbleibsel des Alten. Wenn sie aber selbst produktiv sein soll, wird sie in die Nullität gesetzt sein.

[ 79 ] One may well hold the view, however, that an intellectual initiative could have brought about something entirely different from the fact that such an initiative failed to materialize and that, in its place—and in place of what is unfolding among the Russian people—an abstract, general Marxist phrase about the realization of social conditions—which, if it could be realized at all, could just as easily be imposed on Brazil, Argentina, or anywhere else, just as it is being imposed on Russia, without any knowledge of the specific circumstances of the people—or, for all I care, even on the moon. This superstition—that anything can be imposed on anything else—is the great misfortune of the East; it is what gives rise there to the tyranny of an idea whose consequences will be terrible, because it exploits the past. No matter how much it may replace something bad: where it is productive, it is only in the remnants, the leftovers of the old. But if it is to be productive in and of itself, it will be reduced to nothingness.

[ 80 ] Diese Dinge heute nicht unbefangen zu beurteilen, das ist ein soziales Versäumnis. Denn heute liegen die Dinge in Wahrheit außerordentlich ernst. Daher kann man nicht aus irgendeiner Parteimeinung heraus solche wichtigen Dinge beurteilen, sondern man muß sie beurteilen aus dem ganzen Umfang der Wirklichkeit selber. Da muß man fragen: Was hätte herausgestaltet werden müssen aus den Grundlagen der russischen Sozietät selber? Jedenfalls nicht der Leninismus, der eine Abstraktion ist, und eine solche Abstraktion, die noch dazu sagt: Es muß die Menschenrasse erst erzeugt werden. Deshalb ist Lenins Arbeit nicht für die Russen, sondern für Menschen, die er heranzüchten will durch unmögliche Zustände, die er erst herbeiführt. Das ist das wirkliche Faktum.

[ 80 ] Failing to judge these matters impartially today is a social dereliction of duty. For the truth is that the situation today is extraordinarily serious. Therefore, one cannot judge such important matters based on any party line, but must judge them in light of the full scope of reality itself. One must ask: What should have been developed from the very foundations of Russian society itself? Certainly not Leninism, which is an abstraction—and one that goes so far as to say: The human race must first be created. That is why Lenin’s work is not for the Russians, but for people whom he intends to cultivate through impossible conditions that he first brings about. That is the real fact.

[ 81 ] Wahrhaftig, nicht liegt dem, was ich sage, irgendeine Sympathie oder Antipathie zugrunde, sondern das Streben nach Einsicht. Es nützt nichts, diese Dinge heute nicht in ihrem vollen, in ihrem umfänglichen Ernste zu betrachten.

[ 81 ] Truly, what I say is not based on any sympathy or antipathy, but on the pursuit of insight. It is of no use not to consider these things today in all their full, comprehensive gravity.

[ 82 ] Eine weitere Frage ist diese:

[ 82 ] Another question is this:

[ 83 ] In welchem Zusammenhange steht mit dem heute Gesagten die Szene des Geldschwindels des Mephistopheles im «Faust» von Goethe?

[ 83 ] How does the scene in Goethe’s Faust in which Mephistopheles commits financial fraud relate to what has been said today?

