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Freedom of Thought and Social Forces
GA 333

19 December 1919, Stuttgart

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Gedankenfreiheit und Soziale Kräfte
  1. Freedom of Thought and Social Forces, tr. SOL

4. Geisteswissenschaft, Gedankenfreiheit Und Soziale Kräfte

4. Geisteswissenschaft, Gedankenfreiheit Und Soziale Kräfte

[ 1 ] Es kann sich etwas wie ein Alpdruck auf die Seele des Betrachters des gegenwärtigen Kulturlebens der Menschheit legen, etwas wie eine Art Zusammenptessen des gequälten Herzens, wenn man bemerkt, wie es doch noch verhältnismäßig wenige Menschen gibt, die mit unbefangenem Blicke sehen wollen, wie wir uns mit Bezug auf die wichtigsten Zweige unseres Kulturlebens auf einer abschüssigen Bahn befinden. Diese abschüssige Bahn ist ja genügend wahrnehmbar geworden durch die Ereignisse der letzten Jahre, durch alles das, was über die Menschen hereingebrochen ist. Aber wir finden doch vielfach heute noch, daß die Menschen sich der Meinung hingeben: Ohne daß etwas Durchgreifendes getan werde, müsse es wenigstens bei jenem Grade des Chaos bleiben, bis zu dem wir schon vorgedrungen sind, und man könne nun aus dem, was eben da ist, weiterarbeiten; es werde sich das andere schon ergeben. Immer wiederum habe ich im Laufe der Jahre gegen diese Zeitempfindungen sprechen müssen, hinweisen müssen darauf, wie es notwendig ist, durch Umlernen und Umdenken die Geneigtheit zu finden, aus den tiefsten Fundamenten des Geistes- und Kulturlebens heraus an einen wirklichen Neubau unserer öffentlichen Verhältnisse, unseres öffentlichen Lebens zu denken. Und wenn es auch eine kleine Anzahl von Menschen heute schon gibt, welche darauf aufmerksam geworden sind, wie alle Anzeichen dafür sprechen, daß ohne solche durchgreifende 'Tat die abschüssige Bahn weiter und weiter gewandelt werden muß, so kann man auch bei diesen wenigen Menschen nur geringes Verständnis für dasjenige finden, was aus dem Eistreben einer neuen Metamorphose des menschlichen Geistes notwendig ist, um zu einer Gesundung, zu einer Heilung von manchem Kranken zu führen, das sich eben in der abschüssigen Bahn unseres Kulturlebens auslebt.

[ 1 ] Es kann sich etwas wie ein Alpdruck auf die Seele des Betrachters des gegenwärtigen Kulturlebens der Menschheit legen, etwas wie eine Art Zusammenptessen des gequälten Herzens, wenn man bemerkt, wie es doch noch verhältnismäßig wenige Menschen gibt, die mit unbefangenem Blicke sehen wollen, wie wir uns mit Bezug auf die wichtigsten Zweige unseres Kulturlebens auf einer abschüssigen Bahn befinden. Diese abschüssige Bahn ist ja genügend wahrnehmbar geworden durch die Ereignisse der letzten Jahre, durch alles das, was über die Menschen hereingebrochen ist. Aber wir finden doch vielfach heute noch, daß die Menschen sich der Meinung hingeben: Ohne daß etwas Durchgreifendes getan werde, müsse es wenigstens bei jenem Grade des Chaos bleiben, bis zu dem wir schon vorgedrungen sind, und man könne nun aus dem, was eben da ist, weiterarbeiten; es werde sich das andere schon ergeben. Immer wiederum habe ich im Laufe der Jahre gegen diese Zeitempfindungen sprechen müssen, hinweisen müssen darauf, wie es notwendig ist, durch Umlernen und Umdenken die Geneigtheit zu finden, aus den tiefsten Fundamenten des Geistes- und Kulturlebens heraus an einen wirklichen Neubau unserer öffentlichen Verhältnisse, unseres öffentlichen Lebens zu denken. Und wenn es auch eine kleine Anzahl von Menschen heute schon gibt, welche darauf aufmerksam geworden sind, wie alle Anzeichen dafür sprechen, daß ohne solche durchgreifende 'Tat die abschüssige Bahn weiter und weiter gewandelt werden muß, so kann man auch bei diesen wenigen Menschen nur geringes Verständnis für dasjenige finden, was aus dem Eistreben einer neuen Metamorphose des menschlichen Geistes notwendig ist, um zu einer Gesundung, zu einer Heilung von manchem Kranken zu führen, das sich eben in der abschüssigen Bahn unseres Kulturlebens auslebt.

[ 2 ] Drei Erscheinungen sind es, aus denen ein Wichtigstes für das Verständnis unserer Zeit und dessen, was in ihr notwendig ist, hervorleuchten kann. Das Erste möchte ich nennen den Hauptmangel unserer Zeit. Seit Jahrzehnten sind die Vorträge über Geisteswissenschaft bemüht gewesen, auf diesen Hauptmangel hinzuweisen und auch auf mancherlei, was aus diesem Hauptmangel einer nicht hinlänglichen Erkenntnis und Durchschauung des Geisteslebens selbst für die Entwicklung der Menschheit der Gegenwart und der nächsten Zukunft folgen muß. Das Zweite, was laut und deutlich aus den Tatsachen der Gegenwart heraus spricht, möchte ich die Hauptforderung nennen. Und diese Hauptforderung tönt seit mehr als einem Jahrhundert in viele Herzen hinein, seit jener Zeit, als Schiller in seinem «Don Carlos» die Worte sprechen ließ: «Geben Sie Gedankenfreiheit!» Wer tiefer hineinblickt in das soziale und in das Geistesleben unserer Zeit, wird finden können, wie sich hinter manchem, was heute von den Leuten bewußt formuliert wird als diese oder jene soziale Forderung, eigentlich die Forderung nach einer freien Betätigung des innersten Menschenwesens, des menschlichen Gedankens verbirgt. Seufzend stehen viele Menschen unter dem Zwang ihres Gedankenlebens, der ihnen entweder aus alten bestehenden Einrichtungen oder auch aus den neuen wirtschaftlichen Verhältnissen heraus kommt. Sie finden sich entweder dutch offiziell bestehende Bekenntnisse oder auch durch den Zwang des wirtschaftlichen Lebens in ihrer freien Entfaltung des Gedankens gehemmt. Was eigentlich in den Seelen lebt, bleibt zum guten Teil unbewußt; was aber ins Bewußtsein heraufsteigt, kommt darin zum Ausdruck, daß man mit irgend etwas nicht zufrieden sein könne; daß etwas da ist, was den Menschen nicht offen und frei vor sich bekennen läßt: Ich darf ein menschenwürdiges Dasein führen. Und so entstehen die mannigfachsten Programme, die sehr schöne Dinge enthalten, aber nicht hinunterreichen auf den Grund der Seele, um zu schauen, was da eigentlich lebt. Sucht man nach dem, was da lebt: es ist die Sehnsucht nach freiester Betätigung des innersten Menschenwesens, nach dem, was man zusammenfassen könnte mit dem Ausdruck der Zeitforderung nach Gedankenfreiheit. Und man braucht nur das Wort «soziale Kräfte» auszusprechen — und es kann gefühlt werden, wie damit darauf hingewiesen ist, daß uns die modernen Geistes-, die modernen Rechts- und politischen, die modernen wirtschaftlichen Verhältnisse ein Zeitalter heraufgeführt haben, in dem die produktiven Kräfte des Lebens kompliziert wirken, und wie wir nicht imstande sind, aus dem heraus, was wir geistig bezwingen, aus dem heraus, was wir programmatisch verarbeiten wollen, diese sozialen Kräfte, in die die Menschen hineinverwoben sind, so zu organisieren, daß innerhalb dieser Organisation der einzelne Mensch, der zum Bewußtsein seines Menschentums gekommen ist, sich die Frage befriedigend beantworten kann: Führe ich ein menschenwürdiges Dasein?

[ 2 ] Drei Erscheinungen sind es, aus denen ein Wichtigstes für das Verständnis unserer Zeit und dessen, was in ihr notwendig ist, hervorleuchten kann. Das Erste möchte ich nennen den Hauptmangel unserer Zeit. Seit Jahrzehnten sind die Vorträge über Geisteswissenschaft bemüht gewesen, auf diesen Hauptmangel hinzuweisen und auch auf mancherlei, was aus diesem Hauptmangel einer nicht hinlänglichen Erkenntnis und Durchschauung des Geisteslebens selbst für die Entwicklung der Menschheit der Gegenwart und der nächsten Zukunft folgen muß. Das Zweite, was laut und deutlich aus den Tatsachen der Gegenwart heraus spricht, möchte ich die Hauptforderung nennen. Und diese Hauptforderung tönt seit mehr als einem Jahrhundert in viele Herzen hinein, seit jener Zeit, als Schiller in seinem «Don Carlos» die Worte sprechen ließ: «Geben Sie Gedankenfreiheit!» Wer tiefer hineinblickt in das soziale und in das Geistesleben unserer Zeit, wird finden können, wie sich hinter manchem, was heute von den Leuten bewußt formuliert wird als diese oder jene soziale Forderung, eigentlich die Forderung nach einer freien Betätigung des innersten Menschenwesens, des menschlichen Gedankens verbirgt. Seufzend stehen viele Menschen unter dem Zwang ihres Gedankenlebens, der ihnen entweder aus alten bestehenden Einrichtungen oder auch aus den neuen wirtschaftlichen Verhältnissen heraus kommt. Sie finden sich entweder dutch offiziell bestehende Bekenntnisse oder auch durch den Zwang des wirtschaftlichen Lebens in ihrer freien Entfaltung des Gedankens gehemmt. Was eigentlich in den Seelen lebt, bleibt zum guten Teil unbewußt; was aber ins Bewußtsein heraufsteigt, kommt darin zum Ausdruck, daß man mit irgend etwas nicht zufrieden sein könne; daß etwas da ist, was den Menschen nicht offen und frei vor sich bekennen läßt: Ich darf ein menschenwürdiges Dasein führen. Und so entstehen die mannigfachsten Programme, die sehr schöne Dinge enthalten, aber nicht hinunterreichen auf den Grund der Seele, um zu schauen, was da eigentlich lebt. Sucht man nach dem, was da lebt: es ist die Sehnsucht nach freiester Betätigung des innersten Menschenwesens, nach dem, was man zusammenfassen könnte mit dem Ausdruck der Zeitforderung nach Gedankenfreiheit. Und man braucht nur das Wort «soziale Kräfte» auszusprechen — und es kann gefühlt werden, wie damit darauf hingewiesen ist, daß uns die modernen Geistes-, die modernen Rechts- und politischen, die modernen wirtschaftlichen Verhältnisse ein Zeitalter heraufgeführt haben, in dem die produktiven Kräfte des Lebens kompliziert wirken, und wie wir nicht imstande sind, aus dem heraus, was wir geistig bezwingen, aus dem heraus, was wir programmatisch verarbeiten wollen, diese sozialen Kräfte, in die die Menschen hineinverwoben sind, so zu organisieren, daß innerhalb dieser Organisation der einzelne Mensch, der zum Bewußtsein seines Menschentums gekommen ist, sich die Frage befriedigend beantworten kann: Führe ich ein menschenwürdiges Dasein?

[ 3 ] Ich darf voraussetzen, daß der größte Teil der heute hier versammelten Zuhörer aus den Vorträgen und den Schriften, welche den Inhalt dieser Vorträge weiter ausführen, und die von mir veröffentlicht sind, im Laufe vieler Jahre haben entnehmen können, welches der innere Sinn und welches der Geist der hier gemeinten Geisteswissenschaft ist. Diese Geisteswissenschaft glaubt, aus einer Zeitnotwendigkeit heraus sich hineinstellen zu müssen in das gegenwärtige Kulturleben. Ich werde heute, da ich auf die zahlreichen hier schon gehaltenen Vorträge verweisen darf, nur einiges Prinzipielle darüber anzudeuten brauchen. Vor allen Dingen möchte ich aber noch einmal auf eines einleitungsweise hindeuten, das schon in den verschiedensten Formen besprochen worden ist.

[ 3 ] Ich darf voraussetzen, daß der größte Teil der heute hier versammelten Zuhörer aus den Vorträgen und den Schriften, welche den Inhalt dieser Vorträge weiter ausführen, und die von mir veröffentlicht sind, im Laufe vieler Jahre haben entnehmen können, welches der innere Sinn und welches der Geist der hier gemeinten Geisteswissenschaft ist. Diese Geisteswissenschaft glaubt, aus einer Zeitnotwendigkeit heraus sich hineinstellen zu müssen in das gegenwärtige Kulturleben. Ich werde heute, da ich auf die zahlreichen hier schon gehaltenen Vorträge verweisen darf, nur einiges Prinzipielle darüber anzudeuten brauchen. Vor allen Dingen möchte ich aber noch einmal auf eines einleitungsweise hindeuten, das schon in den verschiedensten Formen besprochen worden ist.

[ 4 ] Wenn von Geisteswissenschaft die Rede ist, so bringt die Außenwelt sie vielfach mit allen möglichen Formen einer vertrackten Mystik, einer vertrackten Theosophie und so weiter zusammen. Trotzdem diese Geisteswissenschaft tut, was sie kann, um über ihren eigentlichen Sinn aufzuklären, so wird doch in weitesten Kreisen heute noch so über sie gesprochen, daß es das gerade Gegenteil von dem darstellt, was diese Geisteswissenschaft eigentlich sein will. In erster Linie empfinden es die Träger dieser Geisteswissenschaft, daß seit drei bis vier Jahrhunderten eine Denkweise innerhalb der Menschheit heraufgezogen ist, die unser ganzes Leben beherrscht, und die ihren bedeutsamsten Ausdruck in der Vorstellungsart der neueren Naturwissenschaft gefunden hat. Ich bitte, mich in diesem Punkte nicht mißzuverstehen. Nicht will ich den Glauben erwecken, als ob ich annähme, daß von jener Geistesrichtung nur diejenigen Menschen erfüllt sind, die irgendeine naturwissenschaftliche Bildung durchgemacht haben. So ist die Sache nicht, sondern Menschen weitester Kreise, bis hinunter zu denen mit einer ganz primitiven Kultur und Bildung, die heute eine Aufklärung haben wollen über das Wesen des Menschen, über das Wesen des sozialen Lebens, über das Wesen auch des Weltalls, sie denken so, sie stellen in einer solchen Richtung vor, wie es in der Hauptsache dutch die Naturwissenschaft zum Ausdruck gekommen ist. Und es ist kein Wunder, daß das so ist, denn unser ganzes Leben, das uns umgibt, in das wir den ganzen Tag über hineinverwoben sind, ist im Grunde genommen ein Ergebnis dieser naturwissenschaftlichen Denkweise.

[ 4 ] Wenn von Geisteswissenschaft die Rede ist, so bringt die Außenwelt sie vielfach mit allen möglichen Formen einer vertrackten Mystik, einer vertrackten Theosophie und so weiter zusammen. Trotzdem diese Geisteswissenschaft tut, was sie kann, um über ihren eigentlichen Sinn aufzuklären, so wird doch in weitesten Kreisen heute noch so über sie gesprochen, daß es das gerade Gegenteil von dem darstellt, was diese Geisteswissenschaft eigentlich sein will. In erster Linie empfinden es die Träger dieser Geisteswissenschaft, daß seit drei bis vier Jahrhunderten eine Denkweise innerhalb der Menschheit heraufgezogen ist, die unser ganzes Leben beherrscht, und die ihren bedeutsamsten Ausdruck in der Vorstellungsart der neueren Naturwissenschaft gefunden hat. Ich bitte, mich in diesem Punkte nicht mißzuverstehen. Nicht will ich den Glauben erwecken, als ob ich annähme, daß von jener Geistesrichtung nur diejenigen Menschen erfüllt sind, die irgendeine naturwissenschaftliche Bildung durchgemacht haben. So ist die Sache nicht, sondern Menschen weitester Kreise, bis hinunter zu denen mit einer ganz primitiven Kultur und Bildung, die heute eine Aufklärung haben wollen über das Wesen des Menschen, über das Wesen des sozialen Lebens, über das Wesen auch des Weltalls, sie denken so, sie stellen in einer solchen Richtung vor, wie es in der Hauptsache dutch die Naturwissenschaft zum Ausdruck gekommen ist. Und es ist kein Wunder, daß das so ist, denn unser ganzes Leben, das uns umgibt, in das wir den ganzen Tag über hineinverwoben sind, ist im Grunde genommen ein Ergebnis dieser naturwissenschaftlichen Denkweise.

