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Freedom of Thought and Social Forces
GA 333

30 December 1919, Stuttgart

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Gedankenfreiheit und Soziale Kräfte
  1. Freedom of Thought and Social Forces, tr. SOL

6. Geist-Erkenntnis als Tatengrundlage

6. Geist-Erkenntnis als Tatengrundlage

[ 1 ] Vor zwei Jahren etwa, als die katastrophalen Ereignisse der letzten Zeit ihren Entscheidungen entgegengingen, ergaben die Verhältnisse, daß die Freunde unserer in Dornach errichteten Hochschule für Geisteswissenschaft eine Namensänderung für diese Hochschule für Geisteswissenschaft vornehmen wollten. Es sollte ausgedrückt werden, wie man sich aus dem Bewußtsein des deutschen Geisteslebens heraus mutvoll entgegenstellen will alledem, was sich auch gegenüber diesem Geistesleben in der Gegenwart oder in der Zukunft erheben möge. Man hat dazumal — und Sie werden das Bedeutsame dieser Namengebung fühlen — jenes Gebäude, das auch in seiner künstlerischen Ausgestaltung wiedergeben soll, was in anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft lebt, man hat dazumal diese Hochschule für Geisteswissenschaft Goetheanum genannt. Und es steht also dieses Goetheanum auf einem der nordwestlichsten Hügel der Schweiz als Wahrzeichen wirklich internationalen Geistes, aber eines solchen Geistes, der jenes bedeutsame Element in sich haben will, das man an den Namen Goethe anknüpfen kann. Und daher wird es gestattet sein, bei geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, wie solche hier gepflogen werden, ab und zu an Goethesches zu erinnern.

[ 1 ] Vor zwei Jahren etwa, als die katastrophalen Ereignisse der letzten Zeit ihren Entscheidungen entgegengingen, ergaben die Verhältnisse, daß die Freunde unserer in Dornach errichteten Hochschule für Geisteswissenschaft eine Namensänderung für diese Hochschule für Geisteswissenschaft vornehmen wollten. Es sollte ausgedrückt werden, wie man sich aus dem Bewußtsein des deutschen Geisteslebens heraus mutvoll entgegenstellen will alledem, was sich auch gegenüber diesem Geistesleben in der Gegenwart oder in der Zukunft erheben möge. Man hat dazumal — und Sie werden das Bedeutsame dieser Namengebung fühlen — jenes Gebäude, das auch in seiner künstlerischen Ausgestaltung wiedergeben soll, was in anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft lebt, man hat dazumal diese Hochschule für Geisteswissenschaft Goetheanum genannt. Und es steht also dieses Goetheanum auf einem der nordwestlichsten Hügel der Schweiz als Wahrzeichen wirklich internationalen Geistes, aber eines solchen Geistes, der jenes bedeutsame Element in sich haben will, das man an den Namen Goethe anknüpfen kann. Und daher wird es gestattet sein, bei geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, wie solche hier gepflogen werden, ab und zu an Goethesches zu erinnern.

[ 2 ] Ich werde heute scheinbar weit Hergeholtes zum Ausgangspunkt nehmen, aber dieses scheinbar Weithergeholte wird vielleicht geeignet sein, auf ein Charakteristisches in der hier gemeinten Geisteswissenschaft hinzuweisen.

[ 2 ] Ich werde heute scheinbar weit Hergeholtes zum Ausgangspunkt nehmen, aber dieses scheinbar Weithergeholte wird vielleicht geeignet sein, auf ein Charakteristisches in der hier gemeinten Geisteswissenschaft hinzuweisen.

[ 3 ] Es ist vielleicht bekannt, wie Goethe, nachdem er seine Verpflichtungen in Weimar übernommen hatte, aus gewissen Zusammenhängen seines dortigen Lebens heraus intensiv sich naturwissenschaftlichen Betrachtungen widmete. Und als er dann, nachdem er in Weimar und in dem benachbarten Jena über Pflanzen und Tiere die mannigfachsten Versuche und Studien gemacht hatte, in der Mitte der achtziger Jahre auf seiner italienischen Reise sich von Gebiet zu Gebiet, das er durchwanderte, mit allem Naturwissenschaftlichen beschäftigt hatte, schrieb er einmal über die Ideen, die er sich nunmehr machen müsse über den Zusammenhang der Pflanzen und der Erde. Er schrieb an seine Weimarischen Freunde nach Hause, er sei der Urpflanze nun völlig auf die Spur gekommen, jener Pflanze, von der er überzeugt war, daß sie ein nur im Geiste zu erfassendes Gebilde sei, daß sie etwas sei, das zwar allen einzelnen Pflanzenformen zugrunde liege, das aber doch nur ein geistig erfaßtes Einheitsgebilde sei. Und ein merkwürdiges Wort schrieb er dazumal an seine Weimarischen Freunde: Mit diesem Gebilde in der Seele müsse man imstande sein, die Pflanzenwelt so zu erkennen, daß, wenn man dieses Gebilde - Goethe nannte es ein sinnlich-übersinnliches Gebilde-in der entsprechenden Weise abändert,indem man ihm konkrete Form gibt, man innerlich im Geiste etwas schaffen müsse, das die Möglichkeit habe, äußerliche Wirklichkeit zu gewinnen. Mit dieser Urpflanze in der Seele müsse man das Pflanzenleben so tief erfaßt haben, daß man eine Phantasiepflanze erfinden könne, die aber ebenso die Berechtigung habe, äußerliche Wirklichkeit zu sein wie die Pflanzen, die draußen auf den Wiesen und in den Wäldern und auf den Bergen wachsen.

[ 3 ] Es ist vielleicht bekannt, wie Goethe, nachdem er seine Verpflichtungen in Weimar übernommen hatte, aus gewissen Zusammenhängen seines dortigen Lebens heraus intensiv sich naturwissenschaftlichen Betrachtungen widmete. Und als er dann, nachdem er in Weimar und in dem benachbarten Jena über Pflanzen und Tiere die mannigfachsten Versuche und Studien gemacht hatte, in der Mitte der achtziger Jahre auf seiner italienischen Reise sich von Gebiet zu Gebiet, das er durchwanderte, mit allem Naturwissenschaftlichen beschäftigt hatte, schrieb er einmal über die Ideen, die er sich nunmehr machen müsse über den Zusammenhang der Pflanzen und der Erde. Er schrieb an seine Weimarischen Freunde nach Hause, er sei der Urpflanze nun völlig auf die Spur gekommen, jener Pflanze, von der er überzeugt war, daß sie ein nur im Geiste zu erfassendes Gebilde sei, daß sie etwas sei, das zwar allen einzelnen Pflanzenformen zugrunde liege, das aber doch nur ein geistig erfaßtes Einheitsgebilde sei. Und ein merkwürdiges Wort schrieb er dazumal an seine Weimarischen Freunde: Mit diesem Gebilde in der Seele müsse man imstande sein, die Pflanzenwelt so zu erkennen, daß, wenn man dieses Gebilde - Goethe nannte es ein sinnlich-übersinnliches Gebilde-in der entsprechenden Weise abändert,indem man ihm konkrete Form gibt, man innerlich im Geiste etwas schaffen müsse, das die Möglichkeit habe, äußerliche Wirklichkeit zu gewinnen. Mit dieser Urpflanze in der Seele müsse man das Pflanzenleben so tief erfaßt haben, daß man eine Phantasiepflanze erfinden könne, die aber ebenso die Berechtigung habe, äußerliche Wirklichkeit zu sein wie die Pflanzen, die draußen auf den Wiesen und in den Wäldern und auf den Bergen wachsen.

[ 4 ] Was meinte Goethe und was empfand er, indem er solches aussprach, in dem Augenblick, wo er sich für ein gewisses Erkenntnisgebiet auf dem Gipfel seiner Anschauung glaubte? Sehen wir diesem Ausspruch nicht an, namentlich wenn wir auf alles das Rücksicht nehmen, was in Goethes Natur lebte, daß Goethe der Natur gegenüber eine Erkenntnis anstrebte, die, wie er sich ausdrückt, geistgemäß ist, also eine Erkenntnis, bei der nicht nur die Sinne, bei der nicht nur die Intelligenz mitwirken, sondern eine Erkenntnis, bei der mitwirkt das ganze Geistige des Menschen? Aber sehen wir nicht auch, wie Goethe eine solche Erkenntnis anstrebt, die untertauchen kann zu dem Wesen der Dinge, die sich so eins mit den Dingen weiß, daß sie, indem sie in sich die Idee der Dinge schafft, sich klar sein kann, daß in dieser Schaffenskraft, die in der Seele lebt und produktiv ist, dasselbe lebt und webt wie in der Wachstumskraft der Pflanze da draußen? Goethe war sich klar darüber: Wenn die Pflanze da draußen wächst, wenn sie Blatt für Blatt, Knoten für Knoten, Blüte für Blüte entwickelt, da lebt in ihr Wachstumskraft. Aber mit dieser Wachstumskraft, die da draußen lebt, wollte Goethe sich selber verbinden, die wollte er in der eigenen Seele leben lassen. In dem, was er als Erkenntnis-Ideen über die Dinge erschuf, sollte etwas leben, was dasselbe ist, wie es draußen in den Dingen liegt.

[ 4 ] Was meinte Goethe und was empfand er, indem er solches aussprach, in dem Augenblick, wo er sich für ein gewisses Erkenntnisgebiet auf dem Gipfel seiner Anschauung glaubte? Sehen wir diesem Ausspruch nicht an, namentlich wenn wir auf alles das Rücksicht nehmen, was in Goethes Natur lebte, daß Goethe der Natur gegenüber eine Erkenntnis anstrebte, die, wie er sich ausdrückt, geistgemäß ist, also eine Erkenntnis, bei der nicht nur die Sinne, bei der nicht nur die Intelligenz mitwirken, sondern eine Erkenntnis, bei der mitwirkt das ganze Geistige des Menschen? Aber sehen wir nicht auch, wie Goethe eine solche Erkenntnis anstrebt, die untertauchen kann zu dem Wesen der Dinge, die sich so eins mit den Dingen weiß, daß sie, indem sie in sich die Idee der Dinge schafft, sich klar sein kann, daß in dieser Schaffenskraft, die in der Seele lebt und produktiv ist, dasselbe lebt und webt wie in der Wachstumskraft der Pflanze da draußen? Goethe war sich klar darüber: Wenn die Pflanze da draußen wächst, wenn sie Blatt für Blatt, Knoten für Knoten, Blüte für Blüte entwickelt, da lebt in ihr Wachstumskraft. Aber mit dieser Wachstumskraft, die da draußen lebt, wollte Goethe sich selber verbinden, die wollte er in der eigenen Seele leben lassen. In dem, was er als Erkenntnis-Ideen über die Dinge erschuf, sollte etwas leben, was dasselbe ist, wie es draußen in den Dingen liegt.

[ 5 ] Eine ungeheure Intimität des Miterlebens mit den äußeren Dingen wird durch eine solche Erkenntnis angestrebt. Man unterschätzt heute noch immer die Wucht, die eintritt in dem Erkenntnisstreben der Menschheit, als Goethe sich zu solchen Ideen erhebt; denn wir leben heute im Grunde genommen in ganz anderen Erkenntnisideen. Die hier gemeinte anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft will aber Goetheanismus sein, das heißtnichtetwaGoethe-Wissenschaft nach der Art, wie diese oder jene Goethe-Sammlungen es machen mit dem, was Goethe gesagt oder geschrieben hat, sondern in dem Sinne, daß sie ergreift, was in anfänglicher, elementarer Art in Goethe gelebt hat, was aber innere Lebendigkeit hat, um weitere und weitere Früchte zu tragen, was heute etwas ganz anderes ist, als es 1832 sein konnte, als Goethe starb. In Goethe lebte ein Geist, der sich lebendig fortentwickelt, auch nachdem Goethe für diese Erde tot war. Heute können wir von einem Goetheanismus des Jahres 1919 sprechen. Der braucht nicht wieder aufzuwärmen, was Goethe selbst wortwörtlich gesagt hat, er muß aber wirken in seinem Geiste. Und man kann glauben, in seinem Geiste am besten zu wirken, wenn man das, was er für seine Zeit vor fast anderthalb Jahrhundert versucht hat auf einem kleinen Gebiete, auf dem des Pflanzlichen und ein wenig auch des Tierischen, auszubilden — und da auch nur für die äußeren Formen -, wenn man das zum Impuls einer umfassenden Weltanschauung macht und vor allen Dingen den Menschen in diese umfassende Weltanschauung aufnimmt. Damit aber bekennt man sich zu einem Goetheanismus, der umgestaltend wird wirken müssen auf alles das, was heute von den angesehensten Teilen unseres Erkenntnisstrebens, von den naturwissenschaftlichen Teilen aus zur Weltanschauung erwachsen will.

[ 5 ] Eine ungeheure Intimität des Miterlebens mit den äußeren Dingen wird durch eine solche Erkenntnis angestrebt. Man unterschätzt heute noch immer die Wucht, die eintritt in dem Erkenntnisstreben der Menschheit, als Goethe sich zu solchen Ideen erhebt; denn wir leben heute im Grunde genommen in ganz anderen Erkenntnisideen. Die hier gemeinte anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft will aber Goetheanismus sein, das heißtnichtetwaGoethe-Wissenschaft nach der Art, wie diese oder jene Goethe-Sammlungen es machen mit dem, was Goethe gesagt oder geschrieben hat, sondern in dem Sinne, daß sie ergreift, was in anfänglicher, elementarer Art in Goethe gelebt hat, was aber innere Lebendigkeit hat, um weitere und weitere Früchte zu tragen, was heute etwas ganz anderes ist, als es 1832 sein konnte, als Goethe starb. In Goethe lebte ein Geist, der sich lebendig fortentwickelt, auch nachdem Goethe für diese Erde tot war. Heute können wir von einem Goetheanismus des Jahres 1919 sprechen. Der braucht nicht wieder aufzuwärmen, was Goethe selbst wortwörtlich gesagt hat, er muß aber wirken in seinem Geiste. Und man kann glauben, in seinem Geiste am besten zu wirken, wenn man das, was er für seine Zeit vor fast anderthalb Jahrhundert versucht hat auf einem kleinen Gebiete, auf dem des Pflanzlichen und ein wenig auch des Tierischen, auszubilden — und da auch nur für die äußeren Formen -, wenn man das zum Impuls einer umfassenden Weltanschauung macht und vor allen Dingen den Menschen in diese umfassende Weltanschauung aufnimmt. Damit aber bekennt man sich zu einem Goetheanismus, der umgestaltend wird wirken müssen auf alles das, was heute von den angesehensten Teilen unseres Erkenntnisstrebens, von den naturwissenschaftlichen Teilen aus zur Weltanschauung erwachsen will.

