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Freedom of Thought and Social Forces
GA 333

30 December 1919, Stuttgart

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Freedom of Thought and Social Forces, tr. SOL
  1. Gedankenfreiheit und Soziale Kräfte

6. Geist-Erkenntnis als Tatengrundlage

6. Spiritual Insight as the Foundation for Action

[ 1 ] Vor zwei Jahren etwa, als die katastrophalen Ereignisse der letzten Zeit ihren Entscheidungen entgegengingen, ergaben die Verhältnisse, daß die Freunde unserer in Dornach errichteten Hochschule für Geisteswissenschaft eine Namensänderung für diese Hochschule für Geisteswissenschaft vornehmen wollten. Es sollte ausgedrückt werden, wie man sich aus dem Bewußtsein des deutschen Geisteslebens heraus mutvoll entgegenstellen will alledem, was sich auch gegenüber diesem Geistesleben in der Gegenwart oder in der Zukunft erheben möge. Man hat dazumal — und Sie werden das Bedeutsame dieser Namengebung fühlen — jenes Gebäude, das auch in seiner künstlerischen Ausgestaltung wiedergeben soll, was in anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft lebt, man hat dazumal diese Hochschule für Geisteswissenschaft Goetheanum genannt. Und es steht also dieses Goetheanum auf einem der nordwestlichsten Hügel der Schweiz als Wahrzeichen wirklich internationalen Geistes, aber eines solchen Geistes, der jenes bedeutsame Element in sich haben will, das man an den Namen Goethe anknüpfen kann. Und daher wird es gestattet sein, bei geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, wie solche hier gepflogen werden, ab und zu an Goethesches zu erinnern.

[ 1 ] About two years ago, as the catastrophic events of recent times were drawing to a close, circumstances led the friends of our School of Spiritual Science, established in Dornach, to decide to change the name of this School of Spiritual Science. The intention was to express how, out of an awareness of German spiritual life, one wishes to courageously oppose everything that might arise in opposition to this spiritual life, whether in the present or in the future. At that time—and you will sense the significance of this naming—the building, which is also intended to reflect in its artistic design what lives within anthroposophically oriented Spiritual Science, was named the Goetheanum. And so this Goetheanum stands on one of Switzerland’s northwesternmost hills as a symbol of a truly international spirit—but a spirit that seeks to embody that significant element associated with the name Goethe. And for this reason, it will be permissible, in the course of reflections on Spiritual Science such as those practiced here, to recall Goethe’s teachings from time to time.

[ 2 ] Ich werde heute scheinbar weit Hergeholtes zum Ausgangspunkt nehmen, aber dieses scheinbar Weithergeholte wird vielleicht geeignet sein, auf ein Charakteristisches in der hier gemeinten Geisteswissenschaft hinzuweisen.

[ 2 ] Today I will take what may seem like a far-fetched example as my starting point, but this seemingly far-fetched example may serve to highlight a characteristic feature of the Spiritual Science referred to here.

[ 3 ] Es ist vielleicht bekannt, wie Goethe, nachdem er seine Verpflichtungen in Weimar übernommen hatte, aus gewissen Zusammenhängen seines dortigen Lebens heraus intensiv sich naturwissenschaftlichen Betrachtungen widmete. Und als er dann, nachdem er in Weimar und in dem benachbarten Jena über Pflanzen und Tiere die mannigfachsten Versuche und Studien gemacht hatte, in der Mitte der achtziger Jahre auf seiner italienischen Reise sich von Gebiet zu Gebiet, das er durchwanderte, mit allem Naturwissenschaftlichen beschäftigt hatte, schrieb er einmal über die Ideen, die er sich nunmehr machen müsse über den Zusammenhang der Pflanzen und der Erde. Er schrieb an seine Weimarischen Freunde nach Hause, er sei der Urpflanze nun völlig auf die Spur gekommen, jener Pflanze, von der er überzeugt war, daß sie ein nur im Geiste zu erfassendes Gebilde sei, daß sie etwas sei, das zwar allen einzelnen Pflanzenformen zugrunde liege, das aber doch nur ein geistig erfaßtes Einheitsgebilde sei. Und ein merkwürdiges Wort schrieb er dazumal an seine Weimarischen Freunde: Mit diesem Gebilde in der Seele müsse man imstande sein, die Pflanzenwelt so zu erkennen, daß, wenn man dieses Gebilde - Goethe nannte es ein sinnlich-übersinnliches Gebilde-in der entsprechenden Weise abändert,indem man ihm konkrete Form gibt, man innerlich im Geiste etwas schaffen müsse, das die Möglichkeit habe, äußerliche Wirklichkeit zu gewinnen. Mit dieser Urpflanze in der Seele müsse man das Pflanzenleben so tief erfaßt haben, daß man eine Phantasiepflanze erfinden könne, die aber ebenso die Berechtigung habe, äußerliche Wirklichkeit zu sein wie die Pflanzen, die draußen auf den Wiesen und in den Wäldern und auf den Bergen wachsen.

[ 3 ] It is perhaps well known how Goethe, after assuming his duties in Weimar, devoted himself intensively to scientific observations as a result of certain circumstances in his life there. And when, after conducting a wide variety of experiments and studies on plants and animals in Weimar and neighboring Jena, he traveled through Italy in the mid-1880s, engaging with all aspects of natural science as he journeyed from region to region, he once wrote about the ideas he now had to form regarding the connection between plants and the earth. He wrote home to his friends in Weimar that he had now fully uncovered the “primordial plant”—that plant of which he was convinced was a form that could be grasped only in the spirit, that it was something which, while underlying all individual plant forms, was nevertheless only a unified entity grasped spiritually. And he wrote a remarkable phrase to his friends in Weimar at that time: With this concept in one’s soul, one must be able to perceive the plant world in such a way that, if one modifies this concept—Goethe called it a “sensory-supersensory concept”—in the appropriate manner by giving it concrete form, one must inwardly create something in the spirit that has the potential to attain external reality. With this primordial plant in one’s soul, one must have grasped plant life so deeply that one could invent an imaginary plant that would, however, have just as much a right to be external reality as the plants that grow out there in the meadows, in the forests, and on the mountains.

[ 4 ] Was meinte Goethe und was empfand er, indem er solches aussprach, in dem Augenblick, wo er sich für ein gewisses Erkenntnisgebiet auf dem Gipfel seiner Anschauung glaubte? Sehen wir diesem Ausspruch nicht an, namentlich wenn wir auf alles das Rücksicht nehmen, was in Goethes Natur lebte, daß Goethe der Natur gegenüber eine Erkenntnis anstrebte, die, wie er sich ausdrückt, geistgemäß ist, also eine Erkenntnis, bei der nicht nur die Sinne, bei der nicht nur die Intelligenz mitwirken, sondern eine Erkenntnis, bei der mitwirkt das ganze Geistige des Menschen? Aber sehen wir nicht auch, wie Goethe eine solche Erkenntnis anstrebt, die untertauchen kann zu dem Wesen der Dinge, die sich so eins mit den Dingen weiß, daß sie, indem sie in sich die Idee der Dinge schafft, sich klar sein kann, daß in dieser Schaffenskraft, die in der Seele lebt und produktiv ist, dasselbe lebt und webt wie in der Wachstumskraft der Pflanze da draußen? Goethe war sich klar darüber: Wenn die Pflanze da draußen wächst, wenn sie Blatt für Blatt, Knoten für Knoten, Blüte für Blüte entwickelt, da lebt in ihr Wachstumskraft. Aber mit dieser Wachstumskraft, die da draußen lebt, wollte Goethe sich selber verbinden, die wollte er in der eigenen Seele leben lassen. In dem, was er als Erkenntnis-Ideen über die Dinge erschuf, sollte etwas leben, was dasselbe ist, wie es draußen in den Dingen liegt.

[ 4 ] What did Goethe mean, and what did he feel, when he uttered these words at the very moment he believed himself to be at the pinnacle of his understanding in a certain field of knowledge? Do we not see from this statement—especially when we take into account everything that lived within Goethe’s nature—that Goethe sought a kind of knowledge of nature that, as he puts it, is “in accordance with the spirit,” that is, a kind of knowledge in which not only the senses and not only the intellect are involved, but a kind of knowledge in which the entire spiritual essence of the human being is engaged? But do we not also see how Goethe strives for such an understanding that can delve into the very essence of things—an understanding that is so at one with things that, by creating the idea of things within itself, it can be clear to itself that in this creative power, which lives and is productive in the soul, the same force lives and weaves as in the growth force of the plant out there? Goethe was clear about this: When the plant out there grows, when it develops leaf by leaf, node by node, flower by flower, the power of growth lives within it. But Goethe wanted to connect himself to this power of growth that lives out there; he wanted to let it live within his own soul. In what he created as “ideas of knowledge” about things, something was to live that is the very same as what lies outside in the things themselves.

[ 5 ] Eine ungeheure Intimität des Miterlebens mit den äußeren Dingen wird durch eine solche Erkenntnis angestrebt. Man unterschätzt heute noch immer die Wucht, die eintritt in dem Erkenntnisstreben der Menschheit, als Goethe sich zu solchen Ideen erhebt; denn wir leben heute im Grunde genommen in ganz anderen Erkenntnisideen. Die hier gemeinte anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft will aber Goetheanismus sein, das heißtnichtetwaGoethe-Wissenschaft nach der Art, wie diese oder jene Goethe-Sammlungen es machen mit dem, was Goethe gesagt oder geschrieben hat, sondern in dem Sinne, daß sie ergreift, was in anfänglicher, elementarer Art in Goethe gelebt hat, was aber innere Lebendigkeit hat, um weitere und weitere Früchte zu tragen, was heute etwas ganz anderes ist, als es 1832 sein konnte, als Goethe starb. In Goethe lebte ein Geist, der sich lebendig fortentwickelt, auch nachdem Goethe für diese Erde tot war. Heute können wir von einem Goetheanismus des Jahres 1919 sprechen. Der braucht nicht wieder aufzuwärmen, was Goethe selbst wortwörtlich gesagt hat, er muß aber wirken in seinem Geiste. Und man kann glauben, in seinem Geiste am besten zu wirken, wenn man das, was er für seine Zeit vor fast anderthalb Jahrhundert versucht hat auf einem kleinen Gebiete, auf dem des Pflanzlichen und ein wenig auch des Tierischen, auszubilden — und da auch nur für die äußeren Formen -, wenn man das zum Impuls einer umfassenden Weltanschauung macht und vor allen Dingen den Menschen in diese umfassende Weltanschauung aufnimmt. Damit aber bekennt man sich zu einem Goetheanismus, der umgestaltend wird wirken müssen auf alles das, was heute von den angesehensten Teilen unseres Erkenntnisstrebens, von den naturwissenschaftlichen Teilen aus zur Weltanschauung erwachsen will.

[ 5 ] Such knowledge strives for an immense intimacy of shared experience with external things. Even today, people still underestimate the impact that arises in humanity’s quest for knowledge when Goethe rises to such ideas; for, fundamentally speaking, we live today with entirely different concepts of knowledge. However, the anthroposophically oriented Spiritual Science referred to here aims to be Goetheanism—that is, not merely a “Goethe science” in the manner of this or that collection of Goethe’s works, which deals with what Goethe said or wrote, but in the sense that it grasps what lived within Goethe in an initial, elementary form within Goethe, yet possesses an inner vitality capable of bearing ever more fruit—something that is entirely different today than it could have been in 1832, when Goethe died. A spirit lived within Goethe that continues to develop dynamically, even after Goethe had passed away from this earth. Today we can speak of a Goetheanism of the year 1919. It need not simply rehash what Goethe himself said word for word, but it must work in his spirit. And one can believe that one works best in his spirit by developing what he attempted for his own time—almost a century and a half ago—in a small field, that of the plant kingdom and to some extent also the animal kingdom — and there, too, only with regard to the outer forms — if one makes this the impetus for a comprehensive worldview and, above all, incorporates the human being into this comprehensive worldview. In doing so, however, one commits to a Goetheanism that will have to work transformatively on everything that today seeks to develop into a worldview from the most esteemed branches of our quest for knowledge—namely, the natural sciences.