[ 84 ] Es ist interessant, daß diese Frage gestellt wird, denn man kann darauf antworten, wie tief eigentlich der Goetheanismus durch Goethe schon hineinsah in die realen Verhältnisse. Stellen Sie sich einmal die ganze Szene im zweiten Teil des «Faust» vor Augen, wo Mephistopheles, der Teufel, das Papiergeld erfindet, wo er den ganzen Geldschwindel vor den Kaiser hinstellt. Sie haben im Grunde genommen eine schöne Imagination, eine bildhafte Darstellung dessen, was man heute als soziale Wahrheiten aussprechen muß. Das ganze Abheben der Geldwirtschaft von der gediegenen Wirklichkeit ist hingestellt als eine Schöpfung des «Geistes, der stets verneint», der nichts Positives schafft, in grandioser dichterischer Gestaltung. Das zeigt nur, wie Goethe dichterisch gestaltete, was er zu seiner Zeit wahrhaftig nicht in der Wirklichkeit hätte gestalten können. Denn selbst der sehr vorurteilslose Herzog Karl August von Weimar würde wenig haben eingehen können auf das, was Goethe eigentlich gemeint hat mit dieser Schaffung des Geldes als solchem durch den «Geist, der stets verneint». Aber Goethe wollte sich doch aussprechen. Und sehen Sie einmal nach, wie vieles in «Wilhelm Meisters Wanderjahren» von solchen Ideen drinnen ist. Goethe wollte sich aussprechen. Er konnte sich in seiner Zeit nicht anders aussprechen, als er sich ausgesprochen hat. Aber es liegt ungeheuer viel von sozial Impulsivem und sozial impulsierender Einsicht gerade in dieser Szene.

[ 84 ] It is interesting that this question is being asked, because it allows us to see just how deeply Goetheanism, through Goethe himself, had already penetrated the realities of the situation. Just picture the entire scene in the second part of Faust where Mephistopheles, the devil, invents paper money and lays out the whole monetary fraud before the emperor. Essentially, you have a beautiful imagination here—a vivid depiction of what we must today articulate as social truths. The entire detachment of the monetary economy from solid reality is portrayed—in a magnificent poetic form—as a creation of the “spirit that always negates,” which creates nothing positive. This only shows how Goethe poetically shaped what he truly could not have shaped in reality during his time. For even the very open-minded Duke Karl August of Weimar would have been able to grasp very little of what Goethe actually meant by this creation of money as such through the “spirit that always negates.” But Goethe wanted to speak his mind nonetheless. And just take a look at how much of such ideas are contained in Wilhelm Meister’s Journeyman Years. Goethe wanted to speak his mind. In his time, he could not have expressed himself any other way than he did. But there is an immense amount of socially impulsive and socially inspiring insight precisely in this scene.

[ 85 ] Man wird überhaupt erst nach und nach erkennen, was es bei Goethe bedeutet, daß er sein ganzes Leben hindurch in Entwickelung begriffen war. Das versteht man in der heutigen Zeit sehr wenig; denn heute — man redet von der Entwickelung in der Naturwissenschaft, aber Entwickelung des Menschen durch das Leben hindurch? Wenn man zwanzig Jahre alt ist, ist man reif, in das Staatsparlament gewählt zu werden, Feuilletons zu schreiben, zu urteilen über alles mögliche! Daß man sich dann noch entwickeln soll, daran denkt man ja heute, nicht wahr, wenig.

[ 85 ] Only gradually will we come to understand what it means, in Goethe’s case, that he was in a state of constant development throughout his entire life. This is something that is very little understood today; for today—people talk about evolution in the natural sciences, but what about the development of the human being throughout life? When one is twenty years old, one is considered mature enough to be elected to the state legislature, to write feature articles, and to pass judgment on all sorts of things! The idea that one should still continue to develop after that—well, people don’t really think about that much these days, do they?

[ 86 ] Goethe dachte daran. Er wußte ganz gut, daß er sich in späteren Jahren seiner Entwickelung Dinge erobert hatte, die er in früheren Jahren nicht hatte. Ja, es gibt einen Achtzeiler, recht nett, aus Goethes Nachlaß. Darin hat er sich ausgesprochen über diejenigen Menschen, welche sagten: O ja, Goethe ist alt geworden. Die Jugendwerke - dazumal war nur der erste Teil des «Faust» gedruckt -, die zeugen von wirklicher künstlerischer Kraft. Aber der alte Goethe, der ist eben alt geworden! — Das hat man ja noch nachträglich gesagt. Sehen Sie, der SchwabenVischer, der V-Vischer, er hat den zweiten Teil des «Faust» ein zusammengeschustertes, zusammengeleimtes Machwerk des Alters genannt, Ich habe gar nichts gegen den V-Vischer sonst einzuwenden und schätze ihn sehr; aber ein Philister, der nicht verstehen konnte, was Goethe sich durch seine Entwickelung errungen hat, war der V-Vischer durchaus, voll philiströsen Geistes. Goethe selbst hat einen Achtzeiler hinterlassen, der für die Zeitgenossen und auch sonst noch gilt. Da steht:

