Freedom of Thought and Social Forces
GA 333
27 December 1919, Stuttgart
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Gedankenfreiheit und Soziale Kräfte
5. Die Weltbilanz des Geistes- und Seelenlebens der Gegenwart
5. Die Weltbilanz des Geistes- und Seelenlebens der Gegenwart
[ 1 ] Wenn man heute hinblickt auf die Tatsache, wie die einzelnen Länder und Volksgebiete voneinander abgeschlossen sind, so daß es teilweise ganz unmöglich und selbst in engen Grenzen äußerst schwierig ist, von einem Volksgebiet, Landesgebiet in das andere zu gelangen, so muß man sagen: Man kann, wenn man einigermaßen teilgenommen hat an dem Geistesleben, wie es sich entwickelt hat in der neueren Welt, nur sagen: Diese Tatsache ist so wenig wie nur irgend möglich vereinbar mit dem, was an tiefsten Sehnsuchten, an seelischen und geistigen Trieben im Innern der Menschen eigentlich lebt. Denn blickt man unbefangen in dieses menschliche Innere, so muß man verspüren, wie der Gehalt des Inneren, wie alle Kräfte dieses Inneren eines Menschen, der an der Kultur teilnimmt, zusammengesetzt sind aus den Gliedern des Geistes- und Kulturstrebens aller zivilisierten Völker auf unserer Erde, und kein Mensch ist heute in der Lage - wenn ich diesen kaufmännischen Ausdruck gebrauchen darf -, die Bilanz seines Geisteslebens irgendwie zu ziehen, ohne in die einzelnen Posten einzusetzen dasjenige, was zusammengeflossen ist in der Gesamtheit unserer Seelen- und Geistesverfassung aus allen Kulturgebieten der Welt. Aber wie steht es eigentlich mit diesem Bilanzziehen unseres Seelen- und Geisteslebens in unserer unmittelbaren Gegenwart? Es scheint mir, daß es sich insbesondere innerhalb des deutschen Volkes ziemt, diese Betrachtungen anzustellen. Es muß ja heute im Grunde genommen ernst von den Angelegenheiten unseres Kulturlebens gesprochen werden. Man darf vielleicht daran erinnern, ohne mißverstanden zu werden nach alledem, was wir erlebt haben, wie der Grübler und tief schürfende Denker Friedrich Nietzsche im Jahre des Aufganges des neueren deutschen Reiches sein Kulturbuch «Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik» geschrieben hat. Über die Stimmungen, die dazumal durch die Seele des jugendlich strebenden Nietzsche zogen, schreibt er selbst, daß es ihm vorkomme, wenn er auf die Art und Weise hinblickt, wie dazumal das Reich inauguriert worden ist, daß bevorstehe die Exstirpation des deutschen Geistes zugunsten des deutschen Reiches. Es hat ja wirklich Jahre gegeben - und sie liegen nicht weit hinter uns —, da mußte ein solcher Ausspruch mehr oder weniger vielen Menschen als frivol erscheinen. Aber die Tatsachen sind anders geworden, und ob man demjenigen, der einen solchen Ausspruch getan hat, heute recht oder unrecht gibt, darauf kommt es weniger an. Bedeutsam erscheint es immer gegenüber dem, was gesprochen worden ist, daß ein solcher Ausspruch während der Morgenröte der neueren Reichszeit getan werden konnte von einem, der wahrhaftig tief genug gelitten hat an all dem, was man doch zusammenfassen kann in die Worte: der Materialismus des 19. Jahrhunderts. Vielleicht darf man aber die Idee, die Empfindung, die zu diesem Ausspruch geführt hat, gedanklich fortsetzen. Man könnte sagen: Könnte es nicht vielleicht gerade die Not des deutschen Volkes sein, die seinem Organismus wiederum eingeistet und einseelt dasjenige, von dem Nietzsche meinte, daß es damals exstirpiert, ausgeschnitten worden ist?
[ 1 ] Wenn man heute hinblickt auf die Tatsache, wie die einzelnen Länder und Volksgebiete voneinander abgeschlossen sind, so daß es teilweise ganz unmöglich und selbst in engen Grenzen äußerst schwierig ist, von einem Volksgebiet, Landesgebiet in das andere zu gelangen, so muß man sagen: Man kann, wenn man einigermaßen teilgenommen hat an dem Geistesleben, wie es sich entwickelt hat in der neueren Welt, nur sagen: Diese Tatsache ist so wenig wie nur irgend möglich vereinbar mit dem, was an tiefsten Sehnsuchten, an seelischen und geistigen Trieben im Innern der Menschen eigentlich lebt. Denn blickt man unbefangen in dieses menschliche Innere, so muß man verspüren, wie der Gehalt des Inneren, wie alle Kräfte dieses Inneren eines Menschen, der an der Kultur teilnimmt, zusammengesetzt sind aus den Gliedern des Geistes- und Kulturstrebens aller zivilisierten Völker auf unserer Erde, und kein Mensch ist heute in der Lage - wenn ich diesen kaufmännischen Ausdruck gebrauchen darf -, die Bilanz seines Geisteslebens irgendwie zu ziehen, ohne in die einzelnen Posten einzusetzen dasjenige, was zusammengeflossen ist in der Gesamtheit unserer Seelen- und Geistesverfassung aus allen Kulturgebieten der Welt. Aber wie steht es eigentlich mit diesem Bilanzziehen unseres Seelen- und Geisteslebens in unserer unmittelbaren Gegenwart? Es scheint mir, daß es sich insbesondere innerhalb des deutschen Volkes ziemt, diese Betrachtungen anzustellen. Es muß ja heute im Grunde genommen ernst von den Angelegenheiten unseres Kulturlebens gesprochen werden. Man darf vielleicht daran erinnern, ohne mißverstanden zu werden nach alledem, was wir erlebt haben, wie der Grübler und tief schürfende Denker Friedrich Nietzsche im Jahre des Aufganges des neueren deutschen Reiches sein Kulturbuch «Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik» geschrieben hat. Über die Stimmungen, die dazumal durch die Seele des jugendlich strebenden Nietzsche zogen, schreibt er selbst, daß es ihm vorkomme, wenn er auf die Art und Weise hinblickt, wie dazumal das Reich inauguriert worden ist, daß bevorstehe die Exstirpation des deutschen Geistes zugunsten des deutschen Reiches. Es hat ja wirklich Jahre gegeben - und sie liegen nicht weit hinter uns —, da mußte ein solcher Ausspruch mehr oder weniger vielen Menschen als frivol erscheinen. Aber die Tatsachen sind anders geworden, und ob man demjenigen, der einen solchen Ausspruch getan hat, heute recht oder unrecht gibt, darauf kommt es weniger an. Bedeutsam erscheint es immer gegenüber dem, was gesprochen worden ist, daß ein solcher Ausspruch während der Morgenröte der neueren Reichszeit getan werden konnte von einem, der wahrhaftig tief genug gelitten hat an all dem, was man doch zusammenfassen kann in die Worte: der Materialismus des 19. Jahrhunderts. Vielleicht darf man aber die Idee, die Empfindung, die zu diesem Ausspruch geführt hat, gedanklich fortsetzen. Man könnte sagen: Könnte es nicht vielleicht gerade die Not des deutschen Volkes sein, die seinem Organismus wiederum eingeistet und einseelt dasjenige, von dem Nietzsche meinte, daß es damals exstirpiert, ausgeschnitten worden ist?
[ 2 ] Ich möchte mit diesen einleitenden Worten eigentlich nicht mehr sagen als hinweisen auf den Ernst, der über Betrachtungen schweben muß, die sich mit einer größeren Überschau über das gegenwärtige Geistes- und Seelenleben und seine Aufgaben beschäftigen. Wenn nur eine Art Streiflicht dazumal, im Jahre 187:, durch Nietzsche auf die Bilanz des Geistes- und Seelenlebens seiner Gegenwart gefallen ist, so können wir sagen, daß sich schon mancherlei nach Gründlichkeit und Ernst strebende Geister der deutschen Entwicklung im 19. Jahrhundert mit der Weltbilanz des Geisteslebens ihrer Zeit befaßt haben. Ich könnte an viele Persönlichkeiten erinnern, die im Sinne einer solchen Weltbilanz des Geistes- und Seelenlebens gedacht haben. Ich möchte nur hinweisen auf den ja gewiß durch seinen Materialismus heute vielen Menschen mit Recht nicht sympathischen David Friedrich Strauß. Diejenigen der verehrten Zuhörer, die mich im Verlaufe der letzten Jahrzehnte haben reden hören, werden ahnen, wieviel ich gegen so etwas auf der Seele habe, wie es das Buch « Der alte und der neue Glaube » von David Friedrich Strauß ist; aber es werden darinnen die großen Fragen von der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgeworfen. Fragen wie: Haben wit noch Religion? Sind wir noch Christen? - sie wirft David Friedrich Strauß in eindringlicher Weise auf. Und wiederum möchte ich hier nicht darüber entscheiden, wie das Ja oder Nein in diesen Dingen steht, auch nicht wie das Ja oder Nein im Verhältnis zu David Friedrich Strauß selber steht. Aber darauf möchte ich aufmerksam machen, daß trotz allem Materialismus des David Friedrich Strauß, trotzdem bei ihm alles dasjenige vorhanden ist, was gerade Nietzsche als solche Trivialitäten in seiner Weltanschauung empfunden hat, Ehrlichkeit schwebt über demjenigen, was dazumal David Friedrich Strauß niedergeschrieben hat.
[ 2 ] Ich möchte mit diesen einleitenden Worten eigentlich nicht mehr sagen als hinweisen auf den Ernst, der über Betrachtungen schweben muß, die sich mit einer größeren Überschau über das gegenwärtige Geistes- und Seelenleben und seine Aufgaben beschäftigen. Wenn nur eine Art Streiflicht dazumal, im Jahre 187:, durch Nietzsche auf die Bilanz des Geistes- und Seelenlebens seiner Gegenwart gefallen ist, so können wir sagen, daß sich schon mancherlei nach Gründlichkeit und Ernst strebende Geister der deutschen Entwicklung im 19. Jahrhundert mit der Weltbilanz des Geisteslebens ihrer Zeit befaßt haben. Ich könnte an viele Persönlichkeiten erinnern, die im Sinne einer solchen Weltbilanz des Geistes- und Seelenlebens gedacht haben. Ich möchte nur hinweisen auf den ja gewiß durch seinen Materialismus heute vielen Menschen mit Recht nicht sympathischen David Friedrich Strauß. Diejenigen der verehrten Zuhörer, die mich im Verlaufe der letzten Jahrzehnte haben reden hören, werden ahnen, wieviel ich gegen so etwas auf der Seele habe, wie es das Buch « Der alte und der neue Glaube » von David Friedrich Strauß ist; aber es werden darinnen die großen Fragen von der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgeworfen. Fragen wie: Haben wit noch Religion? Sind wir noch Christen? - sie wirft David Friedrich Strauß in eindringlicher Weise auf. Und wiederum möchte ich hier nicht darüber entscheiden, wie das Ja oder Nein in diesen Dingen steht, auch nicht wie das Ja oder Nein im Verhältnis zu David Friedrich Strauß selber steht. Aber darauf möchte ich aufmerksam machen, daß trotz allem Materialismus des David Friedrich Strauß, trotzdem bei ihm alles dasjenige vorhanden ist, was gerade Nietzsche als solche Trivialitäten in seiner Weltanschauung empfunden hat, Ehrlichkeit schwebt über demjenigen, was dazumal David Friedrich Strauß niedergeschrieben hat.
[ 3 ] Welche Fragen, und von welchen Gesichtspunkten aus wollte sie David Friedrich Strauß denn beantworten? Er hat alles aufgenommen, was das 19. Jahrhundert an naturwissenschaftlicher Weltanschauung und Gesinnung gebracht hat. David Friedrich Strauß versuchte, sich aus den allerneuzeitlichsten Elementen heraus ein Weltbild zu konstruieren, und man muß sagen: mit all dem, was in der neueren Zeit geleistet worden ist bis Darwin und Haeckel heran, hat David Friedrich Strauß sein Weltbild geformt, ehrlich es als seine Überzeugung und als den ganzen Umfang seines Seelenlebens sich geformt und dann rückhaltlos ehrlich die Frage aufgeworfen: Kann ich noch Religion im alten Sinne haben, wenn ich, wie es der Gesinnung der neueren Zeit entspricht, mich zu diesem Weltbild bekenne? Kann ich ehrlicherweise noch Christ sein, wenn ich mich zu diesem Weltbild bekenne? Und beide Fragen beantwortet sich Strauß ehrlich mit einem Nein. Er zieht die Weltbilanz der modernen Bildung, des modernen Geistes- und Seelenlebens in diesem Sinne.
[ 3 ] Welche Fragen, und von welchen Gesichtspunkten aus wollte sie David Friedrich Strauß denn beantworten? Er hat alles aufgenommen, was das 19. Jahrhundert an naturwissenschaftlicher Weltanschauung und Gesinnung gebracht hat. David Friedrich Strauß versuchte, sich aus den allerneuzeitlichsten Elementen heraus ein Weltbild zu konstruieren, und man muß sagen: mit all dem, was in der neueren Zeit geleistet worden ist bis Darwin und Haeckel heran, hat David Friedrich Strauß sein Weltbild geformt, ehrlich es als seine Überzeugung und als den ganzen Umfang seines Seelenlebens sich geformt und dann rückhaltlos ehrlich die Frage aufgeworfen: Kann ich noch Religion im alten Sinne haben, wenn ich, wie es der Gesinnung der neueren Zeit entspricht, mich zu diesem Weltbild bekenne? Kann ich ehrlicherweise noch Christ sein, wenn ich mich zu diesem Weltbild bekenne? Und beide Fragen beantwortet sich Strauß ehrlich mit einem Nein. Er zieht die Weltbilanz der modernen Bildung, des modernen Geistes- und Seelenlebens in diesem Sinne.