[ 6 ] Ich darf vielleicht, etwas anklingend an dasjenige, was ich schon in vorigen Vorträgen gesagt habe, noch einmal charakterisieren, wie die geistige Entwicklung der zivilisierten Menschheit in den letzten vier Jahrhunderten war. Was haben wir denn da als die Hauptkraft in der menschlichen Entwicklung und in dem Erkenntnisstreben heraufkommen sehen? Wir haben gesehen heraufkommen das intellektuelle, das verstandesmäßige Leben, und wenn wir auch gerade auf dem Gebiet der Naturwissenschaft die großen 'Triumphe erlebt haben, so müssen wir doch sagen: Trotzdem uns diese Naturwissenschaft in Hülle und Fülle die äußeren Tatsachen schildert, — die Art und Weise, wie wir uns als Mensch über die äußere Welt hermachen, nämlich wie wir uns in unserer Seele Ideen bilden über die äußere Natur und über das Leben, die ist durch und durch intellektualistisch gefärbt.

[ 6 ] Perhaps I may—echoing somewhat what I have already said in previous lectures—once again describe the nature of the spiritual development of civilized humanity over the past four centuries. What, then, have we seen emerge as the main driving force in human development and in the pursuit of knowledge? We have seen the rise of intellectual, rational life, and even though we have experienced great “triumphs” particularly in the field of natural science, we must nevertheless say: Although natural science describes external facts to us in abundance, the way in which we, as human beings, approach the external world—namely, how we form ideas in our souls about external nature and about life—is thoroughly colored by intellectualism.

[ 7 ] Man gelangt zwar, wenn man vorzugsweise das intellektualistische Moment in der menschlichen Natur zu seiner Richtschnur nimmt, in ein sehr Geistiges hinein. Unsere abstrakten Ideen und Begriffe sind selbstverständlich ein innerlich sehr Geistiges. So, wie sie sich in den letzten vier Jahrhunderten geltend machen, sind sie in sich selbst geistig, sind aber nicht in der Lage, etwas anderes zu werden als Spiegelbilder der äußeren sinnlichen Tatsachen. Das ist das Charakteristische in unserem Geistes- und Seelenleben: Wir haben es allmählich dahin gebracht, abstrakte, ganz feine, ins Geistige hinein filtrierte Ideen und Begriffe zu entwickeln, aber es sind solche Ideen und Begriffe, die sich nur an das äußere Sinnlich-Wirkliche heranwagen, die nicht in sich die Kraft haben, irgend etwas anderes im Leben zu erfassen als das äußere Sinnlich-Wirkliche. Diejenigen Menschen, die heute in dieser intellektualistischen Richtung ihr Seelisches anstrengen, glauben oftmals, ganz voraussetzungslos unbefangen den Wegen ihres Forschens, ihres Denkens nachzugehen. Aber dieses Denken und Forschen, das sich auf solchen intellektualistischen Wegen bewegt, ist durchaus nicht unabhängig von der historischen Entwicklung. Und es ist interessant, zu sehen, wie mancher, der sich heute einen Philosophen, einen Wissenschafter nennt, glaubt, in irgendeiner Weise aus der Menschennatur oder der Wesenheit der Welt rechtfertigen zu können, warum er gerade in dieser oder jener Weise forscht, während die Art und Weise, wie er forscht, nur das Ergebnis einer Jahrtausende alten Menschheitserziehung ist.

[ 7 ] It is true that, if one takes the intellectual aspect of human nature as one’s guiding principle, one enters into something very spiritual. Our abstract ideas and concepts are, of course, intrinsically very spiritual. As they have asserted themselves over the last four centuries, they are spiritual in themselves, but they are incapable of becoming anything other than reflections of external sensory facts. This is what characterizes our spiritual and soul life: We have gradually come to develop abstract, very subtle ideas and concepts filtered into the spiritual realm, but these are ideas and concepts that dare to approach only the external, sensory reality—they lack the inner power to grasp anything else in life besides the external, sensory reality. Those people who today exert their spiritual faculties in this intellectualistic direction often believe they are pursuing the paths of their research and thinking in a completely unbiased and unconditional manner. But this thinking and research, which moves along such intellectualistic paths, is by no means independent of historical development. And it is interesting to see how many who call themselves philosophers or scientists today believe they can somehow justify—based on human nature or the essence of the world—why they conduct their research in this or that particular way, whereas the very manner in which they conduct their research is merely the result of millennia of human education.

[ 8 ] Wenn man zunächst zurückgeht — und ich kann heute nur im großen und ganzen charakterisieren — durch die nachchristlichen Jahrhunderte ins alte Griechentum, so findet man in den letzten Jahrhunderten des vorchristlichen Griechentums schon die ersten Anklänge jenes intellektualistischen Denkens, dem wir uns seit dem 15. Jahrhundert in der abendländischen zivilisierten Welt ganz und gar ergeben haben. Wir finden im alten Griechenland dasjenige aufgehen, was man lange Zeit hindurch die Dialektik genannt hat. Diese Dialektik ist das innere Regsammachen eines Gedankenelementes, das immer mehr und mehr nach der Abstraktion hingeht. Aber wer das griechische Leben unbefangen betrachtet, der sieht, daß dieses bei Plato noch sehr durchgeistigte, bei Aristoteles schon durchaus bloß logische Leben des Intellekts zurückgeht auf ein vollinhaltliches seelenhaftes Altes. Und wenn man etwa, wie Nietzsche das getan hat - grandios, wenn auch schon etwas krankhaft —, wenn man zurückgeht in die ältesten Zeiten griechischen Denkens, griechischer Kulturentwicklung, dann findet man, daß in dem, was Nietzsche das tragische Zeitalter der Griechen genannt hat, — daß in diesem Geistesleben noch nicht das abstrakt dialektische, logische Element vorhanden ist, auch nicht das Hingewendetsein zur bloß äußerlichen Welt. Sondern in diesem Geistesleben ist noch etwas vorhanden von dem, was nur aufsteigen kann aus der innersten Menschennatur selber, die wie aus sich selbst herausträgt das Wesen der Welt in den mannigfaltigsten Gestaltungen. Und wenn wir dem Ursprunge dessen weiter nachgehen, was da in Griechenland aufgetreten ist, was später filtriert worden ist zu der bloßen Logik, dann finden wir im Orient drüben dasjenige, worauf ich neulich hingewiesen habe, was man nennen könnte ein der heutigen Menschheit — aber eben nur der heutigen Menschheit — geheimnisvolles Mysterien-Erkennen. Es ist das ein Erkennen, das auf eine Weise gewonnen wird, von der die heutige Menschheit in ihrem normalen Leben sich gar keine Vorstellung mehr machen kann. In jenen Schulen des alten Orients, die zu gleicher Zeit Schulen und Kunstanstalten und religiöse Stätten waren, hatte der Mensch nicht etwa bloß etwas zu lernen oder mit seinen intellektuellen Kräften zu erforschen, sondern, bevor er überhaupt herangeführt wurde an die Geheimnisse des Daseins, hatte er eine Umgestaltung seines ganzen Wesens durchzumachen. Es war in diesen Mysterien des Orients eine Selbstverständlichkeit, daß der Mensch, so wie er im äußeren Leben darin steht, zu den Geheimnissen des Daseins nicht dringen könne. Daher mußte man erst den Menschen durch eine strenge Zucht seines ganzen Wesens hinaufführen zu jenem Zustand, in dem er ein anderes Wesen wurde, und diesem anderen Wesen übermittelte man dann, was man den Inhalt der Erkenntnis nannte. Auf einem reichen, historisch ganz gewiß nicht mehr vorhandenen, durch Geisteswissenschaft aber nachweisbaren, seelisch-geistig konkret gestalteten Leben hat sich im Orient einmal eine Erkenntnis aufgebaut, die sich dann hinüber nach Griechenland verbreitet hat, die in Griechenland filtriert worden ist zur Dialektik, zur Logik, zur bloßen Intelligenz, und die dann immer weiter und weiter filtriert wurde, bis sie zu jenem bloBen Intellektualismus geworden ist, in dem wir innerhalb der modernen Zivilisation seit der Mitte des 15. Jahrhunderts darinnenstecken.

[ 8 ] If we first go back—and today I can only provide a general overview—through the post-Christian centuries to ancient Greece, we find in the final centuries of pre-Christian Greece the very first echoes of that intellectualist mode of thought to which we in the Western civilized world have been entirely devoted since the 15th century. In ancient Greece, we find the emergence of what has long been called dialectic. This dialectic is the inner stirring of a thought element that moves ever more toward abstraction. But anyone who observes Greek life with an open mind will see that this life of the intellect—which was still deeply spiritual in Plato but had already become purely logical in Aristotle—traces its origins back to a rich, soulful past. And if one goes back—as Nietzsche did, magnificently, though perhaps somewhat morbidly—to the earliest times of Greek thought and the development of Greek culture, one finds that in what Nietzsche called the “tragic age of the Greeks,” —that in this spiritual life the abstract dialectical, logical element is not yet present, nor is the orientation toward the merely external world. Rather, in this spiritual life there is still something present of that which can arise only from human nature itself at its very core, which, as if from within itself, bears forth the essence of the world in the most manifold forms. And if we trace the origin of what emerged in Greece—which was later filtered down to mere logic—we find in the Orient what I recently pointed out: what one might call a mysterious, esoteric knowledge that is a mystery to today’s humanity—but only to today’s humanity. It is a form of knowledge that is attained in a way that modern humanity, in its everyday life, can no longer even form a mental image of. In those schools of the ancient Orient, which were at once schools, art academies, and religious sites, a person did not merely have something to learn or to explore with their intellectual faculties; rather, before they were even introduced to the mysteries of existence, they had to undergo a transformation of their entire being. In these mysteries of the Orient, it was taken for granted that a person, as they exist in their outer life, could not penetrate the mysteries of existence. Therefore, one first had to guide the person, through rigorous discipline of their entire being, up to that state in which they became a different being; and to this different being one then imparted what was called the content of knowledge. In the East, a body of knowledge was once built upon a rich life—one that certainly no longer exists historically but can be verified through Spiritual Science—a life concretely shaped by the soul and spirit; this knowledge then spread to Greece, where it was filtered into dialectics, logic, and mere intelligence, and which was then filtered further and further until it became the very intellectualism in which we have been mired within modern civilization since the mid-15th century.

[ 9 ] Ohne rückhaltlos das Seelenauge nach solchen Dingen, wie ich sie jetzt charakterisiert habe, zu richten, kann man nicht in die verschiedenen Kulturströmungen und Kulturbilanzen des heutigen Daseins hineinschauen, kann man nicht zu fruchtbaren Anschauungen darüber kommen, was heute der Menschheit nötig ist. Heute handelt es sich darum, daß man wirklich rückhaltlos auf das hinschaut, was geworden ist, und daraus erkennt, in welchen geistigen Welten wir eigentlich darin stehen. Wenn man so die Art und Weise verfolgt, wie sich ein uns mehr oder weniger fremdes Geistesleben aus dem Orient nach Griechenland herüber verpflanzt hat, filtriert hat zu unserem Intellektualismus, dann kommt man zu der Frage: Wie hat sich denn eigentlich dieses Geistesleben entwickelt?

[ 9 ] Without unreservedly turning the eye of the soul toward such things as I have just described, one cannot gain insight into the various cultural currents and cultural realities of contemporary life, nor can one arrive at fruitful perspectives on what humanity needs today. Today, the task is to look truly unreservedly at what has come to be, and to recognize from this in which spiritual worlds we actually find ourselves. If one traces the way in which a spiritual life from the East—one that is more or less foreign to us—has been transplanted to Greece and filtered into our intellectualism, one arrives at the question: How, in fact, did this spiritual life develop?