[ 6 ] Ich darf vielleicht, etwas anklingend an dasjenige, was ich schon in vorigen Vorträgen gesagt habe, noch einmal charakterisieren, wie die geistige Entwicklung der zivilisierten Menschheit in den letzten vier Jahrhunderten war. Was haben wir denn da als die Hauptkraft in der menschlichen Entwicklung und in dem Erkenntnisstreben heraufkommen sehen? Wir haben gesehen heraufkommen das intellektuelle, das verstandesmäßige Leben, und wenn wir auch gerade auf dem Gebiet der Naturwissenschaft die großen 'Triumphe erlebt haben, so müssen wir doch sagen: Trotzdem uns diese Naturwissenschaft in Hülle und Fülle die äußeren Tatsachen schildert, — die Art und Weise, wie wir uns als Mensch über die äußere Welt hermachen, nämlich wie wir uns in unserer Seele Ideen bilden über die äußere Natur und über das Leben, die ist durch und durch intellektualistisch gefärbt.

[ 6 ] Ich darf vielleicht, etwas anklingend an dasjenige, was ich schon in vorigen Vorträgen gesagt habe, noch einmal charakterisieren, wie die geistige Entwicklung der zivilisierten Menschheit in den letzten vier Jahrhunderten war. Was haben wir denn da als die Hauptkraft in der menschlichen Entwicklung und in dem Erkenntnisstreben heraufkommen sehen? Wir haben gesehen heraufkommen das intellektuelle, das verstandesmäßige Leben, und wenn wir auch gerade auf dem Gebiet der Naturwissenschaft die großen 'Triumphe erlebt haben, so müssen wir doch sagen: Trotzdem uns diese Naturwissenschaft in Hülle und Fülle die äußeren Tatsachen schildert, — die Art und Weise, wie wir uns als Mensch über die äußere Welt hermachen, nämlich wie wir uns in unserer Seele Ideen bilden über die äußere Natur und über das Leben, die ist durch und durch intellektualistisch gefärbt.

[ 7 ] Man gelangt zwar, wenn man vorzugsweise das intellektualistische Moment in der menschlichen Natur zu seiner Richtschnur nimmt, in ein sehr Geistiges hinein. Unsere abstrakten Ideen und Begriffe sind selbstverständlich ein innerlich sehr Geistiges. So, wie sie sich in den letzten vier Jahrhunderten geltend machen, sind sie in sich selbst geistig, sind aber nicht in der Lage, etwas anderes zu werden als Spiegelbilder der äußeren sinnlichen Tatsachen. Das ist das Charakteristische in unserem Geistes- und Seelenleben: Wir haben es allmählich dahin gebracht, abstrakte, ganz feine, ins Geistige hinein filtrierte Ideen und Begriffe zu entwickeln, aber es sind solche Ideen und Begriffe, die sich nur an das äußere Sinnlich-Wirkliche heranwagen, die nicht in sich die Kraft haben, irgend etwas anderes im Leben zu erfassen als das äußere Sinnlich-Wirkliche. Diejenigen Menschen, die heute in dieser intellektualistischen Richtung ihr Seelisches anstrengen, glauben oftmals, ganz voraussetzungslos unbefangen den Wegen ihres Forschens, ihres Denkens nachzugehen. Aber dieses Denken und Forschen, das sich auf solchen intellektualistischen Wegen bewegt, ist durchaus nicht unabhängig von der historischen Entwicklung. Und es ist interessant, zu sehen, wie mancher, der sich heute einen Philosophen, einen Wissenschafter nennt, glaubt, in irgendeiner Weise aus der Menschennatur oder der Wesenheit der Welt rechtfertigen zu können, warum er gerade in dieser oder jener Weise forscht, während die Art und Weise, wie er forscht, nur das Ergebnis einer Jahrtausende alten Menschheitserziehung ist.

[ 7 ] Man gelangt zwar, wenn man vorzugsweise das intellektualistische Moment in der menschlichen Natur zu seiner Richtschnur nimmt, in ein sehr Geistiges hinein. Unsere abstrakten Ideen und Begriffe sind selbstverständlich ein innerlich sehr Geistiges. So, wie sie sich in den letzten vier Jahrhunderten geltend machen, sind sie in sich selbst geistig, sind aber nicht in der Lage, etwas anderes zu werden als Spiegelbilder der äußeren sinnlichen Tatsachen. Das ist das Charakteristische in unserem Geistes- und Seelenleben: Wir haben es allmählich dahin gebracht, abstrakte, ganz feine, ins Geistige hinein filtrierte Ideen und Begriffe zu entwickeln, aber es sind solche Ideen und Begriffe, die sich nur an das äußere Sinnlich-Wirkliche heranwagen, die nicht in sich die Kraft haben, irgend etwas anderes im Leben zu erfassen als das äußere Sinnlich-Wirkliche. Diejenigen Menschen, die heute in dieser intellektualistischen Richtung ihr Seelisches anstrengen, glauben oftmals, ganz voraussetzungslos unbefangen den Wegen ihres Forschens, ihres Denkens nachzugehen. Aber dieses Denken und Forschen, das sich auf solchen intellektualistischen Wegen bewegt, ist durchaus nicht unabhängig von der historischen Entwicklung. Und es ist interessant, zu sehen, wie mancher, der sich heute einen Philosophen, einen Wissenschafter nennt, glaubt, in irgendeiner Weise aus der Menschennatur oder der Wesenheit der Welt rechtfertigen zu können, warum er gerade in dieser oder jener Weise forscht, während die Art und Weise, wie er forscht, nur das Ergebnis einer Jahrtausende alten Menschheitserziehung ist.

[ 8 ] Wenn man zunächst zurückgeht — und ich kann heute nur im großen und ganzen charakterisieren — durch die nachchristlichen Jahrhunderte ins alte Griechentum, so findet man in den letzten Jahrhunderten des vorchristlichen Griechentums schon die ersten Anklänge jenes intellektualistischen Denkens, dem wir uns seit dem 15. Jahrhundert in der abendländischen zivilisierten Welt ganz und gar ergeben haben. Wir finden im alten Griechenland dasjenige aufgehen, was man lange Zeit hindurch die Dialektik genannt hat. Diese Dialektik ist das innere Regsammachen eines Gedankenelementes, das immer mehr und mehr nach der Abstraktion hingeht. Aber wer das griechische Leben unbefangen betrachtet, der sieht, daß dieses bei Plato noch sehr durchgeistigte, bei Aristoteles schon durchaus bloß logische Leben des Intellekts zurückgeht auf ein vollinhaltliches seelenhaftes Altes. Und wenn man etwa, wie Nietzsche das getan hat - grandios, wenn auch schon etwas krankhaft —, wenn man zurückgeht in die ältesten Zeiten griechischen Denkens, griechischer Kulturentwicklung, dann findet man, daß in dem, was Nietzsche das tragische Zeitalter der Griechen genannt hat, — daß in diesem Geistesleben noch nicht das abstrakt dialektische, logische Element vorhanden ist, auch nicht das Hingewendetsein zur bloß äußerlichen Welt. Sondern in diesem Geistesleben ist noch etwas vorhanden von dem, was nur aufsteigen kann aus der innersten Menschennatur selber, die wie aus sich selbst herausträgt das Wesen der Welt in den mannigfaltigsten Gestaltungen. Und wenn wir dem Ursprunge dessen weiter nachgehen, was da in Griechenland aufgetreten ist, was später filtriert worden ist zu der bloßen Logik, dann finden wir im Orient drüben dasjenige, worauf ich neulich hingewiesen habe, was man nennen könnte ein der heutigen Menschheit — aber eben nur der heutigen Menschheit — geheimnisvolles Mysterien-Erkennen. Es ist das ein Erkennen, das auf eine Weise gewonnen wird, von der die heutige Menschheit in ihrem normalen Leben sich gar keine Vorstellung mehr machen kann. In jenen Schulen des alten Orients, die zu gleicher Zeit Schulen und Kunstanstalten und religiöse Stätten waren, hatte der Mensch nicht etwa bloß etwas zu lernen oder mit seinen intellektuellen Kräften zu erforschen, sondern, bevor er überhaupt herangeführt wurde an die Geheimnisse des Daseins, hatte er eine Umgestaltung seines ganzen Wesens durchzumachen. Es war in diesen Mysterien des Orients eine Selbstverständlichkeit, daß der Mensch, so wie er im äußeren Leben darin steht, zu den Geheimnissen des Daseins nicht dringen könne. Daher mußte man erst den Menschen durch eine strenge Zucht seines ganzen Wesens hinaufführen zu jenem Zustand, in dem er ein anderes Wesen wurde, und diesem anderen Wesen übermittelte man dann, was man den Inhalt der Erkenntnis nannte. Auf einem reichen, historisch ganz gewiß nicht mehr vorhandenen, durch Geisteswissenschaft aber nachweisbaren, seelisch-geistig konkret gestalteten Leben hat sich im Orient einmal eine Erkenntnis aufgebaut, die sich dann hinüber nach Griechenland verbreitet hat, die in Griechenland filtriert worden ist zur Dialektik, zur Logik, zur bloßen Intelligenz, und die dann immer weiter und weiter filtriert wurde, bis sie zu jenem bloBen Intellektualismus geworden ist, in dem wir innerhalb der modernen Zivilisation seit der Mitte des 15. Jahrhunderts darinnenstecken.

[ 8 ] Wenn man zunächst zurückgeht — und ich kann heute nur im großen und ganzen charakterisieren — durch die nachchristlichen Jahrhunderte ins alte Griechentum, so findet man in den letzten Jahrhunderten des vorchristlichen Griechentums schon die ersten Anklänge jenes intellektualistischen Denkens, dem wir uns seit dem 15. Jahrhundert in der abendländischen zivilisierten Welt ganz und gar ergeben haben. Wir finden im alten Griechenland dasjenige aufgehen, was man lange Zeit hindurch die Dialektik genannt hat. Diese Dialektik ist das innere Regsammachen eines Gedankenelementes, das immer mehr und mehr nach der Abstraktion hingeht. Aber wer das griechische Leben unbefangen betrachtet, der sieht, daß dieses bei Plato noch sehr durchgeistigte, bei Aristoteles schon durchaus bloß logische Leben des Intellekts zurückgeht auf ein vollinhaltliches seelenhaftes Altes. Und wenn man etwa, wie Nietzsche das getan hat - grandios, wenn auch schon etwas krankhaft —, wenn man zurückgeht in die ältesten Zeiten griechischen Denkens, griechischer Kulturentwicklung, dann findet man, daß in dem, was Nietzsche das tragische Zeitalter der Griechen genannt hat, — daß in diesem Geistesleben noch nicht das abstrakt dialektische, logische Element vorhanden ist, auch nicht das Hingewendetsein zur bloß äußerlichen Welt. Sondern in diesem Geistesleben ist noch etwas vorhanden von dem, was nur aufsteigen kann aus der innersten Menschennatur selber, die wie aus sich selbst herausträgt das Wesen der Welt in den mannigfaltigsten Gestaltungen. Und wenn wir dem Ursprunge dessen weiter nachgehen, was da in Griechenland aufgetreten ist, was später filtriert worden ist zu der bloßen Logik, dann finden wir im Orient drüben dasjenige, worauf ich neulich hingewiesen habe, was man nennen könnte ein der heutigen Menschheit — aber eben nur der heutigen Menschheit — geheimnisvolles Mysterien-Erkennen. Es ist das ein Erkennen, das auf eine Weise gewonnen wird, von der die heutige Menschheit in ihrem normalen Leben sich gar keine Vorstellung mehr machen kann. In jenen Schulen des alten Orients, die zu gleicher Zeit Schulen und Kunstanstalten und religiöse Stätten waren, hatte der Mensch nicht etwa bloß etwas zu lernen oder mit seinen intellektuellen Kräften zu erforschen, sondern, bevor er überhaupt herangeführt wurde an die Geheimnisse des Daseins, hatte er eine Umgestaltung seines ganzen Wesens durchzumachen. Es war in diesen Mysterien des Orients eine Selbstverständlichkeit, daß der Mensch, so wie er im äußeren Leben darin steht, zu den Geheimnissen des Daseins nicht dringen könne. Daher mußte man erst den Menschen durch eine strenge Zucht seines ganzen Wesens hinaufführen zu jenem Zustand, in dem er ein anderes Wesen wurde, und diesem anderen Wesen übermittelte man dann, was man den Inhalt der Erkenntnis nannte. Auf einem reichen, historisch ganz gewiß nicht mehr vorhandenen, durch Geisteswissenschaft aber nachweisbaren, seelisch-geistig konkret gestalteten Leben hat sich im Orient einmal eine Erkenntnis aufgebaut, die sich dann hinüber nach Griechenland verbreitet hat, die in Griechenland filtriert worden ist zur Dialektik, zur Logik, zur bloßen Intelligenz, und die dann immer weiter und weiter filtriert wurde, bis sie zu jenem bloBen Intellektualismus geworden ist, in dem wir innerhalb der modernen Zivilisation seit der Mitte des 15. Jahrhunderts darinnenstecken.

[ 9 ] Ohne rückhaltlos das Seelenauge nach solchen Dingen, wie ich sie jetzt charakterisiert habe, zu richten, kann man nicht in die verschiedenen Kulturströmungen und Kulturbilanzen des heutigen Daseins hineinschauen, kann man nicht zu fruchtbaren Anschauungen darüber kommen, was heute der Menschheit nötig ist. Heute handelt es sich darum, daß man wirklich rückhaltlos auf das hinschaut, was geworden ist, und daraus erkennt, in welchen geistigen Welten wir eigentlich darin stehen. Wenn man so die Art und Weise verfolgt, wie sich ein uns mehr oder weniger fremdes Geistesleben aus dem Orient nach Griechenland herüber verpflanzt hat, filtriert hat zu unserem Intellektualismus, dann kommt man zu der Frage: Wie hat sich denn eigentlich dieses Geistesleben entwickelt?

[ 9 ] Ohne rückhaltlos das Seelenauge nach solchen Dingen, wie ich sie jetzt charakterisiert habe, zu richten, kann man nicht in die verschiedenen Kulturströmungen und Kulturbilanzen des heutigen Daseins hineinschauen, kann man nicht zu fruchtbaren Anschauungen darüber kommen, was heute der Menschheit nötig ist. Heute handelt es sich darum, daß man wirklich rückhaltlos auf das hinschaut, was geworden ist, und daraus erkennt, in welchen geistigen Welten wir eigentlich darin stehen. Wenn man so die Art und Weise verfolgt, wie sich ein uns mehr oder weniger fremdes Geistesleben aus dem Orient nach Griechenland herüber verpflanzt hat, filtriert hat zu unserem Intellektualismus, dann kommt man zu der Frage: Wie hat sich denn eigentlich dieses Geistesleben entwickelt?