[ 4 ] So scharf sich der Bekenner der Geisteswissenschaft gegen dieses Glaubensbekenntnis des David Friedrich Strauß aussprechen muß — das muß gesagt werden, daß dazumal durch ihn, wie durch viele andere, eine ehrliche Bilanz des Geistes- und Seelenlebens gezogen worden ist. Sieht man unbefangen darauf hin, was seit jener Zeit, die ungefähr seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verflossen ist, an ähnlichen Bestrebungen aufgetreten ist, dann kann man zunächst nicht von einem ehrlichen Bilanzziehen sprechen, dann kann man eigentlich nur davon sprechen, daß man auf vielen, vielen Seiten bemüht ist, die Weltbilanz des Geistes- und Seelenlebens zu verschleiern. Verschleierung der Weltbilanz des Seelen- und Geisteslebens, das ist etwas, was uns heute auf Schritt und Tritt entgegenkommt. Wir sehen es auf Schritt und Tritt, wenn wir hinschauen auf das, was von zahlreichen Vertretern dieses oder jenes Bekenntnisses geltend gemacht wird. Auf der einen Seite finden solche Menschen oftmals Worte, die wie selbstverständlich erscheinen als Zugeständnisse an die naturwissenschaftliche Gesinnung, und nebenbei, nichts ahnend von der Ehrlichkeit eines David Friedrich Strauß, reden sie weiter in den alten Denkgewohnheiten von Christentum und Religion, und es fällt ihnen nicht ein, eine wirkliche Bilanz zu ziehen zwischen denjenigen Posten, die von den verschiedensten Seiten her einziehen in unser Geistesleben. Verschleierung der Bilanz des Geistesund Seelenlebens, das ist die geheimnisvolle Signatur vieler Kulturbestrebungen der Gegenwart.
[ 4 ] So scharf sich der Bekenner der Geisteswissenschaft gegen dieses Glaubensbekenntnis des David Friedrich Strauß aussprechen muß — das muß gesagt werden, daß dazumal durch ihn, wie durch viele andere, eine ehrliche Bilanz des Geistes- und Seelenlebens gezogen worden ist. Sieht man unbefangen darauf hin, was seit jener Zeit, die ungefähr seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verflossen ist, an ähnlichen Bestrebungen aufgetreten ist, dann kann man zunächst nicht von einem ehrlichen Bilanzziehen sprechen, dann kann man eigentlich nur davon sprechen, daß man auf vielen, vielen Seiten bemüht ist, die Weltbilanz des Geistes- und Seelenlebens zu verschleiern. Verschleierung der Weltbilanz des Seelen- und Geisteslebens, das ist etwas, was uns heute auf Schritt und Tritt entgegenkommt. Wir sehen es auf Schritt und Tritt, wenn wir hinschauen auf das, was von zahlreichen Vertretern dieses oder jenes Bekenntnisses geltend gemacht wird. Auf der einen Seite finden solche Menschen oftmals Worte, die wie selbstverständlich erscheinen als Zugeständnisse an die naturwissenschaftliche Gesinnung, und nebenbei, nichts ahnend von der Ehrlichkeit eines David Friedrich Strauß, reden sie weiter in den alten Denkgewohnheiten von Christentum und Religion, und es fällt ihnen nicht ein, eine wirkliche Bilanz zu ziehen zwischen denjenigen Posten, die von den verschiedensten Seiten her einziehen in unser Geistesleben. Verschleierung der Bilanz des Geistesund Seelenlebens, das ist die geheimnisvolle Signatur vieler Kulturbestrebungen der Gegenwart.
[ 5 ] Aber wir kommen gar nicht damit zurecht, wenn wir aus einem kleinen Kreis heraus versuchen, wieder einmal zu einer ehrlichen Bilanz vorzudringen. Das Bestreben, aus kleinen Kreisen heraus zu umfassenden Anschauungen zu kommen, das ist es gerade, was uns ad absurdum geführt hat. Das Hängen an bequemen kleinen Gedanken, das ist es, was uns nicht ein taugliches Verhältnis zu den Tatsachen der Welt hat gewinnen lassen, das ist es, was doch schließlich die furchtbare Katastrophe der letzten Jahre im Grunde herbeigeführt hat. Lernen sollte die Menschheit aus den furchtbaren Erfahrungen, aus der furchtbaren Not dieser Katastrophe, daß es wahrhaftig an der Zeit ist, den Blick aufwärts zu wenden, dahin, wo sich wirklich diejenigen Gesichtspunkte ergeben, die das Leben beherrschen, so, daß wir es bewußt beherrschen lernen, während wir uns unbewußt von diesem oder jenem haben gängeln lassen.
[ 5 ] Aber wir kommen gar nicht damit zurecht, wenn wir aus einem kleinen Kreis heraus versuchen, wieder einmal zu einer ehrlichen Bilanz vorzudringen. Das Bestreben, aus kleinen Kreisen heraus zu umfassenden Anschauungen zu kommen, das ist es gerade, was uns ad absurdum geführt hat. Das Hängen an bequemen kleinen Gedanken, das ist es, was uns nicht ein taugliches Verhältnis zu den Tatsachen der Welt hat gewinnen lassen, das ist es, was doch schließlich die furchtbare Katastrophe der letzten Jahre im Grunde herbeigeführt hat. Lernen sollte die Menschheit aus den furchtbaren Erfahrungen, aus der furchtbaren Not dieser Katastrophe, daß es wahrhaftig an der Zeit ist, den Blick aufwärts zu wenden, dahin, wo sich wirklich diejenigen Gesichtspunkte ergeben, die das Leben beherrschen, so, daß wir es bewußt beherrschen lernen, während wir uns unbewußt von diesem oder jenem haben gängeln lassen.
[ 6 ] Wir sind heute wahrlich nicht arm an allerlei Programmen, an allerlei programmatischen Ideen. Man möchte sagen: Billig wie Brombeeren wachsen die Vereine und die Programme und die programmatischen Ideen. Sie können schließlich billigerweise wachsen, denn unser intellektuelles Leben hat es sehr weit gebracht, und aus einem weitgediehenen intellektuellen Leben läßt sich immer das eine oder andere Vernünftige sagen, auf das man dann wie auf ein heiliges Wort schwören kann. Und so entstehen dann jene zahlreichen Programme - ob es nun politische Programme sind oder Programme des geistigen Lebens, Programme auf irgendeinem Gebiete der Moral, des sozialen Tuns und so weiter — Programme, deren Träger immer denken: Was ich da als das Richtige für die Menschheit ansehe, das muß so bald als möglich sich einbürgern in die ganze gegenwärtige Welt, denn das habe ich ersonnen als das Richtige, Heilsame für die Menschheit, das muß sich ausbreiten über die Menschheitssphäre, wie sie heute in Betracht kommt, über Amerika, Europa, Asien. Und da denkt sich ein Programm-Mensch sehr häufig noch dazu: Dasjenige, was ich da ersonnen habe, das muß nun wiederum gelten, ja, so ungefähr bis ans Ende aller Erdenzeiten; denn es ist absolut für die ganze Erde und für alle späteren Zeiten das Heilsame.
[ 6 ] Wir sind heute wahrlich nicht arm an allerlei Programmen, an allerlei programmatischen Ideen. Man möchte sagen: Billig wie Brombeeren wachsen die Vereine und die Programme und die programmatischen Ideen. Sie können schließlich billigerweise wachsen, denn unser intellektuelles Leben hat es sehr weit gebracht, und aus einem weitgediehenen intellektuellen Leben läßt sich immer das eine oder andere Vernünftige sagen, auf das man dann wie auf ein heiliges Wort schwören kann. Und so entstehen dann jene zahlreichen Programme - ob es nun politische Programme sind oder Programme des geistigen Lebens, Programme auf irgendeinem Gebiete der Moral, des sozialen Tuns und so weiter — Programme, deren Träger immer denken: Was ich da als das Richtige für die Menschheit ansehe, das muß so bald als möglich sich einbürgern in die ganze gegenwärtige Welt, denn das habe ich ersonnen als das Richtige, Heilsame für die Menschheit, das muß sich ausbreiten über die Menschheitssphäre, wie sie heute in Betracht kommt, über Amerika, Europa, Asien. Und da denkt sich ein Programm-Mensch sehr häufig noch dazu: Dasjenige, was ich da ersonnen habe, das muß nun wiederum gelten, ja, so ungefähr bis ans Ende aller Erdenzeiten; denn es ist absolut für die ganze Erde und für alle späteren Zeiten das Heilsame.
[ 7 ] In dieser Denkweise, in dieser alles verabsolutierenden Denkweise liegt das Verhängnis und die eigentliche Sünde des intellektuellen Lebens unserer Zeit. Unsere Zeit will nicht hinschauen auf die konkreten Verhältnisse, die unter den Menschen bestehen, will nicht hinschauen darauf, wie verschieden die Lebensbedingungen, sagen wir zunächst, des Orients und des Okzidents sind. Skizzenhaft nur möchte ich heute von diesem Gesichtspunkte aus über die Weltbilanz des Geistes- und Seelenlebens sprechen, indem ich darauf aufmerksam machen möchte, wie verschieden alles ist, was aus der Seele hervorquillt, als Lebens- und Weltanschauungsbild, auf der einen Seite in der Welt des Orients, auf der andern Seite in der Welt des Westens. Und wir hier in Mitteleuropa, sind wir denn nicht eigentlich mit unserem Seelen- und Geistesleben innig verwoben mit demjenigen, was auf der einen Seite aus dem Orient her fließt, herausgeflossen ist seit Jahrhunderten und Jahrtausenden? Und sind wir nicht wiederum nach der anderen Seite verwoben mit alledem, was als besonderes neues Element aufquillt und aufgequollen ist seit langer Zeit im Westen? Wenn wir auf das schauen, was aller Kulturentwicklung unseres Gebietes und unseres Lebens zugrunde liegt, wenn wir auf das Christentum schauen, auf diesen mächtigsten Impuls aller Erdenentwicklung, der aber vor allen Dingen der abendländischen Kultur nach allen Seiten ihre Gestaltung gegeben hat, dann finden wir, daß, ganz abgesehen davon, daß sich das Ereignis von Golgatha im Orient vollzogen hat, die erste Strömung des Christentums aus dem orientalischen Geiste hereingeströmt ist nach Europa; daß wir, indem wir im europäischen Seelenleben den Christus-Impuls haben, im Grunde genommen damit einen orientalischen Einschlag haben. In alte Zeiten weist die ganze Konfiguration, die ganze Art des orientalischen Geisteslebens zurück. Und heute - Sie brauchen, um das zu bekräftigen, nur solche eindringliche Worte einer Gestalt zu lesen, wie sie Rabindranath Tagore darstellt.
[ 7 ] In dieser Denkweise, in dieser alles verabsolutierenden Denkweise liegt das Verhängnis und die eigentliche Sünde des intellektuellen Lebens unserer Zeit. Unsere Zeit will nicht hinschauen auf die konkreten Verhältnisse, die unter den Menschen bestehen, will nicht hinschauen darauf, wie verschieden die Lebensbedingungen, sagen wir zunächst, des Orients und des Okzidents sind. Skizzenhaft nur möchte ich heute von diesem Gesichtspunkte aus über die Weltbilanz des Geistes- und Seelenlebens sprechen, indem ich darauf aufmerksam machen möchte, wie verschieden alles ist, was aus der Seele hervorquillt, als Lebens- und Weltanschauungsbild, auf der einen Seite in der Welt des Orients, auf der andern Seite in der Welt des Westens. Und wir hier in Mitteleuropa, sind wir denn nicht eigentlich mit unserem Seelen- und Geistesleben innig verwoben mit demjenigen, was auf der einen Seite aus dem Orient her fließt, herausgeflossen ist seit Jahrhunderten und Jahrtausenden? Und sind wir nicht wiederum nach der anderen Seite verwoben mit alledem, was als besonderes neues Element aufquillt und aufgequollen ist seit langer Zeit im Westen? Wenn wir auf das schauen, was aller Kulturentwicklung unseres Gebietes und unseres Lebens zugrunde liegt, wenn wir auf das Christentum schauen, auf diesen mächtigsten Impuls aller Erdenentwicklung, der aber vor allen Dingen der abendländischen Kultur nach allen Seiten ihre Gestaltung gegeben hat, dann finden wir, daß, ganz abgesehen davon, daß sich das Ereignis von Golgatha im Orient vollzogen hat, die erste Strömung des Christentums aus dem orientalischen Geiste hereingeströmt ist nach Europa; daß wir, indem wir im europäischen Seelenleben den Christus-Impuls haben, im Grunde genommen damit einen orientalischen Einschlag haben. In alte Zeiten weist die ganze Konfiguration, die ganze Art des orientalischen Geisteslebens zurück. Und heute - Sie brauchen, um das zu bekräftigen, nur solche eindringliche Worte einer Gestalt zu lesen, wie sie Rabindranath Tagore darstellt.