[ 5 ] Diejenigen, die mich öfters gehört haben, wissen, daß ich diese naturwissenschaftliche Denkweise nicht unterschätze, daß ich ihre großen Triumphe wohl anerkenne. Aber sie hat diese Triumphe gerade dadurch erzielt, sie hat einen Teil unseres praktischen Lebens in so großartiger Weise ergreifen können, weil sie im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte grandios einseitig geworden ist. Alles, was nach dieser Richtung hin die Menschen denken, fußt auf der Erkenntnis der leblosen Natur, des Physikalischen, des Chemischen, was dann übergeht in die Technik, in alles das, was unseren Lebenseinrichtungen zugrunde liegt, was auch zum Beispiel in unsere Heilmethoden übergeht, also in diejenigen Erkenntnisse, die für das Menschenleben von einer gewissen Seite her hilfreich sein sollen. Wer aber in vorurteilsloser Weise anerkennt, wie gewaltig die Fortschritte naturwissenschaftlicher Vorstellungsart in biologischer, physikalischer, chemischer Hinsicht sind, und wer zu würdigen versteht die Tragweite dessen, was gewissenhafte Methodik in diesem Punkte geleistet hat, gerade der wird zu gleicher Zeit die Grenzen dieser naturwissenschaftlichen Vorstellungsweise auch voll ins Auge fassen können. Ich habe das unzählige Male hier ausgeführt, und ich möchte es jetzt zusammenfassen in die Worte: Wer tiefer eindringt in das, was wir heute echte Naturwissenschaft nennen, wird finden, daß diese Naturwissenschaft vorzügliche Aufschlüsse gibt über die leblose Natur und über dasjenige am Lebendigen, was, ich möchte sagen, aus Einschlüssen in dieser leblosen Natur besteht. Aber eines gibt es, vor dem wir gerade dann stehen bleiben müssen, wenn wir die Erkenntnistragweiten der naturwissenschaftlichen Vorstellungsart überschauen: Wir müssen stehen bleiben vor dem eigentlichen Wesen des Menschen. Es gibt keine Möglichkeit, wenn man sich nicht einer Selbsttäuschung hingeben will, zu glauben, daß diese Anschauungen, die uns so tief hineingeführt haben in das Leblose, die uns «so herrlich weit gebracht» haben in unseren technischen Leistungen, daß diese Anschauungen einen Aufschluß geben können über das Wesen des Menschen. Dieser Aufschluß über das Wesen des Menschen — das kann derjenige wissen, der nicht an jener Fable convenue festhält, die zwar nicht Geschichte ist, die man aber Geschichte nennt -, diese Erkenntnis des Menschen war bis zu dem Zeitpunkt, der drei bis vier Jahrhunderte zurückliegt, dem Menschen etwas Instinktives. Es lebte eine gewisse Erkenntnis des menschlichen Wesens aus einem ursprünglichen elementaren Instinkt der Menschheit. Allein gerade so, wie das einzelne Menschenwesen eine Entwicklung durchmacht, so auch die ganze Menschheit. Und die Menschheit ist einmal - man mag aus Täuschungen heraus noch so sehr etwas anderes behaupten - in ihrer Entwicklung an jenem Punkte angelangt, wo sie über das Menschenwesen nicht mehr aus dem bloßen Instinkt heraus urteilen kann, wo es notwendig ist, daß der Mensch bewußt eindringe in das Wesen des Menschen selbst, wie er bewußt eindringen muß seit Kopernikus, seit Galilei in die Erscheinungen des äußeren Naturlebens. Wenn man an den entscheidenden Punkt kommt, wo man stille stehen muß mit der Naturwissenschaft vor dem Einblick in die menschliche Wesenheit, da gibt es nichts anderes, als sich hinzuwenden zu dem, was ich schon öfters genannt habe die dem Menschen notwendige intellektuelle Bescheidenheit, die erst die Grundlage abgeben kann für das Erstreben einer wirklichen menschlichen Entwicklung.

[ 5 ] Diejenigen, die mich öfters gehört haben, wissen, daß ich diese naturwissenschaftliche Denkweise nicht unterschätze, daß ich ihre großen Triumphe wohl anerkenne. Aber sie hat diese Triumphe gerade dadurch erzielt, sie hat einen Teil unseres praktischen Lebens in so großartiger Weise ergreifen können, weil sie im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte grandios einseitig geworden ist. Alles, was nach dieser Richtung hin die Menschen denken, fußt auf der Erkenntnis der leblosen Natur, des Physikalischen, des Chemischen, was dann übergeht in die Technik, in alles das, was unseren Lebenseinrichtungen zugrunde liegt, was auch zum Beispiel in unsere Heilmethoden übergeht, also in diejenigen Erkenntnisse, die für das Menschenleben von einer gewissen Seite her hilfreich sein sollen. Wer aber in vorurteilsloser Weise anerkennt, wie gewaltig die Fortschritte naturwissenschaftlicher Vorstellungsart in biologischer, physikalischer, chemischer Hinsicht sind, und wer zu würdigen versteht die Tragweite dessen, was gewissenhafte Methodik in diesem Punkte geleistet hat, gerade der wird zu gleicher Zeit die Grenzen dieser naturwissenschaftlichen Vorstellungsweise auch voll ins Auge fassen können. Ich habe das unzählige Male hier ausgeführt, und ich möchte es jetzt zusammenfassen in die Worte: Wer tiefer eindringt in das, was wir heute echte Naturwissenschaft nennen, wird finden, daß diese Naturwissenschaft vorzügliche Aufschlüsse gibt über die leblose Natur und über dasjenige am Lebendigen, was, ich möchte sagen, aus Einschlüssen in dieser leblosen Natur besteht. Aber eines gibt es, vor dem wir gerade dann stehen bleiben müssen, wenn wir die Erkenntnistragweiten der naturwissenschaftlichen Vorstellungsart überschauen: Wir müssen stehen bleiben vor dem eigentlichen Wesen des Menschen. Es gibt keine Möglichkeit, wenn man sich nicht einer Selbsttäuschung hingeben will, zu glauben, daß diese Anschauungen, die uns so tief hineingeführt haben in das Leblose, die uns «so herrlich weit gebracht» haben in unseren technischen Leistungen, daß diese Anschauungen einen Aufschluß geben können über das Wesen des Menschen. Dieser Aufschluß über das Wesen des Menschen — das kann derjenige wissen, der nicht an jener Fable convenue festhält, die zwar nicht Geschichte ist, die man aber Geschichte nennt -, diese Erkenntnis des Menschen war bis zu dem Zeitpunkt, der drei bis vier Jahrhunderte zurückliegt, dem Menschen etwas Instinktives. Es lebte eine gewisse Erkenntnis des menschlichen Wesens aus einem ursprünglichen elementaren Instinkt der Menschheit. Allein gerade so, wie das einzelne Menschenwesen eine Entwicklung durchmacht, so auch die ganze Menschheit. Und die Menschheit ist einmal - man mag aus Täuschungen heraus noch so sehr etwas anderes behaupten - in ihrer Entwicklung an jenem Punkte angelangt, wo sie über das Menschenwesen nicht mehr aus dem bloßen Instinkt heraus urteilen kann, wo es notwendig ist, daß der Mensch bewußt eindringe in das Wesen des Menschen selbst, wie er bewußt eindringen muß seit Kopernikus, seit Galilei in die Erscheinungen des äußeren Naturlebens. Wenn man an den entscheidenden Punkt kommt, wo man stille stehen muß mit der Naturwissenschaft vor dem Einblick in die menschliche Wesenheit, da gibt es nichts anderes, als sich hinzuwenden zu dem, was ich schon öfters genannt habe die dem Menschen notwendige intellektuelle Bescheidenheit, die erst die Grundlage abgeben kann für das Erstreben einer wirklichen menschlichen Entwicklung.

[ 6 ] Wer nicht aus echtem Erkenntnissinn heraus diese intellektuelle Bescheidenheit entwickeln kann, vermag nicht zu einer wirklichen Erkenntnis des Menschenwesens zu kommen. Man muß sich sagen können: Ich sehe ein fünfjähriges Kind, und ich gebe ihm einen Band Goethescher lyrischer Gedichte. Es sieht ihn an, es zerreißt vielleicht das Buch. Es hat alles das vor sich, was der Erwachsene, der eine Entwicklung durchgemacht hat, auch vor sich hat, so daß er wirklich das finden kann, was aus diesem Band Gedichte zu ihm sprechen soll. Aber wie man zugeben muß, daß das Kind sich erst entwickeln muß, um in der richtigen Weise zu dem zu stehen, was es vor sich hat, so muß man heute auch sagen: So wie der Mensch durch die Natur in das Dasein hereingestellt ist, steht er vor dem Menschenleben selbst wie ein fünfjähriges Kind vor einem Band Goethescher Gedichte, wenn er nicht den Willen hat, seine Entwicklung über das hinauszuführen, was man heute gewöhnlich für die einzig möglichen Methoden hält. Man muß seine Entwicklung selbst in die Hand nehmen. Dann aber zeigt sich, daß in dieser Menschenwesenheit unbekannte, verborgene Kräfte sind, die auferweckt werden können und die eine ebenso streng wissenschaftliche Erkenntnis geben, wie sie nur je eine Naturwissenschaft zu geben vermag, die aber über das Erkennen der Außenwelt, der Sinnenwelt hinausgehen und in das Übersinnliche führen und dann erst dahin leiten, das Wesen des Menschen wirklich zu durchschauen. Gestehen muß man sich können: Mit den gewöhnlichen Kräften, die für das Naturerkennen ausreichen, können wir nicht an das Menschenwesen herantreten. Wir können es nur, wenn wir Erkenntniskräfte, die sonst in uns schlummern wie die Verständniskräfte im fünfjährigen Kinde, — wenn wir diese herausholen aus den Tiefen der menschlichen Seele.

[ 6 ] Wer nicht aus echtem Erkenntnissinn heraus diese intellektuelle Bescheidenheit entwickeln kann, vermag nicht zu einer wirklichen Erkenntnis des Menschenwesens zu kommen. Man muß sich sagen können: Ich sehe ein fünfjähriges Kind, und ich gebe ihm einen Band Goethescher lyrischer Gedichte. Es sieht ihn an, es zerreißt vielleicht das Buch. Es hat alles das vor sich, was der Erwachsene, der eine Entwicklung durchgemacht hat, auch vor sich hat, so daß er wirklich das finden kann, was aus diesem Band Gedichte zu ihm sprechen soll. Aber wie man zugeben muß, daß das Kind sich erst entwickeln muß, um in der richtigen Weise zu dem zu stehen, was es vor sich hat, so muß man heute auch sagen: So wie der Mensch durch die Natur in das Dasein hereingestellt ist, steht er vor dem Menschenleben selbst wie ein fünfjähriges Kind vor einem Band Goethescher Gedichte, wenn er nicht den Willen hat, seine Entwicklung über das hinauszuführen, was man heute gewöhnlich für die einzig möglichen Methoden hält. Man muß seine Entwicklung selbst in die Hand nehmen. Dann aber zeigt sich, daß in dieser Menschenwesenheit unbekannte, verborgene Kräfte sind, die auferweckt werden können und die eine ebenso streng wissenschaftliche Erkenntnis geben, wie sie nur je eine Naturwissenschaft zu geben vermag, die aber über das Erkennen der Außenwelt, der Sinnenwelt hinausgehen und in das Übersinnliche führen und dann erst dahin leiten, das Wesen des Menschen wirklich zu durchschauen. Gestehen muß man sich können: Mit den gewöhnlichen Kräften, die für das Naturerkennen ausreichen, können wir nicht an das Menschenwesen herantreten. Wir können es nur, wenn wir Erkenntniskräfte, die sonst in uns schlummern wie die Verständniskräfte im fünfjährigen Kinde, — wenn wir diese herausholen aus den Tiefen der menschlichen Seele.

[ 7 ] Und so vertritt die hier gemeinte Geisteswissenschaft die Anschauung, daß es möglich ist, von dem Standpunkt aus, der hinreichend ist, um die äußere leblose Natur zu erkennen, den Menschen weiterzuführen zu Gesichtspunkten der Erkenntnis, von denen aus man erst in das menschliche Wesen eindringen kann. Diese Geisteswissenschaft will nicht sein ein müßiges Grübeln in innerer Mystik, diese Geisteswissenschaft will auch nicht irgendwelche äußeren Machinationen handhaben, um zum Geiste vorzurücken, sondern will etwas sein, was so streng auf dasjenige baut, wofür der Mensch wirklich entwicklungsfähig ist, wie etwa der Mathematiker auf die Entwicklung jener Fähigkeiten baut, die auch ganz aus dem Innern des Menschen hervorgeholt werden. So streng logisch will diese Geisteswissenschaft sein wie nur irgendein anderer Zweig der Wissenschaft, sie will aber diese Logik nur auf das anwenden, was sich als geistige Schauung ergibt, wenn naturgemäß das im menschlichen Innern Schlummernde wirklich erweckt wird. Ich habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» darauf hingewiesen, daß es durchaus innerliche, seelisch-geistige Methoden sind, durch die diese Entwicklung innerer, geistig-seelischer Kräfte im Menschen bewirkt wird, und wie dadurch in ihm aufgeht, um mit den Goetheschen Worten zu sprechen, ein Geistesauge, ein Seelenohr, ein Geistesohr, damit er das Geistige, das Seelische schauen, hören kann, für das wir heute im Grunde genommen nur Worte haben. Da wird darauf hingewiesen, daß es darauf ankommt, eine gewisse Verstärkung des Gedankenlebens immer wiederum zu pflegen. Ich habe darauf hingewiesen, wie eine gewisse Selbstzucht, ein In-die-HandNehmen derjenigen Entwicklung notwendig ist, in der wir uns sonst einfach dem Leben überlassen, damit das geistige Auge, das geistige Ohr aufgeht.

[ 7 ] Und so vertritt die hier gemeinte Geisteswissenschaft die Anschauung, daß es möglich ist, von dem Standpunkt aus, der hinreichend ist, um die äußere leblose Natur zu erkennen, den Menschen weiterzuführen zu Gesichtspunkten der Erkenntnis, von denen aus man erst in das menschliche Wesen eindringen kann. Diese Geisteswissenschaft will nicht sein ein müßiges Grübeln in innerer Mystik, diese Geisteswissenschaft will auch nicht irgendwelche äußeren Machinationen handhaben, um zum Geiste vorzurücken, sondern will etwas sein, was so streng auf dasjenige baut, wofür der Mensch wirklich entwicklungsfähig ist, wie etwa der Mathematiker auf die Entwicklung jener Fähigkeiten baut, die auch ganz aus dem Innern des Menschen hervorgeholt werden. So streng logisch will diese Geisteswissenschaft sein wie nur irgendein anderer Zweig der Wissenschaft, sie will aber diese Logik nur auf das anwenden, was sich als geistige Schauung ergibt, wenn naturgemäß das im menschlichen Innern Schlummernde wirklich erweckt wird. Ich habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» darauf hingewiesen, daß es durchaus innerliche, seelisch-geistige Methoden sind, durch die diese Entwicklung innerer, geistig-seelischer Kräfte im Menschen bewirkt wird, und wie dadurch in ihm aufgeht, um mit den Goetheschen Worten zu sprechen, ein Geistesauge, ein Seelenohr, ein Geistesohr, damit er das Geistige, das Seelische schauen, hören kann, für das wir heute im Grunde genommen nur Worte haben. Da wird darauf hingewiesen, daß es darauf ankommt, eine gewisse Verstärkung des Gedankenlebens immer wiederum zu pflegen. Ich habe darauf hingewiesen, wie eine gewisse Selbstzucht, ein In-die-HandNehmen derjenigen Entwicklung notwendig ist, in der wir uns sonst einfach dem Leben überlassen, damit das geistige Auge, das geistige Ohr aufgeht.

[ 8 ] Die meisten Zeitgenossen verhalten sich noch durchaus ablehnend gegen alles, was von dieser Seite kommt. Und dennoch, man braucht nur darauf hinzuweisen, wie in unserer Zeit, in welcher die sozialen Forderungen an allen Orten nur so aufschießen, die antisozialsten Triebe walten. Woher kommen diese? Sie kommen davon her, daß die Menschen eigentlich ohne Verständnis aneinander vorübergehen und daß sie einander nicht begreifen. Und warum begreifen sie einander nicht? Weil das, was sie Erkenntnis, was sie ihr Wissen nennen, nicht in den ganzen Menschen eingreift, weil das im Kopfe bleibt, weil sich das beschränkt auf den bloßen Intellekt: Das ist das Eigentümliche der hier gemeinten Geisteswissenschaft, daß die Erkenntnisse, die sie liefert durch die entwickelten Kräfte, den ganzen Menschen ergreifen, daß sie nicht nur zum Intellekt, nicht nur zum Kopfe sprechen, sondern daß sie Gefühl und Willen durchtränken, daß sie eingießen in das Fühlen Menschenverständnis, Verständnis alles dessen, was da lebt und webt neben und außer uns, daß sie den Willen durchpulsen mit Ethik, mit Sittenlehre, mit einer sozialen Gesinnung, die zu gleicher Zeit auf das unmittelbar praktische Leben einwirkt.

[ 8 ] Die meisten Zeitgenossen verhalten sich noch durchaus ablehnend gegen alles, was von dieser Seite kommt. Und dennoch, man braucht nur darauf hinzuweisen, wie in unserer Zeit, in welcher die sozialen Forderungen an allen Orten nur so aufschießen, die antisozialsten Triebe walten. Woher kommen diese? Sie kommen davon her, daß die Menschen eigentlich ohne Verständnis aneinander vorübergehen und daß sie einander nicht begreifen. Und warum begreifen sie einander nicht? Weil das, was sie Erkenntnis, was sie ihr Wissen nennen, nicht in den ganzen Menschen eingreift, weil das im Kopfe bleibt, weil sich das beschränkt auf den bloßen Intellekt: Das ist das Eigentümliche der hier gemeinten Geisteswissenschaft, daß die Erkenntnisse, die sie liefert durch die entwickelten Kräfte, den ganzen Menschen ergreifen, daß sie nicht nur zum Intellekt, nicht nur zum Kopfe sprechen, sondern daß sie Gefühl und Willen durchtränken, daß sie eingießen in das Fühlen Menschenverständnis, Verständnis alles dessen, was da lebt und webt neben und außer uns, daß sie den Willen durchpulsen mit Ethik, mit Sittenlehre, mit einer sozialen Gesinnung, die zu gleicher Zeit auf das unmittelbar praktische Leben einwirkt.

[ 9 ] Diese Geisteswissenschaft kennt nicht jene unglückselige Teilung, die man heute an allen Straßenecken besprochen findet, die Teilung in Kopf- und Handarbeit. Was ist schließlich unsere Handarbeit? Sie ist nichts anderes als der Gebrauch unserer Leibeswerkzeuge im Dienste unseres Willens. Wenn wir uns aber klar sind darüber - und ich habe oft auch davon gesprochen -, daß dieser Wille als ein Geistiges alles durchpulst, was wir als ganzer Mensch verrichten, und wiederum zurückstrahlt auf den Verstand unseres Kopfes, — wenn wir wirklich den ganzen Menschen im Auge haben, dann erst werden wir den innersten Impuls dieser Geisteswissenschaft verstehen.