[ 86 ] Goethe thought about this. He knew full well that in the later years of his development he had achieved things he had not in his earlier years. Indeed, there is a rather nice eight-line poem from Goethe’s posthumous works. In it, he speaks out against those people who said: “Oh yes, Goethe has grown old.” His early works—at that time, only the first part of Faust had been published—bear witness to true artistic power. But the old Goethe—he’s simply grown old! —That’s what people said in hindsight. You see, the Swabian Vischer, “V-Vischer,” called the second part of Faust a cobbled-together, glued-together piece of old-age drivel. I have nothing else against V-Vischer and hold him in high regard; but V-Vischer was certainly a philistine who could not understand what Goethe had achieved through his artistic development—he was full of philistine spirit. Goethe himself left behind an eight-line poem that applies to his contemporaries and to others as well. It reads:

[ 87 ] Da loben sie den Faust,

[ 87 ] There they praise Faust,

[ 88 ] — er meint den ersten Teil des «Faust»; der zweite Teil war noch nicht gedruckt, er war ein Werk der reifen Entwickelung —

[ 88 ] — he is referring to the first part of Faust; the second part had not yet been printed; it was a work of his mature period —

[ 89 ] Und was noch sunsten
In meinen Schriften braust
Zu ihren Gunsten;
Das alte Mick und Mack
Das freut sie sehr;
Es meint das Lumpenpack,
Man wär’s nicht mehr!

[ 89 ] And what else
In my writings rages
In their favor;
The old Mick and Mack
That pleases them greatly;
It means, says the rabble,
That we’re no longer what we used to be!

[ 90 ] Sehen Sie, Goethe war sich dessen schon bewußt, daß er etwas erreicht hat, was er eben nur der Entwickelung des höheren Alters verdanken konnte. Und so ist das, was er hineingeheimnißt hat in den zweiten Teil des «Faust», wirklich recht künstlerisch. Und es zeigt sich erst, wie künstlerisch es auch in der Gestaltungskraft ist, wenn man es eurythmisch darstellt, wie wir demnächst die Szene aus dem zweiten Teil des «Faust» über die Sorge darstellen wollen.

[ 90 ] You see, Goethe was already aware that he had achieved something he owed solely to the development of his later years. And so what he has woven into the second part of Faust is truly quite artistic. And its artistic power in terms of form only becomes apparent when it is presented through eurythmy, as we intend to do shortly with the scene from the second part of Faust dealing with worry.

[ 91 ] Aber die Menschen sind ja nicht gerade auf die Entwickelung aufmerksam. Sie denken, eine entwickelte Weltanschauung zu treffen damit, daß sie auf das abstrakte Gefühl hinweisen und sagen, beim jungen Goethe stehe ja schon alles: «Name ist Schall und Rauch... Gefühl ist alles... Wer darf ihn nennen und wer bekennen?... den Allerhalter, Allumfasser...» und so weiter. Das soll größer sein als jede entwickelte Weltanschauung! Sogar Philosophen zitieren das, vergessen ganz, daß Goethe es dem Faust in den Mund gelegt hat, wo Faust ein sechzehnjährigesBackfischchen katechisiert. Also die sechzehnjährigeBackfischlehre, die soll angeführt werden gegen die entwickelte Weltanschauung!

[ 91 ] But people aren’t exactly paying attention to this development. They think they’re presenting a developed worldview by pointing to abstract feelings and saying that everything is already there in the young Goethe: “A name is but sound and smoke… Feeling is everything… Who may name it, and who may profess it?... the Sustainer of All, the All-Encompassing One...” and so on. That’s supposed to be greater than any developed worldview! Even philosophers quote this, completely forgetting that Goethe put these words into Faust’s mouth, when Faust is catechizing a sixteen-year-old schoolgirl. So the teachings of a sixteen-year-old schoolgirl are to be cited against a developed worldview!