[ 8 ] Wenn wir nach Asien hinübersehen, wo sich wiederum unter den Gebildeten alles regt, wo alles teilnimmt an der Bilanzbildung des Geistes- und Seelenlebens, so sehen wir etwas, was sich in gewisser Art als eine gradlinige Fortentwicklung des uralten, dem Orient eigentümlichen Geisteslebens ergeben hat. Soviel wir auch Anteil haben an diesem orientalischen Geistesleben, soviel es auch eingeträufelt hat in unsere Kultur, wir müssen uns immer auf unsere tiefsten Verständnis- und Erkenntniskräfte besinnen, wenn wir verstehen wollen, was heute im Orient an Strebenskräften lebt, und erst gar, wenn wir begreifen wollen, aus welchen, vor Jahrhunderten und Jahrtausenden im Orient mächtigen Geistesquellen sich das heutige orientalische Geistesleben entwickelt hat. Schauen wir hin auf dieses Geistesleben, so finden wir heute noch in ihm dasjenige, was man nennen möchte Spiritualität, Geistigkeit. Diese Geistigkeit ist dort gewiß im Niedergange, in der Dekadenz, und kaum läßt sich vergleichen dasjenige, was selbst aus den besten Geistern des Orients kommt, mit demjenigen, was an tiefem, bedeutungsvollem Geistesleben einstmals in Asien für die Menschheit aufgegangen ist. Einen Grundcharakter trägt das - und uns wird dieser Grundcharakter anschaulich, je weiter und weiter wir zurückgehen -, einen Grundcharakter trägt es. Wenn wir alles das, was wir von dem Kulturleben, von dem Seelenleben des Orients wissen können, durchprüfen, so müssen wir sagen: Es ist entsprungen jedenfalls nicht aus einer solchen Seelenverfassung und Seelenstimmung, wie die unsrige, die des Okzidents, im normalen Menschenleben ist; es ist entsprungen so, daß beim Schaffen dieses Geisteslebens andere Seelenkräfte Anteil haben als diejenigen, die wir selbst bei unserer fortgeschrittenen Wissenschaft und dem fortgeschrittensten geistigen Streben anwenden. Um zu empfinden, um so recht zu fühlen die Konfiguration, die ganze Art des orientalischen Geisteslebens - wie gesagt, heute ist es in der Dekadenz -, muß man sich fragen, wie oftmals hier in diesen Vorträgen von mir gefragt und aus geisteswissenschaftlichen Untergründen die Antwort zu geben versucht worden ist, man muß sich fragen: Kann aus dem Menschen nicht auch etwas sprechen, was höherer Art ist als dasjenige, was sich nur der äußeren Sinnes- und Nervenwerkzeuge oder überhaupt der leiblichen Werkzeuge bedient, um Ausdruck zu werden für das Seelen- und Geistesleben ?
[ 8 ] Wenn wir nach Asien hinübersehen, wo sich wiederum unter den Gebildeten alles regt, wo alles teilnimmt an der Bilanzbildung des Geistes- und Seelenlebens, so sehen wir etwas, was sich in gewisser Art als eine gradlinige Fortentwicklung des uralten, dem Orient eigentümlichen Geisteslebens ergeben hat. Soviel wir auch Anteil haben an diesem orientalischen Geistesleben, soviel es auch eingeträufelt hat in unsere Kultur, wir müssen uns immer auf unsere tiefsten Verständnis- und Erkenntniskräfte besinnen, wenn wir verstehen wollen, was heute im Orient an Strebenskräften lebt, und erst gar, wenn wir begreifen wollen, aus welchen, vor Jahrhunderten und Jahrtausenden im Orient mächtigen Geistesquellen sich das heutige orientalische Geistesleben entwickelt hat. Schauen wir hin auf dieses Geistesleben, so finden wir heute noch in ihm dasjenige, was man nennen möchte Spiritualität, Geistigkeit. Diese Geistigkeit ist dort gewiß im Niedergange, in der Dekadenz, und kaum läßt sich vergleichen dasjenige, was selbst aus den besten Geistern des Orients kommt, mit demjenigen, was an tiefem, bedeutungsvollem Geistesleben einstmals in Asien für die Menschheit aufgegangen ist. Einen Grundcharakter trägt das - und uns wird dieser Grundcharakter anschaulich, je weiter und weiter wir zurückgehen -, einen Grundcharakter trägt es. Wenn wir alles das, was wir von dem Kulturleben, von dem Seelenleben des Orients wissen können, durchprüfen, so müssen wir sagen: Es ist entsprungen jedenfalls nicht aus einer solchen Seelenverfassung und Seelenstimmung, wie die unsrige, die des Okzidents, im normalen Menschenleben ist; es ist entsprungen so, daß beim Schaffen dieses Geisteslebens andere Seelenkräfte Anteil haben als diejenigen, die wir selbst bei unserer fortgeschrittenen Wissenschaft und dem fortgeschrittensten geistigen Streben anwenden. Um zu empfinden, um so recht zu fühlen die Konfiguration, die ganze Art des orientalischen Geisteslebens - wie gesagt, heute ist es in der Dekadenz -, muß man sich fragen, wie oftmals hier in diesen Vorträgen von mir gefragt und aus geisteswissenschaftlichen Untergründen die Antwort zu geben versucht worden ist, man muß sich fragen: Kann aus dem Menschen nicht auch etwas sprechen, was höherer Art ist als dasjenige, was sich nur der äußeren Sinnes- und Nervenwerkzeuge oder überhaupt der leiblichen Werkzeuge bedient, um Ausdruck zu werden für das Seelen- und Geistesleben ?
[ 9 ] Oftmals ist hier aus geisteswissenschaftlichen Untergründen heraus gezeigt worden, wie der Geistesforscher vordringen kann, indem er ebenso streng wissenschaftlich bleibt, wie die heutige Naturwissenschaft streng wissenschaftlich ist, zu dem, was man nennen kann das Ewige, das Unsterbliche im Menschen, zu dem, was in den menschlichen Leib einzieht, was in den vererbten Leib als dasjenige einzieht, was als nicht vererbt aus der geistigen Welt hereingebracht werden muß, was einzieht durch die Geburt oder Empfängnis, und was wiederum, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, hinausgeht in die geistige Welt. Vernehmen wir, was besonders aus den älteren Elementen des orientalischen Geisteslebens zu uns spricht, so müssen wir sagen: Da spricht nicht dasjenige aus dem Menschen, was sich nur der äußeren leiblichen Werkzeuge bedient, wie in unserer Wissenschaft, Dichtung, Kunst; da spricht über dasjenige hinaus, was leibliche Werkzeuge vermögen, der geistige Mensch, der als ewiges Wesen aus geistigen Welten heruntersteigt durch Geburt oder Empfängnis und der wiederum durch die Pforte des Todes zurückkehrt in die geistige Welt. Das geistige Leben des Orientalen ist etwas wie eine Offenbarung dessen, was sich der Mensch mitgebracht hat durch die Geburt oder Empfängnis ins physische Dasein, dessen, was er in gewissem Sinne hier nicht anwenden kann, sondern wiederum durch tragen muß durch die Pforte des Todes. Man kann sagen: Alles, was der orientalische Gebildete als wirklich geistige Kultur betrachtet, ist ein Ausfluß des höheren Menschen im Menschen, wenn ich schon diesen trivial gewordenen Ausdruck gebrauchen darf; das ist etwas, was über das alltägliche Menschliche weit hinausgeht.
[ 9 ] Oftmals ist hier aus geisteswissenschaftlichen Untergründen heraus gezeigt worden, wie der Geistesforscher vordringen kann, indem er ebenso streng wissenschaftlich bleibt, wie die heutige Naturwissenschaft streng wissenschaftlich ist, zu dem, was man nennen kann das Ewige, das Unsterbliche im Menschen, zu dem, was in den menschlichen Leib einzieht, was in den vererbten Leib als dasjenige einzieht, was als nicht vererbt aus der geistigen Welt hereingebracht werden muß, was einzieht durch die Geburt oder Empfängnis, und was wiederum, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, hinausgeht in die geistige Welt. Vernehmen wir, was besonders aus den älteren Elementen des orientalischen Geisteslebens zu uns spricht, so müssen wir sagen: Da spricht nicht dasjenige aus dem Menschen, was sich nur der äußeren leiblichen Werkzeuge bedient, wie in unserer Wissenschaft, Dichtung, Kunst; da spricht über dasjenige hinaus, was leibliche Werkzeuge vermögen, der geistige Mensch, der als ewiges Wesen aus geistigen Welten heruntersteigt durch Geburt oder Empfängnis und der wiederum durch die Pforte des Todes zurückkehrt in die geistige Welt. Das geistige Leben des Orientalen ist etwas wie eine Offenbarung dessen, was sich der Mensch mitgebracht hat durch die Geburt oder Empfängnis ins physische Dasein, dessen, was er in gewissem Sinne hier nicht anwenden kann, sondern wiederum durch tragen muß durch die Pforte des Todes. Man kann sagen: Alles, was der orientalische Gebildete als wirklich geistige Kultur betrachtet, ist ein Ausfluß des höheren Menschen im Menschen, wenn ich schon diesen trivial gewordenen Ausdruck gebrauchen darf; das ist etwas, was über das alltägliche Menschliche weit hinausgeht.
[ 10 ] Wir haben im Grunde genommen in unserem Seelenleben nur etwas wie einen Teil unseres Wesens, aus dem wir uns wirklich eine gründliche, rechte Vorstellung machen können von der ganzen Art und Weise, wie der Orientale in seinen besten Urzeiten zu seinem Geistesleben stand. Um uns eine solche Vorstellung zu machen, müssen wir auf die Art und Weise hinblicken, wie in uns auftaucht, wenn wir die besten Kräfte unseres Menschenwesens zusammennehmen, dasjenige, was wir unsere sittlichen Impulse nennen, dasjenige, woran wit messen das Sittlich-Gute und Sittlich-Schlechte in uns. Wenn diese unsere sittlichen Impulse sich im Innersten unseres Wesens als Intuitionen ankündigen, wenn sie Richtschnur unseres Lebens auf moralischem Gebiete werden sollen, dann erleben wir in diesen Impulsen etwas von Seelenkraft, das wir uns nun ausgedehnt denken müssen über alles, was der Orientale empfindet, wenn er sein Geistesleben hereinzaubert in die physische Welt. Nichts von jener Stimmung, die wir etwa haben, wenn wir über die Natur etwas ausmachen, nichts von jener Stimmung, die unsere Philosophien und Weltanschauungen und unsere trivialen Monismen durchzieht, sondern jenes Bewußtsein in der Seele, ein Überweltliches, ein Übersinnliches zu empfangen, das bestimmte den Orientalen in allem, was dem einen Inhalt gab, was er seine Weltanschauung hätte nennen können.
[ 10 ] Wir haben im Grunde genommen in unserem Seelenleben nur etwas wie einen Teil unseres Wesens, aus dem wir uns wirklich eine gründliche, rechte Vorstellung machen können von der ganzen Art und Weise, wie der Orientale in seinen besten Urzeiten zu seinem Geistesleben stand. Um uns eine solche Vorstellung zu machen, müssen wir auf die Art und Weise hinblicken, wie in uns auftaucht, wenn wir die besten Kräfte unseres Menschenwesens zusammennehmen, dasjenige, was wir unsere sittlichen Impulse nennen, dasjenige, woran wit messen das Sittlich-Gute und Sittlich-Schlechte in uns. Wenn diese unsere sittlichen Impulse sich im Innersten unseres Wesens als Intuitionen ankündigen, wenn sie Richtschnur unseres Lebens auf moralischem Gebiete werden sollen, dann erleben wir in diesen Impulsen etwas von Seelenkraft, das wir uns nun ausgedehnt denken müssen über alles, was der Orientale empfindet, wenn er sein Geistesleben hereinzaubert in die physische Welt. Nichts von jener Stimmung, die wir etwa haben, wenn wir über die Natur etwas ausmachen, nichts von jener Stimmung, die unsere Philosophien und Weltanschauungen und unsere trivialen Monismen durchzieht, sondern jenes Bewußtsein in der Seele, ein Überweltliches, ein Übersinnliches zu empfangen, das bestimmte den Orientalen in allem, was dem einen Inhalt gab, was er seine Weltanschauung hätte nennen können.
[ 11 ] Mit dieser Art, ich will nicht sagen, über die übersinnliche Welt zu denken, sondern mit dieser Art, sich zu der übersinnlichen Welt zu stellen, mit dieser Art, zu empfinden über dasjenige, was sich aus der übersinnlichen Welt in die sinnliche herein offenbaren kann, wußte im Grunde genommen der Angehörige der westlichen Zivilisation seit langer Zeit nichts anzufangen. Abstrakt ist wohl aufgetreten im äußeren moralischen Leben dasjenige, was man den höheren Menschen im Menschen nennt. Aber jenes gewaltige, unmittelbare Erlebnis, durch das dieser höhere Mensch hereinschafft in diese sinnlich-physische Welt eine geistige Kultur, die unmittelbar Ausdruck eines Übersinnlichen ist, das ist der westlichen Kultur im hohen Grade verlorengegangen. Das sollte man sich heute als ehrliches Resultat einer Weltbilanz des Geistes- und Seelenlebens eigentlich gestehen.
[ 11 ] Mit dieser Art, ich will nicht sagen, über die übersinnliche Welt zu denken, sondern mit dieser Art, sich zu der übersinnlichen Welt zu stellen, mit dieser Art, zu empfinden über dasjenige, was sich aus der übersinnlichen Welt in die sinnliche herein offenbaren kann, wußte im Grunde genommen der Angehörige der westlichen Zivilisation seit langer Zeit nichts anzufangen. Abstrakt ist wohl aufgetreten im äußeren moralischen Leben dasjenige, was man den höheren Menschen im Menschen nennt. Aber jenes gewaltige, unmittelbare Erlebnis, durch das dieser höhere Mensch hereinschafft in diese sinnlich-physische Welt eine geistige Kultur, die unmittelbar Ausdruck eines Übersinnlichen ist, das ist der westlichen Kultur im hohen Grade verlorengegangen. Das sollte man sich heute als ehrliches Resultat einer Weltbilanz des Geistes- und Seelenlebens eigentlich gestehen.
