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The Crisis of the Present
and the Path to Healthy Thinking
GA 335

8 June 1920, Stuttgart

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The Crisis of the Present and the Path to Healthy Thinking, tr. SOL
  1. Die Krisis der Gegenwart und der Weg zu gesundem Denken

5. Der Weg zu gesundem Denken und die Lebenslage des Gegenwartsmenschen

5. The Path to Healthy Thinking and the Life Situation of Modern People

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Es ist heute unmöglich, über die großen Zeitangelegenheiten sich ein Urteil zu bilden, ohne auf dasjenige vor allen Dingen hinzublicken, was als die tieferen Arbeits- und Sehnsuchtskräfte in der ganzen Menschheit wirkt, was wirkte schon seit Jahrzehnten, was aber heute eine ganz besondere Kulmination erreicht. Es ist auch in dieser Gegenwart gar nicht möglich, sich über das Bedeutsame, was mit der Menschheit eigentlich vorgeht, irgendwie eine Meinung zu bilden, ohne auf die tieferen Grundlagen alles Menschheitsstrebens, wie sich diese tieferen Grundlagen gerade in der Gegenwart ausdrücken, wenigstens einige Blicke zu werfen. Daher gestatten Sie mir, in diesem ersten meiner beiden Vorträge, zu dem übermorgen die Fortsetzung Ihnen geliefert werden soll, auf solche tieferliegende Sehnsuchtskräfte in der gegenwärtigen Menschheit wenigstens mit einigen skizzenhaften Betrachtungen hinzuweisen.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! Today, it is impossible to form a judgment about the major issues of our time without first and foremost looking to what is at work as the deeper forces of labor and longing within all of humanity—forces that have been at work for decades but are now reaching a very special culmination. Nor is it possible in the present moment to form any kind of opinion about the significant events actually unfolding within humanity without casting at least a few glances at the deeper foundations of all human striving—as these deeper foundations are expressed precisely in the present. Therefore, allow me, in this first of my two lectures—the continuation of which will be presented to you the day after tomorrow—to point out, at least with a few sketchy observations, such deeper forces of longing within present-day humanity.

[ 2 ] Es war im Juli 1909, da hat eine bedeutsame Rede gehalten in Amerika drüben Charles Eliot, der von 1868 und zu dem Zeitpunkte, an dem er diese seine Rede gehalten hat, Präsident der Harvard-Universität war. Charles Eliot sprach dazumal, wie man aus seiner Rede sehen konnte, aus dem Bewußtsein heraus, die Seelen- und Geistesangelegenheiten der ganzen zivilisierten Menschheit von seinem Gesichtspunkte aus zu betrachten. Er nannte seine Rede «Die Religion der Zukunft», und er wollte zum Ausdruck bringen, was diese Religion der Zukunft nicht sein soll und was sie sein soll. Wenn ich aber auf diese Rede zurückblicke, so scheint mir viel weniger bedeutsam zu sein, was Eliot dazumal inhaltlich gesagt hat, als vielmehr die ganze Haltung seiner Worte. Vor allen Dingen scheint mir das Bedeutsamste zu sein, daß dazumal so von einem repräsentativen Menschen der heutigen Zivilisation gesucht wurde ein Weg zu einem gesunden Denken in den großen Weltanschaungs- und Lebensansichtsfragen der Menschen.

[ 2 ] It was in July 1909 that Charles Eliot, who had been president of Harvard University since 1868 and remained so at the time he delivered this speech, gave a significant address in the United States. As can be seen from his speech, Charles Eliot spoke at that time out of a sense of responsibility to view the spiritual and intellectual affairs of all civilized humanity from his own perspective. He titled his speech “The Religion of the Future,” and he sought to express what this religion of the future should not be and what it should be. But when I look back on this speech, what seems far less significant to me is the specific content of what Eliot said at the time than rather the overall attitude conveyed by his words. Above all, it seems to me that the most significant thing is that, at that time, a representative figure of today’s civilization was seeking a path to sound thinking regarding the great questions of worldview and philosophy of life facing humanity.

[ 3 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man auf so etwas hinweist, darf man heute wohl niemals vergessen, daß zwischen dem, was in der damaligen Zeit auch von hervorragendsten Menschen der Gegenwart ausgesprochen worden ist, und dem Heute jene furchtbare Weltkriegskatastrophe liegt, die ja allerdings mehr lehrt als alle solche Worte lehren können - die alles das, was solche Menschen als große Welt- und Lebensfragen bezeichnet haben, blitzartig beleuchtet in einer ganz anderen Weise, als sie es sich damals träumen lassen konnten. Zu einem gesunden Denken über Welt und Leben möchte Eliot die Menschheit geführt wissen. Er blickt zurück auf die Art und Weise, wie die Religionen in jenen Zeiten waren, in denen nicht Naturwissenschaft in die Seelen breitester Massen der Menschheit hineingeleuchtet hat. Ihn stört an den alten Religionen durchaus, daß sie den Menschen verweisen auf einen Gott, der in einem gewissen Sinne außerhalb desjenigen lebt, wofür die Naturwissenschaft der neueren Zeit so große, gewaltige Aufschlüsse wenigstens zu geben vermeint. Der Mann fühlte sich ganz als ein Mensch seines Zeitalters. Ihm kamen die alten Vorstellungen über die geistige Welt als solche vor, die sich eben eine kindliche Menschheit gebildet hatte. Und ihm kam es namentlich darauf an, daß dieses naturwissenschaftliche Zeitalter nicht mehr sehen könne in Bergen und Flüssen, in Bäumen und Wolken dämonische, geistige Wesenheiten, daß auch ein naturwissenschaftliches Zeitalter nicht mehr die bildhaften alten Gottesvorstellungen beibehalten könne. Ihm kam es des weiteren darauf an, zu zeigen, daß die Auffassung des Lebens, die Auffassung der sozialen Verhältnisse in der Welt vielfach Schaden gelitten hat dadurch, daß von den Religionsbekenntnissen, welche doch die Führer des Denkens waren für die weitaus größte Masse der Menschen, die Menschen, die gedrückt waren, die elend waren, die mit dem Leben nicht zurechtkamen, verwiesen wurden von dem physischsinnlichen Dasein weg in ein übernatürliches Jenseitsdasein, so daß an die Stelle der Bearbeitung des Lebens, an die Stelle des mutigen Eingreifens in das Leben für viele Menschen entstehen mußte ein Hinausblicken über das unmittelbar physische soziale Dasein.

[ 3 ] Well, my esteemed audience, when pointing out something like this, one must never forget today that between what was said at that time—even by the most outstanding people of the present—and the present day lies that terrible catastrophe of the World War, which, after all, teaches us more than all such words ever could —a catastrophe that, in a flash, sheds light on everything those people described as the great questions of the world and of life in a way entirely different from what they could have imagined at the time. Eliot wishes to guide humanity toward a sound way of thinking about the world and life. He looks back on the nature of religions in those times when the natural sciences had not yet shed light into the souls of the broadest masses of humanity. What troubles him about the old religions is that they point people toward a God who, in a certain sense, exists outside of that which modern science claims to have revealed so profoundly and powerfully. The man felt himself to be entirely a man of his time. To him, the old mental images of the spiritual world seemed to be precisely those that a childlike humanity had formed for itself. And it was particularly important to him that this age of natural science could no longer see demonic, spiritual beings in mountains and rivers, in trees and clouds, and that even an age of natural science could no longer retain the figurative, ancient conceptions of God. Furthermore, it was important to him to show that the understanding of life and of social conditions in the world had suffered greatly because the religious creeds—which were, after all, the guides of thought for the vast majority of people— those who were oppressed, who were miserable, who could not cope with life, were banished from physical, sensory existence into a supernatural afterlife—so that, for many people, instead of working through life and courageously intervening in it, a gaze beyond immediate physical and social existence inevitably took its place.

[ 4 ] Auch alles dasjenige, was die verschiedenen Bekenntnisse zu sagen haben über die Ursachen, warum der eine Mensch von diesem oder jenem Schicksalslose getroffen wird, auch alles dasjenige, was die alten Bekenntnisse zu sagen haben über die in der Welt waltende göttliche Gerechtigkeit, erscheint Charles Eliot, dem modernen Mann, dem Mann, der sich hineinstellt in die Zeit, die da für ihn beginnt mit Darwin, die für ihn insbesondere eine bestimmte Größe erreicht hat durch jene Fortschritte der Medizin, die auf physische Weise zur Schmerzlinderung der kranken Menschheit berufen sind, als nicht mehr zeitgemäß. Und er möchte in einer gewissen Weise den alten Priester, der die Menschheit immer hinaus verweist auf ein unbestimmtes Übersinnliches, ersetzt wissen durch den physischen Arzt, welcher imstande ist, selbst jene Schmerzen zu lindern, welche die Mutter auszustehen hat beim Hineintreten des Kindes in diese physische Welt, er möchte den alten Priester ersetzen durch jenen, der da Hand anzulegen in der Lage ist bei der Arbeit, die im Physischen geleistet wird, denn es handelt sich für ihn darum, die physischen Verhältnisse dieser Erde so zu gestalten, daß möglichst viele Menschen aus dem Leben Freude und Befriedigung ziehen. Alles das - so erscheint es Charles Eliot - hat gewissermaßen das gesunde Denken aufzunehmen, und er hofft, daß aus den Anschauungen, welche die Naturwissenschaft in der neuesten Zeit den Menschen geliefert hat, dasjenige aufleuchten könne, was die Menschheit zu diesem von ihm ersehnten Ziele zu bringen geeignet ist. Ich erwähne dies besonders aus dem Grunde, weil in dieser kurzen Rede über die Religion der Zukunft sich wirklich gewissermaßen alles das in einem repräsentativen Menschen zusammendrängt, was die sogenannten Gebildeten, namentlich die gelehrten Gebildeten, als den Weg zu neuzeitlichem gesunden Denken sich vorgestellt haben.

[ 4 ] Everything that the various confessions have to say about the reasons why one person is struck by this or that fate, as well as everything the ancient creeds have to say about the divine justice that reigns in the world, seems outdated to Charles Eliot—the modern man, the man who places himself in the era that begins for him with Darwin, an era that has attained particular significance for him through those advances in medicine that are physically dedicated to alleviating the suffering of humanity—as no longer relevant. And in a certain sense, he would like to see the old priest—who always refers humanity to an indefinite supernatural realm—replaced by the physical physician, who is capable of alleviating even the pains that a mother must endure as her child enters this physical world; he would like to replace the old priest with one who is capable of lending a hand in the work performed in the physical realm, for his concern is to shape the physical conditions of this earth in such a way that as many people as possible derive joy and satisfaction from life. All of this—so it seems to Charles Eliot—must, in a sense, be embraced by sound thinking, and he hopes that from the insights that the natural sciences have recently provided to humanity, that which is capable of leading humanity toward this goal he so ardently desires may come to light. I mention this in particular because, in this short speech on the religion of the future, everything that the so-called educated—namely, the scholarly educated—have formed in their mental images as the path to modern, sound thinking is, in a sense, condensed into one representative individual.