[ 9 ] Diese Geisteswissenschaft kennt nicht jene unglückselige Teilung, die man heute an allen Straßenecken besprochen findet, die Teilung in Kopf- und Handarbeit. Was ist schließlich unsere Handarbeit? Sie ist nichts anderes als der Gebrauch unserer Leibeswerkzeuge im Dienste unseres Willens. Wenn wir uns aber klar sind darüber - und ich habe oft auch davon gesprochen -, daß dieser Wille als ein Geistiges alles durchpulst, was wir als ganzer Mensch verrichten, und wiederum zurückstrahlt auf den Verstand unseres Kopfes, — wenn wir wirklich den ganzen Menschen im Auge haben, dann erst werden wir den innersten Impuls dieser Geisteswissenschaft verstehen.

[ 10 ] Verzeihen Sie, wenn ich bei dieser Gelegenheit etwas Persönliches erwähne. Aber Persönliches wird in diesem Falle gerade dienlich sein, um Sachliches klarmachen zu können. Der Geisteswissenschaft, von der hier gesprochen ist, ihr soll dienen auf dem im Nordwesten der Schweiz gelegenen Dornacher Hügel, einem Stück Jura, das dort errichtete Goetheanum, das gedacht ist als eine Hochschule für Geisteswissenschaft. Als darangegangen wurde, diese Hochschule für Geisteswissenschaft zu begründen und ihr den äußeren Bau zu widmen, konnte es sich nicht darum handeln, nun zu irgend jemand zu gehen, der aus den alten architektonischen oder künstlerischen Anschauungen heraus einen Bau gebaut hätte, in den man dann eingezogen wäre, um diese Geisteswissenschaft zu betreiben. Nein, da mußte es sich um etwas anderes handeln. Diese Geisteswissenschaft ist von Anfang an so fruchtbar gedacht gewesen, daß sie eingreifen kann in das ganze äußere Kulturleben, daß sie wirklich dasjenige, was alt geworden ist in unserer Kunst, in unserer Architektonik, in unserem Leben, in unserer Arbeit, neu befruchten kann. So konnte man nicht einfach jemandem den Auftrag geben: Baue mir im griechischen, im romanischen, im gotischen oder sonst einem Baustil einen Bau. Sondern aus dieser Geisteswissenschaft selber gingen so wie die anderen Gedanken des Lebens, wie die anderen Impulse des Lebens, auch die architektonischen Gedanken hervor, die eingaben: so muß dieser Bau sein in jeder Linie, in jeder einzelnen Form. Und so wurde der Bau unternommen, daß er in der Tat in jeder einzelnen, auch in der kleinsten seiner Formen die äußere Kristallisation dessen sein wird, was als Vorstellungsweise, als Gesinnung dieser Geisteswissenschaft zugrunde liegt.

[ 10 ] Verzeihen Sie, wenn ich bei dieser Gelegenheit etwas Persönliches erwähne. Aber Persönliches wird in diesem Falle gerade dienlich sein, um Sachliches klarmachen zu können. Der Geisteswissenschaft, von der hier gesprochen ist, ihr soll dienen auf dem im Nordwesten der Schweiz gelegenen Dornacher Hügel, einem Stück Jura, das dort errichtete Goetheanum, das gedacht ist als eine Hochschule für Geisteswissenschaft. Als darangegangen wurde, diese Hochschule für Geisteswissenschaft zu begründen und ihr den äußeren Bau zu widmen, konnte es sich nicht darum handeln, nun zu irgend jemand zu gehen, der aus den alten architektonischen oder künstlerischen Anschauungen heraus einen Bau gebaut hätte, in den man dann eingezogen wäre, um diese Geisteswissenschaft zu betreiben. Nein, da mußte es sich um etwas anderes handeln. Diese Geisteswissenschaft ist von Anfang an so fruchtbar gedacht gewesen, daß sie eingreifen kann in das ganze äußere Kulturleben, daß sie wirklich dasjenige, was alt geworden ist in unserer Kunst, in unserer Architektonik, in unserem Leben, in unserer Arbeit, neu befruchten kann. So konnte man nicht einfach jemandem den Auftrag geben: Baue mir im griechischen, im romanischen, im gotischen oder sonst einem Baustil einen Bau. Sondern aus dieser Geisteswissenschaft selber gingen so wie die anderen Gedanken des Lebens, wie die anderen Impulse des Lebens, auch die architektonischen Gedanken hervor, die eingaben: so muß dieser Bau sein in jeder Linie, in jeder einzelnen Form. Und so wurde der Bau unternommen, daß er in der Tat in jeder einzelnen, auch in der kleinsten seiner Formen die äußere Kristallisation dessen sein wird, was als Vorstellungsweise, als Gesinnung dieser Geisteswissenschaft zugrunde liegt.

[ 11 ] Und so darf ich vielleicht folgendes Persönliche sagen: Es war im Herbst 1913 und im Winter auf 1914, als ich selber das Modell dieses Baues ausarbeitete, den ganzen Bau im kleinen. Ich frage nun, da ich das Modell ausgearbeitet habe, nach dem sogar die architektonischen Zeichnungen gemacht sind: War das, was ich ausarbeitete in Handarbeit, war das Handarbeit oder Kopfarbeit? Das war etwas, wo beides zusammenfloß und als eine Einheit wirkte. Das weiß ich, weil ich die Sache eben gemacht habe. Dann wiederum: Es gibt kaum etwas an diesem Bau, wo ich nicht, wie jeder einzelne Arbeiter, da und dort Hand angelegt habe. Und wen es gerade interessieren könnte, dem möchte ich sagen: Wir arbeiten als Mittelpunktsfigur dieses Baues eine neuneinhalb Meter hohe Holzgruppe, welche darstellen soll das Menschenrätsel unserer Zeit, aber in künstlerischer Erscheinung. Da handelte es sich darum, eine bildhauerische Holzarbeit herzustellen. Trotzdem die Arbeit künstlerisch ist, ist sie, wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf, ein Holzhacken, und ich könnte schon die Schwielen an meinen Fingern zeigen, die den Beweis liefern, daß hier Geistesarbeit in unmittelbarer Handarbeit vom Morgen bis zum Abend selber ausgeführt wird.

[ 11 ] Und so darf ich vielleicht folgendes Persönliche sagen: Es war im Herbst 1913 und im Winter auf 1914, als ich selber das Modell dieses Baues ausarbeitete, den ganzen Bau im kleinen. Ich frage nun, da ich das Modell ausgearbeitet habe, nach dem sogar die architektonischen Zeichnungen gemacht sind: War das, was ich ausarbeitete in Handarbeit, war das Handarbeit oder Kopfarbeit? Das war etwas, wo beides zusammenfloß und als eine Einheit wirkte. Das weiß ich, weil ich die Sache eben gemacht habe. Dann wiederum: Es gibt kaum etwas an diesem Bau, wo ich nicht, wie jeder einzelne Arbeiter, da und dort Hand angelegt habe. Und wen es gerade interessieren könnte, dem möchte ich sagen: Wir arbeiten als Mittelpunktsfigur dieses Baues eine neuneinhalb Meter hohe Holzgruppe, welche darstellen soll das Menschenrätsel unserer Zeit, aber in künstlerischer Erscheinung. Da handelte es sich darum, eine bildhauerische Holzarbeit herzustellen. Trotzdem die Arbeit künstlerisch ist, ist sie, wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf, ein Holzhacken, und ich könnte schon die Schwielen an meinen Fingern zeigen, die den Beweis liefern, daß hier Geistesarbeit in unmittelbarer Handarbeit vom Morgen bis zum Abend selber ausgeführt wird.

[ 12 ] Vor kurzem hatten wir eine gewisse finanzielle Frage zu entscheiden; wir mußten die Stühle herstellen. Wir ließen uns den Kostenvoranschlag geben. Der Preis war ein ungeheuerlicher. Nun machten wir in unserem künstlerischen Atelier selbst das Modell eines Stuhles, wir arbeiteten dabei zusammen mit einem Arbeiter, der in der Tat außerordentlich geschickt ist. Als das Modell fertig war — der Stuhl wird nur zwei Fünftel kosten von dem, was er nach dem andern Vorschlag gekostet hätte -, da konnte man wiederum nicht sagen, wo da die Geistesarbeit aufhört und wo die Handarbeit anfängt.

[ 12 ] Vor kurzem hatten wir eine gewisse finanzielle Frage zu entscheiden; wir mußten die Stühle herstellen. Wir ließen uns den Kostenvoranschlag geben. Der Preis war ein ungeheuerlicher. Nun machten wir in unserem künstlerischen Atelier selbst das Modell eines Stuhles, wir arbeiteten dabei zusammen mit einem Arbeiter, der in der Tat außerordentlich geschickt ist. Als das Modell fertig war — der Stuhl wird nur zwei Fünftel kosten von dem, was er nach dem andern Vorschlag gekostet hätte -, da konnte man wiederum nicht sagen, wo da die Geistesarbeit aufhört und wo die Handarbeit anfängt.

[ 13 ] Man darf sogar sagen: Nach der Art, wie da zusammengearbeitet wird im sozialen Zusammenleben mit den Mitarbeitern, die sich aus Freunden unserer Bewegung einerseits und aus Arbeitern andererseits zusammensetzen, gibt es eigentlich nur ein Hindernis, ohne welches es sich zeigen würde, daß überall die Geistesarbeit zusammenfließt mit der Handarbeit. Wir haben zum Beispiel eine Dame, die für ärztliche Hilfsarbeit diplomiert ist und die vom Morgen bis zum Abend für unsere Bildhauerarbeit die Messer schleift. Und wir können fragen: Was hindert es nun, daß dasjenige, was wit, die man geistige Arbeiter schimpft, leisten, einfach ungetrennt überfließe in das, was die Arbeiter machen, zur vollsten Zufriedenheit von beiden Teilen, zum vollständigst befriedigenden sozialen Zusammenarbeiten? Ja, ich habe wohl Verständnis für alles, was als soziale Erscheinungen heraufgezogen ist. Dennoch muß ich sagen: Wenn ich von dem einzigen Hindernis sprechen soll, was unmöglich macht, daß zugleich Handgriff und Geistesarbeit übergeben werden dem Handgriff des Handarbeiters, so ist es das Organisiert sein der Arbeiter, die mit Mißtrauen auf alles sehen, was von den geistigen Arbeitern kommt, die doch eigentlich dasselbe tun.

[ 13 ] Man darf sogar sagen: Nach der Art, wie da zusammengearbeitet wird im sozialen Zusammenleben mit den Mitarbeitern, die sich aus Freunden unserer Bewegung einerseits und aus Arbeitern andererseits zusammensetzen, gibt es eigentlich nur ein Hindernis, ohne welches es sich zeigen würde, daß überall die Geistesarbeit zusammenfließt mit der Handarbeit. Wir haben zum Beispiel eine Dame, die für ärztliche Hilfsarbeit diplomiert ist und die vom Morgen bis zum Abend für unsere Bildhauerarbeit die Messer schleift. Und wir können fragen: Was hindert es nun, daß dasjenige, was wit, die man geistige Arbeiter schimpft, leisten, einfach ungetrennt überfließe in das, was die Arbeiter machen, zur vollsten Zufriedenheit von beiden Teilen, zum vollständigst befriedigenden sozialen Zusammenarbeiten? Ja, ich habe wohl Verständnis für alles, was als soziale Erscheinungen heraufgezogen ist. Dennoch muß ich sagen: Wenn ich von dem einzigen Hindernis sprechen soll, was unmöglich macht, daß zugleich Handgriff und Geistesarbeit übergeben werden dem Handgriff des Handarbeiters, so ist es das Organisiert sein der Arbeiter, die mit Mißtrauen auf alles sehen, was von den geistigen Arbeitern kommt, die doch eigentlich dasselbe tun.

[ 14 ] Woher kommt es denn, daß im Grunde genommen heute ein so tiefer Abgrund besteht zwischen dem, was in unserer Kunst, in unserer Wissenschaft, kurzum in unserem geistigen Leben und auch in der geistigen Leitung unseres sozialen Lebens liegt, und in der äußeren Arbeit, mit der sich heute hauptsächlich die proletarische Bewegung zu schaffen macht? Dieser Abgrund ist dadurch gekommen, daß aus unserer Denkweise heraus geflohen ist dasjenige, was den ganzen Menschen betrifft. Eine Gesundung dafür liegt nur in der Geisteswissenschaft, nicht in einer einseitig vertrackten Mystik oder Theosophie, welche müßige Leute in ihrem Kämmerchen betreiben mögen, ohne daß eine Stoßkraft vorhanden ist. Das Gesundende dieser Geisteswissenschaft hegt darin, daß durch sie der ganze Mensch in Anspruch genommen wird. Und ich habe das jetzt deshalb gesagt, um daran die Bemerkung zu knüpfen: Ich weiß, daß die Erkenntnisse, die ich heute vor der Welt mit voller Verantwortung vertrete, mir nicht gekommen wären, wenn ich nur mit dem Kopf gearbeitet hätte, wenn ich nicht mein ganzes Leben hin so etwas hätte treiben müssen, was man gewöhnlich Handarbeit nennt; denn dieses ist ja auch von einer gewissen Wirkung auf den Menschen. Was nur die sogenannte Kopfarbeit ist, was nur den Intellekt in Anspruch nimmt, das reicht nicht bis zum Geist. Und etwas, was heute vielen Menschen als höchst paradox erscheinen wird, das möchte ich hier erwähnen. Man sagt heute draußen im praktischen Leben: Handarbeit, Praxis; drinnen, aus dem Intellekt heraus: geistige Arbeit! O nein, so ist es gar nicht, wie diese Worte glauben machen möchten. Wir haben die Trennung zwischen äußerer Lebenspraxis und dem sogenannten Geistesleben, weil aus beiden der Geist gewichen ist, weil wir heute in der mechanischen Tretmühle der Technik drinnenstehen, weil der Arbeiter an der Maschine steht und bloß mechanische Verrichtungen verübt nach Anleitungen des Intellekts, und weil auf der andern Seite diejenigen, die für ein intellektuelles Leben erzogen werden, zu wenig hineingestellt werden in die realen praktischen Arbeiten. So geistlos unsere Praxis ist, so geistlos ist unser intellektualistisches geistiges Leben. Erst dann, wenn aus der vollen Betätigung des Menschen in der Welt dasjenige wiederum zurückfließt auch nach unserem Kopf, auch zu unserem Denken, was nur aus diesem ganzen Menschenwesen hervorgehen kann in harmonischer Betätigung von allem, was am Menschen ist, nur dann, wenn wir nicht bloß denken mit dem Kopf, sondern so denken, wie man denkt, wenn man einmal mit der Hand etwas geformt hat und gespürt hat, wie das zurückstrahlt in den Kopf, nur dann wird der Gedanke so voll gesättigt von Wirklichkeit, daß Geist darinnen ist. Das bloß Ausgedachte ist geradeso geistlos wie das geistlos an der Maschine Gearbeitete.

[ 14 ] Woher kommt es denn, daß im Grunde genommen heute ein so tiefer Abgrund besteht zwischen dem, was in unserer Kunst, in unserer Wissenschaft, kurzum in unserem geistigen Leben und auch in der geistigen Leitung unseres sozialen Lebens liegt, und in der äußeren Arbeit, mit der sich heute hauptsächlich die proletarische Bewegung zu schaffen macht? Dieser Abgrund ist dadurch gekommen, daß aus unserer Denkweise heraus geflohen ist dasjenige, was den ganzen Menschen betrifft. Eine Gesundung dafür liegt nur in der Geisteswissenschaft, nicht in einer einseitig vertrackten Mystik oder Theosophie, welche müßige Leute in ihrem Kämmerchen betreiben mögen, ohne daß eine Stoßkraft vorhanden ist. Das Gesundende dieser Geisteswissenschaft hegt darin, daß durch sie der ganze Mensch in Anspruch genommen wird. Und ich habe das jetzt deshalb gesagt, um daran die Bemerkung zu knüpfen: Ich weiß, daß die Erkenntnisse, die ich heute vor der Welt mit voller Verantwortung vertrete, mir nicht gekommen wären, wenn ich nur mit dem Kopf gearbeitet hätte, wenn ich nicht mein ganzes Leben hin so etwas hätte treiben müssen, was man gewöhnlich Handarbeit nennt; denn dieses ist ja auch von einer gewissen Wirkung auf den Menschen. Was nur die sogenannte Kopfarbeit ist, was nur den Intellekt in Anspruch nimmt, das reicht nicht bis zum Geist. Und etwas, was heute vielen Menschen als höchst paradox erscheinen wird, das möchte ich hier erwähnen. Man sagt heute draußen im praktischen Leben: Handarbeit, Praxis; drinnen, aus dem Intellekt heraus: geistige Arbeit! O nein, so ist es gar nicht, wie diese Worte glauben machen möchten. Wir haben die Trennung zwischen äußerer Lebenspraxis und dem sogenannten Geistesleben, weil aus beiden der Geist gewichen ist, weil wir heute in der mechanischen Tretmühle der Technik drinnenstehen, weil der Arbeiter an der Maschine steht und bloß mechanische Verrichtungen verübt nach Anleitungen des Intellekts, und weil auf der andern Seite diejenigen, die für ein intellektuelles Leben erzogen werden, zu wenig hineingestellt werden in die realen praktischen Arbeiten. So geistlos unsere Praxis ist, so geistlos ist unser intellektualistisches geistiges Leben. Erst dann, wenn aus der vollen Betätigung des Menschen in der Welt dasjenige wiederum zurückfließt auch nach unserem Kopf, auch zu unserem Denken, was nur aus diesem ganzen Menschenwesen hervorgehen kann in harmonischer Betätigung von allem, was am Menschen ist, nur dann, wenn wir nicht bloß denken mit dem Kopf, sondern so denken, wie man denkt, wenn man einmal mit der Hand etwas geformt hat und gespürt hat, wie das zurückstrahlt in den Kopf, nur dann wird der Gedanke so voll gesättigt von Wirklichkeit, daß Geist darinnen ist. Das bloß Ausgedachte ist geradeso geistlos wie das geistlos an der Maschine Gearbeitete.