[ 10 ] Dieses Geistesleben hat sich nicht anders entwickeln können als dadurch, daß es in einer gewissen Weise gebunden war an etwas Naturhaftes in der menschlichen Wesenheit. Prüft man, was eigentlich in der menschlichen Natur gewirkt und gewebt hat, damit dieses Geistesleben durch die geschilderte Umwandlung des Menschen sich hat entwickeln können, so muß man sagen: Darinnen spielt die Tatsache der Vererbung, die Tatsache der Blutsvererbung in der Menschheit eine große Rolle. Und wir können eigentlich nur studieren, wie die ErkenntnisEntwicklung in der Menschheit vor sich gegangen ist, wenn wir sie herausholen aus der Erkenntnis der Tatsache der Blutsentwicklung. Daher ist auch die Erkenntnis in denjenigen Zeiten, auf die ich hingewiesen habe, um den Ursprung unseres gegenwärtigen Erkennens darzulegen, an einzelne Völker, an einzelne Rassen, an Blutszusammenhänge, an Erblichkeitsverhältnisse gebunden. Differenziert nach den einzelnen Völkern tritt die Erkenntnis auf. Dasjenige, worauf man Rücksicht zu nehmen hatte, wenn der Schüler hereingeholt wurde aus dem äußeren Dasein in jene Mysterienschule, von der ich gesprochen habe, worauf man Rücksicht zu nehmen hatte bei seiner Ausbildung, das war: Welches Blut, welches Temperament im Blut, welche durch das Blut begründete Begabung lebte in ihm? Und dieses Naturhafte brachte man zur Entwicklung, bis das, was sich aus diesem Naturhaften ergeben konnte, in der Erkenntnis des betreffenden Menschen zutage trat.

[ 10 ] This spiritual life could not have developed in any other way than by being, in a certain sense, bound to something natural within the human being. If we examine what has actually been at work and interwoven within human nature to enable this spiritual life to develop through the transformation of the human being described above, we must say: The fact of heredity—the fact of heredity through the blood—plays a major role in this. And we can truly study how the development of knowledge in humanity has taken place only if we derive it from an understanding of the fact of bloodline development. That is why, in the periods I have referred to in order to explain the origin of our present-day knowledge, understanding was bound to individual peoples, individual races, bloodline connections, and hereditary relationships. Knowledge emerges differentiated according to the individual peoples. What had to be taken into account when the student was brought in from outer life into that school of mysteries of which I have spoken—what had to be taken into account in his training—was this: What blood, what temperament in the blood, what talent rooted in the blood lived within him? And this natural disposition was brought to development until what could arise from it came to light in the knowledge of the individual in question.

[ 11 ] Wer die Entwicklungsgeschichte der Menschheit wirklich kennt, wer sich nicht hält - ich darf dieses Wort noch einmal gebrauchen - an das Fable-convenue-hafte, was man heute Geschichte nennt, sondern an die wirkliche Entwicklungsgeschichte der Menschheit, der wird finden, daß dieses Gebundensein des menschlichen Seelen- und Geisteslebens an den Blutbestand, an die Bluttatsachen, radikal aufhört um die Mitte des 15. Jahrhunderts für den Umkreis der abendländischen zivilisierten Welt. Da beginnt etwas tonangebend zu werden, was in der Entwicklung der Menschen niemals an das Blut gebunden sein kann. Es ist sehr interessant, zu sehen, wenn man alles, was sich künstlerisch entwickelt hat seit dem 15. Jahrhundert, in der modernen Menschheit betrachtet; wie alles das hervorgeht aus Quellen des menschlichen Seelenlebens, die nichts mehr zu tun haben mit jenem Naturhaften, elementatischen Gefärbten selbst der größten geistigen Leistungen der früheren Zeiten. Man mag das in vielen Kreisen verkennen. Wer richtig verstehen will, was in Äschylos lebt, was in einem alten griechischen Philosophen wie Heraklit oder Anaxagoras lebt, wer begreifen will, was in jenen alten Kulturen gelebt hat, muß sich klar sein, daß darin etwas lebt, was an das Bluthafte gewisser Rassen gebunden ist. Der Grieche war sich dessen noch bewußt, daß all sein geistiges Wesen gebunden war an das, was sein Blut als seelische Blüte hervorbrachte. Das kann man sich beweisen, wenn man etwas sinnvoll die griechischen Kunstwerke verfolgt, zum Beispiel die typischen plastischen Gestalten. Wenn man versucht, daraufzukommen, was in diesen Typen liegt, dann findet man, daß drei Typen in dem Umkreis der griechischen Plastik leben: zunächst der Satyr-Typus, dann der Merkut-Typus, der insbesondere in allen Merkurköpfen auftritt, dann aber der Typus, den wir finden bei Zeus, bei Hera, bei Athene, bei Apollo. Man vergleiche einmal sorgfältig die Nasengestaltung, die Ohrengestaltung, alles einzelne an diesen drei Typen, dann wird man wie selbstverständlich daraufkommen, wie der Grieche in dem Satyr-Typus und in dem Merkur-Typus etwas darstellen wollte, was untergeordnete Menschheit ist, innerhalb welcher sich als die blutsübergeordnete Menschheit jenes Ariertum ausgebreitet hat, dem der Grieche sein Abbild gab in dem Zeuskopf. Man möchte sagen: Es ist darin das Bewußtsein ausgedrückt, wie der Grieche seine Geistigkeit an das bluthaft Elementarische in der Menschheitsentwicklung gebunden fühlte. Das versprüht allmählich und hört auf, für die Menschheit eine Bedeutung zu haben, in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Seit jener Zeit lebt in dem, was im äußeren normalen Leben an Geistigkeit hervorgebracht wird, das intellektuelle Element, das Vorstellungselement, so daß alles, was da in der Seele aufgeht, was seelischer Artist, nichts mehr zu tun hat mit dem, was im Blute wallt, was das Blut hervorbringt. Das müssen heute selbst philosophische Triviallinge zugeben, daß dasjenige, was in den Vorstellungen intellektualistischer Art lebt, nicht an Leibliches, am wenigsten an das Blut gebunden ist, jedenfalls auch nichts zu tun hat mit dem, was in der alten Geistigkeit eine so große Rolle spielte: mit der Vererbung, mit der Tatsache der Blutsverwandtschaft innerhalb der Vererbung.

[ 11 ] Anyone who truly understands the history of human development—anyone who does not cling —I may use this word once more—to the “fable-convenue”-like narrative that is called history today, but rather to the true history of human development, will find that this binding of human soul and spiritual life to bloodline and blood-related facts came to a radical end around the middle of the 15th century within the Western civilized world. From that point on, something begins to set the tone that can never be bound to blood in human development. It is very interesting to observe, when considering everything that has developed artistically since the fifteenth century within modern humanity, how all of this springs from sources of human soul life that no longer have anything to do with that natural, elemental coloring—even in the greatest spiritual achievements of earlier times. This may be misunderstood in many circles. Anyone who wishes to truly understand what lives in Aeschylus, what lives in an ancient Greek philosopher such as Heraclitus or Anaxagoras, anyone who wishes to grasp what lived in those ancient cultures, must be clear that something lives within them that is bound to the blood of certain races. The Greeks were still aware that their entire spiritual being was bound to what their blood brought forth as a spiritual flowering. One can prove this to oneself by studying Greek works of art with insight—for example, the typical sculptural figures. If one tries to discern what lies within these types, one finds that three types exist within the realm of Greek sculpture: first, the satyr type; then the Mercury type, which appears in particular in all depictions of Mercury’s head; and finally, the type found in Zeus, Hera, Athena, and Apollo. If one carefully compares the shape of the nose, the shape of the ears, every individual detail of these three types, and one will naturally come to understand how the Greeks, in the satyr type and the Mercury type, sought to depict what constitutes a subordinate humanity—within which, as the blood-superior humanity, that Aryan essence has spread, to which the Greeks gave their likeness in the head of Zeus. One might say: This expresses the consciousness of how the Greeks felt their spirituality was bound to the blood-based, elemental aspect of human development. This gradually faded and ceased to hold significance for humanity in the middle of the 15th century. Since that time, the intellectual element—the element of imagination—has lived within the spirituality produced in ordinary, external life, so that everything that arises in the soul—everything that is a product of the soul—no longer has anything to do with what surges in the blood or what the blood produces. Even trivial philosophers today must admit that what lives in intellectualistic mental images is not bound to the physical, least of all to the blood, and in any case has nothing to do with what played such a great role in ancient spirituality: with heredity, with the fact of blood kinship within heredity.

[ 12 ] Da kommt seit der Mitte des 15. Jahrhunderts etwas heraus in der Menschheitsentwicklung, das zwar sozusagen ein ganz Dünn-Geistiges, eben bloß Intellektualistisches ist, das aber diese moderne Menschheit zur Unabhängigkeit von allem bloß Naturhaften erzieht, das allerdings diese Menschheit auch zugleich entfernt von all dem, was früher als menschenwesenhaft empfunden worden ist. Und ein Eigentümliches, ich möchte sagen, Tragisches trat ein in dieser Entwicklung der modernen Menschheit. Sie mußte sich erheben zu einem Erleben, das unabhängig ist von dem naturhaft Elementarischen, aber sie konnte mit dem, was sie so in die Seele hereinbekam, nicht mehr sich selbst begreifen. In jener alten Geistigkeit, in jener Geist-Erkenntnis, die noch auf das Blut gebaut war, hatte man mitbekommen mit den innerlichen Erkenntnissen eine Erkenntnis der menschlichen Natur und Wesenheit selbst; jetzt hatte man sich erhoben zu einer abstrakten Geistigkeit, die in der Naturwissenschaft große Triumphe erfahren kann, die aber unmöglich auf das Wesen des Menschen selber eingehen kann, die dem Wesen des Menschen fernbleibt.

[ 12 ] Since the middle of the 15th century, something has emerged in human development that, while it is, so to speak, something quite thin-spirited—merely intellectual—nevertheless educates modern humanity toward independence from everything merely natural; yet this also simultaneously distances humanity from everything that was formerly perceived as truly human. And something peculiar—I would say tragic—occurred in this development of modern humanity. It had to rise to a level of experience independent of the natural and elemental, but it could no longer understand itself through what it had thus taken into its soul. In that ancient spirituality, in that spiritual insight that was still grounded in blood, one had gained, along with inner insights, an understanding of human nature and essence itself; now one had risen to an abstract spirituality that can achieve great triumphs in the natural sciences, but which cannot possibly address the essence of the human being itself, which remains distant from the essence of the human being.

[ 13 ] Das aber hatte eine andere Folge. Wenn wir zurückschauen in jene Entwicklung, die ich charakterisieren durfte als gebunden an das naturhaft Elementarische, und unseren Blick nun nicht auf das Erkenntniswesen wenden, sondern darauf, was an guten oder bösen, an sympathischen oder antipathischen Taten durch die Geschichte geht, so finden wir, daß diese Taten sich an das naturhafte Erkennen, an das naturhafte Geist-Erleben anschließen, der Ausdruck des naturhaften Geist-Erlebens sind: Der Mensch erlebt sich dutch sein Blut, erhebt sich durch sein Blut zur Geistigkeit, erlebt dasjenige, was ihm sein Blut gibt, in mächtigen Bildern, in Imaginationen, die Repräsentationen des erlebten Geistigen sind, und was er in der Seele erlebt, das tritt über in seinen ganzen Menschen. Und der Ausfluß dessen, was pulsiert von seinen Vorstellungen, von seinen empfundenen Vorstellungen, empfundenen Ideen, das werden seine Taten.