[ 12 ] Blicken wir nun auf einzelne Erscheinungen hin. Auf der einen Seite sehen wir, wie - ich habe schon darauf aufmerksam gemacht - der Christus-Impuls in alle unsere Kulturströmungen eingezogen ist. Er trat einmal mit einer ungeheuren Stoßkraft in das abendländische Leben ein. Er verlor diese Stoßkraft. Wenn wir zurückgehen in alte christliche Zeiten, so finden wir, daß die Menschen, die sich im Ernst der christlichen Weltanschauung nähern wollen, die Christus-Gestalt durch übersinnliches Wissen ergreifen wollen. Im 19. Jahrhundert sind gerade die fortgeschrittensten Theologen, die fortgeschrittensten Bekenner des Christentums stolz darauf gewesen, das Übersinnliche auch aus der Gestalt des Christus Jesus zu entfernen, und es hat gegeben und es gibt noch Universitätslehrer der christlichen Theologie, die stolz darauf sind, den Christus Jesus nur als den «schlichten Mann aus Nazareth » anzusehen, die stolz darauf sind, so wenig wie möglich Übermenschliches in diese Gestalt des Erdenlebens hineinzubringen. Wir sehen, wie allmählich sozusagen verduftet ist der Sinn für das Übersinnliche auch gegenüber den heiligsten Überzeugungen der abendländischen Menschheit, oftmals gerade bei führenden Geistern. Die Menschen im Abendlande konnten nichts anfangen selbst mit dem, was sich ihnen durch die Jahrhunderte hindurch herausentwickelt hat aus dem Geiste des Orients heraus. Sie vermaterialisierten es. Die signifikanteste Erscheinung ist die Vermaterialisierung des Christentums der Theologie, denn eine Vermaterialisierung ist es, wenn das Christus-Wesen, das als ein außerweltliches gedacht werden muß, vereint mit der Persönlichkeit des Jesus von Nazareth, ausgelöscht wird, und wenn bloß auf die persönlichen Eigenschaften des Jesus von Nazareth wie auf eine andere historische Erscheinung hingeschaut wird.
[ 12 ] Blicken wir nun auf einzelne Erscheinungen hin. Auf der einen Seite sehen wir, wie - ich habe schon darauf aufmerksam gemacht - der Christus-Impuls in alle unsere Kulturströmungen eingezogen ist. Er trat einmal mit einer ungeheuren Stoßkraft in das abendländische Leben ein. Er verlor diese Stoßkraft. Wenn wir zurückgehen in alte christliche Zeiten, so finden wir, daß die Menschen, die sich im Ernst der christlichen Weltanschauung nähern wollen, die Christus-Gestalt durch übersinnliches Wissen ergreifen wollen. Im 19. Jahrhundert sind gerade die fortgeschrittensten Theologen, die fortgeschrittensten Bekenner des Christentums stolz darauf gewesen, das Übersinnliche auch aus der Gestalt des Christus Jesus zu entfernen, und es hat gegeben und es gibt noch Universitätslehrer der christlichen Theologie, die stolz darauf sind, den Christus Jesus nur als den «schlichten Mann aus Nazareth » anzusehen, die stolz darauf sind, so wenig wie möglich Übermenschliches in diese Gestalt des Erdenlebens hineinzubringen. Wir sehen, wie allmählich sozusagen verduftet ist der Sinn für das Übersinnliche auch gegenüber den heiligsten Überzeugungen der abendländischen Menschheit, oftmals gerade bei führenden Geistern. Die Menschen im Abendlande konnten nichts anfangen selbst mit dem, was sich ihnen durch die Jahrhunderte hindurch herausentwickelt hat aus dem Geiste des Orients heraus. Sie vermaterialisierten es. Die signifikanteste Erscheinung ist die Vermaterialisierung des Christentums der Theologie, denn eine Vermaterialisierung ist es, wenn das Christus-Wesen, das als ein außerweltliches gedacht werden muß, vereint mit der Persönlichkeit des Jesus von Nazareth, ausgelöscht wird, und wenn bloß auf die persönlichen Eigenschaften des Jesus von Nazareth wie auf eine andere historische Erscheinung hingeschaut wird.
[ 13 ] Wir können auch an anderen Beispielen sehen, wie merkwürdig sich dieser abendländische Geist zu dem orientalischen verhält. Unsere anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft verwechseln manche Leute, manche bewußt, manche unbewußt, manche gutwillig, manche böswillig, mit demjenigen, was sich in englischsprechenden Gegenden Theosophie nennt. Ich will heute wahrhaftig nicht sprechen über die Beziehungen unserer anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft zu demjenigen, was in England unter Blavatsky und Besant Theosophie genannt wird, aber ich will darauf aufmerksam machen, daß das Welteroberervolk England im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts eine, wenn auch im Verhältnis zur ganzen englischen Kultur kleine, aber doch bemerkenswerte Erscheinung hatte, die sich ausdrückte in der dortigen theosophischen Bewegung. Was wollte diese theosophische Bewegung innerhalb der im eminentesten Sinne abendländischen Kultur? Sie wollte Vertiefung des Geisteslebens, wollte ein Wiedersuchen der Quellen geistigen Erlebens. Was tat sie? Die Mitglieder des Eroberervolkes strebten nach den Quellen des Geistes, sie gingen hin zu dem eroberten Volke der Inder und entnahmen dort altorientalische Weisheit. Daß wir das nicht nachmachten, das war es gerade, warum man uns von dieser theosophischen Seite her so verketzerte. Und vergleicht man dasjenige, was innerhalb dieser englisch-theosophischen Gesellschaft lebt, was ganz entlehnt ist aus dem orientalischen Indertum, mit dem, was einstmals als Weisheit dort lebte, so muß man in all dem, was da tradiert wird als, sagen wir, «Ätherleib», «Astralleib», eine Vermaterialisierung des im Orient drüben spirituellen, rein geistig Gedachten sehen. Aber für eine andere Tatsache ist das charakteristisch, was ich eben angeführt habe. Es ist den Angehörigen der abendländischen englischen Kultur so wenig möglich, aus sich selbst heraus ein Streben nach den Quellen eines neuen geistigen Lebens zu treiben, daß man sich zu der Zeit dekadenten orientalischen Geisteslebens wendet, um bei ihr eine Anleihe zu machen, um fremdes Gut herüberzutragen nach dem Abendland. Gerade an diesem Beispiel kann man sehen, wie wenig eigene Begabung in diesem Abendlande vorhanden ist, selber so etwas hervorzubringen, wie die Hervorbringungen desjenigen Menschen sind, der als höherer Mensch, als spiritueller Mensch, als ewiger Mensch, als unsterblicher Mensch im sterblichen lebt, und dessen Ausdruck doch schließlich die orientalische Geisteskultur ist. Der Orientale versteht daher sehr gut, was der höhere Mensch im Menschen ist, was der Mensch ist, der nicht rein auf der Erde lebt, sondern in geistigen Welten über die Erde hinaus lebt.
[ 13 ] Wir können auch an anderen Beispielen sehen, wie merkwürdig sich dieser abendländische Geist zu dem orientalischen verhält. Unsere anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft verwechseln manche Leute, manche bewußt, manche unbewußt, manche gutwillig, manche böswillig, mit demjenigen, was sich in englischsprechenden Gegenden Theosophie nennt. Ich will heute wahrhaftig nicht sprechen über die Beziehungen unserer anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft zu demjenigen, was in England unter Blavatsky und Besant Theosophie genannt wird, aber ich will darauf aufmerksam machen, daß das Welteroberervolk England im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts eine, wenn auch im Verhältnis zur ganzen englischen Kultur kleine, aber doch bemerkenswerte Erscheinung hatte, die sich ausdrückte in der dortigen theosophischen Bewegung. Was wollte diese theosophische Bewegung innerhalb der im eminentesten Sinne abendländischen Kultur? Sie wollte Vertiefung des Geisteslebens, wollte ein Wiedersuchen der Quellen geistigen Erlebens. Was tat sie? Die Mitglieder des Eroberervolkes strebten nach den Quellen des Geistes, sie gingen hin zu dem eroberten Volke der Inder und entnahmen dort altorientalische Weisheit. Daß wir das nicht nachmachten, das war es gerade, warum man uns von dieser theosophischen Seite her so verketzerte. Und vergleicht man dasjenige, was innerhalb dieser englisch-theosophischen Gesellschaft lebt, was ganz entlehnt ist aus dem orientalischen Indertum, mit dem, was einstmals als Weisheit dort lebte, so muß man in all dem, was da tradiert wird als, sagen wir, «Ätherleib», «Astralleib», eine Vermaterialisierung des im Orient drüben spirituellen, rein geistig Gedachten sehen. Aber für eine andere Tatsache ist das charakteristisch, was ich eben angeführt habe. Es ist den Angehörigen der abendländischen englischen Kultur so wenig möglich, aus sich selbst heraus ein Streben nach den Quellen eines neuen geistigen Lebens zu treiben, daß man sich zu der Zeit dekadenten orientalischen Geisteslebens wendet, um bei ihr eine Anleihe zu machen, um fremdes Gut herüberzutragen nach dem Abendland. Gerade an diesem Beispiel kann man sehen, wie wenig eigene Begabung in diesem Abendlande vorhanden ist, selber so etwas hervorzubringen, wie die Hervorbringungen desjenigen Menschen sind, der als höherer Mensch, als spiritueller Mensch, als ewiger Mensch, als unsterblicher Mensch im sterblichen lebt, und dessen Ausdruck doch schließlich die orientalische Geisteskultur ist. Der Orientale versteht daher sehr gut, was der höhere Mensch im Menschen ist, was der Mensch ist, der nicht rein auf der Erde lebt, sondern in geistigen Welten über die Erde hinaus lebt.
[ 14 ] Was haben wir für ein Analogon im abendländischen Geistesleben, und was haben wir immer mehr für ein Analogon, je weiter wir nach dem Westen gehen, gegenüber diesem höheren Menschen, wie ich es jetzt in stammelnden Worten zu charakterisieren versuchte für das orientalische Geistesleben — was haben wir dafür Entsprechendes eigentlich im alltäglichen, gewöhnlichen, landläufigen Geistesleben des Abendlandes? Man muß sich lange besinnen, um daraufzukommen, was die bis heute tonangebende abendländische Kultur als das Entsprechende für den höheren spirituellen Menschen des Orients hat. Wenn man heute nachsieht in gebräuchlichen Handbüchern über die Bevölkerung unserer Erde, so findet man bekanntlich angegeben: Auf der Erde leben ungefähr 1500 Millionen Menschen. Das ist im Grunde genommen dann richtig, wenn man auf diejenigen Menschenwesen hinschaut, die für die Menschheitskultur schaffen, indem sie auf zwei Beinen über die Erdoberfläche gehen, aber es ist nicht mehr richtig für unsere heutige Zeit, wenn wir nach der Menge der Arbeit fragen, die vor verhältnismäßig noch gar nicht langer Zeit die Menschen fast einzig und allein selbst für die Menschheitskultur geleistet haben. Wir haben es durch die Errungenschaften der abendländischen Kultur dazu gebracht, Maschinenarbeit in reichlichstem Maße an die Stelle von Menschenarbeit zu setzen, und wir dürfen sagen: Im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte ist dasjenige, was für unsere Kultur fabriziert, hergestellt wird, nicht nur das Ergebnis dessen geworden, was die menschliche Arbeit leistet, sondern dessen, was Maschinenarbeitleistet. Würde die Maschine nicht da sein, so würde man sehen, wie viel Menschen leisten müßten, damit das zustande kommt, was heute mit Hilfe der Maschine zustande kommt. Man kann nun ausrechnen, wieviel Menschen mehr auf der Erde leben müßten, wenn das durch Menschenarbeit geleistet werden müßte, was durch Maschinenarbeit geleistet wird. Ich habe mich bemüht, das auszurechnen, und bekomme für eine achtstündige Arbeitszeit heraus - man kann es etwa nach dem Kohlenverbrauch und anderem berechnen -, daß ungefähr 700 bis 750 Millionen Menschen mehr auf der Erde arbeiten müßten, als jetzt vorhanden sind an fleischlichen Menschen. Das heißt, es ist nur bedingt richtig wenn wir auf die Menge der geleisteten Arbeit sehen -, daß wir unsere Erde von 1500 Millionen Menschen bewohnt haben. Wir haben sie von mehr bewohnt, aber von solchen, die nicht wirklich Menschen, sondern eigentlich Homunkeln, Maschinen, sind, aber die Arbeit leisten, die sonst Menschen leisten müßten. Dem Orientalen ist es in einer gewissen Weise in bezug auf seine eigene Seelenverfassung ziemlich unbehaglich bei diesem Gedanken der menschlichen Homunkeln, der da in die Menschenkultur hereinbrechenden 700 bis 750 Millionen Menschen, die keine Menschen, sondern Maschinen sind.