[ 15 ] Nicht lebensfremde Mystik soll die Geisteswissenschaft, die hier gemeint ist, treiben. Sie soll entsprießen aus dem vollen Sich-Hineinstellen in das Leben und soll gerade viel mehr mit Wirklichkeit gesättigt sein als das, was heute gewöhnlich als Geistesleben gemeint ist. Oder ist etwa, was heute als Geistesleben gemeint ist, mit Wirklichkeit gesättigt? Sehen wir nicht, wie ohnmächtig die Wissenschaft ist, um wirklich zu einem Ergreifen des Geistes zu kommen? Da glauben die Menschen, die heute landläufig in unserer Zeitkultur drinnenstehen, sie treiben vorurteilslose Naturwissenschaft. Aber diese vorurteilslose Naturwissenschaft — wodurch ist sie denn eigentlich entstanden? Dadurch, daß durch lange Jahrhunderte hindurch alles, was die Menschen zu wissen ersehnten über Seele und Geist, über das, was herausreicht über Geburt und Tod, daß sie in bezug auf alles das angewiesen waren — angewiesen durch die sozialen Verhältnisse — auf dasjenige, was die Bekenntnisse monopolisierten. Als der Geist der neueren Naturwissenschaft heraufzog — wie sah es denn da eigentlich im sozialen Leben aus? Monopolisiert war alles das, was der Mensch wissen durfte über Seele und Geist, monopolisiert in den Dogmen der Bekenntnisgesellschaften. Man durfte nicht denken über Seele und Geist, man durfte es nur über die äußere Sinneswelt. Und darin haben sich die Menschen, die Naturwissenschaft getrieben haben, hineingefunden. Sie haben sich gewöhnt, nur über die äußere Sinneswelt zu denken und zu forschen, weil durch Jahrhunderte verboten war, nach Geist und Seele zu forschen. Das haben sie sich übersetzt in gewisse Vorstellungen, sie haben bloß äußere Sinneswissenschaft getrieben. Das ist dann durch eine Selbsttäuschung grandioser Natur zu dem Glauben geworden, exakte Wissenschaft könne nur über äußere Sinneswelt etwas entscheiden, und das Forschen nach Seele und Geist liege jenseits der Grenzen der Erkenntnis. Das aber wurzelt auch im Seelenleben des modernen Menschen und durchdringt alles Leben. Man kann mit einer solchen Anschauung fruchtbare Gedanken über die Natur gewinnen. Sobald man aber heraufdringen will ins soziale Leben, reicht diese Denkweise nicht aus. Da ist es notwendig, zur Begründung einer wirklichen Volkswissenschaft, einer wirklichen sozialen Wissenschaft, die auch eingreifen kann in das Leben, daß wir uns durchdringen mit einer Anschauung über den ganzen Menschen. Und die fehlt uns, weil die Einflüsse, die ich charakterisiert habe, es verhinderten.

[ 15 ] Nicht lebensfremde Mystik soll die Geisteswissenschaft, die hier gemeint ist, treiben. Sie soll entsprießen aus dem vollen Sich-Hineinstellen in das Leben und soll gerade viel mehr mit Wirklichkeit gesättigt sein als das, was heute gewöhnlich als Geistesleben gemeint ist. Oder ist etwa, was heute als Geistesleben gemeint ist, mit Wirklichkeit gesättigt? Sehen wir nicht, wie ohnmächtig die Wissenschaft ist, um wirklich zu einem Ergreifen des Geistes zu kommen? Da glauben die Menschen, die heute landläufig in unserer Zeitkultur drinnenstehen, sie treiben vorurteilslose Naturwissenschaft. Aber diese vorurteilslose Naturwissenschaft — wodurch ist sie denn eigentlich entstanden? Dadurch, daß durch lange Jahrhunderte hindurch alles, was die Menschen zu wissen ersehnten über Seele und Geist, über das, was herausreicht über Geburt und Tod, daß sie in bezug auf alles das angewiesen waren — angewiesen durch die sozialen Verhältnisse — auf dasjenige, was die Bekenntnisse monopolisierten. Als der Geist der neueren Naturwissenschaft heraufzog — wie sah es denn da eigentlich im sozialen Leben aus? Monopolisiert war alles das, was der Mensch wissen durfte über Seele und Geist, monopolisiert in den Dogmen der Bekenntnisgesellschaften. Man durfte nicht denken über Seele und Geist, man durfte es nur über die äußere Sinneswelt. Und darin haben sich die Menschen, die Naturwissenschaft getrieben haben, hineingefunden. Sie haben sich gewöhnt, nur über die äußere Sinneswelt zu denken und zu forschen, weil durch Jahrhunderte verboten war, nach Geist und Seele zu forschen. Das haben sie sich übersetzt in gewisse Vorstellungen, sie haben bloß äußere Sinneswissenschaft getrieben. Das ist dann durch eine Selbsttäuschung grandioser Natur zu dem Glauben geworden, exakte Wissenschaft könne nur über äußere Sinneswelt etwas entscheiden, und das Forschen nach Seele und Geist liege jenseits der Grenzen der Erkenntnis. Das aber wurzelt auch im Seelenleben des modernen Menschen und durchdringt alles Leben. Man kann mit einer solchen Anschauung fruchtbare Gedanken über die Natur gewinnen. Sobald man aber heraufdringen will ins soziale Leben, reicht diese Denkweise nicht aus. Da ist es notwendig, zur Begründung einer wirklichen Volkswissenschaft, einer wirklichen sozialen Wissenschaft, die auch eingreifen kann in das Leben, daß wir uns durchdringen mit einer Anschauung über den ganzen Menschen. Und die fehlt uns, weil die Einflüsse, die ich charakterisiert habe, es verhinderten.

[ 16 ] So ist es gekommen, daß man sich sagte: Geist und Seele ist etwas, was Jahrhunderte lang durch Dogmen festgelegt worden ist. Darüber kann nicht geforscht werden. Das ist etwas, was nur durch den Menschenwillen sich wie Rauch und Nebel über dem wirklichen Leben bewegt, und da formt man als das Wirkliche nichts anderes als die ökonomischen Kräfte selber. Der Unglaube entstand: Das Geistige waltet in dem, was die äußeren wirtschaftlichen Kräfte sind. Und aus dem Unglauben entstand, was verhängnisvoll Platz gegriffen hat in den Köpfen und Herzen der Menschen. Der Glaube entstand, daß das Geistesleben von selbst sich heraus entwickeln könne aus den wirtschaftlichen Kräften, wenn diese nur in gewisser Weise organisiert werden. Keine Einsicht ist vorhanden, daß alles, was wirtschaftlich entstanden ist, ursprünglich die Ergebnisse des Geisteslebens sind, daß aber unser Geistesleben weltfremd geworden ist, daß ein Abgrund zwischen ihm und dem äußeren Leben besteht und daß wir für eine Gesundung unseres Lebens eine wirkliche Geisteswissenschaft brauchen, die eindringt in das Wesen des Menschen, die den Menschen ebenso durchdringt wie die äußere Naturwissenschaft die Maschine, die aber auf die entwickelten Kräfte der menschlichen Natur aufgebaut sein muß. Kurz, die Erkenntnis ist außerordentlich erschwert, daß Geisteswissenschaft der Grund werden muß für die Erkenntnis und Bemeisterung des sozialen Lebens. Das ist es, was der Träger der Geisteswissenschaft zu erkennen glaubt, daß der menschliche Intellekt nicht Stoßkraft genug hat, auch nicht da, wo er im heutigen sozialen Leben pulsiert, um ins wirkliche Leben unterzutauchen, und daß Letzteres mehr und mehr ins Chaos kommen muß, wenn nicht die Impulse belebt werden, die hineinreichen ins Fühlen und Wollen, die Mensch zu Mensch so stellen können, daß die sozialen Kräfte organisiert werden können. Nehmen Sie, was Sie wollen an naturwissenschaftlichen Methoden von jener exakten Naturwissenschaft, die in unserer Zeit ihren Höhepunkt erreicht hat, Sie können keine Sozialwissenschaft damit begründen. Gegenüber der Sozialwissenschaft verhalten sich die Vorstellungen, die man ohne die Geisteswissenschaft gewinnt, so, wie sich etwa eine Farbe verhält, die man an einer öligen Fläche anstreichen will. Wie die ölige Fläche die Farbe zurückweist, so weist das Leben zurück, was als bloße Intellektualwissenschaft unter uns waltet.

[ 16 ] So ist es gekommen, daß man sich sagte: Geist und Seele ist etwas, was Jahrhunderte lang durch Dogmen festgelegt worden ist. Darüber kann nicht geforscht werden. Das ist etwas, was nur durch den Menschenwillen sich wie Rauch und Nebel über dem wirklichen Leben bewegt, und da formt man als das Wirkliche nichts anderes als die ökonomischen Kräfte selber. Der Unglaube entstand: Das Geistige waltet in dem, was die äußeren wirtschaftlichen Kräfte sind. Und aus dem Unglauben entstand, was verhängnisvoll Platz gegriffen hat in den Köpfen und Herzen der Menschen. Der Glaube entstand, daß das Geistesleben von selbst sich heraus entwickeln könne aus den wirtschaftlichen Kräften, wenn diese nur in gewisser Weise organisiert werden. Keine Einsicht ist vorhanden, daß alles, was wirtschaftlich entstanden ist, ursprünglich die Ergebnisse des Geisteslebens sind, daß aber unser Geistesleben weltfremd geworden ist, daß ein Abgrund zwischen ihm und dem äußeren Leben besteht und daß wir für eine Gesundung unseres Lebens eine wirkliche Geisteswissenschaft brauchen, die eindringt in das Wesen des Menschen, die den Menschen ebenso durchdringt wie die äußere Naturwissenschaft die Maschine, die aber auf die entwickelten Kräfte der menschlichen Natur aufgebaut sein muß. Kurz, die Erkenntnis ist außerordentlich erschwert, daß Geisteswissenschaft der Grund werden muß für die Erkenntnis und Bemeisterung des sozialen Lebens. Das ist es, was der Träger der Geisteswissenschaft zu erkennen glaubt, daß der menschliche Intellekt nicht Stoßkraft genug hat, auch nicht da, wo er im heutigen sozialen Leben pulsiert, um ins wirkliche Leben unterzutauchen, und daß Letzteres mehr und mehr ins Chaos kommen muß, wenn nicht die Impulse belebt werden, die hineinreichen ins Fühlen und Wollen, die Mensch zu Mensch so stellen können, daß die sozialen Kräfte organisiert werden können. Nehmen Sie, was Sie wollen an naturwissenschaftlichen Methoden von jener exakten Naturwissenschaft, die in unserer Zeit ihren Höhepunkt erreicht hat, Sie können keine Sozialwissenschaft damit begründen. Gegenüber der Sozialwissenschaft verhalten sich die Vorstellungen, die man ohne die Geisteswissenschaft gewinnt, so, wie sich etwa eine Farbe verhält, die man an einer öligen Fläche anstreichen will. Wie die ölige Fläche die Farbe zurückweist, so weist das Leben zurück, was als bloße Intellektualwissenschaft unter uns waltet.

[ 17 ] So schreit das äußere Leben nach einer solchen Vertiefung, wie sie gerade von der Geisteswissenschaft gegeben ist. Geisteswissenschaft wird es sein müssen, welche die Grundlagen abgibt für das, was unbewußt die Menschen heute in ihre sozialen Forderungen kleiden, was sie nicht klar formulieren können, weil die Denkkraft nicht vorhanden ist. Daher ist es notwendig, diese Geisteswissenschaft nicht als etwas aufzufassen, dem man sich nebenbei mit ein paar Gedanken widmen könnte, sondern als etwas, was zu den notwendigsten Bedingungen der Gesundung unseres Lebens gehört. Ich weiß wohl — denn ich glaube wahrhaftig kein unpraktischer Mensch zu sein -, die Leute sagen: Wir haben unsere Berufe, wir können uns nicht widmen dieser immerhin recht ausführlichen Geisteswissenschaft. Sollte nicht auch der andere Gedanke ein wenig einziehen in die Herzen und Seelen der Menschen: Zeigt nicht die heutige abschüssige Bahn, auf der wir wandeln — wenn wir auch noch so sehr drinnen stehen im Beruf -, daß wir nur mitarbeiten an der Gestaltung des Weges in das Chaos hinein? Und sollten wir es nicht für notwendig halten, jede Stunde, die wir erübrigen können, solchen Anschauungen zu widmen, die nun wirklich radikal die Frage nach der Gesundung aufwerfen?

[ 17 ] So schreit das äußere Leben nach einer solchen Vertiefung, wie sie gerade von der Geisteswissenschaft gegeben ist. Geisteswissenschaft wird es sein müssen, welche die Grundlagen abgibt für das, was unbewußt die Menschen heute in ihre sozialen Forderungen kleiden, was sie nicht klar formulieren können, weil die Denkkraft nicht vorhanden ist. Daher ist es notwendig, diese Geisteswissenschaft nicht als etwas aufzufassen, dem man sich nebenbei mit ein paar Gedanken widmen könnte, sondern als etwas, was zu den notwendigsten Bedingungen der Gesundung unseres Lebens gehört. Ich weiß wohl — denn ich glaube wahrhaftig kein unpraktischer Mensch zu sein -, die Leute sagen: Wir haben unsere Berufe, wir können uns nicht widmen dieser immerhin recht ausführlichen Geisteswissenschaft. Sollte nicht auch der andere Gedanke ein wenig einziehen in die Herzen und Seelen der Menschen: Zeigt nicht die heutige abschüssige Bahn, auf der wir wandeln — wenn wir auch noch so sehr drinnen stehen im Beruf -, daß wir nur mitarbeiten an der Gestaltung des Weges in das Chaos hinein? Und sollten wir es nicht für notwendig halten, jede Stunde, die wir erübrigen können, solchen Anschauungen zu widmen, die nun wirklich radikal die Frage nach der Gesundung aufwerfen?

[ 18 ] Und innig zusammen hängt das, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist, mit jenem Ruf in unserer Zeit, der aber, wie ich ausgeführt habe, weit älter als ein Jahrhundert ist, mit jenem Ruf, den ich bezeichnen möchte als den Ruf nach Gedankenfreiheit. Dieser Ruf ist aber überhaupt der Ruf nach sozialer Freiheit. Merkwürdig, wenn man in unserer Gegenwart versucht, hineinzuschauen in dasjenige, was in den Wellen der sogenannten sozialen Forderungen an die Oberfläche geht, dann stößt man immer wieder auf die Notwendigkeit, einzusehen, wie es sich eigentlich mit der menschlichen Freiheit verhält, mit jenem Impuls, der sich in der einen oder andern Form als der Impuls der menschlichen Freiheit äußert. Daß man da einen wichtigen Punkt berührt, darauf kam selbst der Mann, den ich für den unglückseligsten Menschen betrachte unter den sogenannten hervorragenden Menschen unserer Zeit, die einen Einfluß auf die Gestaltung der Verhältnisse gewonnen haben — darauf kam sogar Woodrow Wilson. Da ich über Woodrow Wilson auch im neutralen Auslande während der Kriegszeit, während er von allen Seiten so angebetet worden ist, nie anders gesprochen habe, darf ich auch heute so wie immer über Woodrow Wilson sprechen. Es finden sich in seinen Schriften zahlreiche Stellen, in denen er darauf hinweist, wie eine Gesundung der Verhältnisse — er kennt vorzugsweise die amerikanischen — nur daraus hervorgehen könne, daß dem Streben der Menschen nach Freiheit wirklich Rechnung getragen werde.

[ 18 ] Und innig zusammen hängt das, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist, mit jenem Ruf in unserer Zeit, der aber, wie ich ausgeführt habe, weit älter als ein Jahrhundert ist, mit jenem Ruf, den ich bezeichnen möchte als den Ruf nach Gedankenfreiheit. Dieser Ruf ist aber überhaupt der Ruf nach sozialer Freiheit. Merkwürdig, wenn man in unserer Gegenwart versucht, hineinzuschauen in dasjenige, was in den Wellen der sogenannten sozialen Forderungen an die Oberfläche geht, dann stößt man immer wieder auf die Notwendigkeit, einzusehen, wie es sich eigentlich mit der menschlichen Freiheit verhält, mit jenem Impuls, der sich in der einen oder andern Form als der Impuls der menschlichen Freiheit äußert. Daß man da einen wichtigen Punkt berührt, darauf kam selbst der Mann, den ich für den unglückseligsten Menschen betrachte unter den sogenannten hervorragenden Menschen unserer Zeit, die einen Einfluß auf die Gestaltung der Verhältnisse gewonnen haben — darauf kam sogar Woodrow Wilson. Da ich über Woodrow Wilson auch im neutralen Auslande während der Kriegszeit, während er von allen Seiten so angebetet worden ist, nie anders gesprochen habe, darf ich auch heute so wie immer über Woodrow Wilson sprechen. Es finden sich in seinen Schriften zahlreiche Stellen, in denen er darauf hinweist, wie eine Gesundung der Verhältnisse — er kennt vorzugsweise die amerikanischen — nur daraus hervorgehen könne, daß dem Streben der Menschen nach Freiheit wirklich Rechnung getragen werde.

[ 19 ] Allein, was ist für Woodrow Wilson Freiheit des Menschen?

[ 19 ] Allein, was ist für Woodrow Wilson Freiheit des Menschen?