[ 10 ] Dieses Geistesleben hat sich nicht anders entwickeln können als dadurch, daß es in einer gewissen Weise gebunden war an etwas Naturhaftes in der menschlichen Wesenheit. Prüft man, was eigentlich in der menschlichen Natur gewirkt und gewebt hat, damit dieses Geistesleben durch die geschilderte Umwandlung des Menschen sich hat entwickeln können, so muß man sagen: Darinnen spielt die Tatsache der Vererbung, die Tatsache der Blutsvererbung in der Menschheit eine große Rolle. Und wir können eigentlich nur studieren, wie die ErkenntnisEntwicklung in der Menschheit vor sich gegangen ist, wenn wir sie herausholen aus der Erkenntnis der Tatsache der Blutsentwicklung. Daher ist auch die Erkenntnis in denjenigen Zeiten, auf die ich hingewiesen habe, um den Ursprung unseres gegenwärtigen Erkennens darzulegen, an einzelne Völker, an einzelne Rassen, an Blutszusammenhänge, an Erblichkeitsverhältnisse gebunden. Differenziert nach den einzelnen Völkern tritt die Erkenntnis auf. Dasjenige, worauf man Rücksicht zu nehmen hatte, wenn der Schüler hereingeholt wurde aus dem äußeren Dasein in jene Mysterienschule, von der ich gesprochen habe, worauf man Rücksicht zu nehmen hatte bei seiner Ausbildung, das war: Welches Blut, welches Temperament im Blut, welche durch das Blut begründete Begabung lebte in ihm? Und dieses Naturhafte brachte man zur Entwicklung, bis das, was sich aus diesem Naturhaften ergeben konnte, in der Erkenntnis des betreffenden Menschen zutage trat.

[ 10 ] Dieses Geistesleben hat sich nicht anders entwickeln können als dadurch, daß es in einer gewissen Weise gebunden war an etwas Naturhaftes in der menschlichen Wesenheit. Prüft man, was eigentlich in der menschlichen Natur gewirkt und gewebt hat, damit dieses Geistesleben durch die geschilderte Umwandlung des Menschen sich hat entwickeln können, so muß man sagen: Darinnen spielt die Tatsache der Vererbung, die Tatsache der Blutsvererbung in der Menschheit eine große Rolle. Und wir können eigentlich nur studieren, wie die ErkenntnisEntwicklung in der Menschheit vor sich gegangen ist, wenn wir sie herausholen aus der Erkenntnis der Tatsache der Blutsentwicklung. Daher ist auch die Erkenntnis in denjenigen Zeiten, auf die ich hingewiesen habe, um den Ursprung unseres gegenwärtigen Erkennens darzulegen, an einzelne Völker, an einzelne Rassen, an Blutszusammenhänge, an Erblichkeitsverhältnisse gebunden. Differenziert nach den einzelnen Völkern tritt die Erkenntnis auf. Dasjenige, worauf man Rücksicht zu nehmen hatte, wenn der Schüler hereingeholt wurde aus dem äußeren Dasein in jene Mysterienschule, von der ich gesprochen habe, worauf man Rücksicht zu nehmen hatte bei seiner Ausbildung, das war: Welches Blut, welches Temperament im Blut, welche durch das Blut begründete Begabung lebte in ihm? Und dieses Naturhafte brachte man zur Entwicklung, bis das, was sich aus diesem Naturhaften ergeben konnte, in der Erkenntnis des betreffenden Menschen zutage trat.

[ 11 ] Wer die Entwicklungsgeschichte der Menschheit wirklich kennt, wer sich nicht hält - ich darf dieses Wort noch einmal gebrauchen - an das Fable-convenue-hafte, was man heute Geschichte nennt, sondern an die wirkliche Entwicklungsgeschichte der Menschheit, der wird finden, daß dieses Gebundensein des menschlichen Seelen- und Geisteslebens an den Blutbestand, an die Bluttatsachen, radikal aufhört um die Mitte des 15. Jahrhunderts für den Umkreis der abendländischen zivilisierten Welt. Da beginnt etwas tonangebend zu werden, was in der Entwicklung der Menschen niemals an das Blut gebunden sein kann. Es ist sehr interessant, zu sehen, wenn man alles, was sich künstlerisch entwickelt hat seit dem 15. Jahrhundert, in der modernen Menschheit betrachtet; wie alles das hervorgeht aus Quellen des menschlichen Seelenlebens, die nichts mehr zu tun haben mit jenem Naturhaften, elementatischen Gefärbten selbst der größten geistigen Leistungen der früheren Zeiten. Man mag das in vielen Kreisen verkennen. Wer richtig verstehen will, was in Äschylos lebt, was in einem alten griechischen Philosophen wie Heraklit oder Anaxagoras lebt, wer begreifen will, was in jenen alten Kulturen gelebt hat, muß sich klar sein, daß darin etwas lebt, was an das Bluthafte gewisser Rassen gebunden ist. Der Grieche war sich dessen noch bewußt, daß all sein geistiges Wesen gebunden war an das, was sein Blut als seelische Blüte hervorbrachte. Das kann man sich beweisen, wenn man etwas sinnvoll die griechischen Kunstwerke verfolgt, zum Beispiel die typischen plastischen Gestalten. Wenn man versucht, daraufzukommen, was in diesen Typen liegt, dann findet man, daß drei Typen in dem Umkreis der griechischen Plastik leben: zunächst der Satyr-Typus, dann der Merkut-Typus, der insbesondere in allen Merkurköpfen auftritt, dann aber der Typus, den wir finden bei Zeus, bei Hera, bei Athene, bei Apollo. Man vergleiche einmal sorgfältig die Nasengestaltung, die Ohrengestaltung, alles einzelne an diesen drei Typen, dann wird man wie selbstverständlich daraufkommen, wie der Grieche in dem Satyr-Typus und in dem Merkur-Typus etwas darstellen wollte, was untergeordnete Menschheit ist, innerhalb welcher sich als die blutsübergeordnete Menschheit jenes Ariertum ausgebreitet hat, dem der Grieche sein Abbild gab in dem Zeuskopf. Man möchte sagen: Es ist darin das Bewußtsein ausgedrückt, wie der Grieche seine Geistigkeit an das bluthaft Elementarische in der Menschheitsentwicklung gebunden fühlte. Das versprüht allmählich und hört auf, für die Menschheit eine Bedeutung zu haben, in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Seit jener Zeit lebt in dem, was im äußeren normalen Leben an Geistigkeit hervorgebracht wird, das intellektuelle Element, das Vorstellungselement, so daß alles, was da in der Seele aufgeht, was seelischer Artist, nichts mehr zu tun hat mit dem, was im Blute wallt, was das Blut hervorbringt. Das müssen heute selbst philosophische Triviallinge zugeben, daß dasjenige, was in den Vorstellungen intellektualistischer Art lebt, nicht an Leibliches, am wenigsten an das Blut gebunden ist, jedenfalls auch nichts zu tun hat mit dem, was in der alten Geistigkeit eine so große Rolle spielte: mit der Vererbung, mit der Tatsache der Blutsverwandtschaft innerhalb der Vererbung.

[ 11 ] Wer die Entwicklungsgeschichte der Menschheit wirklich kennt, wer sich nicht hält - ich darf dieses Wort noch einmal gebrauchen - an das Fable-convenue-hafte, was man heute Geschichte nennt, sondern an die wirkliche Entwicklungsgeschichte der Menschheit, der wird finden, daß dieses Gebundensein des menschlichen Seelen- und Geisteslebens an den Blutbestand, an die Bluttatsachen, radikal aufhört um die Mitte des 15. Jahrhunderts für den Umkreis der abendländischen zivilisierten Welt. Da beginnt etwas tonangebend zu werden, was in der Entwicklung der Menschen niemals an das Blut gebunden sein kann. Es ist sehr interessant, zu sehen, wenn man alles, was sich künstlerisch entwickelt hat seit dem 15. Jahrhundert, in der modernen Menschheit betrachtet; wie alles das hervorgeht aus Quellen des menschlichen Seelenlebens, die nichts mehr zu tun haben mit jenem Naturhaften, elementatischen Gefärbten selbst der größten geistigen Leistungen der früheren Zeiten. Man mag das in vielen Kreisen verkennen. Wer richtig verstehen will, was in Äschylos lebt, was in einem alten griechischen Philosophen wie Heraklit oder Anaxagoras lebt, wer begreifen will, was in jenen alten Kulturen gelebt hat, muß sich klar sein, daß darin etwas lebt, was an das Bluthafte gewisser Rassen gebunden ist. Der Grieche war sich dessen noch bewußt, daß all sein geistiges Wesen gebunden war an das, was sein Blut als seelische Blüte hervorbrachte. Das kann man sich beweisen, wenn man etwas sinnvoll die griechischen Kunstwerke verfolgt, zum Beispiel die typischen plastischen Gestalten. Wenn man versucht, daraufzukommen, was in diesen Typen liegt, dann findet man, daß drei Typen in dem Umkreis der griechischen Plastik leben: zunächst der Satyr-Typus, dann der Merkut-Typus, der insbesondere in allen Merkurköpfen auftritt, dann aber der Typus, den wir finden bei Zeus, bei Hera, bei Athene, bei Apollo. Man vergleiche einmal sorgfältig die Nasengestaltung, die Ohrengestaltung, alles einzelne an diesen drei Typen, dann wird man wie selbstverständlich daraufkommen, wie der Grieche in dem Satyr-Typus und in dem Merkur-Typus etwas darstellen wollte, was untergeordnete Menschheit ist, innerhalb welcher sich als die blutsübergeordnete Menschheit jenes Ariertum ausgebreitet hat, dem der Grieche sein Abbild gab in dem Zeuskopf. Man möchte sagen: Es ist darin das Bewußtsein ausgedrückt, wie der Grieche seine Geistigkeit an das bluthaft Elementarische in der Menschheitsentwicklung gebunden fühlte. Das versprüht allmählich und hört auf, für die Menschheit eine Bedeutung zu haben, in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Seit jener Zeit lebt in dem, was im äußeren normalen Leben an Geistigkeit hervorgebracht wird, das intellektuelle Element, das Vorstellungselement, so daß alles, was da in der Seele aufgeht, was seelischer Artist, nichts mehr zu tun hat mit dem, was im Blute wallt, was das Blut hervorbringt. Das müssen heute selbst philosophische Triviallinge zugeben, daß dasjenige, was in den Vorstellungen intellektualistischer Art lebt, nicht an Leibliches, am wenigsten an das Blut gebunden ist, jedenfalls auch nichts zu tun hat mit dem, was in der alten Geistigkeit eine so große Rolle spielte: mit der Vererbung, mit der Tatsache der Blutsverwandtschaft innerhalb der Vererbung.

[ 12 ] Da kommt seit der Mitte des 15. Jahrhunderts etwas heraus in der Menschheitsentwicklung, das zwar sozusagen ein ganz Dünn-Geistiges, eben bloß Intellektualistisches ist, das aber diese moderne Menschheit zur Unabhängigkeit von allem bloß Naturhaften erzieht, das allerdings diese Menschheit auch zugleich entfernt von all dem, was früher als menschenwesenhaft empfunden worden ist. Und ein Eigentümliches, ich möchte sagen, Tragisches trat ein in dieser Entwicklung der modernen Menschheit. Sie mußte sich erheben zu einem Erleben, das unabhängig ist von dem naturhaft Elementarischen, aber sie konnte mit dem, was sie so in die Seele hereinbekam, nicht mehr sich selbst begreifen. In jener alten Geistigkeit, in jener Geist-Erkenntnis, die noch auf das Blut gebaut war, hatte man mitbekommen mit den innerlichen Erkenntnissen eine Erkenntnis der menschlichen Natur und Wesenheit selbst; jetzt hatte man sich erhoben zu einer abstrakten Geistigkeit, die in der Naturwissenschaft große Triumphe erfahren kann, die aber unmöglich auf das Wesen des Menschen selber eingehen kann, die dem Wesen des Menschen fernbleibt.

[ 12 ] Da kommt seit der Mitte des 15. Jahrhunderts etwas heraus in der Menschheitsentwicklung, das zwar sozusagen ein ganz Dünn-Geistiges, eben bloß Intellektualistisches ist, das aber diese moderne Menschheit zur Unabhängigkeit von allem bloß Naturhaften erzieht, das allerdings diese Menschheit auch zugleich entfernt von all dem, was früher als menschenwesenhaft empfunden worden ist. Und ein Eigentümliches, ich möchte sagen, Tragisches trat ein in dieser Entwicklung der modernen Menschheit. Sie mußte sich erheben zu einem Erleben, das unabhängig ist von dem naturhaft Elementarischen, aber sie konnte mit dem, was sie so in die Seele hereinbekam, nicht mehr sich selbst begreifen. In jener alten Geistigkeit, in jener Geist-Erkenntnis, die noch auf das Blut gebaut war, hatte man mitbekommen mit den innerlichen Erkenntnissen eine Erkenntnis der menschlichen Natur und Wesenheit selbst; jetzt hatte man sich erhoben zu einer abstrakten Geistigkeit, die in der Naturwissenschaft große Triumphe erfahren kann, die aber unmöglich auf das Wesen des Menschen selber eingehen kann, die dem Wesen des Menschen fernbleibt.

[ 13 ] Das aber hatte eine andere Folge. Wenn wir zurückschauen in jene Entwicklung, die ich charakterisieren durfte als gebunden an das naturhaft Elementarische, und unseren Blick nun nicht auf das Erkenntniswesen wenden, sondern darauf, was an guten oder bösen, an sympathischen oder antipathischen Taten durch die Geschichte geht, so finden wir, daß diese Taten sich an das naturhafte Erkennen, an das naturhafte Geist-Erleben anschließen, der Ausdruck des naturhaften Geist-Erlebens sind: Der Mensch erlebt sich dutch sein Blut, erhebt sich durch sein Blut zur Geistigkeit, erlebt dasjenige, was ihm sein Blut gibt, in mächtigen Bildern, in Imaginationen, die Repräsentationen des erlebten Geistigen sind, und was er in der Seele erlebt, das tritt über in seinen ganzen Menschen. Und der Ausfluß dessen, was pulsiert von seinen Vorstellungen, von seinen empfundenen Vorstellungen, empfundenen Ideen, das werden seine Taten.