[ 14 ] Was haben wir für ein Analogon im abendländischen Geistesleben, und was haben wir immer mehr für ein Analogon, je weiter wir nach dem Westen gehen, gegenüber diesem höheren Menschen, wie ich es jetzt in stammelnden Worten zu charakterisieren versuchte für das orientalische Geistesleben — was haben wir dafür Entsprechendes eigentlich im alltäglichen, gewöhnlichen, landläufigen Geistesleben des Abendlandes? Man muß sich lange besinnen, um daraufzukommen, was die bis heute tonangebende abendländische Kultur als das Entsprechende für den höheren spirituellen Menschen des Orients hat. Wenn man heute nachsieht in gebräuchlichen Handbüchern über die Bevölkerung unserer Erde, so findet man bekanntlich angegeben: Auf der Erde leben ungefähr 1500 Millionen Menschen. Das ist im Grunde genommen dann richtig, wenn man auf diejenigen Menschenwesen hinschaut, die für die Menschheitskultur schaffen, indem sie auf zwei Beinen über die Erdoberfläche gehen, aber es ist nicht mehr richtig für unsere heutige Zeit, wenn wir nach der Menge der Arbeit fragen, die vor verhältnismäßig noch gar nicht langer Zeit die Menschen fast einzig und allein selbst für die Menschheitskultur geleistet haben. Wir haben es durch die Errungenschaften der abendländischen Kultur dazu gebracht, Maschinenarbeit in reichlichstem Maße an die Stelle von Menschenarbeit zu setzen, und wir dürfen sagen: Im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte ist dasjenige, was für unsere Kultur fabriziert, hergestellt wird, nicht nur das Ergebnis dessen geworden, was die menschliche Arbeit leistet, sondern dessen, was Maschinenarbeitleistet. Würde die Maschine nicht da sein, so würde man sehen, wie viel Menschen leisten müßten, damit das zustande kommt, was heute mit Hilfe der Maschine zustande kommt. Man kann nun ausrechnen, wieviel Menschen mehr auf der Erde leben müßten, wenn das durch Menschenarbeit geleistet werden müßte, was durch Maschinenarbeit geleistet wird. Ich habe mich bemüht, das auszurechnen, und bekomme für eine achtstündige Arbeitszeit heraus - man kann es etwa nach dem Kohlenverbrauch und anderem berechnen -, daß ungefähr 700 bis 750 Millionen Menschen mehr auf der Erde arbeiten müßten, als jetzt vorhanden sind an fleischlichen Menschen. Das heißt, es ist nur bedingt richtig wenn wir auf die Menge der geleisteten Arbeit sehen -, daß wir unsere Erde von 1500 Millionen Menschen bewohnt haben. Wir haben sie von mehr bewohnt, aber von solchen, die nicht wirklich Menschen, sondern eigentlich Homunkeln, Maschinen, sind, aber die Arbeit leisten, die sonst Menschen leisten müßten. Dem Orientalen ist es in einer gewissen Weise in bezug auf seine eigene Seelenverfassung ziemlich unbehaglich bei diesem Gedanken der menschlichen Homunkeln, der da in die Menschenkultur hereinbrechenden 700 bis 750 Millionen Menschen, die keine Menschen, sondern Maschinen sind.
[ 15 ] Diese Art von Menschen, die da mitarbeitet, die der Träger, der maschinelle Träger der Menschenkraft ist, das ist das wirkliche Analogon, das wirklich Entsprechende in der normalen westlichen Kultur, dieser Untermensch für den höheren Menschen, für den spirituellen Menschen des Orients. Und ich glaube nicht, daß heute einer ehrlich die Weltbilanz des Seelen- und Geisteslebens zieht, der nicht zu dieser Rechnungslegung dasjenige heranzieht, worin in den besten Zeiten, die der Menschheit etwas gegeben haben, die orientalische Geisteskultur in dem höheren Menschen gipfelte, gegenüber dem, was das schließlich von der westlichen Kultur Hervorgebrachte ist: der Untermensch, die Maschine, die Menschenarbeit verrichtet.
[ 15 ] Diese Art von Menschen, die da mitarbeitet, die der Träger, der maschinelle Träger der Menschenkraft ist, das ist das wirkliche Analogon, das wirklich Entsprechende in der normalen westlichen Kultur, dieser Untermensch für den höheren Menschen, für den spirituellen Menschen des Orients. Und ich glaube nicht, daß heute einer ehrlich die Weltbilanz des Seelen- und Geisteslebens zieht, der nicht zu dieser Rechnungslegung dasjenige heranzieht, worin in den besten Zeiten, die der Menschheit etwas gegeben haben, die orientalische Geisteskultur in dem höheren Menschen gipfelte, gegenüber dem, was das schließlich von der westlichen Kultur Hervorgebrachte ist: der Untermensch, die Maschine, die Menschenarbeit verrichtet.
[ 16 ] Gewiß, in der neueren Zeit sind dieOrientalen ganz gewiß nicht Idealisten geblieben, sondern haben sich dasjenige angeeignet, was die Maschine des Abendlandes leisten soll, aber für die Gesamtkonfiguration ihres Geisteslebens finde ich doch noch immer die Tatsache charakteristisch, die sich vor etwa 45 Jahren zugetragen hat. Da bekamen die Japaner die ersten Kriegsdampfer von den Engländern und waren stolz, daß sie nun auch das können, was die Engländer können: Kriegsdampfer befehligen. Und sie dankten ihren englischen Lehrmeister ab und fuhren selbst hinaus. Die Leute schauten vom Lande aus zu, wie ein Kapitän einen Kriegsdampfer im Meere herumtrieb. Da aber wurde ihnen etwas unbehaglich: der Dampfer drehte sich und drehte sich und wollte nicht aufhören, sich zu drehen. Denn er mußte sich drehen, der Engländer war ja entlassen, der es verstanden hätte, den Dampf durch die entsprechende Vorrichtung zum Entweichen zu bringen. Und so mußte der japanische Kapitän im Meere draußen drehen und drehen, bis der Dampf ganz aufgezehrt war. Nun gewiß, so ist es ja nicht mehrimäußeren Leben, aber in der inneren Seelen- und Geistesverfassung ist es so. Der orientalisch Gebildete steht im Grunde genommen vor der abendländischen Geisteskultur so wie jener japanische Kapitän auf seinem Kriegsdampfer, dessen Vorrichtung für das Auslassen des Dampfes er nicht zu dirigieren verstand. Es ist ein gewaltiger Abgrund zwischen der inneren Konfiguration dieses orientalischen und okzidentalischen Geisteslebens. Und so schwierig es dem Okzidentalen wird, sich wirklich innerlich ehrlich hineinzufinden in das orientalische Geistesleben, so schwierig wird es andererseits auch dem Orientalen heute noch, sich in das abendländische Geistesleben hineinzufinden.
[ 16 ] Gewiß, in der neueren Zeit sind dieOrientalen ganz gewiß nicht Idealisten geblieben, sondern haben sich dasjenige angeeignet, was die Maschine des Abendlandes leisten soll, aber für die Gesamtkonfiguration ihres Geisteslebens finde ich doch noch immer die Tatsache charakteristisch, die sich vor etwa 45 Jahren zugetragen hat. Da bekamen die Japaner die ersten Kriegsdampfer von den Engländern und waren stolz, daß sie nun auch das können, was die Engländer können: Kriegsdampfer befehligen. Und sie dankten ihren englischen Lehrmeister ab und fuhren selbst hinaus. Die Leute schauten vom Lande aus zu, wie ein Kapitän einen Kriegsdampfer im Meere herumtrieb. Da aber wurde ihnen etwas unbehaglich: der Dampfer drehte sich und drehte sich und wollte nicht aufhören, sich zu drehen. Denn er mußte sich drehen, der Engländer war ja entlassen, der es verstanden hätte, den Dampf durch die entsprechende Vorrichtung zum Entweichen zu bringen. Und so mußte der japanische Kapitän im Meere draußen drehen und drehen, bis der Dampf ganz aufgezehrt war. Nun gewiß, so ist es ja nicht mehrimäußeren Leben, aber in der inneren Seelen- und Geistesverfassung ist es so. Der orientalisch Gebildete steht im Grunde genommen vor der abendländischen Geisteskultur so wie jener japanische Kapitän auf seinem Kriegsdampfer, dessen Vorrichtung für das Auslassen des Dampfes er nicht zu dirigieren verstand. Es ist ein gewaltiger Abgrund zwischen der inneren Konfiguration dieses orientalischen und okzidentalischen Geisteslebens. Und so schwierig es dem Okzidentalen wird, sich wirklich innerlich ehrlich hineinzufinden in das orientalische Geistesleben, so schwierig wird es andererseits auch dem Orientalen heute noch, sich in das abendländische Geistesleben hineinzufinden.
[ 17 ] Daher ist es gekommen, daß das nun insbesondere für uns in Mitteleuropa - die wir, ich möchte sagen, hineingekeilt sind zwischen orientalisches und okzidentalisches Geistesleben — zu einer Schwierigkeit geworden ist. Dasjenige, was ich Ihnen eben für das orientalische Geistesleben auseinandergesetzt habe, ist im Grunde genommen ein Charakteristikon des orientalischen Geisteslebens alter Zeit. Was man darüber heute noch findet und was schon stark im Übergang zu einer neuen Metamorphose ist, das ist im Grunde genommen nur ein letzter Ausläufer. Nur für denjenigen, der etwas von diesen Dingen versteht, weist dieser Ausläufer auf dasjenige hin, was das orientalische Geistesleben eigentlich war. Aber wir, insofern wir selbst dem Abendlande angehören, wir haben lange gezehrt von dem, was uns aus diesem orientalischen Geistesleben gekommen ist. Man darf nicht sagen, daß das Ereignis von Golgatha etwa selber aus dem orientalischen Geistesleben gekommen wäre. Es hat sich im Orient vollzogen, aber es ist eine Tatsache, die sich für die ganze Menschheit vollzogen hat. Aber dasjenige, wodurch aus der menschlichen Seelen- und Geistesverfassung heraus das Abendland das Mysterium von Golgatha bisher verstanden hat, das kam aus orientalischer Überlieferung. Und unsere Art, christlich zu denken über das Mysterium von Golgatha, ist für denjenigen, der solche Dinge unbefangen beobachten kann, eben das letzte Ergebnis dessen, was wir aus orientalischer Überlieferung haben.
[ 17 ] Daher ist es gekommen, daß das nun insbesondere für uns in Mitteleuropa - die wir, ich möchte sagen, hineingekeilt sind zwischen orientalisches und okzidentalisches Geistesleben — zu einer Schwierigkeit geworden ist. Dasjenige, was ich Ihnen eben für das orientalische Geistesleben auseinandergesetzt habe, ist im Grunde genommen ein Charakteristikon des orientalischen Geisteslebens alter Zeit. Was man darüber heute noch findet und was schon stark im Übergang zu einer neuen Metamorphose ist, das ist im Grunde genommen nur ein letzter Ausläufer. Nur für denjenigen, der etwas von diesen Dingen versteht, weist dieser Ausläufer auf dasjenige hin, was das orientalische Geistesleben eigentlich war. Aber wir, insofern wir selbst dem Abendlande angehören, wir haben lange gezehrt von dem, was uns aus diesem orientalischen Geistesleben gekommen ist. Man darf nicht sagen, daß das Ereignis von Golgatha etwa selber aus dem orientalischen Geistesleben gekommen wäre. Es hat sich im Orient vollzogen, aber es ist eine Tatsache, die sich für die ganze Menschheit vollzogen hat. Aber dasjenige, wodurch aus der menschlichen Seelen- und Geistesverfassung heraus das Abendland das Mysterium von Golgatha bisher verstanden hat, das kam aus orientalischer Überlieferung. Und unsere Art, christlich zu denken über das Mysterium von Golgatha, ist für denjenigen, der solche Dinge unbefangen beobachten kann, eben das letzte Ergebnis dessen, was wir aus orientalischer Überlieferung haben.
[ 18 ] Unsere Normalkultur, unsere heutige alltägliche Kultur lebt noch fort von den Strömungen des Orients, hat noch nicht neue Ansätze gezeitigt, um das Ereignis von Golgatha und anderes Übersinnliche in einer neuen Art zu begreifen. Doch dasjenige, was im Orient drüben schon im Niedergang ist, aber dort doch ein dem heutigen Orientalen entsprechendes Element ist, was ist es geworden bei uns durch ganz Europa und bis zum europäischen Anhang, bis nach Amerika hinüber? Phrase ist es geworden. An wichtigen Punkten können wir zeigen, wie dasjenige Phrase geworden ist, was wir in unseren Seelenadern noch zum Verstehen des Übersinnlichen haben und was in diese Seelenadern eingezogen ist durch uralte orientalische Geistesströmungen, zu denen wir noch nichts Neues aus unserer gewöhnlichen Alltagskultur hinzugefunden haben. Wer heute unser Geistes- und Seelenleben wirklich verfolgt, der wird sich sagen müssen: Vieles, unendlich vieles in diesem Geistes- und Seelenleben ist nichts mehr als Phrase, hat seinen Inhalt verloren. Wir denken noch in den Worten, die uns entweder direkt aus dem orientalischen Sprachelement überliefert oder die ihm nachgebildet sind. Aber Phrase ist es geworden, und Phrase ist zum großen Teil unser Geistesleben geworden. Wir sprechen die Worte aus für dasjenige, was einmal in der alten orientalischen Geisteskultur einen grandiosen Sinn hatte, aber es ist in unserem Munde, in unserem Verstande, in unserem Herzen Phrase.
[ 18 ] Unsere Normalkultur, unsere heutige alltägliche Kultur lebt noch fort von den Strömungen des Orients, hat noch nicht neue Ansätze gezeitigt, um das Ereignis von Golgatha und anderes Übersinnliche in einer neuen Art zu begreifen. Doch dasjenige, was im Orient drüben schon im Niedergang ist, aber dort doch ein dem heutigen Orientalen entsprechendes Element ist, was ist es geworden bei uns durch ganz Europa und bis zum europäischen Anhang, bis nach Amerika hinüber? Phrase ist es geworden. An wichtigen Punkten können wir zeigen, wie dasjenige Phrase geworden ist, was wir in unseren Seelenadern noch zum Verstehen des Übersinnlichen haben und was in diese Seelenadern eingezogen ist durch uralte orientalische Geistesströmungen, zu denen wir noch nichts Neues aus unserer gewöhnlichen Alltagskultur hinzugefunden haben. Wer heute unser Geistes- und Seelenleben wirklich verfolgt, der wird sich sagen müssen: Vieles, unendlich vieles in diesem Geistes- und Seelenleben ist nichts mehr als Phrase, hat seinen Inhalt verloren. Wir denken noch in den Worten, die uns entweder direkt aus dem orientalischen Sprachelement überliefert oder die ihm nachgebildet sind. Aber Phrase ist es geworden, und Phrase ist zum großen Teil unser Geistesleben geworden. Wir sprechen die Worte aus für dasjenige, was einmal in der alten orientalischen Geisteskultur einen grandiosen Sinn hatte, aber es ist in unserem Munde, in unserem Verstande, in unserem Herzen Phrase.