[ 20 ] Da kommt man auf ein sehr, sehr interessantes Kapitel im gegenwärtigen menschlichen Denken - denn eine Art repräsentativer Denker ist dieser Woodrow Wilson ja doch -, da finden Sie in seiner Schrift über die Freiheit folgende Anschauung: Den Begriff Freiheit kann man sich bilden, wenn man auf eine Maschine schaut, wie da ein Zahnrad angebracht ist. Wenn es so angebracht ist, daß die mechanische Einrichtung sich so bewegen kann, daß es ohne Hinderung geschieht, so sagt man, das Zahnrad laufe frei. Wenn man ein Schiff betrachtet, sagt er, so muß das Schiff derart konstruiert sein, daß die Maschinerie in den Wellengang eingreift, so daß es nicht gehindert wird, daß es also gewissermaßen mit den Wellenkräften sich fortbewegt, ihnen angepaßt ist, frei läuft in den Wellenkräften. Mit dem, was ein solches Zahnrad in einer Maschine, was ein Schiff in den Wellen des Meeres ist, vergleicht Woodrow Wilson das, was der Impuls der menschlichen Freiheit wirklich sein soll. Er sagt: Ein Mensch ist dann frei, wenn er ungefähr so wie das Rad in der Maschinerie frei läuft, wenn er frei läuft in den äußeren Verhältnissen, so daß er sich in ihnen fortbewegt, daß er hineingreift mit seinen Kräften in das, was außen läuft, so daß er nicht gehindert wird.

[ 20 ] Da kommt man auf ein sehr, sehr interessantes Kapitel im gegenwärtigen menschlichen Denken - denn eine Art repräsentativer Denker ist dieser Woodrow Wilson ja doch -, da finden Sie in seiner Schrift über die Freiheit folgende Anschauung: Den Begriff Freiheit kann man sich bilden, wenn man auf eine Maschine schaut, wie da ein Zahnrad angebracht ist. Wenn es so angebracht ist, daß die mechanische Einrichtung sich so bewegen kann, daß es ohne Hinderung geschieht, so sagt man, das Zahnrad laufe frei. Wenn man ein Schiff betrachtet, sagt er, so muß das Schiff derart konstruiert sein, daß die Maschinerie in den Wellengang eingreift, so daß es nicht gehindert wird, daß es also gewissermaßen mit den Wellenkräften sich fortbewegt, ihnen angepaßt ist, frei läuft in den Wellenkräften. Mit dem, was ein solches Zahnrad in einer Maschine, was ein Schiff in den Wellen des Meeres ist, vergleicht Woodrow Wilson das, was der Impuls der menschlichen Freiheit wirklich sein soll. Er sagt: Ein Mensch ist dann frei, wenn er ungefähr so wie das Rad in der Maschinerie frei läuft, wenn er frei läuft in den äußeren Verhältnissen, so daß er sich in ihnen fortbewegt, daß er hineingreift mit seinen Kräften in das, was außen läuft, so daß er nicht gehindert wird.

[ 21 ] Nun, ich denke, es ist sehr interessant, daß aus der gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Vorstellungsart und Gesinnung diese sonderbare Anschauung über die menschliche Freiheit hervorsprießen kann. Denn ist es nicht das Gegenteil von Freiheit, wenn man an die Verhältnisse so angepaßt ist, daß man nur in ihrem Sinne laufen kann? Fordert es nicht die Freiheit, daß man sich nötigenfalls den äußeren Verhältnissen entgegenstemmen kann? Würde man nicht, was als Freiheit lebt, vergleichen müssen mit dem, was sich nötigenfalls so benehmen könnte, daß sich das Schiff gegen die Wellen wendet und stoppt?

[ 21 ] Nun, ich denke, es ist sehr interessant, daß aus der gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Vorstellungsart und Gesinnung diese sonderbare Anschauung über die menschliche Freiheit hervorsprießen kann. Denn ist es nicht das Gegenteil von Freiheit, wenn man an die Verhältnisse so angepaßt ist, daß man nur in ihrem Sinne laufen kann? Fordert es nicht die Freiheit, daß man sich nötigenfalls den äußeren Verhältnissen entgegenstemmen kann? Würde man nicht, was als Freiheit lebt, vergleichen müssen mit dem, was sich nötigenfalls so benehmen könnte, daß sich das Schiff gegen die Wellen wendet und stoppt?

[ 22 ] Woher kommt diese so merkwürdige Anschauung, aus der nimmermehr eine gesunde staatsmännische Einsicht entspringen kann, sondern höchstens die 14 abstrakten Punkte der Wilsonschen Kundgebungen, die man leider auch hierzulande in einer gewissen Zeit wenigstens teilweise bewunderte? Daher kommt es, daß in unserer Zeit nicht eingesehen wird, wie man zurückgehen muß auf den menschlichen Gedanken selber, auf jenen Gedanken, der als Gedanke gefaßt wird und der, wenn von Freiheit wirklich geredet wird, den einzigen wirklichen freien Impuls für das Menschenleben abgeben kann. Das war es, was ich vor jetzt mehr als dreißig Jahren versuchte, in meiner «Philosophie der Freiheit» darzustellen, von der vor kurzem eine Neuauflage mit entsprechenden Ergänzungen erschienen ist. Da versuchte ich allerdings in anderer Art diesen Impuls nach Freiheit aufzufassen, als es gegenwärtig geschieht. Ich versuchte zu zeigen, wie falsch gefragt worden ist nach der menschlichen Freiheit. Man fragt: Ist der Mensch frei oder ist er nicht frei? Ist der Mensch ein freies Wesen, das mit wirklicher Verantwortung aus seiner Seele heraus die Entschlüsse fassen kann, oder ist er eingespannt in eine natürliche oder geistige Notwendigkeit wie ein Naturwesen? So hat man gefragt, ich möchte sagen, durch Jahrtausende, und so fragt man noch. Diese Frage schon ist der große Irrtum.

[ 22 ] Woher kommt diese so merkwürdige Anschauung, aus der nimmermehr eine gesunde staatsmännische Einsicht entspringen kann, sondern höchstens die 14 abstrakten Punkte der Wilsonschen Kundgebungen, die man leider auch hierzulande in einer gewissen Zeit wenigstens teilweise bewunderte? Daher kommt es, daß in unserer Zeit nicht eingesehen wird, wie man zurückgehen muß auf den menschlichen Gedanken selber, auf jenen Gedanken, der als Gedanke gefaßt wird und der, wenn von Freiheit wirklich geredet wird, den einzigen wirklichen freien Impuls für das Menschenleben abgeben kann. Das war es, was ich vor jetzt mehr als dreißig Jahren versuchte, in meiner «Philosophie der Freiheit» darzustellen, von der vor kurzem eine Neuauflage mit entsprechenden Ergänzungen erschienen ist. Da versuchte ich allerdings in anderer Art diesen Impuls nach Freiheit aufzufassen, als es gegenwärtig geschieht. Ich versuchte zu zeigen, wie falsch gefragt worden ist nach der menschlichen Freiheit. Man fragt: Ist der Mensch frei oder ist er nicht frei? Ist der Mensch ein freies Wesen, das mit wirklicher Verantwortung aus seiner Seele heraus die Entschlüsse fassen kann, oder ist er eingespannt in eine natürliche oder geistige Notwendigkeit wie ein Naturwesen? So hat man gefragt, ich möchte sagen, durch Jahrtausende, und so fragt man noch. Diese Frage schon ist der große Irrtum.

[ 23 ] Man kann so nicht fragen, sondern die Frage nach der Freiheit ist eine Frage der menschlichen Entwicklung, einer solchen menschlichen Entwicklung, daß der Mensch im Laufe seines Jugendlebens oder vielleicht seines späteren Lebens Kräfte in sich entwickelt, die er nicht einfach von Natur aus hat. Man kann gar nicht fragen: Ist der Mensch frei? Von Natur aus ist er es nicht, aber er kann sich immer mehr und mehr frei machen, indem er Kräfte erweckt, die in ihm schlummern und die die Natur nicht erweckt. Der Mensch kann immer freier und freier werden. Man kann nicht fragen: Ist der Mensch frei oder unfrei, sondern nur: Gibt es für den Menschen einen Weg zur Erringung der Freiheit? Und diesen Weg gibt es. Wie gesagt, vor dreißig Jahren versuchte ich zu zeigen: Wenn der Mensch dazu aufrückt, ein inneres Leben in sich zu entwickeln, so daß er die sittlichen Impulse für seine Handlungen in reinen Gedanken erfaßt, kann er wirklich Gedankenimpulse, nicht bloß instinktive Emotionen seinen Handlungen zugrunde legen, — Gedanken, die in die äußere Wirklichkeit so untertauchen wie der Liebende in das geliebte Wesen. Dann nähert sich der Mensch seiner Freiheit. Die Freiheit ist ebenso ein Kind des Gedankens, der in geistiger Hellsichtig "keit erfaßt wird — nicht unter einem äußeren Zwang -, wie sie ein Kind

[ 23 ] Man kann so nicht fragen, sondern die Frage nach der Freiheit ist eine Frage der menschlichen Entwicklung, einer solchen menschlichen Entwicklung, daß der Mensch im Laufe seines Jugendlebens oder vielleicht seines späteren Lebens Kräfte in sich entwickelt, die er nicht einfach von Natur aus hat. Man kann gar nicht fragen: Ist der Mensch frei? Von Natur aus ist er es nicht, aber er kann sich immer mehr und mehr frei machen, indem er Kräfte erweckt, die in ihm schlummern und die die Natur nicht erweckt. Der Mensch kann immer freier und freier werden. Man kann nicht fragen: Ist der Mensch frei oder unfrei, sondern nur: Gibt es für den Menschen einen Weg zur Erringung der Freiheit? Und diesen Weg gibt es. Wie gesagt, vor dreißig Jahren versuchte ich zu zeigen: Wenn der Mensch dazu aufrückt, ein inneres Leben in sich zu entwickeln, so daß er die sittlichen Impulse für seine Handlungen in reinen Gedanken erfaßt, kann er wirklich Gedankenimpulse, nicht bloß instinktive Emotionen seinen Handlungen zugrunde legen, — Gedanken, die in die äußere Wirklichkeit so untertauchen wie der Liebende in das geliebte Wesen. Dann nähert sich der Mensch seiner Freiheit. Die Freiheit ist ebenso ein Kind des Gedankens, der in geistiger Hellsichtig "keit erfaßt wird — nicht unter einem äußeren Zwang -, wie sie ein Kind

[ 24 ] der wahren hingebungsvollen Liebe ist, der Liebe zum Objekt des Handelns. Wonach das deutsche Geistesleben in Schiller strebte, als er sich Kant gegenüberstellte und etwas ahnte von einem solchen Freiheitsbegriff, das ziemt uns, in der Gegenwart weiter auszubilden. Da aber stellte sich mir heraus, daß man nur sprechen kann von demjenigen, was den sittlichen Handlungen zugrunde liegt — wenn es auch bei den Menschen unbewußt bleibt, vorhanden ist es doch -; und daß man das nennen muß Intuition. Und so sprach ich in meiner «Philosophie der Freiheit» von einer moralischen Intuition.

[ 24 ] der wahren hingebungsvollen Liebe ist, der Liebe zum Objekt des Handelns. Wonach das deutsche Geistesleben in Schiller strebte, als er sich Kant gegenüberstellte und etwas ahnte von einem solchen Freiheitsbegriff, das ziemt uns, in der Gegenwart weiter auszubilden. Da aber stellte sich mir heraus, daß man nur sprechen kann von demjenigen, was den sittlichen Handlungen zugrunde liegt — wenn es auch bei den Menschen unbewußt bleibt, vorhanden ist es doch -; und daß man das nennen muß Intuition. Und so sprach ich in meiner «Philosophie der Freiheit» von einer moralischen Intuition.

[ 25 ] Damit aber war auch der Ausgangspunkt gegeben für alles, was ich später auf dem Gebiet der Geisteswissenschaft zu leisten versuchte. Glauben Sie nicht, daß ich heute über diese Dinge in einer unbescheidenen Weise denke. Ich weiß sehr gut, daß diese «Philosophie der Freiheit», die ich vor mehr als dreißig Jahren als junger Mensch konzipiert habe, gewissermaßen alle Kinderkrankheiten desjenigen Gedankenlebens hat, das im Laufe des 19. Jahrhunderts heraufgezogen ist. Aber ich weiß auch, daß aus diesem Geistesleben heraus das entsprossen ist, was eine Hinaufleitung des Gedankenlebens in das wirklich Geistige ist. So daß ich mir sagen kann: Wenn sich der Mensch zu den sittlichen Impulsen in moralischer Intuition erhebt und ein wirklich freies Wesen darstellt, dann ist er bereits, wenn ich das verpönte Wort gebrauchen darf, mit Bezug auf seine sittlichen Intuitionen «hellsehend ». In dem, was über alles Sinnliche hinausliegt, liegen die Antriebe alles Sittlichen. Im Grunde genommen sind die wirklich sittlichen Gebote Ergebnisse menschlichen Hellsehens. Daher war ein gerader Weg von jener «Philosophie der Freiheit» zu dem, was ich heute als Geisteswissenschaft meine. Freiheit entsprießt im Menschen nur, wenn der Mensch sich entwickelt. Er kann sich aber weiter entwickeln, so daß er dasjenige, was schon der Freiheit zugrunde liegt, auch dazu treibt, daß erunabhängig wird von allem Sinnlichen und sich frei in die Gebiete des Geistes erhebt.

[ 25 ] Damit aber war auch der Ausgangspunkt gegeben für alles, was ich später auf dem Gebiet der Geisteswissenschaft zu leisten versuchte. Glauben Sie nicht, daß ich heute über diese Dinge in einer unbescheidenen Weise denke. Ich weiß sehr gut, daß diese «Philosophie der Freiheit», die ich vor mehr als dreißig Jahren als junger Mensch konzipiert habe, gewissermaßen alle Kinderkrankheiten desjenigen Gedankenlebens hat, das im Laufe des 19. Jahrhunderts heraufgezogen ist. Aber ich weiß auch, daß aus diesem Geistesleben heraus das entsprossen ist, was eine Hinaufleitung des Gedankenlebens in das wirklich Geistige ist. So daß ich mir sagen kann: Wenn sich der Mensch zu den sittlichen Impulsen in moralischer Intuition erhebt und ein wirklich freies Wesen darstellt, dann ist er bereits, wenn ich das verpönte Wort gebrauchen darf, mit Bezug auf seine sittlichen Intuitionen «hellsehend ». In dem, was über alles Sinnliche hinausliegt, liegen die Antriebe alles Sittlichen. Im Grunde genommen sind die wirklich sittlichen Gebote Ergebnisse menschlichen Hellsehens. Daher war ein gerader Weg von jener «Philosophie der Freiheit» zu dem, was ich heute als Geisteswissenschaft meine. Freiheit entsprießt im Menschen nur, wenn der Mensch sich entwickelt. Er kann sich aber weiter entwickeln, so daß er dasjenige, was schon der Freiheit zugrunde liegt, auch dazu treibt, daß erunabhängig wird von allem Sinnlichen und sich frei in die Gebiete des Geistes erhebt.

[ 26 ] So hängt Freiheit mit der Entwicklung des menschlichen Denkens zusammen. Freiheit ist im Grunde genommen immer Gedankenfreiheit, und gerade, wenn wir auf solche repräsentativen Leute hinschauen wie Woodrow Wilson, müssen wir sagen: Weil solche Menschen niemals erfaßt haben, was eigentlich der Gedanke an wirklich Geistigem ist, wie er im Geistigen wurzeln muß, wenn er nicht abstrakt sein soll, deshalb können sie so paradoxe Definitionen erfinden, wie Woodrow Wilson für die Freiheit erfunden hat. An solchen Dingen ersehen wir das Ungenügende des gegenwärtigen Geisteslebens, dessen Hauptmangel darin besteht, daß es nicht das geistige Wesen des Menschen erkennt. Wir sehen, was die Hauptforderung ist: Gedankenfreiheit, und was Hauptnot ist: die Bemeisterung der sozialen Kräfte, wenn dieses Leben sich zur Grundlage für diese drei großen Forderungen in der Gegenwart für die nächste Zukunft entwickeln soll. So hängt dasjenige, was ein wirklich ursprünglicher Impuls im Menschen ist, nicht an dem im Menschen, was man durch naturwissenschaftliches Denken erreichen kann, sondern an demjenigen, was nur durch geistige Anschauung zu erreichen ist.

[ 26 ] So hängt Freiheit mit der Entwicklung des menschlichen Denkens zusammen. Freiheit ist im Grunde genommen immer Gedankenfreiheit, und gerade, wenn wir auf solche repräsentativen Leute hinschauen wie Woodrow Wilson, müssen wir sagen: Weil solche Menschen niemals erfaßt haben, was eigentlich der Gedanke an wirklich Geistigem ist, wie er im Geistigen wurzeln muß, wenn er nicht abstrakt sein soll, deshalb können sie so paradoxe Definitionen erfinden, wie Woodrow Wilson für die Freiheit erfunden hat. An solchen Dingen ersehen wir das Ungenügende des gegenwärtigen Geisteslebens, dessen Hauptmangel darin besteht, daß es nicht das geistige Wesen des Menschen erkennt. Wir sehen, was die Hauptforderung ist: Gedankenfreiheit, und was Hauptnot ist: die Bemeisterung der sozialen Kräfte, wenn dieses Leben sich zur Grundlage für diese drei großen Forderungen in der Gegenwart für die nächste Zukunft entwickeln soll. So hängt dasjenige, was ein wirklich ursprünglicher Impuls im Menschen ist, nicht an dem im Menschen, was man durch naturwissenschaftliches Denken erreichen kann, sondern an demjenigen, was nur durch geistige Anschauung zu erreichen ist.