[ 13 ] Das aber hatte eine andere Folge. Wenn wir zurückschauen in jene Entwicklung, die ich charakterisieren durfte als gebunden an das naturhaft Elementarische, und unseren Blick nun nicht auf das Erkenntniswesen wenden, sondern darauf, was an guten oder bösen, an sympathischen oder antipathischen Taten durch die Geschichte geht, so finden wir, daß diese Taten sich an das naturhafte Erkennen, an das naturhafte Geist-Erleben anschließen, der Ausdruck des naturhaften Geist-Erlebens sind: Der Mensch erlebt sich dutch sein Blut, erhebt sich durch sein Blut zur Geistigkeit, erlebt dasjenige, was ihm sein Blut gibt, in mächtigen Bildern, in Imaginationen, die Repräsentationen des erlebten Geistigen sind, und was er in der Seele erlebt, das tritt über in seinen ganzen Menschen. Und der Ausfluß dessen, was pulsiert von seinen Vorstellungen, von seinen empfundenen Vorstellungen, empfundenen Ideen, das werden seine Taten.

[ 14 ] Und heute? Wir sind an einem Kulminationspunkt angekommen. Wir haben drei bis vier Jahrhunderte intellektualistischen Lebens hinter uns, wir schauen uns um in der modernen zivilisierten Welt, wir finden überall eine intensive Entwicklung intellektualistisch forscherischen Lebens, die mannigfaltigsten Ideen, aber alle diese Ideen so, daß sie zu abstrakt, zu lebensfremd sind, um als Impulse in das Tatenleben überzugehen. Wenn man heute, wo die sozialen und sonstigen menschheitlichen Probleme so dringend sind, den allgemeinen Seelenschlaf sieht, in dem sich die Menschen befinden, aus dem heraus sie sich immer und immer nicht gestehen wollen, wie sehr wir auf einer abschüssigen Bahn sind und wie sehr wir nötig haben, tiefere Kräfte aus unserem Seelenleben hervotzuholen, um wiederum die Impulse zu finden, die in die Taten hineingehen können — dann wird man an einen Volksspruch erinnert, der in früheren Jahrhunderten den Deutschen, die man schon dazumal schläfrig gefunden hat, zugerufen wurde: Schlaf, Michel, schlaf, im Garten geht ein Schaf, im Garten geht ein Pfäflelein, das führt dich in den Himmel ein. Schlaf, Michel, schlaf! — Ja, das ist heute vielfach Gesinnung: hinhorchen auf irgendein abstraktes Religiöses, das in keinem Zusammenhang steht mit der unmittelbaren äußeren Wirklichkeit und dem Leben in dieser Wirklichkeit. Wir haben den Zusammenhang verloren zwischen dem äußeren Naturerkennen, das wit nur intellektuell erfassen, und dem, was in unserer Seele lebt und was einbezogen wurde in der alten, blutbegründeten Naturerkenntnis, die Anschauung von der Wesenheit des Menschen.

[ 14 ] Und heute? Wir sind an einem Kulminationspunkt angekommen. Wir haben drei bis vier Jahrhunderte intellektualistischen Lebens hinter uns, wir schauen uns um in der modernen zivilisierten Welt, wir finden überall eine intensive Entwicklung intellektualistisch forscherischen Lebens, die mannigfaltigsten Ideen, aber alle diese Ideen so, daß sie zu abstrakt, zu lebensfremd sind, um als Impulse in das Tatenleben überzugehen. Wenn man heute, wo die sozialen und sonstigen menschheitlichen Probleme so dringend sind, den allgemeinen Seelenschlaf sieht, in dem sich die Menschen befinden, aus dem heraus sie sich immer und immer nicht gestehen wollen, wie sehr wir auf einer abschüssigen Bahn sind und wie sehr wir nötig haben, tiefere Kräfte aus unserem Seelenleben hervotzuholen, um wiederum die Impulse zu finden, die in die Taten hineingehen können — dann wird man an einen Volksspruch erinnert, der in früheren Jahrhunderten den Deutschen, die man schon dazumal schläfrig gefunden hat, zugerufen wurde: Schlaf, Michel, schlaf, im Garten geht ein Schaf, im Garten geht ein Pfäflelein, das führt dich in den Himmel ein. Schlaf, Michel, schlaf! — Ja, das ist heute vielfach Gesinnung: hinhorchen auf irgendein abstraktes Religiöses, das in keinem Zusammenhang steht mit der unmittelbaren äußeren Wirklichkeit und dem Leben in dieser Wirklichkeit. Wir haben den Zusammenhang verloren zwischen dem äußeren Naturerkennen, das wit nur intellektuell erfassen, und dem, was in unserer Seele lebt und was einbezogen wurde in der alten, blutbegründeten Naturerkenntnis, die Anschauung von der Wesenheit des Menschen.

[ 15 ] Ich weiß, wie sehr man heute abgeneigt ist, sich solche Charakteristiken anzuhören, die man als irgend etwas Ausgefallenes betrachtet, als Phantasien, die die Dinge übertreiben wollen. Dennoch muß gesagt werden: Ehe man nicht hört auf das, was aus dieser Ecke kommt, kommt man nicht zu fruchtbaren Ideen über eine Neugestaltung oder einen Neuaufbau, der einem heute so notwendig dünkt, wenn man die Dinge unbefangen beobachtet. Das Geistige und Seelische — nun ja, unsere Schulphilosophen reden ja noch über irgend etwas Seelisches im Verhältnis zu der äußeren Welt; aber jene klare Erfassung des Wesens des Menschen als Leib, Seele und Geist, das lebt schon längst nicht mehr in unserer abendländischen Anschauungsweise. Da kann man eine sehr merkwürdige Tatsache wahrnehmen. Man kann nur zurechtkommen — das habe ich in anderen Vorträgen schon ausgeführt - in der Erkenntnis des Wesens des Menschen, wenn man diesen Menschen zu gliedern vermag in Leib, Seele und Geist. Denn der Leib ist dasjenige, was ihm zwischen Geburt und Tod das Werkzeug für die Geisteskräfte ist, der Geist ist dasjenige, das sich dieses Werkzeuges bedient, und die Seele ist das, was weder Leib noch Geist, sondern was das Verbindende der beiden ist. Ohne diese Dreiheit zu durchschauen, kann man nicht in das Wesen des Menschen eindringen. Aber selbst hervorragende Philosophen sprechen davon: Der Mensch besteht aus Leib und Seele. Sie glauben vorurteilslose Wissenschaft zu betreiben. Ja, vorurteilslose Wissenschaft! Sie wissen nur nicht: Wir sind im intellektualistischen Leben abhängig von der ganzen orientalischen Entwicklung. So sind wit in diesem unserem Hinschauen bloß auf Leib und Seele abhängig von dem 8. allgemeinen Konzil in Konstantinopel 869, auf dem das Dogma aufgestellt worden ist, man habe als Christ nicht zu glauben an Leib, Seele und Geist, sondern nur an Leib und Seele, und habe zu glauben, daß die Seele einige geistige Eigenschaften habe. Das ist von da ab Dogma der katholischen Kirche geworden, das ist Gebot geworden für diejenigen, die äußerlich geforscht haben. Und heute glauben die Menschen, sie hängen einer unbefangenen Forschung nach, die sie aus sich selber herausspinnen, während sie nur der alten Erziehung folgen, die inauguriert worden ist durch das allgemeine Konzil zu Konstantinopel vom Jahre 869, wo der Geist abgeschafft worden ist.

[ 15 ] Ich weiß, wie sehr man heute abgeneigt ist, sich solche Charakteristiken anzuhören, die man als irgend etwas Ausgefallenes betrachtet, als Phantasien, die die Dinge übertreiben wollen. Dennoch muß gesagt werden: Ehe man nicht hört auf das, was aus dieser Ecke kommt, kommt man nicht zu fruchtbaren Ideen über eine Neugestaltung oder einen Neuaufbau, der einem heute so notwendig dünkt, wenn man die Dinge unbefangen beobachtet. Das Geistige und Seelische — nun ja, unsere Schulphilosophen reden ja noch über irgend etwas Seelisches im Verhältnis zu der äußeren Welt; aber jene klare Erfassung des Wesens des Menschen als Leib, Seele und Geist, das lebt schon längst nicht mehr in unserer abendländischen Anschauungsweise. Da kann man eine sehr merkwürdige Tatsache wahrnehmen. Man kann nur zurechtkommen — das habe ich in anderen Vorträgen schon ausgeführt - in der Erkenntnis des Wesens des Menschen, wenn man diesen Menschen zu gliedern vermag in Leib, Seele und Geist. Denn der Leib ist dasjenige, was ihm zwischen Geburt und Tod das Werkzeug für die Geisteskräfte ist, der Geist ist dasjenige, das sich dieses Werkzeuges bedient, und die Seele ist das, was weder Leib noch Geist, sondern was das Verbindende der beiden ist. Ohne diese Dreiheit zu durchschauen, kann man nicht in das Wesen des Menschen eindringen. Aber selbst hervorragende Philosophen sprechen davon: Der Mensch besteht aus Leib und Seele. Sie glauben vorurteilslose Wissenschaft zu betreiben. Ja, vorurteilslose Wissenschaft! Sie wissen nur nicht: Wir sind im intellektualistischen Leben abhängig von der ganzen orientalischen Entwicklung. So sind wit in diesem unserem Hinschauen bloß auf Leib und Seele abhängig von dem 8. allgemeinen Konzil in Konstantinopel 869, auf dem das Dogma aufgestellt worden ist, man habe als Christ nicht zu glauben an Leib, Seele und Geist, sondern nur an Leib und Seele, und habe zu glauben, daß die Seele einige geistige Eigenschaften habe. Das ist von da ab Dogma der katholischen Kirche geworden, das ist Gebot geworden für diejenigen, die äußerlich geforscht haben. Und heute glauben die Menschen, sie hängen einer unbefangenen Forschung nach, die sie aus sich selber herausspinnen, während sie nur der alten Erziehung folgen, die inauguriert worden ist durch das allgemeine Konzil zu Konstantinopel vom Jahre 869, wo der Geist abgeschafft worden ist.

[ 16 ] Das alles hat mitgewirkt dazu, daß unser Geistesleben ein so abstraktes, ein so intellektualistisches geworden ist, daß nicht mehr darinnen ist — aber die Menschheit unterliegt eben einer Entwicklung, und es kann nicht mehr darin sein —, was den Willen impulsierend im alten Geistesleben gelebt hat. Und eine Zeit müßte kommen, in der der Mensch in bezug auf seine Taten vollständig gelähmt erscheinen würde, wenn wir innerhalb unseres abendländischen Geisteslebens nur den Materialismus behielten. Fühlen muß man aus dem Gange der abendländischen Geistesentwicklung, daß eine Neubefruchtung dieser Geistentwicklung notwendig ist; daß wir das, was wir als altes Bluthaftes verloren haben, von einer andern Seite her wiedergewinnen müssen. Es war recht, daß die Menschheit dutch drei bis vier Jahrhunderte eine vom Blut unabhängige intellektualistische Entwicklung durchgemacht hat. Dadurch erzog sie sich zur Freiheit, zu einer gewissen Emanzipation von dem bloß Naturhaften. Aber was wir da entwickelt haben an Intellektualismus, es muß wiederum imprägniert werden, es muß in unserem Wesen wiederum erfüllt werden von einem solchen Erkennen, das in die Taten des Menschen hineinfließen kann, das den Menschen willensgemäß durchseelen und durchgeistigen kann. Eine solche GeistErkenntnis, eine moderne Geist-Erkenntnis, die nichts zu tun haben will mit einer Erneuerung der alten orientalischen Geist-Erkenntnis, strebt die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft an. Und in diesem Sinne möchte sie jetzt nicht nur für Pflanzen- und Tierformen, sondern namentlich für den Menschen jene Intimität mit allem, was im Universum lebt, erreichen, wodurch man sagen kann: Die Kräfte, die draußen leben, gehen in unser Wesen ein, sie erwachen in unserem Wesen selber, und indem wir erkennen, leben in uns die Wachstumskräfte der Natur und der geistigen Welt, vor allen Dingen unsere eigenen menschlichen Wachstumskräfte. Wenn wir also unser intellektualistisches Leben imprägnieren mit den Erfahrungen des Geistes, dann stehen wir in der modernen Zivilisation wiederum so darin, daß jetzt nicht ein Bluthaftes, sondern ein im freien Geistigen Geschautes in uns lebt, das wiederum begeisternd und erkraftend auf unser Tatenleben wirken kann.

[ 16 ] Das alles hat mitgewirkt dazu, daß unser Geistesleben ein so abstraktes, ein so intellektualistisches geworden ist, daß nicht mehr darinnen ist — aber die Menschheit unterliegt eben einer Entwicklung, und es kann nicht mehr darin sein —, was den Willen impulsierend im alten Geistesleben gelebt hat. Und eine Zeit müßte kommen, in der der Mensch in bezug auf seine Taten vollständig gelähmt erscheinen würde, wenn wir innerhalb unseres abendländischen Geisteslebens nur den Materialismus behielten. Fühlen muß man aus dem Gange der abendländischen Geistesentwicklung, daß eine Neubefruchtung dieser Geistentwicklung notwendig ist; daß wir das, was wir als altes Bluthaftes verloren haben, von einer andern Seite her wiedergewinnen müssen. Es war recht, daß die Menschheit dutch drei bis vier Jahrhunderte eine vom Blut unabhängige intellektualistische Entwicklung durchgemacht hat. Dadurch erzog sie sich zur Freiheit, zu einer gewissen Emanzipation von dem bloß Naturhaften. Aber was wir da entwickelt haben an Intellektualismus, es muß wiederum imprägniert werden, es muß in unserem Wesen wiederum erfüllt werden von einem solchen Erkennen, das in die Taten des Menschen hineinfließen kann, das den Menschen willensgemäß durchseelen und durchgeistigen kann. Eine solche GeistErkenntnis, eine moderne Geist-Erkenntnis, die nichts zu tun haben will mit einer Erneuerung der alten orientalischen Geist-Erkenntnis, strebt die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft an. Und in diesem Sinne möchte sie jetzt nicht nur für Pflanzen- und Tierformen, sondern namentlich für den Menschen jene Intimität mit allem, was im Universum lebt, erreichen, wodurch man sagen kann: Die Kräfte, die draußen leben, gehen in unser Wesen ein, sie erwachen in unserem Wesen selber, und indem wir erkennen, leben in uns die Wachstumskräfte der Natur und der geistigen Welt, vor allen Dingen unsere eigenen menschlichen Wachstumskräfte. Wenn wir also unser intellektualistisches Leben imprägnieren mit den Erfahrungen des Geistes, dann stehen wir in der modernen Zivilisation wiederum so darin, daß jetzt nicht ein Bluthaftes, sondern ein im freien Geistigen Geschautes in uns lebt, das wiederum begeisternd und erkraftend auf unser Tatenleben wirken kann.