[ 5 ] Nun hat diese Rede über die Religion der Zukunft, die das, was ich eben charakterisiert habe, zum Inhalte hat, etwas höchst Eigentümliches. Und da ich über diese Rede auch schon vor der Kriegskatastrophe Ähnliches gesagt habe, wie ich jetzt sage, so wird mich - indem ich das offen sage - niemand dessen zeihen können, wessen man heute viele zeihen kann: daß sie sich jetzt, nachdem der Krieg so lange gewütet hat, in einer merkwürdigen Weise zum Rechten belehrt zeigen über das, was vor dem Kriege war. Charles Eliot spricht wie ein Mann, der gewisse Vorstellungen hat, wie sie ein Mann haben kann, der voll drinnensteht in der modernen naturwissenschaftlichen Erkenntnis und der aus ehrlichstem Herzen heraus der Menschheit eine Lebensauffassung geben möchte, die zu ihrem Glück, zu ihrer Befriedigung führt aus diesen naturwissenschaftlichen Vorstellungen heraus. Aber wie spricht er? Wenn man zwischen den Zeilen zu lesen vermag - was muß man darüber sagen, wie er spricht? Man sieht es den Gedanken an: Sie sind herausgeboren aus der Zeitgesinnung, aber sie können nur gesprochen werden, wenn man umgeben ist von einer Welt, in welcher zunächst in den sozialen, in den unmittelbaren Lebensverhältnissen diese Gedanken nicht Wirklichkeit werden. Sie können nur gesprochen werden, wenn man umgeben ist von einer Welt, deren Lebensanschauungen in einer viel älteren Zeit gründen, wenn man umgeben ist von einer Welt, wo in den Seelen der Menschen leben gewisse Vorstellungen, die durchaus noch nicht dem entstammten, was solch ein naturwissenschaftlich gebildeter Religiöser sucht, die aber einen tiefen Einfluß auf die Gestaltung des sozialen Lebens haben. Mit anderen Worten, meine sehr verehrten Anwesenden, kann man sagen: Solch ein Mann kann reden, aber man spürt seinen Gedanken an, daß in dem Augenblick, wo sich in voller Konsequenz, in ungeschminkter Gestalt dasjenige, was er sagt, verwirklichen soll - dann, wenn die alten Traditionen nicht mehr in der Umgebung wirken -, daß sich dann diese Gedanken doch als machtlos erweisen werden. Und wer nur irgend etwas von den furchtbaren Ereignissen der letzten Jahre verstehen kann, der wird sagen: Diese Ereignisse seit 1914 haben sich bedeutsam hineingestellt zwischen das, was dazumal geredet werden konnte, und das, was heute uns als die großen, als die überwältigenden Zeitfragen vorliegt. Gewissermaßen weist Charles Eliot am Schlusse seiner Rede ja auch darauf hin, daß er nicht wissen könne, wie sich das, was er als gesundes Denken ansieht, in der unmittelbaren Lebenspraxis verwirklichen werde, das müsse erst die Erfahrung zeigen.

[ 5 ] Now, this discourse on the religion of the future—which deals with what I have just described—has something highly peculiar about it. And since I said things similar to what I am saying now about this discourse even before the catastrophe of the war, no one—if I say this openly—will be able to accuse me of what many are accused of today: that now, after the war has raged for so long, they are, in a strange way, proving themselves to be right about what existed before the war. Charles Eliot speaks like a man who holds certain mental images—as one might expect from a man who is fully immersed in modern scientific knowledge and who, from the bottom of his heart, wishes to offer humanity a view of life that leads to its happiness and fulfillment based on these scientific concepts. But how does he speak? If one is able to read between the lines—what can one say about the way he speaks? You can see it in the ideas themselves: they are born of the spirit of the times, but they can only be spoken when one is surrounded by a world in which—at least in social and immediate living conditions—these ideas do not become reality. They can only be spoken when one is surrounded by a world whose views on life are rooted in a much earlier time, when one is surrounded by a world where certain mental images live in people’s souls—mental images that by no means stem from what such a scientifically educated religious person seeks, but which have a profound influence on the shaping of social life. In other words, ladies and gentlemen, one might say: Such a man can speak, but one senses in his thoughts that the moment what he says is to be realized in its full consequence, in its unvarnished form—that is, when the old traditions no longer exert their influence in the surrounding environment—these thoughts will ultimately prove powerless. And anyone who can understand even a little of the terrible events of recent years will say: These events since 1914 have significantly intervened between what could be said back then and what now confronts us as the great, overwhelming issues of our time. In a sense, Charles Eliot also points out at the end of his speech that he cannot know how what he regards as sound thinking will be realized in the immediate practice of life; only experience can show that.

[ 6 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, so sonderbar, so paradox es Ihnen vielleicht klingen wird, heute ist ein Teil der Welt daran, diese Erfahrungen zu liefern. Das, was sich dazumal ein gebildeter, ein gelehrter Mann gestatten konnte auszusprechen mitten in einer Umgebung, die es nicht nötig hatte, die letzten Konsequenzen dieser Gedanken zu ziehen, das wird aus einer anderen Gemütsart, aus einer anderen Seelenstimmung heraus im Osten von Europa und schon in einem großen Teil von Asien heute zu verwirklichen versucht - so paradox das klingt. Und während man die Gedanken Eliots, das heißt die letzten sozialen Konsequenzen naturwissenschaftlicher Weltanschauung ruhig aussprechen konnte und dabei immer noch für einen guten, braven Bürger gelten konnte inmitten einer Umwelt, die gar nicht daran dachte, die letzten Wirklichkeitskonsequenzen daraus zu ziehen, zerstört man das Dasein der Menschen, zerstört man das Leben in dem Augenblick, wo tabula rasa gemacht wird mit den alten Verhältnissen, wo in der Umwelt nicht mehr die alten Traditionen den Staat aufbauen, wo man in der Umwelt nicht dasjenige fortleben läßt, was aus den alten Traditionen, wenn auch durch besondere Tyrannei, stammt. Wenn man die letzten Konsequenzen dieser Gedanken für die äußere Wirklichkeit zieht, dann wird man Leninist, dann wird man Trotzkist, dann beginnt man dasjenige zu verwirklichen, was rein herausstammen soll aus dem, was da von Eliot als gesundes Denken gesucht worden ist, aus dem, was da herausgeboren sein will aus der rein naturwissenschaftlichen Weltgesinnung. Aber wenn man versucht, das zu verwirklichen, dann baut man nichts auf, sondern dann setzt man nur jenen Zerstörungsprozeß fort, der 1914 eingesetzt hat und über den die Menschheit noch bittere, bittere Erfahrungen machen wird. Das, meine sehr verehrten Anwesenden, lehrt ein Rückblick nach verhältnismäßig kurz vergangener Zeit auf dasjenige, was aus ehrlicher Überzeugung heraus ein mit der ganzen Bildung der Gegenwart durchdrungener Mann 1909 vorbrachte.

[ 6 ] Well, my esteemed audience, as strange and paradoxical as it may sound to you, today a part of the world is in the process of providing these experiences. What an educated, learned man could once afford to voice in an environment that had no need to draw the ultimate consequences of these thoughts is now being attempted—out of a different disposition, a different state of mind—in Eastern Europe and already in a large part of Asia today—as paradoxical as that may sound. And while one could calmly voice Eliot’s ideas—that is, the ultimate social consequences of a scientific worldview—and still be regarded as a good, law-abiding citizen in the midst of a society that did not even consider drawing the ultimate practical conclusions from them, one destroys people’s existence; one destroys life the very moment one makes a tabula rasa of the old conditions, when old traditions no longer form the foundation of the state in that environment, when one does not allow that which stems from the old traditions—even if through particular tyranny—to live on in that environment. If one draws the ultimate consequences of these ideas for external reality, then one becomes a Leninist, then one becomes a Trotskyist, then one begins to realize that which is meant to stem purely from what Eliot sought as sound thinking, from that which seeks to be born out of a purely scientific worldview. But if one attempts to put this into practice, one does not build anything up; rather, one merely continues the process of destruction that began in 1914 and through which humanity will yet undergo bitter, bitter experiences. This, ladies and gentlemen, is what a look back at a relatively recent past teaches us regarding what a man—imbued with the entire cultural heritage of the present and speaking out of sincere conviction—put forward in 1909.

[ 7 ] Wenn wir uns nun fragen, welcher Zusammenhang besteht zwischen demjenigen, was ein Mensch, ich möchte sagen als eine gewisse materialistische Sonntagspredigt in einer sonst ganz anders gearteten Welt sagen konnte, und dem, was im Osten von Europa und über einen großen Teil von Asien hin sich verwirklicht, dann muß man eben, um die sozialen Zusammenhänge der Gegenwart und die ganze Lebenslage des gegenwärtigen Menschen zu durchschauen, ein wenig auf die tieferen Grundlagen eingehen. Und lehrreich ist es, einmal einen Blick zu werfen auf die Frage: Wie ist eigentlich dieses materialistische Weltbild, das der Menschheit Glück und Zufriedenheit bringen sollte, im Lauf der neueren Zeit entstanden?

[ 7 ] If we now ask ourselves what connection exists between what a person, I would say, a certain kind of materialistic Sunday sermon in a world that is otherwise quite different, and what is actually taking shape in Eastern Europe and across a large part of Asia, then—in order to understand the social interrelationships of the present and the entire life situation of modern humanity—we must delve a little into the deeper foundations. And it is instructive to take a look at the question: How, exactly, did this materialistic worldview—which was supposed to bring happiness and contentment to humanity—come into being in recent times?

[ 8 ] Wenn ich kennzeichnen sollte, was gerade das modernste Denken charakterisiert, dasjenige Denken, das sich jetzt anschickt, soziale Wirklichkeit zu werden, so muß ich sagen: Dieses Denken ist dadurch charakterisiert, daß es außerstande ist, eine Brücke zu schlagen zwischen dem, was Erkenntnis der Naturseite der Welt ist, und dem, was sittliche Welt ist, was ethische Ideen, was moralische Kräfte sind. Da steht auf der einen Seite dasjenige, was die Naturseite der Welt ausmacht, festgefügt in Vorstellungen, die ungemein einleuchtend sind für jeden Menschen, der gerade von Gegenwartsgesinnung durchdrungen ist, wie sie sich in den letzten Jahrhunderten und besonders im 19. Jahrhundert herausgebildet hat. Da steht auf der anderen Seite, heraussprechend aus des Menschen Mittelpunkt, dasjenige, was sittliche Forderungen sind und was erheben soll den Menschen zur Anschauung, daß diese sittlichen Forderungen wurzeln in einer geistigen Weltordnung - einer Weltordnung, wo das Sittliche und das Unsittliche eine Folge haben kann für die Gestaltung der Welt, wo Sittliches und Unsittliches eingreifen kann in das Geschehen der Welt, so wie ein Blitzstrahl eingreift in das Geschehen der Welt.

[ 8 ] If I were to identify what precisely characterizes the most modern way of thinking—the way of thinking that is now poised to become social reality—I must say: This way of thinking is characterized by its inability to bridge the gap between what constitutes knowledge of the natural side of the world and what constitutes the moral world—that is, ethical ideas and moral forces. On the one hand, there is what constitutes the natural aspect of the world, firmly established in mental images that are immensely compelling to anyone imbued with the contemporary mindset as it has developed over the past few centuries, and especially in the 19th century. On the other hand, emanating from the very center of the human being, are moral demands—demands that are meant to elevate human beings to the realization that these moral demands are rooted in a spiritual world order—a world order in which the moral and the immoral can have consequences for the shaping of the world, in which the moral and the immoral can intervene in the events of the world, just as a bolt of lightning intervenes in the events of the world.

[ 9 ] Da stehen diese zwei Welten, seit Jahrzehnten sich voneinander abdrängend. Und da lebt die neuere Denkweise, die nach einem gesunden Denken allerdings strebt und damit eine natürliche Religion begründen will. Sie vermag das eine ins Auge zu fassen, was Erkenntnis der Naturtatsachen ist, und sie vermag, wenn der Mensch gewissenhaft ist, allerdings auch das andere ins Auge zu fassen: daß aus dem Inneren der menschlichen Brust heraus spricht die Stimme der Sittlichkeit, die dann einen Weg weisen sollte zum religiösen Bewußtsein.

[ 9 ] There stand these two worlds, pushing each other apart for decades. And there lives the newer way of thinking, which does indeed strive for sound reasoning and thereby seeks to establish a natural religion. It is capable of taking into account, on the one hand, the knowledge of natural facts, and—if the person is conscientious—it is also capable of taking into account, on the other hand, that the voice of morality speaks from within the human heart, which should then point the way to religious consciousness.