[ 27 ] Über Freiheit ist so viel gestritten worden, weil die Menschen darüber entscheiden möchten, ohne den Boden zu betreten, auf dem sich die Erkenntnis über die Unsterblichkeit der Menschenseele ergibt. Und niemand, der nicht in unbefangener Weise darauf eingeht, über die Erkenntnis der menschlichen Unsterblichkeit, über das Ewige im Menschen zu denken, ist imstande, auf das Wesen der menschlichen Freiheit einzugehen. Sucht man das Wesen dieser Freiheit nicht im Aufleuchten des nicht bloß von der Natur gegebenen Gedankens, dann findet man dieses Wesen der Freiheit nicht. Aber nur, wenn man es gefunden hat, dann durchdringt und durchpulst es den Menschen so, daß er ein wirklich soziales Wesen werden kann, denn es trägt ihn so neben die anderen Menschen in die soziale Ordnung hinein, daß von innen heraus die sozialen Kräfte entbunden werden können, und diese Empfindung der sozialen Kräfte brauchen wir.

[ 27 ] Über Freiheit ist so viel gestritten worden, weil die Menschen darüber entscheiden möchten, ohne den Boden zu betreten, auf dem sich die Erkenntnis über die Unsterblichkeit der Menschenseele ergibt. Und niemand, der nicht in unbefangener Weise darauf eingeht, über die Erkenntnis der menschlichen Unsterblichkeit, über das Ewige im Menschen zu denken, ist imstande, auf das Wesen der menschlichen Freiheit einzugehen. Sucht man das Wesen dieser Freiheit nicht im Aufleuchten des nicht bloß von der Natur gegebenen Gedankens, dann findet man dieses Wesen der Freiheit nicht. Aber nur, wenn man es gefunden hat, dann durchdringt und durchpulst es den Menschen so, daß er ein wirklich soziales Wesen werden kann, denn es trägt ihn so neben die anderen Menschen in die soziale Ordnung hinein, daß von innen heraus die sozialen Kräfte entbunden werden können, und diese Empfindung der sozialen Kräfte brauchen wir.

[ 28 ] Ich habe vorhin erwähnt, daß wir in Dornach bei unserem Bau in der Lage sind, Menschen hinzustellen, die sogar gewisse Höhepunkte der geistigen Schulung erreicht haben und die die gewöhnlichsten, schmutzigsten Arbeiten verrichten, die darin wahrhaftig nichts denjenigen nachgeben, die man gewöhnlich auch Handarbeiter nennt. In sozialer Beziehung beruht der Bau von Dornach allerdings auf Grundlagen, die nicht ohne weiteres dieselben sind wie bei einer auf materiellen Erwerb gerichteten Unternehmung. Aber gehen Sie ein auf das, was ich auseinandergesetzt habe in meinen «Kernpunkten der sozialen Frage» und in den Vorträgen über die Dreigliederung, dann werden Sie finden, daß die Möglichkeit besteht, ähnliche Grundlagen für das ganze Leben zu schaffen, wie sie in Dornach bei dem Bau geschaffen worden sind, der als Repräsentant für unsere geisteswissenschaftliche Bewegung dastehen soll. Es ist nur schade, daß dieser Bau heute von vielen Leuten in andern Ländern nicht besucht werden kann, weil wir es leider dahin gebracht haben, daß die Überschreitung der Landesgrenzen geradezu eine Unmöglichkeit geworden ist.

[ 28 ] Ich habe vorhin erwähnt, daß wir in Dornach bei unserem Bau in der Lage sind, Menschen hinzustellen, die sogar gewisse Höhepunkte der geistigen Schulung erreicht haben und die die gewöhnlichsten, schmutzigsten Arbeiten verrichten, die darin wahrhaftig nichts denjenigen nachgeben, die man gewöhnlich auch Handarbeiter nennt. In sozialer Beziehung beruht der Bau von Dornach allerdings auf Grundlagen, die nicht ohne weiteres dieselben sind wie bei einer auf materiellen Erwerb gerichteten Unternehmung. Aber gehen Sie ein auf das, was ich auseinandergesetzt habe in meinen «Kernpunkten der sozialen Frage» und in den Vorträgen über die Dreigliederung, dann werden Sie finden, daß die Möglichkeit besteht, ähnliche Grundlagen für das ganze Leben zu schaffen, wie sie in Dornach bei dem Bau geschaffen worden sind, der als Repräsentant für unsere geisteswissenschaftliche Bewegung dastehen soll. Es ist nur schade, daß dieser Bau heute von vielen Leuten in andern Ländern nicht besucht werden kann, weil wir es leider dahin gebracht haben, daß die Überschreitung der Landesgrenzen geradezu eine Unmöglichkeit geworden ist.

[ 29 ] Warum aber ist es möglich, doch in einem solchen Kreise die sozialen Kräfte so zu entbinden, daß das Ideal der proletarischen Bewegung allerdings anders, als man es sich träumt - erfüllt wird? Weil allem, was da getan wird, zugrunde liegt die Auffassung des Lebens, dieses Ganzin-Angriff-Nehmen des Lebens, das aus den Impulsen der Geisteswissenschaft heraus erfolgt, weil auch alles Einzelne aus der Geisteswissenschaft heraus getan wird. Was da im kleinen aus der Geisteswissenschaft heraus getan wird, es kann auch im ganzen sozialen Leben aus der geisteswissenschaftlichen Erfassung des Lebens getan werden. Jede Fabrik, jede Bank, jedes äußere Unternehmen kann so organisiert werden, wie es nur der organisieren kann, der über das praktische Leben mit einer Wissenschaft zu denken vermag, die so tief in das menschliche Wesen hinabsteigt, daß sie nicht abstrakte Gedanken und Naturgesetze ergreift, sondern lebendige Tatsachen. Auf diese lebendigen Tatsachen kommt man, wenn man nur tief genug durch die angezeigten Methoden in das menschliche Wesen hinuntersteigt. Nicht eine abstrakte Mystik wird gesucht, sondern die Tatsachen des Lebens, durch die der Mensch in der Wirklichkeit drinnensteht. Und indem man den Menschen erkennt, findet man durch diese Geisteswissenschaft zugleich dasjenige, was die sozialen Kräfte in die entsprechende Organisation bringen kann, so daß die in dieser Organisation lebenden Menschen die Frage sich befriedigend beantworten können: Ist das menschliche Leben menschenwürdig?

[ 29 ] Warum aber ist es möglich, doch in einem solchen Kreise die sozialen Kräfte so zu entbinden, daß das Ideal der proletarischen Bewegung allerdings anders, als man es sich träumt - erfüllt wird? Weil allem, was da getan wird, zugrunde liegt die Auffassung des Lebens, dieses Ganzin-Angriff-Nehmen des Lebens, das aus den Impulsen der Geisteswissenschaft heraus erfolgt, weil auch alles Einzelne aus der Geisteswissenschaft heraus getan wird. Was da im kleinen aus der Geisteswissenschaft heraus getan wird, es kann auch im ganzen sozialen Leben aus der geisteswissenschaftlichen Erfassung des Lebens getan werden. Jede Fabrik, jede Bank, jedes äußere Unternehmen kann so organisiert werden, wie es nur der organisieren kann, der über das praktische Leben mit einer Wissenschaft zu denken vermag, die so tief in das menschliche Wesen hinabsteigt, daß sie nicht abstrakte Gedanken und Naturgesetze ergreift, sondern lebendige Tatsachen. Auf diese lebendigen Tatsachen kommt man, wenn man nur tief genug durch die angezeigten Methoden in das menschliche Wesen hinuntersteigt. Nicht eine abstrakte Mystik wird gesucht, sondern die Tatsachen des Lebens, durch die der Mensch in der Wirklichkeit drinnensteht. Und indem man den Menschen erkennt, findet man durch diese Geisteswissenschaft zugleich dasjenige, was die sozialen Kräfte in die entsprechende Organisation bringen kann, so daß die in dieser Organisation lebenden Menschen die Frage sich befriedigend beantworten können: Ist das menschliche Leben menschenwürdig?

[ 30 ] So hängen die drei Dinge zusammen: soziale Kräfte, Gedankenfteiheit und Geisteswissenschaft. Geisteswissenschaft ist wahrhaftig das Gegenteil dessen, als was man sie oftmals darstellt. Ein Eckensteher des Lebens, so glaubt man, ein Traum müßiger Leute. Nein, Lebenspraxis, gerade diejenige Lebenspraxis, die unserer Zeit am meisten fehlt, will diese Geisteswissenschaft sein. Untertauchen will sie in das Leben, meistern will sie das Leben in Wissenschaft und Praxis, weil sie in die Wirklichkeit des Menschen, nicht bloß in das menschlich gedachte Leben untertauchen will. Es gibt heute gutmeinende Menschen, die sagen: Der bloße Verstand, der bloße Intellekt, der sich in den letzten Jahrhunderten und bis in unsere Zeit herein entfaltet hat, sie taugen nicht mehr zur Gesundung unseres Lebens. Wenn man sie aber fragt, was denn taugt, dann geben sie allgemeine Antworten — eine Wiederbefruchtung der Seele durch den « Geist ». Redet man von wahrer Geisteswissenschaft, so lehnen sie sie ab, weil sie noch Furcht vor ihr haben, oder gebrauchen die sonderbarsten Ausreden. So findet man immer wieder, daß die Leute sagen: Es kann doch nicht ein jeder ein Geistesforscher werden. Gewiß, das kann nicht jeder, das habe ich auch hier immer wieder und wiederum betont. Denn man kann zwar jene ersten Schritte in die geistigen Welten, ins übersinnliche Dasein hinein tun, wie ich sie beschrieben habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft»; es kann sie jeder jederzeit tun, aber das Vorrücken zu jenen Fragen, die von den Wesenheiten der übersinnlichen Welten in tieferem Sinne handeln, das ist allerdings gebunden an mancherlei Erlebnisse, zu denen heute noch nicht jeder geeignet ist. Derjenige, der hineinschauen will in die geistige Welt, der in dem eigentlichsten Sinn geistiger Forscher werden will, muß manche Überwindungen durchmachen. Sie brauchen nur zu bedenken, daß in dem Augenblick, wo man wirklich mit einer Erkenntnis, die sich nicht der Sinne bedient, in dem Augenblick, da man in ein leibfreies Erkennen eintritt und die gewohnte äußere Welt nicht mehr da ist, - daß man da in einer Welt ist, die allerlei Ungewohntes darbietet: Alle Dinge, die einen gewöhnlich stützen, die sichere äußere Erfahrung, der gewöhnliche Intellekt, sie müssen anderen, inneren Richtekräften weichen. Man ist wie über einem Abgrund und muß sich durch den Schwerpunkt seines eigenen Wesens halten. Davor haben viele Leute eine unbewußte oder unterbewußte Furcht, die sie dann in Logik kleiden gegenüber der Geisteswissenschaft. Die schönsten Gründe können Sie hören; in Wahrheit ist es nur die Furcht vor dem Unbekannten.

[ 30 ] So hängen die drei Dinge zusammen: soziale Kräfte, Gedankenfteiheit und Geisteswissenschaft. Geisteswissenschaft ist wahrhaftig das Gegenteil dessen, als was man sie oftmals darstellt. Ein Eckensteher des Lebens, so glaubt man, ein Traum müßiger Leute. Nein, Lebenspraxis, gerade diejenige Lebenspraxis, die unserer Zeit am meisten fehlt, will diese Geisteswissenschaft sein. Untertauchen will sie in das Leben, meistern will sie das Leben in Wissenschaft und Praxis, weil sie in die Wirklichkeit des Menschen, nicht bloß in das menschlich gedachte Leben untertauchen will. Es gibt heute gutmeinende Menschen, die sagen: Der bloße Verstand, der bloße Intellekt, der sich in den letzten Jahrhunderten und bis in unsere Zeit herein entfaltet hat, sie taugen nicht mehr zur Gesundung unseres Lebens. Wenn man sie aber fragt, was denn taugt, dann geben sie allgemeine Antworten — eine Wiederbefruchtung der Seele durch den « Geist ». Redet man von wahrer Geisteswissenschaft, so lehnen sie sie ab, weil sie noch Furcht vor ihr haben, oder gebrauchen die sonderbarsten Ausreden. So findet man immer wieder, daß die Leute sagen: Es kann doch nicht ein jeder ein Geistesforscher werden. Gewiß, das kann nicht jeder, das habe ich auch hier immer wieder und wiederum betont. Denn man kann zwar jene ersten Schritte in die geistigen Welten, ins übersinnliche Dasein hinein tun, wie ich sie beschrieben habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft»; es kann sie jeder jederzeit tun, aber das Vorrücken zu jenen Fragen, die von den Wesenheiten der übersinnlichen Welten in tieferem Sinne handeln, das ist allerdings gebunden an mancherlei Erlebnisse, zu denen heute noch nicht jeder geeignet ist. Derjenige, der hineinschauen will in die geistige Welt, der in dem eigentlichsten Sinn geistiger Forscher werden will, muß manche Überwindungen durchmachen. Sie brauchen nur zu bedenken, daß in dem Augenblick, wo man wirklich mit einer Erkenntnis, die sich nicht der Sinne bedient, in dem Augenblick, da man in ein leibfreies Erkennen eintritt und die gewohnte äußere Welt nicht mehr da ist, - daß man da in einer Welt ist, die allerlei Ungewohntes darbietet: Alle Dinge, die einen gewöhnlich stützen, die sichere äußere Erfahrung, der gewöhnliche Intellekt, sie müssen anderen, inneren Richtekräften weichen. Man ist wie über einem Abgrund und muß sich durch den Schwerpunkt seines eigenen Wesens halten. Davor haben viele Leute eine unbewußte oder unterbewußte Furcht, die sie dann in Logik kleiden gegenüber der Geisteswissenschaft. Die schönsten Gründe können Sie hören; in Wahrheit ist es nur die Furcht vor dem Unbekannten.

[ 31 ] Dann aber müssen Sie auch bedenken, daß man ja, so wie man ist als Mensch, nicht angepaßt ist an die geistige Welt, daß man nur angepaßt ist an die äußere Sinneswelt. Man kommt in eine vollständig andere Welt hinein, für die man keine Lebensgewohnheiten entwickelt hat. Das verursacht, wenn man tiefer dringt, jene furchtbar schmerzvollen Erfahrungen, die überwunden werden müssen in wirklicher GeistErkenntnis. Dann, wenn sie überwunden sind, folgen die Erkenntnisse aus dem Innersten unseres Wesens, die Aufschluß geben über das, was das Ewige in der Menschennatur ist, was das Geistige ist, das der Welt zugrunde liegt. Nicht alle Menschen können diesen Weg so weit durchmachen. Aber ich mußte auch immer wieder behaupten, daß es nicht nötig ist, diesen Weg durchzumachen, sondern daß nur nötig ist der gesunde Menschenverstand. Denn dieser gesunde Menschenverstand, wenn er nur nicht beirrt ist durch die Vorurteile der äußeren Anschauungen, kann unterscheiden, ob der, der als Geistesforscher auftritt und von zunächst unbekannten Welten spricht, logisch spricht oder wie ein Spiritist oder sonstwie. Logik hat man, und man kann beurteilen, ob der Betreffende logisch spricht und so spricht, daß die Art seines Sprechens darauf hinweist, daß die Erfahrungen, von welchen er erzählt, in geistiger Gesundheit durchgemacht werden.

[ 31 ] Dann aber müssen Sie auch bedenken, daß man ja, so wie man ist als Mensch, nicht angepaßt ist an die geistige Welt, daß man nur angepaßt ist an die äußere Sinneswelt. Man kommt in eine vollständig andere Welt hinein, für die man keine Lebensgewohnheiten entwickelt hat. Das verursacht, wenn man tiefer dringt, jene furchtbar schmerzvollen Erfahrungen, die überwunden werden müssen in wirklicher GeistErkenntnis. Dann, wenn sie überwunden sind, folgen die Erkenntnisse aus dem Innersten unseres Wesens, die Aufschluß geben über das, was das Ewige in der Menschennatur ist, was das Geistige ist, das der Welt zugrunde liegt. Nicht alle Menschen können diesen Weg so weit durchmachen. Aber ich mußte auch immer wieder behaupten, daß es nicht nötig ist, diesen Weg durchzumachen, sondern daß nur nötig ist der gesunde Menschenverstand. Denn dieser gesunde Menschenverstand, wenn er nur nicht beirrt ist durch die Vorurteile der äußeren Anschauungen, kann unterscheiden, ob der, der als Geistesforscher auftritt und von zunächst unbekannten Welten spricht, logisch spricht oder wie ein Spiritist oder sonstwie. Logik hat man, und man kann beurteilen, ob der Betreffende logisch spricht und so spricht, daß die Art seines Sprechens darauf hinweist, daß die Erfahrungen, von welchen er erzählt, in geistiger Gesundheit durchgemacht werden.

[ 32 ] Wenn man immer wieder einwendet: Ja, von dem, was die äußere Wissenschaft sagt, kann sich jeder überzeugen, so ist das richtig. Es braucht einer nur die Laboratoriumsmethoden zu behandeln, so kann er es. Ebenso kann man aber auch sagen: Jeder kann sich überzeugen, daß das richtig ist, was beschrieben ist in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und «Theosophie»; man kann aus der Art, wie der Geistesforscher ist, auf den inneren Wert seiner Erkenntnisse schließen. Dann sind diese Erkenntnisse für das Leben so viel wert wie in der Seele des Geistesforschers selber. Aus den äußeren Tatsachen kontrolliert man den Forscher in der äußeren Wissenschaft; aus der Art und Weise, wie gesprochen wird, wie eingekleidet werden die Erkenntnisse, kontrolliert man das, was der Geistesforscher zu sagen hat. Kontrolliert werden kann er durch den gesunden Menschenverstand.