[ 17 ] Es ist schon so, daß das menschliche Willens- und Tatenleben erlahmen müßte, wenn es nicht den Einschlag bekäme von dem, was im Geiste erschaut werden kann. Es ist billig, wenn man heute zum Beispiel sagt: Ja, aber die Erkenntnisse dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft werden doch im inneren abgezogenen, beschaulichen Leben gewonnen! Gewiß, sie werden im innerlichen beschaulichen abgezogenen Leben gewonnen, wie ja schließlich die chemische Erkenntnis auch, abgeschlossen von der Anwendung der chemischen Errungenschaften in der praktischen Welt, in abgesonderten Laboratorien und Studierzimmern gewonnen wird. Gewonnen werden muß das, was uns Aufschluß über das Wesen des Menschen geben kann, was heute den Inhalt einer wirklichen Geist-Erkenntnis bilden kann, indem wiederum - aber in ganz anderer Art als in den alten Mysterien — der Mensch sich umwandelt und dazu gelangt, eine geistige Anschauung zu gewinnen, wie er hier in der Sinnenwelt durch seine Sinnesorgane eine Sinnesanschauung und durch seinen Verstand eine intellektualistische Anschauung hat. Diese Bescheidenheit, von der ich im vorletzten Vortrag hier gesprochen habe, diese intellektuelle Bescheidenheit muß man entwickeln, daß man sich sagt: Wie sich das fünfjährige Kind erst erziehen lassen muß, um lesen zu lernen, so muß der Mensch, der im äußeren Leben steht, sich erst umwandeln, um an die wirklichen Geheimnisse der Natur- und Geisteswelt heranzukommen. Und mit Entsagung, mit freiwillig getragenem Schmerz ist verknüpft, was wirkliche Erkenntnis über die menschliche Wesenheit ergibt. Das können Sie schon aus der Tatsache ablesen, daß es nötig wird, daß der wirklich Erkennende, der in die geistige Welt vordringende Mensch nicht mehr die Welt so anschaut wie mit sonstigen Augen, nicht mehr so hört, wie man sonst hört, nicht mehr so denkt, wie man sonst denkt, sondern daß er in einem unabhängigen geistigen Organismus die Welt anschauen muß. Aber man ist zwischen Geburt und Tod nicht angepaßt an diese Welt, in die man da eintritt; man tritt in eine Welt ein, der man fremd gegenübersteht. Dieses Nicht-Angepaßtsein, dieses Hineingestelltsein ist eine Welt, der man, insoferne man sich seines Leibes bedient, nicht angehört, das ist etwas, was mit einem geistig-seelischen Schmerz charakterisiert werden muß, der natürlich nur durch Erfahrung erkannt werden kann. Durch solche und ähnliche Dinge, die gewiß abgezogen von den äußeren Stürmen und Fluten des Lebens liegen, muß man hineindringen in die geistige Welt. Aber man verleumdet, was dutch die hier gemeinte Geisteswissenschaft gewonnen wird, wenn man sagt: Das ist eine weltfremde Mystik; wenn man sagt: Das ist etwas Lebensfremdes oder Lebensfeindliches. Nein, was so, allerdings abseits vom Leben, im geistigen Forschen gewonnen wird, das ist etwas, was, wenn es vor die Menschheit hingestellt wird, ein Wissen, eine Erkenntnis ist, was begriffen werden kann durch den gesunden Menschenverstand, dann aber den Menschen so impulsiert, daß es Träger seines Willens-, seines Tatenlebens werden kann.

[ 17 ] Es ist schon so, daß das menschliche Willens- und Tatenleben erlahmen müßte, wenn es nicht den Einschlag bekäme von dem, was im Geiste erschaut werden kann. Es ist billig, wenn man heute zum Beispiel sagt: Ja, aber die Erkenntnisse dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft werden doch im inneren abgezogenen, beschaulichen Leben gewonnen! Gewiß, sie werden im innerlichen beschaulichen abgezogenen Leben gewonnen, wie ja schließlich die chemische Erkenntnis auch, abgeschlossen von der Anwendung der chemischen Errungenschaften in der praktischen Welt, in abgesonderten Laboratorien und Studierzimmern gewonnen wird. Gewonnen werden muß das, was uns Aufschluß über das Wesen des Menschen geben kann, was heute den Inhalt einer wirklichen Geist-Erkenntnis bilden kann, indem wiederum - aber in ganz anderer Art als in den alten Mysterien — der Mensch sich umwandelt und dazu gelangt, eine geistige Anschauung zu gewinnen, wie er hier in der Sinnenwelt durch seine Sinnesorgane eine Sinnesanschauung und durch seinen Verstand eine intellektualistische Anschauung hat. Diese Bescheidenheit, von der ich im vorletzten Vortrag hier gesprochen habe, diese intellektuelle Bescheidenheit muß man entwickeln, daß man sich sagt: Wie sich das fünfjährige Kind erst erziehen lassen muß, um lesen zu lernen, so muß der Mensch, der im äußeren Leben steht, sich erst umwandeln, um an die wirklichen Geheimnisse der Natur- und Geisteswelt heranzukommen. Und mit Entsagung, mit freiwillig getragenem Schmerz ist verknüpft, was wirkliche Erkenntnis über die menschliche Wesenheit ergibt. Das können Sie schon aus der Tatsache ablesen, daß es nötig wird, daß der wirklich Erkennende, der in die geistige Welt vordringende Mensch nicht mehr die Welt so anschaut wie mit sonstigen Augen, nicht mehr so hört, wie man sonst hört, nicht mehr so denkt, wie man sonst denkt, sondern daß er in einem unabhängigen geistigen Organismus die Welt anschauen muß. Aber man ist zwischen Geburt und Tod nicht angepaßt an diese Welt, in die man da eintritt; man tritt in eine Welt ein, der man fremd gegenübersteht. Dieses Nicht-Angepaßtsein, dieses Hineingestelltsein ist eine Welt, der man, insoferne man sich seines Leibes bedient, nicht angehört, das ist etwas, was mit einem geistig-seelischen Schmerz charakterisiert werden muß, der natürlich nur durch Erfahrung erkannt werden kann. Durch solche und ähnliche Dinge, die gewiß abgezogen von den äußeren Stürmen und Fluten des Lebens liegen, muß man hineindringen in die geistige Welt. Aber man verleumdet, was dutch die hier gemeinte Geisteswissenschaft gewonnen wird, wenn man sagt: Das ist eine weltfremde Mystik; wenn man sagt: Das ist etwas Lebensfremdes oder Lebensfeindliches. Nein, was so, allerdings abseits vom Leben, im geistigen Forschen gewonnen wird, das ist etwas, was, wenn es vor die Menschheit hingestellt wird, ein Wissen, eine Erkenntnis ist, was begriffen werden kann durch den gesunden Menschenverstand, dann aber den Menschen so impulsiert, daß es Träger seines Willens-, seines Tatenlebens werden kann.

[ 18 ] Nach welcher Erkenntnis strebt anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, indem sie einen umfassenden Goetheanismus entwickeln will? Sie strebt nach einer Geist-Erkenntnis, welche die Grundlage für ein kräftiges Willens- und Tatenleben sein kann. Nicht anders kann unserer Welt geholfen werden, als dadurch, daß in unser Willens- und Tatenleben einzieht, was aus dem Geist heraus erschaut werden kann. Die intellektualistische Erkenntnis und ihre Anwendung, die Naturerkenntnis, ist etwas Beschauliches, sie ist etwas, was höchstens in die Technik, in das Außermenschliche übergehen kann. Was aber aus dem Geiste heraus geschaut wird, das wird ein Impuls werden, das soziale Leben, dieses so schwierig werdende soziale Leben wirklich heilsamen Wegen entgegenzulenken.

[ 18 ] Nach welcher Erkenntnis strebt anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, indem sie einen umfassenden Goetheanismus entwickeln will? Sie strebt nach einer Geist-Erkenntnis, welche die Grundlage für ein kräftiges Willens- und Tatenleben sein kann. Nicht anders kann unserer Welt geholfen werden, als dadurch, daß in unser Willens- und Tatenleben einzieht, was aus dem Geist heraus erschaut werden kann. Die intellektualistische Erkenntnis und ihre Anwendung, die Naturerkenntnis, ist etwas Beschauliches, sie ist etwas, was höchstens in die Technik, in das Außermenschliche übergehen kann. Was aber aus dem Geiste heraus geschaut wird, das wird ein Impuls werden, das soziale Leben, dieses so schwierig werdende soziale Leben wirklich heilsamen Wegen entgegenzulenken.

[ 19 ] Man könnte schon ein wenig mit sich zu Rate gehen und prüfen, ob solche hier charakterisierten Ansprüche der Geisteswissenschaft nicht doch berücksichtigt werden sollten, wenn man sieht, wie unendliches Leid der Menschheit dadurch hervorgerufen wird, daß heute im sozialen Leben so viel gepfuscht wird, daß in das soziale Leben hineingetragen werden Leninismen und Trotzkismen und ähnliches, die nichts anderes sind als jenes intellektualistische Gift, das durch vier Jahrhunderte allerdings zur Befreiung der Menschheit herangezogen werden mußte, aber nur so lange herangezogen werden konnte, als die alte soziale Form noch nicht von ihm ergriffen wurde. In dem Augenblicke, wo sie ergriffen wird, da muß sich die giftige Wirkung des bloßen Intellektualismus im sozialen Leben zeigen. Sie beginnt sich in furchtbaren Erscheinungen zu zeigen, und sie wird sich immer mehr und mehr zeigen. Es ist eine schreckliche Illusion, wenn die Menschen glauben, auf diesem Gebiete nicht erst im Anfange zu stehen, sondern in einem Punkte, wo man ruhig zuschauen kann. Nein, wir stehen im Anfange, und Heilung kann nur kommen, wenn sie vom Geiste aus kommt. Geist-Erkenntnis muß Grundlage werden. Statt allerlei, manchmal gutgemeinte Deklamationen loszulassen zum Beispiel über die Art und Weise, wie diese Geisteswissenschaft nichts in der Religion zu suchen habe, wäre es besser, wenn man den Erscheinungen des Lebens unbefangen ins Auge sehen würde.

[ 19 ] Man könnte schon ein wenig mit sich zu Rate gehen und prüfen, ob solche hier charakterisierten Ansprüche der Geisteswissenschaft nicht doch berücksichtigt werden sollten, wenn man sieht, wie unendliches Leid der Menschheit dadurch hervorgerufen wird, daß heute im sozialen Leben so viel gepfuscht wird, daß in das soziale Leben hineingetragen werden Leninismen und Trotzkismen und ähnliches, die nichts anderes sind als jenes intellektualistische Gift, das durch vier Jahrhunderte allerdings zur Befreiung der Menschheit herangezogen werden mußte, aber nur so lange herangezogen werden konnte, als die alte soziale Form noch nicht von ihm ergriffen wurde. In dem Augenblicke, wo sie ergriffen wird, da muß sich die giftige Wirkung des bloßen Intellektualismus im sozialen Leben zeigen. Sie beginnt sich in furchtbaren Erscheinungen zu zeigen, und sie wird sich immer mehr und mehr zeigen. Es ist eine schreckliche Illusion, wenn die Menschen glauben, auf diesem Gebiete nicht erst im Anfange zu stehen, sondern in einem Punkte, wo man ruhig zuschauen kann. Nein, wir stehen im Anfange, und Heilung kann nur kommen, wenn sie vom Geiste aus kommt. Geist-Erkenntnis muß Grundlage werden. Statt allerlei, manchmal gutgemeinte Deklamationen loszulassen zum Beispiel über die Art und Weise, wie diese Geisteswissenschaft nichts in der Religion zu suchen habe, wäre es besser, wenn man den Erscheinungen des Lebens unbefangen ins Auge sehen würde.