[ 10 ] Aber da gibt es heute keine Brücke zwischen diesen zwei Welten. Da ist die eine Welt, die Welt der Erkenntnis der Naturtatsachen. Sie glaubt, ein grundlegendes Gesetz gefunden zu haben, das als das Ergebnis des 19. Jahrhunderts unerschütterlich dastehen sollte, das Gesetz von der Erhaltung des Stoffes und der Kraft - das Gesetz, das uns besagen soll, daß alles dasjenige, was im Weltenall vor sich geht, aus einer Summe von Kräften heraus geschieht, die sich wohl umwandeln, die aber niemals vermehrt oder vermindert werden können, die unentstanden und unvergänglich sind. Durch das Zusammenwirken dieser Kräfte wird die Gestaltung der Welt hervorgerufen, wird das Weltgeschehen, das sich äußerlich unseren Sinnen darstellt und aus dem wir selbst als physische Menschen herausgewachsen sind, bewirkt. Wenn nun die Kräfte, um die es sich handelt, unentstanden und unvergänglich sind, wenn man im absoluten Sinne sprechen kann von der Erhaltung des Stoffes und der Kraft, dann sind auch alle die Anschauungen, die im Gefolge dieser Ansicht auftreten müssen, nicht von der Stelle zu weisen. Dann kommen wir dazu anzunehmen - aus denselben Denkgewohnheiten heraus, aus denen die Menschheit gedrängt worden ist zu diesem Gesetz von der Erhaltung und Umwandlung des Stoffes und der Kraft -, daß entstanden sei alles dasjenige Irdisch-Kosmische, innerhalb dessen wir stehen, aus dem berühmten Kant-Laplaceschen Urnebel, aus dem sich das ganze Sonnensystem durch Zusammenballung herausgebildet habe, und daß im Verlaufe dieses natürlichen Vorganges sich auch der Mensch entwickelt habe, nachdem er durch die verschiedenen Tierformen hindurchgegangen ist. Und wir kommen dazu anzunehmen, daß in der menschlichen Seele aufblitzen, wie innerliche Lebensillusionen, diejenigen Dinge, die dieser menschlichen Seele vorkommen wie die Kräfte, die allein dem Menschen seine Würde garantieren können: die sittlichen Ideen und dasjenige, was zum religiösen Bewußtsein führt.

[ 10 ] But today there is no bridge between these two worlds. There is one world—the world of knowledge of natural facts. It believes it has discovered a fundamental law that, as the achievement of the 19th century, should stand unshakable: the law of the conservation of matter and energy —the law that is supposed to tell us that everything that takes place in the universe occurs as a result of a sum of forces that may well be transformed but can never be increased or decreased, that are uncreated and imperishable. The interaction of these forces gives rise to the structure of the world and brings about the events of the universe that present themselves to our senses and from which we ourselves, as physical human beings, have emerged. If, then, the forces in question are uncreated and imperishable, if one can speak in an absolute sense of the conservation of matter and energy, then all the views that necessarily follow from this perspective cannot be dismissed out of hand. Then we are led to assume—based on the same patterns of thought that have compelled humanity to accept this law of the conservation and transformation of matter and energy—that everything earthly and cosmic within which we exist arose from the famous Kant-Laplacean primordial nebula, from which the entire solar system took shape through condensation, and that in the course of this natural process, human beings also evolved after passing through the various forms of animal life. And we come to assume that those things which appear to the human soul as the forces that alone can guarantee its dignity—moral ideas and that which leads to religious consciousness—flash up within the human soul like inner illusions of life.

[ 11 ] Aber derjenige, der mit allen Konsequenzen festhält an dieser Welt, die also aus dem Kant-Laplaceschen Urnebel sich herausgeballt hat, der muß auch über das Weltenende so denken. Er muß denken, daß diese Welt sich hineinverwandelt in eine solche, in der alles das, was die Menschheit darbietet, auch alles, was jemals in Menschenseelen und Menschengeistern gelebt hat, verschwindet; er muß denken, daß innerhalb eines großen kosmischen Vorgehens das ganze Menschheitswähnen von einer Sittlichkeit, von Göttlichkeit lediglich etwas ist, was herausgeboren wird aus der Naturgesetzmäßigkeit - so wie aus der Naturgesetzmäßigkeit herausgeboren wird Blitz und Donner, der Wechsel von Tag und Nacht und so weiter. Und so sehen wir auf ein ungeistiges, unseelisches Weltentstehen hin, so sehen wir auf ein ungeistiges, unseelisches Weltenende hin. Für den, [der mit allen Konsequenzen festhält an dieser Welt,] ist das Beste, was die Menschheit denkt, geträumt, ist eingesponnen in die Vorgänge, die zwischen diesen beiden Enden — Weltentstehen und Weltenende - liegen; das Beste, was diese Menschheit wähnt, es ist für ihn nur eine Episode, verschwindend im rein natürlichen All.

[ 11 ] But anyone who, with all that this entails, clings to this world—which thus emerged from the Kant-Laplacean primordial nebula—must also think this way about the end of the world. He must believe that this world will transform into one in which everything that humanity has produced—including everything that has ever lived in human souls and minds—will vanish; he must believe that, within a great cosmic process, all of humanity’s delusions of morality and divinity are merely phenomena born of the laws of nature—just as lightning and thunder, the alternation of day and night, and so on are born of the laws of nature. And so we look toward a non-spiritual, soulless origin of the world; so we look toward a non-spiritual, soulless end of the world. For the one [who clings to this world with all its consequences], the best that humanity conceives and dreams is woven into the processes that lie between these two extremes—the origin of the world and the end of the world; the best that humanity imagines is, for him, merely an episode, vanishing into the purely natural universe.

[ 12 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, mit dem besten Willen ist nichts zu halten von all den Quacksalbereien, die die Menschen noch vorbringen möchten für die Gültigkeit einer sittlichen und religiösen Welt, wenn sie mit allen Konsequenzen zugeben dasjenige, dem diese naturwissenschaftliche Gesinnung zugrunde liegt. Ich weiß, wieviel heute nach der Richtung hin gepredigt wird, daß ja trotz dieser naturwissenschaftlichen Gesinnung eine ideale Weltanschauung möglich sei. Sie ist nur für den möglich, der nicht bis zu den Konsequenzen des Denkens wirklich gehen will. Und man ist heute wohl veranlaßt zu fragen: Warum machen sich die Menschen dasjenige, was eben jetzt angedeutet worden ist, in der Gegenwart so wenig klar? Warum denn eigentlich? Darüber wird man vielleicht eine Auskunft erlangen, wenn man sich erinnert an die, ich möchte sagen Frühlingszeit desjenigen, was heute zwar auch allgemeine Meinung ist, was man sich aber als eine allgemeine Meinung nicht gesteht bei den sogenannten Aufgeklärten, wenn man zurückverweist in jene Frühlingszeit des theoretischen Materialismus, der über die zivilisierte Welt heraufgezogen ist um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Es ist heute allerdings ja modern geworden, diejenigen, die dazumal kühn die letzten Konsequenzen der naturwissenschaftlichen Gesinnung gezogen haben, wie Moleschott, Büchner und so weiter, als platt darzustellen - das sind sie Ja ohne Zweifel auch. Aber dann ist doch mehr notwendig als das, was von gelehrter oder ungelehrter Seite vorgebracht wird, um das ganze Verhältnis zu charakterisieren, in dem wir zu stehen haben zu ihnen.

[ 12 ] Ladies and gentlemen, even with the best will in the world, there is no credence to be given to all the quackery that people still try to put forward in support of the validity of a moral and religious worldview, if they fully acknowledge the implications of the scientific mindset on which it is based. I know how much is preached today along the lines that, despite this scientific mindset, an ideal worldview is still possible. It is possible only for those who do not truly wish to follow their thinking to its logical conclusions. And one is surely prompted to ask today: Why do people have so little clarity about what has just been indicated, even in the present? Why, indeed? One might find an answer to this by recalling what I would call the “springtime” of that which, although it is now also common opinion, is not openly acknowledged as such among the so-called enlightened—by looking back to that springtime of theoretical materialism that swept over the civilized world around the middle of the 19th century. Today, however, it has become fashionable to portray those who at that time boldly drew the ultimate conclusions of the scientific mindset—such as Moleschott, Büchner, and so on—as shallow; and indeed, they undoubtedly are. But then more is needed than what is put forward by scholars or laypeople alike to characterize the entire relationship we must maintain toward them.

[ 13 ] Man braucht nur einige Tatsachen sich zu vergegenwärtigen, dann wird man den ganzen Ernst und die Bedeutung dieser Sache für die soziale Lebenslage des Gegenwartsmenschen ermessen können. Ich möchte das eine anführen, daß zum Beispiel ein in den siebziger Jahren vielgenannter Kulturhistoriker gesagt hat: Es ist ein wichtigstes Ergebnis der neueren Zeit, daß durch die naturwissenschaftliche Erkenntnis alles dasjenige, was aus den alten Religionen heraus als ethisches Ideal geboren worden ist, zertrümmert wird. — Ja, dieser Kulturhistoriker schreibt es trocken hin, das, was von dieser Seite als Wahrheit oder Unwahrheit charakterisiert worden ist, sei nur ein solches naturwissenschaftliches Ergebnis wie etwa das Herabfallen des Regens und sei von diesem Gesichtspunkte aus zu betrachten. Aber besonders interessant ist ein Brief einer kühnen, innerlich kühnen Persönlichkeit an einen damaligen Naturforscher. In dem Brief steht etwa das folgende: Die neuere Weltanschauung lehrt uns, daß alles das, was Menschen darleben, geradeso dem natürlichen Ursachengesetz unterliegt wie das, was wir mit unseren Sinnen in der Außenwelt sehen. Alles das, was die Menschen hervorbringen aus ihrem Inneren an sogenannten guten Handlungen und guten Gedanken, was sie hervorbringen an religiösen Ideen, alles das ist nichts anderes als ein Ergebnis rein natürlicher Vorgänge, die sich im Menschen abspielen, wie sich die Wolkenbildungen draußen in der Natur abspielen. Also gilt für mich, so sagte jene Persönlichkeit, alles das, was sich die Menschen als sittliches Gebot vorgestellt haben, als eine Illusion. Und ich bin der Meinung, daß derjenige, der mit seinen Anlagen zum Dieb, zum Räuber, zum Mörder geboren ist, ebenso berechtigt ist, seine Mörder- und Räuberanlagen voll auszuleben, wie derjenige, der zum Gegenteil geboren ist. Ich bin davon überzeugt, so schreibt jene Persönlichkeit, daß es sogar für die Vollwertigkeit, für die sittliche Vollwertigkeit einer zum Mörder veranlagten Persönlichkeit eine Beeinträchtigung wäre, also eine Unsittlichkeit, wenn sie ihre Anlagen nicht ausleben würde. - Selbstverständlich werden die Leute heute sagen: Das ist eine paradoxe Wahrheit. - Aber warum sagen sie so? Sie sagen es aus dem Grunde, weil sie auf der einen Seite wohl ungeheuren Respekt haben, Autoritätsglauben restlos haben vor alledem, was ihnen aus der Küche der Naturwissenschaft heraus gesagt wird, weil sie aber auf der anderen Seite nicht den gleichen Mut haben wie jene Persönlichkeit, die diesen Brief schrieb, auch die Konsequenzen zu ziehen. Sie bleiben auf halbem Wege stehen, weil sie sich nicht gestehen wollen, daß, wenn man einmal diese Konsequenzen zieht, das andere daraus folgt.

[ 13 ] One need only consider a few facts to appreciate the full gravity and significance of this matter for the social conditions of modern people. I would like to cite one example: a cultural historian who was frequently cited in the 1970s said, “One of the most important outcomes of modern times is that scientific knowledge has shattered everything that emerged from the ancient religions as an ethical ideal.” — Yes, this cultural historian states it matter-of-factly: what has been characterized from this perspective as truth or falsehood is merely a scientific finding, much like the falling of rain, and should be viewed from this standpoint. But particularly interesting is a letter from a bold—truly bold—individual to a natural scientist of that time. The letter reads something like this: The modern worldview teaches us that everything humans experience is just as subject to the natural law of causality as what we perceive with our senses in the external world. Everything that people bring forth from within themselves in the form of so-called good deeds and good thoughts, everything they produce in the way of religious ideas—all of this is nothing other than the result of purely natural processes taking place within human beings, just as cloud formations take place out in nature. Therefore, for me,” said that individual, “everything that people have formed in their mental images as a moral imperative is an illusion. And I am of the opinion that someone born with the predisposition to be a thief, a robber, or a murderer is just as entitled to fully act out their murderous and robber tendencies as someone born with the opposite predisposition. I am convinced, as that personality writes, that it would even be a detriment—that is, an immorality—to the moral integrity of a personality predisposed to murder if they did not act on their inclinations. - Of course, people today will say: That is a paradoxical truth. - But why do they say that? They say it because, on the one hand, they have immense respect—and an unquestioning faith in authority—for everything they are told from the realm of natural science; but on the other hand, they lack the same courage as the person who wrote this letter to draw the necessary conclusions. They stop halfway because they do not want to admit to themselves that, once one draws these conclusions, the other follows.

