The Crisis of the Present
and the Path to Healthy Thinking
GA 335
29 July 1920, Stuttgart
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The Crisis of the Present and the Path to Healthy Thinking, tr. SOL
8. Wer darf gegen den Untergang des Abendlandes reden? Eine zweite Gegenwartsrede
8. Who is Allowed to Speak Out Against the Decline of the West? A Second Contemporary Address
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Ich habe schon in einem meiner letzten hier gehaltenen Vorträge auf eine bedeutsame literarische Publikation der Gegenwart hingewiesen, auf eine literarische Publikation, auf die auch derjenige hinweisen darf, der es sonst überhaupt nicht liebt, mit dem, was man gemeiniglich «Literatur» nennt, allzuviel zu tun zu haben, wie das der Fall ist bei demjenigen, der hier vor Ihnen spricht. Er möchte zu tun haben mit den Wurzeln des praktischen Lebens, mit den Kräften, die dieses praktische Leben prägen; er möchte zu tun haben mit alledem, was aus dem Geistigen heraus dieses praktische Leben prägt, mit alldem, was unmittelbar, elementar an des Menschen Sinn und Herz und Seele herantritt und den Menschen für das Leben kräftigt. Er möchte möglichst wenig zu tun haben mit dem, was man heute als «Literatur» ansieht. Aber über das Buch — Sie ahnen es aus der Formulierung des Titels der heutigen Gegenwartsrede — über das Buch von Oswald Spengler «Der Untergang des Abendlandes» darf auch derjenige sprechen, der zunächst Literatur als solche nicht besonders liebt. Denn man kann sagen: Gerade über dasjenige, was heute jeder Mensch, der in seiner Seele nicht eigentlich schläft, an Niedergangskräften, an gewaltig wirkenden Niedergangskräften, an furchtbar wirkenden Niedergangskräften in unserem Kultur- und Zivilisationsleben empfinden muß, gerade über diesen Niedergang, über diese Niedergangserscheinungen hat Oswald Spengler in seinem Buche eine Sprache geführt, die erstens so recht charakteristisch aus dem ganzen Geist unserer Zeit heraus klingt, die zweitens aber insbesondere aus dem mitteleuropäischen, aus dem deutschen Geist heraus klingt. In diesem Oswald Spenglerschen Buche wird ja nichts Geringeres versucht, als die Notwendigkeit dieses Unterganges der abendländischen Kultur zu beweisen, zu beweisen mit allen Mitteln, man möchte fast sagen mit allem Raffinement der heutigen Wissenschaftlichkeit — ja, einer Wissenschaftlichkeit, die von einem genialen Menschen wie eine neue Wissenschaftlichkeit aus der heutigen erst herausdestilliert wird, so daß das Oswald Spenglersche Buch, ich möchte sagen nicht ein theoretisches, nicht ein literarisches ist, sondern ein Buch, das von den Tatsachen, von den unmittelbar aus dem menschlichen Geistesleben der Gegenwart hervorgehenden Tatsachen spricht, aber auch in einer Weise spricht, daß schon die Gedanken dieses Buches bei den Menschen, die sie aufnehmen, die Taten beeinflussend sind. Und daß viele diese Gedanken des Oswald Spenglerschen Buches aufnehmen, das geht ja aus der einfachen Tatsache hervor, daß von diesem Buch, trotzdem es 615 Seiten umfaßt, bereits weit, weit mehr als 20 000 Exemplare verkauft worden sind. Was ein Verkauf eines Buches in 20 000 Exemplaren für die Zahl der in Betracht kommenden Leser bedeutet, das wissen alle die, die sich mit solchen Fragen jemals befaßt haben. Man kann schon sagen: Unter denjenigen Dingen auf geistigem Gebiete, mit denen man sich heute befassen muß, wenn man ein wenig eingehen will auf die Unterströmungen des gegenwärtigen Kultur- und Zivilisationslebens, sind für uns Mitteleuropäer zwei Bücher etwas, was zum Bedeutendsten gehört: erstens dieses Oswald Spenglersche Buch «Der Untergang des Abendlandes», zweitens eine vielleicht noch nicht sehr beachtete Erscheinung der Literatur, das Buch «Die wirtschaftlichen Probleme der proletarischen Diktatur». Dieses Buch ist eben erschienen im Wiener Genossenschaftsverlag «Neue Erde», geschrieben von dem Mann, der als oberster wirtschaftlicher Kommissar, also als Minister für die Angelegenheiten des Wirtschaftslebens bei Einrichtung der ungarischen Rätediktatur, nach seiner Flucht und seiner Internierung in Österreich seine Grundsätze und seine Erfahrungen zusammengefaßt hat in diesem Buch. Man möchte sagen: Diese beiden Bücher werfen ein furchtbares Licht auf das, was in den Unterströmungen des geistigen und sogar des werktätigen Lebens der Gegenwart vorhanden ist.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! In one of my recent lectures here, I already referred to a significant contemporary literary publication—a literary publication that even someone who otherwise has no particular fondness for having too much to do with what is commonly called “literature” may well mention, as is the case with the one speaking to you here. He wishes to engage with the roots of practical life, with the forces that shape this practical life; he wishes to engage with everything that, from the spiritual realm, shapes this practical life—with everything that approaches the human mind, heart, and soul in a direct, elemental way and strengthens people for life. He wishes to have as little to do as possible with what is regarded today as “literature.” But regarding the book—as you may have surmised from the wording of today’s lecture title—regarding Oswald Spengler’s book *The Decline of the West*, even someone who, at first glance, does not particularly love literature as such may speak about it. For one can say: Precisely regarding what every person today—whose soul is not truly asleep—must sense as forces of decline, as immensely powerful forces of decline, as terrifying forces of decline in our cultural and civilizational life—precisely regarding this decline, it is precisely these manifestations of decline that Oswald Spengler has addressed in his book in a language that, first of all, resonates so characteristically with the entire spirit of our time, and secondly, resonates in particular with the Central European, with the German spirit. In this book by Oswald Spengler, nothing less is attempted than to prove the necessity of this decline of Western culture—to prove it by every means, one might almost say with all the sophistication of contemporary scholarship—yes, a scholarship that a genius like him distills from the present as a new form of scholarship, so that Oswald Spengler’s book, I would say is not a theoretical work, not a literary one, but a book that speaks of facts—facts arising directly from the spiritual life of the human mind in the present—yet speaks in such a way that the very ideas of this book influence the actions of those who receive them. And the fact that many people are embracing these ideas from Oswald Spengler’s book is evident from the simple fact that, even though the book comprises 615 pages, well over 20,000 copies have already been sold. Anyone who has ever dealt with such questions knows what it means for a book to sell 20,000 copies in relation to the number of potential readers. One can certainly say that, among the intellectual matters one must grapple with today if one wishes to delve even slightly into the undercurrents of contemporary cultural and civilizational life, two books rank among the most significant for us Central Europeans: first, this book by Oswald Spengler, *The Decline of the West*, and second, a literary work that has perhaps not yet received much attention: the book *The Economic Problems of the Proletarian Dictatorship*. This book has just been published by the Viennese cooperative publishing house “Neue Erde,” written by the man who, as chief economic commissar—that is, as minister for economic affairs during the establishment of the Hungarian Soviet dictatorship—summarized his principles and experiences in this book following his escape and internment in Austria. One might say: These two books shed a terrible light on what lies in the undercurrents of contemporary intellectual and even working-class life.
[ 2 ] Oswald Spengler ist ein Mann, der in seinem «Untergang des Abendlandes» versucht hat - die Keime zu seinem Buch, so gibt er an, liegen ja im Jahre 1911, also schon vor dem Beginn der Weltkriegskatastrophe -, der versucht hat darauf hinzuweisen, wie unsere abendländische Kultur Niedergangskräfte in sich enthält, wie sie gerade durch ihre charakteristischen Erscheinungen sich notwendig als eine Niedergangskultur zeigt. So sehr zeigt sich für Oswald Spengler diese Kultur als die Niedergangskultur, daß er ihr prophezeien muß, daß sie mit dem Beginn des dritten Jahrtausends so an ihrem Ende angekommen sein muß, wie einstmals die altpersische, die altägyptische, die altbabylonische, die altgriechische, die altrömische Kultur an ihrem Ende angekommen ist. Und das, meine sehr verehrten Anwesenden, beweist nicht ein Mann aus einer abergläubischen Prophetie heraus, das sagt nicht ein Mann, der sich irgendwelcher beliebigen Phantastik hingibt, das sagt ein Mann, der den wissenschaftlichen Geist der Gegenwart in einer geradezu hervorragenden Weise beherrscht. Gerade wegen der Genialität der Persönlichkeit des Verfassers, wegen des universellen Beherrschens, man kann sagen von zwölf bis fünfzehn Wissenschaften der Gegenwart, wegen des mutvollen Durchdringens aller Konsequenzen dieser Wissenschaften für das praktische und historische Leben, muß dieses Buch als eine Fülle von Taten, nicht bloß als eine einzige Tat angesehen werden. All das, was ich eben ausgesprochen habe, muß auf der einen Seite von diesem Buch gesagt werden. Aber auf der anderen Seite ist es ein furchtbares Buch. Ist es nicht ein furchtbares Buch, das mit der ganzen Schwere des heute nur aufzubringenden wissenschaftlichen Rüstzeuges genial beweist, daß die Niedergangserscheinungen zum Untergang dieser abendländischen Kultur schon führen müssen mit dem Beginn des dritten Jahrtausends - diese Niedergangserscheinungen, innerhalb welcher wir leben, die sich flammend ausgelebt haben in der kriegerischen Weltkatastrophe und die jetzt fortdauern, wenn sie auch von den schläfrigen Seelen nicht bemerkt werden?
[ 2 ] Oswald Spengler is a man who, in his *The Decline of the West*—the seeds of which, he states, were sown as early as 1911, that is, even before the onset of the catastrophe of the World War—to point out how our Western culture contains within itself forces of decline, and how it necessarily reveals itself as a culture in decline precisely through its characteristic manifestations. To Oswald Spengler, this culture appears so clearly to be a culture in decline that he must prophesy that, by the beginning of the third millennium, it will have reached its end, just as the ancient Persian, ancient Egyptian, ancient Babylonian, ancient Greek, and ancient Roman cultures once reached their ends. And this, ladies and gentlemen, is not the assertion of a man acting on the basis of a superstitious prophecy; it is not the claim of a man who indulges in arbitrary fantasies; it is the assertion of a man who has mastered the scientific spirit of the present in a truly outstanding manner. Precisely because of the genius of the author’s personality, because of his universal mastery—one might say—of twelve to fifteen contemporary sciences, and because of his courageous exploration of all the implications of these sciences for practical and historical life, this book must be regarded as a wealth of achievements, not merely as a single achievement. Everything I have just said must be said about this book on the one hand. But on the other hand, it is a terrifying book. Is it not a terrifying book that, with the full weight of the scientific apparatus available today, brilliantly proves that the signs of decline must inevitably lead to the downfall of this Western culture with the dawn of the third millennium —these signs of decline, within which we live, which blazed to their fullest in the war-torn global catastrophe and which now continue, even if they go unnoticed by slumbering souls?
[ 3 ] Man muß sich schon ein klein wenig, und das wollen wir einleitungsweise tun, beschäftigen mit der ganzen Art und Weise, wie Oswald Spengler zu seiner Überzeugung von der Notwendigkeit des abendländischen Unterganges kommt, wenn man die Frage beantworten will, die eigentlich das Thema meiner heutigen Betrachtung sein soll: Wer darf nun gegen den Untergang des Abendlandes reden? -, denn leichtsinnig darf man nicht gegen das Spenglersche Buch reden. Leichtsinnig dagegen reden würde heißen, sich auch leichtsinnig hinwegzusetzen über das ernste wissenschaftliche Rüstzeug des Verfassers, würde bedeuten, daß man überhaupt nicht ins Auge fassen will dasjenige, was von ihm gewissenhaft hervorgeholt wird aus den Erscheinungen des Gegenwartslebens. Und ich glaube, schon viele haben gegen das Oswald Spenglersche Buch geredet, die eigentlich nicht dagegen reden dürften. Oswald Spengler, er tritt zunächst als Geschichtsschreiber in seinem Buche auf. Er sagt es selbst, er habe die Niedergangserscheinungen bemerkt wie gesagt schon vor der Weltkriegskatastrophe. Er wollte sich klar werden über die eigentlichen Ursachen, über das Wesen dieser Niedergangserscheinungen. Er war also eine von denjenigen Persönlichkeiten, auf deren Seele die Niedergangserscheinungen lasteten, während die große Masse der Bevölkerung, gerade der sogenannten intelligenten Bevölkerung, noch davon sprach, wie wir es so herrlich weit gebracht haben und wie wir das, was errungen worden ist, überall hintragen wollen in alle Ecken und Winkel der Welt - es hat sich ja für uns gezeigt, welche Kraft wir eigentlich gehabt haben, um dasjenige, was wir geglaubt haben in alle Welt hinaustragen zu müssen, auch wirklich hinauszutragen. Oswald Spengler beschreibt es uns selbst, wie er aus dem Bemerken der Niedergangserscheinungen der Gegenwart darauf gekommen ist, daß man eigentlich in Wahrheit gar nicht über diese Niedergangserscheinungen sachgemäß sprechen kann, wenn man nicht über die ganze Geschichte des Abendlandes spricht, namentlich darüber, welche Gedanken in der abendländischen Kultur leben und wie wir heute imstande sind, gerade aus der geschichtlichen Betrachtung heraus diese Gedanken in uns lebendig, lebendig zur Tat zu machen. Und so erweiterte sich Oswald Spenglers Betrachtung zu einem umfassenden geschichtlichen Buche, das die ganzen Grundlagen des abendländischen Denkens und Fühlens und Empfindens einmal durchforschen will. Oswald Spengler kommt darauf, daß jene naturwissenschaftliche Betrachtung, die seit den letzten Jahrhunderten üblich geworden ist, ja nach und nach auch angewendet worden ist auf die Geschichte, daß diese naturwissenschaftliche Betrachtung — wir haben das ja von dem Gesichtspunkt anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft oftmals hier hervorgehoben -, daß diese naturwissenschaftliche Betrachtung eingezogen ist in alles Denken, Fühlen und Wollen derjenigen Teile der Menschheit, die für den Fortschritt überhaupt in Betracht kommen. Aber gerade an der Geschichte, an demjenigen, was die [naturwissenschaftliche Betrachtung der] Geschichte nicht gibt, wie sie nicht aufklärt über die eigentlichen Ursachen des historischen Geschehens, gerade daran wird es Oswald Spengler klar, wie verfehlt die ganze geschichtliche Betrachtungsweise in den letzten Jahrhunderten bis zur Gegenwart geworden ist. Das, meine sehr verehrten Anwesenden, ist wahrhaftig auch in praktischer Beziehung für die Gegenwart nicht ohne Bedeutung, denn wir werden nachher sehen, wie in weitesten Kreisen gerade aus den geschichtlichen Vorurteilen heraus Wirklichkeit gemacht werden soll. Wir werden an einem charakteristischen Beispiel, an dem räte-ungarischen Oberwirtschaftskommissar Eugen Varga, zeigen, wie dasjenige, was Oswald Spengler als geschichtliches Denken verfolgt, tatsächlich praktische Wirklichkeit werden will. Schließt dasjenige, worauf Oswald Spengler sehr klar hinweist, nur Niedergangskräfte ein, dann muß die Betrachtungs- und Denkweise, die sich nur der Gedanken und Ideen bedient, die aus dieser Betrachtung des Niedergangs kommt, auch auf dem Gebiete des sozialen Organismus nur Niedergangserscheinungen schaffen.