[ 20 ] So wurde mir berichtet, daß hier in Stuttgart ein Vortrag über anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gehalten wurde, in dem gesagt wurde: Es mag ja allerlei durch hellseherische Kräfte zutage gefördert werden, von denen die Geisteswissenschaft spricht; allein das hat nichts zu tun mit der einfachen Kindlichkeit, die in der Religion, im religiösen Auffassen auch des Christentums, wirksam sein soll. So kann man deklamieren, so kann man glauben, reden zu dürfen, wenn man von allen Geistern geschichtlicher Betrachtungsweise, von allen Geistern verlassen ist, die erklären, wie die Entwicklung der Menschheit ist. Ist man nicht von ihnen verlassen, so verkündet der Geist der Entwicklung der Menschheit laut und deutlich, daß jenes abstrakte Reden von einem abstrakten Sich-Vereinheitlichen von irgend etwas im Menschen, das man auch nicht definieren kann, mit einem undefinierbaren Wort, oder Christus, daß dieses Sich-Enthusiasmieren für ein kindliches Element uns in die soziale Misere hineingeführt hat, in der wir uns befinden. Zuerst wurde das seelische und geistige Element von den Bekenntnissen monopolisiert. Dadurch entstand eine Naturwissenschaft, in der kein Geist ist, die geistlos das Bild der Natur darstellt. Und indem man zugibt, durch Geisteswissenschaft könne allerlei Geistig-Tatsächliches der Menschheit geoffenbart werden, verlangt man jetzt, man solle sich bekennen, daß in diesem Geistig-Tatsächlichen nichts lebt von dem, was der Mensch als sein Göttliches suchen solle. Ja, der Materialismus der Naturwissenschaft hat es glücklich dahin gebracht, die Natur zu entgeistigen. Diese Religiosität wird es immer mehr und mehr dazu bringen, den Geist zu entgöttlichen. Und dann werden wir eine entgeistigte Natur, einen entgöttlichten Geist und eine inhaltlose Religion haben. Diese inhaltlose Religion, sie wird nicht irgendwelche Taten impulsieren. Geist-Erkenntnis muß Taten bringen, sonst stehen unsere sittlichen Impulse für unser abendländisches Geistesleben eigentlich in der Luft. Unsere sittlichen Impulse, sie streben aus unserem Inneren heraus in einer ganz anderen Art als die intellektualistischen Erkenntnisse. Wer unbefangen auf sich selbst zu schauen vermag, der weiß, daß die intellektuell gefaßten, zum Beispiel naturwissenschaftlichen Erkenntnisse im seelischen Leben etwas ganz anderes sind als jene Impulse, die als die sittlichen Antriebe, als die sittlichen Intuitionen uns innerlich aufgehen und von uns verlangen, daß wir sie ins Leben einführen. Aber dieses moderne Geistesleben hat durch seinen Intellektualismus keine Brücke zwischen seiner Naturerkenntnis und seinem sittlichen Leben. Was ist zum Schluß die sittliche Weltanschauung geworden? Wenn wir absehen von einer heute mehr oder weniger inhaltlos gewordenen religiösen Anschauung, wenn wir hinsehen auf jene ehrlichen Leute, die sich aus der Naturwissenschaft eine Weltanschauung zimmern, die ganz gewiß höchst einseitig, aber doch ehrlich ist, so müssen wir sagen: Sie stellen sich vor, da ist einmal aus einem Kant-Laplaceschen Weltennebel irgendein Zusammenhang von Wirbelerscheinungen entstanden, und da ist nach und nach entstanden, was wir heute unsere Welt mit den Naturwesen und den Menschen nennen. Aber in dem Menschen treten sittliche Ideale, sittliche Intuitionen auf. Glaubt man nur an den Naturzusammenhang, dann sind diese sittlichen Ideale, diese sittlichen Intuitionen lediglich das, was herausdampft, was nur so lange Gültigkeit hat, als Menschen sich es sagen. Es leben nur noch viele alte Instinkte aus derjenigen menschlichen Entwicklung fort, die eigentlich schon im 15. Jahrhundert ihr Ende gefunden hat. Würden diese Instinkte nicht fortleben, werden sie einmal ausgerottet sein und würde nichts anderes eintreten in das menschliche Geistesleben, dann müßte man sich lediglich auf das äußere Dokumentieren dessen, was wir sittliche Ideale nennen, verlegen. Und statt daß man sich innerlich verpflichtet fühlt seinen sittlichen Idealen, daß man sich dem Geistesleben gegenüber, das alles physische Leben überragt, verpflichtet fühlt für seine sittlichen Ideale, statt dessen könnte höchstens auftreten, daß man es ehrenhaft findet, wenn einen die anderen Menschen für einen sittlichen Menschen halten, daß man es für opportun findet, nicht gegen das gesetzlich Festgestellte im Staate zu verstoßen. Kurz, jenes Durchglühtsein von einem beseelten Geistigen müßte, wenn unsere Intellektualität bliebe, aus dem menschlichen Sittenleben auch verschwinden. Denn eine Realität kann unserem Sittenleben nur gegeben werden, wenn wiederum Geistanschauung imprägniert und durchdringt alles das, was wir uns durch drei bis vier Jahrhunderte erworben haben. Durchaus soll nicht in reaktionärer Weise kritisiert werden, sondern es sollen nur die Notwendigkeiten betont werden. Aber was zeigt uns diese Geistesschau, was ist das Sittliche unserer Geistesschau? Diese Geistesschau erkennt die äußere Natur, sie sieht in ihr schon in anfänglichem Sinne das, was vernünftige Geologen - ich will vergleichsweise sprechen - für die geologische Erdenbildung annehmen. Solche Geologen sagen: Ein großer Teil unserer geologischen Erdenentwicklung ist bereits in absteigender Strömung begriffen. Für viele Gegenden der Erde gehen wir über erstorbenes Dasein, wenn wir über die Scholle gehen. Solches erstorbene Dasein ist aber viel universeller vorhanden als bloß im Geologischen, es erfüllt auch unser Kulturleben, und wir haben in der neueren Zeit eine nur auf das Tote, Unlebendige gerichtete Naturwissenschaft bekommen, weil wir allmählich in unserer Kultur umgeben sind von dem Absterbenden. Man lernt das Absterbende kennen, das, was aus uralten Zeiten der Entwicklung herrührt und was in der Erdenentwicklung seine letzte Phase erreicht. Dann kann man aber das, was da seine letzte Phase erreicht, mit dem vergleichen, was in uns aufblüht als unsere sittlichen Ideale und Intuitionen. Was sind diese sittlichen Ideale und Intuitionen? Diese sittlichen Ideale und Intuitionen, wenn sie in uns entstehen, sie enthüllen sich dem, was hier anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft genannt wird, so, daß man in ihnen etwas sieht, was man vergleichen könnte mit dem Keim für die nächste Pflanze, der in einer Pflanzenblüte enthalten ist, während das, was an der Blüte abstirbt, die Erbschaft von der früheren Pflanze ist. Wir sehen aufsprießen unser sittliches Leben in unserem Innern. Indem wir das Naturhafte erleben, erleben wir, was von alten Zeiten zu der Erde herüber sich entwickelt; indem wir die sittlichen Ideale aufblühen fühlen, erleben wir, was, wenn einstmals die Erde wie eine Schlacke als Leichnam abgeworfen wird, mit den Menschenseelen so hinausziehen wird in ein kosmisches, unsterbliches Leben, wie der einzelne Mensch, wenn er seinen Leichnam abwirft, in das geistig-seelische Dasein eindringt. So sehen wir die in uns aufsprießenden Keime künftiger Erden-Metamorphosen, indem wir unser sittliches Leben entfalten.

[ 20 ] So wurde mir berichtet, daß hier in Stuttgart ein Vortrag über anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gehalten wurde, in dem gesagt wurde: Es mag ja allerlei durch hellseherische Kräfte zutage gefördert werden, von denen die Geisteswissenschaft spricht; allein das hat nichts zu tun mit der einfachen Kindlichkeit, die in der Religion, im religiösen Auffassen auch des Christentums, wirksam sein soll. So kann man deklamieren, so kann man glauben, reden zu dürfen, wenn man von allen Geistern geschichtlicher Betrachtungsweise, von allen Geistern verlassen ist, die erklären, wie die Entwicklung der Menschheit ist. Ist man nicht von ihnen verlassen, so verkündet der Geist der Entwicklung der Menschheit laut und deutlich, daß jenes abstrakte Reden von einem abstrakten Sich-Vereinheitlichen von irgend etwas im Menschen, das man auch nicht definieren kann, mit einem undefinierbaren Wort, oder Christus, daß dieses Sich-Enthusiasmieren für ein kindliches Element uns in die soziale Misere hineingeführt hat, in der wir uns befinden. Zuerst wurde das seelische und geistige Element von den Bekenntnissen monopolisiert. Dadurch entstand eine Naturwissenschaft, in der kein Geist ist, die geistlos das Bild der Natur darstellt. Und indem man zugibt, durch Geisteswissenschaft könne allerlei Geistig-Tatsächliches der Menschheit geoffenbart werden, verlangt man jetzt, man solle sich bekennen, daß in diesem Geistig-Tatsächlichen nichts lebt von dem, was der Mensch als sein Göttliches suchen solle. Ja, der Materialismus der Naturwissenschaft hat es glücklich dahin gebracht, die Natur zu entgeistigen. Diese Religiosität wird es immer mehr und mehr dazu bringen, den Geist zu entgöttlichen. Und dann werden wir eine entgeistigte Natur, einen entgöttlichten Geist und eine inhaltlose Religion haben. Diese inhaltlose Religion, sie wird nicht irgendwelche Taten impulsieren. Geist-Erkenntnis muß Taten bringen, sonst stehen unsere sittlichen Impulse für unser abendländisches Geistesleben eigentlich in der Luft. Unsere sittlichen Impulse, sie streben aus unserem Inneren heraus in einer ganz anderen Art als die intellektualistischen Erkenntnisse. Wer unbefangen auf sich selbst zu schauen vermag, der weiß, daß die intellektuell gefaßten, zum Beispiel naturwissenschaftlichen Erkenntnisse im seelischen Leben etwas ganz anderes sind als jene Impulse, die als die sittlichen Antriebe, als die sittlichen Intuitionen uns innerlich aufgehen und von uns verlangen, daß wir sie ins Leben einführen. Aber dieses moderne Geistesleben hat durch seinen Intellektualismus keine Brücke zwischen seiner Naturerkenntnis und seinem sittlichen Leben. Was ist zum Schluß die sittliche Weltanschauung geworden? Wenn wir absehen von einer heute mehr oder weniger inhaltlos gewordenen religiösen Anschauung, wenn wir hinsehen auf jene ehrlichen Leute, die sich aus der Naturwissenschaft eine Weltanschauung zimmern, die ganz gewiß höchst einseitig, aber doch ehrlich ist, so müssen wir sagen: Sie stellen sich vor, da ist einmal aus einem Kant-Laplaceschen Weltennebel irgendein Zusammenhang von Wirbelerscheinungen entstanden, und da ist nach und nach entstanden, was wir heute unsere Welt mit den Naturwesen und den Menschen nennen. Aber in dem Menschen treten sittliche Ideale, sittliche Intuitionen auf. Glaubt man nur an den Naturzusammenhang, dann sind diese sittlichen Ideale, diese sittlichen Intuitionen lediglich das, was herausdampft, was nur so lange Gültigkeit hat, als Menschen sich es sagen. Es leben nur noch viele alte Instinkte aus derjenigen menschlichen Entwicklung fort, die eigentlich schon im 15. Jahrhundert ihr Ende gefunden hat. Würden diese Instinkte nicht fortleben, werden sie einmal ausgerottet sein und würde nichts anderes eintreten in das menschliche Geistesleben, dann müßte man sich lediglich auf das äußere Dokumentieren dessen, was wir sittliche Ideale nennen, verlegen. Und statt daß man sich innerlich verpflichtet fühlt seinen sittlichen Idealen, daß man sich dem Geistesleben gegenüber, das alles physische Leben überragt, verpflichtet fühlt für seine sittlichen Ideale, statt dessen könnte höchstens auftreten, daß man es ehrenhaft findet, wenn einen die anderen Menschen für einen sittlichen Menschen halten, daß man es für opportun findet, nicht gegen das gesetzlich Festgestellte im Staate zu verstoßen. Kurz, jenes Durchglühtsein von einem beseelten Geistigen müßte, wenn unsere Intellektualität bliebe, aus dem menschlichen Sittenleben auch verschwinden. Denn eine Realität kann unserem Sittenleben nur gegeben werden, wenn wiederum Geistanschauung imprägniert und durchdringt alles das, was wir uns durch drei bis vier Jahrhunderte erworben haben. Durchaus soll nicht in reaktionärer Weise kritisiert werden, sondern es sollen nur die Notwendigkeiten betont werden. Aber was zeigt uns diese Geistesschau, was ist das Sittliche unserer Geistesschau? Diese Geistesschau erkennt die äußere Natur, sie sieht in ihr schon in anfänglichem Sinne das, was vernünftige Geologen - ich will vergleichsweise sprechen - für die geologische Erdenbildung annehmen. Solche Geologen sagen: Ein großer Teil unserer geologischen Erdenentwicklung ist bereits in absteigender Strömung begriffen. Für viele Gegenden der Erde gehen wir über erstorbenes Dasein, wenn wir über die Scholle gehen. Solches erstorbene Dasein ist aber viel universeller vorhanden als bloß im Geologischen, es erfüllt auch unser Kulturleben, und wir haben in der neueren Zeit eine nur auf das Tote, Unlebendige gerichtete Naturwissenschaft bekommen, weil wir allmählich in unserer Kultur umgeben sind von dem Absterbenden. Man lernt das Absterbende kennen, das, was aus uralten Zeiten der Entwicklung herrührt und was in der Erdenentwicklung seine letzte Phase erreicht. Dann kann man aber das, was da seine letzte Phase erreicht, mit dem vergleichen, was in uns aufblüht als unsere sittlichen Ideale und Intuitionen. Was sind diese sittlichen Ideale und Intuitionen? Diese sittlichen Ideale und Intuitionen, wenn sie in uns entstehen, sie enthüllen sich dem, was hier anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft genannt wird, so, daß man in ihnen etwas sieht, was man vergleichen könnte mit dem Keim für die nächste Pflanze, der in einer Pflanzenblüte enthalten ist, während das, was an der Blüte abstirbt, die Erbschaft von der früheren Pflanze ist. Wir sehen aufsprießen unser sittliches Leben in unserem Innern. Indem wir das Naturhafte erleben, erleben wir, was von alten Zeiten zu der Erde herüber sich entwickelt; indem wir die sittlichen Ideale aufblühen fühlen, erleben wir, was, wenn einstmals die Erde wie eine Schlacke als Leichnam abgeworfen wird, mit den Menschenseelen so hinausziehen wird in ein kosmisches, unsterbliches Leben, wie der einzelne Mensch, wenn er seinen Leichnam abwirft, in das geistig-seelische Dasein eindringt. So sehen wir die in uns aufsprießenden Keime künftiger Erden-Metamorphosen, indem wir unser sittliches Leben entfalten.

[ 21 ] Denken Sie, wenn man eine solche Idee, die gewiß der heutigen Menschheit noch phantastisch vorkommen mag, in ihrem vollen Ernste und in ihrer ganzen Tiefe zu nehmen vermag, was dann wird unter einem solchen Begriff wie sittliche Verantwortlichkeit! Da sagt man sich: Was bist du, Mensch? Du bist ein Ergebnis der Vergangenheit und der ganzen Erdenentwicklung. Als solches gehst du den niedergehenden Weg. Dein Sittliches lebt in dir auf, das ist Keim der Zukunft, jetzt noch ein scheinbar Unreales, so daß wir es für etwas bloß Abstraktes halten; aber es ist der erste Anfang einer künftigen reichen Realität. Und man müßte sich doch sagen: Übst du nicht dieses Sittliche, verbindest du dich nicht mit ihm, so sündigst du nicht bloß gegenüber deinem Mitmenschen, diesem gegenüber selbstverständlich auch, du sündigst gegenüber allen geistigen Welten. Denn sie haben in dich den Keim gelegt, durch deine Sittlichkeit in die Zukunft der Welt hinüberzuwachsen. Bist du unsittlich, schließt du dich aus von der Zukunft der Menschheit. Zu der Kraft, die für den Willen und das Tatenleben aus der Geist-Erkenntnis kommt, kann noch zum Sittenleben solcher Ernst einer, ich möchte sagen, kosmisch, universell orientierten menschlichen Verantwortlichkeit treten. Wir können fühlen: Im alten Griechenland war der Horizont des Gebildeten eingeschränkt. Man war Landesbürger. Es kamen die neueren Zeiten. Amerika wurde entdeckt, die Kugeigestalt der Erde wurde durch unmittelbares Umwandern der Erde, durch Erfahrung neu gefunden. Der Mensch wurde Erdenbürger. Wiederum sind wir eine Etappe weiter. Die Menschheit ist durch das Landesbürgertum, durch das Erdenbürgertum hindurchgegangen. Heute ergeht an sie der Ruf, Weltenbürger im wahren Sinne des Wortes zu werden, das heißt, sich zu fühlen als ein Bürger jener Welten, die außerhalb unserer Erde sind, die aber mit dieser als zu einem Ganzen zusammengehören, Bürger auch jener Zukunftswelten, auf die ich hingedeutet habe.