[ 14 ] Nun, ich möchte sagen: Geradeso wie von Charles Eliot 1909 in einer Umwelt, die nicht daran dachte, seine Gedanken in soziale Wirklichkeit umzusetzen, so gesprochen werden konnte, wie er sprach, so konnte auch jene Persönlichkeit dazumal schwärmen für das volle Ausleben der Verbrecher-Instinkte, da das volle Ausleben seiner Anlagen zur sittlichen Vollwertigkeit der Persönlichkeit gehöre. Dazumal war noch nicht die Zeit herangerückt, in welcher aus dem, was die Menschen nach dieser Richtung hin meinen, auch soziale Einrichtungen, soziale Institutionen entstehen sollen — allerdings nicht werden entstehen können. Aber dann entsteht ja die andere Frage: Wie sollen diese Institutionen entstehen, die nun doch als ein Aufbau unserer in den Niedergang hineingehenden Lebensordnung sich gestalten müssen?

[ 14 ] Well, I would like to say: Just as Charles Eliot was able to speak as he did in 1909—in an environment that had no intention of translating his ideas into social reality—so, too, could that individual at the time have enthused about the full expression of criminal instincts, since the full expression of one’s dispositions is part of the moral integrity of the personality. At that time, the moment had not yet arrived when social institutions were to emerge—though they certainly could not emerge—from what people believed in this regard. But then the other question arises: How are these institutions to come into being, institutions that must now take shape as a reconstruction of our social order, which is in decline?

[ 15 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man so die Lebenslage des Menschen der Gegenwart ins Auge faßt, und wenn man hinblickt auf dasjenige, was in seinem Inneren eigentlich lebt - und aus dem Inneren heraus gestaltet sich ja doch schließlich alles dasjenige, was auch in allem äußerlichen, geschäftlichen, industriellen, im praktischen Leben vor sich geht -, wenn man alles das betrachtet, kommt man allerdings zu einem, man muß es gestehen, bitteren Urteil über diese Lebenslage des Gegenwartsmenschen. Denn, wie müßte es aussehen, wenn eine genügend große Anzahl von Menschen den Mut hätte, die Seele wachzumachen, aufzuwecken die schlafende Seele und sich zu sagen: Nehmen wiir in aller Ganzheit dasjenige an, was im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte aus dem naturwissenschaftlichen Erkennen in das Denken eingeflossen ist, dann müssen wir alles das, was ins soziale Leben einfließen soll, gestalten nach Gesetzen, die leer und bar sind alles desjenigen, was im Innern des Menschen als Impuls der Sittlichkeit, als Impuls der religiösen Weltordnung entspringt, denn solche Gesetze können dann ja auch nur aus der naturwissenschaftlichen Gesinnung kommen.

[ 15 ] Ladies and gentlemen, when one considers the circumstances of modern human life, and when one looks at what actually lives within a person—and it is from within, after all, that everything that takes place in external, business, industrial, and practical life ultimately takes shape—when one considers all of this, one certainly arrives at a, one must admit, a bitter judgment regarding the condition of modern human beings. For what would it look like if a sufficiently large number of people had the courage to awaken the soul—to rouse the sleeping soul—and say to themselves: If we accept in its entirety what has flowed into our thinking from scientific knowledge over the course of the last three to four centuries, then we must shape everything that is to flow into social life according to laws that are devoid of everything that springs from within the human being as an impulse of morality, as an impulse of the religious world order, for such laws can then, after all, only come from a scientific mindset.

[ 16 ] Und den realen Anfang mit einer sozialen Lebensordnung, die die soziale Gesellschaft nur so gliedert, wie die Naturerscheinungen draußen gegliedert sind — wir sehen ihn gemacht im Osten von Europa und sich ausbreiten über Asien; wir sehen ihn theoretisch gelehrt im Marxismus seit Jahrzehnten. Er konnte auch reden, dieser Marxismus, solange es der Umgebung nicht einfiel, auf ihn einzugehen mit Bezug auf die Wirklichkeitsgestaltung. Jetzt ist das Antlitz der Welt ernster geworden. Jetzt handelt es sich darum, die Frage im umfassenden Sinne aufzuwerfen: Ist dasjenige, was man sich so als den Weg zum gesunden Denken vorgestellt hat, wohl auch ein Weg zu einem möglichen Leben der Menschheit auf der Erde? - Deshalb, weil die Sache so ernst ist, muß schon eingegangen werden auf die ganze Art, wie die Menschen sind, wie insbesondere diejenigen sind, die heute glauben, nach den Errungenschaften, die nur gut sind für einen gewissen Zweig der Naturerkenntnis, das soziale Leben aufbauen zu können. Was haben uns diese Errungenschaften gebracht?

[ 16 ] And the true beginning—a social order that structures society only in the same way that natural phenomena are structured in the outside world—we see it taking shape in Eastern Europe and spreading across Asia; we have seen it taught theoretically in Marxism for decades. This Marxism could also speak freely as long as those around it did not think to engage with it in terms of shaping reality. Now the face of the world has grown more serious. Now the task is to raise the question in its fullest sense: Is what has been conceived as the path to sound thinking also a path to a possible life for humanity on Earth? - Precisely because the matter is so serious, we must address the whole nature of human beings—especially those who today believe they can build social life based on achievements that are beneficial only to a certain branch of the natural sciences. What have these achievements brought us?

[ 17 ] Ich habe öfter und seit vielen Jahren schon hier in Stuttgart auf die Größe und Bedeutung der naturwissenschaftlichen Weltanschauung hingewiesen, und diejenigen, die mich öfter gehört haben, die werden in mir gewiß keinen Verächter dieser naturwissenschaftlichen Weltanschauung sehen - in den Grenzen, in denen sie berechtigt ist. Aber das, um was es sich hier handelt, ist etwas anderes. Es ist die Frage: Ist eine naturwissenschaftliche Weltanschauung möglich, wenn es sich darum handelt, die Gesetze der menschlichen Erkenntnis hineinzutragen in das, was das soziale Leben gestalten soll?

[ 17 ] I have frequently pointed out, here in Stuttgart for many years now, the scope and significance of the scientific worldview, and those who have heard me speak often will certainly not see me as someone who scorns this scientific worldview—within the limits in which it is justified. But what is at issue here is something else. The question is: Is a scientific worldview possible when it comes to applying the laws of human knowledge to what is meant to shape social life?

[ 18 ] Um sich diese Frage zu beantworten, muß man eingehen auf den vermeintlichen Weg zum gesunden Denken, den diese naturwissenschaftliche Weltanschauung genommen hat. Da sieht man, daß diese naturwissenschaftliche Weltanschauung alles das an den Tatsachen der Natur ergründet hat, was seine Anwendung finden kann auf dem Gebiete der Technik und des industriellen Lebens. Da sieht man, daß dasjenige, was durch die Erkenntnis der Naturgesetze in der Technik und im industriellen Leben und im Verkehrswesen verwirklicht werden konnte, im Großen ausgebaut worden ist. Das alles war zu einem Höhepunkt gelangt, als die Katastrophe 1914 hereinbrach, die da zeigte, wie wenig das soziale Anschauen nachgerückt war demjenigen Anschauen, das aus der Erkenntnis der Naturwissenschaft heraus Maschinen baute, die Welt mit Verkehrsmitteln überhäufte und so weiter. Ja, das, was wir in unserer Technik sehen, gleichgültig, ob es zum Aufbau oder zur Zerstörung führt, das ist verwandt einer gewissen Richtung naturwissenschaftlichen Denkens. Diese Richtung naturwissenschaftlichen Denkens wollte universell werden, wollte allgemeingültig werden, wollte etwas für das ganze menschliche Leben bedeuten.

[ 18 ] To answer this question, one must examine the supposed path to sound thinking that this scientific worldview has taken. There we see that this scientific worldview has explored everything in the facts of nature that can be applied to the fields of technology, industrial life, and transportation. There we see that what could be realized through the understanding of natural laws in technology, industrial life, and transportation has been developed on a grand scale. All of this had reached a peak when the catastrophe of 1914 struck, revealing just how little social thinking had kept pace with the kind of thinking that, based on scientific knowledge, built machines, flooded the world with means of transportation, and so on. Indeed, what we see in our technology—regardless of whether it leads to construction or destruction—is related to a certain strand of scientific thought. This strand of scientific thought sought to become universal, to become universally valid, and to have significance for all of human life.

[ 19 ] Da sehen wir, wie ja allerdings, ich möchte sagen vereinzelte Geister leben, die wie Sonderlinge dastehen in der allgemeinen Entwicklung, die doch von der Gesinnung ausgegangen waren, «wie wir es so herrlich weit gebracht haben»; wir sehen, wie sie sich anschauen das, was heraufzieht, und mit ungeheurer Besorgnis in die Zukunft blicken. Man braucht nur hinzuweisen auf Solowjow, den russischen Philosophen, der ja leider in Mitteleuropa nur bekannt geworden ist erst seit den Kriegsjahren, der aber schon im Beginn des Jahrhunderts gestorben ist. Er hat tiefe Blicke getan in das menschliche Leben, er war aber auch aufgeklärt genug, das praktische Leben sich anzuschauen und mit seiner ungeheuer wohlwollenden, milden Seele dieses praktische Leben zu betrachten. Dieser Philosoph Solowjow, ihn überkam bitterste Sorge, wenn er sich sagte: Auch über mein Rußland breitet sich aus durch eine innerlich morsche Herrschaft alles dasjenige, was die moderne Weltanschauung aus der naturwissenschaftlichen Unterlage heraus gewinnt. Da wird dieses Rußland überzogen mit all den Herrlichkeiten — er sagt das nicht als Ironie -, mit all den Herrlichkeiten der modernen Technik, des modernen Verkehrswesens, und es verschwindet wie hinweggestohlen aus der Welt dasjenige, was doch den Boden abgeben müßte für ein gesundes russisches Denken. Es verschwindet mit jeder Eisenbahn, die hingeleitet wird, mit jeder Industrieanlage dasjenige, aus dem russische Gesundheit des Denkens erwachsen müßte: der Grund und Boden. -— Und man hört, wie Solowjow spricht, daß er ein Verständnis dafür hat, daß das gesunde menschliche Denken mit dem Grund und Boden verknüpft ist, in anderer Weise als dasjenige Denken, das sich losreißt von diesem Grund und Boden, das gewissermaßen in einer abstrakten Höhe, wenn auch in einer physischen Realität existiert und auf naturwissenschaftlicher Grundlage als moderne Kultur auftritt. Gewiß, man mag das einseitig nennen; es war ja auch in einer gewissen Weise einseitig. Aber wie braucht denn derjenige allseitig zu sein, der in einer Welt lebt, die gleichsam mit äußeren Kräften darnach strebt, absolut restlos alles dasjenige in die Welt hineinzubringen, was sich nur auf Grundlage naturwissenschaftlicher Gesinnung ergeben kann; wie braucht der, der da möchte ein gesundes ruhiges Urteil gewinnen, aufzukommen gegen den materialistischen Traum der ganzen Menschheit; wie braucht man dem Einseitigkeit vorzuwerfen, wenn er seine Besorgnis äußert, die ja in einer gewissen Weise wahnsinnig erscheinen mußte in der Zeit, in der sich diese moderne Kultur noch nicht so sehr in ihren Niedergang hineinbegeben hatte wie jetzt, da Solowjow seit zwanzig Jahren tot ist. Nun, auch jener Charles Eliot, von dem ich gesprochen habe, gibt ungefähr an, was er sich als eine Art Zukunftsreligion denkt, wenn die Menschen nicht mehr glauben werden an einen außerweltlichen Gott oder wenn sie in weiten Kreisen nicht mehr an Dämonologie glauben werden. Er sagt: Es wird herrschen der Hinblick auf einen einheitlichen Gott, der den Dingen innerlich ist, der auch der Menschenseele innerlich ist und der in alledem wirkt, was Naturgesetze sind. -— Aber man sieht aus dieser Rede, und es ist ja darin auch deutlich ausgesprochen, daß sich auch für einen solchen gutmeinenden Menschen, wie es Charles Eliot ist, zusammenkoppelt dieser Gott mit dem, was er weiß über den in der Welt sich ausbreitenden Stoff, über die ewig sich verwandelnde, aber unzerstörbare Kraft. Im Grunde genommen ist ihm die Einheit Gottes nichts anderes als die Einheit des Stoffes und der Kraft. Und aus solchen theoretischen Bekenntnissen heraus predigt er der Welt dann das, was dem Menschen als praktische Lebensgrundlage zur Unterlage dienen soll. Da sagt er: Ewig leuchtend sein wird der Satz «Diene deinem Mitmenschen». Diene deinem Mitmenschen — das wiederholt sich immer wieder und wiederum in jener Rede. Aber bei einem solchen Satz, einer solchen Forderung handelt es sich wahrlich nicht allein darum, daß die Sachen ausgesprochen werden, sondern da handelt es sich darum, ob dasjenige, was da gefordert wird von den Menschen, von diesen Menschen auch erfüllt werden kann - erfüllt werden dadurch, daß sich aus den Tiefen ihrer Seele heraus Kräfte loslösen, die zuletzt ihr Ergebnis finden in sozialem Menschendienst, in sozialem Wirken nach dem Satz: «Diene deinem Mitmenschen». Mit anderen Worten, fragen muß man: Ist eine Weltanschauung in der Lage, eine Grundlage zu bilden für wahre Menschenliebe? Ist eine Weltanschauung in der Lage, die Wurzel jener Pflanze zu sein, welche, wenn sie herauswächst aus dem Boden, als Menschenliebe blüht und fruchtet? Diese Frage läßt sich nicht einseitig logisch und theoretisch beantworten. Diese Frage läßt sich allein auf Grundlage dessen, was geschichtlich geschieht, beantworten. Und hätte Eliot nur die Erfahrung abgewartet, die sich jetzt durch die Gestaltung des europäischen Ostens und in Asien ergibt und ergeben wird, dann hätte er seine Bedenken bekommen müssen. Denn das geschichtliche Ergebnis ist, daß die sozialistische Lehre, die nur bauen will auf denselben naturwissenschaftlichen Voraussetzungen, auf denen Eliot die Welt der Zukunft, das Leben überhaupt aufgebaut wissen will, daß diese sozialistische Richtung nicht in der Lage ist, das soziale Leben auf die freie, aus dem menschlichen Inneren hervorquellende, in der Welt fruchtende Liebe zu begründen. Denn nicht tönt uns entgegen aus dieser sozialen Lehre und sozialen Tyrannei dasjenige, was weckend wäre für Menschenliebe. Nicht tönt uns entgegen die Erfüllung des Spruches: Diene deinen Mitmenschen, weil du sie liebst -, sondern es tönt uns entgegen das trockene, leere, den Menschen ausödende Wort von der Pflicht zur Arbeit, von dem wie mit militärischem Drill zur Arbeit Getriebenwerden der Menschen.