[ 3 ] One must, at least to a small extent—and this is what we will do by way of introduction—examine the entire manner in which Oswald Spengler arrives at his conviction regarding the inevitability of the decline of the West if one is to answer the question that is actually the subject of my reflection today: Who, then, is entitled to speak out against *The Decline of the West*?—for one must not speak out against Spengler’s book lightly. To speak out against it lightly would mean recklessly disregarding the author’s serious scholarly credentials; it would mean refusing to even consider what he has conscientiously drawn from the phenomena of contemporary life. And I believe that many who really ought not to have spoken out against Oswald Spengler’s book have already done so. Oswald Spengler first appears in his book as a historian. He says it himself: he had noticed the signs of decline—as mentioned—even before the catastrophe of the World War. He wanted to gain clarity about the actual causes, about the nature of these signs of decline. He was thus one of those figures whose soul was weighed down by these signs of decline, while the vast majority of the population—especially the so-called intelligent class—was still talking about how far we had come and how we intended to carry what we had achieved to every nook and cranny of the world —after all, it had become clear to us just how much strength we actually possessed to truly carry out into the world what we believed we had to carry out. Oswald Spengler himself describes how, upon observing the signs of decline in the present, he came to realize that one cannot truly speak properly about these signs of decline without addressing the entire history of the West—namely, the ideas that live within Western culture and how we are able today, precisely through historical reflection to bring these ideas to life within us and translate them into action. And so Oswald Spengler’s reflection expanded into a comprehensive historical work that seeks to thoroughly explore the entire foundations of Western thought, feeling, and sensibility. Oswald Spengler concludes that the scientific approach, which has become common in recent centuries and has indeed gradually been applied to history as well, that this scientific approach — as we have often emphasized here from the perspective of anthroposophically oriented Spiritual Science — has permeated all thinking, feeling, and willing among those segments of humanity that are at all considered to be progressive. But it is precisely in history—in that which the [scientific approach to] history does not provide, in its failure to shed light on the actual causes of historical events—that it becomes clear to Oswald Spengler just how misguided the entire historical perspective has become over the past few centuries up to the present. This, ladies and gentlemen, is truly not without significance for the present day in a practical sense as well, for we shall see later how, in the broadest circles, reality is to be shaped precisely on the basis of these historical prejudices. We will use a characteristic example—that of Eugen Varga, the Hungarian Chief Economic Commissioner of the Soviet Republic—to show how what Oswald Spengler pursues as historical thinking actually seeks to become practical reality. If what Oswald Spengler very clearly points out encompasses only forces of decline, then the mode of observation and thought that makes use only of the thoughts and ideas arising from this view of decline must, even in the realm of the social organism, produce only manifestations of decline.
[ 4 ] In einem Menschen wie in Professor Eugen Varga ist inkarniert, ist Fleisch geworden diejenige Denkweise, von der Oswald Spengler findet, daß sie nur sich anlehnt an das, was mit dem Beginn des dritten Jahrtausends in den Niedergang des ganzen Abendlandes führen muß. Wenn man nur das, was da beobachtet wird als Niedergangserscheinungen, in beschleunigtem Tempo zusammenfaßt zu einem sozialistischen Programm, dann mit der Energie eines Professors Eugen Varga damit vor die Welt tritt, dann trägt man in kurzer Zeit auch etwas zusammen, was zum Niedergang führen wird. Man trägt das zusammen, das heißt man schafft den Keim eines Niedergangssozialgebildes. Solch ein soziales Gebilde hat Eugen Varga in Räte-Ungarn geschaffen, solche Niedergangsgebilde schaffen die Genossen des Professors Eugen Varga, die Lenins und Trotzkis, in Osteuropa. Das dehnt sich aus immer mehr und mehr über Asien. Das heißt aber nichts anderes als: Man beobachtet an dem Kulturfortschritt des Abendlandes die Niedergangserscheinungen, impft sie ein dem sozialen Organismus, und dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn diese Erscheinungen - von denen ein Wissenschafter bewiesen hat, daß sie zum Niedergang des ganzen Abendlandes führen -, wenn diese Erscheinungen konzentriert als sozialistische Ideen in kurzer Zeit zum Niedergang desjenigen führen, was man vorgibt aufbauen zu wollen. Deshalb hängen diese Dinge allerdings zusammen: die Oswald Spenglerschen Betrachtungen und die Eugen Vargaschen Erfahrungen. Und es ist sehr wohl an der Zeit, daß derjenige, der sich im Ernst mit den Angelegenheiten der Gegenwart befaßt, sich von praktischen Gesichtspunkten aus mit ihnen befaßt; es ist an der Zeit, daß er sich, ich möchte sagen durch die Tore, die in solchen öffentlichen Auslassungen und Offenbarungen liegen, demjenigen nähert, was möglich macht eine wirkliche Erkenntnis der tatsächlichen Notwendigkeiten zu einem Aufstieg, zu einem Wiederaufwärtskommen unserer niedergehenden abendländischen Kultur und Zivilisation. Denn gewiß, zunächst ist es so, daß die Seelen schläfrig sind gegenüber den Niedergangserscheinungen. Aber auf der anderen Seite darf es nicht verschwiegen werden, daß es eine öffentliche Frivolität ist, wenn man heute auf solche wie die hier gemeinten Erscheinungen nicht den Blick richten will, sondern in jahrzehntealten Programmen sein Heil sucht und glaubt, man könne etwas anderes als Niedergang bewirken mit diesen Programmen und Ideen. Es ist eine Kulturfrivolität, es ist eine politische Frivolität, die heute im breitesten Maße getrieben wird, wenn man heute nicht den Blick auf solche Erscheinungen richtet.
[ 4 ] In a person such as Professor Eugen Varga, the way of thinking that Oswald Spengler believes is the very foundation of what, with the dawn of the third millennium, is bound to lead to the decline of the entire Western world has been incarnated, has become flesh. If one simply takes what is observed there as signs of decline, condenses them at an accelerated pace into a socialist program, and then presents it to the world with the energy of a Professor Eugen Varga, then in a short time one will also bring about something that will lead to decline. One brings this about—that is, one creates the seed of a social structure of decline. Eugen Varga created such a social structure in Soviet Hungary; the comrades of Professor Eugen Varga—the Lenins and Trotskys—are creating such structures of decline in Eastern Europe. This is spreading more and more across Asia. But this means nothing other than: One observes the signs of decline in the cultural progress of the West, injects them into the social organism, and then one need not be surprised when these phenomena—which a scientist has proven lead to the decline of the entire West—when these phenomena, concentrated as socialist ideas, lead in a short time to the decline of that which one purports to want to build. That is why these things are indeed connected: Oswald Spengler’s reflections and Eugen Vargas’s experiences. And it is certainly time for anyone who seriously engages with the affairs of the present to address them from a practical perspective; it is time for them to approach—I would say through the gateways found in such public outbursts and revelations—that which makes possible a genuine understanding of the actual necessities for an ascent, for a resurgence of our declining Western culture and civilization. For certainly, at first, souls are indifferent to the signs of decline. But on the other hand, it must not be concealed that it is a form of public frivolity to refuse today to turn one’s gaze toward phenomena such as those referred to here, but instead to seek salvation in decades-old programs and to believe that one can bring about anything other than decline with these programs and ideas. It is a cultural frivolity, it is a political frivolity, which is being practiced on a massive scale today, when one fails to turn one’s gaze toward such phenomena.
[ 5 ] Nun lernte Oswald Spengler dasjenige kennen, was von mir hier oftmals Goetheanismus genannt worden ist, er lernte kennen die Goethesche Methode, die Natur zu betrachten, gegenüber der Naturwissenschaft, die überall als offizielle an den Universitäten gepflogen wird und von da ausstrahlt auf die unteren Lehranstalten und die [durch Anwendung auf die Geschichtsschreibung] die Geschichte zu einer Karikatur gemacht hat. Und wozu findet er sich genötigt, indem er die Goethesche Methode, die Natur zu betrachten, kennenlernt? Er findet sich genötigt, anzuwenden diese Goethesche Methode auf die Geschichte, anzuwenden allerdings so, wie er glaubt, daß sie angewendet werden müsse auf die geschichtlichen Erscheinungen. Goethes Methode ist weit verschieden von demjenigen, was heute offiziell naturwissenschaftliche Betrachtungsweise ist. Goethe betrachtet in der Natur nicht so philiströs mechanisch, pedantisch einen bloßen Zusammenhang von Ursache und Wirkung; er betrachtet, indem er heraufsteigt in das Reich der Lebewesen, wie das Lebewesen auslebt sein Entstehen, seine Geburt, sein Jungwerden, sein Reifwerden, sein Altwerden, sein Sterben. Und man braucht nur zu lesen seine Abhandlung vom Jahre 1790, seinen Versuch, die Metamorphose der Pflanzen zu erklären, um sich zu überzeugen, wie Goethe das Werden der Pflanze aus der Wurzel heraus, von Blatt zu Blatt, im Aufsteigen zu Blüte und Frucht betrachtet, um zu sehen, wie er die Natur in ihrem lebendigen Werden anschaut, wie jedes Blatt das Sinnbild des Andersgestalteten ist, wie das Urorgan nur metamorphosiert ist im Blütenblatt, im Staubgefäß, ja sogar im Keim. Angeregt durch diese Goethesche Morphologie, durch diese Gestaltungslehre der Lebewesen, macht sich Oswald Spengler daran, das geschichtliche Werden der Menschheit selber zu betrachten nach dem Muster dieser Ideen Goethes von der organischen Natur. Da kommt er dann darauf, [die Kulturen] ebenso anzusehen, wie man ansieht Werden und Wachsen eines organischen Lebewesens, einer Pflanze, eines Tieres oder auch des physischen Menschen, anzusehen das Geborenwerden, das Wachsen, das Reifen, das Altern, das Sterben der Kulturen; und er betrachtet das Geborenwerden, das Wachsen, das Reifen, das Altern, das Sterben der persischen, der ägyptischen, der babylonischen, der griechischen, der römischen Kultur, er betrachtet es, indem er die einzelnen Erscheinungen dieser Kulturen so ins Auge faßt, wie Goethe ins Auge faßte die einzelnen Organe eines Lebewesens. Und er faßt nun ins Auge dasjenige, was die Kultur des Abendlandes bisher hervorgebracht hat; er vergleicht - so, wie auch derjenige, der Lebewesen studiert, ein Lebewesen mit dem anderen vergleicht — er vergleicht das, was die Kultur des Abendlandes bisher hervorgebracht hat, mit demjenigen, was die griechische, die römische und so weiter Kultur in alten Zeiten bis zu einem gewissen Punkte ihrer Entwicklung hervorgebracht hat. Und dann kann er ausrechnen, wo die gegenwärtige Kultur des Abendlandes steht, weil man vergleichen kann diesen ihren Standpunkt mit dem entsprechenden Standpunkt des Persertums, des Ägyptertums, des Griechentums und so weiter; man kann ausrechnen, wann die gegenwärtige Kultur des Abendlandes zugrunde geht, weil man weiß, wie lange die alten Kulturen gebraucht haben, bis sie zugrunde gegangen sind.
[ 5 ] Oswald Spengler then became acquainted with what I have often referred to here as “Goetheanism”; he became acquainted with Goethe’s method of observing nature, as opposed to the natural sciences, which are universally practiced as the official discipline at universities and radiate from there to lower levels of education, and which—[through their application to historiography]—have turned history into a caricature. And what does he feel compelled to do upon becoming acquainted with Goethe’s method of observing nature? He feels compelled to apply this Goethean method to history—though, of course, in the way he believes it must be applied to historical phenomena. Goethe’s method is vastly different from what is today the official scientific approach. Goethe does not view nature in such a philistine, mechanical, or pedantic way—as a mere chain of cause and effect; rather, as he ascends into the realm of living beings, he observes how a living being lives out its genesis, its birth, its youth, its maturity, its old age, and its death. And one need only read his 1790 treatise, his attempt to explain the metamorphosis of plants, to see for oneself how Goethe observes the plant’s development from the root outward, from leaf to leaf, as it ascends toward bloom and fruit, to see how he views nature in its living development, how every leaf is the symbol of a different form, and how the primordial organ is merely metamorphosed into the petal, the stamen, and even the seed. Inspired by this Goethean morphology—this theory of the form-giving of living beings—Oswald Spengler sets out to examine the historical development of humanity itself according to the model of Goethe’s ideas about organic nature. He then comes to view [cultures] in the same way one views the development and growth of an organic living being—a plant, an animal, or even a physical human being—observing the birth, growth, maturation, aging, and death of cultures; and he observes the birth, growth, maturation, aging, and death of Persian, Egyptian, Babylonian, Greek, and Roman cultures; he observes them by examining the individual manifestations of these cultures in the same way that Goethe examined the individual organs of a living being. And he now examines what Western civilization has produced thus far; he compares—just as one who studies living beings compares one living being with another—he compares what Western civilization has produced thus far with what Greek, Roman, and other civilizations produced in ancient times up to a certain point in their development. And then he can determine where Western culture stands today, because one can compare its current stage with the corresponding stages of Persian, Egyptian, Greek, and other cultures; one can determine when Western culture will decline, because one knows how long it took for the ancient cultures to decline.