[ 19 ] Der Mensch empfindet das heute noch nicht in genügendem Maße, und das ist das Unglück unserer Zeit. Denn aus der Phrase heraus werden zwar Parteiprogramme, aus der Phrase heraus werden auch Weltanschauungen phrasenhafter Art geboren, aus der Phrase heraus werden aber niemals fruchtbare Taten und Ideen für die wirkliche Weiterentwicklung der Menschheit entstehen. Man kann mit Phrasen agitieren, man kann aber mit Phrasen nichts schaffen. Wir blicken hin nach dem orientalischen Geistesleben mit seiner Erbschaft für uns und sagen uns: Es ist zur Phrase geworden, was da als spirituelle Welt gelebt hat. Und wir blicken jetzt hin auf dasjenige, was - wir haben es einigermaßen charakterisieren können — das Wesentlichste des abendländischen Geisteslebens ist: das mechanistische Element. Wie kann das empfunden werden, wenn es gar nicht mit derjenigen Spannkraft spirituellen Geisteslebens empfunden wird wie einstmals, und wenn es nur ungefähr empfunden wird, wie kann dieses mechanistische Leben empfunden werden? Kann man denn leugnen, daß das, was wir gewohnt worden sind: daß an Maschinenkraft 700 bis 750 Millionen Menschen auf der Erde ersetzt sind, kann man das denn leugnen, daß das unsere sozialen Gedanken, unsere Staatsgedanken beherrscht, daß es eingezogen ist in unsere Köpfe - kann man denn das leugnen?
[ 19 ] Der Mensch empfindet das heute noch nicht in genügendem Maße, und das ist das Unglück unserer Zeit. Denn aus der Phrase heraus werden zwar Parteiprogramme, aus der Phrase heraus werden auch Weltanschauungen phrasenhafter Art geboren, aus der Phrase heraus werden aber niemals fruchtbare Taten und Ideen für die wirkliche Weiterentwicklung der Menschheit entstehen. Man kann mit Phrasen agitieren, man kann aber mit Phrasen nichts schaffen. Wir blicken hin nach dem orientalischen Geistesleben mit seiner Erbschaft für uns und sagen uns: Es ist zur Phrase geworden, was da als spirituelle Welt gelebt hat. Und wir blicken jetzt hin auf dasjenige, was - wir haben es einigermaßen charakterisieren können — das Wesentlichste des abendländischen Geisteslebens ist: das mechanistische Element. Wie kann das empfunden werden, wenn es gar nicht mit derjenigen Spannkraft spirituellen Geisteslebens empfunden wird wie einstmals, und wenn es nur ungefähr empfunden wird, wie kann dieses mechanistische Leben empfunden werden? Kann man denn leugnen, daß das, was wir gewohnt worden sind: daß an Maschinenkraft 700 bis 750 Millionen Menschen auf der Erde ersetzt sind, kann man das denn leugnen, daß das unsere sozialen Gedanken, unsere Staatsgedanken beherrscht, daß es eingezogen ist in unsere Köpfe - kann man denn das leugnen?
[ 20 ] Es hat allerdings — aber das sind Ausnahmen — Menschen gegeben innerhalb der abendländischen Menschheit, die in tiefer Weise solches empfunden haben, und wiederum darf hingewiesen werden auf eine bedeutungsvolle Schöpfung des österreichischen Dichters Robert Hamerling, auf seinen «Homunkulus». Er versuchte in diesem «Homunkulus » in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts das Bild desjenigen Menschen zu zeichnen, der in seinem ganzen Geistes- und Seelenleben und Geistes- und Seelenwesen aus der modernen mechanistischen Kultur herauswächst. Er versuchte die Denkweise zu charakterisieren, die daraus entspringt, die eigentümliche Form des egoistischen Strebens. Das alles versucht Robert Hamerling in seinem «Homunkulus» zu zeichnen. Er zeichnet den Menschen, der keine Seele hat, weil ihm die mechanistische Denkweise seine ganze Seele ausgetrieben hat; er zeichnet einen Menschen, der aus den Usancen dieser mechanistischen Kultur herausgewachsen ist. Dieser Mensch wird Billionär. Und Hamerling zeichnet manches voraus, was dazumal noch nicht eine äußerliche Wirklichkeit war; er zeichnet die Luftschiffahrt und all die Dinge voraus, die dazumal noch nicht in dieser Art Wirklichkeit waren. Wie ein Homunkulus, wie ein künstlich mechanistischer Mensch in seinem Seelen- und Geistesleben, so erschien der westliche Mensch Robert Hamerling. Nicht wie derjenige, der aus den spirituellen Impulsen heraus, aus dem im Innersten des Menschen sich offenbarenden Übersinnlichen heraus sich sein Leben zimmert, sondern der gezimmert wird von den mechanistischen Mächten der Außenwelt, so charakterisiert Robert Hamerling den Typus des normalen abendländischen Menschen als Homunkulus.
[ 20 ] Es hat allerdings — aber das sind Ausnahmen — Menschen gegeben innerhalb der abendländischen Menschheit, die in tiefer Weise solches empfunden haben, und wiederum darf hingewiesen werden auf eine bedeutungsvolle Schöpfung des österreichischen Dichters Robert Hamerling, auf seinen «Homunkulus». Er versuchte in diesem «Homunkulus » in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts das Bild desjenigen Menschen zu zeichnen, der in seinem ganzen Geistes- und Seelenleben und Geistes- und Seelenwesen aus der modernen mechanistischen Kultur herauswächst. Er versuchte die Denkweise zu charakterisieren, die daraus entspringt, die eigentümliche Form des egoistischen Strebens. Das alles versucht Robert Hamerling in seinem «Homunkulus» zu zeichnen. Er zeichnet den Menschen, der keine Seele hat, weil ihm die mechanistische Denkweise seine ganze Seele ausgetrieben hat; er zeichnet einen Menschen, der aus den Usancen dieser mechanistischen Kultur herausgewachsen ist. Dieser Mensch wird Billionär. Und Hamerling zeichnet manches voraus, was dazumal noch nicht eine äußerliche Wirklichkeit war; er zeichnet die Luftschiffahrt und all die Dinge voraus, die dazumal noch nicht in dieser Art Wirklichkeit waren. Wie ein Homunkulus, wie ein künstlich mechanistischer Mensch in seinem Seelen- und Geistesleben, so erschien der westliche Mensch Robert Hamerling. Nicht wie derjenige, der aus den spirituellen Impulsen heraus, aus dem im Innersten des Menschen sich offenbarenden Übersinnlichen heraus sich sein Leben zimmert, sondern der gezimmert wird von den mechanistischen Mächten der Außenwelt, so charakterisiert Robert Hamerling den Typus des normalen abendländischen Menschen als Homunkulus.
[ 21 ] Und man muß sagen: Gerade, wenn man auf so etwas hinblickt, was eindringlich die Empfindungen schildert, die der heutige gebildete Orientale hat über das Leben des Abendlandes, so empfindet man selber, so fühlt man diesen Orientalen, zum Beispiel Tagore, der mit der ganzen Inbrunst einer spirituellen Weltanschauung wieder seine orientalische Geisteswelt erfaßt, nach: er schaut alles das, was er beobachten kann in der westlichen Welt an Naturanschauung, an Staatsanschauung, an sozialen Gedanken; er schildert es so, daß man sich sagt - nur eben mit den Nuancen, wie ein Orientale spricht -: so schildert dieser heutige gebildete Orientale alles das als den Homunkulus. Der Okzidentale trägt in seinem Geistes- und Seelenleben die Nachklänge desjenigen, was einstmals groß war im Orient drüben, als Phrase. Der Orientale empfindet das, was die okzidentalische Kultur bisher als Größtes hervorgebracht hat, als Homunkulus-Kultur.
[ 21 ] Und man muß sagen: Gerade, wenn man auf so etwas hinblickt, was eindringlich die Empfindungen schildert, die der heutige gebildete Orientale hat über das Leben des Abendlandes, so empfindet man selber, so fühlt man diesen Orientalen, zum Beispiel Tagore, der mit der ganzen Inbrunst einer spirituellen Weltanschauung wieder seine orientalische Geisteswelt erfaßt, nach: er schaut alles das, was er beobachten kann in der westlichen Welt an Naturanschauung, an Staatsanschauung, an sozialen Gedanken; er schildert es so, daß man sich sagt - nur eben mit den Nuancen, wie ein Orientale spricht -: so schildert dieser heutige gebildete Orientale alles das als den Homunkulus. Der Okzidentale trägt in seinem Geistes- und Seelenleben die Nachklänge desjenigen, was einstmals groß war im Orient drüben, als Phrase. Der Orientale empfindet das, was die okzidentalische Kultur bisher als Größtes hervorgebracht hat, als Homunkulus-Kultur.
[ 22 ] Ich weiß sehr gut, daß Bequemlinge heute sagen, diese Dinge seien übertrieben. Das rührt aber nur davon her, daß man nicht den Mut hat, die Dinge beim richtigen Namen zu nennen. Es ist jedoch notwendig, ehrlich die Bilanz des Seelen- und Geisteslebens zu ziehen. Und damit haben wir auf das hingewiesen, was diese westliche Kultur eigentlich charakterisiert, worauf man ganz besonders in unseren Tagen hinweisen muß. Ist es denn nicht mit Händen zu greifen, daß sich aus der letzten Weltkatastrophe Zustände herausentwickelt haben, die auch für diejenigen, die schwer von Begriff sind, endlich begreifen lassen, was der Unbefangene längst sehen konnte, auch vor dem Jahre 1914? Istes denn nicht mit Händen zu greifen, daß sich in Form des englischen, des angloamerikanischen Weltreiches dieses anglo-amerikanische Wesen eben mit der Homunkulus-Natur über die Erde zum großen Teil ausbreitet?
[ 22 ] Ich weiß sehr gut, daß Bequemlinge heute sagen, diese Dinge seien übertrieben. Das rührt aber nur davon her, daß man nicht den Mut hat, die Dinge beim richtigen Namen zu nennen. Es ist jedoch notwendig, ehrlich die Bilanz des Seelen- und Geisteslebens zu ziehen. Und damit haben wir auf das hingewiesen, was diese westliche Kultur eigentlich charakterisiert, worauf man ganz besonders in unseren Tagen hinweisen muß. Ist es denn nicht mit Händen zu greifen, daß sich aus der letzten Weltkatastrophe Zustände herausentwickelt haben, die auch für diejenigen, die schwer von Begriff sind, endlich begreifen lassen, was der Unbefangene längst sehen konnte, auch vor dem Jahre 1914? Istes denn nicht mit Händen zu greifen, daß sich in Form des englischen, des angloamerikanischen Weltreiches dieses anglo-amerikanische Wesen eben mit der Homunkulus-Natur über die Erde zum großen Teil ausbreitet?
[ 23 ] Das sage ich nicht etwa aus dem Grunde, weil ich jetzt hier an einem Orte Deutschlands zu Ihnen spreche. Ähnliche Dinge habe ich in den letzten Wochen und seit langem auch den Angehörigen der englisch-amerikanischen Bevölkerung selber gesagt. Ich habe Angehörigen der englisch-amerikanischen Bevölkerung ruhig gesagt: Im Grunde genommen haben es die in Mitteleuropa lebenden Deutschen jetzt doch besser als ihr, denn dadurch, daß sich die Dinge so entwickelt haben, wie sie sich entwickelt haben, ist ein großer Teil jener Verantwortlichkeit von den Deutschen genommen - eine andere kommt! jener Verantwortlichkeit, die jetzt auf das anglo-amerikanische Element übergegangen ist. Weniger hat man heute zu denken auf dieser Seite, ob jenes — ja, wie soll man es nennen? - ein einsichtiger Engländer hat es neulich mir gegenüber « Zusammenräubern der verschiedenen Gebiete der Welt» genannt; vielleicht ist es angemessener, mit diesem Ausdruck zu sprechen, als eine nationale deutsche Bezeichnung zu nehmen — weniger hat man zu denken an dieses Zusammenräubern; zu denken hat man vielmehr daran, daß es eine Tatsache ist, die ihren Lauf nimmt, daß aber diejenigen, die in jenen Ländern überhaupt noch menschlichen Sinn in ihrer Brust tragen, die Riesenverantwortung für die Fortentwicklung der Menschheit fühlen müssen, die auf ihnen lastet, weil sie innerhalb dieser Ausbreitung der anglo-amerikanischen Welt stehen.
[ 23 ] Das sage ich nicht etwa aus dem Grunde, weil ich jetzt hier an einem Orte Deutschlands zu Ihnen spreche. Ähnliche Dinge habe ich in den letzten Wochen und seit langem auch den Angehörigen der englisch-amerikanischen Bevölkerung selber gesagt. Ich habe Angehörigen der englisch-amerikanischen Bevölkerung ruhig gesagt: Im Grunde genommen haben es die in Mitteleuropa lebenden Deutschen jetzt doch besser als ihr, denn dadurch, daß sich die Dinge so entwickelt haben, wie sie sich entwickelt haben, ist ein großer Teil jener Verantwortlichkeit von den Deutschen genommen - eine andere kommt! jener Verantwortlichkeit, die jetzt auf das anglo-amerikanische Element übergegangen ist. Weniger hat man heute zu denken auf dieser Seite, ob jenes — ja, wie soll man es nennen? - ein einsichtiger Engländer hat es neulich mir gegenüber « Zusammenräubern der verschiedenen Gebiete der Welt» genannt; vielleicht ist es angemessener, mit diesem Ausdruck zu sprechen, als eine nationale deutsche Bezeichnung zu nehmen — weniger hat man zu denken an dieses Zusammenräubern; zu denken hat man vielmehr daran, daß es eine Tatsache ist, die ihren Lauf nimmt, daß aber diejenigen, die in jenen Ländern überhaupt noch menschlichen Sinn in ihrer Brust tragen, die Riesenverantwortung für die Fortentwicklung der Menschheit fühlen müssen, die auf ihnen lastet, weil sie innerhalb dieser Ausbreitung der anglo-amerikanischen Welt stehen.