[ 19 ] There we see—and indeed, I might say—isolated spirits living as eccentrics set apart from the general course of development, even though they had originally shared the sentiment that “we have come so wonderfully far”; we see how they observe what is looming and look toward the future with immense concern. One need only point to Soloviev, the Russian philosopher, who, unfortunately, has only become known in Central Europe since the war years, but who died at the beginning of the century. He cast profound glances into human life, but he was also enlightened enough to observe practical life and to contemplate it with his immensely benevolent, gentle soul. This philosopher, Soloviev, was overcome by the bitterest anxiety when he told himself: “Even across my Russia, through an internally rotten regime, everything that the modern worldview derives from a scientific foundation is spreading.” And so this Russia is being covered with all the splendors—he does not say this ironically—with all the splendors of modern technology and modern transportation, and that which ought to provide the foundation for healthy Russian thought is disappearing from the world as if stolen away. With every railroad that is built, with every industrial facility, that which should give rise to the health of Russian thought disappears: the land itself. — And as one listens to Soloviev speak, one hears that he understands how sound human thought is linked to the land, in a different way than the kind of thought that breaks away from this land—a thought that exists, so to speak, at an abstract height, even if within a physical reality, and manifests itself as modern culture on a scientific basis. Certainly, one might call this one-sided; it was, after all, one-sided in a certain way. But how can one be comprehensive when living in a world that, as it were, strives with external forces to introduce into the world absolutely everything that can arise solely on the basis of a scientific mindset? How can one who wishes to arrive at a sound, calm judgment stand up against the materialistic dream of all humanity? how can one accuse him of one-sidedness when he expresses his concern, which must indeed have seemed, in a certain sense, insane at a time when this modern culture had not yet plunged so deeply into its decline as it has now, twenty years after Soloviev’s death? Now, even that Charles Eliot, of whom I have spoken, outlines roughly what he envisions as a kind of religion of the future, when people will no longer believe in an otherworldly God or when, in wide circles, they will no longer believe in demonology. He says: There will be a focus on a unified God who is inherent in all things, who is also inherent in the human soul, and who acts through all the laws of nature. — But one can see from this speech—and indeed it is clearly stated therein—that even for a well-meaning person such as Charles Eliot, this God is linked to what he knows about the matter spreading throughout the world, about the eternally changing yet indestructible force. Essentially, for him, the unity of God is nothing other than the unity of matter and force. And based on such theoretical convictions, he then preaches to the world what is intended to serve as a practical foundation for human life. He says: “The maxim ‘Serve your fellow human beings’ will shine eternally.” Serve your fellow human beings—this is repeated over and over again in that speech. But with such a statement, such a demand, it is truly not merely a matter of the words being spoken; rather, the question is whether what is demanded of people can actually be fulfilled by them—fulfilled by forces being released from the depths of their souls, forces that ultimately find their expression in social service to humanity, in social action in accordance with the maxim: “Serve your fellow human beings.” In other words, one must ask: Is a worldview capable of forming a foundation for true love of humanity? Is a worldview capable of being the root of that plant which, when it grows out of the ground, blossoms and bears fruit as love of humanity? This question cannot be answered one-sidedly, logically, or theoretically. This question can be answered only on the basis of what is happening historically. And if Eliot had only waited for the experience that is now emerging—and will continue to emerge—through the shaping of Eastern Europe and Asia, he would have had cause for concern. For the historical outcome is that the socialist doctrine—which seeks to build solely on the same scientific premises upon which Eliot wishes to see the world of the future, indeed life itself, built—is incapable of grounding social life in the free love that springs from within the human being and bears fruit in the world. For what resounds to us from this social doctrine and social tyranny is not that which would awaken love for one’s fellow human beings. What resounds to us is not the fulfillment of the saying, “Serve your fellow human beings because you love them”—but rather the dry, empty, soul-destroying words about the duty to work, about people being driven to work as if by military drill.

[ 20 ] Und ich möchte sagen: Hört man auf der einen Seite Charles Eliot 1909, wo die Erfahrung der Gegenwart noch nicht vorlag, von dem Lehrstuhl der Harvard-Universität herunter seine paradigmatische Rede halten, so tönt einem wie ein Echo aus einer späteren Zeit entgegen jene Rede, die vor kurzem der russische sozialistische Kriegsminister gehalten hat, der da sagte: Diejenigen Menschen, die es ehrlich meinen mit der sozialen Ordnung, die werden nicht verkennen, was wir diesem Kriege verdanken. Er hat uns unsere Söhne zurückgeschickt als Soldaten. Sie sind tüchtige Soldaten geworden. Sie haben gelernt zu gehorchen und sich der Autorität zu fügen. Nicht wollen wir verkennen, was wir diesem Kriege verdanken dadurch, daß er uns Offiziere ausgebildet hat, die befehlen können, die den Menschen durch Zwang an die entsprechende Stelle zu rücken verstehen. Und wir wollen nicht der führenden Männer des Krieges vergessen, die in der Lage sind zu organisieren, so daß sich der Autorität dieses Organisierens jeder fügt. - Wie ein Echo tönt diese Rede von dem Übersetzen des Militarismus in die soziale Lebensgestaltung entgegen demjenigen, was - nur als Weltanschauung, weil in der Umgebung niemand daran dachte, es zu verwirklichen - aus der Rede Eliots uns entgegentönt. Die Leute wissen nur nicht, daß sie das gesunde Denken auf Wegen gesucht haben, welche in ihrer letzten Konsequenz dasjenige ergeben, was jetzt heute so deutlich zu sehen ist. Und die Menschen möchten nicht gerne zugeben den Zusammenhang zwischen dem, was man seit Jahrhunderten, aber seit Jahrzehnten besonders, glaubt denken zu müssen über Welt und Lebensdasein und demjenigen, was sich ihnen jetzt darstellt als der Wille, die Welt sozial zu gestalten - was aber gänzlich ohnmächtig ist, diese Welt so zu gestalten, daß in ihr ein menschenwürdiges Dasein tatsächlich möglich ist. Aus diesem Nicht-Verstehen-Wollen geht ja alles dasjenige im Grunde hervor, was als Weg zu einem gesunden Denken innerhalb - der Lebenslage des Gegenwartsmenschen gesucht wird.

[ 20 ] And I would like to say: When one hears Charles Eliot in 1909—at a time when the experience of the present had not yet been gained—delivering his paradigmatic speech from the lectern at Harvard University, the speech recently given by the Russian socialist Minister of War sounds like an echo from a later era, in which he said: Those who are sincere about social order will not fail to recognize what we owe to this war. It has sent our sons back to us as soldiers. They have become capable soldiers. They have learned to obey and to submit to authority. Let us not fail to recognize what we owe to this war in that it has trained us officers who can command, who know how to place people in their proper places through coercion. And let us not forget the war’s leaders, who are capable of organizing in such a way that everyone submits to the authority of this organization. - Like an echo, this discourse on translating militarism into the organization of social life resounds in contrast to what—merely as a worldview, since no one in their circle thought to put it into practice—resounds from Eliot’s speech. People simply do not realize that they have sought sound thinking through paths which, taken to their ultimate conclusion, yield precisely what is so clearly visible today. And people are reluctant to admit the connection between what they have believed for centuries—but especially in recent decades—they must think about the world and human existence, and what now presents itself to them as the will to shape the world socially—a will that is, however, entirely powerless to shape this world in such a way that a life worthy of human dignity is actually possible within it. It is from this unwillingness to understand that everything which is sought as a path to sound thinking within the life situation of contemporary humanity essentially arises.

[ 21 ] Aus meinem Buche «Die Kernpunkte der Sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft» geht alles dasjenige hervor, was dann die Bemühungen des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus ins Leben gerufen hat. Da will man den Weg suchen zu einem gesunden sozialen Denken, ohne daß man sich Illusionen hingibt, indem man sich eines wenigstens vor Augen hält, wenn es sich um diese Fragen handelt: Welche Gedanken liegen dem zugrunde, was sich heute in lebenszerstörenden Gebilden verwirklichen will? Welche Gedanken lagen dem zugrunde, was sich selber in eine Absurdität hineingeführt hat durch jene Ereignisse, die 1914 begonnen haben? Wer aber nicht in diesen Fragen sich ein klares, gesundes Urteil bilden will, der kann, an welcher Stelle er auch immer steht, nicht mitwirken an dem, an dem mitzuwirken heute eigentlich jeder Mensch nach Maßgabe seiner Kräfte und seiner Lebensposition berufen wäre. Das, worauf es heute ankommt, ist ein klares, konsequentes Denken. Dieses klare, konsequente Denken führt uns aber auch dazu, die Frage aufzuwerfen: Woher kommt denn nun eigentlich dasjenige, was sich als sogenanntes gesundes Denken auf naturwissenschaftlichem Boden entwickelt hat?

[ 21 ] My book *The Key Points of the Social Question in the Necessities of Life for the Present and the Future* sets forth everything that subsequently gave rise to the efforts of the Federation for the Threefold Social Order. The aim is to seek the path to sound social thinking without succumbing to illusions, by keeping at least one thing in mind when dealing with these questions: What ideas underlie what is currently seeking to manifest itself in life-destroying structures? What ideas lay at the root of what led itself into absurdity through the events that began in 1914? But anyone who is unwilling to form a clear, sound judgment on these questions cannot—no matter where they stand—contribute to what every human being is actually called upon to contribute to today, in accordance with their abilities and their position in life. What matters today is clear, consistent thinking. But this clear, consistent thinking also leads us to raise the question: Where, then, does that which has developed as so-called “sound thinking” on a scientific foundation actually come from?