[ 6 ] Das alles wird fruchtbar, weil Oswald Spengler bricht mit der philiströsen Methode der Betrachtung der Geschichte, und er hat den Mut zu brechen mit ihr, er hat den Mut zu sagen, was die Geschichte geworden ist in ihrer Anbindung an die bloßen naturwissenschaftlichen Ideen; er hat den Mut, zum Beispiel zu sagen: Die bisherige Form der geschichtlichen Betrachtungsweise hat die formale Betrachtung der Historie auf einem Niveau gehalten, dessen man sich in anderen Wissenschaften geschämt hätte. - Warum meint er dies? Aus dem Grunde, weil er meint, es sei notwendig, daß man in der Geschichte nicht anwendet die tote Methode, die für das mineralische Reich und anderes Leblose paßt, sondern anwenden muß in der Geschichte eine lebensvolle Methode, indem man die eine Kulturform mit der anderen vergleicht. Allerdings, man muß dann ein Mensch von so universellen Kenntnissen sein wie Oswald Spengler, man muß imstande sein, die Errungenschaften der verschiedensten Gebiete der Wissenschaft und Kunst und Technik der verschiedensten Zeiten und Kulturen miteinander zu vergleichen; man muß zum Beispiel den Stil in der Baukunst irgendeiner Kulturperiode vergleichen können mit den Methoden in der Optik, der Chemie und so weiter - das heißt, man muß einen umfassenden Blick haben über dasjenige, was wirklich geschehen ist, und den hat Oswald Spengler, und er hat ihn so, wie ihn einer hat, der den wissenschaftlichen Geist der Gegenwart ganz beherrscht. So kann er vergleichen - wie sonst das Auge vergleichen kann eine Pflanze mit einer anderen, ein Tier mit einem anderen —, so kann er vergleichen dasjenige, was zum Beispiel der Mathematiker schafft in einer Kulturperiode, mit demjenigen, was der Musiker schafft; er kann vergleichen, was der Physiker am Experimentiertisch verrichtet, mit dem, was der sozialistische Agitator in derselben Zeit als Kulturform bezeichnet; er kann vergleichen das, was der Chemiker sagt, mit dem, was der Maler auf die Leinwand zaubert. Das heißt, er kann wirklich eine morphologische Betrachtungsweise anwenden: Er kann vergleichen, er kann den Vergleich, die Analogie, wie er glaubt, zu einer wissenschaftlichen Methode [gestalten], und aus dieser Anwendung des Vergleiches, der Analogie — die die anderen nur wie an einem Gängelband der Phantasie anwenden -, findet er strenge Methoden, um aus den oberflächlichen Geschehnissen der Geschichte, die gewöhnlich einzig und allein betrachtet werden, zu schließen auf die tieferliegenden Ursachen. Das tut er in seiner Weise, und es ist interessant, zu welchen Ergebnissen Oswald Spengler mit seiner Genialität und seinem Wissen und seinem Mute kommt. Er kommt wahrhaftig dazu, hinauszudringen über das, was die Geschichte eigentlich heute geworden ist unter den Händen derjenigen, die diese Geschichte zumeist vom Standpunkt irgendeiner Partei behandeln und das gar nicht einmal merken. Wie spötteln die heutigen Geschichtsbetrachter selbst vor ihren Mittelschülern schon darüber, daß zur Zeit Herders und Goethes die Menschen geschildert haben einen Brutus, einen Cäsar, einen Marc Antonius, einen Alexander, einen Perikles so, wie sie diese für ihre Ideale gebraucht haben, wie sie irgendeine ideale Persönlichkeit gebraucht haben, um sie entweder in ihrer vorzüglichen, engelhaften oder auch ruchlosen Natur hinzustellen. Die heutigen Geschichtsbetrachter glauben, in der Geschichtsbetrachtung hinaus zu sein über all das, was da am Ende des 18. und am Beginn des 19. Jahrhunderts von dem Persönlichen, Menschlichen hineingetragen worden ist in die geschichtliche Betrachtungsweise. Oswald Spengler wirft ihnen mit Recht ins Gesicht: «Sie spötteln über Historiker der Goethezeit, wenn sie ihre politischen Ideale ausdrücken, indem sie eine Geschichte des Altertums verfassen und mit dem Namen Lykurg, Brutus, Cato, Cicero, Augustus, durch deren Rettungen oder Verurteilungen das eigene Programm oder eine persönliche Schwärmerei decken; aber sie selbst können kein Kapitel schreiben, ohne zu verraten, welcher Parteirichtung ihre Morgenzeitung angehört.» Man muß schon oftmals dasjenige, was im Bewußtsein der Menschen der Gegenwart lebt, gerade auch der Intellektuellen, auch der scheinbar auf dem Gipfel der Wissenschaft Stehenden, man muß das schon so charakterisieren, wie es Oswald Spengler hier charakterisiert hat.
[ 6 ] All of this bears fruit because Oswald Spengler breaks with the philistine method of viewing history, and he has the courage to break with it; he has the courage to say what history has become in its attachment to mere scientific ideas; he has the courage, for example, to say: The traditional approach to history has kept the formal study of history at a level that would have been a source of shame in other sciences. - Why does he say this? Because he believes it is necessary not to apply to history the dead method that is suitable for the mineral kingdom and other inanimate things, but rather to apply a living method to history by comparing one cultural form with another. Admittedly, one must then be a person of such universal knowledge as Oswald Spengler; one must be capable of comparing the achievements of the most diverse fields of science, art, and technology across the most varied eras and cultures; for example, one must be able to compare the architectural style of a given cultural period with methods in optics, chemistry, and so on—that is, one must have a comprehensive view of what has actually happened, and Oswald Spengler possesses this view, just as one who has fully mastered the scientific spirit of the present does. Thus he can make comparisons—just as the eye can compare one plant with another, or one animal with another—he can compare, for example, what the mathematician creates in a given cultural period with what the musician creates; he can compare what the physicist accomplishes at the laboratory bench with what the socialist agitator, during the same period, designates as a cultural form; he can compare what the chemist says with what the painter conjures up on the canvas. That is to say, he can truly apply a morphological approach: He can compare, he can shape the comparison, the analogy, as he believes, into a scientific method; and from this application of comparison and analogy—which others use merely as if on a leash of the imagination—he discovers rigorous methods for inferring the deeper causes from the superficial events of history, which are usually considered in isolation. He does this in his own way, and it is interesting to see what conclusions Oswald Spengler reaches with his genius, his knowledge, and his courage. He truly manages to transcend what history has actually become today in the hands of those who, for the most part, treat history from the standpoint of some political party without even realizing it. How today’s historians themselves mock—even in front of their middle school students—the fact that, in the time of Herder and Goethe, people portrayed a Brutus, a Caesar, a Mark Antony, an Alexander, and a Pericles in the way they needed them for their ideals—just as they needed some ideal personality to present them either in their excellent, angelic, or even villainous nature. Today’s historians believe they have moved beyond, in their historical analysis, all that was brought into the historical perspective from the personal and human realms at the end of the 18th and the beginning of the 19th centuries. Oswald Spengler rightly throws this in their faces: “They mock historians of the Goethe era when they express their political ideals by writing a history of antiquity and using the names of Lycurgus, Brutus, Cato, Cicero, and Augustus—whose acquittals or condemnations they employ to mask their own agenda or personal enthusiasm—but they themselves cannot write a single chapter without revealing which political party their morning newspaper belongs to.” One must often characterize what lives in the consciousness of contemporary people—especially intellectuals, even those who seem to stand at the pinnacle of scholarship—exactly as Oswald Spengler has characterized it here.
[ 7 ] Und Spengler merkt noch manches andere. Spengler merkt zum Beispiel, wie wenig manches aus den Tiefen des Geschehens herausgeholt ist, was in der letzten Zeit als, ich möchte sagen absolute Wahrheit über irgendeine Erscheinung empfunden worden ist. Oswald Spengler macht zum Beispiel aufmerksam auf den ganzen Rummel, der losgegangen ist über Ibsens «Nora» seinerzeit. Da glaubten jene braven bürgerlichen Leute, die just diesem Milieu angehörten und nur dieses Milieu kannten, aus dem so etwas wie Ibsens «Nora» hervorging, da glaubten sie, sie könnten das ganze Problem der Weiblichkeit in ihre Sphäre hereinziehen. Oswald Spengler sagt: Wie komisch wirken Ibsens Frauenprobleme, wenn man anstelle der berühmten Nora zum Beispiel Cäsars Frau setzt. Wissen sie denn nicht, daß sie im Grunde genommen nur etwas Spärliches ins Auge fassen: die nicht über die bürgerlichen Schranken zwischen 1850 und 1950 - denn dann werden sie verschwunden sein — hinausgehende Dame. Es ist schon viel, wenn ein Mensch der Gegenwart, der ernst genommen werden muß wie Oswald Spengler, diese Dinge den Menschen entgegenschleudert, die so gerne, ich möchte sagen vor lauter Wohlgefallen über ihre eigene Bildung, sich nun oftmals - unausgesprochen oder ausgesprochen in merkwürdiger Weise mit Selbstlob und Selbstgefallen belegen, wie sie so herrlich viel wissen über die tiefsten Geheimnisse der Welt, und die dabei nicht ahnen, daß diese Geheimnisse nichts anderes sind als die europäischen Oberflächlichkeiten zwischen 1850 und 1950.
[ 7 ] And Spengler observes many other things as well. Spengler notes, for example, how little of what has recently been perceived as—I would say—the absolute truth about a particular phenomenon has actually been drawn from the depths of the events themselves. Oswald Spengler, for example, draws attention to all the hype that arose around Ibsen’s *Nora* at the time. Those respectable middle-class people, who belonged precisely to this milieu and knew only this milieu—from which something like Ibsen’s *Nora* emerged—believed they could bring the entire problem of womanhood into their own sphere. Oswald Spengler says: How comical Ibsen’s women’s issues seem when, instead of the famous Nora, one considers, for example, Caesar’s wife. Do they not realize that, at the very core, they are focusing on something rather meager: the woman who does not transcend the bourgeois boundaries between 1850 and 1950—for by then she will have vanished? It is already quite something when a contemporary figure, who must be taken seriously—such as Oswald Spengler—hurls these truths in the faces of people who, I might say out of sheer delight in their own education—often, whether implicitly or explicitly, in a peculiar way, shower themselves with self-praise and self-satisfaction over how wonderfully much they know about the world’s deepest secrets, and who have no inkling that these secrets are nothing other than the European superficialities between 1850 and 1950.
[ 8 ] Es wäre furchtbar, wenn die Gegenwart nichts aufbringen könnte, um in wirksamer Weise gegen das ernstzunehmende Rüstzeug des Oswald Spengler aufzufahren. Und da muß, meine sehr verehrten Anwesenden, auf manches hingewiesen werden, was nun seit einer Reihe von Jahren - eigentlich darf ich schon sagen seit Jahrzehnten - auch hier in Stuttgart vom Gesichtspunkt anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft vorgebracht worden ist. Sehen Sie, es wurde oftmals hier auf eine bedeutsame Tatsache hingewiesen, auf die Tatsache, daß man ja eigentlich ganz falsch ansieht, wie die Naturwissenschaft auf den abendländischen Kulturprozeß in den letzten drei bis vier Jahrhunderten gewirkt hat. Man glaubt, diese Naturwissenschaft sei durch Kepler, Kopernikus, Galilei und so weiter so heraufgekommen - all das ist in weitesten Kreisen, insbesondere in Gelehrtenkreisen, ein herrschender Glaube -, daß man von ihr lernen müsse, wie man in die Wirklichkeit eindringt. Man glaubt, man müsse an der Naturwissenschaft sein Denken schulen, denn an ihr könne man sehen, wie richtig gedacht wird, wie exakt gedacht wird, und daher müsse man alles andere, was im Leben vor einem auftritt, nach dem Muster dieser Betrachtungsweise ansehen.
[ 8 ] It would be terrible if the present were unable to muster anything to effectively counter Oswald Spengler’s formidable body of work. And so, my esteemed audience, it is necessary to point out certain things that have been put forward here in Stuttgart for a number of years—indeed, I may even say for decades—from the perspective of anthroposophically oriented Spiritual Science. You see, attention has often been drawn here to a significant fact—namely, that the way in which natural science has influenced the Western cultural process over the last three to four centuries is, in fact, viewed entirely incorrectly. It is believed—and this is a prevailing belief in the widest circles, especially among scholars—that natural science emerged through Kepler, Copernicus, Galileo, and so on, and that one must learn from it how to penetrate reality. It is believed that one must train one’s thinking through the natural sciences, for in them one can see how correctly and precisely one thinks, and therefore one must view everything else that arises in life according to the model of this approach.