[ 24 ] Wir aber, wie haben wir darauf zu sehen, was denn eigentlich das Wesentliche ist dieser durch die anglo-amerikanische Welt repräsentierten Weltkultur mit ihrem mechanistischen Charakter? Glauben Sie nicht, daß gerade ein Angehöriger der Geisteswissenschaft in reaktionärer Weise über diese mechanistische Kultur etwa loswettern möchte, glauben Sie nicht, daß mir auch nur einen Augenblick beifallen möchte, irgendwelche reaktionären Gedanken zu äußern über das Heraufbeschwören alter Einrichtungen, oder etwas, was aus der Welt schaffen möchte eine einzige Errungenschaft dieser neueren Kultur! Diese ist mit derselben Notwendigkeit da wie einstmals die spirituelle Kultur. Notwendigkeiten der Weltentwicklung müssen in gebührender Weise beachtet werden. Aber was ist das Wesentliche? So wie im Orient einstmals groß war das Streben nach dem höheren Menschen, nach dem, was im Menschen sich offenbaren kann als das Spirituelle, als der göttliche Mensch, so wie aber da drüben im Orient dieses Sichhinauferheben zum spirituellen Menschen schließlich in die Dekadenz gekommen ist, so daß es heute etwas ist, was wie aus märtyrerisch gearteten Trieben hervorwächst, was sogar heute schon über zahlreiche Gebiete dieses Orients verwechselt jenes soziale Zusammenleben, das sich auf spiritueller Grundlage begründet, mit dem von Westeuropa eingeschleppten sogenannten sozialen Leben — wir sehen: Was im Orient einstmals als das Große war, es ist nicht mehr, hat seinen eigentlichen inneren Impuls verloren; es ist Vergangenheit, und der Hauch der Vergangenheit lastet über dem ganzen Geistesleben und der Geisteskultur des Orients. Und es ist Dekadenz des Abendlandes, Ausgepreßtheit von allen guten Geistern des abendländischen Menschentums, wenn sich heute viele Menschen finden, welche Beihilfe zu ihrem abendländischen Geistesleben suchen durch Aufnahme von orientalischem Wesen. S wie dort Vergangenheit schwebt über dem, was äußerlich da ist in der Gegenwart - so grotesk sich das auch ausnimmt -, so schwebt über dem, was westliche mechanistische Kultur ist, Zukunft.
[ 24 ] Wir aber, wie haben wir darauf zu sehen, was denn eigentlich das Wesentliche ist dieser durch die anglo-amerikanische Welt repräsentierten Weltkultur mit ihrem mechanistischen Charakter? Glauben Sie nicht, daß gerade ein Angehöriger der Geisteswissenschaft in reaktionärer Weise über diese mechanistische Kultur etwa loswettern möchte, glauben Sie nicht, daß mir auch nur einen Augenblick beifallen möchte, irgendwelche reaktionären Gedanken zu äußern über das Heraufbeschwören alter Einrichtungen, oder etwas, was aus der Welt schaffen möchte eine einzige Errungenschaft dieser neueren Kultur! Diese ist mit derselben Notwendigkeit da wie einstmals die spirituelle Kultur. Notwendigkeiten der Weltentwicklung müssen in gebührender Weise beachtet werden. Aber was ist das Wesentliche? So wie im Orient einstmals groß war das Streben nach dem höheren Menschen, nach dem, was im Menschen sich offenbaren kann als das Spirituelle, als der göttliche Mensch, so wie aber da drüben im Orient dieses Sichhinauferheben zum spirituellen Menschen schließlich in die Dekadenz gekommen ist, so daß es heute etwas ist, was wie aus märtyrerisch gearteten Trieben hervorwächst, was sogar heute schon über zahlreiche Gebiete dieses Orients verwechselt jenes soziale Zusammenleben, das sich auf spiritueller Grundlage begründet, mit dem von Westeuropa eingeschleppten sogenannten sozialen Leben — wir sehen: Was im Orient einstmals als das Große war, es ist nicht mehr, hat seinen eigentlichen inneren Impuls verloren; es ist Vergangenheit, und der Hauch der Vergangenheit lastet über dem ganzen Geistesleben und der Geisteskultur des Orients. Und es ist Dekadenz des Abendlandes, Ausgepreßtheit von allen guten Geistern des abendländischen Menschentums, wenn sich heute viele Menschen finden, welche Beihilfe zu ihrem abendländischen Geistesleben suchen durch Aufnahme von orientalischem Wesen. S wie dort Vergangenheit schwebt über dem, was äußerlich da ist in der Gegenwart - so grotesk sich das auch ausnimmt -, so schwebt über dem, was westliche mechanistische Kultur ist, Zukunft.
[ 25 ] Ich rede nicht als Reaktionär über diese westliche Kultur, ich rede nicht so, als ob nur ein i-Tüpfelchen von dieser westlichen Kultur vermißt werden sollte; aber so, wie es sich ausbreitet durch den mechanistischen Untermenschen in 700 bis 750 Millionen Exemplaren, ist es eine Tatsache, daß wir heute noch kein Geistes- und Seelenleben haben, das sich mit voller Wucht und Stoßkraft hineinstellen kann in eine Welt, die also mechanistisch ist. Und es ist mein Glaube, den ich oftmals hier nicht als einen bloßen Glauben, sondern als aus der Geisteswissenschaft hervorgehende Erkenntnis charakterisiert habe, es ist mein Glaube, daß dasjenige, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft genannt wird, was seit zwei Jahrzehnten als diese Geisteswissenschaft vorgetragen wird, entsteht aus derselben Geisteskraft, die, wenn sie sich nach außen auf das bloße Zeitliche und Räumliche und Sinnliche wendet, zur äußeren Mechanik wird, die in die grandiose Technik ausläuft. Solch ein Geistesleben, das unsere Maschinen und die mechanistische Kultur schafft, es hätte diejenigen Menschen, die einstmals aus dem spirituellen orientalischen Menschen heraus die geistige Kultur des Orients geschaffen haben, es hätte sie zersprengt, es wäre unmöglich gewesen, das mit ihrer Art des spirituellen Lebens zu verbinden. An ihnen war es nicht, ein solches äußeres mechanistisches Leben in ihrer Umgebung zu haben; an uns im Abendlande ist es, ein solches Leben in der Umgebung zu haben, unsere Intelligenz, unsere ganzen menschlichen Geistes- und Seelenkräfte so anzuwenden, daß wir die inneren, starken Gewalten haben, um all das zu beherrschen, was in unseren mechanistischen, elektrotechnischen Kulturen auftritt.
[ 25 ] Ich rede nicht als Reaktionär über diese westliche Kultur, ich rede nicht so, als ob nur ein i-Tüpfelchen von dieser westlichen Kultur vermißt werden sollte; aber so, wie es sich ausbreitet durch den mechanistischen Untermenschen in 700 bis 750 Millionen Exemplaren, ist es eine Tatsache, daß wir heute noch kein Geistes- und Seelenleben haben, das sich mit voller Wucht und Stoßkraft hineinstellen kann in eine Welt, die also mechanistisch ist. Und es ist mein Glaube, den ich oftmals hier nicht als einen bloßen Glauben, sondern als aus der Geisteswissenschaft hervorgehende Erkenntnis charakterisiert habe, es ist mein Glaube, daß dasjenige, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft genannt wird, was seit zwei Jahrzehnten als diese Geisteswissenschaft vorgetragen wird, entsteht aus derselben Geisteskraft, die, wenn sie sich nach außen auf das bloße Zeitliche und Räumliche und Sinnliche wendet, zur äußeren Mechanik wird, die in die grandiose Technik ausläuft. Solch ein Geistesleben, das unsere Maschinen und die mechanistische Kultur schafft, es hätte diejenigen Menschen, die einstmals aus dem spirituellen orientalischen Menschen heraus die geistige Kultur des Orients geschaffen haben, es hätte sie zersprengt, es wäre unmöglich gewesen, das mit ihrer Art des spirituellen Lebens zu verbinden. An ihnen war es nicht, ein solches äußeres mechanistisches Leben in ihrer Umgebung zu haben; an uns im Abendlande ist es, ein solches Leben in der Umgebung zu haben, unsere Intelligenz, unsere ganzen menschlichen Geistes- und Seelenkräfte so anzuwenden, daß wir die inneren, starken Gewalten haben, um all das zu beherrschen, was in unseren mechanistischen, elektrotechnischen Kulturen auftritt.
[ 26 ] Aus derselben geistigen Konfiguration muß durch Erhebung über das Sinnliche in das Übersinnliche hinein diejenige Kraft der menschlichen Seele erwachsen, die ich geschildert habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? » und im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft » — die Kraft erwachsen, die uns auf eine Weise, wie sie niemals im Orient war, in die übersinnlichen Welten hineinführt. Damit aber steht die Menschheit des Abendlandes erst in ihrem Anfange, dafür ist erst der Ausgangspunkt vorhanden, und noch wenige Menschen sehen heute ein, daß es möglich, ja, daß es notwendig ist, aus demselben Geiste heraus, der die Gesetze unserer Maschinen durchdringt, der in unserer Elektrotechnik arbeitet, aus demselben Geiste heraus durch innere geistige Entwicklung aufzusteigen auf so strengen inneren Seelenwegen, wie nur die strengste Wissenschaft zu ihren Ergebnissen aufsteigt, zu jener Erkenntnis, wo man ebenso schaut, nur in anderer Art, wie einstmals der orientalische Mensch in übersinnlichen Welten geschaut hat. Wir müssen zu einer Geisteswissenschaft kommen, die durch die ganze Art des inneren menschlichen Geistes- und Seelenlebens gewachsen ist jeder Art von wissenschaftlichem und Erkenntnisstreben der neueren Zeit des Abendlandes. Wir dürfen nicht zurück zu dem, was vielfach in den Bekenntnis-Religionen Phrase geworden ist, nicht zurück zu jenem billigen Gebrauch der alten Phrasen, um etwa auch die neue Geisteswissenschaft zu charakterisieren. Diese neue Geisteswissenschaft muß mit demselben Ernst, mit derselben Stoßkraft — nur auf spirituelle Art — geschaffen werden wie die äußere Wissenschaft.
[ 26 ] Aus derselben geistigen Konfiguration muß durch Erhebung über das Sinnliche in das Übersinnliche hinein diejenige Kraft der menschlichen Seele erwachsen, die ich geschildert habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? » und im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft » — die Kraft erwachsen, die uns auf eine Weise, wie sie niemals im Orient war, in die übersinnlichen Welten hineinführt. Damit aber steht die Menschheit des Abendlandes erst in ihrem Anfange, dafür ist erst der Ausgangspunkt vorhanden, und noch wenige Menschen sehen heute ein, daß es möglich, ja, daß es notwendig ist, aus demselben Geiste heraus, der die Gesetze unserer Maschinen durchdringt, der in unserer Elektrotechnik arbeitet, aus demselben Geiste heraus durch innere geistige Entwicklung aufzusteigen auf so strengen inneren Seelenwegen, wie nur die strengste Wissenschaft zu ihren Ergebnissen aufsteigt, zu jener Erkenntnis, wo man ebenso schaut, nur in anderer Art, wie einstmals der orientalische Mensch in übersinnlichen Welten geschaut hat. Wir müssen zu einer Geisteswissenschaft kommen, die durch die ganze Art des inneren menschlichen Geistes- und Seelenlebens gewachsen ist jeder Art von wissenschaftlichem und Erkenntnisstreben der neueren Zeit des Abendlandes. Wir dürfen nicht zurück zu dem, was vielfach in den Bekenntnis-Religionen Phrase geworden ist, nicht zurück zu jenem billigen Gebrauch der alten Phrasen, um etwa auch die neue Geisteswissenschaft zu charakterisieren. Diese neue Geisteswissenschaft muß mit demselben Ernst, mit derselben Stoßkraft — nur auf spirituelle Art — geschaffen werden wie die äußere Wissenschaft.