[ 22 ] Derjenige, welcher den Zusammenhang, den geschichtlichen Zusammenhang kennt, der weiß, daß wir es in bezug auf die Ausgestaltung unserer Ideen, in bezug auf die Hervorbringung unserer Begriffe im öffentlichen Leben noch nicht weiter gebracht haben, als das Mittelalter war. Man redet viel über die Finsternis des Mittelalters, aber wir denken noch immer in den Denkformen dieses Mittelalters. Worin wir es weiter gebracht haben, das sind die Errungenschaften der Naturerkenntnis, die ihr Gegenbild in der Technik haben, die Errungenschaften der Erkenntnis der leblosen Natur, eigentlich nur eines Teiles der leblosen Natur, denn nur die hat ihr Gegenbild in der Technik. Was wir da errungen haben, was bewältigt werden kann mit den Mitteln des Rechnens, mit den Mitteln der Geometrie, das ist unsere Weltanschauung geworden. Das hat allmählich sich eine solche Stellung im menschlichen Vorstellungsleben erobert, daß es in diesem Vorstellungsleben gewissermaßen wie die selbstverständliche Begründung der ganzen Lebensansichten erscheint.

[ 22 ] Anyone who understands the context—the historical context—knows that, when it comes to shaping our ideas and formulating our concepts in public life, we have not yet progressed any further than the Middle Ages did. People speak a great deal about the darkness of the Middle Ages, but we still think in the modes of thought of that era. Where we have made progress is in the achievements of scientific knowledge of nature—achievements that find their counterpart in technology—the achievements of understanding inanimate nature, or rather only a part of inanimate nature, for only that part finds its counterpart in technology. What we have achieved there—what can be mastered through the means of calculation and geometry—has become our worldview. This has gradually secured such a position in the realm of human imagination that, in this realm, it appears, as it were, as the self-evident foundation of our entire outlook on life.

[ 23 ] Hat sich daneben die Menschheit auch bemüht, weiter auszubilden die innere Kraft des Denkens, die innere Kraft der Seele überhaupt? Nein, das kann nicht behauptet werden. Die Gedankenform, die Art des Denkens, die ganze Konfiguration des Denkens, mit der heute die Naturwissenschaft, auch die scheinbar exakteste und strengste Naturwissenschaft arbeitet, die sind dieselben, welche angewendet worden sind von den Scholastikern des Mittelalters. Bei den Scholastikern des Mittelalters waren diese Gedanken groß, waren diese Gedanken scharfsinnig. Warum waren sie das? Weil diese Gedanken sich die Aufgabe stellten, hinüberzublicken in eine geistige Welt. Man mag über einen Inhalt, wie ich es jetzt angedeutet habe, denken, wie man will; dasjenige aber, was aus der Trainierung, aus der Ausbildung des scholastischen Denkens hervorging, das kann, bei ruhigem, objektivem Blicken auf den Hergang der neueren Kultur, nicht anders gedeutet werden, als ich es jetzt versuchen werde.

[ 23 ] Has humanity, in addition, made any effort to further develop the inner power of thought—the inner power of the soul in general? No, that cannot be said. The form of thought, the mode of thinking, the entire configuration of thought with which natural science—even the most seemingly exact and rigorous natural science—works today are the same as those employed by the Scholastics of the Middle Ages. Among the medieval scholastics, these thoughts were grand; these thoughts were incisive. Why were they so? Because these thoughts set themselves the task of looking beyond into a spiritual world. One may think whatever one likes about a subject such as the one I have just outlined; but what emerged from the training and development of scholastic thought—when viewed calmly and objectively in the context of the course of modern culture—cannot be interpreted in any other way than as I shall now attempt to do.

[ 24 ] Wer weiß, mit welchem Scharfsinn, mit welcher Beherrschung der Denktechnik solche Anschauungen, solche Gedanken wie die der Trinität, wie die der Sakramente, wie die der Menschwerdung Christi verfolgt wurden - die dazumal aber Anschauungen im sozialen Leben der ganzen Menschheit waren -, wer weiß, mit welchem Scharfsinn diese Anschauungen verfolgt wurden, die kein Gegenbild in der Sinneswelt haben, wo das Denken ganz auf sich sich stützen muß, der wird sagen: Mag man denken über die Trinität, wie man will, mag man denken über die Menschwerdung Christi, wie man will - dasjenige, was dazumal an Gedankentechnik, an Logizität, an innerer Verantwortlichkeit gegenüber den Formen des Denkens sich entwickelt hat, war grandios. Es lebt als Erbschaft fort. Wir denken heute mit keinem anderen Denken, als die scholastischen katholischen Gelehrten gedacht haben, wir haben nur diese Gedanken übertragen auf naturwissenschaftliche Gebiete. Wir denken mit den Gedankenformen des Mittelalters in den materiell erschlossenen Gebieten der neueren Zeit. Wir denken nur nicht in derselben Schärfe, weil wir diese Schärfe des Denkens nicht ausbilden. Wir verzichten, wenn wir aufgeklärte Menschen sind, dieses Denken zu trainieren an Vorstellungen wie die der Inkarnation Christi, der Trinität und so weiter; wir trainieren nicht dieses Denken an der Anschauung einer übersinnlichen Welt. Wenn wir fragen nach dem Grunde: Warum ist dieses scholastische Denken so trainiert, warum ist es so innerlich in scharfen Konturen verlaufend? —, so müssen wir sagen: deshalb, weil — was auch die positiven Religionen sagen mögen, die oftmals das Grundlegende des wahren Tatbestandes vertuschen möchten -, weil dieses Denken sich entwickelt hat aus demjenigen Anschauen der Seele heraus, welches im Altertum noch bis Plato, ja bis zu den Neuplatonikern in Geltung war, weil dieses Denken sich entwickelt hat aus dem Anschauen, dem geistig-seelischen Anschauen einer geistigen, einer übersinnlichen Welt. Derjenige, der zum Denken kommen wollte, mußte hinschauen auf eine übersinnliche Welt, er mußte seine Gedanken so ausbilden, daß sie nicht nur dasjenige bezwingen konnten, was uns grobsinnlich vor Augen liegt, sondern auch dasjenige, was in jener Feinheit und Schärfe erfaßt werden muß wie die Dinge der übersinnlichen Welt. In einer instinktiven Art - nicht in jener bewußten Art, wie das diejenige Weltanschauung vertritt, die ich hier seit Jahren vortrage -, in einer instinktiven Art, aber doch in einer geistigen Art, war das Denken jener alten Zeit begründet in den Reihen des Augustinus, der Hochscholastiker, des Albertus Magnus, des Thomas von Aquin - auf einem Denken, das sich schulte am Schauen der übersinnlichen Welt, weil dieses Denken ein Sproß war des Schauens in die übersinnliche Welt, wenn das auch abgeleugnet wird von den positiven Theologen. Dieses Denken war im Mittelalter schon abgeschwächt. Im Altertum suchte man mit diesem Denken durch die innere Kraft des Menschen hinaufzudringen in eine geistige Welt. Im Mittelalter betrachtete man diese geistige Welt als etwas, was man nicht erforschen durfte, sondern nur interpretieren durfte durch die Seele selbst. Jetzt sind wir mit Bezug auf die Schulung des Denkens Erben des scholastischen Denkens. Wir stehen durchaus in derselben Denkströmung drinnen, nur können wir sie nicht mehr bis zur Vollkommenheit bringen. Wir können nicht mehr für die Gedanken die richtigen Konturen logisch scharf entwickeln, weil wir sie nicht trainieren an den [geistigen] Problemen, wo das Denken seiner eigenen Kraft überlassen ist; wir können nur das verfolgen, was im Experimentierzimmer angeschaut wird.

[ 24 ] Who knows with what acuity, with what mastery of the art of thinking, such concepts and ideas as those of the Trinity, the sacraments, and the Incarnation of Christ were pursued—ideas that were, at that time, part of the social life of all humanity— who knows with what acuity these concepts were pursued—concepts that have no counterpart in the sensory world, where thought must rely entirely on itself—will say: Whatever one may think of the Trinity, whatever one may think of the Incarnation of Christ—what developed at that time in terms of thought techniques, logical rigor, and inner responsibility toward the forms of thought was magnificent. It lives on as a legacy. Today we think in no other way than the scholastic Catholic scholars did; we have merely transferred these thoughts to the fields of the natural sciences. We think with the thought forms of the Middle Ages in the materially explored realms of modern times. We simply do not think with the same sharpness, because we do not cultivate this sharpness of thought. If we are enlightened people, we refrain from training this way of thinking through mental images such as the Incarnation of Christ, the Trinity, and so on; we do not train this way of thinking through the contemplation of a supersensible world. When we ask for the reason—why is this scholastic thinking so well-trained, why does it proceed with such sharp inner contours?—we must say: it is because—whatever the positive religions may say, which often seek to obscure the fundamental truth of the matter—because this way of thinking developed out of that perception of the soul which, in antiquity, was still prevalent up to Plato, indeed up to the Neoplatonists; because this way of thinking developed out of the perception, the spiritual-soul perception, of a spiritual, a supersensible world. Anyone who wished to attain true thinking had to look toward a supersensible world; they had to develop their thoughts in such a way that they could master not only what lies before our eyes in its gross, sensory form, but also that which must be grasped with the same subtlety and precision as the things of the supersensible world. In an instinctive way—not in the conscious way advocated by the worldview I have been presenting here for years—in an instinctive way, yet in a spiritual way—the thinking of that ancient era was grounded in the tradition of Augustine, the high Scholastics, Albertus Magnus, and Thomas Aquinas—in a mode of thinking that was schooled by the contemplation of the supersensible world, because this thinking was an offshoot of contemplation of the supersensible world, even if this is denied by the positive theologians. This way of thinking had already begun to wane in the Middle Ages. In antiquity, people sought to penetrate into a spiritual world through the inner power of the human being using this way of thinking. In the Middle Ages, this spiritual world was regarded as something that was not to be investigated, but only interpreted through the soul itself. Now, with regard to the training of thought, we are heirs to scholastic thought. We are very much within the same current of thought, only we can no longer bring it to perfection. We can no longer logically and sharply develop the correct contours for our thoughts because we do not train them on [spiritual] problems where thinking is left to its own power; we can only pursue what is observed in the laboratory.

[ 25 ] Und wo ist heute der letzte Sproß des katholischen, scholastischen Denkens im Mittelalter? Wo ist der letzte Sproß desjenigen, was als eine soziale Anschauung aus dem Gottesstaat des Augustinus und seiner Nachfolger, aus dieser strammen Organisation, dieser militaristischen Anordnung des menschlichen Zusammenlebens, hervorgegangen ist? Wo ist der letzte Sproß, der letzte Sproß der mittelalterlichen katholischen Theologie mit Bezug auf ihre Gedankenformen? - Das ist der Marxismus. Das ist dasjenige, was heute als sozialistische Lehre präpariert wird für die große Masse. Alle Gedankenformen desjenigen, was moderner Sozialismus ist — es ist nichts anderes als der letzte, altersschwache Sproß des Denkens, das in der Hochscholastik noch zu seiner halben Höhe emporlebte, das geboren war aus dem übersinnlichen Anschauen, das aber nicht mehr geeignet ist für ein naturwissenschaftliches Zeitalter. Wir sind dahin gekommen, die weite Welt des natürlichen Daseins beschrieben zu haben, sie geometrisiert und mechanisiert zu haben - und Menschen wie Charles Eliot sprechen durchaus aus diesem Dahingekommensein -, aber wir sind nicht dazu gekommen, aus dem Gedanken heraus den Weg zu finden in diese Welt hinein. Daher mußten wir sprechen, wie Du Bois-Reymond gesprochen hat über die Grenzen der Naturerkenntnis und die sieben Welträtsel. Welche Frage hat dazumal in seinen aufsehenerregenden Reden «Über die Grenzen des Naturerkennens» und «Die sieben Welträtsel» Du Bois-Reymond beantwortet? — Die Frage, daß die Erbschaft des scholastischen Denkens in die Naturwissenschaft nicht eindringen kann. Das ist kein Wunder. Thomas von Aquin hatte die Offenbarungslehre vor sich; er hatte die Lehre von den übersinnlichen Welten, wie sie dazumal gang und gäbe war, vor sich. Die neuere Naturwissenschaft war damals noch nicht da, er konnte sich nicht mit der neueren Naturwissenschaft auseinandersetzen. Würde man in seinem Geiste fortwirken — nicht im Sinne der katholischen Aufwärmung der Scholastik, des Neuthomismus -, dann müßte man sagen: Das ist etwas Altgewordenes, was im theoretischen Sozialismus Lenins und Trotzkis aus scholastischen, überscholastischen Gedankenformen heraus im Osten von Europa und in Asien sich verwirklichen will. All dieses Denken, das da altersschwach geworden ist, das muß wiederum verwandelt werden in ein Denken, das wurzelt in dem Schauen in die übersinnlichen Welten hinein. So wie damals im Anfang jenes scholastische Denken war, das nun altersschwach geworden ist, das da zu schwach geworden ist, die wirklichen sozialen Verhältnisse zu bewältigen, das nicht die Wurzel sein kann, aus der die Liebe blüht und fruchtet, dieses Denken, es muß ersetzt werden durch ein solches Denken, welches wurzelt in einer Erkenntnis der übersinnlichen Welt.