[ 9 ] Geisteswissenschaftliche Betrachtungen führen zu einer anderen Erkenntnis. Diese geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, sie tun das, worauf, ich möchte sagen in spärlicher Weise Oswald Spengler aus seinen auch nur oberflächlichen Betrachtungen des Goetheanismus verfällt, sie tun das in tieferer Weise. Längst bevor irgendwie von dem Namen Oswald Spengler geredet werden konnte, wurde hier in den wesentlichsten Grundlagen der ganzen Entwicklung der abendländischen Kultur auf etwas anderes hingewiesen. Es wurde darauf hingewiesen, daß allerdings dasjenige, was geschehen ist in der Entwicklung dieser abendländischen Kultur in den letzten drei bis vier Jahrhunderten, nur begriffen werden kann, wenn man sich aus geisteswissenschaftlichen Untergründen heraus einen wirklichen Überblick verschafft über den Gang der ganzen Menschheitsgeschichte. Da wurde auch hier in öffentlichen Vorträgen schon wiederholt darauf hingewiesen, wie ganz anders geartet war — bis ins 7., 8. Jahrtausend zurück muß man gehen, wenn man sie finden will - eine altindische Kultur, wie ich sie in meiner «Geheimwissenschaft» genannt habe. Ich habe darauf hingewiesen, wie anders geartet eine solche urindische, wie anders geartet auch eine urpersische, eine urägyptisch-babylonische, eine griechisch-lateinische Kultur war, und wie, nachdem diese Kulturen geboren worden waren, jung geworden waren, reiften und starben, wie da hervorgegangen ist unsere Gegenwartskultur, die fünfte Kulturepoche nach der großen atlantischen Katastrophe - unsere Gegenwartskultur, von der die Menschen in der verschiedensten Weise reden. Und wiederum wurde gezeigt, wie innerhalb dieser unserer Gegenwartskultur seit der Mitte des 15. Jahrhunderts das intellektualistische Element, das Verstandeselement heraufkommt und wie in der Menschheitsentwicklung das Heraufkommen dieses Intellekts - denn vorher hat nicht der Intellekt die vorzüglichste Erkenntniskraft des Menschen bedeutet -, wie das Heraufkommen dieses Intellekts für die ganze Heranerziehung der Menschheit, namentlich im Abendlande, etwas besonderes bedeutet.
[ 9 ] Reflections from the perspective of Spiritual Science lead to a different insight. These reflections from Spiritual Science do what—I would say—Oswald Spengler, albeit in a superficial way, falls into based on his own merely superficial observations of Goetheanism; they do so in a deeper way. Long before anyone could even speak of the name Oswald Spengler, attention was drawn here to something else in the most fundamental foundations of the entire development of Western culture. It was pointed out that what has indeed taken place in the development of this Western culture over the last three to four centuries can only be understood if one gains a true overview of the course of the entire history of humanity from a perspective of Spiritual Science. It has also been repeatedly pointed out here in public lectures how fundamentally different in character—one must go back as far as the 7th or 8th millennium to find it—was an ancient Indian culture, as I have called it in my *Secret Science*. I have pointed out how different in character such an ancient Indian culture was, just as an ancient Persian, an ancient Egyptian-Babylonian, and a Greco-Latin culture were different, and how, after these cultures had been born, had come of age, matured, and died, our present-day culture emerged—the fifth cultural epoch following the great Atlantean catastrophe—our present-day culture, about which people speak in the most varied ways. And once again it was shown how, within this present-day culture of ours, since the middle of the 15th century, the intellectualistic element, the element of the intellect, has been on the rise, and how, in the development of humanity, the rise of this intellect—for previously the intellect had not been regarded as humanity’s preeminent faculty of knowledge—how the rise of this intellect signifies something special for the entire upbringing of humanity, particularly in the West.
[ 10 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man die ganze Konfiguration - gerade das, was Oswald Spengler anstrebt, aber nicht erreicht -, die Morphologie früherer Kulturepochen, sich geisteswissenschaftlich vor Augen führt, so weiß man: Großes, Gewaltiges, Ehrfurchterweckendes haben diese alten Kulturen hervorgebracht, indem sie geboren wurden, jung wurden, reif wurden, alterten und starben. Aber dasjenige, wozu unsere Kultur berufen ist, was sie aus den tiefsten Tiefen des menschlichen Seelenlebens an die Oberfläche des äußeren Kulturlebens zu tragen hat, das ist das Heranreifen der wahren Freiheitskraft im Menschen. Deshalb versuchte ich, dasjenige, was hervorquellen muß aus den Untergründen des menschlichen Seelenlebens, im Beginne der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in meinem Buche «Die Philosophie der Freiheit» darzustellen. Nach diesem Erleben der Freiheit, nach dem Erleben der Freiheit im reinen Intellekt, denn in nichts anderem kann die Freiheit erlebt werden - obwohl anderes im menschlichen Wesen auch wertvoll ist -, nur im reinen Denken kann die Freiheit erlebt werden und dann ausstrahlen auf das ganze übrige Wesen des Menschen. Die Menschheit mußte alles das, was sie früher an Mystik, an Okkultismus, an Theosophie aus dem Instinkt heraus wie eine Erkenntnis an die Oberfläche getragen hat, all das mußte die Menschheit abstreifen. Es ist heute unmöglich, das, was die Menschheit an alter Astrologie, Mystik, Theosophie, Gnosis erworben hat und was für eine alte Erkenntnis durchaus brauchbar war, das etwa wieder aufwecken, wiederum aufwärmen zu wollen. Was uns heute obliegt, ist, aus dem gegenwärtigen Entwicklungsstandpunkt der Menschheit gerade dasjenige hervorzuholen, was zum Freiheitsbewußtsein führt: das Ergreifen der menschlichen Wesenheit im reinen Denken. Wenn man aber dieses menschliche Wesen im reinen Denken ergreift, dann muß aus diesem Denken heraus geboren werden eine ganz neue geistige Welt. Niemals wurde in alten Kulturen aus dem reinen Denken heraus dasjenige geboren, was wir überliefert haben an geistigen Schätzen, an spirituellen Erkenntnissen. Erst in unserer Zeit kann aus dem reinen Denken heraus eine wirkliche Erkenntnis des Geistes geboren werden, denn diese Erkenntnis des Geistes muß aus dem reinen Denken heraus geboren werden, weil nur auf solche Art der Mensch zu gleicher Zeit im ganzen Entwicklungsgang der Menschheit zur Freiheit, zum wirklichen Freiheitsbewußtsein, das ihm von jetzt ab gebührt in der Erdenentwicklung, heranreifen kann. Und alles, was wir heute an furchtbarer Gegenwart erleben, an Niedergangserscheinungen erleben, es kommt davon her: Weil die Menschheit aus den untersten Tiefen ihres Seelenlebens die kristallhelle Klarheit des Denkens zum Erobern der Freiheit ergreifen soll und weil die Menschheit zu der Stärke, die dazu notwendig ist, heranreifen soll, daher entfallen ihr die alten Wirklichkeiten; sie entfallen ihr zunächst, gehen in den Niedergang hinein, und der Weg muß gesucht werden, wie aus den zerbröckelnden Trümmern des alten Kulturlebens der menschliche Wille aufsteigt, der sich lichtvoll durchdringt mit dem reinen Denken und so zur Freiheit heranwächst.
[ 10 ] Ladies and gentlemen, when one considers the entire configuration—precisely what Oswald Spengler strives for but fails to achieve—the morphology of earlier cultural epochs from a Spiritual Science perspective, one realizes: These ancient cultures produced something great, mighty, and awe-inspiring as they were born, grew young, matured, aged, and died. But what our culture is called to do—what it must bring to the surface of external cultural life from the deepest depths of the human soul—is the maturing of the true power of freedom within the human being. That is why, in the early 1890s, I attempted to portray in my book *The Philosophy of Freedom* that which must well up from the depths of human soul life. After this experience of freedom—after experiencing freedom in pure intellect, for freedom can be experienced in nothing else—although other aspects of the human being are also valuable—freedom can be experienced only in pure thinking and then radiate out to the rest of the human being. Humanity had to cast off everything that it had previously brought to the surface out of instinct—as if it were knowledge—in the form of mysticism, occultism, and theosophy; humanity had to cast all of that aside. It is impossible today to attempt to reawaken or revive what humanity has acquired in the form of ancient astrology, mysticism, theosophy, and gnosis—knowledge that was certainly useful in its time. What is incumbent upon us today is to draw out, from the present stage of humanity’s development, precisely that which leads to a consciousness of freedom: the grasping of the human being through pure thought. But when one grasps this human being through pure thought, then a wholly new spiritual world must be born out of this thinking. Never in ancient cultures was that which we have handed down as spiritual treasures and spiritual insights born out of pure thinking. Only in our time can a true understanding of the spirit be born out of pure thought, for this understanding of the spirit must be born out of pure thought, because only in this way can human beings, throughout the entire course of human development, simultaneously mature toward freedom—toward the true sense of freedom that is now rightfully theirs in the development of the Earth. And everything we are experiencing today as a terrible present reality, as signs of decline, stems from this: Because humanity must seize, from the very depths of its soul life, the crystal-clear lucidity of thought to conquer freedom, and because humanity must mature into the strength necessary for this, the old realities are falling away from it; they are falling away from it for the time being, entering a phase of decline, and the path must be sought by which, from the crumbling ruins of the old cultural life, the human will rises—a will that is luminously permeated by pure thinking and thus grows toward freedom.
[ 11 ] Um die Freiheit zu erobern, um uns selbst ganz im Innern zu finden, müssen wir aus dem Chaos, aus den Trümmern des äußeren Lebens die menschliche Größe aus dem Inneren heraus gebären. Deshalb entschwand der Menschheit zunächst der Blick für das, was nun wirklich wesenhaft beherrschen könnte das äußere Leben, und es kam gerade in der Zeit, die dahin drängt, das Freiheitsbewußtsein zu erwecken, es kam nur eine tote Naturwissenschaft zustande. Und das, was da an Naturwissenschaft zustande kam, es war nicht etwas, wovon man lernen konnte das eigentlich fortschrittliche Denken, sondern es war etwas, was die Menschheit als Schwäche überfallen hat. Daß sie die Freiheit erringen muß, das kommt als Schwäche in der naturwissenschaftlichen Betrachtung zum Vorschein. Die Naturwissenschaft ist schwach geworden, weil die Kraft auf eine andere Seite hin gewendet werden muß. Aus den in dem Menschen liegenden Erziehungskräften heraus hat die Naturwissenschaft selbst ihre Gestalt bekommen. Wie die Naturwissenschaft geworden ist, das hängt zusammen mit den Kräften in der Entwicklung der Menschheit. Es ist nicht so, daß diese Kräfte lernen müßten von demjenigen, was die Naturwissenschaft geworden ist.
[ 11 ] To win our freedom, to find our true selves deep within, we must give birth—from within—to human greatness out of the chaos and the ruins of external life. That is why humanity initially lost sight of what could truly and essentially govern external life, and precisely at a time when there was a pressing need to awaken a consciousness of freedom, all that emerged was a lifeless natural science. And what emerged as natural science was not something from which one could learn truly progressive thinking, but rather something that overwhelmed humanity as a weakness. The fact that humanity must attain freedom is revealed as a weakness in the natural scientific perspective. Natural science has become weak because its energy must be directed toward another sphere. Natural science itself has taken shape out of the educational forces inherent in human beings. How natural science has come to be is connected to the forces at work in human development. It is not the case that these forces must learn from what natural science has become.
[ 12 ] Nun kommt Oswald Spengler darauf: Man kann ja mit demjenigen, was die Naturwissenschaft hervorgebracht hat an Ideen, gar nicht in das historische Werden eindringen. Es kommt wirklich darauf an, daß man den Vergleich notwendig hat, um von dem Äußeren der historischen Ereignisse auf das tiefere, innerliche Geschehen zu kommen. Aber — und das müssen wir scharf ins Auge fassen: Ja, Oswald Spengler merkt, was der heutigen geschichtlichen Betrachtungsweise, was der Betrachtungsweise der ganzen Menschheit fehlt, er merkt das scharf und klar, und er merkt sogar, daß nur diejenige Betrachtungsweise, die im Goetheanismus zutage getreten ist, heraushelfen könnte aus all den Begrenztheiten der naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise. Aber nun ist Oswald Spengler ein Geist, der selbst - trotzdem er universell die gegenwärtigen Wissenschaften beherrscht - tief drinnensteckt, nicht in der Denkweise, die von der Naturwissenschaft erzeugt ist, aber in der Denkweise, die seit der Mitte des 15. Jahrhunderts die Naturwissenschaft erzeugt hat; und er kann sich nicht herausentwickeln zu dem, was aus den Tiefen der menschlichen Seele nun diese naturwissenschaftliche Betrachtungsweise überwinden könnte. So ist Oswald Spengler genial zu der negativen [Erkenntnis gekommen]: Ja, wir kommen, wenn wir die Naturwissenschaft zum Tatleben werden lassen nur dazu, den Niedergang herbeizuführen. Er kommt dazu zu behaupten: Was gibt uns die heutige Naturwissenschaft? Sie gibt uns den Beweis, daß das Abendland im Beginne des dritten Jahrtausends mit seiner jetzigen Kultur am Ende sein muß. — Aber nun kann er das, was zur Naturwissenschaft geführt hat, in sich doch nicht überwinden. Recht muß man ihm geben: Mit denjenigen Ideen, die in dem naturwissenschaftlichen Erkennen leben, kann man nur zu Unproduktivem in den sozialen Ideen der Gegenwart kommen. Man muß aufsteigen zum Vergleich, zum Bild, zur Allegorie, um daraus die tieferen historischen Kräfte zu erkennen. Aber wenn der Vergleich, die Allegorie, nicht bloß ein Phantasiebild und das Bild nicht bloß Produkt der Einbildungskraft sein soll, wenn Bild und Vergleich, Allegorie und Symbol im Sinne Spenglers nicht überhaupt etwas nur von der Phantasie Geschaffenes sein soll, dann muß eine reale Kraft aus der Seele aufsteigen, die bei Oswald Spengler nicht aufsteigt. Die realen Kräfte -— die Methoden, wie man Erkenntnis der höheren Welten erlangt, sind ja hier geschildert worden -, diese Kräfte müssen entwickelt werden, wenn man Bild, Allegorie, Symbol, Symptom, wie Oswald Spengler sie verwendet, überhaupt ernsthaft für die Betrachtung des Weltgeschehens verwenden will. Das heißt mit anderen Worten: Oswald Spengler ist ein Mensch, der herausstrebt aus dieser Betrachtungsweise, weil er fühlt das Ungenügende der gegenwärtigen Betrachtungsweise gegenüber der Menschheitsentwicklung; er weiß, es müssen andere Ideenformen angewendet werden, vor allen Dingen auf die Geschichte, er will aber nicht diese Ideenformen anwenden, indem er innerlich aus sich heraufruft die Kraft, die einzig und allein diese Ideenformen anwenden darf. Denn das muß gesagt werden: Wenn jemand Bilder, Allegorien, Imaginationen, Symbole anwendet auf die geschichtliche Betrachtungsweise, so bleibt er, wenn er auf dem Standpunkt stehenbleibt, mit dem wir geboren werden, wenn er nicht in sich entwickelt die geistigen Kräfte der Erkenntnis, von denen anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft spricht, so bleibt er ein Spieler mit bloßen Allegorien, bleibt ein Phantast auf historischem Gebiete. Das heißt: Dasjenige, was Oswald Spengler als seine Methode fordert, darf von seinem geistigen Gesichtspunkt aus nicht angewendet werden, sondern es darf erst angewendet werden, wenn man aufsteigt zu demjenigen, was auch hier schon geschildert worden ist als imaginative, inspirative und intuitive Erkenntnis.