[ 32 ] Wenn man immer wieder einwendet: Ja, von dem, was die äußere Wissenschaft sagt, kann sich jeder überzeugen, so ist das richtig. Es braucht einer nur die Laboratoriumsmethoden zu behandeln, so kann er es. Ebenso kann man aber auch sagen: Jeder kann sich überzeugen, daß das richtig ist, was beschrieben ist in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und «Theosophie»; man kann aus der Art, wie der Geistesforscher ist, auf den inneren Wert seiner Erkenntnisse schließen. Dann sind diese Erkenntnisse für das Leben so viel wert wie in der Seele des Geistesforschers selber. Aus den äußeren Tatsachen kontrolliert man den Forscher in der äußeren Wissenschaft; aus der Art und Weise, wie gesprochen wird, wie eingekleidet werden die Erkenntnisse, kontrolliert man das, was der Geistesforscher zu sagen hat. Kontrolliert werden kann er durch den gesunden Menschenverstand.

[ 33 ] Bedenken Sie, welche sozialen Kräfte es einmal entbinden wird, wenn immer mehr und mehr Menschen da sein werden, die als Zeugen auftreten für die geistigen Kräfte, die nur im Übersinnlichen gefunden werden können, und die andere Menschen, die nicht selber Geistesforscher sein können - es kann ja auch nicht jeder Chemiker, nicht jeder Physiker sein —, annehmen aus ihrem gesunden Menschenverstand heraus, aus dem Vertrauen, das sich auf den gesunden Menschenverstand gründet. Welche Art des sozialen Zusammenlebens aus dieser Bewertung des Menschen entsteht, ist gerade einer der wichtigsten Punkte, um soziale Vertrauenskräfte zu erwecken. Untergraben werden sie in unserer Zeit, wo jeder, ohne daß er erst seine Entwicklung in die Hand nimmt, kaum daß er erwachsen ist, über alles mögliche urteilen will. Und daß diese Geisteswissenschaft wirklich im sozialen Leben praktische Impulse abgeben kann, wir haben es ja hier versucht durch die Begründung der Waldorfschule, die wir unserem lieben Herrn Molt verdanken, in der das Schulwesen auf wahrer Erkenntnis aufgebaut werden soll. Wir wollen eine soziale Frage in der richtigen Art lösen; denn wir möchten, daß in jedem Kinde heranwachse ein Mensch, der für das spätere Leben jene Richtkraft erhält, daß vom Menschen aus die sozialen Kräfte in fruchtbarer Weise entfaltet werden, nicht aus einem stumpfen, unzulänglichen Wissen heraus, wie es vielfach gerade das soziale Denken unserer Zeit beherrscht. Wir möchten wirklich soziales Denken entfalten, das auf menschlichem Vertrauen, das auf sicheren Grundlagen der menschlichen Seele gebaut ist. Und indem wir in jedem Kinde, das in dieser Schule ist, den werdenden Menschen sehen, indem wir versuchen, ihn zu entwickeln durch Erkenntnisse, welche die pädagogischen Grundlagen beleben können, sehen wir etwas, was notwendig ist, wie in allem, was wir aus dieser Geisteswissenschaft hervorzuholen versuchen.

[ 33 ] Bedenken Sie, welche sozialen Kräfte es einmal entbinden wird, wenn immer mehr und mehr Menschen da sein werden, die als Zeugen auftreten für die geistigen Kräfte, die nur im Übersinnlichen gefunden werden können, und die andere Menschen, die nicht selber Geistesforscher sein können - es kann ja auch nicht jeder Chemiker, nicht jeder Physiker sein —, annehmen aus ihrem gesunden Menschenverstand heraus, aus dem Vertrauen, das sich auf den gesunden Menschenverstand gründet. Welche Art des sozialen Zusammenlebens aus dieser Bewertung des Menschen entsteht, ist gerade einer der wichtigsten Punkte, um soziale Vertrauenskräfte zu erwecken. Untergraben werden sie in unserer Zeit, wo jeder, ohne daß er erst seine Entwicklung in die Hand nimmt, kaum daß er erwachsen ist, über alles mögliche urteilen will. Und daß diese Geisteswissenschaft wirklich im sozialen Leben praktische Impulse abgeben kann, wir haben es ja hier versucht durch die Begründung der Waldorfschule, die wir unserem lieben Herrn Molt verdanken, in der das Schulwesen auf wahrer Erkenntnis aufgebaut werden soll. Wir wollen eine soziale Frage in der richtigen Art lösen; denn wir möchten, daß in jedem Kinde heranwachse ein Mensch, der für das spätere Leben jene Richtkraft erhält, daß vom Menschen aus die sozialen Kräfte in fruchtbarer Weise entfaltet werden, nicht aus einem stumpfen, unzulänglichen Wissen heraus, wie es vielfach gerade das soziale Denken unserer Zeit beherrscht. Wir möchten wirklich soziales Denken entfalten, das auf menschlichem Vertrauen, das auf sicheren Grundlagen der menschlichen Seele gebaut ist. Und indem wir in jedem Kinde, das in dieser Schule ist, den werdenden Menschen sehen, indem wir versuchen, ihn zu entwickeln durch Erkenntnisse, welche die pädagogischen Grundlagen beleben können, sehen wir etwas, was notwendig ist, wie in allem, was wir aus dieser Geisteswissenschaft hervorzuholen versuchen.

[ 34 ] Natürlich kann ich immer nur aus ein paar Gesichtspunkten heraus diese Geisteswissenschaft als eine notwendige Forderung der gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklung bezeichnen. So kommt es, daß aus solchen einseitigen Andeutungen Gegnerschaften erwachsen, weil man nicht das Ganze ins Auge faßt. Allein, ich möchte jetzt am Schluß auf den Anfang zurückkommen und darauf hinweisen, wie schwer es einem ums Herz werden kann, wenn man sieht, wie wenig Menschen es gibt, welche die abschüssige Bahn einschätzen; wie man nicht nach den Grundlagen sucht zu einem Neuaufbau unseres geistigen, sittlichen und übrigen Kulturlebens.

[ 34 ] Natürlich kann ich immer nur aus ein paar Gesichtspunkten heraus diese Geisteswissenschaft als eine notwendige Forderung der gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklung bezeichnen. So kommt es, daß aus solchen einseitigen Andeutungen Gegnerschaften erwachsen, weil man nicht das Ganze ins Auge faßt. Allein, ich möchte jetzt am Schluß auf den Anfang zurückkommen und darauf hinweisen, wie schwer es einem ums Herz werden kann, wenn man sieht, wie wenig Menschen es gibt, welche die abschüssige Bahn einschätzen; wie man nicht nach den Grundlagen sucht zu einem Neuaufbau unseres geistigen, sittlichen und übrigen Kulturlebens.

[ 35 ] Aus gar manchem kann man das entnehmen. Lassen Sie mich zum Schluß ein paar Beispiele dafür anführen. Selbst Menschen, von denen man glaubt, daß sie im äußeren Leben feststehen, zu welcher Anschauung sind sie gekommen aus den Tatsachen heraus ? Die Worte, die der österreichische Staatsmann Czernin in seinem neuesten Buche geschrieben hat, diese Worte - man kann sich sonst dazu stellen, wie man will-, sie verdienen beherzigt zu werden:

[ 35 ] Aus gar manchem kann man das entnehmen. Lassen Sie mich zum Schluß ein paar Beispiele dafür anführen. Selbst Menschen, von denen man glaubt, daß sie im äußeren Leben feststehen, zu welcher Anschauung sind sie gekommen aus den Tatsachen heraus ? Die Worte, die der österreichische Staatsmann Czernin in seinem neuesten Buche geschrieben hat, diese Worte - man kann sich sonst dazu stellen, wie man will-, sie verdienen beherzigt zu werden:

[ 36 ] «Der Krieg geht weiter, wenn auch in veränderter Form. Ich glaube, daß kommende Generationen das große Drama, welches seit fünf Jahren die Welt beherrscht, gar nicht den Weltkrieg nennen werden, sondern die Weltrevolution, und wissen werden, daß diese Weltrevolution nur mit dem Weltkriege begonnen hat. Weder der Versailler Friede noch St-Germain werden ein dauerndes Werk schaffen. In diesem Frieden liegt der zersetzende Keim des Todes. Die Kämpfe, die Europa schütteln, sind noch nicht im Abnehmen. Wie bei einem gewaltigen Erdbeben dauert das unterirdische Grollen an. Immer wird sich bald hier, bald dort die Erde öffnen und Feuer gegen den Himmel schleudern. Immer wieder werden Ereignisse elementarer Gewalt verheerend über die Länder stürmen, bis alles hinweggefegt ist, was an den Wahnsinn dieses Krieges erinnert. Langsam unter unsäglichen Opfern wird eine neue Welt geboren werden. Die kommenden Generationen werden zurückblicken auf unsere Zeit wie auf einen langen bösen 'Traum. Aber der schwärzesten Nacht folgt einmal der Tag. Generationen sind in das Grab gesunken, ermordet, verhungert, der Krankheit erlegen. Millionen sind gestorben in dem Bestreben, zu vernichten, zu zerstören, Haß und Mord im Herzen. Aber andere Generationen erstehen, und mit ihnen ein neuer Geist. Sie werden aufbauen, was Krieg und Revolution zerstört haben. Jedem Winter folgt der Frühling. Auch das ist ein ewiges Gesetz in dem Kreislauf des Lebens, daß aus dem Tod die Auferstehung folgt. Wohl denen, die berufen sein werden, als Soldaten der Arbeit die neue Welt mit aufzubauen.»

[ 36 ] «Der Krieg geht weiter, wenn auch in veränderter Form. Ich glaube, daß kommende Generationen das große Drama, welches seit fünf Jahren die Welt beherrscht, gar nicht den Weltkrieg nennen werden, sondern die Weltrevolution, und wissen werden, daß diese Weltrevolution nur mit dem Weltkriege begonnen hat. Weder der Versailler Friede noch St-Germain werden ein dauerndes Werk schaffen. In diesem Frieden liegt der zersetzende Keim des Todes. Die Kämpfe, die Europa schütteln, sind noch nicht im Abnehmen. Wie bei einem gewaltigen Erdbeben dauert das unterirdische Grollen an. Immer wird sich bald hier, bald dort die Erde öffnen und Feuer gegen den Himmel schleudern. Immer wieder werden Ereignisse elementarer Gewalt verheerend über die Länder stürmen, bis alles hinweggefegt ist, was an den Wahnsinn dieses Krieges erinnert. Langsam unter unsäglichen Opfern wird eine neue Welt geboren werden. Die kommenden Generationen werden zurückblicken auf unsere Zeit wie auf einen langen bösen 'Traum. Aber der schwärzesten Nacht folgt einmal der Tag. Generationen sind in das Grab gesunken, ermordet, verhungert, der Krankheit erlegen. Millionen sind gestorben in dem Bestreben, zu vernichten, zu zerstören, Haß und Mord im Herzen. Aber andere Generationen erstehen, und mit ihnen ein neuer Geist. Sie werden aufbauen, was Krieg und Revolution zerstört haben. Jedem Winter folgt der Frühling. Auch das ist ein ewiges Gesetz in dem Kreislauf des Lebens, daß aus dem Tod die Auferstehung folgt. Wohl denen, die berufen sein werden, als Soldaten der Arbeit die neue Welt mit aufzubauen.»

[ 37 ] Nun, vom neuen Geist wird auch hier gesprochen; ich weiß, würde man diesem Czernin von dem neuen Geist sprechen, so würde er zurückschaudern, würde es für Phantastik halten. In abstracto sprechen die Leute vom neuen Geist, sie wissen, daß er kommen muß. Vor dem konkreten Geist nehmen sie Reißaus. Aber es ist eine ernste Angelegenheit, hinzuschauen auf den konkreten Weg dieses neuen Geistes. Es gibt viele, die heute zum Beispiel vom Standpunkt ihres vermeintlichen Christentums aus die Geisteswissenschaft angreifen, die gar nicht erkennen wollen, wie diese Geisteswissenschaft gerade für ein Wiederbeleben des Christentums die lebendigsten Grundlagen liefert; wie das Christentum in die Zukunft hinein leben wird gerade dadurch, daß Geisteswissenschaft wieder lehren wird den lebendigen Christus und das Ereignis von Golgatha als geschichtliche Tatsache aus geisteswissenschaftlicher Forschung heraus. Ein großer Teil der Theologen hat es so weit gebracht, diesen Christus nicht mehr zu lehren als den eigentlichen Sinn der Erde, sondern ihn zu dem «schlichten Mann von Nazareth» zu machen. Das Geistige des Christentums wird durch die Geisteswissenschaft wiederum begründet werden. Diejenigen aber, die sich heute fürchten gerade aus christlichen Unterlagen heraus, denen sollte man sagen: Das Christentum ist auf so festen Grundlagen aufgebaut, daß man für es nicht zu fürchten hat vor der Geisteswissenschaft, so wenig wie vor der Entdeckung der Luftpumpe und anderer Dinge — und also auch nicht vor der Lehre der wiederholten Erdenleben oder vor der Schicksalslehre, wie die Geisteswissenschaft sie gibt. Das Christentum ist so stark, daß es alles aufnehmen kann, was von der Geisteswissenschaft kommt. Ob aber auch alle die heutigen 'Träger der christlichen Bekenntnisse so stark sind, das ist eine andere Frage, aber auch eine ernste Frage.

[ 37 ] Nun, vom neuen Geist wird auch hier gesprochen; ich weiß, würde man diesem Czernin von dem neuen Geist sprechen, so würde er zurückschaudern, würde es für Phantastik halten. In abstracto sprechen die Leute vom neuen Geist, sie wissen, daß er kommen muß. Vor dem konkreten Geist nehmen sie Reißaus. Aber es ist eine ernste Angelegenheit, hinzuschauen auf den konkreten Weg dieses neuen Geistes. Es gibt viele, die heute zum Beispiel vom Standpunkt ihres vermeintlichen Christentums aus die Geisteswissenschaft angreifen, die gar nicht erkennen wollen, wie diese Geisteswissenschaft gerade für ein Wiederbeleben des Christentums die lebendigsten Grundlagen liefert; wie das Christentum in die Zukunft hinein leben wird gerade dadurch, daß Geisteswissenschaft wieder lehren wird den lebendigen Christus und das Ereignis von Golgatha als geschichtliche Tatsache aus geisteswissenschaftlicher Forschung heraus. Ein großer Teil der Theologen hat es so weit gebracht, diesen Christus nicht mehr zu lehren als den eigentlichen Sinn der Erde, sondern ihn zu dem «schlichten Mann von Nazareth» zu machen. Das Geistige des Christentums wird durch die Geisteswissenschaft wiederum begründet werden. Diejenigen aber, die sich heute fürchten gerade aus christlichen Unterlagen heraus, denen sollte man sagen: Das Christentum ist auf so festen Grundlagen aufgebaut, daß man für es nicht zu fürchten hat vor der Geisteswissenschaft, so wenig wie vor der Entdeckung der Luftpumpe und anderer Dinge — und also auch nicht vor der Lehre der wiederholten Erdenleben oder vor der Schicksalslehre, wie die Geisteswissenschaft sie gibt. Das Christentum ist so stark, daß es alles aufnehmen kann, was von der Geisteswissenschaft kommt. Ob aber auch alle die heutigen 'Träger der christlichen Bekenntnisse so stark sind, das ist eine andere Frage, aber auch eine ernste Frage.

[ 38 ] Wir müssen in Weltperspektiven denken, das hat doch dieser sogenannte Weltkrieg uns eingebläut. Über unser Europa und seine Kultur denken viele Menschen ähnlich wie ein japanischer Diplomat, dessen Worte ich Ihnen anführen möchte. Dieser japanische Diplomat, der ein gebildeter Mann ist, sagte:

[ 38 ] Wir müssen in Weltperspektiven denken, das hat doch dieser sogenannte Weltkrieg uns eingebläut. Über unser Europa und seine Kultur denken viele Menschen ähnlich wie ein japanischer Diplomat, dessen Worte ich Ihnen anführen möchte. Dieser japanische Diplomat, der ein gebildeter Mann ist, sagte:

[ 39 ] «Während einer Reihe von Jahren haben wir in Japan geglaubt, daß Recht und Gerechtigkeit wirklich in der christlichen Welt des Westens existierten. Aber seit den letzten Jahren wissen wir: dies ist nicht so! Die hochtönenden Lehren und Erklärungen der christlichen Nationen sind nichts weiter als eine anmaßende Maske zur Verhüllung von Ungerechtigkeit und Habgier. Wir wissen jetzt, daß solch ein Ding wie internationale Gerechtigkeit nicht existiert; wir wissen ferner, daß die kapitalistische Macht des Westens nicht begrenzt werden kann, es sei denn — durch größere Macht. Japan hat dies gelernt, und ganz Asien steht im Begriff, es zu lernen. Dadurch ist unsere Stellung zu China erklärt: wir wissen, daß wir uns auf kein Recht verlassen können, daß wir auf keine ehrliche Behandlung irgendwelcher Angelegenheiten von seiten der Westmächte rechnen dürfen. Sie werden China teilen und zerstören, dann werden sie Japan zum Vasallentum herabdrücken, sic werden dies ohne Gewissen, ohne Überlegung tun, sie werden es tun ohne Zögern, wenn wir in Japan nicht unsere Hertschaft aufrechterhalten, wenn wir selbst China nicht halten und entwickeln. Denn zuletzt würde diese westliche Ausbeutung Chinas der Ruin Chinas sein, während unsere Politik Chinas schließliche Erlösung sein wird. In China und in unseren pazifischen Gebieten müssen wir voll gerüstet sein, um uns selbst genügend verteidigen zu können. Wollten wir uns auf einen angelsächsisch gemachten Staatenbund verlassen, wollten wir an eine latent vorhandene oder gar schon herrschende Gerechtigkeit in der christlichen Zivilisation glauben, so wäre dies ein Beweis unsererseits von Geistesschwäche, ein Beweis auch dafür, daß wir unser Schicksal nationalen Ruins, welches uns unentrinnbar von seiten der Westmächte bevorstünde, verdient hätten.»