[ 25 ] And where is the last offshoot of medieval Catholic scholastic thought today? Where is the last offshoot of that which emerged as a social philosophy from the City of God of Augustine and his successors—from this rigid organization, this militaristic arrangement of human coexistence? Where is the last offshoot, the very last offshoot of medieval Catholic theology in terms of its modes of thought?—It is Marxism. It is that which is today being presented to the masses as socialist doctrine. All the forms of thought that constitute modern socialism—it is nothing other than the last, decrepit offshoot of a mode of thinking that still reached half its height in high Scholasticism, that was born of supernatural contemplation, but which is no longer suited to a scientific age. We have come to the point of having described the vast world of natural existence, of having geometrized and mechanized it—and people like Charles Eliot speak entirely from this vantage point—but we have not yet managed to find, through thought, the path into this world. That is why we had to speak, as Du Bois-Reymond did, about the limits of knowledge of nature and the seven mysteries of the world. What question did Du Bois-Reymond answer back then in his sensational lectures “On the Limits of Natural Knowledge” and “The Seven World Mysteries”? — The question that the legacy of scholastic thought cannot penetrate natural science. That is no wonder. Thomas Aquinas had the doctrine of revelation before him; he was confronted with the doctrine of the supernatural worlds, as was customary at the time. Modern natural science did not yet exist back then; he could not grapple with modern natural science. If one were to carry on in his spirit—not in the sense of the Catholic revival of Scholasticism, of Neo-Thomism—then one would have to say: This is something that has grown old, something that, in the theoretical socialism of Lenin and Trotsky, seeks to be realized in Eastern Europe and Asia out of scholastic and supra-scholastic forms of thought. All this thinking, which has grown feeble with age, must once again be transformed into a way of thinking rooted in insight into the supersensible worlds. Just as there was, in the beginning, that scholastic thinking—which has now grown feeble with age, which has become too weak to cope with real social conditions, and which cannot be the root from which love blossoms and bears fruit—this thinking must be replaced by a form of thinking rooted in a knowledge of the supersensible world.

[ 26 ] Als Charles Eliot darüber klagte, daß das, was er sich als gesundes Denken vorstellt, in weitesten Kreisen der Menschen nicht recht Anklang findet, sondern die meisten sich nur durch Heuchelei so äußerlich damit abgeben wollen, sagte er: Auf der einen Seite pflegen ja diejenigen Menschen, die es mit der Naturwissenschaft ernst meinen, eine solche natürliche Religion und suchen sie für die Zukunft zu veranlagen und später auszubilden, aber wir sehen doch, wie ein Teil derjenigen Menschen, die durchaus auch zu den Gebildeten zählen, in allen möglichen geheimen Gesellschaften den Ersatz für die alten Traditionen suchen, in den Freimaurerlogen, in den Odd-Fellows-Logen. Wir sehen - so sagt Charles Eliot -, wie ein großer Teil der Menschen, der ehrlich sucht nach dem Übersinnlichen, im Spiritismus, in der Christian Science einen Weg sucht, um zum Geiste zu kommen. Wir sehen, wie die breite Masse doch aus alter Gewohnheit an den traditionellen Konfessionen festhält. — Darüber klagt Charles Eliot. Das sieht er als dasjenige an, was sich entgegenstellt der Verfolgung dieses Weges zu einem gesunden Denken. Aber er kommt nicht darauf, wie das, was er entwickelt, eigentlich außerhalb der Wirklichkeit der Naturwissenschaft steht. Er kommt gar nicht darauf, sich zu sagen, daß dasjenige, was heraufgezogen ist, mit einem anderen Denken erfaßt werden muß als mit dem Denken, das nur das Erbe des scholastischen Mittelalters ist: mit einem aus der geistigen Welt neugeborenen Denken. Wahrhaftig, dasjenige, was heute als Sozialismus heraufgezogen ist — was ist es anderes als das, was lebte durch die Jahrhunderte des Mittelalters, was bis heute in den Gemütern der Masse nicht überwunden worden ist durch die neuere Kultur. Und wenn diese Leute auch als Gegner der Bekenntnisse auftreten - ihre Gedankenformen sind durchaus im Sinne dieser Bekenntnisse gehalten. Mit denselben Gedankenformen, mit denen der mittelalterliche Mensch den supernaturalen Gott durchdringen wollte, mit denselben Gedankenformen wendet sich der heutige Naturforscher, der die heutige Weltanschauung popularisierende Laie, der theoretische Sozialist an die Einheit des Stoffes und der Kraft.

[ 26 ] When Charles Eliot lamented that the mental image he has of sound thinking does not really resonate with the vast majority of people—but that most are only willing to pay lip service to it out of hypocrisy—he said: On the one hand, those who take the natural sciences seriously cultivate such a natural religion and seek to lay the groundwork for it in the future and develop it later; yet we see how some of those who certainly count among the educated seek a substitute for the old traditions in all manner of secret societies—in Masonic lodges, in Odd Fellows lodges. We see—as Charles Eliot says—how a large portion of people who are earnestly seeking the supernatural look to spiritualism and Christian Science as a path to the spirit. We see how the masses, out of old habit, nevertheless cling to the traditional denominations. — Charles Eliot laments this. He regards it as an obstacle to pursuing this path toward sound thinking. But it does not occur to him that what he is developing actually lies outside the realm of scientific reality. It does not even occur to him to realize that what has emerged must be grasped with a different kind of thinking than that which is merely the legacy of the scholastic Middle Ages: with a way of thinking reborn from the spiritual world. Truly, what has emerged today as socialism—what is it other than what lived on through the centuries of the Middle Ages, what has not yet been overcome in the minds of the masses by modern culture? And even if these people present themselves as opponents of the creeds—their thought forms are entirely in keeping with the spirit of those creeds. With the very same thought forms with which medieval man sought to penetrate the supernatural God, with the very same thought forms, today’s natural scientist, the layperson popularizing the modern worldview, and the theoretical socialist turn their attention to the unity of matter and force.

[ 27 ] Das, was als ein neues Schauen gewonnen werden muß - es wird das vertreten durch viele Jahre von dieser Stelle aus und in Stuttgart überhaupt. Es handelt sich darum einzusehen, wie auch dasjenige, was jetzt durch die Dreigliederung des sozialen Organismus als soziale Anschauung gepflegt wird, ein notwendiges Ergebnis dieses neuen Schauens ist - das Nötigsein einer Erneuerung des Denkens, einer Wiedergeburt des Denkens aus der geistigen Welt heraus. Allein diese Wiedergeburt des Denkens kann uns dazu führen, jene Brücke zu bauen, die nicht gebaut werden konnte in den letzten Jahrhunderten bis in unsere Zeit herein: jene Brücke zu bauen zwischen der Welt, die als die Welt der Naturtatsachen dasteht und die man mit reiner Naturkausalität übersehen kann, und der Welt, die im menschlichen Inneren entspringt, der Welt der Sittlichkeit, der religiösen Erhebung, des religiösen Weltplanes. Und allein dadurch, daß man den Mut hat, die Gedanken im Sinne dieser Weltanschauung einmal anzustrengen, allein dadurch wird man zur Klarheit kommen über das, was sowohl in bezug auf die Lebensansicht als auch in sozialer Richtung für die Gegenwart notwendig ist.

[ 27 ] What must be gained as a new way of seeing—this is what has been advocated for many years from this venue and in Stuttgart in general. The point is to recognize how even what is now cultivated as a social perspective through the threefold structure of the social organism is a necessary result of this new way of seeing—the necessity of a renewal of thought, a rebirth of thought from the spiritual world. Only this rebirth of thought can lead us to build that bridge which could not be built in the past centuries up to the present day: to build that bridge between the world that stands as the world of natural facts—which can be overlooked through pure natural causality—and the world that springs from within the human being: the world of morality, of religious elevation, and of the religious world plan. And only by having the courage to exert one’s thoughts in the spirit of this worldview—only in this way—will one arrive at clarity regarding what is necessary for the present, both in terms of one’s outlook on life and in the social sphere.

[ 28 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, so innerlich — weil auf Erkenntnis beruhend -, so innerlich durchdrungen von dem Dasein einer geistig-göttlichen Welt ist diese geisteswissenschaftlich orientierte Weltanschauung, die hier gemeint ist. Sie ist sich darüber klar, daß in alldem, was im Erkennen des Menschen lebt, was der Mensch innerlich erlebt als seine Gedanken über die Welt, auch in dem, was als menschlicher Wille in individueller oder sozialer Beziehung aus dem Menschen entspringt, daß in alldem das Göttliche ebenso lebt, wie es lebt im äußeren Naturdasein. Das ist dasjenige, was ich in meiner «Philosophie der Freiheit» schon im Beginne der neunziger Jahre ausdrücken wollte und was jetzt wiederum ausgedrückt worden ist durch das Erscheinen der Neuauflage dieses Buches. Das ist dasjenige, was eine wirkliche Brücke schaffen wollte zwischen dem Anschauen der Natur und dem Anschauen derjenigen Impulse der Menschheit, die aus der menschlichen Freiheit hervorgehen müssen und einzig und allein aus der Freiheit heraus auch eine berechtigte Struktur des sozialen Zusammenlebens ergeben können. Da aber ist eines allerdings notwendig: es ist notwendig, etwas mehr innerlichen Denkermut aufzubringen, als die schlafenden Seelen der Gegenwart gemeiniglich haben. Da ist es notwendig, sich einmal ernsthaftig mit der Frage zu beschäftigen: Worin wurzelt dasjenige, was wir als die Zukunft der Menschheit erwarten?

[ 28 ] Ladies and gentlemen, this spiritual-Scientific worldview—which is the focus here—is so deeply, because it is based on knowledge, so deeply imbued with the existence of a spiritual-divine world. It is clear to this worldview that in everything that lives in human cognition—in what human beings experience inwardly as their thoughts about the world, and even in what springs from human beings as human will in individual or social relationships—the divine lives just as it lives in the external natural world. This is what I sought to express in my *Philosophy of Freedom* as early as the beginning of the 1890s, and what has now been expressed once again through the publication of this book’s new edition. This is what sought to build a true bridge between the contemplation of nature and the contemplation of those impulses of humanity that must arise from human freedom and can, solely out of freedom, give rise to a legitimate structure of social coexistence. But one thing is certainly necessary here: it is necessary to muster a little more inner courage of thought than the slumbering souls of the present generally possess. It is necessary, then, to seriously engage with the question: In what does that which we expect to be the future of humanity have its roots?