[ 12 ] Now Oswald Spengler brings this up: One cannot, after all, penetrate the historical process using the ideas produced by the natural sciences. What really matters is that comparison is necessary in order to move from the outward appearance of historical events to the deeper, inner processes. But—and we must take this sharply to heart: Yes, Oswald Spengler perceives what is lacking in today’s approach to history, what is lacking in the approach of all humanity; he perceives this sharply and clearly, and he even realizes that only the approach that has come to light in Goetheanism could provide a way out of all the limitations of the natural-scientific approach. But Oswald Spengler is a mind who—despite his universal mastery of contemporary sciences—is deeply entrenched, not in the mode of thinking generated by the natural sciences, but in the mode of thinking that the natural sciences have generated since the mid-15th century; and he cannot evolve toward that which, from the depths of the human soul, could now overcome this scientific way of thinking. Thus, Oswald Spengler has brilliantly arrived at the negative [realization]: Yes, if we allow science to become our way of life, we will only bring about decline. He goes on to assert: What does today’s science give us? It gives us proof that the West, with its current culture, must come to an end at the beginning of the third millennium. — But he is still unable to overcome within himself what led to the natural sciences in the first place. One must concede that he is right: with the ideas that underlie scientific knowledge, one can only arrive at unproductive social ideas in the present day. One must rise to the level of comparison, image, and allegory in order to recognize the deeper historical forces from them. But if the comparison, the allegory, is not to be merely a figment of the imagination, and the image not merely a product of the imagination—if image and comparison, allegory and symbol, in Spengler’s sense, are not to be merely something created by the imagination—then a real force must rise from the soul, a force that does not rise in Oswald Spengler. These real forces—the methods by which one attains knowledge of the higher worlds, as have been described here—must be developed if one wishes to seriously employ images, allegories, symbols, and symptoms, as Oswald Spengler uses them, in the examination of world events. In other words: Oswald Spengler is a person who strives to move beyond this mode of observation because he senses the inadequacy of the current approach to human development; he knows that other forms of thought must be applied, above all to history, but he does not wish to apply these forms of thought by summoning from within himself the power that alone is permitted to apply them. For this must be said: When someone applies images, allegories, imaginations, and symbols to the historical perspective, if he remains at the level with which we are born—if he does not develop within himself the spiritual powers of knowledge of which anthroposophically oriented Spiritual Science speaks—then he remains a mere player with allegories, a fantasist in the historical realm. This means: What Oswald Spengler advocates as his method must not be applied from his intellectual standpoint, but may only be applied once one has risen to that which has already been described here as imaginative, inspirational, and intuitive knowledge.
[ 13 ] Oswald Spengler will Methoden anwenden auf die geschichtliche Betrachtungsweise, die noch durchsetzt sind von dem alten naturwissenschaftlichen Denken, wenn auch nicht von dem naturwissenschaftlichen Geist. Und Oswald Spengler ist einer von denen, die einen roten Kopf bekommen, wenn man von dem spricht, wovon die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft als dem einzigen Ausweg aus dem Niedergang des Abendlandes sprechen muß. Oswald Spengler kommt das, was zum Beispiel an sozialer Orientierung aus diesem anthroposophisch orientierten Untergrund geschaffen wird, vor wie Salonkommunismus und dergleichen. Das heißt, Oswald Spengler zeigt Genialität in bezug auf seine persönliche geistige Kraft, zeigt universelles Denken und Erkennen auf dem Gebiet der verschiedensten Wissenschaften, aber zu gleicher Zeit zeigt er auch die äußerste Borniertheit, wenn es sich handelt darum, solche geistigen Kräfte zu entwickeln, die seine Methode erst in fruchtbarer Weise anwenden können.
[ 13 ] Oswald Spengler wants to apply methods to the historical perspective that are still permeated by the old scientific way of thinking, even if not by the scientific spirit. And Oswald Spengler is one of those who gets red in the face when people speak of what anthroposophically oriented Spiritual Science must describe as the only way out of the decline of the West. To Oswald Spengler, what is created, for example, in terms of social orientation from this anthroposophically oriented underground movement, seems like “salon communism” and the like. In other words, Oswald Spengler displays genius in terms of his personal intellectual power and demonstrates universal thinking and insight across a wide range of sciences, but at the same time he also exhibits the utmost narrow-mindedness when it comes to developing the very spiritual powers that are necessary to apply his method in a fruitful way.
[ 14 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, erst wenn man dies durchschaut, erst dann darf man gegen das von Oswald Spengler über den Untergang des Abendlandes Vorgebrachte sprechen. Dann erst darf man sagen: Jawohl, du hast recht, es sind die Kulturen, die im Laufe des historischen Werdens heraufgekommen sind, so zu betrachten, daß man hinschaut auf ihr Geborenwerden, auf ihr Jungwerden, auf ihr Reifen, auf ihr Altern, auf ihr Sterben. - Jawohl, wenn wir sie so betrachten, die Kulturen, dann zeigt sich auch unsere Kultur so, daß wir ihr den von Oswald Spengler gemeinten Untergang zuschreiben müssen. Aber dann sehen wir nur eine Kultur neben der anderen, wie eine Pflanze neben der anderen, wie einen tierischen Organismus neben dem anderen, wir haben dann nichts von dem, was wir bekommen, wenn wir sie geisteswissenschaftlich betrachten.
[ 14 ] Ladies and gentlemen, only when one understands this can one speak out against what Oswald Spengler has argued regarding the Decline of the West. Only then can one say: Indeed, you are right; the cultures that have emerged in the course of historical development must be viewed in such a way that one observes their birth, their youth, their maturation, their aging, and their death. - Indeed, if we view cultures in this way, then our own culture, too, appears in such a way that we must attribute to it the decline Oswald Spengler had in mind. But then we see only one culture next to another, like one plant next to another, like one animal organism next to another; we then gain nothing of what we would gain by viewing them from a perspective of Spiritual Science.
[ 15 ] Wenn wir die Kulturen geisteswissenschaftlich betrachten, da sehen wir zurück auf die erste Kultur, auf die altindische Kultur — ich habe es in meinem Vortrag über das geschichtliche Werden der Menschheit auseinandergesetzt -, und wir finden, daß dasjenige, was der Mensch damals aus seinem eigenen Bewußtsein hervorbringt, ein Primitives, ein ganz Elementares, ein Einfaches ist. Aber wir finden zu gleicher Zeit das, was der Mensch aus seinen eigenen Bewußtseinskräften hervorbringen kann, von einer ehrfurchtgebietenden Urweltweisheit durchdrungen. Wir gehen zurück und finden die ersten Kulturen auf elementarer Stufe der Entwicklung; wenn wir aber verstehen, was an Urweltweisheit in diesen Kulturen lebt, dann knien wir förmlich nieder vor Ehrfurcht vor demjenigen, was diese Urkulturen durchdrungen hat. Und gehen wir weiter, dann finden wir diese ersten Kulturen von anderen Kulturen abgelöst. Wir finden die Urweltweisheit schon geringer, dasjenige, was der Mensch bewußt hervorbringt, schon höher, und so immer mehr und mehr, bis wir in unserer Kultur, namentlich seit der Mitte des 15. Jahrhunderts ein vollständiges Versiegen der Urweltweisheit finden. Selbst äußerlich drückt sich das aus. Es ist Unsinn, wenn die Menschen glauben, daß sie wissenschaftliches Denken aus dem 10., 11. Jahrhundert verstehen können. Nein, sie können es nicht verstehen, denn da wird eine ganz andere Sprache gesprochen als heute; man muß erst die Denkweise jener Zeit kennenlernen, die hat sich gründlich geändert. Daher ist dasjenige erstorben, was diese früheren Kulturen, allerdings instinktiv, an Urweltweisheit so beherrscht hat, daß die eine Kultur aus der anderen hervorgehen konnte, daß die urindische Kultur hinübersenden konnte den Urweltweisheitskeim in die urpersische Kultur, diese wiederum hinübersenden konnte den Urweltweisheitskeim in die urägyptische, diese wiederum in die griechisch-lateinische Kultur und so weiter. Wir sind aufgerückt — wegen unseres Freiheitsbewußtseins — zu einer Ausgestaltung des reinen Verstandes, des reinen Denkens, aber wir haben verloren die alte instinktive Urweltweisheit.
[ 15 ] When we view cultures from a Spiritual Science perspective, we look back to the first culture, the ancient Indian culture—I have discussed this in my lecture on the historical development of humanity—and we find that what human beings produced at that time from their own consciousness was primitive, entirely elementary, and simple. But at the same time, we find that what human beings were able to bring forth from their own powers of consciousness was imbued with an awe-inspiring primordial wisdom. We look back and find the earliest cultures at an elementary stage of development; but when we understand the primordial wisdom that lives within these cultures, we literally kneel in awe before what has permeated these ancient cultures. And as we proceed further, we find these earliest cultures superseded by other cultures. We find that the primordial wisdom has already diminished, while what human beings consciously produce is already more advanced, and so on, more and more, until we find a complete drying up of primordial wisdom in our own culture, particularly since the middle of the 15th century. This is even evident outwardly. It is nonsense for people to believe that they can understand scientific thinking from the 10th and 11th centuries. No, they cannot understand it, for a completely different language is spoken then than today; one must first become acquainted with the way of thinking of that time, which has changed thoroughly. Therefore, that which these earlier cultures— albeit instinctively, so masterfully embodied in primordial wisdom that one culture could emerge from another—that the ancient Indian culture could pass on the seed of primordial wisdom to the ancient Persian culture, which in turn could pass it on to the ancient Egyptian culture, and that culture in turn to the Greco-Latin culture, and so on. We have advanced—because of our sense of freedom—toward a development of pure intellect, of pure thought, but we have lost the ancient, instinctive primordial wisdom.
[ 16 ] Betrachten wir wie Oswald Spengler die Natur nur nach ihrer Außenseite, dann müssen wir so sprechen, wie Oswald Spengler über den Untergang des Abendlandes gesprochen hat. Und wir dürfen gegen diesen Untergang des Abendlandes nur sprechen, wenn wir den Mut dazu haben, uns zu sagen: Die alte, instinktive spirituelle Weisheit ist versiegt, in unseren Herzen aber glimmt schon ein neuer Funke, wir gebären aus demjenigen, was wir als Intellekt uns erworben haben, ein neues Geistesleben heraus, das unser Inneres zu neuen Kulturtaten durchdringen kann. Wir glauben nicht nur, sondern wir wissen: In unserem Inneren ist der Keim von Zukünften, nicht bloß von einer Zukunft, und da lernen wir verstehen, wie ganz anders angesehen werden muß dasjenige, was sich in der Historie vollzogen hat, als es Oswald Spengler ansieht. Wir sehen zum Beispiel, wie die alte, vom Süden heraufgekommene griechisch-lateinische Kultur ihrem Ende entgegengeht; sie hat das Christentum aus dem Orient herübergetragen, hat das Geheimnis von Golgatha bewahrt zunächst, dann — was ist mit diesem Geheimnis von Golgatha geschehen? Man verstand es damals noch, weil ein Rest von Urweltweisheit vorhanden war; man verstand dasjenige, was der Ursprung des Christentums war. Dann kamen vom Norden die germanischen Völkerschaften, sie nahmen dasjenige auf, was die altgewordenen Völker entwickelt hatten, die zur Reife und zum Sterben gekommen waren; sie nahmen es in ihr junges Blut auf und gestalteten es um. Diese germanischen Völker waren die letzten, die noch Urweltweisheit aufnehmen konnten. In ihrem Schoß entwickelte sich dann die Menschheit, in welcher diese Urweltweisheit versiegte und die aus der Kraft, die in ihr selbst erzeugt werden muß, ein neues Geistesleben hervorbringen wird. Wird dieses neue Geistesleben nicht hervorgebracht, dann geht die abendländische Kultur in die Barbarei über.
[ 16 ] If, like Oswald Spengler, we view nature solely from its outward appearance, then we must speak as Oswald Spengler spoke of the Decline of the West. And we may speak out against this Decline of the West only if we have the courage to tell ourselves: The old, instinctive spiritual wisdom has dried up, but a new spark is already smoldering in our hearts; from what we have acquired as intellect, we are giving birth to a new spiritual life that can permeate our inner being and lead to new cultural achievements. We do not merely believe, but we know: within us lies the seed of futures—not merely of one future—and there we come to understand how what has unfolded in history must be viewed quite differently than Oswald Spengler views it. We see, for example, how the ancient Greco-Latin culture, which came up from the south, is drawing to a close; it carried Christianity over from the East, preserved the mystery of Golgotha at first, and then—what became of this mystery of Golgotha? People still understood it back then because a remnant of primordial wisdom remained; they understood what constituted the origin of Christianity. Then the Germanic peoples came from the north; they absorbed what the aging peoples—who had reached maturity and were now dying—had developed; they absorbed it into their young blood and reshaped it. These Germanic peoples were the last who could still absorb primordial wisdom. Within their bosom, humanity then developed—a humanity in which this primordial wisdom has dried up and which will bring forth a new spiritual life from the power that must be generated within itself. If this new spiritual life is not brought forth, then Western culture will descend into barbarism.