[ 92 ] In vielen Dingen muß eben heute durchaus umgelernt werden. Und der Goetheanismus ist schon etwas, an dem sich umlernen läßt. Und ebenso wie diese Szene mit dem Geldschwindel, so könnte manches andere gerade aus dem zweiten Teil des «Faust», aus «Wilhelm Meisters Wanderjahren», aus manchem anderen angeführt werden, das zeigen könnte, was menschliche Entwickelung ist, wie man sich anlehnen kann an diesen Goethe. Nun bin ich noch gefragt worden:

[ 92 ] In many respects, we really do need to unlearn certain things today. And Goetheanism is certainly something from which we can unlearn. And just as with this scene involving the financial fraud, many other examples could be cited—particularly from the second part of Faust, from Wilhelm Meister’s Journeyman Years, and from various other works—that could illustrate what human development is and how one can draw inspiration from Goethe. Now, I have also been asked:

[ 93 ] Wovon soll der Arbeitslohn bezahlt werden, wenn nicht durch den Erlös der Ware?

[ 93 ] How are wages to be paid, if not from the proceeds of the goods?

[ 94 ] Über den Arbeitslohn zu denken - es ist ja die Zeit so vorgeschritten, daß ich nur kurz darauf eingehen kann -, ist eigentlich recht interessant. Es ist merkwürdig, wie nach und nach einzig und allein das Wirtschaftsleben so stark hypnotisierend gewirkt hat, daß in der Zeit, in der die Menschheit begann sich der großen Täuschung hinzugeben, das sozialistische Programm eine vollständige Umgestaltung erfuhr gerade mit Bezug auf solche Dinge. Es gehört zum interessantesten Studium der modernen Arbeiterbewegung, kennenzulernen die drei Programme: Das Eisenacher Programm, das Gothaer, das Erfurter Programm. Nimmt man die Programme - bis zum Erfurter, das im Jahre 1891 gefaßt worden ist —, so findet man überall: Da ist noch ein Bewußtsein davon vorhanden, daß aus gewissen Rechts- und Staats- und politischen Anschauungen heraus gearbeitet werden soll. Daher findet man als die zwei Hauptforderungen der älteren Programme die Abschaffung des Lohnes und die Herstellung gleicher politischer Rechte. Das Erfurter Programm aber ist ganz ein bloßes Wirtschaftsprogramm, aber ein politisierendes, wie ich heute dargestellt habe. Da werden als die Hauptforderungen aufgestellt: Überführung der Produktionsmittel in die Gemeinverwaltung, in das Gemeineigentum, und Produktion durch die Gemeinschaft. Rein wirtschaftlich, aber politisch gedacht, wird das Programm festgelegt.

[ 94 ] Thinking about wages—since we’ve come so far that I can only touch on this briefly—is actually quite interesting. It is remarkable how, little by little, economic life alone has exerted such a powerful hypnotic influence that, at the very time when humanity began to succumb to the great delusion, the socialist program underwent a complete transformation precisely with regard to such matters. One of the most fascinating aspects of studying the modern labor movement is becoming familiar with the three programs: the Eisenach Program, the Gotha Program, and the Erfurt Program. If one examines the programs—up to the Erfurt Program, which was adopted in 1891—one finds throughout that there is still an awareness that work should be based on certain legal, state, and political views. Hence, the two main demands of the earlier programs are the abolition of wages and the establishment of equal political rights. The Erfurt Program, however, is purely an economic program—albeit a politicized one, as I have explained today. The main demands set forth there are: the transfer of the means of production to communal administration and communal ownership, and production by the community. The program is formulated from a purely economic perspective, but with political implications.