[ 13 ] But that had another consequence. If we look back at that development, which I have characterized as bound up with the natural, elemental, and now turn our gaze not toward the being of knowledge, but toward the good or evil, sympathetic or antipathetic deeds that run through history, we find that these deeds are connected to natural cognition, to natural spiritual experience; they are the expression of natural spiritual experience: Human beings experience themselves through their blood, rise to spirituality through their blood, and experience what their blood gives them in powerful images, in imaginations that are representations of the spiritual experienced; and what they experience in the soul flows into their whole being. And the outflow of what pulsates from his mental images—from his felt mental images, his felt ideas—becomes his actions.

[ 14 ] Und heute? Wir sind an einem Kulminationspunkt angekommen. Wir haben drei bis vier Jahrhunderte intellektualistischen Lebens hinter uns, wir schauen uns um in der modernen zivilisierten Welt, wir finden überall eine intensive Entwicklung intellektualistisch forscherischen Lebens, die mannigfaltigsten Ideen, aber alle diese Ideen so, daß sie zu abstrakt, zu lebensfremd sind, um als Impulse in das Tatenleben überzugehen. Wenn man heute, wo die sozialen und sonstigen menschheitlichen Probleme so dringend sind, den allgemeinen Seelenschlaf sieht, in dem sich die Menschen befinden, aus dem heraus sie sich immer und immer nicht gestehen wollen, wie sehr wir auf einer abschüssigen Bahn sind und wie sehr wir nötig haben, tiefere Kräfte aus unserem Seelenleben hervotzuholen, um wiederum die Impulse zu finden, die in die Taten hineingehen können — dann wird man an einen Volksspruch erinnert, der in früheren Jahrhunderten den Deutschen, die man schon dazumal schläfrig gefunden hat, zugerufen wurde: Schlaf, Michel, schlaf, im Garten geht ein Schaf, im Garten geht ein Pfäflelein, das führt dich in den Himmel ein. Schlaf, Michel, schlaf! — Ja, das ist heute vielfach Gesinnung: hinhorchen auf irgendein abstraktes Religiöses, das in keinem Zusammenhang steht mit der unmittelbaren äußeren Wirklichkeit und dem Leben in dieser Wirklichkeit. Wir haben den Zusammenhang verloren zwischen dem äußeren Naturerkennen, das wit nur intellektuell erfassen, und dem, was in unserer Seele lebt und was einbezogen wurde in der alten, blutbegründeten Naturerkenntnis, die Anschauung von der Wesenheit des Menschen.

[ 14 ] And today? We have reached a turning point. We have three to four centuries of intellectualistic life behind us; we look around at the modern civilized world and find everywhere an intense development of intellectualistic, research-oriented life—the most diverse ideas—but all these ideas are so abstract and so detached from real life that they cannot translate into impulses for action. When one sees today—at a time when social and other human problems are so urgent—the general spiritual slumber in which people find themselves, from which they refuse time and again to admit just how far down a slippery slope we are and how desperately we need to draw deeper forces from our spiritual life in order to find once again the impulses that can translate into action — then one is reminded of a folk saying that was addressed in earlier centuries to the Germans, who were already considered sleepy even back then: “Sleep, Michel, sleep; in the garden walks a sheep, in the garden walks a little lamb, that will lead you to heaven.” Sleep, Michel, sleep! — Yes, that is the prevailing attitude today: listening to some abstract religious notion that has no connection to immediate external reality and life within that reality. We have lost the connection between the external understanding of nature—which we can grasp only intellectually—and that which lives in our soul and was incorporated into the ancient, blood-based understanding of nature: the conception of the essence of the human being.

[ 15 ] Ich weiß, wie sehr man heute abgeneigt ist, sich solche Charakteristiken anzuhören, die man als irgend etwas Ausgefallenes betrachtet, als Phantasien, die die Dinge übertreiben wollen. Dennoch muß gesagt werden: Ehe man nicht hört auf das, was aus dieser Ecke kommt, kommt man nicht zu fruchtbaren Ideen über eine Neugestaltung oder einen Neuaufbau, der einem heute so notwendig dünkt, wenn man die Dinge unbefangen beobachtet. Das Geistige und Seelische — nun ja, unsere Schulphilosophen reden ja noch über irgend etwas Seelisches im Verhältnis zu der äußeren Welt; aber jene klare Erfassung des Wesens des Menschen als Leib, Seele und Geist, das lebt schon längst nicht mehr in unserer abendländischen Anschauungsweise. Da kann man eine sehr merkwürdige Tatsache wahrnehmen. Man kann nur zurechtkommen — das habe ich in anderen Vorträgen schon ausgeführt - in der Erkenntnis des Wesens des Menschen, wenn man diesen Menschen zu gliedern vermag in Leib, Seele und Geist. Denn der Leib ist dasjenige, was ihm zwischen Geburt und Tod das Werkzeug für die Geisteskräfte ist, der Geist ist dasjenige, das sich dieses Werkzeuges bedient, und die Seele ist das, was weder Leib noch Geist, sondern was das Verbindende der beiden ist. Ohne diese Dreiheit zu durchschauen, kann man nicht in das Wesen des Menschen eindringen. Aber selbst hervorragende Philosophen sprechen davon: Der Mensch besteht aus Leib und Seele. Sie glauben vorurteilslose Wissenschaft zu betreiben. Ja, vorurteilslose Wissenschaft! Sie wissen nur nicht: Wir sind im intellektualistischen Leben abhängig von der ganzen orientalischen Entwicklung. So sind wit in diesem unserem Hinschauen bloß auf Leib und Seele abhängig von dem 8. allgemeinen Konzil in Konstantinopel 869, auf dem das Dogma aufgestellt worden ist, man habe als Christ nicht zu glauben an Leib, Seele und Geist, sondern nur an Leib und Seele, und habe zu glauben, daß die Seele einige geistige Eigenschaften habe. Das ist von da ab Dogma der katholischen Kirche geworden, das ist Gebot geworden für diejenigen, die äußerlich geforscht haben. Und heute glauben die Menschen, sie hängen einer unbefangenen Forschung nach, die sie aus sich selber herausspinnen, während sie nur der alten Erziehung folgen, die inauguriert worden ist durch das allgemeine Konzil zu Konstantinopel vom Jahre 869, wo der Geist abgeschafft worden ist.

[ 15 ] I know how reluctant people are today to listen to such characterizations, which they regard as something outlandish, as fantasies intended to exaggerate things. Nevertheless, it must be said: Unless one listens to what comes from this corner, one will not arrive at fruitful ideas about a reorganization or a rebuilding—which seems so necessary today when one observes things impartially. The spiritual and the soul—well, our school philosophers still speak of something “soul-like” in relation to the external world; but that clear grasp of the essence of the human being as body, soul, and spirit has long since ceased to exist in our Western worldview. Here one can perceive a very remarkable fact. One can only come to terms—as I have already explained in other lectures—with the essence of the human being if one is able to divide this human being into body, soul, and spirit. For the body is what serves as the instrument for the spiritual powers between birth and death; the spirit is what makes use of this instrument; and the soul is that which is neither body nor spirit, but rather the link between the two. Without understanding this trinity, one cannot penetrate the essence of the human being. But even outstanding philosophers speak of this: Human beings consist of body and soul. They believe they are practicing unbiased science. Yes, unbiased science! They simply do not realize that, in our intellectual life, we are dependent on the entire Eastern tradition. Thus, in our focus solely on body and soul, we are dependent on the Eighth Ecumenical Council of Constantinople in 869, at which the dogma was established that, as Christians, one need not believe in body, soul, and spirit, but only in body and soul, and must believe that the soul possesses certain spiritual qualities. From that point on, this became the dogma of the Catholic Church; it became a commandment for those who engaged in external research. And today, people believe they are pursuing unbiased research that they devise on their own, while in fact they are merely following the old tradition established by the General Council of Constantinople in 869, where the spirit was abolished.

[ 16 ] Das alles hat mitgewirkt dazu, daß unser Geistesleben ein so abstraktes, ein so intellektualistisches geworden ist, daß nicht mehr darinnen ist — aber die Menschheit unterliegt eben einer Entwicklung, und es kann nicht mehr darin sein —, was den Willen impulsierend im alten Geistesleben gelebt hat. Und eine Zeit müßte kommen, in der der Mensch in bezug auf seine Taten vollständig gelähmt erscheinen würde, wenn wir innerhalb unseres abendländischen Geisteslebens nur den Materialismus behielten. Fühlen muß man aus dem Gange der abendländischen Geistesentwicklung, daß eine Neubefruchtung dieser Geistentwicklung notwendig ist; daß wir das, was wir als altes Bluthaftes verloren haben, von einer andern Seite her wiedergewinnen müssen. Es war recht, daß die Menschheit dutch drei bis vier Jahrhunderte eine vom Blut unabhängige intellektualistische Entwicklung durchgemacht hat. Dadurch erzog sie sich zur Freiheit, zu einer gewissen Emanzipation von dem bloß Naturhaften. Aber was wir da entwickelt haben an Intellektualismus, es muß wiederum imprägniert werden, es muß in unserem Wesen wiederum erfüllt werden von einem solchen Erkennen, das in die Taten des Menschen hineinfließen kann, das den Menschen willensgemäß durchseelen und durchgeistigen kann. Eine solche GeistErkenntnis, eine moderne Geist-Erkenntnis, die nichts zu tun haben will mit einer Erneuerung der alten orientalischen Geist-Erkenntnis, strebt die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft an. Und in diesem Sinne möchte sie jetzt nicht nur für Pflanzen- und Tierformen, sondern namentlich für den Menschen jene Intimität mit allem, was im Universum lebt, erreichen, wodurch man sagen kann: Die Kräfte, die draußen leben, gehen in unser Wesen ein, sie erwachen in unserem Wesen selber, und indem wir erkennen, leben in uns die Wachstumskräfte der Natur und der geistigen Welt, vor allen Dingen unsere eigenen menschlichen Wachstumskräfte. Wenn wir also unser intellektualistisches Leben imprägnieren mit den Erfahrungen des Geistes, dann stehen wir in der modernen Zivilisation wiederum so darin, daß jetzt nicht ein Bluthaftes, sondern ein im freien Geistigen Geschautes in uns lebt, das wiederum begeisternd und erkraftend auf unser Tatenleben wirken kann.

[ 16 ] All of this has contributed to our spiritual life becoming so abstract, so intellectualistic, that it no longer contains—but humanity is, after all, undergoing a process of development, and it can no longer contain—what once lived in the old spiritual life, impelling the will. And a time would have to come when human beings would appear completely paralyzed in regard to their actions if we were to retain only materialism within our Western spiritual life. One must sense, from the course of Western spiritual development, that a renewal of this spiritual development is necessary; that we must regain from another source what we have lost of the old, blood-bound elements. It was right that humanity underwent an intellectualistic development, independent of the blood, over the course of three to four centuries. Through this, humanity cultivated freedom—a certain emancipation from the merely natural. But the intellectualism we have developed must once again be imbued; it must once again be filled within our being with a kind of knowledge that can flow into human actions, that can permeate and spiritualize the human being through the will. Anthroposophically oriented Spiritual Science strives for such spiritual knowledge—a modern spiritual knowledge that has no desire to be associated with a revival of the ancient Eastern spiritual knowledge. And in this sense, it now seeks to achieve—not only for plant and animal forms, but especially for human beings—that intimacy with all that lives in the universe, through which one can say: The forces that live outside enter into our being; they awaken within our being itself; and as we recognize this, the forces of growth from nature and the spiritual world live within us—above all, our own human forces of growth. So if we imbue our intellectual life with the experiences of the spirit, then we find ourselves in modern civilization in such a way that what lives within us is no longer something bound to the blood, but rather something perceived in the free spiritual realm—which in turn can have an inspiring and invigorating effect on our active life.