[ 17 ] Es handelt sich heute nicht darum, die Außenwelt anzusehen und zu sagen: Ich glaube, da werden noch genügend Kräfte sein, welche das niedergehende Leben wieder anfachen. —- Es handelt sich nicht darum, mit schlafender Seele dazustehen und zu warten, bis da und dort dieses und jenes erscheint, was in der Außenwelt lebt; es führt zum Niedergang. Und mit dem Beweis hat der Oswald Spengler recht, auch wenn die Historiker, über die er lacht, ihm noch so viele Fehler nachweisen; aber gegenüber denjenigen, die aus einem neuen Geistesleben gegen den Untergang des Abendlandes sprechen dürfen, hört er auf, recht zu haben. Denjenigen gegenüber hört er auf, recht zu haben, die da sagen: Ja, in der Außenwelt mag alles niedergehen und wird niedergehen. Aber wir können etwas finden, was noch nicht da war: Wir können aus unserem Willen, wenn wir ihn mit reinen Gedanken durchleuchten, eine neue Welt aufrichten, eine Welt, die man heute nicht sieht, die man aber wollen muß. Und zu solchem Wollen hat man nur die Kraft, wenn man dieses Wollen durchdringen, durchsetzen will mit demjenigen, was durch spirituelle Erkenntnis gewonnen werden kann als Durchkraftung, als Impulsierung dieses Wollens — auf Wegen, die hier oftmals geschildert worden sind. -— Und daher appelliert man heute nicht an den unbestimmten Glauben, daß doch immer wieder und wiederum Kräfte da waren, die neue Kulturen hervorgebracht haben. Nein, heute muß man Oswald Spengler recht geben: Ja, die Tatsachen beweisen den Niedergang, und Oswald Spengler faßt nur die Tatsachen zum Beweis zusammen. Man muß ihm recht geben, wenn man nicht die Gewißheit hat: Der Wille, der von dem Geiste angefacht ist, von dem anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft spricht, der wird nicht Theorien, nicht Anschauungen, nicht Begriffe und Ideen, die falsch sind, widerlegen, sondern der wird bekämpfen die Niedergangstatsachen durch seinen eigenen Tatsachensinn. Wir haben heute nicht Theorien zu widerlegen, nicht falsche Anschauungen zu widerlegen, wir haben heute aus dem Wahren heraus die Tatsachen zu überwinden. Das ist es, was allein berechtigt, gegen den Untergang des Abendlandes zu sprechen. Und das zeigt uns zugleich, wie man aufzufassen hat eine solche Idee wie die Oswald Spenglersche die Idee, daß ja die westlichen, die mitteleuropäischen Völker mit allem, was sie hervorgebracht haben, schon am Ende sind und daß die russische Bevölkerung - ich habe das ja schon lange vor Oswald Spengler immer wieder und wieder gesagt -, daß diese russische Bevölkerung den Kern, den wahren Zukunftskeim zum zukünftigen Europa, enthält; das ist richtig - der Bolschewismus bietet natürlich das Gegenteil, er ist dasjenige, was zugrunde richten wird die russische Bevölkerung. Aber wie denkt sich Oswald Spengler den Vorgang der Zukunft? Er denkt sich, daß diese abendländische Kultur verschwinden wird und daß dasjenige, was in Rußland aufsteht, dann an die Stelle des in Mitteleuropa Befindlichen treten werde. - Nein, hat man den Kern der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft erfaßt, dann sagt man ein anderes, dann sagt man: Wie die germanischen Völker den Kern des Christentums in ihrer Art empfangen haben, wie sie nichts aus ihrem jungen Blute hätten entwickeln können, wenn nicht von Süden her das Geheimnis von Golgatha erschienen wäre, so muß aus diesem Mitteleuropa das entgegenleuchten der von Osten kommenden Kultur, was wir selbst aus einem neuen Geistesleben entwickeln. Nicht darum handelt es sich, daß ein im Oswald Spenglerschen Sinne fremdes Russentum West- und Mitteleuropa überschwemmt mit etwas, was dann jung ist gegenüber dem, was gestorben ist. Nein, es handelt sich darum, daß dieses Russentum etwas finden muß, was wir selber erzeugen als ein neues Geistesleben, etwas, was dieses Russentum so empfangen muß, wie die germanischen Völker mit ihrem jungen Blute das Mysterium von Golgatha empfangen haben. Die Zukunft auch des Zukunftsrüchtigen hängt davon ab, daß wir an unserem Untergang des Abendlandes nicht sterben, sondern daß wir das unsterbliche Teil in uns zur Entfaltung bringen durch ein neues Geistesleben; nur wer von einem solchen spricht, darf gegen den Untergang des Abendlandes reden.
[ 17 ] Today, it is not a matter of looking at the outside world and saying: “I believe there will still be enough forces out there to rekindle this declining life.” —- It is not a matter of standing by with a dormant soul and waiting until this or that appears here and there in the outside world; that leads to decline. And Oswald Spengler is right in his argument, even if the historians he mocks point out countless errors in his work; but when it comes to those who, drawing on a new spiritual life, speak out against the Decline of the West, he ceases to be right. He ceases to be right in the face of those who say: Yes, everything in the external world may be declining and will decline. But we can find something that was not there before: We can, through our will—if we illuminate it with pure thoughts—build a new world, a world that cannot be seen today, but which one must will. And one has the strength for such a will only if one seeks to permeate and realize this will through that which can be gained through spiritual knowledge—as a strengthening force, as an impulse for this will—along paths that have often been described here. — And that is why today we do not appeal to the vague belief that there have always been forces, time and again, that have brought forth new cultures. No, today we must agree with Oswald Spengler: Yes, the facts prove decline, and Oswald Spengler merely summarizes the facts as evidence. One must agree with him unless one has the certainty that the will—kindled by the spirit of which anthroposophically oriented Spiritual Science speaks—will not refute theories, views, concepts, or ideas that are false, but will combat the facts of decline through its own sense of reality. Today we do not have theories to refute, nor false views to refute; today we must overcome the facts from a place of truth. That is the only thing that justifies speaking out against the Decline of the West. And this shows us at the same time how to understand an idea such as Oswald Spengler’s—the idea that the Western, Central European peoples, with all that they have produced, are already at an end, and that the Russian population —as I have said time and again long before Oswald Spengler—contains the core, the true seed of the future of Europe; that is correct—Bolshevism, of course, offers the opposite; it is what will destroy the Russian people. But how does Oswald Spengler envision the course of the future? He imagines that this Western culture will disappear and that what is rising in Russia will then take the place of what currently exists in Central Europe. — No, once one has grasped the core of anthroposophically oriented Spiritual Science, one says something different; one says: Just as the Germanic peoples received the core of Christianity in their own way—and just as they could not have developed anything from their own youthful vitality had the mystery of Golgotha not appeared from the south—so must this Central Europe become the counter-radiance to the culture coming from the East, which we ourselves develop from a new spiritual life. It is not a matter of a “Russian-ness”—foreign in the sense of Oswald Spengler—flooding Western and Central Europe with something that is then young in contrast to what has died. No, the point is that this Russian spirit must find something that we ourselves create as a new spiritual life—something that this Russian spirit must receive in the same way that the Germanic peoples, with their youthful vitality, received the Mystery of Golgotha. The future—even that of those who fear the future—depends on our not perishing in the “Decline of the West,” but rather on our bringing the immortal part within us to full development through a new spiritual life; only those who speak of such a thing may speak out against the “Decline of the West.”
[ 18 ] Daher zeigt sich überall da, wo die alten Gedanken heute fortleben, sich konservieren, namentlich dann, wenn aus ihnen sozialistische Theorien werden, da zeigt sich, daß man den Niedergang nicht nur beobachtet, ihn nicht nur zuläßt, sondern daß man dann den Niedergang züchtet. Und in dieser Beziehung ist es außerordentlich interessant zu sehen, wie der Minister für wirtschaftliche Angelegenheiten in Räte-Ungarn, der Professor Eugen Varga, seine Erfahrungen gemacht hat, die er schildert in seinem eben in dem Wiener Genossenschaftsverlag der «Neuen Erde» erschienenen Buch «Die wirtschaftspolitischen Probleme der proletarischen Diktatur». Er schildert da, wie er seinen Prinzipien nach ungefähr ein solcher Marxist ist, wie in noch etwas radikalerem Formate Lenin und Trotzki sind, und mit diesen bis zur Stierhaftigkeit sich gestaltenden Kräften will er nun eine Ordnung, eine wirtschaftliche Ordnung in Ungarn einrichten. Ich will nur in ein paar kurzen Strichen hervorheben, wie er auf der einen Seite ein richtiger Marzxist ist. Er glaubt: Wenn man die Welt marxistisch macht, so wird sie wirklich, also mache ich Ungarn zunächst marxistisch und wirklich. Er weiß, daß das städtische Industrieproletariat es war, welches getragen hat die marxistischen Ideen, und er weiß, daß das, was er begründen will, nur aus den Ideen geboren werden kann, auf die das städtische Industrieproletariat schwört. Aber er muß eines gleich konstatieren, er sagt: Ja, der ganze Glaube dieses städtischen Proletariats geht dahin, daß die Zukunft abhängt davon, daß man die marxistischen Ideen praktisch verwirklicht. Aber wenn man solche Einrichtungen trifft, wird zunächst als erstes die städtische Bevölkerung und damit das städtische Industrieproletariat brotlos und unglücklich werden. Die einzigen, die auf einen grünen Zweig kommen, sind die Bauern draußen; denen kann es, wenn man die Dinge so einrichtet, wie wir sie einrichten wollen, etwas besser gehen; den Proletariern in den Städten winkt zunächst nur Verarmung, ungeheure Teuerung, winkt zunächst nur der Untergang. — Wie sagt sich nun Professor Eugen Varga als echter Marxist? Er sagt sich: Die Größe eines Ideals zeigt sich daran, daß man auch dafür hungern kann. — Wenn aber das Ideal den Leuten versprochen hat, daß, wenn es erfüllt wird, sie gerade nicht hungern müssen, dann ist es fraglich, ob sie dann wirklich so gerne hungern, wenn es sich nicht erfüllt. Und Varga hätte abwarten müssen, ob es nicht [sich herausstellt, daß] aus inneren Gründen heraus sein Räte-Ungarn zugrunde gegangen wäre. Er hat allerdings die Ausrede, daß es dazu nicht gekommen ist, weil er auf die Rumänen-Einfälle und andere äußere Gründe hinweisen kann; und so findet er noch allerlei anderes, was er als seine Erfahrungen anführt.
[ 18 ] Therefore, wherever these old ideas live on today—where they are preserved, especially when they develop into socialist theories—it becomes evident that people are not merely observing this decline, nor merely allowing it to happen, but are actively fostering it. And in this regard, it is extraordinarily interesting to see how the Minister of Economic Affairs in Soviet Hungary, Professor Eugen Varga, gained the insights he describes in his book *The Economic-Political Problems of the Proletarian Dictatorship*, which has just been published by the Vienna-based cooperative publisher “Neue Erde.” He describes there how, according to his principles, he is roughly the kind of Marxist that Lenin and Trotsky are—albeit in an even more radical form—and with these forces, which are taking shape with bull-like tenacity, he now intends to establish an order—an economic order—in Hungary. I want to highlight in just a few brief strokes how, on the one hand, he is a true Marxist. He believes: If one makes the world Marxist, it will become real; therefore, I will first make Hungary Marxist and real. He knows that it was the urban industrial proletariat that upheld Marxist ideas, and he knows that what he seeks to establish can only be born from the ideas to which the urban industrial proletariat is committed. But he must make one thing clear right away; he says: Yes, the entire belief of this urban proletariat is that the future depends on the practical realization of Marxist ideas. But if such measures are implemented, the urban population—and with it the urban industrial proletariat—will be the first to become destitute and miserable. The only ones who will come out ahead are the farmers out in the countryside; if things are organized the way we want to organize them, they may fare somewhat better; for the proletarians in the cities, however, the immediate prospect is only impoverishment, skyrocketing prices—in short, ruin. — How, then, does Professor Eugen Varga, as a true Marxist, justify this? He says: The greatness of an ideal is shown by the fact that one is willing to go hungry for it. — But if the ideal has promised people that, once fulfilled, they will not have to go hungry, then it is questionable whether they would really be so willing to go hungry if it fails to materialize. And Varga should have waited to see whether [it would turn out that] his Council Republic of Hungary would have collapsed for internal reasons. He does, however, have the excuse that this did not happen because he can point to the Romanian incursions and other external factors; and so he finds all sorts of other things that he cites as his experiences.
[ 19 ] Und es ist gerade interessant, auf diese Erscheinungen hinzuweisen, weil man es zu tun hat mit einem, der Praktiker werden durfte, der zeigen konnte, wie sich die verbohrten Theorien, die man gerade für das Praktische hält, verwerflich, verderblich ausnehmen, wenn man sie in die Wirklichkeit übertragen will. Und so weiß auch der Professor Eugen Varga vieles Schöne zu erzählen über seinen Marxismus. Aber er schildert dann auch, wie er seine Betriebsräte einsetzt, wie alles gewählt wird aus der Arbeiterschaft heraus, wie da die Stellen in den Fabriken besetzt werden, die Aufseherstellen sind und so weiter. Er sagt: Man muß dabei den alten Bürokratismus vermeiden. — Was er aber schildert, ist Bürokratismus. Aber er sagt: Dasjenige, was in der Gegenwart knüppeldick auftritt, das wird in der Zukunft schon alles furchtbar schön werden. Da wird erzählt: Ja, in der Gegenwart macht man allerdings schlimme Erfahrungen; denn diejenigen, die gewählt worden sind, daß sie die Betriebe beaufsichtigen sollen, die lungern so herum, disputieren nur, und die anderen, die noch arbeiten sollen, finden, daß sie alle selber in die Aufsichtsstellen gewählt werden sollten, weil ihnen dieses Herumlungern und Disputieren als ganz besonderes Ideal erscheint. - Das also schildert Professor Eugen Varga, der Einrichter der Rätediktatur in Ungarn. Er merkt nicht, daß er in einem einzigen Satze, auf Seite 47 seines Buches, eine bedeutsame Wahrheit ausspricht. Ich gestehe Ihnen ganz frank und frei, sein Buch ist mir eine außerordentlich interessante Erscheinung der Gegenwart, weil in dem Professor Eugen Varga dasjenige, was der Oswald Spengler als die Niedergangserscheinungen betrachtet, sich in sozialistische Ideen verwandelt. Schon in seinen Ideen darinnen ist die Niedergangskraft, so daß durch solche Leute wie Professor Eugen Varga den Menschen die Niedergangskraft eingeimpft wird. Wenn man die Kultur sich selbst überläßt, wenn man herangeht, zu doktern mit solchen Ideen auf solchen Gebieten, wie es Lenin und Trotzki und andere im Osten und in Asien machen, dann drängt man konzentriert zum Untergang, so daß dann die Geschichte rasend schnell in die vollständige Zerstörung hineingeht. So ist mir das Buch eines Mannes wie Eugen Varga, der Praktiker sein will und dabei die Theorie vom Niedergang des Abendlandes in seine Praxis hineinbringt, es ist mir kulturhistorisch interessant, denn dieses Buch ist nicht bloß Literatur, es ist etwas, was das Tatenleben zum Ausdruck bringt.