[ 95 ] Man denkt so stark im Sinne der heutigen Gesellschaftsordnung, der heutigen sozialen Ordnung, daß man in weitesten Kreisen überhaupt gar nicht gewahr wird, wie der Lohn als solcher ja in Wirklichkeit eine soziale Unwahrheit ist. In Wirklichkeit besteht das Verhältnis so, daß der sogenannte Lohnarbeiter zusammenarbeitet mit dem Leiter der Unternehmung, und was stattfindet, ist in Wirklichkeit eine Auseinandersetzung — die nur kaschiert wird durch allerlei täuschende Verhältnisse, durch Machtverhältnisse meistens und so weiter — über die Verteilung des Erlöses. Wenn man paradox sprechen wollte, so könnte man sagen: Lohn gibt es ja gar nicht, sondern Verteilung des Erlöses gibt es — heute schon, nur daß in der Regel derjenige heute, der der wirtschaftlich Schwache ist, sich bei der Teilung übers Ohr gehauen findet. Das ist das ganze. Es handelt sich darum, hier nicht etwas, was nur auf einem sozialen Irrtum beruht, auf die Wirklichkeit zu übertragen. In dem Augenblicke, wo die soziale Struktur so ist, wie ich sie dargestellt habe in meinem Buch: «Die Kernpunkte der sozialen Frage», wird es durchsichtig sein, wie ein Zusammenarbeiten besteht zwischen dem sogenannten Arbeitnehmer und Arbeitgeber, wie diese Begriffe Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufhören, und wie ein Verteilungsverhältnis besteht. Dann hat das Lohnverhältnis überhaupt vollständig seine Bedeutung verloren.

[ 95 ] People think so much in terms of today’s social order that, in the broadest circles, they are completely unaware of how wages as such are, in reality, a social falsehood. In reality, the relationship is such that the so-called wage laborer collaborates with the head of the enterprise, and what actually takes place is a dispute—one that is merely concealed by all sorts of deceptive circumstances, mostly power relations and so on—over the distribution of profits. To put it paradoxically, one could say: Wages do not actually exist; rather, there is a distribution of profits—this is already the case today, except that, as a rule, the economically weaker party finds themselves shortchanged in the division. That is the whole of it. The point here is not to project onto reality something that is based solely on a social fallacy. The moment the social structure becomes as I have described it in my book, The Key Points of the Social Question, it will become clear how a collaborative relationship exists between the so-called employee and employer, how these terms—employee and employer—cease to exist, and how a system of distribution operates. Then the concept of wages will have completely lost its meaning.

[ 96 ] Dann aber darf nicht mehr daran gedacht werden, die Arbeit als solche zu bezahlen. Das ist natürlich der andere Pol. Die Arbeit wird einem Rechtsverhältnis - ich werde morgen davon noch sprechen unterstellt; die Arbeit wird nach Maß und Art bestimmt im demokratischen Zusammenleben, im Rechtsstaat. Die Arbeit wird so, wie die Naturkräfte, zur Grundlage der wirtschaftlichen Ordnung, und das, was produziert wird, wird nicht als Maßstab für irgendeine Entlöhnung da sein.

[ 96 ] But then we must no longer think of paying for labor as such. That, of course, is the other extreme. Labor is subject to a legal relationship—I will speak more about this tomorrow—and is defined in terms of its scope and nature within a democratic society and under the rule of law. Labor, like the forces of nature, thus becomes the foundation of the economic order, and what is produced will not serve as the basis for any form of remuneration.

[ 97 ] Was da sein wird auf dem Wirtschaftsboden, wird lediglich die Bewertung der Leistung sein. Da handelt es sich darum, kennenzulernen das Fundament, gewissermaßen die Urzelle des Wirtschaftslebens. Diese Urzelle, ich habe sie öfter so ausgesprochen, daß ich sagte: Im wesentlichen müssen die Einrichtungen, die ich heute geschildert habe, darauf hinauslaufen, daß durch die lebendige Wirksamkeit der Assoziationen ein jeder Mensch als Gleichwertiges für das, was er erzeugt, das bekommt, was ihn in den Stand setzt, seine Bedürfnisse so lange zu befriedigen, bis er ein gleiches Produkt wieder erzeugt haben wird. Einfach gesprochen: Erzeuge ich ein paar Stiefel, so müssen durch die Einrichtungen, die ich heute geschildert habe, diese Stiefel so viel wert sein, muß ich so viel dafür bekommen, als ich brauche, bis ich wieder ein paar Stiefel angefertigt habe.