[ 17 ] Es ist schon so, daß das menschliche Willens- und Tatenleben erlahmen müßte, wenn es nicht den Einschlag bekäme von dem, was im Geiste erschaut werden kann. Es ist billig, wenn man heute zum Beispiel sagt: Ja, aber die Erkenntnisse dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft werden doch im inneren abgezogenen, beschaulichen Leben gewonnen! Gewiß, sie werden im innerlichen beschaulichen abgezogenen Leben gewonnen, wie ja schließlich die chemische Erkenntnis auch, abgeschlossen von der Anwendung der chemischen Errungenschaften in der praktischen Welt, in abgesonderten Laboratorien und Studierzimmern gewonnen wird. Gewonnen werden muß das, was uns Aufschluß über das Wesen des Menschen geben kann, was heute den Inhalt einer wirklichen Geist-Erkenntnis bilden kann, indem wiederum - aber in ganz anderer Art als in den alten Mysterien — der Mensch sich umwandelt und dazu gelangt, eine geistige Anschauung zu gewinnen, wie er hier in der Sinnenwelt durch seine Sinnesorgane eine Sinnesanschauung und durch seinen Verstand eine intellektualistische Anschauung hat. Diese Bescheidenheit, von der ich im vorletzten Vortrag hier gesprochen habe, diese intellektuelle Bescheidenheit muß man entwickeln, daß man sich sagt: Wie sich das fünfjährige Kind erst erziehen lassen muß, um lesen zu lernen, so muß der Mensch, der im äußeren Leben steht, sich erst umwandeln, um an die wirklichen Geheimnisse der Natur- und Geisteswelt heranzukommen. Und mit Entsagung, mit freiwillig getragenem Schmerz ist verknüpft, was wirkliche Erkenntnis über die menschliche Wesenheit ergibt. Das können Sie schon aus der Tatsache ablesen, daß es nötig wird, daß der wirklich Erkennende, der in die geistige Welt vordringende Mensch nicht mehr die Welt so anschaut wie mit sonstigen Augen, nicht mehr so hört, wie man sonst hört, nicht mehr so denkt, wie man sonst denkt, sondern daß er in einem unabhängigen geistigen Organismus die Welt anschauen muß. Aber man ist zwischen Geburt und Tod nicht angepaßt an diese Welt, in die man da eintritt; man tritt in eine Welt ein, der man fremd gegenübersteht. Dieses Nicht-Angepaßtsein, dieses Hineingestelltsein ist eine Welt, der man, insoferne man sich seines Leibes bedient, nicht angehört, das ist etwas, was mit einem geistig-seelischen Schmerz charakterisiert werden muß, der natürlich nur durch Erfahrung erkannt werden kann. Durch solche und ähnliche Dinge, die gewiß abgezogen von den äußeren Stürmen und Fluten des Lebens liegen, muß man hineindringen in die geistige Welt. Aber man verleumdet, was dutch die hier gemeinte Geisteswissenschaft gewonnen wird, wenn man sagt: Das ist eine weltfremde Mystik; wenn man sagt: Das ist etwas Lebensfremdes oder Lebensfeindliches. Nein, was so, allerdings abseits vom Leben, im geistigen Forschen gewonnen wird, das ist etwas, was, wenn es vor die Menschheit hingestellt wird, ein Wissen, eine Erkenntnis ist, was begriffen werden kann durch den gesunden Menschenverstand, dann aber den Menschen so impulsiert, daß es Träger seines Willens-, seines Tatenlebens werden kann.

[ 17 ] It is certainly true that human life of will and action would lose its vigor if it were not influenced by what can be perceived in the spirit. It is reasonable to say today, for example: “Yes, but the insights of this anthroposophically oriented Spiritual Science are, after all, gained in an inner, contemplative, secluded life!” Certainly, they are gained in an inner, contemplative, secluded life, just as, after all, chemical knowledge is also gained—separate from the application of chemical achievements in the practical world—in isolated laboratories and study rooms. What must be gained is that which can provide us with insight into the nature of the human being—that which today can constitute the content of true spiritual knowledge—by means of which, once again—but in a completely different way than in the ancient mysteries — the human being transforms himself and comes to gain a spiritual perception, just as he has, here in the sensory world, a sensory perception through his sense organs and an intellectual perception through his intellect. This humility, of which I spoke here in the penultimate lecture, this intellectual humility, must be developed so that one says to oneself: Just as a five-year-old child must first be educated to learn to read, so must the human being living in the outer world first transform himself in order to approach the true mysteries of the natural and spiritual worlds. And what yields true knowledge of the human being is linked to self-denial and voluntarily borne suffering. You can already see this from the fact that it becomes necessary for the truly knowing person—the person who penetrates into the spiritual world—no longer to view the world as one would with ordinary eyes, no longer to hear as one normally hears, no longer to think as one normally thinks, but rather to view the world through an independent spiritual organism. But between birth and death, one is not adapted to this world into which one enters; one enters a world that is alien to oneself. This lack of adaptation, this sense of being placed within it, is a world to which one does not belong insofar as one makes use of one’s body; it is something that must be characterized by a spiritual and psychological pain, which, of course, can only be recognized through experience. Through such and similar things—which certainly lie apart from the outer storms and tides of life—one must penetrate into the spiritual world. But one slanders what is gained through the Spiritual Science referred to here when one says: “This is an otherworldly mysticism”; when one says: “This is something alien to life or hostile to life.” No, what is gained in this way—admittedly apart from life—through spiritual research is something that, when presented to humanity, constitutes knowledge and insight that can be grasped by sound common sense, but which then impels people in such a way that it can become the driving force behind their will and their active life.

[ 18 ] Nach welcher Erkenntnis strebt anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, indem sie einen umfassenden Goetheanismus entwickeln will? Sie strebt nach einer Geist-Erkenntnis, welche die Grundlage für ein kräftiges Willens- und Tatenleben sein kann. Nicht anders kann unserer Welt geholfen werden, als dadurch, daß in unser Willens- und Tatenleben einzieht, was aus dem Geist heraus erschaut werden kann. Die intellektualistische Erkenntnis und ihre Anwendung, die Naturerkenntnis, ist etwas Beschauliches, sie ist etwas, was höchstens in die Technik, in das Außermenschliche übergehen kann. Was aber aus dem Geiste heraus geschaut wird, das wird ein Impuls werden, das soziale Leben, dieses so schwierig werdende soziale Leben wirklich heilsamen Wegen entgegenzulenken.

[ 18 ] What kind of insight does anthroposophically oriented Spiritual Science strive for in its effort to develop a comprehensive Goetheanism? It strives for an insight into the spirit that can serve as the foundation for a vigorous life of will and action. Our world can be helped in no other way than by allowing what can be perceived from the spirit to enter into our life of will and action. Intellectualistic knowledge and its application—the knowledge of nature—is a contemplative endeavor; it is something that, at most, can spill over into technology, into the non-human realm. But what is perceived from the spirit will become an impulse to steer social life—this social life that is becoming so difficult—toward truly healing paths.

[ 19 ] Man könnte schon ein wenig mit sich zu Rate gehen und prüfen, ob solche hier charakterisierten Ansprüche der Geisteswissenschaft nicht doch berücksichtigt werden sollten, wenn man sieht, wie unendliches Leid der Menschheit dadurch hervorgerufen wird, daß heute im sozialen Leben so viel gepfuscht wird, daß in das soziale Leben hineingetragen werden Leninismen und Trotzkismen und ähnliches, die nichts anderes sind als jenes intellektualistische Gift, das durch vier Jahrhunderte allerdings zur Befreiung der Menschheit herangezogen werden mußte, aber nur so lange herangezogen werden konnte, als die alte soziale Form noch nicht von ihm ergriffen wurde. In dem Augenblicke, wo sie ergriffen wird, da muß sich die giftige Wirkung des bloßen Intellektualismus im sozialen Leben zeigen. Sie beginnt sich in furchtbaren Erscheinungen zu zeigen, und sie wird sich immer mehr und mehr zeigen. Es ist eine schreckliche Illusion, wenn die Menschen glauben, auf diesem Gebiete nicht erst im Anfange zu stehen, sondern in einem Punkte, wo man ruhig zuschauen kann. Nein, wir stehen im Anfange, und Heilung kann nur kommen, wenn sie vom Geiste aus kommt. Geist-Erkenntnis muß Grundlage werden. Statt allerlei, manchmal gutgemeinte Deklamationen loszulassen zum Beispiel über die Art und Weise, wie diese Geisteswissenschaft nichts in der Religion zu suchen habe, wäre es besser, wenn man den Erscheinungen des Lebens unbefangen ins Auge sehen würde.

[ 19 ] One might do well to reflect a little and consider whether the claims of Spiritual Science, as characterized here, should not after all be taken into account, given the infinite suffering they cause humanity, that social life today is so badly mishandled, that Leninism, Trotskyism, and the like are being introduced into it—ideologies that are nothing other than that intellectualist poison which, for four centuries, had to be employed for the liberation of humanity, but could only be employed as long as the old social form had not yet been overtaken by it. The moment it is overtaken, the toxic effect of mere intellectualism in social life must become apparent. It begins to manifest itself in terrible phenomena, and it will become increasingly evident. It is a terrible illusion for people to believe that in this area they are not merely at the beginning, but at a point where one can calmly stand by and watch. No, we are at the very beginning, and healing can come only if it springs from the Spirit. Spiritual insight must become the foundation. Instead of uttering all sorts of—sometimes well-meaning—declarations, for example, about how the Spiritual Science has no place in religion, it would be better to look the phenomena of life squarely in the face.