[ 29 ] Die äußere Naturanschauung sagt: Dasjenige, was wir als die Zukunft der Erde, als die Zukunft des ganzen Sonnensystems erwarten, muß sich durch die Verwandlung des Stoffes und der Kraft ergeben aus dem, was wir um uns sehen, was heute schon da ist. Da rechnet man, da wendet man die Mechanik an, da wendet man die Mechanik der Atome an, von denen so viele gesprochen haben, früher im absoluten, jetzt im hypothetischen Sinn oder im Sinn von Fiktionen. Da kommt man darauf: Das, was wir als das Erdenende anzusehen haben, geschieht durch die Umwandlung des Stoffes und der Kraft und ohne das, was im Menschen vor sich geht, denn das ist nur eine Episode in diesen Weltentatsachen. — Das ist eine notwendige Konsequenz einer bloß naturalistischen Weltansicht. Diese naturalistische Weltansicht erscheint derjenigen Weltansicht, die ich jetzt seit Jahrzehnten vertrete, so, als wenn jemand hinblicken würde auf die Pflanzenwurzel und sagen würde: alles das, was da entsteht, muß aus der Pflanzenwurzel heraus entstehen. Das heißt, er würde voraussetzen: Da ist die Wurzel, sie treibt Stengel, Blatt, Stengel, Blatt und so weiter. Er würde nur auf dasjenige sehen, was aus dieser Wurzel heraus sich entwickeln kann, und er würde nicht sehen, daß diese Wurzel, die er jetzt vor sich hat, verfault, sich auflöst, daß aber aus der Pflanze, die aus der Wurzel gewachsen ist, ein neuer Keim entsteht, in dem schon veranlagt ist die neue Pflanze. Lesen Sie das, was in der Literatur der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft vorliegt, und Sie werden sehen: So urteilt über den großen Weltenzusammenhang diese Geisteswissenschaft, die auf übersinnliches Schauen gebaut ist, wie es geschildert ist in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Sie sagt sich: Auf dem Grunde, den wir jetzt als physisch-sinnliche Welt vor uns haben, entsteht, wie in ihm wurzelnd, dasjenige, was im Innern unserer Seele sich ausbildet als sittliche Impulse, als ideale Anschauung, als ideale Gedankenformen, als religiöser Wahrheitsmut - man muß das nur im rechten Lichte sehen. Da entwickelt es sich, wie sich im kleinen der Keim entwickelt in der Pflanze. Wenn einstmals diese ganze Welt, die uns als Welt des Stoffes und der Kraft umgibt, verfallen sein wird, Leichnam sein wird, zerstäuben wird in den Weltenraum, was wird dann das Ende sein? Das Ende, wenn ringsherum alles um uns zerstäubt in die Welt, wird sein dasjenige, was jetzt als Geisteskeim in der menschlichen Seele ersteht. Dieses Zerstäuben, diese Vernichtung des Stofflichen, diese Vernichtung der Kraft, das ist dasjenige, auf das wir hinschauen, aber wie aus dem menschlichen Leichnam heraus sich mit dem Tod die menschliche Seele erhebt, so erhebt sich [aus dieser Zerstäubung heraus] dasjenige, was als Keim in der menschlichen Seele lebt, was sittlicher Impuls ist, was ethische Idee ist, was Erhebung zum Göttlichen ist; das formt die Zukunft, das ist die neue Welt. Nicht durch die Umwandlung des scheinbar sich verwandelnden Stoffes und der scheinbar sich verwandelnden Kraft entsteht die Weltenzukunft, sondern durch dasjenige, was jetzt in unserer Seele als Seelenerkenntnis, als Geist-Erkenntnis lebt. Da drinnen in der Menschenbrust, da lebt die Zukunft, wenn auch als Keim. Und weil man hinschaut auf eine kosmische Zukunft, die in diesem unserem Inneren ihren Keim hat, muß man den Mut haben, zu bekämpfen dieses Gesetz von der Erhaltung des Stoffes und der Kraft. Man muß den Mut haben, dasjenige, was sich im 19. Jahrhundert aus einer naturwissenschaftlichen Gesinnung heraus zu einer Welt- und Lebensansicht ausbreitete, auf diese wahre Grundlage zurückzuführen. Man muß die Brücke schlagen zwischen dem, was äußerlich-sinnlich ist, und dem, was innerlich geistig-real ist. Man kann sie nicht schlagen, solange einen hindert die Illusion von der Erhaltung des Stoffes und der Kraft. Man kann sie nur schlagen durch die neu erschaute geistige Welt, die uns ein Denken eröffnet, das aber auch gewachsen ist dem sozialen Leben.

[ 29 ] The external view of nature states: What we expect to be the future of the Earth, the future of the entire solar system, must result—through the transformation of matter and force—from what we see around us, from what already exists today. There, calculations are made; there, mechanics is applied; there, the mechanics of atoms is applied—atoms of which so many have spoken, formerly in an absolute sense, now in a hypothetical sense or in the sense of fictions. One then comes to the conclusion: What we must regard as the end of the Earth occurs through the transformation of matter and energy, and without what takes place within human beings, for that is merely an episode in these cosmic realities. — This is a necessary consequence of a purely naturalistic worldview. This naturalistic worldview appears to me—who have held a different worldview for decades now—as if someone were to look at a plant’s root and say: everything that arises there must arise from the plant’s root. That is to say, he would assume: There is the root; it produces stems, leaves, stems, leaves, and so on. They would look only at what can develop from this root, and they would not see that this root, which they now have before them, rots and disintegrates, but that from the plant that has grown from the root, a new seed emerges, in which the new plant is already predisposed. Read what is available in the literature of anthroposophically oriented Spiritual Science, and you will see: This Spiritual Science, which is based on supersensible perception as described in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, judges the great cosmic context in this way. It holds that: On the foundation we now have before us as the physical-sensory world, there arises—as if rooted within it—that which takes shape within our soul as moral impulses, as ideal vision, as ideal thought-forms, as religious courage in the pursuit of truth—one need only see this in the right light. There it develops, just as the seed develops within the plant on a small scale. When one day this entire world, which surrounds us as a world of matter and force, has decayed, become a corpse, and disintegrated into the cosmos, what will the end be? The end, when everything around us has disintegrated into the cosmos, will be that which now arises as a spiritual seed within the human soul. This disintegration, this destruction of the material, this destruction of force—that is what we are looking toward; but just as the human soul rises from the human corpse at death, so too does [from this disintegration] that which lives as a seed in the human soul—that which is a moral impulse, an ethical idea, an elevation toward the Divine—rise up; that shapes the future; that is the new world. The future of the world does not arise through the transformation of matter and force—which appear to be changing—but through that which now lives in our soul as spiritual insight, as insight into the spirit. There, within the human breast, the future lives, albeit as a seed. And because we look toward a cosmic future that has its seed within us, we must have the courage to combat this law of the conservation of matter and force. We must have the courage to bring back to this true foundation that which, in the 19th century, spread from a scientific mindset into a worldview and outlook on life. One must build a bridge between what is external and sensory and what is internal and spiritually real. One cannot build this bridge as long as one is hindered by the illusion of the conservation of matter and energy. One can build it only through the newly perceived spiritual world, which opens up a way of thinking for us that has also grown out of social life.

[ 30 ] Dieses soziale Leben, es wird, wenn der Mensch in sein Inneres zu schauen vermag, so, daß er mit aller inneren Gewissenhaftigkeit, mit aller inneren Kraft und Emotion sich sagt: Und wenn verschwunden ist alles, was meine Augen schauen, was meine Ohren hören, was ich fühle in der äußeren Welt - also alles das, wovon die Naturwissenschaft allein spricht -, dann wird als eine Metamorphose fortleben dasjenige, was ich jetzt in meinem Inneren entfache, dann wird dasjenige leben, was sittlicher Wert ist, was dem Menschen von innen heraus seine Würde gibt. - So begründet Geisteswissenschaft die Realität des Ethischen, die Realität des Sittlichen, die Realität des Religiösen, weil sie sich nicht der Illusion von der Ewigkeit von Kraft und Stoff hingibt. Sehen Sie hin auf die Metamorphose von Kraft und Stoff, wie Charles Eliot sie geschildert hat 1909, und Sie werden sehen, daß eine solche geisteswissenschaftliche Weltanschauung, wie sie hier vertreten wird, in sich die Kraft hat, zum geistigen Leben als dem Keim der Zukunft ja zu sagen. Und stellen wir uns eine Menschengemeinschaft vor, die mit solchen Seelen lebt. Stellen wir uns vor, daß die Menschen mit dieser Verantwortung - nicht mit Illusionen von Kausalität des sozialen Lebens - in das soziale Leben treten, dann dürfen wir hoffen, daß aus solcher inneren Gewissenhaftigkeit, aus solchem kosmischen Verantwortlichkeitsgefühl das ersteht, was den sozialen Organismus zur Gesundung bringen kann. Das, was aus einer neuen Geisteswissenschaft hervorgeht, ist der Weg zu einem gesunden Denken.

[ 30 ] This social life—when a person is able to look within—becomes such that, with all inner conscientiousness, with all inner strength and emotion, he says to himself: And when everything that my eyes see, that my ears hear, that I feel in the outer world—in other words, everything of which the natural sciences alone speak—has vanished, then that which I now kindle within myself will live on as a metamorphosis; then that which is of moral value, that which gives human beings their dignity from within, will live on. —This is how Spiritual Science establishes the reality of the ethical, the reality of the moral, and the reality of the religious, because it does not succumb to the illusion of the eternity of force and matter. Look at the metamorphosis of force and matter, as Charles Eliot described it in 1909, and you will see that a spiritual-science worldview such as the one presented here has within itself the power to say “yes” to spiritual life as the seed of the future. And let us imagine a human community that lives with such souls. Let us imagine that people enter social life with this sense of responsibility—not with illusions about the causality of social life—then we may hope that out of such inner conscientiousness, out of such a cosmic sense of responsibility, will arise that which can bring the social organism to health. What emerges from a new Spiritual Science is the path to healthy thinking.

[ 31 ] Das ist auch dasjenige, was sich in ein rechtes Verhältnis zur Lebenslage des gegenwärtigen Menschen stellen kann, wenn es bei einer genügend großen Anzahl von Menschen vorhanden ist. Dasjenige aber, was diese Brücke nicht schlagen kann, dem die sittliche Weltenordnung doch nur als eine Episode erscheinen muß, das wird - wenn es allein Geltung haben will, wenn es alles andere zurückdrängen will, wenn es sich entgegenstemmt einer wahren geisteswissenschaftlichen Weltanschauung -, das wird stets so ad absurdum geführt werden, wie alles das, worin wir es so herrlich weit gebracht haben, ad absurdum geführt worden ist durch die furchtbaren Katastrophen der letzten Jahre. Wer nicht lernen kann aus den Lehren dieser letzten Jahre, der kann nicht einsehen, welche sozialen Kräfte in dem Gedanken liegen, der aus dem Schauen heraus ein neues Denken suchen will - ein Denken, mit dem ausgerüstet eine genügend große Anzahl von Menschen erst an die Bewältigung dessen gehen kann, was uns heute als die großen Weltanschauungsfragen vorliegt.

[ 31 ] This is also what can establish a proper relationship to the circumstances of contemporary human life, provided it is present in a sufficiently large number of people. But that which cannot build this bridge—to which the moral world order must appear merely as an episode—will, if it seeks to prevail on its own, if it seeks to suppress everything else, if it opposes a true worldview based on Spiritual Science, will always be reduced to absurdity, just as everything in which we have made such magnificent progress has been reduced to absurdity by the terrible catastrophes of recent years. Anyone who cannot learn from the lessons of these past years cannot grasp the social forces inherent in the idea that seeks, through contemplation, a new way of thinking—a way of thinking with which, once equipped, a sufficiently large number of people can begin to tackle what confronts us today as the great questions of worldview.

[ 32 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Damit habe ich im Grunde, wenn auch nur skizzenhaft, zum Ausdruck gebracht, was ich heute als Einleitung ausführen will zu dem, was ich übermorgen weiter und ins Konkrete hinein zu sagen habe. Und nachdem somit meine Aufgabe erschöpft ist, darf ich vielleicht auch heute in wenigen Worten auf einiges zurückkommen, was ich das letzte Mal hier gesagt habe, weil ja sonst immer falsche Konsequenzen gezogen werden, wenn man ganz schweigt gegenüber gewissen Dingen.

[ 32 ] Ladies and gentlemen! With that, I have essentially—albeit only in broad strokes—outlined what I intend to discuss today by way of introduction to what I will elaborate on in more concrete terms the day after tomorrow. And now that I have fulfilled my task, perhaps I may also take a few moments today to revisit some of what I said here last time, because otherwise, people always draw the wrong conclusions when one remains completely silent on certain matters.