[ 19 ] And it is particularly interesting to point out these phenomena because we are dealing with someone who was able to become a practitioner—someone who could demonstrate how the dogmatic theories that are considered practical actually prove to be reprehensible and pernicious when one attempts to apply them to reality. And so Professor Eugen Varga, too, has many fine things to say about his Marxism. But he also describes how he deploys his works councils, how everything is elected from among the working class, how positions in the factories—such as those of foremen—are filled, and so on. He says: One must avoid the old bureaucracy in the process. — Yet what he describes is bureaucracy. But he says: “What currently appears to be a massive problem will all turn out to be wonderfully beautiful in the future.” He goes on to say: “Yes, people are indeed having terrible experiences at present; for those who have been elected to supervise the enterprises just loiter around and argue endlessly, while the others—who are supposed to be working—feel that they themselves should all be elected to the supervisory positions, because this loitering and arguing strikes them as a very special ideal.” - This, then, is what Professor Eugen Varga, the architect of the council dictatorship in Hungary, describes. He does not realize that in a single sentence, on page 47 of his book, he articulates a significant truth. I confess to you quite frankly and openly that his book strikes me as an extraordinarily interesting phenomenon of the present, because in Professor Eugen Varga, what Oswald Spengler regarded as signs of decline are transformed into socialist ideas. The force of decline is already present in his ideas, so that through people like Professor Eugen Varga, this force of decline is instilled in people. If one leaves culture to its own devices, if one sets out to impose such ideas in such fields—as Lenin, Trotsky, and others do in the East and in Asia—then one is driving society headlong toward ruin, so that history then hurtles at breakneck speed toward complete destruction. Thus, a book by a man like Eugen Varga—who claims to be a practitioner yet incorporates the theory of the decline of the West into his practice—is of cultural-historical interest to me, for this book is not merely literature; it is something that gives expression to a life of action.
[ 20 ] Aber was ist eigentlich daran interessant? Ich muß sagen: So interessant das Buch ist — was mich eigentlich am meisten interessiert, ist nur ein einziger Satz, der sich auf Seite 47 des Buches von Professor Eugen Varga findet. Der Satz hat mich sogar überrascht. Da schildert er, wie er seine Betriebsräte bildete, wie oben der Produktionskommissar ist und wie die einzelnen Kommissare so sind, wie der echte Marxist sich das vorstellt. Diese Produktionskommissare bilden die Vermittlung zwischen den Betriebsräten und dem obersten Wirtschaftsamt. Nun findet sich über diese Kommissare auf Seite 47 seines Buches ein merkwürdiges Geständnis. Sehen Sie, da sagt er: Dieses System — er meint sein Rätesystem — entspricht allen vier oben genannten Forderungen, wenn die Person des Produktionskommissars eine entsprechende ist. - Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man an alle Stellen die entsprechenden Persönlichkeiten bringt, dann braucht man auch keine sozialistischen Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen, denn dann werden alle Forderungen durch diese Persönlichkeiten erfüllt. So springt aus einer Ecke der Betrachtungen dieses Praktiker sein wollenden abstrakten Theoretikers dasjenige heraus, was er bewußt ganz gewiß nicht hat gestehen wollen. Seine vier Forderungen sind: 1. aus der Arbeiterschaft heraus müssen die Räte gewählt werden, 2. die Einrichtung von Wirtschaftskommissariaten, 3. daß das Ganze nicht bürokratisch sei und 4. daß alle einzelnen Menschen einschließlich der Lehrer politisch zuverlässig sein müssen. Diese Forderungen werden erfüllt - wann? Wenn die Person des Kommissars eine entsprechende ist. - Das Wirtschaftssystem des Professors Eugen Varga wird selbstverständlich nur den Kommissar zuverlässig finden, der geradeso Marxist und Leninist ist wie Varga selbst. Da sieht man, wie diese Leute mit der Wirklichkeit rechnen. Sie schildern nicht bloß - so wie die Historiker die alten Helden, einen Alexander, einen Perikles schildern - nach den politischen Begriffen, die ihre Morgenzeitung enthält - nein, sie möchten die Menschen so formen nach dem, was ihre Morgenzeitung enthält. Da haben wir das, was Oswald Spengler als die Hauptursache des Niedergangs findet, in die unmittelbarste Praxis übertragen, und das Allerwichtigste der Praxis wird einfach nicht gesehen. Das, meine sehr verehrten Anwesenden, ist dasjenige, was zu einer Beantwortung der Frage führt: Wer darf gegen den Untergang des Abendlandes reden?
[ 20 ] But what exactly is so interesting about it? I have to say: As interesting as the book is—what actually interests me the most is just a single sentence found on page 47 of Professor Eugen Varga’s book. That sentence actually surprised me. In it, he describes how he formed his works councils, how the production commissar is at the top, and how the individual commissars are exactly as a true Marxist has formed his mental image of them to be. These production commissars serve as intermediaries between the works councils and the Supreme Economic Office. Now, on page 47 of his book, there is a curious confession regarding these commissars. You see, there he says: This system—he means his council system—meets all four of the above-mentioned requirements, provided that the person serving as production commissioner is the right one. - Well, ladies and gentlemen, if one places the right people in all positions, then there is no need to put socialist ideas into practice, because all the requirements will be met by those very people. Thus, from a corner of the reflections of this abstract theorist who wishes to be a practitioner, what he certainly did not want to admit deliberately leaps out. His four demands are: 1. the councils must be elected from among the working class; 2. the establishment of economic commissariats; 3. that the whole system not be bureaucratic; and 4. that all individuals, including teachers, must be politically reliable. These demands will be met—when? When the person serving as commissar is the right one. - Professor Eugen Varga’s economic system will, of course, only consider a commissar reliable if he is just as much a Marxist and Leninist as Varga himself. There you can see how these people reckon with reality. They do not merely portray people—as historians portray the heroes of old, such as Alexander or Pericles—according to the political concepts found in their morning newspaper; no, they wish to shape people according to what their morning newspaper contains. Here we have what Oswald Spengler identifies as the main cause of decline, transposed into the most immediate practice—and the very essence of that practice is simply overlooked. That, ladies and gentlemen, is what leads to an answer to the question: Who is qualified to speak out against the Decline of the West?
[ 21 ] Wir leben in einer Zeit, in der nur derjenige gegen den Untergang des Abendlandes sprechen darf, der fühlt in seiner Seele, daß es eine geistig orientierte Wissenschaft gibt, welche den Willen anfachen kann, so daß Kräfte entstehen, die vorher nicht da waren. Diejenigen, die nur die vorher daseienden Kräfte betrachten wie Oswald Spengler oder die draußen wirken wie der Professor Eugen Varga, können entweder nur den Niedergang sehen oder müssen ihn selbst bewirken. Wer darf gegen den Untergang des Abendlandes sprechen? Derjenige darf gegen den Untergang des Abendlandes sprechen, der die menschliche Tat fordert, die aus dem neugeborenen Geistesleben stammt. — So muß heute die Frage klipp und klar beantwortet werden, und so versucht es seit Jahren die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft.
[ 21 ] We live in a time when only those who feel in their souls that there is a spiritually oriented science capable of kindling the will—thereby giving rise to forces that did not exist before—are permitted to speak out against the decline of the West. Those who consider only the forces that existed previously—such as Oswald Spengler—or those who act from the outside—such as Professor Eugen Varga—can either see only the decline or must bring it about themselves. Who is permitted to speak out against the decline of the West? The one who is permitted to speak out against the decline of the West is the one who calls for human action that springs from a newly born spiritual life. — This is how the question must be answered clearly and unequivocally today, and this is what the anthroposophically oriented Spiritual Science has been attempting to do for years.
[ 22 ] Als ich nahe am Schlusse des Schuljahres der Freien Waldorfschule in den einzelnen Klassen die Ergebnisse des Unterrichtes an den Schülern beobachtete, da konnte ich sehen - ich habe ja schon einiges erwähnt davon -, wie zum Beispiel Dr. Stein an die 7. und 8. Klasse in der Geschichte herangebracht hat aus der Betrachtung des aufgehenden Geisteslebens heraus ein Wollen, das gegenübergestellt wird den versiegenden Kräften. Ich habe anderes erwähnt, was als gute Früchte unserer Geisteswissenschaft in die Waldorfschule hineinleuchtet. Ich möchte heute nur anführen, daß ja die Leute draußen spotten, besonders dann, wenn gesprochen wird — wie aus der Geisteswissenschaft heraus gesprochen werden muß — über Seele und Geist des Menschen neben dem Leibe. Aber man soll nur einmal gesehen haben, wie zum Beispiel in der 5. Klasse unter der Leitung von Fräulein von Heydebrand an die Kinder herangebracht wird - allerdings in der den Kindern entsprechenden Form - dasjenige, was Anthroposophie aus Anthropologie macht, was in den Kindern erweckt eine Idee von der wirklichen konkreten Gestalt der Seele und des Geistes des Menschen. Da pulsiert in die Menschen hinein Leben, da ist nichts von der Langeweile der heutigen anthropologischen Begriffe, die sonst an die Kinder herangebracht werden; da wird, weil die Erkenntnisse aus dem wahren Leben geschöpft sind, auch wahres Leben in der Jugend angeregt. Es handelt sich nur darum, daß der Lehrer imstande ist, gerade für das entsprechende Lebensalter umzuwandeln dasjenige, was aus der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft hervorkommt.
[ 22 ] As I observed the results of the instruction in the individual classes toward the end of the school year at the Free Waldorf School, I could see—as I have already mentioned to some extent—how, for example, Dr. Stein introduced history to the 7th and 8th grades by drawing on the observation of the emerging spiritual life to foster a will that stands in contrast to the waning forces. I have mentioned other examples of how the good fruits of our Spiritual Science shine into the Waldorf School. I would just like to point out today that people on the outside scoff, especially when we speak—as we must from the perspective of Spiritual Science—about the human soul and spirit alongside the body. But one need only see, for example, how in the 5th grade under the guidance of Miss von Heydebrand, the children are introduced—albeit in a form appropriate for children—to what anthroposophy derives from anthropology, which awakens in the children an idea of the real, concrete form of the human soul and spirit. There, life pulses into the children; there is none of the tedium found in today’s anthropological concepts that are otherwise presented to children; and because the insights are drawn from true life, true life is also stirred within the young. The only requirement is that the teacher be able to adapt what emerges from anthroposophically oriented Spiritual Science to the specific age group.
[ 23 ] Und so darf auch gesagt werden: Man hat das Mysterium von Golgatha in der Zeit, als es einschlug in die Erdenentwicklung, man hat es verstanden mit den Resten der alten instinktiven Geisteswissenschaft - ich habe das öfter dargestellt in meinen Vorträgen -; man muß es heute verstehen mit der aufgehenden, neuen Geisteswissenschaft. Dann wird das Christentum selber eine Neugeburt erleben, dann wird das Christentum erst wiederum verstanden werden, denn unter der Hand der Theologen ist das Christentum in den Materialismus entartet. Statt aber sich ernsthaft damit zu befassen, wie aus einem erneuerten Geistesleben heraus das Christentum selber neu gefunden werden muß, treten heute Theologen auf - verzeihen Sie, daß ich auch das noch vorbringe - Theologen, die [sich gegen die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft wenden]. Wenn man heute die ganze Literatur gegen die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft lesen wollte, würde man zu nichts anderem kommen, aber interessant ist es manchmal schon, auf die Titel der Schriften, die da erscheinen, ein Auge zu werfen. So gibt es zum Beispiel - ich weiß nicht, ob einer unter Ihnen das schöne Blatt kennt — «Die neue Kirche», herausgegeben im Auftrage der Hamburgischen Volkskirchenvertretung von Pastor Franz Tügel und Dr. Peter Petersen. Da drinnen gibt es einen Artikel, in Nr. 15 des Jahres 1920: «Theologische Richtung, Dr. Steiner und der Teufel». Und auf Seite 232 finden wir folgenden Satz: «Allenfalls läßt es sich noch denken, daß ein Katholik Schüler Steiners wird ...» — so etwas wird aus der heutigen Kultur heraus geboren; die Leute sollten nur einmal ins Auge fassen, was von der katholischen Klerisei gegen anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft geschleudert wird, aber hier spricht ein Protestant, und so meint der Verfasser, daß diese Geisteswissenschaft, nun ja, für den Katholizismus noch gehen könnte - «... da sind Beziehungen, die man verstehen kann; aber wie ein Protestant sich ihm anschließen kann, wenigstens ein bewußter, vom Geist der Reformation erfaßster, ist vollständig unerfindlich. In der Schule Steiners ist alles Glauben Fürwahrhalten! Und Schaeder macht mit Recht darauf aufmerksam, daß alle von Steiner empfohlenen Übungen auf Gesetzlichkeit und Moralismus hinauslaufen. Für mich ist kein Zweifel: Luther würde die Steiner-Lehre in seiner Sprache dem Teufel übergeben haben, er würde auch das durch und durch Undeutsche an ihr stark betont haben. Er würde seine evangelische Kirche vor dem falschen Propheten gewarnt haben.» Nun möchte ich fragen: Sollen die von mir empfohlenen Übungen auf Gesetzlosigkeit und Unmoralität hinauslaufen? Denn das wird ja hier als etwas ganz besonders Schlimmes hervorgehoben, daß die von mir empfohlenen Übungen auf Gesetzlichkeit und Moralismus hinauslaufen. Nun, in solchem Ton ist heute vieles geschrieben.