[ 20 ] So wurde mir berichtet, daß hier in Stuttgart ein Vortrag über anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gehalten wurde, in dem gesagt wurde: Es mag ja allerlei durch hellseherische Kräfte zutage gefördert werden, von denen die Geisteswissenschaft spricht; allein das hat nichts zu tun mit der einfachen Kindlichkeit, die in der Religion, im religiösen Auffassen auch des Christentums, wirksam sein soll. So kann man deklamieren, so kann man glauben, reden zu dürfen, wenn man von allen Geistern geschichtlicher Betrachtungsweise, von allen Geistern verlassen ist, die erklären, wie die Entwicklung der Menschheit ist. Ist man nicht von ihnen verlassen, so verkündet der Geist der Entwicklung der Menschheit laut und deutlich, daß jenes abstrakte Reden von einem abstrakten Sich-Vereinheitlichen von irgend etwas im Menschen, das man auch nicht definieren kann, mit einem undefinierbaren Wort, oder Christus, daß dieses Sich-Enthusiasmieren für ein kindliches Element uns in die soziale Misere hineingeführt hat, in der wir uns befinden. Zuerst wurde das seelische und geistige Element von den Bekenntnissen monopolisiert. Dadurch entstand eine Naturwissenschaft, in der kein Geist ist, die geistlos das Bild der Natur darstellt. Und indem man zugibt, durch Geisteswissenschaft könne allerlei Geistig-Tatsächliches der Menschheit geoffenbart werden, verlangt man jetzt, man solle sich bekennen, daß in diesem Geistig-Tatsächlichen nichts lebt von dem, was der Mensch als sein Göttliches suchen solle. Ja, der Materialismus der Naturwissenschaft hat es glücklich dahin gebracht, die Natur zu entgeistigen. Diese Religiosität wird es immer mehr und mehr dazu bringen, den Geist zu entgöttlichen. Und dann werden wir eine entgeistigte Natur, einen entgöttlichten Geist und eine inhaltlose Religion haben. Diese inhaltlose Religion, sie wird nicht irgendwelche Taten impulsieren. Geist-Erkenntnis muß Taten bringen, sonst stehen unsere sittlichen Impulse für unser abendländisches Geistesleben eigentlich in der Luft. Unsere sittlichen Impulse, sie streben aus unserem Inneren heraus in einer ganz anderen Art als die intellektualistischen Erkenntnisse. Wer unbefangen auf sich selbst zu schauen vermag, der weiß, daß die intellektuell gefaßten, zum Beispiel naturwissenschaftlichen Erkenntnisse im seelischen Leben etwas ganz anderes sind als jene Impulse, die als die sittlichen Antriebe, als die sittlichen Intuitionen uns innerlich aufgehen und von uns verlangen, daß wir sie ins Leben einführen. Aber dieses moderne Geistesleben hat durch seinen Intellektualismus keine Brücke zwischen seiner Naturerkenntnis und seinem sittlichen Leben. Was ist zum Schluß die sittliche Weltanschauung geworden? Wenn wir absehen von einer heute mehr oder weniger inhaltlos gewordenen religiösen Anschauung, wenn wir hinsehen auf jene ehrlichen Leute, die sich aus der Naturwissenschaft eine Weltanschauung zimmern, die ganz gewiß höchst einseitig, aber doch ehrlich ist, so müssen wir sagen: Sie stellen sich vor, da ist einmal aus einem Kant-Laplaceschen Weltennebel irgendein Zusammenhang von Wirbelerscheinungen entstanden, und da ist nach und nach entstanden, was wir heute unsere Welt mit den Naturwesen und den Menschen nennen. Aber in dem Menschen treten sittliche Ideale, sittliche Intuitionen auf. Glaubt man nur an den Naturzusammenhang, dann sind diese sittlichen Ideale, diese sittlichen Intuitionen lediglich das, was herausdampft, was nur so lange Gültigkeit hat, als Menschen sich es sagen. Es leben nur noch viele alte Instinkte aus derjenigen menschlichen Entwicklung fort, die eigentlich schon im 15. Jahrhundert ihr Ende gefunden hat. Würden diese Instinkte nicht fortleben, werden sie einmal ausgerottet sein und würde nichts anderes eintreten in das menschliche Geistesleben, dann müßte man sich lediglich auf das äußere Dokumentieren dessen, was wir sittliche Ideale nennen, verlegen. Und statt daß man sich innerlich verpflichtet fühlt seinen sittlichen Idealen, daß man sich dem Geistesleben gegenüber, das alles physische Leben überragt, verpflichtet fühlt für seine sittlichen Ideale, statt dessen könnte höchstens auftreten, daß man es ehrenhaft findet, wenn einen die anderen Menschen für einen sittlichen Menschen halten, daß man es für opportun findet, nicht gegen das gesetzlich Festgestellte im Staate zu verstoßen. Kurz, jenes Durchglühtsein von einem beseelten Geistigen müßte, wenn unsere Intellektualität bliebe, aus dem menschlichen Sittenleben auch verschwinden. Denn eine Realität kann unserem Sittenleben nur gegeben werden, wenn wiederum Geistanschauung imprägniert und durchdringt alles das, was wir uns durch drei bis vier Jahrhunderte erworben haben. Durchaus soll nicht in reaktionärer Weise kritisiert werden, sondern es sollen nur die Notwendigkeiten betont werden. Aber was zeigt uns diese Geistesschau, was ist das Sittliche unserer Geistesschau? Diese Geistesschau erkennt die äußere Natur, sie sieht in ihr schon in anfänglichem Sinne das, was vernünftige Geologen - ich will vergleichsweise sprechen - für die geologische Erdenbildung annehmen. Solche Geologen sagen: Ein großer Teil unserer geologischen Erdenentwicklung ist bereits in absteigender Strömung begriffen. Für viele Gegenden der Erde gehen wir über erstorbenes Dasein, wenn wir über die Scholle gehen. Solches erstorbene Dasein ist aber viel universeller vorhanden als bloß im Geologischen, es erfüllt auch unser Kulturleben, und wir haben in der neueren Zeit eine nur auf das Tote, Unlebendige gerichtete Naturwissenschaft bekommen, weil wir allmählich in unserer Kultur umgeben sind von dem Absterbenden. Man lernt das Absterbende kennen, das, was aus uralten Zeiten der Entwicklung herrührt und was in der Erdenentwicklung seine letzte Phase erreicht. Dann kann man aber das, was da seine letzte Phase erreicht, mit dem vergleichen, was in uns aufblüht als unsere sittlichen Ideale und Intuitionen. Was sind diese sittlichen Ideale und Intuitionen? Diese sittlichen Ideale und Intuitionen, wenn sie in uns entstehen, sie enthüllen sich dem, was hier anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft genannt wird, so, daß man in ihnen etwas sieht, was man vergleichen könnte mit dem Keim für die nächste Pflanze, der in einer Pflanzenblüte enthalten ist, während das, was an der Blüte abstirbt, die Erbschaft von der früheren Pflanze ist. Wir sehen aufsprießen unser sittliches Leben in unserem Innern. Indem wir das Naturhafte erleben, erleben wir, was von alten Zeiten zu der Erde herüber sich entwickelt; indem wir die sittlichen Ideale aufblühen fühlen, erleben wir, was, wenn einstmals die Erde wie eine Schlacke als Leichnam abgeworfen wird, mit den Menschenseelen so hinausziehen wird in ein kosmisches, unsterbliches Leben, wie der einzelne Mensch, wenn er seinen Leichnam abwirft, in das geistig-seelische Dasein eindringt. So sehen wir die in uns aufsprießenden Keime künftiger Erden-Metamorphosen, indem wir unser sittliches Leben entfalten.

[ 20 ] I was told, for example, that a lecture on anthroposophically oriented Spiritual Science was given here in Stuttgart, in which it was said: All sorts of things may indeed be brought to light through clairvoyant powers, as Spiritual Science discusses; but that has nothing to do with the simple childlike quality that is supposed to be at work in religion, in the religious understanding of Christianity as well. One can declaim in this way; one can believe one is permitted to speak this way when one is forsaken by all the spirits of historical perspective, by all the spirits that explain the course of human development. If one has not been abandoned by them, then the spirit of human development proclaims loud and clear that this abstract talk of an abstract unification of something within the human being—which cannot even be defined—using an indefinable word, or “Christ”—that this enthusiasm for a childlike element has led us into the social misery in which we now find ourselves. First, the psychological and spiritual elements were monopolized by the creeds. This gave rise to a natural science devoid of spirit, which depicts nature in a spiritless manner. And by admitting that all manner of spiritual realities can be revealed to humanity through Spiritual Science, people now demand that we acknowledge that nothing in these spiritual realities is alive—nothing of what human beings should seek as their divine essence. Indeed, the materialism of natural science has successfully managed to de-spiritualize nature. This form of religiosity will increasingly lead to the de-divinization of the spirit. And then we will have a de-spiritualized nature, a de-divinized spirit, and a religion devoid of substance. This religion devoid of substance will not inspire any actions whatsoever. Spiritual insight must lead to action; otherwise, our moral impulses—which are central to our Western spiritual life—are essentially left hanging in the air. Our moral impulses spring from within us in a manner entirely different from intellectual insights. Anyone who is able to look at themselves impartially knows that intellectually grasped insights—such as those in the natural sciences—are, in the life of the soul, something entirely different from those impulses that arise within us as moral drives and moral intuitions, demanding that we bring them to life. But this modern spiritual life, through its intellectualism, has no bridge between its knowledge of nature and its moral life. What, in the end, has become of the moral worldview? If we set aside a religious worldview that has today become more or less devoid of substance, and if we look at those honest people who construct a worldview out of natural science—one that is certainly highly one-sided, yet honest—then we must say: They form the mental image that, at some point, some kind of interconnection of vortex phenomena arose from a Kant-Laplacean cosmic nebula, and that, little by little, what we today call our world—with its natural beings and human beings—came into being. But moral ideals and moral intuitions arise within human beings. If one believes only in the natural order, then these moral ideals, these moral intuitions, are merely what evaporates—what remains valid only as long as people tell each other about them. Many old instincts from that phase of human development—which actually came to an end as early as the 15th century—still persist. If these instincts were not to persist, if they were eventually to be eradicated and nothing else were to enter into human spiritual life, then one would have to rely solely on the external documentation of what we call moral ideals. And instead of feeling an inner commitment to one’s moral ideals—instead of feeling a commitment to one’s moral ideals in relation to the spiritual life that transcends all physical life—the most that might occur is that one might find it honorable when others regard one as a moral person, or that one might find it expedient not to violate the laws established by the state. In short, that fervor inspired by a living spiritual force would, if our intellectualism were to remain, also vanish from human moral life. For our moral life can only be given reality if, once again, spiritual insight permeates and impregnates everything we have acquired over the course of three to four centuries. This is by no means meant to be a reactionary critique, but merely to emphasize what is necessary. But what does this spiritual vision reveal to us? What is the moral dimension of our spiritual vision? This spiritual vision perceives external nature; it already discerns in it, in a rudimentary sense, what rational geologists—to speak by way of comparison—assume regarding the geological formation of the Earth. Such geologists say: A large part of our geological evolution is already in a state of decline. In many regions of the Earth, when we walk across the soil, we are walking over a form of existence that has already died. Such a dead existence, however, is present on a much more universal scale than merely in the geological realm; it also pervades our cultural life, and in recent times we have developed a natural science directed solely toward the dead and the inanimate, because we are gradually becoming surrounded by what is dying in our culture. We come to know what is dying—that which stems from ancient times of evolution and is now reaching its final phase in the Earth’s development. But then we can compare what is reaching its final phase with what blossoms within us as our moral ideals and intuitions. What are these moral ideals and intuitions? These moral ideals and intuitions, when they arise within us, reveal themselves to what is here called anthroposophically oriented Spiritual Science in such a way that one sees in them something that could be compared to the seed for the next plant contained within a flower, while what dies in the flower is the legacy of the previous plant. We see our moral life sprouting within us. As we experience the natural, we experience what has developed and come down to Earth from ancient times; as we feel the moral ideals blossom, we experience what, when the Earth is one day cast off like dross—as a corpse—will go forth with the human souls into a cosmic, immortal life, just as the individual human being, when he sheds his physical body, enters into spiritual-soul existence. Thus, as we unfold our moral life, we see the seeds of future earthly metamorphoses sprouting within us.

[ 21 ] Denken Sie, wenn man eine solche Idee, die gewiß der heutigen Menschheit noch phantastisch vorkommen mag, in ihrem vollen Ernste und in ihrer ganzen Tiefe zu nehmen vermag, was dann wird unter einem solchen Begriff wie sittliche Verantwortlichkeit! Da sagt man sich: Was bist du, Mensch? Du bist ein Ergebnis der Vergangenheit und der ganzen Erdenentwicklung. Als solches gehst du den niedergehenden Weg. Dein Sittliches lebt in dir auf, das ist Keim der Zukunft, jetzt noch ein scheinbar Unreales, so daß wir es für etwas bloß Abstraktes halten; aber es ist der erste Anfang einer künftigen reichen Realität. Und man müßte sich doch sagen: Übst du nicht dieses Sittliche, verbindest du dich nicht mit ihm, so sündigst du nicht bloß gegenüber deinem Mitmenschen, diesem gegenüber selbstverständlich auch, du sündigst gegenüber allen geistigen Welten. Denn sie haben in dich den Keim gelegt, durch deine Sittlichkeit in die Zukunft der Welt hinüberzuwachsen. Bist du unsittlich, schließt du dich aus von der Zukunft der Menschheit. Zu der Kraft, die für den Willen und das Tatenleben aus der Geist-Erkenntnis kommt, kann noch zum Sittenleben solcher Ernst einer, ich möchte sagen, kosmisch, universell orientierten menschlichen Verantwortlichkeit treten. Wir können fühlen: Im alten Griechenland war der Horizont des Gebildeten eingeschränkt. Man war Landesbürger. Es kamen die neueren Zeiten. Amerika wurde entdeckt, die Kugeigestalt der Erde wurde durch unmittelbares Umwandern der Erde, durch Erfahrung neu gefunden. Der Mensch wurde Erdenbürger. Wiederum sind wir eine Etappe weiter. Die Menschheit ist durch das Landesbürgertum, durch das Erdenbürgertum hindurchgegangen. Heute ergeht an sie der Ruf, Weltenbürger im wahren Sinne des Wortes zu werden, das heißt, sich zu fühlen als ein Bürger jener Welten, die außerhalb unserer Erde sind, die aber mit dieser als zu einem Ganzen zusammengehören, Bürger auch jener Zukunftswelten, auf die ich hingedeutet habe.