[ 21 ] Denken Sie, wenn man eine solche Idee, die gewiß der heutigen Menschheit noch phantastisch vorkommen mag, in ihrem vollen Ernste und in ihrer ganzen Tiefe zu nehmen vermag, was dann wird unter einem solchen Begriff wie sittliche Verantwortlichkeit! Da sagt man sich: Was bist du, Mensch? Du bist ein Ergebnis der Vergangenheit und der ganzen Erdenentwicklung. Als solches gehst du den niedergehenden Weg. Dein Sittliches lebt in dir auf, das ist Keim der Zukunft, jetzt noch ein scheinbar Unreales, so daß wir es für etwas bloß Abstraktes halten; aber es ist der erste Anfang einer künftigen reichen Realität. Und man müßte sich doch sagen: Übst du nicht dieses Sittliche, verbindest du dich nicht mit ihm, so sündigst du nicht bloß gegenüber deinem Mitmenschen, diesem gegenüber selbstverständlich auch, du sündigst gegenüber allen geistigen Welten. Denn sie haben in dich den Keim gelegt, durch deine Sittlichkeit in die Zukunft der Welt hinüberzuwachsen. Bist du unsittlich, schließt du dich aus von der Zukunft der Menschheit. Zu der Kraft, die für den Willen und das Tatenleben aus der Geist-Erkenntnis kommt, kann noch zum Sittenleben solcher Ernst einer, ich möchte sagen, kosmisch, universell orientierten menschlichen Verantwortlichkeit treten. Wir können fühlen: Im alten Griechenland war der Horizont des Gebildeten eingeschränkt. Man war Landesbürger. Es kamen die neueren Zeiten. Amerika wurde entdeckt, die Kugeigestalt der Erde wurde durch unmittelbares Umwandern der Erde, durch Erfahrung neu gefunden. Der Mensch wurde Erdenbürger. Wiederum sind wir eine Etappe weiter. Die Menschheit ist durch das Landesbürgertum, durch das Erdenbürgertum hindurchgegangen. Heute ergeht an sie der Ruf, Weltenbürger im wahren Sinne des Wortes zu werden, das heißt, sich zu fühlen als ein Bürger jener Welten, die außerhalb unserer Erde sind, die aber mit dieser als zu einem Ganzen zusammengehören, Bürger auch jener Zukunftswelten, auf die ich hingedeutet habe.

[ 22 ] So kann Sittenanschauung in Geist-Erkenntnis in einer neuen Weise wurzeln. Erst wenn solche Kraft unser sittliches Leben durchziehen wird, werden wir in der Lage sein, die Sittenlehre umzugestalten zu einer sozial wirksamen Lebensanschauung.

[ 22 ] So kann Sittenanschauung in Geist-Erkenntnis in einer neuen Weise wurzeln. Erst wenn solche Kraft unser sittliches Leben durchziehen wird, werden wir in der Lage sein, die Sittenlehre umzugestalten zu einer sozial wirksamen Lebensanschauung.

[ 23 ] Solche Wege, wie sie hier angedeutet worden sind, sie wurden versucht in so etwas, wie es die Dreigliederung des sozialen Organismus, in so etwas, wie es mein Buch «Die Kernpunkte der sozialen Frage» darstellt. Das halten ja viele für Abstraktionen, für Utopien, und ist doch das Allerrealste, weil es in jener Neu-Erfassung der Wirklichkeit ruht, die von keiner Naturwissenschaft erreicht werden kann, da diese zu sehr angekränkelt ist vom intellektualistischen Leben. Dieses intellektualistische Leben hat allmählich den Menschen gar sehr auf sich selbst zurückgewiesen. Man kann heute merkwürdige Proben bekommen, wie der Mensch dadurch, daß er aus seiner äußeren Naturkenntnis her“ aus nicht mehr den Menschen selber begreift, egoistisch geworden ist. Der Egoismus ist zu gleicher Zeit mit dem Intellektualismus in den drei bis vier letzten Jahrhunderten in alles äußere und innere Menschenleben eingezogen, vor allen Dingen - auch das muß unbefangen angesehen werden — hat dieser Intellektualismus, dieser Egoismus auch das religiöse Leben erfaßt. Heute kann nur — und das hat die menschliche Erziehung durch Jahrhunderte leider vorbereitet - von einem gewissen egoistischen Standpunkt aus über die Unsterblichkeit der menschlichen Seele gesprochen werden. Die Menschen beben heute davor zurück, daß etwa — wie es selbstverständlich nicht ist, wie es aber doch möglich wäre — das Aufhören ihres geistig-seelischen Wesens eintreten könnte, wenn der Leichnam der Erde übergeben wird. Das widerspricht dem, was von dem Naturhaften als ein deutliches Letztes übriggeblieben ist; das widerspricht einem deutlichen egoistischen. Trieb. Man frönt diesem egoistischen Trieb, wenn man nur, wie es auch wieder unter dem Zwang der Dogmen geschieht, von der Fortdauer des menschlichen Seelenlebens nach dem Tode spricht, die ja selbstverständlich gerade durch Geisteswissenschaft voll begründet wird; wenn man aber nicht davon spricht, daß unser Geistig-Seelisches vor unserer Geburt beziehungsweise Empfängnis in einer geistigen Welt war. Bevor wir heruntersteigen in die physische Leiblichkeit und jene Umhüllung annehmen, die uns durch die Vererbung von Vater und Mutter gegeben wird, machen wir in einer geistig-seelischen Welt ebenso eine Entwicklung durch, wie wir dies hier auf der Erde tun. Und genau ebenso wie unser Leben nach dem Tode eine Fortsetzung des Lebens hier auf der Erde ist, ein Ausbau der Erfahrungen hier, so ist das Leben, das wit zwischen Geburt und Tod durchmachen, eine Fortsetzung des Lebens, wie es war vor der Geburt.

[ 23 ] Solche Wege, wie sie hier angedeutet worden sind, sie wurden versucht in so etwas, wie es die Dreigliederung des sozialen Organismus, in so etwas, wie es mein Buch «Die Kernpunkte der sozialen Frage» darstellt. Das halten ja viele für Abstraktionen, für Utopien, und ist doch das Allerrealste, weil es in jener Neu-Erfassung der Wirklichkeit ruht, die von keiner Naturwissenschaft erreicht werden kann, da diese zu sehr angekränkelt ist vom intellektualistischen Leben. Dieses intellektualistische Leben hat allmählich den Menschen gar sehr auf sich selbst zurückgewiesen. Man kann heute merkwürdige Proben bekommen, wie der Mensch dadurch, daß er aus seiner äußeren Naturkenntnis her“ aus nicht mehr den Menschen selber begreift, egoistisch geworden ist. Der Egoismus ist zu gleicher Zeit mit dem Intellektualismus in den drei bis vier letzten Jahrhunderten in alles äußere und innere Menschenleben eingezogen, vor allen Dingen - auch das muß unbefangen angesehen werden — hat dieser Intellektualismus, dieser Egoismus auch das religiöse Leben erfaßt. Heute kann nur — und das hat die menschliche Erziehung durch Jahrhunderte leider vorbereitet - von einem gewissen egoistischen Standpunkt aus über die Unsterblichkeit der menschlichen Seele gesprochen werden. Die Menschen beben heute davor zurück, daß etwa — wie es selbstverständlich nicht ist, wie es aber doch möglich wäre — das Aufhören ihres geistig-seelischen Wesens eintreten könnte, wenn der Leichnam der Erde übergeben wird. Das widerspricht dem, was von dem Naturhaften als ein deutliches Letztes übriggeblieben ist; das widerspricht einem deutlichen egoistischen. Trieb. Man frönt diesem egoistischen Trieb, wenn man nur, wie es auch wieder unter dem Zwang der Dogmen geschieht, von der Fortdauer des menschlichen Seelenlebens nach dem Tode spricht, die ja selbstverständlich gerade durch Geisteswissenschaft voll begründet wird; wenn man aber nicht davon spricht, daß unser Geistig-Seelisches vor unserer Geburt beziehungsweise Empfängnis in einer geistigen Welt war. Bevor wir heruntersteigen in die physische Leiblichkeit und jene Umhüllung annehmen, die uns durch die Vererbung von Vater und Mutter gegeben wird, machen wir in einer geistig-seelischen Welt ebenso eine Entwicklung durch, wie wir dies hier auf der Erde tun. Und genau ebenso wie unser Leben nach dem Tode eine Fortsetzung des Lebens hier auf der Erde ist, ein Ausbau der Erfahrungen hier, so ist das Leben, das wit zwischen Geburt und Tod durchmachen, eine Fortsetzung des Lebens, wie es war vor der Geburt.

[ 24 ] Das legt zum Beispiel dem Pädagogen seine großen Pflichten auf, wenn er sich der Verantwortlichkeit voll bewußt ist, die auf seiner Seele lastet, indem er dasjenige zu entwickeln hat, was aus ewigen geistigen Höhen in einen Menschenleib herabgestiegen ist und sich durch die äußere Form und Hülle von Jahr zu Jahr immer mehr und mehr ausprägt. Das ist das andere, das man hinzufügen kann zu jener dem Egoismus entgegenkommenden Erkenntnis, die nur Rücksicht nimmt auf die allerdings selbstverständlich feststehende Tatsache der Unsterblichkeit der menschlichen Seele gegenüber dem Tod. Das ist die andere Seite, die insbesondere die Geisteswissenschaft für den neueren Menschen betonen muß: das Leben vor der Geburt oder vor der Empfängnis und die Fortsetzung desselben durch das Leben hier. Leicht wird weltflüchtig, wer nur von dem Nachtodlichen spricht. Wer im Ernst das Vorgeburtliche ins Auge faßt, wird sich verpflichtet fühlen - da die Weltenordnung so ist, daß der Mensch herunterzusteigen hat ins physische Dasein -, dieses zu einem tatkräftigen zu machen. Denn nur dadurch können wir das ausprägen, was wir auszuprägen suchen, wenn wir wissen, daß wir dutch die Geburt ins physische Dasein herabsteigen. Während zur Entseelung und Entgeistigung des physischen Daseins die bloße Aussicht auf das führt, was nach dem Tode kommt, muß zur Durchkräftigung unseres Willens, zur Durcharbeitung unseres ganzen Lebens das Bewußtsein führen, daß wir als Geist in dieses physischsinnliche Dasein herabgestiegen sind. Menschenhoffnungen für die Zukunft können sich in sicherer Weise nur aus der Geistesanschauung ergeben, wenn wir mit unserer Anschauung im Geiste wurzeln, wenn wir unser intellektualistisches Wesen durchprägen und durchimprägnieren mit dem, was uns die Geisteswissenschaft gibt. Dann kann wiederum Tatenimpuls, Willensimpuls einkehren in unser Leben. Und unser Leben wird diese geistigen Impulse nötig haben, denn dieses Leben ist ein absteigendes. Alte Generationen konnten noch auf ihre Instinkte schauen. Bei den alten Griechen konnten wir sehen, daß derjenige, der für das öffentliche Leben herangereift ist, nur seine Blut-Instinkte zu entwickeln brauchte. Das wird nicht mehr sein können, die Bildung würde verschwinden müssen, wenn wir nur auf das bauen wollten, was uns die Erde noch aus den Instinkten der Menschen heraus entgegenbringen könnte. Der heutige osteuropäische Sozialismus rechnet auf diese Instinkte; er rechnet auf eine Null. Auf eine Wirklichkeit wird man rechnen, wenn man die Hoffnung aufrichtet, daß auf geisteswissenschaftlich orientierten Sozialismus aufgebaut werden soll. Allerdings, solche Anschauungen, wie sie hier vorgebracht worden sind, werden noch nicht in ihrem vollen Ernste genommen, wenigstens von einer großen Anzahl Menschen nicht. Einzelne nehmen sie ernst, allerdings von einem ganz gewissen Gesichtspunkte aus. So habe ich in unserer Zeitschrift «Dreigliederung des sozialen Organismus», als ich noch in Dornach arbeitete, gelesen, wie von gewisser Seite her recht wichtig genommen wird, was als Geisteswissenschaft auftritt; und es soll hier ein merkwürdiger Vortrag, ich glaube sogar mit Musikbegleitung, gehalten worden sein, der sich gestützt hat auf etwas, was wie ein Programm von gewisser Seite her auftritt, zum Beispiel in den «Stimmen der Zeit» von dem Jesuitenpater Zimmermann, fast in jedem Heft, und was eben solche Niederschläge erzeugt, wie der, der sich hier ergeben haben soll. Da wurde gesagt, noch dazu von einem Domkapitular, man könne sich ja über das, was der Steiner sagt, aus den Schriften seiner Gegner unterrichten, denn die Schriften, die er selbst schreibt, und die seiner Anhänger dürften Katholiken nicht lesen, denn die habe der Papst verboten. In der Tat, die römische heilige Kongregation vom 18. Juli 1919 hat ein allgemeines Edikt erlassen, welches das Verbot enthält, theosophische, anthroposophische Schriften zu lesen, wie es wenigstens in der Interpretation dieses allgemeinen Ediktes durch den Jesuitenpater Zimmermann heißt. Und man kann doch nicht glauben, daß dieser Jesuitenpater Zimmermann immer lügt. Gelogen hat er: Er hatte behauptet, daß ich ein ehemaliger Priester gewesen wäre, daß ich einem Kloster entflohen sei. Ich war nie in einem Kloster. Dann hat er gesagt: Die Behauptung, daß der Steiner ein entlaufener Priester sei, läßt sich allerdings heute nicht mehr aufrechterhalten. Eine sonderbare Art, das, was man erlogen hat, wiederum gutzumachen! Nun glaube ich nicht, daß das auch erlogen ist, was da jenen merkwürdigen Niederschlag gefunden hat, der dahin geht, daß man sich aus den Schriften meiner Gegner unterrichten kann, weil die anthroposophischen Schriften von der heiligen Kongregation vom 18. Juli 1919 verboten worden sind. Ja, auf dieser Seite ahnt man, daß sich in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft etwas, was sehr reale Kräfte hat, in die Gegenwart hereinstellen will.