[ 23 ] And so it may also be said: At the time when the Mystery of Golgotha made its impact on the development of the Earth, it was understood using the remnants of the old, instinctive Spiritual Science—as I have often explained in my lectures—; today, it must be understood through the emerging, new Spiritual Science. Then Christianity itself will experience a rebirth; only then will Christianity be understood once more, for under the influence of theologians, Christianity has degenerated into materialism. But instead of seriously addressing how Christianity itself must be rediscovered out of a renewed spiritual life, theologians are appearing today—forgive me for bringing this up as well—theologians who [oppose anthroposophically oriented Spiritual Science]. If one were to read all the literature against anthroposophically oriented Spiritual Science today, one would come to no other conclusion, but it is sometimes interesting to take a look at the titles of the writings that appear there. For example—I don’t know if any of you are familiar with this fine publication—there is *Die neue Kirche* (*The New Church*), published on behalf of the Hamburg People’s Church Representation by Pastor Franz Tügel and Dr. Peter Petersen. Inside, in Issue No. 15 from 1920, there is an article titled “Theological Direction, Dr. Steiner, and the Devil.” And on page 232 we find the following sentence: “At most, one might still imagine that a Catholic might become a student of Steiner...” —such things spring from today’s culture; people should just take a moment to consider what the Catholic clergy hurls at anthroposophically oriented Spiritual Science, but here a Protestant is speaking, and so the author believes that this Spiritual Science, well, might still be acceptable to Catholicism—“... there are connections that one can understand; but how a Protestant—at least a conscious one, imbued with the spirit of the Reformation—could join him is completely incomprehensible. In Steiner’s school, everything is a matter of faith—of holding something to be true! And Schaeder rightly points out that all the exercises recommended by Steiner boil down to legalism and moralism. For me, there is no doubt: Luther would have condemned Steiner’s teachings to the devil in his own words; he would also have strongly emphasized how thoroughly un-German they are. He would have warned his Protestant church against this false prophet.” Now I would like to ask: Are the exercises I recommend supposed to amount to lawlessness and immorality? For that is precisely what is emphasized here as something particularly terrible—that the exercises I recommend amount to legalism and moralism. Well, much is written in such a tone today.
[ 24 ] Allerdings, es gibt auch noch einen anderen Ton, in dem, man kann nicht gerade sagen geschrieben wird. So hat der hier ja schon erwähnte Anatomieprofessor Fuchs in Göttingen es fertiggebracht, mit einer raffinierten Entstellung in Zeitungsartikeln davon zu sprechen, daß Anthroposophie nicht wissenschaftlich sein solle. Er hat nichts anderes damit bewiesen, als daß er als Wissenschafter der heutigen Zeit lediglich das ansehen kann, was gerade just in seinen Kopf als Wissenschaft hineingeht, und das, was nicht so ist, das sieht er nicht als Wissenschaft an. Das heißt, er macht es so, wie es diejenigen gemacht haben, die, als Kopernikus aufgetreten ist, Kopernikus für unwissenschaftlich angesehen haben, weil er nicht dasjenige gelehrt hat, was sie den Gläubigen in der Kirche gelehrt haben. In der mittelalterlichen Zeit waren die Großinquisitoren aus den Reihen der Kirche gekommen, heute können sie aus den Reihen der Universitätsprofessoren stammen und Fuchs heißen; und ihre Gefolgschaft wird so vorbereitet, daß sie aus ihren Taschen alle möglichen Kampfmittel herauszieht wie Kindertrompeten und Ratschen, Hausschlüssel, mit denen gepfiffen wird, wenn ein Dr. Stein und ein Dr. Kolisko über anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft sprechen. Man kann nicht sagen, daß diese Leute die Reden erst angehört haben, die da gehalten worden sind; denn sonst hätten sie ja die Kindertrompeten und Ratschen und was sie sonst noch gehabt haben, herzaubern müssen, nachdem sie die «schlechten» Gründe des Dr. Kolisko und des Dr. Stein gehört haben. Die Gründe des Dr. Stein und des Dr. Kolisko zu hören, war aber nicht in ihrem Willen gelegen; in ihrem Willen war gelegen, etwas so niederzuschreien, wie man in mittelalterlichen Zeiten mit anderen Mitteln das niedergemacht hat, was diese Leute als Fortschritte heute verehren. Man muß den Mut haben, auf solche Gesinnung rückhaltlos hinzuschauen. Und man braucht doch nichts anderes als hinzuschauen auf die zahlreichen schlafenden Seelen der Menschen, die nicht hinschauen wollen auf die Erscheinungen des Geisteslebens, die schlafen möchten gegenüber diesen Erscheinungen. Dann muß man - auch von dem Übersinnlichen — das sagen, was da ein Wiener von seinem Wien schreibt, was er schreibt über das, was er da liebt - wenn es auch nicht besonders gut geschrieben ist, es ist doch etwas wie Selbsterkenntnis. Nachdem dieser junge Wiener aufmerksam macht auf seine eigene Jugend und diese zusammenbringt mit dem, was sich als eine gesündere Geistigkeit — so sagt er - entwickelt, dann schreibt er in der Wiener Sonn- und Montagszeitung Nr. 29 vom 19. Juli 1920:
[ 24 ] However, there is also another tone in which—one cannot exactly say—it is written. For example, Professor Fuchs of anatomy in Göttingen—whom I have already mentioned here—managed, through a clever distortion in newspaper articles, to claim that anthroposophy is not scientific. He proved nothing more than that, as a scientist of our time, he can regard as science only what happens to fit into his own conception of science, and he does not regard as science anything that does not fit that conception. In other words, he acts just as those did who, when Copernicus appeared on the scene, regarded him as unscientific because he did not teach what they taught the faithful in the church. In medieval times, the Grand Inquisitors came from the ranks of the church; today they may come from the ranks of university professors and be named Fuchs; and his followers are prepared in such a way that they pull all sorts of weapons out of their pockets—such as children’s trumpets and rattles, and house keys used to whistle—whenever a Dr. Stein and a Dr. Kolisko speak about anthroposophically oriented Spiritual Science. One cannot say that these people actually listened to the speeches that were given there; for otherwise they would have had to conjure up the children’s trumpets and rattles—and whatever else they had—only after hearing the “bad” arguments of Dr. Kolisko and Dr. Stein. But it was not their intention to listen to the arguments of Dr. Stein and Dr. Kolisko; their intention was to shout down something in the same way that, in medieval times, other means were used to denigrate what these people today venerate as progress. One must have the courage to look unreservedly at such a mindset. And one needs nothing more than to look at the numerous sleeping souls of people who do not want to look at the manifestations of spiritual life, who wish to remain asleep in the face of these manifestations. Then one must—even regarding the supersensible—say what a Viennese man writes about his Vienna, what he writes about what he loves there—even if it is not particularly well written, it is still something like self-knowledge. After this young Viennese man draws attention to his own youth and brings it into connection with what is developing—as he puts it—into a healthier spirituality, he writes in the *Wiener Sonn- und Montagszeitung*, No. 29, dated July 19, 1920:
[ 25 ] Die geistige Situation der deutschen Donauländer scheint mir noch weniger erfreulich zu sein denn die wirtschaftliche und politische. Wir besitzen so ziemlich die billigste und flachste Sorte des Sozialismus, die älteste und längst überwundene Spielart Philosophie in freigeistiger Ausschweiferei und banale historische Begriffe; daneben die unerquicklichste Methode, Wissen und Glauben gegeneinander auszuspielen; daneben religiös aufgeputzte Pauschal-Unduldsamkeit; daneben die unkritischste Lust, auf allen lärmend aufgeputzten Kunsttand hineinzufallen, eine bewunderungswürdige Geschwätzigkeit und sentimentale Vorliebe für das Selbstverständliche; daneben geniale Züge, herabgedämpft durch stillschweigend unter den Intellektuellen vereinbarte, warmherzige Talentlosigkeit, die das Halbe für ganz und das Ganze für halb ansieht, und darüber endlich eine ansehnliche Sorte von Eitelkeit, die zum anderen, von sich blasend, spricht: «Mir erzählen Sie nichts! Mies und gebildet bin ich selber!» Daß, in solcher Art von Geistigkeit gebettet, auch die weichste und unprofilierteste Marke Okkultismus hier just die populärste ist, erscheint kaum als verwunderlich. Ein breiter, trüber Schmus-Strom fließt durch diese Stadt und an seinen Ufern gedeihen üppig alle Sorten von Binsenwahrheit.
[ 25 ] The intellectual situation in the German Danube regions seems to me to be even less encouraging than the economic and political one. We have pretty much the cheapest and most shallow variety of socialism, the oldest and long-surpassed form of philosophy—characterized by free-thinking debauchery and banal historical concepts; alongside the most uninspiring method of pitting knowledge against belief; alongside religiously dressed-up blanket intolerance; alongside the most uncritical eagerness to fall for all manner of noisily embellished artistic trinkets, an admirable loquacity, and a sentimental preference for the self-evident; alongside brilliant traits, dampened by a warm-hearted lack of talent tacitly agreed upon among intellectuals, who regard the half as the whole and the whole as the half, and above all, a considerable sort of vanity that, puffing itself up, says to others: “You’re not telling me anything! I myself am both mediocre and educated!” It is hardly surprising that, embedded in this kind of intellectual climate, even the mildest and most indistinct form of occultism is precisely the most popular here. A broad, murky stream of sentimentality flows through this city, and on its banks all manner of truisms flourish abundantly.
[ 26 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, da darf man schon sagen, daß da eine Art von Geistigkeit herrscht, die die allerdümmste Marke des Okkultismus, den dümmsten spiritualistischen SchmusStrom, nur so herumfließen läßt — das, meine sehr verehrten Anwesenden, ist einmal selbstverständlich! Ich will jetzt nicht — weil es ja schon zu spät ist - darauf hinweisen, daß es vielleicht auch noch andere Örtlichkeiten geben könnte als Wien, wo dieser SchmusStrom der frivolen Seichtigkeit sein Publikum hat und wo man schläft gegenüber demjenigen, was das Allernotwendigste ist: das Wiederaufwachen derjenigen Kräfte, die in der Menschenbrust aufwachen müssen, wenn wir wollen, daß an die Stätte des Niedergangs der Aufgang tritt. Wenn wir aber das Irrtümliche einsehen können, wie auf der einen Seite genialische Menschen wie Oswald Spengler den Untergang dessen, was da ist, beweisen können, wie auf der anderen Seite Leute wie Professor Eugen Varga durch ihre Taten Untergangsströmungen zeigen, dann werden wir - wenn wir die Fähigkeit haben, in der Seele aufzuwachen -, dann werden wir doch hinzuschauen vermögen auf die geistige Strömung, die als anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft in den Willen der Menschen hinein legen will dasjenige, was aus dem Lichte einer übersinnlichen Erkenntnis geboren werden kann. Und dann, dann werden wir eine neue Version des Christus-Wortes gewinnen: Himmel und Erde mögen untergehen, aber meine Worte werden nicht untergehen. - Wir werden dann sagen: Ja, alles dasjenige, was den Augen von Oswald Spengler zugänglich ist und alles dasjenige, worinnen solche soziale Reformen wie die des Professors Eugen Varga sich bewegen möchten, das wird untergehen. Aber dasjenige, was aus einem wahrhaftig neuen Geist geboren wird, das wird die Zukunft beherrschen, denn das glaubt nicht nur an irgendwelche irgendwo unbestimmt liegenden Kräfte, die schon helfen werden, eine neue Kultur heraufzuführen, wie früher geholfen worden ist, sondern das will den eigenen Willen, das tiefste innere Wollen des Menschen selbst, das man in Freiheit in der Hand hat, zu neuen Kräften anfachen. Dann sprechen wir gegen den Untergang des Abendlandes, weil wir nicht nur vertrauen auf die Zukunft, sondern weil wir eine Zukunft herbeiführen wollen, die wir jetzt schon schauen. So wie man die zukünftige Pflanze in dem Keim der alten schaut, so wollen wir eine Zukunft, die wir als Keim schon in uns erschauen. Die Zukunft wird sein, wenn wir sie nur wollen, gegen alle Untergangskräfte. An den Willen, nicht an die untätige Betrachtungsweise richtet sich die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, und von daher will sie die Berechtigung nehmen, gegen den Untergang des Abendlandes zu sprechen.
[ 26 ] Well, my esteemed audience, one can certainly say that a certain kind of spiritualism prevails here, one that allows the most idiotic form of occultism, the silliest spiritualist drivel, to flow freely—that, my esteemed audience, goes without saying! I don’t want to—since it’s already too late— —point out that there might also be other places besides Vienna where this frivolous, shallow current finds its audience and where people remain oblivious to what is absolutely essential: the reawakening of those forces that must stir within the human heart if we want the dawn to replace the twilight. But if we can recognize the error—just as, on the one hand, brilliant minds like Oswald Spengler can demonstrate the decline of what currently exists, and, on the other hand, people like Professor Eugen Varga reveal currents of decline through their actions—then we—if we have the capacity to awaken in our souls— then we will indeed be able to look upon the spiritual current that, as an anthroposophically oriented Spiritual Science, seeks to instill in the will of human beings that which can be born from the light of supersensible knowledge. And then, then we will gain a new understanding of the words of Christ: Heaven and earth may pass away, but my words will not pass away. - We will then say: Yes, everything that is accessible to Oswald Spengler’s eyes, and everything toward which social reforms such as those of Professor Eugen Varga seek to move—all that will pass away. But that which is born of a truly new spirit will dominate the future, for it does not merely believe in some indeterminate forces lying somewhere out there that will help bring about a new culture—as they have helped in the past—but it seeks to kindle new forces through one’s own will, the deepest inner will of the human being itself, which one holds in one’s own hands in freedom. Thus we speak out against the decline of the West, not merely because we trust in the future, but because we want to bring about a future that we can already glimpse. Just as one sees the future plant in the seed of the old, so we want a future that we already perceive as a seed within ourselves. The future will come to pass, if only we will it, against all forces of decline. Anthroposophically oriented Spiritual Science is directed toward the will, not toward idle contemplation, and from this standpoint it seeks to justify speaking out against the decline of the West.