[ 21 ] Consider this: if one were able to take such an idea—which certainly may still seem fantastical to humanity today—in all its seriousness and depth, what would then become of a concept such as moral responsibility! One would ask oneself: What are you, human being? You are the result of the past and of the entire evolution of the Earth. As such, you are on a path of decline. Your moral nature is awakening within you; this is the seed of the future—still seemingly unreal, so that we regard it as something merely abstract—but it is the very beginning of a future rich reality. And one must surely say to oneself: If you do not practice this moral life, if you do not connect with it, then you sin not only against your fellow human beings—against them, of course—but you sin against all spiritual worlds. For they have planted within you the seed to grow, through your moral life, into the future of the world. If you are immoral, you exclude yourself from the future of humanity. To the strength that flows from spiritual knowledge for the will and the life of action, such a seriousness—I would say, a cosmically and universally oriented human responsibility—can be added to the moral life. We can sense this: In ancient Greece, the horizon of the educated person was limited. One was a citizen of one’s country. Then came the modern era. America was discovered; the spherical shape of the Earth was rediscovered through direct travel around the globe, through experience. Human beings became citizens of the Earth. Now we have advanced yet another stage. Humanity has passed through the stages of being a citizen of a nation and a citizen of the Earth. Today, the call goes out to humanity to become citizens of the world in the true sense of the word—that is, to feel themselves as citizens of those worlds that lie beyond our Earth but belong together with it as a whole, and also as citizens of those future worlds to which I have alluded.

[ 22 ] So kann Sittenanschauung in Geist-Erkenntnis in einer neuen Weise wurzeln. Erst wenn solche Kraft unser sittliches Leben durchziehen wird, werden wir in der Lage sein, die Sittenlehre umzugestalten zu einer sozial wirksamen Lebensanschauung.

[ 22 ] In this way, moral perspective can take root in spiritual insight in a new way. Only when such a force permeates our moral life will we be able to transform moral teaching into a socially effective philosophy of life.

[ 23 ] Solche Wege, wie sie hier angedeutet worden sind, sie wurden versucht in so etwas, wie es die Dreigliederung des sozialen Organismus, in so etwas, wie es mein Buch «Die Kernpunkte der sozialen Frage» darstellt. Das halten ja viele für Abstraktionen, für Utopien, und ist doch das Allerrealste, weil es in jener Neu-Erfassung der Wirklichkeit ruht, die von keiner Naturwissenschaft erreicht werden kann, da diese zu sehr angekränkelt ist vom intellektualistischen Leben. Dieses intellektualistische Leben hat allmählich den Menschen gar sehr auf sich selbst zurückgewiesen. Man kann heute merkwürdige Proben bekommen, wie der Mensch dadurch, daß er aus seiner äußeren Naturkenntnis her“ aus nicht mehr den Menschen selber begreift, egoistisch geworden ist. Der Egoismus ist zu gleicher Zeit mit dem Intellektualismus in den drei bis vier letzten Jahrhunderten in alles äußere und innere Menschenleben eingezogen, vor allen Dingen - auch das muß unbefangen angesehen werden — hat dieser Intellektualismus, dieser Egoismus auch das religiöse Leben erfaßt. Heute kann nur — und das hat die menschliche Erziehung durch Jahrhunderte leider vorbereitet - von einem gewissen egoistischen Standpunkt aus über die Unsterblichkeit der menschlichen Seele gesprochen werden. Die Menschen beben heute davor zurück, daß etwa — wie es selbstverständlich nicht ist, wie es aber doch möglich wäre — das Aufhören ihres geistig-seelischen Wesens eintreten könnte, wenn der Leichnam der Erde übergeben wird. Das widerspricht dem, was von dem Naturhaften als ein deutliches Letztes übriggeblieben ist; das widerspricht einem deutlichen egoistischen. Trieb. Man frönt diesem egoistischen Trieb, wenn man nur, wie es auch wieder unter dem Zwang der Dogmen geschieht, von der Fortdauer des menschlichen Seelenlebens nach dem Tode spricht, die ja selbstverständlich gerade durch Geisteswissenschaft voll begründet wird; wenn man aber nicht davon spricht, daß unser Geistig-Seelisches vor unserer Geburt beziehungsweise Empfängnis in einer geistigen Welt war. Bevor wir heruntersteigen in die physische Leiblichkeit und jene Umhüllung annehmen, die uns durch die Vererbung von Vater und Mutter gegeben wird, machen wir in einer geistig-seelischen Welt ebenso eine Entwicklung durch, wie wir dies hier auf der Erde tun. Und genau ebenso wie unser Leben nach dem Tode eine Fortsetzung des Lebens hier auf der Erde ist, ein Ausbau der Erfahrungen hier, so ist das Leben, das wit zwischen Geburt und Tod durchmachen, eine Fortsetzung des Lebens, wie es war vor der Geburt.

[ 23 ] Approaches such as those hinted at here have been attempted in concepts such as the threefold social order and in ideas such as those presented in my book *The Key Points of the Social Question*. Many people regard these as abstractions, as utopias, and yet they are the very essence of reality, because they rest in that new understanding of reality which no natural science can attain, since the latter is too deeply afflicted by intellectualistic thinking. This intellectualistic thinking has gradually caused human beings to withdraw entirely into themselves. Today one can observe striking examples of how human beings have become selfish precisely because they no longer understand humanity itself “based on their external knowledge of nature.” Egoism has, at the same time as intellectualism, crept into all aspects of human life—both external and internal—over the last three or four centuries; above all—and this, too, must be viewed impartially—this intellectualism, this egoism, has also taken hold of religious life. Today, it is only possible—and this has, unfortunately, been brought about by centuries of human education—to speak of the immortality of the human soul from a certain egoistic standpoint. People today recoil at the thought that—as is of course not the case, though it would be possible—the cessation of their spiritual-soul life might occur when the physical body is returned to the earth. This contradicts what remains of the natural as a clear ultimate reality; it contradicts a distinct egoistic impulse. One indulges this egoistic impulse when one speaks—as is again done under the compulsion of dogmas—only of the continuation of human soul life after death, which is, of course, fully substantiated by Spiritual Science; but when one does not speak of the fact that our spiritual-soul being existed in a spiritual world before our birth or conception. Before we descend into physical embodiment and take on that outer shell given to us through inheritance from our father and mother, we undergo a process of development in a spiritual-soul world just as we do here on Earth. And just as our life after death is a continuation of life here on Earth—an expansion of the experiences we have here—so too is the life we undergo between birth and death a continuation of the life we had before birth.

[ 24 ] Das legt zum Beispiel dem Pädagogen seine großen Pflichten auf, wenn er sich der Verantwortlichkeit voll bewußt ist, die auf seiner Seele lastet, indem er dasjenige zu entwickeln hat, was aus ewigen geistigen Höhen in einen Menschenleib herabgestiegen ist und sich durch die äußere Form und Hülle von Jahr zu Jahr immer mehr und mehr ausprägt. Das ist das andere, das man hinzufügen kann zu jener dem Egoismus entgegenkommenden Erkenntnis, die nur Rücksicht nimmt auf die allerdings selbstverständlich feststehende Tatsache der Unsterblichkeit der menschlichen Seele gegenüber dem Tod. Das ist die andere Seite, die insbesondere die Geisteswissenschaft für den neueren Menschen betonen muß: das Leben vor der Geburt oder vor der Empfängnis und die Fortsetzung desselben durch das Leben hier. Leicht wird weltflüchtig, wer nur von dem Nachtodlichen spricht. Wer im Ernst das Vorgeburtliche ins Auge faßt, wird sich verpflichtet fühlen - da die Weltenordnung so ist, daß der Mensch herunterzusteigen hat ins physische Dasein -, dieses zu einem tatkräftigen zu machen. Denn nur dadurch können wir das ausprägen, was wir auszuprägen suchen, wenn wir wissen, daß wir dutch die Geburt ins physische Dasein herabsteigen. Während zur Entseelung und Entgeistigung des physischen Daseins die bloße Aussicht auf das führt, was nach dem Tode kommt, muß zur Durchkräftigung unseres Willens, zur Durcharbeitung unseres ganzen Lebens das Bewußtsein führen, daß wir als Geist in dieses physischsinnliche Dasein herabgestiegen sind. Menschenhoffnungen für die Zukunft können sich in sicherer Weise nur aus der Geistesanschauung ergeben, wenn wir mit unserer Anschauung im Geiste wurzeln, wenn wir unser intellektualistisches Wesen durchprägen und durchimprägnieren mit dem, was uns die Geisteswissenschaft gibt. Dann kann wiederum Tatenimpuls, Willensimpuls einkehren in unser Leben. Und unser Leben wird diese geistigen Impulse nötig haben, denn dieses Leben ist ein absteigendes. Alte Generationen konnten noch auf ihre Instinkte schauen. Bei den alten Griechen konnten wir sehen, daß derjenige, der für das öffentliche Leben herangereift ist, nur seine Blut-Instinkte zu entwickeln brauchte. Das wird nicht mehr sein können, die Bildung würde verschwinden müssen, wenn wir nur auf das bauen wollten, was uns die Erde noch aus den Instinkten der Menschen heraus entgegenbringen könnte. Der heutige osteuropäische Sozialismus rechnet auf diese Instinkte; er rechnet auf eine Null. Auf eine Wirklichkeit wird man rechnen, wenn man die Hoffnung aufrichtet, daß auf geisteswissenschaftlich orientierten Sozialismus aufgebaut werden soll. Allerdings, solche Anschauungen, wie sie hier vorgebracht worden sind, werden noch nicht in ihrem vollen Ernste genommen, wenigstens von einer großen Anzahl Menschen nicht. Einzelne nehmen sie ernst, allerdings von einem ganz gewissen Gesichtspunkte aus. So habe ich in unserer Zeitschrift «Dreigliederung des sozialen Organismus», als ich noch in Dornach arbeitete, gelesen, wie von gewisser Seite her recht wichtig genommen wird, was als Geisteswissenschaft auftritt; und es soll hier ein merkwürdiger Vortrag, ich glaube sogar mit Musikbegleitung, gehalten worden sein, der sich gestützt hat auf etwas, was wie ein Programm von gewisser Seite her auftritt, zum Beispiel in den «Stimmen der Zeit» von dem Jesuitenpater Zimmermann, fast in jedem Heft, und was eben solche Niederschläge erzeugt, wie der, der sich hier ergeben haben soll. Da wurde gesagt, noch dazu von einem Domkapitular, man könne sich ja über das, was der Steiner sagt, aus den Schriften seiner Gegner unterrichten, denn die Schriften, die er selbst schreibt, und die seiner Anhänger dürften Katholiken nicht lesen, denn die habe der Papst verboten. In der Tat, die römische heilige Kongregation vom 18. Juli 1919 hat ein allgemeines Edikt erlassen, welches das Verbot enthält, theosophische, anthroposophische Schriften zu lesen, wie es wenigstens in der Interpretation dieses allgemeinen Ediktes durch den Jesuitenpater Zimmermann heißt. Und man kann doch nicht glauben, daß dieser Jesuitenpater Zimmermann immer lügt. Gelogen hat er: Er hatte behauptet, daß ich ein ehemaliger Priester gewesen wäre, daß ich einem Kloster entflohen sei. Ich war nie in einem Kloster. Dann hat er gesagt: Die Behauptung, daß der Steiner ein entlaufener Priester sei, läßt sich allerdings heute nicht mehr aufrechterhalten. Eine sonderbare Art, das, was man erlogen hat, wiederum gutzumachen! Nun glaube ich nicht, daß das auch erlogen ist, was da jenen merkwürdigen Niederschlag gefunden hat, der dahin geht, daß man sich aus den Schriften meiner Gegner unterrichten kann, weil die anthroposophischen Schriften von der heiligen Kongregation vom 18. Juli 1919 verboten worden sind. Ja, auf dieser Seite ahnt man, daß sich in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft etwas, was sehr reale Kräfte hat, in die Gegenwart hereinstellen will.