[ 39 ] «Während einer Reihe von Jahren haben wir in Japan geglaubt, daß Recht und Gerechtigkeit wirklich in der christlichen Welt des Westens existierten. Aber seit den letzten Jahren wissen wir: dies ist nicht so! Die hochtönenden Lehren und Erklärungen der christlichen Nationen sind nichts weiter als eine anmaßende Maske zur Verhüllung von Ungerechtigkeit und Habgier. Wir wissen jetzt, daß solch ein Ding wie internationale Gerechtigkeit nicht existiert; wir wissen ferner, daß die kapitalistische Macht des Westens nicht begrenzt werden kann, es sei denn — durch größere Macht. Japan hat dies gelernt, und ganz Asien steht im Begriff, es zu lernen. Dadurch ist unsere Stellung zu China erklärt: wir wissen, daß wir uns auf kein Recht verlassen können, daß wir auf keine ehrliche Behandlung irgendwelcher Angelegenheiten von seiten der Westmächte rechnen dürfen. Sie werden China teilen und zerstören, dann werden sie Japan zum Vasallentum herabdrücken, sic werden dies ohne Gewissen, ohne Überlegung tun, sie werden es tun ohne Zögern, wenn wir in Japan nicht unsere Hertschaft aufrechterhalten, wenn wir selbst China nicht halten und entwickeln. Denn zuletzt würde diese westliche Ausbeutung Chinas der Ruin Chinas sein, während unsere Politik Chinas schließliche Erlösung sein wird. In China und in unseren pazifischen Gebieten müssen wir voll gerüstet sein, um uns selbst genügend verteidigen zu können. Wollten wir uns auf einen angelsächsisch gemachten Staatenbund verlassen, wollten wir an eine latent vorhandene oder gar schon herrschende Gerechtigkeit in der christlichen Zivilisation glauben, so wäre dies ein Beweis unsererseits von Geistesschwäche, ein Beweis auch dafür, daß wir unser Schicksal nationalen Ruins, welches uns unentrinnbar von seiten der Westmächte bevorstünde, verdient hätten.»

[ 40 ] Man mag sich zu diesem Inhalt stellen, wie man will: So denkt man in der Welt, und wir haben alle Ursache, auf diese Gedanken als auf Tatsachen hinzuschauen. Da ist es wahrhaftig recht deplaziert, wenn gegen das, was ich in ehrlicher Weise für eine neue Geistesrichtung einsetzen will, gerade von seiten derjenigen, die eigentlich die Bedingungen des geistigen Lebens kennen müßten - gestatten Sie, daß ich das charakterisiere --, wenn von dieser Seite aus die Einwände, die so oft und oft beschrieben worden sind, immer wieder kommen, zum Beispiel der Einwand: Man kann ja nicht prüfen, was der Geistesforscher sagt. So ist neulich eine Broschüre von einem gar nicht weit von hier entfernten Herrn erschienen: «Rudolf Steiner als Philosoph und Theosoph.» Ich möchte nur von einem Punkt aus auf den Geist und die Logik, die da herrscht, hinweisen. Da findet sich ein schöner Satz: «Ich muß eben unter Umständen Historiker, Physiker, Chemiker werden, um selbständig prüfen zu können. Die theosophischen Wahrheiten dagegen kann ich nicht nachprüfen, wenn ich nicht Hellseher bin.» Das heißt, er sagt, die Historiker, Physiker, Chemiker behaupten allerlei Dinge; will man diese prüfen, so muß man eben Historiker, Physiker, Chemiker werden. Ich sage: Will man die geisteswissenschaftlichen Dinge prüfen, so muß man Geisteswissenschafter werden. Was sagt der Herr? «Ich muß eben unter Umständen Historiker, Physiker, Chemiker werden, um selbständig prüfen zu können. Die theosophischen Wahrheiten dagegen kann ich nicht nachprüfen, wenn ich nicht Hellseher bin.» Natürlich! Ich kann auch nicht die Ergebnisse der chemischen Forschung nachprüfen, wenn ich nicht Chemiker werde. Man kann aber Chemiker werden. Aber Geistesforscher will man eben nicht werden. Da sagt man also etwas ganz Merkwürdiges: Ich muß prüfen können, aber prüfen können, ohne irgendwie mich einzulassen auf die Methoden der Prüfung. Die Frage ist für diesen Herrn, wie er selbst, wie Sie gleich hören werden, sagt, nicht, ob man entscheiden kann, wenn man sich die Gründe für die Entscheidung angeeignet hat, sondern: «Die Frage ist, ob sie von mir nachgeprüft worden sind oder nachgeprüft werden können, und das muß ich, abgesehen von der formalen logischen Kritik, verneinen.» Nun, daß er es verneinen muß, das gebe ich ihm gerne zu. Aber wie ich zugebe, daß jeder Chemiker werden muß, um die Ergebnisse der chemischen Forschung nachprüfen zu können, so muß sich eben jeder auf den geistesforscherischen Weg begeben, um die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten nachzuprüfen. Das lehnt aber jener Mann ab. Von dieser Logik ist eigentlich seine ganze Schrift. Und von dieser Logik ist vieles getragen, was sich entstellend über die Geisteswissenschaft hermacht. Da hat man wirklich etwas Besseres zu tun, als sich um derlei Einwände zu kümmern.

[ 40 ] Man mag sich zu diesem Inhalt stellen, wie man will: So denkt man in der Welt, und wir haben alle Ursache, auf diese Gedanken als auf Tatsachen hinzuschauen. Da ist es wahrhaftig recht deplaziert, wenn gegen das, was ich in ehrlicher Weise für eine neue Geistesrichtung einsetzen will, gerade von seiten derjenigen, die eigentlich die Bedingungen des geistigen Lebens kennen müßten - gestatten Sie, daß ich das charakterisiere --, wenn von dieser Seite aus die Einwände, die so oft und oft beschrieben worden sind, immer wieder kommen, zum Beispiel der Einwand: Man kann ja nicht prüfen, was der Geistesforscher sagt. So ist neulich eine Broschüre von einem gar nicht weit von hier entfernten Herrn erschienen: «Rudolf Steiner als Philosoph und Theosoph.» Ich möchte nur von einem Punkt aus auf den Geist und die Logik, die da herrscht, hinweisen. Da findet sich ein schöner Satz: «Ich muß eben unter Umständen Historiker, Physiker, Chemiker werden, um selbständig prüfen zu können. Die theosophischen Wahrheiten dagegen kann ich nicht nachprüfen, wenn ich nicht Hellseher bin.» Das heißt, er sagt, die Historiker, Physiker, Chemiker behaupten allerlei Dinge; will man diese prüfen, so muß man eben Historiker, Physiker, Chemiker werden. Ich sage: Will man die geisteswissenschaftlichen Dinge prüfen, so muß man Geisteswissenschafter werden. Was sagt der Herr? «Ich muß eben unter Umständen Historiker, Physiker, Chemiker werden, um selbständig prüfen zu können. Die theosophischen Wahrheiten dagegen kann ich nicht nachprüfen, wenn ich nicht Hellseher bin.» Natürlich! Ich kann auch nicht die Ergebnisse der chemischen Forschung nachprüfen, wenn ich nicht Chemiker werde. Man kann aber Chemiker werden. Aber Geistesforscher will man eben nicht werden. Da sagt man also etwas ganz Merkwürdiges: Ich muß prüfen können, aber prüfen können, ohne irgendwie mich einzulassen auf die Methoden der Prüfung. Die Frage ist für diesen Herrn, wie er selbst, wie Sie gleich hören werden, sagt, nicht, ob man entscheiden kann, wenn man sich die Gründe für die Entscheidung angeeignet hat, sondern: «Die Frage ist, ob sie von mir nachgeprüft worden sind oder nachgeprüft werden können, und das muß ich, abgesehen von der formalen logischen Kritik, verneinen.» Nun, daß er es verneinen muß, das gebe ich ihm gerne zu. Aber wie ich zugebe, daß jeder Chemiker werden muß, um die Ergebnisse der chemischen Forschung nachprüfen zu können, so muß sich eben jeder auf den geistesforscherischen Weg begeben, um die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten nachzuprüfen. Das lehnt aber jener Mann ab. Von dieser Logik ist eigentlich seine ganze Schrift. Und von dieser Logik ist vieles getragen, was sich entstellend über die Geisteswissenschaft hermacht. Da hat man wirklich etwas Besseres zu tun, als sich um derlei Einwände zu kümmern.

[ 41 ] Insbesondere aber wäre es diesem deutschen Volk, diesem viel geprüften deutschen Volk angemessen, zu denken, wie es sich zu den eigentlichen Grundlagen des Geisteslebens stellen soll. Ich kann hinweisen auf einige Sätze, die 1858 PTerman Grimm, der geistvolle Kunstgeschichtsschreiber, hingeschrieben hat in seinem Aufsatz über Schiller und Goethe. Er schreibt vor mehr als 60 Jahren: «Die wahre Geschichte Deutschlands ist die Geschichte der geistigen Bewegungen im Volk. Nur da, wo die Begeisterung für einen großen Gedanken die Nation erregte und die erstarrten Kräfte ins Fließen brachte, geschehen Taten, die groß und leuchtend sind.» Sollten wir nicht solche Worte heute beherzigen können? Oder die Worte, die Herman Grimm - also gewiß kein Revolutionär — 1858 geschrieben hat: «Die Namen der deutschen Kaiser und Könige sind ... keine Meilensteine für den Fortschritt des Volkes.» Er meinte, die Meilensteine für den Fortschritt des Volkes sind die Taten auf dem Gebiete des Gedankens, des ins Geistige hineingehenden Gedankens.

[ 41 ] Insbesondere aber wäre es diesem deutschen Volk, diesem viel geprüften deutschen Volk angemessen, zu denken, wie es sich zu den eigentlichen Grundlagen des Geisteslebens stellen soll. Ich kann hinweisen auf einige Sätze, die 1858 PTerman Grimm, der geistvolle Kunstgeschichtsschreiber, hingeschrieben hat in seinem Aufsatz über Schiller und Goethe. Er schreibt vor mehr als 60 Jahren: «Die wahre Geschichte Deutschlands ist die Geschichte der geistigen Bewegungen im Volk. Nur da, wo die Begeisterung für einen großen Gedanken die Nation erregte und die erstarrten Kräfte ins Fließen brachte, geschehen Taten, die groß und leuchtend sind.» Sollten wir nicht solche Worte heute beherzigen können? Oder die Worte, die Herman Grimm - also gewiß kein Revolutionär — 1858 geschrieben hat: «Die Namen der deutschen Kaiser und Könige sind ... keine Meilensteine für den Fortschritt des Volkes.» Er meinte, die Meilensteine für den Fortschritt des Volkes sind die Taten auf dem Gebiete des Gedankens, des ins Geistige hineingehenden Gedankens.

[ 42 ] Zu keiner Zeit hatte der Deutsche mehr die Notwendigkeit, sich an dieses zu halten, als gerade in dieser Zeit der Not, der harten Prüfung. Und deshalb darf man heute die Zeitgenossen auffordern, auf die groBen Vorfahren hinzuschauen, damit wir ihre würdigen Nachkommen werden können. Sollen heute die Glaubensbekenntnisse zum Geistesleben, die die Vorfahren des deutschen Volkes geäußert haben, nicht für die Gegenwart gelten, und müssen wir nicht fortbilden dieses Geistesstreben anstatt stehen zu bleiben in bloßen Worten, es zu zitieren? Wer heute Goethe bloß zitiert, versteht ihn nicht; nur wer ihn fortbildet, versteht ihn. Wer Johann Gottlieb Fichte nut zitiert, tut etwas Unsinniges, wenn er ihn nicht fortbildet im Geistesleben. Sie haben gehört, wie die Welt über das europäische Geistesleben spricht. In der Welt muß man lernen zu erkennen, daß der Deutsche wiederum den Willen hat, hinzublicken auf dasjenige, was die eigentlichen Meilensteine für den Fortschritt seines Volkes sind. Man hat in dieser Welt oftmals unsere Vorfahren, die großen Träger des deutschen Geisteslebens, Träumer genannt. Man hat sie verkannt, wie man heute das, was vom Geiste spricht, als Phantasterei oder sonst irgend etwas schildert. Aber es gab immerhin Leute, die wußten, wie das, was für den Geist angestrebt wurde, in der Wirklichkeit fußte. Und in einem wichtigen Moment hat Johann Gottlieb Fichte den Leuten gesagt: Was die andern sagen, daß Ideen nicht unmittelbar ins praktische Leben eingreifen können, das wissen wir Idealisten ebenso, vielleicht besser als die anderen; aber daß das Leben nach ihnen orientiert werden muß, das wissen wir voraus. - Da wies er auf die Lebenspraxis hin, und er sagte: Diejenigen, die das nicht einsehen, gehören zu denen, auf die nicht mitgerechnet ist im Plan der Welt. So möge diesen Leuten zur rechten Zeit Sonnenschein und Regen gewährt werden und eine gute Verdauung und, wenn es möglich ist, auch einige gute Gedanken.

[ 42 ] Zu keiner Zeit hatte der Deutsche mehr die Notwendigkeit, sich an dieses zu halten, als gerade in dieser Zeit der Not, der harten Prüfung. Und deshalb darf man heute die Zeitgenossen auffordern, auf die groBen Vorfahren hinzuschauen, damit wir ihre würdigen Nachkommen werden können. Sollen heute die Glaubensbekenntnisse zum Geistesleben, die die Vorfahren des deutschen Volkes geäußert haben, nicht für die Gegenwart gelten, und müssen wir nicht fortbilden dieses Geistesstreben anstatt stehen zu bleiben in bloßen Worten, es zu zitieren? Wer heute Goethe bloß zitiert, versteht ihn nicht; nur wer ihn fortbildet, versteht ihn. Wer Johann Gottlieb Fichte nut zitiert, tut etwas Unsinniges, wenn er ihn nicht fortbildet im Geistesleben. Sie haben gehört, wie die Welt über das europäische Geistesleben spricht. In der Welt muß man lernen zu erkennen, daß der Deutsche wiederum den Willen hat, hinzublicken auf dasjenige, was die eigentlichen Meilensteine für den Fortschritt seines Volkes sind. Man hat in dieser Welt oftmals unsere Vorfahren, die großen Träger des deutschen Geisteslebens, Träumer genannt. Man hat sie verkannt, wie man heute das, was vom Geiste spricht, als Phantasterei oder sonst irgend etwas schildert. Aber es gab immerhin Leute, die wußten, wie das, was für den Geist angestrebt wurde, in der Wirklichkeit fußte. Und in einem wichtigen Moment hat Johann Gottlieb Fichte den Leuten gesagt: Was die andern sagen, daß Ideen nicht unmittelbar ins praktische Leben eingreifen können, das wissen wir Idealisten ebenso, vielleicht besser als die anderen; aber daß das Leben nach ihnen orientiert werden muß, das wissen wir voraus. - Da wies er auf die Lebenspraxis hin, und er sagte: Diejenigen, die das nicht einsehen, gehören zu denen, auf die nicht mitgerechnet ist im Plan der Welt. So möge diesen Leuten zur rechten Zeit Sonnenschein und Regen gewährt werden und eine gute Verdauung und, wenn es möglich ist, auch einige gute Gedanken.

[ 43 ] Es kommt darauf an, in welchem Geiste man zu dem Geistgebaren der großen Träger des deutschen Geisteslebens aufsieht. Darüber wird die Wirklichkeit entscheiden, nicht das abstrakte Urteil. Werden die Nachkommen dieser deutschen Vorfahren einen Sinn für die wirkliche Geistespraxis haben, dann werden die Menschen, die uns vorangegangen sind in dieser Geistespraxis, keine Träumer gewesen sein. Wenn wir aber versäumen, in die Wirklichkeiten der Geistespraxis einzudringen, dann werden sie nicht durch sich, sondern durch uns oder durch unsere Nachkommen, die nichts wissen wollen von wirklichem deutschem Geist, erst zu Träumern werden. Hüte sich das deutsche Volk davor, seine großen Vorfahren, von denen die Welt so oft gesagt hat, daß sie Träumer seien, erst zu Träumern zu machen durch die Schuld, die herauskommt, wenn wir keinen Sinn haben für den Geist, der angerufen und beschworen worden ist im deutschen Geistesleben! Möge er Nachfolger gewinnen! Das ist das letzte Wort, das ich gerade aus meinen heutigen Auseinandersetzungen heraus zu Ihnen sprechen möchte.

[ 43 ] Es kommt darauf an, in welchem Geiste man zu dem Geistgebaren der großen Träger des deutschen Geisteslebens aufsieht. Darüber wird die Wirklichkeit entscheiden, nicht das abstrakte Urteil. Werden die Nachkommen dieser deutschen Vorfahren einen Sinn für die wirkliche Geistespraxis haben, dann werden die Menschen, die uns vorangegangen sind in dieser Geistespraxis, keine Träumer gewesen sein. Wenn wir aber versäumen, in die Wirklichkeiten der Geistespraxis einzudringen, dann werden sie nicht durch sich, sondern durch uns oder durch unsere Nachkommen, die nichts wissen wollen von wirklichem deutschem Geist, erst zu Träumern werden. Hüte sich das deutsche Volk davor, seine großen Vorfahren, von denen die Welt so oft gesagt hat, daß sie Träumer seien, erst zu Träumern zu machen durch die Schuld, die herauskommt, wenn wir keinen Sinn haben für den Geist, der angerufen und beschworen worden ist im deutschen Geistesleben! Möge er Nachfolger gewinnen! Das ist das letzte Wort, das ich gerade aus meinen heutigen Auseinandersetzungen heraus zu Ihnen sprechen möchte.