[ 27 ] Das ist das, was herauskommt, wenn man versucht, in vernünftiger Weise zusammenzustellen die Aktiv- und Passivposten unserer Zeit. Fahren wir fort, selbst unsere sozialen Anschauungen nur auszubauen auf jenen Grundlagen, die uns die äußere sinnliche Naturwissenschaft gegeben hat, dann bekommen wir nur auf der rechten Seite unseres Seelen- und Geisteskontobuches unsere Posten, dann begreifen wir mit einer solchen soziologischen oder historischen Anschauung nur dasjenige, was in unserem sozialen und geschichtlichen Leben zugrunde geht. Denn mit der äußeren Naturwissenschaft begreifen wir nur das Tote, und wenden wir diese Naturwissenschaft des Toten auf das an, was im sozialen Leben oder im geschichtlichen Leben enthalten ist, so begreifen wir auch dort nur das Sterbende. Deshalb sind die neuen sozialen Theorien, die sich nun auch über die Wirklichkeit hermachen, nachdem sie bisher bloß Kritiken des Bestehenden gewesen sind, so ertötend für das wirkliche Leben, weil sie dem Toten nachgebildet sind. Eine wirkliche soziale Anschauung werden wir erst haben, wenn wir sie aus denselben Quellen herausschöpfen, aus denen wir heute, wie ich geschildert habe, unser übersinnliches Leben schöpfen müssen. Wir sehen lediglich als Passivposten dasjenige, was von der bloß mechanistischen Naturanschauung herkommt. Wir sehen aber auch als bloße Passivposten alles dasjenige, was nachgebildet wird in den Jahrhunderte alten und ihre Kraft verloren habenden Bekenntnissen, denn die gegenwärtige Menschheit braucht mehr als eine andere die Kraft des Christus. Sie braucht aber einen neuen Weg zu diesem Christus. Alles das, was offen oder verschleiert, auf alten Wegen führt, das steht auf Seite der Passivposten. Die Aktivposten brauchen wir. Das sind diejenigen, die aus einer Erneuerung der geistigen Weltbetrachtung heraus kommen werden. Heute ist sie noch manchem zu schwer, insbesondere in westlichen Ländern, wo jene kuriose geistige oder spirituelle Richtung herkommt, wo nicht gesucht wird in den starken Kräften der Seele selber der Weg in die geistige Welt hinein, sondern wo nach Art einer Nachäffung naturwissenschaftlicher Experimente die Götter oder Geister oder auch die Seelen Verstorbener veranlaßt werden, ab und zu einmal einen Besuch in die physisch-sinnliche Welt herein zu unternehmen und sich im Kostüm der physisch-sinnlichen Welt zu zeigen. Solch ab und zu unternommenen theatralisch aufgeputzten Logierbesuch läßt sich der Spiritismus machen. Das ist gerade der Widerpart wirklichen Geistessuchens. Wollen wir heute wirklich nach Geist suchen, dann darf das nicht darin bestehen, daß das Leben äußerlich materialistisch verläuft und wir im äußeren Leben nirgends geistige Wesen suchen, sondern nur ab und zu wie auf einem Theater plötzlich geistige Wesen zu Logierbesuchen empfangen, damit sie uns beweisen, daß es eine geistige Welt gibt, um die wir uns gar nicht kümmern. Was haben selbst Naturforscher von der Sorte eines Lombroso getan? Die Naturwissenschaft ist ihnen geistlos geblieben; es kam ihnen darauf an, auf spiritistische Weise außerhalb der Natur etwas zu finden, damit sie dann um so mehr materialistisch das treiben konnten, was menschliches Leben und menschliche Umgebung ist. Wir brauchen aber eine geistige Vertiefung, die in alles Materielle wirklich eindringen kann, die unser Leben auf Schritt und Tritt begleiten kann.
[ 27 ] Das ist das, was herauskommt, wenn man versucht, in vernünftiger Weise zusammenzustellen die Aktiv- und Passivposten unserer Zeit. Fahren wir fort, selbst unsere sozialen Anschauungen nur auszubauen auf jenen Grundlagen, die uns die äußere sinnliche Naturwissenschaft gegeben hat, dann bekommen wir nur auf der rechten Seite unseres Seelen- und Geisteskontobuches unsere Posten, dann begreifen wir mit einer solchen soziologischen oder historischen Anschauung nur dasjenige, was in unserem sozialen und geschichtlichen Leben zugrunde geht. Denn mit der äußeren Naturwissenschaft begreifen wir nur das Tote, und wenden wir diese Naturwissenschaft des Toten auf das an, was im sozialen Leben oder im geschichtlichen Leben enthalten ist, so begreifen wir auch dort nur das Sterbende. Deshalb sind die neuen sozialen Theorien, die sich nun auch über die Wirklichkeit hermachen, nachdem sie bisher bloß Kritiken des Bestehenden gewesen sind, so ertötend für das wirkliche Leben, weil sie dem Toten nachgebildet sind. Eine wirkliche soziale Anschauung werden wir erst haben, wenn wir sie aus denselben Quellen herausschöpfen, aus denen wir heute, wie ich geschildert habe, unser übersinnliches Leben schöpfen müssen. Wir sehen lediglich als Passivposten dasjenige, was von der bloß mechanistischen Naturanschauung herkommt. Wir sehen aber auch als bloße Passivposten alles dasjenige, was nachgebildet wird in den Jahrhunderte alten und ihre Kraft verloren habenden Bekenntnissen, denn die gegenwärtige Menschheit braucht mehr als eine andere die Kraft des Christus. Sie braucht aber einen neuen Weg zu diesem Christus. Alles das, was offen oder verschleiert, auf alten Wegen führt, das steht auf Seite der Passivposten. Die Aktivposten brauchen wir. Das sind diejenigen, die aus einer Erneuerung der geistigen Weltbetrachtung heraus kommen werden. Heute ist sie noch manchem zu schwer, insbesondere in westlichen Ländern, wo jene kuriose geistige oder spirituelle Richtung herkommt, wo nicht gesucht wird in den starken Kräften der Seele selber der Weg in die geistige Welt hinein, sondern wo nach Art einer Nachäffung naturwissenschaftlicher Experimente die Götter oder Geister oder auch die Seelen Verstorbener veranlaßt werden, ab und zu einmal einen Besuch in die physisch-sinnliche Welt herein zu unternehmen und sich im Kostüm der physisch-sinnlichen Welt zu zeigen. Solch ab und zu unternommenen theatralisch aufgeputzten Logierbesuch läßt sich der Spiritismus machen. Das ist gerade der Widerpart wirklichen Geistessuchens. Wollen wir heute wirklich nach Geist suchen, dann darf das nicht darin bestehen, daß das Leben äußerlich materialistisch verläuft und wir im äußeren Leben nirgends geistige Wesen suchen, sondern nur ab und zu wie auf einem Theater plötzlich geistige Wesen zu Logierbesuchen empfangen, damit sie uns beweisen, daß es eine geistige Welt gibt, um die wir uns gar nicht kümmern. Was haben selbst Naturforscher von der Sorte eines Lombroso getan? Die Naturwissenschaft ist ihnen geistlos geblieben; es kam ihnen darauf an, auf spiritistische Weise außerhalb der Natur etwas zu finden, damit sie dann um so mehr materialistisch das treiben konnten, was menschliches Leben und menschliche Umgebung ist. Wir brauchen aber eine geistige Vertiefung, die in alles Materielle wirklich eindringen kann, die unser Leben auf Schritt und Tritt begleiten kann.
[ 28 ] Ihnen eine solche geistige Lebensanschauung zu schildern, die in ihren Ideen imstande ist, Taten zu bilden, die aus ihrer Seelenkraft zu gleicher Zeit Moral werden, die aus ihrer Seelenkraft heraus zu gleicher Zeit religiöse Verehrung erzeugen kann, Ihnen zu zeigen, daß es eine solche Geisteswissenschaft gibt in dem, was ich jetzt schon seit zwei Jahrzehnten Ihnen vorzutragen mir erlaube, das wird auch weiterhin meine Aufgabe sein. Heute wollte ich darauf hinweisen, in welcher Art dieses Geistesstreben als Aktivposten den vielen Passivposten unseres Geistes- und Seelenlebens in der Gegenwart entgegengestellt werden muß. Und sollte nicht, da wir hineingekeilt sind zwischen dem Osten und dem Westen als die Mitglieder des deutschen Volkes, des vielgeprüften, in große Not hineingehenden deutschen Volkes, sollten wir nicht imstande sein, aus demjenigen, was als Anlauf zur Spiritualität bei unseren großen geistigen Vorfahren vorhanden war, zu finden den Weg zu neuem Geistessuchen? Mag dann im äußerlich Politischen kommen, was da will: wenn wir die Kraft haben, uns hinzuwenden zu diesem Geistesweg, um dem Orientalen in der Zukunft etwas zu sagen von einem Geistesleben, das er in anderer Gestalt einstmals gehabt, aber verloren hat, um es dann von uns zu empfangen, wenn es uns möglich ist, dem Westen etwas zu sagen von einem Geistesleben, das einstmals sich hineinstellen können wird in all diejenigen Forderungen, die so hinunterziehend sind aus der bloß mechanistischen Kultur, dann werden wir in Europas Mitte, wenn wir einen solchen Weg suchen, eine Aufgabe erfüllen.
[ 28 ] Ihnen eine solche geistige Lebensanschauung zu schildern, die in ihren Ideen imstande ist, Taten zu bilden, die aus ihrer Seelenkraft zu gleicher Zeit Moral werden, die aus ihrer Seelenkraft heraus zu gleicher Zeit religiöse Verehrung erzeugen kann, Ihnen zu zeigen, daß es eine solche Geisteswissenschaft gibt in dem, was ich jetzt schon seit zwei Jahrzehnten Ihnen vorzutragen mir erlaube, das wird auch weiterhin meine Aufgabe sein. Heute wollte ich darauf hinweisen, in welcher Art dieses Geistesstreben als Aktivposten den vielen Passivposten unseres Geistes- und Seelenlebens in der Gegenwart entgegengestellt werden muß. Und sollte nicht, da wir hineingekeilt sind zwischen dem Osten und dem Westen als die Mitglieder des deutschen Volkes, des vielgeprüften, in große Not hineingehenden deutschen Volkes, sollten wir nicht imstande sein, aus demjenigen, was als Anlauf zur Spiritualität bei unseren großen geistigen Vorfahren vorhanden war, zu finden den Weg zu neuem Geistessuchen? Mag dann im äußerlich Politischen kommen, was da will: wenn wir die Kraft haben, uns hinzuwenden zu diesem Geistesweg, um dem Orientalen in der Zukunft etwas zu sagen von einem Geistesleben, das er in anderer Gestalt einstmals gehabt, aber verloren hat, um es dann von uns zu empfangen, wenn es uns möglich ist, dem Westen etwas zu sagen von einem Geistesleben, das einstmals sich hineinstellen können wird in all diejenigen Forderungen, die so hinunterziehend sind aus der bloß mechanistischen Kultur, dann werden wir in Europas Mitte, wenn wir einen solchen Weg suchen, eine Aufgabe erfüllen.
[ 29 ] Es scheint, als ob die katastrophalen Ereignisse für die Deutschen etwas Sonderbares erwiesen hätten. Wahrhaftig, auch die Deutschen haben auf der einen Seite teilgenommen an dem Sichüberflutenlassen mit dem noch verfrühten Wirtschaftsleben des Westens, haben teilgenommen an dem lendenlahmen Sichhinwenden zum Orient, wenn es darauf ankommt, wiederum geistige Erneuerung zu suchen. Aber es scheint — ich sage: es scheint, um nicht zu sagen, was für mich besser gesagt wäre: es ist so-, es scheint, daß die Deutschen auch in der Zeit, als sie materialistisch gestrebt haben, eben bewiesen haben, daß sie kein Talent zum Materialismus haben. Dieses Talent muß anderswo in der Welt gesucht werden. Wenn wir aus unserer Not heraus erkennen, daß die Deutschen kein Talent zum Materialismus haben, dann wird uns vielleicht von dieser Erkenntnis aus der Trieb kommen, in die Spiritualität hineinzugehen. Dann aber wird uns auch aus dieser Notwendigkeit heraus der Impuls kommen zu eigenem geistigen Streben, nicht zu einer Anleihe beim Orientalen, und wird vielleicht aus jener reinsten, filtriertesten Gestalt des Gedankenstrebens, das wir bei den Deutschen um die Wende des i8. und 19. Jahrhunderts gefunden haben, durch richtige Erkenntnis der Wurzeln deutscher Kraft spirituelle Arbeit entstehen für die ganze Menschheitsentwicklung der Zukunft. Was auch sonst des Deutschen Schicksal sein mag — dann dürfen wir sagen: Für dasjenige, was wir uns erringen können, indem wir auf die Wurzeln unserer Geistes- und Seelenkräfte zurückgehen, dürfen wir sagen: Der deutsche Geist hat nicht vollendet, er will hineinleben in Zukunftstaten, in Zukunftssorgen, und er hat hoffentlich von diesem spirituellen Gesichtspunkte aus neben manchem anderen der Zukunft der Menschheit noch viel, sehr viel zu sagen.
[ 29 ] Es scheint, als ob die katastrophalen Ereignisse für die Deutschen etwas Sonderbares erwiesen hätten. Wahrhaftig, auch die Deutschen haben auf der einen Seite teilgenommen an dem Sichüberflutenlassen mit dem noch verfrühten Wirtschaftsleben des Westens, haben teilgenommen an dem lendenlahmen Sichhinwenden zum Orient, wenn es darauf ankommt, wiederum geistige Erneuerung zu suchen. Aber es scheint — ich sage: es scheint, um nicht zu sagen, was für mich besser gesagt wäre: es ist so-, es scheint, daß die Deutschen auch in der Zeit, als sie materialistisch gestrebt haben, eben bewiesen haben, daß sie kein Talent zum Materialismus haben. Dieses Talent muß anderswo in der Welt gesucht werden. Wenn wir aus unserer Not heraus erkennen, daß die Deutschen kein Talent zum Materialismus haben, dann wird uns vielleicht von dieser Erkenntnis aus der Trieb kommen, in die Spiritualität hineinzugehen. Dann aber wird uns auch aus dieser Notwendigkeit heraus der Impuls kommen zu eigenem geistigen Streben, nicht zu einer Anleihe beim Orientalen, und wird vielleicht aus jener reinsten, filtriertesten Gestalt des Gedankenstrebens, das wir bei den Deutschen um die Wende des i8. und 19. Jahrhunderts gefunden haben, durch richtige Erkenntnis der Wurzeln deutscher Kraft spirituelle Arbeit entstehen für die ganze Menschheitsentwicklung der Zukunft. Was auch sonst des Deutschen Schicksal sein mag — dann dürfen wir sagen: Für dasjenige, was wir uns erringen können, indem wir auf die Wurzeln unserer Geistes- und Seelenkräfte zurückgehen, dürfen wir sagen: Der deutsche Geist hat nicht vollendet, er will hineinleben in Zukunftstaten, in Zukunftssorgen, und er hat hoffentlich von diesem spirituellen Gesichtspunkte aus neben manchem anderen der Zukunft der Menschheit noch viel, sehr viel zu sagen.