[ 24 ] This, for example, imposes great duties on the educator when he is fully aware of the responsibility that weighs upon his soul—namely, to develop that which has descended from eternal spiritual heights into a human body and which, through its outer form and shell, becomes more and more pronounced from year to year. This is the other aspect that can be added to that insight—which panders to egoism—that takes into account only the fact, admittedly self-evident, of the immortality of the human soul in the face of death. This is the other side that Spiritual Science, in particular, must emphasize for modern humanity: life before birth or before conception and its continuation through life here. Those who speak only of the afterlife easily become escapists. Anyone who seriously considers the pre-birth phase will feel compelled—since the order of the worlds is such that human beings must descend into physical existence—to make that existence an active one. For only in this way can we develop what we seek to develop, when we know that we descend into physical existence through birth. While the mere prospect of what comes after death leads to the de-spiritualization and de-animation of physical existence, the awareness that we have descended as spirits into this physical-sensory existence must lead to the strengthening of our will and the active shaping of our entire lives. Human hopes for the future can arise with certainty only from a spiritual worldview if we root our perspective in the spirit, if we thoroughly shape and permeate our intellectual nature with what Spiritual Science gives us. Then, in turn, the impulse to act and the impulse of the will can return to our lives. And our lives will need these spiritual impulses, for this life is one of descent. Older generations could still rely on their instincts. Among the ancient Greeks, we could see that those who had matured for public life needed only to develop their blood instincts. That will no longer be possible; education would have to disappear if we were to rely solely on what the earth could still offer us through human instincts. Today’s Eastern European socialism counts on these instincts; it counts on nothing. One will be counting on a reality when one places one’s hope in building a socialism oriented toward Spiritual Science. However, views such as those presented here are not yet taken entirely seriously—at least not by a large number of people. Some take them seriously, though from a very specific point of view. For example, while I was still working in Dornach, I read in our journal *The Threefold Social Order* how certain circles take Spiritual Science quite seriously; and a remarkable lecture—I believe even with musical accompaniment—is said to have been given here, based on something that appears as a program from a certain quarter, for example in *Stimmen der Zeit* by the Jesuit Father Zimmermann, in almost every issue, and which produces precisely the kind of repercussions as the one that is said to have occurred here. It was said there—and by a cathedral canon, no less—that one could learn about what Steiner says from the writings of his opponents, since Catholics were not permitted to read the writings that he himself produces, nor those of his followers, because the Pope had forbidden them. In fact, the Roman Holy Congregation issued a general edict on July 18, 1919, containing a ban on reading theosophical and anthroposophical writings—at least according to Jesuit Father Zimmermann’s interpretation of this general edict. And yet one cannot believe that this Jesuit Father Zimmermann always lies. He did lie: He had claimed that I was a former priest, that I had fled from a monastery. I was never in a monastery. Then he said: “The claim that Steiner is a runaway priest can, of course, no longer be maintained today.” A strange way to make amends for what one has falsely claimed! Now, I do not believe that what has found such a peculiar expression—namely, that one can learn from the writings of my opponents because the anthroposophical writings were banned by the Sacred Congregation on July 18, 1919—is also a lie. Yes, on this page one senses that something within anthroposophically oriented Spiritual Science—something that possesses very real powers—is seeking to make its presence felt in the present.

[ 25 ] Diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft - lassen Sie mich das zum Schlusse, ich möchte sagen, wie eine sachliche und zugleich persönliche Bemerkung noch sagen -, diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft wird das, was sie als Erkenntnisgrundlage des Tatenlebens, als Erkenntnisgrundlage des sittlichen und sozialen Lebens, als Erkenntnisgrundlage der schönsten Menschenhoffnungen vertreten muß gegen alle Widerstände, so gut sie es kann, weiter vertreten. Man kann ihr meinetwillen die Gurgel zuschnüren: sobald sie sich nur wieder ein wenig regen kann, wird sie wiederum das geltend machen, was sie als der Menschheit notwendige Wahrheit glaubt erkennen zu können. Und wie in dem Augenblick, als sich die Aussicht auf den Sieg zu unseren Ungunsten zu wenden begann, der ganzen internationalen Welt gegenüber in dem Goetheanum ein Zeugnis für das internationale Geistesleben erstellt worden ist, ohne davor zurückzuschrecken, daß dasjenige, was heute ausgebildeter Goetheanismus ist, doch aus den Wurzeln des deutschen Geisteslebens kommt, so wird auch allem andern gegenüber, was als Hemmnisse sich in den Weg stellen will, diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft für die Erkenntnis, die in ihre Überzeugung übergegangen ist, als für einen Weltinhalt kämpfen.

[ 25 ] This anthroposophically oriented Spiritual Science—let me say this in conclusion, I would like to add, as an objective and at the same time personal remark—this anthroposophically oriented Spiritual Science will continue to advocate, as best it can and against all opposition, what it must uphold as the foundation of knowledge for active life, for moral and social life, and for humanity’s most beautiful hopes. They can strangle it if they wish: as soon as it is able to stir even a little, it will once again assert what it believes it can recognize as the truth necessary for humanity. And just as, at the very moment when the prospect of victory began to turn against us, a testimony to international spiritual life was established at the Goetheanum for the entire international community—without shying away from the fact that what is today known as developed Goetheanism does, after all, stem from the roots of German spiritual life—so, in the face of everything else that seeks to stand in its way as an obstacle, this anthroposophically oriented Spiritual Science will fight for the knowledge that has become its conviction, as if it were the very substance of the world.

[ 26 ] Es ist jetzt 35 Jahre her, da schrieb ich in einer meiner ersten Auseinandersetzungen, um zu charakterisieren, wie das deutsche Wesen notwendig hat, zurückzukehren zu den besten geistigen Quellen seiner Kraft, da schrieb ich die Worte nieder wie einen Mahnruf an das deutsche Volk: «Bei allen Fortschritten, die wir auf den verschiedensten Gebieten der Kultur zu verzeichnen haben, können wir uns doch nicht entschlagen, daß die Signatur unseres Zeitalters viel, sehr viel zu wünschen übrigläßt. Unsere Fortschritte sind zumeist nur solche in die Breite und nicht in die Tiefe. Für den Gehalt eines Zeitalters sind aber nur die Fortschritte in die Tiefe maßgebend. Es mag sein, daß die Fülle der Tatsachen, die von allen Seiten auf uns eingedrungen sind, es begreiflich erscheinen läßt, daß wir über dem Blick ins Weite den in die Tiefe augenblicklich verloren haben. Wir möchten nur wünschen, daß der abgerissene Faden fortschreitender Entwicklung bald wieder angeknüpft wird und die neuen Tatsachen von der einmal gewonnenen geistigen Höhe aus erfaßt werden.»

[ 26 ] It has now been 35 years since, in one of my earliest essays—in which I sought to characterize how the German spirit must return to the finest intellectual sources of its strength—I wrote the following words as a call to arms for the German people: “Despite all the progress we have made in the most diverse fields of culture, we cannot deny that the character of our age leaves much—very much—to be desired. Our progress is mostly only in breadth and not in depth. Yet for the substance of an age, only progress in depth is decisive. It may be that the abundance of facts that have assailed us from all sides makes it understandable that, while gazing into the distance, we have momentarily lost sight of the depth. We can only hope that the broken thread of progressive development will soon be picked up again and that the new facts will be grasped from the intellectual heights once attained.”

[ 27 ] In dem Gefühl, daß, wenn der damalige geistige Tiefstand nicht in einer wirklichen geistigen Erhebung einen Widerpart finden würde, ein Katastrophales kommen müsse, in dieser Empfindung, mit herznagendem Schmerz schrieb ich vor 35 Jahren diese Worte nieder und ließ sie drucken. Ich glaube, daß ich gerade heute von solchen Gesichtspunkten aus, wie ich sie angeführt habe, sachlich-persönlich auf diese Worte hinweisen darf. Denn der Gang der Ereignisse in diesen dreieinhalb Jahrzehnten ist ein Beweis dafür, daß es berechtigt ist, den Ruf nach Geistigkeit wieder ertönen zu lassen. Möge er, da er damals nicht gehört worden ist, heute und in der nächsten Zukunft von den Deutschen gehört werden, damit sie von innen heraus, aus der erfaßten Geistigkeit aufbauen können, was gerade bei ihnen in einer so furchtbaren Weise in den letzten Jahren zerstört worden ist, ja, was nur angefangen hat, zerstört zu werden, und was gewiß auf den Bahnen der Zerstörung weiter schreiten wird, wenn man nicht Geistigkeit mitnehmen wird für den Neuaufbau.

[ 27 ] Driven by the feeling that, unless the intellectual decline of that time were countered by a genuine intellectual revival, a catastrophe was bound to follow—and with this conviction and a heart-wrenching pain—I wrote down these words 35 years ago and had them printed. I believe that today, in particular, from the perspectives I have outlined, I am justified in drawing attention to these words in an objective and personal manner. For the course of events over these three and a half decades is proof that it is justified to let the call for spirituality ring out once more. May this call—since it went unheard back then—be heard by the Germans today and in the near future, so that they may rebuild from within, out of the spirituality they have grasped, what has been destroyed in such a terrible way among them in recent years, indeed, what has only just begun to be destroyed, and what will certainly continue down the path of destruction unless spirituality is incorporated into the process of rebuilding.

[ 28 ] Das ist es, woran man heute appellieren möchte: an den Willen zur Geistigkeit gerade in dem deutschen Volk. Und man darf an diesen Willen zur Geistigkeit appellieren; denn sicher ist es: Entwickelt das deutsche Volk diesen Willen zur Geistigkeit, so muß es die Geistigkeit finden. Zum Materialismus, sagte ich neulich, hat es anscheinend - das beweisen gerade die Ereignisse der letzten Jahrzehnte — keine Begabung; für die Geistigkeithates Begabung, das beweist der Geist unserer Entwicklung durch Jahrhunderte. Deshalb darf man appellieren an den Willen zur Geistigkeit: das deutsche Volk, wenn es nur den Willen entwickelt, wird die Geistigkeit finden, es hat die Begabung dazu. Aber da es die Begabung hat, hat es auch vor dem Ruf nach Geistigkeit die große Verantwortlichkeit. Möge das Bewußtsein dieser Verantwottlichkeit erwachen, erwachen in der Weise, daß das deutsche Volk wiederum tatkräftig auf geistiger Grundlage und aus geistigen Impulsen heraus in die Entwicklung der Menschheit eingreifen könne, das fortsetzen könne, was es zum Segen der Menschheit durch viele Jahrhunderte für diese Menschheit durch seine größten Geister geleistet hat.

[ 28 ] That is what we wish to appeal to today: the will toward spirituality, especially among the German people. And we may appeal to this will toward spirituality; for one thing is certain: if the German people develop this will toward spirituality, they must find spirituality. As for materialism, I said recently, it apparently has no aptitude for it—as the events of the last few decades clearly prove; but it does have an aptitude for spirituality, as evidenced by the spirit of our development over the centuries. That is why we may appeal to the will toward spirituality: the German people, if only they develop that will, will find spirituality; they have the aptitude for it. But since it possesses this aptitude, it also bears a great responsibility in response to the call for spirituality. May the awareness of this responsibility awaken—awaken in such a way that the German people may once again actively participate in the development of humanity on a spiritual foundation and driven by spiritual impulses, continuing what it has accomplished for the benefit of humanity over many centuries through its greatest minds.