[ 24 ] Das legt zum Beispiel dem Pädagogen seine großen Pflichten auf, wenn er sich der Verantwortlichkeit voll bewußt ist, die auf seiner Seele lastet, indem er dasjenige zu entwickeln hat, was aus ewigen geistigen Höhen in einen Menschenleib herabgestiegen ist und sich durch die äußere Form und Hülle von Jahr zu Jahr immer mehr und mehr ausprägt. Das ist das andere, das man hinzufügen kann zu jener dem Egoismus entgegenkommenden Erkenntnis, die nur Rücksicht nimmt auf die allerdings selbstverständlich feststehende Tatsache der Unsterblichkeit der menschlichen Seele gegenüber dem Tod. Das ist die andere Seite, die insbesondere die Geisteswissenschaft für den neueren Menschen betonen muß: das Leben vor der Geburt oder vor der Empfängnis und die Fortsetzung desselben durch das Leben hier. Leicht wird weltflüchtig, wer nur von dem Nachtodlichen spricht. Wer im Ernst das Vorgeburtliche ins Auge faßt, wird sich verpflichtet fühlen - da die Weltenordnung so ist, daß der Mensch herunterzusteigen hat ins physische Dasein -, dieses zu einem tatkräftigen zu machen. Denn nur dadurch können wir das ausprägen, was wir auszuprägen suchen, wenn wir wissen, daß wir dutch die Geburt ins physische Dasein herabsteigen. Während zur Entseelung und Entgeistigung des physischen Daseins die bloße Aussicht auf das führt, was nach dem Tode kommt, muß zur Durchkräftigung unseres Willens, zur Durcharbeitung unseres ganzen Lebens das Bewußtsein führen, daß wir als Geist in dieses physischsinnliche Dasein herabgestiegen sind. Menschenhoffnungen für die Zukunft können sich in sicherer Weise nur aus der Geistesanschauung ergeben, wenn wir mit unserer Anschauung im Geiste wurzeln, wenn wir unser intellektualistisches Wesen durchprägen und durchimprägnieren mit dem, was uns die Geisteswissenschaft gibt. Dann kann wiederum Tatenimpuls, Willensimpuls einkehren in unser Leben. Und unser Leben wird diese geistigen Impulse nötig haben, denn dieses Leben ist ein absteigendes. Alte Generationen konnten noch auf ihre Instinkte schauen. Bei den alten Griechen konnten wir sehen, daß derjenige, der für das öffentliche Leben herangereift ist, nur seine Blut-Instinkte zu entwickeln brauchte. Das wird nicht mehr sein können, die Bildung würde verschwinden müssen, wenn wir nur auf das bauen wollten, was uns die Erde noch aus den Instinkten der Menschen heraus entgegenbringen könnte. Der heutige osteuropäische Sozialismus rechnet auf diese Instinkte; er rechnet auf eine Null. Auf eine Wirklichkeit wird man rechnen, wenn man die Hoffnung aufrichtet, daß auf geisteswissenschaftlich orientierten Sozialismus aufgebaut werden soll. Allerdings, solche Anschauungen, wie sie hier vorgebracht worden sind, werden noch nicht in ihrem vollen Ernste genommen, wenigstens von einer großen Anzahl Menschen nicht. Einzelne nehmen sie ernst, allerdings von einem ganz gewissen Gesichtspunkte aus. So habe ich in unserer Zeitschrift «Dreigliederung des sozialen Organismus», als ich noch in Dornach arbeitete, gelesen, wie von gewisser Seite her recht wichtig genommen wird, was als Geisteswissenschaft auftritt; und es soll hier ein merkwürdiger Vortrag, ich glaube sogar mit Musikbegleitung, gehalten worden sein, der sich gestützt hat auf etwas, was wie ein Programm von gewisser Seite her auftritt, zum Beispiel in den «Stimmen der Zeit» von dem Jesuitenpater Zimmermann, fast in jedem Heft, und was eben solche Niederschläge erzeugt, wie der, der sich hier ergeben haben soll. Da wurde gesagt, noch dazu von einem Domkapitular, man könne sich ja über das, was der Steiner sagt, aus den Schriften seiner Gegner unterrichten, denn die Schriften, die er selbst schreibt, und die seiner Anhänger dürften Katholiken nicht lesen, denn die habe der Papst verboten. In der Tat, die römische heilige Kongregation vom 18. Juli 1919 hat ein allgemeines Edikt erlassen, welches das Verbot enthält, theosophische, anthroposophische Schriften zu lesen, wie es wenigstens in der Interpretation dieses allgemeinen Ediktes durch den Jesuitenpater Zimmermann heißt. Und man kann doch nicht glauben, daß dieser Jesuitenpater Zimmermann immer lügt. Gelogen hat er: Er hatte behauptet, daß ich ein ehemaliger Priester gewesen wäre, daß ich einem Kloster entflohen sei. Ich war nie in einem Kloster. Dann hat er gesagt: Die Behauptung, daß der Steiner ein entlaufener Priester sei, läßt sich allerdings heute nicht mehr aufrechterhalten. Eine sonderbare Art, das, was man erlogen hat, wiederum gutzumachen! Nun glaube ich nicht, daß das auch erlogen ist, was da jenen merkwürdigen Niederschlag gefunden hat, der dahin geht, daß man sich aus den Schriften meiner Gegner unterrichten kann, weil die anthroposophischen Schriften von der heiligen Kongregation vom 18. Juli 1919 verboten worden sind. Ja, auf dieser Seite ahnt man, daß sich in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft etwas, was sehr reale Kräfte hat, in die Gegenwart hereinstellen will.

[ 25 ] Diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft - lassen Sie mich das zum Schlusse, ich möchte sagen, wie eine sachliche und zugleich persönliche Bemerkung noch sagen -, diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft wird das, was sie als Erkenntnisgrundlage des Tatenlebens, als Erkenntnisgrundlage des sittlichen und sozialen Lebens, als Erkenntnisgrundlage der schönsten Menschenhoffnungen vertreten muß gegen alle Widerstände, so gut sie es kann, weiter vertreten. Man kann ihr meinetwillen die Gurgel zuschnüren: sobald sie sich nur wieder ein wenig regen kann, wird sie wiederum das geltend machen, was sie als der Menschheit notwendige Wahrheit glaubt erkennen zu können. Und wie in dem Augenblick, als sich die Aussicht auf den Sieg zu unseren Ungunsten zu wenden begann, der ganzen internationalen Welt gegenüber in dem Goetheanum ein Zeugnis für das internationale Geistesleben erstellt worden ist, ohne davor zurückzuschrecken, daß dasjenige, was heute ausgebildeter Goetheanismus ist, doch aus den Wurzeln des deutschen Geisteslebens kommt, so wird auch allem andern gegenüber, was als Hemmnisse sich in den Weg stellen will, diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft für die Erkenntnis, die in ihre Überzeugung übergegangen ist, als für einen Weltinhalt kämpfen.

[ 25 ] Diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft - lassen Sie mich das zum Schlusse, ich möchte sagen, wie eine sachliche und zugleich persönliche Bemerkung noch sagen -, diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft wird das, was sie als Erkenntnisgrundlage des Tatenlebens, als Erkenntnisgrundlage des sittlichen und sozialen Lebens, als Erkenntnisgrundlage der schönsten Menschenhoffnungen vertreten muß gegen alle Widerstände, so gut sie es kann, weiter vertreten. Man kann ihr meinetwillen die Gurgel zuschnüren: sobald sie sich nur wieder ein wenig regen kann, wird sie wiederum das geltend machen, was sie als der Menschheit notwendige Wahrheit glaubt erkennen zu können. Und wie in dem Augenblick, als sich die Aussicht auf den Sieg zu unseren Ungunsten zu wenden begann, der ganzen internationalen Welt gegenüber in dem Goetheanum ein Zeugnis für das internationale Geistesleben erstellt worden ist, ohne davor zurückzuschrecken, daß dasjenige, was heute ausgebildeter Goetheanismus ist, doch aus den Wurzeln des deutschen Geisteslebens kommt, so wird auch allem andern gegenüber, was als Hemmnisse sich in den Weg stellen will, diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft für die Erkenntnis, die in ihre Überzeugung übergegangen ist, als für einen Weltinhalt kämpfen.

[ 26 ] Es ist jetzt 35 Jahre her, da schrieb ich in einer meiner ersten Auseinandersetzungen, um zu charakterisieren, wie das deutsche Wesen notwendig hat, zurückzukehren zu den besten geistigen Quellen seiner Kraft, da schrieb ich die Worte nieder wie einen Mahnruf an das deutsche Volk: «Bei allen Fortschritten, die wir auf den verschiedensten Gebieten der Kultur zu verzeichnen haben, können wir uns doch nicht entschlagen, daß die Signatur unseres Zeitalters viel, sehr viel zu wünschen übrigläßt. Unsere Fortschritte sind zumeist nur solche in die Breite und nicht in die Tiefe. Für den Gehalt eines Zeitalters sind aber nur die Fortschritte in die Tiefe maßgebend. Es mag sein, daß die Fülle der Tatsachen, die von allen Seiten auf uns eingedrungen sind, es begreiflich erscheinen läßt, daß wir über dem Blick ins Weite den in die Tiefe augenblicklich verloren haben. Wir möchten nur wünschen, daß der abgerissene Faden fortschreitender Entwicklung bald wieder angeknüpft wird und die neuen Tatsachen von der einmal gewonnenen geistigen Höhe aus erfaßt werden.»

[ 26 ] Es ist jetzt 35 Jahre her, da schrieb ich in einer meiner ersten Auseinandersetzungen, um zu charakterisieren, wie das deutsche Wesen notwendig hat, zurückzukehren zu den besten geistigen Quellen seiner Kraft, da schrieb ich die Worte nieder wie einen Mahnruf an das deutsche Volk: «Bei allen Fortschritten, die wir auf den verschiedensten Gebieten der Kultur zu verzeichnen haben, können wir uns doch nicht entschlagen, daß die Signatur unseres Zeitalters viel, sehr viel zu wünschen übrigläßt. Unsere Fortschritte sind zumeist nur solche in die Breite und nicht in die Tiefe. Für den Gehalt eines Zeitalters sind aber nur die Fortschritte in die Tiefe maßgebend. Es mag sein, daß die Fülle der Tatsachen, die von allen Seiten auf uns eingedrungen sind, es begreiflich erscheinen läßt, daß wir über dem Blick ins Weite den in die Tiefe augenblicklich verloren haben. Wir möchten nur wünschen, daß der abgerissene Faden fortschreitender Entwicklung bald wieder angeknüpft wird und die neuen Tatsachen von der einmal gewonnenen geistigen Höhe aus erfaßt werden.»

[ 27 ] In dem Gefühl, daß, wenn der damalige geistige Tiefstand nicht in einer wirklichen geistigen Erhebung einen Widerpart finden würde, ein Katastrophales kommen müsse, in dieser Empfindung, mit herznagendem Schmerz schrieb ich vor 35 Jahren diese Worte nieder und ließ sie drucken. Ich glaube, daß ich gerade heute von solchen Gesichtspunkten aus, wie ich sie angeführt habe, sachlich-persönlich auf diese Worte hinweisen darf. Denn der Gang der Ereignisse in diesen dreieinhalb Jahrzehnten ist ein Beweis dafür, daß es berechtigt ist, den Ruf nach Geistigkeit wieder ertönen zu lassen. Möge er, da er damals nicht gehört worden ist, heute und in der nächsten Zukunft von den Deutschen gehört werden, damit sie von innen heraus, aus der erfaßten Geistigkeit aufbauen können, was gerade bei ihnen in einer so furchtbaren Weise in den letzten Jahren zerstört worden ist, ja, was nur angefangen hat, zerstört zu werden, und was gewiß auf den Bahnen der Zerstörung weiter schreiten wird, wenn man nicht Geistigkeit mitnehmen wird für den Neuaufbau.

[ 27 ] In dem Gefühl, daß, wenn der damalige geistige Tiefstand nicht in einer wirklichen geistigen Erhebung einen Widerpart finden würde, ein Katastrophales kommen müsse, in dieser Empfindung, mit herznagendem Schmerz schrieb ich vor 35 Jahren diese Worte nieder und ließ sie drucken. Ich glaube, daß ich gerade heute von solchen Gesichtspunkten aus, wie ich sie angeführt habe, sachlich-persönlich auf diese Worte hinweisen darf. Denn der Gang der Ereignisse in diesen dreieinhalb Jahrzehnten ist ein Beweis dafür, daß es berechtigt ist, den Ruf nach Geistigkeit wieder ertönen zu lassen. Möge er, da er damals nicht gehört worden ist, heute und in der nächsten Zukunft von den Deutschen gehört werden, damit sie von innen heraus, aus der erfaßten Geistigkeit aufbauen können, was gerade bei ihnen in einer so furchtbaren Weise in den letzten Jahren zerstört worden ist, ja, was nur angefangen hat, zerstört zu werden, und was gewiß auf den Bahnen der Zerstörung weiter schreiten wird, wenn man nicht Geistigkeit mitnehmen wird für den Neuaufbau.

[ 28 ] Das ist es, woran man heute appellieren möchte: an den Willen zur Geistigkeit gerade in dem deutschen Volk. Und man darf an diesen Willen zur Geistigkeit appellieren; denn sicher ist es: Entwickelt das deutsche Volk diesen Willen zur Geistigkeit, so muß es die Geistigkeit finden. Zum Materialismus, sagte ich neulich, hat es anscheinend - das beweisen gerade die Ereignisse der letzten Jahrzehnte — keine Begabung; für die Geistigkeithates Begabung, das beweist der Geist unserer Entwicklung durch Jahrhunderte. Deshalb darf man appellieren an den Willen zur Geistigkeit: das deutsche Volk, wenn es nur den Willen entwickelt, wird die Geistigkeit finden, es hat die Begabung dazu. Aber da es die Begabung hat, hat es auch vor dem Ruf nach Geistigkeit die große Verantwortlichkeit. Möge das Bewußtsein dieser Verantwottlichkeit erwachen, erwachen in der Weise, daß das deutsche Volk wiederum tatkräftig auf geistiger Grundlage und aus geistigen Impulsen heraus in die Entwicklung der Menschheit eingreifen könne, das fortsetzen könne, was es zum Segen der Menschheit durch viele Jahrhunderte für diese Menschheit durch seine größten Geister geleistet hat.

[ 28 ] Das ist es, woran man heute appellieren möchte: an den Willen zur Geistigkeit gerade in dem deutschen Volk. Und man darf an diesen Willen zur Geistigkeit appellieren; denn sicher ist es: Entwickelt das deutsche Volk diesen Willen zur Geistigkeit, so muß es die Geistigkeit finden. Zum Materialismus, sagte ich neulich, hat es anscheinend - das beweisen gerade die Ereignisse der letzten Jahrzehnte — keine Begabung; für die Geistigkeithates Begabung, das beweist der Geist unserer Entwicklung durch Jahrhunderte. Deshalb darf man appellieren an den Willen zur Geistigkeit: das deutsche Volk, wenn es nur den Willen entwickelt, wird die Geistigkeit finden, es hat die Begabung dazu. Aber da es die Begabung hat, hat es auch vor dem Ruf nach Geistigkeit die große Verantwortlichkeit. Möge das Bewußtsein dieser Verantwottlichkeit erwachen, erwachen in der Weise, daß das deutsche Volk wiederum tatkräftig auf geistiger Grundlage und aus geistigen Impulsen heraus in die Entwicklung der Menschheit eingreifen könne, das fortsetzen könne, was es zum Segen der Menschheit durch viele Jahrhunderte für diese Menschheit durch seine größten Geister geleistet hat.