[ 97 ] What will exist in the economic sphere will be nothing more than the valuation of performance. The point here is to understand the foundation—the “primordial cell,” so to speak—of economic life. This “primordial cell”—I have often described it this way: Essentially, the institutions I have outlined today must ensure that, through the dynamic activity of associations, every person receives, in exchange for what they produce, an equivalent value that enables them to satisfy their needs until they have produced an equivalent product again. Simply put: If I produce a pair of boots, then through the institutions I have described today, these boots must be worth enough—I must receive enough in exchange for them—to cover my needs until I have made another pair of boots.

[ 98 ] Also es kann sich gar nicht handeln um irgendwelche Bestimmung des Lohnes für Arbeit, sondern um die Bestimmung der gegenseitigen Preise. Eingerechnet muß natürlich sein alles, was Invaliden-, Kranken- und so weiter -Unterstützung ist, für Kindererziehung und so weiter. Darüber soll noch gesprochen werden. Es handelt sich darum, daß eine solche soziale Struktur geschaffen werde, wodurch wirklich die Leistung in den Vordergrund geschoben wird, die Arbeit aber bloß auf ein Rechtsverhältnis begründet werden kann, denn die kann nicht anders geregelt werden, als daß der eine für den anderen arbeitet. Das aber muß auf dem Rechtsboden geregelt werden: wie der. eine für den anderen arbeitet; das darf nicht auf dem Marktboden der wirtschaftlichen Verhältnisse stehen. Sie werden ja morgen sehen, daß diese Dinge durchaus auch auf realer wirklicher Grundlage stehen. Dann werde ich noch gefragt:

[ 98 ] So this cannot be a matter of determining wages for work at all, but rather of determining relative prices. Of course, this must include everything related to disability benefits, health care, and so on—as well as child-rearing and so forth. This is a matter for further discussion. The point is to create a social structure that truly prioritizes performance, while work itself can be based solely on a legal relationship—for it cannot be regulated in any other way than by one person working for another. But this must be regulated on a legal basis: how one person works for another; it must not be subject to the market dynamics of economic conditions. You will see tomorrow that these things are indeed based on a real, tangible foundation. Then I am also asked:

[ 99 ] Wie sollen die Ausgaben erfaßt werden?

[ 99 ] How should the expenses be recorded?

[ 100 ] Ja, das ist sehr leicht, die Ausgaben zu erfassen. Man kann sie nicht verbergen. Jedesmal, wenn ich irgend etwas überführe in den sozialen Prozeß, kann es selbstverständlich erfaßt werden, geradeso wie ein Brief erfaßt wird, den mir die Post befördert, die es auch nicht außer acht lassen wird, dafür die Postmarke mir abzufordern und so weiter. Diese einzelnen, speziellen Einrichtungen - wer nur darüber nachdenkt, der wird sie nicht allzuschwierig finden.

[ 100 ] Yes, it’s very easy to track expenses. You can’t hide them. Every time I transfer something into the social process, it can of course be recorded, just as a letter delivered to me by the post office is recorded—and the post office will not fail to collect the postage from me, and so on. These individual, specific mechanisms—anyone who just thinks about them will not find them all that difficult.

[ 101 ] Nun noch:

[ 101 ] Now, one more thing:

[ 102 ] Wie verhalten sich die landwirtschaftlichen Kreditverhältnisse?

[ 102 ] What is the state of agricultural credit conditions?

[ 103 ] Es würde heute zu spät werden, um auf diese Dinge einzugehen. Ich werde im Lauf der nächsten Vorträge gerade auf die landwirtschaftlichen Verhältnisse in anderen Zusammenhängen noch zu sprechen kommen.

[ 103 ] It would be too late to go into these matters today. I will be discussing agricultural conditions in other contexts during my upcoming lectures.